[2er RPG] The Curse of Time {TobiMcCloud & Codren}

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    • Dieser plötzliche Aufmarsch setzte dem Geschehen im Wald noch im wahrsten Sinne die Krone auf. Ein Handel war es zumindest nicht. Zwar waren zwei große Karren in der Kolonne, doch sah man schnell dass keinerlei Handelswaren oder gar Händler dabei waren. Nur der zweite Wagen trug eine prunkvolle Truhe mit sich. Das konnte wahrlich nichts gutes bedeuten. Ein solcher Aufmarsch war nicht mal bei einem Großhandel nötig. Wurden also die Angriffe der Monster auch im Königsland größer oder gar mysteriöser wie hier? Beinahe hofften vereinzelt die Dörfler dass es eine Sache der Monster sein musste, andernfalls würde dieser Besuch etwas ganz neues bedeuten.

      Das Treffen in der Scheune hatte sich nach und nach wieder unter das Folk bemischt. Nur Cetra, Aradan, Renera und Marudan blieben vor der Scheune stehen und beobachteten aus sicherer Entfernung was dieser viel zu übertriebene Andrang zu bedeuten hatte.
      Als der protzige Befehlshaber seine geschwollene und vermutlich nur besänftigenden Worte endlich aufgesagt hatte, verschränkte Marudan seine Arme. Aradan erschrank dabei immer. Die Arme eines Schmiedes kamen ihm dabei immer schon so vor als wären diese härter als das Eisen welche sie schlugen. Obendrein sah sein Vater immer nur so drein, wenn ihm etwas ganz und gar nicht gefiel.
      "Vater?"
      Marudan blickte weiter den Befehlshaber an und beobachtete wie dieser von Rodon empfangen und in die Halle gebracht wurde, wo diplomatische Besprechungen stattfanden. Anschließend blickte er Cetra an.
      "Das hat ganz sicher nichts gutes zu bedeuten."
      Cetra, die noch immer mit halben Kopf in den Geschehnissen des Waldes steckte, seufzte schwermütig.
      "Ich weiß nicht. So ein Aufmarsch für ein Lob? Das hätte der König auch über eine Brieftaube erledigen können. Wenn er von dir weiß, sollte er auch wissen dass deine Frau bestens Lesen und schreiben kann. Immerhin verfasst sie selber Bücher und verkauft diese an das Königreich. Irgendwas stimmt hier wirklich nicht"
      "Versteh ich nicht. Ist doch klasse dass es so sehr auffällt wie gut deine Ausrüstung ist. Vielleicht wollen sie dir ja einfach nur mehr abkaufen und haben aus diesem Grund die Karren dabei."
      Nun sah Marudan zu Aradan hinab und schüttelte leicht den Kopf.
      "Du verstehst von solchen Dingen nichts mein Junge. Alles was diese Leute interessiert ist Macht. Sehen sie eine Bedrohung, wird sie vernichtet. Wollen sie etwas, nehmen sie es sich. Und beides wird in der Regel zuerst in blumige Worte verpackt um das Ziel in die Irre zu führen. Das nennt sich Manipulation Aradan."
      "Ich.. verstehe"
      Aradan blickte hinab und verstand nun warum Cetra und Marudan so besorgt wirkten. Wenn ihm sein Vater etwas lehrte, war es als wäre es eine unumstößliche Regel. Es bewirkte sofort dass Aradan ebenso unruhig wurde und die Soldaten plötzlich nicht mehr begeistert ansah, sondern als eine Bedrohung die mitten im Dorf stand. Direkt meldete sich wieder sein Instinkt, welcher Renera's Hand nahm um sie nahe bei sich zu wissen.
      "Gut. Dann werde ich mal in Erfahrung bringen was dieser Silbereimer will. Wenn ich mich recht erinnere, ist die Familie Peamut nicht grade für deren lange Zündschnur bekannt."

      So schritt Marudan mit klarem Ziel in die Halle voran. Erst wollten ein paar Soldaten verhindern dass er einfach in die Halle geht ohne sich vorzustellen, doch konnte man schnell erkennen dass das der Schmied des Dorfes sein musste. Allem voran würdigte Marudan die Soldaten keines Blickes. Wäre er selbst noch in der Armee gewesen, hätten sich solche Fußsoldaten vor ihm verbeugt statt sich ihm in den Weg zu stellen.

