Unversehens dem vermeintlichen Boss gegenüber zu stehen, brachte nun auch Elraya ein bisschen ins Schwitzen. Berek war als ihr letzter Boss schon eine Nummer für sich gewesen, bei der man manchmal aufpassen musste dass man nicht falsch atmete, aber mit diesem Kerl von einem wandelnden Umhang hatte sie nicht die leiseste Ahnung, wie sie sich verhalten sollte.
Also tat sie das, was bei allen Männern Türen öffnen konnte: Sie zupfte an ihrem Hemd herum und stellte den feuchten Ausschnitt ihrer Brust zur Schau.
"Ja, also, das war eigentlich richtiges Pech. Wir haben auf die Ablenkung gewartet, so wie ausgemacht, und als sie dann aber da war, haben wir uns auch gleich auf den Weg gemacht, nur war der Kerl doch noch bewacht!"
Sie dachte an Jarku, sicherlich war er den Männern irgendwie über den Weg gelaufen.
"Wir mussten dann also ihn erst umlegen, was eeecht viel Zeit gekostet hat, bis wir ihn dann überhaupt erst verfrachten konnten und dann auch noch das ganze Chaos auf den Straßen! Wie will da einer vernünftig mit dem Wagen durchkommen? In Soldaten sind wir dann auch noch gefahren und wir haben kein Aufsehen erregt - wirklich nicht! - aber die wollten halt wissen, wo wir lang wollen und was wir dabei haben und da hat Arkil sie erst davon überzeugen müssen, dass wir nur unser Hab und Gut retten wollen. Und dann ist der Kerl auf dem Boot noch aufgewacht! Das war vielleicht ein Gemetzel, sag ich euch."
Zu ihrem Glück meldete sich Aradan in diesem exakten Zeitpunkt und bekräftigte ihre Aussage mit einem - wie Elraya zugeben musste - äußerst bedürftigen Schauspiel. Aber sie spielte mit. Lügen war für sie schließlich nie ein richtiges Problem gewesen.
"Uh-huh. Hab' ihn umgenietet, als er nicht aufgepasst hat. Niemand legt sich mit mir an. Da war's aber halt für die anderen zu spät."
Sie plusterte sich vor falschem Stolz, der gar nicht mal so weit hergeholt war, auf und zeigte den Männern ihr bestes Grinsen. Das schien sie nun endlich von der Geschichte zu überzeugen, denn sie widmeten sich gleich darauf Aradan, den sie recht schnell und effektiv überwältigten. Elraya sah mit einem gewissen Interesse zu, das auch nicht sehr weit hergeholt war - die Fesseln sahen schon interessant aus. Vielleicht könnte sie sie ja auch nutzen? Sie wirkten jedenfalls, als könnten sie gut standhalten.
Um Aradan selbst sorgte sie sich weniger, nachdem es schließlich sein Plan gewesen war. Abgesehen davon konnte er sich ja jederzeit wieder an diesen anderen Ort begeben, von dem her war es wohl nur eine Unannehmlichkeit für ihn.
Nachdem Aradan erledigt war, wandte der Mann sich wieder Elraya zu, die ihm noch immer ihre Brust präsentierte. Sie bestätigte seine Frage mit einem Nicken.
"Uh-huh. War nicht einfach, aber ich hab schon schlimmeres erlebt."
In der kurzen Pause, die danach entstand, war sie beinahe der festen Überzeugung, etwas falsches gesagt zu haben, als er sie doch unschuldig nach ihrem Namen fragte - und ihr etwas von einer Belohnung erzählte. Da wurde sie gleich ganz hellhörig, ganz lebhaft wie unmittelbar wachgerüttelt und weitete die Augen vor wachsender Vorfreude. Eine Belohnung. Natürlich würde sie nicht nein zu einer Belohnung sagen.
"Das will ich auch hoffen! Ich heiße El - ähh - Pria. El Pria. Ist ein Spitzname, so wie El... Aradan. Sie - Ihr wisst schon. Ist was ausländisches."
Sie grinste breiter und trat einen Schritt auf ihn zu.
"Soll ich helfen bei der Fracht? Ich könnte gleich mit in die Stadt fahren. Auf ihn aufpassen und so. Ich hab' ihn einmal überwältigt, ich könnt's wieder schaffen."
Währenddessen...
General Szeth Peamut der III. war in den Ruhestand versetzt worden.
Natürlich gab es im Militär so etwas wie einen Ruhestand nicht. Mit dem Eintritt verpflichtete man sich, seinem Land bis ans Ende seiner Tage zu dienen oder alternativ, bis man körperlich - oder auch geistig - nicht mehr fit genug war, um seinen Dienst auszuführen. In diesem Fall wurde man aber in der Regel auch nicht einfach so entlassen, sondern lediglich in den Ruhestand versetzt, so wie es bei General Peamut der Fall war.
Er war mit seinen Anfang 60 alt genug, um nicht nur an Altersschwäche zu sterben, sondern auch noch wie seine Vorgänger in die Politik einzutreten, etwa als Botschafter, Diplomat, vielleicht sogar Dolmetscher, was auch immer gebraucht werden sollte. Aber dann würde er auch seinen Stand als General verlieren und obwohl er in seinem langen Leben genügend Abzeichen gesammelt hatte, um damit eine ganze Wand zu schmücken, war ihm doch der Titel das wichtigste aller Abzeichen. General Peamut. Botschafter Peamut hörte sich wie der alte, verkommene Mann an, der er nicht sein wollte.
Dementsprechend beschränkten sich seine Tätigkeiten allerdings nur noch auf das, was bei ihm auf dem Schreibtisch landete. Er hatte seine Hände überall im Spiel, ein bisschen bei den Finanzen, ein bisschen bei der Rekrutierung, ein bisschen bei der militärischen Aufstellung, aber er war eben nicht mehr persönlich vor Ort. Mittlerweile gab es irgendeinen Oberoffizier, der in seinem Namen herumritt und nach dem Rechten sah. Der Oberoffizier war Mitte 30 und würde vermutlich eines Tages seinen Platz einnehmen, so wie er es auch bei seinem Vorgänger getan hatte. Der Kreislauf ging weiter und er war darin nur noch eine letzte Schraube, die es auszuwechseln galt, weil sie langsam anfing zu rosten.
Es klopfte an die Tür und er lehnte sich in seinem hochaufragendem Sessel zurück. Er war vor drei Jahren in den Ruhestand eingekehrt, hatte sich allerdings noch immer nicht daran gewöhnt, den ganzen Tag nur zu sitzen. Wenigstens hatte ihm sein Arzt noch nicht verboten, den Trainingsplatz aufzusuchen.
"Herein."
Die Tür öffnete sich, der Bote trat ein, nahm Haltung an und salutierte. Er war vielleicht Anfang 20. Heutzutage wurden alle Soldaten immer jünger.
"Ja?"
"Der Bericht, mein Herr."
General Peamut blinzelte. Er konnte sich an keinen Bericht erinnern.
"... Von Shegar, mein Herr. Offizier Vielz kündigte bereits an, dass er Euch interessieren könnte."
Ach, die Sache von vor ein paar Tagen, irgendein gewöhnlicher Dienstbericht. Er hatte es schon wieder völlig verdrängt. Normalerweise kümmerten sich Offiziere um sowas.
"Gib mir die Kurzfassung."
Der Mann nickte. Alle Boten hatten ein ganz herausragendes Gedächtnis, um alle Einzelheiten wiedergeben zu können.
"Es handelte sich bei der Patrouille um das Aufspüren einer Banditengruppe, die an die Rüstungen von Soldaten gelangt waren und sich als solche ausgaben. Zum Zeitpunkt des Berichts war dieser Vorfall noch unaufgeklärt, mittlerweile sind sie gefunden worden, soweit ich es weiß. Die Patrouille umfasste fünf Köpfe.
Sie haben auf dem Weg unter anderem Kontakt mit einer Zivilistengruppe gehabt, welche Kavalleristin Elquin - eine der Soldaten - gekannt hatte, zumindest ein paar von ihnen. Es waren insgesamt sieben, darunter Kinder. Die Patrouille bot ihnen für zwei Tage Geleitschutz und ist dann weiter ins Landesinnere vorgedrungen.
Von den Zivilisten gibt es eine Person, deren Beschreibung Offizier Vielz bekannt vorkam. Er hat weißes Haar, auffallend blaue Augen und ist etwa Ende 20. Eine nähere Befragung hat ergeben, dass besagter Mann Aradan Elric heißt und aus Melora stammt. Offizier Vielz bittet um Aufklärung darüber, ob diese Entdeckung relevant sein könnte."
General Peamut runzelte die Stirn.
"Elric? Ist doch derselbe Name wie von unserem meloranischen Schmied, oder nicht? Aber der hat keine Kinder."
"Kavalleristin Elquin ist der festen Überzeugung, dass es sich um Aradan Elric handelt, einem Mann aus Melora. Vielz glaubt, dass es sich dabei um Aradan Melora handeln könnte."
Der Bote musste nicht extra erläutern, um wen es sich bei Aradan Melora handelte. Der Waisenjunge, den sie vor fast zwanzig Jahren aus Melora mitgenommen hatten und der später in der Stadt verschwunden war, war kurzerhand auf Melora getauft worden. Derselbe Junge, der womöglich eine Verbindung zu Quin darstellen konnte, dem Mitglied das Wolfstruppe, von dem es hieß, dass er in Melora einen Schüler angenommen haben sollte. Er war die heißeste Spur zur Truppe und trotzdem war diese Spur so kalt, dass man sie kaum als eine solche bezeichnen konnte.
Aber womöglich gab es jetzt einen neuen Hinweis.
"Weiß man, wohin sie gezogen sind?"
"Nach Arasis. Es gibt eine Verwandte in der Gruppe, die die gleichsame Mutter besuchen möchte. Ein paar Nachforschungen haben ergeben, dass es sich um eine ehemalige Soldatin handelt, die vor zwölf Jahren desertiert ist. Das Kopfgeld steht noch aus."
"Gibt es eine Zeichnung von ihr?"
"Sicherlich."
"Dann will ich, dass das Kopfgeld wieder eingesetzt wird, wenn das unsere Chance erhöht, den Mann zu finden. Ich will ihn sprechen, auf die eine oder andere Weise."
"Soll ich einen Haftbefehl ausführen lassen?"
"Noch nicht, nur, falls er sich weigern sollte. Er könnte meine erste Spur seit 15 Jahren auf diese vermaledeite Truppe sein, ich brauche ihn unbedingt - lebendig, bloß nicht tot!"
"Verstanden, mein Herr."
Damit verabschiedete der Bote sich und ließ den gealterten General alleine, in dem sich die winzige Hoffnung entfachte, doch wieder für einen letzten Dienst seinen Ruhestand verlassen zu können.
Also tat sie das, was bei allen Männern Türen öffnen konnte: Sie zupfte an ihrem Hemd herum und stellte den feuchten Ausschnitt ihrer Brust zur Schau.
"Ja, also, das war eigentlich richtiges Pech. Wir haben auf die Ablenkung gewartet, so wie ausgemacht, und als sie dann aber da war, haben wir uns auch gleich auf den Weg gemacht, nur war der Kerl doch noch bewacht!"
Sie dachte an Jarku, sicherlich war er den Männern irgendwie über den Weg gelaufen.
"Wir mussten dann also ihn erst umlegen, was eeecht viel Zeit gekostet hat, bis wir ihn dann überhaupt erst verfrachten konnten und dann auch noch das ganze Chaos auf den Straßen! Wie will da einer vernünftig mit dem Wagen durchkommen? In Soldaten sind wir dann auch noch gefahren und wir haben kein Aufsehen erregt - wirklich nicht! - aber die wollten halt wissen, wo wir lang wollen und was wir dabei haben und da hat Arkil sie erst davon überzeugen müssen, dass wir nur unser Hab und Gut retten wollen. Und dann ist der Kerl auf dem Boot noch aufgewacht! Das war vielleicht ein Gemetzel, sag ich euch."
Zu ihrem Glück meldete sich Aradan in diesem exakten Zeitpunkt und bekräftigte ihre Aussage mit einem - wie Elraya zugeben musste - äußerst bedürftigen Schauspiel. Aber sie spielte mit. Lügen war für sie schließlich nie ein richtiges Problem gewesen.
"Uh-huh. Hab' ihn umgenietet, als er nicht aufgepasst hat. Niemand legt sich mit mir an. Da war's aber halt für die anderen zu spät."
Sie plusterte sich vor falschem Stolz, der gar nicht mal so weit hergeholt war, auf und zeigte den Männern ihr bestes Grinsen. Das schien sie nun endlich von der Geschichte zu überzeugen, denn sie widmeten sich gleich darauf Aradan, den sie recht schnell und effektiv überwältigten. Elraya sah mit einem gewissen Interesse zu, das auch nicht sehr weit hergeholt war - die Fesseln sahen schon interessant aus. Vielleicht könnte sie sie ja auch nutzen? Sie wirkten jedenfalls, als könnten sie gut standhalten.
Um Aradan selbst sorgte sie sich weniger, nachdem es schließlich sein Plan gewesen war. Abgesehen davon konnte er sich ja jederzeit wieder an diesen anderen Ort begeben, von dem her war es wohl nur eine Unannehmlichkeit für ihn.
Nachdem Aradan erledigt war, wandte der Mann sich wieder Elraya zu, die ihm noch immer ihre Brust präsentierte. Sie bestätigte seine Frage mit einem Nicken.
"Uh-huh. War nicht einfach, aber ich hab schon schlimmeres erlebt."
In der kurzen Pause, die danach entstand, war sie beinahe der festen Überzeugung, etwas falsches gesagt zu haben, als er sie doch unschuldig nach ihrem Namen fragte - und ihr etwas von einer Belohnung erzählte. Da wurde sie gleich ganz hellhörig, ganz lebhaft wie unmittelbar wachgerüttelt und weitete die Augen vor wachsender Vorfreude. Eine Belohnung. Natürlich würde sie nicht nein zu einer Belohnung sagen.
"Das will ich auch hoffen! Ich heiße El - ähh - Pria. El Pria. Ist ein Spitzname, so wie El... Aradan. Sie - Ihr wisst schon. Ist was ausländisches."
Sie grinste breiter und trat einen Schritt auf ihn zu.
"Soll ich helfen bei der Fracht? Ich könnte gleich mit in die Stadt fahren. Auf ihn aufpassen und so. Ich hab' ihn einmal überwältigt, ich könnt's wieder schaffen."
Währenddessen...
General Szeth Peamut der III. war in den Ruhestand versetzt worden.
Natürlich gab es im Militär so etwas wie einen Ruhestand nicht. Mit dem Eintritt verpflichtete man sich, seinem Land bis ans Ende seiner Tage zu dienen oder alternativ, bis man körperlich - oder auch geistig - nicht mehr fit genug war, um seinen Dienst auszuführen. In diesem Fall wurde man aber in der Regel auch nicht einfach so entlassen, sondern lediglich in den Ruhestand versetzt, so wie es bei General Peamut der Fall war.
Er war mit seinen Anfang 60 alt genug, um nicht nur an Altersschwäche zu sterben, sondern auch noch wie seine Vorgänger in die Politik einzutreten, etwa als Botschafter, Diplomat, vielleicht sogar Dolmetscher, was auch immer gebraucht werden sollte. Aber dann würde er auch seinen Stand als General verlieren und obwohl er in seinem langen Leben genügend Abzeichen gesammelt hatte, um damit eine ganze Wand zu schmücken, war ihm doch der Titel das wichtigste aller Abzeichen. General Peamut. Botschafter Peamut hörte sich wie der alte, verkommene Mann an, der er nicht sein wollte.
Dementsprechend beschränkten sich seine Tätigkeiten allerdings nur noch auf das, was bei ihm auf dem Schreibtisch landete. Er hatte seine Hände überall im Spiel, ein bisschen bei den Finanzen, ein bisschen bei der Rekrutierung, ein bisschen bei der militärischen Aufstellung, aber er war eben nicht mehr persönlich vor Ort. Mittlerweile gab es irgendeinen Oberoffizier, der in seinem Namen herumritt und nach dem Rechten sah. Der Oberoffizier war Mitte 30 und würde vermutlich eines Tages seinen Platz einnehmen, so wie er es auch bei seinem Vorgänger getan hatte. Der Kreislauf ging weiter und er war darin nur noch eine letzte Schraube, die es auszuwechseln galt, weil sie langsam anfing zu rosten.
Es klopfte an die Tür und er lehnte sich in seinem hochaufragendem Sessel zurück. Er war vor drei Jahren in den Ruhestand eingekehrt, hatte sich allerdings noch immer nicht daran gewöhnt, den ganzen Tag nur zu sitzen. Wenigstens hatte ihm sein Arzt noch nicht verboten, den Trainingsplatz aufzusuchen.
"Herein."
Die Tür öffnete sich, der Bote trat ein, nahm Haltung an und salutierte. Er war vielleicht Anfang 20. Heutzutage wurden alle Soldaten immer jünger.
"Ja?"
"Der Bericht, mein Herr."
General Peamut blinzelte. Er konnte sich an keinen Bericht erinnern.
"... Von Shegar, mein Herr. Offizier Vielz kündigte bereits an, dass er Euch interessieren könnte."
Ach, die Sache von vor ein paar Tagen, irgendein gewöhnlicher Dienstbericht. Er hatte es schon wieder völlig verdrängt. Normalerweise kümmerten sich Offiziere um sowas.
"Gib mir die Kurzfassung."
Der Mann nickte. Alle Boten hatten ein ganz herausragendes Gedächtnis, um alle Einzelheiten wiedergeben zu können.
"Es handelte sich bei der Patrouille um das Aufspüren einer Banditengruppe, die an die Rüstungen von Soldaten gelangt waren und sich als solche ausgaben. Zum Zeitpunkt des Berichts war dieser Vorfall noch unaufgeklärt, mittlerweile sind sie gefunden worden, soweit ich es weiß. Die Patrouille umfasste fünf Köpfe.
Sie haben auf dem Weg unter anderem Kontakt mit einer Zivilistengruppe gehabt, welche Kavalleristin Elquin - eine der Soldaten - gekannt hatte, zumindest ein paar von ihnen. Es waren insgesamt sieben, darunter Kinder. Die Patrouille bot ihnen für zwei Tage Geleitschutz und ist dann weiter ins Landesinnere vorgedrungen.
Von den Zivilisten gibt es eine Person, deren Beschreibung Offizier Vielz bekannt vorkam. Er hat weißes Haar, auffallend blaue Augen und ist etwa Ende 20. Eine nähere Befragung hat ergeben, dass besagter Mann Aradan Elric heißt und aus Melora stammt. Offizier Vielz bittet um Aufklärung darüber, ob diese Entdeckung relevant sein könnte."
General Peamut runzelte die Stirn.
"Elric? Ist doch derselbe Name wie von unserem meloranischen Schmied, oder nicht? Aber der hat keine Kinder."
"Kavalleristin Elquin ist der festen Überzeugung, dass es sich um Aradan Elric handelt, einem Mann aus Melora. Vielz glaubt, dass es sich dabei um Aradan Melora handeln könnte."
Der Bote musste nicht extra erläutern, um wen es sich bei Aradan Melora handelte. Der Waisenjunge, den sie vor fast zwanzig Jahren aus Melora mitgenommen hatten und der später in der Stadt verschwunden war, war kurzerhand auf Melora getauft worden. Derselbe Junge, der womöglich eine Verbindung zu Quin darstellen konnte, dem Mitglied das Wolfstruppe, von dem es hieß, dass er in Melora einen Schüler angenommen haben sollte. Er war die heißeste Spur zur Truppe und trotzdem war diese Spur so kalt, dass man sie kaum als eine solche bezeichnen konnte.
Aber womöglich gab es jetzt einen neuen Hinweis.
"Weiß man, wohin sie gezogen sind?"
"Nach Arasis. Es gibt eine Verwandte in der Gruppe, die die gleichsame Mutter besuchen möchte. Ein paar Nachforschungen haben ergeben, dass es sich um eine ehemalige Soldatin handelt, die vor zwölf Jahren desertiert ist. Das Kopfgeld steht noch aus."
"Gibt es eine Zeichnung von ihr?"
"Sicherlich."
"Dann will ich, dass das Kopfgeld wieder eingesetzt wird, wenn das unsere Chance erhöht, den Mann zu finden. Ich will ihn sprechen, auf die eine oder andere Weise."
"Soll ich einen Haftbefehl ausführen lassen?"
"Noch nicht, nur, falls er sich weigern sollte. Er könnte meine erste Spur seit 15 Jahren auf diese vermaledeite Truppe sein, ich brauche ihn unbedingt - lebendig, bloß nicht tot!"
"Verstanden, mein Herr."
Damit verabschiedete der Bote sich und ließ den gealterten General alleine, in dem sich die winzige Hoffnung entfachte, doch wieder für einen letzten Dienst seinen Ruhestand verlassen zu können.


