[2er RPG] The Lesser Evil [Winterhauch & NicolasDarkwood]

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    • Für einen Moment wirkte das alles recht unwirklich, wenn er ehrlich war. Andvari blickte den Prinzen an und lehnte sich in dem Stuhl, der unter ihm beinahe verloren wirkte, zurück, um ihn anzusehen. Der Blick der Bernsteinaugen fixierte den Mann, den man einst Falkner kannte und der sich jetzt als der Sohn des Feindes entpuppte. Wobei...Waren sie eigentlich Feinde?
      Sylvar indes schüttelte sein Haar aus und wirkte mit einem Mal auch nicht mehr so gebrechlich wie simuliert, während er lächelnd in die Runde blickte.
      "Ich denke, Stehlen lässt sich auf ein Motiv zurückführen, nicht auf einen Zustand", sagte Andvari. "Diebstahl ist Diebstahl, auch wenn man Diebe bestiehlt. Davon abgesehen sehe ich die Notwendigkeit Eures Handelns ein. Diese Stadt ist eine Bastion wenn man es recht anstellt und es kann nicht angehen, dass es Menschen gibt, die gar nichts haben, während die Armee im Luxus speist.
      Andvari nahm von dem Tee und setzte ihn an die Lippen. Es war anders als der jenige, den er Tirion trank, aber nicht unschmackhaft. Sylvar indes begann die Suppe zu löffeln, die vor ihnen stand und genoß diese augenscheinlich, wenn man dem anerkennenden Seufzen Glauben schenkte.
      Bei seiner Ansprache, blickte er erstaunt von einem Löffel auf und begann zu grinsen.
      "Sylvar", sagte er. "Sylvar Valverden."
      Normalerweise waren beide BRüder gewohnt, dass ihr Name einen Sturm der Entrüstung oder Angst auslöste. Doch irgendwas schien sich geändert zu haben, zumindest wenn man die Stimmung lesen konnte.
      Andvari indes schüttelte den Kopf und blickte Lucien an.
      "Die Flucht bringt uns zurück", berichtete er. "Ich floh aus Milan, um den Menschen zu entkommen und wurde gezwungen, vor Meinesgleichen zu fliehen, als ich meinen Vater stürzen wollte. UNd nun suche ich Zuflucht, bis ich mir zu helfen weiß..."

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    • Die Heilerin beobachtete den Gespräch überwiegend schweigen über den Rand ihres Tees hinweg.
      Zwischen den Männern am Tisch kam sie sich binnen weniger Sekunden lächerlich unbedeutend vor, auch wenn dazu kein Anlass bestand. Zum allerersten Mal seit Beginn des grausamen Krieges saßen sich Abkömmlinge beider Herrscherfamilien an einem Tisch gegenüber und das auch noch in einer gemütlichen, aber schlichten Schenke. Kein Prunk, kein Aufsehen sondern ein in Heimlichkeit geführtes Treffen, das am Hofe sicherlich einen ungeheuren Skandal auslösen würde. Der Kronprinz konspirierte mit dem Feind.
      Lucien, der sich zwischenzeitlich ein Stück frisches Brot in den Mund geschoben hatte, kaute bedächtig. Der Name des Magiers warf die Zahnräder in seinem Kopf erneut in Bewegung.
      "Sylvar Valverden...", wiederholte er den Namen. "Für meinen Geschmack halten sich auffällig viele Sprösslinge der elfischen Königsfamilie im Grenzland auf. Ein Zufall scheint mir sehr unwahrscheinlich. Sofern die Garde nicht einer Täuschung erliegt, was Euren Bruder betrifft."
      Viola blickte auf, als Andvari erneut das Wort erhob und warf einen vorsichtigen Blick in Richtung des Kronprinzen.
      Die Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit des Mannes, der einst das Erbe des Kaisers antreten sollte, war ihr ein Rätsel.
      "Wir hatten gehofft in Beleriand für eine Weile diese Zuflucht zu finden...", erhob sie mit einem Zögern sanft die Stimme und war sich mindestens zwei Augenpaaren bewusst, die sofort auf ihr Lagen.
      Sowohl Lucien als auch die Wirtin Tilda blickten in die Runde. Mit einem tiefen Seufzen stemmte die resolute Frau die Hände in die Hüften. Der Prinz selbst blickte Andvari mit ernster Miene an. Die Antwort, die er als nächstes erhalten würde, war entscheidend.
      "Und warum solltest Ihr ein solches Vorhaben anstreben?", fragte er und lehnte sich auf den Ellbogen am Tisch vor. "Euren Vater zu stürzen und damit den Zorn Eures eigenen Volkes auf Euch zu ziehen, ist keine leichtfertige Entscheidung. Ich entnehme Euren Worten, dass man Euch verfolgt. Dringt das Wissen an falsche Ohren, wird Beleriand zur Zielscheibe und wie Ihr seht, ist die Stadt nicht fähig eine heranrückende Armee aufzuhalten."
      "Prinz Lucien...", schritt Tilda ein und wurde doch von einer erhobenen Hand zu schweigen gebracht. Die aufrechte Haltung des Kronprinzen und sein Gebaren spiegelten das erste Mal eine gewisse Autorität und Erhabenheit wieder. Der Schalk aus seinem Blick war verschwunden. Viola hatte zwischenzeitlich ihren Tee abgestellt eine Hand auf Andvaris Knie gelegt.
      "Was versprecht ihr Euch davon, Euren Vater von seinem Thron zu stoßen?"
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Auf das thronvolle Gehabe des Prinzen gab Andvari nicht viel.
      Wenn er ehrlich war, hatte er bereits einfachere Gesprächspartner gehabt, aber dieser hier wollte nur die Menschen dieses Ortes schützen. Konnte man es ihm also verdenken, dass ein wenig ernstere Töne angeschlagen wurden. Noch ehe er Luft holen konnte, um weitere Erwiderungen zu tätigen, legte sich eine federleichte Hand auf sein Knie und Sylvars schlürfen unterbrach sich geräuschvoll, als dieser den Kopf hob.
      "Ist nicht immer ein Mitglied einer königlichen Familie eines zuviel?", fragte er grinsend und wischte sich Reste der Suppe vom Kinn, das ebenfalls leichte Stoppeln entwickelte. "Davon abgesehen ist es mitnichten ein Zufall, da stimme ich Euch zu. Fakt ist, dass meine Brüder unsereins jagen. Fakt ist aber auch, dass Andvari und ich die Anzeichen der Jagd erkennen und durchaus in der Lage sind, diese Schatz zumindest ansatzweise zu schützen, wenn es hart auf hart käme. Un das Dritte wäre..."
