[2er RPG] The Curse of Time {TobiMcCloud & Codren}

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    • Der Assassine wäre beinahe damit durchgekommen, das Messer direkt durch Antheas Rippen zu jagen, als ein nahender Schrei ihn aufzucken ließ und er keine Sekunde später von einer anderen Gestalt umgeworfen wurde. Anthea musste nicht aufsehen, um zu erkennen, dass es Lucius war; sie hätte seine Stimme überall erkannt.
      Durchflutet von Erleichterung und auch einer gewissen Sorge, robbte sie gleich nach hinten weg, um den Männern nicht im Weg zu liegen. Was sie dann da vor sich zu sehen bekam, war schon kaum mehr human. Wie besessen prügelte Lucius auf den Attentäter ein und obwohl es Anthea schon selbst erschütterte, mit welch animalischen Brutalität er vorging, konnte sie sich dennoch nicht dazu durchringen, ihn davon abzuhalten. Ganz im Gegenteil sogar, seine Hingabe schmeichelte ihr, so sehr, dass sie ein wenig lächelte. Lucius würde den Tod für sie herausfordern, das wusste sie. Nichts könnte sich ihm in den Weg stellen.

      Als er endlich von der Leiche ließ, deren Kopf halb zermatscht, der Kiefer herausgerissen und in der keine gesunde Rippe mehr steckte, kam er zu ihr gesprungen. Sie öffnete bereits den Mund um ihm zu erklären, dass sie einen Moment bräuchte, dass er ihr aufhelfen solle, dass sie nicht so schnell gehen könnte, als er sie bereits kommentarlos aufhob und in die Arme nahm. Sie winselte über die Erschütterung, die sich in ihrer Hüfte spürbar machte, und schlang die Arme um seinen Hals, um sich an ihm festzuhalten. Für einen winzigen Moment glaubte sie, loslassen können. Alles war in Ordnung. Lucius würde sie bis ans Ende aller Zeiten tragen. Sie lehnte ihren Kopf an seine Schulter, schloss die Augen und versank in einem schwarzen Nichts, eingehüllt von dem Geruch von Blut und der Wärme, die Lucius ausstrahlte.
      Als sie aufwachte, halb im Delirium und kaum darüber gewahr, was Realität war und was ihrem Geist entsprang, war Lucius verschwunden und an seiner Stelle lag sie auf einer harten, kalten Oberfläche. Sie wimmerte leise über den Verlust und zwang sich, die Augen zu öffnen, bevor sie in die fahle Dunkelheit eines Raumes blinzelte. Lucius war schon eine Sekunde später da und schob sich in ihr Gesichtsfeld, seine Erscheinung so fadenscheinig wie ein Geist. Sie stellte den Lucius-Geist nicht in frage, stattdessen ließ sie sich von ihm das Stück Holz zwischen die Zähne klemmen. Unterbewusst begriff sie, was er von ihr wollte, war aber dennoch nicht darauf vorbereitet, als es tatsächlich geschah. Der Bolzen wurde mit einem Ruck rausgerissen und sie schrie auf, abgedämpft von dem Holzstück, das gleichzeitig verhinderte, dass sie sich die Zunge abgebissen hätte. Der Schmerz überwältigte sie und spülte sie erneut weg, zurück in das schwarze Nichts, von dem sie halb durch einen brennenden Schmerz wieder zurückgeholt wurde. Aus dem Augenwinkeln sah sie Bewegungen, konnte sich aber nicht dazu aufraffen, ihren Blick zu fokussieren. Sie sah Lucius' wilden Haarschopf und das war ihr genug Information, um den Rest zu ignorieren. Ihre Augenlider flatterten.
      Elraya tat wie geheißen, halb aus Ermangelung an anderen Möglichkeiten, halb weil sie es schon gewohnt war, von Berek Befehle in einem ähnlichen Tonfall zu erhalten. Sie überreichte die erhitzte Klinge und beugte sich selbst über die Frau, die wohl besagte Freundin sein mochte. Es wäre ihr absolut am Arsch vorbei gegangen, wenn sie an diesem Tisch verreckte, aber Lucius schien sämtliche Energien aufzuwenden, um sie am Leben zu erhalten. Also schloss sich Elraya an, denn irgendwas sagte ihr, dass der Mann nicht gut zu sprechen sein könnte, wenn die Frau verreckte - und sie musste von ihm schließlich noch herausfinden, wo Berek sich befand und wie sie ihn umgehen konnte.

      Erneut wurde Anthea aus ihrem Delirium herausgerissen, als die glühende Klinge mitten auf ihre Wunde gepresst wurde. Sie riss die Augen auf, erfüllt von einem Schmerz, der alles andere bis dahin erlebte völlig in den Schatten stellte. Das Leben kehrte in ihren Körper zurück und sie zuckte von der Klinge weg, hätte sich vom Tisch geworfen und wäre dann vermutlich freiwillig aus dem Fenster gesprungen, um dem Schmerz zu entgehen. Zu ihrem Leidwesen war Elraya noch immer zur Stelle und packte mit eisernem Griff zu, um sie festzuhalten. Es dauerte einige fürchterliche Sekunden, in denen Anthea die Tränen über das Gesicht liefen und sie beinahe den Holzkeil durchgebissen hätte, ehe Lucius das Schwert wegnahm und sie verband. Noch immer völlig überwältigt von dem Schmerz, der in ihren Knochen nachhallte und sie zum Zittern brachte, war sie zumindest wieder etwas wacher. Wenigstens wach genug, um jetzt auch die Frau zu erkennen, die auf der anderen Seite des Tisches stand. Die roten Haare gaben Auskunft darüber, dass es sich vermutlich um die Frau vom Kult hatte - Lucius hatte also schon einen ersten Erfolg gehabt.
      "Luce..."
      Sie streckte die Hand nach dem Mann aus und bekam sein Handgelenk zu fassen. Ihr Griff war nicht stark, aber Lucius hielt trotzdem in seiner Bewegung inne und starrte sie an.
      "Ich glaube... ich glaube sie wissen, dass wir... dass wir spioniert haben."
      Es war schwierig zu reden und dabei den Schmerz zu ignorieren. Sie umfasste Lucius ein bisschen stärker, aber er machte sowieso keine Anstalten, sich von ihr zu entfernen.
      "Ilyos hat... Ilyos hat Fragen gestellt. Er muss es wissen... ich habe nicht aufgepasst."
      Elraya sah zwischen dem Paar hin und her, fraglos darüber, wovon gerade geredet wurde. Sie wusste nur, dass Lucius Melora zu kennen schien oder daran interessiert war, aber mehr auch nicht.
      "Wer weiß was?"
      Sie wandte sich an den Mann, nachdem die Frau kaum ansprechbar schien.
      "Was ist mit Berek, sollten wir uns nicht eigentlich mit ihm beschäftigen? Wir haben keine Zeit, uns um irgendwas anderes zu kümmern."
      Sie verschränkte trotzig die Arme vor der Brust.
    • Lucius tat alles was in seiner Macht stand um Anthea zu versorgen. Ihm blieb nicht sehr viel übrig als das was er bisher getan hatte. Er kannte sich mit Schmerzmitteln nicht aus, daher wusste er auch absolut nicht was er ihr hätte geben sollen um die Schmerzen etwas besser aushalten zu können. Es zerriss ihn innerlich Anthea solche Schmerzen zufügen zu müssen aber was hatte er schon für eine Wahl?
      Sicher war er sich nur, dass er den Schmerz, den Anthea erlitt, vielfach zurück zahlen würde. Er würde herausfinden wer den Auftrag gab und warum. Und sobald er diese Person in die Finger bekam, würde er an dieser ein Exempel statuieren, damit sich niemand mehr wagen wird sich an Anthea zu vergreifen.
      Da erklang die schwache Stimme seines Herzens, die vor ihm auf dem Tisch lag. Sofort überkam Lucius ein erleichtertes lächeln. Natürlich sollte Anthea in ihrer Verfassung nicht sprechen, doch sah Lucius das mit Stolz an. Natürlich war Anthea kräftig genug um sogar bei solchen Wunden ohne Schmerzmitteln noch sprechen zu können. Was für ein Teufelsweib.
      Sofort legte er seine Hände auf ihre Wangen und beugte sich ein wenig zu ihr damit sie nicht zu laut sprechen musste.
      Aber auch diese schlechte Nachricht vermochte es nicht seine Freude zu schmälern. Vorerst strich er Anthea vorsichtig ihre Tränen weg und nickte ihr entgegen. Daraufhin flüsterte er behutsam
      "Mach dir keine Sorgen. Ich werde dem ganzen auf den Grund gehen. Hier bist du vorerst sicher."
      Anschließend streichelte er ihr noch über die Wange, ehe er sie behutsam vom Tisch hoch hob und in das Schlafzimmer trug, auf welchem er Anthea vorsichtig auf das Bett nieder legte.
      "Versuch ein wenig zu schlafen falls es möglich ist. Ich werde Medikamente besorgen und bin zurück bevor du wieder wach bist."
      Seitlich am Bett sitzend, noch immer enorm erleichtert lächelnd dass Anthea den Angriff überlebt hatte, nahm er ihre Hand mit seinen, verblieb für einen Moment so, verlor sich dabei in ihren Augen und zwang sich etwas später wieder hinaus um aufzustehen. Er hätte sich nicht verziehen wenn ihre Wunden sich entzünden oder sie die Nacht mit Schmerzen kämpfen musste, also nickte er ihr nochmals zu um ihr zu verstehen zu geben, dass er sich beeilen wird und ging aus dem Schlafzimmer hinaus, zurück in den Raum wo Elraya noch am Tisch war.
      Ihr gegenüber seufzte er kurz um seine Sorge los zu werden. Aber auch Elraya bekam von ihm ein dankendes nicken.
      "Ich danke dir für die Hilfe. Auch du bist hier vorerst sicher. Kein Distrikt weiß dass hier seit zwei Jahren niemand mehr lebt. Ich bezahle sogar die Beiträge des Hauses damit es nicht auffällt."
      Währenddessen packte er all die benutzten Sachen wieder zusammen und nahm auch anschließend Berek's Schwert, welches schon wieder erkaltet war.
      "Ist alles etwas kompliziert für dich, ich weiß. Ich hab dir doch von den Distrikten erzählt. Nunja. Anthea und ich sind grob gesehen Feinde. Wir sind in rivalisierenden Distrikten tätig und wie es aussieht, steckt hinter der Entführung des weißhaarigen noch eine ganze Menge mehr als wir angenommen haben. Aber darum können wir uns später kümmern. Vorerst muss ich Medikamente besorgen. Ich wäre dir sehr dankbar, wenn du bis zu meiner Rückkehr ein Auge auf sie halten wirst."
      Lucius sprach zwar sehr ruhig und tatsächlich als würde er Elraya darum bitten, doch sprachen seine Augen klar die Worte aus, dass auch Elraya auf seiner Liste landen wird, sollte Anthea etwas zustoßen solange er weg ist.
      "Über Berek reden wir dann sobald ich zurück bin."
      Anschließend klemmte er die Klinge von Berek in eine kleine Nische zwischen einem robusten Schrank und der anliegenden Wand und zerbrach die Klinge mit einer heftigen Überdehnung. Ein klares Statement seines Hasses gegenüber Berek.

