[2er RPG] The Curse of Time {TobiMcCloud & Codren}

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Das Manöver mit Jarku war ein überraschend glanzvoller Erfolg, wenngleich sie auch die Beine nicht ganz durchgehackt bekamen. Das machte allerdings nicht im Geringsten etwas aus, denn das Wesen knallte dennoch vornüber auf den Boden, einen spitzen Schrei aus dem Maul hervordringend, der allerdings keine plötzliche Panik verursachte wie vorhin.
      Jarku war dabei allerdings der einzige, der eine gewisse Freude empfand. Renera hatte ihren Blick auf die Kreatur gerichtet, beobachtete das Spiel der Rückenmuskeln in ihr, während sie sich hoch zu kämpfen versuchte, erhaschte einen Blick auf das innere der Beine. Fleisch, Muskeln und ein blanker, humanoider Knochen, der auch in den anderen Kreaturen existierte. Sie haderte außerdem für einen Moment mit sich, ob sie riskieren sollte, einen der Flügel zu untersuchen, um herauszufinden, wie widerstandsfähig die Haut an dieser Stelle war.
      Dieses Vorhaben wurde aber jäh von dem Auftauchen einer weiteren Kreatur unterbrochen und zum Entsetzen aller Anwesenden, handelte es sich dabei um nicht weniger als einen Wanderer persönlich, der sich vor ihnen aus der Dunkelheit schälte. Was sich vorhin noch durch den Schrei der Fledermaus als blanke Panik in ihnen manifestiert hatte, kehrte nun als richtige Panik zurück, die zwar nicht gänzlich so lähmend war wie ihr Gegenstück, aber doch für einen ordentlichen Adrenalinschub sorgte, um alle drei in Bewegung zu setzen. Valterri rannte voran, griff sich geistesgegenwärtig Elraya, stürmte weiter zu Aradans Zelt. Renera und Jarku folgten ein wenig langsamer, setzten sich allerdings schließlich genauso schnell in Bewegung und jagten zu den Pferden. Die Tiere waren die einzigen Lebewesen, die in Angesicht dieser gewaltigen Gefahr noch einigermaßen ruhig blieben - dem Herzog Shegar sei aus tiefstem Herzen gedankt. Wären es keine so hochwertigen Pferde, hätten sie mittlerweile schon längst die Flucht ergriffen.
      Renera schwang sich sogleich auf ihres, packte auch Aradans Pferd an den Zügeln, gab ihnen die Sporen. Die riesige Hand des Wanderers pflügte währenddessen einmal quer durch das Lager, wühlte die Erde auf, riss ein Zelt mit sich und zerstörte das Lagerfeuer. Sie war nicht gerade schnell, aber sie war kräftig genug, dass sie alles und jeden mit sich reißen würde.
      Sie würden also keine Sekunde verschwenden dürfen, um ihre Zelte einzupacken. Alles, was sie noch besaßen, war bereits auf dem Wagen aufgeladen, der sich jetzt unter Valterris Führung holprig in Bewegung setzte. Renera ritt ein Stück voraus, beschrieb einen Halbkreis, beobachtete den Wanderer für einen Moment, stellte sicher, dass er dem Wagen nicht folgen würde. Die beiden Zugpferde schnaubten in ihre Zügeln und stemmten sich mit all ihrer Kraft gegen den Boden, um so schnell wie möglich den Wagen voranzuziehen. Trotzdem waren sie immernoch langsamer als die Pferde.
      "Schneller!", drängte Renera ungeduldig, behielt den Wanderer im Blick, sah sich dann auch einmal in alle anderen Richtungen um. Das Wesen schien zumindest noch mit der Fledermaus beschäftigt zu sein, oder zumindest hatte es seinen Blick darauf gerichtet. Allerdings würde es, bei dieser Entfernung, nur einen großen Schritt machen müssen, und es wäre direkt beim Wagen - Grund genug für die Panik, die Renera befiel. Wenn es den Wagen anvisierte, wenn es ihn zerstörte, während Aradan besinnungslos darauf lag; sie könnte es sich einfach nicht verzeihen. Also wartete sie, bot dem Wagen eine Rückendeckung und hielt sich bereit für den Fall, den Wanderer mit einem Ablenkungsmanöver von dem langsamen Gefährt wegzulocken.
    • Der Spurt dem Leben entgegen, nachdem der Wanderer auftauchte, schritt einer verlangenden Hast entgegen, immerzu rückblickend ob die drohende Gefahr dessen Aufmerksamkeit erhaschte.
      Aradan's Zelt, sowie der große Kochtopf für das Lagerfeuer waren nicht mehr zu retten, doch wenigstens blieb niemand zurück. Chie und Ruka waren vorerst mit einem tiefen Schrecken behaftet, schüttelten diesen aber von sich als der Wagen in Bewegung kamen und sorgten sich um Aradan. Sie hielten beide ihren Körper über Seinen um jeden Angreifer erst an deren vorbei führen zu müssen.
      Zu deren Glück geschah nichts dergleichen, was beide Zwillinge dazu führte an das Ende des Wagens zu krabbeln, an welchem Valteri hockte. Seine Hand drückte den Körper von Elraya noch unbewusst hinunter, da er das Wesen noch mit voller Ehrfurcht und Sorge betrachtete.

      Jarku ging es derweilen nicht anders. Er wünschte sich bei der plötzlichen Flucht ein schützendes Dach wie dem des Wagen's herbei, wohl wissend dass ein Wanderer keinen Halt davor gemacht hätte.
      Was um alles in der Welt war in dieser Nacht nur geschehen? Fragte sich der Giftmischer stumm. Was hatte diese Gruppe schon erlebt? Einen rachsüchtigen Geist aus einer anderen Welt.. Okay. Kopfgeldjäger... Auch zu verkraften. Doch seit der Ankunft in Melora schien einfach nichts mehr berechenbar zu sein.
      Eine verflossene Liebe, der Fund einer vergangenen Truhe samt dessen Inhalt, eine menschgewordene Spinne namens Berek, neues rothaariges Gefolge - welche keinerlei Gruppengefühl besaß und nun noch ein Wesen, welches in lachhaft seltenen Fällen als Städtestürmer bekannt war. Mal ganz zu schweigen davon, dass der Anführer neuerdings in tiefem Schlaf verfallen war.
      Das konnte doch kein Zufall mehr sein.

      Vorerst galt es aber erst einmal der Gefahr zu entfliehen, was gar nicht mal so leicht war, denn schien der Wanderer tatsächlich sein Interesse an seiner Beute zu verlieren, als es kein Lebenszeichen mehr hinterließ.
      Enttäuscht stieß der Wanderer ein Geräusch aus, wie es von Kindern kam, denen das Spielzeug ungläubig entrissen wurde.
      Kurz darauf sah es sich nach einem neuen um und erblickte die fliehende Truppe. Dadurch erheitert, warf es sich mit dem Körper so auf den Wald, als wollte es sich hinlegen um dem neuen Spielzeug zu frönen, doch war das Glück auf der Seite der Gruppe.
      Als sich der Wanderer hinlegend auf seiner linken Hand stützte, um mit seiner Rechten nach dem Wagen zu greifen, stach ihn wohl etwas unangenehmes in der Linken.

      Die Ursache war nichts anderes als die Axt Valteri's, die nicht nur groß genug war um einem Wanderer aufzufallen, sondern nach wie vor in dem Körper des erlegten Kreischers steckte.
      Beinahe theatralisch warf sich der Wanderer auf den Rücken und ergriff seine Hand, kümmerte sich erst danach um den "Stachel" darin, was der Gruppe genügend Zeit verschaffte um außerhalb der Reichweite des schlechten Gehörs eines Wanderers zu reiten.

      Alle verlieben ohne jeden Laut, sorgten sich um jeden Tritt der Pferde, bemerkten aber nach einer guten Stunde der Flucht, dass niemand mehr in dessen Schatten lag. Wäre der Wanderer noch aufmerksam gefolgt, würde wohl keiner der Truppe noch den Luxus der Entspannung genießen dürfen.

