[2er RPG] Taranoke's Vermächtnis

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    • Hew begann mit der Vorführung, und erzählte Aranis Dinge, die sie möglicherweise schon unlängst wusste. Katapulte, Schleudern und anderes Wurfgerät gab es schließlich nicht nur in Mehyve zu finden. Es waren eher Unterschiede bei der Konstruktion solcher Gerätschaften, die Vor oder Nachteile brachten. Dennoch waren Hews Geräte bei der letzen Schlacht schon von Wert gewesen, während man von Raz kaum was hörte, oder gar nichts. Das war wiederum ein Pluspunkt für Perrots Mannschaften.
      Aranis hörte aufmerksam zu, bei den Erklärungen, die er aufbot.
      Das erste Geschoss wurde zielsicher abgefeuert, und Hew punktete erneut mit einer schnellen Nachladezeit. Wenn der Gegner doppelt, oder dreifach so lange benötigte, gab das nur Vorteile. Brandmunition war natürlich auch umsetzbar. Und die Sache mit Metallnetzen war auch unlängst bekannt und angewendet worden.
      Hew sprach auch von einer mit Schießpulver genutzten Waffe, angelehnt an die Kanonen der Seefahrer.
      "Hew Perrot, mir sind solche Waffen durchaus bekannt. Lyxaxu stellt wesentlich bessere Kanonen her, als ihr es hier vorzuführen wagt. Und ich selbst habe schon in einem Piratenschiff eine Kanone in Stellung gebracht und abgefeuert. Sie ist durchaus nutzbar und erfüllt ihren Zweck. Aber, sobald das Schießpulver feucht wird, ist es unbrauchbar. Besondere Vorkehrungen müssen getroffen werden. Und wenn der Feind das Pulverlager findet, oder ein Brandpfeil seinen Weg dorthin beschreitet, kann das großen Schaden verursachen. Wendet es daher verteilt auf kleinere Verbände an. Nutzt wie auf einem Schiff Pulveraffen, die das Pulver aus sicheren Bereichen im Hintergrund zu den Waffen bringen."
      Raz wusste nicht, ob er über Hew lachen oder üder die Schmerzen seiner Fingernägel fluchen sollte, die sich nun ebenfalls Nervös in die Armlehnen gruben, so fest griff er zu. Hew selbst schien nervös und zu schwitzen, tupfte sich gelegentlich mit einem Tuch die Stirn. Aber er schien sich auch zu entspannen. Sein erster Schlag war ein Erfolg. Zudem bekam er Ratschläge der Königin, die selbst wohl schon mit derartigen Dingen handhabte. Sie gab ihm gewissermaßen die Zustimmung. Wenn er jetzt noch an Lyxaxus Qualitäten ranreichen sollte ....
      Raz knurrte Hew an. "Pahh, deine Geräte sind nichts weiter als Standardmittel, die jeder hat. Und Zwerge sind schlaue Burschen. Und sie sind zäh. Ich wollt mit bekannten Mitteln eine Zwergenfestung stürmen, die nicht nur Mauern aus dicken Steinquadern besitzt, sondern auch deren Truppen einiges wegstecken können. Sie haben sicher Abwehmaßnahmen für Katapultangriffe, da bin ich mir sicher."
      Selbstverständlich musste er Hes Material so schlecht hinstellen wie möglich. Wie könnte er es wagen, nicht an solche Kleinigkeiten gedacht zu haben. Dennoch hatte seine Vorführung Erfolg gebracht und Aranis schien zufrieden.
      "Schickt Boten nach Padmoor, zu den dortigen Werkstätten. Sie sollen mit der Herstellung vorort beginnen. Ihr folgt alsbald und werdet höchstpersönlich den Bau beaufsichtigen, und eine entsprechende Anzahl rechtzeitig fertigstellen. Mit Truppen und Ausrüstung benötigen wir sicher zwei Tage von dort bis zum Tor und zur Mauer. Ihr habt also nur Zeit bis zwei Tage vor dem Angriff. Enttäuscht micht nicht. Ihr wisst, was demjenigen Droht, der mich unzufrieden stimmt?", meinte Aranis, und Raz nickte. Er würde ganz sicher nicht für diesen Einfallspinsel schuften wollen. Hew sollte vor ihm im Staub kriechen, und Stiefel lecken.
      Nun, naxhdem Hew mit seiner Vorstellung geendet hatte, bot Aranis Raz an, sein Gerät vorzuführen. Zufrieden grinsend, wie ein Bengel der es kaum noch abwarten konnte, einem etwas tolles zu zeigen, kicherte er und ließ Signal geben. Die Faust von Aranis war bereits in Position gerollt worden, ganz so, wie in einer echten Schlacht auf das Ziel ausgerichtet.
      "Eure Majestät, wir beginnen nun mit dem Abriss der Mauer. Wie ihr seht, habe ich sie verstärken lassen, mit Felsen aus dem Steinbruch. Ich versuche die Qualität der Camisser Wallmauern bestmöglichst zu simulieren. Zunächst werden wir die Faust an die Mauer bringen müssen."
      Er wedelte mit der Hand und langsam rollte das Gerät an. Er erklärte das unten im Fahrgestell 28 Pferde angebunden waren, und eine große Anzahl an Arbeitern zusätzlich mitschoben und auch die Lenkachse bediente. Geschützt waren sie durch eine mit Klingen versehende Metallkettenschürze, die über den Boden schliff, so einen undurchdrttinglichen Vorhang bot, der dennoch flexibel zum Untergrund blieb. Über ihnen gab es eine Lauframpe, wo der Stamm mit der Metallfaust und die Rammer standen. Sie würden die Faust zurückziehen und in einer Verankerung arretierin. Zusätzlich sollte eine Feder mit Gegengewicht gespannt werden. Anweisungen gab es von oben aus dem Aussichtsturm, der zusätzlich mit Schützen oder auch Magiern stationiert werden konnte. Der Rest war vollkommen vor feindlichen Angriffen abgeschirmt, und auch gegen Feuerangriffe gab es nötige Löschvorbereitungen, und wenig brennbare Materialien an der Außenpanzerung.
      Die Faust erreiche die Mauer und das Gerät blieb stehen.
      Erneut gab Raz ein Signal, und dann dauerte es ein paar Sekunden, bis eine rötlich schimmernde Eisenfaust vorn aus dem Turm schnellte und gegen die Felsen krachte. Es gab nen ordentlichen Rumms und einer der Felsen bekam einen sichtbaren Riss. Dann wurde der Rammbock wieder eingeholt und nach 30 weiteren sekunden schnellte er wieder vor, und zerbrach den Felsen. Noch zweimal wiederholte er die Prozedur und nach gut 2 Minuten brach die verstärkte Steinmauer zusammen.
      Aranis selbst schien mit jedem Rammstoß zufriedener und erwartungsvoller zu schauen. Bot sich hier tatsächlich der Anblick einer nicht magischen Art, eine schier undurchbrechliche Wallmauer der Zwerge zum Einsturz zu bringen?
      Und Alf war noch nicht fertig. Er kicherte und gab erneut Signal. Eine Truppe aus 25 Soldaten marschierte im Laufschritt auf das Gerät zu, an dessen hinterem Ende eine Rampe runtergelassen wurde.
      "Seht, euer Majestät. Jetzt öffnen wir die Faust, die ein großes Loch in die Mauer geschlagen hat. Im Turm wird der Rammbock nun in die Höhe gezogen, so das sie Lauframpe frei wird. Wir schieben vorn eine weitrere im Boden verbaute Rampe vor, wie eine Brücke, so das wir ohne all zu große Mühen nun Soldaten durch dire Faust leiten und die gegnerischen Festungsanlagen erstürmen können. Auch sie sind dabei vollkommen vor Schützen abgesichert, sobald sie im Inneren laufen. Nur der Feind muss seine Verteidigung erst noch neu organisieren, ehe er mit dieser Überraschung fertig werden könnte. Genug Zeit also, ausreichend Soldaten hinter die Mauern zu befördern. So können wir ganze Festungen einnehmen, ohne den Mauern zu viel Schaden zuzuführen, die hinterher dank Hews Geräten mühselig wieder ausgebessert werden müssen., hehehe."
      Selbst Aranis schien zu lachen. Sie nickte wohlwollend zu Raz und dankte ihm für diese Vorführung. "Ja, ihr habt wahrlich eine Schreckensmaschine erfunden. Aber wie gedenkt ihr, dieses Ungetüm rechtzeitig nach Camisse zu befördern?"
      Raz gackerte erneut und rieb sich schon die Hände. "Ganz einfach, eure Majestät. Der schwere Rammbock und der Aussichtsturm werden abmontiert. Sie werden seperat auf Transportwagen nach Camisse gebracht, das das wir das Gewicht halbieren. Auch die Kettenschürze bauen wir erst vorort wieder an. Die Zugmannschaften kommen dann mit der Faust auf gleicher Marschgeschwindigkeit voran."
      "Ausgezeichnet, Raz. Ich kann es kaum abwarten, bis ihr eure Waffe gegen den Wall verwendet. Ihr habt mich heute beide zufrieden gestellt. Ich erwarte vollen Einsatz bei der Schlacht. Camisse muss fallen."
      Sie erhob sich und starrte nochmals zu der Waffe, die ihren Namen trug. Dann verschwand sie in der Kutsche und fuhr wieder fort. Raz brach innerlich zusammen. Was hätte nicht alles schief gehen können,nachdem Hew solch Erfolg hatte mit seinen Geräten. Er baute sich damit auf, vor Hew anzugeben, Aranis Augen auf seine Maschine gebunden zu haben. Lachend humpelte er zur Faust hinüber, ließ Hew allein zurück. Der hatte bestimmt eh schon die Weinflasche geleert, um sein Zittern zu verbergen.
      Eine Sache hatte Raz nicht bedacht, das Hew Spionage und Sabotage betrieben hatte. Raz kosten waren explodiert und er war so gut wie Bankrott. Einige Arbeitsschritte mussten häufig wiederholt werden, bis er eine andere Form der Berichterstattung anordnete, da offenbar Anweisungen schlecht weitergereicht wurden. Trotzdem hatte er es geschafft.

