[2er RPG] The Curse of Time {TobiMcCloud & Codren}

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    • Elraya schnaubte empört, drauf und drang den unliebsamen Dritten in ihrem Bunde darauf hinzuweisen, dass sie es gar nicht so weit geschafft hätten, wenn ihr Genie nicht gewesen wäre, als Weißhaar ein bemitleidenswertes Stöhnen von sich gab. Die Aufmüpfigkeit von vorhin schien verschwunden zu sein und wurde ersetzt von der offensichtlichen Erschöpfung, die mit einer solchen Behandlung einherging. Elraya beschränkte sich darauf, Lucius mit funkelnden Blicken zu taxieren.
      "He, verreck uns hier nicht. Was soll ich Renera sagen, hä? Ganz sicher nicht, dass das meine Schuld hier sein soll, uh-uh."
      Sie kniete sich neben Aradan und warf einen flüchtigen Blick auf seine Wunden, während sie schon bereute, ihr Nähzeug nicht mitgenommen zu haben. Lodoz hatte sich immer beschwert, dass sie so scheiße nähte, aber dem Weißhaar würde das sicherlich egal sein. Leider hatte sie an sowas nicht gedacht.
      Sie sah kurz zu Lucius auf.
      "Der ist immer so."
      Sie sah zu, wie Lucius sich in Stellung brachte, dann griff sie selbst unter Aradans Arm und hievte ihn gemeinsam mit Lucius nach oben. Der Mann hing eher als dass er stand und obwohl Elraya immer noch so großmäulig daher redete, bekam sie es auch ein wenig mit der Sorge zu tun. Ein ganz kleines Fünkchen. Wohin sollte sie schließlich auch gehen, wenn der Mann tatsächlich verreckte?
      "He. Weißhaar."
      Sie tätschelte mit der freien Hand ein wenig seine Wange.
      "Komm schon, reiß dich zusammen, Mann. Wir sind hier fast raus und dann nehmen wir dir schon diese Handschuhe ab, dass du dich kratzen kannst oder was auch immer. Das ist doch was, oder? Hä? Nicht einschlafen, sonst mach ich dich fertig!"
      Sie setzten sich unbeholfen in Bewegung, Aradan schief zwischen seinen beiden Helfern, die nicht gleich groß waren. Seine Füße schleiften ein wenig über den Boden. Als sie den Gang erreichten, war Elraya sich schon sicher, dass das sehr, sehr anstrengend werden würde.
      Sie kamen an dem Gemeinschaftsraum vorbei, in dem sie schon hereingekommen waren. Manchmal stöhnte Aradan und sie musste ihm den Mund zuhalten, wenn sie in der Nähe Schritte oder gar Stimmen hörten. Sie kamen langsam voran, furchtbar langsam. Jeder Zentimeter war eine Qual und gleichzeitig ein Wettlauf gegen eine unbekannte Zeit.
      Sie versteckten sich vor den Anhängern. Sie versteckten sich vor Geräuschen. Elraya fluchte mehrmals und Lucius sah genauso unzufrieden mit der Situation aus wie sie.
      Schließlich erreichten sie eine Treppe und erkämpften sich ihren Weg nach oben, wo wieder mehr Licht zu sein schien, vermutlich von den Räumen selbst oder vielleicht von draußen. Elraya gab Lucius mit Zeichen zu verstehen, dass er sich mit Aradan verstecken sollte; sie würde kurz einmal nachgehen sehen, wie sie nach draußen kamen. Er ließ sie gehen und Elraya huschte den Gang entlang.
      Als sie nach nur 30 Sekunden wiederkam, wirkte sie gleichermaßen nervös und aufgeregt.
      "Da vorne ist der Eingang zur Hauptstraße raus", zischte sie ihm zu. Aradans Stille lenkte sie für einen Moment ab, aber er atmete zumindest noch. Sein Blut tropfte auf den Boden.
      "Ich hab die Idee: Wir gehen nach da vorne, ihr versteckt euch im Nebenraum und ich werd durch den Eingang nach draußen platzen. Die sollen nur versuchen mich aufzuhalten, ich bin schnell, schneller als alle anderen. Ich werd sie vom Eingang weglocken und ihr könnt raus und euch unter die Leute mischen. Verstanden? Du bringst ihn in Sicherheit und wir treffen uns dann dort."
    • Bisher war es ein regelrechtes Wunder, dass die Drei so weit kamen ohne auf nennenswerte Probleme zu stoßen. Schon ein kleiner flinker Nichtsnutz hätte in diesem Moment für riesen Probleme sorgen können und doch kamen sie bis zu einer Treppe die wieder an die Oberfläche zu führen schien.
      Zwar gefiel es Lucius kein Stück auf Elraya zu hören, doch war ihr Plan leider wirklich kein schlechter. Sogar ihr zweiter Plan, nachdem sie gut 30 Sekunden weg war um die Lage zu sondieren, kam Lucius mehr als Recht, also segnete er ihn mit einem Nicken ab.
      "Ist gut. Wenn du draußen bist, lauf nach links. Wenn du am gammligen Fischhändler vorbei bist, lauf nach rechts bis du an einem Haus mit weißen Ziegeln vorbei bist. Wenn du da bist, pfeif 2 mal lang und 4 mal kurz. So in etwa"
      Folgend machte er leise das Pfeifen vor und hoffte sie könne es sich einprägen
      "Dir sollten dann ein paar meiner Leute zur Hilfe kommen. Hoffentlich genug um deine Verfolger zu beseitigen. Normal traut sich keiner von diesen Kutten Typen bis zum weißen Backsteinhaus. Ich werde einen anderen Weg einschlagen. Und nun hör gut zu..."
      Eine genaue Wegbeschreibung, folgte um den nächsten Treffpunkt aus zu machen. An sich war es leicht zu finden, doch musste man die Augen nach speziellen Dingen ausschau halten. In etwa zwei Taubenkästen, welche auf einer alten Kiste standen, gefolgt von einer tief hängenden Ranke an einer Mauer, welche nirgends sonst Pflanzen wachstum auf sich hat. Samt ein paar weiteren Erklärungen, hatte Elraya nun den Treffpunkt eines jüngst ausgewählten Unterschlupfes im Kopf, wo bereits eine Person hin bestellt wurde, welche sich um Wunden sorgen konnte.

      Als das ganze Schauspiel dann endlich los ging, wartete Lucius einen Augenblick und klatschte Aradan immer mal wieder ins Gesicht um ihn wach zu halten. Bei der Menge an Blut die alleine in diesem Moment auf dem Boden getropft war, schätzte Lucius ein, dass er keine zwei Stunden mehr durchhalten würde, also riss er sich zusammen, mobilisierte nochmal seine Kräfte und warf sich Aradan über beide Schultern, auch wenn es diesem alles andere als gut tat. So konnte er zumindest noch ein paar Wunden verschlossen halten und obendrein besser laufen.
      Nachdem zu hören war wie draußen der Trubel ausbrach, wartete er einen Augenblick ab, bis das Geschehen sich verlagerte und schon lief auch Lucius los.
      Nach etwa 5 Minuten des Laufens kam Lucius an einem kleinen Checkpunkt an, wo 3 seiner Untergebenen warteten und augenblicklich dabei halfen Aradan auf einen kleinen Karren zu legen, welcher von einem Pferd gezogen wurde. Direkt sprang Lucius auf und machte sich promt zum vereinbarten Treffpunkt auf, welchen er nach einer guten viertel Stunde erreichte.
    • Elraya gab sich Mühe, Lucius zuzuhören. Sie gab sich wirklich Mühe. Aber musste er so viel Beschreibungen verwenden? Konnte er nicht Straßennamen sagen, ihr eine Stadtkarte geben und einkringeln, wo sie waren, und wo sie hin mussten? Das war einfach, damit kannte sie sich aus; was waren denn bitte Taubenkästen? Und woher sollte er wissen, dass nicht in der Zwischenzeit irgendwo in der Umgebung der Ranke eine Pflanze stand?
      Ihr rauchte der Kopf und sie blinzelte.
      "Äh... okay."
      Sie wand sich ab von ihm. Sie ging den Gang entlang. Sie legte die Hand auf die Türklinke und dann drehte sie doch noch einmal um und kam zu ihm zurückgeschlichen.
      "Wie sehen Taubenkästen aus? Sind das etwa Kästen mit Tauben drin oder... ah, ist ja gut! Du musst ja nicht gleich so übergriffig werden!"
      Sie duckte sich von ihm weg und dann ging sie doch wieder den Gang entlang hinab. Nach draußen und dann links und dann wieder rechts bei dem Haus mit den weißen... oder vorher schon? Auch egal. Sie stieß die Tür auf, die krachend gegen die Wand schlug und preschte mit wildem Getöse in den Raum hinein. Fast wäre sie schon vor der Tür in eine Wache hineingelaufen, warf sich in letzter Sekunde noch zur Seite und stürmte nach draußen, gefolgt von wildem Gejohle und Flüche, die ihr in die Straße hinaus nachdrangen.

      Sie brauchte lange, um den Ort zu finden - länger, als ihr Stolz verkraftete. Also machte sie unterwegs einen Abstecher zum Markt, brach eine der geschlossenen Kisten auf, schnappte sich eingepackte Trauben und marschierte damit schließlich zu besagtem Treffpunkt. Sie hatte erst etwa die Hälfte aufgegessen, als sie von dem offensichtlichen Begleiter von Lucius abgefangen und zum Unterschlupf begleitet wurde.
      Das Versteck war eine kleine, Einzimmerwohnung, deren Scheiben getönt waren und die innendrin etwas müffelte. Elraya kam herein und sah bereits Lucius im Vorderzimmer stehen. Sie grinste.
      "Heyhey, ist ja wunderbar gelaufen, oder nicht? Hab keinen Kratzer abbekommen, die Typen sind lahmarschig wie sonst was."
      Sie stopfte sich eine Traube in den Mund.
      "Ist Aradan schon wach? Oder noch wach? Sind wir hier sicher?"
    • Kaum schlug Lucius die Tür auf kam ihm auch schon ein älterer Kauz mit Rauschebart und langer ledernder Schürze entgegen. Im ersten Moment wollte Lucius eine überzogen abwehrende Haltung einnehmen, doch schnell bemerkte er, dass er keinen verrückten Wissenschafter vor sich hatte, sondern ganz offensichtlich einfach nur einen alten Mediziner, welcher zuletzt vor gut und gerne 120 Jahren praktiziert haben musste. Das bemerkenswerteste war nur, wie energisch er an die Tat ging und Aradan am liebsten schon vor der Tür behandeln wollte.
      Noch im Türrahmen hielt er den alten Mann auf
      "Na na na na na. Nichts wird vor der Tür gemacht alter Mann."
      Ein kurzer Schulterblick zu seinen Gehilfen und eine einfache Geste, sorgte dafür dass Aradan hinein getragen wurde, welcher schon so blass war, dass Lucius schon zum ersten Mal befürchtete, dass er seinen Auftrag eventuell nicht richtig ausgeführt hatte. Zwar war ihm vieles egal, doch wollte er niemals einen Auftrag von seinem Chef versauen... oder von Anthea.
      "Los. Jetzt kannst du losle....gen?"
      Gerade als Lucius den alten Mann zur Arbeit peitschen wollte, stand dieser bereits vor Aradan, welcher auf einem staubigen Tisch gelegt wurde.
      "Was zum? Wie??"
      Lucius prüfte seine Hand, welche noch eben aufhaltend auf der Brust des alten Mannes lag. Er betrachtete sie ungläubig und dann wieder den Kauz. Ihm wirkte der Typ langsam ziemlich unbehaglich, doch bei näherer Betrachtung schien er genau zu wissen was er tat.

      Lucius sorgte dafür dass seine Gehilfen wieder weg zogen und sich in ihren Gassen einreihten um die Augen aufzuhalten ehe er die Tür hinter sich schloss und mit verschränkten Armen kritisch beobachtete was der alte Mann tat.
      Er hatte einen Koffer mit einigen Utensilien dabei, welche man bei jedem Mediziner fand, nur um einiges älter.
      Hier und dort setzte er leichte Verbände, nähte zuversichtlich große Wunden zusammen und pinselte an einigen Stellen eine eigenartig blaue Tinktur auf klaffende Wunden. Es dauerte eine knappe Stunde in welcher der Kauz kein einziges Mal an Geschwindigkeit verlor. erst als der letzte Schnitt durch einen Faden ging, nickte dieser zufrieden und watschelte plötzlich deutlich erschöpfter auf Lucius zu und nickte ihm zufrieden entgegen.
      "Alles erledigt."
      Durch Lucius fuhr eine Welle der Erleichterung ehe der Kauz seine Hand auf seine Schulter legte
      "Der Knabe hält jetzt für gute 4 Stunden."
      "Wa..? Wie war das bitte?"
      "4 Stunden."
      "Ja das habe ich verstanden. Was meinst du? Du sollst ihn versorgen damit er den Mist hier überlebt!"
      Da lachte er alte Mann mit keuchender Stimme
      "Ach Jungchen. Da kann man nichts mehr machen."
      Der Zorn in Lucius kam hoch. Was bildete sich der alte Kerl ein? Er wurde bezahlt um ein Leben zu retten, nicht um ihm so feist und locker zu sagen dass es keine Hoffnung mehr gäbe.
      Direkt packte er sich den Mann am Kragen, presste ihn gegen die Wand im Flur und zog ihn ein Stück hoch, so dass dessen Beine nicht mehr den Boden berührten.
      Doch grade als er seine wütenden Drohungen aussprechen konnte, spürte er einen kleinen Stich in seiner Seite.
      Sein schneller Blick sah eine kleine Spritze, dessen Nadel komplett in ihm steckte.
      "Was?! Was.. Was war das...?"
      Lucius lies den Mann runter. Nicht weil er es wollte, sondern weil er ihn plötzlich nicht mehr halten konnte. Ihm war als könne er sein eigenes Gewicht kaum noch auf den Beinen halten und stolperte bei jedem Schritt den er nach hinten machte, bis er auf der anderen Seite des Flur's gegen die Wand kam und daran langsam hinunter rutschte.
      "Nicht wichtig. Wirst dir nur schwach fühlen für die nächsten... 20-30 Minuten. Du bist nicht der erste Kriminelle dem ich helfe Jungchen."
      Meinte der ehemalige Mediziner, während er sich seinen Kragen richtete, seinen Koffer aufhob und kurz darauf weiter zur Tür ging.

