[2er RPG] The Lesser Evil [Winterhauch & NicolasDarkwood]

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    • “Every myth, every fable must have some roots. Something lies among those roots.
      It does. Most often a dream, a wish, a desire, a yearning.
      Faith that there are no limits to possibility. And occasionally chance.”


      Viola

      Ein paar Stunden später...

      Viola kniete am seichten Ufer des Sees und blickte hinauf auf die ruhige Wasseroberfläche, in der sich das glühende Licht der ungergehenden Sonne spiegelte und die Illussion hinterließ, es würde unter der Spiegelung brennen. Bald würden die ersten Sterne am Firmament zu sehen sein. Langsam senkte sie den Blick auf die beiden Gegenstände direkt vor ihren Knien.
      Ihre Hand schwebte über den beiden Gebilden, die sich bei näherem hinsehen als kleine Windlichter herausstellten, die sie aus jeweils vier möglichst gerade Zweigen und dem weißen, beinahe transparenten Stoff zusammengesetzt hatte. Umrahmt wurden die würfelartigen Gebilde von den farbenfrohen Blütenkränzen, die Viola am Nachmittag mit aller Sorgfalt geflochten hatte. Die Windlichter waren ein wenig schief und sicherlich nicht die hübschesten Exemplare ihrer Art, aber sie würden schwimmen.
      Prüfend nahm sie eines der Lichter in die Hand, der Blütenkranz bestand aus einfachen Farben, zartem Rosa und dem krautigen Weiß von Schleierkraut. Er war schlicht und simpel gehalten. Zugegeben ihre Mutter hätte es besser hinbekommen und war wesentlich geschickter in derlei Kleinigkeiten. Viola war schon glücklich überhaupt etwas Ansehnliches hervorgebracht zu haben. Das zweite Windlicht war von einem Kranz umrahmt, dessen Farben in der Abendsonne leuchteten. Wunderschöne, blaue Kornblumen von der Wiese, leuchtendes Gelb und frisches Efeu verwoben mit rotem Klee.
      Ein Funken alter Traurigkeit schimmerte in den Augen, ein Schmerz der immer ein Teil ihres Lebens sein würde, aber es nicht länger überschattete. Sie würde ihre Familie verabschieden, wie es der Tradition ihrer Gemeinschaft und Familie entsprochen hatte. Auch wenn es Jahre zu spät war. Ein schwaches Lächeln hob ihre Mundwinkel. Noch brannte keine Licht in den kleinen Laternen und sie wirkten auch nicht, als könnten sie das Gewicht einer Kerze halten, aber Viola hoffte auch, keine zu benötigen. Es war beinahe eigenwillig, dass die Heilerin gerade einem Elf diese Bitte stellen würde, die ihr auf der Zunge lag. Einem Angehörigen des Volkes, dass ihre Familie erst ausgelöscht hatte. Viola blieb dabei, es lag nicht an ihr ihm Absolution für seine Taten zu erteilen, aber sie machte ihn nicht verantwortlich für den Tod ihrer Familie. Vielleicht war ihm das ein kleiner Trost.
      Etwas kitzelte sie am Ohr und verwundert zog sie in kleines Blatt aus ihren roten Haaren. Vielleicht hätte sie doch einen Blick auf ihr Spiegelbild werfen sollen., nachdem sie die letzten Stunden zwischen den weitläufigen Wiesen und der schützenden Umarmung des Waldes verbracht hatte. Seufzend wandte sie den Blick auf die stille Oberfläche des Sees. Sie dachte an ihren Vater, der mit ernster Miene, von der harten Arbeit auf dem Feld gezeichnet, aber mit einem warmen Lächeln den Arm um seine Frau legte. Das Lachen Varls hallte in ihrer Erinnerung wieder, während er die armen Hühner über den Hof scheuchte.
      Viola schloss die Augen und lauschte.

      [Sword of Destiny - Andrzej Sapkowski]
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Winterhauch ()

    • Andvari

      Sylvar und Andvari unterhielten sich eine gute Stunde und besprachen die weiteren Pläne. Sicherlich gab es einiges, das sie planen musste. aber zumeist bewegte sich alles auf einer theoretischen Ebene. Andvari dankte dem Umstand, dass Sylvar die Gegend und das Haus mit einer Barriere umgeben hatte, damit Faolans Truppen nicht versehentlich hier eindrangen und ihr Massaker wiederholten. Der Himmel würde wissen, was er mit seinem Bruder anstellen würde, wenn dies so käme.
      Sylvar hingegen ließ sich nicht davon abbringen, dass Anvari es Viola beichten sollte, dass er das SChwert nicht führen konnte, sondern sie dazu bestimmt war. Jedoch würde das bedeuten, dass sie in die Rebellion mit eingreifen musste, was er ihr nicht zumuten wollte. Er hatte ihr schon ihr Leben fortgenommen, auch wenn sie frei gewählt hatte.
      Eine Weile saßen sie gemeinsam am Ufer und schwelgten ein wenig in Erinnerungen und Plänen ehe Sylvar sich wieder empfehlen musste, um seine eigene Stellung zu beziehen.
      Andvari selbst verbrachte seinen Nachmittag mit der Reinigung des Schwertes und dem Aufräumen des Hauses. Es wurde Zeit, dass die alten Möbe einmal entstaubt und abgewaschen und selbst die Bettkammer imoberen Geschoss unterzog er einer Reinigung. Es konnte nicht angehen, dass die junge Heilerin in einem unsauberen Bett schlief. Wöhrend der Arbeit kam er nicht umhin, über sich selbst zu lachen. Fea hätte wer weiß was gegeben, damit er sich einmal reinigend betätigte. Und nun reinigte er freiwillig das ganze Haus, obgleich es ihm innerliche Schmerzen bereitete.
      Als die Dämmerung hereinbrach und sich die Temperaturen ein wenig verringerten, wurde sein Lächeln breiter. Er freute sich, die Heilerin wiederzusehen, auch wenn er ihr irgednwann das schmerzliche beichten musste. Die Teufel wussten, wie sie darauf reagieren würde...
      Als er nach draußen an den See trat, saß sie dort in einsamen Frieden vor dem Wasser. Vor ihr lagen zwei Gebilde, die an sich recht hübsch anzusehen waren. Andvari kannte Windlichter, sie waren nur sehr selten im Elfenreich. Die Baumvölker nutzten sie zur Orientierung aber diese hier waren niht für eine lange Wasserfahrt ausgelegt.
      Er trat von hinten an sie heran, hielt aber gebotenen Abstand.
      "Viola?", fragte er während er hinter ihr anhielt.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • “I think too much value is given to forgiveness
      when it’s easier to forgive but far harder to forget.
      That understanding and acceptance is far more important
      than forgiving someone.”


