[2er RPG] The Curse of Time {TobiMcCloud & Codren}

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    • Jetzt doch mit einer Antwort darauf, was wirklich geschehen war - wenn auch eine sehr eigentümliche Antwort - juckte es Renera in den Fingern, die Stadt auf den Kopf zu stellen, bei der Suche nach den Verantwortlichen. Zwar wusste sie nicht, was sie hätte anstellen wollen, wenn sie sie gefunden hätte, aber sie könnte ihnen wohl Valterri auf den Hals hetzen.
      Nur Elrayas Aufenthalt war allen unbekannt, wobei sie das am wenigsten störte. Die rothaarige hatte wahrscheinlich die Lage ausgenutzt und einen Raubzug gestartet.
      "Wir müssen ihn finden. Aradan hat versucht uns zu warnen, oder nicht? Vielleicht ja genau davor. Er ist bei Bewusstsein und er braucht unsere Hilfe."
      Sie sah voller Tatendrang auf die kleine Gruppe um sie herum, auf Valterri mit der riesigen Brandwunde am Rücken, auf die bewusstlose Fijena in seinem Arm, auf die beiden sicherlich traumatisierten Zwillinge, auf die schockierte Edea, die Valterri noch immer anstarrte, als könne er sie gleich fressen. Renera zögerte.
      "... Zuerst lassen wir uns versorgen, dann werden wir ihn finden."
      Edea sah bei den Worten sichtlich protestierend auf, schien dann aber zu entscheiden ihrer bis dahin unbekannten Halbschwester zu vertrauen, anstatt sich in einer ins Chaos gestürzte Stadt zurecht finden zu müssen.

      Das kleine Boot verließ den Hafen und sämtliche Anzeichen von Zivilisation. Der Fahrer mühte sich mit den Paddeln ab, während im Bootsinneren gedämpfte Stimmen darüber debattierten, ob sie jemand gesehen hatte, ob sie schon riskieren wollten ihn aufzuwecken, ob es normal war, dass er wie tot wirkte. Elraya, deren Arme bereits brannten und deren Beine sie durch das eiskalte Wasser nicht mehr spüren konnte, verfluchte sich innerlich für dieses Manöver, schwor sich dafür ausreichend Entschädigung zu verlangen und zog sich vorsichtig über den Rand, bemüht darum, kein Geräusch zu machen. Sie robbte über den Rand, ließ sich ins Boot fallen und sah dann aufmerksam zur Kajüte, deren Tür noch geschlossen war. Der Fahrer war von dem kleinen Holzgebilde verdeckt und hatte sie nicht bemerkt.
      Sie zog ihren Dolch hervor, der ganz nass geworden war - sie würde aufpassen müssen, dass er nicht rostete - und kauerte sich in den Schatten des Bootsrandes. Sie hatte etwa eine Chance, schätzte sie: Sobald jemand herauskam, würde sie ihn niederstrecken, bevor er sie erblickt hatte. Danach würde sie sich irgendwie um die anderen beiden kümmern müssen, aber das bekam sie sicherlich irgendwie hin. Ein bisschen fand sie es trotzdem schade, keinen Plan bereit zu haben.

      Im Bootsinneren war die Debatte bereits wieder abgeflaut. Der Mann mit der schiefen Nase und der Lockenpracht auf dem Kopf verschränkte die Arme und wippte auf seinem Fußballen vor und zurück. Sein Blick war auf den pflegeleichten Gefangenen gerichtet, der mehr wie ein Toter aussah.
      "So gefährlich sieht er nichtmal aus", kommentierte er, wobei die Lücke zwischen seinen Vorderzähnen deutlich sichtbar wurde. Wenn es so etwas wie einen Meister im Pfeifen gab, war er es.
      "Vielleicht sogar ein bisschen krank. Fass ihn nochmal an, ich will sehen, was passiert."
      Er richtete seinen Blick auf den anderen Mann.
    • Nach der schnellen Planung Renera's war Valteri erleichtert. Er selbst hätte nicht gewusst wie sie diese Situation am Besten angehen sollten. Auch war er erleichtert wie sehr sich Renera zusammenreißen konnte, immerhin war es klar zu erkennen wie gerne sie wohl sofort Aradan hinterher gelaufen wäre. Zwar ging es ihm damit nicht anders, doch hätte er niemals gewusst wo er anfangen soll zu suchen. Überall liefen Menschen und hinterließen Spuren im Matsch. Ebenso fuhren viele berittene Wagen aus der Stadt hinaus um Güter außerhalb des Feuers zu bringen. Wie hätte man jetzt noch rausfinden sollen wohin Aradan verschleppt wurde.
      Eine Angelegenheit, die wohl noch einiges an Kopfzerbrechen bereiten würde. Doch war Renera's Anweisung nun deutlich wichtiger, also gingen alle gemeinsam in das Krankenhaus, welches noch überraschend viel Platz bot. Es war darauf ausgelegt mehrere Mannschaften behandeln zu können die auf hoher See einen Angriff überstanden hatten oder um mitgebrachte Krankheiten schnell behandeln zu können. Absolut kein Vergleich zu einem Mediziner in Valteri's Dorf oder in Shegar.

      Als sie dort angekommen waren, hörte man viele Leute husten. Allesamt hatten zu viel Rauch abbekommen und wurden mit einem Getränk versorgt was wohl niemanden zu schmecken schien.
      So kam es beim eintreten aber mal wieder zu einer Reaktion, die sich Valteri einfach nicht angewöhnen konnte. Alle Blicke waren auf ihn gerichtet, ja sogar das Husten hörte auf. Beinahe als hätten sie einen Friedhof betreten. Als sich aber alle wieder bewusst wurden, dass es grad schlimmeres gab als einen übergroßen Nordmann zu sehen, ging wieder die hastige Behandlung aller weiter.
      Auch um die Truppe wurde sich schnell gekümmert, auch wenn sich die Gehilfen nicht sicher waren, wie viel Brandsalbe sie für Valteri anmischen mussten.


      Der Transport von Aradan ging derweilen ruhig und wie geplant von statten. Zwar hatte die Kultisten zwei Leute verloren, doch hatten diese ohnehin keinen Rang inne, also würde es auch keine Bestrafung geben, solange sie Aradan wie geplant abliefern würden. Doch das gesabbel des Mannes, der gerne mit dem Kosenamen Lücke aufgezogen wurde, ging dem Mann, der Jarku überrascht hatte so langsam auf die Nerven, also streifte er seine Kapuze ab und stöhnte genervt.
      "Warum soll ich ihn anfassen? Fass ihn selbst an wenn du so neugierig bist. Bisher ist nichts passiert also wird auch nichts passieren. Wir liefern ihn ab, steigen dadurch vermutlich mächtig im Ansehen und damit hat sichs."
      Der Mann, welcher braune, gepflegt wellige Haare hatte und eine auffällige Narbe am Auge aufwies, trat Aradan mit leichter Wucht in die Seite ehe er sich zur ständig vom Wind zu schlagenden Tür des alten Bootes auf machte.
      "Pass weiter auf ihn auf und behalte den Kurs bei. Wenn das tatsächlich dieser verschollene Halbgott sein sollte, würd ich dir raten ihm gehörig eine über zu ziehen, sollte er wach werden. Ich werd draußen Ausschau halten."
      Was eine Lüge war. Er wollte einfach nur nicht in Aradan's Nähe sein und obendrein dem Gerede von Lücke ausweichen.
    • Der Lockenkopf namens Edros schnaubte empört, entflechtete seine Arme und stopfte sich die Hände in die Taschen, während er weiterhin wippte.
      "Ich denk', es wird was passieren. Es muss was passieren. Er ist übermächtig, aber was würd' uns davon abhalten, ihm die Kehle aufzuschlitzen? So einfach könnt's doch nicht sein."
      Er sah neugierig drein, als der andere den weißhaarigen in die Rippen trat, offensichtlich darauf erpicht, etwas passieren zu sehen. Aber es geschah nichts. Nur ein weiterer blauer Fleck an dem Gefangenen. Er runzelte die Stirn.
      "Ja, ja. Willst dich doch eh nur drücken. ... Hey, hast du gehört? Willst dich doch nur drücken!"
      Er starrte ihm nach, als der andere sich nach draußen schob, wurde selbst nervös bei der Aussicht, mit dem Mann alleine zu sein. Was, wenn er doch unvermittelt aufwachte? Darauf wäre er nun wirklich nicht vorbereitet.

