[2er RPG] The Lesser Evil [Winterhauch & NicolasDarkwood]

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    • Viola


      Der Tag versprach ein besonders sonniger werden.
      Keine einzige Wolke ließ sich am strahlend blauen Himmel blickten. Viola richtete den Blick während sie durch die Straßen der Elfenstadt gingen immer wieder fasziniert nach oben in die sich wiegenden Baumwipfel. Allerdings erreichte der seichte Wind, der Abkühlung versprach, nur selten bis an das Wurzelwerk am Boden heran. Dafür spendeten die Baumkronen ausreichend Schatten, der die steigenden Temperaturen jedoch kaum aufhielt. Zwischen raschelndem Blattwerk kämpfte sich stets ein kleiner Fetzen bläulichen Himmels hindurch. Bäume von derartig großem und ausladenem Wachstum bekam man auf der anderen Seite der Bergkette nur selten zu Gesicht. In den großen Städten aus Stein und Metall regierten anderen Beschaffenheiten das optische Bild. Selbst die warme Luft am Boden trug in Telerin eine gewisse Frische und Süße mit sich. Die Luftfeuchtigkeit war allgegenwärtig und zeugte von der Nähe zum Wasser und den tosenden Wasserfällen, deren Rauschen zum gängigen Hintergrundgeräusch gehörten.
      Die neugierigen Blicke in ihrem Rücken versuchte die junge Frau weitgehend zu ignorieren, es war schwer in den langen Umhängen nicht verdächtig auszusehen. Vor allem da sie absolut unpassend für die sommerliche Wärme waren. Trotzdem war es eine willkommene Freude zu sehen, wie selbstverständlich sich Sylvar zwischen den anderen Elfen bewegte, als wäre er ein gern gesehener Gast. Viola fragte sich, wie viel Zeit seines bisherigen Lebens er in den verschlungenen Straßen Telerins bereits verbracht hatte. Jedenfalls erweckte der Magier mit seiner geradezu herzlichen Art weniger Aufmerksamkeit, als Viola und ihr Gefährte.
      Die Heilerin blickte hinab und spürte den zarten Druck an ihren Fingern. Seine Hand war warm und sie warf ihm einen fast mitleidigen Blick zu. Der schwere Umhang musste die pure Hölle sein. Die Hitze darunter müsste zumindest ähnlich sein.
      Ein schwacher Ruck ging durch ihren Arm, als Andvari stoppte. Anscheinend würden sich hier vor den Toren ihre Wege kurzzeitig trennen. Es war seltsam. Seit knapp einer Woche hatten sie keinen Augenblick ohne einander verbracht. Die bevorstehende Trennung, auch wenn es nur Minuten waren, fühlte sich merkwürdig an. Als breite sich ein Schatten in ihrem Rücken aus, sobald sich das Licht von ihr entfernte. Dandelost an ihrer Hüfte gab einen nur für sie spürbaren Puls ab.
      Die Heilerin hatte keinen bewundernden Blick für den majestätischen Anblick des Fürstenpalastes, der turmartig in den Himmel aufragte. Die grünen Augen sahen Andvari lange an, ehe sie ihm schweren Herzens die Hand entzog. Eine letzte Berühung ihrer Fingerspitzen und Viola musste sich zwingen einen Schritt zurück in Sylvars Richtung zu machen.
      "Es wird alles gut gehen. Mir passiert nichts.", Viola bemühte sich um ein Lächeln und blickte zu Sylvar. "Ich denke, ich bin in guten Händen."
      Als ihre Füße sie endgültig an die Seite des blonden Elfen getragen hatte, nickte sie entschlossen. "Das bin ich."

      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Captain Creep und seine Crew


      Andvari nickte seiner Liebsten zu und machte sich auf den Weg. Die Lichtmagie brachte einige Vorteile mit sich, wenn man sie meisterte. Leider war er noch nicht auf dem Grade der Meisterschaft, dass er seine Magie ange aufrecht halten konnte, aber zumindest für ein erstes Untertauchen wrüde es reichen. Rasch blickte sich der Elf um. Als er erkannte, dass zwar viele Wachen an den Haupttoren standen, diese aber nicht einmal ansatzweise durch ihre schimmernden Rüstungen in ihre Richtung sahen, atmete er aus und hüllte sich blitzschnell in seine Aura. Glänzendes Licht pulsierte durch seine Venen und ließen die Haut aufleuchten unter dem Mantel, ehe dieser vom Licht gleichsam erfasst wurde. Gerade einmal eine Sekunde später, so schien es, verblasste seine gesamte Gestalt mitsamt dem Mantel bis ins fast Unsehbare. Als habe ihn ein heller Schein regelrecht aus der Welt geblendet.
      "Ich lenke das Licht um mich so lange ich kann", murmelte er. "Haltet euch nicht zu lange auf!"
      Mit diesen Worten und einem Nicken des Erzmagiers verschwand Andvari im Dunkel des Ganges.
      Sylvar indes stützte sich schwer auf seinen Stab und räusperte sich.
      "Es wird nun beginnen"; flüsterte er. "Vergebt mir. "
      Eine Sekunde lang wies er ihr noch den Weg in Richtung der Wachen und den verschlungenen Pfad entlang, als er ihr plötzlich und beinahe unvermittelt mit der Hand einen sanften, aber durchaus strebsamen Stoß zwicshen die Schulterblätter gab.
      "Na komm schoä, Püppschn...", lallte der MAgier und stützte sich schwer und schwankend auf seinen Stock. "Nu mach ma nich' einen auf tak...tak,...takvoll, weisde? Hihihi. Lass Papa ma' ran annen Speck, sons' knallt das hier..."
      Er stieß sie weiter, immer wieder, wobei der Erzmagier darauf achtete, dass sie den engen Steingang, der von beiden Seiten von massiven DFelsen gesäumt war, nicht hinab fiel. Das Rauschen des Wasserfalls überdeckte viele Geräusche und als sie auf eine Art Steinlichtung kamen, offenbarte sich vor ihrer Augen ein Schmuckloser Eingang zum Gefängnis. Drei Wachen waren vor der schweren Eisengittertür postiert und hielten neben ihrer schimmernden, weißen Rüstung Speere in Händen, die vorne mit einem grünlich glitzernden Kopf ausgestattet waren.
      Sylvar erkannte sogleich, dass die Waffen vergiftet waren. Und das war keinesfalls üblich. Die Wachen blickten auf, als der MAgier die junge Heilerin den letzten Meter hinab stieß und ihr anschließend von hinten an die Brust fasste. Doch dabei beließ er es nicht. Er versetzte ihr anschließend einen weiteren Stoß , der sie eigentlich zum fallen bringen musste.
      Während dessen begann er an seinem Gewand zu nesteln, um es auf Hüfthöhe öffnen zu können.
      "Na kommschon...Na kommschon..."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Viola


