[2er RPG] The Curse of Time {TobiMcCloud & Codren}

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    • Die Fremden schienen friedlicher als anfangs gedacht, trotz der sichtbaren Waffen die sie trugen. Renera spannte sich bereits an, als der Hüne Khil hochhob, aber er hatte eine beachtliche Sanftmut in seinen Bewegungen, als er sie in Richtung Renera trug. Khil selbst starrte ihn bestürzt an, als könne sie selbst nicht glauben, was da gerade geschah. Ganz anscheinend hatten sie die Gruppe von grundauf falsch eingeschätzt.
      "Ich entschuldige mich für den Aufruhr", setzte sie etwas sanfter an und legte die Hände an die Gürteltasche, die sie schon seit Urzeiten trug. Sie hatte sie von Aradan bekommen und der weißhaarige wurde auch Ara genannt - was für ein Zufall. Nur schade, dass ihr Aradan verstorben war.
      Khil wurde auf den Boden gelassen, schnappte sich ihr Messer und nahm sogleich Abstand zu den Männer. Sie sah wirklich furchterregend aus mit dem Blut, das ihr aus der Nase lief und am Ärmel klebte, aber sie schien sich tapfer darum zu bemühen, keine Schmerzenslaute von sich zu geben. Schließlich nahm sie Anlauf, sprang beherzt auf die andere Seite des Flusses und kam bei Renera zum Stillstand. Diese nahm sich einen Moment um die Nase zu betrachten, wandte sich dann aber gleich wieder den Fremden zu. Nun wurden sie zumindest vom Fluss voneinander getrennt, was einen Funken von Sicherheit versprach. Sie schöpfte daraus neuen Mut.
      "Wir sind auf der Suche nach etwas", sprach sie laut genug, um auch gehört zu werden. "Wir werden euch nicht im Weg sein. Klingt das nach einer vernünftigen Abmachung?"
      Neben ihr sah Khil entsetzt zu ihr auf und ergriff ihren Arm.
      "Renera!", zischte sie und setzte dann etwas leiser hinzu: "Wir wissen nicht wer die sind! Das könnten Räuber sein!"
      "Für Räuber haben sie dich aber sehr stark am Leben gelassen. Außerdem will ich nicht erst warten bis sie weg sind, das ist ein furchtbarer Ort", raunte Renera zurück, während sie den Blick auf die Männer gerichtet hatte. Lauter sagte sie: "Wir schlagen nur dort vorne unser Lager auf. Einverstanden?" Sie zeigte nach Norden, nach Svenkov's Hütte die nicht mehr existierte.
    • Valterri machte sich wieder zur Grabungsstelle auf um den Anderen zur Hilfe zu gehen. Jarku stand noch einen Moment mit verschränkten Armen da und hörte der Frau zu. Sie wollte also ein Lager aufschlagen. Ob man ihnen wirklich vertrauen konnte? Aber wenn Aradan sagte es sei okay, wird es wohl stimmen. Trotzdem machte sich Jarku zu den Beiden auf, hielt dabei seine Hände leicht erhoben vor sich um klar zu machen dass er nichts böses im Sinn hat.
      Er hielt mit leichtem Abstand zu den beiden Frauen an und nickte freundlich zur Begrüßung.
      "Keine Angst, wir werden euch ganz sicher nichts tun. Wir verstehen dass ihr nur etwas zu vorsichtig gewesen seid. Obwohl man kaum vorsichtig genug sein kann oder?"
      Er lachte kurz und hoffte das Eis brechen zu können, immerhin schienen beide Parteien ein wenig an diesem Ort zu bleiben. Da war eine angespannte Luft nie förderlich.
      So hielt er seine Hand zur Begrüßung vor.
      "Mein name ist Jarku."

      Doch bevor er eine Reaktion der Beiden erwarten konnte, sauste ein Pfeil haar scharf an Jarku's Nase vorbei in den Wald hinein. Ein so kräftiger Schuss konnte nur von einem kommen, also wandte sich Jarku direkt zu Aradan und brüllte zornig
      "Sag mal hast du sie noch alle?!? Das war verflucht knapp!!"
      Und tatsächlich war er es, den Langbogen noch in der Ausgangsposition haltend und bereits einen zweiten Pfeil spannend. Direkt wurde Jarku klar dass er sicher nicht grundlos geschossen hatte, also zückte er zwei gezackte Dolche, welche an sich windenden Schlangen erinnerten.
      Kurz darauf brach es aus den Büschen heraus und rannte auf die beiden Frauen und Jarku zu. Es war ein Keiler mit einem beachtlichen Gewicht von gut und gerne 120kg der sich wohl in seinem Revier bedroht fühlte. In dessen Seite steckte der abgeschossene Pfeil und kurz darauf traf der zweite Pfeil den Kopf des Keilers. Dieser wurde nun immer langsamer, schnaufte mehr und mehr ehe er seitlich umfiel und mit seinen letzten Atemzügen unter schmerzen kämpfte.
      Jarku erledigte aber schnell den Rest und ging zum leidenden Tier ehe er seinen Dolch in dessen Herz jagte und freudig zu den Frauen sah.
      "Nah sieh mal an. Ich würde sagen dass unser Essen für diesen Tag gesichert ist. Was meint ihr? Wollen wir nicht einfach ein gemeinsames Lager aufschlagen?"

      Jarku

    • Renera zögerte für einen Moment, dann ergriff sie die Hand des Mannes, der sie ihr entgegen hielt, schüttelte sie einmal kräftig und erwiderte das Lächeln. Er schien aufrichtig zu sein, oder zumindest konnte sie in seinem Blick nicht den Blutdurst erkennen, der manche Männer besessen hatten, denen sie begegnet war.
      "Wenn du wüsstest, Jarku! Aber es ist gut, mal nicht gegen Menschen kämpfen zu müssen, da sind mir die Kreaturen schon genug. Ich bin Renera und das ist Khilinarva."
      Die kleinere Frau sah Jarku lediglich düster an, bis Renera ihr den Arm um die Schulter legte. Sie versteifte sich für einen Moment, ließ es dann aber zu, dass Renera sie in einer vertrauten Geste an sich zog.
      Kurz darauf zuckten beide Frauen zusammen, als ein Pfeil zwischen ihnen und dem Mann hindurchschoss, der vor allem Jarku nur knapp verfehlte. Sie alle drei drehten sich nach dem Ursprung des Pfeils um, der in dem weißhaarigen Mann bestand. Der Mann, den der Riese Ara genannt hatte.
      Der Mann, bei dem sich jetzt, als die Sonne gegen sein Gesicht schien, blaue Augen zeigten.
      Renera wurde von einer Eiseskälte ergriffen. Sie vergaß Khil in ihrem Arm, die sich nach Jarku's Vorbild das Messer in die Hand nahm und in Sturmhaltung verfiel, ganz so als wolle sie dem anderen nachahmen. Renera beobachtete, wie der weißhaarige seine Sehne nach hinten zog, zielte und schoss. Er stand aufrecht, hatte eine vorbildliche Haltung und der Bogen schien in der Zeit, in der er zielte, in der Luft förmlich zu erstarren. Er zog die Sehne an, als gäbe es nichts einfacheres auf der Welt, dann schoss er wieder so knapp an ihnen vorbei, als könne er die Flugbahn des Pfeils zu jeder Sekunde lenken. Der ganze Vorgang war von reiner Perfektion dominiert.
      Bilder schossen in Reneras Kopf von einem Jungen, der Bandagen an den Armen trug, der ihr auf dem Übungsplatz gegenüber stand und sich nicht regte, der neben ihr im Gras lag und in den Himmel blickte. Sie sah sich beide ein Versprechen geben, sah eine erleuchtete Scheune im Mondlicht, den Wald, der damals nicht so überwuchert gewesen war. Sie sah die blauen Augen.
      Das konnte nicht sein. Aradan war tot. Sie war in der Stadt gewesen, hatte sich nach seinen Eltern erkundigt, hatte sich nach ihm erkundigt. Als Botenjunge hatte er gearbeitet, hatte auf der Straße gelebt und dann war er weg gewesen. Auf der Straße verhungert, in den Gassen erstochen, in den Kerker geschmissen und vergessen. Sie hatte sämtliche Geschichten über heimatlose Botenjungen gehört, hatte sich sämtliche Ausführungen erklären lassen wie man als Junge auf der Straße nicht überleben konnte und hatte sich ein eigenes Bild von den betroffenden Gassen gemacht. Er hatte nicht überlebt. Für sie war er damals auf dem Wagen mit den Soldaten davongefahren und nie wiedergekommen.
      Khil folgte Jarku aufgeregt zu dem nun totem Keiler und beeilte sich, ihr Messer auch mal in seine Haut zu stechen. Dann blickte sie zu ihm auf und drehte sich zu Renera um.
      "Ein gemeinsames Lager hört sich doch nicht sch... Renera?"
      Aber Renera konnte den Blick nicht von dem weißhaarigen abwenden. Sie ging wie in Trance auf ihn zu, bis sie beide nur noch der Fluss trennte, an den sie sich von allen Dingen noch am besten erinnern konnte. An den Fluss und an den Jungen mit den blauen Augen, denselben blauen Augen, die auch der weißhaarige hatte.
      "... Aradan?", flüsterte sie, laut genug, dass er es auch hören konnte, aber ungläubig. "Aradan... Elric?"
    • "Ein prächtiges Tierchen, oder?"
      Meinte Jarku lächelnd als die seltsame Frau sich zu ihm gesellte. Dieser Keiler eignete sich perfekt als Braten. Davon würde sogar Val satt werden. Jarku konnte es kaum abwarten ein schönes großes Feuer zu machen und die Grillstangen aufzubauen. Doch bemerkte er dass sich die seltsame Frau ablenken lies, als würde etwas nicht mit ihrer Partnerin stimmen. Er stand auf und beobachtete alles. Es stimmte. Irgendetwas hatte diese Frau. Sie ging auf Aradan zu als stünde sie unter einer Gehirnwäsche. Das machte ihm dann doch etwas sorgen, was seine Hand langsam wieder zu seinem Dolch führen lies.
      Aradan bemerkte ebenso dass die Frau auf ihn zu kam, doch fühlte er sich nicht bedroht, also machte er erneut eine Geste mit seiner Hand um Jarku klar zu machen dass alles okay ist. Doch als Aradan seinen vollen Namen hörte, vor allem sein Nachnamen, welchen er seit dem Vorfall nicht mehr gehört hatte, konnte er nicht umher dieser Frau entgegen zu blicken.
      "Woher kennt ihr diesen Namen?"
      Die Vorsicht stieg in ihm auf. Woher kannte diese Frau seinen vollen Namen? All die Jahre war er nicht in diesen Landen unterwegs und doch traf er auf jemanden der ihn kannte. Hatten sich seine Eltern über die Jahre etwa doch verplappert? Wurde es ihnen eventuell sogar unter Folter entlockt?
      "Ganz genau! Alle wissen von dir! Du wirst sie nie mehr wieder sehen!"
      "Töte sie! Sie kennt deinen Namen!"
      "Sie wird dich ausnutzen!"

