[2er RPG] The Lesser Evil [Winterhauch & NicolasDarkwood]

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    • Die Elfen traten aus ihren Verstecken hervor und betrachteten den schwarzen Schwarm noch eine kurze Weile, ehe dieser sich in geraumer Entfernung wie eine Pusteblume zerstäubte. Offensichtlich ahnte Faolan die Schritte seiner Reisegesellschaft voraus, befand Andvari und blickte grimmig zu Sylvar, der seufzte und sich ebenfalls erhob.

      „Es sind Späher“, bestätigte der Erzmagier und blickte seine beiden Gefährten an. „Faolans Raben nutzen die verschiedensten Wege, um an Informationen zu kommen. Nur eine davon ist der Gang über die Vögel. Wir müssen höllisch aufpassen, dass wir ihnen nicht in die Falle laufen.“

      „Dennoch“, begann Andvari und legte seine Hand auf Violas Schulter. „Wir sollen nichts übereilen. Die Vögel haben sich zertstreut und werden die nahe Umgebung absuchen. Wir sollten im Schutz der Wälder reisen, damit wir nicht so leicht zu sehen sind. Und eine Rolle spielt es durchaus. Wenn Faolan unsere Schritte vorausahnt, müssen wir Dinge tun, die er nicht erwartet. Zuweilen sind diese jedoch auch eine Spur gefährlicher als die Dinge, die wir tun sollten.

      Gemeinsam schritten sie aus dem Haus heraus und blickten sich nach allen Seiten um, ehe der Elf wieder zu Viola sah. Sein Blick verriet nicht eine Spur Nervosität, wohl aber den Hauch des Krieges, der ihm noch im Blut lag. Seine hand lag beruhigend auf dem Knauf seines Schwertes und nur wenn man genau hinsah, bemerkte man die drahtigen Muskeln des Unterarmes die zum bersten angespannt waren.
      „Wir müssen reisen“; murmelte er. „Du kennst den Weg. Führe uns bitte. Sylvar, du machst die Nachhut. Halt uns den Rücken frei und tarne uns so gut du kannst.“
      „Es wäre vielleicht hilfreich, wenn wir uns einer Karawane anschließen könnten“, sagte der Zauberer und trat an ihre Seite. „Wir würden nicht so auffallen.“

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    • Beruhigend legte sich eine warme Hand auf ihre Schulter.
      Viola drehte den Kopf und hob leicht das Kinn, um den Blick der vertrauten, bernsteinfarbenen Augen zu suchen. Der Vorschlag durch die vereisten Wälder die Reise fortzusetzen und sich so vor den spähenden und tausenden von neugierigen Blicken zu schützen, klang durchaus schlüssig. Zaghaft nickte Viola und versuchte sich sämtliche alten Erinnerungen an die Lage von Straßen, Wäldchen und versteckten Wegen ins Gedächtnis zurufen.
      Einen tiefen Atemzug später, der die nervöse Anspannung in ihren Schultern etwas löste, nickte Viola erneut und dieses Mal entschlossener als zuvor. Die Bedrohung, die über ihren Köpfen schwebte, durfte sie ihren nicht vorzeitig verlieren lassen. Der Beginn der dicht bewachsenen Kiefernwälder war nicht weit von dem zerstörten Dorf entfernt und würde ihnen hoffentlich den benötigten Schutz bieten.
      Einen Augenblick lang wandte sich Viola ihren Begleitern zu und tippte sich mit der Spitze des Zeigesfingers grübelnd an die Lippen.
      "Die beste Gelegenheit sich einem Tross aus Händlern oder anderen Reisenden anzuschließen, haben wir auf dem Haupthandelsweg. Allerdings präsentieren wir uns damit auch auf einem Silbertablett, falls Faolan und seine Häscher die List durchschauen. Die Straße verläuft durch kahle und weite Ebenen. Deckung zu suchen, ist so gut wie unmöglich." Viola seufzte. "Aber Sylvar hat Recht. Unter Leuten fallen wir weniger auf."
      Verborgen vor den Blicken der Elfen fühlte die Heilern die gläsernwirkende Klinge schwach pulsieren, als besäße das Schwert ein eigenes Bewusstsein, dass ihre Besorgnis teilte. Die Verbindung zu Dandelost wuchs mit jedem Tag an. Besänftigend schlossen sich ihre Finger um den kühlen Schwertknauf.
      Kurz glitt ihr Blick über Sylvar und Andvari, deren Gesichter erschreckend neutral wirkten und lediglich durch die Körperspannung zum Ausdruck brachten, wie ernst und brenzlig ihre Lage war.
      "Dann sollten wir nicht länger warten.", murmelte Viola und verließ als Erste das alte Heim ihrer Familie. Die Situation gebot zur Eile, dennoch warf sie einen kurzen Blick zurück auf den verfallenen Giebel und das lörchrige Dach mit seinen moosbewachsenen und brüchigen Schindeln. Keine Silbe entkam über ihre Lippen. Nur der Blick der grünen Augen zeugte von einem stummten Abschied. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie je an diesen Orten zurückkehrte, war verschwindend gering.
      Viola führte die Elfen einen schmalen Pfad entlang aus dem Dorf heraus. Die hochgewachsenen Kiefern waren schon von Weitem gut zu erkennen. Der Schnee auf den ausladenen, tiefgrünen Ästen schmolz bereits und tropfte in den matschigen Schnee. Die Sonne gewann an Kraft, dennoch waren die Temperaturen eisig und die Nässe war keinesfalls förderlich. Der erdige Untergrund der Straßen würde sich binnen Stunden in eine schlammige Katastrophe verwandeln.
      Die Schatten des Kiefernwaldes legten sich über ihre Schultern und Viola wagte es, wieder mit normaler Lautstärke zu atmen.
      "Passt auf wohin ihr tretet...", sprach sie leise und umrundete eine hervorstehende Wurzel am Waldboden. Der Trampfelpfand sah aus, als wäre er seit Jahren nicht benutzt worden. Gräser und Pflanzen, die im Schatten der Bäume gediehen, hatte sich einen Großteil zurück erobert. Alte Baumstümpfe zu beiden Seiten des Weges zeugten von der früheren Arbeit der Holzfäller.
      Viola erinnerte sich mit jedem Schritt ein wenig mehr, an die Beschaffenheit und Lage der Umgebung. Zielsicher steuerte sie die Elfen durch den Wald, in dem sie als Kinder oft gespielt hatten.
      Schweigend hob sie nach gefühlten Stunden, der immergleiche Anblick von Baumstämmen und Schneematsch ließ einen Leicht das Zeitgefühl und die Orientierung verlieren, hob die junge Frau stumm die Hand. Mit einem Nicken deutete sie in Richtung einer Böschung aus stacheligen Blättern. Dahinter öffnete sich der Blick auf weite Wiesen, die im Frühjahr wunderbar Grün sein mussten.
      Eine einsame Straße schlängelte sich durch nun durch dürres Gras und einzelne marode Zäune. Weit und breit war niemand zu sehen.
      Da legte Viola zwei Finger an die Lippen und bat um Stille. Die Baumkronen knackten und rauschten über ihnen und in der Ferne erklang das lautstarke Protestieren eines großen Tieres, vermutlich ein Ochse. Das erste Anzeichen anderer Bewohner des Nordens. Ein lautstarkes Fluchen wurde vom Wind heran getragen.
      Viola setzte sich wieder in Bewegung im Schatten der Böschung entlang. Ein paar Meter weiter hinter einer langezogenen Biegung tauchte das Ende eines kleinen Trosses vor ihnen auf. Die Karawane bestand aus Holzkarren und Nutztieren, selbstverständlich auch Menschen, die ihr Hab und Gut davor retten wollten, im Schlamm zu versinken. Rinder und Pferde tänzelten im rutschigen Schlamm, während zwe Männer versuchten einen Ochsen, ein rießiges bulliges Tier, anzutreiben. Der Karren steckte offensichtlich mit seinem gewaltigen Wagenrad im tiefen Morrast fest.
      "Vielleicht sollten wir ihnen helfen...", murmelte Viola. Elfen hatte sie bisher unter den Reisenden nicht erkannt. Aber auf die Entfernung war das auch schwer zu sagen, ebenso wie der Inhalt der Karren. Vermutlich Vorräte und ein paar persönliche Dinge.
      Unter den Reisenden befanden sich Männer, Frauen und Kindern. Offensichtlich Familien auf dem Weg in die nächste Stadt. Sie wirkten müde aber waren allesamt unverletzt. Auf einer kleinen hügligen Anhöhe ein kleines Stückchen vorraus überblickte eine in warmen Winterpelz gehüllte Gestalt den Tross. Unter der Kapuze lugte hellbondes Haar hervor während die eisblaue Augen in die Ferne spähten. Ein dunkles Tuch als Schutz vor dem eisigen Wind, bedeckte Mund und Nase. Über dem Tross kreiste ein kleiner Raubvogel der scheinbar gezielt die Karawane und die naheliegende Umgebung überflog.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Nach einer kurzen Sekunde des Abstandes folgten die beiden Elfen der jungen Heilerin in die Freiheit hinaus. Schon bereits jetzt zeugte der Himmel nicht mehr von der schwarzen Invasion, die ihn einst eingenommen hatte und beinahe beschlich beide Elfen beim Rückblick auf die verkohlten Reste des Dorfes eine nicht unerhebliche Wehmut.
      Einst blühte hier Leben und Träume wurden geerntet. Heute war es mehr ein Mahnmal. Ein Grab.
      Andvari folgte Viola direkt auf dem Fuße und betrachtete wortgemäß ihren Rücken, um als ihre zweiten Augen zu dienen. Sylvar indes machte die Nachhut.
      "Ich denke, ein Händlertross ist das beste", murmelte Sylvar und nickte ihr zu, während sie sich langsam in Bewegung setzten.
      Als der Kiefernwald sie mit seinen gewaltigen Kronen und feuchten Schatten Willkommen hieß, legte sich wieder eisige Kälte um ihre Schultern, sodass sie die Mäntel engeer um sich zogen. Federleicht glitten sie über den teilweise eisigen Boden und sicher traten sie auf Wurzeln, als wäre es ihnen ins Blut gelegt worden. Und vielleicht war dem auch so. Der Boden war stellenweise als eisig oder gar matschig zu bezeichnen, sodass ein Einsinken nicht unwahrscheinlich war. Doch nicht für die Elfen. Jene blieben an der Oberfläche als habe man sie geradezu darauf festgenagelt.
      Als se nach stunden an die Lichtung kamen, bei dem Viola sie anhielt, legte Andvari seine Hand auf sein Schwert und sah in die Ferne, während Sylvar den Tross betachtete.
      "Es scheinen einfache Leute", muremlte er und wies mit dem Kinn auf die Menschen, die mühsam versuchten, ihre wenige Habe aus dem Schlamm zu retten. "Der Ochse ist stark genug, braucht nur ein wenig Antrieb. Und das Rad scheint nicht gebrochen."
      "Wenn das Rad nicht gebrochen ist, kann man es herausziehen", murmelte Andvari und sah sich weiter um, ehe ihm die Gestalt auf dem Hügel auffiel. Sie wirkte nicht feindselig, wenn er es beurteilen konnte und so zuckte er die Achseln. "Wir können ihnen helfen. Die Frage ist: Wer ist das?"

