[2er RPG] The Curse of Time {TobiMcCloud & Codren}

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    • Was tat Renera da nur? Aradan wusste nicht wie ihm geschah. Reize durchfluteten ihn von Kopf bis Fuß als sie ihre Lippen auf ihn legte aber als sie sich nun langsam auf ihn abließ, verschwand sein schmerz erneut komplett. Stattdessen spürte er einfach alles. Sie hatte so einen warmen Körper als würde sie ihre Lebensenergie mit ihm teilen. Er konnte ihren Herzschlag und ihre Atmung spüren, es war unbeschreiblich schön. Nichts in der Welt hätte ihn davon abhalten können Renera je wieder los zu lassen. Nichts bis auf das was folgte.
      Es war Renera's Mutter Fijena, welche wie ein Drache über das Feld fegte. Sie wetterte über alles mögliche und schrie Renera an. Hätte er die Kraft gehabt, wäre er direkt aufgesprungen um Renera in Schutz zu nehmen, sich womöglich sogar zwischen Tochter und Mutter zu drängen. Es wäre das erste Mal gewesen dass er seine Stellung im Dorf, als Sohn des Schmiedes Marudan aufgebauscht hätte, doch merkte er, kaum als Renere keine 5 Zentimeter von ihm entfernt war, wieder seine Verletzung. So ging er wieder zu Boden und sah nur Renera in die Augen, hörte dabei nicht hin was Fijena von sich gab. Sein Blick sagte vieles. Vor allem aber dass er entschlossen war. Egal was passierte, er gehörte nun ihr.

      Und so war Aradan nun alleine auf der Wiese. Es dauerte eine Weile bis er sich aufraffen konnte. Sich zu Renera nur mit seinen Bauchmuskeln aufzurichten, war ein so großer Fehler, dass er an seinem Verband direkt sehen konnte, dass sich ein klein wenig Blut zu sammeln schien. Er verfluchte diese Wunde, auch wenn er sie vergötterte, da diese zu diesem Moment geführt hatte.
      Tief atmete er durch bis er in der Lage war sich auf alle Viere zu drehen. Noch einmal um sich aufzurichten. Es dauerte ganze 5 Minuten bis er nun endlich auf seinen Beinen stand und sich direkt mit der Hand an die Seite packte. Mit er anderen hielt er das Kissen und trat langsam seinen Weg nach Hause an.

      Am Nachmittag kam er an. Der Schmiedehammer schlug hart auf Eisen also war sein Vater am arbeiten. So schleppte sich Aradan zum Amboss statt in den Laden, wo ihn Marudan sofort bemerkte und... tatsächlich für einen Augenblick lächelte. War Aradan auf dem Weg in einen halluzinogenen Pilz getreten oder war das die Wirklichkeit? Eines war sicher. Von nun an würde er vielen Leuten die Fersen durchtrennen wenn die Eroberung seines Lebens und ein Lächeln seines Vaters die Belohnung dafür waren.
      Bevor er aber etwas sagen konnte, stürmte Reona schon hinaus und warf sich kniend vor ihrem Sohn.
      "Du bist wach?! Wir haben erst in mindestens 3 Tagen damit gerechnet! Du bist so ein starker Sohn!"
      Die Hälfte ging an ihm vorbei. Das übliche überstolze oder überentäuschte gerede der Mutter, wie Aradan es schon so viele Male erlebt hatte.
      "Ist ja gut Mutter. Ich bin Wach, kein Feldherr"
      Meinte er spaßend ehe sich die Mine seiner Mutter sofort ins negative wandelte
      "Duuuuuuu....!! Komm sofort rein und erzähl uns was passiert ist !! Wirds bald !!"
      In dem Moment war Aradan nicht der Einzige der überrascht über diesen schnellen Stimmungswandel war. Sogar Marudan sah Reona an und fragte sich wie schnell sich diese Lage änderte. Dennoch warf er seinem Sohn ein kaum erkennbares, stolzes Nicken entgegen. Hatte sich Aradan etwa wirklich bei seinem Vater Respekt verdient?

      Wie das Gespräch mit seinen Eltern im Laden verlief, hätte Aradan aber nie kommen sehen. Seine Mutter war keinesfalls darüber besorgt dass er das Zeitliche hätte segnen können, viel mehr war sie darüber besorgt dass jemand über das Geheimnis erfahren könnte. So war sie wohl in der Lage gewesen ihm eine Überdosis zu verabreichen um seine Wunde schneller heilen zu lassen, doch wäre es direkt aufgefallen, also ließ sie ihn die volle, normale Zeit im Krankenhaus auskurieren.
      Aradan wusste nicht was er sagen sollte. War er in diesem Gespräch wirklich der Schuldige oder war er das Alibi? Er wusste nur dass er wohl nicht in der Position war ihr zu widersprechen. Das war er wohl nie, egal was auch für ein Thema anstand.
      Interessant war nur, dass sein Vater die ganze Zeit über kein tadelndes Wort äußerte. Er stand nur so da, mit verschränkten Armen und blickte auf Aradan hinab. Immer mal wieder nickte er kurz als Reona seine Bestätigung anhand stechender Blicke suchte.
      "Und dieses Mädchen Renera!.."
      So wurde Reona's Stimme endlich etwas ruhiger.
      "Sie war so viele Male im Krankenhaus. Sag mir.."
      Ihre Stimme wandelte sich plötzlich erneut. Dieses mal in eine beinahe romantisierte, erwartungsvolle.
      "..magst du sie?"
      "Reona.."
      Versuchte Marudan sie zu unterbrechen, wissen dass Jungs ungerne darüber sprachen aber auch dieses mal wurde Marudan durch Aradan's Mut überrascht.
      "Ja. Ich... Ich mag sie wirklich sehr."
      Nach dem heutigen Tag war das wohl die aller geringste Beichte. Reona schmelzte dahin und wollte mehr erfahren, doch übernahm nun Marudan das Gespräch.
      "Sohn. Du musst uns noch erzählen was vorgefallen ist. Rodan beharrt darauf. Aber sag uns die Wahrheit."

      So verlief das Gespräch noch eine Weile weiter. Aradan erklärte alles im Detail. Er lies nicht das geringste aus und alles schien sich bestens mit Cetra's Spuren, Renera's schwammigen Erklärungen und aller anderen Vermutungen zu decken. Sogar ohne Tokiv's Anhörung, stand nun alles gegen ihm. So nickte Marudan und gegen Ende und wollte die Stimmung wieder heben.
      "Also.. Renera. Nicht wahr? Die Heulsuse?"
      Die ersten Worte brachten Licht in die verhörerische Diskussion, die letzten machte Aradan sofort wütend. Doch lachte Marudan anschließend beherzt.
      "Ach Junge. Du bist viel zu offen. Du hast unseren Segen. Sie ist nicht davon gerannt. Sie hat sich einem starken Gegner entgegen gestellt. Genau wie du."