      Aradan's Blick verfinsterte sich etwas. Ihm dröhnte der Schädel bei dem Versuch die Stimmen zu unterdrücken. Mit einer Hand hielt er sich leicht an der Seite seines Kopfes und flüsterte
      "Haltet endlich die Klappe..."
      Danach blickte er wieder auf und wollte dem ganzen auf den Grund gehen. So legte er seinen Bogen wieder um sich und sprang in einem Satz über den Fluss, nun knapp einen Meter von der Frau entfernt.
      "Woher kennst du meinen Nachnamen? Ich habe niemanden davon erzählt. Wer hat es euch verraten?"
      Aradan war auf alles gefasst. Er hätte diese Frau tatsächlich nicht lebend gehen lassen können, sollte sie auf ein Kopfgeld oder Informationen aus sein die sein Leben, oder dass seiner Eltern, in Gefahr bringen würden.
    • Der weißhaarige wirkte irgendwie neben sich - Aradan wirkte neben sich. Mit jeder weiteren Sekunde die verstrich war Renera sich sicherer, dass er es war. Niemand sonst hatte dieselben leuchtenden, blauen Augen, nicht einmal der Offizier in Kelm, dessen blaue Augenfarbe sie so einladend verschlungen hatten. Niemand war jemals so nahe an seine Augen gekommen wie der weißhaarige.
      Und jetzt hielt er sich am Kopf und murmelte etwas. Sein Blick schien düster zu sein, auf einen unbestimmten Punkt gerichtet, ganz anders als der offene, neugierige Blick, den sie von ihm in Erinnerung hatte. Er schien sich von grundauf verändert zu haben - aber hatte sie sich nicht auch verändert?
      Er steckte seinen Bogen zur Seite und sprang auf ihre Seite des Flusses, wobei ihr Instinkt Alarm schlug. Sie zwang sich dazu, ruhig zu verharren und nicht zusammenzuzucken, als er knapp vor ihr aufkam. Er war ihr so nahe, dass sie den Arm zu ihm hätte ausstrecken können und ihn berühren können. Jetzt konnte sie auch sein Gesicht deutlicher sehen, die strammen Gesichtszüge, die schmalen Lippen, die blauen Augen. Er hatte sich völlig verändert, der damalige zurückhaltende Junge war ganz von ihm gewichen. Vor ihr stand ein Aradan, den sie nicht kennengelernt hatte.
      "Du hast ihn mir selbst gesagt", flüsterte sie, noch immer ungläubig über die Erscheinung. "An meinem ersten Tag in Melora, als der Bürgermeister uns zu sich geholt hatte und du mit Marudan dabei warst. Da hast du mir deinen Namen gesagt als sie überlegt haben, ob wir in die Schule gehen sollten, Ellaya und ich. Ich bin's."
      Nun wich sie allerdings einen Schritt zurück, schockiert über die Erkenntnis. Sie konnte die Gefühle nicht einordnen, die sie zu versinken drohten, Gefühle von einer Jugend, die durch ständigen Druck geleitet war und in die sich diese Fröhlichkeit gemischt hatte, die sie mit Aradan zusammen empfunden hatte. Gefühle, die von viel stärkeren Empfindungen verdrängt worden waren, als sie von seinem Tod erfahren hatte. Aradan war tot.
      "Renera. Elquin."
      Von hinten hatte sich Khil angeschlichen, die sich mit einem Schulterzucken von Jarku entfernt hatte und nun hinter Renera stand. Sie konnte ihren Ungläubigen Gesichtsausdruck nicht sehen, denn sonst hätte sie wohl die Lage richtig einschätzen können und hätte nicht mit dem Finger auf Aradan gezeigt und ungläubig ausgestoßen:
      "Wie? Das ist der Gürteltaschen-Junge?"
    • Im Hintergrund sorgte Jarku schon dafür dass Val ihm beim Tragen des Keilers half, wobei es viel eher darin endete dass der Nordmann das Tier alleine schulterte und zurück zum Grabungsort trug, wo sich auch schon zwei der vermummten Personen darum kümmerten die Grillstelle herzurichten.

      Aradan hob seinen Kopf misstrauisch an als die Frau behauptet hat, dass er selbst ihr den Namen verraten haben soll. Das war einfach nicht möglich gewesen. Doch all die Worte die folgten ... Wie konnte das möglich sein? Ihm fehlten die Worte. Seine weit auf gerissenen Augen zeigten jedoch, wie er in seinem Kopf um Beherrschung kämpfte. Auch er konnte nicht umher einen Schritt zurück zu treten, seine Hand dabei an seinen Schwertgriff legend, als würde er sich vor etwas verteidigen wollen dass ihm einen üblen Streich spielen wollte.
      "Das kann einfach nicht möglich sein."
      "Sie lügt!"
      "Renera Elquin ist lange tot!"
      "Alle aus Melora wurden von Läufern zerfleischt!"
      "Du kennst die Wahrheit!"
      "VERDAMMT NOCHMAL SEID ENDLICH STILL !!!"
      Für einen Augenblick verlor Aradan die Beherrschung, fasste sich dabei mit beiden Händen an den Kopf und nutzte seine Fähigkeiten um endlich Ruhe zu bekommen. Dabei färbten sich seine blauen Augen komplett weiß. Die Luft um ihn herum wurde schwerer und für einen kleinen Augenblick schnellten kleine Blitze zwischen seinen Fingern hin und her.

      Keine 10 Sekunden vergingen, da kam Val und Jarku angesprintet. Ein paar wenige Meter bevor sie Aradan erreichen würden, hielt dieser stoppend die Hand von seinem Kopf hin zu seinen Verbündeten.
      "Es... Es geht wieder. Alles in Ordnung"
      "Bist du sicher?"
      Fragte Jarku besorgt mit einer kleinen Tasche in seinen Händen.

      "Ja. Mir wurde es einfach etwas zu laut.."
      Dann richtete sich Aradan wieder auf und atmete tief durch. Dabei kamen seine blauen Augen wieder hervor und die pulsierenden Stressadern an seinen Schläfen verschwanden ebenso schnell wie sie gekommen waren.
      Jarku blickte zwischen Aradan und der Frau hin und her bis er Sie fixierte. Val's Blick blieb jedoch bei Aradan. Er war der einzige der kräftig genug war um Aradan zu fixieren, sollten die Stimmen in seinem Kopf die Oberhand gewinnen.

      Doch was Aradan dann tat, lies Jarku fast den Kiefer auf den Boden fallen. Ebenso verblüfft blickte Val drein, sehend wie er in einem Satz die Distanz zu dieser Frau auf ein Minimum verringerte um sie doch tatsächlich in die Arme zu schließen. So etwas hatten sie bei Aradan noch nie gesehen und sie waren schon lange mit ihm unterwegs. Kein Mensch vermochte es in all den Jahren ihm nahe zu kommen, geschweige denn dafür zu sorgen dass Aradan selbst derjenige war der diese Nähe suchte.
    • Beide wichen voreinander weg, wobei es Aradan noch schlechter zu gehen schien. Er schrie etwas, dass sie alle still sein sollten, aber da fiel Renera erst auf, dass sämtliche Gespräche um sie herum verstummt waren und sich ein paar der Menschen zu ihnen gesellten und sie anstarrten. Sie sah auch Khil, die genauso verblüfft zu sein schien wie sie selbst und Aradan anstarrte, als würde es sich bei ihm um ein berühmt verschollenes Gemälde handeln. Renera zwang sich wieder dazu sich ihm zuzuwenden. Sie hatte sich früher viele Gedanken gemacht, wie sie in die Königsstadt reisen würde und ihm alles erzählen würde, was vorgefallen war, und sich von ihm alles erzählen lassen würde, was er erlebt hatte. Sie war in ihrem Kopf viele Szenarien durchgegangen, wie sie sich wiedertreffen können, doch diese Situation hatte sie nicht im entferntesten bedacht. Wie lange es hergewesen war, wie viel sie seitdem erlebt hatte! Sie war weit entfernt von der jungen Renera, die nichts als Haushaltsaufgaben kannte und sehnsüchtig Vögel im Himmel anstarrte. Und genauso musste Aradan weit weg von seinem jüngeren Ich sein.
      Dann überrumpelte er sie plötzlich, als er sie tatsächlich in seine Arme schloss. Sie zuckte zusammen und versteifte sich bei dem Gefühl, das sie an den Offizier aus Kelm erinnerte. Seit dem Kaiserhof hatte sie sich an die Umarmungen von Frauen gewöhnt und die Art, wie sich seine Arme um sie schlossen, ängstigte sie. Es weckte ihren Fluchtinstinkt, aber schließlich war es doch Aradan, oder nicht? Der einzige Mann, dem sie jemals nachgeweint hatte, der einzige Mann, dem sie jemals erlauben sollte sie zu umarmen. Also schlang sie die Arme auch um ihn, ließ es zu, dass er sie an sich drückte und erkannte, dass es sich gut anfühlte.
      "Ich glaube, wir haben uns viel zu erzählen. Aber... vielleicht ohne die Umarmung. Das mag ich nicht."

      Sie schlugen ihr Lager an der Stelle auf, an der früher einmal der Markt gestanden hatte und an der am wenigsten Trümmer herumlagen. Renera's Schlafstätte bestand aus einem Schlafsack mit ausgepolstertem Kopfteil und Khil baute sich extra ihr kleines Zelt auf, wobei sie allerdings dauerhaft murrte, dass sie es nicht mochte, wenn sie so weit auseinanderschliefen. Aber Renera würde sich dieses Mal nicht den Ausblick auf die Sterne entgehen lassen, die sie in Melora schon immer beobachten konnte, und Khil konnte nicht dazu überredet werden, auch draußen zu schlafen. Sie sagte irgendwas von der fragwürdigen Keuschheit der Isnijer und dass nicht immer Religion und Gesetze einen Einklang fanden, was Renera nur so auslegte, dass sie mit ihrer geschwollenen Ausdrucksweise prahlen wollte. Die anderen erbauten unterdessen eine Feuerstelle in der Mitte ihrer Unterkunft und häuteten den Keiler, ehe sie ihn aufspießten und über dem Feuer brieten. Als sie zum Essen riefen, setzte Renera sich wie selbstverständlich neben Aradan und Khil tänzelte um Jarku herum, weil sie unbedingt seine Schlangenmesser sehen wollte und gar nicht an dem Essen interessiert war. Sie nahm sich trotzdem einen Teller, als er ihr gereicht wurde, starrte dann auf das Fleisch und sagte:
      "Hey, wartet mal! Können wir nicht Fleischeintopf machen?"
      "Ist das dein Ernst, Khil? Sag' danke und setz' dich."
      "Es ist mein voller Ernst. Es ärgert mich, dass ich das Geheimnis nicht kenne."
      Sie setzte sich trotzdem gehorsam hin und nagte an ihrer Portion. Renera wandte sich zu Aradan.
      "Also sag' mir: Warum bist du nicht tot? Ich meine - ich war in Tharynar und habe nach dir gesucht, aber nur rausgefunden, dass du auf der Straße gelebt hast. Und Straßenjungen sterben dort jeden Tag, sei es durch kämpfe oder allein durch den Hunger. Ich habe es... akzeptiert. Bin weitergezogen."
      Sie schüttelte den Kopf.
      "Ich war überzeugt von deinem Schicksal. Die Straßen von Tharynar sind ungefähr so sicher wie ein freies Feld, auf dem ein Läufer steht. Es ist schon ein Wunder, dass sie nicht allein für die Bettler ein Massengrab ausheben müssen."
    • Kaum hatte Renera ihren Wunsch von Abstand geäußert, kam Aradan wieder gänzlich zu Besinnung. Er merkte erst jetzt dass er gerade einen Menschen umarmte. Sofort lies er wieder von ihr ab und nickte verständnisvoll.
      Ab diesem Zeitpunkt war es wohl vorerst Zeit geworden dass sich alle Gemüter wieder beruhigen würden und vor allem in Renera's und Aradan's Fall, sich zu sortieren. Ein paar Stunden vergingen bis die Dämmerung einsetzte und die Zelte standen. Es waren zwei große Zelte die Platz für mindestens 5 Personen pro Zelt boten und zusätzlich 3 kleine, da Aradan und Jarku, sowie die Frau namens Khil wohl den getrennten Schlaf bevorzugten.
      Als dann das Essen fertig war, gesellten sich alle in gewissen Abständen um das Feuer herum, welches ziemlich groß war, um den Keiler ordentlich zubereiten zu können. Es war die Aufgabe der beiden eineiigen Zwillinge Chie und Ruka das Mahl zuzubereiten. Sie waren beide 20 Jahre alt, sahen exakt gleich aus, hatten lange schwarze Haare mit einer roten Strähne an der gleichen Stelle. Sie waren hübsch aber es fehlte ihnen an einem erkennbaren emotionalen Ausdruck im Gesicht. Was sie aber für die Meisten gruselig machte war der fakt, dass sie immer zur selben Zeit sprachen und auch stets die gleiche Antwort gaben, wenn man sie in der Gegenwart beider mit Ihnen sprach.
      Einer nach dem Anderen nahm nun seine Kapuze ab, nachdem Aradan versichert hatte in freundlicher Gesellschaft zu sein. So nahm als nächster ein Mann mit grünen Haaren die Kapuze hinunter und gab sich als Kiliak zu erkennen, der jüngere Bruder von Jaruk.
      Anschließend setzte sich der riesige Hüne vor das Feuer und wärmte sich die Hände, als er Renera entgegen lächelte, was kaum aus seinem Bart zu erkennen war. Viel eher waren es seine Augen die ein Lächeln zu erkennen gaben.
      "Wir haben uns noch nicht richtig vorgestellt. Mein Name ist Valterri. Eigentlich Valtaron aber dieser Name scheint in euren Landen nicht üblich zu sein und da wir versuchen nicht aufzufallen, passen wir uns bestmöglich an."

      Und dann kam der letzte der seine Kapuze ablegte um sich zu erkennen zu geben. Es war ein eher unübliches Bild. Unter allen die in diesen Landen lebte, war es vor allem bei dieser Person kein Wunder dass er sich bedeckt hielt. Es war der ehemalige Königsberater und Meisteralchemist Daikata. Ein durch und durch gerissener Mann, was man beim ersten Blick sogar vermuten würde. Wenn dieser Mann grinste, hatte man stets das Gefühl hintergangen worden zu sein.
      "Ich bin Daikata von Abakus. Ehemaliger Alchemist des Königs von Isnijan. Freut mich sehr junge Lady."