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    • Viola überblickte die gesamte, langgezogene Karawane mit den wachsamen Augen einer Heilerin, die um die Gefahr von Überfällen im Niemandsland wusste. Wer auch immer die Gestalt auf dem Hügel war, wirkte ebenso vorsichtig und aufmerksam wie sie. Die Haltung war angespannt und das erhobene Haupt wandte sich im Wechsel in alle Himmelsrichtungen. Über ihnen kreiste der Raubvogel und warf einen winzigen Schatten über ihre Köpfe hinweg.
      "Gute Frage...", murmelte Viola und versuchte auf die Entfernung Einzelheiten auszumachen, doch er war zu weit weg. Keine Embleme oder Abzeichen, die ihn einer Gilde oder Händlersippe zusprachen. Die Gesichtszüge waren durch den Stoff zuverlässig verborgen. Allein der Vogel über ihnen, der in dieser Sekunde mit einem hellen Kreischen bemerkbar machte, schien die Heilerin misstrauisch zu machen.
      "Das ist ein Falke. Nein, Moment. Oh! Ein Merlin.", flüsterte sie und sah dem Tier nach, dass schließlich enge Kreise um den Fremden auf der Anhöhe zog. "Er gehört zu dem Mann auf der Anhöhe. Seht ihr, wie er ihn umkreist? Das ist ungewöhnlich. Merline sieht man sonst nur innerhalb der kaiserlichen Garde, aber ich sehe keine Soldaten und die Karren stammen auch nicht aus den Kriegstrossen. Das würde ich erkennen."
      Der Fremde hob den Arm unter seinem Umhang hervor, der mit einem leichten aber stabilen Lederhandschuh überzogen war. Der Merlin legte sich in einen rasanten Sturzflug und landete zielsicher auf dem angebotenen Arm. Erst jetzt war das hübsche, blaugraue Gefieder des zierlichen Raubvogels zu erkennen, der in der Tat recht winzig wirkte. Er ließ sich wohlwollend über den Kopf streicheln.
      "Ich bezweifle das er böswillige Absichten hat. Mit dem Raubvogel behält er die Umgebung im Auge. Er sucht nach Banditen und Landstreichern. Durch den Tarnzauber kann er uns nicht ausfindig machen, ansonsten hätte er längst Alarm geschlagen."
      Über die Schulter sah Viola ihre Begleiter an und zuckte mit den Schultern.
      "Wenn wir uns wirklich unter Leute mischen wollen, ist das unsere beste Gelegenheit. Die Straße für nach Beleriand. Das käme uns gelegen."
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    • Andvari blickte grimmig in Richtugn des Raubvogels und dessen Meister. Es wäre wirklich ein gar fantastischer Zufall, wenn gerade jetzt auch noch die kaiserliche Garde sie heimsuchte.
      Dennoch vertraute er den Worten der jungen Heilerin und seufzte. Es blieb ihnen nichts. Es war die Straße, der sie folgen mussten und die Tatsache blieb weiterhin, dass es am besten war, sie mischten sich unter fahrendes Volk. Er schlug seine Kapuze über das weiße Haar fuhr sich über das stoppelige Kinn, während Sylvar neugerig den Tross beobachtete.
      "Wir sollten hinunter"; murmelte er und setzte bereits den Stock an. "Es hat keinen Sinn alleine zu reisen, wie wir es auch drehen und wenden. Gemeinsam sind wir stärker was dies angeht."
      Andvari nickte.
      Und ohne ein weiteres Zeichen der Absrpache begannen sie den Abstieg durch das Unterholz, in Richtung des Schlammbades, was der Karren anrichtete. Und wahrlich, die Verwüstung am Holz war beträchtlich. Es war nicht gebrochen, aber zumindest stand es kurz davor, wenn er der weißhaarige Elf seinen kundigem Blick vertrauen konnte.
      Sylvar kraxelte durch die Böschung und fand sich beinahe ungeschickt auf dem Wege wieder, ehe Andvari ein wenig eleganter hinter ihm auf die Straße trat. Den Tarnzauber hatte er bereits kurz vor der Böschung aufgehoben, sodass es nicht komisch wirkte.
      "Heda!", rief er schließlich und grinste breit, während er auf die Menschen zuging. "Könnt Ihr Hilfe brauchen? Wir hörten Eure missliche Lage!"

