[2er RPG] The Curse of Time {TobiMcCloud & Codren}

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Unversehens dem vermeintlichen Boss gegenüber zu stehen, brachte nun auch Elraya ein bisschen ins Schwitzen. Berek war als ihr letzter Boss schon eine Nummer für sich gewesen, bei der man manchmal aufpassen musste dass man nicht falsch atmete, aber mit diesem Kerl von einem wandelnden Umhang hatte sie nicht die leiseste Ahnung, wie sie sich verhalten sollte.
      Also tat sie das, was bei allen Männern Türen öffnen konnte: Sie zupfte an ihrem Hemd herum und stellte den feuchten Ausschnitt ihrer Brust zur Schau.
      "Ja, also, das war eigentlich richtiges Pech. Wir haben auf die Ablenkung gewartet, so wie ausgemacht, und als sie dann aber da war, haben wir uns auch gleich auf den Weg gemacht, nur war der Kerl doch noch bewacht!"
      Sie dachte an Jarku, sicherlich war er den Männern irgendwie über den Weg gelaufen.
      "Wir mussten dann also ihn erst umlegen, was eeecht viel Zeit gekostet hat, bis wir ihn dann überhaupt erst verfrachten konnten und dann auch noch das ganze Chaos auf den Straßen! Wie will da einer vernünftig mit dem Wagen durchkommen? In Soldaten sind wir dann auch noch gefahren und wir haben kein Aufsehen erregt - wirklich nicht! - aber die wollten halt wissen, wo wir lang wollen und was wir dabei haben und da hat Arkil sie erst davon überzeugen müssen, dass wir nur unser Hab und Gut retten wollen. Und dann ist der Kerl auf dem Boot noch aufgewacht! Das war vielleicht ein Gemetzel, sag ich euch."
      Zu ihrem Glück meldete sich Aradan in diesem exakten Zeitpunkt und bekräftigte ihre Aussage mit einem - wie Elraya zugeben musste - äußerst bedürftigen Schauspiel. Aber sie spielte mit. Lügen war für sie schließlich nie ein richtiges Problem gewesen.
      "Uh-huh. Hab' ihn umgenietet, als er nicht aufgepasst hat. Niemand legt sich mit mir an. Da war's aber halt für die anderen zu spät."
      Sie plusterte sich vor falschem Stolz, der gar nicht mal so weit hergeholt war, auf und zeigte den Männern ihr bestes Grinsen. Das schien sie nun endlich von der Geschichte zu überzeugen, denn sie widmeten sich gleich darauf Aradan, den sie recht schnell und effektiv überwältigten. Elraya sah mit einem gewissen Interesse zu, das auch nicht sehr weit hergeholt war - die Fesseln sahen schon interessant aus. Vielleicht könnte sie sie ja auch nutzen? Sie wirkten jedenfalls, als könnten sie gut standhalten.
      Um Aradan selbst sorgte sie sich weniger, nachdem es schließlich sein Plan gewesen war. Abgesehen davon konnte er sich ja jederzeit wieder an diesen anderen Ort begeben, von dem her war es wohl nur eine Unannehmlichkeit für ihn.
      Nachdem Aradan erledigt war, wandte der Mann sich wieder Elraya zu, die ihm noch immer ihre Brust präsentierte. Sie bestätigte seine Frage mit einem Nicken.
      "Uh-huh. War nicht einfach, aber ich hab schon schlimmeres erlebt."
      In der kurzen Pause, die danach entstand, war sie beinahe der festen Überzeugung, etwas falsches gesagt zu haben, als er sie doch unschuldig nach ihrem Namen fragte - und ihr etwas von einer Belohnung erzählte. Da wurde sie gleich ganz hellhörig, ganz lebhaft wie unmittelbar wachgerüttelt und weitete die Augen vor wachsender Vorfreude. Eine Belohnung. Natürlich würde sie nicht nein zu einer Belohnung sagen.
      "Das will ich auch hoffen! Ich heiße El - ähh - Pria.
      El Pria. Ist ein Spitzname, so wie El... Aradan. Sie - Ihr wisst schon. Ist was ausländisches."
      Sie grinste breiter und trat einen Schritt auf ihn zu.
      "Soll ich helfen bei der Fracht? Ich könnte gleich mit in die Stadt fahren. Auf ihn aufpassen und so. Ich hab' ihn einmal überwältigt, ich könnt's wieder schaffen.
      "


      Währenddessen...

      General Szeth Peamut der III. war in den Ruhestand versetzt worden.
      Natürlich gab es im Militär so etwas wie einen Ruhestand nicht. Mit dem Eintritt verpflichtete man sich, seinem Land bis ans Ende seiner Tage zu dienen oder alternativ, bis man körperlich - oder auch geistig - nicht mehr fit genug war, um seinen Dienst auszuführen. In diesem Fall wurde man aber in der Regel auch nicht einfach so entlassen, sondern lediglich in den Ruhestand versetzt, so wie es bei General Peamut der Fall war.
      Er war mit seinen Anfang 60 alt genug, um nicht nur an Altersschwäche zu sterben, sondern auch noch wie seine Vorgänger in die Politik einzutreten, etwa als Botschafter, Diplomat, vielleicht sogar Dolmetscher, was auch immer gebraucht werden sollte. Aber dann würde er auch seinen Stand als General verlieren und obwohl er in seinem langen Leben genügend Abzeichen gesammelt hatte, um damit eine ganze Wand zu schmücken, war ihm doch der Titel das wichtigste aller Abzeichen. General Peamut. Botschafter Peamut hörte sich wie der alte, verkommene Mann an, der er nicht sein wollte.
      Dementsprechend beschränkten sich seine Tätigkeiten allerdings nur noch auf das, was bei ihm auf dem Schreibtisch landete. Er hatte seine Hände überall im Spiel, ein bisschen bei den Finanzen, ein bisschen bei der Rekrutierung, ein bisschen bei der militärischen Aufstellung, aber er war eben nicht mehr persönlich vor Ort. Mittlerweile gab es irgendeinen Oberoffizier, der in seinem Namen herumritt und nach dem Rechten sah. Der Oberoffizier war Mitte 30 und würde vermutlich eines Tages seinen Platz einnehmen, so wie er es auch bei seinem Vorgänger getan hatte. Der Kreislauf ging weiter und er war darin nur noch eine letzte Schraube, die es auszuwechseln galt, weil sie langsam anfing zu rosten.
      Es klopfte an die Tür und er lehnte sich in seinem hochaufragendem Sessel zurück. Er war vor drei Jahren in den Ruhestand eingekehrt, hatte sich allerdings noch immer nicht daran gewöhnt, den ganzen Tag nur zu sitzen. Wenigstens hatte ihm sein Arzt noch nicht verboten, den Trainingsplatz aufzusuchen.
      "Herein."
      Die Tür öffnete sich, der Bote trat ein, nahm Haltung an und salutierte. Er war vielleicht Anfang 20. Heutzutage wurden alle Soldaten immer jünger.
      "Ja?"
      "Der Bericht, mein Herr."
      General Peamut blinzelte. Er konnte sich an keinen Bericht erinnern.
      "... Von Shegar, mein Herr. Offizier Vielz kündigte bereits an, dass er Euch interessieren könnte."
      Ach, die Sache von vor ein paar Tagen, irgendein gewöhnlicher Dienstbericht. Er hatte es schon wieder völlig verdrängt. Normalerweise kümmerten sich Offiziere um sowas.
      "Gib mir die Kurzfassung."
      Der Mann nickte. Alle Boten hatten ein ganz herausragendes Gedächtnis, um alle Einzelheiten wiedergeben zu können.
      "Es handelte sich bei der Patrouille um das Aufspüren einer Banditengruppe, die an die Rüstungen von Soldaten gelangt waren und sich als solche ausgaben. Zum Zeitpunkt des Berichts war dieser Vorfall noch unaufgeklärt, mittlerweile sind sie gefunden worden, soweit ich es weiß. Die Patrouille umfasste fünf Köpfe.
      Sie haben auf dem Weg unter anderem Kontakt mit einer Zivilistengruppe gehabt, welche Kavalleristin Elquin - eine der Soldaten - gekannt hatte, zumindest ein paar von ihnen. Es waren insgesamt sieben, darunter Kinder. Die Patrouille bot ihnen für zwei Tage Geleitschutz und ist dann weiter ins Landesinnere vorgedrungen.
      Von den Zivilisten gibt es eine Person, deren Beschreibung Offizier Vielz bekannt vorkam. Er hat weißes Haar, auffallend blaue Augen und ist etwa Ende 20. Eine nähere Befragung hat ergeben, dass besagter Mann Aradan Elric heißt und aus Melora stammt. Offizier Vielz bittet um Aufklärung darüber, ob diese Entdeckung relevant sein könnte."
      General Peamut runzelte die Stirn.
      "Elric? Ist doch derselbe Name wie von unserem meloranischen Schmied, oder nicht? Aber der hat keine Kinder."
      "Kavalleristin Elquin ist der festen Überzeugung, dass es sich um Aradan Elric handelt, einem Mann aus Melora. Vielz glaubt, dass es sich dabei um Aradan Melora handeln könnte."
      Der Bote musste nicht extra erläutern, um wen es sich bei Aradan Melora handelte. Der Waisenjunge, den sie vor fast zwanzig Jahren aus Melora mitgenommen hatten und der später in der Stadt verschwunden war, war kurzerhand auf Melora getauft worden. Derselbe Junge, der womöglich eine Verbindung zu Quin darstellen konnte, dem Mitglied das Wolfstruppe, von dem es hieß, dass er in Melora einen Schüler angenommen haben sollte. Er war die heißeste Spur zur Truppe und trotzdem war diese Spur so kalt, dass man sie kaum als eine solche bezeichnen konnte.
      Aber womöglich gab es jetzt einen neuen Hinweis.
      "Weiß man, wohin sie gezogen sind?"
      "Nach Arasis. Es gibt eine Verwandte in der Gruppe, die die gleichsame Mutter besuchen möchte. Ein paar Nachforschungen haben ergeben, dass es sich um eine ehemalige Soldatin handelt, die vor zwölf Jahren desertiert ist. Das Kopfgeld steht noch aus."
      "Gibt es eine Zeichnung von ihr?"
      "Sicherlich."
      "Dann will ich, dass das Kopfgeld wieder eingesetzt wird, wenn das unsere Chance erhöht, den Mann zu finden. Ich will ihn sprechen, auf die eine oder andere Weise."
      "Soll ich einen Haftbefehl ausführen lassen?"
      "Noch nicht, nur, falls er sich weigern sollte. Er könnte meine erste Spur seit 15 Jahren auf diese vermaledeite Truppe sein, ich brauche ihn unbedingt - lebendig, bloß nicht tot!"
      "Verstanden, mein Herr."
      Damit verabschiedete der Bote sich und ließ den gealterten General alleine, in dem sich die winzige Hoffnung entfachte, doch wieder für einen letzten Dienst seinen Ruhestand verlassen zu können.
    • "Hmm..."
      Der Mann hörte verhalten zu. Er blieb auch nur die ganze Erklärung über stehen um der Frau minimal Respekt entgegen zu bringen, sollte es stimmen, dass sie Aradan überwältigt hatte. Als ihre Art die Geschichte zu erzählen aber sehr lästige Züge annahm, lenkte er sich schon damit ab eine kleine Dose hervor zu zücken und zwei Pillen aus dieser hinaus zu nehmen. Jeder der darauf achtete, konnte sehen wie dessen Hände leicht zitterten und ein paar Versuche nötig waren bis er sie endlich in den Fingern hatte und sofort zum Mund führte.
      Daraufhin schluckte er sie jedoch nicht runter, sondern zerkaute sie und wirkte danach direkt sehr viel ruhiger und auch das Zittern hörte augenblicklich auf. Ebenso wie die Erklärerei der Frau, was sehr begrüßt wurde. Zugehört hatte er ihr dabei jedoch kaum. Aradan war auf dem Wagen. Das reichte ihm.
      "Gute Arbeit .... "
      Er legte ihr die Hand auf die Schulter und stockte für einen Moment.
      "... Gute Arbeit"
      Folgte nach einem weiteren klapps auf die Schulter ehe er sich umdrehte und sich um alle Vorkehrungen kümmerte, beziehungsweise sich vergewisserte dass alles richtig gemacht wurde. Sein Zögern hatte nichts anderes zu bedeuten als dass er ihr nicht zugehört hatte und für einen Moment versucht hatte sich an den Namen zu erinnern, den sie Sekunden davor genannt hatte.