      Die Zwillinge warfen ihre Körper endlich entspannt links und rechts von Aradan, Jarku stieg von seinem Pferd und schleppte sich in eine Wiese, in welcher er sich mit dem Gesicht voran hinein warf und Valteri wandte sich zu Elraya. Die Frau die sich noch vor der Panik bei ihm entschuldigt hatte und sich vor allem doch tatsächlich um seine Gefühle zu sorgen schien.
      Alles über ihrem Gürtel war komplett zerfetzt.
      Sofort nutzte er seine Kraft, die jeder sanften Handlung entbehrte, um Elraya nach Wunden zu untersuchen. Erst als diese ausgeschlossen waren, atmete er auf und warf ihr eine Decke über, welche sich im Wagen befand.
      "Erste Erfahrung mit echten Monstern, hm?"
      Behutsam wie ein Vater sorgte sich Valteri um das Wohl Elraya's, taste immer mal wieder das rechte Sitzen der Decke ab und hoffte keine Wunde übersehen zu haben.
    • Eine Stunde lang trieben sie die Pferde bis zum Äußersten, holten das letzte bisschen aus ihrer Kraft raus, das es zu holen gab, ehe ihr Galopp schließlich an Geschwindigkeit verlor und sie schwächelten. Da erst riskierte die Gruppe noch einen weiteren Blick zurück und verlangsamte schließlich das Tempo, bis sie die Tiere zum Stehen brachten und sie von ihrer Last erlösten.
      Renera entfernte ihnen sogleich das Zaumzeug, sattelte allesamt ab und verschaffte den verschwitzten Tieren einen Moment der Ruhe, während sie selbst zum Wagen ging um nach Aradan zu sehen.
      Die Stimmung war äußerst bedrückt. Valterri hatte seine Axt verloren, die Zwillinge wirkten schockiert, Renera war von dem Chaos größtenteils erschöpft. Sie hatten ihre Zelte zurückgelassen, der Kochtopf war auch nicht gerettet worden und sie hatten nur das übrig, was bereits auf dem Wagen und den Pferden verstaut gewesen war. Zumindest besaßen sie diese noch, andernfalls hätten sie wohl ihre Taschen schultern und zu Fuß weitergehen müssen. Das entsprach nicht gänzlich ihrer Planung, aber das war eben das Risiko das man mit einbringen musste, wenn man durch die Wildnis reiste. Insofern waren sie sogar noch gut davongekommen.
      Elraya war derweilen der Hysterie verfallen. Sie hatte ihre Augen so weit aufgerissen, dass sie ihr beinah aus den Höhlen quollen, und starrte in den Himmel hinter sich, als erwarte sie, jederzeit eins der beiden Kreaturen auftauchen zu sehen. Valterri nahm sie kaum wahr, erst als er ihr die Decke umlegte.
      "Was waren das für Dinger?!"
      Jetzt starrte sie ihn entsetzt an, als wäre er in irgendeiner Form dafür verantwortlich, was gerade geschehen war.
      "Wie kannst du nur so ruhig bleiben bei der scheiße, die gerade passiert ist?!"
      Sie blickte wieder in den Himmel hinauf und sah sich in alle Richtungen um.
      Ihr Geschrei lockte Renera an, die zwar keinerlei Anstalten machte der Frau zu helfen - sie würde ja sowieso nur bissig reagieren - aber sich dafür nach der ganzen Gruppe umdrehte.
      "Hört mal her."
      Sie stellte sich so auf, dass sie selbst Aradan hätte sehen können.
      "Wir werden ein paar Stunden hierbleiben, bis sich die Pferde ein wenig ausgeruht haben, und dann langsam weiterziehen. Es sind nur noch ein paar Tage bis zur Stadt, je näher wir kommen, desto sicherer wird es werden, deswegen werden wir nicht mehr Zeit verschwenden als nötig ist. Jarku, du wirst mit mir Wache halten, der Rest geht schlafen, allesamt. Wir können tagsüber länger rasten, wenn wir unsere Umgebung besser im Blick haben."
      Sie war zwar nicht glücklich, nur zwei Leute für die Wache zu haben, aber Valterri hatte schon genug an diesem Abend getan, Elraya war ganz sicher nicht zu gebrauchen und die Zwillinge kamen sowieso nicht in Frage. Außerdem hatte Jarku noch ihr Schwert und so wenig sie eigentlich von ihm hielt, so fühlte sie sich doch mit ihm sicherer, nachdem sie die Fledermaus als Team bezwungen hatten. Er schien ihr als die beste Wahl.
    • Renera übernahm sofort wieder die Führung über das folgende Geschehen. Sonderlich erfreut war Jarku jedoch nicht, zu hören, dass er mit Renera die Nachtwache übernehmen musste. Aber wenigstens würde diese wohl nicht allzu lange andauern.
      Mit seinem Gesicht nach wie vor in der Wiese, rechnete er sporadisch zurück. Die Sonne ging unter, etwa gegen 21-22 Uhr. Der Angriff kam dann wohl gegen 24 Uhr. Somit war es jetzt in etwa 1:00-1:30 Uhr. Das war vertretbar für eine Wache, also hob er seinen Arm etwas an, zeigte den Daumen nach oben und äußerte dumpfe Geräusche in den Boden hinein.

      Derweilen fegte öfter mal ein steifer Wind durch das Feld auf der die Truppe zu stehen kam. Die Decke, welche Valteri Elraya über geworfen hatte, drohte dadurch öfter mal zu verrutschen und Elraya Oberkörper zu entblößen, was Valteri immerzu behutsam wieder richtete und der verständlichen Angst von Elraya entgegen kam.
      "Sind es gewohnt. Außerhalb von sicheren Mauern, viele Monster. Wanderer und Kreischendes Wesen waren neu. Ähnliche aber sehr viel üblicher. Musst auf der Hut sein. Auf Geräusche achten und uns warnen, wenn du etwas hörst. Sind nun Familie, helfen einander. Nicht verletzt. Nicht vergessen"
      Behutsam sprach er Elraya zu und stupste ihr gegen das Schlüsselbein, als wolle er damit bezwecken, dass sie sich darauf verlassen kann, allen hier zu vertrauen.

      Um Renera nun aber nicht komplett stehen zu lassen, raffte sich Jarku etwas auf.
      Er saß breitbeinig da, lies seinen Körper leicht nach vorne Hängen, mit seinen Armen zwischen den Beinen hängend und den Händen im Gras.
      "Dieses Flattervieh war echt was neues für mich. Aber von dem großen Kerl hab ich bisher nur Erzählungen mitbekommen. Noch nie hab ich so ein Ding selbst gesehen. Das war doch ein Wanderer, oder?"
      Die Frage galt Renera. Der wohl einzigen Person die grad für ein aufmerksames Gespräch zu haben war.
    • Elraya starrte Valterri für einen Moment hinter zusammengekniffenen Augen an, als wolle sie abschätzen, ob er sie anlügen wollte. Wenn es sich allerdings tatsächlich um diese Frage handelte, schien sie sie kurz darauf selbst zu beantworten, denn sie wandte ihren Blick wieder ab und sah sich, noch immer höchst misstrauisch um.
      "Was für eine Scheiße. Und was ist, wenn die wiederkommen?"
      Jetzt ergriff sie selbst die Decke und schlang sie um sich, bevor sie einen Gedanken zu bekommen schien.
      "Oh nein. Deswegen wollte die Alte mir ihr komisches Buch zeigen, oder nicht? Ich werd' ganz bestimmt nicht lernen, wie man so ein Ding tötet, ganz sicher nicht! Ich bin doch nicht lebensmüde!"
      Sie starrte mit finsterem Blick zu Renera hinüber, die gerade zum Flacharsch ging. Elraya mochte nichts an der Frau, sie mochte nicht die sehnigen Muskeln, die sich unter den dünnen Armen verbargen, sie mochte nicht wie sie sich als Anführerin aufspielte, sie mochte nicht, dass der Weißhaarige so in sie versessen war. Zugegeben, Elraya hatte bis auf Pria noch bei jeder Frau einen Grund gefunden sie zu hassen, aber bei Renera hatte sie schon gleich drei.
      "Sowas mach ich nicht, uh-uh. Das könnt ihr alleine machen. Ich mach' nur das, was ich kann."
      Menschen töten und bestehlen konnte sie, und laufen. Die Flucht vor der Kreatur war wohl der beste Beweis dafür, dass sie besonders letzteres noch immer drauf hatte.

      Renera ging zu Jarku hinüber und blickte auf den Mann hinab, der auf dem Boden saß, als hätte er eine riesige Schlacht hinter sich. Fast tat es ihr leid, ihn zum Wachdienst beordert zu haben, aber besser so, als sich noch einmal von Kreaturen überraschen zu lassen.
      "Das war ein Wanderer. Einer von der... besonders nervigen Sorte, würde ich behaupten. Oh, da fällt mir ein, ich wollte dieses Vieh noch zeichnen, gib mir einen Augenblick."
      Sie ging ihr Buch holen und skizzierte die fledermausartige Kreatur, außerdem noch den Wanderer, nur um sicher zu sein. Es war keine besonders schöne Zeichnung, aber sie brachte alles Wesentliche aufs Papier, um sie später besser ausarbeiten zu können.
      "Wie wollen wir es nennen, irgendwelche Namensvorschläge? Ich wäre für Fledermaus...mutter oder sowas. So wie Spinennmutter, nur eben angepasst."
      Sie vollendete die grobe Skizze, starrte für einen Moment darauf, erinnerte sich an den Zusammenstoß mit dem schemenhaften Geschöpf. Die Frage danach, wo es sich aufhielt, wenn es tagsüber nicht durch den Himmel flog, schob sie bei einem anderen Gedanken in den Hintergrund.
      "Sag mal, Jarku, findest du nicht auch, dass viele Kreaturen so... menschliche Züge haben? Die meisten laufen schon auf zwei Beinen und selbst die Spinnenmutter hat einen menschlichen Oberkörper. Der Puppenspieler wäre vielleicht die einzige Ausnahme, aber sonst..."
      Sie starrte noch einen weiteren Moment in ihr Buch, dann klappte sie es zu.
      "Ich glaube, ich mache mir zu viele Gedanken zu allem. Es fühlt sich so leer an ohne Aradan, da bin ich versucht, die Lücke durch Beschäftigung zu füllen."
      Sie blickte zurück auf die schlafende Gestalt von Aradan im Wagen, gut flankiert von den beiden Zwillingen. Ihr Blick wanderte weiter über die Umgebung hinweg, kam aber dann wieder auf ihn zurück.
      "Was ist, wenn er nicht wieder aufwacht?", murmelte sie, laut genug für Jarkus Ohren, leise genug um niemand anderen mit dieser Frage anzulocken. Ja, was wäre wenn er nicht mehr aufwachte? Wenn sie seinen Tod zum dritten Mal in ihrem Leben verfolgte?
    • Valteri konnte sich nur zu gut vorstellen wie sich Elraya fühlen musste. Er selbst hatte auch schon viel in seinem Leben gesehen aber als er diese Länder hier betrat und seinen ersten Läufer gegenüber stand, wollte auch er nicht glauben noch in der Realität zu leben.
      Viel konnte er aber nicht tun um ihr zu helfen. Sie musste da ganz alleine durch.
      "Gut. Mehr muss nicht sein."
      Antwortete er, nachdem sie ihre Maxime klar machte.
      "Wollen dich nicht gegen Bestien schicken, wenn du nicht willst."
      Dann verließ er den Wagen und betrachtete die gebrochene Rippe. Das konnte man reparieren sobald die Sonne wieder hinaus kam. Mit Sicherheit würden sich ein paar Nägel im Wagen auffinden lassen und Holz gab es in einem Wald ja immerhin mehr als genug. Bis zur nächsten Stadt würde man es also notdürftig flicken können. Hauptsache war, dass die Plane noch zu gebrauchen war. Eine in dieser Größe war bei einem Schneider meist ein Großauftrag mit entsprechend langer Wartezeit.
      Vorerst blieb aber nichts anderes übrig als auf den Tag zu warten und sich auszuruhen, was Valteri tat indem er sich auf eine Kiste im Wagen setzte, mit dem Rücken gegen eine weitere lehnend und den Armen vor sich verschränkt.

      Jarku hörte derweilen Renera zu, wobei die Theorie der wesen schon ein paar Mal in der Truppe auf kam.
      "Mhm. Darüber haben wir auch schon gesprochen. Sogar die Geister im Zwielicht sind alle irgendwie Humanoid. Aradan ist davon überzeugt, dass sie ein Produkt der Hochkultur sind. Oder ein Unfall. In diesen ganzen Büchern die er gelesen hat, waren diese Dinger plötzlich einfach da. Davor gab es nicht einen nieder geschriebenen Fall der Monster. Doch kurz nachdem die ersten Bücher davon erzählten, verschwand die Hochkultur komplett."
      Dann lies er sich nach hinten auf den Rücken fallen und breitete seine Arme weit aus
      "Wer weiß. Vielleicht haben sie mit Lebewesen experimentiert, sie mit Magie voll gestopft oder sowas. Würde mich nicht wundern wenn es auch damals schon verrückte Kulte gab. Wir haben doch auch diese bekloppten Satanisten, Gottesanbeter und andere Sekten die sich verbreiten wie die Pest. Gib denen wahre Macht und wer weiß was die aus ihrem Glauben heraus erschaffen. Es braucht nur genug Menschen um eine Katastrophe auszulösen. Ist doch so."
      Dann hob er seine Beine an um schwungvoll mit einem Satz aufzustehen.
      "Und mach dir mal nicht immer solche Sorgen um Aradan. Gewöhn dich dran dass bei dem nichts normal ist. Sorgen ändern nichts an der Situation. Bisher ist er immer wieder aufgestanden und das wird er auch dieses mal."
      Er legte Renera seine Hand auf die Schulter und lächelte
      "Da bin ich mir sicher."
    • Renera runzelte die Stirn über Jarkus Gesamtbild. Das war es wahrscheinlich, was sie daran hinderte, ihn als sympathisch zu empfinden: Die Lässigkeit, die er stets an den Tag legte, als ob sie nicht gerade darüber reden würden, dass der Albtraum der Menschheit etwas menschliches an sich hatte. Wie surreal es für sie war, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen und dabei zu wirken, als ob sie darüber reden würden, ob das Wetter am nächsten Tag schön werden würde oder nicht. Es reizte sie, dass er ihr das Gefühl gab, sie nicht ernstzunehmen.
      Sie wandt sich unter seiner Hand wie durch Zufall weg, indem sie sich erneut zu Aradan drehte, trat dann aber noch einen Schritt von ihm weg, nur um sicher zu gehen. Aradan war immer noch der einzige Mann, dem sie freiwillig erlaubt hätte, sich ihr so zu nähern.
      "Wir wollen es hoffen."
      Dann spazierte sie zurück zum Wagen, warf einen Blick auf Aradan und zog dann ihre Runden um das spärliche Lager, um die Gegend im Blick zu behalten.

      Kurz vor Sonnenaufgang, als sie weiterzogen, setzte der Nieselregen ein. Es war ein äußerst feiner, aber dafür äußerst dichter Regen, der schnell die Haut nässte und die Kleidung durchfeuchtete. Es tropfte nicht, stattdessen spürte man die Kälte des Regens zu jeder Zeit auf der Haut und in den Haaren. Er war der Vorbote dazu, dass die Sonne sich an diesem Tag nicht zeigen würde.
      Sie ritten im langsamen Tempo, hauptsächlich der Pferde zu Liebe und auch, weil sie sowieso nicht weit sehen konnten durch den Nebel, der sich langsam bildete. Renera versuchte einmal die Karte zu lesen, musste aber feststellen, dass sie sie lieber nicht aufklappte, wenn sie nicht durchweicht werden sollte. Karten waren unglaublich teuer, dessen war sie sich selbst bewusst.
      Also ritt sie an den Wagen und an Valterri heran und hielt ihr Pferd auf seiner Höhe. Sie war müde durch die lange Nacht, war aber durch den Regen wieder etwas wacher geworden.
      "Weißt du, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind?"
      Sie warf einen prüfenden Blick auf den Nebel, auf die wenige Umgebung, die sie sehen konnten.
      "Haben Seefahrer nicht einen Trick, wie man die Sonne hinter Wolken erkennt? Jetzt wäre Aradan echt nützlich."
      Sie sah kurz zu ihm hinter.
      "Wir können es uns fast nicht leisten den Regen auszuharren. Wenn er anhält, wird Aradan noch krank."

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Codren ()

    • Zog Renera grade tatsächlich ihre Schulter weg? Was bildete sie sich ein? Er hatte doch nur versucht ihr klar zu machen, dass Aradan schon schlimmeres überstanden hatte.
      Bisher hatte Jarku keinen Grund ihr irgendetwas übel zu nehmen aber wenn irgendwas mit Aradan war, schien sie ihm langsam beinahe schon Arrogant. Was hatte sie sich denn vorgestellt wie alle reagieren? Sollten etwa alle mit nassen Lappen herum rennen und permanent mit besorgtem Gesicht um Aradan herum kreisen wie Geier?
      Aber was regte er sich auf. Es war Aradan der sich für sie entschied. Sein Fall wäre das jedoch in keinstem Fall.

      Grummelnd brachte Jarku seine Wache hinter sich, wechselte auch keine unnötigen Worte mehr mit Jemanden, was auch schwer gewesen wäre, immerhin schliefen alle und Renera lief immerzu um das Lager herum.
      Als dann die Sonne auf ging, sprang Jarku sofort auf als hätte ihn eine Biene gestochen, so schnell verzog er sich in den Wagen und zog eine Decke über sich.
      Valteri war entgegen deutlich entspannter und kümmerte sich kurzerhand um die Rippe des Wagens, welche nach keinen 10 Minuten wieder ihre Reise überstehen konnte.
      Nach einer Weile des langsamen Rittes trat dann aber Renera auf ihn zu und fragte etwas, dass ihn dann doch verwunderte.
      "Der Weg? Nie auf Karte geblickt. Kenne eure Schrift nicht."
      Da ertönte ein Grummeln aus dem Wagen, direkt neben den Zwillingen die ihre Augen auf Aradan hatten.
      "Wir können schon auf uns aufpassen. Wir sind schon noch auf den richtigen Weg. Er ist nicht der einzige der eine Zeit auf nem Schiff verbracht hat."
      Klar etwas mieser gelaunt, lies er Renera spüren wie sehr es auffiel dass sie viel zu sehr auf Aradan setzte. Bei der Bemerkung mit dem Regen stieß er aber nur einen kleinen Lacher aus und drehte sich auf die andere Seite.
      "Wird nicht nass. Haben die Plane über ihm. Alle hier können genau so nass werden wie Aradan. Sollten weiter."
      Auch Valteri verstand die Sorge nicht ganz. Natürlich wusste er wie sich Renera fühlen musste aber sich bei jemanden Sorgen zu machen, der zuvor auf See vermutlich permanent nass war und im jetzigen Fall noch durch einer Plane von jedem Regen geschützt war, darüber hinaus noch unter einer Decke lag und zwei eifrige Krankenschwestern um sich hatte, war die Sorge nach einer Erkältung tatsächlich schon etwas zu viel des guten.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von TobiMcCloud ()

    • Renera ignorierte Jarku geflissentlich, eine andere Reaktion hätte wohl nur unausweichlich zu einem Streit geführt. Er schien gereizt, was sie ihm nicht verübeln konnte, und auch wenn es sie störte, dass er es an ihr auszulassen versuchte, wollte sie es vermeiden, sich so kurz nach der Konfrontation mit den Kreaturen in die Haare zu kriegen. Einer musste schließlich dafür sorgen, dass sie als Gruppe weiterkamen.
      Sie bedankte sich bei Valterri und ritt wieder ein Stück fort. Sie zogen größenteils schweigend weiter und während sich die Nässe zunehmend auf ihrer Haut sammelte, sank ihre Stimmung doch mit weiter ab.
      Zumindest gab es keine Anzeichen von Kreaturen, als sie Stunden später ein Lager aufschlugen. Es gab auch keine Schwierigkeiten, als sie hinterher weiterzogen, weiter durch einen dichter werdenden Nebel und einen Sprühregen, der schon längst ihre Kleider durchnässte. Es gab allerdings eine Konfrontation, als sie die Nacht überdauerten, am Morgen sich der Nebel lichtete und sie sich unversehens dem Skelett einer ehemaligen Zivilisation gegenübersahen: Riesige Felsbrocken, halb stehende Gemäuer, aufgewühlter Steinboden und freigelegte Höhlen zeugten von was einst mal ein Dorf gewesen sein konnte - oder eine Stadt. In jedem Fall hätte das nicht Teil ihrer Reise sein sollen.
      Renera starrte das Gebilde in der Ferne einen Moment an und drehte sich dann um.
      "Hey Jarku!"
      Sie ging zu ihm, nickte zu den Ruinen in der Ferne.
      "Wie war das noch mit…", sie kniff die Augen zusammen, "wir sind schon noch auf dem richtigen Weg? Kommt dir das bekannt vor? Hast du vielleicht eine Erklärung dafür, dass uns auf unserem richtigen Weg eine Ruine in die Quere kommt und nicht - wie nach der Karte - ein Wald? Hm?"
      Mittlerweile hatte sie selbst etwas von ihrer Gelassenheit abgelegt. Die ständige Kälte des Regens, der ewig weiße, dunstige Nebel und letztlich die nervenzehrende Ungewissheit über ihre Sicherheit fingen an ihren Tribut zu fordern. Außerdem lief ihr seit dem gestrigen Abend die Nase und wenn sie etwas nicht gebrauchen konnte, war es krank zu werden. Genauso wenig konnte sie es gebrauchen, dass sie vom Weg abgewichen waren.
    • Jarku kam ritt langsam und gelassen auf Renera zu als sie ihn rief. Er hatte schon erwartet dass sie wieder über Aradan sprechen würde oder sich allgemein bei ihm beschweren würde und zumindest letzteres traf zu.
      Schulter zuckend blickte er in die Ferne und lies dabei seine Gelassenheit mehr als zuvor raus hängen. In diesem Fall aber mehr um Renera zu zeigen dass er sich durch ihre Laune nicht anstecken lassen würde.
      "Hm? Klar kommt mir das bekannt vor. Habs ja selbst gesagt. Da hab ich dir wohl etwas zu viel zugetraut hm? Hätte wohl doch mal nen Blick auf die Karte werfen sollen. Aber macht nichts. Vielleicht kann sich ja die Rothaarige hier austoben."
      Da ritt er auch schon wieder zurück zum Wagen und sprach in diesen rein
      "Hey. Du stehst doch aufs Plündern. Haben da vorne eine Dorf Ruine entdeckt. Tob dich ruhig aus wenn du möchtest."
      Dann wanderte sein Blick zu Valteri
      "Vielleicht finden wir dir ja ne neue Axt. Wer weiß."

      Dieser nickte, rechnete aber nicht damit überhaupt was zu finden. Je nachdem wie alt eine Ruine war, kamen sicher schon andere Banditen vorbei um die Reste zu plündern. Elraya wünschte er aber auch, dass sie etwas finden würde, es würde ihr sicher gut tun.
      Jarku warf er dann aber einen etwas ernsteren Blick zu, als wolle er ihm klar machen Renera nicht ganz so Gleichgültig entgegen kommen zu müssen.
      "Was denn? Lass sie doch schmollen. Sie fragt den Einzigen der keine Karte lesen kann nach der Richtung und behandelt mich wie einen Sträfling. Sie kann jederzeit nach meiner Hilfe fragen aber rum schuppsen is bei mir nunmal nicht drin."
      Antwortete er laut genug im Flüsterton dass es Valteri mitbekommen konnte aber nicht weit genug bis nach Renera durchdringen würde.
    • Renera starrte finster zu Jarku hoch. Wenn sie geglaubt hatte, dass sie sich mit dem gemeinsamen Angriff auf die Kreatur etwas besser mit dem Rothaarigen verstehen würde, hatte sie falsch gelegen. Er wirkte noch immer so nachlässig mit allem, als gäbe es nichts, worüber er sich jemals Gedanken machen müsste.
      "Du mir zu viel zugetraut? Wie wäre es denn, wenn du dann beim nächsten Mal vorne weg reitest und ich mich in den Wagen lege? Dann kannst du selbst sehen, wie du bei dem Nebel vorankommst."
      Sie musste schniefen, was ihrer kleinen Schimpftirade ein wenig an Ernsthaftigkeit einbußen ließ, ehe sie sich ärgerlich von ihm abwandte. Er hörte ja eh schon nicht mehr zu. Er hatte ein solches Potential mit seinen Giften und alles war daran verschwendete, dass er sich wie ein Jugendlicher aufführte.

      Elraya sah die ganze Sache ein wenig anders. Für sie war Jarku an diesem Tag sowas wie ein Engel, der gute Nachrichten überbrachte.
      "Was? Echt jetzt? So richtig?"
      Sie wurde gleich überaus hellhörig, kroch aus dem Wagen hervor und begutachtete dann die Gesteinsformationen in der Ferne. Ihre Freude wurde wieder ein bisschen gedämpft.
      "Ach, da steht ja eh nichts mehr, was soll ich da schon finden."
      Sie war dennoch die erste, als die Truppe zur Ruine ritt.

      Für die restliche Dauer der Pause, in der Renera im Alleingang versuchte ihren Standort zu ermitteln, huschte Elraya zwischen den Trümmern umher, verschwand in Löchern im Boden, schob Gestein durch die Gegend und suchte den Boden nach glitzerndem Kleinkram ab. Zu ihrer eigenen Überraschung wurde sie sogar fündig: Ein halbes Dutzend noch nicht ganz verwester Leichen lagen zwischen Schutt und Trümmern vergraben, allesamt mit Löchern in den Körpern, die zu groß waren um mit menschlicher Hand geschaffen worden zu sein. Allerdings interessierte Elraya sich herzlich wenig für die Art, wie sie gestorben waren und mehr, was sie in ihren Taschen hatten.
      "Hah!"
      Ihr Triumphruf hallte durch die ganze Ruine, als sie ihr Fundstück in die Luft reckte: Ein silberner Groschen.
      "Hat sich ja schon gelohnt."
      Sie grinste vor sich hin und führte ihre Leibesinspektion an den Leichen fort. Ein Ring fand seinen Weg in ihren Besitz und ein Glücksbringer. Das war zwar eine sehr dürftige Ausbeute, aber wohl mehr, als sie in dieser Einöde erwarten durfte. Sie ließ den Fund in ihre Taschen gleiten und setzte ihre Suche dann etwas fröhlicher fort.
      Sie hatte eine halbe Stunde in Schutt wühlend verbracht, als sie doch endlich etwas glitzerndes sah, ihrem Fund aber sogleich mit einem genervten Seufzten Ausdruck verlieh, als sie ihn unter dem Stein hervorzog. Es handelte sich lediglich um ein Stück Mauer, in das ein anderes Stück Mauer eingefasst war, das aber mit einer Farbe übersehen war, die das Licht minimal reflektierte. Fast könnte man den Anschein haben, dass das Muster einem Buchstaben entsprach, allerdings war das nur Elrayas Vermutung, nachdem sie nicht lesen konnte.
      Sie steckte das Stück Stein dennoch ein, denn womöglich konnte irgendein Schmied etwas damit anfangen, und schlenderte dann beschwingt zur Gruppe zurück.
    • Es war beinahe schon niedlich wie erfreut Elraya war. Immer mal wieder konnte man sie durch die Ruine hüpfen sehen wie ein freudiges Rehkitz auf einer prächtigen Gras Landschaft.
      Valteri und Jarku machten sich dann aber auch langsam auf und untersuchten das ehemalige Dorf. Es hatte schon ein beklemmendes Gefühl solche Ruinen zu durchsuchen. Beinahe konnte man in jungen Ruinen hinter jedem Felsen noch die Schreie von Menschen hören, welchen großes Unrecht widerfahren war.
      "Hm.. Ist wohl noch keinen Winter her oder?"
      Valteri schüttelte den Kopf und ging in die Knie um ein rostiges Schwert zu ergreifen. Es war schon so vom Rost zerfressen, dass man es mit leichtem Druck zerteilen konnte, was doch etwas seltsam war.
      "Das Schwert ist von Rost zerfressen. Muss länger her sein."
      Jarku sah ihm dabei zu wie er das Schwert untersuchte und konnte nicht abstreiten, dass selbst billig verarbeiteter Stahl nicht so schnell so viele Schichten von Rost durchfressen sein konnte. Das Schwert sprach eher für mindestens 3 Jahre, doch sah die Ruine für 3 Jahre noch viel zu frisch aus. Die Skelette, welche Jarku aus der Ferne bei Elraya aus machen konnte, zeigten kaum Verwitterung auf. Zwar waren manch Sträucher schon hoch gewachsen, doch fehlte an den halben Gemäuern gänzlich das Moos.

      Alarmierend war es jedoch nicht. Höchstens mysteriös. Kaum ein Grund darüber mit Renera reden zu müssen, was Jarku nur erleichterte.
      Die Hoffnung eine neue Waffe für Valteri zu finden, schwand aber mit jeder weiteren Minute der oberflächlichen Erkundung.
      Von der Größe her glich diese Ruine der von Melora.
      "Hey. Ich gratuliere. Vielleicht können wir ja in der nächsten Stadt auf die Pirsch gehen, was meinst du?"
      Fragte Jarku Elraya beinahe schon anstachelnd und leise
      "Das muss dann aber unter uns bleiben"

      "Was sagt die Karte? Dorf noch heil?"
      Fragte Valteri Renera als er auf sie stieß. Er hatte auch bemerkt wie seltsam die Verwitterungen hier scheinbar kein Interesse hatten zeitgemäß voran zu schreiten. Falls die Karte noch neu war und darauf diese Ruine als normales Dorf verzeichnet war, konnte es tatsächlich noch nicht lange her sein, dass es fiel.
    • Elraya wandte sich Jarku mit einer Mischung aus Überraschung und Misstrauen zu, dann erst veränderte sich ihre Miene und bildete ein böses, breites Grinsen, das ihre Augen verengte.
      "Du willst mit mir auf einen Raubzug gehen?"
      Sie musterte Jarku für einen Moment, als würde sie ihn mit einem Mal mit ganz anderen Augen sehen.
      "Ich wusste ja gar nicht, dass du solche Neigungen hast, Flacharsch. Ich dachte, du würdest dich eher an alles halten, was der Weißhaarige vorgibt. Bist wohl doch kein so braves Hündchen, hä?"
      Sie grinste ihn an und spielte mit dem Silbergroschen herum, den sie gefunden hatte. Sie ging sogar soweit ihm ihre Brust entgegen zu recken, obwohl er eigentlich gar nicht ihr Typ war.
      "Kannst du das überhaupt? Wenn du mitmachen willst, dann nach meinen Regeln und die sind nicht für Anfänger gemacht. Ich mach' das schon mein ganzes Leben lang, da musst du mithalten können."
      Ihre Augen blitzten bei der Vorstellung gierig auf.

      Renera blickte kurz auf, als Valterri zu ihr kam. Von allen Anwesenden - und Wachen - war er der einzige, mit dem sie sich momentan gerne unterhalten hätte, aber in dieser Sache konnte er ihr wohl genauso behilflich sein wie Aradan.
      Sie schniefte und rieb sich mit dem Handrücken über die Nase.
      "Nein, hier gibt es gar kein Dorf. Die Karte ist nicht aktuell, das haben wir schon bei Melora herausgefunden, aber die Ruine gibt es trotzdem nicht. Ich habe keine Ahnung, wo wir sind."
      Sie blickte in den wolkenverhangenen Himmel auf und sah sich dann nach allen Richtungen um.
      "Wenn es nicht so viel Flachland und Wiesen Isnijan gäbe, könnten wir uns vielleicht orientieren, aber es sieht alles gleich aus. Und ich weiß nicht, wie wir abgewichen sind - nördlich oder südlich. Wir brauchen jemanden, der sowas im Blick behält und nicht gleichzeitig mit Wache beschäftigt ist."
      Sie sah wieder zu Valterri hoch. Nachdem sie auf dem Boden saß und er vor ihr stand, wirkte er wie ein überdimensionaler, weltenvernichtender Gigant auf sie, der bis in den Himmel aufragte - die fehlende Axt hatte dabei keine besänftigende Wirkung. Es war fast eine Schande, dass er kein eigenes Pferd besaß, der Anblick wäre für jedes Lebewesen absolut schockierend.
      "Können die Zwillinge Karten lesen?"
    • Jarku musste doch ein wenig schmunzeln als Elraya klar machte überhaupt keinen Gedanken an ihn verschwendet zu haben. Für ihn war das meist von Vorteil aber seit sie in der selben Truppe unterwegs waren, hätte er sogar Ihr zugetraut aufmerksamer sein sein.
      "Mich wundert es viel mehr dass du glaubst, ich wäre ein braver Junge"
      Spielerisch deutete er auf seine Waffenart hin, gefolgt von seinem Gürtel voller Gifte und im Anschluss seine Augenklappe
      "Was glaubst du wozu ich all das hab, hm?"
      Er lächelte und wollte sie keinesfalls auflaufen lassen oder als dumm hinstellen. Viel mehr näherte er sich ihr als Gruppenmitglied
      "Dolche nehmen nur Leute die heimlich angreifen. Für ein Schlachtfeld lohnt sich nur ein Schwert oder größeres. Und meine Augenklappe habe ich um den Lichtwechsel schneller verarbeiten zu können. Noch nie davon gehört?"
      Er trat einen Stein vor sich weg und ging langsam auf und ab um eine entspannte Unterhaltung zu führen
      "Du hattest sowas doch sicher auch ganz oft. Man kommt ohne es geplant zu haben in eine hitzige Verfolgungsjagd mit dem Gesetz. Man will sie los werden aber immer mal wieder kommt es vor, dass wer viel zu eifrig ist. Sei solchen also immer einen Schritt voraus. Fliehe vom hellen Tag in einen dunklen Verschlag, Höhle oder abgedunkeltem Lager. Hauptsache stock duster. Dann wechselst du die Augenklappe von einem Auge zum anderen. Das erste ist noch das helle Licht gewohnt. Das andere jedoch die Dunkelheit. Du musst dich also nicht erst mit gespitzten Augen an den Unterschied gewöhnen, sondern hast einen klaren Vorteil gegenüber deinem Verfolger."
      Er räusperte sich
      "Das gilt übrigens auch für Eindringlinge. Wenn du in einem Unterschlupf bist, welches hell erleuchtet durch Fackeln und Laternen ist, kannst du den Kampf auch draußen bei Nacht führen indem du einfach nur die Klappe wechselst. Hat mir schon manche male den 'Flacharsch' gerettet"
      Dann hielt er an und wandte sich zu Elraya, hatte seine Hände die ganze Zeit über hinter seinen Händen, holte dann aber eine hervor, in welcher das funkelnde Silberstück war, welches Elraya stolz als ihren Fund präsentiert hatte. Während seiner Geschichte nutzte er seine Fähigkeiten als ehemaliger Langfinger und nahm es ihr weg um gen Ende zu zeigen dass er ganz klar kein Anfänger war.
      "Ich hatte ein Leben vor Aradan. Vergiss das nicht. Hatten wir alle hier. Er hat uns allen das Leben gerettet, manchen mehr als einmal. Aus diesem Grund bleiben wir bei ihm. Hat zwar für den ein oder anderen hier auch weitere Gründe aber im Grunde wäre das wohl der Punkt. Oh und nicht falsch verstehen. Ich war kein Taschendieb. Ich war mehr sowas wie ein... Puh wie nennt man das hier bei euch... Ein Ordnungshüter? Nee... Sagen wir einfach, dass im fernen Osten andere Gesetze gelten. Dort werden kriminelle Untergrundbanden toleriert, solange sie für ein Gleichgewicht sorgen. Ich war in einer, welche sich mit denen anlegte, die mit Menschenhandel und harten Drogen ihr Geld verdienten. Meine hat nur die eigentlichen Ordnungshüter bestochen und Schutzgelder eingetrieben. Da kam es auch schon mal zu verdeckten Aktionen die niemand mitbekommen musste. Mit anderen Worten - Leute wie ich. Ich war gut darin Dinge wie einen Unfall aussehen zu lassen oder Informationen zu beschaffen. Letzteres dürfte dir ja noch bekannt sein"
      Er lachte verlegen, auch wenn das Verhör mit Elraya nur aufgrund von Aradan so harmlos verlief.

      Auf Valteri's Seite kamen die Beiden nicht wirklich weiter. Die Karte war zu alt um irgendwelche nützlichen Informationen preis zu geben. Auch die Frage ob die Zwillinge Karten lesen konnten, musste er mit einem Kopfschütteln abtun.
      "Können nur Zeichen aus Osten dem lesen. Keine Karten. Aber nicht schlimm."
      Er nickte Renera vertrauensvoll entgegen
      "Werden unser Ziel erreichen. Auch verzögert. Brauchst keine Sorgen haben kleiner Vogel. Geh und sieh nach Aradan. Unter die Decke um den Schnupfen zu bezwingen."
      Renera war zwar in der Armee gewesen, doch gab es dort scheinbar mehr Annehmlichkeiten und Möglichkeiten um sich vor Witterung zu schützen. Solch einen Niesel und Kälte würde ihn als auch Jarku nicht so schnell schwächen. Für Elraya und den Zwillingen konnte er indes nicht sprechen. Bevor es aber schlimmer werden würde, hätte er nichts dagegen gehabt wenn sich Renera ausruht bis die Erkundung der Ruine enden würde.
    • Wenn Elraya bislang noch Zweifel an Jarkus Ernsthaftigkeit gehegt hatte, verflogen diese spätestens dann, als sie wie gebannt seiner Erläuterung lauschte. Sie hing förmlich an seinen Lippen, verkniff sich ja sogar einen sarkastischen Kommentar, nur um nicht an Aufmerksamkeit einzubußen, die sie ihm in diesem Augenblick entgegen brachte. Erst, als er Aradan erwähnte, riss sie sich ein wenig von ihrer Faszination los und schnappte sich ihren Groschen zurück, den sie schnell in ihrer Tasche verschwinden ließ.
      "Ach, immer reden alle von dem Weißhaarigen, als wär' er ein König oder sowas", murrte sie, schien sich aber nicht ganz so sehr darüber aufzuregen, wie sie wohl herüberzubringen versuchte. Ihre Neugier gegenüber Jarkus Hintergrund obsiegte. Sie war sogar so davon beeindruckt, dass sie sich nicht einmal von der Erinnerung an die Folter ablenken ließ.
      "Du kannst aber ja nichts sehen auf der Hälfte deines Gesichts, wie willst du da ordentlich kämpfen? Woher willst du wissen, ob nicht jemand von der Seite kommt? Und selbst wenn du es weißt, kannst du ja gar nicht sehen, was er dort treibt - was ist, wenn sich einer anschleicht, und wenn du dich zu ihm umdrehst, steht er an einer völlig anderen Stelle? Oder er hat einen Dolch gezogen, was du nicht gesehen hast? Das hört sich alles viel zu riskant für einen Kampf an wenn du mich fragst. Aber sich schnell an die Dunkelheit zu gewöhnen, ist schon nicht schlecht."
      Sie grinste ihm für einen Moment freudig entgegen, die grimmige Vorfreude auf eine erfolgreichen Beutezug.
      "Du kannst es mir ja zeigen, wenn wir in der Stadt sind - nur du und ich, wir holen uns ein hübsches Sümmchen ein, von dem niemand was wissen muss. Wir besorgen uns einen Stadtplan und dann holen wir uns die richtig guten Sachen und gehen davon einen trinken."

      Sie blieben eine weitere halbe Stunde an der Ruine, nur um sicherzugehen, auch nichts übersehen zu haben, ehe sie mit größtenteils leeren Händen wieder abzogen. Renera hatte sich zu Aradan in den Wagen gelegt und gedöst, war bei ihrer Abreise allerdings schon wieder zu Pferd und ritt vorneweg. Valterris Zuspruch war zwar nicht gerade aufmunternd gewesen, aber er hatte ja recht, früher oder später würden sie ihr Ziel wohl erreichen. Bis dahin galt es, sich im Wagen zusammen zu pferchen und die letzten Vorräte, die ihnen übrig blieben, gut aufzuteilen.
    • "Warte ab"
      Meinte Jarku versichernd als sich Elraya nicht erklären konnte was es mit Aradan auf sich hatte. Er hätte ihr niemals erklären können was man nur mit eigenen Augen erfahren konnte, also hielt er lieber seine Hände stoppend vor sich als Elraya schon ihren Raubzug plante.
      "Moment. Es gibt Regeln. Ich weiß wirklich nicht wie es bei dir ist oder wie euch dieser Berek umher gescheucht hat, jedoch gilt für mich das Gesetz der Ehre. Ich werde niemals von Leuten klauen die einem ordentlichen Handwerk nach gehen, Kinder hüten, oder halt allgemein ein tüchtiges Leben führen. Kurz gesagt - Keine Unschuldigen. Wir werden die Stadt sondieren. Finden wir ein Arschloch dass eine Abreibung verdient hat, entledigen wir uns seiner Güter. Nur die bösen Jungs sind Freiwild für uns."
      Dann hielt er Elraya seine Hand hin
      "Abgemacht?"

      Eine ganze Weile später, nach welcher Valteri auch nichts in den Ruinen entdeckt hatte, hielt er vor einer eingestürzten Mauer an. Ihm war in diesem Moment beinahe so als hätte er darunter etwas vermutet. Er konnte es sich nicht erklären. Es war viel mehr wie ein böses Omen. Ein Instinkt. Er wollte einfach unter dieses Stück gucken und packte die Mauer auch schon.
      Doch dann tauchte Jarku auf und lenkte ihn ab.
      "Hey. Ziemlich mager hier oder? Komm. Wird Zeit wieder zurück zu trudeln."
      Für einen Moment war Valteri als hätte man ihn aus einem Bann gezogen, bis Jarku ihm auf die Schulter klatschte
      "Was ist los. Hab ich dich beim pinkeln gestört oder was. Komm schon."
      Valteri schüttelte den Kopf und sah noch einmal auf das Stück Gemäuer, ehe er sich der Gruppe anschloss und den Wagen in Bewegung brachte. Auch Renera war schon wieder aus ihrem Nickerchen erwacht und brachte mit kurzer Absprache aller, die Truppe wieder auf dem selben Weg zurück, bis sie wieder eindeutig die Hauptstraße erreicht hatten und ihren Weg wie geplant fortsetzen können. Es war der einfachen Erschöpfung geschuldet. Ein kurzer Augenblick in welcher die Augen zugefallen sein mussten um vom Weg ab zu kommen.
      Aber es störte keinen der Anwesenden. Allem voran störte es Jarku nicht. Endlich hatte er einen kleinen Draht zur Neuen gefunden. Wenn alle miteinander auskommen wollten, musste man manchmal den ersten Schritt wagen, auch wenn er bei Renera anders dachte. Egal wie er es drehen und wenden wollte, sah er sie an als wäre sie ausschließlich wegen Aradan in der Gruppe und nicht um sich mit allen anzufreunden.

      Nach gut zwei weiteren Stunden tauchte dann auch endlich ihr Ziel vor ihnen auf. Die Hafenstadt Arasis.
      Eine Stadt die nur halb so viel Mauerwerk benötigte, wie eine Stadt es brauchte die inmitten des Landes errichtet wurde. Sie war kleiner als die Stadt zuvor, doch war das keineswegs schlecht. Jarku drückte Renera direkt die Zügel seines Pferdes in die Hand, während er neben ihr ritt und hüpfte sofort danach auf den Planwagen um einen besseren Blick zu bekommen und die frische Seeluft in seine Seele aufzunehmen. Auch Valteri konnte sich nicht nehmen lassen ein paar tiefe Züge zu nehmen als sie freundlich in die Stadt gelassen wurden. Das Geräusch krächzender Möwen erinnerte die Truppe direkt an ihre Zeit auf See, sogar die Zwillinge strahlten aus dem Wagen hinaus nach vorne, links und rechts an Valteri vorbei.
      Die Stadt war einfach so viel überschaubarer und wirkte nicht so dicht besiedelt, auch wenn ein eiliges Treiben auf den Straßen herrschte. Die Häuser waren selten über ein zweites Stockwerk groß, was in der Vorstadt eher als Seltenheit galt. Nur die Lagerhäuser an der Werft selbst waren pompös und eindrucksvoll, ebenso wie das riesige Kontor, welches für all den Seehandel bereit stand.
    • Noch am selben Tag erreichten sie, trotz Umweg, die Stadt.
      Arasis war mit ihrer geringen Größe und der - im Vergleich - lächerlich kleinen Mauer kaum so eindrucksvoll wie eine Großstadt, noch herrschte dort dieselbe Atmosphäre. Wo sich in Shegar die Menschenmengen tummelten und auf ein Vorankommen hofften, gab es in Arasis einen stetigen Strom an Reisenden, die auf der Hauptstraße die drei wichtigsten Bezirke der Stadt anstrebten: Die Wohngebiete, die Werft und die Kneipen. Der Großteil der Arbeiter beschrieb tagtäglich nur diesen einen Weg, weshalb die Straße wirkte wie ein stetig fließender Bach.
      Die Gruppe ergriff eine Renera unbekannte Freude, als sie durch das Tor gelassen wurden, während sie selbst sich eher mit gemischten Gefühlen umsah. Die Seeluft wirkte einladend auf sie, fast heimatlich sogar, aber der ganze Rest sorgte eher für Beklemmung. Am Tor stank es noch immer nach Tierdung, es gab noch immer Händler ohne Stand, die mit Gebrüll versuchten ihre Ware zu verkaufen und die Häuser waren noch immer so winzig und baufällig wie vor zehn Jahren. Arasis war wohl die einzige Stadt, bei der Renera sich gewünscht hätte, dass sich über die Jahre etwas geändert hätte.
      Sie sah sich nach Valterri um, die Zügel von Jarkus Pferd um den Sattelknauf gewickelt.
      "Ich kenne ein Gasthaus, wo es nicht ganz so sehr stinkt."
      Sie überlegte für einen Moment klarzustellen, dass sie den permanenten Geruch von Scheiße und nassem Holz und nicht etwa die Seeluft meinte, ließ es dann aber doch bleiben. Sie ritt voraus und führte den Wagen in den Strom der Menschen hinein.