      "Das, was Viola sagt", donnerte Andvari und sah Sylvar an. Er redete zuviel. Schon immer. "Wir wollten eine Zuflucht für eine kurze Rast, um unsere Kräfte zu erholen. Alsdann werden wir die Stadt, die Euch so am herzen liegt und für die Ihr Euren Vater bestiehlt, verlassen. Wir wollen weder Krieg noch Gefährdung und daher ist es nicht immer ratsam die Motive eines Handelns jedwedem Ohr anzuvertrauen, nicht wahr? Wie Ihr sagtet, Prinz Lucien: Gerät es an die falschen Ohren, bricht Krieg in dieser Stadt aus. Aber wer sagt mir, dass Eure Ohren die rechten sind?"

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    • Mit einem kaum merklichen Zucken um die Mundwinkel verschränkte Lucien die Arme vor der Brust, als Andvari seinem Bruder in Wort fiel und somit keine weiteren wertvollen Informationen leichtfertig preisgab. Interessant.
      Der Kronprinz ließ sich durch den donnernden Tonfall werder erschrecken und noch einschüchtern. Zumindest bekam er eine ehrliche, wenn auch ungestüme Antwort. Ein gesundes Misstrauen hatte noch nie jemandem geschadet. Ein Rat den er sich selbst öfters zu Herzen nehmen sollte. Desweiteren glaubte er dem weißhaarigen Elf, wen dieser behauptete, Unschuldige nicht gefährden zu wollen. Ein Elf, der um das Wohl der Menschen bemüht war, war eine Seltenheit aber nicht unmöglich in den Grenzlanden, wie Beleriand wunderbar unter Beweis stellte. Sie waren alle kriegsmüde in dieser Stadt.
      "Mein Wort darauf wird Euch leider als Versicherung reichen müssen.", sprach er nun ruhiger und ein Lächeln trat auf seine Lippen. DEr Prinz wechselte die Stimmung so schnell, das einem schwindelig davon wurde. Aber sein Gehabe zuvor schien lediglich eine gespielte Provokation gewesen zu sein. Ein Funken Wut hatte noch die Ehrlichkeit aus jedem heraus gekitzelt.
      "Es bleibt dabei. Ich habe nicht vor Euch an die Garde auszuliefern. Ich weiß wer ihr seid, Andvari. An Euren Händen klebt Blut meines Volkes, aber auch ich bin kein Heiliger. Aber ich glaube, dass es zwischen uns mehr Gemeinsamkeiten gibt, als das. Was Eure Motive auch sind, ihr werdetet Verbündete brauchen. Früher oder später. Was Eure Bitte um Zuflucht angeht, hat unsere reizende Tilda das letzte Wort. Sie trägt die Verantwortung hier und kümmerte sich um die Leute."
      Viola blickte bei diesen Worten auf und sah zu der Wirtin, die mit einem nachdenklichen Blick in die Runde. SIe hatte das Gespräch mit gespitzten Ohren verfolgt. Mit den Fingerspitzen trommerlte sie auf ihren Oberarmen und stieß schließlich ein schweres Seufzen aus.
      "Beleriand ist seit langer Zeit ein Zuflucht für Verlorene. Für alle, die keinen Ort haben, an den sie gehen können. Wir haben hart dafür gearbeitet uns dieses Zuhause zu bewahren. Jeder trägt seinen Teil dazu bei. Es gibt genug zu tun, glaubt mir. Und ich habe noch nie eine Seele abgewiesen. Damit werde ich heute nicht anfangen."
      Auch die schroffe Frau wirkte nun ein wenig sanfter um die Gesichtszüge. Viola atmete erleichtert auf, als Tilda endlich die erhofften Worte sprach.
      "Seid mir willkommen in unserer bescheidenen Stadt."
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    • Andvari fixierte den Prinzen noch eine ganze Weile, ehe er sich wieder seinem Tee zuwandte und überlegte, wie er aus der Situation herauskam. Es gab Dinge, die man besser nicht an zu viele Ohren preisgab. Und es musste auch nicht jeder wissen, aus welchen Gründen er gegen seinen Vater rebellierte. Zumal diese höchst privat waren.
      "Dann wird Euch mein Wort genügen müssen, dass ich diesen Menschen hier in Beleriand nicht schaden und keinen Krieg gegen die Menschen im Sinn habe", murmelte er versöhnlicher, auch wenn die Stimmungswechsel des Prinzen ihm doch zu denken gaben.
      Sein Bruder Faolan war ähnlich wankelmütig und das war mitnichten angenehm anzusehen. Dieser hier war jedoch anders.
      Der Elfenprinz nickte und trank einen Schluck seines Tees. Hinsichtlich der Gemeinsamkeiten mochte er nicht unrecht haben, so viel stand fest. Doch gab es bisher erst wenig, dass wir wirklich verband.
      Anschließend sahen auch beide Elfen zu Tilda, die mit ihren Worten begann und sich den lächelnden Gesichtern der Elfen entgegen sah.
      "Habt Dank!", sagte Sylvar eifrig und nickte mit dem Kopf, dass seine Haare flogen. "Ich bin sicher, wir können uns gewinnbringend in Eurer Gemeinschaft einbringen. Viola hier ist eine fähige Heilerin, ich selbst bin nicht ganz untauglich im Reiche der Magie und dieser Andvari hier..."
      "Ist Zimmermann", mumelte dieser und versagte seinem BRuder jedwede weitere Information zu seinen Kräften oder Fähigkeiten. Irgendwann würde der Zeitpunkt kommen, da man sich vertraute, aber dieser war es nicht.
      "Sofern etwas mit Holz repariert werden muss, bin ich gerne behilflich."

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    • Zufrieden klatschte Tilda einmal in die Hände und lächelte strahlend in die Runde. Ein vergangener Schatten des jungen Mädchen, das sie einmal gewesen war, funkelte in ihren braunen Augen.
      "Da haben wir einen richtigen Glücksgriff gemacht.", lachte sie und blickte zuerst Viola an. "Eine Heilerin ist hier immer gerne gesehen. Wir haben diesen Winter mit einem furchtbaren Fieber zu kämpfen, dass gerade unsere Jüngsten sehr zu schaffen macht. Wenn es Euch recht ist, würde ich Euch morgen gerne herum führen."
      "Natürlich. Es freut mich, wenn ich helfen kann.", stimmte die Heilerin.
      "Und Ihr werdet Euch womöglich vor Arbeit nicht retten können, Herr Elf.", richtete die Wirtin das Wort an Andvari. "Wir haben mehr Löcher in den Dächern durch die schweren Schneefälle als Ratten in der Speisekammer. Und für Euch findet sich sicherlich ebenfalls eine geeignete Aufgabe, Zauberer. Aber die wichtigste Frage zuerst: Wohin mit Euch Dreien?"
