[2er RPG] The Lesser Evil [Winterhauch & NicolasDarkwood]

    • “Love speaks in flowers. Truth requires thorns.”

      Viola

      Über ihre Lippen zog sich ein grimmigen Ausdruck, der nicht Recht zu ihrer sonst sanftmütigen Art passen wollte. Seufzend fuhr sie mit der Hand durch das Haar, das im Schein der Flammen selbst wie Ein entfachtes Feuer wirkte. Wie oft hatte sie Sylvar nach dem Elf gefragt, als sie im Refugium unruhig auf und abgelaufen war, wie in einem Käfig. Einem hübschen und bequemen Käfig, zugegeben.
      "Nicht zu fassen. Sylvar und seine Geheimniskrämerei", entfloh es ihr. "Jedes einzige Mal ist er dem Gespräch ausgewichen, wenn ich nach Euch fragte."
      Seufzend lehnte sich die junge Frau in ihrem Stuhl zurück und blickte erneut auf das funkelnde Schmuckstück in ihrer Hand. Der Gram entschwand aus ihrem Blick, als sie wieder sanft lächelte. Wem wollte sie etwas vormachen? Nachtragend zu sein lag nicht in ihrer gutmütigen Natur.
      "Danke...Es ist wirklich sehr hübsch," wieder fuhr sie die silbernen Schwingen nach. "Um ehrlich zu sein, ich habe noch nie etwas Vergleichbares geschenkt bekommen. Wenn Sylvar morgen eintrifft, werde ich daran denken.."
      Mit funkelnden Augen sah sie auf und verstaute die silberne Ketten in der Tasche ihres Rockes. Es bedeutete ihr viel zu wissen, das Andvari bei der Auswahl ebenfalls an sie gedacht hatte.
      "Dieses Mal trifft Sylvar keine Schuld," Sprach sie ruhig. "Ich habe ihn danach gefragt, weil ich unbedingt wissen musste, was Euch erwartet. Eines führte zum anderen."
      Viola erhob sich und ging zum Feuer herüber, gedankenverloren lag ihr Blick in den Flammen, die so wärmend und ebenso zerstörerisch sein konnten. Für den Augenblick bereute sie ihre Worte fast. Andvari hatte losgelöst und entspannt gewirkt, und sie konnte einfach ihre Zunge nicht im Zaum halten.
      "Nein, keine Fragen, aber ich würde es gerne von Euch hören. Seit Sylvar mit mir darüber gesprochen hat, liegt es schwer auf meinen Gewissen. Nicht die Tat selbst, aber es hätte Eure Entscheidung sein müssen, mir davon zu erzählen."
      Die Ansicht Sylvars, das wenige was er berichtet hatte, kannte sie. Aber sie wollte Andvaris Sicht der Dinge hören. Er war derjenige der die Schuld und Konsequenzen auf sich genommen hatte.

      [Language of Thorns - Leigh Bardugo]
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Andvari

      Sie war erstaunlich schön, wenn sie sich ein wenig aufregte. Und das Haar wie eine Flammenmähne schüttelte. Er konnte nicht umhin, leicht zu schmunzeln, während er sich zwang, wegzusehen. Die Sonne würde bald vollends untergehen und dann blieb noch die Frage des Schlafplatzes,vor der er sich ins geheim fürchtete.
      "Seht es ihm nach", murmelte Andvari. "Er wollte Euch nichts böses und vermutlich nur schützen. Hättet Ihr mich zwei Tage vorher erblickt, wäret Ihr wohl kaum im Stande gewesen, mich zu heilen. Es ist Sylvar zu verdanken, dass Ihr es überhaupt konntet. Außerdem hat er unsere Flucht gedeckt. Aber recht habt Ihr: Geheimnisse sind Sylvars Leben. Leider hat er selbst zu viele davon."
      Er nickte weiterhin.
      "Es freut mich, dass es Euch gefällt..."
      Der Elf sah ihr zu, wie sie zum Feuer ging und kam nicht umhin, ihren Körper zu mustern, der mit dem Rücken zu ihm stand. Innerlich ertappt sah er wieder in die Flammen und seufzte.
      "Eine alte Geschichte", begann er. "Eine Geschichte von Leid und Bedauern, die mein LEben zeichnete. Die Königin dieses Reiches war nicht meine Mutter, wie Ihr wisst. König Oberon heiratete Titania, bevor ich auf die Welt und meine Mutter in sein Leben trat. Freilich nahm dies die Königin nicht gut auf, dass ihr Gemahl mit einer Gemeinen, noch dazu der Erzmagierin, verkehrte und einen Bastard gezeugt hatte. Dennoch: Man nahm mich zunächst am Hofe auf. Freilich ohne Titel oder Anspruch darauf. Ich war Stallbursche und Zimmermann des Hofes, wärhend die Söhne in der Kriegskunst und Magie geschult wurden. Es vergingen die Jahre und wir wurden allesamt ein wenig älter, als eines Tages bekannt wurde, dass die Königin einer unbekannten Krankheit erlegen war. Wir nannten es lediglich "das Fieber". Dies Fieber kam schubweise und ließ sie wie eine Furie schreien, um sich schlagen und eine andere Person werden. In irher Wut tötete sie eine Magd um die andere und selten kamen noch Gäste ins Schloss, nachdem der König das Ausmaß begriff. Titania litt zudem unter gravierenden Kopfschmerzen, die ihre Eingeweide zu entflammen schienen. Ihr ganzer Leib brannte am Körper und warf blasen, sodass sie in den schlimmsten Stunden um den Tod flehte."
      Andvari machte eine Pause und blickte ins Feuer.
      "Dies ging einige Jahre so. Jeden Tag wurde gebangt und gehofft, dass es ein guter Tag werden möge und man nicht das Feuer spürte, dass sie aussandte. Doch ein ums andere Mal wurden wir enttäuscht. Immer schlimmer wurden die Ausbrüche und Faolan erhielt von den Söhnen am meisten davon. Er wurde gepeinigt, geschlagen und wieder und wieder gedemütigt, doch keiner von uns brachte es übers Herz, die Königin zu erlösen, die wir als sanftmütige Frau kennen lernten. Bis zu einem Tag vor einigen Jahren..."
      Er erhob sich aus dem Stuhl und wanderte durch den Raum. Er bracuhte dies zum Nachdenken.
      "Ich war im Dienst als Leibgarde der Königin. Man hatte mich zwischenzeitlich dorthin befördert, weil ich meiner Mutter ähnlich sah und sie glaubte, sie in mir zu sehen. Also war sie mir wohlgesonnen, obgleich meine Mutter doch der Feind war. An diesem Tag rief sie mich herein und bat um Wasser.
      Als meine Hand ihr den Becher an die Lippen legten, schlug sie diesen weg und ergriff mein Wams und zog mich zu sich heran. 'Töte mich, Andvari...Ich flehe dich an...Mach dem hier ein Ende...'
      Ihre Worte waren kraftlos und voller Hass auf sich selbst. In ihren Augen stand kein Leben, nur Bedauern und Schmerz. UNd in meiner Ratlosigkeit und wehem Herzen ergriff ich den Dolch an meiner Hüfte und stieß ihn ihr ins Herz, um ein letztes Lächeln zu sehen..."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell

    • “Sorrow touched us all, whether we believe in it or not.
      It doesn’t matter what you call the thing ripping you apart.
      It will still devour you if given the chance.”