      Jemand kam zu Perrot und sprach ihn an. "Sir Perrot, ich mache Meldung aus Raz Werkstätten. Mir kam zu Ohren, das es wohl im Fahrgestell zu Problemen kam. Angeblich sei das Holz zu dünn gesägt worden, so das es fast auseinanderbrach. Einsenbesvhläge hatte man zur Verstärkung draufgeschlagen, und verschraubt. Ich denke, für eine erfolgreiche Sabotage, vielleicht bei der Schlacht selbst, könnten wir dafür sorgen, das seine Maschine wie eine Faust der Lächerlichkeit einschlagen wird. Wenn sie zusammenbricht, bevor die Mauer fällt, könnten wir gezielt mit den Kanonen oder schweren Felsbrocken das Loch freischießen, und selbst den Ruhm ernten, den Raz für sich beansprucht. Was haltet ihr davon?"
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    • Aranis schien gütig gestimmt zu sein. Sie teilte Hew zwar ihren Unmut über einige Dinge mit, aber letzten Endes schien sie zufrieden mit seinem Angebot.
      Nur Alf war ihm noch ein Strich durch die Rechnung. Diesmal konnte er sich auch nicht zurückhalten, er ließ sich auf dessen Provokationen ein.
      "Zumindest sind sie altbewehrt und immer zuverlässig! Ich muss dich ja wohl nicht daran erinnern, dass mein Vater an der Übernahme von Camisse vor 8 Jahren geholfen hatte? Ich glaube Prinz Zane hatte damals keinen Grund, sich über seine "Standardmittel" zu beschweren!"
      Er verschränkte die Arme wie ein beleidigtes Kind und ließ zu, dass Alf ungestöhrt seine Vorführung machen konnte. Zu seiner Schadenfreude entdeckte er gleich die Nachteile über die Geschwindigkeit und den Aufbau, musste allerdings nichts weiter dazu sagen, da Aranis es auch schon auffiel. Dennoch beendete Alf seine Vorführung mit Bravour, als die Mauer unter dem Zusammenstoß erst bröckelte und dann einfiel. Es sah tatsächlich so aus, als wäre die Maschine eine tatsächliche Bedrohung für die dicken Steinmauern von Camisse und Hew konnte nicht anders als zu denken, dass seine Trebuchets wahrscheinlich keinen solchen Erfolg vorweisen würden. Es war wirklich ärgerlich. Dabei hatte er seinem Spion befohlen das Holz zu sabotieren - war ihm das etwa nicht gelungen? Er würde noch einmal Rücksprache mit ihm halten müssen. Sich vielleicht einen anderen Plan ausdenken.
      Aranis zog bald wieder ab, zweifellos um noch andere Vorbereitungen für die Schlacht zu treffen, und Alf zog siegessicher von dannen. Hew schickte ihm innerlich Flüche hinterher, während er beobachtete, wie der andere triumphierend zu seiner Waffe schlenderte. Kurz darauf näherte sich Hew ein Bediensteter. Er blickte abschätzend zu ihm hinab und sah dann wieder in die Ferne zu Alf. Seine eigenen Geräte wurden langsam vom Feld gerollt.
      "Sabotage in den eigenen Reihen während einer Schlacht ist ein Kriegsverbrechen, wegen dem sich sämtliche vergangene Könige Mehyves im Grab umdrehen würden. Behindert ihn weiter bei seinen Arbeiten, aber lasst ihn in Ruhe, sobald er loszieht. Wenn die Faust bis dahin noch funktioniert, werden wir eh nichts daran ändern können."
      Der Bedienstete nickte ehrerbietig und wollte bereits gehen, da hielt ihn Hew doch noch einmal zurück. Er hatte den Blick noch immer auf Alf gerichtet und schien nachzudenken.
      "Aber eine Sache können wir machen. Ich will, dass ein paar meiner Arbeiter in der Nacht vor der Schlacht seine Faust beschmieren. Sie sollen sich Farbe mitnehmen und dann sollen sie "Aranis's Faust in Camisses Loch" draufschreiben. Am besten auf die Unterseite seines Turms, irgendwo hin, wo man es erst bemerkt, wenn das Gerät zusammengebaut ist. Die Faust soll Aranis verhöhnen und sie wie eine vulgäre Liebhaberin aussehen lassen. Sie wird sich dazu gezwungen sehen die Faust unbenutzt zu lassen, um nicht zum Gespött sämtlicher Soldaten zu werden. Kriegen wir das hin?"
      Der Bedienstete dachte einen Moment darüber nach.
      "Ich schlage vor, jemanden für diese Aufgabe zu bezahlen. Die beiden Wägen, mit denen die Faust transportiert wird, werden sicherlich gut bewacht sein, daher müssten die Wachen erst abgelenkt und dann der Schriftzug unbeobachtet angebracht werden. Es wäre viel zu riskant, wenn man dabei Eure eigenen Arbeiter entdecken sollte."
      "Das ist ein guter Punkt. Hör dich in der Waldtaverne um und berichte mir von möglichen Kandidaten. Ich will sie selbst überprüfen, bevor ich sie mit einer so riskanten Aufgabe betraue."
      Der Bedienstete nickte erneut und hastete dann davon. Hew beobachtete, wie Alf selbstsicher seine Befehle herumreichte, nach denen die Faust wieder abgebaut wurde. O ja, er würde ihn und sämtliche Raz Werkstätten bloßstellen. Er würde ihn als Verräter der eigenen Königin darstellen lassen.
    • Palast von Mehyve

