[2er RPG] The Lesser Evil [Winterhauch & NicolasDarkwood]

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    • Andvari

      Der Tross kam ins Stocken,gerade als Andvari abwinken wollte, um Viola zu verstehen zu geben, dass es ist nicht Rede wert war, dass er hier in diesem Karren gefangen war.
      Wenn er ehrlich zu sich selbst war, erschien ihm diese Behandlung schon fast nachsichtig. Normalerweise zog man Gefangene wie Schlitten durch den Schnee und schnitt ihnen die Ohren ab. Das zumindest erzählten die Befreiten, die sie in den Schlachten gerettet hatten. Ein Reiter schoss vorbei und bellte den Rastbefehl, ehe er er Viola nochmals ansah. Eine Antwort war nicht mehr möglich, da sie bereits von dannen ritt, um sich ihrem Tross anzuschließen.
      Die Wagen wurden unter einigen Anstrengungen in einen Kreis abgestellt und zwischen den Holzgestängen ein Windschutz aus Planen errichtet. Im Grunde - so dachte Andvari - war es ziemlich kunstfertig was sie hier vollzogen. In Windeseile hatten die Soldaten einen Schutzwall errichtet und gleichsam unter Waffen begannen sich alle, an entzündeten Feuern auszuruhen. Wärme erfüllte den Raum zwischen den Wagen, sodass es selbst den Wagen es Elfs erreichte. Er beobachtete die Heilerin aus der Ferne, während sie wieder ominöse Kräuter in Wasser erhitzte. Ihre Kunst war rudimentär , aber zielführend. Sicherlich besaßen elfische Heiler wesentlich mehr Kunstfertigkeit, aber die Wirkung der Mittel war gleich.
      Andvari blickte zu den Bergketten, als er mit seinen Augen eine Bewegung erfasste. Eine Bewegung die er gut kannte und die ihn zum grinsen brachte, ehe er den Blick senkte.
      Sie hatten ihn nicht vergessen.


      Nuala & Lhoris

      Schneegestöber.
      Nuala hasste Schnee seit den Tagen ihrer vermaledeiten Kindheit. Im goldblonden Haar der Elfe befanden sich von der Reise der letzten Tage noch immer Schneesplitter, die es schwer und unhandlich machten. Ein Band hatte sie dennoch nicht bevorzugt, weil nur eine burschikose Elfe ihre Haare zurückband. Gut, Nuala galt als solche, da sie eine Rüstung und Schwert trug, aber immerhin wollte sie nicht, dass Prinz Andvari sie so sah. Geräuschvoll zog sie ihre Nase hoch, während sie sich nach ihrem Begleiter umsah.
      Drei Späher der Menschen hatten sie bereits entdeckt und ausgeschaltet. Der Letzte dieser Reihe von Stümpern unter Waffen lag vor ihr im Schnee und hechelte schlimmer als der Dorfköter.
      "Bitte...", murmelte er. "Bitte...habt Gnaaaaaaa...."
      Noch während er diese hässlichen Worte aussprach, bohrte Nuala ihr Messer in seinen Hals und hebelte ganz langsam seinen Kehlkopf aus dem weichen Fleisch. Sogleich füllte sich seine Luftröhre mit Blut und anstatt artikulierter Worte, kam ein Gurgeln aus seinem Hals empor.
      "Dein Tod heißt Nuala, Menschenkind", flüsterte sie in sein Ohr während das Licht seiner Augen erlosch.
      Sie befanden sich noch immer auf der Bergkette, die sie von Osten her überquert hatten. Lhoris und sie hatten von der verlorenen Schlacht erfahren und waren sofort losgeeilt, um ihren Kameraden aus den Klauen dieser Barbaren zu freien. Doch wie so oft: Es kamen unvorhergesehene Dinge dazwischen. Sie und Lhoris waren alleine losgezogen, da der König unter den Sternen es nicht für nötig befunden hatte, seinen Bastardsohn zu schützen. Und zu zweit waren die Wege anstrengender und weiter. Zumindest erschien es der Elfe so, als ein großer Elf neben ihr im Schnee zu Knien kam.
      "Sie sind es", murmelte er in dem merkwürdigen Dialekt, den er sprach.
      Lhoris stammte aus den südlichen Wäldern und hatte denselben Sprachklang wie diese Menschen. Grob und körnig, wie ein schlechtes BRot.
      Der Elf neben hier besaß breite Schultern, die in einer weißsilbernen Rüstung steckten, die mit Ornamenten verziert war. An seinen Hüften baumelten zwei Kurzschwerter, die ihre Tödlichkeit in hunderten von Schalchten unter Beweis gestellt hatten. Das schwarze Haar trug er offen über seinen SChultern und das ebenmäßige Gesicht zeugte von nobler HErkunft, obgleich die Vorfahren des Mannes Holzfäller waren.
      "Gut", sagte sie und zog das Messer mit einem schmatzenden Geräusch asu dem Hals. "Wir sollten bei Nacht hinein schleichen und sie töten."
      "Wir werden es nicht schaffen, alle zu töten. Es sind trotz der Schlacht noch mehrere Hundert Soldaten, Nuala."
      Zu den Schwarzeichen mit seinem überlegten Verstand, dachte sie. Bei den schimmligen Baumkronen von Olyth, sie würde ihren Andvari aus den schmutzigen Krallen dieser Barbaren befreien. Und wenn sie dafür die Welt aus den Angeln reißen musste, war es eben so.
      "Was sagt also dein Verstand?", fragte sie in genervtem Unterton. Das Schwert auf ihrem Rücken wurde langsam zur Last und sie sehnte sich nach Ruhe. Sie waren zwei Tage durchgereist und hatten kaum gegessen.
      "Wir rasten ebenso und warten auf bessere Kunde", begann Lhoris und sah sie an. "Ein Sturm kommt auf und wird genügend Verwirrung erzeugen. Oder wir warten auf die nächste Stadt, in der wir uns tarnen können. Wir dürfen kein Aufsehen erregen und wissen nicht, wie der Zustand des Prinzen ist..."
      Ärgerlich grunzte sie und legte sich afu die Lauer.
      "Dann geh und jage, Lhoris Denkt-zu-viel. Ich halte Ausschau."

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    • Viola

      Hauptmann Girion musste man eines zu Gute halten. Der breitschultrige Kommandat saß zwischen seinen vor Kälte zitternden Männern, obwohl sein Stand ihm sicherlich mehr zugesprochen hätte. Er verlangte viel von seinen Männern, Unmenschliches könnte man meinen, aber am Ende das Tages war er einer von ihnen. Abschätzig beobachtete Viola, wie Girion dem Mann kameradschaftlich auf die Schulter klopfte. Es stärkte sicherlich die Moral unter den schlotternden Männern, aber niemand vergaß je, dass Girion genauso unberechenbar war. Von der zur Schau gestellten Herzlichkeit ließ sich Viola jedoch nicht blenden. Vielleicht stand die Tatsache, dass die Heilerin und der Hauptmann der Garde sich noch nie wirklich einig gewesen waren. Seit die Heilerin sich diesem Tross angeschlossen hatte, gab es ständig Meinungsverschiedenheiten. Mit vom Feuer gewärmten Händen und zwei einfachen aus Ton gebrannten Bechern, wagte sie sich unter wachsamen Augen in die Nähe des Karrens, in dem Duron ausharrte. Der darin dampfende Tee, war sicherlich nichts besonderes, aber er wärmte von Innen und ihrer Meinung nach, war das in der aktuellen Lage mehr wert als exotische Kräuter und Gewürze. Fast unauffällig schob sie den Becher durch die Lücke in den schweren Stäben. ehe sie sich schweigen auf einem kleinen Holzstamm niederließ, den man unter die Wagenräder geschoben hatte. Mit dem Rücken lehnte sie sich gegen den Karren, nur ein kleiner Kranz ihrer rote Haare war über den Rand hinaus zu erkennen. Die Beine zog sie fest an den Körper. "Die Männer sagen wir harren so lange hier aus, bis der Sturm vorbei ist."
      Hoffentlich würden sie, wenn sich das Wetter besserte schnell Milan erreichen. Viola spielte bereits mit dem Gedanken sich schon dort aus dem Tross der 1. Garde los zu lösen. Es wäre ein leichtes dort in eine andere Einheit zu wechseln. Und Heiler waren gefragt zu dieser Zeit. Die Frage war ob Girion sie wirklich ziehen lassen würde. Aber wenn es hart auf hart kam, konnte er sie nicht zwingen zu bleiben. Viola schmiegte die Finger um den warmen Becher und sah schweigen in die Runde. Sobald es ruhig wurde, nahm kaum noch jemand Notiz von ihr. Aber auch sie musste schlafen, durch die Kälte schmerzten ihre Glieder und ihre Augen waren schwer vor Erschöpfung. Sie würde bald zu Helena gehen, mit der sie sich das notdürftige Lager teilte. Fraglich war, ob sie überhaupt ein Auge zu bekam. Es war eisig und die Anspannung der letzten Tage hatte ihre Albträume nur noch mehr geschürt. Viola hatte gelernt mit den Monstern und Albträumen zu leben, aber sie würde wohl ihr Leben lang keinen Frieden mit ihren Erinnerungen machen können. Dennoch hatte sie sich ein gutes Herz bewahrt.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Andvari