      Kurz nachdem der alte Kauz verschwunden war, öffnete sich die Tür erneut. Lucius blickte auf und sah Elraya. Er wusste nicht ob er sich darüber freuen oder seufzen sollte. Letzteres gewann dann aber die Oberhand nachdem sie sich über die Lage erkundete.
      "Ja wir sind hier sicher. Der Mediziner war schon da und naja. Schau dir den Kerl an. Der alte Knacker von vorhin meinte dass er nur noch wenige Stunden hat. Keine chance... Geh hin und werd los was du ihm noch sagen willst. Dieser Auftrag ist wohl oder übel komplett in die Hose gegangen"
    • Elraya hob eine skeptische Augenbraue, während sie den zusammengesunkenen Lucius auf dem Boden betrachtete. Er wirkte wie ein Sack faulender Tomaten, so wie er dahing. Hatte er sich geprügelt? Er schien nicht verletzt zu sein.
      Als er dann allerdings anmerkte, dass Aradan nur noch wenige Stunden blieben, wurde sie auf einmal ganz hibbelig.
      "Wie jetzt?!"
      Nicht länger damit beschäftigt, was Lucius zugestoßen war oder auch nicht, stürmte sie ins Nebenzimmer und zu Aradan.
      So wie er auf dem Tisch aufgebettet war, wirkte er schon fast wie eine Leiche, die er vermutlich auch werden würde. Sein Gesicht war ganz bleich, seine Augen dunkel und er rührte sich nicht, als Elraya herankam. Angst packte sie.
      "He, man, du willst doch nicht etwa verrecken, oder? Weißhaar?
      "
      Sie beugte sich über ihn. Er sah wirklich absolut scheiße aus.
      "Wir haben dich doch da rausbekommen, verreck uns jetzt bloß nicht. Was soll ich denn Renera sagen, hä?"
      Sie wedelte mit dem halb aufgegessenen Beutel Trauben vor seiner Nase.
      "Hier, ich hab dir Trauben mitgebracht. Iss die mal, komm schon, dann geht's dir bestimmt besser. Brauchst nur Zucker oder... so einen Scheiß halt."

      Bei der Eingangstür kam derweil ein halber Tumult auf, den keiner der beiden in dem Nebenzimmer bemerkte. Stimmen wurden laut und dann ertönte Getrampel im Flur, ehe sich eine Stimme davon herauskristallisierte:
      "Ich wohne hier, ihr Pappnasen! Lasst mich gefälligst los, das ist mein schöner Anzug!"
      Dann kam der Besitzer der Stimme ins Vorzimmer gestolpert.



      Er war groß gewachsen, von eher schlaksiger Natur und trug - was er so liebevoll als Anzug bezeichnet hatte - ein Narrenkostüm. Die riesigen Knöpfe schillerten im Licht des Raumes und die Glöckchen an der Mütze auf seinem Kopf klimperten bei jedem Schritt, als wollten sie jede seiner Bewegungen kommentieren. Er trug bunte Farbe im Gesicht und auf dem Hals und auf seinen Händen waren überdimensionale Ringe befestigt, von denen einer wie ein Jo-Jo wippte, wenn er die Finger bewegte.
      Im Gegensatz zu seiner schrillen Bemalung war er allerdings recht ernst, als er eine Hand wegschlug, die nach dem Saum seines Oberteils zu greifen versuchte.
      "Weg mit deinen schmutzigen Händen! Zum Teufel mit euch!"
      Sein Blick fiel auf den kauernden Lucius und er richtete sich gleich ein Stück auf; sein Körper schien auf eine theatralische Weise sämtliche seiner Bewegungen übertreiben zu wollen, das Gehabe eines Schaustellers bis aufs Blut.
      "A-ha! Du, sag deinen Jungs, ich wohne hier - ich habe dir die Schlüssel gegeben! Die sollen mir nicht meinen Anzug ruinieren!"
      Er tänzelte von der Tür weg, um weiteren Greifattacken zu entgehen und warf dann seinen Beutel auf den kleinen Tisch in der Ecke, bevor er zu Lucius kam und sich zu ihm herab beugte. Seine Klingeln wippten hin und her und bimmelten rhythmisch, was sich anhörte wie Gelächter.
      "Seid ihr schon fertig mit was-auch-immer-ihr-hier-anstellt? Wenn ja, dann sag Anthea, dass das das letzte Mal ist, dass ich ihr aus der Patsche helfe. Das letzte Mal! Ich will auch gar nicht wissen, was sie jetzt wieder angestellt hat - ich will überhaupt nichts von alledem wissen! Ich bin nur ein unschuldiger Schauspieler und ihr seid nur höchst schuldige Einbrecher, kapiert? Ah, das Weib macht mich wahnsinnig!"
      Er griff sich automatisch an die Stirn, um seine Worte durch körperliches Schauspiel zu unterstreichen, was nur den Effekt hatte, dass er erheblich an Seriosität einbüßen musste. Als er sich aufrichtete, lachten ihn die Glocken seiner Mütze aus.
      "... Ist das was blutiges? Ich will hier kein Blut in der Wohnung haben."

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    • Lucius blickte Elraya hinterher, nachdem sie durch die schlechte Nachricht schockiert wirkend nach Aradan sah. Was sie dort anstellen würde war wohl nicht mehr von seinem Interesse. Und lange darüber nachdenken war ohnehin nicht drin, wie der Tumult vor der Tür verriet.
      Lucius war nach einem tiefen Seufzer zumute, denn konnte er all die Stimmen erkennen. Leider war dieses verfluchte Mittel, welches ihm gespritzt wurde aber noch zu stark um sich ordentlich aufregen zu können. Keiner seiner Muskeln war in der Lage seinen Körper ordentlich zu tragen.
      Dennoch konnte er sich den Spaß nicht nehmen lassen, den wirbligen Hausbesitzer hinein kommen zu sehen und nicht sofort die eigenen Gehilfen fort zu schicken. Irgendetwas an diesem Mann und seinem Gehampel amüsierte Lucius. Er wusste nur nicht ob er es gerne an ihm sah wie dieser sich aufregte oder ob es nur an seine seltsam theatralische Art lag.
      Letztlich entschied sich Lucius dann aber doch mit seiner Hand zu wedeln um seine Leute wieder auf die Straße zu schicken. Es würde vermutlich ohnehin schon früh genug zu weiterem Stress führen, sobald der Hausbesitzer den "Operationssaal" zu Gesicht bekam.. was auch schon sehr schnell der Fall war.

      Nach einem Augenblick gelang es Lucius langsam wieder aus der tiefen Hocke hinauf zu kommen. Zwar schwankte er dabei noch sehr und benötigte immerzu eine Hand an etwas festem um das Gleichgewicht nicht wieder zu verlieren, doch reichte es um mit in den Raum zu schreiten wo sich nun alle rund um Aradan angesammelt hatten.
      "Was soll ich dir sagen? Kriegst nen kleinen Bonus und nen neuen Teppich bezahl ich dir aus eigener Tasche alles klar? Jetzt hör auf zu heulen und gönn uns mal etwas Ruhe."
      Kurz blickte Lucius über die Schulter, dann wieder zur Klimpertüte
      "Wo hast du denn eigentlich deine Schwester gelassen? Sollte sie nicht längst hier sein?"

      Anschließend schleifte er sich von einem festen Gegenstand im Raum zum nächsten bis er an Aradan's Tisch gelang, wo sich auch Elraya befand.
      "Eins versteh ich nicht. Wären wir nicht rechtzeitig angekommen, wäre der Kerl hier doch ohnehin drauf gegangen. Aber warum machen sich die Typen so ne Mühe ihn in die Stadt zu bringen. Die hätten ihn doch auch mit diesen Fesseln einfach ins Wasser werfen können. Ich hab das Gefühl wir übersehen etwas."
      Lucius began Aradan von oben bis unten mit seinen analysierenden Blicken zu studieren. Nichts an ihm, bis auf die Augen und die Haare war irgendwie auffällig.
      "Erinnerst du dich? Als wir ihn befreien wollten, war sein erster Satz, dass wir seine Fesseln lösen sollen. Ich dachte er wollte dass wir ihn retten. Sagt man dann nicht viel eher Holt mich hier rauß! ?"
      Nun wanderte der Blick wieder auf den Mann, der wohl als schlechtester Dieb der Welt durchgehen würde
      "Du kennst nicht zufällig einen der solche Fesseln knacken kann oder? Habs mit nem Hammer versucht. Fehlanzeige."

      Kaum ausgesprochen, kam es beinahe schon gruselig auf den Punkt genau zu einem enorm groben und wuchtigen Klopfen an der Tür, dieses mal ohne jeden Tumult der eigentlich postierten Gehilfen. Es sorgte dafür dass jeder im Raum zur Tür sah und kein Wort von sich gab. Erst als ein zweites mal geklopft wurde, was sogar die Angeln der Tür ein kleines Stück mit den befestigten Nägeln hinaus kommen lies, zückte Lucius seine Dolche, dabei bemerkte er kaum wie er langsam aber sicher wieder seine mehr und mehr seines Körpergefühls zurück bekam.
      "Du hast nicht zufällig nen Berg als Zimmergenossen huh? WER IST DA?!"
      Rief Lucius mit drohender Stimme, doch was zurück kam war gänzlich gegen jeder Erwartung.

      "Ist ein junger Mann mit weißen Haaren bei euch? Hört er auf den Namen Aradan?"
      Es war die Stimme einer Frau die in ziemlicher Sorge zu sein schien. Lucius kümmerte das aber nur wenig.
      "Hier ist niemand! Verzieh dich wieder!"
      Da verschwand der kleine Schatten unter der Tür wieder. Ein kurzer Erfolg, denn nun trat ein wesentlich größerer Schatten heran und sorgte promt dafür, dass die Tür an dessen Schloss in tausend Teile zerbarst. Was sich nach kurzem Staub hervor tat, war etwas dass sogar Lucius die Angst den Rücken runter laufen lies.
      "Wa...?!? Der... Was hat der Königsschmied hier verloren?!"

      Wie von der Tarantel gestochen nahm Lucius trotzdem all seinen Mut zusammen und rannte auf den Eindringling zu. Nur sah dies in seinem Kopf wohl deutlich anders aus als es wirklich war... er schlenderte mehr und war gewiss nicht so präzise wie er es erhofft hatte... oder so schnell, was er nur allzu plötzlich zu spüren bekam.
      Der Schmied holte ohne jede Rücksicht aus und rammte Lucius seine Faust, die in eisernen Bärenfäustlingen gehüllt waren, so kräftig in den Magen, dass sich alles was Lucius an diesem Tag zu sich genommen hatte noch während dem Flug nach hinten wieder aus ihm hinaus kam.
      Anschließend ging der riesig wirkende Schmied unbekümmert und doch mit finsterer Mine an den Tisch von Aradan, schob dabei den Hausbesitzer zur Seite wie ein Seidentuch. Kurz darauf war dann auch die Frau zu sehen, die noch vor einem Augenblick durch die Tür gesprochen hatte. Eine Frau die in dieser Stadt wohl mindestens so bekannt war wie der Schmied. Denn es war niemand anderes als die Medizinerin des Königs. Beinahe als hätten sich die beiden fähigsten Personen der Stadt an einem Ort eingefunden, die Aradan am meisten brauchte.

      Die Frau schnellte ebenfalls an den Tisch und kümmerte sich um keine weitere Person im Raum.
      "Aradan! Liebster er ist es wirklich!!"
      Der Schmied nickte mit einem beinahe erleichtertem lächeln, welches schnell wieder verschwand.
      "Er hat kaum noch einen Puls. Er stirbt!"
      Panisch untersuchte die Frau Aradan von oben bis unten. Nur der Schmied verblieb starr und sah sich die Fesseln an, welche ihm deutlich machten was los war. Es sorgte dafür dass der Schmied seine Frau zur Seite bat und Aradan auf den festeren Boden legte.
      Er schien zu wissen was er tat als er die Fäustlingsfesseln so drehte, dass sie mit einer kleinen Markierung nach oben auf dem Boden lagen ehe er seinen hochlegierten Hammer aus seinem Werkzeuggürtel holte und mit einer wahnsinnigen Kraft präzise auf die Markierung schlagen lies. Hervor kam ein Ohren betäubendes Schallern... leider gefolgt von einem besorgtem Blick des Schmieds. Ganze 3 folgeschläge trafen exakt den selben Punkt, doch dann zersprang der Hammer in mehreren Stücken.
      Die Frau zog scharf die Luft an als sie ihren Mann in Sorge sah, fand dafür in diesem Moment auch keine Worte. Doch wandte sich der Schmied an die einzig fähig wirkende Person im Raum. Eine rothaarige verschlagende Frau die vielleicht in der Lage war seinen Auftrag auszufüllen.
      "Frau! Ich brauche meinen Kryss Hammer! Hol ihn mir!"
      Er warf ihr eine Stadtkarte zu die alle Gebiete farbig abtrennte und sogar sein Haus verzeichnet hatte.
      "Der Hammer schimmert rot. Wirst eine Tasche brauchen. Beeil dich!"