      Die letzten Tage und Wochen waren sehr ereignisreich gewesen und ebenso schnell verstrichen, seit Aranis nicht nur den Palast sondern auch ganz Mehyve erobert hatte. Ihre Macht schien grenzenlos zu sein. Innerlich grinste sie, wenn sie an ihre Erinnerungen dachte, die sie als Flora gesammelt hatte. Wiederlich, dieser Pfad der Tugend, beschritten von einem unreifen und frechen Gör, das sich überall einmischte. Und jedesmal spazierte sie in irgendwelche Ortschaften, Gemäuer oder Räumlichkeiten, und verließ diese als Sieger. Eine ganze Armee wäre zerbrochen, aber Aranis spazierte einfach so in den Palast und warf die Königin vom Thron, nur um selbst darauf sitzen zu können. Lächerlich. Sollte man ganz Taranoke auf diese Weise erobern? Ein interessanter Gedanke. Zum Gegner reisen, vorsprechen, zuschlagen und einnehmen. Leider bestand immer die Möglichkeit von Aufständen oder als Königsmörder verurteilt zu werden. Daher blieb nur der harte Weg. Nur in Mehyve hatte sie genug Soldaten hinter sich, um hier ihre Herrschaft auszukosten. Alles andere musste dezimiert werden, um den Wiederstand zu brechen. Spätere Aushebungen würden die Verluste ausgleichen. Befehl der Vermehrung an die Bevölkerung. Jeder zweite Sohn und jede zweite Tocher würden zur Armee eingezogen werden, und eine ausreichend starke Anzahl an Truppen aufstellen, die in der Lage wäre, über Taranoke hinaus Eroberungen auszuführen.
      Wieder stand sie vor einem Spiegel, drehte sich, ließ ihre Hände über Brust und Bauch gleiten, begutachtete sich.
      Es klopfte. "Herrein."
      Scarlett Vermell betrat das Gemach der Königin. "Was willst du?", floss es kühl zur Kriegerin, die vor einger Zeit noch selbst den Thron und die Herrschaft anstrebte, nun aber Aranis anerkannte. Sicher gab es irgendwannmal eine andere Chance. Aber vorerst musste ihre hohe Stellung als oberste Befehlshaberin aller Streitkräfte reichen.
      "Verehrte Göttin, verzeiht das ich störe, aber einige Soldaten scheinen Gerüchte über den König zu verbreiten. Sie fragen sich, warum er so plötzlich Taranoke verlassen musste, kaum das er gekrönt wurde. Solltet ihr dagegen nichts unternehmen?"
      Aranis kicherte. "Was sollen sie schon über ihn erzählen? Er hat eine Aufgabe die ihn leider für ein gutes Jahr beschäftigen wird. Es ist auch ein Vertrauenstest. Er soll beweisen, das er als König Mehyve voll und ganz dient, von Nutzem ist. Das ist alles. Er wird mit Schätzen zurückkehren, mit Wissen und mit Verbündeten. Und ich erwarte, das bis zu seiner Rückkehr Taranoke unter meiner Kontrolle ist. Bestrafe die Soldaten, die falsches berichten. Schneidet ihre Zungenspitzen in Spaltenform, wie bei einer Schlange. Brennt die Schnittwunden mit Blei aus. Das wird sie zum schweigen bringen und weiteren Soldaten die Lust der Beteiligung vergehen lassen. Gibt es sonst noch was? Sicher kamst du nicht deswegen her."
      Scarlett nickte, um den Befehl zu bestätigen und auch um die Annahme zu bejahen. "Meine Aufgabe. Ich sagtet, ich darf frei über einen General der Hauptarmee verfügen. Und ich soll die nördlichen Grenzgebiete gegen Vultjag sichern. Und ich soll in Vultjag Brandschatzen. Ihr spracht von einem Turm, den ich erobern oder zerstören soll. Hat er eine besondere Bedeutung?"
      Aranis grinste. "Ja, das hat er. Er steht mit Arana in Verbindung. Ein wenig hab ich mal darüber gelesen, jedoch schenkte ich dem damals nicht viel Bedeutung. Ruinen oder alte Bauwerke gibt es zahlreiche, mehr noch als den Meisten bekannt ist. Vultjag aber scheint einennarren an dem Turm gefressen zu haben. Zudem steht er im Herzen der Wüste.Wenn wir dort har zuschlagen und ihm diesen Ort nehmen, wird Skor blind werden vor Zorn. Und es wird Vultjags Krieger demoralisieren."
      Scarlett nickte erneut. "Gut, ich werde meine Aufgabe erfüllen. Aber schaffte das nicht eine Angriffsmöglichkeit für die westlichen Reiche? Vultjag würde sie nicht hindern können, die Ost-West Passage zu durchqueren."
      "Na und? Wir haben zwei große Armeen in der Westregion. Es wäre töricht, uns dort anzugreifen. Außerdem werden wir Brerand dann mit den Barbaren, und Lyxaxu an den Küsten mit den Piraten und unseren Seeflotten angreifen. Zeitgleich fordern wir den Rückzug, um die Angriffe einzustellen. Und Garlingen wird nichts unternehmen, bis Codren Goldfield eine Lösung gefunden hat. Aber die, hehehe, ist mit den Feldern bereits im Kampf. Den ganzen Sommer werden wir vor ihr Ruhe haben, und erst im Winter wird sie sich wieder blicken lassen. Wir haben nichts zu befürchten."
      Scarlett verneigte sich und zog sich dann wieder zurück. Offenbar schien Aranis in vielen Bereichen vorauszuplanen, und ihr Wissen über ihre Heimat zu nutzen. Und die Waldelfen alleine wäre zu schwach, um Mehyve ernsthaft bedrohen zu können. UNd Camisse selbst steht dann unter Belagerung, während sie Vultjag beschäftigt. Und der konnte ebenfalls jederzeit auch auf See oder von den Barbaren angegriffen werden. Aranis hatte alles verfügbaren Krieger auf Land und See mobilisiert. Im Kernland und den Ortschaften gab es nur noch Notverteidigung. Ob das eine gute Idee war?
      Allerdings gab es da noch diese Fremde, wie hieß sie noch? Katsly...Kassie? Wie auch immer, aber dieses seltsame Frau hatte sich einen hohe Stellung in der Magierkaste erämpft. Sie kam nicht aus Taranoke, schien aber Aranis anzubeten und ihr verfallen zu sein. Auf sie musste Scarlett Acht geben. Und auch auf diesen Uzin, der sich ganze Bibliotheken zusammen ziehen lässt, um all mögliches Wissen über die wichtigsten Dinge anzueignen. Ein gieriger Narr, der Aranis sicher nur genutzt hatte, um hier schalten und walten zu können. Ein Hund der immer dann angekrochen kam, wenn er einen Knochen wollte. Dabei kläffte er jeden an, der seinem Frauchen zu nahe trat.