      Jarku widmete sich hingegen der doch ziemlich eigenen Frau die ihm als Khil vorgestellt wurde. Irgendwas hatte diese Frau was ihn amüsierte. Sie sagte nicht viel, lies aber auch ebenso wenig von ihm ab, was ihn hin und wieder zum schmunzeln brachte. Dabei fiel ihm selbstverständlich auf wie die Frau ständig versuchte einen Blick unter seinem Mantel, zu seinen Dolchen zu erhaschen. Nach ein paar kleinen spielerischen Andeutungen seinen Mantel hervor zu heben, lies er Khil aber gewähren und hätte ihr am liebsten den Kopf getätschelt.
      "Du bist mir aber eine. Hier"
      So zog er einen der Dolche und schleuderte diesen in beachtlicher Geschwindigkeit über sich ehe er mit diesen mit Daumen und Zeigefinger geschickt an der Spitze auffing um Khil den Dolch kurz darauf entgegen zu halten.
      "Das ist Emera. Sei bitte vorsichtig, sie ist mit einem Gift überzogen dass dich für Stunden paralysieren kann."

      Das Gespräch zwischen Aradan und Renera war jedoch alles andere als entspannt. Er wusste gar nicht wo er anfangen sollte, doch wurde ihm diese Bürde abgenommen als ihm promt eine ernste Frage gestellt wurde. Eine komplizierte obendrein.
      "Warum ich nicht tot bin? Du bist gut.. Wo soll ich da bloß anfangen.."
      Doch überwand sich Aradan und erzählte Renera alles bis ins kleinste Detail. Wie er in der Königsstadt ankam, wie er behandelt wurde, dass er als Waise in den Gossen leben musste und dass er seine Eltern seither nie wieder gesehen hatte. Auch wie er durch das Geschick des Kapitän's an Bord genommen wurde und das Land verließ.
      "Aber auch du bist mir einiges an Erklärung schuldig. Ich wollte dich holen. Ich wollte unser Versprechen halten, gemeinsam mit dir die Welt erkunden. Doch hörte ich dass Melora kurz nach meiner Abwesenheit überrannt wurde. Von Läufern und sogar einem Wanderer. Kurz darauf soll eine Soldaten Truppe all die Leichen beerdigt haben. In der Königsstadt wurde sogar ein Gedenktag für Melora und dessen tapfere Kämpfer eingerichtet.
    • Die Bande schien ein durch und durch zusammengewürfelter Haufen zu sein. Von dem Nordmann, der sich als Valterri vorstellte und von allen am meisten durch seine Körpergröße auffiel, stachen außerdem die Zwillinge hervor, die manchmal wie identische Statuen aussahen, und natürlich Daikata, der sich als ehemaliger Alchemist des Königs vorstellte. Renera konnte nicht umhin, ihm immer wieder einen Blick zuzuwerfen, einfach um sich zu vergewissern, dass er tatsächlich Teil dieser Gruppe war. Ein ehemaliger Angestellter vom Hof mit Aradan und den anderen unterwegs? Langsam wurde ihr klar, aus was diese Gruppe bestehen mochte, doch das sorgte nur dafür, dass sich ihre eigene Sorge noch mehr steigerte. Sie war noch immer eine Deserteurin und obwohl der Vorfall schon zwölf Jahre zurücklag, musste sie doch damit rechnen, dass jemand sie erkannte, wenn sie sich unter Soldaten mischte. Seine Anwesenheit sorgte dafür, dass sie sich darüber bewusst wurde, wie riskant die Reise über die Grenze für sie und Khil gewesen war.
      Aradan verwickelte sie in eine äußerst umfangreiche Schilderung von dem Zeitpunkt an, als er die Königsstadt betreten hatte, bis er auf das Schiff gestiegen war, das ihn weg von Isnijan und dem Land gebracht hatte. Es passte so überhaupt nicht damit zusammen, was Renera sich aus ihren Informationen heraus vorgestellt hatte und erfüllte sie merkwürdigerweise mit Erleichterung. Wie viel Zeit hatte sie wohl nun damit verschwendet um ihn zu trauern, wenn er in Wahrheit schon weit weg in der Welt unterwegs gewesen war? Sie hätte mit ihm gehen können, sie hätten gemeinsam durch die Weltgeschichte segeln können. Was war das nur für eine angenehme Alternative zu der Armeezeit, die sie hinter sich gebracht hatte.
      Sie nickte schließlich und lächelte verbittert. Wie schön das Leben hätte sein können.
      "Ich hab' dich wirklich als tot betrachtet und derweil warst du irgendwo im Ozean und hast ein Deck geschrubbt. Das wär' so ziemlich das letzte gewesen, was ich mir zu deinem Schicksal vorgestellt hätte. Du und Seemann? Das muss man sich erstmal bildlich vorstellen. Ich glaub' das kann ich nicht."
      Sie lächelte und schüttelte den Kopf, ehe ihre Blicke sich für einen Moment trafen. Wie erwachsen und stattlich er geworden war, wie viel reifer er wirkte, wenn auch etwas düster. Aber nein, schließlich war er auch nur ein Mann und bisher waren alle gleich gewesen. Das hatte doch ihre Mutter ständig gesagt, oder etwa nicht? In den letzten Jahren hatte sie angefangen das zu glauben. Sie sah schnell wieder weg und sah zu Khil, die sich mit einem Schlangenmesser von Jarku beschäftigte. Sie hatte es ihm voller Ehrfurcht abgenommen und schien sich darauf festgelegt zu haben, ihre ganze Gedankenkraft in dieses Messer zu stecken.
      "Das ist faszinierend. Wusstest du, dass eine scharfe Klinge wie diese hier dazu fähig ist, dir mikroskopische Schnitte zuzufügen? Wenn die Dosierung deines Gifts nicht zu hoch ist, könntest du damit eine natürliche Immunität aufbauen, wenn du die Messer nur an der Schneide herumträgst. Das sähe aber natürlich ziemlich dämlich aus. Hm. Auf der anderen Seite offenbaren die Schlangen am Griff schon den tatsächlichen Effekt der Dolche, nachdem die natürliche Assoziierung des Menschen mit einem schlangenähnlichem Reptil stets das Toxikum ist. Damit könntest du deine Feinde verwirren, wenn du sie an den Klingen berührt. Quasi wie ein Täuschungsmanöver. Darüber solltest du nachdenken."
      Sie hielt ihm das Messer wieder hin und schien stolz auf sich zu sein, dass sie durch ihr Buchwissen einen Zusammenhang zum Kampf gefunden hatte. Darauf sollte sie auch stolz sein, es zeigte, was aus der verkümmerten Gelehrten in der Kammer geworden war.

      Renera wandte sich wieder Aradan zu, der sie nun nach Melora fragte. Nun, das war natürlich nachvollziehbar.
      "Du wolltest tatsächlich zurückkommen?", fragte sie verblüfft, riss sich dann aber gleich wieder zusammen. Wie lange sie um ihn geweint hatte und jetzt sagte er sowas! Das Schicksal schien sie bestrafen zu wollen.
      "Du hast ja keine Vorstellung davon, was für ein Albtraum das war. Es war genau wie in Erathis, genau gleich, nur unter anderen Umständen. Wir hatten versucht die Schmiede zum Laufen zu bekommen, was schließlich auch geglückt hatte, aber keiner von uns hatte auch nur einen blassen Schimmer davon, wie wir eine ordentliche Rüstung zustande bekommen. Alle haben es versucht, das sag' ich dir, allen voran Rodon, Wilk, Cetra und ein paar von den Händlern. Wir wussten einfach nicht wie heiß das Feuer sein muss, wie lang' das Metall geschlagen muss und wie stark, wie lang es abkühlen muss, wie man es hinterher bearbeitet. Wir haben es schließlich aufgegeben es zu versuchen und dann sind sie auch schon gekommen. Ich sag' dir, diese Teufel haben nur darauf gewartet, dass sich ihnen diese Gelegenheit bietet und dann haben sie gleich zugeschlagen. Über die Felder sind sie gekommen, als bräuchten sie sich nicht mehr anschleichen, eine ganze gottverlassene Armee. Sind einfach auf uns zugerannt und mit aller Wucht in die Palisaden, dass es nur so gekracht hat. Und dann war da auch noch der Wanderer, wäre er nicht gewesen, hätten wir es vielleicht noch schaffen können. Die Palisaden sind zusammengekracht und die Läufer sind kreuz und quer gelaufen - in Häuser rein, in die Türme rein, in Menschen rein, in Stände rein. Sie haben sich nicht zusammentreiben lassen, egal was wir versucht haben. Wilk hat... Wilk hat am längsten durchgehalten. Er hatte mit Cetra versucht die Läufer zu lenken, damit zumindest die Kinder und die Alten flüchten konnten, und als einer von ihnen Cetra den Arm ausgerissen und ein anderer sich in ihren Bauch verbissen hatte, da stand er noch aufrecht und hat sich ihnen entgegen geworfen. Hat sich ihnen mit seinem ganzen Körper entgegengeworfen."
      Sie stockte und schüttelte verdrießlich den Kopf.
      "Ich glaube, ihn hatte man nicht beerdigen müssen. Es gab nichts von ihm zu beerdigen. Ich hab' den Fehler gemacht zuzusehen als es passiert ist, den Fehler mach' ich immer. Meine Mutter hatte uns schon aus dem Westtor gescheucht, sie hatte bei so vielen Kindern gar nicht erst den Versuch gestartet zu kämpfen. Wir sind mit anderen in den Wald geflohen, als einer der Türme Feuer fing und die Scheune entzündete. Ich hab' zurückgeschaut und sie sterben gesehen. Der Schneider, die Händler, Rodon, Herth. Valia hab' ich gesehen, sie brannte am ganzen Körper und hat geschrien wie ein Tier. Sie haben alle geschrien. Ich hatte gedacht, dass das der schlimmste Teil ist, aber der schlimmste Teil kam erst, als die Schreie abbrachen und wir irgendwann nichts mehr hörten, bis auf das entfernte Knistern des Feuers. Der Rauch ist bis hoch in den Himmel gestiegen, wie eine riesige Fahne. Wie eine Todesflagge."
      Sie richtete den Blick auf das Feuer, das so viel zahmer wirkte als das Ungeheuer, das sich in Melora ausgebreitet hatte.
      "Ich konnte das nicht mehr ertragen, wollte es nicht mehr ertragen. Bin in die Armee gegangen, weil die Familien von Soldaten Unterkünfte gestellt bekommen, und Ellaya ist mir gefolgt. Aber in der Armee ist es auch nicht viel besser, da erfährst du erst, was für Schmerzen die Menschen tatsächlich aushalten können. Ich hab' gesehen, wie jemand in zwei Teile getrennt wurde und wie der Oberkörper von seinen Beinen weggekrochen ist. Ich hab' gesehen, wie jemand noch mit der Hälfte seines Schädels sein Schwert geschwungen hat und wie ein anderer seine Gedärme vom Boden aufgesammelt und zurückgestopft hat. Wie manche auf ihren abgehackten Gelenken gelaufen sind, weil sie Angst hatten zu fallen und zertrampelt zu werden. Und ich hab' selbst jemandem das Schwert mitten durch die Hand und in den Arm - aber ich denke das ist genug für heute. Genug Geschichten. Wir werden das Thema wechseln."
      Sie strich sich die Haare mit einer zitternden Hand aus dem Gesicht und atmete dann tief ein, ehe sie sich ein wenig zurücklehnte. Vor ihrem inneren Auge sah sie noch immer den Rauch von Melora in den Himmel steigen, ungebremst und endlos. Ja, es war tatsächlich Zeit für einen Themenwechsel.
      "Was hast du getrieben? Wie kommt es zu diesem... vielfältigem Haufen deiner Begleiter? Nichts für ungut."
      Sie lächelte Velterri flüchtig zu.
    • Aradan hörte aufmerksam zu. Erst der schwer zu glaubende Fakt dass er zur See ging und ebenso das echte Schicksal über Melora. Dabei missfiel ihm die Gewissheit am meisten, dass das Gerücht über einen Wanderer zu stimmen schien. Diese Dinger konnten tatsächlich grausame Dinge anstellen und mit ihren Opfern spielen, anders als die gefräßigen Läufer, welche nichts als Blut über ließen.
      Es brannte in ihm sich für das Schicksal aller zu entschuldigen, doch hatte er gelernt dass es nicht seine Schuld, sondern die des General's war. Alles hätte anders laufen können. Renera hätte mit ihm gehen und die Welt kennen lernen können.
      Ihm blieb nichts anderes übrig als still ins Feuer zu blicken. Auch nachdem Renera ihre Erzählung beendet hatte. Ihr Limit war erreicht. Ihre Trauer und ihr Schmerz zu groß.
      Hätte er sie besänftigen sollen? Nein. Schmerz war ein zu guter Lehrer des Lebens und ihm machte es nicht den Anschein als würde Renera schnell zerbrechen. So blickte er vorerst zur Seite um die Geschichte zu verdauen. Dabei sah er wie Khil und Jaruk prächtig miteinander aus zu kommen schienen.