      Für einen Moment lehnte er sich im Karren wieder an die Stäbe und blickte gen Himmel. Die Sonne neigte sich der Erde zu. War es wohl Nachmittag? Vielleicht war es auch Abend, man konnte es durch die Wolken nicht genau sagen. Die Luft roch kalt und feucht und der Wind drehte sich schneller und trug den Geruch des Schlachtfeldes über die Kraterberge.
      Es roch nach fauligem Tod, wenn man sich konzentrierte. Genügend, um andere Gerüche zu überdecken.
      Viola trat erneut an den Karren heran und schon bald sah er einen dampfenden Tonbecher neben sich stehen. Sicherlich, die Flüssigkeit darin hatte mit dem Tee, den er kannte nichts gemein. Dennoch - Andvari litt unter quälendem Durst und Hunger. Vermutlich hätte er einem Berglöwen den Schweiß aus dem Gemächt geleckt, wenn er die Gelegenheit erhalten hätte. Und allein dieser GEdanke machte ihn wütend.
      Gierig und in großen Schlucken trank er von dem Kräuterwasser und verbrannte sich zweimal beinahe. Es wärmte, ja, aber viel wichtiger war die Feuchtigkeit.
      "General...", murmelte er mit eine Rauhheit in der Stimme, der sie unirdischer denn je wirken ließ. "Lässt mich darben...Hunger...Durst..."
      Anschließend reichte er ihr den Becher unnauffillig zurück und drehte sich zu ihr. Ohne, dass er sie fragte, murmelte er zwei kurze Silben in seiner Sprache und sah zu, wie die Lichtfäden erneut aus seiner Handfläche stießen. Gierig griffen sie nacheinander und formten nach einigen Sekunden eine kleine Kugel, die Wärme ausstrahlte. Sie musste unauffällig sein und kaum sichtbar. Geschwind ließ er sie schweben und unter Violas Gewänder gleiten.
      "Haltet fern...von Haut...Wird Euch warm...", brummte er. "Warum Ihr erzählt mir? Ist gefährlich...Ich Euch töten, wenn ich will..."
      Andvari bemerkte die Müdigkeit der jungen Frau und gleichsam auch die Müdigkeit des ganzen Lagers. Und eine weitere Gelegenheit eröffnete sich.
      Er musste es irgednwie schaffen, seinen Kameraden ein Zeichen zu geben.
      Die Frage war nur, wie...Vielleicht ein kurzer Lichtzauber. Ein Richtungsstrahl, ein Leuchtfeuer...Es gab hunderte von Möglichkeiten, aber er musste bedneken wie viele MEnschen es waren. Selbst für die beiden waren es zu viele. Er seufzte und verlor langsam die Hoffnung...Auch wenn er zugab, dass ein wenig Gesellschaft nicht schlecht war.

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    • Viola

      Mit knirschenden Zähnen lauschte Viola der tiefen, basslastigen Stimme. Sir Girion hatte mit voller Absicht die Rationen gekürzt, nicht nur aus Boshaftigkeit sondern auch um die Moral seiner Männer oben zu halten. Die Rationen standen den Kriegern zu, nicht den Gefangenen. Die Heilerin konnte unmöglich so weit gehen und von den Vorräten der Garde stehlen. Ein leises Kratzen erklang rechte neben ihrem Kopf, und sie drehte das Kinn um den leeren Becher zu entdecken. Nachdenklich legte sich ihre Stirn in Falten, ehe sie den leeren Becher verschwinden ließ und ihn mit ihrem eigenen noch vollen vertauschte. "Sir Girion wird euch verhören, sobald wir in Milan sind." Wisperte sie in die kalte Abendluft. Es war die älteste Methode jemandes Willen Stück für Stück zu zermürben. Der Hauptmann würde ihn frieren, hungern und dursten lassen. Entgegen der eindeutigen Empfehlung seiner Heilerin. Ihm schmeckte es nicht, dass Viola bisher nichts Nützliches erfahren hatte. Sie würde ihm bald etwas geben müssen, wenn sie nicht selber in einem Käfig landen wollte.
      Etwas riss sie aus ihren düsteren Gedanken, eine angenehme Wärme breitete sich langsam unter ihrer Kleidung aus. Mit jedem Bisschen Selbstbeherrschung, das Viola aufbringen konnte, schaute sie unauffällig in den Kragen ihrer Gewänder. Zeige- und Mittelfinger zog sie den Stoff am Hals leicht bei Seite und entdeckte ein schwaches, wärmendes Licht. Es war dieselbe Art von Lichtkugel, die er bereits im Zelt heraufbeschworen hatte. Sie zog die Hände in den schützenden Stoff ihres Mantels zurück und tatsächlich, als sie mit den Händen eine schützende Schale bildete schwebte die Kugel dort wenige Millimeter über ihrer Haut. Augenblick wurde ihr wärmer. Dennoch, das schlechte Gewissen nagte an ihr. "Danke..." Flüsterte sie. "Aber es ist nicht nötig. Spart euch die Kraft." Viola wusste nicht, wie viel Energie es den Elfen kostete, das Licht so zu manipulieren. Dennoch hielt sie die glühende Kugel nah an ihrem Körper, umhüllte sie nah ihres Herzens.
      "Ich weiß es nicht." Viola wusste wirklich nicht, warum sie diese Details mit dem Elfen teilte. Vielleicht war es Mitgefühl das sie empfand. Sie sollte sich nicht daraum scheren. Nicht mir ihrer Geschichte auf den Schultern. Mit einem Seufzen ließ sie den Kopf mit einem dumpfen Aufprall nach hinten gegen den Karren fallen. Weiß Wölkchen formten sich vor ihren Lippen, während sie in den Himmel sah. "Ihr hättet mich vor drei Tagen töten können, als ich euch den Dolch in die Hände gelegt habe." Schwere Augenlider senkten sich über strahlend grüne Augen. Duron wäre selbst vor einigen Tagen im Zelt eine Gefahr für sie gewesen. Sie war keine Kämpferin und neben dem Elf wirkte sie so winzig, dass sie seiner Kraft nichts entgegen zu setzen hätte.
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    • Andvari

      Der Elf lehnte ebenso am Karren, nur auf der anderen Seite ihres zweifelhaften Vergnügens miteinander. Denn während sie draußen war und ihre Freiheit genoss, wurde er gepfercht wie ein Tier und weder gefüttert noch gewässert. Jeder Ackergaul hatte ein leichteres Leben als er. Und das würde er diesem Girion nicht verzeihen.
      Doch die Information, dass er in Milan verhöhrt werden sollte, war ein Glücksfall. Er lächelte und ein raues, keuchendes und kurzes Lachen glitt über seine Lippen.
      "Soll er es versuchen...", murmelte er. "Eher ich beißen mir Arm ab...als ihm zu sagen..."
      Hinsichtlich der Kugel winkte er ab. "Es kostet nicht Kraft. Nehmt und wärmt...In Milan...Flieht...Löst Euch von Tross...Und flieht..."
      Er zog den Stoff der Wolldecke enger um seine Schultern und verfluchte den Umstand, dass er nicht einfach diese Ketten sprengen konnte. Es würde zu viel Aufsehen erregen und nahm seinen Kameraden die Möglichkeit, die beste Position für eine weitere Verfolgung auszukundschaften. So wie er Nuala kannte, musste sie ohnehin gezügelt werden. Diese ziellose Liebe seiner Person gegenüber war ihm unverständlich. Sicherlich war Nuala eine schöne Elfe, aber ihr Sinnen war gänzlich ein Anderes. Sie liebte ihn, weil er die Stärke war, die sie nicht hatte. Und das konnte nicht die Grundlage für eine gesunde Ehe sein.
      "ICh hätte...", bestätigte Andvari und nickte. "Ihr gut...Nicht töten, wenn nicht nötig...Deswegen flieht...Rennt und lauft weit weg..."
      Es würde eine letzte Warnung seinerseits sein. Sicherlich waren sie Feinde. Und sicherlich würde er auf dem Schlachtfeld nicht zögern, sie auch zu töten, wenn sie sich ihm entgegen stellte, aber jetzt war sie die einzige, die ihn ansatzweise wie einlebendes Wesen behandelte, so sehr es ihn auch quälte.
      Und das erforderte seinem Standard nach eine Gegenleistung.
      Und sei es nur eine zarte Warnung.
      "Was...", murmelte er und ging einer Vermutung nach. "Was Ihr sollt mit mir tun?"
      Es konnte nicht sein, dass sie eine Heilerin so häufig zu ihm sandten. Letztlich musste es mehr geben, was ihre Aufgabe war. Und er hatte so das Gefühl, dass ihm die Antwort nicht gefallen würde. Und das erste Mal fragte sich Andvari, ob er nicht derjenige war, der hereingelegt wurde?