      Lucien leerte den bereits lauwarmen Tee aus seinem Becher und strich sich das hellblonde Haar aus der Stirn. Die Zeit würde zeigen, ob es eine gute Idee gewesen war, einen flüchtigen Bastardprinzen samt seiner Verbündeten hier aufzunehmen. Einen König zu stürzen war kein leichtes Vergehen und doch wünschte er sich in diesem Augenblick, denselben Mut aufbringen zu können. Die alte Generation hatte ihre Chancen verspielt.
      "Wenn ich einen Vorschlag unterbreiten dürfte...", mischte sich Lucien wieder in das Gespräch ein. "Soweit ich weiß, werden die Zimmer über der Schenke schon einige Zeit lang nicht mehr bewohnt."
      "Etwas staubig vielleicht, aber man könnte etwas daraus machen.", grübelte Tilda. "Ich lebe ein Haus weiter mit meiner Schwester und ihren Kindern zusammen. Daher habe ich keine Verwendung für die Räumlichkeiten. Die Meisten, die vorhaben sich dauerhaft niederzulassen, suchen sich eines der leerstehenden Häuser aus. Wenn ihr möchtet, führe ich Euch herum. Ihr seht aus, als hättet ihr einen langen Tag in der Kälte hinter Euch."
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    • Für einen Moment erschien die Welt wieder seltsam fröhlich und bunt, wenn man es genau nahm.
      Der Schnee draußen schien langsamer zu fallen und die Welt wurde farbenfroher, wenn man hinsah. Für Sylvar zumindest schienen die grauen Tage der Ungewissheit ein Ende zu haben und er nickte eifrig, als er sich beianhe überstürzt erhob und Tilda ansah.
      "Es wäre mir eine Freude, Euch allen helfen zu dürfen", posaunte er und konnte nicht umhin, einen glühenden Blick in Richtung der Bardame zu werfen, ehe Andvari ihn sacht in die Seite knuffte.
      "Was denn?"
      "Ein bisschen weniger Feuer, du Schürzenjäger, sonst fackelt uns gleich das Gebälk."
      "Ach...Du resdest daher wie unser Vater!"
      "Mutter, du Affenjunge und jetzt komm, ehe deine Triebe dich zu Unaussprchlichem leiten"; zwischte er und packte seinen Bruder am Ohr, auf dass er sofort willig und keifend hinter ihm her ging. Auf Tildas Bemerkung hin nickte Andvari jedoch nur. "Habt Ihr gutes Werkzeug? Den Rest werde ich sicherlich beibringen können. Einen HAmmer und ein paar Nägel müssten für das meiste reichen, wenn ich mir die Bauten so ansehe."
      Er sah Sylvar und Viola an, ehe er sich lächelnd wieder umdrehte.
      "Es wäre sehr freundlich wenn ihr uns herumführen könntet. Ich denke, wir alle haben Schlaf bitter nötig..."

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    • Im Hintergrund erklang ein theatralisches und überspieltes Seufzen.
      Lucien blickte mit verschränkten Armen zwischen der Wirtin und dem Elfenmagier hin und her. Sein Mund hatte sich zu einem wahrhaftigen Schmollen verzogen, während Tilda über den Übermut des blonden Elfen leise lachte.
      "Sieht danach aus, als wäre Eure Charme an dieser Stelle verschwendete Liebensmüh", lachte sie immer noch, was Lucien wiederum ein enttäuschtes Schnauben entlockte.
      "Mein armes Herz...", seufzte er und erhob sich aus seinem Stuhl. Nebenbei griff er nach dem Tuch, das zuvor sein Gesicht bedeckt hatte und machte sich daran es wieder um seinen Hals zu wickeln. "Aber auch ich weiß, was eine hoffnungslose Schlacht ist."
      Ein Großteil des edlen Gesichts versteckte sich erneut hinter der recht simplen Verkleidung, was jedoch dem amüsierten Funkeln in seinen Augen keinen Abbruch tat.
      "Ich werde Euch jetzt unserer wunderbaren Tilda überlassen.", verkündete er und wandte sich dann an die besagte Schankdame. "Ihr wisst nicht zufällig vor Meliorn ist?"
      "Vorsicht, mein Prinz.", warnte sie und hob tadelnd einen Zeigefinger. "Er ist nicht besonders gut auf Euch zu sprechen, nach Eurem letzten Besuch. Offensichtlich war wenig davon angetan, dass ihr Euch klammheimlich in den frühen Morgenstunden davon gemacht habt. Meliorn ist bei den Ställen. Eine freundliche Warnung: Nehmt Euch vor der Mistgabel in Acht."
      Selbst unter den Tüchern war zu erkennen, wie der Kronprinz das Gesicht bei der Vorstellung schmerzhaft verzog.
      Mit einer leichten Verbeugung verabschiedete sich Lucien von den anderen und ließ sich schließlich von Tilda aus der Küche scheuchen, die daraufhin hörbar ausatmete.
      Sie blickte grinsend in Richtung der Elfen und Viola, ehe sie ihnen bedeutete ihnen durch die gefüllte Schenke zu folgen.
      "Es wird sich bestimmt passendes Werkzeug für Euch finden. Die Männer können Euch Morgen dabei behilflich sein. Wie gesagt, sie sind um jede helfende Hand dankbar."
      Tilda führte ihre Gäste eine Treppe im hinten Teil des Gastraumes hinauf und zog einen Schlüssel aus ihrer Schürze. Mit einem Klicken sprang das Schloss auf. Die Luft, die ihnen entgegen stieß war muffig und staubig. Ordentliches Lüften sollte den Umstand beheben.
      Sie betraten sofort einen kleinen aber gemütlichen Vorraum, der bis auf einen Ofen an der Wand rechts karg wirkte. Ein kleiner Tisch, mit eingestaubten Stühlen und einer Bank. Ein gemütlich wirkender Sessel war vor dem Ofen platziert, sogar ein paar alte Stapel Holz waren vorhanden.
      "Links von Euch findet ihr einen kleinen Waschraum samt Zuber. Das Wasser werdet ihr selbst mit Eimern heraufholen müssen. Holz zum Beheizen ist ebenfalls hinter der Schenke zu finden. Das bisschen hier oben sollte aber für eine Nacht reichen. Rechts den Gang herunter sind zwei Schlafzimmer." Ihr Blick glitt über die Drei und sie lächelte wissend. "Sollte ausreichend sein, nehme ich an. Es ist alles sauber, wenn auch etwas staubig." Wie aufs Stichwort nieste Tilda lautstark.
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    • Schweigsam betrachteten die Elfen den Austausch zwischen dem Prinzen und Tilda, während dieser wieder ankleidete. Es war unabdingbar, dass die beiden bereits seit geraumer Zeit gemeinsam agierten auch wenn Andvaris Blick leicht misstrauisch wurde, nachdem ein Mann namens Meliorn erwähnt wurde.
