Der Assassine wäre beinahe damit durchgekommen, das Messer direkt durch Antheas Rippen zu jagen, als ein nahender Schrei ihn aufzucken ließ und er keine Sekunde später von einer anderen Gestalt umgeworfen wurde. Anthea musste nicht aufsehen, um zu erkennen, dass es Lucius war; sie hätte seine Stimme überall erkannt.
Durchflutet von Erleichterung und auch einer gewissen Sorge, robbte sie gleich nach hinten weg, um den Männern nicht im Weg zu liegen. Was sie dann da vor sich zu sehen bekam, war schon kaum mehr human. Wie besessen prügelte Lucius auf den Attentäter ein und obwohl es Anthea schon selbst erschütterte, mit welch animalischen Brutalität er vorging, konnte sie sich dennoch nicht dazu durchringen, ihn davon abzuhalten. Ganz im Gegenteil sogar, seine Hingabe schmeichelte ihr, so sehr, dass sie ein wenig lächelte. Lucius würde den Tod für sie herausfordern, das wusste sie. Nichts könnte sich ihm in den Weg stellen.
Als er endlich von der Leiche ließ, deren Kopf halb zermatscht, der Kiefer herausgerissen und in der keine gesunde Rippe mehr steckte, kam er zu ihr gesprungen. Sie öffnete bereits den Mund um ihm zu erklären, dass sie einen Moment bräuchte, dass er ihr aufhelfen solle, dass sie nicht so schnell gehen könnte, als er sie bereits kommentarlos aufhob und in die Arme nahm. Sie winselte über die Erschütterung, die sich in ihrer Hüfte spürbar machte, und schlang die Arme um seinen Hals, um sich an ihm festzuhalten. Für einen winzigen Moment glaubte sie, loslassen können. Alles war in Ordnung. Lucius würde sie bis ans Ende aller Zeiten tragen. Sie lehnte ihren Kopf an seine Schulter, schloss die Augen und versank in einem schwarzen Nichts, eingehüllt von dem Geruch von Blut und der Wärme, die Lucius ausstrahlte.
Als sie aufwachte, halb im Delirium und kaum darüber gewahr, was Realität war und was ihrem Geist entsprang, war Lucius verschwunden und an seiner Stelle lag sie auf einer harten, kalten Oberfläche. Sie wimmerte leise über den Verlust und zwang sich, die Augen zu öffnen, bevor sie in die fahle Dunkelheit eines Raumes blinzelte. Lucius war schon eine Sekunde später da und schob sich in ihr Gesichtsfeld, seine Erscheinung so fadenscheinig wie ein Geist. Sie stellte den Lucius-Geist nicht in frage, stattdessen ließ sie sich von ihm das Stück Holz zwischen die Zähne klemmen. Unterbewusst begriff sie, was er von ihr wollte, war aber dennoch nicht darauf vorbereitet, als es tatsächlich geschah. Der Bolzen wurde mit einem Ruck rausgerissen und sie schrie auf, abgedämpft von dem Holzstück, das gleichzeitig verhinderte, dass sie sich die Zunge abgebissen hätte. Der Schmerz überwältigte sie und spülte sie erneut weg, zurück in das schwarze Nichts, von dem sie halb durch einen brennenden Schmerz wieder zurückgeholt wurde. Aus dem Augenwinkeln sah sie Bewegungen, konnte sich aber nicht dazu aufraffen, ihren Blick zu fokussieren. Sie sah Lucius' wilden Haarschopf und das war ihr genug Information, um den Rest zu ignorieren. Ihre Augenlider flatterten.
Elraya tat wie geheißen, halb aus Ermangelung an anderen Möglichkeiten, halb weil sie es schon gewohnt war, von Berek Befehle in einem ähnlichen Tonfall zu erhalten. Sie überreichte die erhitzte Klinge und beugte sich selbst über die Frau, die wohl besagte Freundin sein mochte. Es wäre ihr absolut am Arsch vorbei gegangen, wenn sie an diesem Tisch verreckte, aber Lucius schien sämtliche Energien aufzuwenden, um sie am Leben zu erhalten. Also schloss sich Elraya an, denn irgendwas sagte ihr, dass der Mann nicht gut zu sprechen sein könnte, wenn die Frau verreckte - und sie musste von ihm schließlich noch herausfinden, wo Berek sich befand und wie sie ihn umgehen konnte.