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    • Viola

      Die Warnung ließ keinen Platz für Zweifel. Bereits das zweite Mal erklangen die bedrohlichen Worte in ihren Ohren und dieses Mal war sich Viola sicher, dass es keine leeren Phrasen waren. Etwas würde am Handelsposten lauern. Etwas Gefährliches. Ein ungutes Gefühl grub sich tief in ihre Magengrube, wie die Last eines schweren Steines. Der Blick der grünen Augen glitt zu den flatternden Lücken in den Stoffbahnen, die sie vor dem eisigen Wind schützten. Durch das Schneegestöber war nicht zu erkennen, aber Viola wurde das üble Gefühl nicht los, dass sich die Augen des Feines auf den Tross gerichtete hatten. Der Atem stockte mit einem kaum merklichen, erstickten Laut in ihrer Brust. Unwillkürlich brachte sie die filigrane Lichtkugel näher, sie spürte den wärmenden Schein auf ihren Wangen, immernoch sicher verborgen vor den Blicken der anderen. Sie spendete ihr Trost und Wärme, etwas das sie gerne zurück gegeben hätte. Aber das war nicht möglich.
      Viola nahm sich die Warnung zu Herzen, aber sie würde nicht einfach davon laufen. Die Heilerin hatte eine Pflicht gegenüber ihrem Orden zu erfüllen. Wie die Ritter der Garde, hatte auch sie einen Eid geleistet. Und einen Eid konnte nich einfach gebrochen werden. Der Gedanke und seine letzte Frage brachten sie dazu, zum unzähligsten Mal an diesem Abend einen tiefen Seufzer auszustoßen Die Antwort würde ihm nicht gefallen. Ein falsches Wort und jegliche Verständnis füreinander, würde nachhaltig zersplittern wie das dünnste Kristallglas. Viola wandte den Kopf ein wenig zu Seite und erhaschte aus dem Augewinkel einen flüchtigen Blick in den Wagen, durch eine grobe Nische im Holz. Alles was sie sah, waren die langen Beine, ungelenk drappiert und viel zu lang für das schmale Gefängnis. "Der Kommandat hatt sich wohl erhofft, dass ihr in meiner Gegenwart sprecht. Er hat es nicht direkt gesagt, aber..." Müde schob sie das Haar aus ihrer Stirn und lehnte die Schläfe gegen das spröde Holz. Direkt auf der anderen Seite an der Duron lehnte. "Eine ungefährliche Heilerin und ihre tragische Geschichte."
      Die Lippen verzogen sich zu einer bitteren Linien. Sie hatte zuvor nicht gelogen und Viola würde jetzte nicht damit anfangen.
      "Ich habe ihm nie gesagt, worüber wir gesprochen haben. Aber er wird...ungeduldig." Was nett ausgedrückt war.
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    • Andvari

      Endlich...
      Andvari lächelte genüsslich, als Viola preisgab, was sie tun sollte.
      Also waren seine ganzen Vorsichten und Vermutungen (zu seinem versteckten Unmut) leider wahr gewesen. Auch diese junge Frau, die so viel auf sich geladen hatte und so vertrauensselig war, dass sie mit dem Feind konspirierte, war nichts weiter als ein Kerkermeister, der eine peinliche Befragung durchführte.
      Nur, dass sie ihn nicht folterte. Sie bestach ihn mit Freundlichkeit, Offenheit und einem nicht unansehnlichen Gesicht. Die Physionomie des menschlichen Körpers war derer des elfischen nicht unähnlich, sodass er lügen müsste, wenn er sie nicht als attraktiv betrachtete. Ganz objektiv gesagt, würde ihr Leib durchaus ein fantastisches Ertüchtigungsobjekt abgeben. Aber davon abgesehen, war sie nichts anderes als Jemand, der ihm Informationen entlocken wollte.
      Auch wenn sie ihm genügend dafür gab. Er spürte, dass seine Lichtkugel sich in der Nähe befand und an Höhe gewann. Hielt sie sie hoch? War doortnoch Jemand, der dies Gespräch hörte?
      Sein Gefühl sagte ihm, dass sie alleine waren. Erstaunlicherweise. Ließ dieser Girion ihr die Freiheiten oder erhoffte er sich dadurch Informationen?
      Bis Milan würde es noch einige Tage dauern, wenn er ihre Aussage recht im Kopf behalten hatte. Und diese Tage musste er am Leben bleiben. Heute bei Nacht, so wusste er, würde sich der Lichtball von Viola auflösen und als Lichtfäden gen Himmel steigen. Das Zeichen, dass diese bilden würde, sollte Lhoris und Nuala Befehl genug sein. Es musste in Milan geschehen. Und anschließend würde er die Leiber seiner Peiniger auf einen Pfahl auf der Prachtstraße stecken, ihr Blut trinken und auf ihren Gräbern tanzen. So war ihn das vermaledeite Gestirn holen sollte.
      Dennoch musste er sich bis dahin am Leben halten. Und das schaffte er nur mit dieser Heilerin.
      "Sagt ihm...Mein Name ist Duron...Und er hat den Ersten General der Streitmacht seiner Hoheit Oberon, des Königs unter den Sternen, festgesetzt...Sollte reichen..."
      Fürs erste, dachte er.

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    • Viola

      Eine Lüge. Es konnte nichts Anderes sein.
      Zu keiner Zeit hatte Duron mehr offenbart als notwendig und nun warf er der Heilerin seine Identität förmlich vor die Füße. Ohne Zweifel geschah dies nicht aus Mitleid oder Sorge um ihre Unversehrtheit. Der Gedanke war so absurd, dass Viola kurz den Atem anhielt. Ein wenig aufrechter sitzend, spähte sie in das verschneite Lager. Die Information würde Girion sicherlich milde stimmen, aber etwas störte sie. Das nagende Gefühl kopfüber in eine Falle zu tappen, breitete sich mit eisiger Kälte in ihrer Brust aus.
      Störrisch schüttelte Viola den Kopf, auch wenn der Elf es nicht sehen konnte. Es war nicht das erste Mal, dass der zweifelhafte Gedanke in ihrem Kopf herumgeisterte, einer Manipulation aufzusitzen. Das die junge Frau sich hatte blenden lassen von ihrer ungebührlichen Faszination zu Duron und seinen scheinbar mitfühlenden Gesten. Ein Gefühl, dass sie über die nächsten Tage unaufhörlich verfolgte. Geduldig wartete Viola bis der Elf auch noch ihren Becher geleert hatte, ehe sie das Utensil in ihrem Umhang verschwinden ließ. Der Schnee knirschte unter ihren schweren Stiefeln, als sie sich erhob. Die Kugel aus Licht immernoch dicht an ihrem Herzen.
      "Ich verstehe nicht, warum jetzt?" Unbeobachtet trat sie ein wenig um den Karren herum. Mit der freien Hand umfasste sie einen der kalten Eisenstäbe seines Gefängnisses. Das erste Mal seit sie an diesem Abend zu ihm gekommen war, konnte sie einen klaren Blick auf seine Gestalt werfen. Duron mochte unmenschliche Stärke besitzen, aber Girions Behandlung und die Heilung seiner Verletzungen zerrte ihn auf. Trotz allem konnte Viola die Sorge in ihrem Blick nicht verstecken.
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    • Andvari

      Schweigend nahm der Elf wiederum ihr kurzes Schweigen zur Kenntnis.
      Was denn, was denn?, dachte er und lächelte verhalten. Nimmst du den Köder nicht an, Menschenkind?
      Sicherlich musste dies viel an Information sein, aber sie hatte schon Recht. Wenn dieser grobschlächtige Idiot von Hauptmann ungeduldig wurde, würde er die Bewachung vielleicht intensivieren. Und noch mehr Beobachtung hielt er nicht mehr aus. Dann würde er wirklich nicht an sich halten können und diese verdammten Blutgeier hinrichten.
      Das Kräuterwasser schmeckte gut, aber irgendetwas stimmte nicht. Anvari vermochte nicht zu sagen, was es war, aber als ihre Hand an den Stäben auftauchte und kurz danach ihr gerötetes Gesicht zwischen zwei Streben erschien, beantwortete sie die Frage selbst.
      Misstrauen also…
      War sie also aufgewacht. Wie schade. Wenn er sich nicht herauswinden konnte, würde sie ihn vermutlich wirklich enttarnen und am Ende noch seine Flucht vereiteln.
      „Warum nicht…“, raunte er und sah sie offen an. „Identität ist…kein Geheimnis…Nehmt es als Dank für die…Pflege…“
      Er wies mit einer Hand auf den Becher unter ihrem Mantel. Vielleicht konnte sie dies glauben, versteckte sich doch scheinbar ein naives Mädchen unter der Fassade der kampferfahrenen Frau. Obgleich sie misstrauisch war, erregte seine ausgezehrte Gestalt wohl doch noch ein wenig Mitleid.
      „Ich frage ebenso…“, begann er nochmals und sah sie mit glühenden Augen an. „Warum helft Ihr? Warum Ihr sagt mir das alles?“
      Im Grunde waren selbst dies berechtigte Fragen, die er ihr stellte. Sie würde sie erneut nicht beantworten können oder wollen, aber vielleicht erkannte sie die Ironie des Ganzen. Er war hier der Gefangene und genauso dem Misstrauen auferlegen, dass sie ihn nur benutzte, um Informationen heraus zu kriegen.
      Zumal sie nun zwei wertvolle Informationen besaß. Seinen Rang bei der Armee und die Warnung, dass ein Angriff bevor steht. Andvari fragte sich, welche Information sie weitergeben würde.