      Anschließend verschwand Lucius auch schon für etwa eine Stunde.
      Zurück kam er mit einem verbundenen Fuß, selbst hier und dort verbundenen Stellen an den Armen und einem großen Sack auf dem Rücken, voll mit allerlei nützlichen Dingen.
      "Bin wieder da.. Wie geht es ihr?"
      Fragte er rhetorisch ohne wirklich eine Antwort zu verlangen, immerhin würde er sich selbst vergewissern. Vorerst stellte er aber einer saftigen Braten und ein frisches Brot auf den wohl von Elraya gesäuberten Tisch, mit samt mehreren Flaschen teurem Alkohol als kleines Dankeschön für Elraya.
      Direkt danach ging Lucius auch schon in das Schlafzimmer und leerte den Sack auf dem Bett aus. Für jedes Medikament hat sich Lucius einen Zettel dazu geben lassen, in welchen Mengen er was verabreichen musste. Glücklicherweise war es ziemlich überschaubar.
      Als erstes bereitete er eine Flüssigkeit zu, die auch in Krankenhäusern für schwere Verletzungen verabreicht wurde. Sie macht müde, wirkt schmerz hemmend und schmeckt absolut widerwertig.
      Als er ein Glas mit der grünlichen Suppe gefüllt hatte, weckte er Anthea vorsichtig. Ihr lief der Schweiß die Stirn hinab, was wohl dem Schmerz geschuldet war. Kaum trafen sich ihre Augen, nickte er wieder mit einem lächeln.
      "Hier. Trink das. Es schmeckt nicht aber es wird dir die Schmerzen nehmen. Sobald es wirkt, würde ich gerne eine Salbe auf deine Wunden auftragen."
    • Anthea zwang sich so lange wach zu bleiben, wie es ihr möglich war, dann siegte die Erschöpfung und sie sank zurück ins unendliche Nichts, das letzte Bild vor Augen Lucius, wie er ihre Hand hielt.
      Im Hintergrund tigerte Elraya unruhig herum, hin und wieder auf das Pärchen schauend, das sie nicht richtig einschätzen konnte. Sie war hergekommen, um über Berek zu reden, und jetzt wurde sie in irgendeine andere Sache mit hineingezogen, auf die sie gar keine Lust hatte. Aber sie brauchte Lucius' Auskunft und der Mann würde sie ihr wohl nicht eher geben, als seine Freundin versorgt war.
      Also versuchte sie sich mit ihm gut zu stellen. Als er zurück zu ihr kam und sich bedankte, zuckte sie mit den Schultern.
      "Hätte schlimmer sein können. Waren ja nur ein paar Wunden."
      Sie ließ ihn nicht aus den Augen, konnte aber ihre Enttäuschung darüber, dass Berek weiter warten müsste, nur mit Mühe verstecken. Sie nickte trotzdem und winkte ab.
      "Jaja, mach nur. Ich hab' sowieso nichts vor heute."
      Sie sah mit einer gewissen Nervosität zu, wie er die Klinge zerbrach, bevor er endlich einen Abgang machte. Allein gelassen mit der bewusstlosen Freundin, von der sie noch nicht einmal den Namen erfahren hatte, schlich sie ein wenig weiter durch die Wohnung, sah sich die Zimmer an, wühlte ein wenig in den Sachen herum und schließlich auch in Antheas Taschen. Die Frau trug allerdings kein Gold mit sich und auch sonst gab es nichts von Wert in der Wohnung, wenn man nicht das zerbrochene Schwert mitzählen wollte. Sie schnaubte frustriert und setzte sich dann ans Fenster, um Wache zu halten. Wäre Berek hier gewesen, hätte er ihr etwas zum Spielen dagelassen oder sie zumindest mit Lodoz allein gelassen. Lucius ging einfach, also setzte sie sich und wartete.
      Es dauerte eine halbe Ewigkeit bis er wieder auftauchte und sie mit seiner Anwesenheit beehrte. Er sah noch lädierter aus als zuvor, aber es interessierte Elraya nur wenig, was er angestellt hatte. Sie wollte noch immer Auskunft haben.
      "Pennt", brummte sie zur Antwort und dackelte dem Mann gleich nach, aus Ermangelung an anderen Tätigkeiten, denen sie sich hätte widmen können. Er stellte etwas Essen auf den Tisch und Rum, dem sie sich sogleich ekstatisch widmete. Sie schraubte den Verschluss auf, trank aus der Flasche und war damit für den Moment beschäftigt.
      Anthea wachte zu Lucius' lächelndem Gesicht auf und begrüßte ihn ihrerseits mit einem gepeinigten Grunzen. Er hielt ihr ein Glas hin, das sie verwirrt anblinzelte.
      "... Wolltest du nicht weggehen?"
      Es dauerte einen Moment, bis sie begriffen hatte, dass er durchaus weggegangen war, aber sie derweil geschlafen hatte. Sie ließ sich von ihm beim Trinken helfen und würgte, kaum nachdem sie geschluckt hatte.
      "Bäh! Willst du mich vergiften?
      Sie brauchte lange, bis sie den vollständigen Inhalt heruntergewürgt hatte, ohne ihn wieder heraufzubefördern, aber die Wirkung trat überraschend schnell ein. Ihre Glieder wurden schwer und das Stechen an ihren Wunden wurde ersetzt von einem dumpfen Pochen, so als hätte man es durch einen Schleier abgedämpft. Das Denken wurde genauso schwer und sie blinzelte langsam.
      "Luce."
      Sie griff träge nach ihm und bekam einen Verband an seinem Arm zu fassen. Da runzelte sie die Stirn und starrte mühsam an ihm hinab.
      "... Geht's dir gut? ... Was hast du gemacht?"
      Sie sah wieder auf und beobachtete, ohne viel dabei zu spüren, wie er ihren Verband löste und die Salbe auftrug. Ein Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht, ein schiefes, nachdem ihre Gesichtsmuskeln nicht so arbeiteten, wie sie eigentlich sollten.
      "Du hast ihn richtig fertig gemacht... stimmt's? Das hast du gut gemacht. Ich wusste doch, ich kann mich immer... auf dich verlassen."
      Beim nächsten Blinzeln bekam sie die Augen beinahe nicht mehr auf und ihre Hand glitt von seinem Arm ab. Sie merkte es und angelte wieder nach ihm.
      "Bleib hier, Luce. Nur für heute..."
    • Lucius durchfuhr endlich eine innere Ruhe als er bemerkte wie schnell die Medizin ihre Wirkung entfachte. Ihm wurde zwar schon gesagt dass diese Dosis recht hoch sei, doch war das ja auch der Sinn der Sache.
      Es war schon ein ziemlich seltsamer Anblick. Sie kannten sich schon so lange aber noch nie kam es dazu, dass Anthea so fertig war. Natürlich hatte sie schon öfter eine fiese Wunde ab bekommen aber das hier war etwas anderes. Meist kam es dazu wenn sie in ihrem Chaos zu sehr in die vollen ging. Hier trachtete aber ein Profi nach ihrem Leben. Ein Fakt der sein Blut schon wieder zum kochen brachte.
      Vorerst hörte er aber auf die kleine Bitte, welche ihm entgegen geflüstert wurde. Doch antworten konnte er nicht darauf, denn in diesem Fall hätte er lügen müssen. Stattdessen entschied er sich nur zu lächeln bis die Medizin den Schlaf herbei führte den Anthea dringend brauchte um sich erholen zu können.
      Ihre Hand wurde lockerer, glitt an seinem Arm wieder hinunter ehe er sie vorsichtig auffing und vorsichtig neben Anthea legte. So, dass ihre Wunde nicht beansprucht wurde. Daraufhin zog er ihr die Decke hoch bis zum Hals und verließ langsam und leise das Zimmer, welches er hinter sich schloss und durchatmend in den Raum zurück kehrte in welchem Elraya sich schon an den Mitbringseln zu schaffen machte.