      Alles was folgte war seine Stimme in kurzer Entfernung die jedes stehende Mitglied zusammen schnauzte und mit Lohnkürzungen drohte wenn sie sich nicht nützlich machten.
      Aradan wurde derweilen komplett bewegungsunfähig auf den Wagen verstaut und an Händen und Füßen erneut mit Ketten an eiserne Scharniere befestigt, welche fest am Wagen genagelt waren. Dieser Wagen wurde scheinbar für den Transport von Menschen gebaut, oder gar nur für den Transport von Aradan.

      Auf Elraya kam kurz darauf noch ein Kultist zu, welcher ihr die Zügel eines Pferdes in die eine und eine schwer bepackte Tasche in die andere Hand drückte.
      "Nimm. Wird bald weiter gehen. Weißt ja, der legt immer nen Tempo vor als würd man vor etwas fliehen..."
    • General Peamut

      Der General machte sich am Morgen des nächsten Tages auf den Weg.
      Sein Büro lag im Westturm, einem quadratischen Nebengebäude des Palastes, das zum Haupthaus verbunden war und eine Aussicht auf den Innenhof genoss. Der General musste besagten Innenhof durchqueren, die Halle des Hauptgebäudes betreten, über den Vorplatz und durch den Torbogen hindurch, bevor er das kleine Gebäude erreicht hatte, das die Schmiede ausmachte.
      Der Schmiedeofen war ein gewaltiges Monstrum, ein Gebilde in sich selbst, das den restlichen gewaltigen Bauten des Palastes in nichts nachstand. Es war stets ein ausreichender Kohlevorrat für einen ganzen Monat vorhanden und genug rohes Erz, um eine halbe Bastion damit versorgen zu können. An Ressourcen mangelte es dem Schmied wahrhaftig nicht und das zeigte er auch regelmäßig in seinen zuverlässigen Lieferungen.
      Der General blieb am Rande der Schmiede stehen, begleitet von zwei Wachmännern, die in ihren Uniformen abwesend dreinblickten. Er brauchte keinen richtigen Schutz, wer ihm etwas anhaben wollte, wäre nicht dumm genug, ihn in seinem eigenen Element zu provozieren, aber sie dienten der Autorität. Die eigenen Abzeichen an der Jacke des Generals waren nicht ausreichend, um seinen Stand zu verdeutlichen.
      Er hatte die Arme hinter dem Rücken verschränkt und nahm Haltung an, ein unbewusster Reflex seines Körpers, der zu seiner Lebtage nichts anderes kennengelernt hatte als das Militär. Er war in diesem Sinne die Ausgeburt des militärischen Ideals, ein Soldat bis hindurch zu seinen Knochen, nichts anderes war er gewöhnt, nichts anderes hatte er jemals gelernt. Jede Faser seines Körpers war darauf getrimmt, die Exekutive des Gesetzes darzustellen.
      "Herr Elric. Auf ein Wort?"
      Der Schmied hatte ihm den Rücken zugewandt. Etwas anderes kannte er von ihm gar nicht.
      "Vielleicht irgendwo, wo es nicht so... offen ist?"
      Er mochte die neugierigen Ohren der Patrouillen nicht. Selbst er, als Teil des Systems, war sich darum bewusst, dass einem gelangweilten Soldaten kein Fressen zugeworfen werden sollte.
      Also betraten sie die Rüstungskammer, wo es nach geschmolzenem Eisen, Rüstungspolitur und Feuer roch. Jede Woche kam ein Offizier vorbei, um den Bestand aufzunehmen und Bestellungen entgegen zu nehmen, aber nach der Anzahl der Rüstungen zu schließen, war der Offizier diese Woche noch nicht dort gewesen.
      General Peamut ging hinein, besah sich eine Brustplatte und fuhr mit dem Finger über die Ränder. Sie war in ihrer Verarbeitung makellos, ein wahres Meisterwerk. Auch hier war er nichts anderes von dem Schmied gewöhnt.
      "Ausgezeichnete Leistung. Deine Arbeit hat nicht abgenommen, wie ich sehe."
      Der kurze Smalltalk blieb tatsächlich kurz gehalten, nachdem keine der beiden Parteien besonders erpicht darauf zu sein schien, mit der anderen zu reden. Marudan Elric schien grundsätzlich etwas gegen Smalltalk zu halten und der General fühlte sich in seiner Würde verletzt, wenn er Aufgaben nachging, die ganz eindeutig einem Offizier zuzuschreiben wären - oder sogar einem Wachmann. Daher hielt er sich auch nicht lange damit auf und drehte sich zu dem Schmied um.
      "Ich werde eine Frage stellen und möchte darauf eine möglichst ehrliche Antwort bekommen. Eine direkte Antwort, wenn es möglich ist."
      Er zögerte einen Moment, um die Worte richtig zu wählen. Es ging weniger um die Antwort selbst, sondern vielmehr um eine mögliche Reaktion.
      "Wo habt ihr das letzte Mal Aradan Melora gesehen?"
    • Schreie, Hilfegesuche, brennende Häuser und schemenhafte Gestalten die einst Familie und Freunde waren. Das waren die die ersten Gedanken die dem alten Schmied aus Melora jeden Morgen beim erwachen verstörten und das Herz schneller schlagen lies. Zumindest bis seine Frau ihn beruhigte und ihm ein Glas Wasser reichte. Eine Prozedur die Marudan und Reona Elric seit dem schicksalhaften Tag jedes Mal aufs Neue durchleben.
      Mit jedem Jahr, dass die Familie nun schon in der Königsstadt lebte, brauchte Marudan länger um zu realisieren, dass seine Alpträume längst verjährt sind. Ganze 4 Minuten brauchte der Schmied um sein Herz wieder langsam schlagen zu lassen und seine Schweiß gebadete Haut wieder trocknen zu lassen.
      Da ging es Reona etwas besser. Ihr Feuer und Interesse in der Kräuterkunde ist im Vergleich zur Zeiten von Melora zwar nur noch eine kleine Glut, doch reichte es aus um den Anforderungen der Stadt zu entsprechen um Kriegswunden zu versorgen und Salben für Erkrankungen zu erstellen.
      Anders als ihr Mann, war sie schon immer felsenfest davon überzeugt, dass Aradan nicht in den Straßen der Stadt verstorben war, sondern dass er seinen Weg hinaus geschafft hatte. Sie klammerte sich so sehr an diesen Gedanken, dass absolut kein Platz für den geringsten Zweifel war.
      Marudan hingegen lies schon viel zu Früh die Saat der Sorge in sein Herz, welches er nach außen hin vorgab nicht zu besitzen. Und so gedeihte aus dieser Saat über all die Jahre eine kleine schwarze, dornige Pflanze die ihn täglich etwas mehr vergiftete.
      Von diesen grundsätzlich verschiedenen Ansichten gepeitscht, kam es zwischen den Beiden sehr oft zu hitzigen Streitgesprächen. Sie konnten das Thema nie abschließen und würden es wohl auch nie können. Das Einzige was sich beide Schworen war, dass sie das Thema nie wieder ansprechen würden um wenigstens noch einander zu haben.
      Immerhin wurden sie in der Stadt sehr gut behandelt. Sie wurden bezahlt als wären sie niedere Adelige. Es gab reichlich zu trinken, zu essen und auch wenn mal ein Werkzeug kaputt ging, rannte direkt einer von Marudan's vielen Helfern los um ein Neues zu besorgen.
      Für Reona sah das nicht anders aus. Sie leitete einen großen Krankenflügel mit 4 Ärzten unter ihr. Vollkommen egal worum es ging, es wurde bereit gestellt.