      Aradan wusste gar nicht wie ihm geschah. Es war das genaue Gegenteil von dem was er bei Renera's Mutter erfahren durfte. Und eben diese Verwunderung wurde zum nächsten Thema. Aradan erzählte seinen Eltern absolut alles. Auch was sich nach seinem Erwachen am Fluss mit Renera abspielte, bis hin zur erneut erbosten Situation Fijena's. Marudan und Reona fühlten sich regelrecht angegriffen wie Fijona reagiert hatte. Als hätte sie Aradan als einen ihrer Freier gesehen.
      Das überschritt klar eine Grenze. Diese Frau hatte zwar allen Grund schlecht zu denken, doch war sie nun auch eine Einwohnerin von Melora. Hier galten Regeln des Respekts und nicht der direkten, grundlosen Verurteilung. So griff sich Reona das Handgelenk ihres Sohnes und war drauf und dran nach Fijona zu marschieren um diese zu konfrontieren. Doch war es Marudan der diesen Griff löste und ihr entgegen nickte, als Zeichen dass er diese Angelegenheit übernehmen würde.
      Reona konnte ihrem Mann nichts abschlagen also lies sie es geschehen, wünschte Aradan noch viel Glück hinterher bis Vater und Sohn außer Reichweite Reona's Blicke waren.
      "Du hast sie Gern?"
      Aradan nickte.
      "Sogar sehr. Ich kann nicht aufhören..."
      "... An sie zu denken?"
      Direkt blickte Aradan hoch zu seinem Vater, verblüfft darüber wie gut er ihn scheinbar verstand.
      Marudan grinste.
      "Hast du nicht gedacht oder? Mir ging es mit deiner Mutter ähnlich. Und weißt du, sie hatte einen Vater der ebenso reagierte wie Fijena."
      "Wirklich?"
      "Oh ja. Aber ich hörte nicht auf. Er brüllte mich so oft an, brach mir sogar ein mal die Nase aber ich hörte nicht auf. Ich wusste dass sie in mein Leben gehörte, so wie ich in Ihres. Ich hätte mein Leben verflucht, hätte ich sie gehen lassen."
      Aradan schnappte alles auf. Diese Lektion wirkte ihm wichtiger als alles was er im Unterricht gelernt hatte. So schwor er sich, egal wie das kommende Gespräch ausging, er würde niemals zulassen dass Renera von ihm getrennt war.
      Und so kam es dass beide an dem Haus von Fijena ankamen. Marudan klopfte grob an die Tür, bereit darüber zu reden wie normal und wichtig es wäre Renera und Aradan mit Grenzen erfahren zu lassen wie sie empfinden und ihnen keine Mauern zu entgegnen.
      Marudan war sogar bereit Fijena die Vorteile aufzuzählen, welche es in diesem Dorf gehabt hätte, wenn sich beide einig werden würden. Er als einer der angesehensten Familienoberhäupter und Fijena, eine der niedersten. Vorteile gab es in diesem Fall ganz sicher nur für Fijena.
    • Renera stellte sich Zuhause einem regelrechten Tornado entgegen. Ihre Mutter war außer sich, sie fing an zu schreien, kaum hatte sich die Tür hinter ihr geschlossen, und ignorierte dabei sogar Cilla, die das Weinen anfing. Sie brüllte etwas von Anstand, dass Renera sich schämen sollte überhaupt an sowas zu denken, dass natürlich alle Männer schlecht waren und dass Renera Schande über sie selbst bringen würde, wenn sie sich weiter mit diesem Jungen abgab - mit irgendeinem Jungen, um genau zu sein. Renera, die den Ärger über sich ergehen ließ, weil sie genau wusste, dass sie nichts dagegen auszurichten hatte, wurde irgendwann selbst so zornig, dass sie ihr entgegen schrie, dass es ihr eigenes Leben und ihre eigene Entscheidung war, mit wem sie sich abgab und in wen sie sich dabei verliebte. Ihre Mutter hatte kein Gehör für sowas. Sie umrundete den Tisch zwei, drei Mal, während sie mit beiden Armen wild gestikulierte und dabei Speicheltropfen durch die Luft flogen. Renera blieb bei der Tür stehen und versuchte mitzuhalten, aber schließlich gingen ihr die Argumente aus. In einem Moment der absoluten Raserei kreischte sie:
      "Es ist nicht meine Schuld, dass kein Mann länger als eine Woche in diesem Drecksloch bleiben will!"
      Ihre Mutter verharrte in ihrer Bewegung, die Augen weit aufgerissen, die Zähne aufeinander gepresst. Nur eine Sekunde starrte sie sie so an, dann machte sie einen riesigen Satz, packte ihren Kochlöffel und schleuderte ihn auf Renera. Sie wich aus. Das Geschrei ging weiter, dieses Mal, indem sie sie als undankbar und ungehorsam beschimpfte, als verzogene Göre, der man die Manieren noch beibringen musste. Renera entgegnete, den Tränen nahe, dass sie vielleicht nicht verzogen wäre, wenn ihre Mutter nicht ihren Vater vergrault hätte, wenn sie nicht fünf andere Geschwister in die Welt gesetzt hätte, nur, damit sie sich weiter irgendwelche anderen Männer anlächeln konnte. Schließlich klopfte es.
      Alle beide verstummten gleichzeitig, nur Cilla heulte weiter und machte Greifbewegungen mit den Händchen. Aus dem Nebenraum hatte sich Varus herausgestohlen, der nun erschrocken selbst zur Tür blickte und zu überlegen schien, ob er es wagen sollte sich dem Besuch zu zeigen oder lieber das Weite suchte. Er entschied sich für letzteres und verschwand im Nebenzimmer, ehe er die Tür zuknallte.
      Fijena raffte sich ein wenig.
      "Und? Ist es schon unter deiner Würde die Tür zu öffnen, Fräulein?"
      Ihre Stimme bebte. Renera starrte sie finster an, dann riss sie die Tür auf, stärker als notwendig. Der Anblick ihres Besuches ließ sie gleich bereuen, überhaupt so energisch zu sein. Sie sah für einen Moment erschrocken zwischen Aradan und Marudan hin und her.
      "Äh... Hallo."
      Fijena erschien im Hintergrund und glättete sich sogleich das Kleid. Dann nahm sie, endlich, Cilla in die Arme und schaukelte das Kind, während sie den Besuch argwöhnisch betrachtete. Renera war schließlich diejenige, die sich einigermaßen in den Griff bekam.
      "... Können wir helfen?"
      Und schließlich machte sie den Platz frei, um die beiden Herren eintreten zu lassen.
      Ihr Haus bestand aus genau zwei Räumen, der Küche und dem Schlafzimmer. Die Küche besaß einen runden Tisch in der Mitte, an dem sechs Stühle standen, und füllte damit bereits beinahe den ganzen Raum aus. An der Wand standen drei Truhen, auf denen Spielsachen verstreut herumlagen und der Boden war mit Essensresten - und neuerdings auch mit dem Kochlöffel - beschmutzt. Auf dem Tisch neben der Feuerstelle stand noch immer der Behälter mit dem ungewaschenem Geschirr, eine Aufgabe, der sich Renera gewidmet hätte, wenn sie mit der Wäsche fertig wäre. Das hast du jetzt davon, dachte sie sich grimmig, während sich der Besuch an den Tisch zwängte und sich damit unmittelbar in den Saustall begab. Soll es doch dein toller Svenkov sauber machen.
      Fijena hatte sich mittlerweile auch wieder gut gefasst.
      "Kann ich euch etwas zu trinken anbieten? Wasser oder Tee?"
      Sie übergab Cilla an Renera, die beiden Frauen tauschten einen zornigen Blick aus, dann übernahm Renera das Schaukeln, während Fijena ein paar der Sachen beiseite räumte, um ihnen etwas Platz zu schaffen. Renera war dankbar für Cilla, die ihr auf die Schulter weinte, denn so musste sie Aradan nicht in die Augen sehen.
    • Es war schon irgendwie etwas amüsierend wie laut es vor dem Klopfen war und wie schnell es leise war nachdem Marudan klopfte. Als hätte er einen Knopf gedrückt um die Welt verstummen zu lassen.
      Kurz darauf öffnete Renera die Tür und schien dabei noch voller Wut zu stecken, kräftig wie sie die Tür auf riss. Aradan konnte trotzdem nicht anders als ihr entgegen zu lächeln. Dass Fijena kurz darauf erschien störte er nicht. Dafür hatte er ja seinen Vater dabei, welcher scheinbar mit seiner Anwesenheit einen direkten Effekt auslöste dass sich alle beide beruhigten. Sie wurden sogar hinein gebeten statt direkt mit einem Besen gejagt zu werden, das lief besser als Aradan es sich vorgestellt hat.
      Als dann alle am Tisch saßen musste nicht nur Aradan staunen wie es hier aussah und vor allem wie extrem überfüllt. Doch war Marudan viel gefasster und beinahe etwas besorgt. Das war das erste Mal dass er in diesem Haus war und er wusste dass es bei der Ankunft nur notdürftig hoch gezimmert wurde.
      "Frau Elquin.."
      Er sah sich um und deutete damit das vorgeschobene Thema an.
      "Sagt. Warum habt ihr bei so vielen Kindern nur eine so kleine Behausung? Ihr packt doch alle im Dorf mit an, da steht euch eine größere Unterkunft zu."
      Dann sah er Fijena wieder an und schüttelte den Kopf. Er konnte es nicht einfach hinnehmen dass in Melora so gehaust wurde. Hier galt dass jeder der mit anpackt auch Hilfe aus dem ganzen Dorf erwarten kann, doch wenn man sich nie über etwas beschwert oder sich beim Bürgermeister meldet, konnte auch keiner helfen.
      "So kann man nicht leben. Hier in Melora müssen wir auf einen Angriff immer vorbereitet sein. Wenn hier aber schon das Chaos herrscht, werde ich dafür sorge tragen dass es wieder verschwindet. Ich werde mit Logar reden. Dieses Haus muss einfach einen Anbau bekommen. Wenn nicht gar ein paar mehr."
      Marudan machte über deutlich dass ihm das ganze ernst war und dabei ging es nicht einmal um das eigentliche Thema weswegen er hier war.
      So beugte er sich etwas nach vorne um seine Arme auf den Tisch abzulegen, dabei verschloss er seine groben Hände ineinander. Dabei knarzte der Tisch so sehr, dass Aradan glaube er würde bald nachgeben.
      "Wie dem auch sei. Ich bin hier um über unsere Kinder zu sprechen. Es dürfte klar sein dass sich Renera und Aradan mögen. Mein Sohn erzählte mir was heute vorgefallen ist und.. es tut mir Leid aber.. auch, wie sehr sie versuchen die Beiden getrennt zu halten. Darf ich fragen wieso das der Fall ist?"
      Ob er fragen DARF? Hörte Aradan richtig? Wo holte sein Vater denn plötzlich diese Höflichkeit her?
    • Fijena dachte nicht daran, sich an den selben Tisch wie die anderen drei zu setzen. Stattdessen machte sie es sich schier zur Lebensaufgabe die Unordnung in den Griff zu kriegen, während sie nebenbei Marudan zuhörte. Nur ganz selten blickte sie zu ihm hinüber und hatte dabei einen Blick purer Skepsis drauf. Schließlich schien sie es für ihre Pflicht zu halten, Marudan zu besänftigen, denn sie wandte sich ihm ganz zu und strich sich eine lose gewordene Haarsträhne aus dem Gesicht.
      "Herr Elric, ich denke du - ich denke Ihr wisst noch sehr gut, dass uns dieses Haus zugeteilt wurde, als wir in Melora ankamen, nachdem das Ehepaar, das hier vorher lebte, zeitgleich verstorben war. Ich habe es schon damals gesagt und ich werde es auch für den Rest meines Lebens wieder sagen: Wir sind euch allen zu tiefstem Dank verpflichtet und stehen für immer in eurer Schuld. Die Großzügigkeit, die ihr uns entgegen gebracht habt, übertrifft alles, was einem Menschen nur zustehen könnte."
      Sie schien sich ein wenig beruhigt zu haben.
      "Und wie ich jetzt sehe, ist diese Großzügigkeit sogar nach zwei Jahren noch im Vordergrund. Aber ich bitte Euch, mir und meiner Familie ein normales Leben zu ermöglichen. Wir haben alles verloren, als wir damals flohen, aber jetzt haben wir ein Haus, jeden Tag etwas zu Essen und für jedes meiner Kinder eigene Kleidung. Ich möchte nicht mehr, dass Ihr uns wie schutzbedürftige behandelt. Wenn ich es möchte, werde ich selbst Logar einen Auftrag geben, oder ich werde mir von Euch eine Axt holen, in den Wald hinaus gehen und das Holz selbst sammeln und bearbeiten. Ich habe sieben gesunde, kräftige Kinder, von denen fünf in einem Alter sind, bei dem sie mir zur Hand gehen können und das werden sie auch tun, wenn die Zeit gekommen ist. Ich versichere Euch, dass das Chaos, das hier herrscht, keine Auswirkung auf uns oder unsere Fähigkeit zu kämpfen haben wird und deshalb versichere ich Euch auch, dass wir keine Hilfe benötigen."
      Ihr Blick huschte kurz zu Renera, aber die lenkte sich mit Cilla ab. Mittlerweile hatte das Baby aufgehört zu weinen und starrte Marudan jetzt mit riesigen Augen an.
      "Aber sagt mir, das ist doch bestimmt nicht der Grund, dass Ihr hierhergekommen seid, nicht wahr?"
      Marudan erläuterte seinen wahren Grund und diesmal sah auch Renera auf und blickte Aradan heimlich an. Fijena's Miene verdunkelte sich schlagartig und sie verschränkte die Arme vor der Brust. So kurz nach ihrem Streit war das wohl ein gänzlich unpassender Moment.
      "Ich denke nicht, dass ich mich nicht für meine Erziehung rechtfertigen muss - weder vor Euch, noch vor sonst wem. Renera ist 13 Jahre alt, in ihrem Alter habe ich Vögelschwärme studiert und gelernt Spuren zu lesen, sie lernt sich zu verteidigen und zu kämpfen. Was ist, wenn ich sie heute nicht getrennt hätte, und sie schwanger geworden wäre? Soll sie etwa ein halbes Jahr lang auf Training verzichten, um sich um ihr Kind zu kümmern? Was, wenn sie hochschwanger ist und wir angegriffen werden? Sie wäre ja ein Köder für sämtliche Kreaturen!"
      "Du warst selbst schwanger, als wir aus Erathis geflohen sind!", rief Renera plötzlich anklagend, Cilla erschrak sich und fing wieder an zu weinen. Fijena funkelte sie zornig an.
      "Ja, aber ich war 34 und nicht 13! Du kannst mir glauben, dass ich meine Ausbildung hinter mir hatte!"
      Die beiden starrten sich für einen Moment giftig an, dann zog Renera den kürzeren und wandte sich wieder Cilla zu, die sie rhythmisch schaukelte.
      "Nichtsdestrotrotz", knurrte Fijena, die sichtlich um ihre Verfassung rang, "Werde ich nicht zulassen, dass meine Tochter - alle meine Töchter - irgendeine Beziehung zu früh eingehen. Wenn sie 18 sind können sie meinetwegen machen was sie wollen."
    • Marudan wusste gar nicht wie ihm geschah, so schnell wie alles an dieser Frau abprallte. Hörte sie ihm überhaupt zu oder war sie vor Eitelkeit so zerfressen, dass sie die wahren Gründe einfach nicht sehen konnte?
      Wie verblendet sie war, wurde überdeutlich als sie argumentierte genug Hilfe von ihren Kindern zu bekommen und zur Not selbst das Haus ausbauen würde. Wie stellte sie sich das denn vor? Er selbst hatte nicht mal das nötige Wissen wie man das anstellt. Immerhin gab es dafür die Schreiner Familie.
      "Seit versichert. Hier weiß vermutlich kaum jemand wie es um euch bestellt ist. Jeder geht sein Tageswerk nach und jeder hier meldet wenn er bei etwas Hilfe braucht. Das hat rein gar nichts mit Großzügigkeit zu tun."
      So sprach er nun mit etwas nachdruck um ihr deutlich zu machen nicht mit einem Kind zu reden.
      "Glaubt nicht wir würden euch mit offenen Armen entgegen kommen weil wir eure Familie als Flüchtige, hilfsbedürftige sehen. Ich sage es nochmal. Hier in Melora wird niemand sich selbst überlassen. Wir sind eine Gemeinschaft. Ich denke das wird man ihnen bei der Ankunft klar gemacht haben. Denken sie also noch mal über mein Angebot nach."
      Bevor diese Diskussion aber noch ewig ging, beließ er es dabei und würde sie auch nicht mehr drängen. Sinn schien es ihm zumindest nicht zu machen.
      Viel schwerer schien die nächste Front zu sein und auch Renera's Ausbruch zeigte eindeutig wie schwer man da bei Fijena durch kommen konnte. Es waren nur Ellaya und Renera die sich ähnlich sahen, so war es nicht schwer zu erraten wie das Leben für Fijena in ihrem Dorf war. Er kam nicht umher eine gewisse Verachtung dafür zu hegen, doch verurteilen würde er sie nicht. Viel eher war es ihre Sichtweise. Sie schien ihr eigenes Leben auf ihre Kinder zu reflektieren ohne dabei zu bemerken wie beleidigend sie dabei war. Es war ziemlich schwer für Marudan überhaupt die richtigen Worte zu finden, denn schien es diese nicht zu geben. Jede Vernunft die er ihr zusprechen könnte, würde vermutlich abprallen. Doch konnte er ihre Einwände auch nicht einfach im Raum stehen lassen, so schüttelte er seinen Kopf und stand auf, stellte sich neben seinen Sohn und legte seine Hand auf dessen Schulter.
      "Ich habe nie gesagt dass ich eine Rechtfertigung ihrer Erziehungsmethoden hören will. Sie müssen lernen besser zuzuhören Miss Elquin. Ich wollte ihre Sichtweise erfahren um zu verstehen was sie dazu bewegt hat."
      Ohne sich unterbrechen zu lassen, sehend dass der Frau vermutlich bald die Hutschnurr platzen würde, wurde sein Ton deutlich strenger.
      "Wie ich aber sehe, sind sie derzeit zu stur und meiner Meinung nach zu Eitel um einen gut gemeinten Rat anzunehmen. Lassen sie sich aber eines gesagt sein. Hier in Melora weiß jedes Kind darüber bescheid was es für fatale Auswirkungen auf das Dorf hat, wenn man zu früh seine eigene Familie aufbauen will. Wir bringen es ihnen nicht mit Gebrüll, Drohungen und Verboten bei. Wir machen ihnen klar dass ein zu frühes neues Leben, der Tod bedeutet."
      Aradan nickte und meinte kleinlaut
      "Ich hätte nicht..."
      Den Rest verschluckte er vor Scham. Immerhin war Renera anwesend. All das kam ihm so albern vor. Wieso durfte Renera nicht glücklich sein? Das machte ihn tatsächlich etwas zornig, was ihm mehr Mut einbrachte als er wollte, denn kam es direkt aus ihm heraus.
      "Warum darf Renera nicht glücklich sein?! Wir mögen uns. Wir hatten es beide schwer und nun sind wir Glücklich. Wieso dreht sich bei Erwachsenen ständig alles nur um Sex?! Wieso können sie nicht einfach nach Hilfe fragen wenn sie welche brauchen?! Warum muss Sex die Lösung sein um Hilfe zu bekommen?! Ihnen wird angeboten Hilfe zu kriegen und sie lehnen es ab?"
      Es brach einfach aus ihm heraus. Er war einfach wütend wie Renera's Mutter so reagieren konnte und damit in seinen Augen nichts als Ärger machte. Renera schien zumindest nicht Glücklich, wollte ja sogar fast nie nach Hause gehen. Wie konnte Fijena nicht einsehen dass ihre Methode einfach falsch war?
      Aradan hatte die Nase gestrichen voll, stand auf, warf dabei ungewollt den Stuhl um und stampfte hinaus.
      Die Stimmung war klar auf einem Nullpunkt. Aradans Worte haben den Raum ersticken lassen da er in der Regel nie wirklich lauter wurde. Nach einem kurzen Moment hob Marudan den Stuhl auf, welcher scheinbar auch dringend geleimt werden musste. Er rückte diesen an den Tisch ran und blickte noch mal Fijena an. Dieses mal versuchte er dann doch mit seinen letzten Worten ruhig ihr Gewissen zu erreichen.
      "Kinder machen Fehler. Das wird immer so sein. Verbieten Sie ihnen etwas und sie werden versuchen genau das zu tun."
      Dann ging er zur Tür und blickte noch kurz Renera an. Ihre Blicke trafen sich und so gab Marudan ihr ein kurzes, kaum erkennbares nicken entgegen. Seinen Segen hatte sie damit.
      "Ich wünsche trotz den Umständen noch einen angenehmen Tag, Familie Elquin."
      Und so verschwand er. Eine Diskussion hätte keinen Sinn gehabt. Viel wichtiger war es dass diese Frau mit sich selber lernen musste klar zu kommen. Mehr als ihr die Hand zu reichen und Versicherungen anzubieten, konnte Marudan nicht.
      Seinen Sohn sah er schon gar nicht mehr, was doch etwas verwunderlich war. Trotz seiner Wunde war er wohl doch recht schnell abgedampft. Suchen wollte er ihn aber nicht. Nun war es wichtiger etwas anderes zu erledigen und das war Rodon aufzusuchen und über Aradan's Worte des Vorfalls zu berichten.
    • Fijena blieb still, sie wusste selbst, dass weitere Worte unangebracht waren, oder aber sie kämpfte noch immer um ihre Beherrschung. Renera blickte Aradan sehnsüchtig nach, aber er drehte sich nicht noch einmal nach ihr um. Nur Marudan schenkte ihr einen letzten Blick, den sie mit sowas wie väterlicher Fürsorge vergleichen wollte. Er war bestimmt ein guter Vater für Aradan, wahrscheinlich ein strenger, aber ein guter.
      Die Unterhaltung hatte nicht dazu geführt, dass Fijena ihre Ansicht in irgendeiner Weise änderte, aber zumindest schien sie genug vom Streiten zu haben, denn sie erinnerte Renera mit kalter Stimme daran, dass das Geschirr noch gewaschen werden sollte und nahm ihr Cilla wieder ab, die sich zum zweiten Mal an diesem Tag wieder beruhigte und ängstlich dreinblickte. Auch Varus wagte sich aus dem Schlafzimmer hervor, aber er war ebenso ängstlich wie seine kleine Halbschwester und verschwand schneller nach draußen, als irgendjemand etwas sagen konnte.
      Es dauerte vier Tage, bis sich die Stimmung einigermaßen wieder eingefangen hatte und sich auf den Normalzustand zurücksetzte. Renera ging immer noch allein zur Schule, die sich, jetzt da sie sich die Gefühle zu Aradan eingestanden hatte, gleich noch viel verlassener anfühlte. Sie besuchte ihn auch immer noch nach der Schule und wagte es sogar, Marudan schüchtern zuzulächeln, wenn sie ihn in der Schmiede arbeiten sah. Reona lief sie nicht über den Weg.
      Am fünften Tag entflammte ein weiterer Streit, als Fijena nach Pünktlichkeit verlangte und sich darüber beschwerte, dass ihr Tochter scheins nichts dazuzulernen schien. Sie traf sich schließlich immer noch mit Aradan und kam deswegen immer noch zu spät. Da entgegnete ihr Renera, dass sie ja jetzt Svenkov hätte, der sich um die ganze Drecksarbeit kümmern könnte. Sie stritten sich drei Stunden lang.
      Am siebten Tag kam Tokiv zum ersten Mal zu Bewusstsein. Momo erklärte ihn als stabil, seine Füße waren beide in dicke Bandagen gewickelt und sollten still gehalten werden, aber abgesehen davon erholte er sich gut. Das viele Herumliegen schwächte ihn allerdings, wodurch er sich ein Fieber holte, was Momo als Bettschwäche bezeichnete. Sie war in diesem Stadium alles andere als lebensgefährlich und er sollte nur den Rest seines Körpers bewegen, wenn er konnte. Sie prognostizierte, dass er in einem Monat wahrschienlich wieder laufen könnte, vielleicht auch schon früher, wenn sein Körper schnell verheilte. Damit war klar, dass er die Prüfungen nachholen würde und sie für jetzt aussitzen würde - also warteten alle nur noch auf die Genesung von Aradan.

      Wilk erschien in der Schmiede zwei Tage nachdem Tokiv aufgewacht war. Er begrüßte Marudan und wartete respektvoll, bis er Zeit für ihn gefunden hatte und die beiden Herren sich zusammensetzen konnten.
      "Ich denke, du hast schon auf meine Ankunft gewartet", begann er lächelnd, nachdem sie kurzen Small Talk abgehalten hatten. "Bei dem Vorfall wollte ich erst abwarten, wie sich alles entwickeln würde. Aber Aradan geht es recht gut und Tokiv scheint auch besser zu werden, deswegen macht es keinen Sinn, die Sache noch länger aufzuschieben. Ich plane auch dieses Jahr wieder eine separate Klasse zu eröffnen, nachdem ich bei den Prüfungen alle meine Schützlinge eingehend studieren konnte. Ich denke es werden dieses Jahr fünf, das ist schon fast doppelt so viele wie letztes Jahr. Wenn das jedes Jahr so weitergeht, werden wir bald eine eigene Elitetruppe aufstellen können."
      Er lehnte sich selbstzufrieden zurück.
      "Und natürlich wird Aradan Teil davon sein. Er hat ganze vier Minuten mit Cetra gekämpft - vier Minuten! Cetra macht sie sonst in einer Minute fertig. Wir dürfen dabei nicht außer Acht lassen, dass er erst 14 ist. Mit ein bisschen mehr Ausdauer und mehr Training hätte er sie sogar überwältigen können, dessen bin ich mir sicher. Aber gut - ich schweife vom Thema ab, die Prüfungen geben mir immer eine wunderbare Aussicht. Ich möchte dir die Waffen in Auftrag geben, die wir den fünf Schülern zuweisen werden. Es ist nie schlecht mehr Spezialisten in den Reihen zu haben und wir haben zwar schon viele wie Eredik, die ihre Waffen meistern können, aber noch mehr ist immer besser. Deswegen also zu den Waffen: Ein Bogen für Aradan, ich denke, das ist selbsterklärend. Wir könnten ihn gleich in den Schützentrupp stecken, wenn du das für eine gute Idee hälst. Als nächstes hätten wir Mira, die Tochter vom Schneider, der ich einen Speer anvertrauen möchte. Ich denke sie kämpft besser, wenn sie beide Hände benutzen kann und ein Speer fördert außerdem ihre Beweglichkeit. Sie ist wirklich unheimlich flink und ein Schwert würde ihr da nur im Weg sein. Konek, dem Sohn von Beram, möchte ich ein Breitschwert übergeben, das ist die einzige Waffe, bei der er seine Stärke richtig ansetzen kann. Renera Elquin wird zwei Kurzschwerter bekommen, sie hat eine Begabung dafür beide Hände als Waffenhand zu benutzen und das will ich fördern. Und Daria Ennies würde mit einem Degen gut auskommen - meinst du, sowas exotisches kannst du herstellen? Ich kenne mich in der Schmiedekunst nicht aus, sonst würde ich nicht fragen. Und wie lange meinst du, wird das alles dauern? Kann ich sie im nächsten Monat schon einplanen?"