      "Danke für die Hilfe Rotschopf."
      Meinte er beiläufig während er sich die Haare durchwuselte um einen klaren Gedanken fassen zu können. Wo sollte er nur anfangen. Wurden beide tatsächlich beobachtet? War sein Distrikt nun auch schon auf der Hut und würde ihm auflauern? Auf keinen Fall. Er war viel zu wertvoll als dass die sich erlauben konnten ihn los zu werden. Was hatte er schon groß getan? Berek aufgelauert und mit einer Frau gesprochen, welche.... kein schlechtes Ansehen im direkten feindlichen Distrikt genoss... Umso mehr er darüber nachdachte, desto wahrscheinlicher war es ihm, dass auch er mit so einer Begrüßung rechnen musste. Aber was hatte er für eine Wahl? Wenn er seinem Vorgesetzten nun aus dem Weg gehen würde, wäre das viel auffälliger.
      Nach langem hin und her mit sich selbst, was für Außenstehende wohl nur wenige Sekunden waren, entschied sich Lucius dazu, vorerst den Plan mit der Fracht zu erledigen. Möglicherweise würde das schon einige Probleme lösen.
      "Ach ehm. Sag mal wie ist eigentlich dein Name? Ich habe mich dir schon auf dem Dach vorgestellt. Oder soll ich dich weiterhin Rotschopf nennen? Vielleicht wäre dir ja auch Tomate lieber?"
      Wie sehr ihn die Antwort interessierte, zeigte er dadurch, dass er nicht darauf wartete, sondern direkt zum eigentlichen Thema über ging, nachdem er sich an den Tisch gesetzt und sich entspannt in den Stuhl gelehnt hatte.
      "Also. Was uns Beide angeht. Ich denke du hast jetzt lang genug gewartet. Berek. Ich weiß ich weiß, böser Kerl, gefährlich und spinnt gerne Netze. Das hört man mittlerweile an jeder Straßenecke. Du hast aber gemeint dass dieser Melora Typ von unserem Vorteil sein könnte. Was hast du damit gemeint? Warum wird der so speziell behandelt? Er ist aus Melora, klar, dann kann er wohl kämpfen. Aber wie ich gehört hab wurden die Melorianer nur gegen den Kampf von Kreaturen geschult. Was nutzt uns so einer also gegen Berek? Genau so gut kann ich dem auch einfach Gift ins Essen mischen lassen, oder ein paar fähige Assassinen zum spielen schicken. Ist zwar ein sehr teurer Spaß aber so wie du mir vor kommst, zahlst du lieber ne lebenslange Schuld ab statt dich von Berek jagen zu lassen."
    • Elraya sah von ihrem Festschmaus auf als Lucius zurückkam, machte aber keine Anstalten ihn zu unterbrechen. Gerade schob sie sich ein Stück Wurst in den Mund und stopfte einen Bissen Brot gleich noch mit dazu, auch wenn die Hälfte dabei schon wieder herausfiel. Lucius blieb für einen Moment im Türrahmen stehen, dann kam er zu ihr. Zumindest hatte sie den Anstand einigermaßen runterzuschlucken, bevor sie antwortete.
      "Ich heiß Elraya. Und wer ist deine Freundin da drin?"
      Sie kniff bei Lucius' Bemerkung die Augen zusammen.
      "Untersteh dich mich so zu nennen, oder ich schneid dir die Klöten ab!"
      Sie beobachtete ihn misstrauisch, während er sich zu ihr setzte und ihr endlich den Gefallen tat, weiter von Berek zu sprechen. Sie leckte sich die Finger ab und musterte ihn einmal. So schlecht sah er gar nicht aus.
      "Okay, also das war so - und das ist jetzt wichtig, sonst checkst du das nicht!"
      Um ihre Worte zu unterstreichen, fixierte sie ihn eindringlich.
      "Berek kann dieses Feuer-Zeug. Also nicht nur Feuer, sondern dann auch so Feuer-Strahlen und so richtig heißes, ganz mieses Feuer, das der sich aus dem Finger puhlen kann - keine Ahnung wie er das macht. Er kann das und Pria konnte das auch - das war 'ne andere, wir hatten da so eine Gruppe. Wir haben Aradan bestohlen, also ist Aradan auf uns aufmerksam geworden und hat sich mit Pria zusammengetan und dann hat Pria sich mit Berek angelegt und dann hat Berek sich mit Aradan angelegt und bei Pria ist's so, dass sie auch was kann, aber nicht so viel und außerdem auch nicht so stark wie Berek, aber Aradan! Der hat wirklich was drauf. Die sind also auf den Platz gegangen und Aradan war da, aber Berek nicht, und Berek wollte ihn dann mit einem echt riesigen, richtig epischen Feuerball fertig machen und Aradan hat den in der Luft gestoppt, einfach so! Ich meine, dann ist trotzdem alles in Chaos ausgebrochen und das halbe Viertel hat's hinterher verwüstet, aber der hat ungefähr so gemacht", sie reckte die Arme in die Luft während sie Aradan nachmachte, "und dann ist das Ding einfach gestoppt und ich weiß, dass Berek sich richtig einen reingeschissen hat, weil das eigentlich einfach nicht möglich ist. Aber Aradan hat's gemacht. Der Weißhaarige kann sowas."
      Sie gab Lucius einen Moment, um diese erstaunliche Geschichte erstmal ordentlich verdauen zu können, bevor sie weitererzählte.
      "Dann war er ohnmächtig und dann wurde er entführt und dann war er nicht mehr ohnmächtig und eigentlich war er nie ohnmächtig, aber das ist eine andere Sache, die hab ich selber nicht wirklich verstanden. Die Leute, die ihn entführt haben, haben aber irgendwas mit ihm zu tun, das weiß ich. Deswegen kann uns Aradan nicht helfen, solange er noch bei denen ist; aber er kann uns helfen, weil er Berek schon einmal fertig gemacht hat."
      Ein zufriedener Ausdruck schlich sich auf ihr Gesicht, als habe sie ihren Job gerade erfolgreich erledigt und könne sich jetzt endlich zurücklehnen. Zur Belohnung nahm sie sich gleich noch eine Wurst und knabberte daran.
      "Ganz abgesehen davon ist es richtig amateurhaft zu glauben, dass Berek sich vergiften lässt. Oder einfach so ermorden lässt. Denkste etwa, das hat in all den Jahren nicht schon jemand versucht? Der ist wie so 'n… Wiesel oder sowas. Den kriegste nicht und wenn du ihn wirklich kriegst, dann nur weil er es selbst so will, verstehste?"
    • Lange hatte es nicht gedauert bis Lucius merkte nicht mit der hellsten Kerze zu sprechen. Nicht nur hatte die Frau kaum Manieren. Sondern hatte sie auch noch ein unglaubliches Talent Dinge zu erklären aus denen man kaum Informationen entnehmen konnte. Es gehörte schon einiges dazu einer Person etwas zu erklären und dabei nur für mehr Fragezeichen zu sorgen. Vor allem dann noch gen Ende zu meinen man wäre ein Amateur. Da konnte Lucius dann doch nur noch schmunzeln, was er erstmal mit einem Glas Rum hinunter spülte.
      "Okay mal langsam."
      Er hielt seine Hände vor um Elraya bei ihrer Erklärung zu bremsen während er sich leicht nach vorne lehnte
      "Dass etwas nicht ganz normal mit diesem Berek und dem Feuer ist, hab ich mir schon herleiten können. Der hat sich immerhin in sowas wie ne wandelnde Stichflamme verwandelt als er auf den Kutteneumel los ist. Ich hab schon immer daran geglaubt dass dieses Gefasel über magische Kräfte und höhere Wesen irgendwo einen wahren Kern haben muss. Ich hab da mal ne ganze Zeit drüber gelesen und naja. Es gibt einfach zu viele Spuren die zueinander passen. Ich meine. Da draußen laufen unsagbar fiese Kreaturen umher. Die gabs früher auch nicht. Ist es da wirklich so vermessen an Magie zu glauben? Ich denke nicht."
      Dann wedelte er mit einer Hand das Thema ab
      "Ah und die Frau dort drin heißt Anthea. Spielt grad aber keine Rolle. Erzähl mir mehr über diesen Aradan. Der soll nen Feuerball nur durch eine Geste aufgehalten haben? Mitten in der Luft?"
      Es war beinahe als würden seine Augen plötzlich zu funkeln anfangen
      "Was kann der denn noch so? Und.. läuft der einfach nur so durch die Gegend? Der muss doch sicher von Königen und Soldaten auf der Flucht sein. Die schnappen sich doch so gerne allerhand an begabten Leuten für ihre Zwecke und versklaven sie mit irgendwelchen scheinheiligen Gründen."
      Dann stand Lucius auf und ging zum Fenster um bei frischer Luft grübeln zu können, immerhin war es ja nun zersprungen
      "Ich denke wir kommen nicht umher diesen Aradan zu klauen. Und dank den neuesten Umständen, wäre es sehr riskant meine Leute zu beauftragen. Das Risiko ist zu groß dass man mir auflauern könnte. Am Ende lande ich neben Anthea."
      Dann den Rücken zum Fenster drehend, um Elraya anblicken zu können, verschränkte er seine Arme vor sich.
      "Aber die bisher nach wie vor wichtigste Frage ist wohl... kann man diesem Aradan trauen? Wer sagt mir dass er nicht wie Berek austickt sobald er frei ist? Wer sagt mir dass das nicht euer Plan ist? Wenn der Typ tatsächlich so mächtig sein soll, wäre es ziemlich dumm von mir ihn zu befreien. Der muss doch nur auch nen leichten Sprung in der Schüssel haben und schon verliere ich mein Leben. Was kannst du mir also sagen, was mir das Risiko etwas schmackhafter macht? Hab nämlich keine Lust durch die Kanalisation zu krebsen nur um eine magische Schelle abzubekommen."
    • Beidermaßen gekränkt darin, unterbrochen worden zu sein, als auch verwirrt darüber, was Aradans Kräfte nun mit Kreaturen zu tun haben sollten, blinzelte Elraya Lucius für einen Moment einfach nur an. Sie wusste den Typ nicht richtig einzuschätzen, der ihr irgendwie komisch kam - allerdings wusste sie noch nicht, wie komisch. Khil-nervig-komisch oder eher Pria-cool-komisch? Das schien es beides nicht zu sein. Jemand durchgeknallten flachzulegen war dann doch nichts, worauf sie unbedingt erpicht war.