Erneut wurde Anthea aus ihrem Delirium herausgerissen, als die glühende Klinge mitten auf ihre Wunde gepresst wurde. Sie riss die Augen auf, erfüllt von einem Schmerz, der alles andere bis dahin erlebte völlig in den Schatten stellte. Das Leben kehrte in ihren Körper zurück und sie zuckte von der Klinge weg, hätte sich vom Tisch geworfen und wäre dann vermutlich freiwillig aus dem Fenster gesprungen, um dem Schmerz zu entgehen. Zu ihrem Leidwesen war Elraya noch immer zur Stelle und packte mit eisernem Griff zu, um sie festzuhalten. Es dauerte einige fürchterliche Sekunden, in denen Anthea die Tränen über das Gesicht liefen und sie beinahe den Holzkeil durchgebissen hätte, ehe Lucius das Schwert wegnahm und sie verband. Noch immer völlig überwältigt von dem Schmerz, der in ihren Knochen nachhallte und sie zum Zittern brachte, war sie zumindest wieder etwas wacher. Wenigstens wach genug, um jetzt auch die Frau zu erkennen, die auf der anderen Seite des Tisches stand. Die roten Haare gaben Auskunft darüber, dass es sich vermutlich um die Frau vom Kult hatte - Lucius hatte also schon einen ersten Erfolg gehabt.
"Luce..."
Sie streckte die Hand nach dem Mann aus und bekam sein Handgelenk zu fassen. Ihr Griff war nicht stark, aber Lucius hielt trotzdem in seiner Bewegung inne und starrte sie an.
"Ich glaube... ich glaube sie wissen, dass wir... dass wir spioniert haben."
Es war schwierig zu reden und dabei den Schmerz zu ignorieren. Sie umfasste Lucius ein bisschen stärker, aber er machte sowieso keine Anstalten, sich von ihr zu entfernen.
"Ilyos hat... Ilyos hat Fragen gestellt. Er muss es wissen... ich habe nicht aufgepasst."
Elraya sah zwischen dem Paar hin und her, fraglos darüber, wovon gerade geredet wurde. Sie wusste nur, dass Lucius Melora zu kennen schien oder daran interessiert war, aber mehr auch nicht.
"Wer weiß was?"
Sie wandte sich an den Mann, nachdem die Frau kaum ansprechbar schien.
"Was ist mit Berek, sollten wir uns nicht eigentlich mit ihm beschäftigen? Wir haben keine Zeit, uns um irgendwas anderes zu kümmern."
Sie verschränkte trotzig die Arme vor der Brust.
Durchflutet von Erleichterung und auch einer gewissen Sorge, robbte sie gleich nach hinten weg, um den Männern nicht im Weg zu liegen. Was sie dann da vor sich zu sehen bekam, war schon kaum mehr human. Wie besessen prügelte Lucius auf den Attentäter ein und obwohl es Anthea schon selbst erschütterte, mit welch animalischen Brutalität er vorging, konnte sie sich dennoch nicht dazu durchringen, ihn davon abzuhalten. Ganz im Gegenteil sogar, seine Hingabe schmeichelte ihr, so sehr, dass sie ein wenig lächelte. Lucius würde den Tod für sie herausfordern, das wusste sie. Nichts könnte sich ihm in den Weg stellen.
Als er endlich von der Leiche ließ, deren Kopf halb zermatscht, der Kiefer herausgerissen und in der keine gesunde Rippe mehr steckte, kam er zu ihr gesprungen. Sie öffnete bereits den Mund um ihm zu erklären, dass sie einen Moment bräuchte, dass er ihr aufhelfen solle, dass sie nicht so schnell gehen könnte, als er sie bereits kommentarlos aufhob und in die Arme nahm. Sie winselte über die Erschütterung, die sich in ihrer Hüfte spürbar machte, und schlang die Arme um seinen Hals, um sich an ihm festzuhalten. Für einen winzigen Moment glaubte sie, loslassen können. Alles war in Ordnung. Lucius würde sie bis ans Ende aller Zeiten tragen. Sie lehnte ihren Kopf an seine Schulter, schloss die Augen und versank in einem schwarzen Nichts, eingehüllt von dem Geruch von Blut und der Wärme, die Lucius ausstrahlte.