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    • Der Gaukler starrte von dem blutigen Boden, dem zerstörten Teppich, dem geflickten Mann auf dem ebenfalls blutigen Tisch und schließlich Lucius hin und her, bis sein Blick auf letzterem zum Halten kam.
      "Meine Schwester? Ich dachte, sie wäre mit dir unterwegs!"
      Er warf die Arme in einer verzweifelten und überzogenen Geste nach oben.
      "Dieses Weib! Ich werde noch ihr Grab schaufeln müssen, wenn das so weitergeht!"
      Dann nörgelte er die leere Luft an, während Lucius zu Elraya ging, die ihn verständnislos ansah.
      "... Für mich hört sich das gleich an. Meinst du, er hat echt so weit gedacht, in seinem Dilirium? Er war doch da schon halb tot."
      Natürlich hätte Elraya nicht so weit gedacht und konnte sich daher nur sehr schwer vorstellen, dass irgendjemand so weit denken würde. Aber das teilte sie Lucius nicht mit, der sich sowieso wieder an den schimpfenden Narren wendete.
      "Oh nein, ganz sicher nicht! Meine Gefallen für Anthea sind aufgebraucht!"
      Er schien noch etwas sagen zu wollen, höchstwahrscheinlich dazu, wie unvorsichtig sie gewesen war und dass er nichts ausbaden wollte, was mit seiner verruchten Schwester irgendwie in Berührung stand, als ein krachendes Klopfen sie alle drei auf einen Schlag erstarren und zur Tür schauen ließ. Die versammelte Schockstarre löste sich erst beim zweiten Klopfen, als Elraya und Lucius gleichzeitig ihre Waffen zogen und der Hausbesitzer einen Moment später Luft dazu holte, um ihnen zu erklären, dass Waffen in diesem Haushalt verboten waren. Er wurde von Lucius und dann von einer Frauenstimme unterbrochen.
      Was in den nächsten paar Sekunden geschah, hätte wohl aus einem Albtraum stammen können. Lucius machte sich bereits, die Frau vor der Tür zur Not mit den bloßen Händen herauszuschmeißen, als die Tür nicht nur aufgebrochen, sondern regelrecht zerfetzt wurde. Lucius stürmte nach vorne, der Narr kreischte auf, Elraya baute sich vor Aradans Tisch auf, ihre Dolche grimmig gezückt. Die Glocken des Narrenkostüms schrillten bei den ruppigen Bewegungen und gaben dem ganzen Auftreten einen komödiantischen Unterton, der höchst surreal wirkte.
      Der Hausbesitzer wusste zuerst nicht, ob er Lucius oder den Eindringling anschreien sollte. Letzterer gewann.
      "Marudan Elric?!"
      Der Schmied, dicht gefolgt von seiner Frau, der Medizinerin, stürmte das Zimmer. Der Gaukler hechtete zu Lucius, um ihn davon abzuhalten, sich auf den Boden zu übergeben.

      "Nein! Der schöne Teppich!!"
      Im Hintergrund starrte Elraya nur verdutzt, als sich das Paar zu Aradan schob und damit anfing, ihn zu untersuchen. Sie wusste nicht, was das jetzt schon wieder sollte. Königsschmied? Was hatte das jetzt wieder zu bedeuten?
      Als er ihr dann allerdings eine Karte in die Hand drückte, war es ihr egal, ob es der König selbst gewesen wäre - sie starrte die Karte wie einen Schatz an, dann nickte sie und schlüpfte eilig nach draußen, als würde von dem Auftrag ihr Leben abhängen. Unterdessen stand der Gaukler wieder auf und starrte verdattert auf das Trio von Aradan.
      "Moment mal... Aradan? Doch nicht etwa Aradan... Elric?"
      Ihm stand der Mund offen und jetzt war das noch nicht einmal sehr übertrieben geschauspielert. Er war für einen Moment einfach nur zu sprachlos, um seinen Körper richtig zu bedienen.
      "Der Aradan Elric? ...Aber der ist doch tot!"

      Ruhe wurde ihnen allen nicht vergönnt, als ein Schatten im Türrahmen auftauchte und Anthea, die Verursacherin dieser ganzen Aktion, auftauchte. Sie ging krumm, war etwas bleich im Gesicht und hatte die Hand auf ihre Flanke gepresst, aber ihr Blick war aufmerksam und sie scannte den Raum mit jahrelanger Erfahrung aus Hinterhälten.
      "Äh... hallo?"
      Sie kniff die Augen zusammen, als sie erst zu ihrem Bruder, und dann zu den beiden Unbekannten und dem Mann auf dem Tisch sah.
      "..... Kennen wir uns nicht?"

      Elraya brauchte nur zehn Minuten für ihre Besorgung. Als sie zurückkam, keuchend und hechelnd wie ein Hund, trug sie eine Tasche bei sich und warf sie triumphierend vor ihnen allen auf den Boden.
      "Hier, ein Hammer!"
      Ihr Blick fiel auf Anthea und sie verzog die Miene.
      "Ach, du bist auch hier."
    • Reona und Marudan kümmerten sich nicht um die nächste Person die auftauchte. Nur Lucius blickte aus Holztrümmern auf, die kurz zuvor noch ein schicker Stuhl zu sein schienen.
      Am liebsten wäre er zu ihr gegangen, doch hinderte ihn der stechende Schmerz in der Magengegend daran sogar ordentlich zu atmen. Beinahe wünschte er sich den Zustand zurück in welchem er noch vor wenigen Augenblicken war. Fürs Erste blieb ihm also wohl nur abzuwarten und zu hoffen dass der riesige Bär wusste was er tat.

      Marudan wandte sich sofort um als Elraya mit dem Hammer zurück kam und riss ihr diesen sofort aus den Händen. Doch bevor er ihn einsetzte, zückte er einen winzigen Schlüssel, welcher eher wie ein dickerer Nagel wirkte und doch einige feinst verarbeitete Kerben inne hatte.
      Diesen setzte er an einer Stelle der Fäustlinge an, welche keinerlei Schlüsselloch aufwies und doch verschwand der schmale Schlüssel bis zur Hälfte. Unmittelbar danach klackerte es innerhalb der Fesseln und promt öffnete sich doch ein kleiner Kreis um den Schlüssel herum. Es war als hätte sich die erste Schutzschicht aufgetan um die nächste darunter zu präsentieren, welche ebenso leicht rot funkelte wie Marudan's Hammer.
      Den Schlüssel lies Marudan an seinem Ort stecken und holte nun doch weit mit dem Hammer aus um exakt auf die Stelle des Schlüssels zu schlagen.
      Reona wandte sich schnell ab und schützte ihr Gesicht.
      "Nicht hinsehen!"
      Rief sie im letzten Moment als bei Berührung des Hammers auf den Schlüssel ein gleißendes rotes Licht den kompletten Raum erfüllte und die Ohren mit einem grellen schallern durchzog.
      Doch blieb es nicht bei diesem einen Schlag. Ganze 3 Schläge mussten die Ohren aushalten bis tatsächlich ein Geräusch die Herzen von Marudan und Reona höher schlagen ließ, zu hören war. Es war das Geräusch von bröckelndem Stein. Zumindest hörte es sich genau danach an. Tatsächlich waren es aber die Fäustlinge, welche endlich in Trümmern zu Boden fielen.

      Daraufhin nahm Marudan einen großen Schritt Abstand. Dabei blickte er Aradan an als wüsste er nun selbst gerne was geschehen wird. Ebenso versteckte sich Reona halb hinter ihrem Ehemann.
      Nach einer quälenden Minute geschah dann etwas, was einem wohl kein Mensch geglaubt hätte wenn man davon erzählt hätte.
      Alle Pflanzen im Raum und sogar um dem Haus herum verdorrten als in einer Geschwindigkeit die so widernatürlich war, dass es Lucius einen kalten Schauer über den Rücken jagte.
      "Was ist hier los? Was passiert hier?! Legt dem Typen die Fesseln wieder an!"
      Meinte er leicht nervös und sah dabei zu wie die Wunden von Aradan tatsächlich anfingen... zu leuchten? Wurden sie tatsächlich in diesem Moment so hell dass es im Raum wie an einem schönen hellen Tag strahlte? Er konnte seinen Augen nicht trauen aber er sah gerade dabei zu wie die Wunden durch ihren Verband leuchteten.
      Doch als auch die letzte Pflanze in sich zusammen gefallen war, stoppte auch das Leuchten. Und erst in diesem Moment spürte Lucius wie extrem trocken die Luft war. Als wäre die Luftfeuchtigkeit rapide gesunken.

      Doch als dann der eben noch als Tod erklärte Kerl von seinem Tisch aufstand und sich nur an diesem Abstützen musste um aufrecht stehen zu können, klappte ihm die Kinnlade so richtig hinunter. Noch nie hatte er so etwas gesehen. Noch vor kurzem dachte er dass dieser Berek eine unfassbarer Spott der Natur war, doch das grade eben war ein ganz anderes Level.

      Der nun wieder stehende Aradan, wenn auch noch immer schwach wirkend, schaute in die Runde mit leicht gekniffenden Augen und schluckte angestrengt vor durst.
      Noch bevor dieser irgendetwas sagen oder wirklich auf etwas reagieren konnte, wurde die Stille von Reona unterbrochen. Sie raste auf Aradan zu und nahm ihn in den Arm wie es nur eine Mutter konnte. Sie fing an zu weinen und murmelte schluchzend all die schönen Wiedersehensworte in seine Schulter hinein, die Aradan im ersten Moment etwas überforderten, dann aber doch die alten Zeiten als Kind wieder aufleben ließen, die er längst tief begraben hatte. So legte auch er seine Arme um sie. Sah dabei aber auf und nickte seinem alten Herren zu, welcher ebenso zurück nickte als hätten sie damit all die Jahre in einer Bewegung abgeklärt.

      Kurz darauf betrachtete Aradan, noch immer in den Armen seiner Mutter all die Anderen im Raum. Verblüfft und unsicher kam dann die Frage auf, welche er unbewusst aussprach
      "... Anthea und... du bist Varus.. oder?"
    • Es brauchte ein höchst kompliziertes und gleichzeitig gefährlich wirkendes Verfahren, um Aradan von seinen Fesseln zu befreien. Keiner im Raum hatte auch nur eine schwache Ahnung davon, was es mit den Fesseln auf sich hatte oder wie sie zu entfernen gewesen wären, denn das, was der Königsschmied veranstaltete, überstieg ihrer aller beschränkten Kenntnisse bei weitem. Keiner wäre auch nur auf die Idee gekommen, dass es so etwas wie ein Schlüsselloch hätte geben können.
      Aber Marudan Elric belehrte sie eines besseren und schließlich fielen die steinernen Kugeln ab, woraufhin das königliche Pärchen einen Schritt Abstand nahm und alle anderen auch dazu verleitete, sich etwas nach hinten zu begeben. Aradan rührte sich nicht, aber stattdessen gab es einen merkwürdigen Umschwung im Raum, der sich anfühlte, als würde ein trockener Winter hier Einzug finden. Das nächste Wunder geschah, indem Aradans Wunden anfingen zu glühen, als hätte man ein Licht in ihnen entzündet, und kaum eine Minute später war die ganze Sache vorbei und der Mann stand auf, als hätte er soeben nur einen Mittagsschlaf gemacht und wäre nicht fast an Blutverlust gestorben. Der Großteil des Raumes konnte einfach nur verblüfft starren, während sich die beiden Parteien in die Arme fielen. Dann richtete Aradan das Wort auch an die beiden Elquins und brach damit den Bann, der sich über die Zuschauer gelegt hatte.
      "Aradan, wirklich?! Ja man, ich bin's, Varus! Bei den Eiern des Königs, du bist es wirklich, oder? Tatsache! Lass dich ansehen, Kumpel! Meine Fresse, damals warst du noch... ach ich weiß nicht. Andere Haare hattest du auf jeden Fall!"
      Ungeniert kam er auch heran, begleitet vom Singsang seiner Glocken, um Aradan mit einer Mischung aus Verblüffung, Faszination und ehrlicher Freude zu betrachten. Er strahlte vom einen zum anderen Ende seines Gesichts und wirkte dabei so, als würde er jeden Moment vor ihm auf die Knie fallen.
      Anthea hingegen glotzte für einen Moment recht überrascht, dann verfinsterte sich ihre Miene und sie verschränkte die Arme vor der Brust. Anstatt sich über Aradans Präsenz zu freuen, ging sie nach einem Moment zu Lucius hinüber, der ähnlich verdattert über die ganze Situation schien.
      "Ich kenn ihn. Das ist einer aus einem Dorf, in dem ich mal gelebt habe. Zwei Jahre oder so, keine Ahnung. Richtiges Drecksloch."
      Sie stierte Aradan an, als könne er persönlich dafür verantwortlich sein, weshalb auch immer sie so eine Abneigung gegenüber Melora empfand. Als anscheinend die Familienzusammenkunft in diesem Zimmer stattfand, schnaubte sie nur.
      "Was für eine Scheiße. Ich glaube, ich bin verflucht Luce, das ist die einzige Erklärung, die ich für diesen Mist hier habe."
      Damit waren ihre Wiedersehensfreuden ausreichend bekundet.
      Elraya blieb als einzige so ziemlich verloren im Raum stehen, während sie noch versuchte, die Situation zu verarbeiten. Aradan hatte also Bekannte hier und außerdem waren zwei seiner Bekannte namentliche Leute, die sogar am Königshof arbeiteten, wenn sie es richtig verstanden hatte. Wieso hatte ihn dann sonst niemand anderes gerettet? Anscheinend wäre ihm ja die Hilfe zur Verfügung gestanden.
      Auch sie verschränkte die Arme vor der Brust, aber sie verzog ihr Gesicht wegen etwas anderem.
      "Vergiss meine Belohnung nicht, Weißhaar. Du weißt ja gar nicht, was ich alles durchmachen musste, um dich da wieder rauszukriegen."
      Sie machte aber auch keine Anstalten, den Raum zu verlassen oder gar das Wiedersehen zu unterbrechen.
      Nachdem Varus auch die Elrics mit Blicken betrachtet hatte, die man auf äußerst exotische Tiere warf, scheuchte er sie alle in den Vorraum, damit er ein paar Stühle zusammentragen und sie sich wenigstens für einen Moment setzen konnten. Besonders Aradan sah sehr blass aus und Varus bestand darauf, dass sie dieses Wiedersehen zumindest mit einem kurzen Austausch über die vergangenen Jahre unterstreichen könnten.
      Also kamen sie kaum eine halbe Stunde später in dem engen Raum zusammen, sämtliche Stühle nebeneinander gezwängt, wo Varus ihnen etwas zu trinken überreichte. Alles gekauft, versicherte er, mit einem Seitenblick auf Anthea, die unzufrieden über die Situation dreinblickte.
      "Also nun, klärt mich mal auf, wer von euch auch immer das machen will. Woher kommt es, dass du lebst, Aradan, und dass du gerade hier bist. Und wer hat dich so zugerichtet und was waren das für merkwürdige Fesseln?"
    • Nachdem die anfängliche Euphorie unter den Meisten wieder abgeklungen war und sich alle an den Tisch gesetzt hatten, folgte eine Grobe Erklärung darüber, was Aradan nach dem Vorfall in Melora gemacht hatte. Er sparte sich dabei größtenteils die Details, so erzählte er nicht was er in der Zeit als Söldner unter der Fuchtel des Baron's geschah, nur, dass er diese Tätigkeit für eine Weile ausübte. Auch nicht jeden Vorfall mit Minerva, oder gar dass diese ihn zu jener Zeit noch heimsuchen und die Kontrolle übernehmen konnte.
      Dennoch reichte es um Reona immer wieder zu Tränen zu rühren und zwischen Stolz und Mitleid hin und her gerissen zu sein. Marudan selbst nahm es gefasst auf wie er wohl alles in seinem Leben versuchte zu verdauen, auch wenn er sich selbst eingestehen musste doch ziemlich Stolz auf seinen Sohn zu sein. Sein Werdegang hat seine Erwartungen mehrmals übertroffen, was zuletzt auch die Demonstration der rapiden Heilung zeigte.
      Das große offene Ende nach der ganzen Geschichte verblieb jedoch bei dem Kult in dieser Stadt. Es beunruhigte Marudan zu hören, dass seine Fesseln in die falschen Händen gelandet waren. Zwar kam es immer mal wieder vor, dass zwielichtige Typen eine Karawane des Königs abfingen oder ein Händler vom Hof korrupt war, doch war diese spezielle Lieferung etwas ganz anderes. Sie wurde von 3 hochrangigen Soldaten des Königs bewacht, welche niemals durch irgendwelche Diebe hätten aufgehalten werden können.
      "Hmm..." grummelte er mit verschränkten Armen
      "Da stimmt was nicht. Das waren Prototypen. Die sollten doch nur zum Alchemisten gebracht werden, nicht wahr?"
      Fragte Reona verdutzt als hätte sie die Gedanken ihres Mannes ausgesprochen, welcher daraufhin nickte.
      "Ist die Korruption etwa schon so weit vorgedrungen?"