      Fast schon schade.
      "Du fragst mich Sachen, die ich gar nicht wissen kann. Wir kennen uns seit einem Monat oder sowas. Keine Ahnung, was er sonst so in seinem Leben treibt!"
      Sie pflückte am Käse herum, bevor ihr doch noch etwas einfiel und sie aufsah.
      "Ah, ich weiß was. Also zum einen konnte er teleportieren, glaube ich, wir waren nämlich auf dem Boot und dann waren wir plötzlich nicht mehr auf dem Boot, sondern bei einer Kirche oder irgendwas. Das war dann auch der Moment, als er wach war, obwohl er eben noch nicht wach war, verstehst du? Das war die eine Sache. Und dann konnte er noch irgendwas mit meinem Körper machen, damit ich nicht müde wurde. Und richtig kräftig auch noch und quasi unbesiegbar. Ab dann war er auch wieder wach."
      Sie beobachtete ihn wie er zum Fenster ging, den Blick auf seinen Hintern gerichtet. Schließlich sah sie zu ihm auf.
      "Du hast nach Berek gefragt, ich habe dir eine Lösung geboten. Vielleicht hat der Weißhaarige auch einen Sprung in der Schüssel, keine Ahnung, aber wenigstens hat er schon einen Erfolg gehabt. Wenn du Berek aus der Stadt haben willst, ist das die beste Lösung, andernfalls kannst du ihn gerne vergiften und bei dem Versuch verrecken. Ich für meinen Teil werde jedenfalls Aradan holen gehen, ob du mitkommst oder nicht. Ich mach das hier größtenteils umsonst, weißt du das? Ich mach das freiwillig, halbwegs. Also werd ich das auch fertig machen."
      Sie stand auf.
      "Ganz abgesehen davon arbeitet doch deine Geliebte mit Berek zusammen, oder nicht? Entweder du wirst mir also helfen, oder ich werde persönlich zu Berek gehen und ihm flunkern, dass seine Söldnerin verwundet im Bett liegt und sich nicht rühren kann. Ich habe genug Zeit mit ihm verbracht um zu wissen, dass er schwache Glieder in seiner Kette nicht ausstehen kann."
      Sie grinste triumphierend.
    • Das Gespräch mit Elraya wurde mit jeder weiteren Sekunde enttäuschender. Sie war mit dem Kerl nur einen Monat unterwegs gewesen. Langsam kam Lucius die Vermutung, dass viele der Fähigkeiten etwas zu bunt ausgemalt wurden. Möglicherweise war die hohle Nuss, die sich mit ihm im Raum befand, einfach nur in den weißhaarigen verschossen?
      Kurz musste er lachen bei der Vorstellen dass Elraya nur eine kleine Stalkerin war und nicht mal wirklich was mit ihm zu tun hatte.
      Sogar ihre Beschreibung des unbesiegbar fühlens und daraufhin unsagbare Kräfte zu haben... nachdem er wieder wach war... sprach mehr dafür dass beide einfach miteinander im Bett gewesen sind und sich der Rotschopf geliebt fühlte. Plötzlich ergab ihr seltsames Verhalten einen Sinn. Was für ein Jammer. Aber was hatte Lucius schon für eine Wahl. Selbst wenn auch nur eine kleine Chance darin bestand, dass dieser Aradan auch magische Fähigkeiten besitzt, wäre es das Risiko wert gewesen. Auch wenn nun vieles auf einen verknallten Rotschopf hinaus lief, gab es doch noch die ein oder andere Ungereimtheit die nicht ganz ins Raster passte. Und abgesehen davon, wollte Lucius noch einigen den Kiefer brechen die etwas mit dem Attentat zu tun hatten. Bisher sprach also nicht viel dagegen die Nacht mit einer Suche zu verbringen. Anthea würde ganz sicher bis zum Morgengrauen durch schlafen. Was würde ihr also besser gefallen als ein paar vorzeigbare Resultate, um den Schmerz ihrer Wunden zusätzlich noch etwas zu lindern.
      "Also gut.. Ich hätte da ein paar..."
      Fing er an als Elraya aufstand. Doch wählte sie nun die wohl schlechtesten Worte, die sie überhaupt hätte wählen können. Vor Lucius mit einem Verrat zu drohen war schon unklug. Doch obendrein mit dem Leben von Anthea zu spielen, lies ihn augenblicklich wutentfacht einen klapprigen Stuhl an dessen Lehne greifen und auf Elraya werfen. Dieser zerbrach in tausend Stücke als Elraya durch ihre guten Reflexe die Arme schützend hoch zog. Doch hatte Lucius den Abstand in eben diesem Moment zwischen den beiden verringert. Er packte Elraya sofort an ihrem Hals, presste sie gegen die Wand und hob sie dabei noch ein Stück an, damit ihre Füße keinen Kontakt mehr mit dem Boden hatten. Und auch ihre schnell gezückte Klinge konterte er einem aufhaltenden Griff an ihrem Handgelenk, welches er zu brechen drohte, falls sie sich noch eine falsche Bewegung wagte.
      Um seine Wut noch etwas klarer zu machen, rammte er ihr heftig sein Knie in die Magengrube, wo noch all das frisch verschlungene Essen darauf wartete verdaut zu werden.
      Sicher kam ihr das Essen nun schnell wieder hoch, doch lies Lucius nichts davon zu. Er packte ihren Hals so feste zu, das nicht mal mehr ein Reiskorn durch die Speiseröhre gepasst hätte. Einen Moment lang blickte er ihr mit warnendem Hass in ihre Augen, wartend bis der aufkommende Druck gefährlich wurde, ehe er sie los lies und dem heraus schießendem Erbrochenem geschickt zur Seite hin auswich.
      An Elraya, die nun auf allen Vieren auf dem Boden hockte, hinunter blickend, flüsterte er ihr nur warnend zu
      "Wag es dich noch ein einziges Mal ihr zu drohen, und du wirst dir wünschen dass Berek dich findet!"
      Anschließend trat er Elraya kräftig in die Seite und nahm ihr beide Dolche ab. Nur um sicher zu gehen tastete er sie noch überall ab wo sie etwas versteckt halten könnte. Erst als er sich sicher war, dass Elraya keine Waffen mehr bei sich trug, sprach er ihr wieder im normalen Ton entgegen.
      "Und nun steh auf. Wenn du dein vorlautes Maul halten kannst, hab ich ein paar Ideen wie wir das Unterschlupf dieser Kutten finden können. Meinst du du kriegst das hin? Oder soll ich dich doch besser ausliefern?"
    • Plötzlich dem überraschendem Wutausbruch ausgesetzt, den Lucius zu übermannen schien, wich Elraya zurück und entschied sich in letzter Sekunde dazu, sich vor dem Stuhl zu schützen, anstatt ihm auszuweichen. Das erwies sich schon gleich als drastischer Fehler, als Lucius schon zu ihr aufholte, sie am Hals packte und gegen die Wand schmetterte. Eine merkwürdige Nostalgie überkam sie von dem Würgegriff, ob durch Lodoz oder Berek oder jemand anderen, doch es fühlte sich schon beinahe tröstend vertraut an. Ihr Lächeln verschwand allerdings dann, als er ihren Magen zerquetschte und das unverdaute Essen nach oben schoss, nur um doch keinen Weg nach draußen zu finden. Für viele, quälende Sekunden fühlte es sich so an, als würde sie ertrinken und ersticken, was auch immer diese komische Kombination sein sollte. Als er sie schließlich freiließ, hatte selbst Elraya nicht mehr die Muße dazu zu lachen und erbrach sich erst vollumfänglich, bevor sie nach Luft rang und sich einigermaßen erholte. Für weitere, etliche Sekunden lang verspürte sie einen unglaublichen Hass auf Lucius, den keine Rache dieser Welt auszulöschen vermochte.
      Dann hatte sie einigermaßen die Fassung wiedererlangt, spuckte ein paar Mal aus und kämpfte sich wieder auf die Beine. Lucius hatte ihr die Dolche weggenommen, also spuckte sie ihm vor die Füße.
      "Du... ah... Scheißkerl."
      Mit einer Hand hielt sie sich den Bauch, mit der anderen wischte sie sich über den Mund. Äußerliche Schmerzen hatte sie definitiv lieber als innerliche.
      "Sieh doch zu, dass du... ah... ihn alleine findest. Ich weiß wo sie Aradan... blurgh... hingebracht haben, aber das werd' ich dir nicht sagen wenn du mich an... uh... Berek auslieferst. Arschloch."
      Sie spuckte noch einmal aus, dann schlich sie zielstrebig auf die Tür zu.
    • Lucius weitete seine Augen und sah Elraya damit überrascht an. Hatte sie ihm grad wirklich gesagt, dass sie ihm nichts sagen wird, sollte er sie ausliefern? Wie konnte diese Frau nur so alt werden? Natürlich würde sie einem nichts sagen wenn man sie ausliefert. Aber er glaubte dass es keinerlei Sinn machen würde mit dieser Frau groß zu diskutieren. Auch glaubte er nicht mehr daran, dass sie wirklich weiß wo sich dieser Aradan grad befand.
      Was sollte er nur tun. Es wäre wohl das Beste gewesen, diese Frau hier und jetzt ihres kläglichen Lebens zu berauben. Das würde ihm zumindest sehr viele Sorgen nehmen. Andererseits könnte dieser Aradan nicht gut darauf zu sprechen sein wenn er rausfindet wer Elraya's Lichter aus geknippst hat.
      "Hör zu. Mir ist vollkommen egal was du über mich denkst.."
      Er hielt seinen Finger ermahnend hoch
      "Aber du solltest dir schleunigst angewöhnen dass es hier in der Stadt Leute gibt, die nicht so nett sind wie ich. Rempel die falsche Person an und du musst fortan mit einer Hand auskommen."
      Anschließend legte er Elraya's Dolche wieder auf den Tisch und zeigte auf eine Tür.
      "Da drin findest du alles um diese Sauerei weg zu machen. Was du danach tust ist mir egal. Ich mach mich jetzt auf die Suche."