      Dieser hörte Khil zu und beobachtete die Frau während sie seinen Dolch untersuchte. Sie war eine ziemlich verkopfte Person, was Jarku ziemlich amüsierte. Er konnte gar nicht von ihr lassen als sie ihre absurden Ideen äußerte. So musste er letztenendes auch etwas lachen als er seinen Dolch zurück bekam.
      "Du hast gar nicht mal unrecht. Es würde gewiss den ein oder anderen verwirren. Doch ungeachtet des Giftes, würde ich viel mehr verbluten, wenn ich meine Dolche an dessen Schneide herum tragen würde, meinst du nicht auch?"
      Dann griff er vorsichtig nach vorne. Er nahm Khil's Hand und richtete die Handfläche nach oben genau zwischen den Beiden.
      "In einer Sache hast du meine Schlangen aber falsch verstanden. Sieh her."
      Da schnitt sich Jarku mit dem vergiftetem Dolch an seinem Arm. Die Haut spaltete sich unglaublich schnell, so scharf waren seine Dolche. Sie waren stets frisch geschliffen und im richtigen Licht konnte man sogar sehen dass die Schneide einen dezent grünlichen Schimmer hatte. Dennoch veränderte sich Jarku's Zustand zu keinem Augenblick.
      Kurz darauf nutzte er das Vertrauen, welches Khil ihm entgegen brachte und schnitt ihr ganz leicht in die Handfläche, mit dem selben Dolch. Augenblicklich verfärbte sich der Schnitt in einen tiefschwarzen Ton und betäubte direkt die ganze Hand. Das Gift war so hoch dosiert, dass es binnen Sekunden den Ellbogen erreichte. Doch so schnell wie die eventuelle Verwunderung sein würde, zog Jarku schon seinen zweiten Dolch, welcher entgegen Khil's Annahme, ganz und gar nicht die selben Charakteristiken aufwies wie der Erste. Zwar sah er genau so aus, doch schimmerte dieser in einem leichten violetten Ton. Eben diesen Dolch stach er kaum spürbar in die Schulter von Khil. Ein bis zwei Tropfen von Blut würde sie dadurch opfern müssen, doch wirkte dieser Dolch ebenso schnell wie der Erste. Der Violette war mit einem deutlich höherem Toxin durchtränkt. Einem so hoch dosierten, dass dieser das erste Gift regelrecht neutralisierte. Und genau das war das Ziel. Der violette Dolch hatte für Menschen den reinen Effekt, das erste zu neutralisieren. Schneller durch den Blutkreislauf zu wandern um jede infizierte Zelle abzutöten. Khil hat es nun am eigenen Leib spüren dürfen. Eine Hand die so schnell ertaubt war, dass es den Meisten Panik einflößen würde. So schnell ausbreitend, dass es schon die Schulter erreichte ehe man bemerkte was passiert. Und dann die Erleichterung. Ein noch viel schneller zurückkehrendes Gefühl der Gliedmaßen nachdem der zweite Dolch in die Schulter stach.
      "Ich habe nie gesagt dass beide meiner Dolche den selben Effekt haben."
      Er zwinkerte Khil mit einem Auge zu ehe er seine Gürteltasche öffnete, in welchem er eine von gefalteten Blättern geschützte Salbe hervor holte.
      "Weißt du, ich empfinde Bewunderung über deine Ansichten. Aber bedenke.. Jene die hinter den Schleier der Üblichkeit blicken, vergessen schnell wie es vor dem Vorhang aussieht."
      Seinen Finger benetzend, wagte sich Jarku seine Hand unter Khil's Bekleidung an ihrem Hals zu legen um die Salbe auf den Stich an ihrer Schulter zu legen.
      "Verzeih mir diese Demonstration. Der kleine Stich wird morgen wieder verheilt sein. Geht es deinem Arm wieder gut?"


      Als Aradan die Frage gestellt wurde, wie er an diese seltsame Truppe geriet, musste er amüsiert mit einem leichten Lächeln hinunter sehen.
      "Das fragst du mich nachdem du mir eine solche Geschichte erzählt hast? Alles was ich gerade will ist, diesen General vor mir zu sehen, welcher für all das Leid von Melora zur Verantwortung gezogen werden muss."
      Doch dann beruhigte sich Aradan wieder und überlegte.
      "Ich glaube es ist schwer meine Geschichte in kurze Worte zu fassen. Nachdem ich die anderen Länder reiste, hat mir mein Kapitän so viele Dinge beibringen können. Wie ich ein Schiff zu segeln, wie ich das Wetter zu deuten habe, wie ich die schmierigen Tricks der Händler aller Orts umgehen konnte... und so viel mehr. Aber wie gesagt. Ich blieb nicht lang. Der Norden zog mich in seinen Bann, oder viel eher war er dieser Kerl dort."
      Aradan grinste feist in Val's Richtung, welcher die Aufmerksamkeit beider entgegnete.
      "Valtaron hat mich nach nur zwei Tagen beinahe in ein offenes Feuer geworfen. Kurz darauf banden sich unsere Schicksale. Er brachte mir alles über die Sitten im Norden bei. Er stellte mich den richtigen Leuten vor und half mir seine Sprache zu lernen. Du würdest dich wundern wie unterschiedlich unsere Ansichten zur Vergangenheit, Zukunft und Religion sind."+
      Dann wies Aradan auf Jarku, seinem Bruder und den Zwillingen hin.
      "Genau so ist es mit dem fernen Osten. Eine Kultur die seinesgleichen sucht. Dort verbrachte ich so viele Jahre, dass es mir beinahe wie meine eigentliche Heimat vor kommt. Und du wärst überrascht aber.. Dort gibt es kein einziges Monster wie hier. Die Menschen leben im Frieden und kennen kaum eine kriegerische Auseinandersetzung."
      Zugleich zog er sein geschwungenes Schwert, welches der Schmiedekunst dieses Landes vollkommen fremd war und legte es Renera in die Hände. Es war so lang wie beide ihrer Schwerter, dafür aber nur mit einer Schneide von einer Seite geschmiedet und viel dünner, sowie leichter als die üblichen Schwerter.
    • Renera folgte unbewusst Aradan's Blick und konnte beobachten, wie Jarku Khil's Hand ergriff. Sie versteifte sich und richtete sich auf, als er den Dolch ergriff und damit in sein eigenes Fleisch schnitt. Was, bei allen Kreaturen, veranstalteten die beiden? Und wieso war dafür so ein großer Körperkontakt nötig? Sie musste sich zusammenreißen, um nicht dazwischen zu gehen, als er jetzt auch Khil die Hand aufritzte, die mehr, von was auch immer er gerade anstellte, fasziniert als eingeschüchtert zu sein schien. Renera musste sich aktiv ermahnen, dass Khil erwachsen war und keine Hilfe benötigte, aber - bei den Verfluchten - sie waren von Männern umgeben und Khil hatte sich mitten unter sie gesetzt und ließ sich verletzen. Was war nur in sie gefahren? Renera kniff die Augen zusammen, als Jarku sie mit seinem anderen Dolch an der Schulter ritzte und Khil voller Faszination ihre Hand vors Gesicht hob und in alle Richtungen drehte. Sie versprühte fast die Begeisterung eines Kindes, als sie mit den Fingern wackelte und dann Jarku die Hand unter ihren Ärmel stecken ließ. Das ging definitiv zu weit. Renera wollte aufspringen und eingreifen, aber da hatte Jarku sich wieder entfernt und Khil, die nichts davon zu bemerken schien, drehte sich ihm in purem Eifer zu, um ihn mit Fragen zu löchern.
      "Das ist wirklich beeindruckend! Was ist da drin, in deinem Gift? Kennst du die Inhaltsstoffe? Du solltest es mir aufschreiben - du kannst es mir auch diktieren. Nein warte, wir haben gar kein Papier mehr. Egal, ich werde es mir merken. Wie ist es, wenn du den ersten Dolch am Fuß benutzt und den zweiten am Kopf, wirkt es dann genauso gut? Macht es einen Unterschied, wenn die Klinge in Muskelgewebe oder in Fleisch eindringt? Wie sieht es mit dem Zahnfleisch aus, könnte es jemanden sofort umbringen, wenn man es ins Zahnfleisch ritzt? Oder ins Nagelbett? Hast du jemals versucht beide Dolche gleichzeitig zu verwenden? Würden sie sich immer noch gegenseitig auflösen, oder wäre das Gift stärker? Wie oft muss das Gift auf der Klinge erneuert werden und wie lange hält es dann? Ohh ich muss es mir doch aufschreiben, sonst werde ich die Hälfte vergessen! Haben wir noch Papier da, Renera?"
      Sie drehte sich zu Renera um und ihre Blicke trafen sich. Für einen Moment kommunizierten sie lediglich durch ihre Blicke, als Renera kurz zu Jarku sah, dann wieder auf Khil und ein finsteres Gesicht machte. Khil hob überrascht die Augenbrauen, schüttelte den Kopf und setzte nach kurzem Zögern ein Schulterzucken hinzu. Das veranlasste Renera dazu sich ein wenig zu entspannen und die Hand von ihrem Schwertgriff zu nehmen, der sie sich gar nicht bewusst geworden war, bevor sie Jarku mit einem kühlen Blick bedachte. Sie hatte ihn anfangs eigentlich als freundlich eingestuft, aber sein Verhalten brachte diese Wahrnehmung zum schwanken. Sie würde ein Auge auf ihn werfen müssen, wenn er bei Khil war.
      "Wir haben kein Papier mehr, das ist teuer. Das letzte Stück hatte ich gebraucht."
      "Achja, richtig."
      Ihr Blick verweilte auf Renera, huschte dann zu Aradan hinüber und wieder zurück, Renera schüttelte den Kopf und erst da wandte sie sich wieder Jarku zu.
      "Dann eben ohne Papier. Ich werde es mir merken."
      Auch Renera wandte sich widerwillig ab und lenkte ihre Aufmerksamkeit wieder auf Aradan, der ihr von seinem Aufenthalt im Norden mit Valterri berichtete. Außerdem war er wohl im Osten gewesen und die Beschreibung darüber schockierte sie regelrecht.
      "Keine Kreaturen? Und auch kein Krieg - überhaupt nicht? Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich will dich nicht als Lügner bezeichnen, aber das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen."
      Er überreichte ihr eine Waffe, die nicht von hier zu kommen schien, und Renera dafür völlig in den Bann zog. Sie hielt sie sich vor Augen, musterte den Schwung in der Klinge, betrachtete ihre Dünne, die Spitze, wog das Schwert erst in der einen und dann in der anderen Hand und untersuchte den Schwertgriff, den Übergang zur Klinge, die Verarbeitung. Es schien ein Meisterwerk zu sein, in seiner Vollendung so einzigartig, dass ihr ihre eigenen Waffen im Vergleich klobig erschienen. Sogar der Griff schien in Perfektion zu baden! Unvergleichlich mit allem, was Renera bisher benutzt hatte.
      "Das ist ein schönes Schwert - ein wirklich schönes Schwert. Unglaublich. Man sollte meinen können, dass die Schneide bei dieser Dicke zerbricht, aber ich denke das tut sie nicht, nicht wahr? Ich würde sie vielleicht nicht zum Parrieren verwenden, aber dafür ist sie sowieso nicht geeignet. Ich kann mir einen leichten Kampfstil damit vorstellen, sehr beweglich und mit viel Schwung. Vielleicht mit einem Kleinschild, damit man doch noch Schläge damit abfangen kann, aber nicht in der Bewegung behindert wird. Definitiv nicht für enge Räume geeignet, aber auf dem freien Feld wäre man sicher damit unbesiegbar."
      Sie hielt die Klinge hoch, sodass sich das Licht des Feuers darin wiederspiegelte und reichte sie dann Aradan zurück.
      "Eine wirklich beachtliche Klinge. Sie muss doch ein Vermögen wert gewesen sein, oder etwa nicht? Ich kenn' die Marktpreise in Isnijan zwar nicht, aber in Ashkenia waren sie geradezu skandalös. Da hätte sich so eine Klinge wahrscheinlich nicht einmal der Kaiser leisten können."
      Sie schüttelte verblüfft den Kopf.
      "Aber, wir schweifen ab. Es gibt einen Grund, weshalb ich so indirekt gefragt habe."
      Sie beugte sich nach einem kurzen Blick auf Khil zu Aradan hinüber und senkte die Stimme.
      "Du musst wissen, dass ich eine Deserteurin bin. Das liegt zwar schon zwölf Jahre zurück, aber - ach, ich sag' es einfach wie es ist. Bei unserem Grenzübergang in Avriban habe ich meinen Bruder gesehen, Tysin. Du kennst ihn nicht, er war damals nur ein Baby, aber wir haben... kein gutes Verhältnis. Er ist in die Armee gegangen, als er gerade mal zwölf geworden ist und hält viel von seinem Dienst für die Krone. Er war schon immer ein kleiner Patriot und hält sich an die Gesetze, als wären sie sein Wasser und Brot. Er hatte mir den Weg abgeschnitten als ich desertiert bin, hat gesagt, ich solle mich den Kopfgeldjägern stellen und den Namen Elquin nicht durch falschgeleitete Leidenschaften in den Schmutz ziehen. Er war damals 9! Und jetzt hab' ich ihn an der Grenze gesehen und er mich. Er weiß, dass ich hier bin und ich..." Sie seufzte. "Ich muss wissen, wem ich vertrauen kann. Kannst du für deine Männer bürgen, dass sie niemandem erzählen werden, dass eine Renera Elquin hier gewesen ist? Avriban ist nicht weit entfernt und ich hoffe, dass wir bei unserer Fahrt falsche Spuren gelegt haben, als wir einen Schlenker über Eraltrik und Shegar gemacht haben, aber ich will meine Zeit hier nicht damit verbringen Kopfgeldjägern auszuweichen. Das verstehst du doch, oder?"
      Sie betrachtete ihn eindringlich und sah dann zu Daikata, dem Mann von der Krone, der sich einer zweiten Portion bedient hatte und gerade in ein Gespräch vertieft zu sein schien. O ja, sie würde sich gut vergewissern müssen, dass ihre Zusammenkunft mit Aradan nicht katastrophale Konsequenzen für sie haben würde. Für sie und Khil.
    • Jarku erwartete nicht so eine Begeisterung von Khil zu erfahren. Er liebte seine Gifte und dessen Natur. Er fand jedoch äußert selten Personen die dieses Interesse teilten. So war er auch recht überrumpelt nun all diese Fragen zu hören.
      Erst wollte er auf jeder einzelnen Frage antworten, doch folgte schon die nächste bevor er überhaupt ein Wort ansetzen konnte. War das tatsächlich nur Interesse oder hatte diese seltsame Frau einfach nur einen Knall? Egal was es war, es brachte Jarku zum lachen, welches erst verstummte als ihm diese unbehaglichen Blicke der anderen Frau zugeworfen wurden. Irgendwas stimmte doch mit diesen Beiden nicht. Eine war seltsamer als die andere, doch sah das ganz sicher auch so für die beiden Frauen aus.
      Und dann noch diese dringende Frage nach Papier. Konnten die beiden etwa Schreiben? Das war wohl schon gar nichts besonderes mehr wie ihm schien. Dabei hatte Aradan behauptet dass es die wenigsten beherrschten.
      Gerne hätte Jarku ausgeholfen, doch setzte er der ganzen Angelegenheit einen Riegel vor und stand auf, seine Hände zur Beruhigung auffordernd.
      "Ganz ruhig. Ich kann dir gerne über Gifte erzählen. Aber um dir meine Rezepturen zu erzählen, muss ich dich etwas besser kennen. Wir kennen uns keinen ganzen Tag. Versteh bitte dass ich dir noch nicht trauen kann."

      Bei Renera und Aradan verlief das Gespräch deutlich ruhiger ab. Ihm gefiel wie Renera diese Schmiedekunst genau so zu schätzen wusste wie er. Wie sie die Klinge in allen erdenklichen Arten auseinander nahm war beeindruckend. Sie hatte ganz klar viel dazu gelernt und musste eine Meisterin im Kampf sein. Sicher würde er sie niemals herausfordern ohne sich bestens vorbereitet zu haben.
      Seine Augen folgten ebenso der Klinge als sie diese entgegen des Lichts hielt.
      "Ja. Keine Kreaturen. Das war mein voller ernst. Und ich kann verstehen wie schwer es ist zu glauben, dass ein Land ohne Kriege auskommen kann. Sagen wir einfach, dass dort die Probleme anders geregelt werden. Aber dafür bräuchten wir sicher eine weitere Nacht um all das zu erklären."
      Da wies Renera auch schon auf ein anderes Thema hin. Und zwar ihre jetzige Situation. Bedacht hörte Aradan zu und fügte nichts in ihre Erzählung ein, bis sie sich allem Anschein nach alles von der Seele gesprochen hatte. Es war ein kompliziertes Schicksal, doch wer hatte das zu diesen Zeiten nicht? So nickte er und sah in das Feuer
      "Tysin hm? Hast recht ich kann mich kaum erinnern. Ist aber schon merkwürdig wenn er im Alter von 9 Jahren so etwas sagt. Findest du nicht auch? In diesem Alter eine Aussage über Ehre und den Namen der Familie? Klingt für mich als hätte er etwas nach gesagt was ihm in den Mund gelegt wurde. Vielleicht wurde er manipuliert?"
      Da lehnte sich Aradan entschuldigend zurück
      "Bitte verzeih mir. Ich möchte dich nicht verunsichern. Ich bevorzuge es zu sagen was ich denke."
      Zur Frage hin ob er für seine Leute bürgen könne, musste er doch etwas lächeln. Er hatte so viel mit diesen Personen geteilt und durch gemacht, dass die Frage beinahe wie ein Witz wirkte.
      "Ob ich für sie bürge? Ich würde für alle anwesenden ohne zu fragen mein Leben lassen. Für ALLE anwesenden."
      führte er fort um klar zu machen dass er nie die Vergangenheit hinter sich gelassen hatte.
      "Ich weiß wie schwer es sein muss einen quasi Fremden zu vertrauen aber ich kann dir versichern, dass du in diesem Moment sicherer vor der Krone bist als du glaubst. Val dort."
      Aradan nickte in dessen Richtung. Val selbst betrachtete das Feuer und wirkte abwesend.
      "In seiner Kultur werden alle Menschen gerichtet die sich an schwächeren vergehen. Dort ist es eine Selbstverständlichkeit allen zu helfen die Hilfe brauchen und sei es nur einen schweren Einkauf zu transportieren. Alles was du an Ihm an Stärke siehst, kannst du getrost auch deine Stärke nennen. Behandle ihn mit Respekt und er wird es dir mehrfach entgegen bringen."
      Dann wies er auf Jarku hin.
      "Oder Jarku. Ein verrückter Vogel, das gebe ich zu. Das genaue Gegenteil seines Bruders. Er liebt es neue Bekanntschaften zu schließen und ist beinahe etwas naiv. Er redet wie du sicher bemerkt hast auch gerne über seine Affinität zu alle Arten von Gift. Und glaub mir... er kennt alle. Wenn du dich mal mit einer giftigen Schlange anlegst, kannst du dessen giftiges Toxin ignorieren. Jarku kennt ein Gegenmittel für alles. Ich selbst wurde mehrfach auf meiner Reise vergiftet, doch wusste Jarku immer zu helfen."
      Als nächstes folgten die Zwillinge.
      "Mit denen musst du etwas vorsichtig sein. Oder sagen wir lieber... Dass ich es so will. Sie verloren ihre Familie als sie grade mal 10 Jahre alt waren. Kurz darauf wurden sie von einem Schmuckhändler aufgenommen, welcher sie mit hohem Gewinn an ein Bordell verkaufte... Man kann von Glück sagen dass es ein Edelbordell war. Es galt die Regel junge Mädchen für die Zukunft zu schulen, statt sie dem ersten Freier entgegen zu werfen. So hatten sie bis sie 14 waren nichts zu befürchten. Ich war noch gar nicht lange in dessen Land als ich davon erfahren hatte. Aber als ich sie im Alter von 13 fand und befreite, waren sie schon so eigen wie sie nun sind. Früher galten sie als lebensfrohe und verspielte Kinder. Jetzt sind sie... Naja. So wie sie sind. Ich wage mich nicht zu fragen was geschehen ist aber das spielt auch keine Rolle. Wichtig ist dass sie nun frei sind und dass ihr niemand mehr etwas antun wird."
      Von diesem düsteren Thema kurz bedrückt, sah Aradan in Daikata's Richtung.
      "... Daikata. Was kann ich dir zu ihm erzählen? Du kennst doch die Geschichten aus unserer Kindheit oder? Magie, das alte Volk, das Verderben, der Untergang der Großkultur. All das stand in seiner Verantwortung erforscht zu werden. Er ist sehr erfahren in seinem Handwerk. Doch wurde er stets zu seinen Forschungen gezwungen und sollte gen Ende sogar die Magie selbst zum Zwecke der Macht wieder auferleben lassen. Daikata besaß Geld, Ruhm, eine Frau und 3 Kinder.. Als er sich aber weigerte dem blinden Wahn nach Macht nach zu kommen, besaß er nur noch 2 Kinder."
      "Diese verfluchten Bastarde haben mir alles genommen. Erst hieß es dass ich kein Geld mehr für meine Familie verdienen werde, sollte ich mich weiterhin weigern eine gewisse Rezeptur weiter zu erforschen. Doch nahmen sie mir stattdessen meinen jüngsten Sohn Felias. Erschüttert und voller Zorn warf ich Kankra Pulver in das Gesicht des persönlichen Beraters des Königs. Danach wurden mir meine verleibenden Kinder genommen..."
      Seine Stimme zitterte, doch sein Blick sprach bebenden Zorn aus
      "Aber was wussten diese Trottel schon. Keiner von ihnen konnte meine Arbeit nachvollziehen also entwickelte ich ein hochwirksames Gift auf verschiedenen Kräutern... "
      " - Das kann ich bestätigen !! "
      rief Jarku kurz dazwischen ehe Daikata fortführte
      "... dass die Königsfamilie dahin raffen sollte. Nicht sofort sondern über mehrere Wochen hinweg, wie eine schlimme Krankheit. Ich wollte sie leiden sehen. Was mir allerdings verschwiegen wurde war, dass ich unter Beobachtung stand. Keine Kompetente, doch gewieft genug dem König zu raten, meine Zutaten der angeblichen Wein versüßung an andere bedienstete zu testen. Kurzum.. Gelang mir die Flucht nur knapp auf Kosten meiner Frau. So sitze ich nun hier. Ein gebrochener Mann der nichts mehr verlieren kann. Mit nur einem Ziel. Rache. Vertraut mir. Ein Kopfgeld ist mir gleich."

      Aradan fügte dem nichts mehr hinzu. Seine Geschichte sprach wie für alle anderen hier für sich selbst.
      Aber es lag ihm etwas anderes an diese Gelegenheit.
      "Sag Renera. Hast du etwas dagegen ein wenig mit mir zu gehen? Du brauchst dir um deine Begleiterin keine Sorgen zu machen. Sollte ihr auch nur ein Haar gekrümmt werden, werde ich persönlich dafür grade stehen."
      So stand er auf und ging mit Renera etwas abseits des aufgeschlagenen Lagers, welches aus der Ferne freudig in Unterhaltung zu schwelgen schien.

      Beide gingen an dem Fluss ihrer Kindheit entlang als Aradan das Schweigen brach.
      "Es ist bemerkenswert was aus dir geworden ist. Ich habe dich überhaupt nicht wieder erkannt. Dabei habe ich nie aufgehört an dich zu denken. Doch sag mir.."
      Es forderte ein gewisses Maß an Überwindung.
      "Warum wirkst du die ganze Zeit so angespannt und.. warum hast du gezittert?"
      Natürlich meinte er die kurze Umarmung. Auch bemerkte er ihre Blicke als Jarku und Khil sich scheinbar gut verstanden hatten. Irgendetwas musste vorgefallen sein und ganz klar ein neues Ziel auf seiner Reise der Vergeltung sein.
    • Khil wirkte völlig perplex - und sprang sogleich auch auf, kaum verweigerte er ihr eine weitere Auskunft.
      "In manchen Ländern gilt das vorenthalten von Informationen als Kriegsverbrechen!", deklarierte sie, bevor sie wieder ruhiger wurde. "Nein, das habe ich mir jetzt ausgedacht. Aber es sollte ein Kriegsverbrechen sein. Die meisten Katastrophen heutzutage basieren auf Fehlinformation oder auf dem Fehlen von Informationen und du hast jetzt die Möglichkeit, eine solche zu verhindern! Hm, das hat sich ziemlich nach einer Drohung angehört. Trotzdem kannst du dich nicht vor deiner Pflicht drücken! Im Namen aller Schlangen!"
      Sie schien bereit dazu sich an Jarkus Fersen zu hängen, nur um ihre Fragen beantwortet zu bekommen.

      Auf der anderen Seite des Feuers hatte Renera sich wieder zurückgelehnt und entspannte sich sichtlich, als sie von Aradan zu hören bekam, auf was sie gehofft hatte. Er führte es sogar sehr zu ihrem Seelenfrieden aus und nahm sich die Zeit, jeden einzelnen von seinen Gefährten näher zu beschreiben. Es half ihr nicht nur eine bessere Einsicht in die Gruppe zu bekommen, sie konnte sich auch gleich die Charaktere jedes einzelnen besser vorstellen. Besonders Daikata sorgte dafür, dass sie sich sogleich dafür schämte ihn in Gedanken zu verurteilt haben. Seine Erzählung traf sie von allen am meisten.
      "Die Krone ist kaltherzig in der Durchführung ihrer Pläne. Mein Beileid für Eure Familie, ich bin mir sicher, dass Ihr alles für sie getan habt was möglich war."
      Sie schenkte auch ihm ein flüchtiges Lächeln, so wie sie es bereits bei Valterri getan hatte, und ließ ihn dann weiter in Gedanken an sicherlich fürchterliche Erinnerung schwelgen. Ihr Blick fiel zurück auf Aradan, der beinahe mit Liebe von seinen Gefährten sprach. Sicher hatten sie schon viel zusammen erlebt und gemeinsame Erinnerungen geknüpft - hoffentlich größtenteils gute. Er lud sie ein ihn zu begleiten und sie schenkte ihm sein vollstes Vertrauen, als sie zustimmte und nach einem Seitenblick auf Khil mit ihm ging. Sie ließen den Schein des Kochfeuers hinter sich und gingen zurück zum Fluss, der in der Dunkelheit keinerlei Ähnlichkeit mehr mit dem hatte, den Renera aus ihrer Kindheit kannte. Eher wirkte er kalt und verlassen, so traurig wie die ganze Gegend um ihn herum.

      Aradan brach die Stille, die sich zwischen sie gelegt hatte und entlockte ihr ein Lachen, bevor sie entgegnete:
      "Dasselbe könnte ich von dir behaupten. Bis auf die Augen natürlich."
      Leider blieb das Gespräch nicht so fröhlich, wie sie es sich erhofft hatte. Sie glaubte den Beschützerinstinkt in Aradan aufflammen zu sehen, den sie bereits früher ständig bei ihm beobachten konnte und das brachte sie zum Lächeln, bevor die Seriosität der Frage sie ernst machte. Sie warf einen Blick zurück auf das Lagerfeuer, von dem die Stimmen zu ihnen herübergeweht wurden und wartete, bis ihre Schritte sie beide auch aus dem Blickfeld der anderen befördert hatten, ehe sie stehen blieb. Die Finsternis verdunkelte ihre Gesichter und das war wohl auch gut so.
      "Versteh' mich nicht falsch, es liegt nicht an dir und es liegt auch nicht an den anderen. Ich bin mir sicher, dass sie nichts Böses im Schilde führen, zumindest, nachdem du sie mir vorgestellt hast. Ich hab' nur..." Sie suchte nach Worten. "Ich dachte du wärst tot, Aradan. Ich hab' um dich getrauert - wie lang' ich nur um dich getrauert hab'! Ich hab' mich all die Jahre in diese Ausbildung gestürzt, weil es das einzige war, was mich davon abgehalten hatte darüber nachzudenken, wie ich dich hätte retten können - wie wir alle dich hätten retten können. Ich hab' es noch bildlich vor mir, als Rodon den Befehl gab nicht zu schießen und diesen Befehl wiederholte, als erst dein Mentor und dann du aus dem Tor gerannt seid. Sie haben alle zugesehen, wie der General dich auf den Wagen befördert hat und mit euch weggefahren ist. Ich hab' mir all die Jahre darüber Vorwürfe gemacht, dass ich nicht irgendwas getan hab' um es zu verhindern. Es hat mich zerrissen. Als ich endlich darüber hinweggekommen bin, war mein erster Mann ein Soldat in meiner Einheit. Ich war damals Truppführer - das ist eine andere Geschichte -", sie winkte ab, "und er war charmant. Konnte nicht lesen, hat sich aber die Mühe gemacht Balladen und Gedichte auswendig zu lernen, um sie mir vorzutragen. Er war nett, aber er hatte diesen Blick. Alle Soldaten, die auf dem Schlachtfeld gewesen sind, haben diesen Blick, bei dem man sehen kann, dass sie einen Teil ihrer Seele auf dem Schlachtfeld zurückgelassen haben. Die meisten sind eines Tages so traumatisiert, dass sie keine Emotionen mehr spüren, aber ein paar verlieren auch einfach jegliche Hemmungen vor dem Rest des Lebens. Er war der erste, bei dem ich herausgefunden habe, dass solche Soldaten vor nichts zurückscheuen - und dass Männer von Grund auf stärker sind." Sie schlang die Arme um ihren Oberkörper. "Ich konnte ihn mit meinen Schwertern nicht verletzen, das hätte ich nichts übers Herz gebracht, aber er hatte sich über sowas wohl keine Gedanken gemacht. Hat mir fast den Arm ausgerenkt, als er eines Abends über mich hergefallen war. Ich hatte danach eine schwierige Zeit in der Armee - vielleicht hätte ich es ja sonst bis zum Offizier hochgeschafft. Obwohl, ich denke eher nicht." Sie lächelte verbittert, aber nicht lange. "Der nächste war ein Deserteur, mit dem ich geflohen bin. Wir waren in einer Gruppe und er war dabei, als ich Tysin begegnet war. Hatte mir hinterher von seinen eigenen Geschwistern erzählt, von seinen Zielen und Träumen, warum er sich dazu entschlossen hatte die Armee doch zu verlassen. Er hat einen Wutanfall bekommen, als wir die Grenze passiert hatten und er dachte, dass ich ihm in die Arme springen würde. Er war ein guter Faustkämpfer - ich nicht. Ich glaube bis heute, dass ich nur überlebt habe, weil die anderen noch rechtzeitig zu uns gestoßen sind. Ich glaube sie haben ihn hinterher verstoßen, was ich auch nicht schlimm finde. Zumindest hatte er eine Art Strafe bekommen.
      Danach hatte ich kaum angenehme Bekanntschaften mit Reisenden - besonders mit Männern. Frauen sind da anders, irgendwie... verlässlicher. Zutraulicher. Ich weiß nicht. Der nächste Mann war ein Offizier aus Ashkenia, Lorek. Er kam aus einer kleinen Ortschaft, kleiner noch als Melora, und schien mich verstehen zu können. Hörte sich meine Geschichte an - so in etwa wie du es gerade tust - und versicherte mir, dass ich das richtige getan hätte. Lobte meine Tapferkeit, meinen Kampfstil, bedrängte mich nicht. Ich glaube wir haben fast ein halbes Jahr zusammen gebracht, ehe ich mich überhaupt dazu überwunden hatte ihn zu küssen. Er nahm mich mit in seine Kasernen und ließ seine Kontakte spielen, um mir schließlich einen Platz am Kaiserhof zu beschaffen - das ist wieder eine andere Geschichte. Er war zutraulich und so unkompliziert, ganz der Mann, den man sich wünschen könnte. Seine Frau war an irgendeiner Krankheit gestorben, deswegen war er wohl besonders vorsichtig die nächste nicht zu vergraulen.
      Er hat mich gut behandelt, bis ich ihm eines Tages von dem Grund erzählt habe, weshalb ich desertiert bin. Da hat er sich irgendwie verändert, wurde aufdringlich. Hat mir irgendwelche Medikamente verschrieben, Ärzte angeheuert die mich untersuchten und wollte sogar, dass ich mich einer Operation unterziehe. Als ich mich geweigert habe, wollte er es wohl selbst in die Hand nehmen und mich einer "Therapie" unterziehen, wie er es genannt hat. Er hat... Es war furchtbar. Ich kann es gar nicht aussprechen. Er hat..."
      Die Schreie. Sie konnte sie noch immer hören. Sie konnte Lorek sehen, wie er vornüber gebeugt stand, die blonden Haare halb im Gesicht, das blutverschmierte Messer in der einen Hand, das Haarbüschel in der anderen. Der sich windende Körper vor ihm, der Schrei, seine blauen Augen, die Renera's Reaktion beobachteten wie ein Wissenschaftler. Das Blut, das bis zu ihr gelaufen war und ihre Stiefel durchtränkt hatte. Die unmenschlichen Bewegungen, die die Frau vor ihr auf dem Boden vollzog. Der Schrei, der nie enden wollte. Die Frau hatte geschrien, bis ihre Stimmbänder zerrissen waren.
      Sie atmete tief durch und war nur allzu froh um die Dunkelheit, die ihr unkontrolliertes Zittern verbarg. Sie war nicht bereit Aradan in dieses Geheimnis einzuweihen, selbst wenn es sich bei ihm um Aradan handelte. Sie schüttelte heftig den Kopf.
      "Ich kann es nicht sagen. Ich kann es nicht. Khil habe ich es erzählt, wenn du es wissen willst, wirst du sie fragen müssen. Ich kann es einfach nicht. Seitdem halte ich einen großen Abstand zu allen Männern. Zu Tysin wahrscheinlich am meisten. Du bist die einzige Ausnahme die es je geben könnte, Aradan."
      Sie lächelte ihm scheu zu und nachdem er es in der Dunkelheit nicht sehen konnte, überwand sie sich dazu ihm nahe genug zu treten, um die Hand auf seinen Arm zu legen.
      "Ich bin froh, dass wir uns wiedersehen, wirklich. Ich bin überhaupt froh, dass du noch lebst. Ich denke wir haben genug von mir geredet und von... dem Offizier. Sag' mir, wo wir schon alleine sind: Hast du noch immer... die Fähigkeit? Ich habe deine Augen gesehen, vorhin beim Fluss, als sie kurz weiß wurden. Hast du es denn... unter Kontrolle?"
    • Die Diskussion zwischen Jarku und Khil verlief noch eine ganze Weile. Sie spielten sich den Ball immer wieder hin und her, es sorgte dafür dass alle im Camp die grade kein Gespräch führten, gut unterhalten waren.
      Ganz im Gegenteil zur Stimmung der beiden alten Freunde. Aradan hörte aufmerksam zu ohne eine Mine zu verziehen. Er wusste genau dass jeder Versuch ihr etwas Linderung zu schenken, genau die falsche Handlung wäre, was auch seine kurze Umarmung und ihre Reaktion bezeugt hatte. Auch wenn Renera immer mal kurze Pausen einlegte um sich wieder zu fassen, unterbracht er sie kein einziges mal. Etwas überrascht war er jedoch schon darüber mit wie vielen Männern sie zusammen war. Auch wenn es ihm schmerzte die Geschichte zu hören, wunderte er sich doch darüber warum ihm die Vorstellung mit Ihr und einem anderen Mann so viel mehr störte als was mit ihr angestellt worden war. Er hasste sich dafür für einen Moment bis er sich wieder gefasst hatte und Renera's Hand auf seinem Arm bemerkte. Er sprach leise um keinen falschen Eindruck zu vermitteln.
      "Bitte verzeih mir aber das ist alles ganz schön viel auf einmal. Ich habe viele Schicksale kennengelernt und versuchte stets anderen zu helfen. Aber zu hören wie du und andere Männer... Schon seltsam wie es nach all den Jahren noch immer so eine Auswirkung hat oder?"
      Dann schüttelte er leicht den Kopf
      "Ich kann dich aber verstehen. Wenn du Abstand brauchst, werde ich ihn dir geben. Ich werde den anderen sagen dass sie dir nicht zu nahe kommen sollen. Ich habe in meinen Jahren schon viele Personen getroffen welche ein hohes Amt und somit auch Macht inne hatten. Kaum einer davon hat es nicht auf die ein oder andere Art ausgenutzt. Diese Dinge zu sehen hat mich anfangs sehr mitgenommen. Vor allem an Häfen zur Nacht..."
      Er blickte hinab in seine Hände und wirkte sehr betrübt.
      "An diesen Händen klebt sehr viel Blut. Ich konnte nicht weg sehen und habe Männer die wehrlose Kinder schlugen, welche nur etwas zu essen suchten, spüren lassen wie es sich anfühlt wehrlos zu sein. Überfälle auf Frauen habe ich eine Zeit lang... Sagen wir, gerecht bestraft. Diese Männer konnten fortan keine Frauen mehr schänden. Jedoch habe ich auch die andere Seite kennen lernen müssen. Frauen die Männer betrunken machen, ihnen alles sagen was sie hören wollen, nur um sie zu bestehlen oder schlimmeres."
      Daraufhin blickte Aradan in den Himmel und seufzte schwermütig
      "Ich hätte niemals geglaubt dass Menschen genau so monströs sein können wie die Kreaturen. Wir zerfleischen uns genau so wenn wir keinen direkten Feind haben. Die Menschen in großen Städten oder Häfen, kennen meist nicht mal die Namen der Kreaturen, halten sie teilweise sogar für einen überspitzten Hokuspokus. Hätte ich zu dieser Zeit nicht den Kapitän an meiner Seite gehabt, hätte ich mich vermutlich selbst verloren. Es hat Dinge in mir abgetötet. Ich zögere nicht mehr wenn es um das Leben von Kreaturen oder verabscheuungswürdige Menschen geht."
      Aber auch Aradan wollte nicht zu sehr an all die Dinge denken die ihm noch heute Alpträume bescherten. Leider musste er aber noch eine Sache klar stellen, auch wenn Renera's es nicht mögen wird. So sah er ihre Hand an die auf seinem Arm lag.
      "Ich bin mir nicht sicher ob du mir vertrauen solltest."
      Er ging einen kleinen Schritt zurück damit sie seinen Arm nicht mehr berühren konnte und blickte er in die Augen als würde er ihr damit zeigen können wie müde und rissig er ist.
      "Du sagtest.. zutraulich und unkompliziert. Ganz was man an einem Mann suchen würde. Das bin ich nicht. Und ja. Ich besitze diese Fähigkeiten noch. Und genau darum geht es. Du erinnerst dich doch sicher noch an die flüsternden Stimmen die ich als Kind in meinem Kopf hatte oder? Nun... Ich habe eine ganze Menge darüber in Erfahrung gebracht. Mehr über mich. Mehr über die vergangene Hochkultur."
      Sein Blick wurde trüb und er wagte sich nicht mehr Renera in die Augen zu blicken, stattdessen blickte er auf das Wasser.
      "In mir schlummern grausame Monster."
      Während er in das Wasser blickte, lies er seine Augen wieder weiß werden. Dadurch konnte er ohne ins Zwielicht zu wechseln, all die Geisterwesen in der Spiegelung des Wassers sehen, welche umher schwebten und immerzu versuchten ihn zu beeinflussen oder Dinge einzuflüstern. An guten Tagen, wenn er erholsamen Schlaf bekam, die Kryssdichte des Ortes nicht zu hoch war und er bei kräften war, waren es wenn überhaupt 2-3 der Wesen, welche auch nur leise flüsterten. An einem Tag wie heute, mit all den Neuigkeiten, den zermürbenden Kämpfen die die Truppe schon hinter sich hatte, dem wenigen Schlaf und dann auch noch die Vergangenheit von Renera, waren es so viele, dass das Wasser nun für ihn beinahe wie ein Tor in die Unterwelt aussah.
      "Es bedarf einiges an Erklärung.. Aber wenn du sehen willst was diese Stimmen sind, dann leg deine Hand auf meine. Es wird nicht schmerzen, keine Sorge. Dann seh ins Wasser."
      Er hielt seinen Arm zu ihr, richtete seine Handfläche nach oben hin, welche zugleich anfing zu dampfen und rot bis hoch zum Ellbogen zu werden als läge sie in kochendem Wasser.
    • Renera lächelte Aradan an. Seine Reaktion war genau wie sie es sich erhofft hatte: Er wurde nicht aufdringlich, er bedrängte sie nicht, er unterbrach sie nicht einmal, selbst als sich ihm die Möglichkeit geboten hatte. Er blieb ruhig und gefasst und schien verstehen zu können, worauf sie hinauswollte, auch wenn er sich sehr auf die reine Anzahl ihrer Beziehungen zu konzentrieren schien. Aber das war wohl auch nicht weiter verwunderlich, schließlich hatte es zwischen ihnen nie ein wirkliches Ende genommen. Sie waren nur beide davon ausgegangen, dass das Ende der Tod des jeweils anderen gewesen war.

      Allerdings war auch Aradan von seiner Vergangenheit nicht unbefleckt geblieben. Er machte Andeutungen über die Dinge, die er getan hatte, bei denen er wohl das Leben anderer auf dem Gewissen hatte. Oder vielleicht auch mehr als das? Renera graute es für einen Moment, aber sie rief sich in den Kopf, dass sie in der Armee nichts anderes getan hatte. War es in diesem Fall wirklich ein Unterschied, Menschenleben auf dem Schlachtfeld oder auf der Straße auszulöschen, wo es doch beide gleichzeitig verdient und nicht verdient hatten? Der einzige Unterschied bestand darin, dass sie ihr Gewissen reinwaschen konnte, indem sie behauptete nach den Befehlen ihrer Vorgesetzten gehandelt zu haben, aber Aradan hatte ein solches Privileg nicht. Er musste die Bürde dessen auf seinen eigenen Schultern tragen, ohne die Erleichterung zu erhalten, dass jemand anderes für sein Handeln verantwortlich gewesen war.
      Sie hätte ihm gern zugesprochen, dass er das richtige getan hatte, aber letzten Endes wusste sie nicht, was genau er getan haben mochte. Und sicherlich hatte er die Frage nach der Richtigkeit seiner Taten oft genug durchgekaut, sodass sie ihm die Antwort darauf nicht abnehmen konnte.

      Er nahm etwas Abstand zu ihr und Renera steckte ihre Hand zurück in ihre Armbeuge, ehe sie glaubte, in seinen Augen einen Blick auf das werfen zu können, was sich unter seiner Oberfläche verbarg, was er wahrscheinlich mit all seiner Selbstsicherheit und seiner Würde zu überspielen versuchte. Sie glaubte für den Moment, einen Blick auf den Mann zu erhaschen, der durch die Taten seiner Vergangenheit gebrochen worden war. Er offenbarte ihr all jene Gefühle und Gedanken, die er in Worten hätte nicht ausdrücken können und sie empfand Freude über diese Geste, mit der er ihr zeigte, dass er ihr genug vertraute, um sie hinter die Fassade blicken zu lassen. Es war ein weiteres Geheimnis, das sie aufnehmen und hüten würde wie einen Schatz.

      Schließlich wandten sich seine Erzählungen tatsächlich seiner Fähigkeit zu und Renera lauschte gebannt. Sie wusste nur allzu gut worüber er sprach und unterdrückte den Drang, ihm weitere Fragen dazu zu stellen. Er schien an einem wunden Punkt angekommen zu sein, was sich vor allem daraus zeigte, dass er den Blick abwandte. Er war nicht mehr stark genug um ihr das Vertrauen von eben darzubringen und sie wollte keinesfalls dafür sorgen, dass er es bereuen würde. Sie schwieg und regte sich nicht, so wie er es getan hatte und so wie es das einzig richtige war, was sie tun konnte. Dann hielt er ihr die Hand entgegen. Sie konnte die Veränderung an seiner Haut beobachten, wie sie sich einfärbte und zu dampfen begann, als würde unter seiner Haut ein Feuer wüten, das sich seinen Weg zur Freiheit zu erkämpfen versuchte. Es war ein nicht gerade ermunternder Anblick, besonders nachdem sie ihn auch noch dort berühren sollte, aber sie ermahnte sich, dass auch er ihr ein Vertrauen geschenkt hatte wie wahrscheinlich noch keinem Menschen zuvor. Sie hatte keinen Grund, ihr eigenes in ihn zu dämpfen. Also ergriff sie nach einigem Zögern seine Hand und sah ins Wasser.
      Zuerst dachte sie, dass die Reflektion des Mondlichts auf dem Fluss ihr einen Streich spielte, dann dachte sie, dass es zu dieser Uhrzeit außergewöhnlich viele Fische im Wasser gab. Schließlich erkannte sie es und keuchte entsetzt auf.
      Unter der Wasseroberfläche schwammen verzerrte Gestalten vorbei, Formen, die sich mischten und wieder aufteilten, die kaum voneinander unterscheidbar waren als die Art, wie sie sich bewegten. Gesichter drückten sich ihr entgegen, rissen die leeren Mäuler auf und starrten sie mit toten Augen an, hinter denen sich keine Seelen verbargen. Und erst die Stimmen. Sie kamen nicht durch ihre Ohren, sie drangen direkt in ihr Gehirn ein, als würden sie sich dort wie Parasiten reinfressen und die Kontrolle über ihren Gehörsinn übernehmen. Sie konnte hunderte, tausende Stimmen hören, die sich überlagerten und um ihre Aufmerksamkeit buhlten, wobei sie kaum eine Stimme von der anderen unterscheiden konnte. Die Gestalten im Wasser bewegten sich zu diesen Stimmen, als wären es ihre eigenen und ihre toten Augen drohten sich in ihren Verstand zu fressen. Renera wich zurück, riss die Hand zurück als habe sie sich verbrannt und dann war es auch schon wieder vorüber. Nur Aradan's weiße Augen waren Beweise dafür, dass sie sich in ihrer Wahrnehmung nicht getäuscht hatte.
      "Aradan, was ist das?", fragte sie atemlos, während sie noch immer auf das Wasser starrte. Ohne die Kreaturen wirkte es geradezu beängstigend friedlich.
      "Willst du mir etwa sagen, dass du das hörst? Die ganze Zeit?"
      Ihr Bild von ihm änderte sich mit einem Mal von dem Mann, der versuchte seine Vergangenheit hinter sich zu bringen, zu einem Mann, der trotz dieser Bürde noch aufrecht stehen und gehen konnte. Der leben konnte! Sie jammerte ihm etwas von Männern vor, die sie ungerecht behandelt hatten und derweil hatte er die Kraft gefunden, mit diesen Dingern zu leben und sich nicht seinen Verstand rauben zu lassen. Das war eine Leistung, die ihm mehr Stärke verlieh, als es eine Waffe jemals schaffen könnte. Als es ein Mensch jemals schaffen könnte. Sie war völlig überwältigt davon.
    • Aradan nickte zögerlich als Renera entsetzt ihre Fragen stellte. Daraufhin wandelte sich sein Arm wieder zu seiner normalen Farbe und auch seine Augen wurden wieder normal.
      "Du hast nur die Spiegelung gesehen. Ich habe die Fähigkeit zwischen dieser und derer Welt zu wandeln. Diese Wesen nennen es das Zwielicht. Wenn ich dort bin, sind diese Wesen eher wie Geister. Sie schweben überall umher. Sie sind nicht aggressiv, wollen mir nur alle zur selben Zeit etwas sagen bis ich meine Fähigkeiten einsetze um sie davon zu jagen. Doch wirkt das nur bei den schwachen Wesen. In dieser Welt existieren noch weitere, deutlich weniger. Und sie flüstern nicht. Sie können mit mir sprechen, zu jeder Zeit. Dessen stimmen kann ich nur unter großer Anstrengung ausblenden. Die anderen, von eben... und das tut mir Leid, habe ich dir ohne den Schleier der Stille zeigen müssen."
      Er zwang sich ein leichtes Lächeln auf und wandte sich wieder Renera zu.
      "Mit den Jahren wurden es immer mehr von diesen Wesen. Man könnte sagen dass ich mich daran gewöhnt habe. Außerdem habe ich auch immer mehr dazu gelernt. Wurde stärker."
      Nun hob er beide seiner Hände vor Renera hoch. Für diesen Augenblick wandelten sich seine Augen erneut ehe er zwischen beiden seiner Hände immer wieder Blitze erscheinen ließ.
      "So etwas eignet sich zwar kaum zum kämpfen. Aber vor 15 Jahren hätte ich das noch nicht gekonnt. Magie kann etwas sehr schönes sein. Meist ist sie aber das Werkzeug von Macht und Zerstörung. Um dir alles davon zu erzählen, bräuchten wir mehr Zeit als nur eine Nacht fürchte ich. Alles was ich sagen möchte ist, dass ich gelernt habe diese Stimmen zu verschließen. Es kann auf dauer ganz schön an der Kraft zehren aber wir beide wissen ja was ein gutes und dauerhaftes Training aus einem machen kann, nicht wahr?"
      Seine Hände hörten auf die kleine Blitz Demonstration auszuführen. Dieser kleine Moment der Stille zwischen den beiden war angenehm. Auch wenn Aradan in seinem Kopf schon mehrere Wege suchte um auf seiner Reise jeden einzelnen Renera's Peiniger aufzusuchen. Egal was es kosten würde. Solche Männer verdienten nur dass man ein Exempel an ihnen statuieren würde. Auf die grausamste Art die ihm bis dahin einfallen würde. Welch ein Glück... dass er so viele Stimmen in sich trug. Da konnte ihm die ein oder andere sicher ein paar Tipps geben.
      "Sag mir. Was ist eigentlich das Ziel eurer gefährlich kleinen Truppe? Du bist desertiert und hast Khil überredet mit dir zu gehen, doch was genau sucht ihr?"
    • Renera nickte zögerlich, während sie noch immer in das dunkle Wasser starrte. Aradan konnte also ins Zwielicht wechseln, das von Wesen bewohnt war, die aussahen wie die schlimmsten Kreationen eines Albtraums und die ihm außerdem noch zuflüsterten. Sie konnte es nicht glauben. Es war einfach nicht vorstellbar, wie man mit solch einer Bürde leben konnte.
      "Und das alles nur weil du... naja... du weißt schon? Das ist wirklich unglaublich. Das muss dich doch verrückt machen!"
      Sie schüttelte entsetzt den Kopf und beobachtete dann, wie er seine Kraft auch tatsächlich einsetzte. Es war ein beeindruckendes Kunststück wenngleich es, so wie er schon sagte, nicht gerade zum Kampf geeignet war. Aber, bei allen Kreaturen! Er ließ Blitze aus dem Nichts erscheinen! Wenn das keine wesentliche Fähigkeit war, wusste sie auch nicht weiter.
      "Wissen deine Begleiter davon? Ich meine - weiß überhaupt irgendjemand davon? Das ist einzigartig, gar nicht vorzustellen was du alles tun könntest, wenn du einen Meister hättest! Obwohl, ich bezweifle, dass es Meister für sowas gibt. Dann könntest du eben der erste werden. Du könntest Magier werden, Aradan! Ein richtiger Magier, wie in den Geschichten! Ist dir das noch gar nicht in den Sinn gekommen?"
      Sie musterte ihn begeistert, aber dann war sie sich plötzlich ihres eigenen Eifers bewusst. Wieso beglückte sie die Aussicht, dass Aradan Magier werden könnte, so sehr, als ob es sie selbst betreffen würde? Sie ging doch nicht etwa davon aus, dass sie gemeinsam weiterreisen würden? Das war nicht vorstellbar, einfach unmöglich. Viel zu gefährlich, für alle Seiten. Sie musste ihre Vorstellungskraft besser im Zaum halten.
      Glücklicherweise half Aradan ihr dabei, ihre Gedanken auf angenehmere Themen zu wenden. Die düsteren Gespräche schienen ein Ende zu haben und auch wenn sie es in gewisser Weise genossen hatte sich mit ihm über Dinge auszutauschen, die sie sonst wenn dann nur Khil erzählt hatte, war sie doch froh darüber, dass sie auch über normale Dinge miteinander sprechen konnten. Es erleichterte sie.
      "Oh, ich bin schon vor zwölf Jahren desertiert, danach hab' ich mich angenehmeren Dingen gewidmet - größtenteils jedenfalls. Als ich Khil kennenlernte, war ich gerade dabei einen Titel zur Kampfmeisterin zu erwerben, aber ich war davor viel gereist, habe Menschen ausgebildet und Kreaturen gejagt. Ich hab' angefangen sie zu kategorisieren, ihr Verhalten zu beobachten und einzuschätzen, die Effektivität von Kampfstilen an ihnen auszuprobieren und ihre Körper zu studieren. Ich zeichne alles in mein Buch, damit es neuen Schülern helfen könnte die Kreaturen schneller zu verstehen. Ich male alles auf, ganz ohne Wörter - Khil meint, ihr wäre es zwar recht, wenn ich ein paar Wörter dazuschreiben würde, aber ich kann nicht lesen und die meisten Dörfer, die ich besucht habe, können es auch nicht. Tja und jetzt bin ich... in sowas wie eine Sackgasse geraten. Ich habe Khil mitgenommen, damit sie mir Bücher vorliest und Schriften studiert, aber es hat mein Wissen nicht erweitert. Es reicht mir nicht mehr die Kreaturen nur zu jagen, denn wenn ich eine töte, tauchen am nächsten Tag zwei auf. Und wenn ich ein Dorf ausbilde, lasse ich mir den Weg zum nächsten beschreiben und finde nur noch Trümmer. Ich dachte mir, dass ich hier antworten finden könnte."
      Sie blickte in Richtung der ehemaligen Schafsweide.
      "Melora war der letzte Ort, an dem ich noch das Gefühl hatte, Kontrolle zu haben. Ich dachte mir, ich könnte vielleicht etwas finden, was meine Fragen beantwortet. Aber ich schätze, ich wollte einfach ein wenig Nostalgie spüren. Und meine Mutter besuchen - aber nachdem Tysin mich gesehen hat, will ich es fast nicht mehr wagen."
      Sie lächelte ein wenig zuversichtlicher und sah Aradan an.
      "Und du? Ich glaube kaum, dass du deinen Freunden nur den Trümmerhaufen eines ehemaligen Dorfes zeigen wolltest?"
    • Renera schien regelrecht begeistert davon zu sein, was Aradan selbst eher als eine Bürde angesehen hat. Aber es war angenehm für diesen Moment diese Energie in ihr zu sehen.
      "Mensch du gehst ja richtig auf hm? Um deine Fragen zu beantworten. Ja. Sie wissen es alle. Ohne diese Truppe wäre ich schon ein paar mal nicht mehr zurück in diese Welt gekommen. Es gab Phasen meines Studiums an welchen ich kaum noch den Unterschied wahrnehmen konnte ob ich nun in unserer Welt war oder im Zwielicht. Daher kamen vorhin auch Val und Jarku direkt angelaufen. Falls ich die Kontrolle über meinen Kopf verliere, kann eines der stärkeren Dinger in mir die Kontrolle erlangen. Je nachdem welches es ist, können schlimme Dinge passieren aber.. Glücklicherweise haben sie keine Ahnung wie Magie an sich funktioniert. Obendrein.. Um deine Euphorie direkt etwas zu zügeln.. Kann ich kein Magier werden. Zumindest nicht wie in der vergangenen Hochkultur. Das was meine Eltern aus mir gemacht haben ist ein lebender Katalysator. Eine Brücke zwischen den Welten. Es ist kompliziert aber ich bin nicht in der Lage Magie zu erzeugen. Ich kann sie nur durch mich hindurch fließen lassen. Es muss also immer ein echter Magier in meiner Nähe sein der diese auf mich einwirkt. Dann kann ich sie kanalisieren und mächtiger wieder geben als zuvor. Diese kleinen Spielchen mit den Blitzen kann ich nur nutzen da es überall um uns herum eine seichte Magie gibt. Du kennst doch diese schönen unbezahlbaren violett/roten Kristalle. Sie werden Kryss genannt. Kryss ist nur eine Ansammlung dieser magischen Kraft die uns umgibt. Sie steckt in allem was du siehst. In den Bäumen, im Wasser, in der Erde und in der Luft. Diese kann ich für die kleinen Spielchen von mir aus kanalisiert nutzen. Ich kann damit aber höchstens ein Feuer an machen dir einen kühlen Wind entgegen schicken... was wohl so viel Macht inne hat wie es jeder Mensch besitzt der eine Lunge hat."
      Aradan musste dann doch erleichtert lachen. Er hatte seine Fähigkeiten noch nie zuvor im Spaß veranschaulicht.
      "Die Spinnenmutter im Wald unserer Prüfung vor all der Zeit. Das war der Moment als mich Deine Magie traf Renera. Ich sog sie auf und brachte sie um ein vielfaches Verstärkt zurück. Das war es was passierte."
      Ein schweres seufzen begleitet von verschränkten Armen setze eine kurze Pause in seine Erklärung ehe er alles auf den Punkt brachte.
      "Kurz gesagt. Ich bin eine Waffe. Das war der Grund warum mich meine Eltern verleugnet haben. Jeder Tag in der Königsstadt war ein Risiko. Hätte ich dort auch nur versehentlich auch nur ein Anzeichen von Magie verstreut, wäre ich wohl bis zum heutigen Tag in einer Zelle als Versuchskaninchen gelandet. Ist schon seltsam. In diesen Landen wäre ich ein Werkzeug gewesen. Ein scharfes Schwert. Ein Druckmittel. Im hohen Norden wurde ich als Kind einer deren Götter behandelt. Und im fernen Osten... naja. Dort habe ich mich schon recht gut unter Kontrolle gehabt. Sie fanden meine Augen schön."
      Erneut lachte er. Was war das nur. In Renera's Gegenwart musste er schon so oft schmunzeln und lachen wie in den letzten paar Monaten nicht mehr. Langsam empfand Aradan diesen Fakt gruseliger als die Geisterwesen die mit ihm sprachen. Eine verrückte Welt.
      Renera's Erklärung über ihren Aufenthalt oder gar ihr Beweggrund der letzten Jahre war dann aber doch ein lustiger Zufall.
      "Interessant. Wir haben solch verschiedene Leben hinter uns und doch führen uns ähnliche Gründe am selben Tag an den selben Ort. Das nenne ich mal einen großen Zufall. Ich selbst tue nichts anderes als zu forschen. Als Kind wollte ich immer alles über die Hochkultur erfahren. Das hat sich nie geändert. Viel mehr kam alles drum herum dazu. Ob Monster, Menschen, Religionen oder Magie. Ich muss einfach alles erfahren. Und wenn ich auf dem Weg einer verzweifelten Seele Hilfe anbieten kann, scheue ich keine Mühe bis ich dieser helfen konnte. Ein paar dieser Seelen bleiben stets an meiner Seite, wie du dort am Feuer sehen kannst. Aber ich schweife ab. Der eigentliche Grund nach Melora zurück zu kehren ist eine Truhe. Meine Eltern verbargen sie hinter einem schweren Regal voller Bücher und Reagenzen. Als mein Vater abgeführt und alle die Rüstungen aufgeladen wurden, war die Kiste nicht darunter. Ich denke sie könnte noch immer hier sein. Darin befindet sich eine beachtliche Menge an Kryss Kristallen. Mit dessen Wert könnte man gut und gerne 4-5 Dörfer aufkaufen. Natürlich ist Gold aber nicht mein Anliegen. Ich möchte es erforschen. Es könnte mir helfen meinen Zustand dauerhaft zu verbessern. Mich mehr stabilisieren."
    • Das waren doch Neuigkeiten, für die es sich gelohnt hatte zu kommen: Aradan war ein lebender Katalysator und hier, um seinen Forschungen nachzukommen. Renera konnte sich nur zu gut an ihre Prüfung erinnern, an den Zusammenprall mit der Spinnenmutter - an den Streit. Es hatte sich in ihr Gedächtnis gebrannt, dass die letzte gemeinsame Zeit mit Aradan zwar in einer Versöhnung geendet hatte, aber sie beide erkannt hatten, dass all die Monate davor verschwendet gewesen waren. Es hatte nicht gerade dazu beigetragen über seinen Tod hinweg zu kommen.
      Und jetzt waren sie sich über den Weg gelaufen. 19 Jahre später und das erste Mal, dass Renera in ihre Heimat zurückkehrte, und sie liefen sich über den Weg. Über diesen Zufall konnte man eigentlich nur lachen.
      "Wir hätten diese Zusammenkunft eigentlich feiern sollen. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich mir von meinem letzten Gold ein Fass Bier gekauft. Aber jetzt müssen wir halt ohne auskommen."
      Sie strahlte fast.
      "Ich denke allerdings es ist unsere Pflicht, als zwei selbsternannte Forscher, unseren Wissensstand miteinander auszutauschen. Vielleicht hilfst du mir ja auf die Sprünge - und ich geb' dir Inspiration, oder sowas. Khil kann dir vielleicht auch etwas sagen, es gibt wohl kaum ein Buch, das sie nicht gelesen hätte. Allerdings hab ich auch keine Vorstellung davon, wie viel Bücher es wohl geben mag."
      So gingen sie langsam wieder ans Feuer zurück, wo man ihre Abwesenheit zwar schon zur Kenntnis genommen, aber nicht sonderlich beachtet hatte. Khil hatte sich inzwischen eine neue Taktik überlegt, wie sie Jarku zum reden bekommen konnte, nämlich indem sie ihm die kalte Schulter präsentierte und stattdessen Valterri durchlöcherte, neben dem sie doppelt so klein wirkte. Als Renera und Aradan zu ihnen stießen, unterbreitete sie dem Hünen gerade ihre Theorie darüber, weshalb die Nordmenschen nicht nach vorne gebeugt liefen, wo das doch eine gute Methode zu sein schien die lebenswichtigen Organe vor der Kälte zu schützen. Dazwischen warf sie Jarku immer mal wieder einen Blick zu, wie um ihm zu sagen: "Das hast du jetzt davon." Sie sah Renera kurz an, als sie kam, und beide lächelten sich zu.
    • Der Rest der Nacht verlief recht gesellig. Alle verstanden sich, Jarku und Khil spielten ihr Spielchen auf Kosten von Val's Nerven noch einige Zeit weiter. Die Zwillinge spielten ein kleines Spiel mit geschnitzten Holzfiguren auf einer flachen Stein und Daikata bereitete aus verschiedenen Kräutern eine ekelig aussehende Pampe zusammen, welche er daraufhin mit zwei Blättern in mundgerechter Größe umschloss und Aradan gab, welcher diese darauf hin unzerkaut hinunter schluckte und sich bei Daikata bedankte.
      Val bemerkte dabei wie Renera die Beiden neugierig beobachtet hatte und erklärte direkt
      "Das ist ein Narkotikum. Es hilft ihm durch die Nacht wenn er zu ausgelaugt ist um seine Nacht von allein ruhig zu halten."
      Daraufhin machten sich die Meisten auch schon in die Zelte auf. Für gewöhnlich war es Val der die erste Wache hielt. Aradan verabschiedete sich noch bei Renera und Khil ehe er in sein Einzelzelt verschwand und das Narkotikum langsam wirken lies.
      "Keine Sorge. Das Feuer bleibt. Hält die Tiere ab und die Zelte die Banditen. Wir haben alles im Griff. Geht. Ruht euch aus ihr kleinen Vögel."
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