      Padmoor - mehrere Tage später
      Armeelager von Mehyve
      Haus Elosia

      Haus Elosia war bereits eines der ersten, das seine Truppen nach Padmoor verlegt hatte. William war der erste, der hier eingetroffen war. Seine Schwester, Rose Elosia, die Kommadantin der 2. mehyvischen Armee, würde noch folgen. Sie waren dabei, wenn es darum ging, die berühmte Camisser Wallmauer zu durchbrechen, und das Osttor einzunehmen. Ein mächtige Aufgabe, die Aranis ihnen stellte. Aber sie waren ja nicht allein. Bald würden viele Häuser und ihre Soldaten hier aufmarschieren.
      Padmoor war ein großes Dorf voller Holzfäller Familien. Es gab hier Sägewerke und Werkstätten, die bereits fertiges Material für den Handel oder den Eigenbedarf in der gesamten Westregion Mehyves stellten. Aber zur Zeit fehlten hier im Ort etwas dreiviertel aller Männer und Frauen, die mit Holzarbeiten zu tun hatten. Sie waren abgezogen worden, mitten in den Wald von Padmoor. Dort schlugen sie Holz für die Belagerungsmaschinen, die Vorort noch gefertigt wurden. Außerdem legten sie so Fläschen frei für die Streitmacht, die dort sicher vor feindlichen Blicken lagern sollte. Hier gab es nichtmal Handelswege, sondern nur Wildnis. Niemand würde sie entdecken, bis sie losziehen würden.
      Durch den Wald und mit voller Ausrüstung, allen Geräten, dürfte diese Wegstrecke sicher zwei Tage beanspruchen. Dazu noch der Aufbau des Belagerungslagers. Der Feind wird diese Zeit ebenfalls nutzen, das wusste William. Aber er sollte das ruhig tun. Je mehr Soldaten er sammelte, desto mehr konnten sie beim ersten Angriff niederschlagen, und den Zwergen einen großen Verlust zuführen.

      Nördlich war Vermell aufmarschiert. Ein General, Miria Isard, Kommandantin der 4. mehyvischen Armee und natürlich Haus Menglin, welches Vermell unterstützen sollte. Diese würden hier in Camisse nicht aufmarschieren. Aber alle anderen waren nach und nach zu erwarten. Die erste Streitmacht war für den Wall. Wenn die hochgerüstete Folgestreitmacht Camisse erreichte, sollten sie nur noch die anderen Aufgaben erledigen. Aber noch glühten die Öfen, und die Spitzhacken der Bergleute, um alle voll auszurüsten. Verluste der letzten Schlacht galt es zu decken.
      William marschierte durch die Ortschaft. Mehrere tausend Einwohner gab es hier. Kein kleiner Ort. Etwas südlich lag noch Admoor und das Waldgebiet von Admoor. Diese Ortschaft war etwas kleiner als Padmoor, hatte aber dieselbe Aufgabe zu erfüllen, auch wenn die Hälfte der Anwohner aus Bauern bestand.
      Überall sah er Soldaten, mit unterschiedlichen Wappen. Viele kleine Unterhäuser oder Familien. Manche werden Ruhm ernten, andere nur ihre gefallenen Kameraden betrauen dürfen.
      Er sah auf. "Oh, ein Wappen ... Servic. Hat sich das Haus auch schon herverirrt.", sprach er zu sich selbst. Mehrere Pferde angebunden vor einer Schenke, wiesen ihn darauf hin. Sicher ein paar Offiziere, die hier schon erste Arbeiten erledigten. Bier trinken.
      Da waren noch andere. Er beschloss weiter hinten eines der Gasthäuser aufzusuchen. Nahe des Marktplatzes war es viel belebter.
      Am Gasthaus "Zum Groben Holzfäller" schien es bereits rund zu gehen. Ein Soldat hing aus dem Fenster, die Armee schlaff nach unter. Der schlummerte wohl schon. Ein Stuhl vor der Tür und ein paar Neugierige, die vorsichtig in die Fenster spähten. Er klirrte, knackte und schepperte. Eine deftige Schlägerei bei der garantiert der Alkohol dran Schuld war. Oder die einzelnen Häuser und Familien hatten sich gegenseitig provoziert, und noch die ein oder andere Rechnung offen.
      William straffte sich. Zeit, Ordnung zu machen. So ein Sauhaufen sollte Mehyve präsentieren? Das war doch eher was für Camisser.
      Er trat ein, und fand reichlich Leute in Zwei oder Gruppenkämpfen wieder. Der Besitzer und derr Koch sowie die ein oder andere Magd standen weiter hinten in der Tür zur Küche, und gafften erschrocken auf die Situation, die reichlich Schäden verursachen würde.
      Jetzt war auch klar, wer hier mit wem kämpfte. Es waren die Padmoorer Holzarbeiter, die wohl mit gewissen Umständen unzufrieden waren. Grobe, mächtige Unterarme und schwielige Handpranken, maßen sich mit ausgebildeten dratigen Armen, die Schwerter durch feindlichen Rüstungen treiben sollten.
      Während einige die eher daneben standen, bereits Williams Anwesendheit und dessen Rang bemerkten, etwas weiter auf Abstand gingen, waren die anderen so beschäftigt, das nicht mal ne wilde Horde Vultjags hier aufgefallen wäre.
      Er straffte sich erneut und holte tief Luft, um sich Gehör zu verschaffen. Da rauschte auch schon ein Spieß an ihm vorbei und blieb zitternd in dem Holzbalken des Türrahmens stecken. Er hatten den Luftzug an rechten Ohr gepürt, und blickte kurz mit großen Augen auf das Werkzeug. Ein zweiter Versuch scheiterte ebenfalls, als er wieder Luft einsog und dann plötzlich von hinten umgerämpelt wurde, als die Brüder Goff und Brottel Waldbusch die Gaststätte stürmten, um ihren dritten Bruder zu rächen, der draußen in der Tränke saß und ein blaues Auge und eine Beule am Kopf hatte.
      Die Baumbrechenden Brüder hatten sofort die Uniform im Blick und schoben den Verursacher beiseite - sehr höflich, so das William sich förmlich an der Luft verschluckte, ehe er bäuchlings am Boden lag, und Zähne knirschend den Kopf schüttelte.
      Kurz darauf mischte er kraftvoll mit, um sich bei den Brüdern zu bedanken. Für den Moment konnte die Ordnung durchaus auch mal chaotisch sein.