      Gesagt getan. Wieder das Fenster als Ausgang nutzend, machte sich Lucius auf ein paar Kontakte zu treffen. Bis zum morgen würde es noch einige Stunden dauern. Hoffentlich genug Zeit um brauchbare Informationen zu bekommen.

      So verstrichen die Stunden schnell und die ersten Sonnenstrahlen fielen in das Schlafzimmer, in welchem Anthea sich erholte.
      Zusätzlich hing aber auch Lucius mittlerweile im Schlafzimmer auf einem Sessel. Die Nacht war sehr ereignisreich gewesen. Kämpfe fanden statt, Zeugen mussten bestochen und manche umgebracht werden. Lucius lag mehr im Sessel als aufrecht zu sitzen, was daher kam dass er selbst ziemlich lädiert war. Ein Gemisch aus Dreck und Blut lag überall auf seiner Haut, ebenso wie auf seiner Kleidung.
    • Als Anthea am Morgen aufwachte, fühlte sie sich weniger wie eine ausblutende Leiche und mehr wie eine steinerne Skulptur. Sie brauchte lange, bis sie genug Gespür in ihrem Körper hatte, um sich einigermaßen zu regen und Lucius zu entdecken.
      Der Mann gammelte in einem Sessel nicht weit vom Bett entfernt und wirkte selbst, als könne er jeden Augenblick einschlafen - oder ohnmächtig werden? Als er sie allerdings hörte, richtete er seinen klaren, aufmerksamen Blick auf sie und Anthea schenkte ihm ein knappes, kleines Lächeln.
      "Du bist ja immer noch hier. Warst du etwa die ganze Nacht da?"
      Sie ließ sich von ihm erklären, dass er durchaus nicht die ganze Nacht dagewesen war, dass er gearbeitet hatte, dass er ein paar Informationen gesammelt hatte. Es passte zu seinem grenzwertigen Aussehen, mit dem er so wirkte, als hätte er sich zwischendurch in der Gosse gewälzt. Vielleicht war auch genau das geschehen, nur im Zusammenhang mit vermutlich einer Prügelei.

      "Was ist mit der Frau von gestern, hast du mit ihr gesprochen?"
      Anthea ließ sich erklären, dass Lucius in der Tat mit Elraya gesprochen hatte, auch wenn das Ende ihrer Unterhaltung etwas anders ausgesehen hatte. Da zog Anthea die Stirn in Falten und versuchte sich aufzurichten, was in einem gequälten Grunzen endete.
      "Du hast sie weggescheucht?"
      Sie starrte Lucius entgeistert an, wahrscheinlich zum ersten Mal in ihrem Leben wütend mit ihm.
      "Sie ist wichtig, Luce! Sie ist der einzige Knotenpunkt zwischen Berek und außerdem diesem Weißhaarigen! Wie sollen wir irgendwas rausfinden, wenn sie sich gegen uns wendet? Sie kennt Berek und sie weiß vermutlich auch, wo der Weißhaarige sitzt."
      Sie verstummte für einen Moment, um sich ihre Wunden zu halten. Sie pochten schmerzhaft, als hätte sie noch immer Bolzen darin stecken.
      "Geh und finde sie und überrede sie dazu, uns zu helfen! Wenn wir schon Berek nicht mit dem Weißhaarigen entfernen können, will ich doch immernoch von ihm wissen, wer ihn da herumtransportiert. Ich will wissen, für was ich da arbeite - oder gearbeitet habe."
    • Das lächeln verblasste schnell und machte platz für einen ernsteren Ausdruck als Anthea anfing sich über seine Taten aufzuregen. Ihre Schmerzen mussten stark sein, andernfalls wäre sie ihn niemals so angegangen. Zumindest kam dies noch nie in dieser Art vor. Dennoch empfand er es als angebracht sie vorerst ausreden zu lassen bevor er eine Hand hob als wolle er der Druck im Raum mit einer kleinen Geste senken.
      "Überanstrenge dich nicht. Du hast ordentlich was abbekommen und brauchst deine Energie um dich zu erholen."
      Seine Worte waren leise und strahlten Ruhe aus. Der Ursprung galt aber seine Erschöpfung der Nacht. Um Anthea aber nicht im trüben fischen zu lassen, lehnte er sich in seinem Sessel vor, wobei er schnell seinen Bauch vor Schmerzen fasste und unter klaren Beschwerden nach einem Moment nach vorne gebeugt da saß und das Thema direkt auf den Punkt brachte.
      "Ich habe mit dem weißhaarigen gesprochen.."
      Diese Nachricht ließ er vorerst im Raum stehen bevor er nach einigen Augenblicken fortsetzte.
      "Ich habe so einige Informationen.. War ne lange Nacht."
      Als das Licht besser auf ihn fiel, konnte man den starken Schatten unter seinen Augen erkennen. Noch wenige Momente zuvor musste er in einem lebensbedrohlichen Zustand gewesen sein.
      "Ich hab deren Unterschlupf gefunden, hab es infiltriert und habe dank hilfreicher Informationen sogar den Typen ausfindig gemacht. Er wird ziemlich gut bewacht aber ich habe eine Lücke gefunden um an ihn ran zu kommen. Eine Falle, wie du dir sicher denken kannst. Ich bin auf so einen bescheuerten Bluff reingefallen..."
      Er spuckte zur Seite auf den Boden als wäre sein beschmutzter Stolz weitaus schlimmer als sein körperlicher Zustand
      "Aber was solls... Ich habs raus geschafft und kann dir sagen.. Er ist auf unserer Seite. Er wird uns beiden helfen, vollkommen egal worum es geht. Seine Forderung sind lediglich drei Dinge. Elraya soll leben, es soll eine Nachricht an seine Gruppe verschickt werden und naja. Wir sollen dafür sorgen dass er seine Fesseln los wird, welche wohl nicht mal mit einem Schmiedehammer klein zu kriegen sind. Habs versucht. Da stand jede Menge zeug rum. Alles zerbrach an diesen seltsamen Fesseln."
    • Anthea wurde schnell wieder stumm, als Lucius erwähnte, mit der Fracht gesprochen zu haben. Eigentlich hätte sie es besser wissen müssen, als dass er so leichtsinnig geworden wäre, aber es nagte an ihr, den wichtigsten Teil dieser Verhandlung verschlafen zu haben und jetzt darauf angewiesen zu sein, sich auf Lucius allein zu verlassen. Nicht, dass es ihr Ego nicht zugelassen hätte - Lucius war fähig und sie übertrug ihm gerne die Verantwortung - aber sie hasste es, tatenlos zu sein. Es juckte ihr in den Knochen und in der pulsierenden Wunde, etwas zu unternehmen.
      Lucius sah dafür aus, als hätte er schon weitaus genug getan für diese Nacht, wenn nicht für die ganze Woche. Seine Wangenknochen wirkten irgendwie eingefallen und Schatten lagen auf seinem Gesicht, die dort sonst nicht waren. Und obwohl er es sicherlich bis zu einem gewissen Grad versuchte, konnte er nicht gänzlich vor ihr verheimlichen, dass er Schmerzen hatte.
      Sie beobachtete ihn eindringlich, während er ihr weitere Informationen vermittelte. Sie war tatsächlich zu vorschnell gewesen, er hatte ja sogar schon den Unterschlupf infiltriert. Jetzt blieb es nur noch dabei, den Weißhaarigen auch tatsächlich dort rauszuholen.
      "Aber das sind doch gute Neuigkeiten! Mach nicht so ein Gesicht und freu dich mal ein bisschen, Luce! Wir haben gute Fortschritte geleistet - du hast gute Fortschritte geleistet."
      Sie zog den Arm unter der Decke hervor und streckte sich, um Lucius' Knie zu tätscheln.
      "Wir schnappen uns den Weißhaarigen, verstecken ihn irgendwo in der Stadt, wo ihn weder Berek, noch irgendeiner dieser Anhänger findet und dann wird er die Spinne aus der Stadt vertreiben - und uns nebenher sagen, um was so ein fürchterlicher Aufwand betrieben wird. Kannst du dir vorstellen, was am Ende dieser Leiter auf uns wartet, Luce? Wir könnten reich werden; wir könnten mächtig werden! Wir könnten uns auf eine Stufe mit Einauge stellen!"
      Sie versuchte ihn weiter mit Vorstellungen zu locken, die ihm womöglich zusagen konnten, allein um den Schmerz zu übertönen, der trotz allem in seinen Augen glitzerte. Es schmerzte sie selber, ihn so zu sehen und nicht den munteren, frechen Lucius vor sich zu haben, der ihr stets einen Schritt voraus war, der sie stets von hinten überraschte, allein weil er es konnte. Dieser Lucius gefiel ihr viel besser als der, der im Moment vor ihr saß und die Lage mit einer Ernsthaftigkeit betrachtete, als würde er bald sein eigenes Grab schaufeln.