      Elraya verstand nichtmal die Hälfte davon, was die Männer von sich gaben. Sie versuchte es auch gar nicht erst, besonders dann nicht, als sie anfingen von Halbgöttern zu reden, als hätten sie extra geplant, mögliche Zuhörer zu verwirren. Lodoz hätte sicherlich gewusst, was zu tun wäre. Elraya saß einfach nur und starrte.
      Einen Moment später schlug die Tür tatsächlich auf und heraus kam eine der hochgewachsenen Gestalten, die ihre Kapuze abgesetzt hatte und auf das Boot hinaus stapfte. Das war nun zum Glück wieder etwas, mit dem Elraya umgehen konnte. Beim Kämpfen musste man nicht über den Sinn irgendwelcher Wörter nachdenken.
      Sie schoss aus ihrem winzigen Versteck hervor, aus dem Schatten spendenden Bootsrand, der gerade tief genug war um sich darunter zu kauern, und rammte den Mann unvermittelt mit dem Kopf in den Bauch. Sie musste einen Schlenker gemacht haben, als sie beide fielen, oder aber sie war auf das Schaukeln des Bootes nicht vorbereitet gewesen, aber ihr Dolch fand sein Ziel nicht ganz, sondern streifte es nur. Ärgerlich zischend zog sie die Waffe zurück und holte ein zweites Mal aus, um den Mann möglichst zu erdolchen, bevor die anderen dazu kommen würden.
    • Endlich dem Geplapper entflohen, atmete der Kultist durch, oder versuchte es zumindest, denn war das grade gar nicht leicht. Der Wind peitschte die Wellen an und so konnte man kaum eine Minute stehen ohne seinen Halt suchen zu müssen. Er hasste es mit einem Boot zu fahren. Schon immer. Warum ausgerechnet er ständig solche Aufträge erledigen musste, war ihm ein Rätsel. Nachdem er nun also seine erlösende Zigarette zum ersten mal der Welle geschuldet verlor, zückte er eine Weitere... welche durch ein weiteres Malheur den Boden küsste. Nur war es dieses Mal ein blinder Passagier. Woher kam dieser so plötzlich?
      Bevor sich der Mann wirklich auf etwas konzentrieren konnte, schnitt ihn auch schon um Haaresbreite ein Dolch an seinem Hals entlang. Beinahe hätte er einem Gott gedankt für die Welle, die wohl grade sein Legen gerettet hatte, dabei hasste er Götter, was er sich schnell wieder bewusst machte ehe er selbst versuchte unter diesen Umständen zu kämpfen.
      Aber verflucht nochmal, wen oder was hatte er da nur vor sich? Nicht nur blickte er auf einen tiefen Ausschnitt, sondern bekam er nicht mal einen sauberen Konter zu Stande. Diese Frau war unglaublich schnell in ihren Bewegungen. Immer wenn er ihre führende Hand greifen wollte, huschte diese kurz vor den Griff hinweg und setzte schon zu einem weiteren Stich an, welchen er nur ganz knapp entweichen konnte.
      Es glich beinahe schon einer eingeübten Choreographie, so lautlos wie alles geschah. Hätte er sich auch nur im geringsten darauf konzentriert nach Hilfe zu rufen, hätte er den Dolch in seinem Hals.

      Und wieder. Eine starke Welle.
      Dieses Mal brachte es beide komplett aus dem Gleichgewicht.
      Elraya landete dabei zuerst auf dem Boden und verlor ihren Dolch durch den harten Aufprall. Der Mann landete genau auf ihrem Körper. Der Krawall sorgte dann endlich zu Gunsten des Kults. Die dritte Person hörte das Klirren der Klinge und auch Edros kam hinaus um zu schauen was das dumpfen Rumpfen aus machte.
      Sie sahen wie Arkil auf einem blinden Passagier lag und offenbar mit diesem Kämpfte. Sofort zückten sie ihre Messer und fixierten die Arme der Frau, wie sie im nachhinein erkannt hatten.
      Arkil stand auf, strich sich seine nassen Haare nach hinten und setzte ein überlegenes Gesicht auf.
      "Keine Panik. Ich hab sie überwältigt. Das war ein Klacks. Bindet ihr die Füße und Hände zusammen. Dann schmeißt sie in die Kajüte zu unserem anderen Gast. Dafür krieg ich sicher ne Beförderung."
    • Elraya versagte kläglich in ihrem Mordversuch, nachdem ihr Ziel schon viel zu lange lebte, um es noch für einen gelungenen Versuch betrachten zu können. Sie war bereits drauf und dran erneut zuzustechen, als die nächste Welle den Boden unter ihren Füßen wegriss und die beiden Körper gezwungenermaßen voneinander trennte. Elraya verlor bei dem nervigen Geschaukel ihren Gleichgewichtssinn und stolperte zu Boden, wo sie sich abfangen wollte, um nicht noch über das Boot geschleudert zu werden. Der Mann fiel nur einen Sekundenbruchteil später und begrub sie unter sich.
      "Ahh! Du Fettsack!", fauchte sie ihn an, bekam ihren Dolch zu fassen und stach nach ihm. Er parierte und in dem aufkommendem Lärm kamen auch die anderen beiden herbei. Soviel dazu, sie der Reihe nach umzubringen.
      Edros nutzte einen abwehrenden Schlag von Arkil aus um ihr das Messer aus der Hand zu treten und das Handgelenk unter seinem Fuß zu fixieren, kurz bevor Arkil das andere ergreifen konnte. Obwohl sie jetzt gänzlich in der Unterzahl war, brachte Elraya noch immer einen ordentlich Aufstand zustande, so wie sie sich gegen beide Männer aufzulehnen versuchte, während sie ihr die Arme verbanden. Fast hätte sie es sogar geschafft, den Lockenkopf dabei zu beißen.
      "Du hast sie überwältigt? Das sah aber anders aus. Lässt du dich heutzutage schon von Frauen vermöbeln? Auch noch von welchen, die wie Kerle aussehen?", fragte er an Arkil gewandt.
      "Ich seh' mehr wie ein Kerl aus als du, Lockenkopf! Was willst du mit diesem Nest auf deinem Kopf erreichen, etwa Eier ausbrüten? Sind dir deine eigenen etwa noch nicht genug, oder was?"
      Edros zischte verärgert, wobei ein geringfügiges Pfeifen zwischen seinen Vorderzähnen hindurch kam. Er verpasste ihr einen Tritt ins Gesicht, der deutlich hörbar ihre Nase brach und ihren Kopf nach hinten warf. Dafür spuckte sie ihn im nächsten Moment mit Blut an.
      "Du bringst sie zu dem anderen, ist doch auch dein Fund!", fauchte er Arkil an, bevor er noch auf die Idee kommen konnte, ihn für seine Zahnlücke aufzuziehen. Dann warf er auch noch einen ärgerlichen Blick auf Elraya, aber die war mit ihrer Nase zu beschäftigt, um sich weitere Beleidigungen auszudenken.
      "Wir nehmen sie mit an Land. Können wir verkaufen oder so."
      Er überließ es Arkil die Passagierin zurück zur Kabine zu schleifen, wo Elraya erst gegen Aradans provisorische Ablage und dann auf den Boden fiel. Sie spuckte erneut Blut in Richtung Arkil aus und einen Moment später war sie alleine, als die Männer sich draußen zu beraten schienen.
      Sie richtete sich ein Stück auf und rutschte zu Aradan hinüber, der noch immer so leblos wie die letzten Tage aussah. Elraya brummte verdrießlich und spuckte nochmal Blut aus.
      "Das war's nichtmal wert. Wie soll ich dich an Land kriegen, hä? Du bist sicher... 100 Kilo schwer oder sowas."
      Sie schnaubte und machte sich daran, ihr Seil an dem Holz abzureiben.
      "So'n Dreck."
    • Draußen diskutierten die drei Kultisten miteinander. Zwar war Arkil einen ganzen Rang über den beiden anderen, doch hatte das kaum etwas zu sagen. Vermutlich war es wohl jedem mit einem hohen Rang vollkommen egal was er zu sagen hatte und dennoch spielte er sich weiter auf als wäre er ein ganz hohes Tier auf dem Boot.
      "Jetzt kommt mal wieder klar. Warum sollen wir die denn verkaufen? Da können wir die uns ja lieber selbst als nen schnellen Spaß nutzen ehe wir sie mit aufgeschnittener Kehle ins Wasser schmeißen!"
      Für einen Augenblick schien er darüber nachzudenken, ehe er den Kopf schüttelte und mit den Händen nun dazu gestikulierte
      "Hört mal. Wir bringen beide mit. Die ist ja wohl ganz offensichtlich aus seiner Truppe. Meint ihr zwei Schwachköpfe wirklich dass wir dafür keinen ordentlichen Bonus bekommen? Sie ist ne waschechte Anhängerin. Nicht mal die eigentlichen Anhänger der Gesegneten wissen von Aradan. Da können wir ganz locker im Rang steigen oder einen Bonus verlangen."

      In der Kajüte selbst, stand die Zeit still.
      Elraya flog auf Aradan, rollte sich ab und spuckte Blut, gar nicht bemerkend, dass sie auf einer prächtigen Wiese hockte und purste Sommerluft durch ihr hindurch glitt. Das Bildnis ihres Kidnappers verblasste zu staub ehe nichts mehr als blühendes Leben um ihr herum zu sehen war. Hinter ihr bot sich eine riesige Kathedrale preis. Ein so prächtiges Bildnis, wie es die Menschheit in 100 Jahren nicht hätte erbauen können. Sogar einer der beiden Torflügel war größer als das Boot auf dem sie eben noch war.

      Doch da tauchte ein Jugendlicher Knabe aus dem Nichts vor ihr auf und rümpfte die Nase, während er die Hände an die Hüften stämte.
      "Hä? Wer bist du denn?"
      Er betrachtete Elraya's Haare und verschränkte seine Arme anschließend, als wäre ihm ein Licht aufgegangen, welches er nicht unbedingt positiv gegenüber gestimmt war.
      "Ah... Du bist doch die, die Aradan an den Sack gepackt hat, nicht wahr? Das erklärt einiges. Ah scheiß drauf. Geh rein."
      Der Jugendliche wies ihr das Tor zur Kathedrale, welche sich daraufhin beide langsam laut knarzend öffneten. Darin waren schon von draußen fulminant riesige Bücherregale zu sehen, doch inmitten der großen Halle war Aradan das Herz des Gebäudes. Er schwebte inmitten all dieses Wissens mit ausgebreiteten Armen, Bücher über Bücher um ihn herum fliegend als würden sie ihn freiwillig mit ihrem Wissen füllen.
    • Edros schüttelte sich eine entkommene Lockensträhne aus dem Gesicht.
      "Bäh. Die sieht doch aus wie ein Junge. Bist du etwa schwul oder was?"
      Arkils folgender Vorschlag war dann allerdings nicht mehr ganz so schlecht und selbst der dritte im Bunde schien dem nicht abgeneigt zu sein.
      "Das könnte stimmen. Zwei Fliegen mit einer Klappe, quasi. Wenn wir von ihr herausquetschen können, wo sich die anderen aufhalten, können wir gleich das ganze Paket übergeben - nicht nur Aradan. Man, das ist super! Meinst du, die werden uns als Belohnung Magie lehren oder sowas? Kannst du dir das vorstellen? Damit könnten wir alles machen, selbst dieses Boot antreiben und sowas!"

      Elraya brauchte einen Moment, bis sie vollends begriffen hatte, dass sie etwas nicht zu begreifen schien.
      "... Hä?"
      Sie sah sich auf der Wiese, auf der sie saß, um. Weiches, trockenes Gras unter ihr, wolkenloser, blauer Himmel über ihr, unberührte Pflanzen und Blumen um sie herum. Wenn sie sich nicht absolut sicher war, dass sie nicht gerade noch bei völliger Dunkelheit durch eiskaltes Wasser geschwommen und ein Boot angegriffen hätte, hätte sie wohl gedacht, dass sie mal wieder zu viel getrunken und sonst wo gelandet war.
      Als sie sich aufrichtete, tauchte ein zweiter aus dem Nichts auf, genauso unerklärlich, wie sie dort gelandet worden war. Sie betrachtete ihn kritisch, er war kaum größer als sie.
      "Hä?! Selber hä! Und wer bist du?"
      Sie kniff die Augen zusammen, höchst misstrauisch darüber, dass der Junge sie zu kennen schien - dass er auch Aradan zu kennen schien. Aradan schlief neben ihr; hatte neben ihr geschlafen. Sie waren auf einem Boot gewesen. Wie zur Hölle waren sie nicht mehr auf einem Boot? Wer war das vor ihr überhaupt?
      Sie drehte sich widerstrebend in die Richtung um, in die der Junge wies und beobachtete mit wachsendem Misstrauen, wie sich die Tore des Gebäudes öffneten - nur um einen geisterhaften Aradan inmitten von Büchern zu enthüllen.
      "HÄ??! Was ist das für ein Scheiß?! Aradan?!"
      Sie wirbelte wieder zu dem Jungen herum und wollte nach ihm greifen, als ihr auffiel, dass ihre Hände gar nicht mehr gefesselt waren, genauso wenig wie ihre Beine. Sie starrte erst auf ihre Gliedmaßen, dann auf ihren ganzen Körper hinab und tastete sich dann ab, als wolle sie sichergehen, dass sie real war.
      "... Hä...? Aber ich war doch...?"
      Sie starrte zu dem Jungen auf, kniff die Augen wieder zusammen als wolle sie sagen "Wage es bloß nicht einen dummen Kommentar von dir zu geben" und drehte sich dann erneut zu dem Gebäude um, bevor sie darauf zulief.
      "Aradan! Was läuft hier für eine Scheiße?! Ich dachte du wärst bewusstlos! Wie bist du hierhergekommen - wie bin ich hierhergekommen?! Wir waren grade noch auf einem Boot! Es war Nacht!"
      Sie blieb auf halbem Weg stehen und blickte verdutzt drein.
      "... Bin ich etwa tot??!!"
    • "Red keinen Stuss" meinte Arkil herablassend als Edros schon wieder anfing in Fantasien zu verfallen.
      "Sowas kann man nicht einfach beigebracht bekommen. Dafür muss man Talent haben. Ein wahrer Nachfahre sein. So ein talentfreier Tropf wie du, wird nicht mal ne Kerze mit Magie anzünden können."
      Leicht schmunzelnd stellte sich Arkil dieses Scenario vor, wie Edros vor einer Kerze rum hampelte und vor Frust mit seiner Zahnlücke herum pfeifte.

      Im Zwielicht musste sich der Junge sofort auf die Lippen beißen. Es war unschwer zu erkennen wie er sein Möglichstes tat um nicht mit einem Lachen begleitet eine Flutwelle an Sprüchen auf Elraya nieder hageln zu lassen. Er hielt sich dabei jedoch nur zurück, weil es einen Grund haben musste warum sie hier war.
      Als Elraya dann die Tore passierte, lockerte sich der Junge wieder etwas und verschränkte neugierig die Arme vor sich um zu beobachten.
      Kaum stellte sprach sie Aradan an, blickte er ruckartig zum Eingang, öffnete die Augen und glitt langsam zu ihr hinunter, als würde die Schwerkraft für ihn keine Rolle spielen.
      Sanft vor ihr auf seine Füße landend, stand er nur so da und lies Elraya ihrer Verwirrung vorerst freien lauf. Erst als sie dem Glauben nahe kam gestorben zu sein, antwortete er
      "Davon bist du weit entfernt." Dann schnippte er mit einem Finger, wodurch all die fliegenden Bücher sich von alleine wieder in die Regale sortierten.
      Um ihr aber ein kleines bisschen auszuhelfen, hielt er seine Hand zur Seite um eine Art Fenster zur Situation außerhalb des Zwielichts zu zeigen. Dort sah man wie er und Elraya auf dem Boden des Bootes lagen und bewusstlos waren.
      "Du bist noch dort. Genau wie ich. Der Ort an dem du dich jetzt grade befindest, ist das Zwielicht. Der Ort von dem die Monster kommen, welche die normale Welt plagen. Aber keine Sorge. Sie werden erst zu Monstern wenn sie die Portale durchqueren. Hier sind es nur Geister die keinen Zugriff auf diesen Bereich haben."
    • "Woher willst du das denn wissen?", kam die bissige Antwort, wobei sich eine zweite Locke aus dem Gewirr auf Edros' Kopf löste, wie eine Schlange der Medusa, die versuchte, ihrem Herrn zu Diensten zu sein. "Abgesehen davon haben wir sicherlich alle irgendwelche magischen Vorfahren. Mein Talent ist also sicher da, es muss nur richtig hervorgeholt werden. Wenn's soweit ist, kann ich dich ja vielleicht daran teilhaben lassen."

      Elraya starrte Aradan mit offenem Mund an, während er sich vor ihr wie ein Gott auf den Boden zubewegte. Wenn er ihr nicht gesagt hätte, dass sie nicht tot war, hätte sie das als Zeichen gesehen, dass sie tatsächlich in irgendeiner Hölle gelandet war, wo es nur Aradan, diesen Jungen und ein Haufen Bücher gab. Quasi das perfekt zugeschnittene Fegefeuer für sie.
      "Hä?"
      Sie folgte seinem zweiten Zaubertrick in den letzten zwei Minuten, bei dem er scheinlichst ihren "wahren" Aufenthaltsort zeigte. Elraya starrte das Bild ihrer beider bewusstlosen Körper eine lange Zeit lang an, konnte aber nicht verstehen, wie sie sich gleichzeitig dort und gleichzeitig in diesem Zwielicht befinden konnte.
      "... Aber ich bin doch hier. Dann kann ich doch nicht dort sein. Und ich kann nicht hier sein, wenn ich da bin. Willst du dich etwa über mich lustig machen, hä?! Verarschst du mich hier, Weißhaar?! Denn wenn das so ist, dann verlass dich nur darauf, dass ich dich eigenhändig untergehen lassen werd', wenn dieses Boot kentert - oder wenn... dieses Haus hier einstürzt! Scheißegal wo du bist, ich werd' dir jedenfalls nicht helfen!"
      Sie verschränkte die Arme vor der Brust und entdeckte den Jungen schräg hinter sich, der die beiden wortlos beobachtete.
      "... Schau nicht so dumm, Junge!"
      Sie wandte sich wieder Aradan zu.
      "Egal, was du hier gemacht hast, oder wo du bist oder... auch sonst was, ich hab' versucht dich zu retten, weil dich irgendwelche vermummte Gestalten weggetragen haben und jetzt bist du ja doch wach, würdest du also die Güte haben zurückzukommen, bevor sich noch alle vor Sorge den Arsch aufreißen? Das geht mir schon mächtig auf den Sack, immer nur "Aradan hier" und "Aradan da", dabei bist du ja gesund und munter und kannst aufhören, allen auf die Eier zu gehen. Jetzt."
    • "Ruhig. Ich weiß wie verwirrend das sein kann. Ich habe deinen Geist von deinem Körper getrennt als du mich berührt hast. Ich kann dich jeder Zeit zurück schicken und du wirst erwachen."
      Der Junge kam nun auch dazu, lehnte sich gegen eines der riesigen Bücherregale und hob den Kopf an um Elraya seinen Unmut schmecken zu lassen
      "Hab mal lieber n bisschen Respekt du Göre! Nicht jeder hat die Ehre hier rein zu dürfen. Und wenn du weiter so rum nörgelst, steck ich dir ne alte Socke ins Maul."
      Aradan schüttelte den Kopf und wandte sich an den Jungen
      "Nein das wirst du nicht. Bleiben wir alle höflich und alles wird gut verlaufen."
      "Zwing mich doch."
      Erwiderte der Junge feist, wissend dass er Aradan noch überlegen war, selbst hier in seiner Kuppel.
      Aradan ging aber nicht darauf ein und wandte sich wieder Elraya zu.
      "Hör zu. Ich weiß nicht was genau draußen los ist aber ich weiß von meiner Entführung. Leider kann ich nicht einfach so aufwachen, also muss ich dich darum bitten auf mich aufzupassen. Jedoch bin ich in der Lage dir aus zu helfen. Du musst es mir nur erlauben."
    • Elraya verstand noch weniger als zuvor. Sie entschloss ich dazu, sich nicht weiter den Kopf darüber zu zerbrechen.
      "... Wie auch immer. Du musst zurückkommen, wo auch immer hin zurück."
      Sie warf dem Jungen einen äußerst garstigen Blick zu, wobei sich ihre Wangen zornig aufplusterten.
      "Nenn du mich nicht Göre, Dreikäsehoch! Ich wollte gar nicht hier sein, Ehre oder nicht! Ich war gerade noch auf einem Boot!"
      Sie ließ sich von Aradan wieder ablenken, der wohl vermeiden wollte, dass die beiden gleich die Krallen ausfahren würden.
      "Auf dich aufpassen? Das sind drei gegen einen - waren drei gegen einen, was weiß ich - wie soll ich das anstellen? Du bist viel zu fett um dich zurück zum Ufer zu ziehen, ich müsste das ganze Boot entern - bin ich etwa ein scheiß Pirat?! Kannst du uns nicht mit deinen", sie wackelte mit den Fingern vor seinem Gesicht, "komischen Kräften zurück ans Land befördern?"
    • Es war bemerkenswert wie schnell Elraya es schaffte für Unmut zu sorgen. Sogar Aradan musste sich eingestehen dass er sich in diesem Moment jeden aus der Truppe mehr gewünscht hätte. Sogar die Zwillinge hätten wohl aufmerksamer zugehört und hätten von Nutzen sein können. So sehr wie Elraya aber grade auf die Tube drückte, würde bald ein Sturm los brechen den Aradan nicht mehr aufhalten könnte, wobei sein Blick auch schon flüchtig zur Seite fiel um zu prüfen wie sehr er nun auf der Hut sein musste.
      "Dreikäsehoch?! Wa...? Hast du das ernsthaft...?" Er blickte zu Aradan, vollkommen entgeistert "Hat die das wirklich gesagt?!"
      "Okay okay, ganz ruhig. Elraya ist etwas temperamentvoll und kennt dich nicht. Damals gab es doch sicher auch immer mal Leute die dich erst nicht kannten und was falsches sagten, nicht wahr?"
      Für einen Moment grummelte der Junge weiter, pustete dann aber verachtend seinen Frust raus und steckte seine Hände in die Taschen.
      "Klar gabs die. Nur halt nicht lang. Wenn man sich als Halbgott Respekt verschaffen will, muss man seine Macht auch hin und wieder mal zeigen. Das solltest du dir auch langsam mal angewöhnen HERR Aradan! Hätteste auch nur halb so viel auf dem Kasten gehabt wie ich als Melora angegriffen wurde, würds heute noch stehen."
      Damit traf er immer einen Nerv bei Aradan und das nutzte er ständig aus.
      "Natürlich. Lass dir endlich mal was neues einfallen.."
      "Warum? Klappt doch jedes mal und es ist die Wahrheit."
      Da hielt sich Aradan die Hand ins Gesicht ehe die Bücherregale anfingen zu beben bis hier und da auch Bücher hinaus fielen. Das Grinsen des Jungen wurde größer, doch riss er dann gespielt die Hände in die Luft.
      "Okayyy okayyy, ist ja schon gut du kleine Mimose. Macht doch was ihr wollt. Ich geh nach draußen. Bis zum nächsten Mal Göre."
      Da schlug er Elraya mit der Flachen Hand auf den Hintern ehe er seine Fähigkeiten einsetzte um sich auf das Dach der Kathedrale zu teleportieren.

      Das sorgte aber wenigstens dafür dass sich Aradan beruhigte.
      "Ich muss mich für ihn entschuldigen. Ich würds dir ja erklären aber..." er wedelte mit der Hand ab
      "Verschieben wir das lieber auf ein anderes mal. Wie dem auch sei. Ich glaube kaum dass du mich zur Zeit zurück bringen kannst. Ich kann spüren dass wir dem Ufer näher kommen und ich glaube kaum dass die Reise dann bereits abgeschlossen ist. viel eher denke ich, dass du dort noch ein paar mehr dieser Leute sehen wirst. Was würdest du dazu sagen, dass du dich als einer von ihnen ausgibst? Ich würde dir einen Temporären Anstieg all deiner Fähigkeiten geben. So solltest du die Leute auf dem Boot wohl mit Leichtigkeit bezwingen."
    • Elraya verstand das Gerede von Halbgöttern noch immer nicht, was sie allerdings sehr gut verstand, war, wenn sich vor ihr ein nervtötender Bursche auftat. Sie strafte ihn mit stechenden Blicken, als er ihr auf den Hintern schlug und sich verabschiedete.
      "Was für ein dummes Kind. Der ist wie alt, 10? Was hast du nur für komische Freunde, Weißhaar?"
      Sie wandte ihre Aufmerksamkeit wieder Aradan zu, wobei sie kaum behaupten konnte, dass sie das, was sie zu verstehen glaubte, gutheißen sollte.
      "Ich soll mich als einen dieser Umhanggestalten ausgeben? Sonst noch Wünsche Mister... Halbgott, oder was auch immer? Das ist hier alles viel zu abgedreht, viel zu verrückt. Ich versteh immer noch nicht wie ich hier und auch nicht hier sein kann und wieso du uns nicht einfach zurück beförderst. Du musst doch dafür nichtmal aufwachen - wobei du ja eh wach bist! Ich versteh's nicht."
      Sie griff sich an den Kopf und schien sich mit der Hand durch die nicht existierenden Haare fahren zu wollen.
      "Das ist ganz und gar abgedreht. Da mach ich nicht mit, uh-uh. Ich werd' jetzt zurückgehen und dann werd' ich..."
      Und wenn sie nun tatsächlich wieder auf dem Boot war? Wie sollte sie überhaupt zurückkommen, etwa laufen? Und wie kam Aradan zurück?
      "... Was hast du nochmal gesagt mit Fähigkeiten? Kann ich sie tatsächlich benutzen, um dieses Boot einzunehmen? Und was dann, soll ich dich etwa am Hafen diesen Umhangtypen überlassen und heimgehen? Ich bin für dich ins Wasser gesprungen, dann werd' ich nicht ohne dich zurückkommen, das ist ja peinlich!"
    • Schnell bemerkte Aradan, dass er Elraya zu viel aufbürden wollte. Sie war grenzenlos überfordert und doch konnte er ihr die ganze Situation nicht leichter erklären. Alles was er tun konnte war ihren Wunsch zu akzeptieren wieder Ruhe zu bekommen.
      "Sein Alter spielt keine Rolle, glaub mir, das ist besser so. Ich kann ihn nur leider nicht zurück halten solche Dinge zu tun wie eben. Ich geb es nur ungern zu aber er verfügt selbst als Geist über mehr Kraft als ich es mir vorstellen kann."
      Bevor sich Aradan aber wieder in zu viele unnötige Gespräche einlassen würde, reagierte er nur auf den Kern von Elraya und das war ganz klar der Wunsch diese ganze Situation endlich hinter sich zu bringen.
      "Ist gut. Du musst dich nicht verkleiden um sie zu infiltrieren. Aber ich fürchte dass du für eine kurze Weile nicht um eine Verkleidung rum kommst. Ich kann meinen Körper derzeit einfach nicht in der normalen Welt erwachen lassen. Aber das ist auch nicht weiter schlimm. Ich werde dafür sorgen dass du die Leute auf dem Schiff bezwingen kannst. Danach musst du dich verkleiden um den Leuten auf der anderen Seite des See's mitzuteilen dass ein Kampf auf dem Boot stattgefunden hat, den nur du überlebt hast. Sag ihnen dass unsere Truppe euch verfolgt hat als ich entführt wurde und dass du einen auf dem Boot besiegen konntest und ins Wasser gestoßen hast. Irgendetwas damit du ihnen egal wirst. Von dem was ich mitbekommen hab, ist dieser Kult Hierarchisch aufgebaut. Solange du ihnen also irgendeine Geschichte aufgetischt hast, die halbwegs Sinn ergibt, dürften sie dich in frieden lassen. Dann kannst du ihnen auch mitteilen, dass du wieder zurück fahren willst. Auch hier kannst du ihnen auftischen was du willst. Ich bin es der ihre Aufmerksamkeit einnehmen wird."
      Während seiner Erklärung, legte Aradan seinen schwarzen glatten, äußerst hochwertig aussehenden Mantel ab, welcher dann während dem Fall zum Boden in unzählig vielen kleinen Partikeln verschwand. Nun in einem engen schwarzen Oberteil und einer schwarzen Hose dort stehend, hockte er sich hin und malte einen ziemlich komplexen Bannkreis auf den Boden, während er fortsetzte
      "Wenn keiner Verdacht hegt und dir die Rückfahrt gestattet, steht dir dein Weg vollkommen frei. Du kannst zur Gruppe zurück oder auch nicht. Doch falls du dich dafür entschließen solltest, erzähle ihnen bitte von meiner Entführung und dass sie sich nicht sorgen brauchen. Ich bin mir sicher dass sie den Rest ohnehin ohne meinen Rat ausarbeiten werden."
      Dann stand er wieder auf, ging ein paar Schritte zurück und stemmte seine Fäuste an seine Hüften. Zufrieden nickend richtete er eine Hand auf den Kreis um Elraya zu bitten hinein zu gehen.
      "Bitte. Sobald du hinein gehst, schließe deine Augen und sobald du sie wieder öffnest, wirst du wieder auf dem Boot sein. Und wenn du dort bist, wird sich dein Körper anders anfühlen. Für genau eine Stunde wirst du dich unbesiegbar fühlen. Deine Reflexe werden so scharf sein, dass es dir ein Kinderspiel sein wird eine Fliege aus der Luft an den Flügeln zu fassen. Deine Kraft würde die Valteri's gleich kommen und deine Haut wird hart genug sein um starke Schläge abzuwehren ohne sie zu bemerken."
      Es war ein kleines Geschenk für ihre tüchtige Hilfe und auch um ihr jeden Weg zu eröffnen den sie selbst gehen wollte. Er hoffte nur dass ihr diese Fähigkeiten nicht zu Kopf steigen werden.
    • Das einzige Anzeichen, dass Elraya zuhörte, waren die Falten auf ihrer Stirn, die sich zusehends bildeten und die zeitgleich auch Beweis dafür waren, wie viel Mühe sie sich dabei gab, Aradans Worten zu folgen. Sie verstand so ungefähr ihren Zweck, konnte sich zumindest ausmalen, was sie glaubte, dass er von ihr verlangte, aber er erläuterte es so deutlich, dass sie Schwierigkeiten hatte, mit der schieren Anzahl an Wörtern mitzukommen. Berek und Lodoz hatten alles immer sehr knapp formuliert, was sie von ihr wollten und dann hatte sie sich daran halten können. Aradan erwartete anscheinend von ihr, dass sie sich an der Planung beteiligte.
      "Äh... ja. Okay. Habe ich ähm... verstanden."
      Sie runzelte noch einmal stärker die Stirn, während sie darüber nachdachte, ob sie versuchen sollte, auch etwas beizutragen, sah dann aber selbst ein, dass das vergebliche Mühe gewesen wäre. Aradan würde sie schon irgendwie korrigieren, wenn sie etwas falsch machen würde - wie auch immer diese Korrektur bei seinem schlafenden - oder nicht schlafenden - Körper aussehen mochte.
      Sie nickte bekräftigend und trat in den Kreis. Zumindest diesen Teil hatte sie zweifellos verstanden.
      "Ich hoffe, das wird 'ne angemessene Entschädigung geben. Ich riskier' hier mein Leben für dich, Weißhaar."
      Dann schloss sie die Augen und wartete darauf, dass seine Kräfte sie ergreifen würden.

      Anstatt eine merkliche Veränderung, hörte sie nur eine Sekunde darauf das Rauschen des Wassers und obwohl sie fest damit gerechnet hatte, irgendeine Veränderung zu spüren, fühlte sie sich kein bisschen anders. Erst, als sie die Augen aufschlug, sah sie, dass sie tatsächlich zurück auf dem Boot war, auf dem Boden lag und die Hände erneut gefesselt hatte. Der kurze, merkwürdige Ausflug war vorbei.
      Sie richtete sich auf und robbte ein Stück zur Wand, um sich mit deren Hilfe auf die Beine kämpfen zu können. Erstaunlicherweise ging das ohne jegliche Mühe, denn ihr ganzes Gewicht schien sich auf das einer Feder reduziert zu haben. Sie sprang auf die Beine und blickte auf Aradan hinab.
      "Du hast 'nen Knall, Weißhaar."
      Sie wartete einen Moment auf seine Reaktion, aber er rührte sich wieder nicht, so wie vorher. Dann war also diese komische Sache von wegen Zwielicht und anderer Körper, oder was auch immer das gewesen war, wahr: Er war wieder so leblos wie ein Toter.
      Sie wandte sich ab und machte sich daran, die Seile zu lösen. Sie konnte sie nach zwei Sekunden durch reine Willenskraft auseinanderreißen.
      "... Was zur verschissenen Hölle?"
      Sie starrte auf ihre befreiten Hände hinab, an denen sie nichtmal die Abdrücke der Seile erkennen konnte, und riss dann auch ihre Fußfesseln auseinander. Es war nicht schwieriger, als Papier zu zerreißen.
      "Huh. Ist ja gar nicht mal so schlecht."
      Sie sah sich um, um diese neu erworbenen Kräfte an etwas anderem auszuprobieren und entschied sich dann dazu, einfach dem Plan zu folgen oder zumindest dem Teil, den sie glaubte verstanden zu haben. Sie riss die Tür auf und trat nach draußen.
      Die Tür knallte mit einem Krachen gegen die Holzwand dahinter, welche das Holz zu Teilen splitterte, und ließ die drei Männer herumwirbeln, die sich auf dem kleinen Deck davor gesammelt und getratscht hatten. Alle drei starrten mit einer gewissen Verblüffung auf die Rothaarige, aber nur Elraya schien wirklich erstaunt über ihr Auftreten.
      "Man, ist ja der Wahnsinn! Seht euch mich an, ich bin ein absolutes Muskelpaket! So wie Valterri aber nicht so riesig."
      Sie breitete die Arme aus, als wolle sie den Männern beweisen, wie stark sie in den letzten Sekunden geworden war, als sich Edros bereits auf sie stürzte. Er bekam ihr Handgelenk zu fassen und wollte sie herumreißen, um ihr die Arme zu verdrehen, als sie sich mit einer einfachen Bewegung von ihm losriss und die geballte Faust in sein Gesicht donnerte. Sie konnte deutlich spüren, wie das Fleisch unter ihren Knöcheln eingedrückt wurde und die filigranen Schädelknochen dahinter zersplitterte, welche kaum einen Widerstand gegen Elrayas rasende Faust boten. Erst zuletzt schnellte Edros' Kopf nach hinten, begleitet von seiner fliegenden Lockenpracht, als Elraya schon fausttief in seinem Gesicht gewesen war. Als er nach hinten fiel, von der Wucht des Schlages angetrieben, war sein Gesicht so weit eingedrückt, dass fast schon ein Loch darin entstanden war.
      Elraya starrte darauf und auf ihre Hand und stieß ein Jauchzen aus.
      "Der Wahnsinn! Das ist ja der absolute Wahnsinn! Ich bin ein Gott! Niemand kann mich aufhalten!"
      Sie stürzte sich auf die anderen beiden Männer, die mit erschütterndem Grauen auf das verunstaltete Gesicht ihres Kameraden starrten und riss sie zu Boden. Dem einen zerquetschte sie den Hals einzig und allein dadurch, dass sie fest genug zudrückte, und dem anderen rammte sie ihren Dolch durch die Brust. Allerdings war sie keineswegs darauf vorbereitet, so wenig Widerstand zu spüren, dass sie dieselbe Klinge auch in den Boden des Schiffs jagte, als sie den Mann durchschnitten hatte. Sie ließ los und zog ihre von Blut verschmierte Hand aus dem Leichnam heraus, der jetzt ein wahrhaftiges Loch in der Brust hatte.
      "Unglaublich! Das war ja einfach, viel zu leicht! Wer will es noch mit mir aufnehmen, hä?! Ich mach euch alle kalt!"
      Sie wirbelte mit ihrem Geschrei herum, aber bis auf den dunklen See und das entfernte Licht des Hafens gab es natürlich niemanden mehr. Dabei hatte Aradan ihr eine ganze Stunde versprochen.
      Sie starrte auf den Hafen, bevor sie die Männer mit nur einer Hand über den Bootsrand zog und ins Wasser platschen ließ. Dann ging sie zum vorderen Teil des Bootes, ergriff die beiden Paddel und begann, mit einer gewissen Kraftaufwendung zu paddeln. Sie war viel schneller unterwegs, als der Mann noch vorhin.
      "Ich werd' alle fertig machen! Keiner kann mich aufhalten! Ich mach sie alle kalt, den ganzen verschissenen Kult! Und dann auch noch alle scheiß Kreaturen, die sich mir in den Weg stellen! Ich mach sie alle weg!!"
    • Die Sorge in Aradan wuchs etwas als Elraya dem Kreis näher kam. Beinahe als hätte er sie im letzten Moment doch wieder zurück stoßen wollen um alles auf 10 Minuten zu reduzieren, doch blieb er stehen und entschloss sich nur zu beobachten.
      Es verging keine einzige Minute, da bereute Aradan schon seine Tat.
      "Tja. Habs dir ja gesagt. N einfacher Schutzzauber hätte es auch getan."
      Die Beiden beobachteten Elraya aus dem Zwielicht heraus, was so lange ging wie sie sich in einer gewissen Reichweite zu seinem Körper befand.
      "Ich hoffe nur sie hält sich an den Plan. Wenn einer diese Wunden sieht, wird man sich fragen wie eine Frau von ihrer Statur so etwas anrichten konnte.."
      Da lachte der Junge.
      "Dein ernst? Bist du wirklich so naiv? Hast du dir die Frau mal angeguckt? Frag sie wie sie geschlafen hat und sie ist überfordert damit ihre Gedanken zu ordnen und du meinst sie könnte einen spontanen Plan ausführen nachdem du ihr ne gehörige Portion Macht in den Hintern geblasen hast?"
      So vorlaut und unsensibel sein Zwielicht Gefährte auch war... unrecht hatte er nicht. Aradan musste sich eingestehen dass er zu sehr an sein übliches Gefolge gewohnt war und neuerdings mehr auf Renera fixiert war als dem eigentlichen Ziel. Sogar dass eine wahnsinnige wie Elraya mit in der Gruppe war, hätte er vor Renera wohl nie zugelassen, aus Angst dass die Zwillinge zu schaden kommen könnten.
      Der Junge seufzte nur als Aradan wieder seine grübelnde Mine aufsetzte.
      "Na schön von mir aus."
      Er hielt Aradan seine Hand hin und wartete.
      "Dass du mir jah nicht unseren Pakt vergisst Bursche!"
      Aradan zögerte, lies sich aber darauf ein und ergriff die Hand ehe er im nächsten Wimpernschlag ebenso auf dem Boot seine Augen weit auf riss, die Luft scharf auf sog und stark zu husten begann. Nach all der Zeit war seine Kehle ganz trocken, worauf er erst einmal klar kommen musste und sich das nächst beste an Proviant griff, welches die Kultisten in der Kajüte gelagert hatten.
      Sofort trank er aus einem Trinkschlauch ohne vorher daran zu riechen, was ihn nur noch mehr zum husten brachte. Auf einem trockenen Hals hochprozentigen Alkohol zu kippen galt für Aradan nun als äußerst einprägende Erinnerung, dies nie wieder zu tun.
      Als er dann aber endlich wieder die Fassung bekam, stand er leicht wankend auf. Seine Arme und Beine fühlten sich an als hätte er sie für Monate nicht bewegt.
      Prüfend tastete er sich selbst ab, bemerkte dabei aber nur ein schwarzes Zeichen auf seiner Handfläche. Es war die des Jungen. Natürlich hatte der Knirps sich abgesichert.. Ein Bannspruch, welchen er wohl beim Handschlag mit Aradan wirkte. Aber das sollte eine Sorge für andere Tage werden. Nun galt es erst mal die Kajüte zu verlassen und schwankend im Rahmen stehen zu bleiben, welcher zuvor noch eine Tür in den Angeln hatte.
      "Beruhig dich Elraya.. Ich bitte dich."
      Wieder kam ihm leichter Husten auf.
      "Wenn du ein Massaker anrichtest, sorgst du nur für Aufsehen. Der ganze Kult würde Mobil machen und uns jagen. Glaub nicht dass sie mit deiner jetzigen Stärke nicht klar kommen würden. Physisch bist du nun den meisten Überlegen... doch bist du sehr viel empfindlicher für Magie und ich würde vieles darauf verwetten dass es in diesem Kult Magier gibt. Sogar diese 3 Idioten haben davon gesprochen."
      Eine kleine Welle brachte Aradan schon dazu Schwierigkeiten zu haben trotz halten des Türrahmens, noch aufrecht zu stehen, also setzte er sich hin und hielt sich mit einer Hand die Brust als würde diese schmerzen.
    • Elraya war noch nicht weit gekommen - obwohl Distanz in ihrem jetzigen, unbegrenzten Kraftzustand sowieso eher relativ war - als sie ein merkwürdiges Geräusch aus dem Inneren der Kabine hören konnte. Sie verlangsamte ihre Paddelschläge ein wenig, bis eine dunkle Gestalt aus der Tür gewankt kam. Elraya sprang bereits auf, um den Neuankömmling auch ihre Kraft spüren zu lassen, als sie mit einiger Ernüchterung Aradans Stimme erkannte.
      "Ach, du bist's. ... Bist du nicht eigentlich bewusstlos? Aber jetzt doch nicht? Ich dachte du kannst nicht aufwachen? ... Aber du warst ja auch schon wach, von dem her war das sowieso Unsinn. Dann hättest du ja die ganze Zeit schon wach sein können!"
      Sie plusterte sich empört auf, musste dann aber selbst einsehen, dass das sowieso nichts bringen würde. Sie waren auf einem Boot in der Mitte von Nirgendwo und die Lichter des Hafens hatten sie sicherlich schon bemerkt.
      "Ich denk' du hast einfach nur Angst. Willst dich drücken, hä? Ich hab' aber echt was drauf, ich werd' schneller sein, als die ihre komischen Zaubersprüche aufsagen können."
      Sie grinste, was er in der Dunkelheit natürlich nicht sehen konnte, dann nahm sie das Rudern wieder auf.
      "Aber ich werd' mich zurückhalten, ich versprechs dir. Wirklich. ... Vielleicht werd' ich nur ein bisschen Tumult machen. Ein ganz kleines bisschen? Das fällt doch bestimmt nicht auf."
      Sie grinste noch immer, während sie auf den Hafen zuruderte.

      Die Anlegestelle war winzig im Vergleich zu dem Hafen, den sie vor nicht allzu langer Zeit erst verlassen hatten. Es gab gerade mal fünf Stege und weil an allen bereits riesige Schiffe lagen, manövrierte Elraya das Boot mit Ach und Krach an die Hinterseite eines dieser Boote, wo sie mit dem Boot dagegen rammte und es schließlich halbwegs zum Anhalten brachte. Dann ging sie zu Aradan und versuchte ihm eine Stütze zu sein, wobei sie kichern musste.
      "Es geht bestimmt schneller, wenn ich dich tragen würde."
      Zu ihrer Enttäuschung lehnte Aradan ab. Gemeinsam stolperten sie über das Boot auf den Steg hinauf und gingen dort ein Stück nach vorne, wo bereits einige Menschen herumstanden - ob Wachen oder Zivilisten war in der Dunkelheit nicht auszumachen. Elraya musste sich im Zaum halten, sie nicht alle gleichzeitig umzunieten.
      "Kannst du spüren wo sie sind, Weißhaar? Ich hab' keine Ahnung, wo wir sie treffen sollten. Der Lockenkopf wusste bestimmt, wo der Treffpunkt ist, aber ich hab' nicht dran gedacht ihn zu fragen."
      Sie kicherte wieder bei der Erinnerung an ihre unglaubliche Kraft.
    • Als Aradan auf dem Boden des Bootes saß, wusste er nicht was er sich eher halten sollte, die schmerzende Brust oder den Kopf. Letzterer fing schnell zu brummen an als Elraya schon wieder anfing alles mit ihrer eigenartigen Logik zu malträtieren.
      "Bitte. Halt die Luft an okay? Ich habe verstanden dass dir das alles etwas zu viel ist also beschränken wir uns einfach darauf, dass es nun ist wie es ist okay? Verdammt ich brauch etwas zu trinken. Ich glaube mein Körper ist ziemlich dehydriert."

      Als das Boot dann ziemlich unsanft anlegte, hielt sich Aradan so gut er konnte fest, was dann glücklicherweise von Elraya unterstützt wurde. Aber direkt schreckte er auf.
      "Warte! Wir sind schon da? Verdammt! Wenn die mich wach sehen dann..."
      Er blickte schnell über die Schulter zum Hafen, konnte aber weder Leute vom Kult sehen, noch irgendwelche anderen auffälligen Personen. Bis auf einen ziemlich fassungslosen Hafenmeister und seinem jungen Laufburschen, blickten nur wenige vom Knall erschrockene Leute rüber.
      "Was zum? Hier sind keine von diesem Kult? Ich hatte gedacht dass wir hier von einer Truppe erwartet werden die uns für den weiteren Transport fertig machen. Aber hier ist... absolut niemand."
      Als Elraya ihm dann helfen wollte das Boot zu verlassen, wies er sie ab. Wenn es hier Niemanden gab den es zu täuschen galt, konnte er für sich selbst laufen und musste keinen Bewusstlosen spielen
      "Spüren? Nein ich kann niemanden Spüren. Es sei denn mein schmerzender Körper gehört dazu. Den kann ich nämlich sehr wohl spüren."
      Ab da ging es auch langsam auf den Steg, den Aradan zwar leicht wankend betreten konnte aber dennoch gut auf den Beinen blieb.
      Sofort kam der füllige Hafenmeister mit weißem Rauschebart und grimmiger Mine auf Beide zu und zeigte mit seinem Füllfeder auf die beiden demolierten Boote, die wohl schon mit Wasser voll liefen.
      "Erklärt das!! Dafür werdet ihr aufkommen!! Dass ich sowas noch erleben darf.. JUNGE!"
      Schrie dieser seinen Gehilfen entgegen, welcher schnell und hörig angesaust kam
      "Geh und hol mein Buch. Und auf dem Weg holst du direkt die Grenzwache. Nicht dass die Lausbuben sich aus dem Staub machen."
      Hastig nickte er und rannte los.
      "Bitte... Könntet ihr aufhören so rum zu brüllen?"
      Aradan hielt sich den Kopf und versuchte dabei so freundlich und zuvorkommend wie möglich zu wirken. Das war vermutlich noch immer besser als Elraya in ihrem Zustand reden zu lassen oder... Elraya allgemein reden zu lassen.
      "WAS?! Ich red so laut ich will Bursche! Du hast mich ein ganzes Boot gekostet. Der Besitzer wird mir die Hölle heiß machen und bevor ich das zulasse, mach ich dir die Hölle heiß!!"
      Nun packte Aradan sich unter den Kopfschmerzen schon mit beiden Händen den Kopf und konnte sich kaum noch auf den Beinen halten, da kam der Hafenmeister den letzten Meter auf ihn zu gestampft und packte ihn grob am Kragen.
      "Hat da wer nen Kater huh?! Besoffen mit nem Boot fahren. Ich garantiere dir, das wird die Grenzwache erfahren!"
      Aradan bemühte sich den Blickkontakt aufrecht zu halten und schüttelte leicht den Kopf
      "Ich bin nicht betrunken. Ich bin nur dehydriert. Ich brauche Wasser..."
      Doch nahm der Hafenmeister ihm kein Wort ab. Er roch sogar den scharfen Gestank von hochprozentigen Alkohol als Aradan ihm das Gegenteil versichern wollte.
      "Dir werd ich noch Manieren beibringen Bursche!"
    • Elrayas ruppige Ankunft ging nicht so leise vonstatten, wie sie es sich vielleicht erhofft hatte, und nur einen Moment später hatten sie schon die Aufmerksamkeit des Hafenaufsehers auf sich gelenkt, der wie ein wandelnder Kartoffelsack zu ihnen gestampft kam. Elraya runzelte die Stirn, stemmte die Hände in die Hüften und stierte ihn herausfordernd an.
      "Dir sollte auch mal jemand Feuer unterm Hintern machen du Fettsack! Was hältst du uns auf, hä? Wegen ein paar angeschrammten Brettern? Das ist nicht mehr als ein paar Kratzer, nichts, worüber du so rumbrüllen musst!"
      Aradan machte ihre Schimpftirade mit seinen komischen Bemerkungen auch nicht besser und beinahe wie es zu erwarten war, knöpfte sich der Hafenmeister ihn vor. Elraya amüsierte sich für einen Moment über den Anblick des Fettwansts, der Aradan beim Kragen gepackt hielt, dann entschloss sie sich dazu, dass es Zeit war einzuschreiten. Sie trat neben ihn, packte den Hafenmeister bei der Schulter und verpasste ihm eine Kopfnuss.
      Der Schlag beförderte den Mann von seinen Füßen und er fiel, schwer wie er war, zur Seite, wo er auch den letzten Halt verlor und mit einem lauten Platschen ins dunkle Wasser stürzte, dicht gefolgt von Aradan, dessen Kragen sich noch immer in seinen verkrallten Fingern befand. Elraya merkte zu spät, dass sie vielleicht ein Müh zu weit gegangen war.
      "Oh scheiße."
      Sie trat an den Rand des Stegs, wo der fette Bauch des Hafenmeisters verschwand und bereits nur noch kleine Luftbläschen aufstiegen. Nach einer kurzen Überlegung stürzte sie sich selbst ins Wasser.
      Ihre neue Stärke war auch unter Wasser ein äußerst nützliche Fähigkeit, denn sie schwamm mit einem kräftigen Zug nach unten und spürte das Wasser, das sie aufwirbelte, an ihr vorbeiziehen. Sie stieß in der Dunkelheit gegen einen strampelnden Leib, der ihr zu wabbelig schien um der von Aradan zu sein und schoss ein Stück weiter, bis sie glaubte, ihn entdeckt zu haben. Sie packte ihn am Kragen und fand im selben Moment heraus, dass sie auch gut nur mit ihren Beinen schwimmen konnte, die kräftig genug waren, um das Fehlen ihrer Arme auszugleichen.
      Sie kamen zurück an die Oberfläche und Elraya, die kaum ihren Atem vermisst hatte, sah sich gleich im Wasser um. Sie waren irgendwo in der Nähe des Stegs, aber mittlerweile wäre wohl der Gehilfe schon wieder da.
      "Hier lang - kannst du schwimmen?"
      Sie wartete einen Moment, um Aradan im Zweifel an ihren Rücken klammern zu lassen und schwamm dann voran an den Schiffen vorbei. Ihre Kraft war einfach der Wahnsinn, sie wurde kein bisschen müde und spürte kaum die Kälte des Wassers an sich. Trotzdem musste sie wegen Aradan langsam machen.
      Sie umschwammen die Anlegestelle, bis sie einen Bereich gefunden hatten, der nicht ganz so hell erleuchtet war wie der Rest der Stege und dort aus dem Wasser klettern konnten. Elraya schüttelte ihre Haare aus, als eine dunkle Gestalt sich vor sie schob.
      "Ist er das?"
      "Ah! Hä? Ich meine... ja! Hier ist er, wie ausgemacht. Wie verabredet. Hatten ein paar Konflikte, aber alles gelöst. Sind noch rechtzeitig hier."
      Sie versuchte in der Dunkelheit ein Gesicht zu erkennen, konnte aber nur eine Kapuze an der Gestalt ausmachen.
      "... Sollten ihn nicht eigentlich drei bringen? Was ist mit Arkil?"
      "Ja der, der wurde aufgehalten. Konflikte, sag ich ja. War ein ziemliches Problem aus der Stadt rauszukommen, wir mussten ein paar zurücklassen. Aber jetzt sind wir ja hier - ich bin hier, mein ich. Immer zu Diensten. Alles erledigt."
    • Ehe Aradan sich versah, landete er auch schon im kalten Wasser. Sein Verlangen einige Schlücke zu nehmen wurde immer größer, doch war ihm selbst in dieser Situation klar, dass das eine ganz dumme Idee gewesen wäre.
      Und warum sank er überhaupt so schnell? Es war die Hand des Hafenmeisters, die sich bei seinem schnellen unter gehen noch immer an seinem Stiefen gekrallt hatte. Für Aradan war es unmöglich sich dieses Gewicht wieder an Land zu bringen, oder zumindest an die Oberfläche.
      Für wahr.. Hier geschah tatsächlich überhaupt nichts nach Plan.
      Doch noch bevor er überhaupt einen klaren Gedanken fassen konnte, kam ihm schon Elraya zur Hilfe. Sie schwamm im ersten Moment so stark, dass Aradan trotz anhalten der Luft Schwierigkeiten hatte dem Druck des Wassers stand zu halten. Aber zum Glück bemerkte sie es und schaltete ein paar Gänge runter, hielt sich sogar daran nicht für unnötiges Aufsehen zu sorgen, so hatte er schon befürchtet, sie würde die Grenzwachen gewaltsam daran hindern ihre Pflicht auszuüben.
      Stattdessen versuchte sie dunkle Ecken zu nutzen um den aufmerksamen Gehilfen zu entfliehen, welcher somit auch die Grenzwachen nicht mehr gezielt lotsen konnte.
      Ganz klar würde Aradan diesen Tag nicht so schnell vergessen. Doch was Elraya dann tat, verschlug ihm tatsächlich die Sprache, denn wurden sie tatsächlich von diesen Kultisten gefunden. Aradan hätte in diesem Moment eine enorme Summe verloren, hätte er mit Jemanden drum gewettet dass Elraya sich noch an den Plan halten würde aber sie schaltete sofort und tat so als gehörte sie dazu. Keine unnötig komplizierten Erklärungen, keine Gewalt. In diesem Moment hatte Elraya ihn tatsächlich enorm überrascht.

      "Fünf..."
      Ertönte es kurz darauf. Eine weitere Person stieß dazu, das Schwert im Anschlag und mit einer auffallend anderen Kutte gekleidet. Sie war nicht so abgeranzt wie die derer, die sich auf dem Boot befanden. Zwar hatte der Mann den sie Arkil nannten einen Stoff an, der nicht wie ein Kartoffelsack aussah, doch war dieser bei weitem nicht so Edel wie der den sie nun vor sich hatten.
      Dieser machte viel mehr den Eindruck als wäre er von einem Schneider passend auf ihn zugeschnitten und wies auch die ein oder andere Verzierung auf. Entweder hatte dieser Mann einfach nur einen Modetick oder er stand ein paar Stufen über den Anderen.
      "Ich habe fünf Personen geschickt. Raus damit. Was ist mit den anderen vieren passiert. Ich will Details."

      Ein Glück. Aradan bemerkte sofort dass dieser Kerl keine Ahnung hatte ob die Personen Männer oder Frauen waren, bis auf diesen Arkil. So konnten sie nach wie vor auf einer Scharade setzen. Es galt nur ein wenig Improvisation anzuwenden. So stieß sich Aradan von Elraya ab, der sofort von einem Kultmitglied auf geholfen wurde, augenblicklich alle anwesenden Kultisten ihre Waffen zogen als sie bemerkten dass Aradan wach war und auch der unbekannte Anführer wich sofort einen Schritt zurück um sein Schwert zu ziehen.
      "Was habt ihr gedacht huh? Dass ich mich einfach so entführen lasse? Wäre euer Püppchen da nicht gewesen, wäre die Hölle über euch los gebrochen."
      Aradan sah zu Elraya und bettelte mit seinen Augen darum dass Elraya mit spielte
      "Dir werd ich es noch heim zahlen! Das nächste Mal unterschätze ich keine Frau mehr. Das nächste mal werde ich dich behandeln wie die anderen auf dem Boot!"

      Alle bemerkten wie schwach Aradan auftrat und entspannten sich wieder etwas. Hier und dort lachte sogar der ein oder andere vor Erleichterung ehe der Anführer brüllte
      "Schnauze! Haltet ihr das für nen Witz?! LOS die Dorit Fesseln."
      Sofort verstummte jede Stimme und schnell wurde das Verlangte ran getragen. Erst zögerten die Männer, doch unter dem scharfen Blick des Anführers, ergriffen sie Aradan und rangen ihn mit Leichtigkeit zu Boden um ihm erst die Hände hinter den Rücken zu legen und ihm dort Fäustlinge aus reinem Dorit anzulegen, die es ihm nicht nur unmöglich machten seine Hände in irgendeiner Art und Weise frei zu bewegen. Das hatte Aradan ganz klar nicht kommen sehen. Seil Fesseln um Handgelenke herum waren schon unangenehm aber Fäustlinge aus Dorit, welche ihm seine Hände komplett unbrauchbar machten, hatte er noch nie gesehen. Doch hörten die Fesseln damit nicht auf. Er bekam auch noch ein steinernes Halsband umgeschnallt, welches ebenso aus reinem Dorit bestand und eben dieses Halsband wurde im Anschluss an seinen Handfesseln geschnallt. So Eng dass er seine Arme nicht frei fallen lassen konnte, sondern bei Verlust von Kraft seinen Hals nach hinten ziehen würde.
      "Hngh...! G... Ganz schön übertrieben. Ist das echt nötig?"
      Fragte Aradan schon jetzt angestrengt. Da trat der Anführer auf ihn zu und blickte ihn kalt an.
      "Ich weiß was du bist."
      Da landete das Knie des Mannes im Magen von Aradan, welcher dabei wohl den Mageninhalt entleert hätte, wenn da einer gewesen wäre. Und bevor Aradan auf die Knie fallen konnte, riss der Mann Aradan an den Haaren aufrecht.
      "Ginge es nach mir.. Wärst du nun tot."
      Dann warf er Aradan zu Boden und blickte andere Kultisten an.
      "Los. Auf den Karren mit ihm. Der schafft den Weg zur Königsstadt nicht zu Fuß. Wir sind schon spät dran. Sputet euch!"

      Als sich plötzlich jeder in Bewegung setzte, wandte sich der Mann noch mal nach Elraya um und blickte auch ihr mit seinen kalten Augen ins Gesicht.
      "Du hast ihn überwältigt?..."
      Da schwieg er für ganze 10 Sekunden, als würde er Elraya in diesem Moment analysieren.
      "...Das wird dir der Kult nicht vergessen. In der Stadt werden Belohnungen auf dich warten Weib. Nennt mir euren Namen."
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