      Viola


      Bedächtig nickte Viola. Ja, ein wenig davon wusste sie bereits.
      Eine weiteres, düsteres Kapitel seines Lebens öffnete sich ihr und sie fragte sich still zum unzähligsten Mal, wie viel jemand ertragen konnte ohne völlig daran zu zerbrechen. Das Andvari Stärke besaß, stand außer Frage und dabei dachte sie nicht an sein Geschick im Kampf.
      Viola fühlte die Blicke in ihrem Rücken, wie eine Berühungen auf ihrer Haut. Von den Schultern mit den blassen Sommersprossen und den Schwung ihrer Wirbelsäule herab. Und es fühlte sich selbst wärmender an als das Feuer direkt vor ihr. Hinter ihr erklang das Kratzen von Holz auf Holz, als Andvari sich erhob und im Raum auf und ab ging. Die junge Heilerin drehte ihm weiterhin den Rücken zu. Nicht aus Distanz oder Unhöflichkeit, aber ein Blick in das Gesicht des Elfen und sie war sich nicht mehr sicher, ob sie ein weiteres Wort ertragen konnte. Nicht um ihretwillen, sondern um ihm nicht noch mehr Leid durch ihre Fragerei zuzufügen.
      Erst als er in seiner Erzählung ein Pause machte, hob sie den Blick von der Feuerstelle und wandte sich zu Andvari um.
      "Was Ihr für Königin Titania getan habt, war ein Akt der Güte und des Mitgefühls", sprach sie leise mit einem blassen Lächeln auf den Lippen. "Einer leidenden Frau ihren Wunsch zu erfüllen, ist kein Verbrechen. Und es tut mir leid, dass ihr diese Bürde auf Euch nehmen musstet."
      Keine Abscheu lag in ihrem Blick über die Tat. Und auch kein Mitleid, das hätte er Elf sowieso nicht von ihr gewollt.
      Es war ein stilles Verständnis das in ihren Augen schimmerte. Der Zustand der Königin schien aussichtlos gewesen zu sein.
      Wenn selbst die Magier der weißen Hand keine Heilung gefunden hatten, was blieb dann noch?
      Faolans Name ließ sie immer noch erschaudern, aber selbst für ihn, brachte sie einen Funken Mitgefühl hervor.
      "Nicht jeder kann gerettet werden," seufzte Viola. "Ich habe das auf dem harten Weg lernen müssen in den ersten Monaten meiner Dienste auf den Kriegsfeldern. Manchmal bleibt nichts anderes übrig, als das Leid zu lindern, wenn alles Weitere vergebens wäre. Man gibt etwas gegen die Schmerzen und nur ein winziges bisschen mehr als üblich in der Hoffnung, das der Schlaf sie nie wieder frei gibt. Es ist gütig, nicht herzlos."
      Viola war so jung, ein Wimpernschlag in den Augen eines Elfen, und klang ernster als sie eigentlich sollte.
      "Wenn es auf den Schlachtfeldern bedrückend still wurde und wir nach Überlebenden suchten, habe ich mir oft die Frage gestellt: Ist es das wert? Der Tod, das Leid, all das Blutvergießen? Es gab Augenblicke, in denen es kaum möglich war zwischen Mensch oder Elf einen Unterschied zu sehen. Und wofür das alles? Land? Reichtümer? Aus Abscheu?," stockend unterbrach sich die junge Frau selbst im Satz und blinzelte, als würde sie die Erinnerung wie Sand aus ihren Augen vertreiben.
      "Verzeiht...," murmelte sie und schüttelte auch den letzten Gedanken ab. "Ich wollte Euch nicht unterbrechen. Euer Bruder sagte, dass es Lysanthir war, der Euch im Zimmer der Königin entdeckt hatte..."

      [Realm Breaker - Victoria Aveyard]
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Andvari

      Andvari hielt in seiner Bewegung an und blickte sie an. Sein Blick sprach nicht nur Wärme, sondern gleichsam ein Fluss an Bedauern, Reue und Schmerz aus. Nicht gegeben durch die Tatsache, dass sie dies Thema ansprach, sondern mehr bedingt durch die Dinge, die sie zum Schluss sagte.
      Er unterdrückte den Drang, zu ihr zu gehen und sie zu umarmen.
      „Ein jeder Krieg…“, murmelte er und trat einen Schritt näher. „Ein jeder Krieg ist nutzlos und unnötig. Und zumeist das Werk alter Männer und Frauen, die ihren Stolz nicht überwinden konnten. Es gibt niemals einen Sieger in einem Krieg. Wir verlieren alle. Und Ihr habt bereits zu viel erlebt für Eure jungen Jahre. Ihr solltet irgendwo glücklich leben, zu Eurer Zufriedenheit und nach Eurem Gusto. Und nicht in den Wirren des Krieges gefangen sein…“
      Er setzte sich erneut schwerfällig auf den Stuhl und konnte seinen Blick nicht von dem schlanken, drahtigen Körper nehmen, der am Feuer stand. Ihre Schultern, die sich im Gegenlicht spiegelten und das Feuermeer ihrer Haare, das das dahinterliegende Gesicht betonte. Bei den Bäumen, wie gern würde er…
      Lass es!
      „Was ich für Titania tat, mag Güte gewesen sein, aber leider sah es mein Bruder nicht so. Das habt Ihr korrekt in Erinnerung. Lysanthir fand mich über seine Mutter gekniet und ihr blaues Blut an meinen Händen. Das Lächeln war mittlerweile aus ihrem Gesicht verschwunden und verlieb die kalte, steinerne Miene einer Fürstin. Lysanthir ließ nicht mit sich reden, sondern griff mich blind vor Wut an.
      Nach einem kurzen Kampf warf ich ihn zur Seite und fand mich umringt von meines Vaters Soldaten, die mich alsbald fortbringen wollten. Während Sylvar, Faolan und mein Vater über den Leib der Toten gebeugt waren.
      Ich wurde geächtet, verbannt und als niederer Soldat in den Kriegsdienst gezwungen. Verlorene Schlachten und schlechte Taktik machten es notwendig, dass ich zum General befördert wurde, damit man die Armeen führen konnte. Aber meine Brüder haben mir nie vergeben. Mit Ausnahme Sylvar. Aber ich danke Euch, dass Ihr gefragt und zugehört habt. Und für Eure Worte.“
      Sie bedeuten eine Welt für mich, dachte er und lächelte schief während er an ihr vorbei ins Feuer starrte.
      Erst nach einer Zeit merkte er, dass es, bei grobem Hinsehen so aussah, als würde er ihr auf das Gesäß starren, obwohl er die Flammenfinger betrachtete. Hastig wandte er leicht errötend den Blick ab und räusperte sich.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • “He wouldn’t approve.”
      “He doesn’t approve of anything about you.
      But when you laugh, he perks up like a tulip in fresh water.”
      Nina snorted. “Matthias the tulip.”
      “The big, brooding, yellow tulip.”