      Was mochte der Prinz wohl getan haben, dass dieser MAnn so spitzfindig schlecht auf ihn zu sprechen war.
      "Wunderbar ist sie wohl wahrlich...", murmelte Sylvar während er von einem schweren Ellenbogenstoß von Andvari erschüttert wurde.
      "Autsch, verdammte Ziegenscheiße!"
      Seufzend setzte sich der Weißhaarige in Bewegung und griff kurzerhand nach Violas Hand, ehe er kopfschüttelnd und zugegeben ein wenig lächelnd den Weg hinter Tilda fortsettzte, nachdem der Prinz sich verabschiedet hatte. Auch wenn er grundsätzlich freundlich zu sein schien, so war ihm doch leichter ums Herz, als der Prinz fort war. So konnten sich die Elfen zumindest frei und ohne Hemmung durch den Gastraum bewegen udn die Gäste in einem anderen Licht begutachten. Es entpsrh der Wahrheit, dass diese zumeist einfache Leute waren, die vermutlich nicht mehr Kampferfahrung als ein fünfjähriger Anfänger besaßen. Aber dennoch wirkten die meisten dreckigen gesichter freundlich und warm, während sie an ihnen vorbei schritten, um Tilda zu folgen. Als Tilda die Treppe hinauf stieg, wäre Sylvar vor Starren beinahe gegen die Treppe gelaufen, wenn Andvari ihn nicht nochmals geknufft hätte.
      "AuA!, rief dieser und rieb sich die Rippen. "Was ist bloß los mit dir?"
      "Was ist los mit dir?", zischte Andvari und warf ihm einen ärgerlichen Blick zu, ehe sie die Räumlichkeiten betraten, die TIlda ihnen zu zeigen gedachte.
      Es war wirklich schön und geräumig. Sicherlich bedurfte es hier und da noch einiger Anpassung, aber aushalten ließ es sich hier schon. Sylvar indes betrachtete den Raum nur kurz, ehe er sich zu Tilda umdrehte.
      "Habt vielen Dank. UM das Wasser machen wir uns keine Sorgen", grinste er wissend und sah sie noch eine Weile an, ehe Andvari ihn wieder am Ohr packte.
      "Komm, du Liebesjäger. Da vorne waren ein paar knarrende Betten auf uns!", murmelte er beiläufig und nickte Tilda zu.
      "GEsundheit, meine Liebe!"; rief Sylvar noch während er auf einem Bein hüpfend hinter Andvari her torkelte.

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    • "Habt Dank!", rief sie den beiden Männern hinterher und rieb sich die Nase.
      Tilda besaß genug Lebenerfahrung, um mit einem Schürzenjäger wie Sylvar fertig zu werden.
      Er war nich der erste Reisende, der ihr Avancen machte und würde auch sicherlich nicht der Letzte sein. Der Beruf als Wirtin und Schankdame brachte derlei Betragen leider mit sich. Und Tilda würde lügen, wenn sie abstritt, dass es bis zu einem gewissen Punkt durchaus amüsant war. An ihre Theke hatten sich bereits die unterschiedlichsten Gestalten und Charaktere verirrt. Als Beleriand noch eine blühende Stadt gewesen war, feierten Reisende aus allen Himmelrichtungen in dem gemütlichen Schankraum mit Musik und Tanz.
      Mit einem Seitenblick sah Tilda zu der Heilerin neben sich und schenkte ihr ein breites Grinsen.
      "Wie ich sehe, habt ihr mit den Zweien alle Hände voll zu tun.", kicherte die Schankdame mädchenhaft und wischte sich ein paar der ergrauten Strähnen aus der Stirn.
      "Zumindest wird es nie langweilig...", schmunzelte Viola und drehte sich leicht zu der älteren Frau herum. Wobei, wenn sie recht überlegt, hatte sie Sylvar noch nie so gesehen. Henrietta war eine andere Hausnummer gewesen. "Ich möchte mich nochmal im Namen von allen bei Euch bedanken, Tilda. Mir ist bewusst, welches Risiko hier auf Euch nehmt uns hier Zuflucht zu gewähren."
      Tilda stemmte die Hände in die Hüften und lächlete nur verständnisvoll.
      "Unsinn, Kind. Wir haben Seuchen, Hungersnöte und derlei überstanden. Wir werden auch das hier überleben.", sprach sie zuversichtlich und blickte noch einmal den Flut herunter, in dem die Elfen verschwunden waren. Das versprach interessant zu werden.
      "Richtet Euch in Ruhe ein. Wenn Ihr etwas braucht, sagt mir Bescheid und ich sehe, was sich einrichten lässt. Und morgenfrüh zeige ich Euch wobei Ihr mit anpacken könnt. Und behaltet Euren Zaubererfreund im Auge, dass er nicht dem falschen Rock hinterläuft.", lachte sie abschließend und überreichte Viola die Schlüssel zu den oberen Räumen, dann zog sie die Tür hinter sich zu bis ihre Schritte auf der Treppe verhallten.
      Viola legte den Schlüsselbund auf einem kleinen Beistelltisch neben der Tür ab, nachdem sie den Staub von der Oberfläche gepustet hatte. Anschließend öffnete sie die Fenster um die verbrauchte Luft herauszulassen. Die abendliche Luft war eisig und es war noch Zeit bis die Dunkelheit Einzug hielt. Sie wusste das Tilda und Lucien ihnen Zeit gaben, das Gespräch sacken zu lassen. Der Abend war wirklich überraschend gewesen und es ergab durchaus Sinn, dass Lucien als Kronprinz über Vieles Kenntnis besaß. Aber konnte diese Diebstähle unmöglich allein durchführen. Das bedeutete, es gab eine ganze Gruppe, die unbemerkt unter der Nase des Kaisers, Befehle missachteten.
      Seufzend folgte Viola den Männern zu den Schlafzimmern und warf einen Blick in die kleinen Zimmer. Die Möbel erwiesen sich als einfach, aber in einem guten Zustand. Auch die Betten machten einen vernüftigen Eindruck, zumindest waren sie sauber, wobei sie sich in Telerin nicht sicher gewesen war. Viola schüttelte sich. Vielleicht konnten sie wirklich eine Weile hier bleiben bis sie Nachricht von Eyrik und Farin erhielten.
      "Andvari?", fragte sie und steckte endlich den Kopf durch die richtige Tür. "Könntest du dich um das Feuer im Ofen kümmern? Ich kann nichts zum anzünden finden?" Lächeln legte sie den Kopf schief.
