Anthea verharrte atemlos an Ort und Stelle, den Blick unentwegt auf Lucius gerichtet. Sie hätte nicht vielen erlaubt ihr so nahe zu kommen, aber bei Luce war das etwas anderes. Es war seine suggestive Art, die sie manchmal fesselte, die Tatsache, dass seine Finger zu ihrem Schlüsselbein zogen und nicht an andere, auffälligere Körperstellen. Es fröstelte ihr leicht bei dem Hintergrundgedanken, den sie dabei austauschten: Sie übergab ihm die Kontrolle, sie ließ ihm den Willen, die schwächste Stelle an ihrem Körper auszunutzen. Und er tat es nicht. Das Vertrauen beruhte auf Gegenseitigkeit.
"Daran habe ich keine Zweifel", flüsterte sie schließlich zurück, kaum lauter als Lucius selbst, während sie sich ihm entgegen lehnte. Für ihn wäre sie so weit gegangen, wie er nur wollte - nur für ihn. Sie hätte viel für Lucius getan, dessen er sich wahrscheinlich gar nicht mal bewusst war.
Bevor die Situation allerdings noch eskalieren würde, unterbrach ein Ruf ihre Zusammenkunft, dicht gefolgt von dem Besitzer der Stimme, der in seiner protzigen Uniform um die Ecke auftauchte. Ein Stich der Enttäuschung durchfuhr Anthea, während sie beide voneinander Abstand nahmen. Dabei war sie der Überzeugung gewesen, dass sie einen Moment alleine hatten.
Lucius hatte ein genauso loses Mundwerk wie sie selbst, anders wären sie wohl nie so sehr aneinander geraten. Sie amüsierte sich prächtig, während der Mann sich mit der Wache anlegte, zumindest so lange, bis der Soldat zu weit ging. Da zog sie die Stirn in Falten und schnalzte missmutig mit der Zunge, während sie die Beleidigung über sich ergehen ließ. Sie als vorlautes Miststück zu bezeichnen war eine Sache, aber Lucius zu schlagen? Das ging dann doch zu weit, auch wenn er sich schnell wieder davon erholt hatte.
"Was ist eigentlich dein Problem?! Hat dir deine Mutter nicht beigebracht, wie man mit Frauen redet?!"
Sie tauschte einen Blick mit Lucius aus, der noch immer am Boden saß und keine Anstalten machte, so schnell wieder aufzustehen. Wie schon zuvor konnten sie auch ohne Worte kommunizieren, rein durch die Kraft ihres Blickes dieses Mal. Anthea grinste, dann zwinkerte sie ihm zu.
Es gab verschiedene Ausgänge aus dieser Lage, wobei nicht alle mit dem Tod enden mussten. Natürlich könnte Anthea sich auch ergeben, sich in den Kerker werfen lassen und von dort aus wieder ausbrechen, aber dieses Mal ging es ihr ums Prinzip, dass sie selbst entschied, wann sie in den Kerker wanderte, und nicht irgendein dahergelaufener Soldat.
Dann gab es natürlich auch noch die Möglichkeit zur Flucht, wenn auch zu einer spektakulären. Es war nicht immer verkehrt den Kampfort zu verlassen, besonders wenn man in der Unterzahl war und noch dazu eigentlich gar keine Lust auf eine Prügelei hatte - oder wenn es in diesem Fall so herrlich viele Ablenkungsmöglichkeiten gäbe. Die Häuser um sie herum waren alle morsch und schlecht bebaut und auf den Straßen lag teilweise der Müll von den Bettlern und Obdachlosen. Anthea war sich ihrer Fähigkeiten so sicher, dass sie keine Zweifel daran hatte, noch binnen 10 Minuten alle drei Männer abgeschüttelt zu haben.
Aber in diesem speziellen Fall wollte sie nicht abhauen. Ein bisschen - vielleicht auch viel? - um Lucius zu beeindrucken und ihm zu beweisen, dass sie es durchaus noch drauf hatte, aber ein bisschen auch, weil der Soldat ihn niedergeschlagen hatte. Sie hatte kein Problem damit beleidigt zu werden, aber wenn es jemand wagte Lucius' hübsches Gesicht zu verunstalten, würde sie ihn nicht nur mit einem blauen Fleck davonkommen lassen.
Also zog sie ihr Messer hervor und die drei Soldaten wandten sich ihr zu.