      Viola


      Ein ungläubiges Schnauben, wenig damenhaft, erklang aus Richtung des Kamin und Viola schüttelte leicht den roten Haarschopf.
      "Was spielt es für eine Rolle wie alt oder jung wir sind? Macht es die Tat grausamer, die Vaeril Baumschatten an mir beging, weil ich viel zu jung war? Schmälert es Eure Last, nur weil ihr mir vielleicht Hunderte von Jahren vorraus seit?"
      Viola hatte das erste Mal den Namen ihres Peinigers bewusst ausgesprochen, seit sie ihn von Andvari erfahren hatte.
      Trotz ihrer Worte lächelte die junge Frau und stieß schließlich einen langen Seufzer aus. Das Verwunderliche war, dass sie sich an diesem Ort mehr als sie selbst fühlte, als umgeben von vertrauten Wänden aus Stein und ihrem Leben in Bourgone.
      Der Krieg würde enden, vielleicht nicht Heute und auch nicht Morgen. Und danach, sie würden sehen.
      "Ohne die Grausamkeit der Prinzen verteitigen zu wollen, aber sie sahen Euch über den blutenden Leib ihrer Mutter gebeugt. Der Schock muss tief gesessen haben. Aber sie hätten Euch anhören müssen, wenn auch nicht auf der Stelle, aber mit der Zeit. Vor allem, da jeder scheinbar um den schlechten Zustand und die Ausichtslosigkeit auf Besserung wusste. Ihr habt ein gutes Herz, Andvari."
      Endlich erreichte das Lächeln wieder ihre Augen.
      "Ich werde Euch daran erinnern, wenn Ihr das nächste Mal daran zweifelt."
      Viola mochte unerfahren sein, aber nicht blind. Sie war schon immer von zierlicher, schmaler Statur gewesen. Ihr fehlten die üppigen Rundungen, die die Augen der Männer anzogen. Die sehnsüchtigen Blicke des Elfen waren ihr dennoch bewusst. So hatte noch niemand sie angesehen. Es schürte eine heiße Glut unter ihrer Haut und erfüllte sie dennoch mit dem nagenden Zweifel der Angst. Und Andvari spürte das, da war sich die junge Frau sicher. Er schien zu warten, nie wirklich sicher, ob er sie berührten durfte oder nicht. Seit der Ankunft auf der Lichtung tanzten und umkreisten sie einander. Nicht sicher, was erlaubt war, was richtig war.
      Ein Schritt aufeinander zu sorgte für zwei Schritte wieder zurück.
      Aus dem Augenwinkel beobachtete Viola den weißhaarigen Elf mit einem neugierigen Funkeln in den Augen.
      Schmunzelnd bemerkte sie, dass Andvari errötete. Selbst im dämmrigen Licht der beinahe gänzlich untergangenen Sonne gut zu erkennen und auch der flackernde Schein der Flammen konnte es nicht verbergen.
      Der gefürchtete Elfenkrieger und Bastardsohn des Königs in Verlegenheit gebracht durch ein einfaches Bauernmädchen, einer Menschenfrau noch dazu. Das würde ihr niemand glauben.
      Fragend zog sie eine Augenbraue nach oben.
      "Ihr errötet, Andvari Schattenglanz. Gefürchteter Krieger der Elfen." sprach Viola neckend.
      Wo bitte kam das jetzt her?!

      [Six of Crows - Leigh Bardugo]
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Andvari

      Der Elf schüttelte den Kopf, dass die weißen Haare wehten und grinste schwach.
      "Nein, das ist natürlich nicht so. Krieg ist Krieg. Für jung und alt gleich. Ihr habt Recht. Es macht es weder besser noch schlechter, weder leichter noch schwerer", sagte er und sah sie von der Seite an, noch immer leichte Röte in seinem Gesicht. "So viele Jahre bin ich Euch nicht voraus..."
      Andvari nickte und blikte wieder ins Feuer, wobei dies langsam langweilig zu werden schien. Die Flammen waren nicht so interessant wir die die schmale Statur vor dem Feuer. Er wollte sich nicht erneut ertappen lassen und räusperte sich erneut.
      "Vielleicht war es so", murmelte er. "Meine Brüder haben getan, was jeder in der situation getan hätte. Mich verurteilt und verdammt. Sylvar wachte als einziger auf, wärend Lysanthir in Trauer versank und Faolan ein neues Ziel für seine Wut brauchte."
      Der Elf versuchte es zu vermeiden, zu starren.
      Nicht, weil sie niht ansehnlich oder dergleichen war. Doch ihre Körperhaltung nebst dem beiernden Gefühl der Angst, dass sie mit seinen Blicken verbinden musste. Gerade wenn sie Vaerils Namen so freimütig aussprach, musste es ihr eine gewaltige Last aufbürden. Wie hätte er sie jemals berühren, geschweige denn begehren können?
      Gerade wollte er sich einem anderen Gedanken hingeben, um diese vermaledeite Röte aus seinen Wangen zu kriegen, da eine Flamme hochschnellte und sein Gesicht beleuctete. Es veranlasste ihn aufzusehen und er bemerkte er Violas Blick, der neugierig und beinahe so flammend wie ihr Haar ercshien.
      Erst der Satz danach, brachte ihn zum Schmelzen.
      Für einen Moment sah er sie mit heraufgezogenen Augenbrauen an, ehe er den Kopf senkte, dass sein Haar sein Gesicht verdeckte und in kicherndes Gelächter verfiel.
      "Erwischt", murmelte er zwischen zwei Lachanfällen. "UNd auch ein gefürchteter Krieger errötet zumal. Es liegt an Eurer Schönheit,. Habt Mitleid mit meinem armen Geist, der nicht einmal den Anstand wahren kann."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • "But I like your laugh. I need to catch you off your guard,
      otherwise you're too busy protecting me and asking me if I'm okay."
      - "Is it wrong to worry?" -
      "No, it's wrong to treat me like I might break apart at any moment.
      I'm not that fine or that fragile."


      Viola

      Von der eigenen Courage sichtlich überrumpelt, stimmte Viola in das herzliche Lachen ein.
      Ob Andvari wusste, wie ansteckend dieses raue aber wundervolle Lachen war? Die leichte Anspannung in ihren Schultern löste sich und sie fragte sich, wann sie das letzte Mal an einem Tag so viel gelacht hatte.
      Wahrscheinlich würde sich die junge Heilerin nie daran gewöhnen, wenn sie jemand als schön bezeichnete. Mit einem verlegenen Lächeln, das Gesicht vom Lachen und seinen Worten gerötet, berührte sie mit den Fingerspitzen die Narbe oberhalb ihres Auges. Jene blässliche Linie, die ihre linke Augenbraue in ein ungleiches Paar teilte. Ertappt bei der unbewussten Bewegung, senkte sie schnell ihre Hand und trat vom Feuer weg. Ihr war mittlerweile warm genug, aus gänzlich anderen Gründen.
      Die Tatsache, dass der Elf keinerlei Anstalten machte, sich wieder den Wams überzuziehen, ließ sich allerdings unkommentiert.
      Obwohl es ihr schwer fiel ihren neugierigen Blick oben zu behalten. Jedes Mal entdeckte sie eine neue Narben, manche sehr alt, andere recht neu. Aber es war nicht nur das. Sie erinnerte sich nur zu gut an das Gefühl seiner Haut unter ihren Fingern, warm und stark. Der Wunsch ihn zu berühren, war fast furchteinflösend stark. Und er sprach von Anstand. Belustigt durch die eigene Gedanken, schüttelte sie den Kopf.
      Woher Viola plötzlich diesen fremden aber doch willkommenen Schneid nahm, fragte sie sich selbst einen Augenblick lang.
      "Dafür sehe ich fiel zu gerne, wie ihr Euch windet," scherzte Viola mit einem Kichern. "Und...Ich bin nicht aus Glas, auch wenn ihr mich so sehen mögt."
      So zog sie ihren Stuhl um den Tisch herum und ließ sich am Kopfende wieder darauf nieder, damit sie dem Elf nicht länger gegenüber saß sondern etwas schräg neben ihm. Schmunzelnd und sichtlich amüsiert über die missliche Lage Andvaris, lag kein ängstliches Zögern darin, als sie die Hand hob und die schneeweißen Strähnen zärtlich aus seinem erhitzten Gesicht schob.
      "Da seid ihr ja...," wisperte sie sanft und lockte ihn aus dem Versteck seines eigenen Haarschopfes hervor.
      Lächelnd stützte sie ihr Kinn in ihre Handfläche und schien nicht eine Sekunde lang den Blick von ihm nehmen zu wollen.
      "Wie alt seid ihr wirklich?," fragte sie mit schief gelegtem Kopf während sie unverwandt in die leuchtenden, goldfarbenen Augen blickte.