      Zwei weitere Offiziere standen vor dem Gasthaus. Sosanna Lionsky, Kommandantin der 3. mehyvischen Armee und jemand aus dem Hause Servic.
      "Was geht hier vor? Hat der Kampf schon begonnen? Ist das eine neue Rebellion? Wer hat Informationen, und wo sind die Verantwortlichen? Etwa da drinnen? Sagt doch auch mal was!", polterte sie den Offizier aus Servic an, dessen Haus durchaus für Spionagearbeit bekannt war. Sollten die nicht alles wissen?
      Der Greifvogel auf ihrem Arm schrie kurz schrill auf, als wollte er seiner Herrin zustimmen.
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    • Padmoor

      Die ersten mehyvschen Truppen zogen in Richtung der Berge, tausende Männer und Frauen, die in Padmoor ihre Zelte aufschlugen, den Boden mit ihren Stiefeln aufwühlten und ihren Abfall auf die Straße warfen. Sklaven kamen angelaufen um Latrinen auszuheben und später die Rüstungen zu polieren - schließlich wollte man Camisse eine Streitmacht präsentieren, die von einer Göttin angeführt wurde, und nicht nur aus einem Haufen ungewaschener Soldaten bestand. Die Präsentation der Einheiten hatte eine hohe Priorität, das war ganz unumstreitbar und dementsprechend versuchte man das angehende Heerlager so angenehm wie nur möglich zu gestalten.
      Doch genauso wie das Lager bei der Rebellenschlacht Tunsey geprägt hatte, so würde auch Padmoor von den zehntausend Soldaten nicht unbeschadet bleiben. Je mehr Häuser mit ihren Truppen einzogen, desto lauter wurde es, desto schlammiger wurde der aufgewühlte Boden und stinkender die Luft. Ein Armeenlager war durchaus nichts angenehmes.
      Die örtlichen Geschäfte wurden bereits von eben diesen lärmenden Soldaten heimgesucht. Es dauerte nicht lang, da hatte sich im Gasthaus "Zum Groben Holzfäller" bereits eine Prügelei entwickelt und in einem kleinen Geschäft mit geschnitzten Holzfiguren war nach einer Diskussion mit dem Ladeninhaber ein Regal gestürzt und hatte eben jenen unter seinen eigenen Figürchen begraben. Die Familie war rasend. Je schneller die Soldaten wieder wegziehen würden, desto besser wäre es für Padmoor.
      Das Gasthaus war allerdings ein hoffnungsloser Fall. Schon jetzt war eine Scheibe eingeschlagen und viele der Tische und Stühle vermissten mindestens ein Bein, wenn sie denn überhaupt noch intakt waren. Draußen drang der ungebremste Lärm des Kampfes zu den wenigen Besuchern, die sich anscheinend dazu entschieden hatten nicht mitzumischen. Unter ihnen hatte sich der 2. Offizier aus dem Hause Servic, Ebrok, neben die herumlungernde Kommandantin Lionsky gestellt, in der Hoffnung, bei ihr durch seine glänzende Uniform Eindruck schinden zu können. Es war nicht so, dass er sich erhoffte der Dame den Hof machen zu können - seine Frau würde ihn wahrscheinlich umbringen - aber es war doch eine Tatsache, dass der Ruhm der einen Person auch auf die überging, die neben ihr stand. Also hatte er sich in ihre Nähe begeben in der Hoffnung, sie würde seine Anwesenheit zumindest tolerieren. Und das tat sie auch.
      "Ähh... Ich..."
      Diesen Moment durfte er nicht vermasseln, in dem eine Kommandantin zu ihm sprach.
      "Ich denke das sind elosische Soldaten", brachte er hervor, nachdem er versucht hatte die Farben auf der Uniform zu entschlüsseln, die der Mann, der aus dem Fenster hing, trug.
      "Aber ich glaube, Sir Elosia ist schon reingegangen. Er wird sicherlich für Ruhe sorgen."
      Er nickte nachdrücklich und schielte dann zur Kommandantin rüber. Sah sie auch gut das Wappen auf seiner Brust? Sollte er ihr vielleicht seinen Namen nennen - nur für den Fall?
      In der Nähe tummelten sich zunehmend die Soldaten, allerdings hielten sie Abstand zu den beiden Würdenträgern. Mit der Zeit gesellte sich aber auch der General aus Barazet zu ihnen, ein kleiner, aber stämmiger Mann, der vor Kommandantin Lionsky salutierte und dem Offizier aus Servic zunickte. Er schien das Gasthaus gar nicht zu bemerken.
      "Das Zelt für die Generäle wurde auf die Westseite verschoben, General Dracul und Servic warten bereits. Sie wollen noch einmal den Plan durchgehen, wenn alle eingetroffen sind. Soll ich Euch zeigen, wo sich das Zelt befindet?"
      Er bot ihr den Arm an und Ebrok zog die Stirn in Falten. Erst war er noch aufgeregt gewesen neben gleich zwei Generälen zu stehen, aber jetzt würden ihn beide verlassen. Naja, dann konnte er auch genauso gut im Gasthaus mitmischen.
    • Mehyvisches Truppenlager
      Kommandozelt

      Selbstverständlich verließ Sosanna diesen schmutzigen Ort voller Barbaren. Konnten sich die Truppen denn in keinem Ort benehmen? Das grenzte ja erneut an einer Rebellion von Anstand und Ordnung. Aber den angebotenen Arm wies sie ab, da sie bereits ihren Greifvogel hatte. Das genügte. Zudem ließ sie später auch ihr Zelt verlegen, so wie die meisten der hochrangigen Offiziere, die möglichst nah am Hauptzelt bleiben wollten, um ja nichts zu verpassen, oder zu spät zu kommen.

      In den folgenden Tagen rückten weitere Truppen ein und so langsam erreichte die Armee die volle Stärke. Streitigkeiten innerhalb der Dorfgrenzen und davor waren unlängt beigelegt, nachdem die Holzfäller die Soldaten für würdig erklärten, und die Soldaten die Holzfäller anerkannten - als gleichwertige Krieger.
      Rose Elosia war nicht begeistert gewesen, über das Verhalten ihres Bruders, und hatte ihm einen ordentlichen Gang gegeben. Als die Generäle heute zur Versammlung antraten, hatte William immernoch einen leicht blauen Schimmer um eines der Augen, welches dem Bluterguss einer harten Holzfällerfaust nachhaltig Präsens zollte. Am nächsten Morgen nach der Schlägerei sah er am schlimmsten aus. Geschwollen und lediert. Dabei hatte er selbst noch einen Dorfbewohner durch den Thresen gerammt, bevor er nicht mehr wusste, was weiter geschehen war, und nur den Erzählungen glauben schenken konnte.
      Mittlerweile war die Sache unlängst vergessen.

      Wie immer war es Servic, der noch fehlte. Vermutlich sammelte er noch letzte Informationen, um nicht wieder mit falschen Aussagen vor versammelter Mannschaft dazustehen. Lionsky saß bereits auf ihrem Platz, den Kopf stützend in mit Fingern verschränkten Händen haltend nach vorn geneigt, mit Blick auf die Leere des Holztisches vor ihr. Hinter ihr an der Zeltwand stand eine Stange, auf der ihr Greifvogel saß und die Runde beäugte.
      Vlad Dracul saß mit dem Rücken zum Eingang, was ihn nicht störte. Er war stets in seine Rüstung gehüllt, behielt auch jetzt den Helm auf, der seine Stimme schallen ließ. Dabei saß er fast regungslos, wie eine Statue, die man mit Blut verschmiert hatte, und langsam in der Sonne ausblich. Die Hände lagen nah am Tischrand, zu halten Fäusten zusammengezogen. Ein Kelch mit Wein stand vor ihm, aber er war noch unberührt. Lionsky hatte bereits ihren halben Kelch geleert. William saß mit verschränkten Armen vor der Brust zurückgelehnt in seinem Stuhl, mit geschlossenen Augen, die ihn nachdenkend oder dösend erscheinen ließen. Rose saß daneben und schwenkte ihren Wein im Kelch, nippte alle paar Sekunden daran.
      Oriel und Ariel Negrell selbst waren heute erst eingetroffen, hatten sich schon vor einer Stunden hier im Zelt aufgehalten und bewirten lassen.
      Verflucht waren diese Schwestern. Sie saßen da, als wäre es eine Person, die neben einem Spiegel saß, wenn man von einem bestimmten Winkel hinsah. Man konnte sich durchaus davon schon gruseln, aber erst wenn man über ihre Kampfkünste und Taten sprach, sah man lieber weg, ehe man ihre Blicke auf sich zog. Gerüchte wollte man lieber auch nicht weiter aufkochen als notwendig.
      Wer noch fehlte waren Krend und ein paar weitere kleinere Häuser. Aber dieser rückte mit Aranis später aus, traf voraussichtlich erst zum Schlachtbeginn ein. Seine Armee würde nicht direkt den Wall stürmen, denn dafür waren die anderen hier.
      Servic und Negrell sollten auch etwas geschont werden, aber mussten dennoch vollen Einsatz zeigen, denn sie mussten nach dem Wallbruch ihre Truppen sammeln und weiterziehen bis zur Burg Anvil. Diese sollte spätestens drei Tage nach dem Wallbruch belagert werden. Sie hatten also nur einen Tag Zeit, alle Truppen ruhen, versorgen und neu ausrüsten zu lassen, ehe sie mit ganzer Ausrüstung weiter ins Land von Camisse vorstoßen würden.
      Krend würde unterdessen nördlich durch die Berge ziehen. Der Marsch dürfte sicher vier Tage Zeit kosten, aber dann wird er Silver Helm belagern. Vermutlich haben sie dann schon Verstärkung nach Anvil geschickt. Oder wenn sie Mehyves zweite Armee bemerken, sich abgebunkert und vorbereitet. Jedenfalls werden nicht genug Truppen da sein, um beide Armeen vollständig an ihrer Arbeit zu hindern.
      Aranis selbst wird dann beim Osttor warten. Elosia und Dracul werden dieses verteidigen, ausbauen und auch das Umland erkunden.
      Soweit stand es schon fest. Der Rest musste hier noch besprochen werden. In vier Tagen sollte der Kampf am Wall beginnen, der sich einige Kilometer zwischen dem nördlichen und südlichen Ostgebirge erstreckte, und mittendrin das Tor, ebenfalls von einigen Felsen und kleineren Bergausläufern gesichert. Man hatte den Stein zum Bau zum Teil vorn aus dem Fels geschlsgen, um ein Erklimmen zu erschweren. Sie hatten quasi aus den Felsen kleine Mauern gebaut, die nahtlos in die richtigen Mauern übergingen.

      Noch Jemand war anwesend. Hier im Wald gab es schließlich noch eine Aufgabe zu erledigen. Hew Perrot, der für die Belangerungsmaschinerie verantwortlich war, saß ebenfalls zu Tisch, um zu erfahren, wo er in Stellung gehen sollte, und welches Gerät wo am sinnvollsten zu nutzen wäre. Auch Alf Raz war anwesend, saß dort wie einer, der von Aranis selbst einen Knochen zum Spielen bekommen hatte. Gelegentlich ein stechender, abwertender Blick zu Hew gerichtet, dazu das süffige Grinsen. Genüsslich nahm er gern mehr Wein und ließ nachschenken. Seine Aufgabe war wohl die einfachste unf zugleich wichtigste überhaupt. Seine Maschine sollte den Entscheidungsschlag gegen den Wall führen, und den Truppen Zugang verschaffen. Erstmal hinter den Mauern war es bald ein Leichtes, die Toren zu öffnen, um den Rest reinstürmen zu lassen. Die Tore selbst waren zu schwer befestigt. Holz, Stein und Stahl so dick wie ein Mann lang war. Vier mit Stahl beschlagene Baumstämme dienten als Riegel, die mit Gegengewichten bewegt werden konnten. Da kam man nicht ohne weiteres durch. Feuerfest, Rammsicher und höchstens Magie hätte hier noch etwas bewirken können.

      "Wo bleibt dieser Servic? Hat er vor, bei der Schlacht auch der letzte zu sein, der erscheint?", fragte Oriel in die Runde.
      "Nur die Ruhe, er wird sicher kommen. Trinken wir doch einfach noch etwas Wein. Wenn nichts mehr für ihn übrig bleibt, wird es ihm eine Lehre sein, hehehe.", warf sich Raz ein, der innerlich glaubte, hier mehr sagen zu dürfen, als Hew. Er war ja schließlich sehr wichtig für alle.


      Aranis

      Sie war ebenfalls bereits auf dem Weg in das westliche Gebiet von Mehyve. Krends Armee bot hier die Hauptstreitmacht, zusätzliche Truppen noch jene, die sie selbst mitgebracht hatte, beim Einzug in den Palast. Ihre persönliche Absicherung auf den Reisen. Uzin war nicht dabei, aber Kasli saß mit in der Kutsche. Sie hatte das Recht, an Aranis Seite zu sitzen, auch wenn sie gegenüber saß in der Kutsche. Aranis selbst, startte aus dem Fenster, welches mit Vorhängen zugezogen werden konnte. Sie begutachtete das Land in der Umgebung, fand es teilweise als zu trocken, um hier Felder zu errichten. Viel Fläsche, das kaum Nutzen bot, wenig Material brachte und wenig einladend war. Perfekt um Straflager zu errichten. Vielleicht ein großes Bauwerk. Ja, alles was sich als Unwürdig erweist, wird hierher verlegt und zu Sklavenarbeit verdammt. Und ein großes Monument ihrer Macht sollte hier errichtet werden. Und am Ende dürfen seine Erbauer ihr Blut zollen, als Opfergabe.
      Auf ihrem Schoß lag noch ein Buch, zur Hälfte aufgeschlagen, welches gerade aber keine Beachtung findet. Ein paar alte Geschichten zu Aranis, aber auch das Verständnis eines dunklen Zaubers, welchen man hier erlernen konnte. Verständnis und Anwendung waren nötig, um ihn ausführen zu können. Unweigerlich musste sie anerkennen, das fast alle Bücher so geschrieben waren, und einen Anwendungszauber berjherbergten. Wer hätte das schon herausfinden können. Selbst ihr als Flora Goldfield war es nicht immer bewusst gewesen, wenn sie in alten Büchern las. Diese handelten meist eh nur von Arana, und selten von Aranis. Eine Schande. Das musste sich unbedingt ändern.
      Kasli, eine Verbündete aus Übersee, die nun eine kleine Armee aus Zauberkundigen führte, hatte ihr auch schon einiges erzählt. Sie war zu Aranis Mondpriesterin aufgestiegen und somit von einer Gefangenen, einer umherziehenden Reisenden, zu einer mächtigen Person Mehyves geworden. Ein Hoch auf den Piraten, der nun mit den Fischen schwimmt.
      Bisher hatte sie noch keine passende Gelegenheit erhalten, Uzin loszuwerden. Aber aufgeschoben war nicht aufgehoben. Eine gute Möglichkeit war es, die Abwesendheit Aranis zu nutze zu machen. Bei der Rückkehr musste sie nur zuerst im Palast sein, um dan Uzin was anzuhängen. Eine geheime Machtübernahme oder sowas. Jemanden in Uzins Namen vielleicht noch ein Attentat auf Aranis ansetzen lassen, und es dann selbst verhindern? Möglichkeiten gab es viele, es durfte nur keiner merken, das sie die Wurzel des Übels war. Aranis würde nur noch ihr vertrauen. Und Kasli würde alles bekommen, was Uzin aufgebaut hat.
      Die Sonne stach durch die Wolkendecke und ein Lichtstrahl flutete die Kutsche. Zischend zog Aranis den Vorhang zu. "Ja, versuche dich nur mit deinem Licht, Schwester. Es wird bald mir zu diensten stehen. Verlass dich drauf ..."
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    • Mit einer ganzen Stunde Verspätung und einem Gefolge, das einem König würdig gewesen wäre, schloss sich auch Servic der Runde an, der zur Überraschung eine Rüstung trug. Natürlich war sie auf seinen Körper zurechtgeschnitten und glänzend, wie es für eine Generalsrüstung notwendig war, aber jetzt sah er noch mehr Fehl am Platz aus als sonst. Er murmelte irgendwas unverständliches, machte sich in seiner Rüstung klein und begab sich mit einem Gefolge von 20 Mann an seinen Platz, woraufhin erst die Bediensteten sich zerstreuten und größtenteils das Zelt wieder verließen. Ariel schnaubte erst, dann lachte sie laut.
      "Servic in einer Rüstung?! Wollt Ihr etwa am Kampf teilnehmen?! Vielleicht werden die Zwerge ja aufgeben, wenn Ihr ihnen einen Brief vors Gesicht haltet!"
      Sie lachte noch lauter und schlug mit der flachen Hand auf den Tisch, als sei das der lustigste Scherz des Jahrhunderts. Keiner stimmte wirklich in das Gelächter mit ein, viele bedachten eher Servic mit einem grimmigen Blick oder beobachteten unbeteiligt, wie Ariel sich amüsierte. Hew sah sie selbst grimmig an. Seine Arbeiter schwärmten viel von den großen Häusern mit ihren großen Anführern, aber was er zu sehen bekam, war alles andere als großartig. Dracul war wie eine Statue, die Schwestern machten sich über alles und jeden lustig der ihnen unter die Nasen kam, Lionsky war wie ein aufbrausender Sturm, William prügelte sich mit Holzfällern und Alf, naja, er war halt Alf. Die einzige anständige dieser Runde war Rose, wobei sie auch diejenige war, die die Runde endlich diplomatisch eröffnete.
      "Lasst uns nicht länger aufhalten als nötig. Wir müssen noch einmal den Schlachtplan durchgehen, damit auch alles gut läuft. Ihre Majestät wird auch dieses Mal anwesend sein und wir wollen schließlich ihren Anforderungen erfüllen."
      Sie breitete die Karte der Mauer auf dem Tisch auf.
      "Dieser Punkt, den wir anmarschieren werden, ist auch der Punkt, an dem die Mauer aufgebrochen werden soll. Dracul, Ihr werdet Eure Truppen an der Front bewegen und Aranis' Faust Deckung verschaffen. Während wir andere außerhalb der Reichweite der Bogenschützen bleiben, während Perrot's Maschinen das Feuer eröffnen, wird Dracul die Faust zur Mauer begleiten und schützen. Sollten Schwierigkeiten entstehen, werden wir die Kavallerie zu Hilfe holen, aber es sollte nicht nötig sein."
      Der General gab ein kurzes Nicken von sich.
      "Wir werden warten, bis Aranis' Faust die Mauer zum brechen bringt und werden uns auf Euer Zeichen in Bewegung setzen, Raz. Sobald abzusehen ist, dass die Mauer mit dem nächsten Schlag zerbricht, werden die anderen Truppen vor ziehen und den Anlauf nutzen, um einen schnellen und drastischen Vorstoß durchzuführen. Die Faust muss auf der Stelle aus dem Weg gebracht werden und an einer anderen Stelle neu angesetzt werden. Die ersten Truppen - meine Truppen - werden durch das Loch stürmen und uns eine Schneise freikämpfen, damit der Rest nachziehen kann. Sollte die Mauer noch immer stehen, werden wir sie so schnell wie möglich erstürmen, um die Bogenschützen auszuschalten. Zu diesem Zeitpunkt könnt auch Ihr Euch uns anschließen, Dracul. Wir werden den Platz hinter der Mauer einnehmen und sichern, bevor wir weiter ins Innere vorstoßen. Die Zwerge kennen sich in ihrer Heimat besser aus und werden sicherlich dieses Wissen zu ihrem Vorteil nutzen. Wir dürfen zu keinem Zeitpunkt zulassen, dass unser Rückweg versperrt ist oder die Verstärkung nicht zu uns aufholen kann. Dafür seid Ihr verantwortlich, Servic, Ihr bildet die Nachhut.
      Wir werden uns innen aufteilen und die Gruppen einzeln losschicken. Die Straßen sind nicht groß genug für eine ganze Armee und so wird es schwieriger werden, sie zu umzingeln. Wir werden schnell sein, um sie daran zu hindern sich neu zu formatieren und wir werden Soldaten zurücklassen, um den Weg nach draußen zu sichern. Ich wiederhole noch einmal: Der Weg zur Verstärkung hat absolute Priorität. Ich verlasse mich auf jeden einzelnen von euch, dass ihr dafür sorgen werdet. Aranis wird sicher nicht glücklich sein, wenn ihre größte Armee von den Zwergen zerschlagen wird. Lionsky, Ihr haltet die Westflanke, Isard, Ihr die Ostflanke. Eure Aufgabe ist es zusätzlich Flüchtende aufzuhalten. Wir lassen niemanden heraus, aber wir nehmen Gefangene. Aranis wird sich sicher darüber freuen.
      Haben alle den Plan verstanden? Weiß man schon, wo Aranis und Krend sind?"
      Ihr Blick haftete sich automatisch auf Servic.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Codren () aus folgendem Grund: Miria Isard ist nicht anwesend