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    • Bevor die Männer, die mühevoll versuchten das Wagenrad aus dem Schlamm zustemmen, die Neuankömmlinge überhaupt bemerkt hatte, stieß der kleine aber aufmerksame Raubvogel auf der Anhöhe einen schrillen Warnruf aus. Aufgeregt flatterte der Merlin mit den Flügeln blieb aber auf dem Arm seines Herrn sitzen.
      Der Fremde sah auf, um ausfindig zu machen, was seinen gefiederten Begleiter in Unruhe versetzte. Aus der Böschung schälten sich drei in dicke Mäntel gehüllte Gestalten. Die eisblauen Augen schmälerten sich leicht, als er versuchte er den Blick zu schärfen. Zwei Männer und eine Frau, die offensichtlich die verschlungen Waldwege genutzt hatten, traten mit friedlichen Gesten und scheinbar hilfsbereit auf die matschige Straße. Er bezweifelte, dass die Kapuzen nur als Schutz gegen den beißenden Wind gedacht waren. Hier versuchte jemand etwas zu verbergen.
      Beruhigend flüsterte auf den Raubvogel ein, ehe er ihn erneut mit einem sanften Ruck seines Armes in die Freiheit entließ.
      "Falkner!", rief ein kahlköpfiger, älterer Herr. Die Menschen waren durch den Schrei des Vogels aufgeschreckt worden und sämtliche Aufmerksamkeit lag auf den drei Fremden. Die Männer am versunken Karren hatten vor Schreck beinahe das Rad erneut in den Schlamm fallen lassen. Die ruckartige Bewegung schien auch dem Ochsen nicht zu gefallen, der unter laustarkem Protest mit den Hufen trampelte und Dreck in alle Richtungen verteilte.
      Der Falkner bewegte sich mit ruhigen und achtsamen Schritten die Anhöhe herunter, damit er nicht den Halt auf dem rutschigen Untergrund verlor. Unter seinem Umhang legte sich seine Hand auf den Knauf eines Schwertgriffes. Keine drohende Geste, aber eine mit gewisser Vorsicht.
      "Wir könnten in der Tat Hilfe gebrauchen.", erklang es gedämpft unter den Stoffbahnen hervor. "Hilfbereitschaft unter Fremden ist schändlicherweise eine Seltenheit dieser Tag."
      Der Blick glitt musternd über die drei Neuankömmlinge. Unter der schweren Kleidung war kaum etwas zur Statur und Bewaffnung zu erkennen. Also konzentrierte er sich auf die Gesichter. Der Anblick eines Elfen, war für ihn schon lange kein Grund zur Überraschung mehr, ein paar der Menschen in seinem Rücken tuschelten jedoch hinter vorgehaltener Hand. Seine Augen wanderten über den blonden Elf, über die zierliche Frau die er als Angehörige des Menschenvolkes erkannte, zu dem Dritten im Bunde. Bernsteinfarbene und eindeutig nicht menschliche Augen blickten ihm aus dem Schatten der Kapuze entgegen. Wie vermutet. Die Drei hatten etwas zu verbergen.
      Dennoch blitzte in den eisblauen Augen ein Lächeln auf.
      "Ich muss dennoch sagen, zwei Elfen und ein Mensch, die zufällig aus den Wäldern purtzeln, sind auch in den Niemandslanden kein alltäglicher Anblick." Er wandte sich direkt zu Viola. Die versteckte Frage in seinen folgenden Worten war kaum zu überhören. "Geht Euch gut, meine Teure?"
      "Eure Besorgnis in Ehren, aber mir geht es gut bis auf eiskalte Zehen.", antwortete Viola und löste sich einen Schritt aus ihrer Position zwischen Andvari und Sylvar. "Meine Begleiter und ich sind auf dem Weg da Beleriand. Es heißt dort sind alle Willkommen, die Schutz im Grenzland suchen. Für ein Verhör ist später Zeit genug. Ihr solltet euch um den Karren kümmern. bevor der Ochse sich losreißt und nichts mehr zu retten ist."
      Die Augenbrauen des verhüllten Falkners schossen abschätzend in die Höhe. Die Frau hatte durchaus Mumm.
      "Hört! Hört!", lachte er. Er verbeugte sich vor Viola und blaue Augen strahlend in der kalten Wintersonne. "Ein Verhör, dass ich ich übrigengs nach getaner Pflicht liebend gerne fortsetzen würde."
      Hatte er gerade gezwinkert?
      Dann sah er zu den beiden Elfen und machte eine ausschweifene Geste in Richtung Karren.
      "Wenn die Herren helfen wollen..."
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    • Andvari betrachtete den Fremden, der ihnen als "Falkner" vorgestellt wurde, mit ausufernder Neugierde. Seine Augen suchten in den eisblauen Augen seines Gegenübers nach Gefahren, die er nicht fand udn gleichsam strahlte er die Ruhe aus, die er von sich selbst nicht erwartet hätte.
      Langsam traten die beiden Elfen hinter Viola her und flankierten sie zu je einer Seite. Sollte Jemand sein Schwert ziehen und sie bedrohen, so wussten beide Elfen, dass es Tote geben würde. NOch einmal würden sie nicht zögern und zulassen, dass Viola ein Leid widerfuhr.
      Vielleicht, so dachte zumindest Sylvar, wäre besser Eyrik mitgekommen.
      Als der Falkner ihre merkwürdige Konstellation ansprach und explizit Viola nach ihrem Befinden fragte, musste Andvari leicht schief grinsen. Es war normal, dass sie nicht gefragt wurden. Galten die Elfen doch als das Volk, was Tod und Verderben brachte. Als der Elf jedoch das Zwinkern bemerkte, ging ein lebendiger Funken durch seine Augen, während er den Falkner fixierte. Er sollte es sich wagen...
      Niemand nahm ihm weg, was er liebte. Und wenn er sich auf den Kopf stellen musste.
      "Die Herren wollen", giftete Andvari und nickte Sylvar zu, der seinen Stab hob.
      Aller Vorsicht in ihren Ehren lächelte er vorbehaltlos die Menschen an und ließ ihn herniederfahren. Ein Puls, unterirdisch und vibrierend, ging durch die Erde und schien für eine Sekunde nichts auszurichten. In der Ferne kreischte ein Vogel und ein Windzug zog durch die Lande, ehe ein Grummeln zu hören war.
      Kurz darauf hob sich der Schlammboden unter dem Karren scheinbar an, als sich schwere Baumwurzeln aus dem Boden herausgruben und unter die Räder des Karrens legten. Mit jeder Sekunde mehr, hoben sie den Karren aus dem Dreck, sodass er weiterfahren konnte.
      "Nun, das sollte genügen"; murmelte Sylvar und lächelte die Menschen an. "ICh frage mich wohl: Nachdem wir euch geholfen haben...Würdet ihr uns in eurem Schatten reisen lassen?"