      Da lies Lucius seine Arme gelangweilt auf den Tisch fallen, was die Aufmerksamkeit wie wohl geplant auf sich zog.
      "Nahhh was spielt denn das alles für ne Rolle? Wir haben ganz andere Probleme als korrupte königliche Marionetten. Viel wichtiger ist was wir gegen diesen Feuer Spinner machen. Taucht einfach hier auf und will alles auf den Kopf stellen."
      Daraufhin lehnte er sich nach Vorne um mit seinen Augen Aradan zu stechen und die Nase dabei zu rümpfen.
      "Du kannst das doch sicher erledigen hä? All dieser Tamm Tamm um dich und deine Leuchterei. Wir haben dich gerettet also zeig deine Dankbarkeit indem du den Typen zu Tode blendest, wär echt mal ne nette Geste."

      Aradan sah Lucius mit einem leichten Unmut entgegen.
      "Das ist nicht ganz so leicht. Ich habe sehr viel Kraft verloren und muss mich erholen. Die Energie in dieser Umgebung hat gereicht mich vor dem Tod zu retten. Bis ich mich.... Augenblick mal.... Feuer Spinner?"
      Da huschte sein Blick zur rothaarigen um sich davon zu überzeugen ob seine erste Befürchtung stimmen könnte. Sie lies diese wahr werden, was zu einem entnervtem Kopfschütteln führte.
      "Berek also... Ein wirklich zäher Kerl, das muss man ihm lassen. Aber erneut. Zur Zeit bin ich nicht in der Lage viel Energie aus dem Zwielicht zu ziehen. Eine große Stadt wie diese hier scheint den natürlichen Fluss regelrecht von sich zu stoßen."

      Die Worte ließen Lucius entnervt mit dem Stuhl nach hinten Kippeln und die Arme hinter seinen Kopf werfen.
      "Waar jaa klaar"
      Säuselte er als könne man sein Augenrollen in den Worten wieder finden.
      "Es gibt doch immer irgend nen Haken. Da findet man nen anderes übernatürliches Wesen und rein zufällig ist er leer."

      "Elraya? Ich habe deine Taten nicht vergessen. Bitte verzeih mir all die Umstände. Selbstverständlich werde ich mich bei dir erkenntlich zeigen und für deinen Schutz sorgen so gut es mir möglich ist."
    • Die Zusammenkunft, die in Elquins Wohnzimmer stattfand, war überaus merkwürdig. Der Königsschmied - Königsschmied! - redete etwas von einem Prototypen, was kaum jemand anderem etwas sagte, und Aradan sowie Lucius, Anthea und Elraya redeten über einen Berek, der wieder niemand anderem etwas sagte. Besonders Anthea zeigte ihre Teilnahme am Gespräch mit grimmigen Blicken, die sie teilweise auf Aradan, seine Eltern und dann den Rest der Runde warf. Varus kannte den Blick, er sagte: Wenn mich auch nur einer krumm ansieht, werde ich die Bude in die Luft jagen lassen. Weil die Bude ihm gehörte, behielt er einen garstigen Seitenblick auf seiner Schwester.
      Der Straßengaukler hatte seine Überraschung von Aradan und den ehemalig indirekten Nachbarn überwunden, wenn auch noch nicht die Faszination, mit der er seine Gäste betrachtete. Es war ihm anzusehen, dass er viel lieber über all die Jahre reden wollte, seit Melora untergegangen war, aber er hielt sich zum Wohle der Gemeinheit zurück - ganz im Gegenzug zu Elraya, die lauthals quittierte, ja wohl eine anständige Belohnung erwarten zu können. Sie blickte selbstzufrieden drein, als Aradan es ihr versprach und wirkte dann so, als könne ihr der Rest egal sein.
      Für den Rest des Abends bewegten sich die Gespräche zwischen der Gefahr, die Berek darstellte und die der Kult darstellte, der wohl gefährliche Beziehungen in der Stadt zu haben schien, die es letztlich schließlich auch ermöglicht hatten, die Fesseln für Aradan zu besorgen. Selbst der Königsschmied wollte helfen und in Anbetracht dieser heroischen Unterstützung, konnte auch Varus seine Hilfe nicht verweigern. Er wirkte aufgeregt wie ein Kind, so wie er die Elrics betrachtete, als wären sie seine eigene Familie.

      Schließlich trennten sich die Wege, als der Morgen zusehends heran schritt und die alltägliche Pflicht rief. Abgesehen davon konnte man kaum zu sechst in der Einzimmerwohnung bleiben, ohne früher oder später aufsehen zu erregen.
      Aradan sollte vorübergehend bei Varus bleiben, weil niemand in der ärmlichen Wohnung eines Gauklers nach dem verschwundenen Entführten suchen würde. Lucius, Anthea und Elraya sollten Informationen über Berek beschaffen und Marudan und seine Frau würden sich damit auseinandersetzen, die Kontakte des Kults zu finden und auszumerzen. Alles in allem ein ordentlicher Plan, der etwas Ordnung in die Stadt bringen sollte, wobei Anthea am wenigsten davon hielt.
      "Aradan Elric", schnaubte sie, als das Dreiergespann die Wohnung verlassen hatte. Sie hatte merklich schlechte Laune.
      "Ich dachte der wäre verreckt, vor Jahren schon. Was, willst du mir etwa sagen, dass meine Halbschwester auch immer noch lebt? Da scheiß ich drauf. Ich will nichts mehr von diesem dummen Melora hören, nicht heute und nie wieder. Es ist nur ein Dorf, verflucht, und ein schlecht geschütztes noch dazu! Was soll da -"
      Weiter kam sie nicht, als das Trio um eine Ecke bog und in eine aufgestellte Front Soldaten hineinlief. Der Anblick war beängstigend, so wie sie in einer Reihe auf der Straße standen - nicht etwa, weil sie besonders furchteinflößend gewesen wären, sondern viel eher, weil die offene Anwesenheit dieser Soldaten implizierte, dass irgendwo noch mehr positioniert waren, die nicht so offen gesehen werden konnten. Und Anthea hasste es, wenn die Lage nicht in ihrer Kontrolle stand.
      "Wa-"
      "Anthea Elquin, du wirst verurteilt wegen Terroranschlags auf das Südtor und Entführung des königlichen Schmieds! Leg deine Waffen nieder und ergib dich ohne -"
      "Uh-uh!"
      Ob aus reinem Reflex oder geplanter Vorsicht, schoss Elraya bereits zur Seite, war unter dem Überhang eines Daches verschwunden, bevor einer der Anwesenden auch nur reagieren konnte, und verschwand mit dem Splittern eines Fensters im Inneren des Hauses.
      Sofort brach Chaos aus. Die Soldaten auf der Straße stürmten in einer Linie voran und Anthea war sich sicher, dass die unsichtbaren Beobachter gerade ihre Pfeilsehnen spannten und jeden Moment schießen könnten. Sie packte sich Lucius am Ellbogen, so als wäre er ihre wichtigste Fracht, und stieß ihn voran auf die erstbeste Gasse zu - nur, dass dort auch schon Soldaten auftauchten. Sie trugen alle das königliche Wappen und würden sich wohl nicht durch irgendwelche Angebote bestechen lassen.
      "Scheiße! Mach was, Luce!"
    • Mit einem Plan für drei Gruppen, zogen alle auf ihren Weg. Marudan versicherte noch allen, dass er ganz sicher nicht für deren Schutz sorgen könne, nur weil er unter der Hand des Königs arbeitete und sogar einen Rang bekleidet, befehligte er lediglich seine Lemminge innerhalb der Schmiede. Daher befahl er beinahe schon seinem Sohn bei Varus zu bleiben bis dieser wieder zu Kräften gekommen ist um effektiv an den Plänen mitzuwirken Berek und den Kult in die Schranken zu weisen.

      Aradan gefiel vieles an der Planung nicht ihn hier zurück zu lassen, immerhin sah Varus nicht unbedingt nach einem fähigen Beschützer aus und er bezweifelte sehr, dass Varus Soldaten oder Bereks Schergen mit seinem zugegeben sonderbaren Klimper Outfit lange ablenken konnte. Zudem war Aradan es auch ganz einfach nicht gewohnt still zu sitzen während sich andere in Gefahr brachten.
      Dennoch gehorchte er seinem Vater als wäre er wieder ein kleines Kind in Melora und sah dabei zu wie sich alle Anwesenden zerstreuten. Mit Varus im Haus verbleibend, stieg ein unbehagliches Schweigen an, welches Aradan damit zu brechen versuchte die offensichtliche Neugierde von Varus als Dank mit Antworten zu lindern.
      "Ich schätze dann sind es nur noch wir Zwei. Sag mir Varus. Wie kann ich mich für deine Gastfreundschaft erkenntlich zeigen?"

      Ein paar Ecken weiter kratzte sich Lucius an seinem Bauch während er Anthea's Schimpftiraden lauschte. Er hatte noch nie verstanden wieso aber es gefiel ihm wenn sie so aufbrauste und all ihren Dampf abließ.
      "Du hasst dieses Dorf ja mächtig hm? War doch nur n Dorf. Scheiß einfach drauf und lass uns vorerst auf den Job konzentrieren. Bei diesen Kalibern springt ganz sicher ne ordentliche Belohnung raus und hey. Wenn dieser Typ mit den weißen Haaren echt so ne große Nummer sein soll.... Stells dir mal vor. Wir könnten..."
      Da wurde auch er von dem plötzlichen auftauchen einer regelrechten Blechmauer unterbrochen.
      Seine Hände in die Hose steckend, hörte er vorerst zu was die Soldaten überhaupt wollten, doch schärfte sich sein Blick von einer Sekunde zur Anderen, als er hörte dass seine Anthea das Ziel war, welche noch so verletzt war, dass ihre Karten ganz und gar schlecht standen.
      Sofort sondierte er die Umgebung, konnte aber nicht aus machen wo sich eventuell noch mehr von denen versteckt hielten, was sie aber ganz sicher taten. Da fiel ihm auf anhieb nichts besseres ein als sich vor Anthea zu stellen und die Arme in die Luft zu heben.
      "Hey hey hey immer mit der Ruhe"
      Im Augenwinkel bemerkte er die schnell flüchtende Elraya, was ihn nur wenig wunderte.
      "Was quatscht ihr denn da? Entführung? Sehen wir aus als könnten wir so nen Kerl entführen? Hier. Schaut her."
      Ruckartig zückte Lucius einen Dolch, welchen er aus dem Haus von eben hat mitgehen lassen, da er so schön funkelte und sogar goldene Verzierungen an dessen Griff hatte. Er zückte ihn so plötzlich, dass die Soldaten sofort zu ihren Waffen griffen, sie jedoch nicht zogen, da Lucius den Dolch in einer präsentierenden Art vor sich hielt.
      "Da. Kommt ihr selbst drauf oder habt ihr alle nen Sonnenstich unter euren Blechdeckeln? Mensch ich wir haben zusammen geschmissen um uns nen Dolch herstellen zu lassen. Ihr habt echt keine Ahnung oder? So macht man das in unserem Klan wenn man sich verlobt."
      Tatsächlich schien die Erklärung für leichte Unruhe unter den Soldaten zu sorgen. Der ein oder andere entspannte sich leicht, doch der Befehlshaber hob nur seinen Kopf an.
      "Sie kommt trotzdem mit. Das..."
      "Ja ja ja das Südtor. Tja was soll ich sagen..."
      Da zeigte Lucius an dem befehlshabenden Soldaten vorbei und sah dabei entsetzt drein
      "Um Himmels Willen, ACHTUNG!!!"
      Ein paar Soldaten fielen allen Ernstes auf diese kindische Ablenkung rein, doch nicht der den es abzulenken galt. Doch grade als dieser, von der Scharade überdrüssig sein Schwert ziehen wollte, war das Glück auf Lucius und Antheas Seite. Ein Soldat kam bei der Ablenkung leicht außer Gleichgewicht und rempelte dabei den Befehlshaber so an, dass sich dieser aufregte und exakt in diesem Augenblick nutzte Lucius seinen Moment, warf den Dolch präzise zum einzigen Soldaten mit einer Armbrust in das rechte Auge und warf zugleich eine Rauchbombe, die mit Silberstaub versetzt war. Diesen Rauch einzuatmen würde für solch einen Hustenanfall sorgen, dass ein Kampf kaum möglich war. So hoffte Lucius dass Anthea seinen Plan durchschaut hatte und die Luft anhalten würde.