      [Crooked Kingdom - Leigh Bardugo]
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Andvari

      Ob diese Frau wusste, welche Wirkung sie auf ihre Umwelt hatte?
      Vermutlich ja, vermutlich nein. Sie wirkte in mancher Geste mehr unbeholfen als wirklich erfahren, aber gerade dann, wenn Andvari sich vornahm, sich zurückzuhalten und anständig zu sein, sah sie ihn an und schien ihn regelrecht dazu herauszufordern, seinen Anstand über Bord zu werfen.
      Doch wie weit wollte und konnte sie gehen?
      Und wieso fragte er sich das genau? Er war ein Elf. Ein dreckiger, gewalttätiger Elf, der hunderte von Meschen getötet hatte. Und auch wenn er ihr keine Gewalt antun würde, war es doch Vaeril, dieses Scheusal, was sie für ihr Leben gezeichnet hatte. Der Elf bewunderte ihre Stärke, ihn immer noch und trotz allem anzusehen und so zärtlich mit ihm umzugehen.
      "Ah seht", kommentierte er grinsend. "Ihr könnt es auch. Erröten."
      Als sie näher rückte und beinahe neben ihm zu sitzen kam, wirkte es für einen Moment so friedlich und richtig, dass es ihm Angst machte. Es fühlte sich an wie bei Fea, als sie aus dem Wald zurückgekehrt war. Das erste Mal, das sie hier waren. Richtig und falsch zugleich.
      Ihre Hand fuhr über sein Gesicht und er widerstand dem Drang, ihre Finger zu ergreifen und sie an sich zu ziehen. Ohne Verstehen, warum er dies empfand, schluckte er den Gedanken herunter und sah sie aus beinahe glühenden Augen an.
      "Ich sehe Euch nicht aus Glas", flüsterte er und blickte ihr direkt in die Augen, dass einem Dolch gleichkam. "Ich sehe Euch. Nicht mehr und nicht weniger."
      Anschließend musste er wieder leicht kichern und verblieb grinsend neben ihr, um sich auf den Tisch zu lehnen.
      "Ich werde in diesem Jahr einhundertdreiundvierzig Frühlinge alt", sagte er und konnte sich einen feixenden Blick nicht verwehren. "Für Euch bin ich vermutlich ein alter Baumschrat, aber für Elfen bin ich noch verhältnismäßig jung."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • “I know you’re almost forty, look almost thirty, think you’re
      just over twenty and act as though you’re barely ten.”


      Viola

      Ein Blick von leuchtendem, warmen Berstein schien regelrecht bis in ihre Seele zu sehen.
      Für einen Augenblick war sie so gefangenen davon, dass sie vergaß zu blinzeln oder überhaupt an etwas Sinnvolles zu denken.
      Der zarte, rosafarbene Schimmer auf ihren Wangen breitete sich weiter aus bis zu dem roten Ansatz ihrer Haare.
      "Das habe ich nie bestritten...", murmelte Viola die ein wenig verzögerte Antwort und schien sich endlich daran zu erinnern, wie man Worte sinnvoll formte. Wie konnte es auch anders sein, wenn Andvari sie mit diesen Augen so ansah.
      Mit den Fingerspitzen berührte sie ihre eigene Wange und spürte die aufsteigende Hitze darunter. Die junge Frau war allmählich über den Punkt hinaus, an dem sie sich für die Röte in ihrem Gesicht schämte. Es war, wie es nun mal war. Und in einem irrwitzigen Anflug von Mut hatte sie ihm am Morgen bereits gebeichtet, welche Gedanken und Sorgen sie beschäftigten.
      "Jünger, als ich dachte," gab sie nachdenklich zurück und räusperte sich peinlich berührt. "Nicht das Ihr alt ausseht, ich meine..."
      Frustriert stöhnte sie auf und vergrub leise lachend das Gesicht in den Händen.
      "Ich bin eine Katastrophe...," erklang die Stimme gedämpft durch ihre Handflächen.
      Warum ging man völlig selbstverständlich davon aus, dass jeder Elf unter der Sonne Jahrunderte alt sein musste?
      Zwischen den Lücken ihrer Finger spähte sie zu ihm herüber und fragte sich, seit wann sie so ungeschickt war. Vielleicht weil sie gewöhnlich kein Mensch war, der viel Zeit mit Gesprächen verbracht hatte.
      Das Grinsen auf seinen Lippen war herrlich anzusehen und ließ einen gewissen Schalk dahinter vermuten und die Art, wie er sich leicht auf den beugte, brachte sie ein wenig näher zusammen.
      Der Erkenntis, dass sie von ihm berührt werden wollte, brannte sich in ihren Kopf. Das Gefühl war so neu, aber weniger beängstigend als sie geglaubt hatte. Dennoch, die junge Frau wusste nicht, wo ihre eigene Grenze war. Wann würde sie die Vergangenheit einholen? Konnte sie ihm das wirklich aufbürden? Aber da war etwas, zwischen ihnen. Und wenn er sie sah, wirklich sah, würde er es wissen.

      [Blood of Elves - Andrzej Sapkowski]
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Andvari

      Das Lachen, das durch den Raum hallte, nachdem sie ihre Bemerkung über sein Alter getätigt hatte, erfüllte diesen beinahe komplett mit Leben. Als habe man die Uhren auf Halt gedreht erfüllten sanfte, aber kraftvolle Lachstöße den ganzen Raum, während er Elf sich schüttelte vor Lachen.
      Mit jedem Atemzug, der das Zwerchfell Andvaris bewegte pulsierte anschließend eine Art Lichtschtrahl durch seine Adern und erhellte seine Haut ein wenig von ihnen, sodass er eher wie eine Laterne aussah, die langsam einen tomatenroten Kopf von der Luftnot erhielt.
      Erst nach einer gefühlten Ewigkeit beruhigte er sich wieder und lehnte den Kopf in den Nacken, sodass das Haar wie weiße Seide auf den Tisch fiel, ehe er sie wieder ansah.
      "Ihr seid alles andere als das", kicherte er noch immer. "Und macht Euch keine Gedanken. Alter ist eine Zahl. Elfen erscheinen meist Jahrhunderte alt, aber zumeist sind wir es nicht. Mein Vater ist zwar bedeutend älter als der Durchschnitt, aber zumeist leben wir nicht so lange. Wir sind leider ein Volk, dass es versteht, sich selbst immer wieder zu dezimieren."
      Als sie so neben ihm saß, die Hände beinahe spielerisch vor dem Gesicht gehalten, konnte er nicht mehr anders. Einen letzten Lacher vrachte er über die Lippen und atmete tief ein und aus, als er sich ganz zu ihr umdrehte und langsam nach ihren zarten, schlanken Händen griff.
      Er zog diese ein wenig auseinander, sodass er freie Sicht auf ihr Gesicht hatte, dass durchaus eine ähnliche Farbe wie seines angenommen hatte und grinste.
      "Schätzt Euch niemals gering. Ihr seit keine Katastrophe. Ihr seid das Wunder, das ich brauchte, um wieder atmen zu können.Nicht mehr, nicht weniger."
      Er hielt ihre Hände fest, obwohl er Angst hatte, dass sie sich ihm entwinden würde. Sicherlich war es mehr als verständlich, aber für einen Moment wollte er diesen Hauch der Berührung genießen. Nur dieses eine Mal, ehe er wieder ganz ritterlich sein wollte.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • “Because I am greedy for the sight of you.
      Because the prospect of facing this war,
      this loss, without you fills me with fear.
      Because I find I don’t want to fight for a future
      if I can’t find a way to make a future with you.”