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    • Beeindruckend mit welcher Bestimmtheit die Elfen an die Seite der jungen Frau traten. Schweigsame Beschützer, die sie wachsam flankierten. Der Anblick verwirrte den mysteriösen Falkner zunächst, der immer noch tunlichst davon absah sein Gesicht der Öffentlichkeit zu präsentieren. Nicht nur die Neuankömmlinge verbargen Geheimnisse an diesem grauen Wintertag.
      Ein erfahrener Blick entdeckte das kunstvoll geschmiedete Schwert an der Hüfte des Elfen mit den goldschimmernden Augen. Eine Waffe die kein einfacher Fußsoldat trug. Abgesehen davon, dass ihm erst einmal von einem Elf mit vergleichbaren Augen berichtet wurde.
      Der Falkner hatte sich kaum aus seiner Verbeugung erhoben, da sah er mit erhobener Braue auf. Sein Blick war vergleichbar mit dem Erstaunen in den Augen der rothaarigen Frau.
      Viola drehte den Kopf ein wenig und blickte Andvari fragend an. Der giftige Tonfall war neu. Verstehen zeichnete sich in ihren Augen ab, ehe die Gesichtszüge eine gewisse Weichheit annahmen. Beschwichtigend berührte sie für den Bruchteil einer Sekunde seinen Arm.
      Eine Geste, die dem vermummten Beobachter nur bestätigte, was er aufgrund gezischten Worte bereits vermutete. Interessant.
      Ein anerkennender Pfiff erklang, als der Falkner mit ansah, wie sich Wurzeln aus dem schlammigen Morast erhob und das Wagenrad kinderleicht aus der verzwickten Lage befreite.
      "Na das nenn ich wirklich beeindruckend. Ich habe die Magie der Elfen noch nie aus der Nähe beobachten können." Mit großem Interesse betrachtete er, wie die Wurzeln ihr Werk verrichteten und das Wagenrad endlich wieder einigermaßen festen Untergrund erreichte. "Das erspart uns stundenlange Mühen. Habt Dank, Herr Magier."
      Tatsächlich spiegelte sich eine gewisse Anerkennung in den eisblauen Augen. Der Blick hatte sich nun auf Sylvar fixiert, der scheinbar der diplomatischere der anwesenden Elfen war. Die Menschen um den Karren herum wirkten zwar noch misstrauisch, nickten aber ebenfalls dankbar.
      "Ich denke es spricht nichts dagegen." Zustimmendes Gemurmel erklang, während sich die Reisenden langsam wieder in Bewegung setzten. Die Zugtiere wurden langsam unruhig. "Unser Ziel ist tatsächlich Beleriand, also bietet es sich an. Der Weg ist beschwerlich und nicht ohne Risiko. Uns ist jede helfende Hand willkommen. Kommt."
      Er bedeutete den Dreien ihm an den Anfang der Karawane zu folgen, wo er in einen der Karren kletterte.
      "Setzt Euch doch...", sagte er höflich und ließ sich selbst auf dem Boden des Karrens nieder. Über ihnen kreiste der Raubvogel im wachsamen Flug. Der Blick blieb erneut an Viola hängen und er nahm unverhohlen die Narben in ihrem Gesicht zur Kenntnis.
      "Verzeiht mir, wenn ich mit der Tür ins Haus falle, aber für eine Totgeglaubte seht ihr sehr lebendig aus, Viola de Clairmont. Und wenn ich so frei sein darf, überaus reizend.", flüsterte er, die Stimme mit voller Absicht gedämpft.
      Der Schock stand der Heilerin geradezu ins Gesicht geschrieben.
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    • Mit der Unruhe der Tiere setzte sich der Tross wieder in Bewegung. Während Sylvar mit Viola bereits zu dem vorderen Ende des Trosses eilte, blieb Andvari kurz zurück und sah sich wachsam um. Wen Späher bereits in der Nähe waren, konnten die Raben nicht weit sein. Doch nichts erschütterte das Gleichgewicht und kein GEruch der fremd war, kam ihm in die Nase.
      Seufzend blickte er sich nochmals zu dem Waldstück um, dass sie durchreist hatten, ehe er sich wieder dem Tross zuwandte. Ohne dabei zu sehen, dass zwei blassgrüne Augen seinen Windungen folgten.

      Als er zu en Anderen stieß, waren diese bereits an den Anfang der Karawane gelangt.
      Unterwegs hatte er sich die Ausstattung der Menschen angesehen und war zu dem Schluss gekommen, dass es wirklich Bauern sein mussten. Die wenigen Waffen, die hier waren, erschienen mehr zur Zierde als wirklich gefährlich.
      Sylvar war Viola hitnerher in den Karren geklettert und hatte sich im Schneidersitz auf dem Boden platziert. Den Stab hatte er dekorativ hinter sich gelegt.
      "Wir danken Euch für Euer entgegenkommen", bemerkte er und nickte leicht.
      Der Magier nahm die Kapuze ab und entließ sein Haar in die Freiheit. Man kannte ihn nicht in den Menschenlanden, daher war es ohne Gefahr.
      Erst als Andvari kam, half er diesem in den Karren, wo der weißhaarige Elf unter seiner Kapuze verblieb und sich in Violas Nähe setzte. Doch nicht lange währte der Friede der Reise, wie es schien. Und auch wenn die Stimme des Mannes gedämpft war, war das Wissen, das er besaß, mehr als gefährlich für ihre Reise.
      "Und Ihr tut besser daran, uns zu sagen, woher Ihr zum einen dies Wissen besitzt und wer Ihr seid", knurrte Andvari. "Ich finde eine Reisegesellschaft unter falschen Tatsachen doch eher schwierig..."
      Sylvar seinesgleichen war erbleicht und sah den Mann beinahe erschrocken an, ehe er den Worten seines BRuders folgte und nickte.

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    • "Woher?...", setzte die Heilerin erschrocken an.
      Bevor sie stotternd eine weitere Silbe hervorwürgen konnte, unterbrach sie das drohende Knurren des weißhaarigen Elfs. Zum unzähligsten Mal glitt ihr Blick suchend über die verhüllte Gestalt vor ihr. Der Fremde saß entspannt gegen die Außenwand des Karrens gelehnt und wirkte, als würde er ein gewöhnliches Gespräch unter Reisenden führen. Bei seiner Haltung hätte ergenauso gut nach der Entwicklung des Wetters fragen können.
      "Nun, ich darf stolz behaupten meine Augen und Ohren überall im Land zu haben."
      Das amüsierte Blitzen in den blauen Augen zeigte nur, dass sich der Mann von seinen elfischen Mitreisenden und den gegrollten Drohung nicht einschüchtern ließ.
      "Einen Hauptmann der kaiserlichen Garde kaltblütig zu enthaupten ist kein Kavaliersdilekt.", gab der Falkner zurück und streckte die Beine mit einem Seufzen aus. Das Reisen auf holprigen Straßen und auf hartem, kalten Holz, war sicherlich nicht die bequemste Art. "Natürlich spricht sich eine solche Tat herum. Ganz Milan war tagelang in Aufruhr, nachdem sich der Mord an Sir Girion herumgesprochen hat. Kein Anlass zur überschwänglichen Trauer, wenn ich meine persönliche Meinung kundtun darf, aber immernoch ein Verbrechen an den Männern des Kaisers. Das Ganze gepaart mit der Geiselnahme einer unbescholtenen Heilerin der Ersten Garde. Wirklich spektakulär."
      Ein tiefes Schlagloch in der matschigen Hauptstraße schüttelte den gebrechlichen Karren ordentlich durch. Kurz war ein beunruhigendes Knacken zu hören. Allerdings blieben Achse und Wagenräder glücklicherweise unversehrt.
      "Bei den Heiligen! Ein Wunder, dass überhaupt jemand irgndwo ankommt...", stieß er hervor und brachte sich wieder in eine aufrechte Haltung. "Wo war ich? Achja, die spektakuläre Flucht. Da eine Verfolgung ohne Erfolg blieb, wurde allgemein angenommen, die Flüchtigen würden sich der Frau früher oder später entledigen. Daher verzeiht mir meine Neugierde Euch lebend zu sehen, Heilerin Viola."
      Von dem schockierten Gesicht des Magiers wanderte sein Blick über die versunsicherte Viola zu dem weißhaarigen Elf, dessen Blick sich förmlich in ihn bohrte.
      "Herrje, beruhigt Euch.", seufzte er. "Ich habe nicht vor Euch der Garde auszuliefern. Wer ich bin, soll für Euch ersteinmal nicht von Belang sein. Obgleich ich schändlicherweise zugeben muss, dass ihr Euch im Nachteil befindet, da ich sehr wohl weiß, wer ihr seid, Prinz Andvari. Wenn Euch meine Gesellschaft nicht zusagt, steht es Euch jeder Zeit frei Euch alleine nach Beleriand durchzuschlagen. Da Ihr allerdings ein Risko eingeht unter Reisende zu gehen, nehme ich an ihr versucht Euch vor etwas oder jemandem zu verbergen. Meine Gegenfrage also. Werde ich es bereuen, dass Ihr Euch uns angeschlossen habt? Wir sprechen hier von unschuldigen Menschen, deren Leben auf dem Spiel stehen. Ich habe diesen Leuten mein Wort gegeben."
      Wie der fortwährend kreisende Merlin über ihren Köpfen bewies auch der Fremde ein scharfes Auge.
      Niemand schenkte dem gemurmelten Gespräch auf dem Karren Beachtung.
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Winterhauch ()

    • Kalt wie Eis.
      Letztlich gesagt blieb keine andere Beschreibung als diese für den Blick, den der Weißhaarige dem Falkner zuwarf. Und hätte es nur eine simple Art der Drohung gegeben, so hätte er diesen Wagen in einen Haufen Asche verwandelt. Dennoch...Auch auf die Absicht hin, sie nicht zu verraten verspürte Andvari eine gewisse Antipathie gegen diesen Großkotz.
      Kurzum: Er könnte ihn partout nicht leiden.
      Grunzend lehnte er sich mit verschränkten Armen an die Wand des Karrens, die soeben noch unrühmlich geruckelt hatte. Das Knacken wies auf nichts gutes hin, aber zumindest war es kein Krachen. Ein Aufruhr in Milan...Nun, es war nicht verwunderlich, wenn er ehrlich war.
      "Ich bereue nicht, was ich in Milan tat", murmelte Andvari. "Girion war ein Schwein und Viola ist glücklich wo sie ist. Und immerhin muss ich mich nicht rühmen, einen Gefangenen wie ein Tier gehalten zu haben. Und nennt mich nicht Prinz."
      "Andvari...", murmelte Sylvar und wollte einschreiten, fing sich aber einen ebenfalls vernichtenden Blick, der ihn verstummen ließ.
      "Nichtsdestotrotz: Diese Menschen haben nichts zu befürchten. Bei Euch bin ich nicht so sicher..."
      Sylvar reichte es.
      "Vergebt ihm, Falkner", sagte er. "Andvari neigt leider zu Gefühlsausbrüchen, wenn man ihn in eine unbekannte Situation wirft."
      Ein schnaubendes Geräusch war aus der Ecke zu vernehmen.
      "Dennoch: Offenkundig sind Eure Ohren mehr als nur im Land bewandert. Daher die Frage: Woher bezieht Ihr Eure Informationen? Und wie sieht die Kriegslage derzeit aus?"

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    • Beinahe zeitgleich mit dem Erzmagier löste sich auch Viola aus der Schockstarre.
      Während Sylvar versuchte eine zivilisierte Konversation in Gang zu setzen, rutschte die Heilerin über den spröden Holzboden in die Ecke und drückte sich ohne Zögern gegen seine Seite. Eine Handlung, die der Falkner zur Kenntnis nahm, aber vorstichtshalber erst einmal unkommentiert ließ. Obwohl es ihm höllisches Vergnügen bereitete den weißhaarigen Elf zu triezen.
      "Oh, Girion war ein Schwein. Das steht völlig außer Frage. Und ein aufgeplusterter Gockel mit fragwürdigem Adelstitel.", sprach der Fremde mit einem Schulterzucken. "Es ist kein Verlust, wenn ihr mich fragt. Ich bin kein Freund seiner Methoden."
      Die erneute Bedrohung aus dem Munde des Elfenprinzen, ein Bastard zwar aber immernoch von adligem Blut des Könighauses, entlockte dem Falkner ein bellendes Lachen und ein paar Köpfe drehten sich verwirrt in ihre Richtung.
      "Euch gehen noch irgendwann die Drohungen aus, wenn Ihr sie mir im Sekundentakt um die Ohren werft. Spart Euch ein paar davon für später auf."
      Das Einschreiten des Magiers wurde von dem Fremden mit einem Nicken zur Kenntnis genommen. Das abfällige Schnauben befeuerte ein erneutes Kichern, das gedämpft unter den Tüchern erklang, die seinen Mund bedeckten.
      "Oh, macht Euch keine Sorge, Herr Magier. Ich bin nicht nachtragend. Außerdem habe ich eine Schwäche für für den rauen und unnahbaren Typ. Verleiht allem ein wenig Würze. Keine Sorge, meine Liebe", raunte er zu Viola. "Ich bin nicht bekannt dafür mich in fremde Liebelein einzumischen. Aber ich habe auch noch nie eine Einladung ausgeschlagen."
      Violas Augenbrauen schossen bis zu ihrem Haaransatz herauf.
      Die hochgradig irrtierten Blicke ignorierend, drehte sich Der Falkner wieder zu Sylvar um.
      "Nun, was soll ich sagen? Ich besitze eine zuverlässige Quelle direkt im Zentrum des Geschehens.", war die kryptische Antwort. Es war ersichtlich, dass der verhüllte Mann dazu keine Einzelheiten preisgeben würde. Der Blick in den eisblauen Augen verlor das erste Mal seit Beginn des Gesprächs seinen Schalk.
      "Die Fronten sind verhärtet, nachdem Milan wenige Tage nach der Flucht des Prinzen," wobei er letzteres Wort überdeutlich betonte."...überrannt wurde. Die Stadt liegt in Schutt und Asche. Seitdem gab es keine großen Bewegungen mehr auf der von Menschen bewohnte Seite außerhalb des Grenzlandes. Weder die Truppen der Elfen noch die Garde des Kaisers kommen einen Meter vorwärts. Aber die Verluste sind hoch. Es ist nur eine Frage der Zeit bis eine Seite weichen muss."
      Viola schnappte neben Andvari erschrocken nach Luft. Helena und andere Mitglieder des Ordens waren zu dem Zeitpunkt vielleicht noch in Milan gewesen.
      "Gibt es Überlebende?", fragte sie mit belegter Stimme.
      "Ja, ein paar haben es hinaus geschafft. Ich kann Euch leider keine Namen sagen, Viola. Tut mir leid.", antwortete er und sah zu Sylvar. "Wo wir gerade bei Namen sind. Ich habe noch gar nicht nach Eurem gefragt."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Andvari zuckte die Achseln und blickte eisern an die hölzerne Wand des Karrens, wärhend der Falkner mit den kryptischen Anekdoten sprach. Immerhin sah er Girion als das gleiche an und auch wenn sie beide vermutich keine Freunde würden, so einte sie zumindest ein gleicher Feind.
      Auf die Bemerkung hinsihtlich der Drohungen und dem eindeutigen Angebot in Richtung seiner Seite und Violas Seite, blickte er ihn erstaunt und ein wenig bissig an, während er sich wieder umdrehte und den Karren inspizierte. Das war aber auch interessantes Holz. Kaum zu glauben, was es unter Menschen für Menschen gab, dachte er bei sich und ertappte sich beim gleichen Gedankengut wie sein Bruder, ehe er sich schuldig fühlte. Er hatte dies nicht so denken wollen. Und doch, es schien ihm im Blut zu liegen, nicht wahr?
      Den Kriegsbericht jedoch lauschten beide Elfen aufmerksam und bei beiden trat ein betretener Ausdruck ins GEsicht, als sie von Milan hörten. Andvari wusste, dass Helena dort war und Viola sie wie eine Schwester liebte. Die Nachricht, dass Milan überrannt wurde, war schrecklich und mit gleichem Maße hofften beide Elfen, dass es Überlebende gab.
      "Gibt es eine Möglichkeit für Euch, die Namen der Überlebenden herauszufinden?", fragte der Weißhaarige.
      Seine Stimme klang versöhnlicher, wenn auch noch immer hart.
      "Und wer hat die Stadt überrannt? Kennt Ihr den Namen des Armeeführers?"; fragte Sylvar im gleichen Atemzuge und blickte besorgt drein. Wenn es der Name war, den er im Kopf hatte, so würde es nicht die einzige Stadt bleiben.
      "Namen...", muremlte der Zauberer und grinste. "Namen sind Schall und Rauch, Falkner, nicht wahr? Wie wäre es demnach, wenn Ihr mich...Zauberer...nennt?"
      Er kam nicht umhin, seinen Worten eine gewisse Würze zu verleihen. Zumal der Name des Erzmagiers bekannt sein müsste und er nicht noch mehr Gründe liefern wollte, sie auszuliefern.

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    • "Touché, Zauberer.", sprach der Falkner mit einem amüsierten Funkeln in den Augen.
      Dabei war es wohl mehr als gerecht, dass sich der Elfenmagier vorbehielt aus seinem Namen ebenfalls ein Rätsel zu machen. Immerhin war der Fremde ebenfalls nicht gewillt seine Identität preiszugeben. Einen Augenblick lang ruhte seine gesamte Aufmerksamkeit auf Sylvar, während er abwog etwas beharrlicher nach der gewünschten Information zu bohren. Doch er entschied sich fürs Erste dagegen. Es war nicht der richtige Moment für Spitzfindigkeiten.
      "Der Name des Armeeführers dürfte kein Unbekannter in Euren Ohren sein. Prinz Lysanthir höchstpersönlich hat sich über das Gebirge an die Front bequemt. Die Frage überrascht mich dennoch. Eure gewählte Zuflucht muss weitab der Schlachtfelder gewesen sein, dass Ihr davon nichts wisst. Der Prinz und sein Männer überfallen die Grenzlande wie Heuschrecken und lassen nicht einen Grashalm unberührt. Wenn er so weiter macht, gleichen die Niemandslande bald einem Friedhof. Beleriand ist eine der letzten noch unberührten Städte im Grenzland. Die Menschen und auch Elfen dort setzen alles daran, dass es auch so bleibt. Aber ich befürchte das gegen das aufgebotene Heer kein Kraut gewachsen ist."
      Mit einem Seufzen wandte er sich Viola und Andvari zu und rieb sich mit den Fingern über das verhüllte Kinn, ehe er ein paar verirrte, hellblonde Strähnen zurück unter die Kapuze schob.
      Nach der Frage ihres Gefährten hatte sich Viola ein wenig nach vorne gelehnt und wartete angespannt auf die Antworten, die der Fremde ihnen hoffentlich geben würde.
      "Das sollte kein Problem sein. Allerdings wird es eine Weile dauern, bis Ihr die Nachricht erhaltet. Es ist viel Zeit verstrichen seit Milan. Sucht Ihr nach jemand Bestimmten, Viola?"
      "Eine Heilerin aus der Ersten Garde. Helena Verlac.", murmelte sie und verschränkte die Hände in ihrem Schoß.
      Der Falkner nickte verstehend und richtete den Blick nach vorn. Es war nicht mehr weit bis Beleriand. Ein oder zwei Stunden je nach Zustand der Straße.
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    • Andvari zuckte bei der Nachricht, dass sein Bruder die Grenzlande überfiel, unmerklich zusammen. Wie konnte das möglich sein? Er war vor einigen Tagen noch in Tirion gewesen, so viel stand fest. Und es war eine wochenlange Reise mit einem Heer in Richtung der Front. Nicht weiter gedacht musste er an die Opfer dieser schrecklichen Kriegstreiberei denken, obgleich er vor wenigen Wochen nicht anders war.
      Lysanthir barg nur den Unterschied, dass er nicht zögern würde, alles auf seinem Wege abzuschlachten, wenn es ihm in die Quere kam.
      "Wenn Lysanthir wirklich in Milan und den Grenzlanden ist und nicht den Trupp meines Bruders begleitet, haben wir vielleicht eine Chance", murmelte Andvari vor sich her und blickte Viola und Sylvar an.
      Sylvar jedoch blieb sich unsicher. Es war unmöglich, dass es Lysanthir war. Oder war es ein Täuschungsmanöver? Wohl kaum. Dafür war er nicht intelligent genug. Aber Faolan?
      "Unsere Zuflucht war wahrlich recht weit ab vom Schlachtfeld, das ist wahr", murmelte Sylvar gedankenverloren. "Seid Ihr sicher, dass Es Lysanthir war, den Ihr hörtet? Es erscheint mir dieser Tage viel falsche Kunde über die Berge zu laufen, daher muss ich so kritisch fragen. Überdies bleibt uns nur zu hoffen,d ass wir in Beleriand die Zuflucht finden, die wir brauchen, um uns zu erholen."
      Ein schwaches Lächeln umtrieb die Züge des Elfen, wärhend die Landschaft an ihenn vorbei sauste. Die Straßen waren in gutem Zustand, bedachte man das Land um sie herum, aber es würde sicherlich noch länger dauern.
      Schweigsam griff Andvari nach Violas Schulter und lächelte aufmunternd.
      "Sie wird es geschafft haben", flüsterte er.
      Und dessen war er sich sicher.

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    • Viola lehnte sich dankbar in die sanfte Berührung ihres Gefährten und ließ sich von seinem Lächeln etwas beschwichtigen.
      "Das hoffe ich. Sie ist zäher, als sie aussieht.", murmelte sie. Selbst unter den Soldaten war ihr Temperament gefürchtet.
      Die unerschütterliche Sicherheit des Falkners bröckelte unter den zweifelhaften Blicken der Elfen.
      In den Augen zeigte sich ein Spektrum aus Verwirrung und den kreisenden Gedanken, die sein eigenes Wissen in Frage stellten. Er mochte eine zuverlässige Quelle besitzen, aber kein Mensch hatte in den vergangenen Jahren einen der Prinzen höchstpersönlich gegenüber gestanden. Hatte auch er sich von einer List blenden lassen? Die Folgen einer Fehlentscheidung könnten den Fall der Grenzen herauf beschwören.
      Der Falkner löste sich aus seiner entspannten Haltung und beugte sich nach vorn. Sein Blick glitt von Sylvar zu Andvari und wieder zurück zum Magier. Er wirkte binnen Sekunden in großem Maße beunruhigt.
      "Eurem Misstrauen entnehme ich, dass ihr es für unwahrscheinlich haltet, dass Prinz Lysanthir den Weg über die Berge beschritten hat. Ich habe das Heer mit eigenen Augen gesehen. Die gläsern schimmernden Rüstungen aus fremdartigen, bläulichen Stahl. Ein Elf aus den Verließen hat nach einer Beschreibung das Banner erkannt. Eine silberne Sichel auf grünem Grund."
      Erneut drehte er den Kopf in Andvaris Richtung und sah ihn mit festem Blick an.
      "Ein weiterer Eurer Brüder ist in der Nähe?", fragte der Fremde während sich seine Miene verdunkelte. "Alle Feindseligkeiten einmal außer Acht gelassen. Ich denke wir haben einiges zu besprechen, wenn wir in Beleriand sind. Wenn es sich um eine Täuschung handelt, um die kaiserliche Garde in die Irre zu führen, kommen finstere Zeiten auf uns zu."

      Die weitere Fahrt verlief in nachdenklichem Schweigen.
      Viola lehnte weiterhin an der Seite des weißhaarigen Elf und betrachtete die vorbei fliegende Landschaft aus halb geschlossenen Augen. Der Fußmarsch war für sie, als einfacher Mensch, nicht ohne jegliche Anstrengung gewesen und der eisige Fahrtwind machte die Situation nicht besser. Der Gedanke an ein wärmendes Feuer und sauberes Bett war verlockend.
      In den frühen Abendstunden schreckten aufgeregte Rufe die kleine Karawane aus alten Karren und müden Reisenden auf.
      Vor ihnen reckte sich Beleriand aus der grauen Schneelandschaft empor. Stadt war ein großzügiger Begriff für die Ansammlung aus verwinkelten Fachwerkhäusern und die holprigen Straßen aus Kopfsteinpflaster. Vor dem Stadttor, einem kunstvoll geschnitzten Bogen aus massivem Holz, bildeten Palisaden eine einzigen, kläglichen Schutzwall. Männer schritten das Gebilde entlang und hoben winkend die Hände, als sie die Karawane erblickten. Offensichtlich erwartete man sie bereits. In diesem Augenblick ertönte das kreischen des Merlins über ihnen, der ihnen voraus geflogen war.
      Nach einen kurzen Halt ließ man die müden Männer und Frauen mit ihren Familien das Tor passieren. Einer erfahrenen Armee würde die bunte Ansammlung aus Menschen jeden Alters kaum standhalten. Mistkabeln und Sensen waren keine Kriegswaffen. Unter den Schaulustigen befanden sich tatsächlich ein paar Elfen, vom Kampf gezeichnete Männer und Frauen, deren Kampferfahrung sich in ihren Gesichtern abzeichnete. Alte Narben und Blessuren. Einem Elf mit kastanienbraunem Haar, der sich aufmerksam umsah, fehlte ein Stück seines Ohres als hätte ein Pfeil es abgerissen. Kinder liefen winkend an die Straße.
      Der Karren samt Falkner stoppte vor einem verschrobenen Gebäude mit verwinkelten Ausbauten und Giebeln.
      "Falkner", ertönte die volltönende Stimme einer Frau, die ihre Hände in die üppigen Hüften stemmte. Das schwarze Haar von grauen Strähnen durchzogen und das Gesicht von einem harten Leben gezeichnet. Es war aber nicht zu übersehen, dass die Frau in der dreckigen Schürze und dem unordentlichen Haarknoten im Nacken einst eine Schönheit gewesen sein musste.
      "Ihr habt Euch Zeit gelassen, mein Guter.", tadelte sie.
      "Es ist alles dabei, meine Teuerste. Getreide, Aussaat für das Frühjahr und Medizin." Damit sprang er vom Karren und begrüßte die Frau mit einem liebevollen, von Stoff verhüllten Kuss auf die Wange. "Ihr seht jedes Mal jünger und schöner aus."
      "Und Ihr werdest jedes Mal dreister...", schnaubte die Frau. "Ist alles gut gegangen?"
      "Eure Sorge wärmt mir das Herz, Tilda.", lachte er. "Ja, die Garde wird gar nicht merken, dass etwas fehlt."
      Viola horchte auf und blickte mit großen Augen auf. Der Falkner bestahl die Garde?! Wie zum Donner kam er an die Vorräte?