      Kaum verbreitete sich der Rauch explosionsartig, nahm Lucius seinen letzten tiefen Atemzug und nahm Anthea so schnell er konnte auf seine Arme, flitzte dann mit ihr nach vorn an den Lücken der Soldaten vorbei und sprang einer letzten noch auf die Schulter um auf ein kleines Dach dahinter zu springen. Erst als aus dem Rauch hinaus kamen, konnte man aus dieser Höhe sehen wie viele Soldaten noch platziert wurden. Das war ganz sicher nicht nur um eine Frau festzunehmen, so viel stand fest, aber nun galt es sich zu konzentrieren und den Gunst der Überraschung weiter auszunutzen. Mit Anthea auf seinen Armen von einem kleinen Dach zum nächsten springend und anschließend in kleinen Gassen verschwindend, lies er seine Fracht vollkommen außer Puste auf einer Kiste ab und lies sich selbst auf einer Kiste gegenüber fallen während er versuchte Anthea ein lächeln zu schenken.
    • Für Varus, der schon häufiger dieses Rodeo mit Anthea mitgemacht hatte und sich daher damit auskannte, was die Versorgung und die Unterbringung von irgendwelchen Flüchtlingen anbelangte, war es nicht der Rede wert, mit Aradan zurück zu bleiben, während alle anderen sich nach draußen und in die Gefahr begaben. Er wollte seine Schwester dazu anhalten, sich nicht in noch mehr Schwierigkeiten zu begeben, aber ihre Laune war bei ihrem Abgang schon schlimm genug gewesen und außerdem war das in etwa so, als wolle man einem Vogel das Fliegen verbieten. Anthea zog die Schwierigkeiten geradezu an und wenn von außen her nichts kam, veranstaltete sie eben selbst ihr Chaos.
      Daher war es gar nicht mal schlimm, dem allen fern zu bleiben und sich stattdessen einem verloren geglaubten Freund zu widmen - wobei diese Freundschaft wahrscheinlich eher einseitig war.
      "Aradan!"
      Varus grinste wie ein Kind, als er näher zu ihm rutschte, die Ellbogen auf den Tisch stützte und das Kinn auf den gefalteten Händen ablegte. Sein Hut klimperte und machte sich über seinen Besuch lustig.
      "Zeig dich erkenntlich, indem du mir erzählst, was passiert ist. Alles davon. Ich bin nicht nur Straßenkünstler, ich habe auch eine lange Zeit als Geschichtenerzähler zugebracht und das was dir passiert ist, lässt sich so wunderbar in eine Geschichte hüllen, als wäre es wie dafür geschaffen!
      "

      Deshalb hatte Anthea Lucius gerne bei sich: Dem Mann fiel immer ein Ausweg ein, egal wie abstrus die Situation sein mochte. Wo Anthea sich bereits mit Händen und Füßen hineingesteigert hätte, um die Straße in einen Strudel aus Chaos zu verwandeln, ging Lucius eine sanftere Methode an, die für wesentlich weniger Aufregung sorgte. Anthea nahm einen Schritt zurück und hielt sich an den Mann, um dem Plan zu folgen, den er wohl gerade austüftelte.
      Seine erste Ablenkung ging daneben, wobei sie an Kreativität kaum zu übertreffen war und er sie mit seiner Ansprache nach Verlobung zum Lächeln brachte. Dafür ging die zweite nicht daneben und ehe Anthea es sich versehen konnte, zündete er eine Rauchbombe und holte sie einen Moment später von ihren Füßen. Sie konnte sich gerade noch an ihn klammern, da stürmte er bereits wie ein wild gewordener Stier los und durch die Front der Soldaten hindurch, die gerade genug Aufmerksamkeit hatten, um sie vollständig auf den Rauch zu lenken. Mit einer irren Geschwindigkeit flog er davon und Anthea konnte nichts anderes tun, als sich an ihm festzukrallen, damit sie nicht hinunter und auf die Straße stürzen würde.
      Sie kamen einige Minuten später in einem ruhigeren Viertel zum Halt und das auch nur, damit Lucius verschnaufen konnte. Er brachte dennoch ein schiefes Lächeln zustande und Anthea grinste ihn an.
      "Auf dich kann man sich verlassen, Luce."
      Sie warf einen Blick auf die Hauptstraße hinaus und entschied dann, dass die Luft rein war. Sie waren wirklich weit genug von Varus weggekommen.
      "Wir gehen zurück nachhause und überlegen uns dann, wie wir Berek hervorbringen können. Aber diesmal gehe ich auf den eigenen Füßen du Schwachkopf."
      Sie grinste allerdings noch immer.

      Es dauerte nur ein paar Tage, dann saß Elraya alleine in einer Taverne.
      Sie war nervös, und wie sie das war. Sie wusste, dass Berek nach ihrem Kopf verlangte und sie wusste, dass sie sich ihm geradezu auf dem Silbertablett präsentierte, aber sie war der einzige Interessenspunkt, den sie sicher von Berek wussten. Berek wollte sich für ihren Verrat rächen und Elraya war ihm bisher nur auf gut Glück durch die Hände geronnen.
      Jetzt war dieses Glück vorbei und sie spielte den Köder. Nervös und hibbelig bestellte sie ein Bier nach dem anderen, um auf ihren ehemaligen Arbeitgeber zu warten, dem sie zwar nicht persönlich eine Nachricht zukommen gelassen hatte, der sie aber trotzdem in irgendeiner Weise erhalten haben musste.
    • Die Tage zogen ins Land. Lucius kümmerte sich darum Anthea an Ort und Stelle zu halten, damit ihre Wunde so gut es ging heilen konnte. Marudan und seine Frau bekamen eine Audienz beim König selbst und unterrichteten ihn über eine stark ansteigende Korruption innerhalb der eigenen Reihen sowie Berek, dem Kult und den Kriminellen Häusern die geradezu auf den nächsten Funken zu warten schienen um ihre Chance zu nutzen das Mächteverhältnis neu ordnen zu können. Eine Chance die wohl bald schon eintreten könnte.
      Der König nahm sich die warnenden Worte zu Herzen, musste Marudan aber zügeln als dieser versuchte ihm allen Ernstes weis zu machen, dass eine Person existierte, welche mit Feuer um sich werfen oder gar selbst zur wandelnden Stichflamme werden könne. Erst als Marudan mit einer beträchtlichen Maßregelung zum Schweigen gezwungen wurde, lockerte sich deren Gespräch wieder, da der König augenblicklich veranlasste die genannten Orte des Kultes untersuchen zu lassen und sogar ins Feld geschickte Patrouillen wieder zurück rufen lies um die Stadt wieder unter Kontrolle zu bringen.
      Für die Ausrottung des Kultes wurde General Peamut beordert, welcher eine 50 Mann starke Elitetruppe, zu seiner eigenen, untergestellt bekam. Zudem würden sich die Berater des Königs an einen Plan setzen das Mächteverhältnis wieder klar auf dessen Seite zu bringen.

      Aradan selbst gab Varus was er so sehnlichst verlangte. In den paar Tagen, die sie zusammen verbrachten, gelang es Aradan seinen Körper viel Erholung zu schenken, ebenso wie Varus viele Informationen, die teilweise nur aufgrund des Genusses edler Tropfen hervor kamen. So war Varus auf den neusten Stand und wusste über alles bescheid was Aradan erlebt hatte und was sein Ziel war. Ebenso dass seine große Schwester Renera noch lebte und womöglich bald in der Stadt auftauchen könnte.

      Nach nun ganzen 8 Tagen trafen sich Elraya, Anthea, Lucius, Varus und Aradan erneut um zusammen einen Plan auszutüfteln Berek auszuschalten ohne dass es zu einem großen Kampf kommen muss. Alle waren sich über die Gier nach Macht des Feuerteufels bewusst, wie auch seinem Ego. Also kamen alle zu dem Schluss, dass eine Nachricht, von Elraya verfasst, womöglich funktionieren könnte, ihn an einen vorbereiteten Ort zu locken.
      Zwar war Elraya alles andere als begeistert über den darin stehenden Text, doch konnte Aradan mit einem Bonus an Gold dann doch für ihre Zustimmung sorgen. Grob ging es in dem Brief darum, dass Elraya es nicht mehr aushalten würde seinen Schatten im Nacken zu spüren und dass sie ihm gesammelte Kontakte schenken würde, ebenso ihre Dienste wie zuvor in Shegar.
      Geplant war, dass sich beide am Mittag in einer Taverne treffen sollten, die schon zu den Stoßzeiten kaum an Aufmerksamkeit bekam. So würde es im Falle einer Eskalation zumindest nicht viele Außenstehende treffen. In dem Moment Bereks Ankunft, hätte der Inhaber einen Eimer Putzwasser auf die Straße schütten sollen um Anthea und Lucius das Zeichen zu geben, dass die Zielperson anwesend ist. In diesem Moment wäre Elraya's Geschick gefragt gewesen. Sie hätte aus einem Fenster hinaus springen sollen, welches direkt hinter ihr war um Platz für Sprengfallen zu machen, die Anthea sorgfältig platziert hatte. Durch die Zustimmung Marudan's hatte Aradan genug Gold bekommen um das komplette Gebäude zu kaufen, was nicht mal sonderlich teuer war. Es galt nur lange genug abzuwarten, bis der bezahlte Wirt nach dem Wurf des Wassers in Sicherheit gerannt war.

      Am neunten Tag war es nun also soweit.
      Alle beteiligten gingen in Position. Elraya wartete in der Taverne, der Wirt wischte die Tresen in leicht nervöser Anspannung, starr darauf wartend dass eine vermummte Person auftauchen wird und sich neben den einzigen Gast setzt.
      Lucius und Anthea warteten hingegen auf einem entfernten Dach auf Wunsch Aradan's um nicht in die Quere zu kommen. Letzterer wartete an einem Brunnen, in Bettlerlaken gehüllt um in der übrigen Bettlermasse beinahe unsichtbar zu wirken.

      Nur eine halbe Stunde nach vereinbarter Zeit, tauchte dann tatsächlich eine Person, gänzlich verhüllt in der Taverne auf. Diese ging langsam aber zielstrebig in die Richtung der Rothaarigen, was den Wirt direkt dazu trieb voreilig die Tresen zu verlassen und das Wasser auszugießen. Ein Startschuss für Aradan, welcher seine Laken abwarf und zielstrebig auf die Taverne zu marschierte.
      Etwa zeitgleich wie sich die verhüllte Person an Elraya's Tisch setzte und die Kapuze abzog, trat auch Aradan ein und fokussierte das Ziel.
      Doch geriet in diesem Augenblick schon alles aus den Fugen. Aradan's Augen weiteten sich in dem Moment als er doch tatsächlich Khil erblickte statt Berek.
      "Khil?!? Was machst du hier?"
      Fragte er angespannt und sah sich sofort nach einem möglichen Hinterhalt um.

      Doch wo war Berek?
    • Elraya wartete mit sämtlicher Geduld, die sie aufbringen konnte, und dann war es endlich soweit: Eine höchst verdächtige und dazu auch noch vermummte Gestalt betrat die Taverne.
      Es war schon Monate her, dass sie Berek das letzte Mal gesehen hatte und obwohl sie sich fast sicher war, dass er eigentlich größer und irgendwie... furchteinflößender wirken musste, ließ sie sich doch nicht darin beirren, dass er es war, der so zielstrebig auf sie zukam. Die Reaktion des Wirtes war wohl der beste Beweis dafür, also ließ sie es lieber nicht drauf ankommen.
      Sie stellte ihren Krug ab und versuchte recht unbefangen zu wirken, als Berek zu ihrem Tisch kam - nur um sich einen Moment später überraschenderweise als Khil zu enttarnen. Elraya glotzte für einen Moment ungläubig, dann stieß sie ein "Hä?!" aus, bevor Aradan nun auch noch dazu kam. Fast eine Stunde hatten sie jetzt gewartet dafür, dass Berek doch nicht aufgetaucht war, sondern nur seine Assistenz geschickt hatte.
      Khil sah mit aller Ernsthaftigkeit zu Elraya und dann zu Aradan hoch, während so etwas wie Interesse in ihren Augen aufflackerte. Wahrscheinlich war sie geradezu hibbelig danach gewesen, eine derartige Erfahrung zu machen.
      "Berek lässt sich entschuldigen."
      Sie sah wieder zu beiden, um sich ihrer vollständigen Aufmerksamkeit zu versichern.
      "Dir lässt er ausrichten, Elraya, dass du wenigstens schlau genug sein müsstest, um zu wissen, dass es mit einer "Entschuldigung" nicht getan sein wird. Der einzige Grund, weshalb Lodoz davongekommen ist, ist dass er schon zu tot ist, um ihn in irgendeiner Weise einzusetzen. Solange du also noch lebst, bist du klar im Defizit. Und dir lässt er ausrichten, Aradan", sie sah zu ihm, "dass du ziemlich vorhersehbar geworden bist. Die Spinne hat schon ihr Netz gewebt und keiner von euch hat es mitbekommen, nicht einmal du."
      Dann schenkte sie ihm ein flüchtiges Lächeln.
      "... Und was soll das jetzt heißen? Wo ist Berek? Wird er noch herkommen?"
      "Was bedeutet denn "her"? Welche räumliche Begrenzung hat das "her" und damit das implizierte "hier"? Sprichst du von diesem Fleck Boden, von dieser Taverne, von diesem Viertel, von dieser Stadt, von diesem Land, von diesem Kontinent, von dieser Welt? Denn entsprechend davon werde ich deine Frage unterschiedlich beantworten."
      "Äh..."
      "Und welche zeitliche Begrenzung hat das "wird"? Ich gehe ja wohl richtig davon aus, dass du die Futurform anwendest, weil du nicht mit seiner Ankunft in dieser Sekunde rechnest, aber wie weit wirst du da gehen? Sekunden, Minuten, Stunden, Tage, Wochen, Monate, Jahre? Auch das kann ich dir nicht einheitlich beantworten. Eines Tages könnte Berek sicherlich hier wieder aufkreuzen, deshalb lässt sich hier nichtmal eine definitive Antwort erfüllen, außer natürlich du besäßest die Fähigkeit in die Zukunft zu sehen, wodurch sich aber wiederum die Frage gänzlich nichtigt..."