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    • Andvari platzierte den tumben Zauberer auf einem der knarrenden Betten und inspizierte die Zimmer der Unterkunft. Freilich etwas staubig, aber ein wenig Wind eines Zauberers würde hier für Ordnung sorgen. Die Betten wirkten stabil, nur die GEräuschkulisse würde sicherlich nicht angenehm, dachte er schelmisch bei sich und gleichsam schauderte es ihm, in dem Gedanken, dass Sylvar womöglich Erfolg haben konnte.
      Kopfschüttelnd trat er wieder hinaus und nickte Tilda zu.
      "Habt Dank für Eure Gastfreundschaft. Ich werde morgen sehen, was ich für Euch und die Euren tun kann", sagte der Weißhaarige und neigte leicht das Haupt, wobei er haarscharf an einem Dachbalken entlang striff. Das Haus war nicht für Elfen seiner Größe gemacht, so viel stand fest.
      Sylvar in des trat heraus, ganz in sein grünliches Gewand wieder gehüllt, welches er unter den Fellen trug und wirkte beinahe um die Hälfte drahtiger und erschlankt.
      "Ich schaue nur nach Eurem, liebste Tilda", sagte er und wanderte durch den Raum, um sich der Zuber zu besehen.
      Ein kurzer Wink mit seinem Zauberstab und plätschernd wie ein Bach füllte sich der Zuber mit Wasser. Es war nicht schwer, eine Wasserquelle hier z finden. Das ganze Land bestand aus Schnee. Es war das reinste aller Wasserformen.
      Andvari indes blickte zu Viola, die selbst in derart Umgebung bezaubernd aussah und nickte.
      "Und du kannst dich um den Staub kümmern, Romeo", murmelte er seinem Bruder zu.
      Dieser sah ihn vrstört an und fragte sich, was ein Romeo war. Dennoch tat er wie ihm geheißen und betrat zunächst das Zimmer, wo Viola sich befand. Diese hieß er, die Fenster leicht zu öffnen, ehe er mit seinem Stab Kreise in die Luft zu zeichnen begann. Langsam, als würde sich Wind erheben begann es zu pfeifen und der Staub wurde von den Oberflächen aufgeweht und in einem Schwung nach draußen befördert.
      Die Hitze des Ofens, die Andvari mittels seines Lichtes beinahe mühelos entfacht hatte breitete sich wohlig aus und der Elf sah zufrieden auf sein Werk.

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    • Ein wenig von dem Anblick belustigt, den der hochgewachsene Elf in den gedrungenen Räumlichkeiten abgab, verbarg Viola das beinahe lautlose Kichern hinter vorgehaltener Hand. Sie verzog nur leichte das Gesicht, als sein Haupt ganz knapp einer schmerzlichen Kollision entging. Mit der niedrigen Holzdecke wirkte der weißhaarige Elf fast noch größer, als er eh schon war. Viola fühlte sich die meiste Zeit eh schon winzig neben Andvari.
      Eifrig kam sie der Bitte nach und öffnete die Fenster einen guten Spalt breit und betrachtete mit Faszination in den Augen, wie der Staub sich durch einen sanften Luftzug nach draußen befördern ließ. Wie praktisch. Es war eine Schande, dass sich das Volk der Menschen nicht mit Magie befasste. Nachdem alle Oberflächen von dem lästigen Staub befreit waren, schloss Viola die Fenster wieder, um die bittere Kälte der Nacht nicht hinein zu lassen. Das Feuer würde einen Moment brauchen, bis es die Räume ausreichend gewärmt hatte.
      Da ihre Aufgabe erledigt war, kehrte sie in den kleinen aber gemütlichen Wohnraum zurück und trat zu Andvari an das Feuer.
      Den schweren Mantel hatte sie in dem Zimmer zurückgelassen, das sie für ihren Aufenthalt in Beleriand ausgewählt hatte. Es lag in Richtung Osten und würde ihnen in den morgentlichen Stunden die ersten warmen Sonnenstrahlen schenken.
      Wohlig seufzend streckte sie die Finger der Wärme des Feuers entgegen und blickte ihren Gefährten von der Seite an.
      "Mir war nicht bewusst, dass du dich mit den literarischen Werken der Menschen beschäftigt hast.", stellte Viola mit etwas Neugierde fest und rieb die kühlen Handflächen gegen einander. Vor wenigen Wochen noch hatte er kaum einen ganzen Satz in der fremden Sprache hervorgebracht. Über ihr Gesicht huschte ein warmes Lächeln. Sie hatten viele Hürden überwunden und nicht nur jene, die ihre völlig unterschiedlichen Sprachen mit sich brachten. Viola war schon lange aufgefallen, dass sie mittlerweile häufiger die elfischen Worte als ihre eigenen verwendete. Besonders nun da sie wieder unter sich waren.
      "Was denkst du über den Kronprinzen?", fragte sie schließlich und schälte sich dabei aus der dünnen Überwurfjacke, die sie unter dem Mantel getragen hatte. "Ich muss gestehen, ich bin ihm zuvor nie begegnen. Nicht persönlich. Es ist...verrückt."
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    • Andvari begann kurz zu kichern, während er ihre Seite verließ um sich einen der Holzstühle aus der nahenden Stube herauszufischen und vor das Feuer zu setzen. Seine Beine waren schwer und müde der Last, die sie tragen mussten. Schweigsam blickte er in die Flammen während er den schweren Mantel abnahm und ein durchgeschwitztes Wams preisgab.
      "Ein Gefangener", muremlte er und räusperte sich. "Vor dem Krieg...da kamen des Öfteren Menschen über die Berge um Handel zu treiben. Wie fahrendes Volk. Sie mischten sich unter ZWerge und Elfen und handelten ihre Pelze oder andere Handwerkszeugnisse. Mit der Zeit wurden sie gern gesehene Gäste in den Elfenstädten und so manch einer erzählte Geschichten aus seiner Heimat. So erfuhr ich einige eurer Legenden und Sagen. Und eine davon beinhaltete einen Romeo. Ich weiß nicht mehr, um was die Sage handelte, aber der Name blieb mir als Romantiker in Erinnerung."
      Ein schwaches Grinsen umgab sein Gesicht im Fackelschein, während Sylvar wieder in den Raum trat und sich ebenfalls auf einen Stuhl niederließ, der unter ihm ächzte. Jedoch trat er nicht näher ans Feuer, sondern blieb am Tisch und betrachtte die Szenerie.
      "Ich kannte den Kronprinzen bisher auch nicht", gab Andvari zu. "Aber er macht einen recht ehrbaren Eindruck, von den Diebereien mal abgesehen. Man bemerkt eine tiefe Sorge für sein Volk und den Drang nach Gerechtigkeit. Vermutlich könnte er ein guter Herrscher sein, wenn er seine überhebliche Art loswürde..."
      "Überheblich ist er nur in deinen Augen", bemerkte Sylvar.