      Viola

      Und bei den Göttern, es war so herrlich einfach aus vollem Herzen zu lachen.
      Glücklich sein musste sich genauso anfühlen. Mit all der Leichtigkeit und Belustigung über sich selbst lachen zu können.
      Andvari war so wunderschön, dass es Viola beinahe den Atem verschlug. Dabei erledigte das der anhaltende Lachanfall schon ganz von allein. Unter der Haut glühte das wunderbare Licht seiner Magie, wie pures Leben. Sie hätte ihn für den Rest ihres Lebens einfach nur ansehen können.
      Viola rang nach dringend benötigter Luft und fühlte sich mit ihrem hochrotem Gesicht und den Lachtränen in ihren Augen gerade alles andere als hübsch anzusehen, was ihrem strahlenden Lächeln keinen Abbruch tat. Raue Finger umschlossen ihre Hände und sie schnappte noch nach Atem, als Andvari sie aus der Deckung hevor holte.
      Ohne den gerringsten Zweifel in den grünen Augen verwob sie ihre Hände mit seinen und stieß ein Seufzen aus. Ihre Schultern bebten noch immer immer von den Nachwellen des vielen Lachen, dass sie geschüttelt hatte.
      "Mit meinen dreiundzwanzig Sommern muss ich euch furchtbar jung vorkommen," brachte sie atemlos hervor. Und das war sie auch und endlich strahlte sie auch diese Jugend und Sorglosigkeit aus. Der bittere Zug, den sie oft zur Schau trug, war verschwunden und hinterließ nichts als ein Funkeln in ihren Augen.
      Sie würde den Weg noch einmal gehen, durch Eis und Schnee, durch die Ungewissheit, um wieder am Ende hier an diesem Tisch zu sitzen.
      Ihre Narben würde sie dadurch nicht verlieren, nich jene auf ihrer Haut auch nicht die auf ihrer Seele. Aber zum ersten Mal seit sieben Jahren, wusste sie, dass sie wirklich glücklich sein konnte.
      Wer hätte das ahnen können, als man Andvari verletzt vor ihre Füße gelegt hatte.
      "Danke," flüsterte sie sanft. "Und auch für all das hier. Dafür, dass ihr mir die Augen geöffnet habt. Für die all die wundervollen Dinge, die ich sehen durfte. Ich wusste immer, dass ich etwas vermisse. Aber ich ahnte nie, was es wirklich war."

      [Rule of Wolves - Leigh Bardugo]
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Andvari

      Dieser nicht vorhandene Zweifel, dieses nicht vorhandene Zögern, das sie einfach ihre Finger mit seinen verschligen ließ. Und diese Wärme, diese wunderbare, sichtbare und beinahe greifbare Wärme, die allein diese Berührung auslöste, ließ ihn beinahe einen Moment sprachlos zurück.
      Als sie von ihrem Alter sprach, versank er gerade zu in ihren Augen, die voller Leben pulsierten und bei denen er sich zumeist fragte, ob sie noch schöner werden konnten. Und zumeist wurde er eines besseren belehrt. Sie konnten. So auch jetzt. Mit jedem Wort, das sie sprach, zeigte sich ihre kraftvolle Jugend in ihren Augen. Und mit jedem Wort wurde das Verlangen nach ihrer schwerer in seiner Seele. Als würde er sich nach dem Leben sehnen dass sie ausstrahlte.
      Du bist wunderschön, dachte er. Schöner wie die Sonnenaufgänge über Seleweth. Sie Untergänge über den Bergen von Kargenost. Selbst diese Narben kleideten die junge Frau und machten sie noch interessanter ins einen Augen. Er widerstand dem Drang, sie zu berühren, obwohl er wusste, dass er scih nicht ewig zurückhalten würde können. Wie konnte ein Mensch, eine Frau, derartig an seinem Selbstbeherrschungskostüm reißen?
      Er schluckte und schüttelte den Kopf.
      "Alter ist eine Zahl", murmelte er und lächelte. "Und ich kann nicht wirklich rechnen, also seid Ihr das, was Ihr seid. Eine wunderschöne Frau, die mir schon viel zu oft mein Leben retten musste. Und die es vermutlich noch ein paar hundert Male tun wird und ich mich immer noch frage, warum sie es tut."
      Er hielt ihre Hände bei sich und fuhr die Rundungen ihrer Finger und Knöchel nach, während sie sprach. Andvari musste den Blick auf ihrer beider Hände senken, damit er nicht zu sabbern begann. Sicherlich nicht fein, aber er war unter Bauern und Magiern aufgewachsen. Man mochte ihm diese Gedanken nachsehen.
      Er hauchte noch einen Kuss auf ihren Handrücken und grinste ein wenig schelmenhaft.
      "Nicht dafür. Ich freue mich, wenn es Euch etwas Glück gebracht hat, hier zu sein. Ich bin mindestens genauso dankbar."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • “Promise me you won't forget this. That no matter what happens tomorrow,
      the next day, next week, you won't forget this, forget that this was real.”


      Viola

      Ein wenig in Gedanken versunken, betrachtete Viola die verschlungenen Hände zwischen ihnen.
      Wie kleine und zierlich ihre eigenen wirkten und verziert mit blassen, hauchdünnen Narben von Schnitten und Dornen. Es waren Spuren der harten Arbeit in den Gärten. Wie oft hatte sie sich mit Nadeln in die Finger gestochen, als sie das Vernähen von Wunden gelernt hatte. Viola war nie für das Leben am Hofe bestimmt gewesen und eine feine Dame war sie mit Nichten. Sie vergrub ihre Hände lieber in frischer Erde als in seidigen Stoffen.
      Wo Andvari die Erhebungen und Senkungen ihrer Knöchel verfolgte, kribbelte es verräterisch unter der Haut.
      Viola drückte leicht seine Hände, ehe sie eine seiner Hände in ihre beiden nahm und die Handfläche nach oben kehrte. Auch wenn sie dafür schweren Herzens ihre ineinander verschränkten Finger von einander lösen musste.
      Mit den Fingerspitzen fuhr sie die tiefen Linien seiner Handfläche entlang. Es war kaum zu glauben, dass seine Haut beinahe noch blasser war als ihre eigene. Jeder Schwiele vom Gebrauch von Schwert und Werkzeug, jedes bisschen raue Haut unter ihren Fingern waren Zeugen eines harten Lebens. Wie ihre eigenen.
      "Wenn ich das richtige Wort dafür gefunden habe...", erklang ihre Stimme, während sie ihren Daumen mit sanften Druck in seine Handfläche presste, wie sie den Muskeln spürte. Ihre Stimme nicht mehr als ein Flüstern im Wind. "...werde ich es Euch sagen."
      Alles, was sie wusste, mit erschreckender Klarheit, dass sie an seiner Seite bleiben wollte. Und wenn es nur für einen Wimpernschlag war.
      "Ich bin froh, das zu hören. Das Letzte, was ich möchte, ist Euch zur Last fallen", lächelte die junge Frau und kicherte tatsächlich erneut, als der Kuss verspielt und beinahe in einer ritterlichen Geste ihren Handrücken berührte.
      Die junge Frau blickte auf und zur Seite, um aus dem Fenster zu spähen. Es war bereits dunkel geworden und die Nacht herein gebrochen. Wie lange hatte sie hier gesessen und sie einfach nur angesehen?
      "Huh?...", verwundert blickte sie erneut in die Dunkelheit. "Es ist schon dunkel," murmelte sie.
      Wie aufs Stichwort kräuselte sich ihre Nase und sie neigte den Kopf, um das Gesicht halb in die eigene Schulter zu lehnen.
      Viola gähnte herzhaft. Sie hatte nicht für eine Sekunde ihre Hände voneinander lösten wollen.
      Die letzte Nacht war kurz und unruhig gewesen. Der Tag ein einziges, zehrendes Auf und Ab.