      Draußen, einige Dächer weiter, tippte Anthea ungeduldig auf den Griff ihres Schwertes, während sie in die Straßen hinab starrte. Es war ihr nicht sehr recht, das Kommando an anderen weitergeben zu müssen und jetzt, wo sie es getan hatte, wurde sie mit Warten bestraft.
      "Was dauert denn so lang..."
      Sie warf einen Blick in alle Richtungen, überzeugt davon, dass mittlerweile etwas hätte passieren müssen. Aber nichts hatte sich verändert.
      "Warte hier Luce, ich werd mich da vorne positionieren. Da hab ich immer noch alles im Blick, aber vielleicht lieg ich da ein bisschen höher."
      Sie stand auf, ging weg von ihm und begann dann mit dem Rüberklettern zu besagter Stelle.
    • "Er lässt sich entschuldigen?"
      Fragte Aradan vorsichtig, den Blick schärfend. Alles was daraufhin folge war eine beinahe schon vergessene Charaktereigenschaft dieser seltsamen Frau. Sie erklärte so unfassbar unnötig kompliziert und doch nichtssagend, dass es beinahe schon wie....
      "Eine Ablenkung !!!"
      Augenblicklich riss Aradan sich zum Eingang herum und sah bereits eine überwältigend riesige Feuersäule auf sich zu rasen, die nicht nur das Gebäude, sondern auch den kompletten Häuserblock mit sich reißen würde.
      Mit sich weitenden Augen der beinahe schon respektvollen Überraschung an Macht, fing sich Aradan grade noch rechtzeitig. Sein Schock von sich werfend, galt nun seine Konzentration der Rettung Elraya's und Khil. Nach einer raschen Bewegung seiner Arme, tat sich eine Säule aus purem Licht einen Meter vor ihm auf, welche dafür sorgte, dass das Feuer links und rechts in Kegelform zerteilt wurde. Alles hinter Aradan blieb unversehrt, doch trafen die gespaltenen Flammen genug Gebäude um einen großen Brand unvermeidbar zu machen.

      Vor Hitze lief dem weißhaarigen Mann der Schweiß direkt von der Stirn und seiner Arme hinunter. Wie lange hielt dieser verdammte Berek diesen Feuersturm aus?! Lange würde die Stadt einen solchen Angriff nicht stand halten, oder gar die Menschen die in ihr lebten.
      Kurz blickte Aradan hinunter, sich erinnernd wie er von seinem Zwielicht Begleiter davor gewarnt wurde die eigene Kraft nicht in der realen Welt zu zügeln. Doch sah Aradan wie schwer es Elraya und Khil bereits fiel Luft in dieser Hitze zu holen... wie schwer hatten es also wohl die anderen Bewohner, welche den Flammen gerade komplett ausgesetzt waren?
      Die Wut stieg in Aradan an. Diese Vorstellung erzürnte ihn so sehr, dass schon jetzt die Stimme des Chaos aus dem Zwielicht rief, sich zu beherrschen, doch ignorierte er jeden Versuch der Beruhigung und ballte seine Fäuste, wohl mit übrig angestauter Wut gegenüber den Taten des Kults. Dadurch verstärkte sich schon die helle Schutzsäule so sehr, das sich ihr Umkreis mit einem Knall verdoppelte und den Boden zu reißen zwang.

      Der Konter auf diese konzentrierte Abwehr kam äußerst schnell. Berek schmälerte den großen Umkreis seiner Feuersäule, wodurch die konzentrierte Energie immer mehr auf Aradan gerichtet wurde. Keine 3 Sekunden dauerte es dass das Feuer sich von guten 10 Metern an Breite auf einen halben Meter gebündelt hatte, was Aradan in seiner Abwehr zwar noch standhaft bleiben lies, doch an Hitze selbst kaum noch auszuhalten war.
      Langsam aber sicher fühlte es sich an als würde sein Blut kochen und seine Sinne von einem Nebel bedeckt werden. Es wurde also Zeit die Taktik zu ändern, so hielt Aradan die Lichtsäule nur noch mit einer Hand aufrecht und holte mit der anderen nun geballten Faust aus als würde er zu einem wuchtigen Schlag ausholen.
      Als diese Faust mit einem erschütternden Schrei die eigene Säule schlug, erhellte gefühlt die ganze Stadt für einen Augenblick und lies einen Teil des Lichts wie in einem Keil durch die Feuersäule schnellen als hätte diese keinerlei Widerstand zu bewältigen, traf Berek in dessen Brust so präzise wie es von einem Meisterschützen zu erwarten war, doch blickte auch Berek mit einem grinsen an sich hinunter, da er noch nie zu sehen bekam wie seine Feuersäule überhaupt gekontert wurde, geschweige denn mit einer so tödlichen Präzision. Wäre Berek nicht in seiner Flammenform gewesen, wäre sein Herz nun wohl an der nächsten Hauswand gelandet. Doch in diesem Fall stoppte Berek seinen Angriff, setzte stattdessen alle Gebäude um sich herum in Brand um seinen Vorteil zu vergrößern.

      Das Lachen verblasste dann aber als er einen starken Schmerz in seiner linken Seite bemerkte.
      Sofort galt sein Blick der Seite, was aber keine Wunde erblicken lies, sondern ein grelles Blenden. Ein so enormes Blenden, dass er kaum die Augen offen halten konnte. Doch das was er sah, lies ihn an seinem Plan ernsthaft zweifeln, denn sah er in diesem hellen Licht doch tatsächlich zwei klare blaue Augen ohne körperliche Form. Als stünde ein gleißend helles Licht in schemenhafter Menschengestalt vor ihm.
      Und nun begann auch noch sein Handgelenk an zu brennen... Moment... Zu brennen?! Der prüfende Blick verriet, dass etwas helles sein Handgelenk packte und eine bedrohlich wellige Stimme ertönte.
      "Du kannst nicht gewinnen..."
      Wie in einem Reflex nutzte Berek seine Feuerform um seine Handgelenk wieder zu sich zu bekommen und den fest brennenden Griff zu lösen. So schnell es ihm möglich war, floh er in eines der anderen brennenden Häuser indem er von einer kleinen Flamme zur nächsten Sprang... doch erneut... kaum angekommen ertönte wieder diese Stimme unmittelbar hinter ihm.
      "Gib auf..."
      Erneut die Feuerform um ganze 50 Meter entfernt hinter einer Wand aus einem kleinen Feuerchen aufzusteigen, nur um abermals diesen entsetzlichen Augen entgegen zu blicken
      "Eine Flucht ist unmöglich. Gib auf wenn dir dein Leben etwas bedeutet..."

      Beinahe eingestehend sich maßlos unterlegen zu fühlen, lies Berek seine Feuerform ausklingen und stand blank als Mensch vor seinem Feind. Doch was folgte sah auch er nicht kommen. Scheinbar hatte sich Berek unbewusst in einen Unterschlupf des Kults befördert, welche direkt ihre seltsamen Steine warfen, die schon zuvor für seine Niederlage gesorgt hatten, doch nun war das Glück auf seiner Seite, denn nun stand der Lichtmensch exakt in dem Moment zwischen den Kultisten und Berek als sie schon diese verfluchten Steine geworfen hatten.
      Als diese auf Aradan trafen, wandte sich dieser verwundert nach hinten um. Was war das für ein seltsames Gefühl an seinem Rücken? Irgendetwas stimmte nicht. Dann landeten weitere Steine auf seiner Brust, was ihm zeigte, warum sich sein Rücken seltsam anfühlte.
      Auf seiner Brust verblasste sein Licht und offenbarte seine Menschliche Form. Zwar waren es nur kleine Segmente, doch war es genug um Aradan sofort die Augen aufzureißen ehe er auch schon einen stark brennenden Rücken spürte. Berek hatte diesen Augenblick der Verwirrung sofort ausgenutzt um sein Feuer an den geschwächten Stellen Aradan's hinein gejagt. Der Schmerz war so enorm, dass er seine Lichtgestalt vor Schock kaum noch aufrecht halten konnte und den Rest seiner Konzentration dafür nutzte wieder auf den großen Platz zurück zu "springen" um zur größten Not von Elraya unterstützt zu werden, doch brannte auch hier noch der halbe Platz, was zur Folge hatte, dass Berek wenig später vor Aradan auftauchte. Sein Ego sorgte dafür dass es ihm unverzichtbar vorkam sein überlegendes Grinsen zu präsentieren bevor er sich dem lästigen Aradan entledigen würde.
      "Da hat sich wohl Jemand übernommen hm? Schnell, gewiss. Aber auch voreilig und dumm."
      Aradan grinste nur als Berek ihn an seinem Kragen packte, vermutlich um seinen letzten Schlag abzubekommen, doch was Berek nicht kommen sah war.... ein Kiefer zertrümmernder Hieb. Ein Hieb wie er nur von einem riesigen Nordmann ausgeteilt werden konnte.
      Valterri.
      Kein Zeitpunkt wäre besser gewesen als diese gewaltige Faust ohne jeden Rückhalt das Gesicht der Spinne traf. Durch diese Wucht und einigen Rollen über den Boden an einer Hauswand grob aufprallenden Stillstand, griff sich Berek sofort seinen Kiefer. Der Schmerz war unerträglich, da dieser tatsächlich komplett zertrümmert wurde. Sein erster Gedanke war die Feuerform um die Brüche augenblicklich heilen zu lassen, auch wenn es unglaublich viel seiner Energie rauben würde, doch gab es nicht mal dafür genug Zeit, da bereits ein weiteres Mitglied wartete. Eine seltsame Flüssigkeit in Form von vier Spritzen rammten sich sofort in die linke Schulter Bereks.
      "Wa... !?!"
      Ein rückblickender Schock sorgte für Klarheit. Daikata war zurück. War das nicht dieser Arzt in Aradan's Truppe?! Blieb der nicht in Shegar??
      So viele unerwartete Eindrücke prasselten auf Berek nieder. Zu viele und viel zu wenig Zeit um einen guten Plan zu schmieden aus dieser Situation geschickt hinaus zu kommen. Unmittelbare Flucht war wohl das beste, was er nun anstreben sollte. Immerhin konnte Aradan augenscheinlich noch nicht in seine schnelle Lichtgestalt wechseln, doch was war los? Berek konnte seine Form nicht wechseln und somit auch nicht mehr in die nächste brennende Flamme abtauchen. War das etwa aufgrund der Spritzen?!? Direkt aufblickend, sah er einen Finger wedelnden Daikata vor sich, was die Wut in ihm so sehr aufsteigen lies, dass er sich sein Schwert zurück wünschte, stattdessen aber nur das von Daikata packte um ihm seinen scheiß Finger abzutrennen. Wütend brüllend holte Berek also aus, traf mit dem Schwert aber nur auf anderen Stahl. War das allen Ernstes ein Dolch?

      Nein. Es waren Zwei. Einer davon blockte seinen Hieb und der andere bohrte sich tief in seine Seite hinein.
      Blut spuckend sprang Berek zurück und brannte sich sofort die Wunde aus. Seine Kräfte schwanden immer weiter. Eine weitere Wunde dieser Art hätte er sicher nicht mehr ausbrennen können. Also was nun?
      "KHIL!! Komm sofort her und hilf mir!!"
    • Im einen Moment schien Khil noch darüber zu philosophieren, was Elraya mit ihrer Frage nun wirklich herauszufinden versuchte, dann schien die Welt in Feuer aufzugehen.
      Die nächsten Minuten hatte keiner von ihnen in irgendeiner Weise vorhersehen, geschweige denn bewältigen können. Alles geschah so schnell, dass ihnen nichtmal Zeit blieb, einen notdürftigen Plan zu erstellen.
      Eine Feuersäule schoss in die Taverne herein und brachte Elraya zum gekreischten aufspringen, bevor Aradan es binnen einen Herzschlags verhinderte, dass alle drei von ihnen gegrillt wurde. Selbst Khil machte große Augen, aber sie schrie nicht so wie Elraya. Sie sah auf das Spektakel und zog ihre neuen Erfahrungen daraus.
      Das Feuer erstarb nicht. Es leckte weiterhin in das Gebäude hinein und brach bei dem letzten Schutz, den Aradan bot, aber auch das war schnell nicht mehr genug. Die Hitze breitete sich trotzdem aus, brachte die Holzdielen zum Schwelen und stieß einen Rauch aus, der keinen Ausweg fand.
      Elraya und Khil blieb nichts anderes übrig, als in ihrem feuernen Gefängnis zu verweilen und machtlos zuzusehen, wie Aradan und Berek einen feurigen Kampf auf Leben und Tod bestritten.