      Ein letzter Blick wanderte über Violas Schulter zu der Stelle, an der Andvari vor ihren verblüfften Augen verschwunden war.
      Es hätte schon sehr kundiger Blicke bedurft, um die fast unsichtbare Silhouette des Elfen zu erspähen. Die Manipulation des Lichts brachte wirklich erstaunliche Möglichkeiten hervor. Trotz der Bewunderung für seine Fähigkeiten, bereiteten ihr die kleinen Spielereien am meisten Freude. Kugeln aus reinem Licht oder die kleinen Funken, die wir Glühwürmchen um ihr Haupt getanzt waren. Kleine Augenblicke, die ihr Herz mit Wärme füllte, so wie Andvari sie mit seinem Licht wärmte.
      Die junge Frau atmete einmal tief durch, um ihren Verstand zu klären und ließ sich anschließend von Sylvar den schmalen Weg hinab führen. Der Geruch von Schwefel stieg ihr ab hier stärker in die Nase, hielt sich aber im Bereich des erträglichen.
      Trotz aller Vorwanung versetzte der erste Stoß zwischen ihren Schulterblättern die Heilerin ins Straucheln. Kleine Kieselsteinchen knirschten unter ihren Füßen, während vereinzelte Steine über den Rand kullerten und in der Tiefe des Wasserfalls verschwanden. Viola hielt die Luft an und ihr ganzer Rücken verkrampfte sich. Bisher bewegte sie sich in einem Tempo mit dem sie umgehen konnte. Betrunkene Soldaten war ihr nicht fremd, obwohl sie stets bemüht gewesen war, den Trunkenbolden aus dem Weg zu gehen. Genügend Alkohol machte aus dem edelsten Krieger einen Taugenichts.
      Die Heilerin hatte keine Zeit sich in der weiten, offenen Fläche umzusehen, die allein aus kargem Stein befand. Das Dröhnen des Wasserfalls wirkte ihr ein wenig gedämpfter. Aus dem Augenwinkel erkannte sie die Wachen vor einem einfachen Tor aus Gitterstäben. Wenn man nicht wusste, dass sich hier unten ein Eingang befand, war der Weg und die kleine Aushöhlung fast zu übersehen.
      Ein erstickter Aufschrei entkam hier, als sie Sylvar unvermittelt in ihrem Rücken spürte und seine Hand hervorschnellte, um sich in eindeutiger Weise um ihre Brust zu legen. Der Magier hatte das Überraschungsmoment auf seiner Seite, so war der Laut von ihren Lippen keinesfalls gespielt sondern echt. Aber es war der Atem direkt in ihrem Nacken, der ihr einen eiskalten Schauder über den Rücken jagte.
      Tatsächlich verlor Viola ihr Gleichgewicht und stürtzte zu Boden. Bevor ihr Gesicht Bekanntschaft mit dem rauen Felsboden machen konnte, find sie sich notdürftig mit den Händen ab. Kleine Steinchen und scharfe Kanten schürften über ihre Handflächen. Das Rascheln von Kleidung war das letzte Fünkchen, dass die Starre aus ihrem Körper löste. Das Herz schlug einen besorgniserregenden Takt in ihre Brust, während Viola alte Erinnerungen und die aufkeimende Angst bekämpfte. Sie hatte den Köder in der Hand und musste ihn auswerfen.
      "Hilfe...Helft mir, ich flehe Euch an..." Der zitternde Ton ihrer Stimme klang erschreckend real, während sie ihren Arm über den Boden Richtung der Wachen ausstreckte. Es war ein kleiner Einblick, so grausam er auch war, auf das junge Mädchen, dass vor langer Zeit zwischen Asche und Trümmern um Gande gebettelt hatte.
      Selbst für die stoischen Wachen am schweren Eisentor war nun erstichtlich, dass es sich hier nicht um einer beiderseitges Vergnügen handelte. Schwere Schritte näherten sich dem fragwürdigen Treiben, ehe sich die Spitze eines grün schimmernden Speeres drohend den Rippen des Magiers näherte. Eine Warnung, für's Erste.
      "He!", sprach die zweite Wache mit herrischem fast eingebildetem Ton. "Reiß dich zusammen. Die Frau ist offensichtlich nicht interessiert. Hörst du schlecht!?"
      Der dritte Elf machte Anstalten nach Viola zu greifen, um ihr aufzuhelfen. Als die behandschuhte Hand ihrem Arm umfasste, riss die junge Frau die Augen auf...und wimmerte.
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    • Captain Creep

      "He, He! Vorsicht mit dem Speer, mein Junge, hicks!", murmelte Sylvar, während seine Hand an seinem halb gerafften Gewand still stand.
      Wo war dieser Weißhaarige Affe nur, wenn man ihn brauchte?
      "Ach was interessiert...", lallte er weiter und lehnte sich leicht zu der Wache, wohl darauf achtend, die Speeerspitze nicht zu berühren. "Ich sach dir was: Du darfst mal und ich darf mal. Das fleisch is köstlich, jawohl.."
      Das Wimmern der jungen Frau riss selbst den Erzmagier aus dem Konzept. Beinahe von einer Sekunde auf die Andere wurden seine Augen wieder klar und hellwach stachen sie in die Augen seines Gegenübers.
      "Tut mir Leid", murmelt er. "Aber Ihr seid zu nah!"
      In der nächsten Sekunde ging ein Ruck durch seinen Körper und der Soldat wurde von einer ebenso starken Druckwelle getroffen. Sie besaß zumindes das Potenzial, sein Hirn gewaltig durchzuschütteln und den Körper in der Rüstung umherfliegen zu lassen. Genügend also um einige Prellungen und Traumata auszulösen.
      Andvari war indes durch die Schatten des Weges geschlichen und hatte sich in einer Nische versteckt gehalten. Seine Umrisse waren lediglich im Gegenlicht erkennbar und eigentlich sah der Plan ein etwas taktischeres Vorgehen vor. Doch als er das Wimmern hörte, das Viola ausstieß, als sich der Arm des Elfen um ihren schloss, schien beinahe ein Hebel umgelegt zu werden.
      Wie mechanisch trat Andvari aus seiner Nische und löste den Lichtschleier um seinen Körper, der das Licht brach. Als würde er aus der Versenkung erstehen, zeichnetet sich die große GEstalt des Elfen aus dem Nichts kommend ab und stand damit Sylvar nicht in einer Sekunde nach.
      Lichtfäden brachen aus der Deckung des Umhangs hervor und formten sich über seinem Kopf zu zwei gewaltigen Speeren, die sich unter knirschenden Lauten manifestierten.
      Den ersten sandte er auf den Elfen, der seine Geliebte zum Wimmern brachte, währnd der zweite in Richtung der Zweiten Wache flog. Sollten sie sehen was sie daraus machten.

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    • Viola


      Ein dunkler Nebel erfüllte jegliche Nische ihres Verstandes. Die Geräusche um sie herum verkamen zu einem dumpfen Stimmengewirr, als hätte jemand Baumwolle in ihre Ohren gestopft. Die Leere in ihrem Blick war beängstigend. Der ganze Leib der Heilerin erschlaffte binnen Sekunden in dem starken Griff der ratlosen Wache.
      Der Elf, der versuchte den Sylvar mit seinem Speer in Schach zu halten, lehnte sich angewidert zurück, als der scheinbare Trunkenbold ihm zu nahe kam. Das Wimmern der fremden Frau erreichte auch seine Ohren.
      "Du Idiot, was tust..." brach er mitten in seinem Satz ab, als die wispernde Stimme des Betrunkenen eigenartig klar und verständlich vernahm. Die Augen des Mannes weiteten sich vor Schreck, da hatte ihn die Druckwelle bereits erfasst und wie ein Strohpuppe durch felsige Lichtung geschleudert. Scheppernd und mit einem ekelerregenden Knirschen prallte der Körper gegen die scharfkantigen Felsen. Die Wache blieb regungslos am Boden liegen.
      Alarmiert dadruch ließ die Wache bei Viola ihren Arm los, so dass diese wenig elegant so Boden rutschte. Die junge Frau regte sich auch nicht als beide Wachen ihre Speere bedrohlich gegen Sylvar richtete.
      "Was ist soll das werden? Hast du vergorenen Met getrunken?!", keifte der Soldat. "Zurück! Sofort!"
      Aus dem Augewinkel tat sich eine fremdartige Gestalt auf. Beide Männer drehten geschockt den Kopf zur Seite, als sich vor ihren Augen reinstes Licht zu Waffen formte. Lautlos, kaum hörbar, fiel das Wort Lichtbringer über die Lippen der Wachen, die ihr Ende bereits kommen sahen. Beide versuchten den tödlichen Angriffen auszuweichen. Einen Elf traft der Speer mitten in die Brust und beförderte ihn zu Boden. Die Wache bei Viola schaffte es gerade noch sich rechtzeitig wegzudrehen und wäre beinahe davon gekommen, da schrie der Elf geschockt und schmerzvoll auf.
      Die Heilerin zu seinen Füßen hatte ihren Dolch gezückt und seinen Fuß wie ein Schmetterlingsexponat am Boden festgenagelt. Die kleine Verzögerung reichte und der Lichtspeer traf sein Ziel von hinten zwischen die Schulterblätter.
      Grimmig blickte Viola auf ihre aufgeschürfte Hand, die den Dolch umklammerte. Ihr Atem ging schwer, aber ihr Körper schien sich weider daran zu erinnern wie man sich bewegte. Ihr Blick flog fahrig über die Männer am Boden und schließlich ebenso flüchtig über Andvari und Sylvar, als würde die junge Frau sie gar nicht richtig wahrnehmen.
      Ruckartig zog sie den blutigen Dolch zurück und wischte ihn an ihrem Umhang ab während sie sich auf dem steinigen Boden aufsetzte. Bevor sich einer der beiden nähern konnte, hob sie die andere verschrammte Hand.
      "Ich brauch nur einen Augenblick..." presste sie hervor und umklammerte den Griff des Dolches so fest dass ihre Knöchel weiß hervor traten. "Mir geht es gut...mir geht es gut...", murmelte sie immer wieder.
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    • Captain Creep und seine tollkühne Crew

      Sylvar sah sich umgehend nach seinem schützling um, während diese noch immer ihren Dolch umklammerte und sich aufsetzte. Gerade wollte er sich niederlassen, da die Lichtspeere aus den Körpern der Wachen verschwanden und Andvari schnellen und überaus wütenden Schrittes näher kam.
      "Ich habe dir gesagt, du sollst sie nicht..."
      Das Knurren in seiner Stimme war beinahe unmenschlich und das erste Mal in vielen Jahren verspürte er bahbrechende Angst, als Andvari ihm entgegen trat. Sylvar wich zwei Schritte zurück und hielt den Stab schützend vor sich.
      "Ich...Ich habe nicht gewusst, dass er das tut!"
      "Ach nein?! Du weißt doch seonst immer alles, du vermaledeiter Säufer!", zischte Andvari und beugte sich leicht zu Viola herab. Auch wenn sie versicherte, dass es ihr gut ging, war das Wimmern echt gewesen. Dieses Geräusch, das Andvari noch immer in seinen Gedanken verfolgte, ließ ihn seinen Bruder bösartig anfunkeln und seufzen.
      Wesentlich sanfter und ruhiger nahm er die Kapuze leicht aus dem Gesicht und beugte sich zu ihr.
      "Ruhig", murmelte er und griff sachte nach ihrer Hand, die den Dolch umklammert hielt.
      Zärtlich, aber dennoch bestimmt genug, versuchte er, den Dolch aus ihre rHand zu entfernen, während Sylvar sich wachsam umsah. Sicherlich, sie hatten nicht viel Zeit, aber zumindest den Dolch konnte er ihrer Hand entnehmen.
      "Ich weiß, dir geht es gut", murmelte er. "Lass dir helfen."
      Er legte eine Hand unter ihre Achsel und übte leichten Druck nach oben aus, während Sylvar ihnen zuzischte:
      "Es wird Zeit. Wir müssen uns beeilen,ehe sie uns sehen!"