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    • Viola

      Ein ungläubiger Laut löste sich aus ihrer Kehle, das beinahe einem erstickten Lachen ähnelte. Wieder schüttelte die Heilerin den Kopf, wobei ihr ein paar der feuchten, roten Haare in die Stirn fielen. Von der Nässe des Schnees kräuselten sich die feinen Strähnen zu seichten Wellen. Die ganze Situation hatte sich in eine Sackgasse manövriert. Beide Seiten beäugten sich nun mit dem gebührenden Misstrauen, der von ihnen wohl erwartet wurde. Die kleine, unwirkliche Blase, in die sich Viola geflüchtet hatte mit dem naiven Glauben, sie könnte etwas bewirken, platzte. Die Heilerin schwieg eine ganze Weile, denn eine Antwort hatte sie noch immer nicht für ihn. Und selbst wenn, wäre sie nun vorsichtiger mit ihren Worten. Sie hatte in der Zeit, die sie mit Duron verbrachte, gerne bei Seite geschoben, was er war. Ein Kriegsgefangener, ein Feind. Viola sah ihm direkt in die gelb schimmernden Augen, während sich die Räder ihrer Gedanken unaufhörlich in ihrem Kopf drehten. Gerade als sie die Lippen öffnete und weiße Wölkchen in die kühle Luft entkamen, erklang eine harsche Stimme neben ihr. "Bist du wahnsinnig, komm weg da." Eine namenlose Wache, hatte Viola am Arm gepackt. Mit einem Klicken ihrer Zähne, schloss sie den Mund. Sie zerrte leicht an dem Griff. Grobian. Die Wache zog Viola davon, bevor sie überhaupt ihre Worte hätte sammeln können. Die Heilerin half ihm, weil sie sich einbildete etwas anderes in ihm zu sehen, als einen grausamen Feind. Weil sie es genossen hatte mit ihm zu sprechen und seiner rauen Stimme zu lauschen. Weil sie ein dummes Mädchen war, das seine Gesten und freundlichen Worte mit mehr Bedeutung bemessen hatte, als wirklich dahinter steckte. Am Ende Tages standen sie auf unterschiedlichen Seiten.

      Ein paar Tage später...
      Milan, Handelsposten der kaiserlichen Garde

      Der erschöpfte und von Kälte geplagte Tross war unter Jubel und Feierlichkeiten in Milan eingezogen. Überall an den Straßen hatten die Bürger der Stadt gestanden und den Helden der Schlacht zugewinkt. Ein Bote hatte die Kunde bereits Tage zuvor gebracht. Hatte von dem Sieg und dem Gefangenen berichtet. Es war ein Schande, dachte Zorya bei sich. Niemand dachte an die Toten, die mit ihrem Leben für den Ausgang des Kampfes bezahlt hatten. Viola selbst hatte ihr Pferd bereits zurück gelassen und war umringt von verletzten Soldaten der Garde, um sie auf andere Trosse zu verteilen, die Richtung Heimat unterwegs waren. Die Männer bedankten sich bei Viola und ihren Heilern. Viele von ihnen verdankten den heilkundigen Frauen und Männern ihr Leben. Mit einem Lächeln winkte sie einem Wagen nach, der in Richtung Sitz des Kaisers unterwegs war. Befreit atmete die junge Frau tief durch und sah sich um. Milan war eine hübsche Stadt mit einem rustikalen Ziegelbauten und seinem bunten Treiben auf dem Marktplatz. Vom Winter kahle Bäume zierten die Allee, die direkt zum Sitz des Stadtvorstehers führte. Im Frühjahr und in voller Pracht musste es ein wunderschöner Anblick sein. Neben ihr erklang ein freudiger Aufschrei, ehe Helena an ihrer Seite erschien und sie überschwänglich umarmte. Mit dem schönsten Lächeln, dass Viola je gesehen hatte, hielt sie ihr die Hand unter die Nase an der ein feiner, goldener Ring steckte. Viola lachte. Es war schön zu sehen, dass es auch noch gute Dinge in Mitten des Krieges gab. Sie freute sich für Helena. Die hübsche Blondine würde heiraten und mit ihrem schmucken Soldaten ebenso bildhübsche Kinder in die Welt setzen. Würde das je ein Weg sein, den sie gehen würde? Heiraten, einen Ehemann...Vermutlich nicht. Der Gedanke unter einem Mann zu liegen, erfüllte sie mit stiller Furcht, nach allem was ihr angetan wurde. Die beiden Frauen umarmten sich, während um sie gefeiert wurde.
      Der Freude wurde nur getrübt, als sie Girion hoch zu Ross erblickte. Eine kleine Gruppe von Soldaten führte ihren elfischen Gefangenen in Richtung der Garnison der Garde, man würde ihn dort in eine modrige Zelle werfen und auf den Sprachkundigen warten. Viola hatte die Gespräche mit Duron in den letzen Tagen auf ein Minimum beschränkt. Es war nicht nur der Ärger über ihre eigene Dummheit, sondern auch eine bittere Scham, die ihr die Tränen in die Augen trieb. Kurz vor Milan hatte Girion seinem Unmut Luft gemacht. Der breitschultrige Kommandant hatte die zierliche Heilern, bei einer Rast gegen einen der Wagen gepresst, ihre Schultern so fest gepackt, dass sie noch das Phantom seiner Finger auf der Haut spürte. Die plötzliche Nähe hatte sie ohne es Verhindern zu können in Panik versetzt. Als seine Hand sich langsam dem Saum ihres Rockes genäherte hatte, war Viola eingeknickt.
      Sie hatte ihm die Identität des Elfen gegeben. Nicht mehr. Aber es reichte aus, dass sich Viola fürchterlich schämte.
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    • Andvari


      Andvari blickte in das Licht der herabfallenden Sonne, als man ihn aus dem Wagen geleitete. Die Reise hatte seinem Rücken nicht gutgetan, aber ungeachtet der Schmerzen, die seinen Körper erfüllten, richtete er sich zur vollen Größe auf und überragte die meisten der Soldaten. Das weiße Haar leuchtete im Gegenlicht der Sonne und einen Moment lang blinzelte er in die Sonne, ehe er mit äußerster Brutalität nach vorn gerissen wurde, dass es ihn beinahe umwarf.
      Man führte ihn zu einem gemauerten Ziegelbau, der den Mauern der Stadt ähnelte. Das Wappen prangte an der Front und zierte den Eingang, eine massive schwere Holzflügeltür, die von zwei Wachen flankiert wurde.
      Andvaris Hände waren wie die restliche Haut schmutzbedeckt und er fühlte sich widerwärtig. Zwei der Wunden hatten sich ein wenig entzündet, aber nichts was ein halbwegs fähiger Heiler nicht wieder richten konnte. Das Haar hing ihm in filzigen Strähnen, lediglich die gelblichen Augen und der Zopf waren gepflegt und leuchteten aus dem Meer von Schmutz heraus. Unwürdig, dachte er. Nicht einmal die Elfen behandelten so ihre Kriegsgefangenen.
      Was hatte er auch von Barbaren und deren Abkömmlingen erwartet? Sie feierten die Sieger dieser mehr als unnötigen Schlacht wie Helden, während die Toten diejenigen waren, die Dank und Anerkennung verdienten. Sie hatten die Schlacht gewonnen, nicht dieser Heißsporn von General, der seine Männer lieber opferte als führte.
      Nachdem Viola aufgehört hatte, mit ihm zu reden, erschien er sich selbst ein wenig verbittert. Nicht über die Tatsache, dass sie ihn ausgehorcht hatte, um an Informationen zu kommen, sondern sich seine Informationen über den Tross nicht mehr auf dem neuesten Stand befanden.
      Er bat innerlich darum, dass Lhoris und Nuala ihren Weg gefunden hatten. Es wurde Zeit, diese Teufel auszutrieben und ihrem Ende zuzuführen. Fraglich verblieb für ihn immer noch der Verwahrort seines Schwertes. Aber auch das ließ sich herausfinden mit etwas Zeit und Muße.