      Draußen erschütterte derweil ein heller Lichtblitz die gesamte Stadt und hätte vermutlich spätestens die Aufmerksamkeit sämtlicher Umstehenden auf sich gezogen - so auch Anthea, die jetzt zu weit von Lucius entfernt war, um mit ihm zu reden.
      "Was zum Teufel?!"
      Sie starrte auf das Chaos, das sich bei der Taverne entfachte, der reine Sturm aus Feuer, in dessen Mitte sie sogar Aradan erkennen konnte. Aradan! Das Schauspiel übertönte sogar ihre Abneigung zu Melora.
      "Fuck! Luce! Luuuce!"
      Sie sprang auf das andere Dach, rannte zu ihm, drückte sich die Hand auf die brennende Wunde an ihrer Taille und zog ihn mit sich. In irgendeiner Weise mussten sie dem Mann helfen.


      Die Soldaten des Königs rückten keine halbe Stunde später an, angelockt von der riesigen Lichtexplosion und der Tatsache, dass das entstandene Chaos womöglich auf Anthea zurückführen könnte. Sie kamen aus allen Richtungen. Anthea schickte Luce mit ihrem Plan los, dann ließ sie ihr Chaos spielen.
      Sie lenkte die durch den Kampf entstandene Massenpanik um, um sie genau gegen die Soldaten zu schicken. Sie brachte Strukturen zum Einstürzen, die eigentlich von dem Kampf unbetroffen gewesen wären und sie lenkte die Soldaten nach hinten ab. Was sie beim Tor nur ein bisschen zum Verwirrung stiften getan hatte, lebte sie jetzt in noch weiteren Zügen aus - noch größer, noch breiter, noch allumfassender. Sie hätte die ganze Stadt in Chaos gesteckt, wenn es nötig gewesen wäre. Sie hätte ihre Kunst bis zu den Grenzen der Mauern ausgeweitet und nichts hätte sie davon abhalten können.

      In der Taverne mussten sämtliche Anwesenden erst beobachten, wie Aradan sich zu verausgaben drohte, bevor das Blatt sich urplötzlich wandte und Berek derjenige war, der ihm unwiderbringlich unterlag. Dabei hatte niemand die Ankunft des Riesen bemerkt, der eigentlich von weitem schon hätte auftauchen müssen. Aber trotz seiner Größe schaffte Valterri es irgendwie, völlig unbemerkt zu bleiben.
      Khil riss sich schließlich von dem Anblick los, als Berek sie anblaffte, ihm zu helfen. Sie hatte ihre Tracht nicht abgelegt, jetzt stürzte sie plötzlich auf Berek zu und zog etwas unter ihrem Umhang hervor, das niemand sehen konnte. Sie warf es in die Luft und die kleine Bombe zerplatzte. Gas breitete sich binnen eines Wimpernschlags über sämtliche Anwesenden aus.
      Khil stellte sich vor Berek auf, als wolle sie ihn mit ihrem Körper beschützen, dann riss sie ihre Tracht hoch und brüllte "Feuer!!" bevor Berek ihrer Aufforderung nachkam und eine Flamme entzündete. Das Gas entzündete sich um die Flamme sofort und breitete sich in einer stichartigen Explosion über alle anderen aus.
    • Lucius, der selbst nicht glauben konnte was in der Taverne geschah und sich kurz darauf auf den Platz davor verlagerte, wandte sich erst ab als Anthea bei ihm auftauchte und direkt das Feuer in ihn brennen lies als er sah, dass sie wieder ihren kleinen Chaosblick aufgelegt hatte. Sie erzählte ihm von ihren Plan. Er willigte ein und gemeinsam machten sie sich auf den Weg, um die Soldaten abzulenken.
      Lucius war ein talentierter Kämpfer und nutzte sein Geschick und seine Schnelligkeit, um die aufmarschierenden Soldaten zu verwirren und ihre Waffen gegen sie selbst zu richten. Er sprang und wirbelte durch die Mengen der Soldaten, sorgte dafür dass sie über ihre eigenen Füße stolperten und bestrafte nur jene mit dem Tod die sich als Ziel gesetzt hatten Anthea zu nahe zu kommen. Dies geschah so schnell und brutal, dass die Soldaten kaum Zeit hatten sich zu wehren. Meist nutzte er dessen eigenen Waffen mit seiner Fähigkeit der Entwaffnung, so musste er sich auch keine Sorgen um den Verschleiß machen, was zu bedeuten hatte, dass er wie eine wilde Raubkatze die Schwerter mit der Spitze voran durch die Rüstungen presste, Äxte so wuchtig auf den Körper der Soldaten schlug, dass teilweise die Arme brachen. Höchst ineffizient wenn es darum ging seine Angreifer schnell auszuschalten aber.... so machte es ihm einfach mehr Spaß, was man an seinem wilden Lachen auch deutlich hören konnte. Schnell sorgte das auch für einen psychologischen Effekt unter den neuen Rekruten der Königsstadt. Sie verfielen manche male in Panik wenn Lucius sich ihnen näherte und sorgten doch tatsächlich dafür, dass die Moral in den Keller fiel und tatsächlich der Befehl gegeben wurde Anthea und Lucius zu priorisieren.
      Von einem Soldaten zum anderen springend und dabei immer wilder und unbeherrschter werden, benetzte das Blut immer mehr seinen Körper, was sein Gesicht voller Freude strahlen und seine Augen vor Durst schreien ließen.
      Doch obwohl er in einem Tötungsrausch verfiel, war Lucius immer noch darauf bedacht nach jeder weiteren Leiche zu Anthea zu schauen und zu schützen. Er wich allen unnötigen Kämpfen aus, die dafür gesorgt hätten, dass Anthea in Gefahr kommen konnte.

      Berek war tatsächlich erleichtert, wenn auch etwas in seinem Stolz verletzt, als Khil auftauchte um ihm zur Hilfe zu eilen. Er hatte nicht damit gerechnet, dass er in der Taverne auf derart starke Gegenwehr stoßen würde. Nun ziemlich glücklich darüber Khil bei sich zu haben, wartete er schon auf einen ihrer kleinen Tricks die, wie er zugeben musste, in der Vergangenheit schon ziemlich oft ihre Nützlichkeit bewiesen. Als sie die kleine Bombe warf und das Gas ausbrach, zögerte Berek nicht lange. Er entfachte sofort eine Flamme und entzündete das Gas. Die Wucht der Explosion war enorm aber Berek sorgte für ausreichenden Schutz indem er die Flammen die auf ihn und Khil zukamen absorbierte, nicht aber die, die in Richtung von Daikata und Valterri hetzten.
      Dieser Moment war perfekt um den Rückzug anzutreten, was Berek auch unmittelbar in die Tat umsetzte nachdem Khil ihm hoch half und ihm bei der Flucht helfend unter die Arme griff.

      Daikata bekam von der Explosion dank Valterri's schneller Reaktion ebenfalls nicht viel ab, da sich der Riese schützend vor Daikata aufbaute. Die Haut eines Nordmanns seiner Klasse war allem Anschein dick genug um lediglich eine leichte Verbrennung anhand roter Haut zu hinterlassen.
      Als die Explosion verschwand und dicken Nebel hinterließ, waren sich beide mit einem Nicken einig, dass eine Verfolgung sinnlos war. Beide entschlossen sich direkt dafür nach Aradan zu sehen, doch stockten sie bei dem Anblick. Was sahen sie sich dort an? Was ist in der Zeit geschehen in welcher sie von ihm getrennt waren?
      Aradan schwebte majestätisch über dem Boden. Er war von einem gleißendem Licht umgeben, das ihn in eine fast schon göttliche Gestalt hüllte. Es war, als ob er selbst ein lebendes Lichtwesen war, geboren aus der Essenz des Lichts.
      Seine Augen waren geschlossen und seine Hände waren ausgestreckt, als ob er die Macht des Lichts in seine Fingerspitzen lenkte. Er konzentrierte sich auf seine Magie und all die Brände, die in der Stadt wüteten.
      Mit einem plötzlichen Aufblitzen erstrahlte Aradan noch heller und ein kräftiger Wind erhob sich in der stadt. Seine Arme begannen sich zu bewegen und ein glühendes Licht entstand in seiner Handfläche. Er war bereit, die Brände zu löschen und das Leben der Menschen zu retten die darunter ihren Tod finden würden.
      Schnell wurde klar was das Licht in seinen Händen bewirkte. All die Flammen der Stadt wurden Lebendig und schossen allesamt zeitgleich auf den gleißenden Lichtball zu, was schnell dafür sorgte, dass Aradan selbst Schaden durch die enorme Hitze nahm. Die Flammen züngelten wild um ihn herum aber Aradan ließ sich nicht von seiner Aufgabe abbringen. Mit einer plötzlichen Bewegung schleuderte er das Licht in die Luft. Ein Schauspiel, dass man so noch nie gesehen hatte. Der Lichtball wetzte weit in den Himmel und zog eine große Anzahl an Flammen mit sich, die sich schnell um den Lichtball sammelten und wie eine zweite Sonne wirkten.
      Dann riss Aradan seine Arme weit voneinander weg, was den Lichtball in einem blendenden Feuerwerk aus Energie und Licht explodieren ließ.
      Daikata und Valterri konnten ihren Augen nicht trauen. So etwas schönes hatten sie noch nie gesehen. Alle Feuer der Stadt waren erloschen und ließen lediglich Rauch zurück. Augenblicklich nach der wundervollen Explosion geschah das nächste unwirkliche. Trotz der Mittagszeit schien das Licht komplett der Dunkelheit platz zu machen. Als sei es mitten in der Nacht, fand das Spektakel sein Ende, was die Augen sofort wieder auf Aradan lenkte.
      Dieser öffnete grade wieder seine Augen und senkte seine Arme. Sein Körper war jetzt in einer sanften Aura aus Licht gehüllt, die ihn wie einen Engel erscheinen ließ. Ein wahrer Gott des Lichts, wie sich Daikata und Valterri in diesem Moment dachten. Doch war das überhaupt noch Aradan?

      Die Aura verflog und Aradan kam etwas unsanft auf dem Boden auf, ganz eindeutig erschöpft und von Schweiß bedeckt. Der Atem schwer und sich auf den Boden setzend, sah er sich um, als wolle er sicher stellen auch wirklich keinen Brand hinterlassen zu haben.
    • Die Explosion der Taverne war allumfassend, eine plötzliche Stichflamme, die sich über das Gas der Bombe binnen einer Sekunde durch den ganzen Raum ausbreitete. Mehrere Leute schrien, aber wer genau war nicht ersichtlich, nachdem der ganze Raum in einem hellen, flammengetriebenen Licht aufging. Die Hitze war kaum auszuhalten.
      Erst, als das letzte Gas verpuffte und die Flammen sich einigermaßen legten, hatte man einen Ausblick auf dessen, was dahinter lag. Und was es war, verschlug ihnen allen gleichermaßen die Sprache.
      Aradan hatte sich von dem sonst übernatürlichen, wenn auch noch immer menschlichen Mann deutlich zu etwas abgehoben, das viel eher einer Gottheit gleichkam als einem gewöhnlichen Menschen. Dort, wo vorher noch die Flammen gewütet hatten, erschien nun die Gestalt des weißhaarigen Mannes, eine Erscheinung, wie sie allenfalls in Geschichten hätte vorkommen können, nicht aber in der Realität. Aradan hing zwischen ihnen in der Luft wie ein Bote der Gerechtigkeit, eine Grenze zwischen der Niedertracht, die Berek und seine Schar darstellten, und dem Rest der Welt. Er schien gottgleich und gleichzeitig von den Göttern auserkoren.
      Ein plötzlicher Lichtblitz ließ die Anwesenden zusammenzucken, dann schien sich ein unsichtbares Feld aufzutun, das sämtliche Flammen in der Umgebung zu sich zog, mit Aradan in seiner Mitte. Wieder riefen mehrere Leute etwas, aber die Verwunderung über das Schauspiel war viel zu groß, um sich darüber Gedanken zu machen, ob man einschreiten sollte. Letzten Endes musste man es wohl Aradan überlassen, dem einzigen Wesen in ihrer Mitte, der stark genug war, um mit solcher Macht umgehen zu können.
      Die Flammen sammelten sich und schossen schließlich in den Himmel empor, um in einer eigenen, beeindruckenden Explosion aufzugehen. Sämtliche Aufmerksamkeit war auf den Himmel gerichtet, der nur kurze Zeit später in Finsternis aufging.
      Wenige Sekunden später erschien eine weitere Gestalt in der Tür und Renera warf sich mit einem Aufschrei regelrecht auf Aradan, den sie gleich so fest zu sich zog, wie es nur möglich war.
      "Aradan, bei allen Kreaturen!"
      Überwältigt von sämtlichen Emotionen, die mit einem Mal über sie hereinbrachen, jetzt, da sie Aradan nicht nur wiedergefunden, sondern ihn gleichzeitig auch noch bei vollem Bewusstsein wiederhatte, schlang sie die Arme um ihn, als wolle sie ihn nie wieder loslassen. Die anderen Anwesenden hatten keine Bedeutung mehr, Berek hatte keine Bedeutung, einzig Aradan war in diesem Moment das wichtigste und sie hätte die eigene Hand ins Feuer gelegt, um ihn zu schützen.
      "Oh Aradan! Was hast du gemacht, was war das? Was ist nur passiert?"
      Sie küsste ihn ungestüm, ohne erst auf eine Antwort zu machen, dann zog sie sich Aradans Arm um die Schultern und bemühte sich darum, dem Mann beim Aufstehen zu helfen. Valterri hätte ihn sich wohl mit Leichtigkeit über die Schulter geworfen, aber in diesem Augenblick hätte Renera allenfalls einen Arzt in Aradans Nähe verlassen.
      "Wir müssen hier weg, bevor das Chaos noch ganz ausbricht. Kannst du laufen, Aradan? Nur ein bisschen."
      Sie sah sich nach Valterri um, dann strebte sie den Ausgang an, um ihren Freund in Sicherheit zu bringen.