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    • Als Marudan bei Rodon ankam, klärte dieser grade noch das ein oder andere Geschäft ab ehe er Marudan empfing. Das Gespräch verlief ruhig und fast schon Brüderlich. Die beiden hatten in der Schlacht Blut, Tränen und Schweiß geteilt. Sowas schweißte ungemein aneinander. Beide waren sich schnell einig dass es nun keinen Zweifel mehr gab dass Tokiv der Schuldige war. Zwar hatte Marudan dass schon zuvor überdeutlich gemacht aber erst nach Aradan's Aussage war auch Rodon davon überzeugt.
      Er rieb sich seine kalten geschundenen Hände über dem Kaminfeuer seines Raumes und versicherte dass Tokiv seine gerechte Strafe bekommen würde. Marudan vertraute darauf, brachte daraufhin aber noch das Gespräch zwischen ihm und Fijena an.
      Marudan sah sich in der Pflicht einem jeden zu helfen der in diesem Dorf lebte, also musste er es zumindest weiter geben, wenn er Fijena nach den Schreiner nicht direkt beauftragen durfte.
      Rodon sah diesen Worten verblüfft entgegen. Auch er hatte nicht bemerkt dass Fijena's Lebenszustand so kritisch aussehen würde. Sie kam nie zu ihm oder hat sich je beschwert. Das Leben in ihrem Dorf musste ganz sicher grundlegend anders gelaufen sein.
      Auch in diesem Fall versprach Rodon sich um die Angelegenheit zu kümmern.

      So gingen ganze 6 Tage ins Land. Der Junge Tokiv war schon 2 Tage wieder bei Bewusstsein, wenn auch nach wie vor unfähig zu laufen. Ausreichend genug um diesem nun seine Folgen klar zu machen. Rodon selbst nahm sich dem an nachdem er mit seinen Beratern über das Schicksal aller beteiligten geurteilt hatte. Er trat in das Krankenhaus ein und begrüßte die zuerst erschrockene Momo.
      "Oh. Der Bürgermeister?"
      Sprach sie mehr zu sich selbst, eilte aber direkt zu ihm.
      "Geht es ihnen gut? Was führt sie her?"
      "Alles gut mein Kind. Ich bin hier um mit dem Sohn von Herth zu sprechen. Es wird Zeit."
      Momo nickte direkt verständnisvoll und einsichtig. Ohne umwege wies sie Rodon zum gesuchten Bett und nahm wieder Abstand.
      Rodon räusperte sich und atmete vorwurfsvoll mit dem Kopf schüttelnd tief aus.
      "Was hast du dir nur dabei gedacht Junge? Ist dir nicht klar dass wir alle eine Gemeinschaft sind?"
      Es folgte eine regelrechte Ansprache darüber was in diesem Dorf für Prinzipien gelten, dass Tokiv Aradan eher verteidigen sollte, vor jedweder Kränkung von außen, statt sich daran zu beteiligen. Dass Tokiv über seine Taten nachdenken MUSS und ebenso die Strafen die auf ihn zukommen. So donnerte Rodon diese eindringlich auf Tokiv hinab.
      "Sobald du wieder auf den Beinen stehen kannst, wirst du vor dem versammelten Dorf deinen Tat gestehen. Du wirst einen Eid ablegen dieses Dorf und dessen Einwohner künftig mit deinem Leben zu schützen. Du wirst keinem mehr Leid zufügen oder darüber nachdenken dies zu tun. Du wirst zu einem Ehrenvollen Kämpfer und Verteidiger Meloras. Dann und nur dann, werden wir dich in diesem Dorf dulden. Eine weitere Tat wie die letzte und du wirst keine Milde erfahren. Dann wird es nichts anderes für dich geben als das Exil. Wohl bemerkt als der jüngste Exilant in der Geschichte Melora's."
      Nun lies Rodon die Worte vorerst etwas sacken bis er noch hinzufügte
      "Und bevor ich es vergesse. Sobald du diesen Raum verlässt, wird es für dich nur noch die Arbeit und den Unterricht geben. Ist diese Erledigt, wirst du zuhause sein. Und damit das auch der Fall sein wird, stellen wir dir auf unbestimmte Zeit einen Babysitter an die Seite. So lange bis ICH in dir eine Veränderung sehe."


      Von alle dem bekam Marudan nichts mit. Er stellte einen Auftrag von neuen Tür Scharnieren zu ende. Dabei sah er schon wie Wilk auf ihn wartete. In diesem Zustand der glühenden Scharniere musste er aber vorerst seine Arbeit beenden bevor er Besucher empfangen konnte. Es dauerte nicht lang. 5 Minuten wenn es hoch kam, da empfing Marudan seinen Besuch und hörte diesem zu während er einen Kübel großen Kübel Wasser über seinen Kopf schüttete um sich etwas abzukühlen.
      "Ich verstehe."
      Meinte er zustimmend über das Vorhaben einer weiteren Spezialklasse. Über die 4 Minuten gegen Cetra hörte er aber zum ersten Mal. Marudan musste doch schmunzeln und wischte sich störende Wassertropfen von seinem Gesicht.
      "4 Minuten? Das ist tatsächlich beeindruckend. Der Junge macht sich. Aber er muss in der Theorie noch mehr lernen. Er ist neugierig aber vernebeln ihm seine kleine Freundin etwas die Sinne. Bitte achte darauf dass er der Theorieprüfung gewachsen ist, okay alter Freund?"
      Anschließend empfing Marudan den Auftrag der Waffen, was ihn dazu brachte seine Frau hinaus zu rufen.
      "REONA!! Komm mal her"
      Sie kam geschwind hinaus, dabei las sie aber in recht verträumt in einem Buch, als wäre sie im Autopilot hinaus gelaufen. Erst als sie neben Marudan stand, sah sie ihn an.
      "Hm? Oh, Hallo Wilk. Wie geht es dir?"
      "Mir geht es gut, habt vielen Dank Reona."
      "Bitte schreib doch die Bestellung von Wilk auf, wärst du so gut?"
      Fragte Marudan seine Frau, welche direkt nickte und das Buch für eben diese Zwecke neben der Schmiede aus einem Außenfach heraus hiefte. Es war ein regelrechter Totschläger mit großen Seiten und ebenso viel Platz für Notizen. Als sie auf der neusten Seite angekommen war, welche not genug Platz bot, hörte sie aufmerksam zu und schrieb die Bestellung mit ihrer edlen Feder hinein.
      Marudan versuchte sich immer so gut es ging alles einzuprägen aber hatte er in diesem Fall einfach schon so viele Aufträge, dass es besser war sich diese notieren zu lassen. So nickte er anschließend und versicherte Wilk.
      "Keine Sorge. Überhaupt kein Problem. Gestern kam eine üppige Lieferung an. An Eisen mangelt es vorerst nicht. Die Schwerter für Renera werden schnell fertig sein. Der Speer sollte auch keine Probleme machen."
      Er schien in seinem Kopf alles abzulaufen bis es ihm etwas schwerer fiel einen genauen Tag zu nennen
      "ich weiß nicht. Der Degen ist ne Sache für sich. Bis eine solche Waffe die perfekte Balance hat kann es schon mal etwas dauern. Ich werde mein bestes Geben alles bis zum Ende des Monats fertig zu stellen. Es kann aber auch ein paar Tage länger dauern. Wie gesagt, ich habe einige Aufträge abzuarbeiten nachdem die vorletzte Lieferung überfallen wurde."
      Wilk verstand die Umstände, war aber dennoch froh darüber dass seinem Wunsch mit solcher Mühe entgegen gekommen wurde.


      So wandte sich der Tag langsam nach allen anfallenden Arbeiten wieder zum Ende zu. Langsam aber sicher dämmerte es und die Grillen fingen bei diesen warmen Tagen wieder an zu zierpen. Ebenso normal war es schon für Aradan normal um diese Zeit am Fluss auf Renera zu warten. Beide wussten dass Renera meist ärger bekam wenn sie zu spät nach den Arbeiten im Dorf nach Hause kam, doch wollten beide einfach keinen Tag vergehen lassen ohne sich mindestens für 10 Minuten zu sehen und über den Tag zu sprechen während sie aneinander gelehnt am Fluss entspannten.
      Und so war es auch dieses Mal. Wie ein Uhrwerk trafen sie sich, begrüßten sich mit einem sehnlichen Kuss und setzten sich eng aneinander an den Fluss.
    • Aradan war an düsteren Tagen wie diesen der einzige Lichtblick. Renera nahm es in Kauf, dass sie sich in endlose Diskussionen mit ihrer Mutter begab, nur um diese paar Minuten auskosten zu können, die ihr jeden Tag blieben. Es war eigentlich viel zu wenig.
      "Es wird mal Zeit, dass du wieder in den Unterricht kommst. Die anderen reden schon ständig über dich - mehr als normal, meine ich. Und außerdem können wir uns dann auch viel öfter sehen."
      Sie lehnte sich an ihn und in der Position verharrten sie. Der Fluss war an diesem Tag besonders träge, so als wäre das Wasser selbst zähflüssig. Renera setzte sich wieder auf.
      "Du erinnerst dich doch noch an unser Versprechen vor ein paar Wochen, oder? Als du mir von dem Kryss erzählt hast? Ich habe jetzt auch etwas zu beichten, was du niemandem erzählen darfst, aber vorher will ich das Versprechen erneuern."
      Sie hielt ihm den kleinen Finger hin und verzog die Miene.
      "Das ist wichtig."
      Er willigte ein und sie nahm sich seine ganze Hand und legte sie in ihre, um Mut zu fassen. Sie hatte es seit dem ersten Mal mit sich herumgetragen und mit jedem verstreichendem Tag, wenn sie mehr darüber nachdachte, wurde es noch schlimmer. Außerdem war das noch gar nicht der schlimmste Teil, sondern erst, wenn es herauskommen würde - und das würde es eines Tages ganz sicherlich. Sie sah sich einmal in alle Richtungen um, ob sie allein waren, dann seufzte sie.
      "Meine Mutter hat etwas mit Svenkov. Ich glaube sie hat mit ihm..." Es schüttelte sie. "Du weißt schon. Sie ist wieder schwanger und ich schätze das könnte vom Zeitraum her hinkommen. Er kommt manchmal zu uns, nur spät nachts wenn es schon dunkel ist, und dann sitzt er immer am Tisch und lässt sich bedienen. Wegen ihm stinkt das ganze Haus nach Schaf. Manchmal unterhalten sie sich auch oder er spielt mit Cilla, aber eigentlich seh ich ihn nur ständig rumsitzen. Es ist furchtbar. Ich sage ihr ständig, wenn wir uns streiten, dass er doch überall helfen kann, wenn er doch eh den ganzen Tag nur säuft und am Abend rumsitzt, aber eigentlich will ich nichtmal, dass er mir meine Aufgaben abnimmt. Ich will ihn gar nicht in der Nähe haben. Wusstest du, dass er eine Narbe unter der Achsel hat? Ich wünschte, ich wüsste es nicht."
      Sie verzog die Miene, dann blickte sie zu ihm auf.
      "Was würdest du an meiner Stelle machen?"
    • Renera sprach an was Aradan selbst schon lange unter den Fingernägeln brannte. Er WOLLTE endlich wieder in den Unterricht. Nichts war lästiger als aufzuwachen und einfach nichts tun zu können bis Renera am späten Tag Zeit hatte.
      "Mhm.. Kann ich mir gut vorstellen. Aber lass sie einfach reden. Mutter meinte dass ich ab Montag wieder teilnehmen darf. Ich sitze schon nur noch rum und lerne für die Theorie Prüfung.. Mir hängen Kräuter und Pilze zum Hals raus.. Ich will endlich wieder Spannung in meinem Körper aufbauen können. Ich vermisse meinen Bogen."
      Was Renera dann aber ansprach, versetzte ihn beinahe in eine Schock Starre. Es hörte sich an als würde sie ihm etwas ganz schlimmes beichten wollen. Hatte es etwa mit Tokiv zu tun?
      Direkt hielt sie ihm den Finger hin. Er hatte wohl keine Wahl, auch wenn Er für einen Augenblick zögerte. Doch dann machte Sie wieder einen enormen Druck indem Sie ihm klar machte wie wichtig es sei. Er sah vor seinem inneren Auge schon das schlimmste. Sie wollte nichts mehr von ihm, hatte schon was mit einem anderen im Dorf oder .... erwartete schon ein Kind von jemand anderem?!? War das der Grund für Fijena's tägliche Ausraster?!?!
      Ohne es selbst zu bemerken, hakte er seinen Finger bei Renera ein. Doch waren ihre folgenden Worte auf einer Ebene, die sich Aradan kaum vorstellen konnte.
      Es fiel ihm schwer zu glauben was er hörte aber... sagte sie ernsthaft Svenkov? Von all den Männern im Dorf die alleine waren??
      Verblüfft sah Aradan mit weit geöffneten Augen drein. Er stellte sich in diesem Augenblick vor wie Fijena und Svenkov sich so nahe kamen wie Er und Renera.
      Sein Augenlid fing an unkontrolliert hin und wieder zu zucken als seine Augen wieder Renera fixierten. Es half nicht.
      Aber dann auch noch die Worte über Svenkov's Achsel. Renera wusste wirklich wie man traumatische Gedanken in einem einpflanzen konnte. So hörte man ziemlich deutlich wie Aradan's Magen zu grummeln begann und er kurz darauf das ein oder andere Mal schlucken musste.
      Wie konnte man nur freiwillig mit diesem Kerl....
      Sich wieder zu fangen dauerte deutlich länger als Aradan es wollte, doch waren diese Bilder eine regelrechte Horror Vorstellung.
      Ebenso schwer wie diese Gedanken vorerst zu verdrängen war es Renera einen Rat zu geben. Er sah sie nur noch immer entsetzt an.
      "Svenkov... Ich... Wow... Ich meine... Sie will uns trennen. Hält sich aber den widerwärtigsten, übel riechensten Nichtsnutz? Und lässt sich von ihm...."
      Es brachte nichts. Aradan kam es fast hoch, was ihn schnell dazu brachte aufzustehen und sich vom Fluss kaltes Wasser ins Gesicht zu schmeißen und auch kurz seinen Kopf komplett hinein zu tauchen. Glücklicherweise half das ungemein. Sein Verstand war wieder an der richtigen Stelle.
      Verblüfft musste er aber dennoch aussprechen was er dachte.
      "Wie kann sie das nur tun.. Sie ist so unsinnig streng mit dir. Sie verbietet dir genau die Dinge die Sie selbst tut. Und das auch noch mit den verkehrtesten Leuten die man auf dieser Welt finden kann."
    • Aradan stand schnell auf und ließ Renera erschrocken zurück. Wollte er jetzt etwa abhauen, nachdem sie ihm gebeichtet hatte, was ihr seit Tagen auf dem Herzen lag? Aber nein, er ging nur zum Fluss und spritzte sich das Wasser ins Gesicht. Renera sah zu wie die Tropfen auch sein Oberteil anfeuchteten und ihre Sorgen zogen sich für den Moment zurück, als sie ihm dabei zusah. Dann drehte er sich wieder zu ihr um und sie nahm ihn ungeduldig in Empfang, indem sie ihm die Arme um die Schultern schlang, als er sich wieder zu ihr setzte. Seine Haut war jetzt angenehm kühl.
      "Soll sie doch machen was sie will, aber was, wenn eines Tages jemand davon erfährt? Ich werde mich nie wieder in der Schule blicken lassen können, wenn alle wissen, dass meine Mutter mit Svenkov verkehrt! Ausgerechnet Svenkov! Oh Ara!"
      Sie vergrub ihr Gesicht an Aradan's Schulter und verharrte so, die Arme noch immer um ihn geschlungen. Nach einer Weile trennte sie sich wieder widerwillig von ihm.
      "Meinst du, deine Eltern lassen mich bei dir übernachten?"
    • Aradan wusste gar nicht so richtig was er sagen sollte. Ihre Sorge war immerhin berechtigt. Wenn er schon wegen seiner Augen gehänselt wurde, was würden sich diese Idioten dann erst über Renera her machen?
      "Die Welt ist hart.."
      So plump es auch rüber kam, war es das Einzige was ihm dazu einfiel.
      "Aber Kopf hoch. Wir werden nicht ewig unterrichtet. Am Ende der Woche haben wir schon die Theoretische Prüfung und am Ende des Monats kommt die Überlebens Prüfung. Da werden wir endlich vor den Mauern sein und Ruhe von all dem hier bekommen."
      Aradan freute sich schon sehr darauf und träumte einen Moment vor sich hin.
      "Erinnere dich. Wir werden von hier abhauen sobald wir es dürfen. Die Welt erkunden und ganz viele eigene Erfahrungen sammeln. Ich möchte so sehr die alten Ruinen finden und aus der Vergangenheit lernen. Ich möchte verstehen wie die alte Magie funktioniert, falls sie denn wirklich je existiert hat. Und..."
      er geriet wieder so sehr ins schwärmen, dass Renera ihm die Frage zwei mal stellen musste.
      "Ü..Übernachten? Bei mir? Ich.. ehm.. Also ich denke das sollte überhaupt kein Problem sein aber... wird dich deine Mutter nicht dafür umbringen? Sie ignoriert gerne dass wir nicht die gleichen Fehler machen wie sie selbst und würde es auch nicht einsehen dass meine Eltern da sind um ihre größte Befürchtung zu vermeiden."
    • Aradan wollte also die alte Magie erforschen. Das machte eigentlich schon Sinn, da er ja selbst etwas beinah magisches in sich hatte. Und dazu auch noch die Ruinen finden, das brachte Renera ins Grübeln. Sie hatte eigentlich noch nie darüber nachgedacht, was sie genau machen wollte, wenn sie Melora eines Tages verlassen würde und jetzt zu erfahren, dass Aradan schon eine direkte Vorstellung davon hatte, war doch überwältigend. Es ging sogar so weit, dass sie ihr eben gesagtes gleich wieder verwerfen wollte.
      "Vergessen wir das Übernachten, das war eine dumme Idee. Reden wir doch lieber über die Ruinen, die du finden willst. Oh, ich könnte dich begleiten und deinen Rücken freihalten! Außerdem hast du mir mal beim Training gesagt, dass die Theorieprüfung nicht ganz deine Stärke ist, dann werd' ich einfach die ganzen Mixturen übernehmen und du wirst die Ruinen erkunden. Aber wenn du einen Schatz findest, will ich auch was davon haben! Wir könnten uns davon Armeepferde kaufen, die, die keine Angst vor Kreaturen haben, dann müssen wir auch nirgends mehr hinlaufen. Das hört sich doch gut an!"
      Sie grinste und träumte weiter davon, wie sie mit Aradan auf zwei furchtlosen Pferden über die Landschaft hinweg schoss, schneller und flinker als jeder Läufer und wie sie nur Halt machten, um eine Ruine zu begutachten. Das war viel besser als den ganzen Tag in der Küche zu stehen und Kotze vom Boden zu wischen, während man den ganzen Tag mit der Essenszubereitung beschäftigt war. Es hörte sich sogar besser an als überhaupt drinnen zu sein.
      "Wenn wir die Abschlussprüfung hinter uns haben, gehen wir also Ruinen erforschen. Das find ich gut. Das ist was, worauf man sich freuen kann."
      Sie verbrachten eine weitere Zeit eng nebeneinander sitzend, bis Renera sich schließlich ihrer Verpflichtung beugte und Aradan einen Abschiedskuss auf die Wange drückte.
      "Lern genug für die Prüfung, sonst können wir nicht gleichzeitig den Abschluss machen. Dann muss ich auf dich warten!"
      Sie winkte ihm zum Abschied zu und lief davon.

      Die Prüfung wurde eine Woche, nachdem Momo Aradan als gesund erklärte, angesetzt. Sie fand im Schulgebäude statt und jeder musste sich im Einzelgespräch gegenüber Reona dafür verantworten, wie man welche Wunde pflegte, was die Zutaten für welche Salbe waren, welche Beeren und Pilze wie hießen und welche von ihnen giftig waren und zu guter letzt wie man seine Ausrüstung zu pflegen hatte und welche Überwältigungsstrategie man bei welcher Kreatur ansetzen musste. Außerdem hieß es, dass sie darüber hinaus Grundwissen verlangte, auf das sie sich nicht konkret vorbereiten konnten. Wenn das Grundwissen nicht saß, erklärte ihnen Wilk, konnten sie alles andere gelernte auch gleich wieder vergessen.
      Die Schüler erhielten eine Uhrzeit, zu der sie am Schulgebäude sein sollten, bevor sie hereingelassen würden. Renera erfuhr, dass sie nach Aradan dran war, was entweder gewollt oder reiner Zufall sein konnte. Sie traf früh genug ein um ihn abzupassen, falls er früher herauskam, und stieß dabei auf Ellaya, die von ihrem Nachholunterricht kam. Ihre blonde Schwester sah sie und ging auf sie zu.
      "Hey."
      Sie sah furchtbar aus. Ihre Haare waren nicht gut gekämmt, jedenfalls nicht so wie sie es früher getan hatte, und sie hatte dunkle Augenringe unter den Augen. Ihre Wangen wirkten irgendwie eingefallen, so als ob sie nicht genug essen würde und sie hatte nicht einmal Puder aufgetragen. Sie sah krank aus.
      Ella blieb vor ihr stehen, ihre kleine Tasche in den Armen. Sie wirkte so, als wolle sie etwas sagen, zumindest betrachtete sie Renera eindringlich und öffnete den Mund, aber dann schloss sie ihn wieder. Renera zog die Stirn in Falten.
      "Bist du etwa immer noch beleidigt?"
      Ella zog wortlos wieder von dannen und Renera ärgerte sich. Sie sah ihr nach.
      "Es ist nicht meine Schuld, dass Aradan mich gewählt hat! Ich hab' ihn nicht darum gebeten!"
      Da blieb sie noch einmal stehen und blickte über die Schulter hinweg zu Renera zurück. Ihre Miene spiegelte größtenteils Überraschung und Verwirrung wider, was wiederrum Renera verwirrte. Ging es bei ihrem Beleidigt-Sein etwa nicht darum? Aber Ella sagte nichts, sondern drehte sich wieder um und ging schweigend nachhause.
    • Der Moment bis Renera wieder gehen musste war gekommen. Und so auch wieder die Zeit für Aradan zu lernen. Lange blieb ihm nicht mehr um sich diese verdammten Pilze einzuprägen. Dabei fand er es doch so interessant was diese teils für unglaubliche Wirkungen hatten. Doch sich darüber aufregen brachte ihn auch nicht weiter, also ging er nach hause und verbrachte jeden Tag damit zu lernen. Seine Mutter half ihr in jeder ihrer freien Minuten dabei, was wohl mehr als notwendig gewesen war. Am Ende hatte er tatsächlich das meiste Verinnerlicht, auch wenn einfach nicht verstehen konnte wie man das alles wissen konnte was seine Mutter im Kopf hatte ohne den Kram jeden Tag erneut durch gehen zu müssen. War es normal sich als Erwachsener einfach mehr merken zu können? Hatte es mit dem Wachstum zu tun?

      So kam die Zeit der Prüfung. Die komplette Nacht fand Aradan keinen Schlaf, so nervös war er. Trotzdem gelang es ihm überpünktlich am Schulgebäude anzukommen und trat direkt ein als die letzte Person hinaus kam und ziemlich frustriert wirkte. Na toll. Die Prüfung schien es also ganz schön in sich haben zu müssen. Obendrein war es auch noch seine Mutter die am Tisch saß um ihn abzufragen. Hätte er das vorher gewusst, hätte er sie darum gebeten hin und wieder ein Auge zu zu drücken. Jetzt ging das nicht mehr, wo noch zwei weitere Personen im Raum standen um dafür Sorge zu tragen, dass nicht geschummelt wird.

      Es kam aber tatsächlich anders als erwartet. Diese Fragen waren... War das deren ernst? Es ging tatsächlich nur um die Vegetation im Umkreis von 10-15 Kilometer. Warum hatte er also alle lernen müssen die bisher je gefunden wurden?!? Zwar war er schon etwas erleichtert darüber aber ein bisschen Frust mischte sich trotzdem darunter.
      So bestand Aradan mit 92%. Er hatte tatsächlich nur 3 Pilze und 2 Kräuter durcheinander gebracht, die sich tatsächlich unfassbar ähnelten.
      Froh darüber schritt er aus das Gebäude hinaus, die Nase weit oben und grinsend. Dabei sah er dann Renera schon wartend, welche er stolz seine Punkte mitteilte.
      "92%. Ist das zu glauben? Das wirst du also ganz locker auch hinbekommen."
      daraufhin schlug er ihr Mut auf ihren Rücken und nickte zuversichtlich.
    • "92 %! Ich hoffe das krieg ich auch hin."
      Renera ließ sich von seiner guten Stimmung anstecken, lächelte ihm zu und ging selbst hinein. Sie bestand mit 98 %, weil sie sich nicht an die Textur des Steines erinnern konnte, mit dem man Waffen in der Wildnis schleifen konnte, und zog Aradan für den Rest des Tages damit auf.
      Von der ganzen Klasse waren zwei durchgefallen und drei weitere sollten die Prüfung dennoch ein weiteres Mal absolvieren, weil sich die Prüfer nicht einig waren ob sie bestanden hatten oder nicht, und als eine Woche später sämtliche Nachholprüfungen abgelegt waren, mussten nur drei Schüler die Klasse wiederholen. Ellaya hatte noch die Kurve gerissen und hatte bestanden.
      So war ein kleiner Unterschied zu merken, als beim neuen Unterrichtsbeginn gleich vier Schüler fehlten: Die durchgefallenen und Tokiv. Wilk erklärte ihnen, dass sie im letzten Stadium ihrer Ausbildung angekommen waren.
      "Der Hauptunterricht wird aus Kampf und Alchemie bestehen. Ihr habt alles nötige Wissen, um in der Welt dort draußen auf euch allein gestellt zu sein und das werden wir schulen. Ihr müsst ein Gefecht bestreiten können, ohne vorher über die nötigen Haltungen und Angriffsbewegungen nachdenken zu müssen und ihr müsst in der Lage sein, binnen Minuten lebensnotwendige Salben herzustellen. Ihr werdet außerdem mit Frau Elric in den Wald gehen, um selbst die dafür nötigen Kräuter zu sammeln und dann zusammenzumischen. Ihr werdet eure Reflexe im Kampf darauf trainieren richtig zu handeln und ihr werdet euren Instinkt dafür schulen, Gefahr zu erkennen, auch wenn ihr sie weder sehen, noch hören könnt. Bei der Abschlussprüfung werdet ihr in Zweiergruppen eine Woche im Wald verbringen. Wie ihr bereits wisst, haben wir an den Waldrändern Wachposten aufgestellt, mit denen ihr nicht kommunizieren dürft. Ihr dürft weder in den Wachtürmen schlafen, noch dürft ihr mit den Wächtern reden, wir werden sie darauf hinweisen euch zu ignorieren. Ihr dürft den Wald verlassen, wenn ihr das unbedingt wollt, aber es wird euch keine bessere Beurteilung einbringen und wenn ihr außerhalb des Waldes von Kreaturen angegriffen werdet, werden die Wächter eingreifen, falls sie euch sehen, und dann ist die Prüfung vorbei. Wir werden nicht euer Leben riskieren, also tut dasselbe. Ihr werdet in den Wald nichts mitnehmen und werdet davon leben, was ihr dort findet. Nach dieser Woche kommt ihr zurück und es wird entschieden, ob ihr noch einmal in den Unterricht müsst oder euch von dann an als eigenständige Erwachsene sehen könnt. Das wird alles von der Woche abhängen und davon, wie gut ihr euch bis dahin im Unterricht schlagt. Eine Prüfung im Kampf wird es nicht noch einmal geben, aber wir erwarten dennoch von euch, dass ihr euer bestes gebt."
      Er blickte in die Runde und ein Funken Stolz erschien in seinem Gesicht. Wilk war die Art von Mann, die selten Komplimente von sich gab und das war daher beinah genauso viel wert.
      "Wir fangen heute mit Kampfhaltung an, um das Grundwissen vor der theoretischen Prüfung aufzufrischen. Ihr habt eine Stunde, um euch beim Übungsplatz zu sammeln und aufzuwärmen, denn ich möchte mit ein paar Schülern vorher noch reden. Aradan, Mira, Renera, Konek und Daria, ihr bleibt hier."
      Die Klasse machte sich langsam auf den Weg nach draußen, während die genannten Schüler sitzen blieben. Renera tauschte einen überraschten Blick mit Aradan aus und sah dann Ellaya, die ihr ebenso einen Blick zuwarf. Dann waren alle verschwunden und nur die fünf noch übrig.
      "Vielleicht habt ihr es schon von älteren gehört: Jedes Jahr wird bei der Praxisprüfung eine besondere Aufmerksamkeit auf Schüler gelegt um herauszufinden, ob sie sich für zusätzlichen Unterricht qualifizieren. Eure Prüfer haben mir berichtet, dass ihr alle eine besondere Leistung abgelegt habt, die es zu fördern gilt."
      Er sah jedem von ihnen einmal ins Gesicht.
      "Ihr seid entweder durch eure beispielhafte Kampftaktik aufgefallen, oder durch eine ausgezeichnete Waffenführung oder ein erstaunliches Durchhaltevermögen. Wir haben uns daher dazu entschlossen, euch einer Waffenspezialisierung zuzuweisen, die eurem Kampfstil entsprechen und die richtige Erweiterung eurer Fähigkeiten darstellt. Wir möchten euch nicht für den Rest eures Lebens eine Waffe zuweisen, aber wir wollen damit das volle Potential aus euch herausholen, das sich im normalen Unterricht nicht gezeigt hätte. Ihr werdet einen Mentor erhalten, der eurem Kampfstil entspricht und euch mit euren eigenen Fähigkeiten besser vertraut machen kann. Ab nächster Woche habt ihr damit eine zusätzliche Kampfeinheit bei mir, bei der ihr euch mit euren Waffen vertraut machen könnt und vor allem das gegen- und miteinander Kämpfen lernt. Seht es etwa als Erweiterung des normalen Unterrichts, den ihr selbstverständlich auch besuchen werdet. Eure Mentoren werden abgesehen davon Einzelunterricht mit euch haben, aber das hängt ganz von ihnen ab und wird wahrscheinlich bei jedem anders sein. Sie werden euch noch die Woche aufsuchen, wir haben sie bereits über ihre neuen Schüler informiert. Das ganze beginnt nächste Woche, also stellt euch ab dann auf mehr Unterricht ein. Habt ihr noch Fragen? Ansonsten ab zum Übungsplatz."
    • Der Tag bot wieder einiges an Überraschungen. Erst die doch recht einfache theoretische Prüfung und nun auch noch gesondertes Training unter der Aufsicht von Mentoren? Es war doch etwas schwer einzuordnen ob man sich nun freuen sollte oder ob Meckern angebracht war. Denn hörte sich das alles für Aradan nur nach mehr Unterricht an und nicht nach einer Belobigung. In seinen Augen hätte es mehr Sinn gemacht denen mit Talent mehr Freizeit zu geben aber er wurde nicht gefragt. Wenn Wilk etwas sagte, hielt er lieber Inne und meckerte im Anschluss, sonst würde Wilk ihn wieder runter buttern.
      Eine gute Sache sah Aradan aber darin. Und zwar dass er endlich mehr mit seinem Bogen machen konnte anstatt ständig mit doofen Schwertern oder Kolben umher schwingen zu müssen.

      Fragen hatte keiner aus der kleinen Gruppe, so folgten sie kurz darauf alle dem üblichen Training bis es langsam zu dämmern begann. Endlich war Schluss für heute. Aradan freute sich schon richtig darauf wieder seine Zeit mit Renera zu haben. Er bekam einfach nicht genug davon sie zu halten und ihre Lippen zu kosten, doch sollte das für den heutigen Tag wohl nicht dazu kommen, denn kurz nach Ende schallte die Glocke am Osttor. Wenn diese Glocke dröhnte, stand sofort das komplette Dorf still und sah sich schon nach den Waffen um. Doch war es auch manchmal der Fall dass es nur ein Großhändler war, welche aus der Königsstadt durch nahezu alle Dörfer wanderte um die größten Handel abzuschließen, oder auch neue Erfindungen anzubieten - oder zu kaufen.
      In diesem Fall hörte man direkt dass es eine Handelskaravane war. Das Schnaufen von Pferden und rollen großer Wagen hatte seinen schnell erkennbaren Ton an sich. Es dauerte nicht lang da versammelten sich die Meisten schon an der Handelsstraße um erwartungsvoll dieses Event beiwohnen zu können. Auch Aradan's Mutter war schnell zugegen. Sie kaufte stets unzählig viele Büche und machte selbst ganz schön Geld mit ihren eigenen.
      Aradan nutzte hingegen sein Geschick, welches er über die Zeit auch Renera immer etwas besser beibringen konnte um gemeinsam auf ein Dach nahe des ersten Händlers zu warten. Es war ein perfekter Ausblick auf die heran schreitende Karavane. Es war einfach wie aus einer anderen Welt. Zwei edel in Rüstung gezierte Pferde, darauf ebenso edel gerüstete Ritter mit prächtig im Wind flatternden Schärpen, welche das Wappen des König's zierten.
      Dahinter kamen 4 weitere Pferde die unberitten den großen Wagen zogen. Links und rechts davon je 3 Soldaten mit geholsterten Schwertern, einem Schild und einem Speer gerüstet. Hier und da sahen die Rüstungen und Waffen schon ziemlich blutig aus, doch schien es den Soldaten gut zu gehen, so war es anzunehmen dass sie schon die ein oder andere Auseinandersetzung mit den Monstern hatten und dennoch unverletzt davon kamen. In Aradan stieg der Puls. Er hätte diesen Leuten so gerne tausende Fragen gestellt, doch waren diese meist von höheren Personen aus dem Dorf direkt in tiefe Gespräche verwickelt und blieben auch nie über Nacht.

      Kaum stand der große Wagen in der Handelsstraße, wurde es lauter. Der Handel ging sofort los. Tribute wurden anhand von Holz und Wasser aufgeladen während andere Objekte abgeladen wurden.
      "Schau dir das an Rena. Wie die sich alle um die Waren reißen. Oder da. Diese Schärpe der Ritter.. sowas kriegt nicht mal unser Schneider hin. Wie man so edlen Stoff weben kann wird mir auf ewig ein Rätsel sein. Aber.."
      Aradan schmunzelte etwa
      "Die Rüstungen kriegt Vater tausend mal besser hin."
      Kurz darauf klapperte es unter den Beiden. Aradan sah am Dach hinunter und warf sich erschrocken flach auf den Rücken zurück. Den Satz hatte wohl eine Wache der Königsstadt gehört, welche direkt unter Ihnen Stellung bezogen hatte.
      Aradan lief leicht rot, grinste danach aber wieder als sein kleiner Schreck nach lies.
      Es wirkte sogar von oben aus so, als seien die Besuche alle ziemlich nett. Keiner sah grimmig drein. Hier und dort wurde sogar kurz mit Kindern gespielt wenn diese sehr neugierig die Pferde ansahen. Aradan ärgerte sich immerzu. Jedes Mal wenn er versuchte mit einem Soldaten zu sprechen, kam ihm schon Jemand zuvor aber die Kinder schaften es jedes mal kurz dessen Aufmerksamkeit zu erhaschen. Sogar jetzt sprach der Soldat unter ihnen schon mit zwei Erwachsenen.
    • Der Tag erfuhr eine positive Abrundung durch die Ankunft des Großhändlers. Zuerst noch ermüdet von dem nun herausfordernderem Unterricht, wurden sämtliche Schüler erneut belebt, als die Glocken und der darauffolgende Trubel am Osttor den Händler ankündigte. Der Händler aus der Hauptstadt, der nur alle paar Monate vorbei kam und manchmal sogar länger brauchte, wenn es unterwegs Schwierigkeiten gab oder der König irgendwelche Verordnungen erließ, durch die sich seine Abreise verzögerten. Dementsprechend ließ keiner eine Sekunde vergehen, sondern rannte sofort zur Straße, um sich einen möglichst guten Platz bei der Ankunft zu sichern. Renera lief schnell Aradan hinterher; Er hatte einen anderen Plan. Sie benutzten eins der Dächer für ihren Aussichtsplatz, wobei Renera noch immer Hilfe benötigte beim hochklettern, während Aradan schon längst oben saß. An manch anderen Tagen beschwerte sie sich, wenn er sich bei solchen Dingen so leicht tat, aber nicht an diesem Tag. An diesem Tag setzte sie sich gleich neben ihn und blickte der Karawane voller Sehnsucht entgegen.
      Ihre Einreise glich einem prunkvollem Aufmarsch, dem nur noch die Fanfaren gefehlt hätten. Die Banner flatterten im Wind, als wäre er nur dazu da dem Wappen des Königs Leben einzuhauchen und die Rüstungen der Soldaten warfen das Sonnenlicht zurück. Ganze sechs Pferde besaß diese Karawane! Auch nur ein einziges davon war mehr wert als ganz Melora und seine Bewohner zusammen. Es waren ungeheure Tiere, die vor Muskelkraft nur so trotzten und mit ihren dicken Hufen tiefe Abdrücke im Boden hinterließen. Renera dachte gleich, dass sie die Pferde Ellaya zeigen musste, aber dann fiel ihr ein, dass sie ja noch immer beleidigt war. Sie dachte kurz daran Aradan auf die Pferde aufmerksam zu machen, aber der hatte schon etwas anderes in Blick genommen. Sie nickte, während sie beobachtete, was er meinte.
      "Die haben alle so bunte Verzierungen drauf. Die Farben sind so hell! Bei uns sieht irgendwie alles grau aus, wenn man das miteinander vergleicht."
      Sie blickte bei einem Geräusch mit Aradan von der Dachkante, erschrak sich dann aber über seine plötzliche Reaktion. Sie warf ihm einen bösen Blick zu, aber bei so einem Grinsen hielt sie sowieso keine zwei Sekunden aus. Kurz darauf zeigte sie auf einen Ritter, der von seinem Pferd gestiegen war und es jetzt bei den Zügeln nahm, damit die Kinder herantreten konnten.
      "Sieh dir mal sein Schwert an! Sogar die Hülle glänzt richtig! Wenn die nur ein bisschen heller wäre, könnte man sie glatt als Spiegel hernehmen!"
      Sie kam aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Selbst das Pferd war in eine schönere Rüstung gekleidet, als sie sie jemals zu Gesicht bekommen hatte. Und der Wagen erst! So groß und kompliziert verbaut - man hatte sogar das Holz bemalt, um Verzierungen darzustellen und das Wappen zu zeigen. Der Händler konnte gar nicht genug Gold haben, so viel Prunk wie er besaß.
      Rodon bahnte sich schon seinen Weg durch die Masse, um den Händler in Empfang zu nehmen. Die beiden tauschten immer einige Worte aus, manchmal ging er mit ihm auch ins Bürgerhaus, bevor er ihn wieder in die weite Welt entließ. Es war schon eine Schande, wie wenig sie letztendlich von dem Händler hatten, aber andere Dörfer mussten schließlich auch etwas von ihm haben. Das erinnerte Renera an etwas.
      "Komm' mit runter! Ich will wissen, was der Händler für Neuigkeiten hat - vom König und von den Städten und den Dörfern."
      Sie wartete gar nicht erst auf Aradan, sondern rutschte gleich zum Dachrand und sprang runter, ehe sie zu Rodon aufschloss. Normalerweise war der Händler auch sowas wie ein Bote, der ihnen von der Welt berichtete.
    • Aradan lies nicht lange auf sich warten und folgte seiner Geliebten promt. Sie hatte tatsächlich eine gute Idee. Wer weiß was es neues gab außer den ganzen teuren Dingen auf der Karre. Leisten konnte er sich so oder so nichts, also warum sich von dem Prunk ablenken lassen. In dem Moment folgte er Renera voller Begeisterung über ihr schnelles Handeln und schlich mit ihr wie zwei Auftragsmörder in den Gassen und schattigen Gebieten hinter Rodon und dem Ritter her um jedes Wort mitzubekommen, welches ganz klar nicht direkt jeder hören sollte. Warum sonst gingen sie so weit ab der Menge.
      Nach einem Moment übernahm Aradan die Führung da in der Gasse, welche sie wählten, gerne mal ein paar rostige Dinge rum lagen.
      "Vorsicht."
      flüsterte er besorgt und schnappte sich Renera für einen Augenblick und trug sie geschickt auf seinen Armen durch die Gasse ehe er sie wieder ab ließ und beide sich hinter einer Kiste versteckten. So konnte man die Beiden besten hören, auch wenn sich die Beiden bewusst etwas gedämpft unterhielten.
      Es ging grob um die allgemeine Lage. Kein weiteres Dorf fiel seit dem von Renera einem Angriff einher. Die Zahlen der Monster hielten sich wohl auch in Grenzen auch wenn hier und dort ein paar Verlorene umher streiften. Erst hatte Aradan die Befürchtung dass es eine neue Spezies gäbe, doch waren damit wohl nur die Läufer gemeint, wie sie auch hier schon gesichtet wurden. Ganz einfach tatsächlich verlorene Monster die sich nicht dem üblichen Drang nach gaben ein Dorf anzugreifen.
      Auch erzählte der Ritter von einem Engpass an Soldaten. Er würde sich wünschen dass sich mehr Leute trauten der Armee beizutreten, doch fühlten sich die Meisten so sicher hinter dessen Mauern, dass es einfach keinen Grund gab sich einem gefährlichen Job anzunehmen.
      Doch dann schlugen sie ein eher bedrohlicheres Thema an. Die Rede war von einem Angriff von ganzen 3 Wanderern auf das Königreich.
      Nicht nur Aradan stand die Überraschung ins Gesicht geschrieben, auch Rodon entgegnete ungläubig dass sowas nicht möglich wäre. So wusste jeder dass ein Wanderer selbst schon so unglaublich selten war, dass es beinahe irrsinnig klang dass sich ein solcher überhaupt bis zur Königsstadt verirren konnte aber nun 3 auf einmal? Noch dazu zeitgleich? Es war kaum auszumalen was mit der Menschheit passieren würde wenn sich Wanderer tatsächlich in Gruppen oder gar Rudel fortbewegen würden. Bisher hatte Melora noch nie das Vergnügen eines Wanderers gehabt, doch wenn sie sich mal einem entgegen sehen würden, würden die Palisaden des Dorfes dieser Kreatur laut Wilk grade mal bis zum Becken gehen.
      Beeindruckt lauschte Aradan weiter. Diese Königsstadt hatte es tatsächlich geschafft diese Wesen abzuhalten? Noch dazu sprach der Ritter von brennendem Pech, welches sie ihre Mauern herab fließen lassen haben. Direkt fragte sich Aradan wie verflucht hoch dessen Mauern sein mussten, dass ein Wanderer nicht ganz leicht darüber hinweg blicken konnte.
      Die Aufregung packte ihn, was unbemerkt dazu führte dass er beide Hände von Renera nahm, dabei aber konzentriert weiter zuhörte.

      "Meinen Sie nicht wir haben den Kindern nun genug Angst eingejagt?"
      Rodon fing sofort an zu lachen
      "Aber ja alter Freund. Das sollte reichen."
      So wandten sich beide der Gasse mit den Kisten und anderem Kram zu ehe Rodon rief
      "Na kommt schon raus ihr Zwei. Ihr seid beim besten Willen nicht so leise wie ihr glaubt. Zeigt euch."
      Aradan schluckte ertappt. Wie konnten die beiden das nur wissen? Er hat doch so sehr auf seine Füße geachtet. Aber unmittelbar packte Aradan wieder sein Beschützer Instinkt. Niemals wollte er dass Renera ärger bekommt also wies er sie mit einem Finger vor seinem Mund an ruhig zu bleiben und still stehen zu bleiben als er kurz darauf aus der Gasse hinaus trat.
      "Ich ähm... Tut mir Leid ich war zufällig in der Gegend und... Aber ich bin alleine hier!"
      Rodon rollte mit den Augen. Beinahe jeder im Dorf mit Augen im Kopf wusste dass Aradan nur noch im Doppelpack aufzufinden war, also richtete sich seine Stimme erneut den Kisten.
      "Du auch Renera."
    • Renera mochte es mit Aradan Zeit zu verbringen. Er schloss sich ihren Abenteuern an, ohne sie weiter zu hinterfragen und setzte sogar noch einen drauf. Renera kicherte überrascht, als er sie unverhofft hochhob, und musste sich selbst ermahnen still zu sein, was sie nur noch mehr zum Kichern brachte, ehe er sie schon wieder absetzte. Sie wollte ihn schon mit einem der Ritter vergleichen, als sie sich beide hinter einer der Kisten verstecken mussten, als Rodon und der Händler stehen blieben. Renera bekämpfte noch immer ihren Lachanfall und sah zu Aradan auf. Aus diesem Winkel sah er schon fast wie ein Mann aus und ein edler noch dazu. In der Stadt könnte er sicher als Fürst durchgehen.
      Die beiden Männer wandten sich plötzlich ihrem Versteck zu und Renera musste sich sehr beherrschen, um nicht ungesehen das Weite zu suchen. Aber Aradan kam ihr zuvor; Er trat absichtlich hervor und wollte sie in Schutz nehmen! Er war doch tatsächlich wie ein Ritter in schimmernder Rüstung. Sie kicherte erneut und dann fand sie es auch gar nicht mehr schlimm, als Rodon auch sie erkannt zu haben schien. Sie versuchte sich an Aradan's Heldenmut zu halten, als sie hervorsprang und sich mit breiten Beinen neben ihm aufstellte.
      "Ihr könnt uns nicht auf einmal erwischen! Wir sind ganz sicher schneller als ihr!"
      Rodon lachte erneut und auch der Händler schien vergnügt zu sein.
      "Wir wollen euch auch gar nicht erwischen. Aber, wenn ich es mir recht überlege, ich glaube ich habe Wilk irgendwo in der Menge gesehen. Ich wette er kann es mit euch beiden aufnehmen."
      Renera ergriff Aradan's Hand und deklarierte laut: "Niemals!", ehe sie ihn mit auf eine halsbrecherische Flucht durch die nächste Straße zog. Hier war es ziemlich leer, besonders nachdem sich das halbe Dorf beim Händlerkarren scharrte - umso überraschter war sie daher, als sie um die Ecke bog und in jemanden hinein lief. Es war einer der Soldaten in der prunkvollen Rüstung, der sein Schild auf den Rücken gespannt hatte und gerade mit dem Schneider Sergos redete. In ihn hineinzulaufen war, als würde sie gegen eine Wand rennen und seine Eisenplatten klirrten ein wenig, als er sich nach ihr umdrehte. Er hatte seinen Helm abgezogen und trug ihn unter dem Arm, seine Haare fielen ihm in die Stirn. Es war ein mittelalter Mann mit blonden Strähnen und einem breiten Kiefer, der so aussah, als wäre er dazu gemacht zu zermalmen. Im Gegensatz zu den herzlichen Soldaten am Karren, wirkte dieser hier düster und starrte Renera nieder, anstatt sie im Plauderton zu empfangen wie Rodon. Renera wich automatisch vor ihm zurück. Im Hintergrund zog Sergos die Stirn in Falten und schien sich schnell um die Stoffballen kümmern zu wollen, die vor seinem Laden in ein paar Kisten lagen. Der Soldat hatte ihm wahrscheinlich tragen geholfen.
    • Aradan kam nicht umher zu lachen als er mit Renera diese, wenn auch kurze, spannende Flucht antrat. Mit Ihr hätte er gewiss jeden Schabernack mit gemacht.
      Dass es dann aber so schnell auf eine eiserne Wand treffen sollte, war wohl weder von Ihm, noch von Renera geplant gewesen. Und was suchte dieser Silberling hier überhaupt? Noch dazu mit dem Schneider.
      Wäre ihm diese Situation nicht seltsamer vor gekommen als das Wohlsein von Renera, hätte er sicher wieder zu schnell zu viele Fragen gestellt. Nun galt sich aber erst einmal zu erkundigen ob alles an der rechten Stelle saß. Nicht dass sie wieder mit einer gebrochenen Nase durch das Dorf laufen musste.
      "Ist alles okay Rena?! Gehts dir gut?"
      Nach einem schnellen Check bäumte er sich direkt vor ihr auf und stemmte seine Fäuste an die Hüften, den Blick direkt auf die Augen des Soldaten fixiert.
      "Was waget Ihr euch meine Maid zu schmerzen?! Ihr seid ein Unhold!"
      Einer Mixtur aus tatsächlicher Wut dem Soldaten gegenüber und überzogenem Schauspiel wie er sich den Adel im Königreich vorstellte, suchte er eigentlich nur nach Schwachstellen in dessen Rüstung, welche Aradan tatsächlich fand, seines Vaters wissend wie eine solche Rüstung im Detail aufgebaut war. Es waren immer die Gelenke und das Gemächt, welche nur schwer gepanzert werden konnten. Doch wäre wohl ein regelrechter Sturm auf Ihn und Renera nieder gebrochen wenn er einen Königs Soldaten angegriffen hätte. Also zeigte er stattdessen schnell über sich
      "ACHTUNG!!!"
      Alle fielen auf diese plötzliche Warnung herein. Nur Aradan grinste, wissend dass es noch eine weitere Schwachstelle gab. Der Soldat hatte nämlich keinen Helm auf, so war er gegen jeden Schmutz, Staub und Kiesel ungeschützt. Genau das war es was Aradan kurz vor der Warnung hinter seinem Rücken in die Luft geworfen hatte.
      Wie erwünscht bekam der Ritter das Meiste ab. Es knisterte auf dessen Rüstung, was für Aradan das Zeichen war schleunigst das Weite zu suchen. Selbstredend mit seiner geliebten an der Hand, welcher er rechtzeitig genug die Hand auf die Augen gelegt hatte.
      Der Ritter und Schneider bekamen den ein oder anderen Kieselstein ins Auge, was eher ärgerlich als schmerzhaft war. Obendrein war es die Tat eines Kindes, den Augen des Soldaten nach. Also rieb dieser sich die Augen rein nachdem dieses kleine Schauspiel vorbei war und wandte sich wieder dem Schneider zu.
      "Wenn deine Informationen korrekt sind, werdet ihr noch in diesem Jahr von uns hören. Solch eine Entdeckung muss mit der Menschheit geteilt werden. Es wäre ein Verbrechen dies dem König vor zu enthalten."

      Nun ganze 5 Häuser entfernt, kam Aradan wieder zum stehen und atmete erst einmal einige Male tief durch bis er nicht umher konnte wieder zu lachen. Es packte ihn regelrecht. Er lachte so sehr dass er sich den Bauch und das Gesicht hielt. Schon lange hatte es nicht mehr so viel Spaß gemacht Blödsinn anzustellen. Was ihn direkt darauf erinnerte mit wem er diesen Spaß teilte. So hörte er promt auf zu lachen, packte sich Renera in einer kräftigen Umarmung und küsste sie als spräche die purste Euphorie aus ihm.
    • Renera vergaß den Zwischenfall sofort wieder und lachte vergnügt. Natürlich ging es ihr gut, nur der Soldat, der fast doppelt so groß und natürlich doppelt so breit wie Aradan war, machte ein dummes Gesicht, als Aradan sich ihm stellte. Und dann überwältigte er ihn auch noch! Renera konnte sich gar nicht mehr halten vor lachen und ließ sich mehr oder weniger von Aradan mitziehen, ehe auch er endlich anhielt und sie gemeinsam über das dumme Gesicht des Soldaten lachten. Dann packte er sie plötzlich und drückte ihr den dicksten Kuss auf den Mund, der auch für einen Moment ihr Lachen verhinderte. Sie erwiderte den Kuss, dann beugte sie sich in seinen Armen in einer theatralischen Geste nach hinten und legte sich den Handrücken an die Stirn.
      "Ihr habt mich vor dem Ungeheuer gerettet, edler Ritter! Ich war des Verzweifelns nah... Aber dann! Dann kamt Ihr und habt das Monstrum mit einer List überwältigt!"
      Sie richtete sich grinsend wieder auf und schlang ihm die Arme um den Hals.
      "Ihr könnt jetzt meine Hand in der Ehe haben."
      Daraufhin küsste sie ihn feierlich und grinste ihn an. Dann küsste sie ihn nochmal und nochmal. Sie blieben noch eine ganze Weile an der Straßenecke ineinander verschlungen, bis Renera schließlich zurück zum Markt wollte, um sich die Sachen vom Händler anzusehen und dann auch dabei zu sein, wenn er Melora wieder verließ. Sie verschränkte ihre Hand mit der von Aradan und führte ihn zurück zur Menschenmenge.
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