Anthea hatte - wie beinahe alle ihrer Halbschwestern - eine Ausbildung in Melora erhalten. Sie war nicht so weit gegangen wie bei ihrer ältesten Schwester - sie hatte sie seit 12 Jahren schon nicht mehr gesehen und hoffte ein bisschen darauf, dass sie verreckt war - aber es war doch eine angemessene Grundausbildung gewesen. Die Ausbildung hatte ihr den Zugang zur Königsstadt verschafft und als sie einmal drin gewesen war und sich mit ihren Fähigkeiten durch anfängliche Konflikte geschlagen hatte, hatte sie sie in eine etwas andere Richtung ausgefeilt. Schließlich hatte sie gelernt, die Waffe gegen Kreaturen zu erheben, aber Menschen waren eigentlich nicht viel anders als Kreaturen. In den meisten Fällen lediglich kleiner, dünner und hässlicher.
Als der vorderste Soldat auch bei ihr versuchte, den Knauf seines Schwertes in ihr Gesicht zu rammen, begleitet von höhnischen Bemerkungen darüber, dass man sie in die Männerzelle verfrachten wolle, duckte Anthea sich unter seiner Hand hindurch. Er reagierte beinahe genauso schnell - es wäre auch lachhaft gewesen, wenn es in dieser Stadt schlechte Soldaten gäbe - aber er rechnete mit einem Stich in seine Seite. Als er sich also in die andere Richtung wegdrehte, um ihrem Messer zu entgehen, dachte er nicht daran, dass sie die Klinge stattdessen in seine Achsel jagen würde.
Er schrie auf und schlug nach ihr. Sie ließ das Messer stecken, schlitterte stattdessen noch näher heran und riss ihm das Kurzschwert vom Gürtel. Als seine Waffe auf sie niederfuhr, parierte sie die Klinge von unten herab ab, schwang sie herum und entwaffnete ihn.
Die anderen beiden Soldaten waren schnell zur Stelle, um ihrem verwundetem Kollegen zu helfen. Anthea wich vor ihnen zurück, als sie zu zweit auf sie zukamen, und hielt nach einer Lücke Ausschau, so wie Wilk ihr einst beigebracht hatte. Sie fand keine. Als beide schließlich nach ihr griffen, musste sie stattdessen in eine Nebenstraße flüchten.
Dort fand sie aber gleich ihre Rettung in einem stinkenden Müllhaufen, der sich am Straßenrand aufhäufte. Sie grinste und sprang nach oben. Chaos und Verwirrung, das waren Antheas Markenzeichen und kein langweiliger, eintöniger Schwertkampf auf offener Straße.
Der Haufen kollabierte unter ihr und fiel den Soldaten entgegen, die um die Ecke bogen. Sie fluchten und sprangen zurück, während Anthea die Balance hielt und sich von einem morschen Holzgestell abstieß, das unter ihrem Gewicht zusammenbrach. Sie segelte durch die Luft und war hinter den Soldaten, als diese vor dem fallenden Müllberg zurückwichen. Den einen erwischte sie in der Lücke seiner Hüftplatte, der andere war schneller und schlug mit seiner Waffe nach ihr. Allerdings wurde er da von dem fallenden Müll ergriffen und geriet ins Straucheln, sodass seine Waffe sie um Meilen verfehlte. Sie selbst hatte keine Probleme mit dem rollenden Müll, sie erkannte die Ordnung im Chaos und wusste sie zu nutzen. Leichtfüßig sprang sie über den verdreckten Boden, bediente sich an dem Arsenal des auf die Knie gesunkenen Soldaten - sie erwischte ein Seil, wie lustig - und überwältigte ihn damit selbst. Als er auf dem Boden lag, die Hände verbunden und das Schwert im Müll versunken, richtete sie sich schließlich auf und blickte auf ihr Chaos hinab.
"Hübsch."
Dann sah sie auf die Soldaten. Alle drei waren noch am Leben, aber nicht mehr sehr kampffähig, geschweige denn willig.
"Tut mir leid Jungs, aber ich habe keine Lust auf einen Steckbrief. Ihr hättet wissen müssen, dass man die vorlaute Thea nicht einfach so in den Kerker verfrachten wollen sollte, hmm?"
Dem einen schlitzte sie die Kehle auf, den anderen köpfte sie und dem dritten stieß sie das Kurzschwert in seinen Bauch. Dann ließ sie die Waffe fallen, holte sich ihr Messer zurück und kam bei Lucius zum Stehen.
"Beim nächsten Mal bist du wieder dran. ... Du hast da noch was."
Sie wischte ihm mit dem Daumen Blut von der Wange, eine beinahe fürsorgliche Geste, wenn sie nicht selbst mit Blut bespritzt wäre, ein Messer in der Hand hielt und sie sich beide in einer dunklen, stinkenden Gasse befanden. Die Atmosphäre passte nicht ganz dazu.
Trotzdem lächelte sie ihn an und rückte ihre Kleidung zurecht.
"Behalt ein Auge auf Berek für mich. Aber halt dich demnächst aus meinen Angelegenheiten raus, du alter Stalker."
"Daran habe ich keine Zweifel", flüsterte sie schließlich zurück, kaum lauter als Lucius selbst, während sie sich ihm entgegen lehnte. Für ihn wäre sie so weit gegangen, wie er nur wollte - nur für ihn. Sie hätte viel für Lucius getan, dessen er sich wahrscheinlich gar nicht mal bewusst war.
Bevor die Situation allerdings noch eskalieren würde, unterbrach ein Ruf ihre Zusammenkunft, dicht gefolgt von dem Besitzer der Stimme, der in seiner protzigen Uniform um die Ecke auftauchte. Ein Stich der Enttäuschung durchfuhr Anthea, während sie beide voneinander Abstand nahmen. Dabei war sie der Überzeugung gewesen, dass sie einen Moment alleine hatten.
Lucius hatte ein genauso loses Mundwerk wie sie selbst, anders wären sie wohl nie so sehr aneinander geraten. Sie amüsierte sich prächtig, während der Mann sich mit der Wache anlegte, zumindest so lange, bis der Soldat zu weit ging. Da zog sie die Stirn in Falten und schnalzte missmutig mit der Zunge, während sie die Beleidigung über sich ergehen ließ. Sie als vorlautes Miststück zu bezeichnen war eine Sache, aber Lucius zu schlagen? Das ging dann doch zu weit, auch wenn er sich schnell wieder davon erholt hatte.
"Was ist eigentlich dein Problem?! Hat dir deine Mutter nicht beigebracht, wie man mit Frauen redet?!"
Sie tauschte einen Blick mit Lucius aus, der noch immer am Boden saß und keine Anstalten machte, so schnell wieder aufzustehen. Wie schon zuvor konnten sie auch ohne Worte kommunizieren, rein durch die Kraft ihres Blickes dieses Mal. Anthea grinste, dann zwinkerte sie ihm zu.
Es gab verschiedene Ausgänge aus dieser Lage, wobei nicht alle mit dem Tod enden mussten. Natürlich könnte Anthea sich auch ergeben, sich in den Kerker werfen lassen und von dort aus wieder ausbrechen, aber dieses Mal ging es ihr ums Prinzip, dass sie selbst entschied, wann sie in den Kerker wanderte, und nicht irgendein dahergelaufener Soldat.
Dann gab es natürlich auch noch die Möglichkeit zur Flucht, wenn auch zu einer spektakulären. Es war nicht immer verkehrt den Kampfort zu verlassen, besonders wenn man in der Unterzahl war und noch dazu eigentlich gar keine Lust auf eine Prügelei hatte - oder wenn es in diesem Fall so herrlich viele Ablenkungsmöglichkeiten gäbe. Die Häuser um sie herum waren alle morsch und schlecht bebaut und auf den Straßen lag teilweise der Müll von den Bettlern und Obdachlosen. Anthea war sich ihrer Fähigkeiten so sicher, dass sie keine Zweifel daran hatte, noch binnen 10 Minuten alle drei Männer abgeschüttelt zu haben.
Aber in diesem speziellen Fall wollte sie nicht abhauen. Ein bisschen - vielleicht auch viel? - um Lucius zu beeindrucken und ihm zu beweisen, dass sie es durchaus noch drauf hatte, aber ein bisschen auch, weil der Soldat ihn niedergeschlagen hatte. Sie hatte kein Problem damit beleidigt zu werden, aber wenn es jemand wagte Lucius' hübsches Gesicht zu verunstalten, würde sie ihn nicht nur mit einem blauen Fleck davonkommen lassen.
Also zog sie ihr Messer hervor und die drei Soldaten wandten sich ihr zu.
Anthea hatte - wie beinahe alle ihrer Halbschwestern - eine Ausbildung in Melora erhalten. Sie war nicht so weit gegangen wie bei ihrer ältesten Schwester - sie hatte sie seit 12 Jahren schon nicht mehr gesehen und hoffte ein bisschen darauf, dass sie verreckt war - aber es war doch eine angemessene Grundausbildung gewesen. Die Ausbildung hatte ihr den Zugang zur Königsstadt verschafft und als sie einmal drin gewesen war und sich mit ihren Fähigkeiten durch anfängliche Konflikte geschlagen hatte, hatte sie sie in eine etwas andere Richtung ausgefeilt. Schließlich hatte sie gelernt, die Waffe gegen Kreaturen zu erheben, aber Menschen waren eigentlich nicht viel anders als Kreaturen. In den meisten Fällen lediglich kleiner, dünner und hässlicher.
Als der vorderste Soldat auch bei ihr versuchte, den Knauf seines Schwertes in ihr Gesicht zu rammen, begleitet von höhnischen Bemerkungen darüber, dass man sie in die Männerzelle verfrachten wolle, duckte Anthea sich unter seiner Hand hindurch. Er reagierte beinahe genauso schnell - es wäre auch lachhaft gewesen, wenn es in dieser Stadt schlechte Soldaten gäbe - aber er rechnete mit einem Stich in seine Seite. Als er sich also in die andere Richtung wegdrehte, um ihrem Messer zu entgehen, dachte er nicht daran, dass sie die Klinge stattdessen in seine Achsel jagen würde.
Er schrie auf und schlug nach ihr. Sie ließ das Messer stecken, schlitterte stattdessen noch näher heran und riss ihm das Kurzschwert vom Gürtel. Als seine Waffe auf sie niederfuhr, parierte sie die Klinge von unten herab ab, schwang sie herum und entwaffnete ihn.
Die anderen beiden Soldaten waren schnell zur Stelle, um ihrem verwundetem Kollegen zu helfen. Anthea wich vor ihnen zurück, als sie zu zweit auf sie zukamen, und hielt nach einer Lücke Ausschau, so wie Wilk ihr einst beigebracht hatte. Sie fand keine. Als beide schließlich nach ihr griffen, musste sie stattdessen in eine Nebenstraße flüchten.
Dort fand sie aber gleich ihre Rettung in einem stinkenden Müllhaufen, der sich am Straßenrand aufhäufte. Sie grinste und sprang nach oben. Chaos und Verwirrung, das waren Antheas Markenzeichen und kein langweiliger, eintöniger Schwertkampf auf offener Straße.
Der Haufen kollabierte unter ihr und fiel den Soldaten entgegen, die um die Ecke bogen. Sie fluchten und sprangen zurück, während Anthea die Balance hielt und sich von einem morschen Holzgestell abstieß, das unter ihrem Gewicht zusammenbrach. Sie segelte durch die Luft und war hinter den Soldaten, als diese vor dem fallenden Müllberg zurückwichen. Den einen erwischte sie in der Lücke seiner Hüftplatte, der andere war schneller und schlug mit seiner Waffe nach ihr. Allerdings wurde er da von dem fallenden Müll ergriffen und geriet ins Straucheln, sodass seine Waffe sie um Meilen verfehlte. Sie selbst hatte keine Probleme mit dem rollenden Müll, sie erkannte die Ordnung im Chaos und wusste sie zu nutzen. Leichtfüßig sprang sie über den verdreckten Boden, bediente sich an dem Arsenal des auf die Knie gesunkenen Soldaten - sie erwischte ein Seil, wie lustig - und überwältigte ihn damit selbst. Als er auf dem Boden lag, die Hände verbunden und das Schwert im Müll versunken, richtete sie sich schließlich auf und blickte auf ihr Chaos hinab.
"Hübsch."
Dann sah sie auf die Soldaten. Alle drei waren noch am Leben, aber nicht mehr sehr kampffähig, geschweige denn willig.
"Tut mir leid Jungs, aber ich habe keine Lust auf einen Steckbrief. Ihr hättet wissen müssen, dass man die vorlaute Thea nicht einfach so in den Kerker verfrachten wollen sollte, hmm?"
Dem einen schlitzte sie die Kehle auf, den anderen köpfte sie und dem dritten stieß sie das Kurzschwert in seinen Bauch. Dann ließ sie die Waffe fallen, holte sich ihr Messer zurück und kam bei Lucius zum Stehen.
"Beim nächsten Mal bist du wieder dran. ... Du hast da noch was."
Sie wischte ihm mit dem Daumen Blut von der Wange, eine beinahe fürsorgliche Geste, wenn sie nicht selbst mit Blut bespritzt wäre, ein Messer in der Hand hielt und sie sich beide in einer dunklen, stinkenden Gasse befanden. Die Atmosphäre passte nicht ganz dazu.
Trotzdem lächelte sie ihn an und rückte ihre Kleidung zurecht.
"Behalt ein Auge auf Berek für mich. Aber halt dich demnächst aus meinen Angelegenheiten raus, du alter Stalker."