      Selbst Anthea bekam das Schauspiel mit, auch wenn sie und Lucius noch deutlich abgelenkt von den Soldaten waren. Sie erlaubte sich die eine Sekunde, um mit einer gewissen Verwunderung zur Taverne zu blicken, bevor sie sich nach Luce umsah.
      "Hast du das gesehen? Luce?"
      Der Mann war von einer beachtlichen Traube umgeben, eine Menge aus vor Wut blinden Soldaten, die um ihn schwirrten wie die Insekten um das Licht. Das hatte wohl dafür gesorgt, dass Anthea sich die Sekunde nehmen konnte, denn die Menge schien tendenziell eher zu Luce und weg von Anthea zu gravitieren. Ihr kam das merkwürdig vor, aber sie hatte keine Zeit, weiter darüber nachzudenken, als sich eine bullige, hochgewachsene Gestalt von dem Rest der Menge abhob. General Szeth Peamut hatte soeben das Feld betreten.
      Der Veteran sah in seiner Uniform aus wie ein glühender Stern in einem trüben Nachthimmel. Seine Auszeichnungen waren so glatt poliert, dass sie jeden einzelnen Strahl Licht widerspiegelten, ein einziges Kunstwerk aus Reflexion, das sich über seine Brust und seine Schultern schlängelte. Er war alt, das konnte man ihm ansehen, aber mit fortschreitendem Alter schien wohl auch seine Präsenz stärker geworden zu sein. Und bei seinem Auftreten zweifelte Anthea nicht daran, dass er noch nicht alt genug war, um an Kraft zu verlieren.
      Er reckte sein ebenso glanz poliertes, königsgeschmiedetes Schwert empor und brüllte seine Befehle, ein einziger Donner unter dem Kampftrubel, der in einer anderen Welt die Kraft gehabt hätte, den Boden zu erschüttern. Hier war er immerhin stark genug, um Antheas Adrenalinschub zu erschüttern.
      Sie duckte sich vor dem nächsten Angriff fort, leichtfüßig bei ihrer plötzlichen Planungsänderung und versuchte, bei dem Umschwung der Soldatenmenge, die auf ihren General hin ihre Formation änderte, Lucius zu erreichen. Der Mann verschwand hinter einer Wand aus Rüstungen.
      "Luce!"
      Sie schlug sich durch ein Soldatenpaar, rettete sich knapp vor einer Enthauptung und schnappte sich ein herrenloses Schwert, das sie in die nächste Rüstungslücke eines Soldaten rammte und dort stecken ließ. Der Soldat drehte sich und wie zu erwarten, hielt die Waffe seine umgebenden Kameraden auf Abstand. Anthea nutzte die dadurch gewonnene Lücke, um zu Lucius zu gelangen.
      Sie hatte sich gerade in seine Nähe durchgeschlagen, da ertönte die Stimme des Generals erneut, laut, stark, kräftig und unbeugsam und eine erneute Welle ging durch die Soldatenschaft, die sich nun deutlich festigte. Weiterkommen war jetzt definitiv beschwert und mittlerweile war Anthea sich sicher, dass sie lang genug für Ablenkung gesorgt hatten.
      "Zurück Luce! Zurück!"
      Rückzug wollte sie nicht sagen, aber eigentlich meinte sie genau das. Sie hatten ihre Möglichkeiten zum Chaos hier ausgeschöpft, jetzt müssten sie sich eine neue Quelle suchen, um mit der neuen Gefahr umzugehen, die sich ihnen in der Form des Generals präsentierte.

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    • Noch von der Akt ermüdet die Stadt von den Flammen zu befreien, nahm Aradan wenige Sekunden später eine Gestalt in seinem Augenwinkel wahr. Kaum wandte sich sein Blick zu dieser Person, erkannte er dass es Renera war. Seine Renera. Die, die sich nun mit einem Aufschrei förmlich auf ihn stürzte und an sich drückte als wolle sie ihn nie wieder gehen lassen. Aradan verschwendete keinen einzigen Gedanken ehe er auch seine Arme wild um seine Liebste schlang. Doch merkte er direkt wie schwer es ihm fiel sie mit der Kraft zu umarmen wie er es in diesem Moment wollte. Scheinbar hatte er sich selbst etwas mit seiner neu erlernten Kraft überschätzt... oder die nötige Menge an Energie unterschätzt. Die Rettung der Stadt vor ihrem flammenden Untergang hatte beinahe all seine Kräfte geraubt. Normalerweise würde es Tage dauern bis er sich vollständig erholt hatte und seine Energie vollständig zurückkehren würde. Ein Fehler der die Stadt vermutlich doch noch alles kosten könnte, sollte Berek einen weiteren Angriff starten.
      Doch in diesem einem Augenblick, als Renera ihn leidenschaftlich küsste, geschah etwas Unerwartetes.

      Ein Funke sprang über, ein unerklärliches Phänomen. Aradan war überrascht als er plötzlich eine rasende Geschwindigkeit soürte, mit der seine Kraft zurückkehrte. Es war, als ob eine unbekannte Quelle seine Erschöpfung wegschwemmte und ihn mit einer neuen, berauschenden Energie durchströmte.
      Das Bewusstsein dieser mysteriösen Quelle durchzog ihn wie ein elektrischer Impuls. Ein Funke des Geheimnisses, das seine müden Muskeln wiederbelebte und seinen Geist erneuerte. In diesem Moment erkannte er, dass es mehr gab als nur seine eigene Magie, das Zwielicht, oder die Geschichte aus der er zu lernen versuchte. Irgendetwas Außergewöhnliches war geschehen und es spornte ihn an sofort wieder aufzustehen, weiterzukämpfen, weiterhin für das Wohl aller zu kämpfen, vor allem aber dem Wohl seines Herzens, Renera.

      Die Welt um ihn herum verschwamm als er sich von Renera löste und sie mit einem Blick der Entschlossenheit ansah. Seine Augen, einst von Müdigkeit gezeichnet, erstrahlten nun mit einer neuen Leuchtkraft. Eine Flut von Gefühlen durchströmte ihn - Überraschung, Bewunderung aber vor allem Entschlossenheit.
      Aradan wusste, dass er nun mehr war als nur ein Lichtbringer. In ihm ruhte eine unbekannte Macht, die er erst zu endecken begonnen hatte. Es war ein GEschenk, das ihm verliehen worden war und er fühlte sich dazu berufen, es zu nutzen, um all das Leid und Übel zu bekämpfen. War es das was seine Eltern versucht haben in die Welt zu setzen? Auf ein mal ergab alles einen Sinn.

      Sein Blick wanderte über die Umgebung während er seine neu entdeckte Energie spürte. Er sah die verängstigten Gesichter der Menschen, die in naher Entfernung herumstanden, auf der Suche nach Hoffnung und Sicherheit. Aradan wusste, dass er nun ihre Stärke und ihr Licht sein musste. Er würde mit der mysteriösen Quelle seiner Energie weiter kämpfen, um ihnen Schutz und Frieden zu bringen.
      Mit einem festen Entschluss trat Aradan vor und hob seine Hand, die andere noch fest an der von Renera umklammert. Das Leuchten seiner Lichtmagie umgab ihn erneut, doch diesmal war es durchdrungen von einer Kraft, die er nicht erklären konnte. Es war eine Macht, die jenseits seines Verständnisses lag, aber er wusste, dass sie ihm gehörte, dass sie dazu bestimmt war, das Dunkel zu vertreiben, welches in dieser Welt herrschte.

      Aradan fühlte sich erfüllt von einem neuen Sinn. Seine Aufgabe war klar, seine Bestimmung deutlicher als je zuvor. Mit jeder Faser seines Seins war er bereit, sich dem Kampf zu stellen und die Welt mit seinem Licht zu erfüllen.
      Inmitten der wirbelnden Energien und der erneuten Entschlossenheit, sah Aradan Renera mit neuen Augen. Er erblickte in ihr die gleiche geheimnisvolle Macht, die auch in ihm erwacht war. Ihr sanftes Strahlen, ihre bedingungslose Liebe und ihre Stärke wurden für ihn zu einer unerschöpflichen Quelle der Inspiration. Er konnte nicht anders, als sie mit einem Ausdruck der Bewunderung anzusehen. In diesem Moment wurde ihm klar, dass er Renera niemals wieder verlieren wollte. Ihre Präsenz war nicht nur eine Ergänzung zu seiner eigenen Macht, sondern der Grundstein für sein Streben nach Gerechtigkeit, Schutz und Sicherheit.

      Die Verbundenheit zwischen ihnen war tiefer als je zuvor. Aradan wusste, dass sie gemeinsam eine unaufhaltsame Kraft waren, die diesem finsteren Schatten der Welt entgegentreten konnte.
      Ein Hauch von Entschlossenheit lag in seinem Blick, als er Reneras Hand nun fest in beiden seiner schloss.
      "Ich verspreche dir hiermit, dass ich für immer an deiner Seite bleibe. Durch jeden Kampf und jede Herausforderung hindurch."

      Aradan erkannte, dass die Liebe, die sie teilten, eine mächtige Quelle der Stärke war. Ihre Unterstützung und ihr Glaube aneinander würden sie durch jede Prüfung tragen. Gemeinsam würden sie das Unmögliche erreichen und die Welt wieder ins rechte Licht führen.
      Mit einem Lächeln der Entschlossenheit in seinen Augen und Reneras Hand fest in seiner eigenen, trat Aradan vor, bereit, die neue Macht, die in ihnen erwacht war, zu nutzen.
      Gemeinsam würden sie eine unvergessliche Geschichte schreiben und die Welt mit ihrer Liebe und Licht erfüllen.



      Auf der anderen Seite des Schlachtfelds konnte selbst Anthea das Schauspiel des Lichts und der anschließenden Nacht nicht übersehen. Obwohl sie und Lucius immer noch von den Soldaten abgelenkt waren.
      Lucius war jedoch von einer beeindruckenden Traube umgeben. Einer Ansammlung von Soldaten, die blind vor Wut waren und wie Insekten um das Licht um ihn herumschwirrten. Die Menge schien tendenziell eher zu Lucius als zu Anthea gezogen worden zu sein, doch verblasste all das als diese große, allumfassende Person aus der Masse hervor stach, welche wohl allen als General Peamut augenblicklich in Erkennung stechen durfte.

      Lange dauerte es ab diesem Zeitpunkt nicht als Anthea plötzlich zu einem dezenten Rückzug aufrief. Abhalten lies Lucius sich dadurch keinesfalls, immerhin gab es auf dem Weg zurück noch mehr als genug Körper die er mit diesen billig ergaunerten Klingen zum schreien bringen konnte.
      Beide kämpften sich von nun an entschlossen durch die feindlichen Soldatenschaften. Die Rufe des Generals und die verstärkte Formation der Truppen machten ihren Rückzug deutlich schwieriger. Doch mit Geschick und Entschlossenheit gelang es ihnen schließlich, aus dem dichten Gewirr aus Rüstungen und Waffen herauszukommen.

      Als sie den großen Platz erreichten, auf dem Aradan samt seiner Gemeinschaft stand, spürten sie die Intensität der magischen Energie, die in der Luft lag. Aradan hatte sich positioniert und seine Kräfte versammelt, um sich dem General entgegenzustellen, welcher sich nach einem hilferufenden Blick Anthea's direkt hinter ihnen befand.



      "Renera?" Ertönte fragend neben ihr zielgerichtet zur Front.
      "Schütze alle die danach rufen. Schütze alle noch vor deinem Wohl.." während er diese Worte aussprach, lies er seine Kräfte Stück für Stück über seine Hand in die Renera's gleiten, welche unbekannte Schriften auf ihrer Handfläche überließen, die kurz darauf über ihren ganzen Körper verteilt platz nahmen und ihr eine Macht übertrugen die Elraya zuvor nur zu einem kleinen Ansatz zu teil wurde.
      Als die Übertragung abgeschlossen war, sah Aradan sein Herzblatt an und nickte verheißungsvoll.
      "Lass es eindringen. Lass es zu und zeig unseren Feinden was du fühlst"
      Unmittelbar danach sah er wieder nach vorne, Anthea und ihren Begleiter fokussierend. Doch viel intensiver fiel sein Blick auf dessen Verfolger. Niemand anderes als Szeth Peamut verfolgte die Beiden. Für Aradan war dieser Mann der personifizierte Untergang Melora's und der Anfang seiner Leidensgeschichte. So unmittelbar seiner neuen Kraft beflügelt, kam ihm diese Person entgegen der er all seinen Hass entgegen brachte.
      Genau das sollte dieser "Mensch" nun zu spüren bekommen.
      "Stell dich hinter mich..." brachte er seiner anderen Hälfte entgegen und leitete sie mit seiner Hand an ihrem Bauch entlang hinter sich ehe er seine andere Hand Peamut entgegen richtete. Kurz darauf erleuchtete eben diese Hand in einem gleißendem Licht und entließ einen gebündelten Lichtstrahl aus seiner Hand, welcher Peamut's Herz galt, doch ebenso schnell wie dieser erschien, wurde dieser auch schon von dessen Rüstung abgeleitet und zerstreute in fielen Richtungen die Aradan nie vorgesehen hatte. Die ersten vier von vielen Strahlen ließen Gebäude in viele Teile zerbersten. Grund genug dass sich Lucius, noch immer vollsten Rausches auf Anthea stürzte, sie komplett in seine Arme schloss und sie zu Boden riss. Dort unten lies er den Staub vergehen und sah ihr grinsend in die Augen.
      "Lass sie Leiden" brachte er mit seinem üblichen Charm hervor, welchen nur Anthea in dieser Form zu teil werden durfte und zugleich für Unruhe sorgen durfte.
      Nachdem man seine unübliche Aussage untersuchen konnte, wurde klar, dass er genau wusste nicht mehr lange in dieser Welt zu verbleiben, ebenso nicht mehr lange an Anthea's Seite sein zu können. Doch bevor sie seine Wunde erblicken konnte, die durch einen der Lichtstrahlen genau durch seine Leber geschossen war, packte er die Wangen der Frau der er bis ans Ende der Welt gefolgt wäre und grinste weiterhin diabolisch als er seine letzte Kraft nutzte um sie näher an sich heran zu ziehen.
      Ein erster und letzter Kuss war sein letzter Wille. Doch kam dieser Wunsch zu spät. Wenige Millimeter vor der erwünschten Berührung erschlafften seine Arme, fielen zu Boden und machten allen klar, dass das Leben soeben aus seinem Körper gewichen war.
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