      Als sie sich nach einer ganzen Weile wieder trennten - Anthea war noch nicht fit genug, um das Bett zu verlassen - hatte er gewissermaßen drei Aufträge von ihr erhalten: Elraya finden, einen Zufluchtsort für den Weißhaarigen finden, den Weißhaarigen befreien. Für letzteres stellte sie ihm ihre Männer zur Verfügung, junge, energetische Tagelöhner, die nichts lieber wollten, als die Stadt mit ihrem Chaos aufzurühren.
      Elraya war nicht mehr ganz so schwer zu finden, wenn man bedachte, dass ihr natürliches Habitat die Dächer waren und sie sich kaum jemals an öffentlichen Orten blicken ließ. Es benötigte Lucius dennoch eine ordentliche Anzahl an Informanten, bis er den ungefähren Aufenthaltsort von Elraya ermittelt und sie schließlich auf einem der Dächer wiederentdeckt hatte. Bei seinem Näherkommen blickte sie auf und warf ihm giftige Blicke zu.
      "Was willst du denn hier? Brauchst du jetzt etwa doch meine Hilfe, hä?"
    • Lucius hörte sich an was Anthea ihm zu sagen hatte, oder viel mehr, was sie ihm befahl. Jede andere Person, inklusive der, bei der er sich nun entschuldigen sollte, hätten längst mit dessen Leben gespielt, doch kamen die Worte von Anthea. Der wohl einzigen Person die ihm Befehle geben durfte für die es keinerlei Limit gab.
      So wartete er auch keinen Augenblick ab und erhob sich. Zwar kreischte in diesem Moment jeder Muskel seines Körpers gequält auf und verlangte nach Ruhe und Schlaf, doch sah er wie wichtig es seinem Gegenüber war. Obendrein galt es keine Zeit zu verlieren.
      Ohne ein weiteres Wort zu verlieren marschierte er los, verließ das Versteck und schnellte durch die Gassen bis hin auf ein abgelegenes Dach um mit einem speziellen Pfeiflaut Anthea's buten Haufen an Verrückten zu sich zu ordern, welche allesamt so wirkten als würden sie eine Ausbildung darin machen so wirsch zu wirken wie Anthea selbst.
      Einige von ihnen wirkten verwirrt nicht Anthea anzutreffen, doch war einer unter ihnen der die Lage erklärte und versicherte dass man Lucius unter solchen Umständen trauen durfte. Woher er das wusste war Lucius komplett egal.
      Ein weiteres Pfeifen folgte.
      Nun versammelten sich auch die eigenen Leute. Schnell schon standen gut und gerne 40 Leute auf dem Dach mit Lucius in der Mitte. Ein Gefühl an welches er sich gewöhnen konnte.

      Eine Weile später, nachdem Lucius schon den ein oder anderen Punkt seines Plan's abgearbeitet hatte, fand er sich in der Nähe des vermuteten Unterschlupfs, dieses merkwürdigen Kultes, auf einem Dach wieder. Doch war es kein zufälliges. Es war das auf welchem Elraya ausfindig gemacht wurde. So trafen sie sich also nun zum zweiten Mal auf einem Dach, doch dieses mal schien sie beinahe schon damit gerechnet zu haben. Sie war weder erschrocken, noch wirkte sie überrascht. Ganz im Gegenteil. Nach einem Blick der einem Armbrustbolzen Konkurrenz machen konnte, warf sie schon mit ihrer schnippischen Art um sich, doch griff Lucius nur nach einem Rucksack den er unter dem Arm hatte.
      "Friedensangebot.."
      Gab er mit klaren Worten von sich und warf ihr den Rucksack zu.
      "Mir wurd gesagt du stehst drauf"
      Der Inhalt bot dem Rotschopf 4 Flaschen Drachenbräu dar. Obendrein die teure Variante die man in Shegar nicht auf der Straße kaufen konnte.
      "Bild dir aber nicht ein dass ich mich damit entschuldige. Das ist nur mein Angebot zum Waffenstillstand bis wir unseren Kram hier erledigt haben."
      Für einen kurzen Augenblick wartete er ab wie Elraya reagieren würde. Bisher machte sie ihm aber nicht den Anschein auf eine Wand gestoßen zu sein, also setzte er fort
      "Dich wird vielleicht interessieren, dass ich schon geschafft hab den Unterschlupf dieser Baumwollfreaks zu infiltrieren. Sogar mit diesem Aradan hab ich ein paar Worte gewechselt. War ganz baff der Gute als er hörte dass du noch immer versuchst ihm zu helfen."
    • Anstatt einer Antwort bot Lucius Elraya einen Rucksack an, in dem es verheißungsvoll klirrte, als sie ihn aus der Luft auffing. Das Gewicht war schon vielversprechend und sie hielt sich nicht lange damit auf, den Inhalt selbst zu erkunden. Zugegeben, es stand ihr zwar nicht im Sinn, irgendetwas für diesen Dummkopf von Lucius zu tun, geschweige denn für seine halbtote Freundin, aber das Argument in Form von vier Flaschen Drachenbräu war doch recht überzeugend.
      Sie holte eine hervor, schraubte sie auf und prüfte den Inhalt mit einem beherzten Schluck, auf den sie sich schütteln musste.
      "Ah... bäh... au."
      Nachdem das Brennen in ihrer Kehle nach ein paar Sekunden wieder gedämmt wurde, taxierte sie Lucius mit weiteren ungehaltenen Blicken, murrte dann aber missmutig.
      "Schön. Friede, vorübergehend."
      Seine Erwähnung von Aradan ließ sie kurz und grimmig auflachen.
      "Das sollte er auch sein! Ich hoffe, ihm ist klar, dass ich das nicht umsonst mache. Ich bin nicht so verweichlicht wie der Rest der Truppe, ich will einen Lohn für meine Arbeit."
      Sie schnaubte abschätzig, dann warf sie Lucius noch einmal einen Blick zu und seufzte dann resigniert.
      "Okay, lassen wir uns was einfallen. Komm mit."