Als sie aufwachte, halb im Delirium und kaum darüber gewahr, was Realität war und was ihrem Geist entsprang, war Lucius verschwunden und an seiner Stelle lag sie auf einer harten, kalten Oberfläche. Sie wimmerte leise über den Verlust und zwang sich, die Augen zu öffnen, bevor sie in die fahle Dunkelheit eines Raumes blinzelte. Lucius war schon eine Sekunde später da und schob sich in ihr Gesichtsfeld, seine Erscheinung so fadenscheinig wie ein Geist. Sie stellte den Lucius-Geist nicht in frage, stattdessen ließ sie sich von ihm das Stück Holz zwischen die Zähne klemmen. Unterbewusst begriff sie, was er von ihr wollte, war aber dennoch nicht darauf vorbereitet, als es tatsächlich geschah. Der Bolzen wurde mit einem Ruck rausgerissen und sie schrie auf, abgedämpft von dem Holzstück, das gleichzeitig verhinderte, dass sie sich die Zunge abgebissen hätte. Der Schmerz überwältigte sie und spülte sie erneut weg, zurück in das schwarze Nichts, von dem sie halb durch einen brennenden Schmerz wieder zurückgeholt wurde. Aus dem Augenwinkeln sah sie Bewegungen, konnte sich aber nicht dazu aufraffen, ihren Blick zu fokussieren. Sie sah Lucius' wilden Haarschopf und das war ihr genug Information, um den Rest zu ignorieren. Ihre Augenlider flatterten.
Elraya tat wie geheißen, halb aus Ermangelung an anderen Möglichkeiten, halb weil sie es schon gewohnt war, von Berek Befehle in einem ähnlichen Tonfall zu erhalten. Sie überreichte die erhitzte Klinge und beugte sich selbst über die Frau, die wohl besagte Freundin sein mochte. Es wäre ihr absolut am Arsch vorbei gegangen, wenn sie an diesem Tisch verreckte, aber Lucius schien sämtliche Energien aufzuwenden, um sie am Leben zu erhalten. Also schloss sich Elraya an, denn irgendwas sagte ihr, dass der Mann nicht gut zu sprechen sein könnte, wenn die Frau verreckte - und sie musste von ihm schließlich noch herausfinden, wo Berek sich befand und wie sie ihn umgehen konnte.
Erneut wurde Anthea aus ihrem Delirium herausgerissen, als die glühende Klinge mitten auf ihre Wunde gepresst wurde. Sie riss die Augen auf, erfüllt von einem Schmerz, der alles andere bis dahin erlebte völlig in den Schatten stellte. Das Leben kehrte in ihren Körper zurück und sie zuckte von der Klinge weg, hätte sich vom Tisch geworfen und wäre dann vermutlich freiwillig aus dem Fenster gesprungen, um dem Schmerz zu entgehen. Zu ihrem Leidwesen war Elraya noch immer zur Stelle und packte mit eisernem Griff zu, um sie festzuhalten. Es dauerte einige fürchterliche Sekunden, in denen Anthea die Tränen über das Gesicht liefen und sie beinahe den Holzkeil durchgebissen hätte, ehe Lucius das Schwert wegnahm und sie verband. Noch immer völlig überwältigt von dem Schmerz, der in ihren Knochen nachhallte und sie zum Zittern brachte, war sie zumindest wieder etwas wacher. Wenigstens wach genug, um jetzt auch die Frau zu erkennen, die auf der anderen Seite des Tisches stand. Die roten Haare gaben Auskunft darüber, dass es sich vermutlich um die Frau vom Kult hatte - Lucius hatte also schon einen ersten Erfolg gehabt.
"Luce..."
Sie streckte die Hand nach dem Mann aus und bekam sein Handgelenk zu fassen. Ihr Griff war nicht stark, aber Lucius hielt trotzdem in seiner Bewegung inne und starrte sie an.
"Ich glaube... ich glaube sie wissen, dass wir... dass wir spioniert haben."
Es war schwierig zu reden und dabei den Schmerz zu ignorieren. Sie umfasste Lucius ein bisschen stärker, aber er machte sowieso keine Anstalten, sich von ihr zu entfernen.
"Ilyos hat... Ilyos hat Fragen gestellt. Er muss es wissen... ich habe nicht aufgepasst."
Elraya sah zwischen dem Paar hin und her, fraglos darüber, wovon gerade geredet wurde. Sie wusste nur, dass Lucius Melora zu kennen schien oder daran interessiert war, aber mehr auch nicht.
"Wer weiß was?"
Sie wandte sich an den Mann, nachdem die Frau kaum ansprechbar schien.
"Was ist mit Berek, sollten wir uns nicht eigentlich mit ihm beschäftigen? Wir haben keine Zeit, uns um irgendwas anderes zu kümmern."
Sie verschränkte trotzig die Arme vor der Brust.