      "Wieso ist es verrückt?", fragte ANdvari und sah sie erstaunt an.

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    • Viola verblieb geduldig am knisternden Feuer, während Andvari sich setzte und lauschte der Erzählung mit einem Lächeln.
      Der Gedanke, dass ihr Volk einst friedlich und frei durch die Lande der Elfen gereist war, erschien ihr zunächst unvorstellbar. Die Frage nachdem Auslöser dieses grausamen Krieges behielt sie jedoch zunächst für sich. Vermutlich würde sie die Antwort enttäuschen, wenn diese auf reiner Machtgier und Argwohn beruhte. Offensichtlich hatte es eine Zeit vor ihrer Geburt gegeben, in dem beide Völker durchaus in der Lage dazu gewesen waren, in Frieden nebeneinander zu leben. Eine schöne Vorstellung.
      Die Holzbohlen unter ihren Füßen blieben beinahe völlig lautlos bis auf ein kleines, protestierendes Knarren, als Viola die Seite ihres Gefährten verließ und sich hinter ihn stellte. Zierliche Hände berührten den weißen Haarschopf und kämten mit losen Fingern die weißen Strähnen aus seiner Stirn zurück.
      "Die Geschichte handelt von zwei Sprößlingen verfeindeter Familien, die sich auf den ersten Blick unsterblich ineinander verlieben. Romeo und seine Julia.", begann Viola in seinem Rücken mit sanfter Stimme. "Aufgrund der Feindschaft halten sie ihre Liebe geheim und lassen sich sogar hinter dem Rücken ihrer Familien vermählen. Aber es kommt wie es kommen muss. Ein tödliche Auseinandersetzung zwischen den Familien sorgt für die Verbannung Romeos und Julia wird einem ihr unbekannten Mann versprochen. Um der Heirat zu entgehen, nimmt sie ein lähmendes Gift zu sich, dass sie wie tot erscheinen lässt. Der erklärende Brief, der Romeo von diesem Plan in Kenntnis setzen sollte, erreicht ihn nie."
      Mittlerweile hatte die Heilerin begonnen einzelne schneeweiße Strähnen lose zu flechten nur um sie anschließend wieder zu lösen und von Vorne zu beginnen. Eine routinierte Handlung, die in ihrer stetigen Wiederholung für sie etwas Beruhigendes hatte. Hin und wieder fuhren ihre Fingerkuppen mit sanften Druck über die Kopfhaut.
      "Romeo erfährt vom Tot seiner Liebsten. Er verstößt gegen seine Verbannung, um sie ein letztes Mal zu sehen und beschließt seinem Leben durch Gift ein Ende zu setzen, da er ohne die Liebe nicht leben will. Julia, die in diesem Augenblick aus ihrem todesähnlichen Schlaf erwacht, findet ihren toten Geliebten an ihrer Seite und verfällt in tiefen Kummer. In ihrer Verzweiflung greift sie nach seinem Dolch und nimmt sich ebenfalls das Leben. Der Tod ihrer Kinder bringt die Familien am Ende wieder in Frieden zusammen."
      Viola neigte sich leicht vor und hauchte einen Kuss auf seinen Scheitel. Die Ähnlichkeiten der Geschichte blieben ihr nicht unbemerkt.

      "Kein Hindernis aus Stein hält Liebe auf,
      was Liebe kann das wagt sie auch."

      Geflüstert verließ der Vers ihre Lippen, aber noch laut genug, dass auch Sylvar weiterhin ihr Gespräch verfolgen konnte. Dann richtete sie sich wieder auf und kehrte zu den zarten, kämmenden Bewegungen ihrer Finger zurück. Bei Sylvars Einwurf schmunzelte sie still.
      "Es ist deshalb verrückt, weil gewöhnlicherweise der Adel und schon gar nicht die Herrscherfamilie mit dem gemeinen Volk an einem Tisch sitzt. Die Chance unter normalen Umständen ein Wort mit ihm zu wechseln, ist quasi nicht vorhanden. Und...", sie grinste schief. "...eigentlich hätte ich vermutet, dass Kronprinz Lucien seinem Rang entsprechend einen gewaltigen Stock in seinem Allerwertesten stecken hat."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Andvari genoß die Zärtlichkeiten, die ihm Viola zuteil werden ließ, sehr. Schwiegend schloss er die müden Augen für einen Moment und lauschte der Geschichte. Und auch wenn er sich dagegen erwehren wollte, so kamen ihm die Parallelen durchaus unter das Auge. Als würde diese GEschichte für sie beide geschrieben und erzählt werden. Tragisch hierbei war nur das Ende und während er lächelnd zu ließ, dass Viola in seinen haaren herumfuhr, drehte er sich zu ihr um und grinste.
      "Würdest du mir einen Zopf flechten? Dann falle ich vielleicht nicht ganz so auf!"
      Sonst hatte er es nur seiner Tochter erlaubt als sie noch lebte. Es würde eine neue Erfahrung und leicht versetzte es ihm einen Stich, aber er kam nicht umhin, zu bemerken, wie er sich immer weniger gegen die Vorstellung wehrte.
      "Ein schöner Spruch", murmelte er als Viola zum Ende gekommen war. "Auch wenn die ungkückliche Verkettung von Umständen hoffentlich nicht unser Schicksal wird. Auch wenn ich glaube, dass ich vorher alles aus den Angeln gerissen hätte..."
      "Naja, familiär könnten diese Streitigkeiten durchaus aufkommen", bemerkte Sylvar und seufzte während er sich auf seinen Arm aufstützte.
      "Ich hoffe nicht", bemekte Andvari und zog die Stirn kraus. "Davon ab stimme ich dir zu. Es ist ungewöhnlich, dass ein Prinz sich unter das gemeine Volk mischt und ihm hilft. Normalerweise habe ich die Edelleute der Menschen als recht habgierig kennen gelernt. Er ist erfrischend anders, auch wenn mir seine Art nicht wirklich behagt..."
      "Weil er Viola schöne AUgen gemacht hat..."
      "Ich sagte bereits, dass du einfach zu viel redest", zischte Andvari und war dankbar, dass er sich gerade nicht bwegen durfte.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Viola blinzelte überrascht und sah zu Andvari herab.
      Abgesehen von der Tatsache, dass ein geflochtener Zopf kaum über die schneeweißen Haaren hinweg täuschte noch den ungewöhnlichen Farbton seiner Augen verblassen ließ, löste die eigentlich harmlose Bitte eine wundervolle Wärme in ihrer Brust aus. Sie erinnerte - Wie könnte sie es je vergessen? - sich an den kindlich geflochtenen, kleinen Zopf und die liebevollen Geschichten über seine Tochter. Irgendwie beschlich sie das Gefühl, dass es auch nciht vorrangig um des Zweck der Tarnung ging.