      Das Gasthaus lag angrenzend zum Hafen, womit der beißende Geruch größtenteils von dem Geruch der Hafenarbeit überlagert wurde. Die Möwen saßen dort auf der Dachrinne und kreischten sich die Seele aus dem Leib, ein Geräusch, das von den fernen Hafenarbeitern untermalt wurde. Das Gasthaus selber war klein, so wie alle anderen Häuser, aber im Gegensatz zu anderen besaß es eine ganz eigene Küche und es gab sogar einen Stall. Der Stallbursche war ein hochgewachsener, zuvorkommender Junge, der Valterri dennoch mit vor Schrecken geweiteten Augen anstarrte.
      Nachdem sie den Wagen, die Tiere, den letzten Rest ihres Gepäcks und Aradan im Gasthaus verstaut hatten, wandte Renera sich an Valterri, nachdem Jarku schon beschäftigt war.
      "Lasst uns doch heute Abend gemeinsam Essen gehen, das haben wir in Shegar nicht gemacht - dabei kenne ich hier ganz gute Kneipen. Bis dahin werde ich noch nach meiner Mutter sehen, das geht ganz schnell."
      Sie lächelte ein wenig.
    • Nachdem sich die Euphorie langsam wieder setzte, beobachteten alle das Treiben in der Stadt. Es war alles anders als in der ersten Hafenstadt die sie besuchten. Die war einfach größer in allem. Mehr als 10 Stege zum anlegen großer Schiffe bot die letzte Hafenstadt. Mehrere Kontoren und ähnlich hohe Gebäude wie in Shegar. Im Vergleich ist Arasis beinahe schon Idyllisch und doch geschäftig.
      Was dann aber alle sehr begrüßten, war wohl der Vorschlag ein Gasthaus aufzusuchen. Nach dem Angriff der fliegenden Bestie und dem Auftreten eines Wanderers, hatte wohl jeder erst mal eine ordentliche Pause nötig. So sehr man es auch gewohnt war außerhalb zu schlafen, schlief man nie tief.
      So folgten alle Renera bedacht und auf die anderen Bürger achtend, welche Pferde und große Wagen so sehr gewohnt zu sein schienen, dass sie meist nur sehr knapp vor einem Pferd her liefen, was Valteri das ein oder andere mal erschwerte die aufschreckenden Pferde noch ruhig zu halten.

      Lange dauerte es nicht, bis die Truppe näher zum Wasser kam. Der Geruch von Vieh und Gasse wich dem der salzigen See und verschwitzten Matrosen. Auch der antrabende Stallbursche hatte allem Anschein nach schon lange keine frischen Kleider mehr getragen... auch wenn man in seiner Berufung wohl auch schon nach 1-2 Tagen so aussah. Ein kleines bisschen Mitleid hatte Jarku bei dem Anblick aber schon und schnippste ihm ein Silberstück vom Dach des Wagens aus entgegen ehe er sich mit allen darum kümmerte die Güter sicher zu lagern und den Wagen unter Aufsicht und Verschluss von neugierigen Blicken zu verstauen.
      Als das getan war, trug Jarku auch schon Aradan in das Gasthaus und erklärte den Besitzern kurzerhand dass er nur unter einer seltenen Schlafkrankheit litt. Nicht dass noch die Wachen gerufen werden im Verdacht hier Leichen rein zu tragen.
      Valteri selbst hatte grade noch die Truhe mit dem Kryss geschultert, welche sie sicher nicht unbeaufsichtigt lagern würden, ehe er von Renera angesprochen wurde.
      Er empfand es als keine schlechte Idee mal wieder richtig ausgiebig zu essen, wunderte sich aber doch ein wenig, weswegen er den Kopf leicht anlegte
      "Gute Idee Renera. Aber wäre Unfair. Alle verdienen gute und große Mahlzeit. Sollten alle an großen Tisch speisen. Eure Kneipen haben große Tische, oder?"
      Es war klar dass er das unter 4 Augen sprechen klar darin gedeutet hat, dass Renera nur mit ihm Essen gehen wollte. Aber zu ihrem Plan des Besuchs, hatte er ganz klar nichts einzuwenden.
      "Nimm dir Zeit. Sicher lang her. Keine Eile."
    • Renera blinzelte. Manchmal schien es doch sehr hinderlich zu sein, dass Valterri die Sprache nicht ganz zu beherrschen wusste.
      "Was sollte denn daran unfair sein? Natürlich werden wir alle essen - bis auf Aradan, versteht sich."
      Sie beschloss, einfach nicht weiter darüber nachzudenken. Manchmal war das besser so.
      "Im Träumenden König werden wir sicherlich was finden, die haben den besten Rum in der ganzen Stadt. Wir treffen uns alle heute Abend da, okay? Wirst du den anderen Bescheid geben?"
      Sie lächelte flüchtig, glücklich über den ihnen bevorstehenden, entspannten Abend. Solange sie hier kein solches Disaster erleben würden wir in Shegar, war ihr alles recht.
      "Bis nachher!"
      Dann reihte sie sich auch schon wieder in den Strom der Leute ein.

      Das Haus der Elquin war ein Gebäude mit einer dunklen Holzfassade, das sich zwischen zwei anderen Wohnhäusern in eine Seitenstraße fernab des Tores und der Hauptstraße quetschte. Es hatte in alle Himmelsrichtungen ein einzelnes Fenster in den Wänden und das Dach war etwas schief, deutlich durch eine Naturkatastrophe in Mitleidenschaft gezogen. Dafür besaß es allerdings auch einen kleinen Garten, in dem eine Wäscheleine aufgespannt war, und sogar einen hauseigenen Brunnen. Die Blumen an der Tür blühten alle in voller Pracht und die Fensterscheiben waren makellos und rein, ein Phänomen, das Renera selbst von ihrer Kindheit nicht kannte. Alles in allem war es ein ordentliches Haus, wenn man bedachte, dass seine Bewohner kostenfrei darin wohnten, nachdem ein beachtlicher Teil sich der Armee angeschlossen hatte - wenn auch, wie in Reneras Fall, nur vorübergehend.
      Sie warf einen kurzen Blick in den Garten, versuchte für einen Moment im dunklen Inneren etwas zu erkennen, ehe sie sich schließlich dazu durchrang zur Tür zu gehen und anzuklopfen. Sie wartete lange, ehe sie es ein weiteres Mal versuchte, und wartete dann noch länger, ehe sich endlich etwas regte. Das Haus war zwar größer als in Melora, aber kaum groß genug, um ein Klopfen nicht sogar im hintersten Zimmer zu hören.
      Hinter der Tür wurde ein Riegel beiseite geschoben, ehe die Tür sich einen Spalt öffnete und dort verharrte. Dann, zu Reneras Verwunderung, drang eine Mädchenstimme heraus.
      "Ja?"
      "Wer bist du denn?"
      Das Mädchen, das sich hinter der Tür versteckte, antwortete nicht.
      "... Wohnt hier nicht mehr Elquin?"
      "Doch?
      "
      Die Tür ging ein Stück mehr auf, aber nur ein kleines Bisschen.
      "Und wo ist sie dann? Und wer bist du?"
      "Wer will das wissen?"
      "Renera."
      Schweigen folgte.
      "... Renera Elquin?"
      Da ging die Tür ein Stück weiter auf und das Mädchen zeigte sein blasses, argwöhnisches Gesicht.




      Sie musterte Renera, sagte aber nichts. Aus ihrer Miene war kaum herauszulesen, ob sie mit diesem Namen etwas anfangen konnte.
      "Und wer bist du?"
      "Edea."
      Und so wenig, wie Edea wohl "Renera" etwas sagte, so viel sagte Renera "Edea" etwas. Sie weitete die Augen und starrte auf das kleinere Mädchen hinab, mit dem zierlichen braunen Kleid, der Schürze um die Hüfte, die Haare strähnig und ungewaschen auf ihren Schultern. Edea Elquin, Reneras 15-jährige Halbschwester, die sie lediglich als Baby kennengelernt hatte, hatte in etwa so viel mit Renera gemeinsam, wie ein Pferd mit einem Esel. Die eckigen Kanten in ihrem Gesicht glichen in keinster Weise Reneras weichen Zügen und ihre Haare waren eher dünn und wellten sich, während Reneras dick und beinahe gänzlich glatt waren - ganz zu schweigen von ihrer Farbe. Doch wenn es eins gab, was die beiden Schwestern als solche hätte auszeichnen können und was in der Familie Elquin sowas wie ein Markenzeichen war, dann war es die Art und Weise, wie dieses kleine Mädchen, das nicht größer als 1,60 sein konnte, wie durch eine unsichtbare Hand ihre Schultern straffte und die Brust hervordrückte, um Renera stumm ihren Widerwillen auszudrücken. Bei allen Kreaturen, sie sah aus wie eine kleine Fijena - wie eine kleine Ellaya sogar.
      "Meine Güte, bist du groß geworden!", stieß Renera endlich hervor und trat durch den Türspalt ein. Edea wich zurück; Unsicherheit flackerte in ihrem Gesicht auf, allerdings schien sie fest dazu entschlossen, so wenig wie nur irgendwie möglich davon Preis zu geben.
      "Mama! Da ist jemand!"

      Mit ihrem Ruf erinnerte sich auch Renera wieder, weshalb sie überhaupt hergekommen war. Sie wandte sich von Edea ab und sah in die dunkle Wohnung hinein.
      "Ich bin's!"
      Dann wappnete sie sich auf den bevorstehenden Zusammenstoß und fügte nach einem tiefen Luftzug hinzu: "Renera!"

      Fijena Elquin war mit Mitte fünfzig eine Frau in hohem Alter, die der Tod zu meiden schien. Die Last des Lebens zeichnete sich überdeutlich an ihrem Körper ab: Wie eine vertrocknete Tulpe saß sie zusammengesunken in dem einzigen Sessel im Wohnzimmer, der nahe genug an den Kamin geschoben war, dass die Flammen ihn sogar fast erreichen konnten. Sie war dürr, fast abgemagert, mit schütteren Haaren und faltriger Haut, die sich allzu deutlich über ihre Knochen spannte. Ihre Augen wirkten trüb und sie hatte einen Buckel entwickelt, der jetzt dafür sorgte, dass ihr Kopf in der Luft schwebte, anstatt sich an die Lehne zu schmiegen.
      Die beiden Frauen starrten sich für einen Moment an, ohne eine Regung von sich zu geben. Renera hatte oft darüber nachgedacht, wie sie ihrer Mutter, mit der sie lediglich Briefkontakt gehalten hatte, wohl gegenübertreten mochte, aber von allen schönen und unschönen Szenarien, die sie sich vorgestellt hatte, war diese hier doch die unwahrscheinlichste gewesen. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis sie endlich die Stille brach, zu Fijena ging und sie in ihrem kleinen Sessel umarmte.
      "Hallo, Mama."
      Als sie sich von ihr löste, hatte Fijena sich noch immer nicht gerührt, sondern starrte sie nur an. Schließlich wanderte ihr Blick an Renera hinab, ging wieder nach oben und auf ihrer Stirn schob sich eine neue Falte zwischen die alten, als sie die ersten Worte in über zwölf Jahren an ihre Tochter richtete:
      "Wo hast du dich nur rumgetrieben, Mädchen? Du siehst aus wie eine Hure."


      Eine Stunde später war Renera höchstgradig unzufrieden und schlichtweg niedergeschlagen, als sie das jetzt deprimierend wirkende Haus hinter sich ließ und die Straße hinab zur Hauptstraße ging. Die Einseitigkeit der Wiedersehensfreude hatte den Zweck völlig entfremdet und jetzt konnte sie sich zwar sicher sein, dass es ihrer Mutter gut ging - zumindest so gut, wie man das bei ihrem Zustand nennen konnte - aber ihre Freude darüber war wohl gänzlich gedämpft. Eigentlich ärgerte sie sich sogar, überhaupt hergekommen zu sein; anstatt das Wiedersehen zu genießen, hatte sie sich anhören dürfen, was für eine Schande sie der Familie mit ihrem Austritt aus der Armee bereitete und was für eine größere Schande sie gebracht hatte, als sie das ganze Land verlassen hatte. Außerdem schien ihre Mutter ihre Garnitur für die Aufmachung einer Prostituierten zu halten, denn sie hatte sich in aller Ausführlichkeit darüber aufgeplustert, wie es Renera in ihrem Alter - was auch immer das heißen mochte - nur wagen konnte, so herumzulaufen. Und schließlich hatte sie sie sogar zu Hausarbeit verdammen wollen.
      Womöglich wäre alles anders gekommen, wenn Khil bei ihr gewesen wäre, so wie sie eigentlich geplant hatten. Womöglich wäre alles anders gekommen, wenn Aradan bei ihr gewesen wäre, der sich schließlich schon einmal mit Fijena auseinandersetzen durfte. Womöglich wäre alles anders gekommen, wenn irgendjemand mitgekommen wäre. Aber es war keiner hier, nicht Khil, nicht Aradan, nicht Ellaya, nur Renera und ihre Mutter, die sie als das bezeichnete, was sie selbst in früheren Tagen gewesen war. Es hätte wohl keine unbefriedigendere Auseinandersetzung geben können.
      Sie wollte gerade um die Ecke biegen, als eine Stimme hinter ihr sie stehenbleiben ließ.
      "Renera!"
      Sie drehte sich nach ihrer Halbschwester um, die die Straße auf sie zugelaufen kam, das braune Kleid über die Knie hochgezogen. So wie Renera ihre Mutter kannte, war es sogar genau dasselbe Kleid, das sie auch schon getragen hatte, vor mehr als 19 Jahren.
      "Was machst du denn? Geh lieber nachhause, bevor sie noch merkt, dass du weg bist."
      Edea blieb vor ihr stehen. Nachdem sie Renera nun auch persönlich kennengelernt hatte, schien sie etwas von ihrer Unsicherheit abgelegt zu haben und brachte dafür ihre kindliche Neugier zum Ausdruck. Im Moment sah sie mit beinah flehenden Augen zu ihr auf.
      "Wirst du noch in der Stadt bleiben? Kommst du nochmal vorbei?"
      Renera blickte die Straße entlang, als erwarte sie, die dürre Gestalt von Fijena jeden Augenblick auftauchen zu sehen. Es war schon merkwürdig, was für einen Effekt ihre Mutter nach all den Jahren noch auf sie ausübte.
      "Ich bleibe noch ein paar Tage, denke ich. Aber ich werde nicht nochmal vorbeikommen."
      "Oh, bitte."
      Edea wirkte aufrichtig enttäuscht.
      "Morgen ist sie vielleicht nicht mehr so schlecht drauf."
      Renera musterte sie schweigend. Es war schon gruselig, wie viel von ihr selbst sie in ihrer kleinen Schwester erkennen konnte.
      "Ich überlege es mir, okay? Jetzt geh aber zurück, bevor sie wirklich noch merkt, dass du nicht mehr da bist."
      Edea nickte, dann lief sie zurück, das braune Kleid - Reneras Kleid - noch immer über ihre Knie gezogen. Renera wartete, bis sie verschwunden war, bevor sie sich aufmachte einen ruhigen Ort zu suchen, um für den Rest der Zeit nachzudenken, ehe sie die anderen im Träumenden König treffen würde.
    • Die Zeit verflog während sich die Truppe im Gasthaus nieder lies, die Räume aufsuchten und sie wie gewohnt untereinander aufteilten. Doch hatten Jarku und Valteri nun ein eigenes Zimmer. Die Preise in der Stadt waren nicht mal ansatzweise so hoch wie in Shegar und sie waren sogar etwas gepflegter, was man von außen gar nicht vermutet hätte.
      Valteri erfüllte dann aber auch schon schnell seine Aufgabe und unterrichtete alle darin sich im träumenden König wieder zu finden wenn sie soweit waren. Er gab ihnen die simple Wegbeschreibung und legte sich anschließend für eine kleine Pause in sein eigenes Bett um seine Knochen etwas Ruhe zu gönnen.
      Die Zwillinge sorgten derweil dafür dass Aradan sicher im Bett lag, die Decke bis unter die Arme hoch gezogen hatte und das Kopfkissen weich war. Immerhin konnten sie nicht aus machen für wie lange er dort nun liegen würde. Im Anschluss kümmerten sie sich dann aber noch um die Ausrüstung von Renera und Aradan. Jarku hatte diese nur auf einen großen Tisch abgelegt, mit den Worten dass sich Renera da schon selbst drum kümmern würde ehe schon schnell wieder hinaus ging.
      Die Zwillinge sortierten vorerst alles säuberlich, verstauten die wertvollen Sachen in einem alten großen Schrank, welcher aus robuster Eiche bestand und legten anschließend Renera's Schwerter auf ihr Kopfkissen neben Aradan.

      Jarku nutzte die Zeit bis zum Treffen aus. Ausgemacht war bei der Dämmerung im träumenden König zu sein, bis dahin würden noch gut 2 Stunden vergehen. Zeit genug um an Elraya's Zimmer vorbei zu gehen und ihr ein kleines Zwinkern mit einem Auge hinein zu werfen.
      Sie schien den Wink verstanden zu haben und traf Jarku anschließend vor dem Gasthaus an, welcher an einem Pfosten gelehnt mit den Händen in den Taschen wartete.
      "Und? Unter Anbetracht der Regeln. Wer fiel dir auf?"
      Er nickte in Richtung des Kontor's
      "Ich glaub der Hafenmeister hat was auf dem Kerbholz. Hab gesehen wie er einen Jungen zum sputen schlug. Stellt sich nur die Frage ob der auch genug zum Klauen für uns bereit hält. Hast du was besseres im Angebot?"
      Er machte beinahe schon ein Spiel daraus. Wer hat das wertvollere Opfer für einen Raubzug gesichtet.
    • Benutzer online 5

      5 Besucher