      Kaum war Marudan in der Halle verschwunden, trat eine im schwarzen Kapuzenumhang verhüllte Person zwischen Cetra und Aradan.
      Cetra blickte diesen erschrocken an und wollte grade erschrocken fragen wer die Person war, die sich so unbemerkt anschleichen konnte. Aradan hingegen blickte nur weiter nach vorne zur Halle. Er sah die verhüllte Person nicht an, sprach aber ziemlich sicher
      "Kein gutes Zeichen... Hat Vater recht? Steht etwas schlimmes bevor.. Quin?"
      Cetra erschrack noch mehr. Sie hatte diesen Mann noch nie zuvor gesehen. Zwar wusste sie dass dieser Mann Aradan's Mentor war, doch kam dieser nie aus seinem kleinen Häusschen raus. Und wenn, dann war er so geschickt, dass man ihn nie bemerkte, so wie jetzt auch.
      Quin selbst grummelte nur leicht und blieb bedacht neben Aradan stehen.
      "Blecheimer kommen nur wenn sie etwas wollen oder eine Handelskarawane schützen sollen. Was mir Sorgen macht ist die Anwesenheit von Szeth. Dieser Bastard geht über Leichen. Wenn irgendetwas passiert.. bleibst du im verborgenen, ist das klar?!"
      Aradan konnte sich noch keinen Reim darauf machen. Es waren doch nur ein paar Soldaten in viel zu schicken und unpraktisch verzierten Rüstungen. Warum waren also alle so angespannt? Und... warum hörte Aradan schon wieder leises Geflüster? Musste das jetzt sein?
    • General Szeth Peamut stand in der Mitte der Halle, als Marudan eintrat. Er hatte die Hände hinter dem Rücken verschränkt und den Blick zur Decke gehoben, aber nun drehte er sich zu dem Schmied um. Sein Helm lag neben ihm auf dem Tisch wie ein abgehackter Kopf.
      "Herr Elric, nehme ich an?"
      Sein Blick wanderte einmal an Marudan herab und dann nickte er knapp, als würde er sich selbst Bestätigung geben.
      "Nehmen Sie Platz."
      Hinter Marudan wurde die Tür geschlossen und zwei Wachen stellten sich zu jeder Seite auf. Sie trugen das Wappen des Königs auf der Brustplatte und wirkten wie zwei Statuen, kaum hatten sie sich positioniert. Es waren zwei Speermänner, die ihre Waffen aufgestellt neben sich hielten.
      General Peamut nahm selbst Platz, wobei der Stuhl unter dem Gewicht seiner Rüstung knarrend protestierte. Dann zog er sich die eisernen Handschuhe aus, legte sie neben seinen Helm und strich sich dann über den Kopf, eine Bewegung, die an das Wegstreichen von Haaren erinnerte.
      "Ich denke Sie wissen, weshalb wir hier sind. Der Botschafter, der Sie vor einigen Monaten besucht hatte, berichtete uns von Rüstungen, die dem Angriff der Monster standhalten können. Der König entsandte mich, um Sie für ihre ausgesprochene Leistung zu belobigen. Sie sind der erste Schmied auf der ganzen Welt, der einen Durchbruch erreichen konnte."
      Seine Miene war undurchdringlich, als er das sagte, aber seine Augen funkelten Marudan leidenschaftlich an. Woher hatte der Schmied das Wissen genommen, um ein solches Wunder zu bewirken? Entsprach der Ruf der Rüstung der Wahrheit oder waren es reine Fantasievorstellungen? Was mochte er noch zu verschweigen, wenn er schon von den Rüstungen nicht freiwillig berichtet hatte?
      Der General winkte mit der Hand und eine Wache ging nach draußen, nur um kurz darauf in Begleitung zweier Soldaten wiederzukommen, die die Truhe in ihrer Mitte schleppten. Sie schien schwer zu sein.
      "Seine Majestät spricht seine tiefste Bewunderung aus. Er würde gerne mehr erfahren - von den Rüstungen, von ihrer Herstellung und von Ihnen. Er bietet eine einmalige Zahlung von zweitausend Goldstücken, aufgewogen in Goldbarren, für eine Audienz bei ihm, in der Sie ihm die Rüstungen erläutern und seine Kampfmeister in der Benutzung unterrichten."
      Die Truhe wurde mit einem Knall auf dem Tisch abgestellt und geöffnet - zum Vorschein kamen zwei Dutzend funkelnde Goldbarren, alle fein säuberlich nebeneinander aufgereiht.
      Der General schenkte der Truhe keine Beachtung, stattdessen beobachtete er Marudan.
      "Seine Majestät hat es nicht ausdrücklich gesagt, aber ich schätze, dass er Sie zum Hofschmied ernennen will. Sie würden in seine Dienste eintreten und ihm Rüstungen zur Verfügung stellen. Außerdem würde er wohl die Forschung finanzieren, die bei der Verbesserung dieser Rüstungen anfallen würde. Das ist eine außergewöhnliche Ehre für jemanden wie… Sie."
      Seine Miene änderte sich noch immer nicht, nur die Augen bohrten sich in Marudan, als wollten sie ihm in die Seele blicken.
      "Gibt es Aufzeichnungen über die Herstellung dieser Rüstungen? Eine… Rezeptur, wenn man es so nennen darf? Sie werden mein Unwissen verzeihen müssen, Herr Elric, ich bin in der Schmiedekunst längst nicht so sehr bewandert wie Ihr."
    • Die Atmosphäre in der Halle war so dick wie schon lange nicht mehr als Marudan empfangen wurde. Es war beinahe so als würden zwei tiefdunkle Wolken langsam aufeinander zu kommen, wie ein drohenden Sturm im Verzug.
      Marudan betrachtete die Soldaten während er sich setzte. Es waren die üblichen, stillen, nichts hörenden Dekosoldaten die wie Lemminge nur auf die kleinste Geste ihres Befehlshabers reagierten. Man hätte ihnen gegen die Rüstung pissen können uns doch hätten sie sich nicht bewegt. Erbärmliche Gestalten in seinen Augen.
      So wanderten seine Augen widerwillig zum Hauptmann, welcher sich aufdröselte wie Marudan es schon erwartet hatte. Vorerst würde er den Hauptmann aber nicht unterbrechen oder irgendetwas sagen. Solche Typen liebten es ihren einstudierten Text runter zu beten und sie hassten es wenn man ihnen ins Wort fiel.
      Nach einer gefühlten Ewigkeit hielt er endlich den Mund, was Marudan nur zu sehr begrüßte. Doch sagte er vorerst nichts. Er stand nur langsam auf und ging zur Truhe rüber. Das war tatsächlich eine Menge Gold. Gold welches Marudan nicht annahm. Das empor geflogene Gold nahm er nur um es wieder in die Truhe zu legen und den Deckel zu schließen ehe er sich mit verschränkten Armen den Hauptmann zu wandte. Die Augen beider führten einen regelrechten Kampf aus, doch grinste Marudan bissig und nahm einen der Soldaten den Helm ab. Ein edel geschmiedeter Helm der mehr Prunk als Schutz bot.
      Marudan hielt diesen mit beiden Händen vor sich, ehe er kräftigt zu drückte und den Helm dabei tatsächlich so verbieten konnte, dass der Soldat diesen nicht mehr aufsetzen konnte. Danach warf er diesen in eine Ecke und nickte.
      "Ihr wollt meine Expertise? Lasst die sinnlose Vergoldungen weg. Konzentriert euch auf den Nutzen statt auf die Angeberei und schon wird euer Schmied die selbe Qualität erreichen. Dafür braucht ihr keinen Dorfschmied."
      Doch eine Sache machte Marudan stutzig, lies es aber hinaus als würde er die Intelligenz der Informationsquelle in Frage stellen.
      "Ich soll euren Kampfmeistern zeigen wie man sie benutzt? Hat man in der Königsstadt etwa verlernt wie man sich eine Rüstung anzieht? Ich bin Schmied. Keine Kammerzofe. Der Nutzen einer Rüstung besteht darin sie anzuziehen und sich bewegen zu können. Da gibt es nichts zu erforschen, nur zu feilen. Sagt das eurem Hofschmied und ihr erspart euch diese Goldmünzen. Oder ist diese Aufgabe zu ehrlos für jemanden wie... Sie?"
      Marudan verschränkte wieder ablehnend die Arme und gab dem Hauptmann keine Gelegenheit im Gespräch die Oberhand zu gewinnen. Immerhin kannte er die kleinen Tricks nur zu gut.
      "Wenn der König all das tatsächlich von sich gegeben hat, dann beweist Ihr damit nur, dass er auf das Dorf und all diesem Geschwafel von Ehre und Lob einen scheiß gibt. Wäre es anders, hättet ihr mich schon auf dem Platz erkannt. Da Ihr das aber noch immer nicht tut, hat der König mich bereits vergessen. Ich bin nicht ohne Grund aus dessen Dienste getreten. Ich habe nicht vor wieder in dessen Dienste zurück zu kehren."
    • General Peamut beobachtete Marudan in seiner gleichgültig wirkenden Pose. Er hatte bisher bis auf seine Augen keine Gefühlsregung gezeigt und auch jetzt schien er sich für nichts zu interessieren, was Marudan tat, aber als dieser den Helm zerdrückte, löste das doch ein Stirnrunzeln bei ihm aus. Er fing den Blick des nun helmlosen Soldaten auf, der sich versteift hatte und den General eindringlich anstarrte. Er schien nur darauf zu warten dem Schmied seine Anstandslosigkeit aus dem Leib zu prügeln, aber ohne des Befehls seines Vorgesetzten rührte er sich nicht und Szeth würde diesen Befehl auch nicht geben. Zumindest noch nicht. Er beobachtete Marudan und versuchte zu erkennen, was in dessen Kopf vorgehen mochte. Was waren seine Wünsche, seine Ängste? Er zeigte rebellische Neigungen, das war ganz klar zu erkennen an seinem mangelndem Respekt vor den königlichen Soldaten und der Weise, wie er über die Wünsche des Königs und ihn selbst sprach. Aber woher kamen diese Neigungen und was war das Ziel, das er damit verfolgte? Ging es ihm nur um den König oder die Krone? Wollte er selbst die Führung übernehmen, eine Machtposition innehaben? Wollte er einen Aufstand anführen - war Melora ein Rebellendorf?
      Szeth richtete sich nun auch auf, das Sitzen war ihm plötzlich unangenehm geworden. Er musterte Marudan eindringlich, bevor er zu dem helmlosen Soldaten sah.
      "Geh' deinen Helm holen, Soldat."
      Der Mann reagierte sofort und marschierte in die Ecke, wo er seinen Helm aufnahm, ihn sich unter den Arm klemmte und zurück auf seinen Platz ging. Szeth nickte den anderen Soldaten zu und sie schlossen die Truhe wieder. Dann wandte er sich wieder dem Schmied zu.
      "Ich werde über die Beleidigung hinwegsehen, mit der Sie den Hof als dumm bezeichnen. Ich werde auch über den mangelnden Respekt hinwegsehen, den Sie mir, meinen Soldaten und damit auch der Krone entgegen bringen. Wenn Seine Majestät nicht in solch wohlwollenden Tönen von Ihnen gesprochen hätte, sodass ich der Ansicht bin, dass Sie in seiner Gunst stehen, würde ich Sie wegen dieser beiden Tatsachen wegen Verrat an der Krone hinrichten lassen. Es ist ein Wunder, dass es niemand angeordnet hat, obwohl Sie ganz offensichtlich niemandem von ihrer Schmiedekunst erzählen wollten. Bei jemand anderem hätte man nicht zwei Mal darüber nachgedacht. Also wieso nehmen Sie das Gold nicht an, Herr Elric? Zweitausend Goldmünzen ist mehr, als so mancher Fürst besitzt. Damit könnten Sie Arbeitskräfte aus der Stadt kommen lassen, ausbauen, Häuser renovieren. Liegt Ihnen nichts an Ihrem Dorf? Ich höre nur gutes über Melora, soll das etwa in Zukunft nicht mehr so sein?"
      Er verschränkte die Hände hinter dem Rücken während er versuchte, mit seinem Blick in Marudan's Gehirn einzudringen.
      "Was verstecken Sie noch vor der Krone? Was ist es, das mehr wert ist als zweitausend Goldmünzen und eine Anstellung am Hof?"
    • Familie Peamut wie Marudan sie in Erinnerung hatte. Hörte nicht zu, sah alles als Beleidigung an und blickte auf andere hinab. Und auch wenn Marudan all das erwartet hatte, war es schwer sich nicht mit ihm anzulegen. Es gelang ihm aber dank seines herablassenden Gegenübers, da dieser Melora erwähnte. Marudan fing sich augenblicklich und schluckte seinen Stolz zum wohl des Dorfes. Doch niemals hätte er mehr gesagt als nötig. So ging er präzise auf all die Befugnisse des General's ein.
      "Ihr müsst verstehen. Ihr redet mit einem Schmied. Hier geht es ländlicher zu und nicht nach der von ihnen wohl gewohnten Rangordnung. Hier sagt jeder was er denkt und ein jeder hilft sich gegenseitig."
      Er wies auf die Kiste hin.
      "Ich kann das Gold nicht annehmen da unser Bürgermeister Rodon das Oberhaupt ist. Wir sind eine Gesellschaft und somit geht mein Ruhm unmittelbar an alle hier lebenden Dörfler über. Ihr wollt also Gold als Dank hinterlassen? Dann werdet ihr das Rodon sagen müssen. So viel zu diesem Thema."
      Dann ging er einen Schritt auf Szeth zu, wodurch diese nur noch gut zwei Meter voneinander entfernt standen und Marudan etwas leiser, dafür aber eindringlicher sprechen konnte.
      "Jedoch.. kann es sein dass Ihr ziemlich vorschnell richtet? Was genau habt Ihr so schnell als Beleidigung aufgefasst? Oder gar als respektlos gegenüber des Königs? Ich habe lediglich Fragen gestellt. Fühlt ihr euch beleidigt, so ist das nicht meine Schuld. Doch sagt mir, warum richtet ihr so schnell über mich ohne auf die eigenen Worte zu achten? Ehrvoll und schmeichelnd waren bisher nur die übertragenden Worte des Königs. So werde ich der Audienz zustimmen und gerne meine besten Rüstungen aufladen lassen. Ihr habt meinen Respekt bisher jedoch noch nicht verdient."
      Marudan musterte den General ein mal flüchtig um seine Worte zu untermalen
      "Ihr habt ohne Frage viele Dienste geleistet. Ihr habt jede Menge Soldaten unter euch und ihr habt in vielen Schlachten gekämpft. Und dennoch kommt ihr nach Melora und dennoch verhaltet ihr euch verachtend und herablassend."
      Nun hob Marudan sein leicht von Kohle und schweiß benetztes, ärmelloses Oberteil hinauf um dem General seine Seite zu präsentieren. So wurde schnell klar warum Marudan so mit dem General sprach und ebenso viel über den König wusste, sowie wohl eine Berechtigung hatte seinen Stolz in der Unterhaltung nicht weg geworfen zu haben.
      Es war ein Adler mit 3 Sternen welches er in seiner Haut tätowiert hatte. Das Zeichen eines General-leutnant. Nur einen einzigen Dienstgrad unter dem eines Generals. Und der fakt dass diese Tätowierung nicht mit einem Glüheisen überbrannt wurde, sondern darunter mit einem Kreuz, hieß, dass Marudan Ehrenvoll aus dem Dienst entlassen wurde. Er war kein Deserteur.
    • General Peamut betrachtete Marudan nun mit zusammengekniffenen Augen. Die Tätowierung, die ihm gezeigt wurde, hatte ihm einen verblüfften Gesichtsausdruck hervorgelockt, bevor er sich sogleich wieder gefasst hatte und seine stählerne Miene aufsetzte. War das also das Geheimnis, das den Schmied dazu veranlasste, das Gold nicht zu nehmen? Aber er hatte einer Audienz doch zugestimmt - nun sogar ohne das Gold. Das war beinahe zu offensichtlich, um nicht verdächtig zu sein. Was führte er im Schilde? Was waren diese Rüstungen, von der alle getuschelt hatten und wie war es diesem ehemaligen Soldaten gelungen sie herzustellen? Szeth wandte sich von Marudan ab und schritt an der Truhe entlang, die Hände noch immer hinter dem Rücken verschränkt. Sein Blick wanderte wieder zur Decke, die in diesem hellen Saal mit ihrer Schlichtheit geradezu perfekt wirkte. Sie war nicht auffällig, zog keinen Blick auf sich, aber dennoch vollendete sie den Raum, wie es eine verzierte Decke niemals geschafft hätte. Womöglich war sie ein wenig wie dieser Schmied, ein unbedeutender Dörfler, der gerade deswegen so gut hereinpasste. Kein anderer Schmied in dieser Welt hatte vollbracht, was er getan hatte, er, der aus unbekanntem Grund aus der Armee ausgetreten war. Was war sein Geheimnis dahinter? Was verbarg er vor der Krone?
      Szeth verlangte es nach Antworten. Er drehte sich wieder um und sah die versammelten Männer an, die Soldaten und den Schmied in seiner Mitte. Er wurde nicht schlau aus ihm und das ärgerte ihn. Er war nie ein großer Politiker gewesen, der mit seinen Worten um sich schleuderte wie andere mit ihrem Schwert und es ärgerte ihn noch viel mehr, dass er von diesem Mann nicht die Antworten erhielt. Er hatte damit gerechnet, dass man vor ihm niederknien würde und den Namen Seiner Majestät preisen würde, aber stattdessen erhielt er die Behandlung eines Händlers, der nicht die richtige Ware dabei hatte um auf dieser Basis zu verhandeln. Er hasste es. Er hasste den Schmied.
      Sein Finger richtete sich auf Marudan.
      "Verhaftet diesen Mann."
      Als ob die Soldaten nur darauf gewartet hätten, schossen sie vor und griffen sich den Schmied. Szeth setzte eine unbeteiligte Miene auf, als sie ihre Ketten hervorzogen, aber seine Augen loderten wie ein Großbrand. Er trat heran.
      "Marudan Elric, ich verhafte dich im Namen der Krone wegen Verleumdung und aufständischem Begehren. Du hast einen königlichen Soldaten angegriffen, was einschließlich mir vier Leute bezeugen können, und den Namen Seiner Majestät in den Schmutz gezogen. Dir wird vorgeworfen die Rüstungen absichtlich geheim gehalten zu haben, um deinem Königreich Schaden zuzufügen. Du hast dich respektlos gegenüber mir, meinen Männern und der Krone verhalten, was, im Zusammenhang mit deiner Wortwahl, auf rebellische Neigungen schließen lässt. Ich kann nicht verantworten die Krone der Gefahr eines Mannes auszusetzen, der ihr Schaden zufügen will und nehme dich deswegen in Gewahrsam. Du wirst dich vor einem Gericht verantworten müssen und bis dahin deine Zeit im Kerker verbringen. Bis dahin bist du mein Gefangener und es ist dir nicht erlaubt zu fliehen, Gewalt anzuwenden oder Waffen zu besitzen."
      Er nickte seinen Soldaten zu, die Marudan nach Waffen durchsuchen sollten und schritt dann zur Tür. Sie folgten ihm zusammen mit Marudan. Draußen hatte sich eine Menge versammelt, die nun erschrocken zurückwich, als sie Marudan in Ketten sahen. Szeth hob den Arm und spreizte vier Finger, woraufhin die Truppe an Soldaten rasch in Kampfhaltung überging und herbeigelaufen kam, um zum einen die Bewohner beiseite zu schieben und zum anderen dem General und seinem Gefangenen einen gesicherten Durchgang zu ermöglichen. Szeth erhob die Stimme, während er die kleine Gruppe voranführte.
      "Der Schmied Marudan Elric wird wegen Verleumdung und aufständischem Begehren gegenüber der Krone in Gewahrsam genommen! Jeder, der ihm Hilfe zusagt, wird als Mittäter entlarvt und unverzüglich hingerichtet! Sollten sich in diesem Dorf Personen befinden, die ihn unterstützt haben, so sollen sie sich jetzt zeigen und werden Strafminderung erhalten! Tun sie das nicht, werde ich sie ermitteln lassen und in einem halben Jahr zur Hinrichtung wiederkommen!"
      Er hob noch einmal den Arm und ballte die Faust, der Daumen lag außen. Sofort trennte sich eine Gruppe aus fünf Soldaten von dem Rest und kam herangelaufen. Der General zeigte zur Schmiede.
      "Beschlagnahmt sämtliche Rüstungen, die ihr finden könnt. Durchsucht die Häuser. Wir nehmen alles mit, was wie eine Rüstung aussieht."
    • Aradan, Cetra, Quin und Renera verblieben eine Weile an der Scheune und fragten sich wohl alle schweigend was in der Halle besprochen wird. Viel als zu warten blieb nicht übrig, so konnte Aradan sogar Rodon sehen wie dieser abgehalten wurde die Halle zu betreten, was hier so in dieser Form noch nie gesehen wurde. Das unwohle Gefühl breitete sich in Aradan immer weiter aus, doch dann fiel es in ein bodenloses Loch hinein, als er sah, wie sein Vater in Handschellen hinaus kam. Er wehrte sich nicht, sah dabei aber wütend aus. Auch wurde er jedes mal von den Soldaten grob geschupst wenn er diesen wohl nicht schnell genug weiter lief. Diese Szene war einfach zu viel für Aradan um sie rational abhandeln zu können. Er stand mit weit aufgerissenen Augen nur so da bis der General ebenso hinaus kam und ein Urteil verkündete.
      Verleumdung, aufständisches Begehren gegen die Krone? Von was sprach dieser Mann bloß? Der Schock ging wie eine Welle durch das gesamte Dorf. Keiner traute sich nach den Drohungen dem Urteil zu widersprechen, stattdessen machte jeder Dörfler sofort mehrere Meter Platz um den Soldaten jeden Schritt so leicht wie möglich zu machen. Dabei glaubte jedoch niemand dass Marudan tatsächlich rebelliert hat. Viel eher dachten sich jene, die ihn gut kannten, dass er vermutlich einfach wieder zu laut und forsch an die Verhandlungen ran ging.

      Cetra gab sofort ihr Bestes um Aradan zu beruhigen. Wenn dieser nun etwas dummes tun würde, könnte das ganz schnell den Untergang des Dorfes aus machen. So sah sie nicht zu ihm herab, sondern sprach stattdessen leise um die Soldaten nicht aufmerksam zu machen.
      "Bleib ruhig Aradan. Deine Gefühle können nun leicht wie das Wasser im Fluss überschwappen. Lass das nicht zu. Kontrolliere dich. Atme tief durch und sei dir dessen bewusst dass deinem Vater kein Todesurteil erfahren hat. Er wird lediglich mit genommen. Er wird also leben."
      Aradan hörte noch unter schock zu und versuchte so gut es ging ihren Worten zu folgen. Er atmete so gut es ging durch, wobei seine Atmung schon recht zittrig war.
      Auch Quin legte seine Hand auf Aradan's Schulter um ihn im schlimmsten Fall zurück halten zu können.

      Dann kam der nächste Befehl. Alles sollte durchsucht werden und jede Rüstung sollte mitgenommen werden?! Wie sollte sich das Dorf so noch gegen die Monster wehren?! Da hätten die Soldaten das Dorf auch gleich abbrennen können.
      Rodon war der selben Ansicht und rief zum General
      "Alle Rüstungen?! Wie sollen wir die Grenze halten wenn ihr uns alle Mittel zur Verteidigung nehmt? Fällt dieses Dorf, wird sich diese Monster Pest ausbreiten wie Unkraut. Wäre das im Interesse des Königs?"
      Rodon äußerte seine Worte gefüllt mit Sorge um klar zu machen dass es nicht nur dem Dorf schaden würde. Doch dann schlug ein Soldat Rodon mit seinen eisernen Handschuhen so kräftig ins Gesicht, dass Rodon in den Dreck fiel und aus dem Mund blutete.
      "Du hast gefälligst den Anordnungen zu gehorchen!"
      Äußerte der Soldat verächtlich auf Rodon herab und blickte direkt danach in die Runde ob noch jemand die selbe Behandlung haben wollte.

      Kurze Zeit später kam einer der 5 Soldaten aus der Schmiede raus und rief dem General zu.
      "General! In der Schmiede gibt es 2 Betten. Der Schmied hat eine Frau und mindestens ein Kind."
      Unmittelbar danach trat auch schon Reona aus der Menge hervor. Sie war dem General recht nah. Grade mal 8-10 Meter entfernt sprach sie ihm entschlossen entgegen.
      "Ich bin Reona Elric. Ich werde freiwillig mitkommen und meinen Mann begleiten. Nur behandelt bitte meine Werke mit Vorsicht. Teilweise sind Schriften für den König darunter und Rezepte der Alchemie und Kräuterkunde für die Alchemisten am Hof. Mein Name dürfte dem König, oder zumindest eurem Hof bekannt sein."
      Reona äußerte ihre Worte bewusst unterwürfig und hoffte zumindest in diesem Fall auf Verständnis. Immerhin war es die Wahrheit. Bis auf das was folgte.
      "Aber ein Kind haben wir nicht mehr. Es verstarb im letzten Winter an einer schlimmen Krankheit. Wir konnten uns noch nicht dazu durch ringen dessen Habseligkeiten zu entledigen. Bitte habt Verständnis"
    • General Szeth Peamut drehte sich zu dem Bürgermeister um, der ihn von hinten angeschrien hatte. Er war schon von einem Soldaten zurechtgewiesen worden, aber es fachte die Wut des Generals dennoch weiter an. Ein Dorfbürgermeister stellte ihn, dem Abgesandten der Krone, in Frage? Hatte er etwa die gleichen Neigungen wie der Schmied, steckten sie unter einer Decke? Das wäre nicht allzu verwunderlich, zumal er aus den Gesichtern der Bürger schließen konnte, dass der Schmied ein hohes Ansehen genießen musste. Wie weit war es also noch davon entfernt, von einer rechtmäßigen Festnahme in einen Aufstand überzugehen? Konnte er vor der Krone verantworten einen Aufstand niedergeschlagen zu haben, der bis dahin noch gar nicht öffentlich gemacht worden war? Vielleicht konnte er sich herausreden, aber es würde in jedem Fall keine angenehme Folgen haben.
      Also musste er sich doch zurückhalten. Er trat vor den Bürgermeister, der sich vor ihm im Dreck wühlte und gleichzeitig ihm und dem Soldaten panische Blicke zuwarf. Was für ein Wrack. Was war nur los mit den Dörfern heutzutage?
      "Ihr habt doch eine funktionierende Schmiede, nicht wahr? Und ich vermute auch, dass euer Schmied in seinem fortgeschrittenem Alter klug genug war einen Lehrling auszubilden, oder nicht?"
      Er versenkte den Bürgermeister mit seinem loderndem Blick. Er hatte noch nie damit Probleme gehabt seine Miene lässig und gleichgültig wirken zu lassen, aber seine Augen hatten ihm stets seine Gedanken verraten. Er hasste sich dafür, dass er sie nicht unter Kontrolle hatte.
      Der Bürgermeister starrte ihn nur an und wischte sich das Blut von den Lippen. Szeth wandte sich wieder ab, als er gerufen wurde. Die Soldaten hatten mittlerweile die Schmiede durchsucht und angefangen die Rüstungen herauszutragen, während einer von ihnen von zwei Betten berichtete. Kurz darauf meldete sich schon die angebliche Frau des Schmieds und bot ihre Begleitung an. Szeth musterte sie, aber er konnte keine Gefahr an ihr erkennen. Die Kreaturen sollten ihn an dem Tag holen kommen, an dem er einer Ehefrau die Begleitung verbot.
      "Kanat, begleite die Frau zu ihrem Mann."
      Der angesprochene Soldat salutierte knapp.
      "Sollen wir sie auch in Ketten legen, Herr?"
      Szeth sah den Soldaten ruckartig an und kniff die Augen zusammen.
      "Welches Verbrechen hat die Frau begannen, um in Ketten gelegt werden zu müssen, Soldat?"
      Kanat besaß zumindest den Anstand unter den harschen Worten nicht zusammenzuzucken.
      "Keine, Herr. Ich habe verstanden."
      Er ging Reona entgegen, um sie zu den Wägen zu begleiten. Szeth richtete seinen Blick wieder auf sie.
      "Es steht Ihnen frei vor Gericht als Zeuge für Ihren Mann auszusagen, Frau Elric."
      Er sprach absichtlich lauter, dass ihn auch alle hören konnten.
      "Es ist allerdings nicht garantiert, dass diesen Aussagen Wert aufgelastet werden, nachdem Sie mit dem Angeklagten in familiärer Beziehung stehen. Sollten weitere Untersuchungen zu erkennen geben, dass Sie in die Taten Ihres Mannes mit verwickelt waren, werden Sie als weitere Angeklagte in den Prozess mit einbezogen. Bis dahin ist es Ihnen gestattet sich in der Stadt frei zu bewegen und Ihren Mann unter Aufsicht zu besuchen."
      Sowas hatte er noch gebraucht, eine hysterische Ehefrau, die versuchen würde ihren Gemahl zu befreien. Er würde sie gleich zum Quartiermeister abschieben, wenn sie angekommen waren, doch bis dahin würde er sie wohl als Zivilperson in seinen Schutz aufnehmen. Als ob er nicht schon genug Probleme hatte.
      "Sollte sich darüber hinaus herausstellen, dass Sie die Existenz etwaiger Kinder verleugnet haben, wird man Sie wegen Unaufrichtigkeit gegenüber der Krone anklagen. Dafür gibt es keinen Prozess, sondern eine Kerkerstrafe mit bis zu sechs Monaten, der auch Ihren Kindern zugeteilt wird, sollten sie sich im rechtsfähigen Alter befinden. Jetzt wäre die letzte Gelegenheit Ihre Aussage zu korrigieren."
      Die Soldaten hatten unterdessen damit angefangen die Schmiede auszuräumen und die Teile zu den Wägen zu transportieren. Auch die anderen Gebäude wurden jeweils knapp durchsucht, wobei man in fast jedem Haus Rüstungen zusammentragen konnte. Die Sammlung stapelte sich zum Schluss so hoch auf den Wägen, dass die Soldaten Mühe hatten sie unter der Plane festzuschnallen. General Peamut stand daneben und beaufsichtigte die Arbeit, während sich um ihn herum die restlichen Soldaten in einer Kreisformation positioniert hatten. Marudan hatte man auf den Wagen mit der Truhe gesetzt und der Soldat Kanat half Reona dabei es sich neben ihrem Gemahl gemütlich zu machen. Alles in allem war es ein sehr geordneter Ablauf, der weitaus milder funktioniert hatte, als er es sich vorgestellt hatte. Als die Soldaten sich schließlich gesammelt hatten und alles verstaut war, überlegte er noch ein letztes Wort an die Bürger von Melora zu richten, sie vor den Konsequenzen eines Aufstandes zu warnen oder sie an ihre Treue gegenüber der Krone zu erinnern. Aber er blickte in so viele entsetzte und erschütterte Gesichter, dass er es bleiben ließ und stattdessen seinen Helm wieder aufsetzte.
      "UMDREHEN - MARSCH!"
      Die Formation gehorchte seinem Gebrüll und machte auf der Straße kehrt, ehe sie durch das Tor wieder nach draußen ging. Dieses Mal befanden sich die beiden Wägen in der Mitte, während außenrum die Soldaten in Kleingruppen marschierten. Der General überwachte die Formation und ging schließlich als letzter durch das Tor nach draußen.

      Renera verstand nicht so recht, was gerade passiert war. Eigentlich war doch das Auftauchen von Soldaten stets ein gutes Zeichen, oder etwa nicht? War es nicht eine gute Sache, dass die Krone ein Auge auf Melora zu werfen schien? Aber sie hatten ihnen die Rüstungen genommen und auch noch den Schmied - nur sein Sohn war noch hier. Sie sah zu Aradan der neben ihr stand und drückte seine Hand. Was würde er nur ohne seine Eltern tun?
    • Monster: Puppenspieler

      Puppenspieler.jpg
      Geschwindigkeit: Sehr Langsam
      Stärke: Stark
      Kampfmittel: Kann die Gedanken des Opfers manipulieren. Nutzt zwei Greifarme um Opfer zu greifen und zu fressen.
      Eigenschaften: Läuft langsam und muss bis auf mindestens 50 Meter an sein Opfer kommen um die Gedanken manipulieren zu können.
      Kampftaktik um sie zu besiegen: Blickkontakt mit den Augen vermeiden. Im Fernkampf die Augen ausschalten.
      Sinne: Sie können in tiefster Nacht sehen und verstärken ihre mentalen Fähigkeiten durch das Fressen ihrer Opfer. Können nichts hören oder riechen, dafür Vibrationen in näherer Umgebung über die Beine wahrnehmen.
      Verhalten: Streifen bevorzugt durch tote Wälder um sich selbst als Baumstumpf zu tarnen. Müssen mindestens ein mal in der Woche fressen, sonst besitzen sie keine mentalen Fähigkeiten.
    • Verstörte und hoffnungslose Gesichter blieben im Dorf zurück. Kaum einer bewegte sich oder sagte etwas als die Soldaten wieder gingen. Sie waren nun absolut hilflos und würden sich nicht mal gegen eine Horde Wildschweine wehren können. Man hatte sie regelrecht zum Tode verurteilt.
      Rodon saß noch immer auf dem Boden und blickte hinab. Cetra und Quin blickten den Soldaten eher zornig hinterher. Aradan selbst war noch immer geistesabwesend und blickte einfach nur ins Leere.

      Doch dann änderte sich alles. Ein lauter Schrei eines Mannes holte alle Dörfler wieder ins hier und jetzt zurück. Wo kam der Schrei her? Dieser ertönte kurz darauf erneut. Dieses mal war klar, er kam von außerhalb der Tore. Dort wo die Soldaten waren. Was sich dort abspielte war grauenvoll. Einer der vordersten Speerträger hatte seinem benachbarten Soldaten seinen Speer durch den Magen gejagt, zog daraufhin sein Schwert und stach immer wieder auf ihn ein.
      "WIE KANNST DU ES WAGEN?!? MEIN SOHN HAT DIR NICHTS GETAN !! DU SCHWEIN !!"
      Absolut keiner wusste was grade passierte. Da schrie der nächste Soldat etwas weiter daneben auf, welcher ein Schwert in den Rücken gebohrt bekam. Der führende Soldat dieses Schwertes fing ebenfalls wutentbrannt an zu schreien.
      "ICH HABS GEWUSST! ALL DIE JAHRE HAST DU DAS SCHON GETAN?! VERGELTUNG !!!"

      Beide Soldaten mussten von je zwei anderen überwältigt werden. Sie waren regelrecht aus dem Nichts wahnsinnig geworden und ließen einfach nicht davon ab den bereits verstorbenen Soldaten weiter schaden zu wollen.
      Und dann schrie eine dritte Person. Doch dieses mal wurde sie nicht von den eigenen Leuten attackiert.. sondern wurde gefressen. Gefressen von einem... Baumstumpf?! Doch dann wurde es klar. Grade mal 20 Meter neben dem Handelsweg, welchen die Soldaten nahmen, stand ein Puppenspieler. Ein ausgewachsenes Exemplar obendrein. Diese Dinger konnten in einem wohl genährten Zustand bis zu 10 Menschen so manipulieren, dass sie Wahnsinnig wurden und die eigenen Reihen angriffen. Puppenspieler waren unter den vielen Arten an Wesen eine der gefährlichsten Sorte. Wenn man dessen Augen nicht schnell ausschalten würde, gab es schnell keine Möglichkeit mehr diesen Dingern Herr zu werden. Zudem wusste man nie ob man nicht längst selbst unter dem Einfluss stand und grade einen Pfeil auf einen verbündeten abfeuerte.
      Es war kaum möglich eine ordentliche Formation einzunehmen als das Chaos erst einmal ausgebrochen war. Kaum stand der erste Versuch sich zu formieren, brach immer wieder ein Soldat brüllend aus und griff den Nachbarn an.

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    • Der General wirbelte zu seiner Truppe herum. Zwei Soldaten hatten sich gegenseitig angefallen, ein dritter fiel der Kreatur zum Opfer, die dafür verantwortlich zu sein schien: Ein Puppenspieler. General Peamut verfluchte den Tag, an dem er sich bereit erklärt hatte nach Melora zu reisen.
      "ZU BODEN SEHEN, MÄNNER! SCHILDE HOCH, BOGENSCHÜTZEN NACH HINTEN!", donnerte er und seine Stimme erreichte die meisten von ihnen, aber eben nicht alle. Mit Grauen konnte er hören, wie die Kreatur hinter ihm sich in die Rüstung des Soldaten verbiss, die nach kurzem Rasseln mit einem Knacken nachgab und das Schreien des Soldaten erstickte. Weiteres Knacken und ein fleischiges Schmatzen zeugten davon, dass die Kreatur sich durch den Körper fraß. Das Geräusch jagte selbst dem General eine Gänsehaut über den Körper.
      Nicht alle, die dem Einfluss der Kreatur unterworfen waren, hatten die gleiche Reaktion. Kanat, der mittelalte Soldat, der bereits in Szeth's Zeit als Offizier in seiner Truppe war, wurde leichenblass, als er in die Augen des Puppenspielers blickte und zu schlottern begann. Seine Beine gaben bald unter ihm nach und er fiel auf die Knie, die Augen in einem unmenschlichem Entsetzen weit aufgerissen, den Blick auf etwas errichtet, was niemand anderes sehen konnte. Ein anderer, Truic, ergriff kurzerhand sein Schwert und schlitzte sich die eigene Kehle auf. Sein Nachbar stieß erst einen Schrei aus und fing dann an zu schluchzen.
      Szeth fluchte.
      "UMDREHEN!"
      Der gesunde Teil seiner Truppe gehorchte, während sie zu den verrückten Abstand halten wollten, als wären sie ansteckbar. Szeth dachte fieberhaft nach, während er zu zwei kämpfende Soldaten ging, den einen durch einen gezielten Tritt in die Kniekehle zu Boden brachte und dem anderen sein eigenes Schwert in den Schlitz des Visieres rammte. Der Soldat am Boden versuchte sich nun an Szeth auszulassen, aber der grunzte nur und rammte ihm seinen Schwertknauf gegen die Stirn. Der Mann sackte zusammen. Er würde ihn hierlassen müssen, seine lebenden Männer hatten Vorrecht.
      "FESSELT DIE WAHNSINNIGEN, DREHT EUCH NICHT UM! NIEMAND BIS AUF DIE SCHÜTZEN ZIEHT SEINE WAFFE! PFEIL ANLEGEN!"
      Wie konnte er dieses Ding fällen, ohne weitere Männer zu verlieren? Er hörte das leise Knarzen, als es sich hinter ihm bewegte. Er würde hinsehen müssen. Er musste den Schützen sagen, wohin sie zielen sollten.

      Im Dorf wurde die Glocke ein weiteres Mal geläutet, ehe ein Wachposten im Turm schrie: "Puppenspieler!" Sofort rottete sich eine Gruppe an Schützen vor den Wachtürmen zusammen, um das Monstrum in Beschuss zu nehmen. Aber der Wachposten war noch nicht fertig. "Es hat die Soldaten angegriffen!"
      Da ging ein Raunen durch die Runde. Sie mussten Marudan retten, sie könnten die Rüstungen zurückholen, sie sollten die Soldaten ihrem Schicksal überlassen. Selbst der Hauptmann, der sich zu der Gruppe gesellt hatte, wirkte plötzlich tief nachdenkend, als ob er seine Möglichkeiten überdenken würde.
      Cetra schnaubte verächtlich. Die Ereignisse hatten sie aufgewühlt.
      "Erst eine Spinnenmutter und dann auch noch ein Puppenspieler? Ich werde die anderen Prüflinge einsammeln gehen, die Gegend ist nicht sicher."
      Sie zeigte auf Aradan und Renera.
      "Ihr beiden bewegt euch nicht vom Fleck. Bringt euch in Sicherheit, wenn es sein muss."
      Sie lief los um nach Wilk zu suchen, mit dem sie sich bald in einen lebhaften Streit verwickelte.
    • Was würde heute noch passieren? Das war wohl die Frage vieler im Dorf als die Glocken geläutet wurden und ein Puppenspieler gemeldet wurde. Es war der reine Überlebenswille der Wachposten und die Befehle des Hauptmanns, welche die meisten im Dorf wieder aus ihrer Schockstarre gerissen hatte. Und das war ganz klar nötig. Rodon stand ebenso wieder auf und schlug sich zwei mal kräftig mit den flachen Händen in sein Gesicht und orderte anschließend sofort geistesgegenwärtig an, die Tore unverzüglich zu schließen. Er selbst lief noch zu den Toren und half dabei, nur um dem General als aller letzter in die Augen sehen zu können. Gerechtigkeit, sprach dieser Blick. Rache in Form von Monstern um den Zorn des Dorfes über die Soldaten nieder gehen zu lassen.
      "Salkiv! Es wird nicht geschossen! Lasst den General und seine Männer spüren wie sich Gerechtigkeit anfühlt."
      Es war ein direkter Befehl des Bürgermeisters an den Hauptmann. So hatte man Rodon selten erlebt. Er nahm die anfängliche Demütigung des Niederschlags und wandelte sie in Rache um.
      Warum auch nicht. Puppenspieler konnten nicht klettern. Dieses Wesen war also nur eine Gefahr für alle vor den Mauern und somit nicht für die Dörfler. Einzig und alleine Marudan und Reona waren die große Sorge. Doch auch da schien sich nun ein kleines Licht der Hoffnung zu öffnen. So war es Quin der seinen Umhang ablegte und in voller Wolfsmontur da stand. Es war eine edle tiefschwarze Lederrüstung mit mehreren Wurfmessern an der Brust, zwei Kukri's an der rechten Seite und ein Langschwert auf der Linken. Seine Fingerknöchel zierten zwei solide Fäustlinge aus Stahl. Er pfiff zum alten Rodon rüber, welcher sich zu dieser Richtung drehte und eine erhobene Hand sah
      "Gebt mir Deckung. Zeit dem Königreich zu zeigen was wir von deren Entscheidungen halten."
      Erst wollte Rodon ihn zurück halten, doch war es tatsächlich eine gute Gelegenheit Marudan und Reona zurück zu kriegen. Es durfte nur kein einziger Soldat übrig bleiben. So hätte man diese im Nachhinein einfach auf dem Feld vor der Mauer verteilen können und es auf die Monster schieben. So segnete Rodon es schließlich mit einem nicken ab, was Quin sofort los sprinten lies. Dieser Kerl war flinker als Aradan, was er damit beweiste wie schnell er ohne jede Mühe an zwei Hausmauern so absprang, dass er im nu auf dem Dach war und von dort an von Dach zu Dach sprang um viel schneller auf die betroffene Mauer zu kommen, welche er sofort überwand und auf der Seite der Soldaten stand.
      Auf Quin's Gesicht legte sich schon die Vorfreude. Die Angst der Soldaten war wie süßer Honig für diesen Mann. Doch bevor er loslegen würde, griff er sich in die Tasche und holte eine schwarze Maske hervor, welche er sich über das Gesicht zog. So konnte der Puppenspieler keinen Blickkontakt mit Quin aufbauen, was diesen aber ohnehin nicht störte. Die schwarze Maske passte perfekt zu seiner übrigen Montur und zierte sogar die Zähne eines Wolfes im Mundbereich.
      Erst jetzt legte Quin los. Die Soldaten reagierten ebenso schnell da es unschwer zu sehen war dass diese Quin's Ziel waren. Doch landeten sie einfach keinen einzigen Treffer. Dieser Mann bewegte sich wie ein wildes Tier und schlug mit seinen Fäustlingen so stark zu, dass sich die Rüstung der Soldaten beulte. Ganz zu schweigen von den Weichteilen, die er bevorzugt attackierte. Beinahe wirkte es so als würde Quin seine Feinde fressen wollen, da er manche regelrecht mit Griffattacken zu Boden rang und ihnen die Gliedmaßen in einer flüssigen Bewegung brach ehe er schon den nächsten anfiel.
      So standen die Soldaten sehr schnell in einer Lebensbedrohlichen Situation. Auf der einen Seite war es die eigene Reihe die immer wieder dem Puppenspieler verfielen und auf der anderen Seite war es Quintus Parabelum.
    • Der General drehte sich zu dem Monster um, doch auf halbem Weg bemerkte er eine Bewegung aus den Augenwinkeln und wandte den Kopf. Er sah, wie sich die Tore von Melora schlossen, angeführt von dem blutigen Bürgermeister, der ihn vor ein paar Minuten noch furchtsam vom Boden aus angestarrt hatte. Derselbe Mann war der letzte, der durch den Spalt des Tores zu ihm hinaussah, bevor auch er verschwand.
      Verrat. Er hatte nicht erwartet, dass man ihm helfen würde, er hatte fünfzig Männer, die sich gut selbst helfen konnten, aber diese Geste sprach Bände über die Moral dieses Dorfes. Er würde dem König berichten müssen, ja er würde sogar dafür sorgen müssen, dass die anderen Dörfer nicht diesem Beispiel folgten. Er würde sich um den anbahnenden Aufstand kümmern müssen.
      Doch zuerst war das Monstrum dran. Kurzerhand entschloss er sich dazu, die Flucht zu ergreifen. Er hatte schon über fünf Männer verloren, drei von ihnen waren kampfunfähig und das nur in wenigen Minuten. Wenn er sie retten wollte, musste er den Kampf hier beenden.
      Er brüllte seinen Marschbefehl und die Truppe setzte sich in Bewegung, allesamt den Rücken zu der Kreatur gewandt und nun in die andere Richtung marschierend. Sie würden einen Umweg machen, der sie wahrscheinlich ein paar Stunden dauern würde, aber das war nicht weiter schlimm.
      Sie setzten sich gerade in Bewegung, als eine Gestalt vor dem Dorf auftauchte und auf sie zugelaufen kam. Szeth, der sich vergewisserte, dass die Kreatur auf Abstand bleiben würden, blieb stehen und blickte der Gestalt entgegen, in der Erwartung, sie hätten ihm einen Boten geschickt. Sicher würden sie etwas sagen wie "Wir sind machtlos ohne unsere Rüstungen, sonst würden wir Euch helfen" oder "Leider haben wir nicht genug Kämpfer hier um Euch zu unterstützen", Ausreden, die er schon auswendig kannte. Aber als die Gestalt näher kam entdeckte er, dass es alles andere als ein Bote war. Viel eher war es ein Wolf.
      Der Wolfsmann, wie man sie in den Städten nannte, warf sich mit einer Macht auf die Soldaten, die an eine Kreatur angrenzte. Er wich den Hieben aus als wäre er leichter als der Wind und verteilte Schläge, die kraftvoll genug waren, um ihre Opfer sofort zu Boden zu schicken. Die Soldaten nahmen eine geordnete Formation an, sauber und präzise, so wie es die Lehren vorschieben, aber selbst als man den Wolfsmann umzingelte, ließ er sich noch immer nicht treffen. Szeth fluchte erneut, als wieder zwei Soldaten zu Boden gingen und sich von dem Angriff krümmten. Ihre Rüstungen versprachen zwar Schutz vor lebensbedrohlichen Schlägen, aber wenn sie am Boden lagen, hatte man ein leichtes, ihnen ein Ende zu bereiten.
      Das musste er verhindern. Er vergewisserte sich ein weiteres Mal, dass die Kreatur zurück blieb und rannte zu dem Wagen. Der Schmied war noch nicht weit gekommen, die Ketten hinderten ihn an großen Bewegungen und Szeth hatte den einzigen Schlüssel. Er packte ihn am Oberarm, riss ihn zu Boden und zog sein Schwert, ehe er seinen Kopf an den Haaren hochzog und die Schwertspitze an seinem Nacken ansetzte. Sicher würde er ihm die Grobheit verzeihen, schließlich stand das Leben seiner Soldaten auf dem Spiel.
      "WOLFSMANN!"
      Er brüllte laut genug, dass auch alle in Melora ihn hören konnten. Sie mussten mitbekommen, dass er ihren liebsten Schmied bedrohte.
      "STELLE DEINE ANGRIFFE EIN ODER ICH WERDE DEN EINZIGEN MANN TÖTEN, DER ES IN DEINEN AUGEN WAHRSCHEINLICH NICHT VERDIENT HAT ZU STERBEN!"
      Er hielt Marudan fest gepackt, als ihm eine noch bessere Idee kam und er ihn in die Richtung des Puppenspielers drehte. Er selbst sah nicht hin.
      "SOFORT! DENKST DU ETWA ICH WEISS NICHT, WER DU BIST?! DER GANZE STAAT SUCHT NACH EUCH! ERGIB DICH IM NAMEN DER KRONE ODER SEI FÜR ZWEI WEITERE UNSCHULDIGE LEBEN VERANTWORTLICH!"
      Konnte er einen Wolfsmann bezwingen? Er konnte es versuchen, aber die Chancen standen schlecht. Die Wolfstruppe war nicht gerade dafür bekannt sich an gängige Schlachtregeln zu halten und dazu gehörten auch Formationen, Kampfhaltungen und besonders Angriffsbewegungen. Gegen einen Wolfsmann zu kämpfen war in etwa so, als wollte man einen Läufer im Rennen schlagen. Sicher war es machbar, wenn man die richtigen Leute dafür auswählte und sich eine Strategie ausdachte, aber sogar für einen General würde es schwierig werden, wenn er nicht vorher seine Wolfsfallen ausgelegt hatte.
      Und bis auf den Schmied hatte er keine.
    • In dem ganzen Trubel setzte sich der Puppenspieler langsam in Bewegung um den Abstand wieder zu verringern. Zwar waren die Soldaten noch auf einer Reichweite die es dem Wesen ermöglichte seine Fähigkeiten zu nutzen, doch viel fehlte nicht mehr, also bewegte das Monster seinen knarzigen Körper und schritt voran wie ein altersschwacher Esel. Kaum vorstellbar wie gefährlich diese Puppenspieler gewesen wären, hätten sie noch eine flinke Fortbewegung gehabt.

      Der Wolfsmann setzte indes seinen Ansturm fort und lies sich durch nichts aufhalten. Bis zum Karren mit Marudan war es jedoch noch ein weiter Weg. Auch Reona sah sich einige male um, dabei niemals weit genug in Richtung des Puppenspielers blickend, doch fand sie ebenso keine geeignete Möglichkeit irgendwie zu helfen. Sogar Marudan wies sie mit einem schüttelnden Kopf darauf hin dass es keinen Sinn machen würde. Seine Ketten waren zu dick und ohne geeigneten Schlüssel könnte man sie nicht öffnen.
      Mit jedem weiteren Soldaten den Quin hinter sich lies, stieg Reona's Hoffnung trotzdem immer ein bisschen höher. Doch dann packte der General Marudan's Kopf und hob diesen auf seine Meine. Reona war empört, konnte aber nichts an der Situation ändern. Marudan selbst konnte sich schon denken was der Zweck dahinter war und schloss sofort seine Augen.
      Der General bestätigte schnell Marudan's Vermutung indem er Quin genau das entgegen rief, was ihn in diesem Moment hätte stoppen können. So blieb dem Wolfsmann nichts anderes übrig als sich mit seinem Rücken weiterhin zum Puppenspieler auszurichten damit die Soldaten wenigstens keine Chance hatten ihn effektiv anzugreifen. Er würde aber keinesfalls dem Befehl nach kommen sich zu ergeben. Lieber würde er jeden im Dorf opfern und ebenso Marudan als lebendig zurück zur Königsstadt zu gehen. Vielleicht würde sich aber noch eine kleine Chance preisgeben. Schon ein einziger Läufer würde reichen um die Karten neu auszulegen.
      Und fast wie erwünscht kam es, dass sich zwar kein Läufer einmischte, dafür aber der junge Aradan. Er hatte es geschafft das Training zu seinem Vorteil zu nutzen und sich unter den Augen der aufgebrachten Menge davon zu schleichen, die Mauer zu überwinden und geradewegs auf den General zu zu schleichen. Dabei trug er einen Dolch und war so auf den General fixiert, dass ihm wohl nicht aufgefallen war, dass der General ihn längst bemerkt hatte.
      Aradan sprang als er nah genug war auf den General zu, doch landete er nicht wie geplant auf dessen Rücken, sondern nach einer schnellen Drehung des Ziels, geradewegs in dessen ausgestreckten Hand, die sich feste um den Hals von Aradan legte. Der Junge bekam augenblicklich keinen einzigen Luftzug mehr zu Stande und zappelte herum, bis sich schnell ein stechender Schmerz in seinem Bein auf tat. Es war sein eigenes Messer, welches in seinem Bein ruhte. Der General hatte es ihm abgenommen und direkt hinein gejagt.

      Über die plötzliche Aktion überrascht, hatte Quin seine Maske abgezogen um die Lage besser überblicken zu können, doch was er sah hatte ihn für einen Moment so aus seiner Konzentration gerissen, dass er nicht bemerkte wie sich schon ein Soldat weit genug angenähert hatte und mit seinem Speer im vollen Zug durch Quin's Gesicht zog. Sofort wurde Quin klar dass es ein kritischer Hieb war und er in diesem Moment höchst wahrscheinlich ein Auge für seine Ablenkung geopfert hatte.
      Direkt hielt er sich die Seite des Gesichts mit einer Hand und sorgte dafür dass der Soldat zum Puppenspieler blicken würde. Als das geschafft war, nutzte Quin die Zeit, ungeachtet der Befehle des General's, um vom Schlachtfeld zu fliehen.
      Aradan wurde anschließend noch mit einem gezielten Schlag in die Ohnmacht befördert und anschließend auf den Karren zu Reona und Marudan geworfen.

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    • Renera Elquin



      Alter: 32
      Herkunft: Dorf Erathis, Herzogtum Derrhin
      Beruf: Forscherin (inoffiziell)

      Werdegang: Renera hat eine erweiterte Ausbildung im Kampf gegen Kreaturen in Melora genossen und ist hinterher in die Armee gegangen, in der sie für sieben Jahre unter den Flaggen der Herzogtümer Prethar, Avriban und dann Vihris kämpfte. Sie erhielt eine Grundausbildung im Formationskampf und eine ergänzende Ausbildung im Schwertkampf, nachdem sie schon Waffenerfahrung besaß. Sie besetzte Posten einmal in der leichten Infanterie und einmal in der Kavallerie, sie arbeitete als Botin, Geleitschutz und Wächterin, wurde durch ihre besonderen Vorkenntnisse nach fünf Jahren zum Truppführer befördert und erlangte nach eigenem Wunsch eine Stelle als Leibwächterin. Sie desertierte nach sieben Jahren und floh vor den Gesetzeshütern ins Ausland, wo sie sich als anerkannte Kampfmeisterin ausgab und Adelige im Kampf unterrichtete. Sie wechselte den Ort stets rechtzeitig, bevor man ihren Betrug durchschaute. Nach drei Jahren bot sie diese Lehren auch einem Dorf an, das unter der schieren Anbahnung von Kreaturen zu fallen drohte. Sie versagte bei dem Versuch das Dorf vor seinem Schicksal zu retten und zog weiter ins nächste, um es rechtzeitig ausbilden zu können. Aus dieser Verhaltensweise wurde bald ein Muster bei dem sie versuchte, den Kreaturen zuvor zu kommen und die Dörfer in ihrer Verteidigung zu schulen. Zwei Jahre verbrachte sie in diesem Muster bevor sie anfing die Verhaltensweisen der Kreaturen in einem Buch zeichnerisch darzustellen, um neuen Auszubildenden schneller helfen zu können. Sie interessierte sich bald für die Vollendung ihrer Kreaturensammlung, um so viel Wissen wie nur möglich weiterzugeben und änderte ihre Strategie, indem sie den Kreaturen nachreiste. Sie verbrachte zwei weitere Jahre mit einem langen und zermürbendem Einzelkampf gegen Kreaturen, bei dem sie stets versuchte die Umgebungen von Dörfern freizuhalten und sich dadurch ihren Lohn zu verdienen, indem sie für die Säuberung der Gegend Verpflegung und Unterkunft verlangte. Die Beziehung zu einem dort ansässigem Offizier verschaffte ihr Zugang zum kaiserlichen Hof, wo sie die Möglichkeit erhielt, einen tatsächlichen Titel zur Kampfmeisterin zu erhalten. Sie verbrachte ein Jahr mit den Lehren, bevor ihre Ruhelosigkeit sie wieder in die Wildnis trieben und sie das Land hinter sich ließ, um ihr Buch zu vervollständigen.

      Fähigkeiten: Renera besitzt eine umfassende Waffenkenntnis und beherrscht alle gängigen Einhandwaffen, wenngleich sie zwei Kurzschwerter noch immer bevorzugt. Sie ist geübt darin in der Wildnis zu überleben, versteht sich im Deuten von Vogelverhalten und besitzt ausgeprägte Reitkünste durch ihre Zeit in der Kavallerie. Sie besitzt Grundwissen über grundlegende Heilpraxen und kann Landkarten lesen.

      Stärken: Renera ist im Kampf geschickt, schnell und geistesgegenwärtig. Sie nutzt ihr Wissen im Einklang mit ihrem schlanken Körper um ihrem Gegner ein möglichst kleines Zielfeld zu bieten. Sie kann sich an Situationen entsprechend anpassen und agieren, ihre Selbstsicherheit unterstützt sie sowohl im Gefecht als auch beim bewältigen von zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen.

      Schwächen: Renera schafft es nicht, einem anderen Menschen Schmerzen zuzufügen, was sich in ihrer Kindheit anberaumt und in der Armee gefestigt hat. Sie geht Konfrontationen mit Menschen aus dem Weg oder fügt sich; Wenn es doch zu einem Gefecht kommt kämpft sie lediglich defensiv. Mit der Armee hat sich dieser Zwang erst ausgebildet, bei dem sie sich dazu drängen muss andere zu verletzen um nicht selbst Schaden zu nehmen. Sie verfällt dann oft in eine Starre, aus der sie sich nur schwer befreien kann. Trotz ihres Buches hat sie nie lesen oder schreiben gelernt.

      Ausrüstung: Zwei Kurzschwerter, eine Gürteltasche mit Salben, ihr Buch, eine einfache Lederrüstung und einen Lederbeutel mit Essensrationen, Gold, Feuersteinen, Waffenöl und einem Verband.

      Familie:
      Eltern: Fijena und Korth Elquin
      Geschwister:
      Ellaya, Schwester (30), Kavalleristin



      Anthea, Halbschwester (26), Gesetzlose



      Varus, Halbbruder (24), Straßenkünstler



      Edek, Halbbruder (23), ???
      Tysin, Halbbruder (21), Fußsoldat
      Cilla, Halbschwester (20), ???
      Ionor, Halbbruder (18), ???
      Edea, Halbschwester (15), ???



      Ehemalige Begleiter:

      Khilinarva Voctium (Kurz: Khil)


      Alter: 28
      Herkunft: Nethanan
      Beruf: Gesetzlose
      Ehemaliger Beruf: Renera's Gehilfin

      Charakter: Khil ist eine nachdenkliche Frau, die das Zuhören dem Reden bevorzugt. Sie erscheint oft geistesabwesend und unaufmerksam, ist aber aufgeschlossen, wenn sie die Person erst kennt, und zeigt Hilfsbereitschaft wo es nötig ist. Sie stellt gerne Fragen ohne die Antwort hören zu wollen.

      Fähigkeiten: Khil kämpft mit Messer oder Schwert, wobei sie Renera's Lehren befolgt und ihren schmalen Körper benutzt um wendig zu bleiben. Sie besitzt eine Begabung zum Schleichen und kann gut klettern. Wegen ihrem stillen Verhalten kann sie sich gut ungesehen in Menschenmengen mischen.

      Vorgeschichte: Khil und Renera lernten sich am kaiserlichen Hof kennen, wo Renera sie dazu überredete mit ihr zu kommen. Khil war eine Schreiberin des Kaisers gewesen und eine vorangegangene Gelehrte, die sich mit den alten Ritualien der Macht und der Weltgeschichte auseinandergesetzt hatte. Ihre Anstellung beim Kaiser war einem Glücksfall geschuldet, doch sie fand nach eigener Aussage seine Bücher als "zu begrenzt", wodurch sie Renera's Angebot annahm.

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    • Alter: 33
      Herkunft: Dorf Melora
      Beruf: Forscher

      Werdegang: Nach seiner unfreiwilligen Ankunft in der Königsstadt, musste Aradan lernen im Stadtleben klar zu kommen. Seine Eltern leugneten nach wie vor einen Sohn zu haben um ihm die ewige Knechtschaft zu ersparen. Anfangs noch überfordert und von Zorn und Hunger getrieben, verbrachte er die ersten 2 Monate in den Gossen. Kleine Botengänge brachten ihm immer ein wenig zu essen ein, bis ein Kapitän sich Aradan annahm. Dieser sorgte stets für üppigere Belohnungen und erkannte in Aradan das Potential die raue See überstehen zu können, also verließ der Junge schon nach dem dritten Monat das ihm gekannte Land auf einer Reise die ihn formen würde, wie er es nie für möglich gehalten hätte. Nach nur einem Jahr kannte Aradan bereits jeden Hafen des bekannten Kaiserreichs und festigte sein Talent im Umgang mit Waffen an jedem Tag auf offener See.
      Schon nach dem vierten Jahr trennten sich jedoch die Wege des Kapitäns und Aradan. Er verblieb in unbekannten nördlichen Ländern die nicht nur unabhängig des Kaiserreichs waren, sondern ihre komplett eigene Religion und Staatsführung verfolgten. Es war ein unglaublich kalter Ort wo der Sommer so warm war wie der ihm bekannte Winter im Kaiserreich. Aradan zog in einer kleinen Gruppe umher welche ihm alles über dessen Kultur und auch die Sprache lehrten. Anders als in Melora, wurden seine Augen hier mit einem Geschenk der Götter betrachtet. Teilweise wurde er als Sohn eines dort mächtigen Gottes angesehen, was es ihm sehr leicht machte dort an Nahrung und Unterkunft zu kommen. Doch auch hier hielt es Aradan nicht lange. Er erfüllte sich seinen Traum zu reisen und seinen Drang nach Wissen zu stillen, welcher mit jedem neuen Ort immer größer wurde und beinahe unstillbar war. Seine längste Zeit verbrachte Aradan aber im fernen Osten. Ganze 9 Jahre blieb er. Die Kultur des Landes war nicht mit der des Kaiserreichs zu vergleichen. Langsam geübt darin Sprachen zu erlernen, fand er sich schnell zurecht und fing ein Studium in dessen religiösen Häusern an. Hier wurde die Religion weitaus offener betrachtet als in den meisten anderen Kulturen und verschmolzen sogar in der Kampfkunst, sowie der Wissenschaft. Nach dem Ende seines Studiums blieben aber noch immer einige Fragen offen, welche in diesem Land keine Antwort finden würden. Vieles wies sogar auf seine eigentliche Heimat hin, was letzten Endes dafür sorgte, dass Aradan seine Reise zurück ins Kaiserreich antreten würde.

      Fähigkeiten: Aradan hat sich nie von seiner Vorliebe des Fernkampfes abgesprochen. In jedem Land verbesserte er seine Fähigkeiten mit dem Bogen und lernte darüber hinaus den waffenlosen Kampf. Er beherrscht 4 verschiedene Fremdsprachen und hat das Schreiben und Lesen der Fremdsprachen, sowie einen Großteil der antiken Schrift erlernt.


      Stärken: Wie schon als Kind ist Aradan ein flinker Kämpfer der die Schwachstelle seines Gegenübers sucht um diese auszunutzen. Auch wenn er den Konflikt scheut, hat er gelernt keine Gnade zu zeigen, sollte es zu einem Kampf mit einem Menschen kommen.

      Schwächen: Aradan hat gelernt mit den Stimmen in seinem Kopf umzugehen, doch auch wenn er diese zu seinem Vorteil nutzen kann, werden diese in hitzigen Gefechten eher zur Last und sorgen dafür dass sich Aradan nur schwer fokussieren kann.


      Ausrüstung: Ein edles geschwungenes Langschwert aus dem Land im fernen Osten, ein Langbogen samt Lederköcher und Pfeilen, eine schwarze Leder Montur mit weißem Überwurf (Gelehrten Uniform des fernen Ostens), eine Gürteltasche gefüllt mit kleinen roten Kügelchen.
    • 19 Jahre später…

      Renera Elquin fuhr auf einem kleinen Wagen, der von einem einsamen Esel gezogen wurde, den Trampelpfad entlang. So tief im Wald war der Pfad schon von Pflanzen überwuchert, die sich ihr in den Weg bogen und die bräunliche Farbe zerkratzten, die auf das Holz des Wagens gestrichen worden war. Der Esel schnaubte in unregelmäßigen Abständen, wenn ihn Zweige in die Seiten stachen, aber das Geräusch wurde von lebendigem Vogelgezwitscher und dem beständigem Summen von Insekten untergraben, die den ganzen Wald zu eigen machen schienen. Renera runzelte die Stirn bei dem Gedanken; Sie konnte sich nicht daran erinnern den Wald jemals so heiter erlebt zu haben.
      An ihrer Seite saß Khil die Gelehrte, die zusammengesunken dasaß und den Blick ins Leere gerichtet hatte. Die kleinere Frau hatte sich eine Decke über die Beine gelegt und sittsam die Hände darauf verschränkt, während sie den Blick auf den Eselsrücken geheftet hatte und sich nur zum Rhythmus des schaukelnden Wagens bewegte. Ihre Lippen bewegten sich manchmal, wenn sie ihre Gedanken ausdrücken wollte, aber ganze Wörter sprach sie nicht. Heute war sie wieder in ihrer philosophischen Stimmung und das mochte Renera gar nicht, denn dann stellte sie immer nur zusammenhangslose Fragen und war ein furchtbarer Gesprächspartner. Renera seufzte und beobachtete den Pfad, der sich in einer leichten Kurve vor ihr schlängelte.
      Wir könnten hier jagen gehen, dann müssen wir unsere Vorräte nicht gebrauchen.
      “Hm. Ja.”
      Wir sind aber auch gleich da. Vielleicht in einer Stunde. Wenn die Gegend ruhig ist, können wir dort unser Lager aufschlagen.
      “Hm.” Sie schwieg für einen Moment, bis Renera sich ihr zuwandte. “Ja.”
      Renera stöhnte.
      Also schön, sag’ mir worüber du nachdenkst.
      “Aber du hast gesagt du magst es nicht, wenn ich das Sein von Dingen hinterfrage, die nicht mit unserer Wahrnehmung zusammenhängen.”
      O nein, das… Was? Das hab’ ich so ganz sicher nicht gesagt. Unterstell’ mir nicht irgendwelche Wörter, die sich so anhören, als würden sie von einer Gelehrten kommen.
      “Hm.”
      Khil!”
      “Achso. Ich habe mich gefragt, wieso wir Kartoffeln in unseren Fleischeintopf schneiden, wenn es doch Fleischeintopf heißt. Nur eine einzige Zutat ist Fleisch und der Rest kommt von der Erde. Wie kann es da ein Fleischeintopf sein?”
      Du… denkst über Essen nach?
      “Nein. Ich denke über die versteckte Bedeutung des Fleischeintopfs nach.”
      Bei den Kreaturen!
      Renera schlug sich die Hand vor die Stirn.
      Wir sind mitten im Wald! Ich hab’ dich noch nicht einmal Fleischeintopf essen gesehen! Wie, bei allen Verfluchten, bist du denn darauf gekommen?
      “Hm… Ich weiß es nicht. Das ist eine gute Frage. Ich glaube ich habe irgendwo bei der Schreinergilde von Schiz den Faden verloren.”
      Was für eine Schreinergilde?
      “Die von Schiz.”
      Ah. Klar.
      Renera brummte verdrießlich und Khil starrte wieder die Leere vor sich an. Dieses Mal hatte sie allerdings die Stirn gerunzelt, als wollte sie sich wohl auf das konzentrieren, was auch immer sie mit der Schreinergilde in Schiz in Zusammenhang gebracht hatte.

      Renera wurde die letzte Stunde auf ihrer Reise immer nervöser. Sie waren vor zwei Wochen erst in Erathis durchgekommen, wo sogar noch ein Vogelturm aufrecht gestanden hatte, aber der Anblick der vielen Trümmer hatte sie zutiefst bestürzt. Eigentlich lag ihre Zeit in Erathis zu weit zurück, um noch Gefühle damit zu verbinden, aber sie hatte in den Trümmern die Folgen ihres eigenen Versagens sehen können. Das erste Dorf von vielen, das sie nicht vor seinem Schicksal hatte bewahren können. Und nun würde sie zum zweiten Dorf in dieser Reihe zurückkehren, das sie auch dann nicht aufgegeben hatte, als sie mit ihrer Familie fortgezogen war. Im Grunde hatte sie es eigentlich nie aufgegeben.
      Der Pfad wurde uneben, je näher sie sich begaben, und verschwand schließlich zwischen dickem Gestrüpp. Renera stieß einen Fluch aus und sprang hinab, um den Weg mit einem ihrer Schwerter freizuschneiden, allerdings hielt sie inne als sie sah, dass sich dahinter noch mehr anbahnte. Das war es wohl mit der gemütlichen Reise im Wagen. Es wäre ja auch zu schön gewesen, wenn sie bis zu den Palisaden hätten fahren können.
      Komm’ runter, Khil, wir gehen zu Fuß weiter.
      Die junge Frau schnappte sich Renera’s Beutel und hüpfte ohne zu murren herab, ehe sie sich zu Renera gesellte, die einen Weg seitlich des Pfades einschlug und sich durch weniger spitzes Gebüsch zwängte.
      So ein Laufmist. Das hab’ ich anders in Erinnerung.
      “Der Wald hat sich bestimmt gedacht: “Heute mache ich mich besonders hübsch, weil Renera zurückkommt. Sie wird mein Dickicht lieben.”. Du beleidigst gerade den Wald.”
      Khil’s philosophische Stimmung war wohl wieder vorüber.
      Wenn er sich denn wenigstens davon einschüchtern lassen würde. Ich muss wohl besser an meinen Beleidigungen arbeiten.
      “Die Seemänner haben die besten Beleidigungen, vielleicht solltest du zu ihnen gehen und von ihnen lernen. Das wäre doch mal was, Miss Elquin nimmt einen Meister an.”
      Wenn du nur wüsstest - und nenn’ mich nicht Miss.
      “Aber du bist unverheiratet, damit wirst du zur Miss.”
      Ja, aber dann fühl’ ich mich so klein. Ich bin doch keine 13.
      “Ich bin auch eine Miss und fühle mich gar nicht klein.”
      Dabei müsstest gerade du dich klein fühlen. Du gehst mir grade mal zur Schulter.
      “Und manchen gehst du nur zur Schulter, deswegen bist du noch lange nicht objektiv klein. Genauso wie ich für eine Ameise subjektiv groß bin. Das ist alles nur unserer Wahrnehmung geschuldet und deshalb kannst du mich auch nicht auf die Grenzen deiner eigenen Sinne beschränken.”
      Wie wär’s denn, wenn du auf der Rückreise den Esel ablöst und stattdessen den Wagen ziehst. Ich glaube mit ihm kann ich mich besser unterhalten.
      “Das wundert mich nicht, ihr habt schließlich denselben Stammbaum.”
      Khil lachte über ihren eigenen Witz, aber nur sehr kurz, bis Renera ihr bedeutete leise zu sein. Sie pflügte sich durch den letzten Busch und trat ins Freie. Vor ihr breitete sich Melora aus.

      Von den Palisaden war nichts mehr zu sehen. Auf der Südseite stand noch ein kleiner Teil, nicht größer als eine Tür, während der Rest davon schon herabhing und schließlich völlig in überwucherndem Gras und dickem Gestrüpp verborgen war. Von den Häusern war nichts mehr übrig als wahllose Gesteinshaufen, von denen der ein oder andere noch den Teil eines Daches auf sich sitzen hatte. Die Brücke über dem Fluss war eingebrochen und den Fluss an der Stelle erweitert, wo er sich um das Gestein herumschlängelte. Von den Feldern und der Straße war unter wildem Unkraut nichts mehr zu sehen. Der Turm mit der Glocke war vollständig verschwunden.
      Bei den Kreaturen”, flüsterte Renera und versuchte sich vorzustellen, wo früher alles gestanden hatte. War wirklich alles vollkommen und unwiderruflich zerstört worden? War das etwa das Überbleibsel von dem, was früher einmal 300 Leben beherbergt hatte? Hatte nicht ein einziges Haus die Jahre überlebt und zumindest einem Reisenden Unterschlupf geboten? Sie konnte nicht glauben, dass 19 Jahre eine solche Auswirkung haben könnten. Sie wollte es nicht glauben.
      Khil kam neben ihr aus dem Wald und schirmte sich die Augen vor der Sonne ab.
      “Das ist Melora? Deine Heimat?”
      Renera antwortete nicht. Sie war ganz darauf konzentriert sich vorzustellen, wo früher einmal das große Westtor gestanden hatte, wo die Wachtürme und die Kornspeicher gewesen waren. Nichts war davon übrig geblieben, nichts. Die Zeit hatte das ganze Dorf der Natur überlassen.
      Lass uns reingehen”, krächzte sie schließlich, aber hielt Khil wieder auf, als sie losgehen wollte.
      Schleich dich südlich bei dem morschen Holz vorbei und suche nach Anzeichen von Leben, ich möchte keinen Plünderern begegnen. Oder noch schlimmer, Soldaten.
      Khil nickte gehorsam, duckte sich und huschte schließlich auf Melora zu, den Oberkörper tief am Boden. Sie war mit ihren gerade mal 1,63 m ein Naturtalent im Schleichen und bemerkenswerterweise auch im Töten. Wenn sie auf einen menschlichen Gegner treffen würde, würde sie ihn alleine angreifen, um Renera nicht mit hineinzuziehen. Sie wusste um ihren Zwang.
    • Der säubernde Hieb in den Wind trennte das geschmiedete Eisen vom Blut eines Läufers, welcher unglücklicherweise zu nahe an Aradan und seiner Truppe heran gekommen war. Es waren keine 10 Minuten seit sie das Dorf seiner Kindheit betreten hatten als ihnen das Monster in den Rücken fallen wollte.
      "Ich muss schon sagen.. In Nomarak's Schatten dürften diese Dinger gewiss nicht schlafen."
      Aradan sagte nichts als einer seiner Begleiter aus dem Norden über die Läufer her zog. Langsam führte er seine Klinge wieder in die Scheide als der nächste Begleiter auf ihn zu kam.
      "Bist du dir sicher dass es noch da ist? Hier wimmelt es von diesen Wesen. Sollen wir nicht lieber ein paar Fallen aufstellen?"
      Aradan schüttelte leicht den Kopf und sah sein Gegenüber an. Ein Glatter Kerl mit dem Herz am rechten Fleck, welcher auf den Namen Jarku hörte. Begnadet darin Informationen zu beschaffen und Fährten zu lesen.
      "Hier brauchen wir keine Fallen."
      Aradan atmete tief mit geschlossenen Augen ein und nach kurzem inne halten wieder aus.
      "Die Dichte ist hier sehr dünn. Mit Überraschungen kommen wir klar."
      "Puh.. Na wenn du das sagst."
      Jarku legte die Hände hinter seinem Kopf und blickte unbeschwert zum Nordling rüber.
      "Dass du uns schön den Rücken frei hältst, klar?"
      Der an die 2 Meter grenzende Hüne aus dem Norden nickte mit seiner übergroßen Doppelaxt auf der Schulter ruhend und behielt die Umgebung im Blick.
      Die anderen 6 Mitglieder in gleicher Tracht sagten nichts, folgten nur schweigend mit ihren Kapuzen tief ins Gesicht gezogen.

      Die letzten Schritte bis ins Dorf lagen Aradan schwer auf dem Herzen. Es war als würde er verschlossene Gefühle freien Lauf lassen. All diese Bilder des letzten Tages, der Tage davor und seinem Aufwachsen. Wäre er doch nur damals schon in der Lage gewesen etwas gegen die Soldaten zu unternehmen... Schuldgefühle plagten ihn schon seit er das Dorf zwangsweise verlassen musste. Die wildesten Geschichten wurden ihm erzählt, doch keiner davon glaubte er. Dass das Dorf fiel, war jedoch zu erwarten und lag der Situation entsprechend nah. Es war kaum zu glauben dass er grade das Osttor überschritten hatte... oder eher gesagt, wo das Osttor damals stand. Als wäre es erst einen Tag her gewesen, konnte er sich wieder auf dem Dach mit Renera und der Schneiderstochter sehen, wie sie die Soldaten zum Handeln auftreten sahen...
      Ein schweres Seufzen durchkam Ihn als er seine Kapuze nach hinten absetzte um einen klaren Blick über das ehemalige Dorf zu erlangen.
      "Wie lang ists jetzt her?"
      Fragte Jarku aus leichter Entfernung.
      "19 Jahre"
      "Brauchst du einen Moment?"
      Aradan schüttelte abweisend den Kopf.
      "Nein schon gut. Dort drüben."
      Aradan wies auf den Fluss hin, welcher noch leichte Pfeiler einer Brücke aufwies und durch das nieder gerungene Dorf sogar von dessen Seite aus sichtbar war.
      "Valterri."
      Zugleich nickte der Nordmann und setzte sich mit den 6 Begleitern in Bewegung. Es galt das ehemalige Elternhaus von Aradan aus zu graben und eine Kiste zu bergen.
      Jarku blickte Aradan noch einen Moment an, bis dieser die beobachtenden Blicke bemerkte und diesen erwiederte.
      "Keine Sorge. Mir geht es gut. Geh und helf den anderen. Ich hätte gerne einen Moment für mich."
      Jarku grummelte. Wissend dass er ohnehin nichts gegen fest gesetzte Pläne Aradan's machen konnte. So lies er den Gruppenführer allein, wenn auch nicht in gänze den Befehlen folgend. So sondierte er eher die Umgebung nach möglichen Spuren von Monstern, die es in diesen Landen mehr als genug zu geben schien.
      Aradan selbst konnte nicht umher sich an einen ganz bestimmten Punkt des Flusses zu begeben. Es war für ihn kaum zu glauben was er hier alles erlebt hatte. So viele Jahre sind vergangen und doch sah er Renera, Tokiv, Cetra, Wilk und all die anderen Bewohner vor seinem inneren Auge.
      "Schwelge nicht in Erinnerung!"
      Der Stimme keine Beachtung schenkend, hockte sich Aradan zum Wasser hinunter und nahm einen Schluck. Kurz darauf nässte er seine Haare und strich sie zurück. In dieser kühlen Erfrischung fand er nach all den Stunden des Wanderns eine Entspannung wie schon lange nicht mehr.
      "Wir sind nicht allein. Jemand ist bei uns!."
      Aradan seufzte.
      "Natürlich sind wir nicht allein. Wir sind seit Monaten nicht allein. Sei endlich ruhig.."
      Für Außenstehende sprach Aradan mit sich selbst, was seine Truppe schon mehr als gewohnt war.
    • Renera lehnte sich gegen einen Baum, als Khil im dichten Gestrüpp verschwand und auskundschaftete, und blickte über das, was einmal gewesen war. Sicher würde sie Knochen finden, schoss ihr durch den Kopf, als sie den rötlichen Teil einer Wand zuzuordnen versuchte, der auch noch groß genug war, um einen Menschen unter sich zu begraben. Es hatte sich wahrscheinlich niemand die Mühe gemacht sie zu begraben, geschweige denn überhaupt etwas gegen die durchziehenden Kreaturen oder gierigen Plünderer zu tun. Hoffentlich würde sie noch finden, wonach sie suchte.
      Stimmen erregten plötzlich ihre Aufmerksamkeit und sie stieß sich auf der Suche nach Khil vom Baum ab, aber die Gelehrte hatte sich schon längst irgendein Schlupfloch gesucht und verschmolz bei ihrer Größe regelrecht mit der Natur. Renera versuchte etwas zu verstehen aus der Entfernung, aber die Stimmen waren zu leise um irgendetwas zu erkennen. Wahrscheinlich kamen sie noch von der Ostseite und nur der Wind trug sie zu ihr hinüber. Sie duckte sich in das Dickicht des Waldes hinein und wartete.
      Sechs Männer kamen nach einiger Zeit zum Vorschein. Sie waren zweifellos gut gerüstet, die Axt des großen war riesig genug um selbst auf die Distanz gesehen zu werden, aber eine Uniform entdeckte sie nicht. Vielleicht Deserteure? Das wäre ein Glücksfall, mit Deserteuren konnte Renera gut umgehen. Sie hatten meistens noch den verschrobenen Humor von Soldaten, aber die Leidenschaften hatten sie auf andere Dinge gerichtet. Das Desertieren aus der Armee schuf aus einem einen neuen Menschen und diese neuen Menschen hielten unter sich zusammen.
      Einer der Männer, ein weißhaariger, ging bis zum Fluss und starrte in die Gegend, was Renera als äußerst ärgerlich empfand. Jetzt war Khil's Rückweg abgeschnitten, denn selbst in dem hohen Gras würde er zweifellos ihre Bewegung erkennen. Vielleicht konnten sie ausharren, bis die Männer weiterzogen, vorausgesetzt dass kein einziger von ihnen die Gelehrte entdecken würde.
      Aber ein langgezogener Alarmruf ließ Renera plötzlich auffahren und den Griff ihrer Schwerter packen. Wenn man vom Teufel sprach. Diese von den Dunklen Verfluchte Frau, dachte sie, als sie beobachten konnte, wie Khil wie eine kleine, braune Kugel aus ihrem Versteck hervorschoss und geradewegs auf den größten von ihnen zurannte, der den Alarm geschlagen hatte. Khil schlug in ihrem Ansturm einen plötzlichen Haken, der sie unversehens auf die andere Seite brachte, was Renera für den Augenblick mit Stolz erfüllte. Wenn doch nur alle ihre Schüler so schnell lernen würden wie Khil, das hätte ihr sicherlich eine Menge Ärger erspart.
      Nur leider waren die Männer ganz offensichtlich kampferprobt und Khil hatte, trotz ihrer großen Fortschritte, noch immer den größten Teil ihres Lebens hinter einem Tisch verbracht. Er war bei ihrem Ansturm zwar nicht schnell genug um die gewaltige Axt nach ihr zu schwingen, aber er durchschaute ihr Täuschungsmanöver und brachte sich aus der Reichweite ihres Messers, das knapp über seinen Oberschenkeln die Luft zerschnitt und sie damit geradewegs in die Arme des nächsten Mannes beförderte, der geschickter als der Riese zu sein schien. Er nutzte Khils geringe Größe - sie ging ihm gerade mal bis zur Brust - und rammte ihr das Knie in ihrem Schwung entgegen, dem sie nicht mehr ausweichen konnte. Khil prallte mit ihm zusammen, ächzte und fiel rücklings zu Boden, wo sie für einen Moment benommen liegen blieb. Das war genug.
      Renera unterdrückte den Drang ihre Schwerter zu ziehen und stürmte aus dem Wald.
      "AUFHÖREN! Wir ergeben uns!"
      Sie rannte bis zu der Stelle, wo sich einmal die Palisaden befunden hatten - oder zumindest glaubte sie das - und hob ihre beiden Hände neben ihren Kopf. Der weißhaarige war ihr am nächsten, also fixierte sie sich auf ihn, als sie weitersprach.
      "Wir wollen keinen Ärger, wir sind nur auf der Durchreise. Wir werden getrennte Wege gehen, verstanden?"
      Bei näherer Betrachtung kam sie zu dem Schluss, dass diese Mannschaft ganz sicher nicht aus Soldaten bestand, dem weißhaarigen fehlte die nötige Steifheit, die Art, wie man den Rücken durchdrückte und die Brust herausstreckte, wenn Gefahr drohte. Er hatte nicht die feste Körperhaltung eines Mannes, der gelernt hatte sechs Stunden lang stramm zu stehen, ohne sich zu bewegen. Vielleicht konnte das zu ihrem Vorteil sein.
      "Wir kommen nicht von der Krone", setzte sie hinzu und beobachtete ihn auf eine Reaktion. In der Entfernung stöhnte Khil vor sich hin und hielt sich den Ärmel unter die blutende Nase, das Messer hatte sie bei ihrem Sturz fallen gelassen. Wenigstens sah sie nicht so aus, als würde sie die Situation weiter provozieren.
    • Der plötzliche Trubel brachte keinen der insgesamt 9er Truppe aus der Ruhe. Die 6 Personen, welche noch die Kapuzen über gezogen hatten, ignorierten dabei sogar den Aufstand und fingen an auf der Ruine wo einst die Schmiede stand, zu graben.
      Nach der kurzen Auseinandersetzung stemmte Jaruk seine Hände an die Hüfte und sah verwundert auf die zierliche Angreiferin herab.
      "Hmm.."
      Ein kurz prüfender Blick nach Valterri später, seufzte Jaruk als er ein kurzes nicken zurück bekam.
      "Warum hast du uns angegriffen?"
      Er fragte als wäre es ihm vollkommen fremd dass ein Mensch ohne jeden Grund auf sie los gegangen war. Seit dem Aufenthalt in diesem Land kam das nur vor wenn sich jemand mit Valterri messen wollte und selbst dann war es nie in tödlicher Absicht gewesen.
      Doch bevor eine Antwort folgen konnte, hallte eine Stimme aus der Entfernung auf, welche Valterri und Jarku sofort gelassen entgegen blickten. Beide wussten nicht so recht wie sie die Lage einschätzen sollten, doch lag es nicht in Valterri's Natur eine verletzte Frau am Boden liegen zu lassen. So wuchtete er mit einer Hand seine riesige Axt in den Boden und beugte sich zur Frau hinunter.
      "Keine Angst kleiner Vogel. Von uns hast du nichts zu befürchten."
      Da legte er ihr Messer auf den Bauch und hob sie mit seinen beiden Armen hoch, die im Vergleich zur Größe der Frau beinahe wie Baumstämme wirken mussten. Er würde sie der anderen Frau entgegen tragen, doch vorerst galt es zu erfahren ob er das auch tun sollte. So rief er mit seiner dunklen und robusten Stimme über den leer gefegten Ort.
      "Willst du mit denen reden Ara?! Oder lassen wir sie weiter ziehen?!"
      Aradan sagte im ersten Moment nichts und blickte erst noch eine Weile in das Wasser hinein.
      "Sie ist es!"
      "Nein das ist unmöglich!"
      "Das ist nur ein Spiel! Von der Krone geschickte Meuchelmörder!"
      Aradan versuchte sein bestes um die Stimmen in ihrer Lautstärke etwas zu drosseln als er sich nun passend zum aufkommenden Wind zum geschehen drehte.
      Auf dem ersten Blick schien tatsächlich keinerlei Gefahr von den beiden auszugehen, auch wenn man beiden ansehen konnte dass sie sich gut zur Wehr setzen konnten. Kein Grund seinen Bogen zu ziehen.
      Eine kleine Geste mit seiner Hand war dann auch schon genug um Valterri anzudeuten dass er die Frau ruhig gehen lassen konnte. Und so geschah es. Er setzte die Frau behutsam auf ihre Füße ab und lies sie in Ruhe.

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