      Auch der heutige Tag verlief wie all die Anderen. Marudan erwachte nach seinen Alpträumen, Reona beruhigte ihn und sie machten sich für ihre Aufgaben des Tages bereit ehe sie sich verabschiedeten.
      Für Marudan hies das nun schon seit 2 Jahren nicht mehr selbst die Schmiede anzuheizen oder die neuen Lieferungen entgegen zu nehmen. Darum kümmerten sich nun 3 neue Angestellte die dem mittlerweile rüstigen Schmied seine Arbeit erleichtern sollten. Anfangs missfiel ihm die Kontrolle über manche Dinge abzugeben, doch als er sich daran gewöhnt hatte, fiel ihm der Tag tatsächlich leichter. An manchen Tagen musste er sich sogar nur um die Ausrüstung der Königswachen, sowie dem Elitesoldaten kümmern, welche bei weitem nicht so viele waren wie die der üblichen Soldaten. Aber vermutlich war auch genau das der Grund für all die Angestellten und Hilfsschmiede. Damit Marudan noch bessere Ausrüstung für die Obrigkeit kreieren konnte.
      Doch hatte dieser Tag zu seiner Mittagszeit tatsächlich eine Überraschung auf dem Plan. Eine die Marudan nicht unbedingt freudig entgegen sah, da er sich sofort bei dessen Anblick mit der quälenden Vergangenheit konfrontiert sah. Die Rede war von einem Besuch des ehemaligen Generals Peamut.
      Vermutlich ging es wieder um irgendeine besondere Aufgabe. Etwa ein Zeremonieschwert zu schmieden, oder einem adeligen Jungspund seine erste Rüstung anzufertigen... was in seinen Augen die reinste Verschwendung war. Aber als Marudan dann unter vier Augen gesprochen werden wollte, spannte er sich direkt an und folgte dem Besucher.
      Beinahe rechnete er mit einer äußerst schlechten Nachricht. Vor allem als Peamut anfing über die Qualität seiner Ware zu reden, also verschränkte er seine Arme vor sich.
      "Ist etwas mit meiner Frau? Worum geht es wirklich?"
      Fragte er mit seiner kratzig tiefen Stimme um das Geplänkel zu vermeiden.
      Da wurde Marudan auch schon auf eine kommende Frage vorbereitet. Ein Glück. Hätte der General seine Frage direkt gestellt, wäre es ihm unmöglich gewesen sein Gesicht zu Stein werden zu lassen. So stand Marudan erst nur da ehe er die Arme lockerte und seine Hände an die Hüften stemmte.
      "Aradan Melora?..."
      Ein kurzer Blick zur Seite sollte dem General vermitteln dass Marudan am nachdenken sei.
      "..Etwa dieser Bengel auf der Kutsche von damals? War der selbe Tag. Oder nein. Kann sein dass ich ihn mal in einer Gasse sah als ich zur Schenke wollte. Ist Jahre her. Warum? Was hab ich mit dem Bengel zu tun?"
      Fragte er eindringlich, als würde ihm das Gespräch schon jetzt auf die Nerven gehen. Dabei versuchte er in diesem Moment nichts mehr als eine Botschaft, dass er irgendwo gesichtet wurde. Doch wie sollte er in einem solchen Fall nur reagieren? Marudan musste alle Kraft zusammen nehmen um auf jede mögliche Antwort gleich kalt wirken zu können.
    • General Peamut

      Marudan Elric war so hart wie das Erz, das er verflüssigte. Wenn er kein Schmied geworden wäre, hätte er vermutlich eine recht erfolgreiche Karriere im Militär anfangen können mit seiner kräftigen Körperstatur, dem eindringlichen Blick und der felsenfesten Haltung. Allein der Stand trennte die beiden Männer voneinander, aber trotzdem hatte General Peamut Respekt vor ihm, so wie der Jäger den Wolf fütterte, um selbst nicht gefressen zu werden. Nicht, dass Marudan ihm Angst bereitet hätte - ihm, einem richtigen Adeligen von Stand gegenüber einem Dorfschmied - aber manchmal war es eben nichts verwerfliches, auf seinen Instinkt zu hören.
      Und Szeths Instinkt sagte ihm, dass der Wolf schlief. Noch.
      "Ihr habt den selben Herkunftsort, das habt ihr gemein. Ich muss dir wohl nicht erzählen, dass Melora damals untergegangen ist. Ihr drei - du, deine Frau und der Junge - könntet die einzigen überlebenden Meloraner sein. Ist das nicht Grund genug, den Jungen - oder eher Mann - zu finden? In Gedenken an Melora?"
      Es war Schwachsinn, was Szeth von sich gab, natürlich war es das, aber wenn die Soldatin im Bericht recht gehabt hatte und der Junge tatsächlich Marudans Sohn war, musste er alles versuchen, um diese Neuigkeit herauszukitzeln. Und was würde er tun, wenn es stimmte? Nun, er würde dem Schmied erlauben - nein, er würde ihm befehlen, seinen Sohn zu suchen, natürlich unter Beobachtung. Mittlerweile gab es wohl genug Helfer, um die Schmiede aufrecht zu erhalten.
      Er drehte sich erneut nach den Rüstungsteilen um, diesmal nach einer Armschiene, die im guten Winkel zu Marudan an der Wand hing, um ihn aus dem Augenwinkeln beobachten zu können. Auch hier fuhr er über den Rand, bevor er in die aufkommende Stille bemerkte:
      "Wir glauben, dass er in Isnijan gesehen wurde. Weiße Haare, blaue Augen, so sah der Junge doch aus, oder? Es gibt nicht viele junge Männer mit weißen Haaren, das würdest du wohl auch zugeben, oder?"
      Er drehte sich wieder halb zu Marudan, täuschte vor, ihn jetzt erst wieder anzusehen, obwohl er ihn die ganze Zeit schon beobachtet hatte.
      "Wärst du dazu imstande, ihn zu identifizieren, wenn du ihn siehst? Mir zu sagen, ob er es ist? Vielleicht war es auch nur eine Fehlsichtung. Die Leute bilden sich gerne etwas ein, um ihr Leben ein bisschen aufregender zu gestalten."
      Er verzog den Mund zu einem antrainierten Lächeln, das die Augen nicht erreichte. Hatte er den Wolf schon geweckt?
    • Was gab der General da nur von sich. War das tatsächlich seine Taktik? Natürlich war Aradan sein Sohn. Aber als die Frage im Raum stand, ob er nur wegen der gleichen Herkunft irgendwelche Gefühle haben sollte? Das hies wohl nur, dass der General tatsächlich nicht wusste, nach wem er grade gefragt hatte. Von nun an musste Marudan also nichts weiter tun als seine Fassung behalten.
      Schon jetzt eine unfassbar schwere Aufgabe.
      Als dann aber die Beschreibung des Jungen folgte, kam für einen klitzekleinen Augenblick beinahe so etwas wie ein feistes Grinsen auf das Gesicht des Schmieds. Als hätte diese kleine Regung einen bevorstehenden Sturm vorher gesagt. Doch so schnell er diese kleine Regung durch sickern lies, so schnell verschwand sie auch schon wieder ehe Marudan seinen Hammer am Gürtel ergriff und aus dessen Halterung zog als wolle er sich langsam wieder an die Arbeit machen.
      "Mhh..." Grummelte er nach der Frage der Identifikation
      "Identifizieren? Graue Haare, blaue Augen. Wie viele Leute hier treffen auf diese Beschreibung zu? Schickt den Knaben her und ich sag was ich weiß."
      Marudan wandte sich schon wieder halb ab und hoffte dass er schnell Reona aufsuchen konnte. Dafür hätte er nun auch sicher einen kleinen Unfall vorgetäuscht um in den Krankenflügel zu kommen. Diese Botschaft musste einfach weiter gegeben werden.
    • General Peamut

      Die kleine Regung in Marudans Gesicht blieb nicht gänzlich unbemerkt, aber sie war zu schnell weg, als dass der General sich wirklich ihrer Anwesenheit sicher sein konnte. Er beobachtete, wie der Schmied nach seinem Hammer griff, als wolle er sich gleich wieder an die Arbeit machen. Langweilte ihn das Gespräch? Wollte er Langeweile vortäuschen? Die Beschreibung des Jungen brachten zumindest keine weiteren Emotionen zum Vorschein.
      "Männer in seinem Alter mit weißen Haaren gibt es wohl eher selten. Wie alt wird er sein, Anfang, Mitte 30? Ich denke, er wäre leicht zu erkennen. Noch leichter für jemanden, der ihn schon gesehen hat."
      Er verschränkte die Hände wieder hinter dem Rücken, während er Marudans Miene studierte. Kein Anzeichen von irgendeinem Beweis seiner Vermutung. Vielleicht irrte er sich, vielleicht nicht.
      "Wenn ich ehrlich bin, hätte ich gedacht, dass es dich freuen könnte zu hören, dass es womöglich noch einen Überlebenden aus Melora geben könnte. Aber vielleicht habe ich mich auch getäuscht."
      Er warf einen letzten Blick auf die Rüstungen, bevor er die Tür anpeilte. Im Rahmen blieb er noch einmal stehen.
      "Wenn du ihn sehen solltest, lass es mich doch wissen. Wenn du schon ein solches Talent als Schmied besitzt, könnte auch der einzig verbliebene Nachwuchs von Melora ein nützliches Händchen sein."
      Damit ging er nach draußen und ließ Marudan alleine.