      [From Blood and Ash - Jennifer L. Armentrout]
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Andvari

      Alleine die Anmut ihrer Bewegungen, wie sie seine Hände nach oben drehte und mit den Fingern seine eigenen, schwieligen Hände nachfuhr. Sein Vater hatte ihm immer gesagt, dies seien die Hände eines Bauern und nicht die Hände eines Königssohns. Ein Bastard blieb ein Bastard. Doch die Zärtlichkeit, mit der sie seine Hände nachfuhr, ließ ihn den Kopf schieflegen.
      Selten hatte er eine derart starke Anziehung gespürt und war selten auch nur in der Lage gewesen, diese nicht zurückzuhalten. Doch auch jetzt erschien ihm das alles so unfassbar groß, dass er Mühe hatte, an sich zu halten und nicht den Tisch hinter sich zu lassen und sie...Nein!
      Nicht einmal dran denken, du Narr!
      Er nickte ihr zu.
      "Tut das", flüsterte er ebenso atemlos über das Knirstern des Feuers hinweg. "Ich warte hier auf die Antwort."
      Erstuanlich, das einmal zu sagen, aber er würde es wirklich. Sie brauchte Zeit mit allem. Sie war ein Mensch im Elfenreich. Ihre Zukunft hier war mehr von Gefahr denn Frieden gezeichnet und würde nicht einfach. Wie konnte er ihr das zumuten? Wie konnte er sich Hoffnung machen, dass sie womöglich nicht derzeit an seiner Seite war? Vielleicht sogar für immer?
      Eine wahnwitzige Vorstellung, nicht wahr? Oder?
      "Ihr fallt mir nicht zur Last. Im Gegenteil, ich..."
      Auf ihren Ausruf hin bickte er aus dem Fenster und musste erneut kichern.
      "Ihr habt Recht", stimmte er zu. Und als er ihr beim Gähnen zusah, diesem unglaublich süßen Geschmack von Nähe folgend, den er im Raum roch, musste er breiter lächeln.
      Selbst wenn sie nicht Herr ihrer Muskeln war, war sie anziehend. Wie konnte er ihr damals mit dem Tode drohen? Es erschien ihm so surreal, dass es beinahe beängstigend wurde. Schweigend erhob er sich und zog sie mit seinen Händen hoch. Die kalte Luft nahm langsam Einzug in das Haus und bald musste die Nachtfeuer entzündet werden. Der kommende Tag war mehr als anstrengend anzusehen und auch wenn es ihn schmerzte, beugte er sich hinab und lächelte.
      "Ihr solltet zu Bett gehen", murmelte er. "Wir sollten es beide. Der heutige Tag war anstrengend und der Morgige wird es mit Sicherheit."
      Sein Haar fiel wie ein weißer Seidenteppich zu beiden Seiten seines Kopfes herab und für einen Moment griff er danach und roch daran. Es wurde Zeit, zu baden. Erneut.
      "Ich sollte vielleicht noch eine Runde im See schwimmen."
      Um diese schrcklichen Gedanken loszuwerden. Und sich wieder zu sammeln. Ja, das war eine gute Idee.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • “I thought of you and it was as if you were there, with me.
      I saw your face. Your hair. And I was no longer afraid.
      I knew I would be able to come home, because of you.
      That you would lead me back. You are my constant star."


      Viola

      Fragend sah Viola auf, als der Elf sich erhob und verfluchte innerlich den Wunsch nach Schlaf und einem weichem Bett.
      Die Vorstellung war verlockend, aber der Gedanke eine weitere Nacht allein zu verbringen, lockte sie nicht gerade die Treppe hinauf.
      Ohne Widerworte ließ sich Viola auf die Füße ziehen und legte den Kopf ein wenig zurück, um Andvari ansehen zu können.
      Da war etwas in seinen Augen, dass sie nicht ganz zu deuten vermochte. Ein schmerzliches Sehnen, das ihr unter die Haut ging.
      Natürlich hatte er recht mit seinen Worten. Beide brauchten Schlaf, um ihre Kräfte zu sammeln und sich für den morgigen Tag zu wappnen, was auch immer Sylvar für eine Botschaft mit sich brachte.
      "Vermutlich habt Ihr recht...", murmelte sie gedankenverloren und doch schienen ihre Füße mit dem Boden verwurzelt zu sein.
      Hin und her gerissen zwischen Vernunft und dem unerbittlichen Wunsch ihn nicht loszulassen, drehten sich die Zahnräder unaufhörlich in ihrem Kopf. Sie musste ihn loslassen, es war das einzig Vernünftige.
      Seufzend drückte sie noch einmal seine Hände und gab ihn schließlich frei.
      Sag etwas, schimpfte sie sich in Gedanken und brachte doch die Bitte nicht über die Lippen. Wie konnten ein paar Silben so schwer zu formen sein? Und beinahe hätte sie sich in Richtung Treppe gewandt, als sie noch einmal herumwirbelte und auf Andvari zutrat.
      Viola musste sich auf die Fußballen stellen um noch ein paar Zentimeter an Höhe zu gewinnen. Ein Hand landete federleicht auf seiner Schulter, als ihre Lippen in einem zarten Kuss seine Wange streifte.
      "Nicht zu weit rausschimmen...", ihre Stimme ein Flüstern auf seiner Haut. Was Besseres fiel ihr nicht ein..?
      Sanft drückten sich ihre Fingerspitzen in seine Schulter, ehe sie zurücksank und den Duft des Waldes und frisch geschlagenem Holz mit sich nahm.
      Ein flüchtiges, schiefes Lächeln huschte über ihre Lippen, ehe sie sich abwandte und ein wenig zu eilig die Treppe hinauflief.
      Als sie in den Spiegel im Schlafzimmer blickte, war sie bereits wieder hochrot angelaufen.
      Seufzend rieb sie sich über das Gesicht und fragte sich, wie gesund es tatsächlich war so oft an einem Tag dermaßen rot zu werden.
      Die junge Frau blickte sich um und fand das weiche Nachthemd vom Abend zuvor wieder. Der Raum wirkte eigentartig aufgeräumt und entstaubt. Scheinbar hatte Andvari ein wenig für Ordnung gesorgt. Schnell war das Kleid gegen den seidigen, blauen Stoff getauscht.
      Während sie sich auf das Bett setzte, lauschte sie den Schritten um Raum unter sich bis es still wurde.
      Mit einem ernsten Ausdruck schaute sie auf ihre nackten Füße, ehe sie einen frustrierten Laut ausstieß und ohne wirklich darüber nachzudenken, sich das Wolltuch um die Schultern legte und das Zimmer wieder verließ. Fest entschlossen ihren Dämonen dieses Mal keine Chance zu geben, die Zweifel in ihrem Kopf ausufern zu lassen.
      Vielleicht erwischte sie ihn noch, bevor er zum See aufbrach, aber als sie unten ankam, war das Haus leer.