      Viola

      Die Schritte im Gras waren beinahe lautlos und nur ein sanftes Rascheln in der Dämmerung. Und wohl nur, weil Andvari es beabsichtigte, damit die junge Frau nicht erschrak. Als ihr Name von seinem Lippen fiel, schlug Viola die Augen auf.
      "In meinem Heimatdorf gab es einen kleinen Brauch." Begann sie mit sanfter Stimme zu sprechen, ohne dabei den Blick zu heben.
      "Starb ein geliebter Mensch, fertigten die Mitgleider seiner Familie diese Laternen an. Nachdem eine Kerze darin entzündet wurde, übergaben die Angehörigen die Windlichter in den kleinen Bach der unser Dorf durchquerte. Es war schön und traurig zugleich. Zugegeben, meine Mutter war wesentlich geschickter darin. Aber ich hatte nie die Gelegenheit, das hier für meine Familie zu tun."
      Nach allem, was sie erlebt hatte, war sie dazu nicht im Stande gewesen. Wie hätte sie auch, wo die junge Frau sich beinahe selbst in der Finsternis verloren hatte. Und später hatte sich die Gelegenheit nie ergeben.
      "Meine Mutter erzählte mir, als ich noch ein kleines Mädchen war, dass sobald die Kerze erlischt, die geliebte Seele zusammen mit dem Lichtschein entschwunden ist. Sie nimmt das Licht mit sich in das jenseitige Leben und mit ihm unsere Liebe und das Versprechen sich wiederzusehen. Und wenn eines Tages unsere Zeit gekommen ist, leiten die Verstorbenen uns mit jenem Licht den Weg, damit sich unsere Seelen in der Dunkelheit nicht verirren und wir am Ende wiedervereint sind."
      Mit unendlicher Behutsamkeit hob sie den schlichteren der beiden Blumenkränze vom Ufer auf, um die filigranen Blüten nicht zu zerdrücken.
      Viola wandte sich zu Andvari um, erhob sich langsam und trat mit dem zerbrechlichen Gebilde auf den Elf zu. Es war das erste Mal seit er an den See getreten war, das sie ihn ansah.
      Ein kleines Lächeln spiegelte sich auf ihren Lippen, während sie den Blütenkranz und die selbst gebaute Laterne vor sich trug, als sei es das kostbarste auf der Welt. Alles, was ihr noch fehlte war ein leuchtender Funken. Unsicherheit begleitete die Bitte. Sie wollte nicht zu viel Verlangen, aber sie hatte den ganzen Nachmittag darüber nachgedacht.
      "Würdet Ihr mir einen Funken Eures Lichtes leihen? Für meine Eltern. Für Val."

      [The Crown of Gilded Bones - Jennifer L. Armentrout]
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Andvari

      Der Elf kam nicht umhin, auf ihren Rücken und ihen HInterkopf zu starren, während sie sprach. Siene Hände ballten sich zu Fäusten und schweigend trat er näher.
      "Es...", begann er und schalt sich einen Narren, da er sich erneut entschuldigen wollte. Mit einem leichten Nasenkratzer betrachtete er die kleinen Laternen.
      "Ich finde, es ist ein wunderschöner Brauch..Bei meinem Volk gibt es Ähnliches. Und sie sind wunderschön, Eure Laternen. Man erkennt große Mühe und Entschlossenheit dahinter."
      Er konnte nicht mehr sagen, da ihn selbst etwas überkam, dass er lange nicht verspürt hatte. Reue. Reue für die Taten, die er mitverantwortlich selbst getätigt hatte. Er hatte ebenfalls Leben von Menschen beendet und an einem schlehcteren Tag, hätte er auch ihr Nemesis sein können und nicht ein dahergelaufener Elfengeneral. Er hätte genauso über den Leichen ihres LEbens stehen können und hätte es ihn geschert? Hätte er sie verschont?
      Sicherlich hätte Andvari ihr nichts angetan, da er keine Wehrlosen angriff, aber dennoch...Reichte es nicht schon, zu wissen, dass er ihr Haus ebenfalls zerstört hätte?
      Er betrachtete jede ihrer filigransten BEwegungen, als seien sie das interessanteste Buch aller Zeiten. Sie bewegte sich beinahe elfengleich zart und geschmeidig und jede Bewegung erschien ihm perfekt und auf sich selbst abgestimmt. Als sie ihre Bitte äußerte, war es keine Sache von Sekunden.
      "Es wäre mir eine Ehre", muremlte er und neigte leicht den Kopf.
      Ein Königssohn verneigt sich vor einem Menschen. Dinge gab es...
      Aber für ihre Liebsten, ihr Leben und Ihren Tod sollte es nicht nur ein Lichtfunke sein. Licht ergab sich in mannigfaltiger Gestalt und Form, aber eine Fähigkeit kannte nur seine Mutter. Nicht einmal seine engsten Vertrauten wussten es, aber Andvari besaß den KErn des Lichtes. Das Sternenlicht.
      Wenn er alle seine Energie zusammennahm und sie bündelte...
      Er breite die Handfläche vor ihr Haus und schloss kurz die Augen. Nur einen Wimpernschlag brauchte es, um seinen Kern zu finden und zu verdichten. Warum war es so einfach? Vielleicht, weil sein Herz die Entschlossenheit der Buße teilte. MIt einem leichten Flirren und Summen erschinen in seiner Handfläche drei Lichtkugeln.
      Und schöner hatte er selten welche hervorgebracht.
      Sie glitzerten wie ein konglomerat aus Diamanten in all ihren Facetten und bunten Farben, ehe sie sich verkleinerten und zu reinen, weißem strahlendem Licht wurden. Drei Sterne, die verdichtet in seiner Hand schliefen und auf ihren Einsatz warteten.
      "Sagt mir, was ich tun soll", flüsterte er.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • “Stop punishing yourself for being someone with a heart.
      You cannot protect yourself from suffering.
      To live is to grieve. You are not protecting yourself by
      shutting yourself off from the world. You are limiting yourself.”


      Viola

      Einer Erlösung gleich fiel eine zentnerschwere Last von ihren Schultern ab, als Andvari ihre Bitte gewährte.
      Viola hörte fast schon, wie die Gedanken in seinem Kopf kreisten. Die Frage: Was wäre wenn?
      Ein Verkettung von unglücklichen Zufällen hatte sie zusammengeführt. Und sie würde keine Sekunde daran ändern wollen.
      An ein vorbestimmten Schicksal hatte sie nie geglaubt. Sie wollte nicht glauben, dass es eine Macht im Universum gab, die seelenruhig dem Grauen zusah, dass die Welt nun heimsuchte.
      "Danke..." Wisperte sie leise.
      Der Anblick der drei funkelnden Sterne war atemberaubend. Ein Gestirn, dass für ihre Familie strahlte und der jungen Frau vor Rührung beinahe die Tränen in die Augen trieb. Viola hatte nie etwas von größerer Schönheit gesehen, als das reine Sternenlicht in den Händen des Elfen. Nun, vielleicht stimmte das nicht vollkommen. Schimmernde, grünen Augen blickten zu Andvari herauf, das Antlitz beleuchtet von einem kühlen aber überirdischen Licht. Mühevoll schluckte sie den Kloß in ihrem Hals hinunter.
      Behutsam legte sie eine Hand unter seine, während sie das zerbrechliche Windlicht vorsichtig auf einer Handfläche balancierte.
      Mit einem Nicken bedeutete sie ihm die funkelnden Sterne in die Laterne hinüber zu geben.
      Augenblicklich erstrahlte ihr Mitbringsel in einem sanften, aber hellen Licht. Die junge Frau blinzelte die aufkommenden Tränen fort, damit der Mann vor ihr sich keine unbegründeten Sorgen machte. Bedächtig setzte sie einen Fuß vor den anderen zurück an das stille Seeufer. Sie warf einen auffordernden Blick über ihre Schulter, damit Andvari ihr folgte. Da war noch etwas.
      Ohne das Sternenlicht in ihren Händen zu erschüttern, sank sie im weichen Gras auf die Knie und hielt für einen Augenblick das Licht auf Höhe ihres Herzens, das Haupt leicht geneigt.
      "Wir werden uns wiedersehen. Aber jetzt noch nicht. Ich bin noch nicht bereit euch zu folgen. Wartet auf mich."
      Mit Bedacht setzte sie das glimmende Licht auf die bisher ungestörte Wasseroberfläche am Ufer. Viola tauchte ihre rechte Hand ins kühle Nasse und nach einem schwachen Aufleuchten eines bläulichen Schimmers, erschütterte ein Puls die spiegelnde Oberfläche des Ufers. Eine sanft, pulsierende Welle trug das Licht tanzend auf den See hinaus.
      Ein paar stille Sekunden lang, blickte sie auf das schwimmende Licht, das ich träge um die eigene Achse drehte.
      Zögerlich legte sie schließlich eine Hand über das bisher nicht angerührte Laterne, während die Heilerin einen zaghaften Blick zur Seite wagte. Sie hatte ihre Worte so oft in ihrem Kopf abgewogen und nun glitten sie ihr davon.
      "Für Feanore. Für Lyra." Viola schluckte schwer. "Für Lhoris."
      Andvari hatte nicht die Möglichkeit gehabt, sich von seinem Freund und Gefährten zu verabschieden.
      "Ihr müsst nicht. Ich dachte...nur...vielleicht..."

      [King of Scars - Leigh Bardugo]
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Andvari

      Für einen Moment erschien ihm eine nie gekannte Vertrautheit in ihren Gesten zu sein, als ihre Hände sich kurz berührten, während er den Lichtern zu verstehen gab, dass sie sich an den kleinen Laternen festzuklammern hätten. Winzige, kleine, grell leuchtende Äderchen griffen nach den zerbrechlichen Behelfsmasten und banden sich an die kleine Laterne während sich Andvari fragte, warum Elfen keine derlei schönen und zerbrechlicehn Bräuche besaßen.
      Sicherlich gab es auch hier eine Art der Totenverehrung, aber sie war schmucklos und ein wenig leidenschaftslos enteggen dieses wunderschönen Brauchs, den Viola nunmehr auf den See zurückließ.
      Andvari wollte isch gerade entfernen, als Viola die Wellt beschwor, die die Laternenboote ins Fahren geraten ließ. Es war wunderschön anzusehen, aber der Elf glaubte zu spüren, dass sie Raum brauchte, um zu trauern und zu heilen. Doch würde er es können. Er warf einen Schulterblick zu den unbenannten, schmucklosen Steingräbern im Wald und atmete leise ein und aus, als ihn Viola erneut ansprach.
      Für einen Moment war Andvari nicht wirklich in der Lage etwas zu empfinden.
      War es Trauer? Glück? Wut auf sich selbst und die Welt?
      Als Viola die Namen seiner GEfährten und Tochter aussprach, schienen sie so unwirklich, so beinahe nichtexistent und surreal, dass er fragen wollte, wer diese Elfen waren?
      Andvari bekam nur ein schwerfälliges Nicken zustande, da seine Kehle blockiert durch Erinnerungen war.
      Scheigend ließ er sich neben Viola nieder und nahm die kleine Laterne in die Hand. Sie wirkte so zerbrechlich in dieser und für einen Moment schien es, als würde er sie trostlos ins Gras zurückstellen. Doch dann legte er seine Hände aneinander und beschwor das erste Licht.
      Ein klares, helles Licht von goldgelber Farbe, der Farbe des Fackelscheins.
      "Lhoris", murmelte er. Lhrois vom Teremin-Tal, Sohn von Lhangfar und Eleth. Bücherwurm und Narr. Lhoris, der die Bücher lieber mochte als Elfen aber nicht zögerte, das Leben eines Menschen und sein eigenes zu retten.
      Ein weiteres Licht wurde hervorgebracht.
      Es war rötlich wie die untergehende Sonne und beinahe so intensiv, dass es schmerzte, oblgleich es nicht blendete. Eine Zwergsonne, die unterging.
      "Fea.."
      Das Frau, die Steinen Namen gab. Seine Sonne für so viele Jahre. Die den jungen Elfen, der nur Holz bearbeiten und seinen Körper bemalen konnte, akzeptierte und als das sah, was er wahr. Ein Elf mit dem Wunsch nach Frieden...Den sie teilte. Diesen ultimativen Frieden.
      Auch dieses Licht entließ in die Laterne.
      "Lyra..."
      Hier fühlte er zum ersten Mal unbändige Trauer in sich aufwallen. Sicherlich hatten ihn die anderen ebenfalls mit Trauer ergriffen und er bedauerte ihren Tod. Vor allem Feas Tod trieb ihm einen Dolch in sein Herz. Aber der Name, den er nun aussprah, ließ die Dämme seiner Selbstachtung brechen. Heiße Tränen rannen seine Wangen herab und gruben sich durch die Tätowierungen wie Schneeschneisen. Er bemerkte nicht einmal , dass er weinte, als das letzte Licht aufleuchtete.
      Und es überstrahlte alle anderen. Es war weiß, schneeweiß. Weißer noch als die Lichter für Violas Anverwandte erschien es einem neugeborenen Stern gleich und hüllte die Lichtung für einen Moment in taghelles Licht.
      Für das Mädchen, das selbst die Bäume zum Lächeln und die Krähen zum Schweigen brachte. Ein kindliches Lachen drang an sein Ohr und beinahe hätte er die Konzentration verloren, aber sorgsam ließ er das Licht in die Laterne fallen, wo sich die drei Lichter miteinander verbanden und ein Einziges wurden.
      "Danke", flüsterte er, während er die Laterne behutsam emporhob und auf das Wasser setzte.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • “Though he’d trusted her with his life countless times,
      it felt much more frightening to trust her with his shame.”


      Viola

      Die magischen Lichter waren gleichsam überirdisch schön, aber begleitet von solch intensiver Trauer, dass die Heilerin es für einen winzigen Augenblick bereute überhaupt den Mund aufgemacht haben.
      Da war ein kaum merklichen Lächeln auf ihren Lippen, als das Licht für Lhoris seine Strahlen ausschickte.
      Die Heilerin hatte ihn kaum gekannt, ein paar flüchtige Stunden, aber das musste nicht bedeuten, dass sie sein Schicksal nicht bedauerte.
      Das zweite Licht erinnerte sie an die Sonne, gleißend und wärmend.
      Das dritte Licht ließ die Heilerin überrascht blinzeln, als ein reiner, schneeweiser Schein alles um sie herum in taghelles Licht hüllte.
      Selbst ohne die geflüsterten Namen hätte Viola ohne Zweifel erraten können, wem welches Licht galt.
      Vielleicht, dachte sie still, hätte sie Andvari mehr Raum geben sollen.
      Das Gefühl, Zeuge von etwas sein, dass nicht für ihre Augen und Ohren bestimmt war, schnürte ihr die Kehle zu. Und so weilte ihr Blick wieder auf der tanzenden Laterne, die schlussendlich die Mitte des Sees erreicht hatte. Jeder der beiden Namen, die von seinen Lippen fielen, versetzte ihr einen Stich. Viola fühlte die Trauer und den Schmerz wie einen dichten, schweren Nebel, der sich über das Ufer legte. Und dennoch, es ehrte die junge Frau, dass Andvari ihr scheinbar genug vertraute, um die Risse und Sprünge seiner Maske nicht länger zusammen halten zu müssen.
      Den Blick nun gen dunklen Abendhimmel gerichtet, der von rötlichem Schimmer langsam in ein tiefees Schwarzblau wechselte, versuchte sie dem Elf trotz der Tatsache, dass sie nebeneinander saßen, etwas Raum zu geben ohne neugierige Augen.
      Ein sanftes Plätschern zog ihren Blick vom Sternenhimmel, der sich langsam zeigte, zurück auf das strahlend, leuchtende Windlicht, dass leicht am Ufer zitterte. Viola blickte auf die drei Lichter blickte, die sich zu einem strahlenden Orb verbunden hatten.
      Als kein Wort mehr die Stille erfüllte, lehnte sich Viola noch einmal vor und tauchte ihre Fingerspitzen ins Wasser. Ein bläulicher Schimmer erfasste auch das Windlicht mit den farbenfrohen Blüten und eine seichte Welle trieb das kleine Laternenboot auf den See hinaus.
      Im Zentrum trudelten beide Lichter wenig besorgniserregend, als die fast verebbte Welle und die Neue aufeinander trafen. Die junge Frau kräuselte konzentriert die Stirn und zeichnete mit dem Zeigefinger unter der Wasseroberfläche einen kleinen Kreis. Die Lichter begannen einen Bogen umeinander zu ziehen, berührten sich dabei aber nicht. Viola hatte nicht vor ihr Werk vorzeitig zu versenken.
      Bedächtig zog sie die Hand aus dem Wasser und wischte sie am Rock ihres Kleides trocken, ehe sie zu dem Elf sah.
      Der Atem stockte, als sie die Spur heißer Tränen auf seinen Wangen erblickte. Sie hatte ihn nie weinen sehen, unter keinen der bisherigen Umstände. Vielleicht hatte sie zu tief in einer alten Wunde gegraben, aber Viola wusste, dass Tränen sich ihren Weg suchten. Es machte keinen Unterschied, wie stark man glaubte zu sein. Die salzigen Perlen konnte lindert sein, ein Balsam, wenn man es zuließ und das Gewicht auf der Seele lindern.
      Zögerlich streckte sie die Hand aus und zaghaft und so unendlich sanft ergriff sie seine Hand. Sie war unsicher, wie willkommen ihre Berührung augenblicklich war. Es gab keine Worte, in diesem Moment. In einem tröstlichen Versuch, drückte sie seine Hand und richtete den Blick wieder auf den Tanz der kleinen, schimmernden Boote auf dem See.

      [Six of Crows - Leigh Bardugo]
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
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      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Andvari

      Die Tränen floßen noch eine Weile sturzbachartig herab und erfüllten seine ganze Mimik mit einem salzigen Schleier, während er den kleinen Booten hinterher sah, wie sie in die Mitte des Sees schwammen. Andvari spürte nicht mher das Gras unter seinen Knien was unangenehm drückte und auch die Luft, die kälter wurde. Selbst das Rot des Himmels erschien ihm einen Moment farblos, als die Tätowierungen an seinem Körper erneut begangen, sich zu winden.
      Diesmal war es nicht nur ein augenscheinliches Winden, sondern vielmehr eine tatsache. Wie SChlangen, die nach seinem Hals und seinen Gliedmaßen griffen, begannen die Tätowierungen in sich zu pulsieren und wurden ein wenig kleiner. Ein wenig mehr der blassen, beinahe totenbleichen Haut des Elfen wurde sichtbar und als die Tätowierungen sich vom Hals auf die Brust zurück zogen atmete er bereits leichter.
      Das zarte Gewicht in seiner Hand schien ihn zu erden, obleich sie sich erst seit ein paar Wochen kannten und unterschedlicher nicht sein konnten. Sie ein Mensch, der Wunden heilte und er, ein Krieger, der sie schlug. Er drückte ihre Hand zart in ihrer und überließ sich ganz der kleinen Geste, die er im Sinn hatte.
      Mit dem Blick zum See nahm er ihre Hand zart hoch und drückte sie an seine Lippen. Es blieb nicht mehr als eine kurze Berührung seiner Lippen auf ihrem Handrücken, wollte er doch nicht aufdringlich sein.
      "Danke", flüsterte er und wischte sich die Tränen fort. "Es ist ein schönes Grab..."
      Er wusste nicht mehr was er sagen wollte. Seine Stimme erstarb nach dem Wort und er sah Viola das erste Mal schwach grinsend an.
      "Weiß nicht, wie ich Euch danken soll.."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Letting it get to you. You know what that’s called? Being alive.
      Best thing there is. Being alive right now is all that counts.


      Viola


      Etwas im Augenwinkel, im fahlen Licht kaum zu erkennen, fing ihre Aufmerksamkeit ein.
      Ein wenig drehte Viola das Haupt. Tatsächlich, es war keine Einbildung gewesen und auch kein Streich, den Schatten und Licht ihr gespielt hatten. Die Linien auf der Haut des Elfen bewegten sich. Sie erinnerte sich nicht daran, dass sie es zuvor schon einmal getan hatten. Oder ihr menschliches Auge hatte es schlicht und einfach nicht wahrgenommen. Die tiefschwarzen Linien, die zuvor noch den Hals geziert und beinahe bis an den starken Kiefer gereicht hatten, zogen sich stetig zurück. Entweder war es Einbildung oder Andvari atmete leichter, als die rankenden Linien seinen Hals freigaben.
      Sie würde ihn danach fragen, sicherlich. Dafür war sie zu wissbegierig. Aber nicht heute.
      Der zarte Druck seiner Hand riss sie aus ihrem wandernden Gedankenstrom. Viola blickte warm in die schimmernden, goldenen Augen und betrachtete mit einer stillen Faszination, wie Andvari ihre Hand zu seinen Lippen führte. Die Geste war zurückhaltend und so federleicht, als fürchtete er, die junge Frau zu zerbrechen.Viola hob den Kopf, als die kratzige Stimme in ihren Ohren erklang.
      Sie traute sich ihre freie Hand an seine Wange zu legen, wie sie es am späten Vormittag hatte. Auch jetzt fuhren ihre Fingerspitzen sachte über blasse Haut, fühlten noch die verbliebene Spur der Tränen.
      In einer liebevollen Geste schob sie eine gelöste Strähne des schneeweißen Haares hinter das spitz zulaufende Ohr zurück.
      Viola lächelte und fühlte das verräterische Brennen noch in ihren Augen, obwohl sie für sich selbst schon lange keine Träne mehr übrig hatte.
      Die junge Heilerin schüttelte sachte den Kopf. Ein Dank war nicht nötigt, aber sie nahm ihn dennoch gerne an.
      "Leider befürchte ich, sind sie nicht für die Ewigkeit gemacht." Seufzte sie. "Aber das sind die schönen Dinge selten. Deshalb sind sie so kostbar."

      [Doctor Who]
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Andvari

      Andvari nickte und drückte ihre andere Hand ebenso leicht.
      Eine Weile standen sie so da, Hand in Hand wie vergessene Liebende an einem See voll Tod. Von Menschen und Elfen, von denen sie Abschied nehmen mussten. Viel zu früh, wenn man es recht bedachte.
      Und die Dinge, die auf sie zukamen, waren mehr als gewaltig. Die angestrebte Rebellion war alles, was zählte. Und auch, wenn Andvari kein König sein wollte, würde er es sein müssen. Einfach um den Frieden mit den Menschen zu gewährleisten und sicherzustellen, dass Viola das Leben führen konnte, dass sie selbst für richtig hielt.
      "Da habt Ihr Recht", murmelte er und hauchte auf jede ihrer Hände einen Kuss, ehe er sie endgültig los ließ und zum See hinaus sah.
      Die erdrückende Last der Dinge, die er ihr sagen musste, schmerzte ihm im Herzen, aber sein Mut reichte nicht aus, um es anzusprechen. Gleichsam empfand er diese friedvolle Situation als nicht passend für eine Erklärung zu einem Schwert und Krieg.
      "Sylvar lässt Euch übrigens schön grüßen", sagte er schließlich schwach grinsend. "Er sagte, dass die Kräuter dank Eurer Hilfe besser denn je wachsen. Ihc glaube, er möchte gerne wieder die Felder vor dem Schloss bestellen...Und gleichsam werden wir bald abreisen müssen."
      Er sah Viola an und seufzte.
      "Faolan und Lysanthir sind nicht dumm. Sie wissen, wo dieses Haus liegt. Und auch wenn es noch Tage oder Wochen dauern könnte, bis sie eine Truppe hier hinauf gebracht haben, würden sie es schlussendlich finden. Ich weiß, Ihr seid mir aus Eurem eigenen Willen heraus gefolgt und ich erkenne das an. Aber dennoch: Ich bin nicht Euer König, Vater oder Ehegatte. Ihr seid nicht verpflichtet, diesen Krieg mit mir zu führen. AUch wenn ich mich freuen würde, Euch an meiner Seite zu wissen."
      Er neigte dabei leicht den KOpf.
      Ein König, der sich verbeugt. Immer wieder musste er darüber schwach grinsen.
      "Es sind drei der Sieben schwerter in nächster Nähe zu diesem Haus. DIese müssen rekrutiert werden und ich könnte jede Hilfe brauchen."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • “I'll say it again.
      I don't care what you are.
      I care about who you are.”


      Viola

      Unvermeidlich, aber widerstrebend, gab Viola den Elf frei.
      Freigeben? Lag das überhaupt in ihrer Hand. Er war nicht der ihre.
      Dort, wo die Küsse ihre Haut berührt hatten, hinterließen sie eine ungeahnte Wärme, die durch ihre Haut sickerte.
      Der Augenblick, in dem die Berührung verschwand, wurde sich die junge Frau der kühlen Abendluft bewusst.
      Seufzend blickte sie auf den See hinauf, folgte seinem Blick zu den tanzenden Lichtern, die sich nunmehr lediglich um ihre eigene Achse drehten. Die kleine Zauber Violas, der die schwimmenden Laternen in Bewegung gesetzt hatte, verklang bereits mit der anbrechenden Nacht. Bei der Erwähnung des Erzmagiers spitzte Viola die Ohnre und ließ sich ein wenig von der bedrückenden Stimmung ablenken.
      "Sylvar war hier? Geht es ihm gut?" Fragend hob sie eine Augenbraue an. Das Lob war ihr willkommen und so langsam gewöhnte sie sich an die freundlichen Worte, war sie doch schlecht darin Bestätigung ohne Widerworte anzunehmen.
      Es zauberte eines zartes Lächeln auf ihre Lippen.
      "Schön zu hören, dass er mit meiner Arbeit zu frieden ist." Fügte sie noch hinzu. "Moment, sagtest Ihr abreisen?"
      Bei den folgenden Worten, rieb sich Viola über die abgekühlte Haut ihrer Arme. Sie hätte eine Decke mitbringen sollen.
      So warm es tagsüber war, so kühl wurde es bei sternenklarer Nacht. Aber es war nicht die Kälte, die Viola erschaudern ließ.
      "Ich weiß, dass ich Euch nicht verpflichtet bin. Und ich weiß, dass ich gehen könnte. Ihr würdet mich in meine Heimat ziehen lassen. Aber wie ich Euch bereits mitteilte: Ich begleite euch, so lange, wie es braucht oder ihr meiner überdrüssig werdet. Und Ihr werdet feststellen, Andvari, dass ich sehr beharrlich sein kann."
      Ein schiefes Grinsen erhellte ihr Gesicht. Drei Schwerter also hatte Sylvar schon gefunden. Und eines hatte Andvari geborgen.
      Viola löste die verschränkte Haltung ihrer Arme und bedeute Andvari mit einer leichte Berührung an der Schulter, sich wieder aufzurichten.
      "Bitte, mir ist nicht wohl dabei, wenn ihr Euch vor mir verbeugt."
      Die junge Heilerin schüttelte lächelnd das Haupt, herbstrotes Haar über ihren Schultern.
      "Das ist nicht nötig. Ich bin keine Adligen. Keine Prinzessin. Nur Viola."

      [From Blood and Ash - Jennifer L. Armentrout]
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Andvari

      Andvari nickte und bedeutete ihr, ihn in Richtung Haus zu begleiten.
      "Wir Ihr wünscht. Dann nur Viola. Wobei eine Verbeugung niemals etwas mit hohem Stand, sondern vielmehr mit Höflichkeit und Respekt zu tun haben. Und ich empfinde Respekt für Euch", sagte er.
      Kurz bevor er das Haus allerdings betrat, huschte er nochmals an die Seite des Hauses, um einen kleinen Verschlag von seinem groben Blätterdach zu befreien. Darunter befand sich ein Teil des BRennholzes, das er für das Feuer zu nutzen gedachte. Es musste oben wie unten angestochen werden, und so griff er einen großen Arm voll Holz, ehe er mit Viola ins Haus ging.
      "Ja, Sylvar war für eine kurze Zeit hier", bestätigte er. "Ich wollte Euch nicht bei Euren Vorberietungen stören und dachte, ich richte seine Grüße aus. Ich erwarte ihn morgen zurück."
      Während er das Holz ind en Kamin stapelte und mit einem kurzen Fingerschnippen einen heißen Lichtball in das Feuer stieß, dass sich langsam und knirsternd entzündete, blickte er sie an, das GEsicht nun frei von schwarzen Tätowierungen.
      "Es ging ihm recht gut, denke ich. Er war verletzt, aber nichts allzu ernstes. Wir sin Kriege zu einem gewissen Maß gewohnt und niemand hat mehr durchlitten als Sylvar. Er scheint Euch sehr zu schätzen. Das erfreut mich."
      er Schürhaken fuhr ins Feuer un drehte die schwache Glut, während er sich auf einem Stuhl niederließ und die glimmenden Kohlen betrachtete.
      "Ja, leider heißt es Abreise...Die Schwerter sind überall verborgen oder bereits tot. Ich muss herausfinden, wie viele noch leben und ob sie erneut bereit sind an meiner Seite zu kämpfen. Ich denke, dass sich diesmal Sylvar auf unsere Seite schlagen wird, aber wissen kann ich es erst wenn es soweit ist."
      Anschließend sah er sie an und grinste ebenfalls schief.
      "Ich freue mich auf Eure BEharrlichkeit."
      Auch wenn es hieß, sie ungeahnter GEfahren auszusetzen. Dafür würde das Schwert von Nutzen sein, aber...Dann müsste er ihr sagen, dass nur Jemand, der ihn liebt oder ein gebrochenes Herz liebt, es führen kann. Es war so berechnend...Klang so kalt, darüber nachzudenken, dass er sich innerlich einen Narren schalt.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • “This is the problem with making a thing forbidden.
      It does nothing but build an ache in the heart.”


      Viola

      Mit ruhigen Schritten folgte Viola ihm Richtung Haus. Einen letzten Blick warf sie über Schulter zurück, die beiden leuchtenden Windlichter ein stetiges Flackern auf der spiegelnden Oberfläche des Sees. Auf eine seltsame Art fühlte sie sich erleichtert, es war ein Kapitel ihres Lebens, niemals vergessen, aber mit einem bittersüßen Abschluss.
      "Es ehrt mich. Ich bin es nur nicht gewohnt. Unter gewöhnlichen Umständen bin ich diejenige, die sich verneigt."
      Zwar genoss sie als Heilerin einen anerkannten Ruf, aber sie blieb eine Bauerntochter.
      Im Haus legte sich Viola das Tuch aus weicher, heller Wolle um ihre Schultern. Wie kühl es mittlerweile war, schien ihr erst auf dem Weg wirklich bewusst geworden zu sein.
      Mit wenig Kraftaufwand zog sie einen der Stühle vom Esstisch an die Feuerstelle heran. Seufzend ließ sich die junge Frau darauf nieder und streckte nachdenklich die Hände in Richtung der knisternden und wärmenden Flammen.
      ,,Das klingt nach einem schwierigen Unterfangen." Begann sie mit ruhiger Stimme. "Und ich weiß nicht, ob es beunruhigen sollte, wie wankelmütig Sylvar mir nun erscheint. Ich will glauben, daß er Euch dieses Mal nicht in den Rücken fällt. Wisst ihr schon wohin wir als erstes reisen werden?"
      Wir. Der Klang erschien Viola immer noch unwirklich, erfüllte sie aber gleichzeitig mit dem vorsichtigen Gefühl des Glücks. Etwas, dass ihre Hoffungen wachsen ließ. Ein gefährlicher Drahtseilakt, der keinen Fehltritt verzieh.
      Im Schein des Feuers kam sie nicht umhin zu bemerken, dass ihre Vermutung richtig gewesen war. Die tiefschwarzen Linien waren fort oder soweit zurückgegangen, dass Viola sie nicht mehr sehen konnte. Verwirrt zog sie die Augenbrauen zusammen. Und ihre Neugierde war einfach nicht zu bändigen. Es war faszinierend, stets etwas Neues an dem Elf zu entdecken.
      "Hm, ich habe wirklich geglaubt, dass meine Augen mit einen Streich spielen. Die Linien an Eurem Hals sind verschwunden. Wie ist das möglich?"
      Der Wunsch den Kragen seines Wamses be Seite zu schieben, um zu sehen, wie weit, ließ ihre Finger zucken. Allein der flüchtige Gedanke zauberte eine zarte Röte auf ihre Wangen. Das wäre doch zu forsch, zu viel. Oder nicht? Sie schüttelte den Kopf leicht, als wolle sie den Gedanken abschütteln und stützte verlegen das Kinn in ihre Handfläche.

      [The Language of Thorns - Leigh Bardugo]
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Andvari

      Der Elf blickte ins Feuer und nickte grimmig.
      "Ja, das mag unter den Euren so sein", murmelte er. "Aber vor mir verneigt Ihr Euch nicht. Ich bitte Euch. Ihr habt es nicht nötig, vor irgendjemandem zu knien."
      Er blickte wieder zurück in die knisternden Flammen, die mittlerweile fingergleich nahc den Scheiten griffen und die Wohnung mit Wärme füllten. Es wurde Zeit für ein Essen. Das Problem war, dass sie kaum etwas hatten. So reichte er beinahe beschämt einen kleinen Korb über den Tisch, in dem sich eifnaches Brot und ein wenig Käse befanden.
      "Es tut mir Leid, ich habe irgendwie nicht damit gerechnet, dass es so lange dauert...", mrumelte er, ehe er ihr ein Stück Brot reichte und sich wieder zu ihr setzte.
      "Ich denke, dass Sylvar seine LEktion gelernt und seine Seite gewählt hat. Sicherlich kann man ihm Wankelmut unterstellen, aber ich vertraue ihm. Wie ich Euch vertraue. Und ich weigere mich zu glauebn, dass mich einer von Euch beiden betrügt."
      Andvari lächelte schwach, als sie mit einem "Wir" sprach. Es machte ihn auf eine einfache Art glücklich und eon wenig LEben kam in seine Augen.
      "Es gibt eine Stadt, unweit des Tales. Einen oder zwei Tagesritte entfernt. Sie heißt Telerin. Dort sollten wir eines der Schwerter finden. Zumindest geht dort die Legende nach der Legendären Säuferin. Und wenn wir sie dort erwischen, brauchen wir nicht ewig und drei Tage durch Ebenen reiten."
      Anschließend grinste er und erhob sich um vor sie zu treten. Das Zucke ihrer Finger hatte er nicht bemerkt, aber es war tatsächlich einfacher, es ihr zu zeigen. In einer fließenden Bewegung streifte er das Wams von seinem Oberkörper und präsentierte sich ihr. Die Tätowierungen waren nicht nur zurückgegangen, sondern hatten sich auf zwei große, verschlungene Muster zurückgezogen. Eins lag über seinem Herzen, das andere auf seinem Rücken. Beide Muster zeigten eine Art Wagenrad mit unzäghligen, ineinander verschlungenen Speichen, die sich nun nicht mehr bewegten, die aber unzweifelhaft die Arme seiner Tätowierungen waren.
      "Die Linien sind keine Linien", grinste er. "Es sind Fluchmale. Derartige Flüche werden von Elfen auf andere aufgesprochen, wenn sie unverzeihliches getan haben. Zumeist schaffen es die Flüche, den Verfluchten zu töten, bevor diese ein wirksames Mittel findet. Jedoch sind meine Male an meinen Gemütszustand gebunden. Empfinde ich Scham oder Trauer oder Unehre, so würgen sie mich bis zum Tod. Sonst sehen sie eher so aus."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • "You see everything I am and you don't run away from it."

      Viola

      Verstehend neigte Viola leicht das Haupt bei seinen Worten und blickte in das flackernde Feuer. In den grünen Iren spiegelten sich die tanzenden Flammen, die stetig und gierig das Holz verzerrten. Die Heilerin dachte an ihr Leben in den nun von Schnee bedeckten Ländereien. Niemand konnte abstreiten, wie sehr sich ihr Wesen gewandelte hatte, stetig wie der Tropfen den Felsen aushöhlte. Das gerade die fremden Lande der Elfen ihr ermöglichten sich aufzurichten, den Kopf erhoben zu halten...Hätte ihr jemande das vor ein paar Wochen erzählt, sie wäre in schallenden Gelächter ausgebrochen.
      "Ich bin schon mit weniger zurecht gekommen...," sprach sie milde und nahm das Stück Brot dankend entgegen. "...und zu Eurer Verteidigung. Niemand wusste, dass wir hier her kommen würden. Und...danke, für Euer Vertrauen."
      Während er sprach, zupfte Viola ein Stückchen Brot ab und aß bedächtig. Obwohl es ihr schwer fiel sich vorzustellen, diesen friedlichen Ort wieder zu verlassen. Die Stunden des Tages waren geradezu an ihr vorbei geflogen. Ein einziger Tag, doch er fühlte sich an wie Hunderte. Ein Wechselbad zwischen Leichtigkeit und Ernst, zwischen Lachen und Tränen.
      "Ein legendäre Säuferin?", horchte die Heilerin auf, die Hand auf komische Weise auf dem Weg zu Mund erstarrt. Wahrscheinlich hatte sie Vieles erwartet, aber gewiss nicht das. Allerdings warf das Vorhaben einer Reise weitere Fragen und Probleme. Lysanthir hatte sie bei ihrem Anblick augenblicklich hinrichten wollen. Wie sollte sie sich in diesem fremden und ihr feindlichen Land bewegen ohne aufzufallen. Aber ihr Verstand fühlte sich bereits überfüllt an, so dass sie die Sorgen auf den nächsten Morgen verschob.
      Das Grinsen in seinem Gesicht ließ einen verwirrten Ausdruck auf ihren eigenen Zügen zurück. Was hatte er vor?
      Neugierig und gleichsam nervös beobachtete Viola die fließenden Bewegungen des Elfen und hätte beinahe verlegen den Blick gesenkt, als er den Wams in einer einzigen grazilen Bewegung über den Kopf zog. Die hachzarte Röte auf ihren Wangen wurde einen Ton dunkler. Dabei hatte sie bereits wesentlich mehr gesehen, als angebracht war. Aber das hier war anders. Weder drohte Andvari zu sterben, noch war gerade eine gehetzte Flucht von Nöten. Die friedliche Stille wurde nur von seine rauen Stimme und dem Knistern in der Feuerstelle begleitet, während ihr Blick ohne es verhindern zu können über alte Narben und blasse Haut glitt. Andvari war anders, als die ihr bekannten Soldaten. Starke Muskeln, aber schmaler als die bulligen Kämpfer der Garde, geübt für Präzision und Schnelligkeit, nicht nicht grobschlächtig für rohe Gewalt.
      Die Erzählung ließ ihre Verlegenheit fast in den Hintergrund gleiten.
      Viola zögerte, bevor sie sich ebenfalls von ihrem Platz erhob und etwas näher auf Andvari zutrat. Wie konnte eine Person so leben?
      "Das furchtbar," flüsterte sie fast. "Und grausam. Das bedeutet die ganze Zeit..."
      Ein stockender Atemzug rüttelte an ihren Schultern, ehe sie die Hand hob und kurz in die bersteinfarbenen Augen blickte, ehe sie der Bewegung ihrer Fingerspitzen folgte. Federleicht berührte sie das Gebilde über seinem Herzen, als erwartete sie etwas zu spüren. Aber da nichts, außer der kräftige Herzschlag.
      "Wer hat euch das angetan?"

      [The Cresent City]
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Andvari

      Der merkwürdigen Kühle, die er durch das fehlende Kleidungsstück erlitt folgte eine ungeahnte Hitze, als die Finger der jungen Frau an seiner Brust lagen und über die Male fuhren. Beinahe gab er dem Drang nach, ihre Hand ganz auf seine Brust zu drücken, da er die Hitze genoß, die diese Berührung auslöste.
      Es brachte sein Blut in Wallung und ließ ihn ungeahnt lebendig fühlten. Die Male unter ihrer Hand begannen leicht zu schwimmen während Andvari zu lcäehln begann.
      "Ja, ich befürchte es", stimmte er ihr zu. "Die ganze zeit stehe ich in er GEfahr, von einer simplen Tätowierung erdrosselt zu werden. Das Schöne Volk der Elfen hat nicht nur angenehme Bräuche, fürchte ich."
      er drücjte ihre Hand leicht auf seine Brust und hockte sich auf Augenhöhe vor sie, das wärmende Feuer im Rücken.
      "Mein Vater", sagte er mit leicdhter Bitternis in der Stimme.
      Jetzt, wo die Tätowierungen an seinem Hals verschwunden waren, sah man eine kleine Narbe, die an der Schlagader entlang lief. Als habe man versucht, dem Elfen die Kehle durchzuschneiden. Und es entsprach ja auch der Wahrheit. Dennoch sah er trotz allem beinahe fünfzig Jahre jünger aus, da er den Stress des Krieges nicht mehr spürte und die Anspannung der Gefangenschaft.
      Er war nur hier mit seiner Liebste...
      Was dachte er da schon wieder?! Schlagartig schüttelte er den Kopf und wechselte das Thema, als er sich wieder erhob um selbst ein Stück Brot zu essen.
      "Ja, die legendäre Säuferin. Farryn Iarpetor. Tochter eines Tavernenwirts und das Zweite Schwert. Zuletzt wurde sie in Telerin gesehen. Ihre Spur ist vermutlich die leichteste zu finden,d a sie meist Zerstörung und Verheerung mit sich brachte, wenn sie zu viel trank. Ihr werdet sie kennen lernen. Und vermutlich mögen. Farryn ist ein Herzensmensch. Etwas, das ich nie konnte..."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • “When I am with you, I imagine that my heart is beating,
      though it has not beaten for seven years. You give me so much,
      and I can give you nothing at all.”


      Viola


      Viola hielt den Atem an.
      Die zierliche Hand ruhte auf seiner Brust, spürte das geschundene und dennoch starke Herz darunter.
      Die Fingerspitzen zuckten über den Fluchmale auf seiner Haut, die an den Rändern langsam verschwammen und tatsächlich ein Eigenleben zu führen schienen. Als Andvari sich auf ihre Augenhöhe hinunter ließ, entdeckte sie die Narben, die vorher von Tiefschwarz verborgen gewesen waren. Ein paar der vernarbten Erinnerungsstücke auf seiner Haut, waren ihr nicht unbekannt. Zwei Einstiche der Speere hatten deutliche Spuren hinterlassen und die Schnitte Faolans waren noch nicht gänzlich verschwunden. Die verblasste Narbe an seinem Hals erzählte eine ganz andere Geschichte.
      "Euer Vater?," wiederholte sie nachdenklich und eine finstere Erinnerung an ein Gespräch mit Sylvar kam ihr in den Sinn. Es war der Tag gewesen, als man sie in Tirion von einander getrennt hatte. Viola öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber das ruckartige Aufstehen des Elfen, brachte sie ein wenig aus dem Konzept. Ihre Hand glitt von seiner Brust und landete wieder kalt und einsam in ihrem Schoß.
      Sylvar hatte ihr berichtet, was geschehen war. Die Königin. Ein Schatten huschte über ihr Gesicht.
      Zumindest vermutete sie hinter dieser tragischen Begebenheit die Ursache des Fluches.
      Selbst Viola spürte, dass Andvari das Thema schlagartig wechselte und biss sich auf die Zunge.
      Mit einem beinahe stillen Seufzen wandte sie sich wieder dem kargen Abendessen zu.
      "Klingt danach, als könnte sie sich bestens mit Helena verstehen." Murmelte sie nur und schob sie ein Stückchen Brot in den Mund.
      Nachdenklich schob sie ein paar übrig gebliebene Krümel auf dem Tisch von einer Seite zur anderen.
      Ein schmales Lächeln lag auf ihren Lippen.
      "Es ist bewundertswert, wie viel Zuversicht ihr habt, dass niemand an meiner Anwesenheit anstoß nehmen wird. Es hört sich wunderbar einfach an. Wird sich niemand fragen, warum ein Mensch Euch begleitet?"
      Was würde sie sein? Gefangene? Eine Beute? Sie mahnte sich selbst für ihre Gedanken, er hatte sie nie als dergleichen behandelt und sie glaubte auch nicht daran, dass er es tun würde, um dieselbe Fassade auffrecht zu erhalten, die er versucht hatte Lysanthir vorzuspielen.

      [The Last Hours - Cassandra Claire]
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
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      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Andvari

      Andvari grinste und nickte.
      „Mein Vater“, sprach er grimmig. „Ich beging ein Verbrechen ungeahnten Ausmaßes, obgleich ich dachte, zu helfen. Mein Vater und seine Söhne sahen das leider nicht so und verfolgten mich. Gerade als ich zu entkommen suchte, sprach er einen Fluch, der mich wie ein Schwert zeichnete. Das Ausmaß begriff ich erst kurz vor der Schlacht, nach der wir uns kennen lernten.“
      Er biss ein großes Stück des Brotes ab und kaute wenig schmackhaft darauf herum, während er sich ein Stück des Käses abschnitt, das auf dem Tisch lag.
      „Ihr seht, mein Leben ist ein einziger Quell der Freude“, bemerkte er mit nicht wenig Selbstironie und grinste gewinnend. Anschließend schlug er sein Haar zurück und ertappte sich dabei, wie seine Finger immer noch nach dem geflochtenen Zopf greifen wollten, den es bereits nicht mehr gab.
      „Ja, vermutlich. Farryn ist ein wenig ruppig und hat mit der Zeit eine Art Zwergenakzent adaptiert, aber sie ist sehr umgänglich. Und sie wird eine große Hilfe sein“, bestätigte er. „Zuversicht…Ach, das hätte ich beinahe vergessen!“
      Er erhob sich nochmals und griff in die Tasche seiner groben Lederhose, aus der ein kleines Amulett beförderte.
      Es glich in seiner silbernen Schönheit einem kleinen Vogel, der mit ausgebreiteten Flügeln eine unsichtbare Beute jagte. Die Kette war ebenso aus reinstem Silber gefertigt und glänzte leicht im Widerschein des Feuers.
      „Der Grund, warum ich zuversichtig bin, ist das hier“, grinste er und reichte ihr die Kette. „Sylvar hat dies Kleinod mit einem Illusionszauber belegt, der Euch zumindest augenscheinlich unserer gleich ansichtig werden lässt. Ihr braucht also keine Repressalien zu fürchten und könnt Euch frei bewegen. Und ich muss Euch nicht als meuine Beute ausgeben.“
      Er zwinkerte ihr zu und verschlang noch ein Stück Käse, ehe er die Glut nochmals schürte.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • “Because you know it would be the end of you,
      whispered a small voice in the back of her mind.
      Because if you fell even a little more in love with him,
      the fall would break you.”

      Viola

      Ein Rätsel war es, wie Andvari mit scheinbarer Leichtigkeit über die Umstände seines Lebens sprach.
      Viola zwang sich, die düsteren Gedanken zu verscheuchen und seufzte ein letztes Mal auf, ehe sie den letzten Bissen Brot verzehrte.
      Etwas vor dem Elf zu verheimlichen, erschien ihr falsch und sie haderte mit sich selbst, ob die das Thema wirklich fallen lassen sollte.
      Die Entscheidung wurde ihr allerdings abgenommen, als Andvari sich erneut erhob und ein silbernes Schmuckstück hervor holte. Die Flammen des Feuers warfen tanzende, glühende Schatten über das glänzende Edelmetall. Mit vorsichtigen Fingern nahm sie die filigran gearbeitete Kette entgegen und fuhr den Schwung der in Silber gegossenen Flügel nach. Es war wirklich hübsch anzusehen.
      "Irgendwie wundert es mich nicht, dass Sylvar bereits daran gedacht hat, wie meine Herkunft am besten zu verstecken ist."
      Viola fragte sich, wie viele mögliche Ausgänge ihrer Lage der Erzmagier der weißen Hand bereits bedacht hatte.
      Es schien, als wüsste er immer genau die richtige Lösung.
      "Dann sollte ich Eurem Bruder dafür danken, dass ich nicht wie ein Jagdfang über Eurem Pferd hängen werden.", kicherte Viola, als der Elf ihr scherzhaft zu zwinkerte. Es war immer wieder erstaunlich, wie wechselhaft die Stimmung zwischen ihnen war. Der Heilerin kam es manchmal vor, als wüsste keiner von ihnen beiden, wie viel er wirklich Preis geben durfte. Wie viel konnten sie ihrem Gegenüber zu muten? Wie viel war angemessen oder zu nah?
      Trotz ihrer Gedanken lag ein Grinsen auf ihren Lippen, während sich die funkelnden, grünen Augen auf Andvari richtete.
      Die Silberkette glitt durch ihre Finger, ehe sie die Hand darum schloss. Sie würde das Kleinod erst anlegen, wenn sie abreisten.
      Für sie war ungewiss, was Sylvar an Morgen berichten sollte und ob sie bereits Morgen gehen musste.
      Eine Weile wollte Viola einfach noch sie selbst sein. Allein mit Andvari in der friedlichen Stille des Hauses, vor dem prasselnden Feuer.
      Gedankenverloren betrachtete die junge Frau die geschürte Glut.
      "Sylvar hat mir erzählt, was passiert ist...," hauchte sie in die gestreckte Stille, nachdem sie Minuten lang kein Wort gesagt hatte.

      [The Last Hours - Cassandra Claire]
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Andvari

      Der Elf grinste breit und verschlang das letzte Stück Brot gierig, als habe ihm sein Verstand gesagt, er sollte es so schnell wie verzehren, damit ihm der nächste Bissen nicht im Halse stecken blieb.
      Andvari bemerkte eine leichte Unruhe in dem Gebahren seiner Tischgefährtin und lächelnd sah er vom Feuer auf. Die Flammen zeichneten ein Bild in seine weißliche Haut und ließ0en die Bernsteinaugen strahlen, als er zu einem kurzen Lachen anhob, das ihn erneut beinahe bubenhaft wirken ließ.
      Wären nicht die Narben an seinem Leib gewesen, würde man das noch immer denken, dachte er und sah Viola an.
      "Sylvar durchdenkt einige Möglichkeiten und erweist sich mehr als nützlich dieser Zeit. Durch seine Fähigkeiten ist er meiner Gefolgschaft ein wichtiger Stein in der Mauer, die wir zu bauen gedenken. Er sprach mich bereits vor einiger Zeit an, als ich noch im Kerker saß und nach Euch fragte. Wir sprachen von Flucht, aber ich riet ihm davon ab, da Ihr auffallen würdet. Also vermute ich, kam er daher mit dieser Lösung", sagte er und wies auf das Amulett. "Er dachte, es könnte Euch gefallen. Und ich auch. Und ich würde Euch niemals wieder einen Jagdfang über meinen Sattel legen. Das wäre unehrenhaft. Aber vermutlich würde ihm ein Dankeschön recht gut gefallen."
      Das Lächeln erreichte schlussnedlich auch die Augen des Elfen und belebten diese mit einem ungeahnten Feuer. er blickte zurück in die Flammen, die wie verlorene Kinder nach dem dräuenden Morgen griffen. Das Holz knackte in regelmäßigem Takt und sein Blick veränderte sich nicht, als Viola ihren letzten Satz sagte.
      Einen Moment lang wusste der Elf nicht, wie er reagieren sollte. War es eine Überraschung? Wohl kaum. Sylvar war bekannt dafür, nicht den Mund halten zu könen. Auch wenn diese Geschichte nur ein weiterer Teil der dunklen Geschichte seiner Selbst war.
      "Er hat ja richtig für mich geworben", spottete Andvari mit einem Grinsen. "Ich dachte es mir bereits...Ihr müsst Fragen haben. Fragt."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell