[2er RPG] The Curse of Time {TobiMcCloud & Codren}

    • Araja lächelte auch ein wenig, aber definitiv nicht so fröhlich, sondern eher besorgt. Sie fixierte Aradan eindringlich, beugte sich dann vor und zog seinen leeren Krug zu sich.
      "Ich denke das war genug Wein zum Schlafen gehen. Vielleicht kann ich dir ja ein paar Fragen beantworten? Oder... hm... nun, ich will nicht aufdringlich sein, wir kennen uns schließlich kaum. Aber erzähl mir doch, was dich bedrückt - vielleicht kann ich eine neutrale Meinung dazu geben und dann kannst du besser schlafen."
    • Aradan schüttelte den Kopf nach ihrer Frage. Sie hatte wohl Recht gehabt. Bevor er sich noch selbst verlieren würde, war es besser wieder zu gehen.
      "Ist schon okay. Du hast vollkommen Recht. Ich hatte schon einen Krug zu viel. Wer hätte gedacht dass euer Honigwein solch eine Wirkung hat. Der muss ja mindestens die doppelte Menge an Alkohol inne haben wie der normale Wein der anderen Dörfer."
      Aradan stand auf und merkte nun tatsächlich wie sich sein Körper anders anfühlte. Noch nicht so sehr dass er nicht mehr grade stehen konnte, doch genug um eine ganz leichte Taubheit in den Gliedern zu spüren.
      Dem Anstand nach verbeugte er sich vor Araja ehe er wieder ihr Haus verließ. Beinahe als hätte man ihn hinaus geworfen.

      Nun wieder in der Nacht schritt er verstreut voran bis der Übungsplatz erneut seinen Halt aus machte. Es war schon eigenartig. Zuvor durchzog der Geist Melora's beinahe jeder Ecke dieses Dorfes, doch nun war es viel mehr ein Gefängnis für Aradan. Es bereitete ihm Kopfschmerzen hier gefangen zu sein. Am liebsten wäre er vor den Palisaden gewesen um seinen Gefühlen Luft zu machen, doch musste er sich hier schon wieder zusammen reißen.
    • Am Morgengrauen baute die Truppe ihr Lager zur Weiterreise ab.
      Renera versuchte Aradan so gut es ging aus dem Weg zu gehen. Das war einfacher, als sich eingestehen zu müssen, dass sie Khil betrogen und gleichzeitig einen Mann liebte, wie sie es sich geschworen hatte nie wieder zu tun. Es war auch einfacher als seine blauen Augen zu betrachten und dabei nicht an die Nacht zu denken.
      Sie trainierte mit Khil auf dem Holzplatz, während die anderen noch mit dem Abbau beschäftigt waren, und sah dann nach Reshli, aber egal wohin sie ging, sie konnte ihn zu jeder Zeit irgendwo ausmachen, auch wenn sie gar nicht nach ihm Ausschau hielt. Sie fühlte sich wie unter Strom.
      Khil war dabei keine große Hilfe. Sie hatte einen neuen Blick auf Lager, eine Mischung aus ihrer nachdenklichen Grübelei und ihrem Wissensdurst, der so wirkte, als wolle sie Renera ständig etwas fragen, rückte aber nie mit der Sprache raus. Renera fragte auch nicht danach, sie spürte nur ihren Blick auf sich, während sie ihren Aufgaben nachging.
      Aber schließlich war der Zeitpunkt gekommen, an dem sie ihm nicht mehr ausweichen konnte. Sie mussten sich entscheiden, auf welchem Weg sie weiterreisen würden.
      "Aradan."
      Sie trat auf ihn zu und stutzte.
      "... Hast du genug geschlafen? Du siehst... fürchterlich aus."
    • Die Nacht verflog in welcher Aradan mit nichts außer seinen Gedanken und Gefühlen kämpfte. Der Abbau des Lager's setzte ein ebenso wie das kurze Frühstück aller die etwas wollten als Aradan nun langsam wieder zurück kam um zu helfen die Leinen zusammen zu rollen und die stählernen Stäbe genau übereinander mit einem Band zu wickeln um sie wieder Reisetauglich zu machen.
      Der Truppe fiel nicht viel auf bis auf dass Aradan wieder mehr war wie er all die Wochen zuvor war. Jarku fiel dabei nur auf, dass sich Renera besorgt gab. Da schloss er sich den Beiden an und klopfte Aradan grinsend auf die Schulter.
      "Fürchterlich? Der hat mir schon Angst gemacht. Bist wohl wieder der Alte huh?" Zugleich wurde Jarku schon von seinem Bruder eingenommen und abgezogen um dabei zu helfen die noch verwendbare Kohlestücke aus dem nächtlichen Lagerfeuer auszusortieren.
      Aradan selbst blickte Renera nicht an, nickte aber nach ihrer Frage.
      "Mir geht es gut."
      Danach packte er weiterhin und half der Truppe. Zu keinem Augenblick sah er Renera direkt an. Höchstens so flüchtig wie bei all den anderen wenn er auf etwas reagieren musste. Ein Mysterium umgab ihn als wäre er ein Fremder unter vielen.
      Chie brachte ihm seinen Mantel, Daikata gab ihm Medizin und ebenso half Aradan Valterri dabei einen großen Balken wieder an Ort und Stelle zu hiefen, welchen sie am Abend zuvor für die Zelte beiseite getragen hatten.
      Das eingespielte Team handelte wie eh und je, doch stellte sich Valterri nach allen erledigten Aufgaben zu Khil und Renera und fragte ohne diese anzusehen.
      "Ist letzte Nacht etwas passiert? Aradan ist wie zuvor. Verschlossen. Kalt wie Stein. Merkwürdig.."
    • Jarku schloss sich ihnen an und gab einen Kommentar von sich, den Renera ins Stutzen brachte. Wieder der Alte? Was sollte das denn heißen? Sie hatte Aradan definitiv anders in Erinnerung, nicht wie diesen zusammengesunkenen Zombie der so wirkte, als würde er nur alles nötige tun, um keine ungewollten Fragen aufkommen zu lassen.
      Sie sah ihm nach, als er weiterging um weiterzuhelfen und kurz darauf blieb Valterri bei ihnen stehen. Er gab den gleichen merkwürdigen Kommentar von sich und da raufte Renera sich die Haare. Konnte denn wirklich nichts so ablaufen, wie es sollte?
      "Ich hab'", begann sie, verstummte aber wieder. Was tat sie dort eigentlich? Wollte sie tatsächlich Valterri die Ohren zujammern, dass sie Aradan liebte aber es schlichtweg nicht zum Ausdruck bringen konnte?
      "... zu viel Wein getrunken. Und er auch. Wir alle haben zu viel getrunken."
      Sie sah zu ihm auf und Khil sah wiederum neugierig zu ihr auf.
      "Wir sollten weiterziehen, solange es hell genug ist."
      Dann wandte sie sich ab und ging in die entgegengesetzte Richtung von Aradan, obwohl sie dort gar nichts zu suchen hatte.

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    • "Zu viel Wein?"
      Valterri stutzte und sah auf Renera herab als wäre es ein leichtes diese Lüge zu durchschauen. Irgendetwas musste passiert sein. Nur was? Zu viel Alkohol.. hatten die Beiden etwa zueinander gefunden? Aber was wäre dabei so schlimm gewesen?
      "Khil. Glaube Jarku hat nach dir gefragt. Sieh besser mal nach ihm."
      Abwartend bis Khil seinen Worten folgte, blickte er Renera beinahe vorwurfsvoll an, als würde er es gar nicht mögen belogen zu werden.
      "Was ist passiert? Wahrheit." Mit verschränkten Armen, wirkte er beinahe wie eine uneinnehmbare Festung um welche man niemals herum kommen würde. In richtigen Momenten war dies vermutlich ein regelrechter Segen, wenn man sich ihm jedoch entgegen sah, das genaue Gegenteil.
      "So war Aradan viele Jahre. Wirkte nur anders wenn Melora auf kam.. Oder.."
      Da tippte er mit seinem Finger auf die Mitte Renera's Schlüsselbein.
      "Also?"
    • Khil folgte Valterris Worten, als hätte sie ihr ganzes Leben schon auf nichts anderes gewartet. Ihr Mantel flog ihr nach, als sie über den Platz huschte und Renera verzog die Miene. Sie wollte nicht darüber reden, aber besser sie erzählte es ihm jetzt, bevor sie es vor Khil tun musste.
      "Das darfst du keinem sagen, nicht Jarku und nicht seinem Bruder und auch nicht Daikata und erst recht nicht Aradan oder Khil. Versprich es mir."
      Sie wartete sein Versprechen ab, ehe sie fortfuhr.
      "Ich hab' zu viel Wein getrunken und... sieh mich nicht so an! Also schön, so viel hab' ich gar nicht getrunken. Aber angetrunken war ich schon, das kannst du nicht leugnen! Ich hab' ihn geküsst und dann hat er mich geküsst. Und dann hab ich ihm... gesagt, dass ich das nicht kann. Aber ich habe... was anderes gemeint. Könnt ihr ihm nicht das Gedankenlesen beibringen? Das wäre nützlich gewesen."
      Sie verschränkte die Arme, als wäre es ihr mit einem Mal unwohl, dass sie mit Valterri alleine war. Und das war es auch, ihre Sorgen sollten ihre eigenen bleiben.
      "Du wirst aber darüber kein Wort verlieren, verstanden? Wir werden nach Vihris gehen und dann werden sich unsere Wege trennen und dann wird das Leben so gewöhnlich weitergehen, wie es bisher ging."
    • Valterri hörte zu, versprach Renera es unter sich zu halten und sah anschließend wissend rüber nach Aradan, welcher nach wie vor aushalf.
      "Verstehe."
      Keinerlei Urteil lag in seiner Stimme. Sein Wort war so weise gewählt wie es nur sein konnte. Er verstand die Situation beider Personen und konnte nun auch das Verhalten zuordnen. Einzig und alleine tat ihm Khil leid. Sie ging so erwartungsvoll auf Jarku zu, dabei wollte er sie nur überzeugend fort führen. Doch gab es eine Gelegenheit seine Schuld zu besänftigen, denn sah Jarku verwundert nach Valterri rüber, als hätte er mit seinem Blick die Frage gestellt warum nun Khil so erwartungsvoll vor ihm stand. Valterri nickte ihm nur entgegen als wolle er ihm versichern dass es okay ist, so vertraute Jarku ihm und richtete sich beinahe Lehrerhaft auf während er auf Khil hinunter sah.
      "Okay. Du hast gewartet und es sei dir gegönnt"
      Da zog Jarku einen Fetzen Papier hervor um mit Khil eine seiner Gift Mixturen durch zu gehen.

      Valterri, welcher nach wie vor bei Renera stand, setzte sich auf einen Felsen um nun auf der selben Augenhöhe zu sein und streichte sich einmal durch sein Gesicht ehe seine groben Hände auf seinen Beinen ruhten.
      "Ich werde niemandem davon Erzählen. Ich verspreche es. Aber überdenke dein Vorhaben. Habt ihr euch belogen oder habt ihr euch gefunden? Vor Lüge kann man niemals lange fliehen, bringt uns um. Dazu stehen und leben oder davor fliehen und sterben. Liegt an euch. Entscheidung muss nicht schnell fallen aber muss bedacht werden. Werde mein Versprechen halten aber.. überdenke deinen Plan. Denke nach."
    • Khil bekam die größten Augen, die ein Mensch nur jemals haben konnte und wurde sofort lebhaft. Sie wartete gar nicht erst darauf, dass Jarku ihr den Zettel überreichen würde, schon fing sie an ihn mit Fragen zu bombadieren, die ohne Punkt und Komma hervorgeschossen kamen.
      Renera beobachtete sie dabei, während sie es vermied Valterri anzusehen. Unglücklicherweise war auch Aradan in Jarkus Nähe und so konnte sie beide gleichzeitig beobachten und dabei herauszufinden versuchen, wer von ihnen den Stich in ihrem Herzen verursachte. Valterri war dabei keine große Hilfe, obwohl er sich als überraschend weise erwies.
      "Einem von beiden werde ich das Herz brechen und der andere wird es mir brechen und zum Schluss werden wir alle unglücklich sein. Können wir da nicht die Lüge vorziehen, bis wir uns sowieso wieder trennen? Khil muss nichts von dem Kuss wissen und Aradan..."
      Sie zuckte mit den Schultern.
      "Er findet auch eines Tages jemanden. Und dann wird er doch noch glücklich sein."
      Sie beobachtete, wie Khil begeistert den Zettel überflog und gleich einen weiteren Schwall Fragen auf Jarku einprasseln ließ, dann wanderte ihr Blick zur Seite und sie beobachtete, wie Aradan dabei half die Stühle wegzutragen, die sie für das Lagerfeuer gebracht hatten, und wie sich dabei die Muskeln in seinem Rücken und seinen Armen abzeichneten. Sie beobachtete ihn, bis es auffällig wurde, dass sie ihn anstarrte und wandte sich dann ab.
      "Ich hatte nie Glück mit Männern. Ich weiß, dass Aradan anders ist und dass er die einzige Ausnahme ist, aber ich kann einfach nicht. Ich kann nicht. Verstehst du das, Valterri? Ich glaube langsam verstehe ich es selbst nicht mehr."
    • "Lüge vorziehen?"
      Valterri konnte nicht glauben was er da hörte. Er wandte sich Renera nun komplett zu und ging auf einem Knie hinunter um auf Augenhöhe mit ihr zu sein
      "Wir müssen zu Fehlern stehen. Unsere Truppe flieht nicht. Wir stärken einander und stehen zu unseren Fehlern. Wir lernen dazu und werden sehen was die Zukunft für uns bereit hält. Lebe dein leben weiter und akzeptiere wie du bist. Lerne damit umzugehen und schreite voran. Wenn du nicht weiter weißt, hast du nun viele die auf dich aufpassen. Aber nur wenn auch du auf uns aufpasst. Lass uns nicht stehen weil es leichter ist."
      Dann stand er wieder auf und hielt Renera ihr Gepäck hin.
      "Khil und Aradan sind stärker als du glaubst. Sie wissen es sicher selbst noch nicht. So wie wir alle einst."
    • Renera zwang sich dazu Valterri anzusehen. Der Hüne hatte sich zu ihr hinab gebeugt, wirkte aber immernoch so gewaltig wie vorher. Ganz besonders störte sie aber seine Ruhe; Konnte er ihr nicht lieber sagen, dass sie einen Fehler gemacht hatte und dass es wohl am besten wäre, wenn sie mit Khil wieder allein weiterzog? Musste er sie stattdessen wirklich dazu bringen, dass sie an sämtlichen Entscheidungen, die sie jemals getroffen hatte, zweifelte? Konnte er sie nicht so weitermachen lassen wie bisher?
      Sie brummte und nahm ihm ihre Tasche ab.
      "Kannst du deine Weisheiten nicht jemand anderem aufbürden? Ich bin schon zu alt, um was zu verändern."
      Und weil sie wusste, dass er sicherlich auch dazu etwas kluges zu sagen hatte, brachte sie sich schnell aus seiner Reichweite und suchte das Weite.
    • Valterri blieb nichts anderes übrig als Renera hinterher zu sehen. Was auch immer diese Gefühle zwischen Aradan und Renera waren, sie waren stark genug um beide widernatürlich handeln zu lassen. Unausgesprochene Dinge führten oftmals zu Chaos und schmerzhaften Entscheidungen. Doch würde er ganz klar sein Versprechen halten und Renera ziehen lassen wenn das ihr Wunsch war. Leider war er sich dabei ziemlich sicher dass wohl auch Aradan dies zulassen würde. Aber nun war es nicht die Zeit ins ungewisse zu blicken.
      Aradan selbst war schon beim Aufseher, welcher sich erkundigt hatte wann die Truppe endlich weiter ziehen würde. Dieser bekam seine Antwort recht flott, ebenso wie eine kleine Bezahlung, ehe sich die Tore zum Westen hin öffneten und sich die Truppe samt Karre langsan in Bewegung setzte.
      Vorne lief Daikata mit Aradan, welche sich über etwas ernstes unterhielten. Dabei gestikulierte Daikata öfter mit seinen Händen als würde er Maßstäbe mit seinen Händen deutlich machen. Valterri befand sich neben der Karre, blickte aber nach vorne. Am Ende war Jarku mit seinem Bruder und den vier verhüllten Personen samt den beiden Zwillingen.
    • Die Truppe verließ Lytien unter den aufmerksamen Blicken der Wachen und dem gelangweilten des Aufsehers. Araja war nicht noch einmal aufgetaucht, um sich von ihnen zu verabschieden, aber sie sahen sie in der entfernten Kuhle bei den Kindern, die sie mit harschen Befehlen drillte.
      Wenn es für die Gruppe je eine Formation gegeben hatte, hatte sie sich für diesen Tag geändert. Daikata bildete mit Aradan die Spitze, Valterri ging dort, wo Aradan gegangen wäre und hinterher folgten Khil mit Jarku und dem Rest. Khil war völlig begeistert von Jarkus Gift und plapperte ihm schon seit einer halben Stunde das Ohr ab.
      Renera saß alleine auf dem Wagen und starrte vor sich hin. Sie dachte darüber nach mit Valterri ein Gespräch anzufangen, aber zum Schluss würde er sie vielleicht doch noch mit seinen Weisheiten beeinflussen wollen und das erschien ihr eine ganz grauenvolle Idee - also unterhielt sie sich für eine Weile mit Reshli. Die Stimmung des Gefangenen war seit dem ersten Tag unverändert und er ließ manchmal Bemerkungen fallen, die Renera fast als Beleidigung aufschnappte, aber zumindest schien er sich in der kurzen Zeit, die sie redeten, sich ihr soweit zu öffnen, dass er ihr offenbarte, dass er die Schmerzen seines Beins nur durch Daikatas Schmerzmittel aushalten konnte und das Fahren auf dem Wagen die reinste Hölle für ihn war. Hinterher ging Renera dazu über, in den Himmel zu starren und Vögel zu beobachten. Das hatte sie seit ihrer Ankunft in Melora schon nicht mehr getan.
      Die Landschaft war hauptsächlich hügelig mit einzelnen Flecken aus zusammenstehenden Bäumen, die hier und da Schatten spendeten, aber sonst konnten sie ziemlich genau geradeaus reisen. Die Straße von Lytien war dabei nur von geringer Hilfe, sie war zwar einigermaßen befahrbar, aber an manchen Stellen schon wieder mit Wildgras überwachsen, sodass sie genauso gut neben der Straße hätten gehen können. Das würde sich auch die nächste Zeit nicht ändern: Zwei Wochen würden sie durch diese Landschaft ziehen, bis sie den Fluss nach Shegar überquerten und nach weiteren zwei Wochen in Vihris ankamen. Das waren vier Wochen, in denen sie sich durch vereinzelte Wälder, hoch gewachsenes Wildgras und einzelne Tümpel hindurch schlagen mussten.
      Sie zogen weiter, solange die Sonne ihnen Licht spendete und rasteten, um etwas zu essen. Khil gesellte sich irgendwann wieder zu Renera, war aber abweisend und verhielt sich steif. Renera dachte sich nichts dabei.
      Sie schlugen ihr Lager im Schatten eines Hügels zwischen Beerensträuchen und Wildblumen auf und Khil ließ sogleich alles stehen und liegen, um die örtliche Flora auszuspähen und dabei ihr Wissen aufzustocken. Renera machte sich derweil am Wagen zu schaffen, um Reshli einen gemütlicheren Sitzplatz zu bauen, ehe sie sich zu den anderen ans Lagerfeuer setzte. Eigentlich war alles so wie am Vortag, mit dem Unterschied, dass sie sich neben die Zwillinge setzte und es vermied, in Aradans Richtung zu sehen, genauso wie er es vermied in ihre zu sehen.
    • Der Tagesmarsch verlief recht ruhig. Auf dem Weg trafen sie nur auf einen Spähtrupp aus einem Dorf dass sie nicht kannten. Sogar an Kreaturen tauchte nichts auf, was wohl aber normal für eine so weit überschaubare Gegend war. Meist hielten sich diese in Wäldern auf und wurden schnell nieder gestreckt wenn sie auf offenem Feld auftauchten.
      Aradan den Tag um mit Daikata diverse Rezepturen durch zu gehen, welche er künftig an Aradan austesten wollte. Valterri behielt seine Gedanken für sich, da er schon bei Abmarsch klar gemacht bekam, dass seine Worte bei Renera nicht erwünscht waren. Das stellte aber keinerlei Problem dar. Diese Truppe hatte schon so viele Meter in ihrer gemeinsamen Zeit zurück gelegt, dass sie es gewohnt waren einen kompletten Marsch lang nicht miteinander zu reden. Höchstens wenn es um eine Korrektur der Richtung ging, was nur ziemlich selten vor kam, da sie ohnehin nur dort hin liefen wohin sie das Schicksal trug.

      Als es dann wieder Zeit war das Lager aufzubauen, ging alles wieder gewohnt flott von der Hand. Nur Aradan half dieses Mal nicht mit. Er ging zu einer kleinen Erhöhung um die Umgebung überblicken zu können und lies die frische Abendbriese an ihm vorbei ziehen.
      Ein dichter Wald war von dort aus einsehbar. Gute 2 Stunden Marsch entfernt. Wenn sich Aradan recht erinnerte, hörte er die Wachen zuvor über diesen Wald reden. Angeblich wurde man dort gerne mal von einem Banditentrupp überfallen, welche sich als Soldaten ausgaben. Er würde sich diese Information gut merken.
      Wenig später kam Valterri zu Aradan hinauf und betrachtete ebenso die Umgebung.
      "Wie sieht es aus?"
      "Wir sind auf dem Weg. Dort drüben ist der Wald. Wir müssen uns aber auf Banditen gefasst machen welche sich als Soldaten ausgeben. Ich hörte im letzten Dorf zwei Wachen darüber reden."
      Valterri nickte brummend, sah Aradan aber danach an
      "Und wie geht es dir? Seit letzter Nacht bist du wieder... Naja. Du."
      Aradan schüttelte den Kopf
      "Keine Sorge alter Freund. Ich musste mir nur etwas wichtiges klar machen."
      Valterri sah Aradan noch einen Moment an, räusperte sich dann aber um es hinzunehmen.
      "Wenn du das sagst glaube ich dir."
      Gerne hätte er noch ein wenig mehr mit Aradan gesprochen, doch wollte er ihn nicht genau so mit seinen Worten verdrängen wie er es scheinbar mit Renera getan hatte.
      "Das Essen dürfte bald fertig sein."
      waren seine letzten Worte als er sich wieder zum Lager wandte und dort hin ging. Aradan folgte etwas später und setzte sich mit allen um das Feuer rum bis er das Wort erhob um alle laufenden Plaudereien zu unterbrechen
      "Ich muss euch etwas erzählen."
      Aradan blickte durch die Runde, blieb aber bei keiner Person hängen bis er wieder in das Feuer vor ihn blickte als er sich der Aufmerksamkeit aller bewusst war.
      "Gestern Nacht ist etwas passiert dass ich euch wissen lassen will. Es lies mir keine Ruhe und hielt mich die Nacht wach. Hättet ihr mir vor eine Woche davon erzählt wie es kam, hätte ich euch nicht geglaubt, doch ist etwas geschehen was ich für unmöglich hielt. Es wird vermutlich einiges verändern aber mit Sicherheit weiß ich es nicht."
      Er setzte eine kleine Pause ein um dann von all den Geschehnissen zu erzählen, welche im Zwielicht geschehen sind. Dass er machtlos war und auch dass der fremde Geist auf den Namen Urudin hörte. Dass eine fremde Macht dafür sorgte den Geist zu vertreiben und dass auch Aradan rein gar nichts dagegen unternehmen konnte, was bisher nahezu unmöglich gewesen war.
    • Aradan erhob die Stimme, als sich alle schließlich am Lagerfeuer eingefunden hatten und Renera wandte sich ihm ruckartig zu. Wollte er etwa...?! Hatte er etwa vor...?! Das würde er nicht wagen! Oder etwa doch? Was für ein Spiel wollte er spielen?!
      Aber es war keineswegs das, womit sie gerechnet hatte und sie entspannte sich wieder und fuhr sich mit der Hand übers Gesicht. Natürlich ging es nicht darum. Sie musste aufhören zu denken, als würde sich die ganze Welt nur um sie drehen. Es gab schließlich wichtigere Probleme als ihr kleiner Ausrutscher.
      Khil schlich sich bei Aradans Erzählung von hinten an und setzte sich neben Valterri auf den Boden. Sie machte riesige Augen, mit denen sie Aradan betrachtete und war natürlich die erste, die dazu etwas beizutragen hatte.
      "Das hört sich ausgesprochen interessant an. Was weißt du noch über das Zwielicht? Du solltest versuchen, mehr darüber herauszufinden, bevor du wieder mit dem Geist sprichst. Vielleicht kannst du ja Minerva fragen? Im Austausch für Zeit in deinem Körper."
      Das interessierte sogar Renera und sie richtete ihren Blick nun doch aufmerksam auf Aradan. Die tanzenden Flammen spiegelten sich in seinen Augen wieder und zogen sie in ihren Bann.
    • "Tatsächlich habe ich mir darüber schon Gedanken gemacht."
      Seine Worte galten Khil. Die Idee Minerva Zeit zu schenken war ein Angebot welches diese niemals ausschlagen würde. Doch hatte Kiliak Einwände.
      "Seid ihr noch ganz dicht? Wenn Minerva die Kontrolle hat geht es hier ab als würdet ihr einen Fuchs in den Hühnerstall stecken und darauf vertrauen dass nichts passieren wird."