      Er entfernte sich erst von der Schmiede, bevor er zu seinen Wachen sprach, darum bedacht, von niemandem gehört zu werden.
      "Ich will, dass der Schmied beobachtet wird. Man soll mir mitteilen, wenn er irgendetwas auffälliges tut und ganz besonders, wenn das irgendwas mit Aradan zu tun haben könnte."
      Die Wachen zeigten ihr Verständnis mit einem knappen Nicken.
    • Marudan hörte dem General bedächtig zu bis dieser nun endlich auch den Rückzug antreten wollte. Aber nach seinen letzten beiden Sätze änderte sich der Plan des Schmieds. Würde ihm heute irgendetwas passieren, exakt nach diesem Gespräch, hätte er dem General genau in die Hände gespielt. Es war überdeutlich dass er nun unter Beobachtung stand, sonst hätte Peamut nicht so häufig Aradan beim Namen genannt und erstrecht wäre er nicht so erpicht auf diese Gefühlsduselei gewesen.
      Nur wie sollte er nun Reona davon erzählen? Er könnte sie damit in Gefahr bringen. Egal. Vorerst galt es den Tag zu bewältigen. Eine Aufgabe die in all den Jahren noch nie so schwer gewesen war.
      Marudan machte sich wieder an die Arbeit und verarbeitete Rüstungen neu, welche im Kampf kleine Kratzer abbekommen hatten, was bei seiner Rüstung schon auf einen heftigen Kampf deuten lies. Sie waren allesamt mit Kryss verarbeitet und boten eine so hohe Qualität, dass sogar die Klauen und Zähne von Läufern daran zerbrachen.
      Während der Schmied also sein Tagewerk verrichtete, stauten sich seine Gedanken immer weiter an. So sehr, dass genau das passierte, was er vorerst vortäuschen wollte... er geriet mit seiner Hand in eine selbst errichtete Anlage, welche mit Wasserkraft einen großen Eisenklotz auf Rüstungen hinunter donnern lies. Dabei brach er sich direkt mehrere Finger seiner linken Hand, was ihn natürlich direkt aufbrüllen lies ehe er den Schmerz direkt mit einer strengen Mine im Zaum halten konnte.
      Keine 5 Sekunden verflogen ehe die halbe Besatzung der Schmiede um Marudan versammelt war. Einer sorgte sich mehr als der Andere da sie alle das Handwerk vom besten Schmied des Landes, wie es in der Königsstadt hieß, erlernen wollten.
      Doch entgegen jeder Vernunft wollte Marudan nicht zum Krankenflügel gebracht werden. Er sah sofort eine endlos lange Kette an Ereignissen, die alle darin endeten, die kleine Möglichkeit, dass Aradan leben könnte, vernichten wird. Oder gar Reona zur Zielscheibe macht.
      Als dann aber auch der Aufseher davon Wind bekam, hatte Marudan keine Wahl mehr. Der Aufseher war so etwas wie der Boss der Schmiede. Wenn dieser der Meinung war einen Befehl zu geben, konnte nur der König selbst oder jeder General und Offizier diesen revidieren. Also gab sich Marudan diesem Befehl hin und besuchte widerwillig den Krankenflügen, wo man sich umgehend um ihn kümmerte. Zu seinem großen Glück war seine Frau wohl genau in diesem Moment nicht anwesend. Vermutlich war sie in einem Hinterzimmer um neue Medizin zu mischen. Jedenfalls bemerkte Marudan dass etwas nicht stimmte. Er fühlte sich permanent beobachtet seit dieser General da war.
      Wusste Peamut etwa mehr als er zugab? Hatte er Aradan vielleicht schon längst unter seiner Kontrolle? War das mit Aradan eventuell sogar nur ein Bluff?
    • Zur gleichen Zeit...

      Anthea Elquin saß fünf Meter entfernt zum nächsten Soldatentrio.



      Sie saß im Schneidersitz auf dem schmalen Holzstuhl, was lange genug zum antrainieren gebraucht hatte, um nicht mehr in den Knöcheln wehzutun. Mittlerweile hatte sie den Trick allerdings raus, denn sie musste nur weit genug hinten sitzen, um die Füße nicht über die Kante hängen zu lassen und dann fand alles seinen Platz auch ohne zu schmerzen.
      Die Soldaten sahen in periodischen Abständen in ihre Richtung, ohne sie dabei anzusehen und Anthea hob jedes Mal den Blick, um sie doch dabei zu erwischen. Sie wussten, dass sie etwas im Schilde führte, dass nichts, was ihre Hände zu fassen bekam, von Rechtens her dorthin gelangt war, aber sie hatten eine verdammt schwierige Zeit es zu beweisen. Das letzte Mal, dass sie im Verlies gelandet war, war schon über ein halbes Jahr her und seitdem freute sie sich jeden Tag um ein Mal mehr, wenn sie die Soldaten zu Gesicht bekam, die auf ihre Beobachtung angesetzt worden waren. Sie wusste, dass sie es wussten, und zu beobachten, wie sie verzweifelt nach den Beweisen suchten, um sie ein weiteres Mal hinter Gitter zu bekommen, war tausend Mal mehr wert als die Jobs, die sie erledigte. Anthea lebte dafür, auffällig unauffällig zu hantieren.
      Sie puhlte mit der Spitze ihres schlanken Jagdmesser zwischen ihren Zähnen herum, um die hartnäckigen Überreste des zähen Fleisches herauszubekommen, das sie vor wenigen Minuten noch heruntergewürgt hatte - die Schenke war definitiv nicht wegen ihrem Essen so bekannt - und sah zu ihrer Begleitung hinüber, dem dürren, hochgewachsenen Chiem, der, egal in welcher Haltung, einen Buckel warf. Chiem sah so aus, als wäre er als Kind einmal in die Länge gezogen worden, ohne dass sich das Zentrum seines Gleichgewichts verlagert hatte, sodass sein Oberkörper stets ein wenig nach vorn gebeugt war. So ultra hoch und ultra knochig wie er war, sah er aus wie eine Leiche.
      Chiem war bis vor kurzem noch ihr Informant gewesen, ein Mann, der sich durch den Untergrund wühlte und die richtig dunklen Geheimnisse dieser Stadt ausgrub, um sie Anthea als nächsten Angriffspunkt präsentieren zu können, aber mittlerweile war er sowas wie degradiert worden - wenn es in ihrem Beruf überhaupt so etwas wie einen Rang gab. Seinen Platz hatte ein neuer eingenommen, der ein erschreckend fähiges Naturtalent war, das sogar Anthea manchmal ängstigte. Aber alles, was Anthea Angst machte, war eine Herausforderung, die es zu bewältigen galt.
      Sie kratzte das Stück Fleisch zwischen ihren Zähnen endlich hervor und spuckte es auf den Teller, bevor sie absichtlich auffällig zur Tür hinübersah, die zwischen den Zechern beinahe nicht zu sehen gewesen wäre. Aus dem Augenwinkeln sah sie, dass die Soldaten ihrem Blick folgten und ihre Neugier dann damit zu kaschieren versuchten, selbst nach jemandem zu suchen. Hah, mal sehen ob der Neue sich genauso wenig davon beeindrucken ließ, dass ihm das Gesetz der Stadt höchstpersönlich in den Nacken atmete. Vielleicht würde er ja einen Fehler machen und sich verraten. Anthea hatte noch nicht darüber nachgedacht, ob sie ihn aus dem Kerker befreien würde, wenn es soweit war. Vielleicht schon, vielleicht nicht. Wenn sich seine Informationen auszahlten, eher schon.
      Anthea stöhnte laut und genervt und stützte die Ellbogen auf dem Tisch auf. Chiem sah zu ihr mit einem Ausdruck zwanghaften Desinteresses und stocherte in seinem eigenen Steak herum. Er hatte das Fleisch kaum angerührt und es sich stattdessen zur Aufgabe gemacht, Püree daraus zu hacken. Seit der neue da war, war er irgendwie schlecht gelaunt, obwohl eigentlich bisher alles ganz gut gelaufen war. Vielleicht schmollte er ja über seine Degradierung.
      "Wenn der Kerl nicht in fünf Minuten da ist, kann er sich sein Gold sonst wo hinstecken."
      Chiem brummte etwas zustimmendes, was zu leise war, um über den Lärm der Schenke hinweg gehört zu werden. Die Soldaten sahen wieder in Antheas Richtung und sie schenkte ihnen ein breites, teuflisches Grinsen, von dem sie so taten, als würden sie es nicht sehen. Natürlich hätte sie sich auch auf klassische Art in irgendeiner dunklen Gasse mit dem Mann treffen können, aber das war nur halb so lustig - und außerdem setzte es manche Leute seiner Art unglaublich unter Druck, unter den Blicken von Soldaten arbeiten zu müssen. Sollte er sich ruhig daran gewöhnen, so konnte sie sicherstellen, dass er zumindest keine dummen Fehler beginn - und dass er sein Geschick bewies. Anthea hatte schließlich einen gewissen Standard, den es aufrecht zu erhalten galt.

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    • "Na ganz toll. Diese Schenke ist genau wie beschrieben. 'so Schäbig, dass nicht mal Ratten sich dahin verirren'. Da hätte keine Beschreibung besser gepasst schätze ich."
      Frage ein gänzlich in schwarzen Lumpen gekleideter Mann eine kleinere, ebenso bedeckte Person neben sich. Jedem musste bei diesem Auftreten sofort klar sein, dass man seine Identität mit den tief runter gezogenen Kapuzen verstecken wollte, doch aus irgendeinem Grund war es bisher jeder Wache vollkommen egal, solange man nicht auf frischer Tat ertappt wurde. Das machte es ziemlich leicht durch die Gassen zu streifen ohne ständig angehalten zu werden. Man lief einfach etwas buckeliger, trug nicht die saubersten Lumpen und schon wurde man gemieden wie ein Bettler der nach Münzen fragte.
      Auch in diesem Moment erhaschte das Auftreten der Beiden nur flüchtige Blicke, woraus der Mann sofort lesen konnte, wo sein Ziel saß.
      "Warte am Eingang..."
      Gab er der kleinen Person mit ehe er weiterhin mit einer Scharade durch die Schenke zog als wolle er die richtige Person zum anbetteln suchen. Erst auf den letzten 3 Schritten begradigte er seine Haltung, ging mit deutlich festerem Schritt und zog den hölzernen Stuhl, welcher eher wie ein Hocker wirkte, da die Lehne wohl schon seit einer ganzen Weile abgebrochen war, ein Stück zurück um sich an den einzigen Tisch zu setzen, der seine Aufmerksamkeit erhascht hatte.
      "Ich nehme an ihr seid Anthea und Chiem? Ein auffälliges Weibsbild welches die Augen des Gesetzes auf der Haut liebt, in Begleitung eines knorrigen Astes in Form eines Menschen."
      Direkt grätschte der Schankwirt von der Seite ein und fragte unter den lauten Umständen der Gäste, ob der eingetroffene Gast überhaupt in der Lage ist zu zahlen.
      Da schnippte der Mann dem Wirt eine Münze entgegen, die bei den billigen Preisen ausreichte um das gesamte Essen sowie Getränke zu übernehmen.
      "Nimm das und verzieh dich. Unterbrichst uns noch ein mal und ich werde mich mit Irilo unterhalten."
      Sofort blickte der Wirt auf als hätte ihn der Blitz getroffen. Nicht mal die edle Münze schien ihn zu interessieren. Erst nachdem der Mann eine kleine Kopfbewegung machte, um zu verdeutlichen dass der Wirt gehen soll, wischte er sich den aufkommenden Schweiß von der Stirn und ging hastig zu anderen Gästen.
      Daraufhin wandte sich der Mann wieder seinen zwei gegenüber sitzenden Personen zu.
      "Also. Ich hab gehört ihr habt nichts dagegen im Rampenlicht zu stehen, ist das korrekt?"
    • Es dauerte zwei Minuten, bis der Informant da war. Anthea wusste es, weil Chiem in der Zeit genau 20 Mal auf sein Fleisch-Püree einhackte.
      Der Mann war genau das, was man von einem Amateur erwartete: Schleierhaft und unbekannt, hauptsache mit der Masse verwischen, hauptsache sich nicht erkenntlich zeigen. Zu ihrem eigenen, nicht geringem Frust erkannte sie selbst erst im letzten Augenblick, dass es ihr Mann war, als es schon längst zu spät war. Er hatte die ganze Tarnungsmasche drauf, so viel musste sie ihm lassen, aber das änderte nichts daran, dass er sich wie alle anderen vor den Augen des Gesetzes zu ducken versuchte. Nur wer Angst hatte schlich herum, um die Gefahr nicht zu wecken und oh-ho, Anthea lachte der Gefahr zum Frühstück ins Gesicht.
      Sie zeigte dem Mann ein spöttisches Grinsen, als er sich zu ihnen setzte. Chiem hörte für einen Moment auf sein Fleisch zu zerhacken, nur um sein Messer leichtfertig in der Hand zu drehen. Was für ein Angeber.
      Der Neuankömmling offenbarte selbst jetzt sein Gesicht nicht.
      "HAH! Knorriger Menschenast! Hast du das gehört, Chiem? Der Kerl hält dich für Strauchwerk. Heh!"
      Sie kicherte noch immer über diesen dummen Vergleich, als der Wirt herangewatschelt kam und von dem vermeintlichen Bettler eine Auskunft über den Inhalt seines Geldbeutels verlangte. Er bezahlte und bedrohte den Wirt dann mit etwas anderem, was niemand anderer außer der Mann selbst verstehen konnte. Zumindest schien es zu ziehen, denn der Rollmops wurde eine Spur bleicher im Gesicht und zog dann ab, um einen anderen Tisch zu belästigen. Gar nicht mal so schlecht. Anthea spielte jetzt auch mit ihrem Messer herum.
      "Zu aller erst einmal wirst du mich nicht "Anthea" nennen, das ist ein Name für deine Großmutter. Entweder "Thea" oder gar nichts. Und dann hast du sehr richtig erkannt, diese Jungs da vorne sind wohl kaum hier, um während der Dienstzeit zu trinken. Ich würde also sagen..." Sie stützte die Ellbogen auf dem Tisch auf, verschränkte die Finger ineinander und stützte das Kinn obendrauf. "Ja, ich bin die, die nichts dagegen hat im Rampenlicht zu stehen. Wenn du aber einen Sündenbock haben willst, damit du deine Machenschaften abziehen kannst, wird das dich was kosten und nicht mich. Ich verlange viel dafür ein Chaos zu veranstalten und das wirst selbst du dir mit deinen paar kleinen Geheimnissen nicht leisten können."
      Sie lehnte sich wieder zurück. Chiem musterte den Neuzugang mit einer unverhohlenen Abscheu im Gesicht.
      "Apropos Geheimnisse, wenn du mir mein hart verdientes Gold abknöpfen willst, musst du dich schon ausweisen. Ich geh nicht rum und erzähle unbekannten Bettler-Imitatoren, was ich von ihnen haben möchte. Wieso versteckst du dich, hm? Hast du Angst, entdeckt zu werden? Hängt irgendwo dein Steckbrief aus mit einer widerlichen Narbe auf deiner Stirn, die jeder in hundert Meilen sehen kann? Oder bist du hässlich? Bist du vielleicht schüchtern?"
      Sie grinste, dasselbe diebische, teuflische Grinsen, das sie vorhin noch den Soldaten zugeworfen hatte, entfädelte ihre Beine und sprang plötzlich auf. Sie war etwa 1,70 m groß, nicht klein, aber auch nicht gerade groß.
      "HE, HÖRT MAL! DER KERL DENKT, ER WÄR HÄSSLICH! MUSS SEINE HÄSSLICHE VISAGE UNTER EINER KAPUZE VERSTECKEN!"
      Etwa die Hälfte des Raumes wandte das Gesicht in ihre Richtung und etwa doppelt so viele ignorierten sie. Irgendwo lachte jemand und aus der anderen Ecke donnerte es zwei Oktaven tiefer:

      "SETZ DICH HIN UND HALT DEIN VERSCHISSENES MAUL!"
      Das brachte dafür die Soldaten ins Spiel, die sich sofort dazu genötigt sahen, den potentiell aufwirbelnden Sturm im Keim zu ersticken. Zwei wandten sich nun Antheas Tisch direkt zu und einer dem unbekannten in der Ecke. Anthea, sichtlich zufrieden mit ihrem kleinen Theater, ließ sich wieder auf ihren Stuhl fallen und grinste den Mann umso breiter an.
      "Siehst du? Interessiert niemanden. Also, runter mit der Maske und wir können reden."
    • Der Mann wurde schon darauf hingewiesen dass Anthea ein waschechter Troublemaker war, doch dass sie sogar bei Verhandlungen so überziehen würde, hätte auch er nicht kommen sehen. Zwar wurde er schon vorgewarnt, dass sie eine unangenehme Gesellin ist, doch dachte er dabei eher an etwas wie es vergangene Mitarbeiter waren. Aber was sollte er schon groß tun. Er lies diese Anthea ihr Feuerwerk zünden und auch der kindische Versuch ihn zu beleidigen.
      Auch als sie die halbe Schenke aufmischte und die Wachen anzog wie ein Haufen Scheiße die Fliegen, störte ihn herzlich wenig. Aber auch er glaubte langsam, dass wohl der Zeitpunkt gekommen sei sich zu zeigen. Nicht um sich vorzustellen, sondern um zu zeigen warum er es mied sein Gesicht in dieser Stadt zu zeigen.
      "Gut. Mir ist es gleich. Ich sehe du stehst auf einen besonderen Auftritt. Ich wollte es zwar vermeiden aber du lässt den Leuten leider keine Wahl."
      Da zog er seine Kapuze hinab und zeigte sein gepflegtes Bild, dass so gar nicht unter Lumpen versteckt werden musste. Seine Haare langen glatten Haare waren zu einem lockeren Pferdeschwanz gebunden und auch sein Gesicht war entgegen der Meisten in der Stadt komplett rasiert.
      "Mein Name.. ist Berek."
      Da fiel von jetzt auf Gleich der Geräuschpegel der kompletten Schenke um die hälfte. Nur wenige unterhielten sich ruhig weiter aber es schien als wären die Lautesten allesamt verstummt. Es dauerte nicht lang, da standen einige auf und rannten panisch, ohne zu zahlen, aus der Schenke hinaus. Es störte nicht mal den Wirt was er an Verluste einfuhr. Viel mehr verkroch er sich wieder hinter seine Theke um den größt möglichen Abstand zu gewinnen.
      Daraufhin blickte Berek hoch in die Augen der Soldaten, welche ihn ebenso anblickten.
      "Hm.. Ich kenne euch nicht. Unüblich... Darf ich eure Namen erfahren? Es ist immer gut zu wissen an wen mann sich wenden kann, sollte mal Gefahr im Verzug auftauchen."
    • Der Informant kam ihrer Aufforderung schließlich nach, aber was er enthüllte, entsprach nicht dem, was Anthea gedacht hatte. Es entsprach sogar ganz und gar nicht dem, womit sie gerechnet hatte.
      Chiem erstarrte in seiner Bewegung und flüsterte ein sanftes, ehrfürchtiges "Fuck.", während sein Blick sich von Abscheu zu Unglauben und schließlich Entsetzen wandelte. Anthea selbst klappte die Kinnlade herab. Der Informant war Berek aus Shegar, der König von Shegar, die Spinne, die Schlange, der Großhändler, welche Spitznamen er auch sonst in Isnijan tragen mochte. Er war es und saß ihr höchstpersönlich gegenüber.
      Als der aufgekommene Trubel sich allmählich wieder gelegt hatte und Berek das Wort scheins gleichgültig an die Soldaten richtete, hatte Anthea sich wieder einigermaßen gefangen. Sie klappte den Mund wieder zu und besprühte die beiden Uniformmänner mit giftigen Blicken.
      "Ihr sagt ihm gar nichts!", fauchte sie.
      "Sag du uns nicht, was wir zu tun haben, Elquin!", kam die drohende Antwort, wobei sie ihrer Aufforderung dennoch gehorchten. Sie gaben keine Antwort auf Bereks Frage, sondern starrten nur.
      Chiem schob sich mit einem plötzlichen Knarren nach hinten.
      "Ich bin raus. Da mach ich nicht mit, vergiss es."
      Sein langer Körper stach in die Höhe, als er aufstand, und bahnte sich dann einen Weg zur Tür. Anthea versenkte auch ihn mit ihren Blicken.
      "Chiem!"
      "Ich bin doch nicht lebensmüde!"
      Er rempelte die kleine Gestalt bei der Tür zur Seite und flüchtete dann auf die Straße hinaus.
      Anthea wandte sich wieder Berek zu. Sie hatte einen Teil ihrer Großspurigkeit verloren, aber an ihrer Stelle war ein Feuer in ihren Augen entfacht.
      "Berek. Du bist der Informant? Was ist passiert, wurde es dir in deinem kleinen Nest zu eng?"
      Er sah aus wie ein verschissener Adeliger. Irgendetwas sagte ihr, dass dieser Mann sie hinterrücks auch in sein Netz einspannen konnte, wenn sie nicht aufpasste. Vielleicht war es ja sein penibel rasiertes Kinn.
      Sie lehnte sich nach vorne und rammte ihr Messer in die Mitte des Tisches. Dann verschränkte sie wieder die Finger ineinander und bettete das Kinn darauf.
      "Also, sprechen wir Klartext: Du brauchst etwas von mir und ich brauche etwas von dir, eine Hand wäscht die andere und so. Ich bezahle dich und du leistest mir deine Dienste, so und nicht anders werden wir es handhaben. Was ich nicht zulasse, ist dass du mich in dein kleines, widerliches Netz einspannst. Ich werde mich niemandem beugen, geschweige denn mich von jemandem erpressen lassen und sei es der König höchstpersönlich. Was ich dir anbiete ist ehrliche Arbeit."
      Sie betonte die ehrliche Arbeit auch für die Soldaten im Hintergrund.
      "Nenn mir also deinen Preis und wir werden über deinen Dienst reden. Wenn nicht, kannst du dich hiermit auch ganz offiziell verpissen."
    • Berek sah Anthea an als sie sofort zu unterbinden versuchte, dass er die Namen der Soldaten erfährt. Es ließ ihm sogar kaum bemerkbar lächeln. Da hatte wohl Jemand Ahnung davon dass nicht nur Gold eine Währung war. Und obwohl er nicht die Namen der Soldaten erfuhr, war er überrascht den Namen Elquin zu hören. Erst diese Ex-Soldatin, dann war da noch einer in der jetzigen Stadt und nun schon wieder eine. Eine große Familie war für Berek meist ein gefundenes Fressen. Leicht gegeneinander auszuspielen, leichte Druckmittel. Auch wenn es hier und dort mal Ausnahmen gab.
      Nachdem dann auch endlich alle die ihn noch kannten die Schenke verlassen hatten und sich die Stimmung langsam wieder legte, sah er die Soldaten noch mal flüchtig an ehe er sich langsam auf das Gespräch ein lies.
      "Du hast nach einem Informanten gesucht, hier bin ich. Und es wird auch so schnell kein anderer Kommen. Weniger Konkurrenz ist gut für mein Geschäftsmodell."
      Doch als Anthea etwas zu leichtfertig anfing über Geschäfte zu sprechen, währen noch unbekannte Soldaten ganz klar zuhörten, gab er ein kleines Handzeichen an seine Begleitung, welche außerhalb des Sichtfelds der Soldaten war.
      Direkt sauste die noch immer verhüllte Person nach draußen. Keine 10 Sekunden dauerte es, dass nach dem Verschwinden Tumult auf den Straßen aufkam. Ein lautes Kreischen einer Frau kam auf, ebenso wie das Zerbrechen von verschiedenen Gütern.
      Ein paar wenige, die noch immer in der Schenke ihr ranziges Bier tranken, gingen nach draußen um zu erfahren was geschehen ist. Was sie zu sehen bekamen war ein umgekippter Güterkarren. Der mit zwei Rädern und von einem Ochsen gezogene Karren geriet außer Kontrolle da der Ochse wie wild um sich trat und jeden der ihm zu nahe Kam einen wilden Stoß abbekam, so wie die Frau, welche den Karren führte. Dabei fielen einige wertvolle Sachen hinunter, die dafür sorgten dass sich arme Leute direkt darauf warfen. Zwei Fässer voll mit Fisch, mehrere Pakete Mehl und auch Salz war darunter, was in dieser Stadt einen großen Wert hatte. Die hungrigen Bettler sahen in diesem Moment nur den Fisch und stopften sich so viel in ihre zerrissene Kleidung wie sie Platz fanden, auch wenn Diebstahl unter hoher Strafe stand.
      Das sorgte dafür dass nun auch die Soldaten aus der Schenke gezogen wurden, auch wenn sie nur widerwillig ihr bisheriges Ziel aus den Augen verlieren wollten.
      "Gut. Jetzt können wir reden. Zunächst einmal... Du willst etwas von mir. Es gehört sich also zu aller erst über dein Anliegen zu sprechen bevor ich dir dafür einen Preis nennen kann. Und mein Instinkt sagt mir, dass du ohnehin schon weißt wie ich mich bezahlen lasse. Gold interessiert mich nicht. Informationen sind sehr viel wertvoller."
      Daraufhin lehnte er sich etwas zur Seite um einen Krug von einem leeren Tisch zu nehmen, doch nachdem er hinein geblickt hatte, verzog er angewidert das Gesicht und warf es zur Seite weg.
      "Widerlich..."
    • Anthea hätte sich bereits jetzt darauf eingelassen, vage Details zu besprechen - natürlich alles unter Code, so viel wollte sie nun auch nicht offenbaren - als der Tumult draußen ausbrach. Missmutig drehte sie sich zur Tür und dachte schon darüber nach, doch ein ruhigeres Plätzchen aufzusuchen - sie mochte Aufstände nur, wenn sie von ihr verursacht wurden, alles andere war ihr zu unsicher - aber Berek regte sich kein Stück. Im Gegenteil, er behielt diesen furchtbar durchdringenden Blick auf sie gerichtet und ignorierte das ferne Chaos. Also tat sie es ihm gleich, verschränkte die Beine wieder unter sich und griff nach ihrem Messer. Zehn Sekunden später zogen auch die Soldaten ab, wodurch sie größtenteils alleine waren. Sie hatte das Gefühl, dass Berek irgendwas damit zu tun haben könnte.
      "Schön, sprechen wir über das Geschäft. Informationen für Informationen."
      Sie sah sich im Raum um, aber alle verbliebenen Gäste waren weit genug entfernt, um ihr Gespräch nicht mitzuhören. Nun gut, dann also so. Sie lehnte sich vor.
      "Ich will Informationen über meine jetzigen Auftraggeber. Ich weiß, sowas gehört sich nicht, aber ich meine auch nicht meine direkten Auftraggeber, sondern die ganz oben, am anderen Ende der Leiter. Ich weiß, dass die irgendwas ausbrüten und ich werde nicht zusehen, wie sie die Stadt ohne mich auf den Kopf stellen. Ich will auch ein Stück vom Kuchen, wenn du verstehst."
      In ihren Augen blitzte es auf, das Verlangen nach einer Herausforderung. Sie beobachtete, wie Berek einen der Krüge probierte und sich wohl zu fein für dieses Etablissement hielt.
      "Letzten Monat wurde ich von Ilyos angeheuert - Ilyos kennst du, der Ex-Assassine? - und ich weiß, dass Ilyos wiederum mit Arkil gearbeitet hat, den kannst du eigentlich nicht kennen, aber vielleicht hast du ihn mal gesehen, der hat so eine widerliche Narbe über dem Auge. Jetzt weiß ich, dass Arkil wiederum unter dem Einauge arbeitet und das Einauge ist der Schlüssel zum Erfolg, da bin ich mir ganz sicher. Hier hört meine Spur auf, aber wenn Arkil irgendjemand angeheuert hat, dann das Einauge und das ganz sicher nicht aus Selbstzweck. Arkil verlangt viel, selbst für meine Verhältnisse. Ist ein zuverlässiger Mann."
      Sie verschränkte die Finger ineinander.
      "Ich will mich nicht mit dem Einauge anlegen, aber ich will wissen, wer hinter ihm steht, wer ihn wiederum beauftragt hat. Ich will wissen, wofür dieser ganze Unsinn, den ich die letzten paar Wochen erledigt habe, gut ist. Ich will Informationen.
      Chiem kann ich nicht schicken, weil Chiem eng mit Edros ist und Edros wiederum untersteht Arkil direkt und wenn der davon Wind kriegt, kann ich mir einen neuen Bezirk suchen, in dem ich mich einnisten kann. Darauf habe ich gar keine Lust, daher kommst du ins Spiel. Finde heraus, für wen ich arbeite - für wen ich wirklich arbeite - und ich werde dir Informationen geben, die dich interessieren. Namen, Hierarchien, Bezirksleiter. Ich kenne nicht alle, aber ich habe genügend Kontakte, um dich gebührend versorgen zu können."
    • Berek stützte seine Ellbogen auf den Tisch während er sich vor lehnte und schloss beide Hände vor sein Gesicht während er über den Auftrag nachdachte. In Shegar wäre ein solcher Auftrag viel Wert gewesen. Dafür hätte er tatsächlich einiges verlangen können, doch war er in dieser Königsstadt noch nicht sehr lang. Es brauchte Monate, wenn nicht sogar Jahre um genug Informationen ran zu tragen um in einer solchen Stadt ein gutes Netzwerk aufzubauen.
      Zwar hatte er schon jetzt zwei Namen mit denen er sicherlich arbeiten konnte, doch hatte bereits in seiner kurzen Zeit mitbekommen, dass die Untergrund Kriminalität ziemlich Komplex war. Jemanden hier leichtfertig zu verpfeifen hieß meist schon einen direkten Krieg mit einer anderen Bande anzufangen, oder in der Nacht unerwarteten Besuch zu bekommen. Das alles gab es zwar auch in Shegar, doch bei weitem nicht in diesem Ausmaß und naja.. die meisten wurden ohnehin von Berek beordert.
      Ob es ihm also gefiel oder nicht, musste er sich Sprosse für Sprosse nach oben arbeiten.
      Nach seinem kurzen Gedankengang lehnte er sich wieder zurück, verschränkte die Arme vor sich, schlug ein Bein über das Andere und blickte der Frau entgegen.
      "Nun. Lange bin ich noch nicht in der Stadt aber ich habe den ein oder anderen Ansatz den ich verfolgen werde. Selbstverständlich würde mir jedes noch so kleinste Detail weiter helfen. Da ist also dieser Ilyos, welcher mit einem Arkil gemeinsame Sache macht. Darüber ist ein sogenannter Einauge und dessen Pläne willst du erfahren. Die Frage die sich mir noch stellt ist, was der besagte Unsinn sein soll, den du Wochenlang machen musstest. Wie gesagt. Details sind sehr wichtig."
    • Anthea nickte bestätigend. Sie mochte es, wenn ihre Arbeiter ganz offensichtlich kompetent waren.
      "Am Anfang war es noch nicht so merkwürdig, ein paar Lieferungen überwachen, ein bisschen spionieren, hier und da mal ein Auftragsmord. Ist zwar nicht meine Spezialität, aber Ilyos hatte mir schon angekündigt, dass es ein paar Aufgaben "außerhalb meiner Branche" geben wird. Ist mir alles recht. Ich bin zwar nicht so leise, wie er sich von seinem Assassinen-Dasein erhoffen könnte, aber ich erledige alles immer zuverlässig. Ich habe einen Standard aufrecht zu erhalten, musst du wissen.
      Vor zwei Wochen dann kamen die ersten merkwürdigen Aufträge, ich sollte irgendein verlassenes Haus ausspionieren, Briefe abfangen, Einkäufe erledigen. Ich wurde zum Markt geschickt, um Gewürze zu besorgen und Stoffballen und Kerzen. Kein Diebstahl, kein Aufstand, gar nichts! Ich habe das Gold bekommen und die Sachen irgendwo abgeliefert und Ilyos hat sie sicherlich an sich genommen, was weiß ich. Dann hat er mich - und ich wiederum Chiem - damit beauftragt, Informationen über die Stadttore zu beschaffen, Dienstzeiten, wann sie abends geschlossen werden, wie stark die Kontrollen sind. Und als ich das abgeliefert hab, hieß es, ich solle von nun an jeden Morgen ans Südtor kommen und wenn ich "das Zeichen" sähe, sollte ich einen so großen Aufstand entfachen, dass ich sämtliche Wachen von dem Tor weg zwinge. Ich bin mir sicher - ganz und absolut sicher, dass sie irgendwas zu schmuggeln versuchen, aber wieso diesen ganzen Terror darum herum? Wieso können sie nicht die Wachen bestechen und sich so Zugang verschaffen? Wieso muss ich ein Ablenkungsmanöver starten, wenn es auch auf eine viel subtilere Art und Weise funktionieren könnte? Ich werde einfach nicht schlau daraus."
      Sie lehnte sich auch zurück und imitierte Bereks Haltung, indem auch sie die Arme verschränkte.
      "Aber ich will es wissen. Normalerweise sind meine Aufträge ganz klar: Ablenkung schaffen, damit die anderen irgendwo rein kommen oder irgendwo rauskommen oder irgendwas stehlen können. Und wenn ich einen umbringen soll, sind es immer die, die aussortiert wurden, weil ich schließlich nicht leise genug bin, um irgendwelche wirklich Kriminellen abzumurksen. Da erfährt man gleich, dass ich es war, und ich arbeite für Ilyos, also ist die Spur offensichtlich. Wieso muss ich dann irgendjemanden umbringen, den ich gar nicht kenne? Kann ich einfach nicht nachvollziehen."
      Sie ritzte mit ihrem Messer ein wenig auf der Tischplatte herum. Nachdem der Wirt sich so offensichtlich vor Berek versteckte, würde er sich wohl kaum darüber beschweren.
      "Reicht dir das an Informationen? Musst du noch was wissen?"
    • Eine lange Erklärung über die Auftragskette folgte. Darüber hinaus auch noch ziemlich sortiert und verständlich erklärt, was er dieser wilden Frau vor sich gar nicht zugetraut hätte. Sie erinnerte ihn beinahe schon etwas an der Ungestümtheit von Elraya, kombiniert mit dem Scharfsinn Pria. Eine Kombination die er ganz sicher noch im Auge behalten musste, so viel stand fest. Doch auch ihm gefiel diese seltsame Art der Aufträge nicht.
      Ein wenig den Blick abwendend, zog er ein kleines Etui mit Zigaretten hervor um sich davon eine anzuzünden. Nach seinem ersten tiefen Zug, leerte er seine Lungen wieder ehe er mit den Schultern zuckte.
      "Nun es ist offensichtlich dass da etwas im Busch liegt. Ich denke jeder der darin ein verdächtiges Muster erkennt, würde wissen wollen was vor sich geht. Auch meine erste Vermutung wäre ein Schmuggel der besonderen Art. Kaum einer würde so viele Vorbereitungen treffen, welche nach keinen aussehen, nur um mit einem Knall Wachen abzulenken. Da steckt ganz klar ein ausgearbeiteter Plan hinter."
      Nach einem weiteren Zug, tippte er die Asche seiner Zigarette seitlich auf den Boden.
      "Nun.. Was sind die üblichen Treffpunkte von dir und diesem Ilyos? Wenn man an die Spitze will, muss man von unten anfangen. Wenn er dir deine Aufträge gibt, werde ich mal sehen ob sich ein Muster aus seinem Alltag hinaus filtern lässt. Die Soldaten scheinen bisher kein Anhaltspunkt zu sein. Als aller erstes sorge ich dafür die Gewohnheiten von Soldaten in Erfahrung zu bringen. Wer ist Korrupt, wer ist unzuverlässig. Hat man dort erst mal Fuß gefasst, dauert es nicht mehr lang und man kennt jeden Plan und jede Route. Ich kann also jetzt schon mal versichern, dass keine Wache und kein Soldat entlang aller Mauern und Durchgänge von einem großen Konvoi, Karawane oder Austausch weiß. Das macht eine große Ablenkung nur noch auffälliger. Bestechen wäre deutlich leichter, wie du schon sagtest..."
      Er grübelte ein wenig weiter, konnte sich mit seinen bisherigen Informationen ebenso keinen Reim aus der geschilderten Situation machen, was ihm ganz und gar nicht gefiel.
      "Sag. Hast du etwas dagegen wenn ich dich von nun an auf deine Spähzüge am Südtor begleite?"
    • Anthea lehnte sich wieder ein bisschen vor, etwas verschwörerisches in ihrer Stimme.
      "Ich bin ja auch nicht die einzige in dem ganzen Konzept. Ilyos gibt mir nur die Arbeit, die mit seiner eigenen nicht überschneidet. Einauge ist auch keiner, der alle anderen schuften lässt, während er selbst nichts macht. Vielleicht macht Arkil auch irgendwas, keine Ahnung, aber es gibt noch mehr, die für diese Sache arbeiten, das weiß ich ganz genau. Wohin führt das ganze also? Ich werde nie genug machen können, um das Gesamtbild zu sehen, aber ich will es wissen."
      Sie ritzte mit ihrem Messer besonders fest über den Tisch und verursachte eine recht tiefe Furche. Berek hatte angefangen, in aller Seelenruhe zu rauchen.
      "Wir treffen uns normalerweise in den Hinterzimmern von Tavernen. Ilyos hat es gerne ruhig und ich habe es gerne laut, das ist der einzige Kompromiss, der für uns beide funktioniert. Ich habe aber seit dem letzten Auftrag nichts mehr von ihm gehört, wenn ich ihn sehen will, muss ich seinen Partner kontaktieren. Sag mir, wie ich dich erreichen kann, und ich werde dir Bescheid geben.
      "
      Sie beobachtete Berek in dem Moment, in dem er zu denken schien. Ob es wirklich so gut war, den Mann, den König von Shegar, für sich arbeiten zu lassen? Er hatte sich jetzt schon als strategischer Arbeiter erwiesen, als jemand, der erst nachdachte, bevor er irgendwelche eiligen Schlüsse über seine Umgebung zog. Außerdem hatte er schon angefangen sich in die Bezirke einzumischen und obwohl das Anthea überhaupt nicht gefiel, obwohl sie gänzlich dagegen war, dass jemand wie er bei ihr Fuß fasste, musste sie doch seine Zielstrebigkeit bewundern. Es hatte nunmal einen Grund, weshalb er die Herrschaft über Shegar angenommen hatte.
      Sie blinzelte ihn an und lehnte sich dann wieder zurück.
      "Sicher, begleite mich zum Tor. Aber wenn ich das Zeichen bekomme, hältst du dich zurück, ich kann nämlich keine Ablenkung gebrauchen. Ich hab was großes geplant."

      Sie konnten Ilyos noch am selben Abend treffen.

      Er hatte sich in eine Kaschemme mit dem Namen "Roter Elephant" zurückgezogen, eine eindeutig alte, brüchige Taverne am Ende einer Gasse, wo der Pissgestank der Straße durch die Ritzen in der Tür hineindrang und wo es kaum eine Sekunde gab, in der keine zwielichtigen Gestalten vor dem Eingang lungerten, sich prügelten oder Flaschen zerbrachen. In der schützenden Dunkelheit der Nacht wurde hier gezecht bis das Blut floss und wochenends gab es nicht selten auch einen Mord. Das ganze Etablissement wurde regelmäßig von den Soldaten gestürmt, allerdings ohne das Geschäft jemals unterbrechen zu können und ohne dabei - bis auf die Prügeleien - jemand bei etwas illegalem zu erwischen. Der Rote Elephant war eins der vielen Löcher, in denen offensichtlich kriminelle Dinge abliefen, allerdings ohne jemals ans Licht geholt zu werden.
      Als Anthea durch die Gasse auf die Taverne zuschlenderte, zu beiden Seiten der Straße bereits dunkle Gestalten, die mit obszönen Geräuschen übereinander herfielen, meistens damit beschäftigt sich gegenseitig zu erwürgen, allerdings nur ein Teil davon als Akt ernstlicher körperlicher Gewalt, musste sie bereits die Nase rümpfen. Der Gestank von Pisse, Schweiß und leichtem Blut vermischte sich bereits unangenehm in ihrer Nase und ließ sie sich schmutzig fühlen. Wenn sie schon herkommen musste, wollte sie auch gefälligst etwas davon haben.
      Vor dem Eingang pfiffen ihr ein paar Männer zu und grollten schmutzige Bemerkungen darüber, was sie mit Anthea anstellen könnten. Anthea war von dem Gestank nicht halb so geduldig, um sich darauf einzulassen.
      "Ich schneid euch die Eier ab, wenn ich eure hässliche Visagen sehen muss."
      Sie ging unter dröhnendem Gelächter hinein.
      Berek kam nur kurze Zeit später, als sie sich schon einen Schnaps gegönnt hatte. Der Mann musste auch die Bemerkungen der Männer vor dem Eingang über sich entgehen lassen, aber er ging damit viel eleganter um als sie, wie sie fand. Sie nickte ihm zu und peilte dann gleich die Tür am anderen Ende des Raumes an. Die aufgestellte Wache dort ließ sie wortlos passieren.
      Die Hinterzimmer lagen im Keller, einem kleinen Labyrinth aus Gängen und Räumen, die allerdings fast allesamt offen standen. Der beständige Rauch von zu viel Zigaretten waberte in der Luft um sie herum und in fast jedem Zimmer wurden irgendwelche Drogen herumgereicht oder zum Verkauf ausgestellt. Anthea musste überall hineinsehen, während sie sich ihren Weg durch das Labyrinth bahnte, sich an nackten Leibern vorbei presste, die im Gang ungehemmt ineinander verschlungen waren und sich weitere Beleidigungen einfing, wenn sie eine Tür öffnete, die lieber hätte verschlossen bleiben sollen. Schließlich fand sie ihr Ziel in einem größeren Raum mit einem Billardtisch in der Mitte.
      Ilyos war in jeglicher Hinsicht ein durchschnittlicher, unauffälliger Mann. Er hatte kurze, braune Haare, war glatt rasiert, hatte ein weiches Kinn und runde Augen, denen eine gewisse Wärme inne wohnte. Er war mit etwa 1,80 m zwar groß, aber noch lange nicht groß genug um aufzufallen und er trug eine dunkle, nichtssagende Kleidung. Die meisten seiner Begleiter waren in ihren grobschlächtigen Staturen, den vernarbten Händen und teilweise Gesichtern auffälliger als der eigentliche Vorgesetzte des Raumes. Wenn, dann hätte man Ilyos für einen älteren Dienstknecht halten können.
      Er stand an der Wand gelehnt, einen Joint zwischen den Lippen, die Arme vor der Brust verschränkt und beobachtete das Spiel. Seine Augen blickten bereits müde drein, schienen entweder vor Erschöpfung oder von der Droge jeden Augenblick zufallen zu können, aber Anthea hatte ihn noch nie in ihrem Leben high erlebt. Der Tag, an dem Ilyos die Kontrolle über seinen Körper verlieren würde, war vermutlich der Tag, an dem er starb.
      Sie schlenderte auf ihn zu, wich einem seiner Burschen aus, der - betrunken wie er war - mit seinem Gleichgewicht kämpfte und stellte sich schließlich zu ihm. Ilyos schien sie erst im letzten Moment zu bemerken, sagte aber nichts, musterte sie nur einmal und sah dann zu ihrer Begleitung hinüber. Sein Blick wirkte durchscheinend, als könne er seine Augen nicht richtig fokussieren.
      "Hallo."
      Er gab einen knappen Brummton von sich. Beim Tisch zog gerade einer sein Messer hervor und fuchtelte damit durch die Luft, um seine ausgesprochene Drohung zu unterstreichen. Das Spiel war bereits fortgeschritten und keiner der Anwesenden mit seinem Verlauf sehr glücklich.
      "Was willst du?", kam schließlich die unausweichliche Frage, während Ilyos der Rauch aus der Nase drang. Seine Worte waren äußerst klar und deutlich formuliert und zeugten davon, dass er kein bisschen high sein konnte, wie sein schwammiger Blick zu vermuten gelassen hätte.
      "Ich will dir meinen neuen Informanten vorstellen. Ist ein guter Mann, billig und hat Erfahrung."
      Sie deutete auf Berek in der Aufforderung, dass er sich selbst vorstellte.
    • Berek lauschte weiterhin den Worten dieser sonderbaren Frau und rauchte dabei entspannt weiter. Nur sein stechender Blick lies vermuten dass es in ihm bereits am rattern war. Hin und wieder spuckte er kurz etwas des billigen Tabaks zur Seite weg, welches sich gerne mal auf die Zunge legte, nachdem man an der Zigarette zog.
      "Hinterzimmer von Tavernen hm?"
      Sprach er ohne dabei abwertend zu klingen. Eher als würde er es sich in diesem Moment notieren, was allerdings nicht der Wahrheit entsprach. Es war in vollem Maße abwertend. Er kam sich vor als müsse er sich mit Kindern schlagen um wieder an Macht zu kommen. Was für eine Demütigung... Aber vielleicht war hinter alle dem ja doch die Chance an Informationen zu kommen die keiner freiwillig Preis gab. Zumindest wirkte die Frau Feuer und Flamme all dem auf den Grund zu gehen. Blieb nur zu hoffen dass sie den Aufwand auch Wert war.
      "Kontakt zu mir? Das ist nicht schwer."
      Nach ihrer Frage, wie sie Berek kontaktieren könne, hob er seine Hand und formte zwei Handzeichen, eins nach dem Anderen. Immer zeigte er 3 Finger, nur stehts mit Anderen.
      "Präg dir das ein und zeig es irgendeiner der Wachen im Südbezirk. Es geht schneller wenn du es einer zweier Patrouille zeigst. Einer von denen wird sich dann auf den Weg zu mir machen."
      Als Anthea dann noch klar stellte, dass sich Berek aus allem raus halten solle, sobald sich irgendetwas tat, wedelte er mit der Hand ab
      "Ja ja. Macht dir mal keinen Kopf. Das ist dein Ding. Ich hab keine Lust mir die Hände schmutzig zu machen. Abgesehen davon kann ich viel mehr aus der Ferne erfahren."
      Dann klopfte er mit den Fingerknöcheln zwei mal auf den Tisch.
      "Also dann. Handzeichen, Wachen, Südtor. Man sieht sich"
      Brach er nun abrupt ab und warf sich wieder die Kapuze über ehe er nach draußen ging, wo sich ihm die andere Person wieder anschloss ehe beide in der Menge verschwanden.


      Am nächsten Tag erhielt Berek wie erwartet eine Mitteilung einer Wache. Er bekam einen Ort mitgeteilt, den er nur ungerne aufsuchen wollte aber was hatte er schon erwartet. Anthea sprach von Hinterzimmern und schäbigen Tavernen, da war es kein Wunder dass es ausgerechnet diese sein würde. Aber es gab einen Anlass zur Freude. Wenn in dieser Stadt alle so offensichtlich und grob versuchten sich versteckt zu halten, würde er sein Netz schneller ausbreiten können als vermutet. Es würde ihn nicht mal mehr wundern, wenn er diesen Ilyos bereits kannte.
      Aber es war keine Zeit lange zu sinnieren. Berek zog los und traf auch nach einer knappen halben Stunde in einer der ekelhaftesten Gassen an, die er je betreten musste. Schnell sah er schon die seltsame Frau, welche eine Pöbelei mit Drohungen ab tat. Damit fiel sie hier wohl tatsächlich kaum auf. Dieser Ort schrie beinahe nach Mord und Vergewaltigung. Ganz zu Schweigen von dessen Geruch.
      Zwar wollte sich Berek am liebsten ein Tuch über die Nase halten, doch fürchtete er nicht genügend Lagen dabei zu haben um einen solchen Geruch filtern zu können. Obendrein hätte er sich damit nur ungewollte Aufmerksamkeit eingehandelt, was er ohnehin schon genug mit seinem Outfit tat.
      Bei diesem Treffen, welches verborgen genug war, kam er in seinem üblichen adretten Anzug und Degen, samt seinem spitzen Jagdhut welcher von einer Feder verziert wurde.
      Auch er konnte sich dem pöbelnden Mob nicht erwähren. Sie drohten ihm mit Raub, Mord und der Vergewaltigung seiner Kinder, wenn er ihnen nicht sein Gold geben würde. Doch alles was Berek im vorbei gehen erwiederte war ein herausforderndes Lächeln samt stechendem Blick, als wolle er sie dazu auffordern es nur zu versuchen.
      Beinahe war es etwas schade, dass die Männer sich nicht wagten, doch war er ohnehin nicht hier um Blut zu vergießen.
      "Wir können"
      Meinte er beiläufig ehe er Anthea folgte.
      Ein beschwerlicher Weg folgte, vorbei an rumhurenden Pennern und Säufern. Anblicke die Berek unweigerlich an Lodoz und Elraya erinnerten. Gedanken die er nicht unbedingt in seinem Kopf haben wollte.
      Irgendwann kamen sie aber an. Tatsächlich hatte Berek diesen Kerl noch nie gesehen, welcher wohl dieser Ilyos sein sollte. War der wirklich high oder spielte er das nur? Vollkommen egal. Wenn das wirklich dieser Ilyos war, war es nun die Zeit für Eindruck zu sorgen.
      Berek ging auf diesen zu und baute sich vor ihm auf.
      "Okay hör zu. Mein Name ist Berek. Aus Shegar. Vergiss die Frau da. Ich hab sie genutzt um an dich ran zu kommen. Es heißt du hast die Hände in ein paar schmutzigen Geschäften die über dem Üblichen hinaus gehen. Die Rede ist von nem Einauge und noch so manch anderen."
      Berek legte ein forderndes Grinsen auf, als würde sich ein Sturm anbahnen, ehe er ein Säckchen hervor holte und es dem beeindruckend schlichten Mann in die Hand drückte.
      "Ich wäre sehr erpicht darauf ein paar Informationen zu bekommen. Gib sie mir und ich garantiere für deinen Schutz"
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