      Sie umrundeten das Dach und kletterten dann auf das Nebendach hinüber, von wo aus sie einen Ausblick auf sowohl die Hauptstraße, als auch die Gasse unter sich hatten. Elraya hielt sich nicht lange mit irgendwelchen weiteren Ausschmückungen auf, nachdem Lucius wohl schon das meiste selbst herausgefunden hatte, sondern hockte sich auf die Fersen und zeigte im Licht des Mondscheins auf die Gasse hinab.
      "Ich habe drei Eingänge gesehen, aber nur zwei von ihnen werden benutzt - der an der Hauptstraße ist ihnen wahrscheinlich zu öffentlich. Wenn wir da aber einfach so reingehen, laufen wir noch in diesen bulligen Kerl vom Wagen; der mit dem Berek geredet hat, warst du dabei? Ist ja auch egal, dem will ich jedenfalls nicht nochmal über die Quere laufen, uh-uh, der könnte mich erkennen. Wir könnten sie aber ausräuchern, hä? Wie wäre das?"
      Sie neigte sich ein wenig zur Seite, lüftete den Überschlag ihres Oberteils und präsentierte eine Reihe von kleineren Bomben, mit denen sie auch schon in Shegar gearbeitet hatte. Dann kroch ein vorfreudiges Grinsen über ihr Gesicht.
      "Zwei von denen und die ganze Bude stinkt, als hätten zehn Kreaturen auf einmal reingeschissen. Was hältste davon? Wir ziehen uns Masken an, gehen rein und schleifen Aradan dann raus."
    • "Die drei Eingänge waren mir bekannt. Ich habe einen davon genutzt um hinein zu kommen. Den können wir also nun vergessen. Ist einfach zu riskant. Wenn diese Leute nicht komplett auf den Kopf gefallen sind, sollten die den Eingang nun abgesichert haben."
      Sprach Lucius analysierend vor sich hin ehe er die Hände an die Hüften legte und an Elraya's Verstand zweifelnd die Augenbraue hinauf zog.
      "Rauchbomben? Ist das dein Ernst? Was glaubst du wird passieren wenn du die benutzt um dort rein zu kommen? Hast du zufällig schon mal ein Wespennest in die Hände genommen und ordentlich geschüttelt? In etwa das wird passieren wenn wir so auffällig vorgehen. Nein. Wir müssen es viel cleverer angehen."
      Dabei fiel ihm Elrayas freizügiges Gefummel auf. Es schien sie kein Stück zu stören die Bomben aus ihr ohnehin schon lockeres Oberteil hervor zu holen.
      "Sag mal... Warum benutzt du nicht die beiden da? Der zweite Eingang. Da standen zwar drei von diesen Kutten rum aber wenn mich nicht alles täuscht, waren die noch ziemlich jung. Sicher sind die noch frisch dabei und leicht abzulenken, wenn du verstehst was ich meine. Spiel die betrunkene die leicht zu haben ist und nutze dann deine anderen Waffen. Von mir aus spring mit denen auch hinter die nächste Ecke und beschäftige sie während ich hinein gehe, Hauptsache es wird kein Alarm ausgelöst."
      Daraufhin wandte sich Lucius zu der Seite um aus welcher man den zweiten Eingang sehen konnte. Ein seufzen stieß hervor. Die Wachablösung hatte genau in diesem Moment dafür gesorgt, dass die drei noch immer jung wirkenden Burschen abgelöst wurden und nun zwei andere zurück ließen, die gut und gerne 1-2 Köpfe größer waren, edlere Lumpen trugen und trotz Kutte eine kampferprobte Statur verrieten.
      "Alles klar. Hat sich wohl erledigt. Sonst noch irgendwelche Einfälle?"
    • Elraya warf Lucius einen giftigen Blick zu, mit dem sie ihm weiszumachen versuchte, dass sowohl sie, als auch ihr Plan höchst clever waren und er sich glücklich schätzen durfte, sie überhaupt an seiner Seite zu haben. Fast erinnerte er sie mit seiner herablassenden Art an Berek und fast hätte sie ihm dafür auch eins übergezogen. Aber Elraya war schließlich clever, sie behielt ihre Hände bei sich und beschränkte sich darauf, unzufrieden zu grunzen.
      Sein eigener Einfall wirkte schon etwas vielversprechender, auch wenn es dennoch höchst grenzwertig war, mit welcher Achtlosigkeit er Elrayas Künste beiseite warf. Sie war doch keine billige Hure, die sich einfach hineinschleichen konnte?!
      "Wieso gehst du nicht runter und wackelst ein bisschen mit deinem Hintern, hä?!", fauchte sie zurück. "Vielleicht sind die Kerle ja schwul. Oder sie nehmen dich mit in die nächste Gasse, um dich zu verprügeln. Wieso soll ich das machen?"
      Die Diskussion konnte aber nicht ausarten, als die beiden Typen sowieso schon abgelöst wurden und die nächsten wesentlich unfreundlicher und wesentlich grimmiger dreinsahen. Dann würde also keiner von ihnen heruntergehen. Elraya schnaubte und dachte darüber nach, einfach morgen nochmal wiederzukommen.
      Zumindest bis ihr Blick auf das Dach des besagten Hauses fiel.
      "Warte mal. Oder komm mit, mir doch egal."
      Sie richtete sich auf und balancierte auf dem Rand ihres Daches entlang, bis sie einen guten Punkt gefunden hatte, um es zu überqueren. Dann kletterte sie auf das andere Dach hinüber und schlich um die Länge des Daches herum, bis sie vor einem Punkt stehenblieb und triumphierend Lucius zuwinkte. Er kam zu ihr hinüber und durfte in das schwarze Loch eines Schornsteins blicken.
      "Also. Wer zuerst? Wir werfen eine Münze."

      Der Schornstein war eng und mit Ruß überzogen. Elraya konnte die schmierige Asche auf ihren Händen spüren, als sie sich vorsichtig Zentimeter um Zentimeter in die schwarze Tiefe hinab ließ. An einigen Stellen konnte man die Unterhaltungen in den Räumen dahinter hören und wenn sie mit den Fingernägeln über den Stein kratzte, wurde sie gleich hellhörig, ob irgendeine Veränderung auftrat. Aber niemand schien sie zu hören und niemand schien das Bedürfnis zu haben, den Kamin unter ihr zu entfachen. 1:0 für sie. Elraya hätte Lucius gerne darauf hingewiesen, was für ein Genie sie doch war.
      Sie kamen in einem abgeschlossenen Gemeinschaftsraum heraus, in dem es ein bisschen müffelte. Sie mussten beide durch die Asche des Kamins stapfen, um herauszukommen, und als Elraya sich umdrehte, sah sie eine gänzlich schwarze Gestalt mit hellen Augen vor sich.
      "Du siehst echt scheiße aus."
      Sie schüttelte sich selbst und versprühte einen Nebel dunkler Asche, der sich auf allen Möbelstücken ablegte. Ihre Hände waren schleimig von dem Ruß im Schornstein.
      Sie schlich zur Tür und schielte aus dem Schlüsselloch hinaus. Der Gang schien leer zu sein, aber es brannten Fackeln und sie konnte nicht bis an sein Ende linsen. Sie drehte sich wieder zu Lucius um.
      "Wir gehen nach Aradan suchen und wenn wir ihn gefunden haben, lenkt einer die Wachen ab und der andere befördert ihn nach draußen. Abgemacht?"
    • "Du wirst uns schon geben was wir wollen. Verlass dich drauf. Irgendwann wird dein Wille brechen" ertönte es routiniert und kalt von einer Person die sich an einem Tisch mit allerlei Werkzeugen zu schaffen machte.
      "Wie war das?" Die Person drehte sich mit einer Peitsche um an dessen Ende kleine Nägel hinaus schauten.
      "Ah. Verzeihung. Hab für einen Moment gedacht du willst kooperieren. Mir soll es recht sein wie es ist. Da wird dir dein zorniger Blick auch nicht weiter helfen."
      Was sich zur Schau stellte war ein alteingesessener Foltermeister mit seinem Werkzeug, welcher Aradan's Willen brechen sollte. Dieser wurde an einem alten Bettgestell aus schlecht verarbeiteten Eisen und Drahtgewirr aufrecht gegen eine Wand gebunden, weiterhin in seinen Handschellen, die es Aradan unmöglich machten sich auch nur im Ansatz zu wehren. Alles was ihm blieb war seinen Zorn gegen den Kult zu schüren und die Liebe zu Renera als Quelle seines Willens zu nutzen um bei Verstand zu bleiben.
      Bisher hatte der Foltermeister schon den kleinen Finger Aradan's rechten Hand abgetrennt und unzählige grobe Schnitte über seinen ganzen Körper verteilt, die ihn mehr wie einen Leichnahm aussehen ließen, welcher nur noch wenige Fetzen an Kleidung am Leib trug.