      Das Grinsen milderte die versteckte Bedeutung hinter der Frage etwas ab und Viola schenkte ihm im Gegenzug ein bestätigendes Nicken.
      "Ich kann es versuchen...", sagte die junge Frau und sammelte die seidigen, glatten Strähnen zu beiden Seiten seines Kopfes behutsam ein.
      Andvaris Haare waren kürzer als Sylvars und würden etwas mehr Geschick benötigen, damit es am Schluss nicht aussah wie ein Vogelnest. Nachdenklich betrachtete sie das gesammelte Haar und ließ schließlich die rechte Seite wieder frei nach vorn fallen, um sich nur der linken Seite seines Hauptes zu widmen. Ein einzelner Zopf wie bei Sylvar, um alle Haare ordentlich zu fassen wirkte in ihren Augen für Andvari zu streng. Etwas über der Schläfe begann sie dem ersten Zopf, den sie eng aber nicht zu fest am Kopf entlang führte.
      "Oh, das glaube ich dir gern.", lachte Viola leise, während die weißen Strähnen durch ihre Finger glitten. "Nein, ich glaube auch nicht, dass dieses Ende für uns in den Sternen steht. Zwischen unseren Völknern herrscht ein Zerwürfnis, aber ich bezweifle, dass es irgendjemanden gibt, der überhaupt Anstoß an der Entscheidung nehmen wird, die ich getroffen habe. Ich bin eine Heilerin, noch dazu die Erbin eines gefallenen Adelshauses und die Tochter eines Bauern. Ihr habt es ja gehört, ich wurde bereits für tot erklärt."
      Selbst ausgesprochen, überkam sie doch eine leichte Bitterkeit. Woran sie eher zweifelte, war der Umstand, dass Andvaris Volk sie als Mensch an seiner Seite nicht akzeptieren würde. Glücklicherweise unterbrachen die weiteren Worte des Zauberers ihren Gedankenfluss.
      Grinsend fixierte sie den ersten Zopf am Ende mit einem Lederband fixierte. Sie ergriff die übrigen Strähnen und begann unter der breiten Flechtung mit einem schmaleren, dünneren Zopf.
      "Eigentlich glaube ich eher, dass er alles und jedem schöne Augen macht...Obwohl es mir irgendwie gefällt, dich eifersüchtig zusehen.", fügte sie kichernd hinzu. "Fertig."
      Sorgfältig hinderte sie auch den zweiten Zopf daran, sich wieder aufzulösen und wanderte mit den Fingerspitzen über die Flechtungen.
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      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Sylvar blickte neugierig auf das Werk der Heilerin und reckte den Hals während Andvari still da saß und die sanften Berührungen seiner Liebsten genoß, die ihm offenbar eine bemerkenswerte Frisur zauberte, wenn er Sylvars verlangen recht deutete.
      Schweigsam hörte er Viola zu und kam nicht umhin, die Bitternis ihrer Stimme zu bemerken, während er sich fragte, wann das alles endete. Und ob sie - wenn sie für tot erklärt worden war - überhaupt eine Hoffnung hatte, Helena wiederzusehen, wenn sie nich mehr...
      Er beendete den Gedanken und sah sie über die Schulter an, als sie fertig war. Sachte befühlte er die Strähnen zu meiner Seite., die sich verjüngten und verdickten, als würden sie von der einen in die eine übergehen. Wenn er es so betrachtete, glich dies mehr einem Kunstwerk...
      "Das fühlt sich...fantastisch an...", muremlte er und sah sie begeistert und auch ein leichtes bisschen erstaunt an.
      Andvari hätte nie gedacht, dass sie diese Art von Fingerfertigkeit besaß.
      Sylvar nickte hinsichtlich der Frisur anerkennend und gab einen Pfeifton von sich.
      "Wirklich beeindruckend...Und unser lieber Andvari kann durchaus eifersüchtig sein und sich aufregen, glaube mir", muremlte Sylvar und grinste verstohlen.
      "Kann ich. Vor allen Dingen bei derlei Schürzenjägern", knurrte andvari. "Ich meine, er ist ein Prinz! Er sollte es besser wissen und seine Augen nicht überall haben...Vor allem nicht..."
      Vor allem nicht wenn er etwas schöne Augen machte, dass er als sein betrachtete. Auch wenn er derlei Besitzansprüche niemals wörtlich aussprechen würde. Aber...Konnte er zulassen, dass dieser Mensch es so einfach hatte, ihm etwas fortzunehmen?
      "Wenn du für tot erklärt wurdest...", überlegte er schließlich. "Vielleicht sollten wir Helena noch eine andere Nachricht aös durch den Prinzen schicken..."

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      The more you drag me to hell
    • Viola betrachtete das Werk mit kritischem Blick.
      Zwar taugte sie zur Führung eines ordentliches Haushaltes wenig, zumindest was ihre zweifelhaften Kochkünste anbelangte, aber für das hier schien sie ein glückliches Händchen zu haben. Die Reaktionen der Elfen zauberten ein strahlendes Lächeln auf ihre Lippen. Es war erstaunlich und gleichzeitig erfreulich mit welchen einfachen Gesten und Dingen, sie Andvari offenbar stets aufs Neue eine Freude machen konnte. Viola beobachtete mit einer zarten Blüte der Wärme in ihrem Herzen, wie der Elf die geflochtenen Windungen befühlte und überlegte, ob sich nicht irgendwo ein Spiegel finden ließ.
      "Helena brachte es mir bei.", benantwortete Viola die unausgesprochene Frage im Blick ihres Gefährten.
      Die junge Heilerin trug die herbstrote Mähne bevorzugt lieber offen. Ein unoderntlicher Haarknoten oder einen geflochtenen Zopf aus praktischen Gründen war alles, was sie am eigenen Haarschopf einigermaßen bewerktstelligen konnte. Es war um Einiges leichter, die Haare von jemand anderem zu bändigen.
      Verstohlen blickte Viola zum Erzmagier herüber und verbarg das belustigte Kichern sehr notdürftig hinter ihrer Hand, während das Grün ihrer Augen bei seinen Worten vergnügt aufblitzte. Sie wollte sich nicht über Andvari lustig machen, aber die Vorstellung war durchaus amüsant und mehr. Für sie war es ein Zeichen - wenn auch völlig unbegründert - seiner Zuneigung.
      "Prinz Lucien mag mir schöne Augen machen, aber damit beißt er leider auf Granit.", getand Viola mit einem Lachen.
      Der weißhaarige Elf, der vor ihr saß und seinen Missmut knurrend Luft machte, brauchte seinen Satz nicht zu vollenden damit sie verstand. Ihre Hand fand den Weg auf Andvaris starke Schulter, wo sich ihre Fingerspitzen sanft in den angespannten Muskeln drückten.