      Nuala & Lhoris

      Zwei Wachen gingen die Zinne lang. Der Eine groß, der Andere klein. Sie plauderten über die Wache und den bald nahenden freien Abend, den sie beide mit ihren Weibern zu verbringen gedachten. Und während sich der Eine gerade darüber ausließ, in welchen Stellungen er sein Weib zu nehmen gedachte, wenn ein paar Gläser Wein geflossen waren, erstarrte der Kleinere der beiden mitten im Gelächter und blickte auf ein Schwert in seiner Kehle hinab. Eine feine Klinge, silberleuchtend und mit wunderschönen Ornamenten die unter seinem Blut herrlich umrandet wurden.
      Noch ehe er der Eine sich umdrehen und seinen Speer ausrichten konnte, rammte ihm Nuala ihr Langschwert in den Hals um jeden Laut zu ersticken, den er machen würde. Beide Elfen fingen die herabstürzenden Leiber auf und legten sie beinahe zärtlich zu Boden, ehe sie die Kapuzen der Reiseumhänge dichter um ihre Köpfe zogen. Hinter der Zinnenerhöhung gingen sie in Deckung spähten auf die jubelnde Menge auf dem Marktplatz und den Tross von Soldaten, der einen Wagen bewachte.
      „Da!“, rief Nuala und wies mit dem Kinn zu dem Gefängniskarren, aus dem in diesem Moment Andvari ausstieg.
      Das Seufzen, was die junge Elfe von sich gab, war mit keinem Geräusch vergleichbar, das Lhoris kannte. Der Prinz sah fürchterlich aus. Abgemagert, schwach und dennoch…Selbst in dieser Situation richtete er sich auf und sah noch dreimal prächtiger aus als dieser brüllende und geifernde Soldatenfürst auf seinem Gaul. Lhoris kalter Blick richtete sich auf Girion und verfolgte die Bewegungen der Gruppe, während Nuala knurrende Geräusche von sich gab.
      „Sie haben ihn verletzt…“, zischte sie und griff an das Heft ihres Schwertes. „Sie haben ihn gefoltert, gequält und verstümmelt, diese Bastarde!“
      „Beruhig dich.“
      „Beruhige meinen Hintern, du eierloser Gedichteschreiber!“, flüsterte sie und verfiel in den bäuerlichen Dialekt zurück, den sie im Westen sprachen.
      Lhoris grinste und wies auf den Tross.
      „Sie führen ihn in die Kaserne.“
      „Sie werden ihn foltern!“; ereiferte sich Nuala und blitzte jeden einzelnen des Trosses an. „Ich werde ihnen die Kehlen aus dem Hals reißen und ihre Eingeweide ihren Kindern zu fressen geben!“
      Lhoris ergriff ihren Arm und spürte unter dem Umhang die volle Rüstung, die sie trug. Dass sie sich trotz allem lautlos bewegen konnte, machte sie so wertvoll für das Unterfangen.
      „Das wirst du“, bestätigte er und sah zurück zur Garnison. „Wir warten bis zur Nacht. Dann holen wir den Prinzen zurück und lassen keinen am Leben. Ist das Feuer bereit?“
      Nuala grinste bösartig, was ihr Gesicht nicht im geringsten entstellte. Schweigend nickte sie, ehe sie die Zinnen entlang huschten – schattengleich – um sich unter die Menschen zu mischen.Andvari


      Andvari blickte in das Licht der herabfallenden Sonne, als man ihn aus dem Wagen geleitete. Die Reise hatte seinem Rücken nicht gutgetan, aber ungeachtet der Schmerzen, die seinen Körper erfüllten, richtete er sich zur vollen Größe auf und überragte die meisten der Soldaten. Das weiße Haar leuchtete im Gegenlicht der Sonne und einen Moment lang blinzelte er in die Sonne, ehe er mit äußerster Brutalität nach vorn gerissen wurde, dass es ihn beinahe umwarf.
      Man führte ihn zu einem gemauerten Ziegelbau, der den Mauern der Stadt ähnelte. Das Wappen prangte an der Front und zierte den Eingang, eine massive schwere Holzflügeltür, die von zwei Wachen flankiert wurde.
      Andvaris Hände waren wie die restliche Haut schmutzbedeckt und er fühlte sich widerwärtig. Zwei der Wunden hatten sich ein wenig entzündet, aber nichts was ein halbwegs fähiger Heiler nicht wieder richten konnte. Das Haar hing ihm in filzigen Strähnen, lediglich die gelblichen Augen und der Zopf waren gepflegt und leuchteten aus dem Meer von Schmutz heraus. Unwürdig, dachte er. Nicht einmal die Elfen behandelten so ihre Kriegsgefangenen.
      Was hatte er auch von Barbaren und deren Abkömmlingen erwartet? Sie feierten die Sieger dieser mehr als unnötigen Schlacht wie Helden, während die Toten diejenigen waren, die Dank und Anerkennung verdienten. Sie hatten die Schlacht gewonnen, nicht dieser Heißsporn von General, der seine Männer lieber opferte als führte.
      Nachdem Viola aufgehört hatte, mit ihm zu reden, erschien er sich selbst ein wenig verbittert. Nicht über die Tatsache, dass sie ihn ausgehorcht hatte, um an Informationen zu kommen, sondern sich seine Informationen über den Tross nicht mehr auf dem neuesten Stand befanden.
      Er bat innerlich darum, dass Lhoris und Nuala ihren Weg gefunden hatten. Es wurde Zeit, diese Teufel auszutrieben und ihrem Ende zuzuführen. Fraglich verblieb für ihn immer noch der Verwahrort seines Schwertes. Aber auch das ließ sich herausfinden mit etwas Zeit und Muße.


      Nuala & Lhoris

      Zwei Wachen gingen die Zinne lang. Der Eine groß, der Andere klein. Sie plauderten über die Wache und den bald nahenden freien Abend, den sie beide mit ihren Weibern zu verbringen gedachten. Und während sich der Eine gerade darüber ausließ, in welchen Stellungen er sein Weib zu nehmen gedachte, wenn ein paar Gläser Wein geflossen waren, erstarrte der Kleinere der beiden mitten im Gelächter und blickte auf ein Schwert in seiner Kehle hinab. Eine feine Klinge, silberleuchtend und mit wunderschönen Ornamenten die unter seinem Blut herrlich umrandet wurden.
      Noch ehe er der Eine sich umdrehen und seinen Speer ausrichten konnte, rammte ihm Nuala ihr Langschwert in den Hals um jeden Laut zu ersticken, den er machen würde. Beide Elfen fingen die herabstürzenden Leiber auf und legten sie beinahe zärtlich zu Boden, ehe sie die Kapuzen der Reiseumhänge dichter um ihre Köpfe zogen. Hinter der Zinnenerhöhung gingen sie in Deckung spähten auf die jubelnde Menge auf dem Marktplatz und den Tross von Soldaten, der einen Wagen bewachte.
      „Da!“, rief Nuala und wies mit dem Kinn zu dem Gefängniskarren, aus dem in diesem Moment Andvari ausstieg.
      Das Seufzen, was die junge Elfe von sich gab, war mit keinem Geräusch vergleichbar, das Lhoris kannte. Der Prinz sah fürchterlich aus. Abgemagert, schwach und dennoch…Selbst in dieser Situation richtete er sich auf und sah noch dreimal prächtiger aus als dieser brüllende und geifernde Soldatenfürst auf seinem Gaul. Lhoris kalter Blick richtete sich auf Girion und verfolgte die Bewegungen der Gruppe, während Nuala knurrende Geräusche von sich gab.
      „Sie haben ihn verletzt…“, zischte sie und griff an das Heft ihres Schwertes. „Sie haben ihn gefoltert, gequält und verstümmelt, diese Bastarde!“
      „Beruhig dich.“
      „Beruhige meinen Hintern, du eierloser Gedichteschreiber!“, flüsterte sie und verfiel in den bäuerlichen Dialekt zurück, den sie im Westen sprachen.
      Lhoris grinste und wies auf den Tross.
      „Sie führen ihn in die Kaserne.“
      „Sie werden ihn foltern!“; ereiferte sich Nuala und blitzte jeden einzelnen des Trosses an. „Ich werde ihnen die Kehlen aus dem Hals reißen und ihre Eingeweide ihren Kindern zu fressen geben!“
      Lhoris ergriff ihren Arm und spürte unter dem Umhang die volle Rüstung, die sie trug. Dass sie sich trotz allem lautlos bewegen konnte, machte sie so wertvoll für das Unterfangen.
      „Das wirst du“, bestätigte er und sah zurück zur Garnison. „Wir warten bis zur Nacht. Dann holen wir den Prinzen zurück und lassen keinen am Leben. Ist das Feuer bereit?“
      Nuala grinste bösartig, was ihr Gesicht nicht im geringsten entstellte. Schweigend nickte sie, ehe sie die Zinnen entlang huschten – schattengleich – um sich unter die Menschen zu mischen.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Viola & Helena