      (The Last Hours - Cassandra Claire]
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Andvari

      Bei den Bäumen und ihren verwelkenden Blättern...
      Gerade hatte er den PLan gefasst, seiner Ritterlichkeit wieder habhaft zu werden und sich nicht zu benehmen wie ein Frühreifer Frischling und dann erlebte man dies. Eine junge Frau, die wunderschön und beinahe elfengleich auf ihn zuwirbelte, nachdem er bereits seine Fassung wiedergewann und ihn auf die Wange küsste.
      Irgendetwas in seinem Kopf begann zu klingeln und es war, als füllte dieser Glockenklang sein ganzes Denken aus. Ihm blieb nichts, als gedankenlos starr dieser jungen Frau hinterher zu schauen und sich inenrlich dafür zu verfluchen, dass sie es schaffte, ihn derart schutzlos zu treffen. Jeder Speer in seinem Leib war gnadenvoller gewesen als diese Situation, die er weder erwartet noch vorhersehen konnte...
      Eine raue Hand fuhr an seine Wange, ehe sie auf der Treppe verschwand und innerlich schalt er sich, dass er nichts sagen konnte. Doch die Stelle des Kusses fühlte sich surreal kribbelnd an. Als habe man seine Haut betäubt und wieder zum Leben erweckt. Diese Frau war das Leben, stellte er für sich immer wieder fest. Das pure Leben.
      Verwirrt und mit den Gedanken ganz woanders, bei einem lebhaftigen Gesicht mit wunderschönen, roten Haaren, wandte er sich um und rieb sich wie ein besessener die Stelle, an der sie ihn geküsst hatte.
      "Nicht zu weit", murmelte er vor sich hin und verschwand nach draußen.

      Als die kühle Nachtluft ihn wieder hatte, ging es ein wenig besser. Die Hitze verflog aus seinem Kopf und hinterließ ein wohliges Brummen, als die Glocke zu läuten aufhörte. In seine Wabge kehrte wieder das Gefühl ein und ein seliges Grinsen umfing sein Gesicht, das mit jedem Schritt auf dem Steg breiter wurde. Die Nacht warf ihr bleischwarzes Kleid über das Land und ließ die Baumwipfel leicht raschelnd wehen. Ein leicht kühler Wind zog durch das Tal und es roch nach Apfelbäumen und Moos. Es dauerte nicht lange, da stand der weißhaarige Elf am ufer des Sees und blickte in das unruhige Wasser vor ihm. Der Stein war verschwunden und nichts hätte über den Anschein eines Sees hinweggetäuscht. Schweigend und nach einem kurzen Rundumblick legte er die grobe Lederhose ab, die ihn noch bedeckte. Die Stiefel hatte er bereits am Eingang abgetreten.
      Und wie er dort - nackt wie die Bäume ihn schufen - stand und den Atem der NAtur genoß, fühlte er sich das erste Mal seit langer Zeit wirklich frei, ehe er sich - wenig elegant und grinsend - mit einem gewaltigen Platschen in das Wasser fallen ließ.
      Kalt umschloss es ihn wie eine eisige Faust, die an seinem Puls, seinem Leben zerrte, aber das Wasser nahm ihm gleichsam sämtliche Hitze, die Viola mühelos geweckt hatte. Wieso weckte sie ausgerechnet ein Mensch?
      Eine kurze Weile blieb er unter Wasser und genoß das dumpfe Atmen des Wassers, ehe er sich abstieß und auftauchte, um seine Haare zu waschen.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • "My love, you don't know what you're asking for."
      - "Oh, I think I do."


      Viola

      Nachdenklich tippte sich Viola ans Kinn und blickte hinaus in die angebrochene Nacht.
      Es dauerte genau drei Sekunden, da hatte sie sich wieder in Bewegung gesetzte und verließ das Haus, um von der kühlen Nachtluft begrüßt zu werden. Unter den bloßen Füßen spürte sie das weiche und durch die angebrochene Nacht kühle Gras. Die feinen Halme bogen sich unter ihren Schritten und kitzelten die dünne Haut ihrer Knöchel, während sie den seltsam vertrauten Weg zum See folgte. Es war sichtlich kühler geworden, aber das schien die junge Heilerin kaum zu spüren. Ihre Füße trugen sie voran, bevor ihre Gedanken ihr folgen konnte. Ein sanfter Zug, unsichtbarer Natur führte sie zum Ufer, dass allein vom Licht der Sterne erhellt wurde. Unzählige funkelnde Lichter spiegelten sich auf der dunklen beinahe schwarzen Oberfläche des Sees. Und ein wenig weiter weg, tanzten die schwimmenden Laternen friedlich inder Bewegung des Wassers umeinander.
      Viola lächelte, bevor sie spürte, wie ihre Mundwinkel sich bewegten.
      Als sie Andvari erblickte, verschlug es ihr den Atem. Und für einen kurzen Augenblick, grub sie die Zehen in das saftige Gras, als wollte sie sich am Weitergehen hindern. Was hatte sie sich dabei gedacht nur einem dünnen Nachthemd,das ihr gerade bis zu den Knien reichte einfach aus dem Haus zu rennen? Das Wolltuch um ihre Schultern, half nur bedingt dagegen, dass sie die kühle Luft auf ihrer nackten Haut spürte.
      Aber das unsichbare Band um ihr Herz gab einen Ruck und sie löste sich aus ihrer Starre.
      Bitte lass mich mutig sein, dachte sie still bei sich und ließ ihre Füße sie weiter tragen.
      Im Schein der Sterne entdeckte Viola den Holzsteg, der über das Ufer des Sees hinaus ragte. Ein kühler Wind zerrte an der herbstroten Mähne und dem dünnen Stoff, der sie umhüllte. Vorsichtig setzte sie einen nackten Fuß auf das raue und vom Wetter gezeichnete Holz bis sie am Ende angekommen war. Darauf achtend nicht ungeschickt, wie ein Bauerntrampel ins Wasser zu stürzen, ließ sie sich nieder.
      Prüfend tauchte sie einen Fuß ins Wasser. Es war eiskalt, aber erträglich.
      Der zweite Fuß folgte nur wenige Sekunden später bis ihr das Wasser knapp zu den Waden reichte. Viola musterte die alte Narbe, an der Innenseite ihres rechten Knien, verursacht durch einen ungücklichen Sturz als Kind, als sie versucht hatte über den Weidezaun zu klettern. Weiter oberhalb, von Stoff verdeckt und an der Innenseite ihres Schenkel verbarg sie eine Zwillingsnarbe, zwei parallele Linien, passend zu dem Paar in ihrem Gesicht.
      Einer stillen Beobachterin gleich lehnte sie sich auf ihre Hände gestützt zurück und blickte zu dem Elf hinaus, auf dessen Haut die Wassertröpfchen vom Sternenlicht beleuchtet schimmerten. Götter, er war atemberaubend.

      [Realm Breaker - Victoria Aveyard]
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Andvari

      In der Nacht, als die Sterne wie die Tasten eines Cembalos beinahe den Nachthimmel in eine Musik tauchten, hätte Andvari niemals gedacht, dass er derlei Gefühle wieder fühlte.
      Er legte sich auf den Rücken und ließ sich kurz im Wasser treiben, die Ohren unter Wasser. Sicherlich, es war kalt und er fühlte seine Beine und sein Hinterteil kaum noch, aber dennoch erschien es ihm genau richtig, dem Puls des Wassers zuzuhören und in der einigelnden Kälte zu versinken.
      Sein Herz schlug schnell, daher vernahm er die Schritte auf dem Holzsteg nicht.
      Als er sich erneut aufrichtete, war es ihm, als spürte er Blicke in seinem Rücken. Es konnte nur sie sein, denn ein elektrischer Schauer ging ihm durch den Leib und erweckte längst verlorene Lebensgeister zum Leben. Er grinste, während er - noch immer mit dem Rücken zu ihr - die Haare in dem kristallklaren Wasser auswusch.
      Als diese einem weißlich grauen Ballen ähnelte ließ er sie los und warf sie in einer kreisenden Bewegung überden Kopf, um sie zu trocknen. Und, um Viola nass zu spritzen.
      "Es ist nicht höflich, einen Mann beim Waschen zu beobachten", sagte er deutlich und drehte sich um.
      Dort saß sie.
      In einträchtiger Symbiose mit sich selbst und dem Wasser. Ein Schein im Himmel der Nacht, beleuchtet von widerspenstigen Sternen, die mit dieser Schönheit wetteiferten. Er konnte nicht halb so gute Worte wie die Lyrikeer des Berges finden, aber in diesem Moment begann er zu lächeln und schwamm auf sie zu, ehe er vor ihren ins Wasser getauchten Füßen zum Halten kam.
      "Wenn Ihr mich schon ansehen wollt", murmelte er und sah sie direkt an, mit Augen, die das Feuer regelrecht verzehren konnten. "Dann seht mich ganz. Und nicht nur halb."
      Herausfordernd blieb er vor ihr Stehen und erhob sich aus dem See heraus. Das Wasser war an der Stelle war nicht so tief, aber dennoch tief genug, als dass er nicht stehen konnte. Hier am Steg reichte das Wasser ihm beinahe bis zur Hüfte, vielleicht ein wenig darunter.
      "Was tut Ihr hier?", flüsterte er. "Es ist kalt..."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • "I don't know what you want from me."
      - "Everything. I want everything."

      Viola

      Ah, natürlich hatte Andvari sie bemerkt.
      Schützend und mit dem Anflug eines amüsierten Lachens auf den Lippen hob sie den Arm vor ihr Gesicht, was allerdings wenig hilfreich war. Eiskalte Wassertropfen trafen ihr Gesicht, den schlanken Hals und perlten tiefer hinab. Einzelne benetzten den seidigen Stoff ihres Gewandes und sogen sich wie dunkle Flecken in den Stoff.
      "Und es ist unhöflich sich in Gegenwart einer Dame wie ein nasser Hund zu schütteln...", gab sie schmunzelnd zurück.
      Dabei tupfte die junge Frau sich mit dem Tuch um ihre Schultern das Wasser aus dem Gesicht.
      Ohne den Blick von ihm zu nehmen, beobachtete Viola wie er mit kräftigen Zügen auf den Steg zuschwamm nur um zu ihren Füßen zu halten.
      Der brennende Ausdruck in den golden Augen nahm sie augenblicklich gefangen und kurz fragte sie sich, ob es wirklich klug war sich in diese Gefilde zu wagen und mit dem Feuer zu spielen, dessen Hitze sie nicht einmal erahnen konnte.
      Viola blinzelte im fahlen Licht Mondes, als Andvari sich herausfordernd aus dem Wasser erhob und sich zu seiner vollen Größe aufrichtete. Es hätte sie einschüchtern sollen, aber sie senkte nicht eine Sekunde lang den Blick. Eisiges Seewasser strömte den Körper vor ihr hinab, perlte von der blassen Haut. Ein grünes Feuer glühte in ihren Augen, als sie einen verirrten Tropfen verfolgte, der von seinem Schlüsselbein hinab perlte über den starken Brustkorb bis er den langen Weg bis zu seinen Hüften nahm, um wieder eins mit seiner Quelle zu werden.
      Die Heilern sah wieder auf und verlagerte ihr Gewicht auf dem Steg nach vorn, weg von ihren Arme, bis ihre schlanken Waden noch ein wenig tiefer in das kalte Wasser glitten. Der Stoff um ihre Knie schob sich ein winziges Stücken dabei nach oben.
      "Ich wollte nicht allein sein," gab sie ehrlich und ohne Scham zu.
      Mit den Händen tastete sie über das spröde Holz bis ihre Finger den Rand des Stegs umfasste. Das Tuch ruschte von ihren nackten Schultern und landete mit einem stillen Rascheln hinter ihr.
      Es wäre eine eiskalte Lüge, wenn sie behaupten würde, dass sie nicht nervös war. Aber die goldenen Augen zogen sie an, wie das gefährliche Licht einer Flamme die ahnungslose Motte.
      "Mir ist nicht kalt...", flüsterte sie. Eine kleine Lüge, denn es war kalt. Die Luft war kalt, das Wasser war eisig, aber sie würde den Augenblick nicht gegen ein warmes Bett eintauschen wollen.

      (A Kingdom of Flesh and Fire - Jennifer L. Armentrout]
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Andvari

      Der Elf blieb dicht vor ihr stehen und grinste schief, während das kalte Wasser von seinen Haaren perlte.
      Es ließ sich nicht verleugnen dass trotz der beiernden Kälte des Seewassers und der zugigen Luft, sein Puls mittlerweile die Norm völlig überschritten hatte. Er bermerkte nicht, dass sich trotz der Anspannung, die er fühlte und die ihm beinahe die Knie wackelig werden ließen, sein körper in völliger Ruhe befand. Kein Muskel zuckte und keine Bewegung war unnötig.
      Es mochte an ihrer Gegenwart liegen.
      "Das ist wahr", sagte er und warf die Haare nach hinten. "Vielleicht sollte ich sie abschneiden. Dann würden sie Euch nicht mehr treffen."
      Freilich entging ihm nicht, dass das Wolltuch, das sie wärmen sollte, von ihren Schultern glitt. Und auch wenn es keine Fülle an nackter Haut war, die sich ihm entgegen streckte, stockte ihm für eine Sekunde der Atem. Als ein Ausweichmanöver wollte er hinab sehen und sah dort das dünne Kleid, was gerade ein Stückchen über ihre Knie rutschte, als sie ihr Gesicht verlagerte.
      Und wie verführerisch sie aussah.
      Das Brennen in seinen Augen wurde geradezu intensiver, als er einen Schritt im Wasser auf sie zutat und das Wasser ein Stück tiefer rutschte. Er stand nun genau vor ihr und konnte nicht seine Hände Stoppen, die sich sich auf ihre Knie legten. Einen Moment verharrten sie dort, ehe sie tiefer vordrangen und ihre Unterschenkel kurz umfassten.
      "Euch ist kalt", murmelte er. "Eure Beine sind eisig. Eure Füße", er griff noch etwas tiefer und beugte sich leicht vor. "Ebenfalls...Viola, so werdet Ihr erfrieren."
      In seiner Stimme war ein Lachen, wie ein verhallendes Echo. Doch dann begann die Luft um ihn zu flirren, während er seinen inneren Kern suchte. Seine Energie war groß genug, hatte Sylvar gesagt. Doch würde es...
      Mit geschlossenen Augen drückte er alles Licht, dass er sammeln konnte in seinen Unterkörper, der sogleich begann eine überirdische Wärme auszustrahlen. Für ein paar Minuten tat sich rein gar nichts, sodass er das Gefühl ihrer schlanken Fesseln seiner Hand genießen konnte. Erst danach begann das Wasser ganz leicht zu blubbern und Blasen zu werfen. Eine weitere kurze Zeitdauer verging und es wurde merklich wärmer...Es ließ sich nicht lange halten, aber zumindest reichte es aus, um sie nicht erfrieren zu lassen.
      "Ich möchte auch nicht allein sein", sagte er und sah wieder auf, die Augen in dem hellsten Bernstein, das er jemals getragen hatte.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell