[2er RPG] The Curse of Time {TobiMcCloud & Codren}

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Der Raum wurde still.
      Als hätte jemand überall gleichzeitig für Ruhe gesorgt, hörten sämtliche Gespräche auf, das Spiel erstarrte und der Trunkenbold, der soeben noch durch den Raum getorkelt war, blieb wankend stehen. Rund acht Augenpaare richteten sich auf Berek gleichzeitig.
      Als wäre es abgesprochen, war Anthea die erste, die die Stille unterbrach, indem sie die Arme verschränkte.
      "Ich steh' direkt neben dir, Arschloch. Ein bisschen mehr Respekt würde dir auch nicht schaden."
      Sie wurde von der versammelten Mannschaft ignoriert.
      Ilyos starrte Berek jetzt direkt an und nahm sich den Joint aus dem Mund. Er blies noch einen Schwall Rauch aus, bevor er seinen Blick nachlässig über Bereks Hut, seinen Kragen und seinen Mantel schweifen ließ. Es sah nicht so aus, als würde er irgendetwas davon wirklich wahrnehmen.
      "Berek aus Shegar? Die Spinne?"
      Seine Stimme wirkte neugierig, aber sein Blick war noch immer schlaff und leer. Er zog wieder an seinem Joint und als er erneut sprach, quollen ihm die Rauchwolken aus dem Mund.
      "Gehst du immer so direkt auf Geschäftspartner zu? Vielleicht ist hier im Raum ein Spitzel? Vielleicht bist du der Spitzel? Ich lass mir von niemandem Worte in den Mund legen, auch wenn er behauptet, der König höchstpersönlich zu sein. Ich mache keine schmutzigen Geschäfte und ich kenne kein Einauge."
      Anthea traktierte Berek noch immer mit garstigen Blicken, schien dann etwas abzuwägen und schnalzte missmutig mit der Zunge. Sie wandte sich Ilyos zu, reckte sich bis auf die Zehnspitzen, um zu seinem Ohr zu gelangen, und flüsterte ihm etwas zu. Es war nicht viel und Ilyos wirkte auch nicht so, als würde er ihr überhaupt zuhören, aber als sie sich wieder auf die Füße stellte und er einen Zug von seinem Joint genommen hatte, sagte er schließlich:
      "Ich gebe keine unnötigen Informationen raus, nicht an meine Kollegen, nicht an Informanten. Wenn du was wissen willst, muss ich wissen, für wen du arbeitest. Nenn mir ein paar Namen deiner Vorgesetzten und ich werde entscheiden, was ich dir alles sagen werde."
    • "Du scheinst nicht viel von mir gehört zu haben"
      Meinte Berek entspannt während er das Zimmer sondierte und dem ein oder anderen Mann einen verachtenden Blick zu warf.
      Was auch immer Anthea ihm gesagt hatte, schien zu wirken, also musste er auch keinerlei Nachdruck ins Spiel bringen oder mehr Informationen als nötig von sich geben.
      Spielerisch ging er langsamen Schrittes am Blilliard Tisch entlang und hob die schwarze Kugel an, betrachte diese und zuckte mit den Schultern um die gestellte Frage zu beantworten.
      "Ein paar hm?"
      Noch die Kugel vor sich haltend, lehnte sich Berek gegen den Tisch und blickte an der Kugel vorbei zu Ilyos.
      "Nein. Ich bin aus anderen Gründen in dieser Stadt. Was ich dir aber geben kann ist meine Gunst. Keine Namen"
      Anschließend bewegte er seine Hand in einer kreisenden Bewegung, mit welcher er die Kugel komplett verschwinden lies und für einen Augenblick seine flache Hand mit gespreizten Fingern für den Showeffekt bei behielt ehe er die Arme vor sich verschränkte.
      "Sagen wir, dass meine Gunst in Shegar mehr Wert als Gold war. Das wird hier bald auch so sein. Mache dir also jetzt die richtigen Freunde solange du noch kannst, bevor sich jemand anderes diese Chance schnappt."
    • "Deine Gunst", echote Ilyos, ein leerer Ausdruck, der gut zu seinem unbeteiligten Äußeren passte. Man konnte allerdings den unverhohlenen Hohn darin heraushören, mit dem er ganz anscheinend Bereks Worte ins Lächerliche ziehen wollte.
      Er beobachtete Bereks Zaubertrick mit der Kugel und rauchte.
      "Deine Gunst ist hier so viel Wert wie ein Haufen Scheiße in der Gosse. Es ist mir egal, was für ein Netz du in Shegar gewebt hast, wir sind hier weit von diesem Loch entfernt."
      Etwas Leben trat in seinen Ausdruck, als er sich von der Wand abstieß, um den letzten Meter zu Berek und den Billardtisch zu überbrücken. Allerdings war es nicht genug, um ihn wirklich aufmerksam wirken zu lassen.
      "Lass mich dir erklären, wie das hier abläuft - nicht etwa aus Nächstenliebe, sondern weil Thea was auf dich setzen will. Wir sind hier nicht mehr in Shegar, wir haben hier eine Königsstadt", er deutete auf den Billardtisch, um das zu verdeutlichen. "Eine riesige, gottverlassene Stadt mit hübschen Mauern und einem hübschen kleinen Königspalast. Und in dieser Königsstadt, mit seinem kleinen Herrscher und seiner kleinen Garde und dem ganzen drumherum, gibt es Leben, so viel, wie in Shegar nie reinpassen könnte."
      Er zeigte auf die verstreuten Billardkugeln.
      "Und um dieses ganze Leben, diese ganzen kleinen Bettler und Diebe und Mörder und Zecher unter Kontrolle zu bringen, brauchst du viele kleine andere Bettler und Diebe und Mörder und Zecher und steckst sie alle unter einen Hut."
      Er hob eine Kugel auf und präsentierte sie Berek.
      "Denkst du jetzt also, du könntest als kleines, einzelnes Staubkorn, das nicht mehr hinterlässt als einen fürchterlichen Gestank, sowas", er wog die Billardkugel in der Hand auf und ab, "beeinflussen? Geschweige denn von den vielen anderen, kleinen Hüten, die sich hier ergeben haben?"
      Er nickte zu dem Rest der Kugeln und platzierte seine eigene wieder auf dem Tisch. Dann lehnte er sich vor und auf den Tisch.
      "Ich habe von einigen Geschichten gehört, die du in Shegar durchgezogen hast", raunte er, kniff die Augen zusammen. "Ich habe schon von dem Psychopath gehört, der den armen Herzog dazu nötigt, die Königsarmee zur Hilfe zu rufen. Ich habe davon gehört, dass man deinen Namen gar nicht aussprechen will, aus Angst, du könntest von den Schatten aufsteigen. Und trotz allem stehe ich hier vor dir, vor der Legende von Shegar, vor der Spinne und alles, was ich sehe, ist ein Mann, der sein Spielzeug verloren hat und versucht, sich ein anderes anzueignen. Aber wir sind hier nicht in Shegar - das ist die gottverdammte Königsstadt und ich werde die Eier des Königs persönlich abschneiden und fressen wenn du aberwitziges kleines Staubkorn es auch nur ansatzweise so weit schaffen könntest wie ich."
    • Berek beobachtete Ilyos und lauschte seinen Worten, die ihn anfangs noch innerlich zum schmunzeln brachten. Doch als er seinen Namen nicht ein einziges Mal würdigte, diesen Sogar in den Dreck zog, als wäre all das erreichte in einer größeren Stadt nichts mehr wert, verblasste der Spaß in Berek.
      Seine Augen stachen die seines ungehobelten Gegenübers als könne er ihm damit den Tod selbst übertragen. Dabei stellte er sich die guten alten Zeiten vor und was Berek damals mit Menschen machten die ihm auch nur halb so respektlos gegenüber traten.
      Fürs erste merkte er sich jedoch lediglich jedes einzelne Detail von Ilyos. Ganz sicher würde er in naher Zukunft bereuen den falschen Schritt gemacht zu haben.
      Für diesen Moment musste sich Berek aber zurück halten. Brächte er nun alle um, wäre die Spur zu ihm leicht zurück zu verfolgen. Abgesehen davon galt es ein viel größeres Ziel zu verfolgen statt sich von einem Handlanger provozieren zu lassen, der noch früh genug über seine Fehler nachdenken wird.

      Davon überzeugt, nicht länger in diesem Drecksloch verbleiben zu wollen, schüttelte er nur mit dem Kopf, nachdem Ilyos auch seinen letzten Hohn raus gelassen hatte.
      "Ich werde mir deine Worte merken."
      Meinte er ruhig während er schon zur Tür ging, diese öffnete und eilig die Gänge zurück lief bis er endlich wieder an der frischen Luft war.

      Es brodelte in Berek. Sein Blut kochte. Am liebsten hätte er beim gehen eine Feuerspur gelegt um alle im Gebäude zum Tode verurteilt.
      Glücklicherweise bekam er dann aber doch noch unangenehme Gesellschaft. Die beiden Idioten, welche zuvor schon Anthea angepöbelt hatten, versuchten schon wieder für Aufsehen zu sorgen. Beide kamen Berek nah, einer schupste ihn sogar harsch an der Schulter.
      "Tu das nicht..."
      zischte Berek leise, doch war das für die Beiden viel mehr eine Aufforderung noch eine Stufe höher zu schalten. So kam der zweite dazu und deutete bereits einen heftigen Stoß mit beiden Händen an, welche Berek wohl beim Kontakt gegen die Wand hinter sich befördert hätte, doch bevor die Hände ihn erreichten, standen beide Personen von einer Sekunde zur Anderen in einer grünen Stichflamme. Sofort schrien beide wie Wild auf, warfen sich auf den Boden und rollten sich in einer undefinierbaren Pfütze die wohl mehr aus Urin und Kotze bestand als Wasser. Ein Anblick den Berek sehr genießen konnte. Er stand nur so da und blickte auf die beiden jämmerlichen Gestalten hinab und lies die Flammen erst dann erlöschen, als beide grade noch so am Leben waren aber solch schwere Verbrennungen hatten, dass sie wohl fürchterliche Tage zu erwarten haben ehe sie an unvermeidlichen Infektionen sterben.
    • Es dauerte einen Moment, bis Anthea auch herausgeschlendert kam, aber letzten Endes folgte sie Berek.
      Sie blieb beim Anblick der beiden verbrannten Fast-Leichen wie angewurzelt stehen und zog die Unterlippe zwischen die Zähne, ein Gesichtsausdruck, der eine undeutbare Emotion zur Schau stellte. Ihr Blick wanderte weiter zu Berek hinüber.
      "... Warst du das? ...Man, wie hast du das denn angestellt? Den Trick musst du mir mal zeigen, bei Gelegenheit."
      Sie beugte sich über das eine Häufchen verbrannten Elends, das nur krächzende Geräusch gab und sich in seinem eigenen Blut rekelte. Als sie sich wieder aufrichtete und Berek zuwandte, konnte sie erst in dem Licht erkennen, was für eine Anspannung in seinen Gesichtszügen lag - dabei glaubte sie, dass nicht alles davon zum Vorschein kam. Berek wirkte kaum wie der Mann, der sich durch Emotionen die Blöße geben würde.
      "Lass uns was trinken gehen, was hältst du davon? Ich lade dich ein - aber nicht in dieser Absteige sondern irgendwo, wo man keine Angst haben muss, dass die Läuse im Schnaps schwimmen."
      Sie trat über die werdenden Leichname hinweg und schlenderte die Gasse entlang, vorbei an verängstigten Gestalten, die Berek mit riesigen Augen anstarrten und sich vor ihm in die Schatten flüchteten. Anthea strebte zielsicher die Hauptstraße und das damit einhergehende Laternenlicht an; sie würde niemals so tief sinken, um sich durch die Schatten zu stehlen wie ein gesuchter Verbrecher. Nicht, dass sie kein Verbrecher war, aber gesucht wurde sie nicht - offiziell zumindest nicht.
      "Lass mich dir erklären, wie das hier abläuft - anders als Ilyos es erklärt hat", sagte sie an Berek gewandt, während sie den Blick weiter auf die Straße vor sich gerichtet hielt. Die nächtlichen Straßengänger zeigten nur wenig Interesse an dem vorbeischlenderndem Paar.
      "Diese Stadt ist in Bezirke aufgeteilt, offiziell und inoffiziell. Die offiziellen Bezirke unterscheiden sich größtenteils in Benutzung und ob arm oder reich, die inoffiziellen lediglich, wer sie gerade besetzt und was er macht. Jeder Bezirk hat offiziell einen Wachmeister, dem eigene Truppen unterstellen, die sich nur um die Geschehnisse innerhalb ihres Bezirkes kümmern - darüber hinaus gibt es hoheitliche Wachmänner, die durch die ganze Stadt spazieren. Denen sind Bezirksgrenzen herzlich egal, die kümmern sich um alles, was ihnen irgendwie in die Quere kommt. Vor denen solltest du dich ein bisschen mehr hüten.
      Inoffiziell haben wir eine Art Verteilungsnetzwerk. Jeder Bezirk ist für etwas anderes zuständig: Wenn du nur ein bisschen Kleingeld verdienen willst, ist die Holzgasse am besten, für Einbrüche der Henkersplatz, Sabotage im Nordend und so weiter. Das ändert sich auch nicht, ganz unabhängig davon, welcher Aufseher gerade dort sitzt. Das hat sich irgendwann mal so festgefahren, die Leute sind's einfach gewöhnt und deshalb bleibt es auch so.
      Was Ilyos meinte - glaube ich zumindest - ist, dass die Bezirke unabhängig voneinander agieren. Klar, wenn du einen riesigen Überfall planst, musst du dir zwangsläufig Hilfe von mehreren Bezirken holen, aber dafür gibt's dann sowieso Kontaktmänner, die für eine Einheit sorgen. Wenn du dir also einen der Bezirke einverleiben würdest, würdest du eben genau das haben: Ein Bezirk, nicht mehr und nicht weniger. Du könntest damit genauso viel am Gesamtgebilde ausrichten wie ein Esel das Tor des Palastes eintreten könnte."
      Sie unterbrach ihre Ausführungen, um einer patrouillierenden Soldatengruppe ein strahlendes Lächeln zu schenken. Die Soldaten machten bedrohliche Gesichter, die auf keinen der beiden Spaziergänger einen Effekt hatten.
      "Du bist hier nur so viel wert, wie viele Männer du unter dir hast, denn entsprechend groß ist dein Beitrag zu diesem... Konstrukt und entsprechend viel kannst du daran ausrichten. Deshalb war Ilyos auch so unbeeindruckt von deiner Gunst - die ist, als Einzelmann, einfach nichts wert. Nichts für ungut."
      Sie verließ die Hauptstraße und näherte sich einem Gebäude, aus dem Musik drang. In diesem Teil der Stadt stank es auch, allerdings nicht schlimmer als sonstwo und alle Gestalten, die hier herumlungerten, unterhielten sich eher leise untereinander oder zogen gleich ab, wenn sie merkten, dass es in der Gasse voller wurde. Als Anthea die Tür zu der Kneipe öffnete, drang die Musik ungedämpft zu ihnen heraus, untermalt von hemmungslosem Gelächter und lauten Stimmen - genau die Art von Geräuschpegel, die Anthea als angenehm empfand. Sie warf Berek einen grinsenden Blick zu, dann trat sie in die hell erleuchtete Stube ein.
    • Berek starrte die beiden Männer am Boden an, stellte sich dabei all die Schmerzen vor und übertrug diese auf alle die sich ihm auf seinem Weg noch in den Weg stellen würden. Erst als Anthea dazu kam wanderten seine Augen zu ihr, doch lies er ihre direkte Frage unbeantwortet bei den beiden Halbleichen liegen.
      Der Vorschlag etwas trinken zu gehen, schien ihm dabei gar keine schlechte Idee. Wer weiß wie trinkfest diese Frau war. Möglicherweise bekam er so noch mehr aus ihr heraus. Und selbst wenn das nicht der Fall wäre, war Alkohol etwas, was er grade sehr begrüßte.

      Still folgend hörte er der Frau zu, welche immer wieder unter Beweis stellte, dass das Rampenlicht ihr lieber war als anonym zu bleiben. Doch warum fing sie plötzlich an ihm so viele Informationen zu geben? Sie klärte ihm das komplette System in dieser Stadt, von dem ihm nicht mal die Soldaten erzählt hatten. Erwartete sie dafür eine Gegenleistung?
      Vorerst musste er damit einher gehen die ganze Lage zu analysieren. Wenn die Frau ihm noch nützlicher werden und sich als gute Schachfigur entpuppen wird, wäre es gar nicht mal so dumm ihr eine Chance zu geben.

      Lange dauerte es nicht bis die Beiden an ihrem Ziel angekommen waren. Tatsächlich war es eine Schenke in der man den Tag ausklingen lassen konnte. In Shegar hätte er eine Solche zumindest bevorzugt. Nicht zu edel und nicht zu schäbig. Perfekt um viele Soldaten nach ihrer Schicht in dessen Suff zu manipulieren. Sogar Lodoz lernte er unter solchen Umständen kennen.
      Anthea weiterhin folgend, inspizierte er mit seinem scharfen Blick jede Ecke der Schenke. Jedes verdunkelnde Fenster, die Treppe hinter den Tresen, die Anzahl an Personen die hier bei vollem Betrieb hinein passten und auch wie engagiert die Wirtin war.
      Alles in allem eine akzeptable Schenke.
      Kurz darauf setzten sich beide in eine Ecke und bekamen beinahe als hätte man hier schon einen Stammgast Status, zwei Biere vor gesetzt, welches sogar einen guten Schaum aufwies...und das auch noch in sauberen Krügen.
      Sofort krallte sich Berek seinen Krug und trank die Hälfte in einem Zug weg ehe er erfrischt und beinahe schon erleichtert ausatmete. Erst jetzt legte er seinen Hut ab, stand nochmals kurz auf um seinen Mantel auszuziehen, was so viel hies wie, dass ihm die Schenke als akzeptabler Ort zum länger bleiben genehm war.
      Kurz darauf wieder sitzend, zündete er sich eine Zigarette an, tat dabei so als hätte er er ein Streichholz angezündet, welches er mit seiner Hand verdeckte obwohl kein Wind wehte, wofür die Haltung entsprechen würde. Nur wenn man ganz genau hinsah, hätte man sehen können dass die Flamme ein grünes Licht warf.

      "Okay also..." Meinte Berek nach einem tiefen Zug, ehe er den Rauch genüsslich nach oben hin weg blies
      "...Warum hast du mir all das erzählt? Erwartest du dass ich dir dafür eine Gegenleistung anbiete? Dieser Ilyos war ja wohl ne echte Pleite oder? Zwar weiß er es noch nicht aber bald schon wird er seinen Fehler bereuen. Es gibt weit mehr auf dieser Welt als nur diese Stadt."
      Nach einem weiteren Schluck und einem beinahe schon ehrfürchtigen Blick ins Nichts, führte er etwas leiser fort
      "Hätte er mal lieber seine Hausaufgaben gemacht..."
      Da fing er sich wieder flott ehe er seine derzeitige Trinkgenossin ansah und beinahe neugierig fragte, als würde er Gerüchten nach gehen
      "Sag. Was weiß man in dieser Stadt alles über das Kryss und der Geschichte vor den Monstern außerhalb der Stadtmauern?"
    • Während Berek sich in die Schenke schlich wie ein paranoider Obdachloser, der Angst davor hatte, von hungrigen Geistern angefallen zu werden, die ihm auch noch die Kleider vom Leib stahlen, marschierte Anthea zielstrebig durch die Tür, fasste einen leeren Tisch ins Auge und eroberte ihn mit einigem Gedränge und unnötig laut ausgesprochenen Beleidigungen. Keine fünf Minuten später waren sie schon mit Getränken ausgestattet und begnügten sich mit ihrer Anwesenheit.
      Anthea sah sich jetzt erst im Raum um, während Berek bereits seinen halben Krug leerte und sich eine Zigarette anzündete, eine von vielen in diesem Raum, die für den dieser Stadt charakteristisch rauchigen Geruch sorgten. So wie er dasaß wirkte er so, als würde er sich zum ersten Mal an diesem Abend entspannen.
      Sie wandte sich ihm zu und weg von den vielen kleinen Möglichkeiten, die sie geradezu dazu reizten, einen Radau zu veranstalten. Das Instrument des Musikers sah viel zu alt aus, um einem richtigen Schlag standzuhalten, die wenigen Soldaten in der Ecke wirkten schon zu betrunken um gerade gehen zu können und das Bierfass stand - wie Anthea fand - ziemlich unbeaufsichtigt. So viele Möglichkeiten, die Schenke auf den Kopf zu stellen, so viel Vergnügen, das nur darauf wartete, von ihr ausgenutzt zu werden.
      Sie richtete ihre Aufmerksamkeit dennoch auf Berek, ihre Art, ihren Respekt auszudrücken.
      "Eine Gegenleistung?"
      Sie dachte für einen Moment nach, die Gesichtszüge entspannt, fast schon belustigt.
      "Ja, jetzt wo du es sagst, vielleicht erhoffe ich mir wirklich eine Gegenleistung davon. Ich erkläre dir die Spielregeln und du spielst mit, das ist mein Ziel."
      Das Grinsen, das sich bis dahin noch hinter ihrer Miene versteckt hatte, kam jetzt hervor. Sie nahm einen Schluck von ihrem Bier, aber keinen sehr großen.
      "Hast du mal Schach gespielt, Berek? Dieses Spiel mit den Figuren und dem karierten Brett? So stelle ich mir das hier vor, die ganze Stadt: lauter kleine Felder und lauter kleine Figuren. Wir haben den König und Ilyos ist vielleicht Teil von… weiß ich auch nicht, dem Läufer schätze ich mal. Vielleicht auch dem Springer. Und je mehr Leute mitspielen, je mehr Figuren das Spiel besetzen, desto mehr werden die einzelnen Figuren in ihren Bewegungen eingeschränkt."
      Sie lehnte sich zurück und zog die Beine nach oben, um sich in den Schneidersitz zu setzen. Dann nippte sie wieder an ihrem Bier.
      "Versteh mich nicht falsch, ich mag Ilyos, ich mag unseren Läufer, von dem wir Teil sind, aber ich mag auch das Chaos und wenn es zu wenig Spieler gibt, könnte jemand auf die Idee kommen, an den Regeln zu schrauben. Und dann gibt es irgendwann kein Chaos mehr."
      Sie zuckte mit den Schultern.
      "Vielleicht denke ich auch, dass du eine Chance haben könntest und will mich deshalb bei dir gut stellen. Such's dir aus."
      Berek fuhr fort, eine scharfe Wendung in ihrem Gespräch zu unternehmen, deren Richtung Anthea gar nicht mehr behagte. Kryss und Kreaturen? Das war etwas für Landleute, nicht für Stadtbewohner.
      Sie zuckte abermals mit den Schultern, diesmal sichtlich desinteressiert.
      "Keine Ahnung. Woher soll ich das wissen? Das interessiert mich erst, solange sie durch die Mauern hereinkommen und das ist in 30 Jahren nicht ein Mal passiert."
      Sie starrte für einen Moment in ihr Bier hinein, trank dann doch nicht davon. Sie brauchte etwas härteres, nicht diese Plörre.
      "Wenn du was davon wissen willst, bist du hier an der völlig falschen Stelle. Da solltest du die Gelehrten im Palast aufsuchen, die, die lesen können. Die beschäftigen sich sicherlich mit sowas langweiligem wie Geschichte, bei uns wirst du sowas nicht finden."
      Sie hob die Hand und verlangte bei der Wirtin nach Rum. Die Frau gab zur Antwort ein Schnauben zu hören.
      "Um deine Frage also zu beantworten: Der König weiß sicherlich viel. Seine Handlanger bestimmt auch, alle anderen - wir hier unten - gar nichts und es ist uns auch recht egal."
      Sie bekam ihr Getränk in Rekordzeit und stürzte es hinab. Sie schüttelte sich einmal wegen dem Geschmack und schmatzte lautstark.
      "Und dir sollte es auch egal sein. Hier drinnen wirst du genug Probleme haben, um dich nicht noch mit denen da draußen beschäftigen zu müssen."
      Sie bestellte sich als nächstes einen Schnaps, wobei die Wirtin diesmal nicht nur ihr Getränk lieferte, sondern sich auch noch für einen Moment auf ihren Tisch lehnte. Sie betrachtete das Paar einmal eindringlich, wobei ihr steinharter Blick zuletzt auf Anthea zu ruhen kam.
      "Wenn du mir auch nur einen Stuhl heute Abend kaputt machst, Frau, werde ich dafür sorgen, dass du nie wieder einen Fuß durch diese Tür setzt."
      Anthea sah zu ihr auf und grinste dann diabolisch. Der Teufel der Kneipen war in seinem Element angekommen.
      "Beim letzten Mal hast du sogar die unbeschädigten Stühle ersetzt bekommen."
      Sie klopfte auf die Lehne ihres eigenen Sitzes, während die Wirtin die Stirn in Falten zog.
      "Ich werde mich nicht wiederholen."
      "Schon gut, ich mache nichts kaputt. Ich verspreche es."
      Damit schien die Wirtin sich zufrieden zu geben und zog nach einem finsteren Blick in Bereks Richtung wieder ab.
      Anthea lehnte sich vor.
      "Und jetzt sag du mir, was du gegen Ilyos hast. Was wirst du ihm denn antun, dass er seinen Fehler bereuen wird?"
      Sie klang ernsthaft interessiert.
    • Berek sog jeden Eindruck auf der sich ihm bot. Die Analogie des Schachspiels gefiel ihm dabei sehr, vor allem weil er es bei dieser Frau nicht hatte kommen sehen. Bisher war lediglich Pria in der Lage gewesen ihm eine angenehme Partie zu bieten.
      Doch erst als Anthea ihm seine ersten Untersuchungen in der Stadt bestätigte, dass hier wohl kaum wer auf das Geschehen außerhalb von Mauern interessiert war, lies ihn lächeln als würde es ihm eine menge Möglichkeiten bieten in dieser Stadt Fuß zu fassen.
      "Interessant..."
      Sprach er vor sich her ehe er aufstand und zu den Tresen ging. Er fiel in dieser Schenke auf wie eine wandelnde Glühbirne, mit seiner edlen Kleidung. Ohne seinen Mantel sah er aus wie ein Auftragsmörder dessen Preis sich nur ein König leisten konnte. Berek trug bis auf sein dünnes Schwert, was beinahe an einen Degen erinnerte, nur eine passend geschneiderte Hose, ein langärmliges schwarzes Hemd, welches wohl auch passend auf seinen Körper zugenäht wurde und eine grüne verzierte Weste die von ein paar braunen Gurten bedeckt war, welche wohl alle einen speziellen Zweck erfüllten, die jedoch nicht gleich einsichtig waren.
      An den Tresen angekommen, beugte er sich leicht darauf um an eine Flasche ran zu kommen die am teuersten aussah, dazu noch zwei Gläser und keinerlei Interesse die Reaktion der Wirtin zu beobachten.
      Wieder zurück am Tisch stellte er die Gläser hin und füllte sie mit dem Getränk, welches sich als Whiskey heraus stellte.
      "Du bist eine interessante Person. Du erinnerst mich an jemanden."
      Er setzte sich wieder dazu und schwenkte den Whiskey in seinem Glas
      "Zunächst einmal danke ich für den Tipp mit den Gelehrten aber da war ich bereits. Es ist erschreckend wie wenig sogar in dieser Stadt davon bekannt ist. Könnte von Vorteil sein."
      Das Glas ansetztend, benetzte er vorerst seine Lippen mit dem Whiskey ehe er einen guten Schluck nahm und seine Augen dabei genüsslich schloss.
      "Ein verdammt guter Whiskey..."
      Er stellte das Glas ab und stand erneut auf, richtete sich kurz zu Anthea während er seine Weste richtete, was er immer tat wenn er aufstand und zuckte mit den Schultern.
      "Tut mir Leid aber ich fürchte ich muss der Wirtin Recht geben. Du wirst in dieser Schenke nichts mehr kaputt machen."
      Dann ging er zur Wirtin und zog die erschrockene Frau in eine Ecke wo keiner die leisen Worte hören konnte. Kurz darauf übergab er ihr etwas, was die Frau veranlasste schnell in ein Hinterzimmer zu gehen. Als sie wieder kam, gab sie Berek ebenfalls etwas und verbeugte sich sogar kurz vor ihm ehe sie hinter die Tresen schnellte und ab dem Zeitpunkt etwas arg nervöses an sich hatte.
      Erst dann kam Berek zurück und setzte sich wieder zu Anthea.
      Nach einem weiteren Schluck, steckte er sich wieder eine Zigarette an, tat dieses Mal aber nicht so als würde er ein Streichholz benutzen. Dieses mal hielt er ganz offen nur seinen Finger unter die Zigarette und zündete diese mit einer grünen tanzenden Flamme auf seiner Fingerspitze an ehe er Anthea ansah um ihre letzte Frage zu beantworten.
      "Sagen wir... Ilyos hätte sich etwas besser informieren sollen. Was mit ihm geschehen wird, wird sich noch zeigen. Doch fürs Erste..."
      Da legte Berek ein Schriftstück auf den Tisch.
      "Habe ich diese Schenke gekauft. Von nun an werde ich in diesem Spiel mit mischen. Ob es den Machthabern gefällt oder nicht. Und um meine Dankbarkeit zu zeigen, hast du hiermit die Gelegenheit im aufziehenden Sturm mit zu mischen. Jemanden wie dich kann ich gut brauchen um für Chaos zu sorgen."
    • Anthea beobachtete Berek wortlos, griff sich ihr Glas mit Whiskey und grinste dann. Ihre Belustigung war ernst gemeint.
      "Eine interessante Person? Mit der Meinung bist du aber der erste - und wahrscheinlich auch der letzte."
      Sie lachte einmal laut, um ihre Worte zu unterstreichen und trank dann selbst vom Whiskey - wenn man das überhaupt trinken bezeichnen konnte, was sie tat. Die Flüssigkeit war nie länger als eine Sekunde in ihrem Mund, bevor sie schon runtergeschluckt worden war.
      Als er sie dann darauf hinwies, dass die Wirtin recht haben sollte, verdunkelte sich ihre Miene doch wieder ein bisschen. Einschränkungen waren ihr gänzlich zuwider. Anthea lebte quasi von dem Chaos, es war ihre Spezialität, ihr Element, das einzige, was sie wirklich drauf hatte, womit sie sich in dieser zum Teufel überfüllten Stadt rar machen konnte - und von allen Menschen wollte gerade Berek es ihr verbieten? Ganz sicher nicht.
      Sie öffnete den Mund, um die Hölle über ihn hereinbrechen zu lassen, um ihn daran zu erinnern, wo sein Platz auf diesem Spielfeld war, als ihr die Worte im Hals erstickten. Berek hatte gerade eine Flamme aus seiner Fingerspitze gezaubert. Und als sie sich noch darüber den Kopf zerbrach, wie er das geschafft hatte und was sie nun also zuerst ansprechen sollte, hatte er ihr auch schon wieder den Wind aus den Segeln genommen.

      Deutlich irritiert über diese ganze Situation, in die sie sich gerade manövriert hatte, klappte sie den Mund doch wieder zu, trank ihr Glas leer, griff zum Bier, um einen Schluck nachzuschütten. Diesmal half der Alkohol nicht zu einer Entscheidung, wie ärgerlich.
      "Also... eine Bedingung: Ich lass mich nicht einschränken, nicht von dir, nicht von Ilyos, von niemandem. Entweder du nimmst in Kauf, dass ich deine wertvolle Schenke zerstöre - was im Übrigen gar nicht meine Schuld gewesen war, zumindest nicht direkt - oder du kannst alleine sehen, ob du es nochmal bei Ilyos versuchen willst, aber der wird dich nicht für alles Gold der Welt einstellen. Außerdem brauchst du mich immernoch, um an Einauge ranzukommen, also denk nicht, dass ich mich einfach so unterwerfen lasse. Du bist hier der Informant, ich bin die Vermittlerin, etwas anderes wird hier nicht zustande kommen.[b]"[/b]
      Nachdem sie wieder etwas Fuß in ihren Gedankengängen gefasst hatte, fiel es ihr auch leichter ärgerlich zu erscheinen. Zumindest für einen Moment.
      "Und was hast du da eben mit deinem Finger gemacht? Was war das?"
      Sie kniff die Augen zusammen, kurz davor ihn zu warnen, dass er keine Tricks bei ihr abziehen sollte.
    • "Mit deiner Bedingung kann ich leben. Mehr noch. Dein Chaos ist genau das was mich an dich interessiert. Zerstörst du aber mein Eigentum, werden wir ein Problem miteinander bekommen"
      Er trank den Rest aus seinem Glas aus und schenkte beiden nochmal nach
      "Dass keiner von unserem jetzigen Bündnis erfährt, soll mir aber recht sein. Umso weniger von meinem Plan wissen, desto besser."
      Daraufhin blickte er in seine Handfläche, schüttelte aber mit dem Kopf
      "Ich kann es dir zeigen, wenn du willst. Dafür musst du mich nur an einen abgelegenen Teil der Stadt führen wo es wenige Augen gibt."
    • Berek willigte ein und Anthea gab sich damit zufrieden - vorerst. Was sollte es heißen, dass sie sein Eigentum nicht zerstören durfte? Sollte sie etwa von jetzt an stets nachfragen, bevor sie einen Radau veranstaltete? Anscheinend hatte er ihre Bedingung doch nicht so ganz verstanden, wie sie gedacht hatte, aber das sollte ihr auch recht sein. Hauptsache, er hielt sich daran.
      Auf seinen letzten Vorschlag zog sie die Stirn kraus. Sie trank noch einen Schluck und lehnte sich dann vor.
      "Wenn das irgendein billiger Versuch ist, mich um die Ecke zu bringen, kannst du dir das sparen. Ein Haufen Leute wären dir sehr, sehr böse, wenn du mich abmurkst - ganz zu schweigen davon, dass ich mich nicht so einfach abmurksen lasse."
      Sie ließ die Worte einen Moment lang im Raum stehen, dann entflechtete sie ihre Beine und stand auf.
      "Alsodann, lass uns gehen."

      Sie führte Berek am Marktplatz vorbei und zwanzig Minuten durch die Innenstadt, vorbei an weiteren geräuschvollen Schenken, nächtlichen Zechern, die sich vor den patrouillierenden Soldaten zu verstecken versuchten und schäbigen Gassen, in denen man bereits riechen konnte, was dort vor sich ging. Sie durchquerten drei Bezirke, wenngleich Anthea darauf verzichtete, Berek darüber zu informieren, und dann erreichten sie ein Gebiet in dem die Häuser deutlich baufälliger wirkten, in dem die Soldaten nachlässiger patrouillierten und in dem überall ein gewisser beißender, säuerlicher Geruch hing, ähnlich einem Verwesungsgeruch, nur nicht ganz so scharf und immerzu deutlich anwesend. Es dauerte nicht lange, ehe sie von einem dürren Bettler angemacht wurden, der nicht mehr als einen Lendenschurz trug und sich ihnen auf Knien näherte, die Hände bittend ausgestreckt. Anthea ignorierte ihn.
      Sie mochte das Viertel nicht, weil es hier nur heimliche Attentäter gab, irgendwelche versteckten Gassengeschäfte getätigt wurden und alle mit gesenktem Kopf umherliefen, als fürchteten sie Ärger, wenn sie es auch nur wagten, die Augen zu heben. Ein durch und durch langweiliges Publikum.
      Anthea führte ihren Begleiter dennoch anstandslos hindurch, bis sie bei einem verlassenen Lagerhaus ankamen, das nicht nur groß genug war, um zwei einzelne Kneipen hineinzupacken, sondern auch noch größtenteils unbewohnt schien. Die wenigen Gestalten, die in der Nähe in den Schatten herumdrucksten, hielten sich vom Eingang fern, dessen Tür schief in den Angeln hing.
      Anthea präsentierte das Haus wie eine Trophäe.
      "Abgelegen genug? Wenn du es noch leerer brauchst, müssten wir die Mauern verlassen."
    • Auch Berek trank sein Glas aus, schenkte sich schnell nach und trank auf dieses Glas mit einem mal aus eher er Anthea folgte. Bis beide an einem sehr abgelegenen Ort ankamen der wohl wirklich das aller letzte dieser Stadt preis gaben. Schon etwas erstaunt darüber wie schäbig diese Stadt sein konnte, stemmte er seine Hände an seine Hüften und nickte.
      "Diese Stadt hat wirklich schäbige Ecken. Potential welches unter meiner Führung nicht so verkommen wird."
      Dann blickte er über seine rechte und anschließend über seine linke Schulter, als würde er sich noch mal vergewissern auch wirklich nicht beobachtet zu werden.
      "Hm.. Ich denke dieser Ort ist abgelegen genug. Und keine Angst. Ich habe nicht vor dich zu töten."
      Seine Betonung lag auf dem Wort 'Angst'. Er wusste genau das sich diese Frau nicht mit simplen Worten verängstigen lies und so bemerkte er auch, dass sie genug Grips hatte um ihm nicht blind zu folgen. Immerhin hatte sie keine Ahnung was Kryss war oder welche Gefahren die Welt wirklich bot. Warum also keine kleine Kostprobe, die so abseits der städtlichen Weisheit war, dass man ihr ohnehin niemals geglaubt hätte.
      "Lass mich dir zeigen was Ilyos so leichtfertig beleidigt und herabgewürdigt hat.."
      Bereks Blick verfinsterte sich ehe er in das Haus eintrat, welches Anthea präsentierte. Mit einem Handzeichen gab er ihr zu verstehen ihm nicht zu folgen. Er trat ein und verschwand schnell in den finsteren Gemäuern des Hauses.
      Nur seine Stimme drang hinaus zu Anthea.
      ".. Du hast gefragt was mit den Männern geschah.. Was mit Ilyos passiert wenn man mich reizt.. Hier ist deine Antwort.."
      Unmittelbar danach erleuchtete der Raum in einem seichten grünen Licht in dessen Mitte eine lebendige Stichflamme stand, welche menschliche Konturen aufwies.
      Es dauerte keine 10 Sekunden bis das Haus langsam aber sicher zu brennen begann. Aus den grünen Flammen wurden ein spielendes Gemisch aus Rot, Gelb und Grün, bis es letzten Endes das Grün verlor.
      Berek nahm wieder seine normale Form an und kam wieder aus dem Haus heraus, welches hinter ihm weiter loderte, von ihm jedoch unbeachtet zurück blieb bis er vor Anthea stehen blieb und ihr in die Augen sah.
      "Ein weiteres Wort von deinem geschätzten Ilyos und er hätte mich... wütend gemacht."
    • Anthea blieb wohl oder übel draußen stehen, während Berek im Inneren der Halle verschwand. Ein wenig skeptisch verschränkte sie die Arme über der Brust und tat es dem Mann gleich, indem sie einmal über ihre rechte und linke Schulter blickte. Wenn das irgendein schmieriger, dreckiger Hinterhalt von ihm sein sollte, würde sie aber...
      Das Licht von dem Lagerhaus unterbrach sie in ihrem Gedanken und sie starrte verblüfft durch die hoch liegenden Fenster. Trotz der Farbe wirkte es merkwürdig "normal", obwohl Anthea kaum von einer Möglichkeit wusste, eine solche Beleuchtung hervorzurufen. Und dann erst das Feuer - sie hatte keine Erklärung dafür, deswegen starrte sie nur.
      Als Berek wieder herauskam, hatte das Haus bereits Feuer gefangen, als hätte man es auf einfachem Weg angezündet, nur mit dem Unterschied, dass es vielleicht zehn Sekunden gedauert hatte und so perfekt brannte, als hätte man alle Ecken gleichzeitig angezündet. Es war nahezu perfekt, nicht zu vergleichen mit irgendetwas, was Anthea jemals erlebt hätte. Es war ein absolutes Meisterwerk.
      "Das ist...", begann sie, unfähig dazu das richtige Wort zu finden. Atemberaubend? Fantastisch? Herausragend?
      "... Meisterhaft. Nein, das kommt nicht gut hin, das ist... hervorragend. So ein perfekter Brand, sieh dir das an, sogar in der Traufe sind schon die Flammen! Das wird alles gleichzeitig zusammenbrechen, keine Chance, dass da irgendwas noch stehen bleibt!"
      Ihre Augen leuchteten zusätzlich zu den tanzenden Flammen. Was für ein Talent, was für Möglichkeiten dafür! Das alles in weniger als einer Minute!
      "... Du könntest den ganzen Marktplatz in Brand stecken, nicht wahr? Wie lang würde dich das dauern für einen Bezirk, fünf Minuten? Weißt du eigentlich, was für ein lebensnotwendiger Trick das ist, den du da veranstaltet hast?! Den musst du mir zeigen, du musst! Ich werde mich sonst weigern, dir weitere Informationen zu geben!"
      Sie meinte ihre Worte nur halb so ernst, wie sie sie aussprach. Natürlich würde sie Berek weiterhin Informationen geben - nach dem hier würde sie ihm wahrscheinlich alles geben, wonach er verlangte, nur um zu lernen, wie er die Flamme heraufbeschwören konnte.
    • "Ich muss ihn dir zeigen?"
      Fragte Berek mit hoch gezogener Augenbraue während er seinen Mantel richtete.
      "Du weißt nun was passieren wird, sollte mich dein Freund noch ein mal reizen. Nur unsere Zusammenarbeit hat dafür gesorgt, dass er, seine Freunde und das gesamte Viertel noch steht."
      Man konnte in seiner Stimme hören wie es ihn noch immer reizte nur über die Situation zu sprechen. Als er sich aber wieder gefangen hatte, legte er seinen Kopf leicht schräg als würde er nachdenken.
      "Ich kann mir denken dass du ihm von mir und meiner Fähigkeit berichten wirst, auch wenn man es dir vermutlich nicht glauben wird. Doch lass dir gesagt sein, dass es sich lohnt über Dinge zu wissen die außerhalb der Mauern existieren."
      Nun musterte er Anthea von oben bis unten und konnte sich ein leicht arrogantes lachen nicht erwehren.
      "Und mal ganz unter uns. Sowas kann ich dir nicht beibringen. Es gibt nur eine Hand voll an Menschen auf dieser Welt die auch nur im Ansatz erlernen können einen Bruchteil meiner Macht zu entwickeln. Es gibt zwar gewisse Methoden... jedoch... wird es einiges kosten. Und ich rede nicht von Gold."
      Dann hatte der Brand aber schon für genug Aufmerksamkeit gesorgt, dass mehrere Löschtrupps angerannt kamen. Der Rauch der nach oben hin weg zog war schon jetzt gigantisch und erste Teile des Daches brachen ein während Berek weiterhin in die Augen der Frau blickte.
    • Bereks Aussage holte Anthea wieder ein bisschen auf den Boden der Tatsachen zurück. Sie war ganz für diesen unglaublichen Trick mit dem Feuer, das war immerhin Teil ihrer Spezialität, sie wollte Feuer legen und dabei auch noch so perfekte wie dieses hier, aber selbst ihre draufgängerische Art hatte ihre Grenzen, an die sie sich hielt. Sie hatte schließlich einen Standard aufrecht zu erhalten und einen hoch frequentierten Bezirk abzufackeln, der zudem noch ihr Arbeitsplatz war, fiel definitiv nicht in diesen Standard.
      "Wenn du anfängst hier wahllos deine Konkurrenten abzubrennen, wirst du bald aus dem Spiel rausfliegen, Berek. Ich meine das nicht nur, weil ich Ilyos schützen will - und das will ich schon auch, er ist ein guter Mann, hat gute Kontakte - aber sogar du musst dich an die Regeln halten. Und du weißt noch nicht einmal wie die Regeln lauten, an deiner Stelle würde ich das zuerst lernen, bevor ich mich reinstürze."
      Berek schien sich vorerst davon wieder beschwichtigen zu lassen, was Anthea nicht sehr überraschte. Der Mann wirkte viel eher wie ein besonnener Stratege als eine brennende Bombe, die jederzeit hochgehen konnte. Sie hatte bereits recht schnell gelernt, dass Berek mit Logik zu lenken war, eine Erkenntnis, die ihr sicherlich noch nützlich sein würde.
      Sie stellte sich seinem folgenden, abwertenden Blick ohne eine Regung zu verspüren. So wie Berek mit Logik zu lenken war, gab es auch etwas, das Anthea manipulieren konnte, aber das war weit von unterschwelligen Beleidigungen entfernt, so elegant wie sie auch ausgedrückt sein mochten.
      Dementsprechend schnalzte sie nur mit der Zunge.
      "Schon klar, du willst dich rar machen, verstehe ich. Ist eine gute Strategie, besser als wahllos herumzufackeln. Dann behalte deine irren Tricks für dich, ich komme auch ohne aus. Meinen Körper werde ich für gar nichts verkaufen, nur, damit du nicht denkst, ich könnte mich auf irgendeinen irrsinnigen Deal einlassen."
      Sie beobachteten bald teilnahmslos, wie die ersten Löschwägen herangefahren kamen und brüllende Männer das Feuer zu bezwingen versuchten. Anthea hatte schon genug Brände gesehen um zu wissen, dass sie es nicht in den Griff bekommen würden, erst recht nicht nachdem es ein solch perfekter Brand war, aber sie blieb dennoch einen Moment stehen, um dem armseligen Versuch zuzusehen. Dann wurde es ihr auch schon zu langweilig.
      "Genug Ausflüge für heute. Ich werde mich aufs Ohr hauen, muss immerhin früh raus morgen. Halte dich an die Regeln, Berek, und sei pünktlich morgen - Südtor, nicht vergessen."
      Sie klopfte sich - was eine respektvolle Geste sein sollte - ans Schlüsselbein und verzog dann die Miene, als Berek sie einfach nur anstarrte.
      "Kennst du das nicht? Musst du kennen, wenn du hier wohnen willst, ist Tradition. Nagrius der II. - die fette Statue auf dem Marktplatz - wurde enthauptet, aber der Henker hatte schlecht gezielt, hat statt seinem Hals seine Schultern getroffen und damit sein Schlüsselbein. Das", sie tippte sich gegen besagten Knochen, "ist der schwächste Knochen im Körper, gab gar keinen Widerstand. War furchtbar laut und furchtbar blutig, keine Enthauptung für einen König. Seitdem heißt das in der Unterwelt - in unserer Welt - so viel wie: Ich zeige dir, wo mein schwächster Knochen sitzt, damit du weißt, wie hoch du zielen musst."
      Sie grinste und zwinkerte Berek dann zu, wiederholte ihre Geste und machte einen Abgang, noch immer das Grinsen im Gesicht. Bevor sie ganz verschwunden war, drehte sie sich noch einmal zu ihm um und rief zurück:
      "Und denk nicht dran mir zu folgen, ich schneide dir die Eier ab, wenn du mich stalkst!"

      Das Südtor war an die breite Hauptstraße angebunden und besaß drei verschiedene Plätze, die teilweise für kleine Märkte, temporäre Lager, Versammlungen oder einfach nur für Verkehrsstau genutzt wurden. In unmittelbarer Umgebung waren mehrere Kasernen stationiert, ein paar Lagerhäuser und eine weitere große Statue, ein fliegender Falke, der als Symbol der Krone über die ankommenden Reisenden wachte. Die Statue war besonders eindrucksvoll, nachdem sie nicht so aussah, als wäre sie jemals zum Opfer der Kreaturen gefallen.
      Anthea saß auf einer Kiste eines herrenlosen Standes und schälte eine Orange mit ihrem Jagdmesser, während sie den morgendlichen Geräuschen lauschte, dem Knarren der Wägen, dem Wiehern der Pferde, den entfernten Befehlen der Soldaten. Es war noch zu früh am Morgen, die Sonne war noch kaum aufgegangen, und Anthea hatte ihr Gehirn noch nicht gänzlich in Gang gebracht, aber sie hatte auch noch nicht mit ihrem morgendlichen Rundgang begonnen. Für den Moment genoss sie noch die verhältnismäßige Stille, wohlwissend dass sie selbst die Macht besaß, diese Stille von einem auf den anderen Moment in pures Chaos zu verwandeln. Es war ein überaus befriedigendes Gefühl so sehr Herr über die Lage zu sein, um nicht jede Sekunde Kontrolle ausüben zu müssen. Es hatte Anthea lange genug gebraucht, überhaupt so weit zu kommen und jetzt war sie schon beinahe stolz über ihren erreichten Erfolg.
    • "Natürlich nicht" meinte Berek beiläufig als Anthea meinte ihre warnenden Worte nicht nur zu erläutern um Ilyos zu schützen. Dennoch hörte er ihr weiterhin zu.
      Einem Schmunzeln konnte er sich dann aber doch nicht erwehren, als sie meinte, er müsste sich an Regeln halten die er noch nicht kannte. Zu gerne hätte er sie eines Besseren belehrt aber es wäre ziemlich töricht gewesen diesen Fluss an Informationen jetzt zu unterbrechen, also lies er sie alles sagen was sie los werden wollte.
      Es war schon lustig anzusehen, dass sie erst so begeistert war und nun so tat als wäre ihr egal was er ihr zu bieten hatte.
      Ungeachtet dessen, dass die Löschtruppen schon an ihr Werk gingen, welches zum scheitern verurteilt war, nahm er ihre grobe Verabschiedung in Kauf, doch war die Art doch ziemlich sonderbar.
      Wohl ziemlich offensichtlich verwirrt, erhielt er eine Erklärung über die Art der üblichen Verabschiedung und dessen lächerlichem Hintergrund, welches er nur mit einem müden Nicken ab tat. Viel wichtiger war ihm nun einen Weg zu finden, wie er die anderen Bezirke nieder stampfen konnte. Immerhin schien hier kaum einer zu wissen was für eine Macht ein Menscht haben konnte. Doch bevor er sich der Aussage einer einzigen Frau anvertrauen würde, beschloss Berek vorerst eine teure Bibliothek aufzusuchen. Es gab jede Menge für ihn zu recherchieren.

      "Pass auf.."
      Hallte es aus der dritten Gasse die Anthea passierte nachdem sie sich vom Feuerteufel trennte.
      Als der Rat Anthea zu stoppen vermochte, trat ein Mann aus dem schattigen Gang hervor, welcher aussah als hätte er selbst das Chaos zum Frühstück gelöffelt.
      Er lehnte sich am Ende des Ganges gegen die Hauswand und löste einen kurz anhaltenden Blick zu Anthea um den in naher Ferne verschwindenden Berek nach zu sehen.
      "Der Kerl ist sogar für deine Verhältnisse ein ziemlich brenzliches Spiel. An dem kann man sich nur verbrennen."
      Entgegen seiner warnenden Worte, grinste er ehe sein Blick wieder auf Anthea fiel.
      "Na? Was hast du mit dem zu tun? Ich verfolg den seit er mit seinem kleinen Mädchen die Stadt betreten hat und kaum geht hier was größeres ab, sehe ich dich mit ihm reden."
      Daraufhin blickte er kurz jede mögliche Ecke und jeden Gang nach möglichen Beobachtern ab ehe er auf Anthea zu kam und sie grob am Hals packte. Er zog sie leicht zu sich und fing dabei fies an zu grinsen, stoppte ihr Gesicht vor seinem ehe er flüsterte
      "Du wirst beobachtet. Lass dich nicht auf diesen Kerl ein. Noch vor Ende dieser Woche wird sein Name und seine Verbündeten das Einzige sein was lebt."

      Lucius
      Lucius.png
    • Anthea konnte die Stimme bereits zuordnen, bevor sie den Mann sah. Sie hätte sie überall wiedererkennen können.
      Sie gehorchte und blieb stehen, nicht aber ohne die Augen in theatralischer Weise zu verdrehen. Hatte er sie beobachtet? Das würde ihm ähnlich sehen.
      Sie drehte sich zu ihm um, gerade rechtzeitig um zu beobachten, wie er aus der Gasse geschlendert kam. Lucius hatte schon immer ein Gefühl für zeitlich perfekte Auftritte.
      "Achja? Wer will das einschätzen, etwa du? Ich glaube viel eher, du willst ihn für dich selbst haben. Deinen eigenen, persönlichen Brandschatzer."
      Sie musterte den Mann vor ihr. Man konnte Lucius leicht für einen arroganten, manchmal verzogenen Bengel halten, der in der Stadt kein anderes Ziel verfolgte als sein Vergnügen, aber Anthea kannte ihn bereits gut genug um zu wissen, dass nur Teile davon der Wahrheit entsprachen.
      Vielleicht kannte sie ihn sogar ein bisschen zu gut, gut genug jedenfalls, um nicht zurückzuweichen, als er zu ihr aufholte und sie an ihrem Hals zu sich zog. Seine Hand lag warm auf ihrer Haut, ein merkwürdiger Kontrast zu seiner ruppigen Bewegung, wie ihr merkwürdigerweise auffiel. Die Aktion hinterließ einen leichten Schauer auf ihrem Rücken.
      Sie kniff die Augen zusammen, während sie seinem Blick standhielt.

      "Du meinst ich werde von jemandem außer dir beobachtet? Das ist wirklich was neues. Ich sollte mir diesen Tag merken, meinst du nicht?"
      Sein Atem streifte über ihre Haut, lockte ihren Blick zu seinen Lippen hinunter, wo sie sich für einen Moment festsetzten, bevor sie wieder nach oben wanderten. Kaum eine Sekunde später piekste ihn ihr Messer in den Bauch.
      "Meinst du echt du bist schneller als ich, Luce?", hauchte sie, kaum lauter als ein Flüstern. "Komm schon, ich hab hier schon Feuer gelegt, da hast du gerade mal deinen ersten Überfall geplant."
      Natürlich war das eine Übertreibung und entsprach kaum der Wahrheit, aber Anthea mochte es Lucius zu triezen. Dann glitzerte es immer in seinen Augen, als ob er sich an der Herausforderung erfreute.
      "Vorschlag: Du lässt mich los und ich werde dich nicht abstechen. Klingt das nach einem Deal?"
      Sie starrten sich noch einen Moment länger an, die Körper schon beinahe so nahe um sich zu berühren, dann lösten sie sich und Anthea ließ ihr Messer wieder verschwinden. Sie sah sich einmal nach Berek um, während sie zeitgleich die Straße absuchte, so wie es Lucius vorhin getan hatte.

      "Was meinst du damit, er wird der einzige sein, der lebt? Dieser Kerl? Er legt ja ganz gute Brände, aber ich glaube er ist viel zu dickköpfig, er wird sich irgendwann verrennen. Spätestens Einauge wird ihm den Hals verdrehen, da kann er noch so einen großen Mund haben."
      Sie kniff die Augen wieder zusammen.
      "Was interessiert es dich eigentlich? Bist du mir etwa von der Innenstadt aus gefolgt, du alter Stalker?"
    • Lucius lies seine Augen nicht von Anthea während sie ihn berechtigt mit Fragen löcherte, doch schien sie die Warnung entweder erkannt zu haben und wollte damit spielen oder sie würde sich schon bald verbrennen.
      Bevor das passieren konnte, lies er ihren Hals los, packte stattdessen ihr Handgelenk und zog sie mit in die Gasse, aus welcher er zuvor gekommen war. Er sprach ohnehin schon zu lang mit ihr, das sollte besser keiner aus ihrer oder seiner Fraktion mitbekommen.

      In der Gasse und dem deutlich verschlagenerem Schatten, lies er Anthea los und stützte eine Hand gegen seine Seite und sah sie doch etwas ernster an.
      "Hör zu. Der Kerl ist ein Psychopath. Keiner von der Sorte der man mal eben nen Messer rein jagt. Hast du nicht von ihm gehört? Was in Shegar passierte?"
      Daraufhin verschränkte er seine Arme und lehnte sich gegen die kaltnasse Steinwand.
      "Kaum dass der Kerl und seine Begleitung hier ankamen, sollte ich mich an ihn hängen und rausfinden was der hier will. Da wirds dann aber seltsam. Nicht mal der Herzog in Shegar hat nach wem suchen lassen. Ein Stadtteil geht unter und keiner soll dafür büßen? Ist doch merkwürdig. Dann hab ich meine Vögelchen in Shegar beauftragt etwas tiefer zu bohren. Zwei von ihnen starben. Der Dritte hat mir noch ne Nachricht zukommen lassen"
      Schon zupfte er eine kleine Rolle aus seiner Tasche und wedelte mit dieser herum.
      "Berek und ein kleiner Trupp an sehr sonderbaren Leuten waren beteiligt. Ein weißhaariger Kerl mit hellen, widernatürlichen Augen und seinem Gefolge. Steht alles hier drin. Leider hört es bei der Begründung des Botens Warnung auf. Ich schätze er wurde verfolgt und hat im letzten Moment die Taube los geschickt."
      Anthea die Nachricht hin haltend, legte er wieder sein grinsen auf.
      "Kannst sie haben. Bisher weiß Zark noch nichts davon und das kann meinetwegen auch so bleiben. Der wird mir den Tod meiner Boten sicher wieder in die Schuhe schieben."
      Was wohl eher Lucius Art war Anthea seine Zuneigung auszudrücken.
    • Anthea ließ sich anstandslos von Lucius entführen - nicht, dass sie sich vor ihm hüten müsste. Wenn er ihr etwas anhaben wollte - und Gründe dafür könnte er durchaus finden - hätte er es schon längst getan, wie mehrfach bewiesen. Die reine Tatsache, dass er sich vorhin an sie herangeschlichen hatte, zeugte schon davon, dass sie schon längst hätte tot sein können.
      Nicht dass sie glaubte, er würde es tatsächlich wollen, aber ihre beider Bezirke waren nicht unbedingt gut Wort zueinander. Wenn jemand Lucius dazu beauftragte sie zu beseitigen, was sollte er da schon etwas anderes tun als den Befehl auszuführen?
      Anthea verschränkte die Arme vor der Brust, als er sie schließlich losließ, und musterte den Mann. Er war dünner geworden, oder kräftiger? Sein Aussehen glich im Dunkeln der Straße viel mehr als sonst dem einer Raubkatze, einem lauernden, gerissenen Tod, der in ihrer Gegenwart ein wenig die Fassade fallen ließ. Sie musste ein wenig schmunzeln bei dem Gedanken, denn er gefiel ihr ganz gut. Sie hatte eine Raubkatze gezähmt. Das musste man ihr erstmal nachmachen.
      Schließlich konzentrierte sie sich doch mehr auf seine Worte und machte einen abschätzigen Laut.
      "Natürlich habe ich gehört, was in Shegar passiert ist, hier wird doch schon seit Tagen von nichts anderem geredet. Trotzdem ist er nur ein Mann - ein ziemlich menschlicher Mann noch dazu, wenn du mich fragst. Kein Geist, kein Dämon, kein Teufel oder wie auch sonst alle über ihn spekulieren. Einfach nur ein Mann."
      Sie zuckte mit den Schultern um lässig zu wirken, aber ihr Körper hatte sich ein wenig versteift, um es besonders lässig rüberkommen zu lassen. Stattdessen wirkte es eher so, als habe sie sich ungewollt geschüttelt.
      "Vielleicht ist er ein Psychopath, aber da ist er hier nicht der einzige. Ich seh das Problem nicht."
      Sie lauschte ihm weiter, aufmerksamer dieses Mal, damit ihr auch kein Detail entging. Es störte sie, dass er den Triumph, mehr zu wissen als sie, so sehr ausspielte, aber sie war viel zu neugierig, um angemessen darauf einzugehen. Stattdessen legte sie die Stirn in Falten.
      "Gib mir das."
      Sie schnappte sich die Rolle aus seiner Hand und schlug sie auf, um die wenigen Zeilen zu überfliegen. Zumindest hatte er nicht gelogen, obwohl ihr schon ein wenig mulmig zumute war bei dem, was der Bote dort berichtete. Und das sollte wirklich derselbe Mann sein, mit dem sie vorhin noch einen getrunken hatte?
      "Bist du dir sicher?", murmelte sie und kniff die Augen zusammen, als sie zu Lucius aufsah. Er hatte einen selbstgefälligen Ausdruck im Gesicht, für den sie ihn am liebsten geschlagen hätte.
      "Die Wahrheit ist: Er ist zu mir gekommen, nicht andersrum. Ich wusste gar nicht, dass er in der Stadt war, hab's für einen Mythos gehalten! Aber dann ist er aufgetaucht und hat sich offenbart und -"
      Sie stockte, als ihr etwas bewusst wurde und ein Schauer sie überfuhr. Ihre Augen weiteten sich ein bisschen, aber sie bemühte sich zu einer ausdruckslosen Miene zurück, um sich nicht vor Lucius die Blöße zu geben.

      "Er hat doch was geplant, oder nicht? Berek, die Spinne aus Shegar, kommt doch nicht freiwillig in die Stadt und nimmt einen Auftrag als Informant an, noch dazu bei jemandem wie mir, oder? Bei Ilyos vielleicht, vielleicht bei Zark, aber bei mir? Er muss doch wissen, wie weit unten ich im Rang stehe!"
      Und dass sich das auch nicht so schnell ändern würde, nicht bei der Lautstärke, mit der Anthea agierte. Damit schreckte sie potentielle Vertragspartner ab.
      "Fuck! Ich hab keine Lust, irgendjemandes Spielzeug zu werden! Hast du nicht gesagt, dass du ihn beobachtest, Luce? Irgendwas... außergewöhnliches vielleicht entdeckt? Irgendwas, womit sich arbeiten lässt? Komm schon, hilf mir!"
    • Lucius liebte es wenn er die Oberhand gegenüber Anthea hatte, zumindest was Informationen anging.
      "Wiebitte? Du möchtest meine Hilfe? Hab ich das grade richtig gehört?"
      Sein Grinsen wurde immer breiter während er den Abstand zu ihr verringerte bis sich ihre Körper ganz leicht berührten und er auf Anthea hinunter blickte. Als sich dabei beide ansahen, als würde gleich ein wilder Kampf vom Zaun brechen, legte er seine Hand an ihrer Seite und fuhr ganz sachte über ihre Haut während er beinahe flüsternd auf ihre Bitte einging.
      "Jetzt weißt du warum es mir nicht passt dass er dich aufgesucht hat. Noch ist er hier ein unbedeutender Wicht. Doch mach nicht den Fehler ihn zu unterschätzen. Er ist ein Meister in seinem Gebiet. Es würde mich nicht wundern wenn er bereits zu weben begonnen hat."
      Seine Hand wanderte weiter nach oben bis zwei seiner Finger sinnlich über ihre Schulter hin zum Schlüsselbein glitten
      "Wenn er wagt dich als Spielzeug zu nutzen, werde ich das mitbekommen."
      Noch etwas langsamer wanderte seine Hand vom Schlüsselbein in Richtung Dekolleté. Auch sein Blick wanderte nun hinunter.

      "Was treibt ihr da!"
      Brüllte es unterbrechend in die Gasse hinein. Ein kurzer Blick in Richtung der Stimme lies Lucius beherrscht aber dennoch genervt ausatmen ehe er einen Schritt von Anthea Abstand nahm und die Hände hoch zu erheben als wolle er sich ergeben.
      "Schon gut schon gut. Hast uns erwischt. Wir waren grade dabei zwielichtige Geschäfte abzuschließen. Aber vertrauen sie mir, mehr als 5 Wachen wollten wir dieses Mal nicht umbringen, ich schwörs!"
      Lucius liebte es den Wachen einen Grund zu geben. Auch wenn sein Zynismus geradezu greifbar war, klappte es jedes mal die Wachen wütend zu machen.
      "Was sagst du da Bursche?! Willst wohl für ne Woche in den Kerker."
      Die Wache wedelte mit der Hand um noch zwei weitere zu sich zu rufen ehe sie in die Gasse kamen um Lucius ein Schwert entgegen zu halten. Dieser spitzte nur die Lippen und hob seinen Kopf an, verlor dabei aber nie seinen amüsierten Ausdruck
      "Ohooo, das ist ja ein scharfes Schwert. Seit wann dürft ihr Blechmänner denn mit sowas rum laufen?"
      "Du kleiner...!" die Wache wechselte den Griff des Schwertes um Lucius den Knauf ins Gesicht zu rammen. Der Schlag war so stark, dass dieser ein paar Schritte nach hinten stolperte und zu Boden fiel ehe ein Wenig Blut aus seiner Nase lief, doch das Grinsen blieb nach wie vor.
      "Es reicht! Nehmt die beiden fest. Schmeißt das Weib in die Zelle der Männer."
      Dann erkannten die drei Wachen erst wer die Frau war, was alle drei nur noch mehr erfreute
      "Ach. Wenn das nicht das vorlaute Miststück von neulich ist. Mal sehen ob du noch immer so eine große Klappe hast wenn wir dich für eine Woche weg gesperrt haben."
      Lucius musste dann doch anfangen zu lachen.
      "Ihr müsst echt neu hier sein oder? Wenn ihr glaubt dass drei von euch ausreichen um sie wegzusperren.... Ach was red ich lang."
      Dann nickte er Anthea zu und richtete sich wieder etwas auf um das Schauspiel besser mitverfolgen zu können dass wohl bald los ging.
      Mit überkreuzten Beinen saß er nur da, wischte seine Hand ein mal unter seiner Nase entlang, das das Blut gut über sein halbes Gesicht verteilte.
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