      Bevor am späten Abend zu den Feierlichkeiten gerufen wurde, hatten die Heiler noch alle Hände voll zu tun. Erst als ein wenig Ruhe einkehrte, zogen sich Helana und Viola langsam aus der jubelnden Menge zurück. Die Aussicht auf ein heißes Bad entlockte der blonden Heilerin mit den immer strahlenden Augen ein sehnsüchtiges Seufzen. Manchmal wunderte sich Viola, was Helena überhaupt unter den Militärtruppen suchte. Die Tochter eines angesehenen Händlers hatte sicherlich ganz andere Aussichten gehabt. Jedenfalls hatte sie jetzt einmal einen ehrbaren und dekotierten Ritter an der Seite. Beim Anblick der gefüllten Wannen aus beschlagenem Holz, konnten di beiden jungen Frauen kaum an sich halten. Die dreckige, mit Schlamm verkrustete Kleidung, wurde achtlos zu Boden geworfen, ehe sie in das dampfende Bad eintauchten. Jede in ihrem eigenen Zuber genoss den seltenen Luxus. Helena sprach lächelnd von ihrem Verlobten, ehe sie die Arme auf dem hölzernen, geschliffenen Rand ablegte, das Kinn darauf gebetet. "Aber zu dir, Vi." Das Grinsen auf ihren Lippen verhieß nichts Gutes. "Weißt du, wo sie deinen Elfen hingebracht haben?" - "Zur Garnison, sie werden..." Viola stockte und blickte entgeistert zu ihrer Freundin. Ihr Elf? Helana musste den Verstand verloren haben. "Ach, Vi. Du solltest mal sehen, wie du ihn ansiehst. Aber ich kann es dir nicht verübeln, für einen Elf ist er ganz hübsch anzusehen. Bestimmt, unter dem ganzen Dreck." Die Worte schürten einen zornigen Funken in Violas Brust, aber sie biss sich auf die Zunge. "Du redest Unsinn, Lena." Damit tauchte sie komplett unter Wasser ab. Gedämpft hörte sie noch das amüsierte Lachen der anderen. Luftblasen stiegen langsam zur Oberfläche auf, während ihre Gedanken zu Duron wanderten. Es war kaum fair. Sie würde später einen Blick den Kerker werfen. Nichts desto trotz konnte sie die Sorge nicht abschütteln. Ein paar der Nähten sahen nach Tagen mangelnder Versorgung furchtbar aus. Man hatte ihr kaum Zeit mit Duron gelassen. Ihr Schweigen war eine Sache, aber sie hätte niemals willentlich seine Versorgung vernachlässigt. Die Worte des Elfen hallten in ihrem Kopf wieder. Flieht...Rennt und lauft weit weg...

      Viola & Girion
      Unter ihren Füßen erklang heiterer Gesang und das Gelächter der Männer durch die groben Holzdielen. In dem großen Versammlungsraum unter ihnen waren die Feierlichkeiten in vollem Gange. Soldaten, die die Erinnerungen und den Schmerz der Schlacht in zu viel Ale ertränkten und sich an den leichten Mädchen erfreuten, die sich zu später Stunde unter die Männer gemischt hatten. Viola hätte es vorgezogen in ihrem Quartier zu bleiben, aber der Hauptmann selbst hatte ihre Anwesenheit befohlen. So stand sie nun mit gerecktem Kinn in einer Art Arbeitszimmer, hinter dessen massivem Eichentisch Girion saß und die aus prüfenden Augen ansah. Aber etwas anderes hatte ihr Auge erfasst. Vor ihm auf dem Tisch, eingeschlagen in samtenes Tuch lag eine Klinge von beeindruckender Schmiedearbeit. Viola hatte das Gefühl, dass es sich dabei um das Schwert handelte, nachdem Duron sie am Anfang seiner Gefangenschaft befragt hatte. Kein Soldat hier vor Ort hatte jemals eine solche Klinge besessen. "Was verschweigst du mir, Viola?" Ein erschrockenes Zucken erfasste ihre Schultern, als die herrische Stimme, sie aus ihren Gedanken riss. "Du siehst den ganzen Abend schon beunruhigt durch die Fenster." Viola biss sich auf die Unterlippen und senkte den Blick zu Boden. Ein Stuhl wurde knarzend zurück geschoben, doch die Heilerin betrachtete nur das verschlungene Muster des fein gearbeiteten Teppichs zu ihren Füßen. Eine grobe Hand griff nach ihrem Kinn und zerrte ihr Gesicht nach oben. Girion beobachtete jede ihrer Regungen, doch Viola starrte störrisch zur Seite in Richtung der massiven Bücherregale an der Wand. Die Fingerspitzen pressten grob in ihren Kiefer. Dann lachte Girion. Ein bellendes und hässlichen Geräusch, dass in ihren Ohren klingelte. "Wirklich, du verbirgst etwas. Was hat dieses Spitzohr dir noch verraten? Hm?" Damit lehnte Girion sich weiter vor, bis sein Atem ihr eiskalt den Hals hinab lief. Der Hauptmann verlor langsam die Geduld. Etwas flackerte in ihren Augen, eine Mischung aus Trotz und unterschwelliger Angst. "Ich frage mich warum du für ihn schweigst. Dabei wundert es mich nicht, dass sich ein dummes Ding wie du, sich von seiner heidnischen Art verhexen lässt." Sein Atem streifte nun ekelerregend ihr Ohr. Die Heilerin erwachte aus ihrer Starre und versuchte das Gesicht dem eisernen Griff zu entreißen, doch alles, was ihr das einbrachte, war eine zweite Hand, die das Haar in ihrem Nacken griff. "Vielleicht hast du nach allem was passiert ist, doch Geschmack an diesen Wilden gefunden." Die Worte waren beleidigend und erniedrigend.
      Mit beiden Händen stemmte sie sich gegen die breite Brust des Ritters. "Nehmt eure dreckigen Hände von mir..." Presste sie zwischen den Zähnen hervor. Ein schwacher Protest, der Rand ihres Sichtfeldes begann zu verschwimmen. Sie spürte die aufsteigende Panik.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Andvari


      Unsanft war dem Ausdruck nicht gerecht, mit welcher Härte sie ihn aus seiner behelfsmäßigen Zelle beförderten.
      „Holt diesen hier!“, rief eine Wache mit tiefer Stimme, während sie an seinen Fesseln riss.
      Gerade als Andvari seine Hand zurückreißen wollte, schlug ein Zweiter Wachmann mit der behandschuhten Faust in das Gesicht des Elfen. Sein Kopf schnappte auf den Rücken zurück und er hörte ein unangenehmes Knacken, ehe er bemerkte, dass es der Soldat war, der aufschrie.
      Und während dem Elfen blaues Blut aus dem Mundwinkel rann, grinste er spöttisch, ehe er der erste Wachmann, gehüllt in eine einfache, beschlagene Lederrüstung ihm nochmals ins Gesicht schlug. Diesmal spürte er warmes Blut in seinem Mund als sie ihn hinaufrissen und regelrecht durch die Garnison schliffen.

      Aus den Augenwinkeln bemerkte der Elf, wie zwei weitere Wachmänner eine weitere Zelle öffneten und eine Gestalt heraustrat, die ihm vage bekannt vorkam. Doch sein Gesicht schien sich zu verformen, wenn er auch nur den Mund aufmachte, also schwieg er.
      Wie ein Tier schleiften sie ihn durch die schmalen Gänge der Garnison und überall stieß er gegen die Steinwände, die nur von vereinzelten Fackeln erhellt wurden.
      Als sie in einem größeren Raum ankamen, änderte sich die Stimmung. Die Wachen eilten sich, ihren Schritt zum Stehen zu bringen und den Gefangenen so gut es ging aufzurichten. Als würde er ihnen die Genugtuung geben, ihn gebrochen zu sehen. Andvari richtete sich selbstständig auf und verschaffte sich einen sicheren Stand.
      Von draußen drangen die Geräusche des Festes an seine Ohren und ließen ihn beinahe würgen. Eine Feier für was? Folter? Einen nicht vorhandenen Sieg?
      Dennoch weiteten sich seine Augen kurzzeitig als er sah, wen der Hauptmann dort in seinen Fängen hielt.
      „Schwacher General…“, sagte er deutlich vernehmbar. „Ehrlos.“
      Er war diese Sprache langsam leid. Genauso wie er alles andere hier leid war.
      „Wir brachten ihn her, Hauptmann!“, sagte eine der Wachen, während eine weitere den geheimnisvollen Fremden neben ihn brachte. „Und dieser hier behauptet, ihn zu kennen…“
      Er war ein gutes Stück kleiner als Andvari, aber als er die Kapuze herabzog, erbleichte der Elf zusehends. Das war nicht gut! Das war gar nicht gut!
      Vor ihm stand ein Elf, der in Ketten gelegt und gefoltert, so wie sein Gesicht aussah. Völlig entstellt von Schlägen und Schnitten zeichneten sich spitze Ohren unter dem welligen blonden Haar ab. Sein Körper war nicht der eines Kämpfers, aber in dessen Augen blitzte Erkenntnis, als er den Namen des weißhaarigen Elfen aussprach.
      „Vor Euch…steht Prinz Andvari, Bastardsohn des Hohekönigs Oberon, Hoher König unter den Sternen. Erster General der königlichen Streitkräfte…genannt ‚Schattenglanz‘.“
      Ich lasse die Nacht über dich regnen, du vermaledeiter Verräter!“, zischte Andvari in seiner Sprache und wehrte sich gegen seine Ketten, sodass die Soldaten ihn mühevoll hielten.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Viola