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    • Viola


      Mit einem Anflug von Bitterkeit sah Viola auf die besudelte Klinge.
      Dass eine eigentlich harmlose Schauspieleinlage sie dermaßen aus dem Konzept brachte, löste einen unterschwelligen Ärger tief in ihrer Brust aus. Obwohl sie gedanklich darauf vorbereitet war, hatte sie die Situation eiskalt erwischt. Was als verdeckter und lautloser Angriff geplant war, wäre beinahe völlig aus dem Ruder gelaufen. Die Heilerin war dem falschen Irrglauben erlegen, dass sich ihre mentale Verfassung gefestigt hatte. Der Fortschritt schien sich aber allein auf Andvari zu beschränken, der nun wutentbrannt in ihrem peripheren Sichtfeld auftauchte und sich drohend seinem Bruder näherte.
      "Andvari...", murmelte sie, doch es blieb bei dem halbherzigen Versuch in zu beruhigen. Viola fehlte gerade die Kraft, um ihre Stimme zu erheben oder sich gar zwischen die Elfen zu stellen, bevor ein Unglück passierte.
      Ein paar Stiefel tauchten in ihrem Augenwinkel auf und die junge Frau wagte einen vorsichtigen Blick nach oben.
      Was ihn ihrem Blick lag, da war sich selbst Viola nicht gänzlich sicher. Vielleicht ein Mischung aus Schrecken und Verärgerung. Wobei Letzteres allein ihr selbst galt und nicht den beiden Männern, die sie besorgt ansahen.
      Sie war erleichtert das Gesicht ihres Gefährten sehen zu können, der Anblick der vertrauten, goldenen Augen beruhigte sie beinahe sofort. Ein Gefühl der Sicherheit kehrte zurück. Ohne Protest ließ Viola zu, dass der Weißhaarige sanft ihre verkrampften Finger um den Dolch löste und ihr die Waffe abnahm. Schweigend betrachtete sie die kleinen Steinchen, die sich in ihre Handfläche gegraben hatten.
      "Es tut mir leid.", murmelte sie. "Ich hätte nicht gedacht, dass..."
      Die drängenden Worte des Magiers unterbrachen sie mitten im Satz und sie blickte sich alarmiert um. Wenn das hier erledigt und ihnen eine Atempause vergönnt, würde sie mit Sylvar sprechen müssen. Sie wollte nicht, dass er sich schuldig fühlte. Er hatte den Zorn seines Bruders nicht verdient. Viola hatte sich freitwillig dieser Situation ausgesetzt.
      Erst als sie wieder sicher auf den Füßen stand, wischte sie die Dreck und Steinchen von ihren Handflächen. Sie war blass um die Nase stand aber ohne zu schwanken auf beiden Beinen.
      "Sylvar hat recht.", sprach sie mit fester Stimme und warf dem Magier einen kurzen Blick zu. Sie hätte ihm wirklich gerne versichert, dass alles in Ordnung war. Es war weder der richtige Zeitpunkt noch der richtige Ort dafür.
      Jetzt wo ihre Hände aufgehört hatten zu zittern, streckte sie Andvari auffordernd die Hand entgegen um den Dolch wieder an sich zu nehmen.
      "Wir müssen weiter..."
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    • Captain Creep und die Crew

      Advari blickte noch einmal unsicher zu seiner Gefährtin und suchte nach einem Anzeichen von Unsicherheit in ihrem Blick, währnd seine Finger über den Dolch und den zugehörigen Griff fuhren. Der nächste Blick traf seinen Bruder, der sich zwischenzeitlich örtlich verschoben hatte und mit wehendem Gewand, das zwischenzeitlich geschlossen wurde, an ihm vorbei schlängelte, um mit seinem Stab die Leichen der Soldaten anzutippen. Doch nichts entrang sich den leblosen Körpern, die zu beiden Seiten des Schauplatzes lagen. Ein Verstecken war nicht möglich, dafür fehlte die Zeit.
      Andvari reichte Viola den Dolch und warf die Kapuze wieder über sein Gesicht während er sich umdrehte und seinem BRuder hinterher eilte. Nicht ohne vorher, den Arm seiner Gefährtin zu ergreifen und sie leicht mit sich zu ziehen. Sicherlich war es kein gutes GEschick, dies bei einer Dame zu tun, aber sie mussten sich sputen. Und auch wenn er seinen Bruder lieber hätte erwürgen wollen, so bleib dafür noch später genügend Zeit. Kopfschüttelnd sah er ihm nach und folgte mit Viola auf gleichem Fuße. Mit einem Wink seiner Finger verschwanden die Speere wie sie gekommen waren: in einem Hauch von Licht, das sich in Fäden zerstäubte und zu seinem Herrn zurückkehrte.
      "Wie sieht es aus?", fragte er als sie Sylvar erreichten.
      "Bedingt gut. Das Schloss ist knackbar. Dahiner teilt sich der Weg. Meine Intuition sagt mir, dass der Hammer auf dem rechten Pfade, der Kerker aber auf dem Linken ist."
      "Ich gehe mit euch!"
      "Nein, Andvari", zischte Sylvar und sah seinen BRuder ersnst an. Im Gesicht des MAgiers stand der Widerstand, den PLan nicht zu gefährden. Auch wenn die Wut in Andvaris Gesicht mehr als verständlich war. "Wir brauchen den Hammer. Farryn braucht ihre Waffe, sonst ist sie nutzlos. Und du bist der einzige, der skrupellos genug ist, in die Waffenkammer des Fürsten einzubrechen!"
      "Ich wiß nicht..."
      Andvari sah Viola zweifelnd an und seufzte anschließend. Es hatte keinen Sinn, Sylvar hatte Recht, das wusste er. Aber konnte er sie wirklich alleine lassen?"
      Mit einem santen Klicken hatte Sylvar die Eisentür geöffnet und diese bereits unter einem kurzen Ächzen auufgezogen. Dahinter offenbarte sich ein langer Gang, der sich tatsächlich nach ein paar Metern in zwei Wege abspaltete. Die Wände seöbst glichen dem Pfad vorher: Rauer, grauer Stein mit einigen Nischen, in denen sich bereits die ersten Pausenmöglichkeiten für die Wächter befanden. Hier und fdort brannte eine Fackel in einem metallenen Einfass, während sonst nur modriger, fauliger Geruch aus dem Abyss kroch.

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    • Viola

      Mit einem Nicken nahm Viola die vertraute Klinge zurück in ihren Besitz. Für einen Augenblick hatte es beinahe so ausgesehen, als hätte Andvari den Dolch einbehalten wollen. Sie konnte es ihm nicht verübeln. Zum ersten hatte sich die Heilerin zuvor nicht gerade mit Ruhm bekleckert und zum anderen lag der Schatten des ehemaligen Besitzers allgegenwärtig über der kunstvoll geschliffenen Klinge. Helena hatte sie mehr als einmal gefragt, warum sie diese physische Erinnerung wie eine Trophäe mit sich herum schleppte.
      Die Unstimmigkeit der Brüder war ein Luxus, den sie sich gerade nicht leisten konnten. Und wieder fühlte sie einen schmerzhaften Stich in ihrer Brust. Offensichtlich war das Vertrauen in ihren Fähigkeiten und ihre Willenstärke enttäuscht worden. Seufzend betrat sie den modrigen Korridor und fühlte die klamme Feuchtigkeit, die sich zielsicher unter ihre Kleidung schob. Einen fauligen Kerker hatte sie definitv nicht vermisst. Unter dem zweifelnden Blick ihres Gefährend, ließ Viola verunsichert die Schultern hängen.
      Flüchtig berührte sie seine Handrücken unter dem schweren Mantel. Nicht mehr als ein Hauch einer Berührung durch ihre Fingerspitzen.
      Sie wollte ihm versichern, dass er sich kein Sorgen machen sollte und sie zurecht kam. Aufgrund ihres vorangegangen Versagens, kam allerdings keines der hohlen Worte über ihre Lippen.
      "Sei vorsichtig...", nahm Viola ihm die Entscheidung ab und wechselte ihre Stand erneut an Sylvar Seite, dem sie einen vorsichtigen Blick zuwarf und auch, wenn es unfair war, einen gewissen Abstand zu dem Magier einhielt. Ihr Blick huschte über die verzweigten Gänge und die flackernden Schatten an den Wänden. Wenig einladend, soviel stand fest.

      Vaeril

      Am Eingang zum Gefängnis löste sich eine hochgewachsende, gänzlich in schwarzes Leder gehüllte Gestalt aus den Schatten. So finster in ihrer Erscheinung, als wäre die Person ein Schatten selbst. Vaeril blickte auf die Leichen der Wachen und stieß einen der Männer verächtlich mit dem Stiefel an. Sich windende Schattenausläufer kräuselten sich über den Boden um seine Stiefel herum.
      "Einfältige Taugenichtse...", murmelte er grimmig und atmete tief ein, wie ein Bluthund der seine Fährte aufnahm.
      Hinter ihm aus einer dunklen Nische erschien der Kopf einer zweiten Person. Ob Mann oder Frau ließ sich durch das vermummte Gesicht und die ebenfalls tiefschwarze, leichte Rüstung nicht erkennen.
      Vaeril warf einen finsteren Blick über die Schulter und blickte die in Schatten gehüllte Person an.
      Das glatte, schwarze Haar von tiefen Ebenholz verhüllte beinahe seine scharfkantigen Züge, während sein Blick sich noch weiter verdunkelte. Die Jagd hatte durchaus ihren Reiz, aber auch er neigte bisweilen zur Ungeduld.
      "Bring mir die Frau...", zischte er.
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    • Sylvar


      Farryn Iarpetor war spürbar.
      Die Aura der legendären Säuferin zog sich wie ein Schattenmuster durch die Steine der Wände und den bröckeligen Putz dazwischen. Es wirkte beinahe wie ein Spinnengeflecht und Sylvar vermochte sich nur vorstellen, wozu diese Frau fähig war, sobald sie ihre Waffe hätte. Der Erzmagier eilte durch die Gänge, wobei er stets darauf achtete, dass seine Schülerin ihm folgen konnte, auch wenn diese einen unscheinbaren Abstand zu ihm einhielt. Er konnte es ihr nicht verübeln. Die Situation war seinetwegen aus dem Ruder gelaufen. Eine schlechte Planung, eine falsche Bewertung…Wie auch immer man das Kinde benannte, es wurde nicht besser mit dem Gedanken, dass es beinahe eskaliert wäre.
      Sylvar machte sich Vorwürfe während sie durch die leeren Flure und Gänge eilten. Das Gefängnis war bereits sicht- und spürbar. Die Steine zu ihren Seiten veränderten sich und wurden ebenmäßiger und beinahe formschön. Musterungen erschienen an den Böden und Decken, während Wurzelwerk von gewaltigen Bäumen die Zellentüren säumten, die zu ihren beiden Seiten erschien.
      Der Erzmagier wollte sich gerade wundern, dass noch keine Wachen erschienen waren als hinter der nächsten Ecke, die sie nahmen zwei Wachen auftauchten.
      „He da!“, rief der Eine, der mit einem schweren Speer und einer Lederrüstung ausgestattet war. Sein Kollege hatte sich auf einen Speer gestützt und war vermutlich dem Schlaf anheimgefallen, aus dem er jetzt gerissen wurde.
      Sylvar zögerte keine Sekunde.
      Es schmerzte ihn, Elfen zu immobilisieren, aber Farryn war wichtig. So enorm wichtig, dass er selbst sein Leben auf die Linie bringen musste.
      Er stieß mit seinem Stab auf den Boden und beinahe sekündlich später, begann sich das Wurzelwerk immer schneller zu winden. Noch ehe der misstrauische Soldat nach Unterstützung rufen oder sonstiges tun konnte, schlangen sich um ihrer beider Füße, Arme und Münder große Wurzeln eines unbekannten Baumes, die sie an die Wand zogen und zappelnd zurückließen.
      „Eilt Euch“, flüsterte Sylvar und bewegte sich weiter durch die Flure.

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    • Viola

      Die Atmosphäre änderte sich mit jedem eiligen Schritt, den Viola tiefer in das Gemäuer setzte. Sie blieb im Schatten des Magiers und blickte in regelmäßigen Abständen über ihre Schulter. Der Schein der Fackeln warf tanzende Schatten an die Wände, die gewillt waren ihren Augen Streiche zu spielen.
      Mit den Fingerspitzen tastete sie im Vorbeigehen über den bröckeligen Putz, der schon bessere Zeiten gesehen hatte. Einzelne Partikel und Staub rieselten zu Boden. Umso überraschter war sie schließlich, als sich die Oberfläche unter ihrer Handfläche wandelte. Es wurde nicht unbedingt heller oder einladender, aber ab einer bestimmten Stelle hatte man dem Verfall sorgsam entgegen gewirkt.
      Eine fremde Stimme ertönte im Gang und Viola entdeckte die zwei Wachen. Wobei, wirklich wachsam schienen die beiden Elfen nicht gewesen zu sein. Einer von ihnen schlief nachlässig und noch bevor er den Schlaf richtig aus seinen Augen blinzeln konnte, hatte Sylvar beide bereits bewegungsunfähig gemacht und zum Schweigen verdammt.
      „Findet Ihr nicht, dass auffällig wenig Bewachung zu sehen ist?“, murmelte die Heilerin und holte mit schnellen Schritten zu Sylvar auf. „Bei dem Ruf, der Farryn vorauseilt, hätte ich einen größeren Aufwand erwartet und…“
      Hinter dem Erzmagier verstummte Viola plötzlich und riss den Kopf herum. Erst glaubte sie an eine Täuschung durch den Lichtschein, als sich eine kühle Hand um ihren Arm schloss. Aus dem Schatten der verschlungenen Wurzeln ragte erst nur abstrakt eine Hand hervor, dann ein ganzer Arm und schließlich der halbe Oberkörper einer Person. Bis auf die eisblauen Augen, konnte sie keine Gesichtszüge erkennen. Viola öffnete den Mund, doch der aufkommende Schrei blieb ihr im Hals stecken.
      Um ihr Handgelenk hoben sich die leuchtenden Runen des Schutzzaubers nun deutlich ab und wanden sich wie eine schimmernde Schlange ihren Arm herauf, bis sie die Hand erreichten, die aus dem Nichts gekommen war. Von einer Sekunde auf die andere ertönte ein ohrenbetäubender Knall auf dem Korridor, der Geruch von versengter Haut stieg in die Luft und mit einer kleinen Druckwelle wurde der Angreifer zurück in die Schatten geworfen. Viola hatte noch sehen können, dass die Hand, die sie gegriffen hatte, mit schweren Brandblassen übersäht und stellenweise verkohlt gewesen war. Derjenige hatte sich sprichwörtlich die Finger an ihr verbrannt.
      Die junge Frau war an die gegenüberliegende Wand gestolpert und löste den erschrockenen Blick langsam von der nun leeren Stelle an der Wand. Schwer atmend hob sich ihr Brustkorb ab, ehe sie alarmiert zu Sylvar blickte. Die Schutzmaßnahmen waren tatsächlich nicht übertrieben gewesen.
      „Wir sollten uns wirklich beeilen…“
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Sylvar