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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Winterhauch ()

    • NAchdem die Elfen die Worte des Falkners mit keiner Antwort mehr außer einem grimmigen Nicken zu würdigen wussten, schwieg man die restliche Fahrt, die sich als deutlich kurzweiliger erwies als vormals gedacht. Die Schneelandschaft der Nordlande veränderte sich nicht wirklich, nur dass der Schnee von schneeweiß zu einer gräulichen Farbe wechselte. Andvari erkannte bei einem Blick aus den Planen heraus, dass das Land karg und schwer zu bestellen war. Was auch immer in Beleriand wuchs, viel konnte es nicht sein. Es würde starker magischer Intervention benötigen, dies Land urbar zu machen.
      Umso erstaunlicher erschien der Umstand, als sich die Stadt aus dem Nichts zu erheben schien. Eine wundersame Anreihung von Fachwerkhäusern mit spitzen Giebeln, denen der Schnee abspenstig taute. Die Wege erschienen mehr Schlammgruben als wirkliche Reiserouten und einträchtiges Gemurmel und Gewusel brandete auf, als der Karren in die Stadt einfuhr.
      Sylvar zog sich eilig die Kapuze wieder über den Kopf während Andvari seine tiefer zog, nachdem er einige Elfen unter den Schaulustigen erkannte. Zwar keine bekannten Gesichter auf den ersten Blick hin, aber zumindest Elfen, die den Krieg gesehen hatten. Auf der einen Seite wärmte es ihm das Herz, dass sie unter Menschen Zuflucht gefunden und gleichsam stach es ihn, dass dieser Art Krieg mit seine Schuld war.
      Als der Karren anhielt schwangen sich die beiden Elfen aus dem Karren und kamen beinahe lautlos auf dem Boden auf. Sylvar stüttze sich schauspielernd schwer auf seinen Stock, während Andvari Viola vom Karren half. Den Austausch des Falkners mit der Dame namens Tilda ließen beide unkommentiert, wollten sie doch nicht hineinfahren in diese offenbar freundschaftliche Unterhaltung. Lediglich die Tatsache, dass der Falkner die GArde bestahl, ließ die beiden Elfen aufhorchen und sich ansehen. Etwas stimmte hier nicht...

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    • Mit etwas Hilfe landete Viola sicher auf den Füßen.
      Dankbar ergriff sie die angebotene Hand, um auf dem unebenen und rutschigen Kopfsteinpflaster nicht zu straucheln. Der Blick glitt über die Gebäude, die ihm fahlen Licht der untergehenden Wintersonne und dem gräulichen Schneematsch ein klägliches Bild abgaben. Spuren eines Angriffes waren auch hier an allen Häuserwenden zu erkennen. Auf einem Dachfirst saßen zwei Männer, die offensichtlich ein Loch im Dach reparierten und nur inne hielten, um ihre Neugierde zu stillen.
      Viola ließ die Hand nicht los, die ihr das Gefühl von Sicherheit vermittelte und wartete wie ihre Begleiter geduldig darauf, dass man von ihnen Notiz nahm. Etwas stimmte mit diesem Falkner nicht. Vorräte von der Garde zu stehlen, war kein leichtes Unterfangen und offensichtlich hatte er den Weg das Beleriand nicht zum ersten Mal auf sich genommen. Das Ganze fand also schon über einen längeren Zeitraum statt. Die Heilerin hatte nie von groß angelegten Diebstählen gehört.
      Irgendwann hob der Falkner die Hand und winkte die Elfen samt Heilerin zu sich und der rüstigen Frau herüber.
      "Allerliebste Tilda denkt Ihr wir können Eure Küche für ein kleine Gespräch unter Freunden ausleihen...?", begann der Falkner
      "Eure Gespräche unter Freunden kenne ich, Falkner. Meine Küche ist tabu.", schnaubte sie und blickte ihn warnend an.
      "Meine liebe Tilda. Eure Anschuldigungen brechen mit das Herz.", stieß der Falkner hervor und griff sich mit gespieltem Schock an die Brust. Skeptisch hob die Frau eine Augenbraue an. "Ich verspreche Euch meine Absichten sind gänzlich sittsamer Natur. Wir benötigen nur einen Raum abseits von neugierigen Augen und Ohren."
      Die ergraute Tilda mit den herrlichen Lachfältchen um die Augen, wirkte nicht länger skeptisch sondern ihr Blick wechselte zu einer vorher nicht dagewesen Ernsthaftigkeit. Sie sah sich um, ehe sie den Falkner samt der fremden Neuankömmlinge förmlich durch die Tür ins Haus schob.
      Das Gebäude stellte sich als gemütliches Gasthaus heraus, mit einer rustikalen Theke und langen Tischen mit Bänken, an denen ein bunter Haufen aus Menschen und Elfen einfache Mahlzeiten verspeisten und tranken. In der Mitte des Raumes brannte ein einladendes Feuer, dass von allen vier Seiten zugänglich war. Auch dort saßen vereinzelt Männer und Frauen auf alten Holzbänken, um sich zu wärmen. Kurz hob sich die Blicke, doch legte sich die Aufmerksamkeit schnell wieder auf das Essen. Der Falkner war bekannt unter den Bewohnern Beleriands. Sie hatten aufgehört Fragen zu stellen.
      Tilda führte die kleine Gruppe in die angrenzende Küche und schob einen schweren Riegel von Innen vor die Tür.
      In beinahe verschwörerischer Art schloss der Falkner selbst die Fensterläden und sperrte somit das letzte Licht des Tages aus. Ein paar kostbare Öllampen erhellten den Raum, ebenso wie ein flackerndes Feuer im Ofen.
      Tilda deutete auf einen robusten Tisch.
      "Bitte nehmt Platz. Da wir schonmal in der Küche sind, wie wäre es mit einem kleinen Abendessen. Es ist noch genug übrig.", die stoische Miene verwandelte sich in ein freundliches Lächeln. "Und bei den Göttern, nehmt endlich diese lächerliche Maskerade ab. Ich verstehe ja Euren Hang zur Dramatik, aber wenn Ihr schon nach einem Raum für ein vertrautes Gespräch fragt, denke ich dass eine Maskierung nicht länger nötig ist."
      Der Falkner schnaubte fast eingeschnappt, ehe seine Augen belustigt funkelten.
      "Ihr hätte doch nur sagen müssen, das Euch mein hübsches Gesicht fehlt, liebste Tilda.", lachte er und hakte einen Finger unter das Tuch, dass seine untere Gesichtshälfte verbarg. "Und Viola? Ich würde Euch bitten Ruhe zu bewahren."
      Die Heilerin sah verwirrt von ihrem Platz am Tisch auf, nachdem sie sich gesetzte hatte.
      "Wieso sollte ich...?", begann sie und verschluckte jede weitere Silbe, als der Falkner das Tuch herab zog. Sofort befand sich Viola wieder auf den Beinen wobei sie den Stuhl so stark und ruckartig nach hinten schob, dass dieser scheppernd zu Boden fiel. Unter der Kapuze kam ein hellblonder Haarschopf hervor, noch heller als er Sylvars Haare waren. Das Gesicht selbst war glattrasiert und bestach durch edle, feingeschnittene Gesichtszüge. Die Lippen zu einem strahlenden Grinsen verzogen, verschränkte der Mann die Arme vor der Brust. Andvari und Sylvar konnten es nicht wissen, aber Viola erkannte das Gesicht binnen Sekunden.
      "Euer Hoheit...", flüsterte sie fassungslos. Violas Finger zuckten auf der Tischplatte unschlüssig zwischen altbekannter Etikette und der schieren Überraschung. Sollte sie sich setzen? Sich verbeugen? Die Situation war absurd. Vor allem weil Tilda mit einem entspannten Summen im Hintergrund den Tee zubereitete. Violas Ausdruck glich einem Fisch auf dem Trockenen.
      "Kronprinz Lucien de Bourgone, zur Euren Diensten.", lachte er und blickte von Viola zu den beiden Elfen. Und tatsächlich verbeugte sich Lucien, der Kronprinz des Menschenreiches in einer chaotischen Gasthausküche mitten im Nirgendwo, vor den beiden Elfen. "Ich sagte ja, wie haben einiges zu besprechen."
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    • Diese freundliche BArfrau war ein anderes Kaliber, als Andvari es erwartet hatte. Sicherlich barg sich unter ihrer rauen Schale eine nicht unerhebliche Schönheit, doch vielmehr mochte der Weißhaarige die schroffe Art, wie sie den Falkner und sie anderen in ihre Schänke schob.
      Die gut gefüllte Taverne erschien in einem gänzlich neuen Gewand, als sie diese betraten. Aus dem grauen Schnee der Stadt schälte sich eine angenehme, warme und gut gefüllte Einrichtung, die einen wohnlichen Hauch von Behaglichkeit bei ihnen beiden hinterließ. Und auch wenn sie vermummt wie Straßenräuber über die knarrenden Dielen liefen, so erschien ihnen doch die Szenerie vbeinahe freundlich. Die Menschen udn Elfen sahen kurz auf, nahmen die Neuankömmlinge zur Kenntnis und senkten den Blick kurz wieder. Manche nickten sogar zum Gruße.
      Andvari schüttelte leicht den Kopf und drückte Violas Hand zart, als sie die Küche betraten, wo es beinahe noch wärmer war. Auf das Gespräch zwischen Tilda und dem Falkner reagierten sie erst nicht, ehe sie sich an den Tisch setzten und ihm zusahen, wie er sich regelrecht entblätterte.
      VIolas Reaktion erschrak beide Elfen und beinahe hätte Andvari sich ihr angeschlossen, ehe der Falkner seinen Namen sagte. Beide Elfen sahen sich einen kurzen Moment an und neigten sodann respektvoll den Kopf. Auch wenn sie vormals auf unterschiedlihen Seiten gestanden hatten, geziemte sich Respekt unter Königshäusern. Auch wenn sie streng genommen keinem mehr angehörten.
      Sicherlich kannten beide Elfen den Namen der Königsfamilie, aber die genauen Mitglieder waren ihnen unbekannt. Zumal sie den König nicht einmal zu Gesichte bekommen hatten, gleich wie viele Städte sie eroberten.
      Andvari tat es ihm gleich und schob die Kapuze von seinen Schultern, um seinen weißen Haarschopf und das leicht verdreckte Gesicht zu entblößen. Sylvar benötigte eine Sekunde länger, ehe auch er sich wieder gerade rückte und die Kapuze entfernet. Das blonde Haar des Erzmagiers leuchtete im Widerschein des Feuers und das grünliche Ornament auf seiner Stirn war zunehmend erstarkt.
      "Wir haben eindeutig einiges zu besprechen", murmelte Andvari und nickte ihm zu.
      "hohoho, man sieht nicht häufig einen Prinzen in derlei Armenvierteln umherwandeln und seine eigene Garde bestehlen. Darf ich demnach fragen, was Euch zu diesem Verhalten trieb, Eure Hoheit?"

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    • "Bitte setzte Euch, Viola.", sagte Lucien. "Und da wir uns in keinem Palast sondern in gemütlicher Runde befinden, verzichtet auch bitte auf die unnötigen Titel. Ein Gespräch gestaltet sich wesentlich leichter, wenn wir uns nicht an Konventionen festhalten."
      Tatsächlich schritt der Kronprinz auf den umgefallenen Stuhl zu und bedeutete der verdutzten Heilern erneut sich wieder zu setzen.
      Beiläufig zupfte er die Handschuhe aus weichem Leder von seinen Fingern und entledigte sich auch des schweren Mantels. In der behaglichen Küche war es eindeutig warm genug. Viola indes rückte ihren Stuhl am Tisch zurück und hing ihren Wintermantel über den Stuhl. Das Bild vor ihnen Augen war einfach zu bizarr.
      Lucien trat an das Kopfende des Tisches und fuhr sich durch das Haar, das ihm wild zu allen Seiten abstand. Seine ganze Erscheinung hätte nicht weniger königlich wirken können.
      "Ist es stehlen, wenn es schon gestohlen ist?", begann Lucien und die Mundwinkel hoben sich zu einem schiefen Grinsen. "Die Garde hat mehr als genug Vorräte um ganze Landstriche zu versorgen. Die Überlebenden im Niemandsland stehen vor dem nichts. Keine Seite interessiert sich für die Hungersnöte und Seuchen, die diesen Landstrich heimsuchen. Als ich das erste Mal mit Abgesandten der Garde durch das Grenzland reiste, hat der Anblick misch schockiert. Mir wurde bewusst, dass hohe Palastmauern die Realität nur allzu leicht fernhalten. Jemand musste etwas tun. Und da mein Vater dem Wahnsinn verfällt..."
      Lucien zuckte mit den Schultern und ließ sich ebenfalls an dem Tisch nieder, auf dem Tilda gerade eine heiße Kanne mit Kräutertee platzierte. Es folgten hölzerne Teller und Schalen mit kaltem, geschnittenem Braten und warmes, duftendes Brot. Gastfreundlich füllte sie weitere Schalen mit einer dampfenden, wohlriechenden Brühe, die von Innen wärmte.
      "Nach den Vorfällen in Milan habe ich begonnen mich umzuhören.", setzte er fort und griff nach dem Tee, den er wie ein Gastgeber und nicht wie ein adliger Prinz an alle ausschenkte. "Gerüchte, Erzählungen, das Flüstern in dunklen Gassen. Informationen können im Krieg den Unterschied zwischen Leben und Tod machen. Beleriand eignet sich hervorragend für das Sammeln von Neuigkeiten. Menschen und Elfen aus allen Himmelsrichtungen kommen hier her. Die letzte Zuflucht im kargen Grenzland. Und natürlich der unwiderstehliche Charme unser wunderbaren Tilda, nicht wahr?"
      Besagte Frau trat hinter den sitzenden Lucien und versetzte ihm tatsächlich einen tadelnden Klapps auf den Hinterkopf.
      "Charmant, wie ich sagte.", grinste er und nippte schließlich an seinem Tee. Die gestandene Frau hatte definitiv keine Angst vor Rang noch Namen.
      Dann flog sein Blick zu Sylvar.
      "Habe ich mir jetzt das Recht verdient Euren Namen zu erfahren, Zauberer?", lächelnd neigte sich Lucien vor.
      "Benehmt Euch.", tadelte Tilda aus Richtung der Kochnische.
      "Was? Ich habe nur nach einem Namen gefragt...", grummelte er und seufzte ehe sich zu Andvari drehte. "Was bringt Euch zurück an den Kriegsschauplatz, Andvari? Ihr seit Entkommen und doch verschlägt es Euch hier her zurück."
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