      Ein grober, schmerzhafter Zug zwang ihren Kopf weiter in den Nacken. Viola konnte spüren, wie ein paar ihrer Haare samft Wurzel ausrissen. Nach Ale stinkender Atem traf ihre Kehle. Überlkeit kroch bitter ihre Kehle hinauf, bis sie das Gefühl hatte sich augenblick auf den Teppich übergeben zu müssen. Gedämpfte Worte drangen an ihr Ohr, noch mehr hässliche Beleidigungen. Und die Heilerin ragte sich am Rande ihres Verstandes, wer das wirkliche Monster in diesem Raum war. "Vielleicht sollte ich dich daran erinnern, was..." Der Satz endete plötzlich mit einem genervten Schnauben. Viola nahm das Rasseln von Ketten war. Jemand hatte das Arbeitszimmer betreten. Scham kroch ihr in den Nacken, dabei hatte sie nichts getan. Mit einem unsaften Stoß schob Girion die Heilerin bei Seite, aber immerhin gab er sie frei, nur um einen abschätzenden Blick zu ihr hinab zu werfen. Viola hatte kurzzeitig das Gleichgewicht verloren und kniete nun auf allen Vieren am Boden. Ihre Schultern hoben sich hektisch unter den viel zu stockenden Atemzügen.
      Erst jetzt wagte sie einen Blick hinauf und erbleichte augenblicklich, als sie Duron zwischen den Wachen entdeckte. Der Elf sah fürchterlich aus und schlimmer, als sie in Erinnerung hatte. Blut lief sein Kinn herunter und tropfte auf den sündhaft teuren Teppich. Eine der Wachen hielt sich umständlich die Hand. Sie erkannte Blut auf gegerbten Leder seiner Handschuhe. Langsam richtete sie sich etwas auf und vergrub die Hände in dem Stoff ihres Kleides. So fest, dass ihre Knöchel weiß durch die Haut schimmerte. Der Hals schnürte sich ihr zu, als sie den Blick es Elfen suchte. Flüchtig neigte sie das Kinn in Richtung des Tisches, auf dem das Heft des Schwertes aus dem Samt hervorragte. Verpackt wie eine kunstvolle Trophäe. Danach senkte sie den Blick wieder zu Boden.
      Viola wurde schwindelig, als der fremde Elf, den sie gebracht hatten, den Mund aufmachte. Er sah schlimmer aus als Duron und schien seit langer Zeit gebrochen. Das triumphierende, bellende Lachen von Girion sorgte dafür, dass sich ihre Nackenhaare aufstellten. Aber ihre Gedanken hingen an Duron, nein, Prinz Andvari. Natürlich hatte er nicht die ganze Wahrheit gesagt, aber es stach dennoch. Sie hatten einen Prinzen, einen Bastard zwar, aber immernoch Teil des Adels in ihren Fängen. Die Hölle würde über sie hereinbrechen. Flieht...Rennt und lauft weit weg... "Ha, also war meine Vermutung richtig. Der Sohn des Hochkönigs, das wird den Kaiser erfreuen. Ich hörte Gerüchte über einen Bastardsohn mit ungewöhnlich weißen Haaren und gelben Augen. Ein gefürchteter Krieger." Girion näherte sich mit überheblicher Arroganz dem Gefangenen bis er bedrohlich nah vor ihm stand. Mit einer flüchtigen Handwegung bedeutete er einer Wache den anderen Elfen wieder fort zu führen, er hatte seinen Zweck mehr als erfüllt. "Wenn ich mit dir fertig bin, werde ich deine hübschen, gelben Augen in einem Glas auf meinem Schreibtisch aufbewahren. Eure Hoheit." Blanker Hohn schwang in seiner Stimme. Hinter dem hämischen Grinsen verbargen makellose, weiße Zähne. "Vielleicht lasse ich noch etwas für deine kleine Hure übrig..." Viola zuckte zusammen, als hätte Girion sie geschlagen.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Andvari

      Andvari sah dem anderen Elfen kurz hinterher und verwünschte ihn noch einhundert Mal, ehe er den schrecklichen Gestank eines Atems unter seiner Nase bemerkte.
      Ihr Götter, selbst aus der Nähe sah dieser grobschlächtige Halbtroll abscheulich aus. In seinem Bart fanden sich unter Garantie auch Essensreste. Aber machte ja nichts, so hatte man in der Not.
      Ehe es ihn schütteln konnte, stand er auch schon vor ihm und ließ seiner Überheblichkeit freien Lauf. Ja, so ist es gut, dachte Andvari. Mach mich nur wütend. Während dieser Troll seine Tirade hielt, die den Elfen nicht einmal ansatzweise interessiert, blickte er kurz mit einem Seitenblick zu Viola und man hätte beinahe ein Lächeln in seinem Gesicht vernehmen können.
      Nur das Wort ‚Hure‘ traf etwas in ihm. Dieser Bergaffe konnte nicht wissen, dass seine Mutter sich selbst als Freudenmädchen in einer Hafenstadt verdingte, bevor sie die Mätresse seines Vaters wurde. Und trotzdem bekam es ihm beinahe wie eine Beleidigung seiner Selbst. Als er nähertrat und ihn mit diesen geraden, weißen Zähnen anlächelte, lächelte der Elf plötzlich kalt zurück.
      „Diese Frau…hat mehr Ehre als Ihr…“, murmelte er.
      dann schnellte der Kopf des Elfen vor, mit dem Ziel, die Stirn oder das Nasenbein des Hauptmannes zu treffen. Sollte er sehen was er davon hatte.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Viola

      Ein besserer Mensch hätte den Hauptmann auf das Risiko hingewiesen, dem verärgerten Elfen nicht zu Nahe zu kommen.
      Eine bessere Heilerin hätte sich Sorgen um ein möglicherweise gebrochenes Nasenbein oder um ausgeschlagene Schneidezähne gemacht.
      Aber im Augenblick war sie bedauerlicherweise Keines von Beidem.
      Mit einer erschütternden Befriedung beobachtete Viola, wie der Kopf des Elfen nach vorn schnellte und mit einem ekelerregenden Knirschen frontal gegen die Nase des Kommandaten prallte. Augenblicklich schoss ihm das Blut in Strömen aus der Nase und Viola benötigte ihre Kenntnisse als Heilerin nicht, um zu wissen, dass Andvari dem arroganten Mistkerl gerade das Nasenbein zertrümmert hatte. Egal wie sehr sich ein Heilkundiger auch bemühen würde, niemand würde den zersplitterten Knochen je wieder gerade richten können. Girion würde bis an sein Lebensende mit einer krummen Nase in den Spiegel sehen müssen. Über ihre Lippen glitt ein schmales Lächeln. Die Genugtuung, die die Schmerzlaute ihr schenkten, war beinahe gruselig. Dieser Mann hatte ihr so lange das Leben in diesem Tross zur Hölle gemacht. Zwar hatte er nie die Grenze überschritten, die seinen ehrbaren Ruf besudeln würde, aber er hatte es genossen sie klein zu halten.
      Girion selbst stieß ein schmerzerfülltes Heulen aus, ehe sich mit der Hand an die gebrochene Nase fasste. Aber nichts konnte das Blut aufhalten, dass ihm unaufhörlich aus den Nasenlöchern lief. "Verfluchtes Spitzohr..." Knurrte er gereizt, wobei die das warme Blut von seinen Lippen tropfte. "Das wirst du mir büßen..." Er nickte in Richtung einer Wache und gab ihr zu verstehen, den Elfen in die Knie zu bringen. Fraglich war, ob der Elf in seinem aufgebrachten Zustand noch zu bändigen war. Für seinen Zustand war er erstaunlich wehrhaft. Einer der Soldaten versuchte Andvari mit einem gezielten Tritt in die Kniekehle zu Boden zu bringen.
      "Viola!" Herrisch spieh er ihren Namen. Die Heilerin wusste, dass Girion wollte, das sie einen Blick auf sein blutiges Gesicht warf, aber etwas regte sich in ihrer Brust. Die grünen Augen warfen einen Blick voller Abscheu in Richtung ihre Hauptmannes. "Viola..." Dieses Mal war ihr Name ein warnendes Knurren. "Ich würde Euch raten den Kopf in den Nacken zu legen und einen Heiler aufzusuchen, Hauptmann." Es war beinahe amüsant wir der fluchende Hauptmann empört nach Luft schnappte und sich dabei beinahe an seinem eigenen Blut verschluckte. Hustend kam er auf Viola zu. "Du elendes,kleines Miststück. Ich wusste es. Du dreckige Hure eines Elfen..." Ein Tritt traf sie schmerzhaft in die Rippen und presste ihr die Luft aus den Lungen.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Andvari

      Grinsend betrachtete er den stolpernden Hauptmann eine Sekunde und betrachtete sein Werk. Dieses herrliche Blut überall auf seinem Gesciht war fantastisch anzusehen. Eine Wache erwachte aus ihrem Schlummer und riss an seinen Fesseln. Es reichte Andvari in der Sekunde. Zu lang hatte er den Gefangenen und Wehrlosen gemimt. Es war an der Zeit, diesen Halbtrollen ihre Grenzen zu zeigen.
      Er murmelte ein kurzes Wort in elfischer Sprache und Lichtfäden schossen aus seiner Hand, die sich wie ein Band um seine Fesseln schlangen. Mit einem knirschenden Geräusch riss er die Fesseln auseinander und bekam die Hände zumindest ansatzweise bewegbar. Der Soldat hatte gerade nach seinem Schwert gegriffen,da befahl er dem Licht, sich neu zu formieren.
      Mit einem kurzen Sirren und unendlicher Schönheit formierten sich die Lichtfäden in seiner Hand zu einem geraden Gegenstand, den sie alle im Raum gut kennen sollten. Sachte und Schicht für Schicht legten sie sich zu einem Schwert zusammen, was seinem auf dem Tisch öähnelte und sich wie ein Lederhandschuh an seine Hand anpasste.
      Zwei schnelle Schläge und der Soldat brach gurgelnd vor ihm zusammen. Ein weiterer hastete von hinten heran. Andvari vollzog eine sachte Vierteldrehung nach links und ließ den herannahenden Speer ins Leere laufen. Grinsend sah er den verwirrten Soldaten an, der wiederum in der Sekunde wusste, dass sein Tod immanent war.
      Ein einsamer Hieb und der Kopf des Soldaten fiel schwer zu Boden, während Andvari sich zu Viola und Girion wandte.
      "Lass es...", murmelte er und trat näher heran. "Unehrenhaft...Schwach...Nennen sich General...Bergtroll..."

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      The more you drag me to hell
    • Viola


      Das war's.
      Für einen Augenblick dachte Viola zu ersticken, als sich ihre Lungen einfach nicht mit der dringend benötigten Luft füllten. Die Welt vor ihren Augen verlor an Farbe und kurz wurde alles schwarz. Aber dann erklang ein gequältes Ächzen aus ihrer Kehle und aus Reflex schlang sie die Arme um die Rippen, um einen weiteren groben Tritt zu mildern. Aber es kam keiner. Blinzelnd, gegen die Feuchtigkeit in ihren Augen, drehte sie den Kopf zur Seite und erblickte ein Blutbad. Unweit von ihr auf dem Boden lagen die zwei Wachen. Tiefes Rot sickerte in den Teppich und breitete sich langsam über den schweren Stoff aus. Die Heilerin ließ sich keuchend auf die Seite fallen, weg von Girions Stiefeln. Das Rauschen in ihren Ohren übertönte die Stimmen im Raum. Ganz langsam klärte sich ihr Blick, die Umrisse nahmen an Schärfe zu. Und dann sah sie Andvari bedrohlich auf den Hauptmann zu kommen. Das Schwert in seinen Händen glühte wie das Licht der Sonne und hatte offentsichtlich tödlich sein Ziel gefunden. Ihr Blick glitt hinauf über die verschlungenen, kunstvollen Linien auf seiner Haut bis in das kalte Gesicht. Vielleicht hätte sie Furcht empfinden sollen, der Anblick war ihr zu vertraut. Aber in dem dichten Nebel in ihrem Kopf, erklang nur ein Wort. Wunderschön.
      "Wie rührend." Schnarrte Girion und da es keinen Zweck hatte, ließ er dem Blutfluss freien Lauf. Er würde beide Hände brauchen. Mit einem gefährlichen, schleifenden Geräusch löste er das Schwert an einem Gürtel. Schwer, zu schwer für andere, aber in der richtigen Hand eine brutale und gnadenlose Waffe. Girion dachte sich im Vorteil. Das der Elf in seinem Zustand mühelos seine Wächter getötet hatte, schien ihn nicht zu berühren. Die Wut machte ihn blind. Und damit angreifbar. Für den Bruchteil einer Sekunde taxierte er seinen Feind, um den einen Satz nach vorn zu machen und die breite Klinge mit einem gewaltigen Hieb auf den Elf niederbrachte. Ob rohe Kraft ihm helfen würde, stand auf einem anderen Blatt. Der Hauptmann machte nur einen Fehler. In der Raserei ließ er die Deckung außer Acht. Es wäre ein leichtes seine offene linke Seite zu treffen.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Andvari

      Der Feind, der dich hasst, ist des Todes.
      So zumindest hatte man ihm den Nahkampf nahe gebracht, als man ihn ausbildete. Sein Onkel war dahingehend recht grausam gewesen und hatte ihn gestraft, wenn er sich verrechnete. Doch dieses Mal war der Rechnung bereits zu Beginn genüge getan. Dieser schwerfällige Troll von einem Menschen stolperte unkoordiniert und ungebremst in sein Verderben und wusste ess nicht einmal.
      Der Hieb, dem er mit einer galanten halben Drehung auswich, hätte sicherlich mehrere Knochen zertrümmert und den Boden darunter malträtiert. Gewaltig für einen Menschen, soviel musste er ihm zugestehen.
      Dennoch grinste Andvari und nutzte die freie linke Seite um sich in seinen Rücken zu drehen. Das leuchtende Schwert glühte förmlich in seiner Hand und würde bestialische Wunden reißen. Doch er beließ es nicht dabei, ihn zu töten. Es wäre zu einfach.
      Stattdessen trennte der erste Hieb grazil und beinahe ästhetisch das Bein des Hauptmannes in der Mitte des Oberschenkels ab.
      Eine Sekunde lang sah der Elf zu, wie der Mann noch stehen konnte, ehe das abgestorbene Fleisch wie ein nasser Sack zu Boden fiel. Eine Blutfontäne würde alsbald den Boden benetzen, doch das Schwert in seiner Hand verschwand in dutzende kleine Lichtfunken.
      Jedoch ohne seinem Körper Ruhe zu geben, wanderte Andvari zum Tisch hinüber und griff nach seinem echten Schwert.
      "Nun, Mensch...", sagte er mit tiefer, rauchiger Stimme. "Wie möchtest du deinen Tod erfahren?"

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Girion

      Die Erkenntnis, einen fatalen Fehler begannen zu haben, brannte sich auf seinem Gesicht ein. Der wuchtige Hieb schnitt durch die Luft und ging ins Leere. Flink wie ein Schatten glitt der Elf an seiner Seite vorbei und Girion schaffte es noch gerade den Kopf zu wenden, als die unheilvolle Lichtklinge zielsicher ihren Weg suchte. Ein reißenden Geräusch erfüllte die Luft, gefolgt von dem schmerzerfüllten Aufschreib des Kommandanten. Spätestens jetzt dürften die feiernden Männer auf den Tumult aufmerksam geworden sein. Allerdings war der Ausschank an starkem Alkohol großzügig und die feriernde Meute kaum in der Verfassung ernsthaft zu kämpfen. Die wenigen Wachen um die Garnison herum, konnten ihn nicht retten. Girion stürzte ungebremst zu Boden. Mit schreckgeweiteten Augen blickte er auf sein abgetrenntes Bein während seine Hände ins Leere griffen. Blut strömt in rasender Geschwindigkeit aus der Wunde. Er würde verbluten. Das Wissen traf ihn wie ein Schlag. Ein elender Elf sollte sein Ende sein? "Du wirst diese Stadt niemals lebens verlassen." Zischte Girion gequält zwischen schnaufenden Atemzügen. "Meine Männer werden dich in Stücke reißen und deine fauelnden Überreste an die Krähen verfüttern, du elendes Stück Dreck." Die Farbe verließ bereits sein Gesicht, unkontrolliertes Zittern hatte seinen ganzen Körper erfasst. Er würde nicht flehen, nicht winseln wie ein Hund. Entgegen der harschen Worte, versuchten seine Hände verzweifelt das Blut im Körper zu behalten.

      Viola
      Der Schrecken stand ihr ins Gesicht geschrieben, aber Mitleid fand man nicht in ihren grünen Augen. Mühevoll zog sie sich weiter fort von dem sich immer weiter ausbreitenden Meer an Blut. Und in der Stille des Raumes, hörte sie immer noch die feiernde Menge unter ihnen. Es war höchst peinlich für Soldaten der Garde, dass niemand Notiz von den Greultaten nahm. Mit einer Hand lockerte sie die Schnürung an der Front ihres Kleidung und fuhr mit der Hand dazwischen um nach ihren Rippen zutasten. Es schmerzte, sehr sogar. Aber unter ihren kundigen Fingern war schnell klar, dass sie Glück gehabt hatte. Die Knochen waren unversehrt unter der sich rapide ausbreitetenden Verfärbung ihrer Haut. Keine Sekunde nahm sie den Blick von dem sterbenden Hauptmann. Sie wollte sehen, wie das Leben in seinen Augen erlosch. Schwerfällig lehnte sie sich gegen eines der massiven Bücherregale, setzte sich auf.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”