      Das Gesicht des Erzmagiers verfinsterte sich zunehmends, je tiefer sie in den Kerker Telerins vordrangen. Viola hatte erstaunlicherweise Recht. Sylvar kannte die Windungen der unterirdischen Labyrinthe und zumeist waren sie gespickt von Wachen und derlei andersartigen Soldaten, sodass er mit beinahe dem Widerstand einer ganzen oder halben Armee gerechnet hatte. Und nicht mit ausgestorbenen Gängen und dem Geruch nach fauligem Brackwasser.
      Der Erzmagier nickte Viola zu und wollte gerade den Mund öffnen um eine Entgegnung zu erwidern, als plözlich die Welt Funken spie. Man konnte von Magie halten was man wollte. Zumeist war sie nützlich, aber viele Zauber erschienen auf den ersten Blick unnötig. Gerade Schutzzauber oder Siegel besaßen diese inhärente Eigenschaft der beinahen Nutzlosigkeit sehr deutlich wenn man nicht genau darauf achtete.
      Doch Sylvar spürte den Elfen, der sich asu den Schatten schälte, ehe auch nur die Hand nach Violas Arm griff. Der Blick des Erzmagiers fuhr herum, nie geahnte Wut in ihnen verankert und blickte auf das funkensprühende Explosion, die den Angreifer offenbar zurückgreworfen hatte.
      Sylvar eilte zu Viola und mit einem weiteren Aufstampfen des Stabes begann das Licht an dessen Kristall zu leuchten und den Gang zu erhellen. Doch nichts außer seiner kurzen Rußplakette an der Wand zeugte mehr von der Explosion, die soeben die Welt erschüttert hatte.
      "Ja, Ihr habt Recht", murmelte Sylvar und wies ihr mit dem Stab den Weg. Sie sollte voran gehen. "Geht. Ich folge."
      Mit dem Stab und dem daran befestigten Licht wies er ihr den Weg in die Dunkelheit, ehe sich die Wege erneut teilten. Sein GEspür ließ ihn selten im Stich und so sagte ihm sein Spürsinn, dass Farryn nicht weit sein konnte. Ihre Aura war eindeutig spürbar. Links von ihnen.
      Sylvar huschte mit dem Stab hin und her, ehe er Viola sachte in die linke VErtiefung drückte udn sie sogleich wieder am Revers ihres Umhangs griff.
      "Hast du das von Alamir gehört?", fragte eine helle Stimme in einem fremden Dialekt.
      Sylvar drückte sich mit Viola an die Rückenwand und überlegte fieberhaft. Als er um die Ecke linste, sah er erneut drei Wachen. Diesmal besser ausgerüstet und gleichsam wachsamer wirkten sie kampferfahren und seltsam fehl m Platze. Das waren eher Palastwachen als Kerkerwachen. Was machten diese hier unten und wer waar dann oben bei Andvari?
      Sylvar teilte seine Bedenken flüsternd mit Viola.
      "Wir haben nur eine Möglichkeit...Ich schalte sie alle aus und wir erregen Aufmerksamkeit. Oder: Wir schleichen drum herum. Allerdings weiß ich nicht, ob das noch möglich ist."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Viola

      Die Hände der Heilerin zitterten ein wenig, während sie mit den Fingerspitzen über ihr Handgelenk fuhr. Darunter spürte sie nur einen schwachen, magischen Puls. Das Siegel unter ihrer Haut hatte mit einer lautstarken Explosion seine gesamte Kraft verbraucht. Umso wachsamer blickte sich Viola im Gang um, straffte die Schultern und folgte der Anweisung des Erzmagiers ohne weitere Verzögerung.
      Viola war dankbar für das Licht, dass ihr ein wenig der bedrückenden Unruhe nahm, mit der ihr Blick über die gemauerten Wände glitt.
      Ein scharfer Atemzug füllte ihre Lungen, als der Elf sie sachte aber unerwartet in eine versteckte Nische schob. Reflexartigfasste sie nach den Ärmeln seines Gewandes, als er ihren Umhang packte.Der Herzschlag hatte sich augenblicklich beschleunigt und ihre Finger gruben sich in den Stoff.
      Eine Stimme auf dem Korridor stellte eine willkommene Ablenkung da und sorgte dafür, dass sich die junge Frau noch näher mit dem Rücken an die Wand presste, um ja keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
      Viola zeigte sich durch die Worte des Magiers deutlich beunruhigt. Der Schattenläufer war also nicht die einzige Auffälligkeit in diesen Gewölben. Jedenfalls bedeutete der hinterhältige Angriff aus dem Schatten, dass ihre Häscher ihnen gefährlich nahe kamen. Die Heilerin schluckte schwer und wagte einen zaghaften Blick in den Gang. Die Wachen schienen wirklich besser ausgebildet zu sein, als die Männer oben.
      „Versuchen wir zu schleichen.“, flüsterte Viola zurück, als sie sich wieder in die Deckung begab. „Kämpfen können wir immer noch, wenn etwas schief geht. Wartet…“
      Langsam löste sie eine Hand aus dem Gewand des Magiers und blickte erneut aus ihrem Versteck. Die Feuchtigkeit des Gesteins durch die Nähe zum Wasserfall war selbst hier noch deutlich spürbar für sie. Vielleicht gelang es ihr, den Weg etwas einfacher zu gestalten. Zwischen ihren Körper krümmte sie die Finger und achtete darauf, sich durch den bläulichen Schimmer nicht zu verraten. Um die Fackeln im Gang bildeten sich feine Nebelwölkchen, winzige und abertausende von Wassertröpfchen drückten sich durch die feuchten Wände. Viola krümmte die Finger zu einer lockeren Faust und der feine Wassernebel schloss sich um die brennenden Fackeln. Eine Lichtquelle nach der anderen erlosch mit einem Zischen. Es war ein Risiko dem Schatten mehr Raum zu geben aber es war keine Zeit für lange Überlegungen.
      Die Zeit lief ihnen davon.

      Vaeril

      Mit eisiger Enttäuschung sah Vaeril auf, als die verhüllte Gestalt ohne das Begehrte wieder zurückkam.
      Ein Wimmern drang über die bedeckten Lippen, während sich die Finger um das Gelenk der verbrannten Hand krümmten.
      "Ein Siegel?", murmelte er und wandte sich dann ab, ohne der Gestalt am Boden noch eines weiteren Blickes zu würdigen. Welch ein Glück, dass er einen Laufburschen vorgeschickt hatte. Allerdings war dieser gerade nutzlos geworden.
      "Verschwinde. Ich erledige das selbst...", grollte er über die Schulter und ging zielstrebig auf die störrische Eisentür zu. Bleiche Finger wie Spinnenbeine öffneten die silberne Schnalle seines Umhanges. Es war Schluss mit dem Versteckspiel und Zeit dafür seine Beute zur Strecke zu bringen. Ein Schutzzauber bedeutete, dass er mit seinen Beobachtungen recht behielt. Der Bastardsohn des Königs hatte sich auf eine Verbindung mit einer Menschenfrau eingelassen. Der perfekte Köder, um ihn aus seiner Deckung locken. Etwas ohne Wert schützte man nicht durch ein Siegel. Zwei Fliegen mit einer Klappe, dachte er und entblöste die Zähne in einem kalten Grinsen.
      "Sag meinen Männern sie sollen sich in Stellung bringen..."
      Der Umhang viel achtlos zu Boden, als Vaeril mit dem Schatten verschmolz und die Dunkelheit sich scheinbar weiter ausbreitete.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Sylvar

      Immer wieder kam er nicht umhin, die Fortschritte seiner Schülerin mit Erstaunen wahrzunehmen. Und wahrlich, es war beeindruckend, wie lautlos und beinahe beiläufig die Fackeln eine nach der anderen zielsicher erloschen. Die Wachen warfen die Köpfe umher und rüsteten die Speere aus, um damit etwaige Angreifer auf Abstand zu halten. Doch zugegeben: Auch wenn die Fackeln war einen gewaltigen Schatten in den Raum warfen und nicht alles Licht erloschen war, so war es doch recht schwierig, etwas zu sehen.
      "Ausgezeichnet", wisperte Sylvar und wirbelte den Stab ein wenig mit dem Kopf im Kreis.
      Es sah lustig aus, wie das Licht kurz tanzte, ehe ein schimmernder Teppich sich über die beiden Eindringlinge legte. Ein simpler Tarnzauber, der im Dämmerlicht durchaus sein Übrigstes tat. Aber im Fackelschein waren ihre Umrisse klar erkennbar, auch wenn sie sich lautlos bewegten.
      Sylvar nutzte die Gunst und gab Viola wortlos zu verstehen, ihm zu folgen. Sachte schlich er um die Ecke, sorgsam bedacht, keinen der losen Steine auf dem Boden anzurühren.
      "Wer ist dort?"; rief die Wache, jedoch ohne ein Ziel mit ihrem Blick auszumachen. Die andere Wache blickte in die andere entgegengesetzte Richtung und wirkte nervös. Leichte Schweißperlen standen beiden auf der Stirn, während die Dritte Wache eine kleine Armbrust zog und diese belud.
      Schwach folgte Schritt auf Schritt, ehe Sylvar auf gleicher Höhe mit den Wachen war. Nun galt es ruhig zu sein, nicht zu atmen und nicht einen einzigen Laut von sich zu geben, während der schwere Speer auf Augenhöhe war.
      Erstals er sie umrundet hatte, blickte er sich besorgt nach seiner Schülerin um.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Viola

      Die Magie pulsierte unter ihrer Haut und strömte einem fließenden Bach gleich über ihre Fingerspitzen in ihre unmittelbare Umgebung.
      Für eine Sekunde erlaubte sie sich eine tiefe Zufriedenheit, als das eigenwillige Element ihren sanften Bitten und Impulsen folgte. Den Aurafluss zu lenken und seine Stabilität zu erhalten, war immer noch eine kräftezehrende Angelegenheit. Und Andvari war nicht hier, um ihren Kern zu stabilisieren. Die junge Frau musste vorsichtig sein. Die Quelle ihrer Magie bis auf den letzten Tropfen auzuschöpfen, war gefährlich.
      Erst als die letzte Fackel erlosch, senkte Viola die Hand und versuchte ihren schweren Atem unter Kontrolle zu bekommen.
      Verstehend nickte sie und folgte Sylvar leichtfüßig in den Korridor. Viola konnte kam etwas erkennen und kontentriete sich ganz auf den Erzmagier vor ihr. Zu ihrem Erstaunen stolperte sie nicht und schaffte es auch beinahe lautlos an die Wachen heran.
      Die Heilerin hielt den Atem an, um sich nicht zu verraten. Mit so viel Abstand wie möglich umrundete die junge Frau die Männer, die bereits ihre Waffen für den Ernstfall gezückt hatten. Ihr Blick haftete auf dem tödlichen Bolzen, der in der Armbrust ruhte. Die Wachen wirkten angespannt und nervös. Mittlerweile dürften sie bemerkt haben, dass hier etwas nicht mir rechten Dingen zuging.
      Viola brachte die letzten Schritte hinter sich und erlaubte, sich erst wieder leise zu atmen, als sie außer Hörreichweite waren. Ein wenig blass um die Nase und mit feinen Schweißperlen auf den Schläfen, schloss sie zu ihrem Mentor auf. Die Angespanntheit löste sich aus ihren Schultern mit dem erleichterten Gefühl weder einen Bolzen noch einen Speer im Rücken zu haben. Aus den grünen Augen verschwand die Anspannung allerdings nicht.
      Viola nickte Sylvar leicht zu, ohne ein Wort zu verlieren und so ihre Position zu verraten. Nach einem kurzen Zögern schlossen sich ihre Finger flüchtig um die Hand des Erzmagiers. Sanft drückte sie seine Hand, um ihm zu versichern, dass alles in Ordnung war. So schnell wie die Berührung gekommen war, war Violas Hand auch schon wieder fort.
      Sie fragte sich, wie weit es noch von hier aus war, biss die Farryn erreichten. Während sie den Blick nach vorne richtete und bemerkte, dass der Gang von hier aus nur noch in eine Richtung zu verlaufen schien. Wachsam sah sie sich um. Die feinen Härchen in ihrem Nacken stellten sich auf. Da war es wieder, das Gefühl bohrender Blicke in ihrem Nacken. Aber nichts passierte.


      “We all change, when you think about it.
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    • Sylvar

      Sylvar erwiderte das zwarte Drücken ihrer Hand und nickte kaum sichtbar. Der Gang vor ihnen zerteilte sich nicht mehr und bestand nur noch aus garstiger Luft und massivem Stein. Doch nicht der Gang ließ den Zauberer frösteln, sondern die weitaus bösere Aura, die er im Gang dorthinter spürte.
      Farryn Iarpetor war immer eine jähzornige Frau gewesen. Unter den Schwertern war sie als die Königin des Jähzorns bekannt, ehe sie nach deren Auflösung zur legendären Säuferin wurde. Sylvar schätzte, dass sie bereits geraume Zeit ohne alkoholische Flüssigkeit ihrer Wahl verblieben ist und vermutlich nicht einmal ansatzweise guter Stimmung war. Doch dem Gefühl nach ließ sichs chätzen, dass sie zumindest an Kampfstärke nichts eingebüßt hatte.
      Sylvar eilte voraus unter leicht wehenden Gewändern, die im Gegenwind des Ganges, der fauligen Gestank mit sich brachte. Gar grausig rämpfte der Zauberer die Nase und wollte gerade eine Warnung ausstoßen, da ein ebenso herzzerreißendes wie gruseliges Geheul durch den Gang ging und sich an den Wänden zu ihren Seiten brach. Der Erzmagier zuckte zusammen und bog mit Hast um die Ecke des Ganges, um gleich darauf eine fürchterliche Szene mit anzusehen:

      Eine einsame Zelle befand sich im hinterletzten Teil des Labyrinths.
      Diese, von schweren Ketten und Gittern gehaltene Behausung beherbergte einen Berg aus schmutziger Kleidung und verfilztem Haar, der sich wie ein Parasit an die Gitterstäbe drückte und eine schmutzige, stinkende Hand zwischen diesen hindurchlangte. Der Geruch war betäubnd und das Geheul hundserbärmlich. Als habe man einen Hund lebendig filletiert und zum Sterben in der Sonne gesalzen. Vor der Zelle saß eine Wache, die gleich den anderen gekleidet war, auf einem Schemel.
      Sie war weit genug fort, sodass die immerwährend zuckende Hand nicht an diesen herankam und trank mit Genüsslichkeit eine goldene Flüssigkeit aus einem steinernen Krug und setzte diesen Just in dem Moment seufzend ab.
      "Ein wahrliches Geschenk, dieses Getränk", sagte die Wache grinsend zu dem Schmutzhaufen.
      "BIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEER!", heulte das Wesen, das im nächsten Moment die filzigen Haare nach hinten warf.
      Darunter verbarg sich ein aufgedunsenes, verweintes Gesicht mit geschwollenen Augen und spröden Lippen. Nur mit fantastie war erkennbar, dass dies einst ein recht ansehnliches Gesicht gewesen sein musste, unter all dem Dreck.
      Es dauerte eine Weile, ehe Sylvar die Frau dort in der Zelle erkannte und mit einem erschreckten Laut rutschte der Zauber aus der Kontrolle und offenbarte Sylvars Kopf der Öffentlichkeit.
      "BIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEER!", heulte das Wesen, ehe es zum Erzmagier sah. "Oh!"
      "Ah!", sagte Sylvar.
      "HE!"; rief die Wache.
      Im näcshten Moment schoss ein Lichtstrahl scheinbar aus dem Nichts hervor und traf die Wache in die Brust. Der Strahl hinterließ ein Loch in der Brust des Mannes, der schreiend zusammenbrach und sich die Brust hielt, welche jedoch nicht blutete. Und er - bemerkenswerterweise - nicht starb.
      "Was zum..:"
      "Verfluchter Eselsmist und Ziegenscheiße!";donnerte Sylvar und schlug mit dem Stab wieder und wieder auf den Boden, sodass das Licht an dessen Ende immer wieder an und aus ging. "Dimensionszauber, nicht wahr, hehe?", kicherte er und wollte gerade wiederverschwinden, als auch der Rest der Wache in einem sich auftuenden Loch zu verschwinden schien.
      "Geht doch."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Viola

      Ein furchtbarer Gestank schlug Viola bei der nächsten Biegung des Korridors entgegen.
      Säuerlich und erstickend schwer erfüllte der Dunst ihre Nase, das es ihr die Magensure die Kehle hochtrieb. Die Heilerin widerstand dem Reflex, sich die Hand vor Mund und Nase zu legen. Das nächste, was sie sah, war ein abstraktes Loch in der Brust der stationierten Wache, die sich schreiend hin und her wand, ohne dabei zu sterben. Der Tarnzauber fiel auch von Viola ab, die Sylvar mit einem Blick zwischen Schock und unfreiwilliger Komik ansah. Letzteres war sicherlich nicht angebracht. Mit einem Geräusch, als würde die Luft abgezogen werden, verschwand die zuckende Wache aus ihrem Blickfeld.
      Da die Gefahr gebannt war, eilte Viola zu der jämmerlichen Gestalt, die in der Zelle kauerte. In ihrer Naivität hatte sie die Heilerin mit einer furchterregenden Kriegerin gerechnet, nicht mit diesem Häufchen Elend. War das überhaupt Farryn oder nur eine andere arme Seele? Da sie aber eine gewisses Erkennen in den trüben Augen sah, als diese Sylvar erblickten, waren sie wohl am Ziel angekommen.
      Hilfesuchend, sah sie zu dem Magier herüber. Den körperlichen Anzeichen nach, reagierte der Körper der Elfe auf den Enzug des wohl geliebten Alkohols. Das Zittern war ein Zeichen, dass Viola sehr gut bekannt war. Sicherlich war ihre Bitten und Flehen eindeutig gewesen.
      "Ich hoffe die Wache hatte nicht den Schlüssel für die Zelle dabei...", sprach sie ruhig. Dabei war es für den Magier sicherlich kein Problem Farryn aus ihrem Kerker zu holen. Das schwere Schloss dürfte kein Hindernis darstellen.
      Ruckartig fuhr Viola von seiner Sekunde auf die andere herum und blickte in den dunklen Korridor, den sie hinter sich gelassen hatten. Waren dort nicht Schritte gewesen? Ein flaues Gefühl breitete sich in ihrer Magengegend aus.
      "Sylvar...", wisperte sie kaum hörbar. "Ich will nicht drängeln, aber bitte beeilt Euch."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Captain Creep und Lieutenenant Weggetreten

      Für einen Moment wirkte die Situation ein wenig surreal, als Sylvar zur Gänze in den Raum stieg. Die Wache mit einem saftigen "Plopp" im Nichts verschwunden und Sylvar fragte sich selbst, wo er sie wohl hingeschickt hatte. Ehe er auch nur eine gute Sekunde darüber sinnieren konnte, riss Viola ihn aus seinen Gedanken.
      Die kümmerliche Gestalt dort am Boden wirkte mit einem Mal ein wenig wacher und sah Sylvar aus tiefen Augen an. Diese waren blutunterlaufen und voller geplatzter Adern sodass es ihm beinahe leid tun wollte. Sie musste sich die Seele aus dem Leib geschrieen haben.
      "Ihr habt Recht", murmelte er und trat ebenfalls zur Zelle.
      Das Wesen sah ihn an und seufzte erleichtert.
      "Syl...var..."
      "Farryn?", fragte er erstaunt, als er die Stimme schlussendlich erkannte. Auch wenn diese rau wie ein Schleifstein klang, so war doch der liebliche Klang der Ju-
      "BIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEER!", brüllte ihm das garstige Wesen entgegen und bespuckte ihn dabei.
      Voll Ekel blickte er an seinem verdreckten Gewand herab und seufzte, ehe er nach dem Krug fischte. Genüsslich reichte er ihn ihr und sah zu, wie sich das Wesen tieresgleich in die hinterste Ecke der Zelle verkroch unm grierig die letzten Reste des kühlenden Getränks in den Schlund zu schütten. Trinken konnte man es nicht nennen.
      Auf Violas Bemerkung hinsichtlich des Schlüssels kniff Sylvar die Augen zusammen.
      "Oh...", murmelte er.
      "Oh?", sagte Farryn zwischen zwei Schlucken.
      "Oh! Der Schlüssel ist fort."
      "Der Schlüssel ist fort? Fort fort?"
      "Bist du ein Papagei geworden, sodass du mir alles nachplapperst? Trink und mach dich nützlich, Iarpetor. Wir kommen schließlich nicht in gutem Ansinnen."
      Slyvar richtete sich auf und besah sich der Tür. Sicherlich, man konnte iese einfach fortsprengen, aber das weckte Wachen auf und mehr von diesen brauchten sie nicht. Einen Schlüssel gab es nach einem eiligen Blick durch den kleinen Raum nicht mehr. Es bliebe vielleicht die Möglichkeit einer Dimensionstür, die er inmitten der Zel-
      Quietschend und ächzend bogen sich die Streben der Zelle auseinander und gaben unter den Händen der Elfe nach, die sich mittlerweile aufgerappelt hatte. Sylvar hasste Unterbrechungen, selbst in Gedanken.
      Erstaunlicherweise überragte Farryn selbst Sylvar um beinahe eine Haupteslänge. Ihre Schultern stoben kräftig und breit in die Welt, während an ihrem doch recht weiblich wirkenden Leib nur noch Fetzen alter Kleidung hingen, die von einigen Eskapaden zeugten, wenn man die Flecken betrachtete.
      Als Iarpetor durch die Stäbe trat und in das Licht der Kerze geriet, schrie Sylvar auf.
      "Was ist?", fragte sie barsch und nahm testweise eine Haarsträhne in die Hand.
      "Hab gedacht, ein Urmensch tritt aus dem Wald. Alles in Ordnung, ich bin nur schreckhaft."
      "Saftarsch", kommentierte sie unds chüttelte den Kopf. "Und wer ist sie hier?"
      Eine gewaltige Hand wies auf Viola.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Viola

      Die Stimme erklang schmerhaft wie ein grobes Reibeisen, was jedoch kein Wunder war. Die Elfe hatte sich bei Leibeskräften die Seele aus dem Leib geschrien. Wie ein misshandeltes Tier kurz vor dem Verdursten riss sie Sylvar den Krug aus der Hand und verzog sich in die dunklen Schatten ihrer Gefängniszelle. Viola blickte sich erneut um und fuhr erschrocken auf, als ein schrillen Quietschen ertönte. Vor ihren Augen verbogen sich die massiven Eisenstäbe, als sei es nichts. Stolpernd kam die Heilerin auf die Beine und blickte mit deutlichem Schock in den Augen, auf die Kriegerin, die aus der Zelle trat.
      Das Erste war die beeindruckende Größe. Warum mussten alle Elfen, die sie umgaben, so riesig sein? Gegenüber Farryn wirkte Viola beinahe wie ein kleine Mädchen, dass noch ein gutes Stücken wachsen musste. Die Hofsamen im Kaiserpalast wären vermutlich bei ihrem Anblick ihn Ohnmacht gefallen. Diese Elfe wirkte tatsächlich wie eine Barabarin, wie sie die Minne in den Straßen der Menschenstädte besangen. Weiblich aber von Stärke gezeichnet, wie eine gefürchtete Amazone. Viola konnte sich nicht einen Soldaten aus ihrem alten Regiment vorstellen, der ihr das Wasser reichen konnte.
      Die Heilerin trat ein paar Schritte zurück, um den hochgewachsenen Frau mehr Platz in dem schmalen Korridor zur überlassen, während sie weiter Richtung Wand zurückwich.
      "Ich...", setzte sie an und verschluckte sich kurz an ihren Worten, ehe sie verdattert fortsetzte. "Viola...", purtzelte der Name in zwei schnellen Silben über ihre Lippen. Ein falscher Name war hier nicht nötig, immerhin würden sie zusammen reißen. Es wr nur eine Frage der Zeit, bis Sylvar und Andvari sie einweihten. Wie Farryn wie wohl auf einen Menschen unter ihnen reagierte, der auch noch einen Teil der Schwerter bildete.
      Das ungeschulte, menschliche Auge nahm die Veränderung im Korridor kaum wahr. Der Kerzenschein flackerte kurz und die Schatten schienen sich weiter ausgebreitet zu haben, als würden sie den gesamten Raum einnehmen wollen. Die junge Frau erschauderte, als die Temperatur fühlbar absank. Verwirrt glitt ihr Blick zu Sylvar. Sie wollte den Mund öffnen, um ihn zu fragen, doch anstatt seines Namens ertönte ein spitzer Schrei aus ihrer Kehle.
      Hinter der zierlichen Gestalt der Heilerin setzte sich eine finstere Gestalt aus dem Schatten ab. Zurerst waren keinerlei Gesichtszüge zu erkennen, erst nach und nach gab der Schatten den Blick auf ein scharfkantiges, blasses Gesicht frei. Das spitze Kinn empor gereckt und die dünnen Lippen zu einem unheilvollen Grinsen verzogen, wie ein Räuber der seine Reißzähne bleckte. Ein Arm hatte sich von hinten um die Schultern der jungen Frau geschlossen und mit einem kraftvollen Ruck gegen seine Brust gezogen. Wie Bluthund vergrub der Elf mit den schwarzen Haaren die ein wenig gekrümmte Nase in dem dargebotenen Haarschopf atmete geräuschvoll ein.
      Ein dunkles Auge, beinahe schwarz fixierte dabei Sylvar und die befreite Farryn. Wie in Zeitlupe bewegte sich sein Mund zum Ohr der zitternden Frau hinab, der augenblicklich alle Farbe aus dem Gesicht viel als eine Stimme, vertraut aus ihren Albträumen erklang.
      "Hast du mich vermisst, kleine Rotkehlchen?"
      Vaeril Baumschatten blickte mit kalter Miene in den Korridor und ignorierte dabei Viola, die angefangen hatte um sich zutreten und zuschlagen. Ein kühles Lachen erfüllte den Raum, ehe er sich weiterhin das tretende Bünde in seinem Arm ignorierend an Sylvar und Farryn.
      "Sylvar. Farryn. Der Höflichkeit halber sollte ich wohl sagen, dass es mir ein Vergnügen ist euch beide wiederzusehen, aber...das ist es leider nicht."
      Eine schlichte Augenklappe war um seinen Kopf gebunden, konnte aber die berühmt berüchtigte Narbe des Feldherrn nicht vollständig verdecken, die sich vom Ansatz seiner Haare bis über den erhabenen Wangenknochen zog.
      "Wärt ihr so gütig dem Lichtbringer eine Botschaft von mir zu übermitteln?", säuselte er mit einer Stimme die triefte vor falscher Höflichkeit. "Prinz Faolan vermisst seinen Bruder und wünscht, dass er nach Tirion zurückkehrt. Meine Männer und ich erwarten euch vor dem Füstenpalast. Und natürlich ist es mir eine Freude euch persönlich nach Tirion zu geleiten. Wenn er sich benimmt, gestatte ich ihm vielleicht sich von seiner kleiner Gespielin zu verabschieden", fuhr er fort und machte bereits einen Schritt nach hinten, Viola mit sich zerrend, die panisch zu Sylvar herüber sah. Diese Angst war nicht mit dem Schrecken zu vergleichen, den sie vor dem Gefängnis gezeigt hatte. Das hier war blanke, allumfassende Panik. Vaeril griff nach dem Anhänger um ihren Hals und riss den silbernen Vogel von ihrem Körper. Klirrend fiel das Schmückstück zu Boden und offenbarte auch Farryn den Blick auf Violas wahres Antlitz. Er hatte es die ganze Zeit gewusst.
      "Diese Augen hätte ich überall wiedererkannt," murmelte er hörbar und ließ sich rücklinks in den Schatten fallen. Und Viola verschwand mit ihm.
      “We all change, when you think about it.
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    • Cpt. Trauma und Cpt. Jähzorn

      Farryn Iarpetor hatte schon viele merkwürdigen Wesen die Hände geschüttelt. Es waren Zwerge darunter, Riesen, Menschen. Sie alle hatten ihre Berechtigung, aber eine zierliche Heilerin mit Dandelost, Feas Schwert, um die Hüfte zu sehen, irritierte selbst die gewaltige Kriegerin für eine Sekunde. Noch ehe sie den Namen oder das Aussehen ihrer neuesten Bekanntschaft kommentieren konnte, betrat ein Spieler die Bühne, dessen Antlitz sie vermutlich auf ewig hassen würde.
      "Vaeril...", murmelte sie rau und wandte sich dem Neuankömmling zu, der das zitternde und kämpfende Bündel von Menschenfrau umschlungen hielt.
      Etwas an dieser Szene setzte ihr zu und sie wusste nicht einmal was. War es vielleicht die Tatsache, dass einer Frau, sei es Mensch oder Elf, offensichtlich Gewalt angetan wurde? Farryn tat einen Schritt nach vorne und beugte sich leicht vor, was ihre Gestalt noch bedrohlicher werden ließ. Derer von Iarpetor waren berüchtigte Kämpfer. Jäger von Auszeichnungen und Titel, wie man ihnen nachrief. Und selbst ihre waren zahlreich.
      Die Faust des Westens, Königin des Jähzorns, Der Tausendhammer, um nur ein paar derer aufzuzählen, die sie sich in unzähligen Schlachten, auch an der Seite Vaerils, erworben hatte.
      Dennoch mussten die beiden Schwerter angewidert und gleichsam machtlos mit ansehen, wie dieser ekelhafte General zunächst an Viola herumsäuselte und schließlich eine Nachricht verkündete, die Sylvar gleichsam erschütterte wie erzürnte. Die Wut kam plötzlich, beinahe schwallartig seinen Leib hinauf und ehe er auch nur einen Funken an Kontrolle entwickeln konnte, brach sie sich Bahn
      "Lass sie los, Vaeril!", donnerte er und das Ornament auf seiner Stirn leuchtete auf. "Es reicht mit eurem Spiel! Im Namen des Königs befehle ich Euch, diese Frau loszulassen und zu - "
      Ein Reden hatte keinen Sinn. Machtlos erneut musste der Erzmagier und die Kämpferin zusehen, wie er die junge Frau enttarnte und schließlich mit einem ekelhaften Gesichtsausdruck in die Schatten riss. Und alleine das löste einen Krampf ins einen Beinen aus. Ermattet sank der Zauberer zu Boden und blickte auf die groben Steine hinab, während Bilder und Emotionen seinen Verstand fluteten. Kontrolle...Kontrolle...
      Und dennoch: Er sah dieses Gesicht wieder vor sich. Ein weibliches GEsicht. Eine Elfe. Ihr Haar weiß wie das Fell eines Eislöwen und die Augen von einer ungeahnten Intensität, dass er sie niemals vergessen konnte. Und die Hand, die nach ihm griff, als man sie fortbrachte. Seine Meisterin...Seine Meisterin, die ihn mit genau diesen Augen ansah. Panikerfüllt, von Angst zerfressen, dass es ihrem Sohn nicht mehr gut erginge, nachdem sie schwach war. Und er, hilf- und machtlos verlassen, wie er sich auf seinen kleinen Stab stützte und als Jüngling mit ansehen musste, wie sie Ayla, die Lichtruferin grausam dem Ende zuführten. UNd jetzt Viola. Die einzige Schülerin, die er seit Jahrhunderten angenommen hatte, die er mochte, die er schätzte und die seinen BRuder endlich wieder zum Lachen gebracht hatte.
      Aura, hart wie Stein und pulsierend wie Hammerschläge bahnten sich ihren Weg durch seine Venen und schienen im Takt seines immer schneller werdenden HErzens zu schlagen. Sein Atem ging schwer und Schweiß stand ihm auf der Stirn, während er über sich selbst gebeugt kauerte.
      Farryn trat an ihn heran und wirkte einen Moment ehrlich besorgt.
      "Zauberer, was ist?", fragte sie und beugte sich auf ein Knie.
      "Vaeril...", murmelte Sylvar keuchend während er sich den Kopf hielt und seine Augen fahrig herumrasselten. "Vaeril hat ihr..."
      "Hat was? Sag schon!"
      Der Zauberer hob seinen Kopf leicht und Farryn wich zurück. Das erst Mal, dass die Kriegerin vor einem Gesichtsausdruck regelrecht Angst hatte. Kalte, starre und grün leuchtende Augen blickten ihr entgegen, wähernd das Ornament auf seiner Stirn sich weiter und weiter auf seinem Körper ausdehnte. Sah sie es auch schon auf seinen Fingern?
      "Er hat ihr...Er hat ihr unaussprechliches angetan...Ich hätte sie schützen müssen...Ich hätte...Andvari..."
      Es musste nicht mehr gesagt werden. Iarpetor hielt einen Moment inne udn sah ins Leere, ehe auch sie eine ungeahnte Wut packte. Bilder eines MAnnes, der sich nahm was er wollte, stachen in ihr Hirn und ihre Stirn verfinsterte sich.
      "Wir sollten..."
      "Geh aus meinem Kreis, Farryn."
      Die Stimme des Erzmagiers war ruhig, gefasst beinahe. Obgleich der Atem schwer ging und die Aura pulsierend durch den Gang hämmerte, sodass es bereits Mörtel von der Decke rieselte. In der Ferne hörte sie das Herannahen gepanzerter Stiefel, die in derselben Sekunde um die Ecke stachen.
      "He da! Was..."
      Die Wachen hielten inne, als Farryn sie ansah. Alleine ihre bloße Präsenz nahm die Kellerstiege ein, die sie ihr zuhause nennen musste.
      "Bewegt euch und ihr sterbt"; kommentierte sie das Herannahen. "Verschwindet und ihr lebt."
      Die Wachen kamen nicht mehr dazu, eine Reaktion zu forcieren.
      Sylvar indes begann zu schreien.
      Nicht vor Schmerzen oder Verlust. Es war der Schrei, den kein Elf, kein Zwerg oder Mensch oder sonst eine Rasse vergessen würde, sofern er einmal gehört wurde. Es war ein Wutschrei einer Kreatur, die bereits zu lange geschlummert hatte. Das Ornament hatte sich auf seinen Körper verteilt und hüllte seine Aura in einen Käfig, zu schien es, doch der Kreis, den der MAgier um sich zog war immer gewaltiger und pulsierend anders.
      Sylvars Schrei wurde durch das gesamte Labyrinth gehört, das mit einem Mal zu beben begann. Als habe der Fuß eines Riesen in dieses hinein getreten, bröckelte Mörtel und Masse von den Wänden und schüttelten das Gebäude durch, das durch die alleinige Präsenz des Zauberers und dessen einnehmender Aura Risse in der Struktur bekam. Die Wachen, welche herangeeilt kamen, sahen sich beinahe verängstigt um, ehe sie eine Baumwurzelhand, geformt aus hunderten von kräftigen Stammwurzeln, fliegengleich an die Wand schlug und dort jämmerlich verenden ließ. DIe schweren Stahlrüstungen waren eingedellt von der Faust, die sich auflöste und Farryn sah selbst zum Zauberer.
      "Wir sollten hier raus", rief sie ihm zu, auch wenn sie seine Wut verstehen konnte.
      Sylvar Valverden war berüchtigt für seine cholerischen Ausbrüche. Als er jünger war, so erinnerte sich die Kriegerin, waren seine Wutausbrüche legendär bis gefährlich. Für ein MAl musste die Akademie der Magischen Künste für mehrere Tage geschlossen werden, da er die oberste Heilerin mit einem Ausbruch verletzt hatte. Und nun stand dieses Monstrum, dieser Dimensionsgeist wieder vor und Iarpetor konnte nichts anderes als ihre Angst hinunter schlucken.
      Alleine wenn er sich in Bewegung setzte, brach der Boden unter der Last der Aura um seine Füße.
      Das konnte heiter werden...

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell