[2er RPG] The Curse of Time {TobiMcCloud & Codren}

    • Aradans Lachen zauberte ihm hübsche Grübchen auf die Wange, die Renera nicht entgingen. Sein Lächeln war geradezu ansteckend, es schien sich auf ihr eigenes Gesicht zu übertragen, ohne, dass sie es gewollt hätte.
      Ihre Mundwinkel zuckten, dann versteifte sie sich jäh. Seit wann war sie denn so unglaublich fasziniert von Aradan? Sie waren doch schon seit gut zwei Wochen miteinander unterwegs, warum hatte sie gerade jetzt das Gefühl, als wolle sie ihm eine Chance geben? War das etwa immernoch der Alkohol in ihr?
      Oder war es Khils Abwesenheit? War es der Umstand, dass sie zum ersten Mal alleine waren und Renera nicht ständig auf ihre Umgebung achten musste? War es, dass sie sich zum ersten Mal begegneten, ohne ihre Rollen als Anführer und Kampfmeisterin spielen zu müssen, ganz entbunden von jeglicher Pflicht, die sie sonst mit sich herumgetragen hätten?
      Der Gedanke ängstigte Renera. Sie fühlte sich verletzlich wie an einer Wunde, die sie nicht abdecken konnte. Aradan machte es nicht besser, er setzte sich zu ihr und hüllte sie in seiner Fürsorge ein wie einer flaumigen Decke ohne Ecken und Kanten, in die sie sich nur reinfallen lassen musste. Allerdings hatte sie Angst vor dem Fallen.
      Sie nahm das durchweichte Stück Brot wortlos entgegen und folgte seinem Ratschlag. Tatsächlich schien die breiige Konsistenz ihrem Magen eher zu entsprechen und sie hielt sich an diese Vorgehensweise, bis sie sich halbwegs satt fühlte. Dann trank sie vom Saft, während sie ihn dabei beobachtete, wie er sein eigenes Frühstück aß, so völlig entspannt und losgelöst von jeder Sorge. Das war ein anderer Aradan als der, der in der Nähe der Gruppe existierte, stets in Alarmbereitschaft und höchst aufmerksam gegenüber alles und jeden um ihn herum.
      Sie stellte das Glas vor sich ab.
      "Aradan, würdest du…"
      Sie erstarrte. Was würde er? Sich mit einer Frau einlassen, die ihn zwar küsste, aber im gleichen Atemzug erzählte, dass sie nicht konnte? Die ihre Berufung über alles und jeden stellte, weil es das einzige war, durch das sie mit dem ganzen unbequemen Rest umgehen konnte? Die sich davor schämte sich im nackt zu zeigen, als hätte er noch nie eine Narbe gesehen?
      Sie starrte für einen Moment in seine blauen Augen.
      "Würdest du… äh… mir lesen beibringen?"
      Lesen? Das war tatsächlich das erste, was ihr in den Sinn gekommen war? Hätte sie sich nicht wenigstens etwas halbwegs romantisches ausdenken können? Lesen?
      Die Kreaturen sollten sie holen kommen - und Aradan gleich mit dazu, der alles zu wissen schien, nur nicht, wie man Gedanken las!
    • Das Essen war gar nicht mal so übel wie Aradan feststellte. Er war zwar nach all der Zeit eher die Kochkünste der Zwillinge gewohnt, doch konnte dieses sich auch sehen lassen und war seinen Preis wert.
      Schon nach der Hälfte fühlte sich Aradan schon sehr viel besser. Sein Magen fühlte sich nicht mehr so komisch an und auch die Kopfschmerzen würden seiner Erfahrung nach schnell wieder verschwunden sein. Um das zu beschleunigen trank er nachdem er fertig war auch noch zwei volle Krüge an frisch gepressten Orangensaft ehe er zufrieden die Luft aus seinen Lungen pustete und sich dabei in den Stuhl hinein legte. Dabei legte er seine Hand auf seinen Bauch, was ihn wieder zum Thema zurück brachte, wo denn eigentlich sein Oberteil hin war.
      Direkt stand er auf und machte sich im Zimmer auf die Suche. Viele Plätze gab es gar nicht, was auch dazu führte dass er es schnell fand. Lustig war dabei nur, dass es unter dem Bett war. Wie auch immer es dort hin gekommen war.
      Renera fing derweil an unter zwang etwas hinaus zu bekommen während sich Aradan den Mantel auszog um sein Hemd wieder an zu bekommen, wobei er sich mit hoch gehobenen Armen darin etwas verhädderte und in dieser Pose leicht mit den Ärmeln kämpfte bis er es am Ende hinbekommen hatte.
      "Hm? Lesen? Ehrlich gesagt wundert es mich dass du es dir nicht längst schon beigebracht hast. Bist doch immer so neugierig gewesen wenn ich mich richtig erinnere. Aber klar. Auf dem Markt gibt es ganz sicher leichte Lektüre die ich dir näher bringen kann. Ich bin ja der Meinung dass es Kindern schon im Unterricht beigebracht werden sollte. Du wärst überrascht was man alles aus Büchern lernen kann."
      Daraufhin kramte er in seinem Rucksack herum um ein uraltes, in schwarzem Leder gebundenes Buch hinaus holte, welches grade mal so groß war um sogar in eine etwas breitere Hosentasche zu passen. Darin blätterte er eine ganz besondere Seite auf in welche eine Art Tür gezeichnet wurde, welche rund herum seltsame Zeichen geschrieben standen. Obendrein war die Tür wohl selbst auch nur auf einem Felsen geritzt.
      "Hier. Das mal als Beispiel. Ohne den Text darunter, hätte ich nicht die Informationen dass dieses Tor ein antikes Relikt aus der Hochkultur verborgen halten soll. Dem Text nach handelt es sich um ein magisches Tor welches nur zu öffnen ist wenn man die Formel laut ausspricht und dem Tor leben schenkt. Ich weiß nicht was es bedeutet aber.. wie der Zufall es will, ist diese Ruine sogar in der Nähe. Ich fragte die Frau im letzten Dorf nach einer verlassenen Ruine und eine von ihren Erzählungen stimmte mit dem überein was hier drin geschrieben steht."
      Irgendetwas in Aradan sagte ihm, dass es Renera überhaupt nicht darum ging lesen zu lernen, sie wirkte bei ihrer Pause viel zu gezwungen, wobei der Wunsch lesen zu lernen wohl kaum für eine solche Anspannung verantwortlich war. Aber er wollte es auch nicht aus ihr raus quetschen. Wenn sie etwas anderes sagen wollte, gab es ganz sicher noch genug Möglichkeiten diese zu äußern. Also erzählte er ihr von dem Relikt um ihr etwas Zeit zum durchatmet zu geben.
    • Renera beobachtete gereizt, wie Aradan erst durchs Zimmer tigerte, dann das Objekt seiner Begierde zu finden schien und sich den Mantel abstreifte, um ihn durch sein Hemd zu ersetzen. Er verharrte dabei eine Sekunde zu lang mit den Armen über seinem Kopf, sodass sich seine Bauchmuskeln spannten und seine Hüfte ein Stück unter seiner Hose hervorzogen.
      Renera verschluckte sich bei dem Anblick an ihrem Saft, beugte sich vornüber, hustete sich die Lunge aus dem Leib und lehnte sich gerade dann wieder zurück, um Aradan vollständig angezogen wieder vorzufinden. Sie verspürte eine gewisse Enttäuschung.
      Sie winkte seine einleitenden Worte zu diesem ihr unwilligen Thema ungeduldig ab und wollte einen Schluck trinken, ehe sie sich erinnerte, dass ihre Fähigkeiten im Trinken wohl doch nicht so ausgeprägt waren, wovon sie ausgegangen war. Also starrte sie ihr Glas nur an, als könne sie den Inhalt mit den Augen trinken.
      "Sicher. Ich bin schon jetzt überrascht", murrte sie. Dann beobachtete sie, wie er ein Buch herauskramte und ihr eine der Seiten präsentierte - und sogleich mit seiner ausschweifenden Erklärung anfing über irgendein Relikt und irgendein Tor. Es war nicht so, dass das Thema nicht spannend wäre und Renera hätte sich zu einem anderen Zeitpunkt sicher dafür interessiert, aber nicht heute, nicht in diesem Zimmer, nicht mit Aradan, der bis eben noch halbnackt vor ihr gesessen hatte. Für einen Moment wollte sie zwar zuhören, sie überwand sich zumindest dazu, aber dann stand sie auf.
      "Vergiss was ich gesagt hab, Aradan, ich will gar nicht lesen lernen. Ich meine, ich will natürlich schon, aber ich kann nicht, die Buchstaben sehen für mich gleich alle aus. Ich hab's ja schon ein dutzend Mal versucht, aber ich kann sie nicht auseinander halten. Und dann erst die Umlaute - ist ja auch egal, darum geht's mir doch gar nicht!"
      Sie trat auf ihn zu, nahm ihm das Buch aus der Hand und warf es auf den Tisch, ehe sie seine Hände ergriff. Sie waren warm in ihren eigenen.
      "Ich bin wirklich froh, dass wir zusammen sein können - ich meine, dass wir wieder zusammen gefunden haben, schätze ich. Ich würde gerne… also… hrmpf."
      Sie hatte nicht die nötige Gedankenkraft um ein solches Manöver durchzuführen - also ließ sie das Herumgetue ganz bleiben.
      "Willst du mit mir all das nachholen, was in zwanzig Jahren hätte geschehen können? Angefangen beim Fluss, als wir uns das erste Mal geküsst haben, bis zu dem Tag, an dem du weggegangen bist - nur ersetzen wir ihn durch einen neuen Tag? Ich habe nie aufgehört an dich zu denken, Aradan, keinen Tag, keine Sekunde. Ich hab' dich in Gedanken überall hin mitgenommen, ich meine, ich hätte dich überall hin mitgenommen wenn du dabei gewesen wärst - ach was, wir wären zusammen ganz woanders hingegangen. Du warst immer bei mir, egal, was ich getan habe und jetzt bist du es tatsächlich und ich will dich nicht ein zweites Mal aufgeben. Ich will mit dir zusammen sein, für all die Zeit, in der wir es nicht konnten und darüber hinaus. Lass uns wieder von neu anfangen, ganz ohne dieses ganze unnötige Drama. Würdest du dieses Angebot annehmen?"
    • Als Aradan sein Buch weg genommen und auf den Tisch geworfen wurde, wollte er im ersten Moment darauf hinweisen wie viel dieses Buch gekostet hatte, doch im nächsten erkannte er dass Renera etwas zu sagen hatte, was für diesen Augenblick wohl deutlich wichtiger war. So lies er seine Hände nehmen und hörte aufmerksam zu was sich Renera scheinbar ziemlich hinaus zwingen musste. Natürlich ging es nicht um das Lesen. Aber hatte er auch nicht diese Worte kommen sehen, die er zu hören bekam.
      Genauer gesagt erwischte sie ihn damit sogar ziemlich kalt, was den ernsten Aradan ans Tageslicht holte. Seine lockere Art verschwand in der Sekunde in welcher Renera ihre Worte beendet hatte.
      Nun ernst, mit leichter Sorge behaftet, blickte er hinunter, wo sich die Hände beider trafen. Er schwieg für einen Augenblick, was wohl schnell den Eindruck für ein stummes Nein interpretiert werden konnten.
      In diesen Momenten lies Aradan sein Leben vor sich ablaufen. Er hatte so vieles getan was Renera nicht wusste. Dennoch sprach er aus was in ihm vor ging.
      "Ich will nicht.."
      Dann lies er ihre Hände los und ging einen Schritt zurück. Erst mit seinem nächsten Satz sah er ihr in die Augen.
      "... Du weißt nicht was ich alles getan habe. Ich bin nicht mehr der Junge von damals. Ich könnte nur eine weitere Enttäuschung in deinem Leben sein. Ich will nicht... Ich will dir nicht so weh tun wie die Anderen in deinem Leben. Ich..."
      Etwas verkniffen drein blickend, als müsse er ihr etwas gestehen und gleichzeitig damit unter beweis stellen dass er sich kaum so unter Kontrolle hatte wie es vielleicht den Anschein hatte
      "Ich habe sogar Khil nach den Namen deiner Peiniger gefragt. Als du mir davon erzählt hast, habe ich mir geschworen sie zu finden und mit ihnen Dinge anzustellen für die es noch keine Worte gibt."
      Man konnte in seiner Stimme hören wie das Aussprechen in ihm schon die Wut hoch kochen lies, als hätte er sie auf Knopfdruck entfesseln können. Doch beherrschte er sich so gut er eben konnte und führte fort
      "Weißt du. Für mich waren wir nie getrennt. Du warst meine erste Liebe und du bist es nach wie vor. Du hast mich ebenso auf meinen Reisen begleitet und du hast mich öfter wieder ins Leben zurück geholt als du vermuten kannst. Also ja. Ich lechze danach. Doch würde ich dir dieses Angebot auch entgegen bringen. Willst du ein solches Risiko wirklich eingehen?"
    • Renera blieben etwa drei Sekunden, in denen ihre Wörter in der Luft hingen, ehe sich ihre Welt erst zur Seite neigte und dann kippte. Sie beobachtete, wie Aradan erst seine Hände zurückzog und dann einen Schritt von ihr wich, als könne er ihre Nähe nicht mehr ertragen. Seine lockere Stimmung änderte sich schlagartig in reine Anspannung, die den ganzen Raum verdickte, so als wolle sie verhindern, dass man darin atmete. Auch er rang um seine Worte, aber dabei war es ganz einfach, er musste nur "Ja" sagen oder "Ich will", irgendwas, nur nicht etwas, das ihm die Fröhlichkeit aus der Stimme nahm und dafür sorgte, dass er um seine Beherrschung kämpfte. Sie erinnerte sich schlagartig an das Armeenlager, an die Grenze von Isnijan, an Ashkenia, Erinnerungen, die nichts in diesem Raum, in dieser Stadt und erst recht nichts in Verbindung mit Aradan zu suchen hatten. Aber er hatte sie heraufbeschworen, er hatte ihre körperliche Verbindung damit durchtrennt wie mit einer scharfen Klinge und dabei hatte er sie zum bluten gebracht. Und jetzt würde sie diese Wunde stopfen oder sie würde für immer weiterbluten.
      "Was hast du getan, Aradan?"
      Sie erinnerte sich an ihr Zusammentreffen in Melora, als sie gedacht hatte, dass seine Gruppe Räuber oder ähnliches waren. Das Gefühl kam nun mit einem Mal zu ihr zurück und nun war ihr der eine Schritt, der sie beide trennte, nicht mehr Abstand genug.
      "Was verschweigst du mir?"
    • Renera sah Aradan nun gar nicht mehr an wie noch wenige Momente zuvor. Das zeigte Aradan dass sie seine Worte auch ernst nahm. Es sagte viel über ihre Zurechnungsfähigkeit in Augenblicken wie diese.
      Er nahm die ernste Stimmung an und setzte sich auf das Bett um Renera einen angenehmen Abstand zu geben ehe er aufblickte.
      "Hast du dich nie gefragt warum ich meinen Bogen so gut wie nie benutze? Zuletzt als wir uns grade in Melora sahen."
      Er legte seine Hände mit dessen Rücken auf seine Beine und kam direkt zum Punkt.
      "Ich habe so viele unschuldige Menschen auf dem Gewissen. Das war in einer Zeit als ich noch ausschließlich mit dem Bogen in die Schlacht zog. Sogar im Nahkampf nutzte ich ihn. Du weißt selbst was es aus einen macht wenn man unter einem Befehl in die Schlacht zieht, nur war ich in der Lage selbst zu wählen."
      Es war als könnte er seine Hände schreien hören und das Blut auf ihnen fließen sehen.
      "Ich lasse diesen Part gerne aus meinem Leben raus wenn ich darüber berichte wo ich schon war seit ich das Land als Junge verließ, doch gehört es einfach dazu, auch wenn es eine dunkle Zeit war. Weißt du.. Ich kam in die nördlichen Länder von Valteri, wie ich es dir erzählte. Doch war kam ich nicht wegen der Neugierde. Ich kam um das Land zu erobern. Ich und eine kleine Söldnergruppe von so genannten Elite Kämpfern, wurden in einem Land zwischen den dir bekannten und dem Norden angeheuert. Doch hatten wir einen Kodex, den wir niemals brachen. Keine Unschuldigen, keine Frauen und keine Kinder. Nur leider wusste das auch unser Auftraggeber. Dieser war verglichen mit diesen Ländern so etwas wie ein großer unabhängiger Baron. Unglaublich schlau, zuvorkommend und Menschennah. Er hat uns geholfen als wir nach einer harten Mission verwundet in sein Land kamen. Ganze 6 Monate kamen wir in seinem Schloss gleichem Anwesen unter, mussten nie etwas für die Unterkunft zahlen solange wir für den Frieden sorgten, falls Feinde an seiner Tür standen.
      Ich selbst war noch ziemlich jung. Vertraute meist auf den Anführer unserer Truppe, doch ich würde lügen wenn ich sagte den Baron nicht schon nach einem Monat als Freund gesehen zu haben.
      Aber um die Geschichte so kurz wie möglich zu halten, hielten wir tatsächlich einige Male Feinde ab, die stets in menschlicher Form antraten und den Baron als Monster bezeichneten. Wieder und wieder kamen sie, bis wir sie in einer Nacht beinahe restlos zur Strecke brachten. Doch sagte uns der Baron eines Abends, dass der Strippenzieher im hohen Norden sein Lager hatte. Er beschrieb es so unglaublich präzise und seine Geschichte war an Glaubwürdigkeit kaum zu übertreffen. Wir empfanden einen Hass gegen diese Leute im Norden obwohl wir sie nie selbst gesehen hatten..."
      Aradan's Hände wurden zu Fäuste und langsam bildeten sich Schweißperlen auf seiner Stirn als würde ein lange verborgenes Trauma anrücken.
      "Wir bekamen ein Schiff um dort hin zu segeln. Wir kamen an, wurden mit offenen Armen empfangen.. doch richteten wir sie des Nachts allesamt hin. Sie hatten keine Chance. Wir wussten einfach alles über dieses Dorf. Ihre verborgenen Unterschlupfe, ihre Fluchtpassagen, ihre Kampfart. Und ähnlich wie in Melora, brachte man dort auch Kindern das Kämpfen bei.. Also ja. Wir haben es wirklich restlos vernichtet. Der Hass kontrollierte uns nach all diesen Geschichten die uns der Baron erzählt hat. Dieses Volk sei barbarisch, unterstütze jeden der genug Gold bot, sie würden in einer Schlacht die Frauen schänden und nicht mal vor Kindern halt machen.. Auch des Baron's Töchter hätte dieses Dorf auf dem Gewissen nachdem sie für Jahre versklavt wurden."
      Zum Schweiß kamen Aradan nun auch die Tränen als er auf blickte, doch war sein Gesicht emotionslos als würde sich alles in ihm wehren diese Zeit als Real anzuerkennen.
      "Wir segelten nach unserem Erfolg zurück um dem Baron mitzuteilen dass seine Feinde bezwungen seien. Nur um zu erfahren, dass er bereits auf uns wartete. Mit einer bezahlten Kleinarmee um uns abzufangen solange wir noch nicht an Land waren. Zwei Katapulte hatten uns bereits ins Visir genommen und zerstörten das Schiff und die Hälfte unserer Truppe. Weitere starben noch im Wasser, als die Bogenschützen auf uns nieder schossen. Nur eine Hand voll kam an Land und begann ein Gemetzel, welches zeigte dass wir tatsächlich der Elite angehörten, doch kommt auch die Elite nicht gegen eine kleine Armee an, welche auf dessen Feind vorbereitet wurde. Auch ich fiel an jenem Tag.
      Ich lag dort als der Baron sich über mich beugte und ein diabolisches Grinsen aufwies, dass mir bis heute eine Gänsehaut einjagt. Er nutzte unsere Kraft um ihn ein neues Land zum Umsiedeln frei zu räumen um vor seinen eigentlichen Feinden zu fliehen, welche wir zuvor immerzu abhielten.
      Das war der aller erste Tag an dem ich Minerva traf. Sie wusste dass ich am Boden zerstört war, keine Kraft mehr hatte und naja.. nicht mehr leben wollte. Ich überließ ihr das aller erste Mal die Führung und wurde erst wieder wach, als ich wieder im Norden war.
      Später fand ich hinaus dass Minerva den Baron, die kleine Armee und das gesamte Anwesen zerstört hatte.
      Es war Valteri der in der Lage war mich aufzuhalten. So etwas wie ich, galt in dessen Glaube als ein sogenannter Eddara. Hier würde man es als einen vom Dämonen besessenen nennen.
      Kurzum bezwang er uns sein Volk Minerva und brachten mich zurück. Sie halfen mir zurück ins Leben obwohl ich ihnen erzählte ein ganzes Dorf abgeschlachtet zu haben. Sie haben mir trotz allem nie die Schuld dafür gegeben. Sie waren überzeugt dass ich fehlgeleitet wurde und seither weicht mir Valteri nicht mehr von der Seite. Wir haben unsere gemeinsame Zeit im Norden erlebt, Abenteuer bestritten und sind letzten Endes wie du weißt gen Osten gesegelt. Und dennoch. Ich habe unsagbar schlimme Dinge getan die ich mir niemals vergeben werde. Wenn mich ein Baron so in die Irre führen konnte.. Wer weiß was das Zwielicht mit mir machen kann.."
      Und da war es wieder. Das Thema Zwielicht, welches die Beiden seit dem gestrigen Tag beiseite geschoben hatten. Ein Thema dass seit jeher eine große Bürde und eine unfassbare Angst in Aradan auslöste. Angst wieder in die Irre geführt zu werden und wohl möglich sogar den eigenen Reihen Leid zuzufügen. Oder wie es in diesen Speziellen Fall war, Renera.

    • Aradan erzählte und Renera lauschte. Sie hätte keine Worte gefunden für das, was er ihr offenbarte, und selbst wenn, hätten sie niemals ausgereicht. Sie konnte es sich beinahe bildlich vorstellen, den jungen Aradan mit seinem übergroßen Bogen in den Armen, das Gesicht wutverzerrt, Blut auf seiner Rüstung, das nicht sein eigenes war, und ein Flammeninferno im Hintergrund, das alles und jeden dem Erdboden gleich machte. Die Schreie der Zivilisten, o ja, die konnte sich Renera am besten vorstellen, wie sie um Erbarmen schrien oder in Todesqualen starben. Das war kein geordneter Kampf mehr mit einer Strategie und die Möglichkeit zur Kapitulation, das war ein animalisches Abschlachten, ein Niedermähen, ohne vor dem Tod zu stoppen. Keiner hatte Aradan oder seine Truppe dazu gezwungen zu kämpfen, sie hatten die alleinige Entscheidung getroffen zu gehorchen und nicht zu hinterfragen.
      Die Gefühlswelle, die das Ereignis in Aradan hervorrief, war ihm deutlich anzusehen, so wie er vor Renera auf dem Bett kauerte, an das letzte bisschen Beherrschung klammernd, das ihm noch blieb. Man konnte ihm die Pein seiner Seele aus dem Gesicht ablesen wie aus einem Buch.
      Renera ging zu ihm. Sie hatte ihre Sorge nicht vergessen, sie wusste, was er ihr mit dieser Geschichte mitteilen wollte, er war ein Monster und wenn es soweit käme, könne man sich nicht sicher sein, ob er die richtige Entscheidung treffen würde - besonders, nachdem ihr nun klar wurde, was für eine Gefahr Minerva tatsächlich darstellte. Bisher war sie nicht unbedingt mehr als ein Quälgeist gewesen, aber mit einer Macht, sich einer Kleinarmee allein gegenüberzustellen, war sie gefährlicher als jede einzelne Kreatur dort draußen. Und diese Gefahr lauerte jederzeit in Aradan.
      Das war nichts, worüber sich einfach hinwegsehen ließ, aber das tat Renera auch nicht. Sie setzte sich neben Aradan auf das Bett und nachdem sie für einen weiteren Moment nur geschwiegen hatten, legte sie den Arm um seine Schulter, zog ihn an sich und hielt ihn fest. Sie tat es so, wie er ihr die Hand hingehalten hatte, als sie auf dem Boden gelegen hatte, ohne zu fordern und ohne zu drängen, nur stets unnachgiebig, dass sie sich auch mit ihrem ganzen Gewicht hätte auf ihn stützen können, wenn sie es gewollt hätte. Und mit der gleichen Standhaftigkeit hielt sie ihn auch jetzt in ihrer Umarmung fest, weiterhin schweigend, nur so lange, wie er es wollte. Oder brauchte.
    • Seine Erinnerungen hallten noch nach. Es dauerte eine ganze Weile bis er wieder in der Lage war diese Bilder zu begraben. Als wären es fleischgewordene Monster die in ein Dorf einfielen, nachdem man nur kurz die Tore geöffnet hatte und nur unter größtem Kraftaufwand wieder hinaus zu drängen waren.
      Doch als er es geschafft hatte, saß er nach wie vor dort, auf dem Bett, Renera nun neben sich und eine Wärme spendend, die Aradan annahm und es auch deutlich machte indem er seine Hand hob und auf die von Renera legte, welche ihn an sie drückte.
      "Ich bin mir nicht sicher wer in dieser Welt wahrlich das Monster ist... Die Wesen, wir Menschen oder all das was im Zwielicht lauert... Egal wohin ich sehe gibt es Gefahren. Und umso größer die Truppe wird, desto größer meine Angst."
      Renera war die erste Person die solche Worte von ihm zu hören bekam. Keiner in der Gruppe hatte je von Aradan zu hören bekommen dass er Angst hatte. Angst selbst für den Tod aller Schuld sein zu können. So viele Tage hatte er schon damit gekämpft es ihnen zu sagen, dass er glaubt eine tickende Zeitbombe zu sein, doch brachte er es nie übers Herz.
      Aradan seufzte und ergriff Renera's Hand fest in seiner.

      "Melora hat aus uns wahrlich zu etwas gefährlichem heran gezogen. Der Baron hat es ausgenutzt. Das lasse ich nie wieder zu."
      Nun war es Aradan der zögerte seine Worte hinaus zu bringen
      "Würdest du... Ich meine.. Kannst du dir vorstellen.."
      Er brachte es einfach nicht raus. Erst als er sich dazu zwang, wie Renera es zuvor auch bei sich schaffte, stand er auf und sah sie entschlossen an.
      ".. Kannst du dir vorstellen an meiner Seite zu reisen? Als.."
      Wieder stockte er
      "..unser neues festes Mitglied?.."
      Doch konnte er es nicht so stehen lassen. So griff ihre Hand etwas fester
      "..und.. Vielleicht auch etwas mehr als das?"
    • Renera hielt Aradan fest, bis er schließlich ihre Hand ergriff und auch das letzte Geheimnis enthüllte, das ihm auf dem Gewissen lag. Sie suchte nach Anzeichen von Schmerz in seinem Gesicht, von der Last, die er täglich zu tragen hatte, und was sie zu sehen bekam, war Aradan gänzlich ohne seine schützenden Mauern, die seine Gedanken vor der Welt verbargen. In gewisser Weise war das der intimte Anblick, den er ihr je schenken konnte.
      Er stand auf, auch noch um den letzten Rest seiner Worte bemüht, die er unbedingt herausbringen wollte. Sie sah in seine hellblauen Augen und stand auf, ohne den Blick von ihnen abzuwenden.
      "Wir können nicht ungeschehen machen, was wir mal verbrochen haben."
      Sie studierte seine Hände.
      "Und es wird uns auch niemand dafür vergeben. Aber wir können zumindest die Zukunft ändern. Ich schätze, wir haben beide aus unseren Fehlern gelernt, dass wir sie nie wieder begehen sollten."
      Sie sah zu ihm auf.
      "Ich glaube Menschen können sich ändern, auf die gute und auf die schlechte Weise - und ich glaube auch, dass du gar nicht so weit von dem jungen Aradan entfernt bist, wie du glaubst. Naja, ein bisschen vielleicht schon."
      Sie lächelte flüchtig.
      "Aber wenn du mir die Chance bietest, dich an diesen jungen Aradan zu erinnern, dann werde ich sie ergreifen. Und ich werde dafür sorgen, dass du nie wieder alleine etwas durchstehen musst."
      Dann trat sie an ihn heran und legte ihm die Arme um den Hals. In gewisser Weise hatte er ihr mehr gegeben, wonach sie jemals gefragt hatte und sie lächelte, bevor sie ihre Lippen auf seine presste und seine Fragen mit einem innigen Kuss bejahte.
    • 'Dass wir sie nie wieder begehen sollten' Welch treffende Wortwahl. Darauf hätte Aradan ein Siegel setzen können. Nie wieder wollte er so etwas durchleben, hätte aber auch nie überzeugt darauf schwören können, immerhin hatte er das Zwielicht nicht mal im Ansatz so sehr unter Kontrolle wie er es sich wünschte, oder gar die Kontrolle seines eigenen Körpers.
      Bevor er aber die Gelegenheit dazu bekam, lange darüber nachzudenken wie er dieses Risiko künftig noch etwas geringer werden lassen konnte, sprach Renera weiter.
      Er blickte sie fragend an, verstand im ersten Moment nicht wie sie es meinte, dass er seinem jungen Ich ähnlicher war als er glaubte. War er damals schon so ... doch dann unterbrach sie seinen beinahe ausschweifenden Gedanken erneut indem sie... indem sie ihm tatsächlich die Treue zusagte und mehr noch. Sie küsste ihn?! Was um alles in der Welt ging grade vor sich? Geschah das wirklich?
      Sofort erstarrte Aradan als hätte ihn Jemand in einen Eisblock gesteckt. Doch schmolz dieser nach wenigen Augenblicken, was seine Arme dazu befähigte sich langsam um Renera zu legen, ja sogar dafür sorgte dass er diesen Kuss erwidern konnte.
      Als hätte er sein Leben lang auf diesen Augenblick gewartet, lies er sich diesen Kuss komplett hin und war der Meinung jede noch so kleinste Berührung und Bewegung ihrer Lippen spüren zu können, welche er verlangend entgegen kam.
      Zwar sprang kurz ein kleines Déjà-vu in diesen Moment, doch ignorierte Aradan dieses schnell und drückte Renera nur umso mehr an sich. Dabei lies er nur sehr wenige Momente zu, in welchen sie kurz ihre Lippen voneinander lassen konnten um kurz Luft zu holen ehe sie ihre Gefühle für einander wieder besiegeln konnten.
    • Renera verlor sich in dem Kuss, genauso wie sie glaubte, dass es Aradan dabei erging. Für eine Weile standen sie lediglich eng umschlungen aneinander, den anderen fühlend und den Moment auskostend, den ersten unbeschwerten Moment, den sie in ihrem ganzen Leben zusammen fühlen durften. Und Renera genoss ihn in vollen Zügen; Aradan schmeckte nach einer erstaunlich betörenden Mischung aus Speck, den Resten seiner Verschlafenheit und dem Alkohol. Es war eine beinah komische Situation, die Renera dazu veranlasste ihren Kopf zurückzuziehen um zu kichern, ehe Aradan sie schon wieder an sich presste. Sie ließ sich auf seine nächste Reihe ungestümer Küsse ein, ehe sie sich ein zweites Mal von ihm befreite und seinen Kopf festhielt, bevor er wieder über sie herfallen würde; dann strich sie mit ihren Fingern seinen Hals hinab und grinste.
      "Was hälst du davon, wenn wir das ins Bett verlagern? Du hast mir ohne deine Klamotten besser gefallen."
    • Ungehalten konnte er sich einfach nicht von ihren Lippen trennen nach welchen er sich so lange gesehnt hatte, so wollte er schon nach der ersten Trennung kurz inne halten, wurde aber direkt durch diesem niedlichen Kichern von Renera wieder angezogen. Er bekam jetzt schon einfach nicht genug von ihr. Nach der zweiten beherrschte sich Aradan aber für diesen einen Moment, welcher ihm beinahe eine Gänsehaut einfahren ließ, als hätte er niemals kommen sehen dass so etwas passieren könne, was Renera grade vorgeschlagen hatte.
      Da traf ihre vorher getroffene Wortwahl ins Schwarze. Sie würde ihn wieder seinem jungen Ich nahe bringen. Genau das traf zu. Er hatte sich vor allem in seinen jungen Jahren oft vorgestellt was er mit Renera wohl erlebt hätte, wären sie weiterhin zusammen gewesen, doch nie hätte er geglaubt dass dies je eintreffen würde, also sah er sie auch mit ebenso überforderten Augen an, nickte aber kurz und hob sie beinahe reflexartig an um sie zum Bett tragen zu können. Sie kam ihm so leicht vor und doch barg sie alles an Hoffnung und Verlangen in sich, was Aradan all die Jahre suchte.
      Bevor er überhaupt verstanden hatte, was grade so schnell nach seiner Offenbarung passierte, legte er Renera auch schon auf dem Bett ab und beugte sich über sie, beinahe in der Hoffnung dass sie ihm andeuten würde, wie er sich nun zu verhalten hätte.
    • Ehe Renera es sich versah, hob Aradan sie geschwind hoch und entlockte ihr ein weiteres kichern, ehe er sie beide ins Bett beförderte und sie unter sich begrub. Sie zog ihn an sich, ließ sich von ihm den Hals küssen, während sie seinen Körper erfühlte, all die Stellen, die sie vorher nur angestarrt hatte, ohne ihrem Verlangen nachzugeben. Und als sie beide miteinander verschmolzen, als es bald nichts mehr anderes gab als ihre aneinander gepressten Körper und den heißen Atem, der über ihre Haut fuhr, verloren sie sich gegenseitig. Es mochte gar Stunden dauern, eine Unendlichkeit, die sie zusammen im Bett verbrachten, niemals gesättigt voneinander und in immerzu steigendem Verlangen, dessen Höhepunkt in den Gefühlen unterging, die sie sich gegenseitig bezeugten. Sie hörten erst auf, als ihre Erschöpfung zu groß wurde um sie weiterhin aufrecht zu erhalten und nach einer letzten flüchtigen Innigkeit, nach einem letzten Kuss und einer letzten Berührung, legten sie sich schließlich auf das Bett zurück und keine fünf Minuten später war Renera eingeschlafen.
    • Was für ein unglaublicher Moment den Beide eben geteilt hatten. Zumindest kam es Aradan vor wie ein kurzer Moment. Dabei sprach die Sonne, welche stärker als zuvor ins Zimmer schien für sich. Es musste mindestens eine ganze Stunde vergangen sein, was für Renera nun auch die komplette Ermüdung bedeutet hatte. Aber es sei ihr vergönnt, dachte sich Aradan. Er konnte einfach nicht glauben was er grade mit ihr erlebt hatte, selbst nachdem beide schon zwei Runden hinter sich hatten.
      Zugegeben war auch Aradan ziemlich schläfrig geworden, konnte aber einfach nicht den Blick von Renera lassen. Ihre Hüften, ihre Taille, Brüste, Hals und Arme wirkten auf ihn so anziehend, zerbrechlich und zart. Niemals würde er zulassen dass ihr in Zukunft etwas schlimmes widerfahren würde solange er Einfluss darauf haben kann. Renera war sein, so wie er nun ihr gehörte. Wer sich wagte ihr Leid zuzufügen, ging einen qualvollen Rachepakt mit der Hölle ein, so viel war sicher. Da hätte Minerva um noch so viel Kontrolle verlangen können, sie wäre machtlos gewesen.

      In seiner Haltung über Renera streichelte Aradan ihr noch über ihre Wange, gab ihr einen sanften Kuss und lies sich dann doch neben ihr auf das Bett nieder. Sein ausgelaugter Körper dankte ihm dafür, doch schrie sein Herz direkt nach ihrer Berührung. Letzterem gab er nach indem er Renera's Kopf auf seinen Arm ablegte, so dass beide zusammen und endlich verbunden schlafen konnten. Nicht nur um ihren Rausch bis zum letzten Stück los zu werden, sondern auch um ihre, seit der Kindheit bestehenden, Liebe ein Siegel aufsetzen zu können.

      Lange dauerte es nicht bis auch Aradan einschlief wie noch nie zuvor. Dabei lies er seinen Arm um Renera gebunden, während sein anderer auf ihrem Bauch lag und diesen liebkoste bis er tief und fest in einem Traum verfiel, in welchem es ebenso um Renera ging.
    • Khil

      Die Gelehrte hatte Hunger.
      Sie war am gestrigen Abend in der Stadt von Shegar angekommen, genau zu der Zeit, in der ein Fest die größte Aufmerksamkeit der Stadtbewohner auf sich zog und sich damit niemand darum kümmerte, dass sich eine kleine Gestalt durch das Tor schlich und in den bepflasterten Gassen verschwand. Bei ihrer Körpergröße hielt sie sowieso jedermann für einen Jungen.
      Sie hatte wirklich unglaublichen Hunger, das war eine Sache, die sie vollständig unterschätzt hatte. Eigentlich war es dem menschlichen Körper möglich, zwei Wochen lang ohne jegliche Nahrungszufuhr auszukommen - selbstverständlich unter gewissen vereinfachten Bedingungen, die in ihrem Fall nicht vorhanden waren - aber dass dabei dennoch ein so enormes Hungergefühl entstand, das wurde in keinem Lehrbuch der Biologie je erwähnt. Das war eine weitere Sache, die sie ihrem lebensbereichertem Wissen hinzufügen konnte, aber leider besserte es ihre Lage nicht.
      Sie hatte versucht sich auf dem Fest zu bedienen, aber die große Menschenmasse hatte sie dann doch abgeschreckt. Sie hatte den Dreh mit dem Schleichen langsam raus, aber das machte sie noch lange nicht zu einer genauso guten Diebin - im Gegenteil, sie musste sogar vorsichtig sein, sich nicht selbst zu verraten. Also hatte sie den Festplatz wieder hinter sich gelassen und hatte es woanders versucht.
      Sie hatte nichts bekommen und in der Gasse geschlafen. Das war kein Leben, das sie sich je vorgestellt hätte und zugegeben war es nicht gerade prickelnd. Die anfänglichen Erfahrungen, die sie dadurch gesammelt hatte, waren ihr schon überdrüssig und für einen kurzen Moment wünschte sie sich, niemals weggegangen zu sein.
      Aber sie musste. Es war eine Notwendigkeit gewesen. Sie hatte sich von den unsichtbaren Ketten losreißen müssen, die Renera ihr auferlegt hatte, im Sinne ihrer eigenen Gesundheit und ihrer Fortentwicklung. Sie konnte nicht lernen, wenn ihr alles lernbare entsagt wurde.
      Dann, in der Nacht, hatte sie ein plötzlicher Tumult geweckt. Eine Verfolgungsjagd inmitten der Seitenstraßen, die sie selbst nutzte, mindestens 10 Soldaten und ein Mann, der so wirkte, als käme er aus der Hölle persönlich. Sie waren rasend schnell an ihr vorüber geflitzt, aber noch in der Dunkelheit hatte sie die Rufe der Männer und ihre fernen Schritte gehört.
      Das hatte sie auf eine neue Idee gebracht. Sie brauchte etwas zu essen, soviel war sicher, aber sie könnte ihr persönliches Gespür dafür einsetzen, sich Essen und noch viel mehr zu holen. Sie würde sich Wissen holen.
      Also war sie dem Aufruhr gefolgt, was nicht sonderlich schwierig war, nachdem er sich durch die halbe Stadt zog. Schließlich fand er allerdings ein jähes Ende und Khil stieß auf frustrierte Soldaten, die in einer Sackgasse standen und ihre Fackeln in jede Ecke leuchteten. Von dem Mann war keine Spur mehr zu finden.
      Das war interessant. Höchst interessant. Eine Wendung des Schicksals, hervorgerufen lediglich durch meisterhaftes Können, wie die Eule in der Nacht, ein Wesen in seinem eigenen Element. Sie wollte sich den Mann genauer ansehen, sie wollte wissen, wie er so verschwinden konnte.
      Aber natürlich war sie damit nicht die einzige und als sie bei Tageslicht zurückkehrte, waren die Soldaten noch immer dabei, die Sackgasse zu untersuchen und nach versteckten Geheimgängen Ausschau zu halten. Was für eine törichte Bande - ein Meister der Schatten wollte nicht gefunden werden.
      Das war eigentlich ein ganz guter Name. Khil war beglückt.
      Sie fand einen Luftschacht von einem der Kellergewölbe unter den Häusern und kehrte in der Finsternis der Nacht zurück, um sich hineinzuzwängen. Sie hatte keine Platzangst, allerdings war der Schacht gerade mal so groß, um sich mit ihren schmalen Schultern hindurchzuquetschen. Blieb nur zu hoffen, dass sie den richtigen gewählt hatte, doch als sie nach einiger Zeit Stimmen in der Ferne hörte, kroch sie langsamdarauf zu.

      Das Versteck war einer der alten Kellerräume, die noch aus der Hochzeit stammten. Es war ein langer, großer Raum, der einst mal als Lager hätte dienen können, allerdings durch den Zahn der Zeit zur Hälfte eingestürzt war. Man musste am Rand entlang gehen, um überhaupt zu dem kleinen Bereich zu kommen, an dem man sich freier bewegen konnte - heutzutage stand dort ein Tisch mit Stühlen, aber manchmal lagen auch Schlafsäcke herum oder Kisten stapelten sich.
      Elraya tigerte dort unruhig auf und ab. Sie war eine mittelgroße, stämmige Frau mit einer Nase, die einmal zu viel gebrochen worden war, und kleinen, giftigen Augen. Ihr Gesicht war, so wie das aller anderen dieser Truppe, auf einem äußerst hässlichen Steckbrief verewigt und sperrte sie damit, so wie alle anderen dieser Truppe, hinter den Mauern kein. Keine Geschäfte bei Tageslicht, keine Ausflüge, keine Besuche bei Freunden. Nur sie, die Organisation und das Loch, das sie allesamt Zuhause nannten.
      Sie warf die Hände in die Luft und fuhr sich dann durch die kurzgeschorenen Haare, eine Angewohnheit, die sie noch innehatte, obwohl sie sich vor sechs Monaten die Haare abgeschnitten hatte, um sich besser unter Leute mischen zu können. Damit war es dann wohl vorbei.
      "Wie kann man denn auch so dumm sein sie direkt herzulocken, hä?! Auf der Straße hättest du verbluten sollen wie so ein reudiger Köter, anstatt sie direkt zum Eingang zu führen! Die sind immer noch da draußen, hörst du mich?! Die haben immer noch nicht aufgegeben!"
      Sie wirbelte zu dem Mann herum, der an dem Tisch saß und höchst unbeteiligt wirkte. Das regte sie nur noch mehr auf.
      "Du wirst da rausgehen und uns neues Essen besorgen, wenn uns das ausgeht! Für die ganze Sache bist nur du verantwortlich!"
    • Der gesuchte Mann, welcher auf den Namen Lodoz hörte, lieferte sich eine schweißtreibende Verfolgungsjagd mit den Wachen, nachdem er von einem Grizzlybären aus einem Fenster im ersten Stock geschleudert und arg verletzt wurde. Der Schnitt an seinem Arm war ziemlich tief und unter Garantie tödlich, wenn er die Wunde nicht versorgen würde. Schon nach wenigen Sekunden tropfte sein Blut auf die Straße. Es galt die nervigen Wachen so schnell es ging auf eine falsche Fährte zu locken, doch war das gar nicht mal so leicht. Er durchlief unzählig viele Seitengassen, sammelte hin und wieder mit seiner Hand das tropfende Blut um keine Spur zu hinterlassen, ja sogar das gesammelte Blut in eine andere Ecke zu werfen, als wäre er dort entlang gelaufen, doch teilten sich die Wachen ständig auf und zogen andere mit sich, so dass Lodoz bald keine andere Wahl blieb als sein Unterschlupf aufzusuchen. Lange hätte er diese Flucht ganz sicher nicht mehr in dieser Geschwindigkeit halten können, also riss er sich zusammen, beschleunigte noch mal um einiges um vor jedem Blick in eine Nische zu verschwinden, welche sich nur öffnen lies wenn man wusste wo man druck ausüben musste.

      Wutentbrannt trat er eine Kiste kaputt und knurrte fluchend als er das kleine Gewölbe erreicht hatte, wo sich alle angehörigen dieser Truppe aufhielten, wenn sie ihre Ruhe vor den Wachen wollten. Dieses Unterschlupf existierte schon sehr lang und wurde noch nie entdeckt, was aber nicht dafür sorgte, dass Lodoz zur Ruhe kommen durfte. Elraya keifte ihn an und trug nicht grade dazu bei dass er sich beruhigte.
      "Halt deine verdammte Schnauze!"
      Brüllte er und warf ihr einen ledernen Köcher entgegen in welchem meist Bücher ihren Platz am Gürtel fanden. In diesem Fall waren es die Steckbriefe, welche recht neu waren.
      "Nicht nur mein Kopfgeld wurde erhöht, vergiss das nicht! Du hast gesagt ich soll die andere Straße nehmen. Gib es zu, du hast gewusst dass dort Wachen waren! Nur so konntest du sicher zurück rennen, du mieses Stück Dreck!"
      Wohl eine normale Umgangsart unter den Beiden. Sie spielten sich oft gegeneinander aus um an ihr Ziel zu kommen, auch wenn sie in echten Notfällen wohl einander halfen. Immerhin gehörten sie zur selben Truppe.
      "Jetzt komm her und mach das hier zu verflucht."
      Er deutete auf seine Wunde hin und entkorkte eine Flasche hochprozentigen, welchen er kurz über seinen Arm laufen lies ehe er mit verzogener Mine selbst ein paar tiefe Schlücke nahm, was ihn für seine Verhältnisse wieder etwas runter holte.
      "Hngh... Da sind irgendwelche neuen in die Stadt gekommen. Keine gewöhnlichen reisenden. Ein riesiger Bär hat mich kalt erwischt und durch ein Fenster gejagt. Das sollte eigentlich bruchfestes Glas sein. Der hat eine Kraft wie ein Läufer. Und diese Leute hatten unsere Steckbriefe auf dem Tisch. Das sind Kopfgeldjäger, keine Frage!"
    • Elraya duckte sich reflexartig unter Lodoz' entbrandetem Wutanfall hinweg, wäre aber von dem geworfenem Köcher fast dennoch getroffen worden - und dieses "fast" sorgte dafür, dass sich ihre Wut um ein weiteres Grad hochschaukelte. Der Köcher sprang in der Luft auf und verteilte Papier auf dem ganzen Boden.
      "Wenn du nur fünf Minuten früher losgegangen wärst, wären sie nicht dagewesen! Ich habe monatelang diese verfluchten Karten studiert, das liegt alles nur an deinem riesigen, unfähigen Arsch! Mach mich nicht für deine Unfähigkeit verantwortlich!"
      Lodoz war ihr manchmal etwas zu weitsichtig. Er sah aus wie ein grobschlächtiger Trottel, hatte aber zur richtigen Zeit das richtige Gespür für Dinge, die hinter seinem Rücken vor sich gingen.
      Aber natürlich hätte sie ihm nie verraten, dass sie ihre Informationen absichtlich gefälscht hatte. Schließlich war er mit dem neu aufgetretenem Problem nun doch wieder unentbehrlich geworden.
      Sie ging zu ihm und schnürte ihm die Wunde ab, dann riss sie ihm die Flasche aus der Hand um selbst einen Schluck zu trinken. Ihr fiel dabei ein, dass sie den Vorrat überprüfen musste, aber das konnte auch erstmal warten. Sie drückte ihm die Flasche wieder gegen die Brust und tigerte zurück zum Tisch, wo auch noch die Karten lagen.
      Lodoz war unentbehrlich wegen seinem Geschick und seinem Gespür. Elraya war unentbehrlich, weil sie Karten lesen und taktisch vorausschauend planen konnte. Hauptsächlich aber, weil sie das Gekritzel der Stadtwachen verstand und sich durch ihre kurzen Haare als Mann ausgeben konnte. Wenn eines Tages jemand kommen würde, der genauso gut Karten lesen und planen könnte, würde sie es sein, die in die falsche Seitenstraße gelockt wurde, um sich ihrer zu entledigen, und dann musste sie - genau wie Lodoz - sehen, wie sie alleine aus der Sache herauskam. Also sollte sie versuchen, sich weiterhin unentbehrlich zu machen.
      "Kopfgeldjäger?", japste sie und wandte sich ruckartig wieder zu Lodoz um. "Im Steinernen Keiler? Das ist ganz unmöglich! Das ist viel zu teuer für diese Brut! Wie haben sie ausgesehen? Du musst dich geirrt haben!"
      Oder er hatte sich nicht geirrt und sie waren für einen ganz bestimmten Zweck dort. Angezogen von ihrem erhöhten Kopfgeld womöglich, oder von dem Informant, der im Steinernen Keiler arbeitete. Vielleicht hatten sie dort auch auf Lodoz gewartet, um ihm eine Falle zu stellen, der er entwischt war.
      Das war ganz und gar schlecht. Sehr ungut. Richtig katastrophal sogar. Elraya begann wieder vor dem Tisch auf und ab zu tigern, während sie sich die Haut auf ihrer Lippe aufbiss. Der Blutgeschmack steigerte ihre Rachegelüste.
      "Egal. Egal! Das Viertel ist ab jetzt tabu. Keiner geht mehr dorthin, auch nicht nur zum schnell durchreisen. Nichtmal durch die scheiß Kanalisation. Wo ist diese Dreckskarte?"
      Sie fischte durch die Unordnung auf dem Tisch und zog eine Stadtkarte hervor, bevor sie nach dem Kohlestift suchte und vor Frustration knurrte. Sie strich das Gasthaus auf der Karte durch und versuchte dann ihre eigenen Notizen zu lesen, die sich beinahe über das ganze Blatt Papier erstreckten. Sie musste sich bald eine neue Karte stehlen.
      "Berek und Pria sind noch nicht zurückgekommen, ich weiß es, ich war die ganze Zeit hier. Wir müssen sie suchen und uns vergewissern, dass sie entweder noch nicht gefunden wurden oder tot sind. Dann müssen wir uns einen neuen Plan überlegen, noch bevor dieses elendige Fest ganz abgebaut ist. Vielleicht noch vier Tage, nicht länger."
      Ein plötzliches Knacken, gefolgt von einem Rumpeln und Knirschen ließ beide auffahren und zur Decke starren, wo kurz darauf feiner Staub herunterrieselte. Der Lärm wurde lauter, ehe eine Gestalt aus dem winzigen Loch des Luftschachts fiel und auf den Boden krachte.

      Khil ächzte unter ihrem Aufprall und rollte sich auf die Seite, um sich die schmerzende Schulter zu halten. Nur eine Sekunde später war Elraya über ihr, packte sie am Umhang und riss sie in die Höhe, wobei Khil einen entsetzten Laut von sich gab. Sie hatte sich diese Zusammenkunft irgendwie eleganter vorgestellt.
      "Wer bist du, hä?! Bist du etwa durch den verdammten Luftschacht gekrochen?!"
      Sie schüttelte Khil und hielt ihr ein Messer an die Brust, ehe Khils Kapuze runterrutschte und sie die Augen aufriss.
      "Das ist ein Weib!! Wer hat dich geschickt?!"
      "Niemand! Sie tun mir weh, Lady... Sir? Ich glaube ich bin ihm da gefolgt, ich möchte ein Angebot machen."
      Sie zeigte auf Lodoz und da drehte sich Elraya zu ihm um, während sich ihre Augen weiteten. Gefolgt. Sie vergaß den Eindringling für einen Moment, während sie sich bereit machte, die Hölle auf Lodoz für diesen Fehler niederregnen zu lassen.
    • Die Blutung hielt sich nach einer kurzen Nähaktion Elraya's mehr in Grenzen. Lodoz hätte ihr nie einen Dank ausgesprochen aber alleine wäre ihm das nicht möglich gewesen. Okay es war trotzdem ziemlich schlampig und würde eine Narbe hinterlassen aber besser als zu sterben war es allemal.
      Als sie dann von ihm lies, schritt er selber an einen provisorisch zusammengebauten Schrank aus alten Brettern, welche sich abhebend frische Verbände beinhaltet. Lodoz nahm sich zwei davon und band sich den ersten grob über die Wunde. Der zweite war schon deutlich unachtsamer umwickelt aber seinem Zweck entsprechend, da er dem genörgel Elraya's langsam überdrüssig wurde.
      "Berek und Pria. DU sorgst dich um die Zwei?! Wen versuchst du hier zu verarschen? Du würdest beide sofort gegen ein Stück Brot eintauschen."
      Aber auch er grummelte als das Fest erwähnt wurde.
      "Dieses scheiß Fest... nichts weiter als ein Schlaraffenland für Diebe und Händler."
      Lodoz spuckte auf den Boden und rümpfte die Nase. Ihm war klar nach Stress zumute, welchen er nun in Elraya suchen würde. Schon seinen Dolch ergriffen, wollte er auf sie zu gehen ehe es in einer Ecke für neue Aufmerksamkeit sorgte. Was war dort? Auch Elraya schien nur darauf fixiert zu sein.
      Irgendwer kam durch den Schacht? Das musste ein Kind sein, kein Soldat würde dort durch passen. So schritt er genau wie Elraya auf die Stelle zu, die noch dichten Staub aufwirbelte.
      Elraya war die Erste die ankam und den Eindringling packte, sowie die ersten Informationen preis gab, was Lodoz stehen bleiben lies.
      "MIR gefolgt?! Dass ich nicht lache.."
      Und schon stürmte er weiter, stieß Elraya zur Seite um die Fremde selbst ergreifen zu können. Er packte sie jedoch nicht an ihrem Umhang, sondern direkt am Hals und gegen die Wand.
      "Du gehörst zu denen, gibs zu! GIB ES ZU!!"
      Ihm platzte beinahe eine Halsschlagader, was ihn dazu trieb der Fremden seinen Dolch in den Oberarm zu rammen.
    • Elraya wurde von dem anstürmenden Lodoz beiseite gedrängt, während Khil sich kurz darauf in einem Würgegriff an die Wand gedrängt wiederfand, die Augen weit aufgerissen.
      Das war etwas ganz anderes, als sie bisher erlebt hatte. So vollkommen losgelöst von Reneras Sicherheit, sah sie sich einer Gefahr gegenüber, die sie jeden Augenblick töten konnte. Es war unglaublich faszinierend zu beobachten, wie ihr Herz vor Panik raste, wie sich der Angstschweiß auf ihrer Stirn bildete und wie der Mann genau da zudrückte, um ihr die Luft abzuschnüren. Sie röchelte, begeistert von dem Adrenalin, das ihr durch den Körper schoss, ehe er ihr seinen Dolch in den Arm rammte und die Ekstase damit ruckartig auslöschte. Sie schrie in dem Schmerz stumm auf, ehe seine Finger sich plötzlich von ihrem Hals lösten und sie zu Boden fiel.
      Elraya hatte den Mann mit ihrer Schulter gerammt, ehe sie seine temporäre Gleichgewichtsfindung ausnutzte, um sich mit dem ganzen Körper gegen ihn zu werfen und sich beide zu Boden zu katapultieren. Sie zückte ihr eigenes Messer aus ihrem Stiefel und stach auf sein Auge zu, aber er war schnell genug um ihre Hand in der Luft abzufangen und dagegen zu drücken. Dann versuchte sie ihm mit der anderen eins überzuziehen, die er allerdings auch abfing. Nun ging es darum, wer von beiden stärker dagegendrücken konnte, aber sie hatte den Vorteil auf ihm zu sitzen.
      "SIE IST DIR GEFOLGT?! WER HAT DICH NOCH GESEHEN, ALS DU HIER REINGEKOMMEN BIST, DU ELENDIGER BASTARD! ICH BRING DICH UM!"
      Sie rangen auf dem Boden und Elraya gewann für einen Moment die Überhand, um Lodoz das Knie in den Bauch zu rammen. Dann versuchte sie ihn auch noch zu beißen.
      Khil kauerte sich derweil an der Wand zusammen und weinte. Die Schmerzen waren astronomisch hoch, eine einzige Flut aus Qualen, die unablässig auf sie einsickerte. Sie drohte das Bewusstsein zu verlieren, aber so wollte sie nicht enden, sie war doch nicht so weit gekommen, um jetzt in irgendeinem Loch durch ein Missverständnis zu sterben. Allerdings hatte sie keine hohe Schmerztoleranz und sah schon dunkle Flecken in ihrem Blickfeld tanzen. Sie versuchte mit aller Kraft nicht ohnmächtig zu werden und schniefte.
      "Ich kann helfen", krächzte sie in die Richtung der beiden Kämpfenden, die sich womöglich gleich gegenseitig umbringen würden. "Ich habe nur den Luftschacht gefunden, wo alle Soldaten herumstehen. Ich bin hergekommen um zu helfen. Ich kann lesen. Ich kann... ich kann Informationen beschaffen. Ich möchte nur lernen zu stehlen. Bitte. Ich komme von niemandem."
    • Seinem Zorn endlich Luft machend, sah sich Lodoz nur zu schnell auf dem Boden wieder. Nieder gerungen durch dem Mannsweib Elraya. Ein nahezu erbitterter Kampf um Leben und Tod folgte zugleich, auch wenn wohl beide insgeheim wussten wie man einander wirklich umbringen konnte.
      Ein verrückter Blick legte sich auf das Gesicht von Lodoz. Er liebte es dem Tod nur einen falschen Schritt entfernt zu sein. In diesem Fall hätte er nur seinen Arm locker lassen müssen und schon wäre das Messer in seinem Kopf gewesen. Eine entzückende Vorstellung und dennoch sorgte die fremde Frau erneut für Aufmerksamkeit. Schon zum zweiten Mal in kürzester Zeit.
      Beide sahen hinüber, doch nutzte Lodoz diesen Moment für einen Augenblick schneller aus um Elraya von sich zu stoßen. Beide standen sich nun wieder aufrecht gegenüber, doch hatte Lodoz nun den Vorteil. Ohne ihrem Vorteil auf ihm zu liegen, war sie nun im Nachteil wenn es um grobe Stärke ging und er lechzte in diesem Moment danach Elraya Schmerzen zuzufügen.
      Und dennoch folgte sogar das dritte Mal.

      Nun knurrend in seiner Ausatmung blickte er die Fremde an.
      "WAS?!!"
      Sie äußerte alles was ihrer Meinung nach zum Schutz ihres Lebens beitragen konnte. Lodoz selbst hätte ihr zwar weiterhin gerne die Zunge aus dem Mund gerissen, doch war es in dieser Situation tatsächlich nicht grade Schlau eine solche Möglichkeit höher als seiner Mordlust zu stellen. Also sah er zu Elraya und einigte sich ohne Worte auf einen vorüber gehenden Waffenstillstand ehe er wieder zur Fremden sah.
      "... Sprich! Wobei willst du bitteschön helfen!? Sieh dich an. Ich kenne Kinder die dich im Kampf auseinander nehmen können. Also sag mir.. Was soll mich davon abhalten dir deine schicken Kleider weg zu reißen und dich zu nehmen wie eine billige Sklavin?!"

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