      Aradan nickte
      "Ganz genau. Sie weiß dass ich viele Fragen habe und das mein Angebot ernst gemeint sein wird. Aber.."
      Da wies er auf einen Rucksack hin, in welchem die robusten Ketten verstaut wurden, die ihn schon zuvor fixierten.
      "Wer sagt dass sie sich frei bewegen darf sobald ich ihr die Kontrolle überlasse? Mein Plan sieht vor, dass ihr mich fesselt sobald ich ins Zwielicht drifte. Es darf erst danach geschehen da ich im Zwielicht immer so auftauche wie ich es betrete. Kettet ihr mich vorher an, werde ich ebenso gefesselt dort auftauchen."
      Jarku rieb sich bei dieser Idee über den Mund als würde ihm gefallen was er hört.
      "Hm. Wenn wir das wirklich machen, muss diese Gelegenheit aber klar genutzt werden. Sie wird sicher kein zweites Mal auf so etwas rein fallen."
      "Sehe ich auch so. Aus diesem Grund würde ich gerne wissen was ihr für Fragen hättet. Wir tragen sie zusammen damit ich sie im Zwielicht fragen kann. Ich werde ihr für jede beantwortete Frage 5 Minuten in meinem Körper geben."
      Direkt stach sein Blick auf Khil
      "Was denkst du? Du und Renera, ihr seid die neusten der Truppe. Was hättet ihr für eine Frage an dieses Geisterwesen?"
    • Khil begeisterte sich sofort für das Thema und schoss los, während Renera sich erst noch von Aradans Anblick im Feuerschein löste.
      "Frag sie alles, was sie über Urudin weiß und über das, was er dir schon erzählt hat! Besonders über diesen Energiestoß, den du erlebt hast. Und wieso er außerdem nur in dieser Geisterform auftritt!"
      Jarku merkte an, dass eine Frage wohl besser wäre, um Minerva nicht mehr Zeit als nötig zu geben und Khil verzog enttäuscht das Gesicht.
      "Nagut. Frag sie nur, was sie über Urudin weiß. Nein, frag das allgemeiner, frag, was das für Geisterwesen sind, die das Zwielicht bewohnen - sie eingeschlossen."
      Sie drehte sich nach Renera um und die rieb sich das Kinn.
      "Frag sie, was es mit den Grenzen auf sich hat. Das scheint mir ein wichtiges Thema zu sein, wenn Urudin sich so oft darauf berufen hat. Das könnte auch gleichzeitig andere Fragen beantworten."
    • Alle bis auf Valterri gaben ihre Fragen ab welche sie für das Beste hielten. Im Kern waren die Meisten sogar recht ähnlich. Was waren die Geister im Zwielicht, was ist das Zwielicht und wer ist Urudin. Renera's Frage wurde nicht doppelt genannt, doch würde Aradan Minerva dennoch diese Frage stellen. Ob nun 5 Minuten mehr oder weniger. In Ketten würde diese ohnehin nichts anstellen können.

      So war es beschlossen und wichtige Vorkehrungen wurden getroffen. An Ort und Stelle war es zumindest nicht Klug, immerhin würden sie sehr viel kaltes Wasser brauchen um Aradan im Anschluss runter kühlen zu können. Es blieb also nicht viel übrig als zwei Gruppen einzuteilen. Eine würde am Lager bleiben und die andere zieht mit Aradan zum nächsten Fluss, welcher in knapp 15 Minuten Fußmarsch Entfernung war.
      Valterri, die Zwillinge und Kiliak meldeten sich schnell am Lager zu bleiben. Die vier noch immer verhüllten Personen blieben ebenso.

      Anschließend ging alles recht schnell. Am Fluss angekommen packten alle schon die Ketten zurecht um sie schnell um Aradan wickeln zu können sobald er weggetreten war. Vorher wandte er sich aber noch zu den beiden neusten Mitgliedern
      "Ich weiß ihr habt schon Bekanntschaft mit Minerva machen müssen, doch glaubt mir, sie ist eine Meisterin wenn es darum geht zu manipulieren. Glaubt ihr am Besten kein einziges Wort sobald sie durch mich spricht. Zur Not haltet mir einfach den Mund zu. Tut einfach was ihr möchtet aber lasst sie auf keinen Fall frei."
      Anschließend betrachtete Aradan das Wasser.
      "Ich fange an. Bindet mich in etwa 20 Sekunden. Das sollte genügen."
      Und so geschah es. Er tauchte ins Zwielicht und sah sich um. Die weit entfernten Geister waren wie immer mit dem Bannspruch beschäftigt den Aradan aufrecht hielt. Und ebenso wie zuvor für den fremden Geist, machte er einen kleinen Raum frei für Minerva, welche erschreckend schnell an Ort und Stelle auftauchte.
      Wie in einem kleinen Käfig wollte sie direkt auf Aradan zu preschen, wurde aber immer wieder von unsichtbaren Mauern zurück gestoßen bis Aradan die Arme verschränkte und sie ansah.
      "Du brauchst dich nicht zu bemühen. Ich werde dich nicht umher wandeln lassen. Du weißt dass ich die Macht dazu habe dich auf ewig an Ort und Stelle zu binden. Aber ich bin nicht hier um mich solchen niederen Beweggründen her zu geben. Ich bin hier um dir Fragen zu stellen, welche ich wahrheitsgetreu beantwortet haben will. Wenn du das tust, werde ich dir für jede beantwortete Frage 5 Minuten in meinem Körper geben welche du nutzen kannst wie du willst."
    • Die Sache war schnell beschlossen und ebenso schnell die Vorkehrungen dafür getroffen. Die Gruppe spaltete sich um das Lager im Blick zu behalten und sich um Aradan zu kümmern und Renera zögerte noch, bis sie sich zweiter Gruppe anschloss. Wenn etwas schief ging, wollte sie anwesend sein, um helfen zu können.
      Sie zogen zum Fluss hinüber, um den sie sich sammelten und die Kette bereit legten. Aradan verabschiedete sich mit letzten Worten von ihnen, dann schloss er die Augen und erschlaffte als würde er schlafen - oder als wäre er tot. Renera mochte den Anblick nicht, sie hatte ihn schon öfter so gesehen, als es ihr lieb war. Sie verschränkte die Arme vor der Brust, nahm eine Wachhaltung an und wandte dann den Blick auf die Umgebung.

      Im Zwielicht kam Minerva schneller an, als man blinken konnte. Sie preschte mit einer unermüdlichen Energie gegen den Bann, als ob ihr schierer Wille ihn eines Tages zerbrechen könnte und sie es nur oft genug versuchen musste. Auf ihrem Gesicht lag dabei ein lüsternes Grinsen, als würde ihr dieses kleine Spiel sogar Spaß machen.
      Sie blieb nicht stehen, als Aradan das Wort erhob, musterte ihn allerdings neugierig.
      "Du bist hier für Fragen?", wiederholte sie ungläubig und blieb für einen Moment doch stehen. "Das müssen aber wichtige Fragen sein. Außerordentlich weltenbewegende Fragen! Aber ich akzeptiere! Wir machen den Deal! Fünf Minuten für jede Frage, schieß nur los! Ich weiß alles, du wirst schon sehen! Und wenn ich erstmal draußen bin, dann werde ich dich davon überzeugen, dass unsere Zusammenarbeit nur zu besserem führen kann!"
      Dann warf sie sich doch wieder versuchsweise gegen den Bann und machte ein frustriertes Geräusch.
    • Minerva's Auftreten wunderte Aradan nicht im geringsten. Viel eher rechnete er damit dass sie sich wieder benehmen würde wie ein verhungernder Wolf welchem man ein blutiges Stück Fleisch vor hielt. Aber wenigstens hörte sie zu. Es stand zwar noch der große Zweifel im Raum ob sie ihm überhaupt die Wahrheit sagen würde, doch was blieb ihm groß übrig? Also schnürte er den geringen Platz, welchen er Minerva gab etwas enger, damit sie nicht so wild umher wirbeln konnte und blickte sie analysierend an, als wartete er nur auf die erste Lüge.
      "Gut. Meine erste Frage und deine potentiell ersten 5 Minuten. Was ist das Zwielicht für ein Ort? Ich traf Urudin, welcher mir ein paar beunruhigende Worte entgegen brachte. Ich gebe dir auch direkt meine zweite Frage um dir die Chance zu geben auf ganze 10 Minuten hoch zu kommen. Was hat es mit den Grenzen auf sich?"
      Aradan hielt sich permanent bereit Minerva wie zuvor arg zu fixieren falls diese durchdrehen würde oder auf die Idee kam sich um einer Antwort herum zu winden. Er musste in dieser Welt Dominanz beweisen, vor allem bei diesem speziellen Geist.