      Wenige Räume daneben plusterte sich Lucius auf und schritt an Elraya vorbei.
      "Pah! Schau dich mal an. Siehst selbst aus als...."
      Da stoppte Lucius seinen Streit mit Elraya da er an der Tür hören konnte wie mehrere Leute miteinander sprachen und allem Anschein nach einen festen Weg entlang liefen. Sofort sah er zu ihr und wedelte mit seiner Hand um ihr deutlich zu machen nahe der Tür zu kommen.
      "Da laufen mehrere Leute rum." flüsterte er als sie nah genug war.
      "Ich glaubs ja nicht... Die reden über Aradan. Wir sind tatsächlich in dessen Unterschlupf. Woher wusstest du .... Ach... Spielt keine Rolle. Jetzt!"

      Lucius riss die Tür schwungvoll, doch ebenso leise auf und zeigte von diesem Moment an Elraya den Weg bis zur Tür hinter welcher er zuletzt Aradan gefunden hatte.
      Ein paar Male mussten sie inne halten und sich geschickt hinter Gerümpel und Kisten verstecken, doch schafften sie es tatsächlich bis zu einer Tür, die widerliche Geräusche von einer Peitsche in regelmäßigen Abständen ertönen lies.
      Beide zählten mit den Fingern von drei auf eins runter ehe sie wieder schnell und geräuschlos die Tür durchquerten.

      In dem Moment als sich die Tür wieder hinter ihnen geschlossen hatte stand Lucius für seinen Teil baff da. Er sah wie ein Mann mit einer frisierten Peitsche beinahe rhythmisch auf dessen Ziel einschlug. Doch war das was noch viel abstrakter wirkte der Fakt, dass der gefolterte nichts anderes Tat als in einem solchen Hass auf den Folterer zu sehen, als würde er den Schmerz mit seinen Augen umleiten. Ein Schauspiel welches Lucius so noch nie gesehen hatte, dabei war er selbst oft auf der Seite der Folterer.
      Einzig überraschender war wohl für den ganzen Raum, dass Lucius erster Reflex war, ein begeistertes Pfeifen von sich zu geben, was die Augen aller sofort auf sich zog. Gefolgt von einem kurzen
      "Ups"
      "Wer seid ihr!?"
      folgte eine erzürnte Frage des Folterers, welcher sofort mit seiner Peitsche ausholte als wolle er damit drohen.
      "Ich kenne euch nicht! Wer hat euch geschickt und wozu?!"
    • Lucius übernahm gleich die Führung und obwohl Elraya sich darüber ärgerte, dass der Mann ihr nicht zuzutrauen schien, dass sie sie durch das Versteck lotste, war sie doch ein bisschen froh darüber, ihm nur folgen zu müssen. Sie schlugen sich durch die verschachtelten Gänge des Untergrunds, peinlichst darauf bedacht, keiner Menschenseele über den Weg zu laufen, was in mehreren Fällen äußerst knapp wurde. Dann endlich, gelangten sie zu ihrem Ziel.
      Die Szene, die sich vor ihnen auftat, war so abstrus, dass Elraya für eine Sekunde dachte, sie wäre irgendwo auf dem Weg eingeschlafen und würde jetzt äußerst lebhaft träumen. An der Wand gegenüber hing ein morsches Bettgestell mit einem Aradan an sich geschnallt, der mit seiner Pose so aussah, als wolle er ihnen einen herzlichen Empfang vorbereiten, nur mit dem Unterschied, dass seine Willkommensflagge aus seinem eigenen Blut bestand. Elraya sog scharf die Luft ein, neben ihr stieß Lucius einen Pfiff aus, der durch den ganzen Raum hallte. Sie warf ihm einen irritierten Seitenblick zu. Woher kam das denn jetzt? Wünschte er sich etwa auch, dass er an Aradans Stelle dort hängen würde?
      Bevor sie ihm diese Frage allerdings stellen konnte, hatte der Begleiter von Aradan sich bereits zu ihnen umgedreht und holte mit seinem Folterinstrument aus. Beide Besucher reagierten gleichzeitig, aber Elraya war schneller - Elraya war immer schneller. Sie duckte sich reflexartig, zog eines ihrer Wurfmesser hervor und schleuderte es auf den Mann. Es traf ihn nur an der Schulter, aber das zweite, das sie sogleich nachfeuerte, drang zwischen seinen Augen in seinen Kopf ein und ließ ihn wie einen nassen Sack zu Boden kippen. Elraya richtete sich auf und lief zu Aradan, der womöglich so rot war wie sie schwarz.
      "Da bist du ja, Weißhaar. Kannst du dir eigentlich vorstellen, was für einen scheiß Aufwand ich für dich betrieben hab? Die halbe Stadt steht wegen dir auf dem Kopf, die haben sogar ein Tor in die Luft gesprengt. Aber das hast du ja sicher mitgekriegt, was?"
      Sie kletterte zu ihm empor, um die Fesseln an seinen Händen zu überprüfen und die Stirn zu runzeln. Es schienen steinerne Kugeln zu sein, die seine Fäuste gefangen hielten, und sie hatte keine Ahnung, wo oder mit was sie sich lösen würden. Ratlos sah sie sich zu Lucius um.
      "He, hilf mir mal."
      Gemeinsam schafften sie es zwar nicht, Aradans Hände gänzlich zu befreien, aber sie konnten ihn von dem Gestell lösen und dann bot Elraya ihm ihre Schulter an, um sich auf sie zu stützen. Lucius übernahm wieder die Führung und überprüfte, ob im Gang jemand zu sehen war.
      "Berek ist in der Stadt, weißt du das? Scheiße, hat der mir Angst gemacht. Wenn der uns zu fassen kriegt sind wir tot, Weißhaar, darauf kannst du dich verlassen."
      Sie sah an ihm hinab.
      "Das sind ein paar üble Schnitte, die du da hast. Kennt deine tolle Freundin auch zufällig einen Arzt, Lucius?"
    • Unbekümmert sah Lucius dabei zu wie sich Elraya schon um das mehr oder weniger kleine Problem kümmerte ehe er mit verschränkten Armen dabei zusah wie sie direkt zum eigentlichen Ziel lief um auch ihm recht ungehobelt Vorwürfe über IHR Leid zu machen.
      Erst als sie Lucius zu sich beorderte, lies er seine arme wieder herab und ging zu ihr.
      "Bist ja n mächtiges Prinzesschen hm? Ich kenn den Kerl nicht mal und hab schon Mitleid mit ihm, dass er dich in einer Truppe länger als 24 Stunden ertragen muss... Guck dir den doch mal an."
      Beobachtend wie der Zorn in den Augen des Ziels wich, biss Lucius schon ein wenig mehr die Zähne zusammen. Die bevorstehende Standpauke wäre es ganz sicher nicht wert gewesen jetzt nachlässig zu sein.
      "Mach dem keine Vorwürfe. Beeil dich lieber und find nen Weg ihn am Leben zu halten. Ich hab keine Verbände dabei also lös mal lieber schnell die Verbindungen an deiner Seite. Zur Not schleifen wir ihn hier raus."
      Hastig versuchte sich Lucius daran die seltsamen Faustfesseln zu lösen, doch wirkten sie als wären sie aus einem einzigen Guss gefertigt worden. Er fand weder einen Spalt, noch einen Verschluss den man hätte knacken können.
      "Was zum Geier sind das denn für Fesseln? Ach egal. Geh weg da!"
      Rief er Elraya entgegen und schnappte sich von Eile gepeitscht einen Hammer, welcher wohl angesichts seiner frisch von Blut verklebten Seiten noch vor wenigen Augenblicken als Folterwerkzeug genutzt wurde.
      Drei gezielte Hiebe benötigte es um zumindest die deutlich schäbiger gefertigten Ketten zu zertrümmern, welche Arandan an das Bett hielten. Kurz darauf auch die nächsten Ketten der anderen Seite, wodurch er ziemlich grob zu Boden fiel, da es keiner der beiden Retter für Nötig erachteten Aradan vor dem Sturz zu bewahren.
      "Na toll.. Hättest du ihn nicht auffangen können? Der Verreckt uns hier noch!!"
      Meckerte Lucius frustriert, die Standpauke schon im Nacken spürend.

      "Befreit... mich..."
      "Hä?! Wie war das?"
      Fragte Lucius beinahe genervt wirkend, als hätte man ihn bei etwas wichtigem unterbrochen während er auf Aradan hinab sah und diesen auf den rücken drehte.
      "Nochmal.."
      Meinte er folgend nachdem er sich zu Aradan hinunter kniete und sein Ohr mit der flachen Hand begleitet zu den schwachen Worten des weißhaarigen ausrichtete, als würde es dafür sorgen mehr verstehen zu können.
      "Löst meine Fessel..."
      Sprach Aradan schwach in Elraya's Richtung.
      "Wa?! Sag mal! Was glaubst du haben wir grade getan?"
      Lucius fragender Blick wanderte zu Elraya
      "Ist der immer so oder hat er einfach zu viel Blut verloren? Ich würd höchstens nach nem Schnapps fragen..."
      Daraufhin blickte er wieder zu Aradan hinunter
      "Was bringts dir denn bitte jetzt die Hände frei zu haben? Juckt dir der Kopf oder was? Los komm und hilf mir"
      Meinte Lucius zu Elraya anschließend, als er den rechten Arm von Aradan über seine Schultern schlang.
      "Auf was hab ich mich hier nur eingelassen?..."