      "Ich weiß.", murmelte sie leise.
      Über seinen Vorschlag brauchte sie nicht lange zu grübeln. Warum hatte sie selbst noch nicht daran gedacht?
      "Das ist eine wunderbare Idee! Ich werde ihn morgenfrüh sofort danach fragen", sagte sie begeistert.
      Viola mochte sich den Kummer nicht vorstellen, den ihre Freundin litt. Immerhin waren sie wie Schwestern füreinander. Hoffentlich war es dann noch nicht zu spät. Offensichtlich besaß der Kronprinz die Angewohnheit in den frühen Morgenstunden zu verschwinden. Oder besagter Meliorn hatte letztendlich doch Gebrauch von der Heugabel gemacht.
      Ein wenig beugte sich die junge Frau zu Andvari herunter, wobei sie zart mit dem Daumen unter seinem Auge entlang fuhr. Vor wenigen Stunden noch war die Haut dort verbrannt und entstellt gewesen. Unter ihrem Handballen spürte sie die raue, aber angenehme Struktur der Bartstoppeln. Bei näherer Betrachtung wirkte der Elf erschöpft und ausgelaugt.
      "Vielleicht solltest du dich hinlegen.", sprach sie besorgt. "Du musst dich ausruhen."
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    • Sylvar blickte selbst belustigt zu seinem Bruder hinüber und bemerkte auch langsam die beiernde Schwere seiner Knochen, die nach einer Rast schrien.
      Beide nickten zu ihrer Erklärung mit Helena und wirkten einen Moment lang erstaunlich stumm. Was sagte man in einer solchen Situation? Sie selbst hatten den Umstand erlebt, wie es war, für tot gehalten zu werden. Seine ehemaligen Weggefährten hatten eigene Leben gewählt und ejtzt scheuchte er sie wieder auf. FÜr denselben nutzlosen Krieg.
      Andvari bemerkte Violas Lachen hinter vorgehaltener Hand und zog eine Schnute, während er die Arme resignierend auf die Lehnen fallen ließ und sich zurücklehnte.
      "Auch wenn er auf Granit beißt", murmelte er und genoß insgeheim die zarte Berührung an seiner Schulter. Er hätte ihre Hand genommen, aber wollte nicht noch schwächer darstehen. "Wenn er nochmals so einen Spruch ausplaudert, werde ich ihm die Zähne vernageln..."
      "Nun hör schon auf", murmelte Sylvar. "Du stellst dich an wie ein 15jähriger Frischling, Andvari. SIe sagte, er beißt auf Granit und vielleicht solltest du ihr vertrauen?"
      Andvari brummte und schnaubte wie ein alter Esel, aber nickte schließlich, ehe sie sich zu ihm herunter beugte.
      "Dann mach das", murmelte er. "Ich hoffe, es funktioniert. Wenn ich dir behilflich sein kann, lass es mich wissen", sagte er und grinste zu ihren Worten.
      "Ich lege mich sehr gerne zur Ruhe. Aber nur, wenn du mitkommst."
      Es stimmte schon. Er war müde, ausgelaugt und am ENde seiner KRaft. Aber noch mehr würde er ihre Nähe vermissen, auch wenn er das nicht gern offen zugab.

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    • Viola entging nicht, dass Andvari sich zurückhielt.
      Sie spürte es in der Anspannung unter ihren Fingerspitzen, sah es in der Erschöpfung in seinen Augen. Über ihre Hände an seinem Gesicht streckte sich ein Funken wärmender Energie, ein zarter Hauch ihrer magischen Aura, unter seine Haut. Bedauerlicherweise waren ihre Kräfte noch nicht ausreichend regeneriert, um sich der bleiernen Schwere anzunehmen. Ein erholsamer Schlaf sollte zumindest ein Anfang sein. Ein letztes Mal strich ihr Daumen über seinen Wangenknochen bis sich Viola schließlich aufrichtete und die Hände von seinem Gesicht nahm.
      Dandelost erschütterte unter einem sanften Puls an ihrer Hüfte, als teilte die Klinge einen ähnlichen Gedanken mit seiner Trägerin. Nicht das erste Mal erstaunte es Viola im Stillen, wie eng das Schwert mit ihrem eigenen Bewusstsein verwoben war. Der sehnliche Wunsch ihren Liebsten vor seinem Schicksal und der Boshaftigkeit seines Vaters und den anderen Prinzen zu beschützen, war tief in der jungen Frau verankert. Der Gedanke erschien beinahe lächerlich, angesichts der Kräfteunterschiede zwischen ihnen.
      Kurz drehte sich ihr Kopf zur Sylvar, dessen äußere Erscheinung ebenfalls nach der Ruhe eines tiefen Schlafes rief.
      Wenn man es rechte betrachtete, hatten sie die letzten Stunden seit ihrem Erwachen in Telerin keine ruhige Minute gehabt. Der Weg hier her war kräftezehrend und steinig gewesen.
      Andvari verbarg die Schwäche hinter seinem Grinsen und vorwitzigen Worten. Offen zugeben, wie sehr der Kampf mit Vaeril ihn wirklich mitnahm, würde er sich nie erlauben. Zumindest nicht im Beisein des Magiers und vielleicht auch nicht völlig gegenüber Viola. Sie war sich dessen bewusst. Daher war es auch die Heilerin, die ihre Hand ausstreckte wie ein Rettungsseil.
      "Da bleibt mir wohl keine andere Wahl...", sprach sie sanft und ein Grinsen zog sich über ihre Lippen, während sie in einer auffordernden Bewegung ihre Finger krümmte.
      Die Hand in ihrer fühlte sich warm und vertraut an, rau vom Führen eines Schwertes und der Arbeit mit Holz und Hammer.
      "Gute Nacht, Sylvar.", verabschiedete sie sich vorerst von ihrem Freund und Mentor. "Keine heimlichen Ausflüge mehr in die Taverne, du siehst aus, als würdest du gleich im Sitzen einschlafen."
      Damit führte sie Andvari schließlich über knarrende Holzdielen in das ausgewählte Zimmer. Es war klein aber behaglich und dank des Zaubertricks von Staub befreit. Viola verschloss die Tür und löste Dandelost von ihrem Gurt und legte die Klinge sorgsam auf der Truhe am Fuße des Bettes ab. Als nächsten folgten die schweren Winterstiefel, die sie geordnet vor der Truhe platzierte. Gürtel und Schürze folgten nicht lange danach. Dann ging sie zu Andvari herüber.
      "Wie fühlst du dich?", fragte sie vorsichtig und machte sich ohne Zögern daran, den verschwitzten Wams mit einem sanften Ruck aus dem Bund seiner Hose zu ziehen.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”