    • Oriel musste ebenfalls grinsen, auch wenn es nur ihre Schwester war, die lauthals lachte, war es doch recht amüsant, Servic hoch gerüstet zu sehen, und so schwer bewacht, als würde er hier im eigenem Lager von Banditen und Söldnern Vultjags überfallen und ausgeraubt werden. Hinter jedem Zelt lauerte schließlich der Feind. Das ganze Lager war infiltriert. Selbst wenn der Feind nicht mal wusste, was auf ihm zu kam. Kein Zwerg kam in die Nähe der Wälder, da Spähkommandos jeden Späher der Zwerge vertrieben, wenn sie ihre Bereiche zu sehr verließen und mehyvischen Boden beritten.
      Hier gab es keine Mauern oder Bauwerke, die eine Linie, die auf einer Karte existierte, auch mittem im Landgebiet offen darstellte. Im Grenzbereich war es also immer ein wenig brenzlig, wenn man behauptete, das Stück Gras unter den Hufen gehört diesem oder jenem Banner. Spielräume gab es gern mal einige Kilometer. Das nutzte jeder aus. Und nur wenn es wichtig war, beanspruchte jemand direkt einen Bereich, und scheuchte alle anderen fort.
      Rose Elosia schaffte es schließlich, das sich alle wieder halbwegs ordentlich benahmen und die Ohren spitzten. Eine Karte wurde ausgerollt, die das Gebiet mit und vor der Mauer zeigten. Nahe des Tores waren Durchbrüche geplant, wobei Raz ein wenig zu grunzen anfing, da Rose wohl sein Gerät nicht ganz verstanden hatte. Er hob kuru die Hand und bat um Gehör.
      "*räusper* Verehrte Generälin Elosia, ich habe kaum Einwände um euren Plan, aber ihr solltet euch wohl besser informieren, was die Faust betrifft. Sie selbst wird tatsächlich ein Loch in dieses Mauerwek sprengen, aber auch sie bietet den direkten Durchgang für Truppen. Die Zwerge sind nicht dumm. Wenn wir noch ein zweiten Angriff starten, werden sie das Gerät als Gefahr anerkennen und mit aller Macht angreifen. Wäre es nicht besser, nur einen kleinen Angriffstrupp hinter die Mauern zu bringen, so das sie das Tor öffnen können? Dann kann die Hauptstreitmacht doch direkt in voller Stärke einfallen, hehe."
      Absolut von seinen Worten überzeugt, sorgte er sich natürlich auch um seine Maschine. Schließlich wollte er sie nach der Schlacht stolz den Bürgern präsentieren und in Ruhm und Ehre baden. Er würde weitere dieser Geräte bauen, und dieses hier auf einem Marktplatz zur Schau stellen ... und reichlich Geld verlangen.
      Alle Augen richteten sich auf Raz, und selbst Hew spähte hinüber, wusste aber nicht, wie er das sehen sollte. Besser war es wohl, sich einen Kommentar dazu zu verkneifen. Oriel war es schließlich, die eine mehrsekündige, fast gefühlt stundenlange Ruhe durchschnitt.
      "Ein interessanter Einwand. Im Großen und Ganzen lässt sich der vorgeschlagene Plan umsetzen, und wir müssten nur auf Raz Hinweis den Durchbruch umplanen. Wenn wir alle einen Teil der Truppen, nein, wenn wir nur Draculs Truppen als Geleitschutz stellen, und Dracul dann durch das Gerät in die Mauer stürmt, kann er uns das Tor öffnen. Mit den Kriegsgeräten von Perrot stellen wir ein Dauerbombardement auf die Mauerbereiche nahe der Faust und des Tores. Die Schützen werden unterstützend eingreifen. Sobald Dracul das Tor öffnen, können wir ... und insbesondere Haus Elosia, direkt stürmen. Das dürfte die Zwerge vollkommen überrumpeln."
      Dracul nickte erneut, und William erhob das Wort. "Sehr guter Plan. Ich bin dafür, das wir ihn so anwenden. Die Zwerge sitzen hinter ihrer Mauer und rechnen gar nicht, das wir dort hindurch kommen. Sie werden die Mauern voll besetzen und kaum Truppen am inneren Boden stationieren. Die Gegenwehr dürfte lächerrlich ausfallen. Dennoch sollren wir damit rechnen, das sie einen Ausfall machen. Ein paar eueer Maschinenb, Perrot, sollten daher direkt auf das Tor gerichtet sein. Sobald es sich öffnet, werdet ihr eine Salve vorausfeuern, so das mögliche Reiter oder Infanterie im Torbereich erheblichen Schaden und Verluste hinnehmen muss. Bekommt ihr das hin, ohne die eigenen Truppen zu treffen?"
      Raz, der breit grinste, als man ihm gut zusprach, knurrte innerlich, das sie Aufmerksamkeit wieder verstärkt auf Hew gesetzt wurde. Jetzt waren es seine Geräte, die einer ganzen Armee Zugang verschaffen sollten, und die Faust bot nur den Schlüssel. Ärgerlich, sehr ärgerlich. Vielleicht sollte er Sabotage betreiben lassen. Aber damit würde er den Angriff selber schwächen. Ärgerlich, sehr ärgerlich. Nun, letztenendes waren es nur Schleudern, Katapulte. Nichts, was es nicht schon immer gegeben hätte. Aber die Faust von Aranis, allein schon die Bezeichnung, würde sich allen bei ihrem Einsatz ins Gedächnis brennen. Man wird noch Monate nach der Schlacht ehrfürchtig ihren Namen ausrufen und die Werkstätten Razs werden einen Aufschwung an Aufträgen erleben. Sehr ärgerlich für Perrot, das er das nur als staubschluckender Lakai miterleben darf.


      Östliches Tor Camisse
      Kommandant Vomir Irondoor

      Das in Mehyve sich bereits einiges getan hatte, war inzwischen vermutlich auf ganz Taranoke bekannt. Die Händler hatten flüssige Zungen, die kaum eine solch wichtige Information sicher im Munde behalten konnte. In den letzten Wochen nahm der Handelsverkehr wieder deutlich zu, und auch Erzlieferungen wurden wieder angekurbelt. Es war schon lange her gewesen, das hier solche Mengen an Tranzportwagen das Tor passierten. Ein glanzvoller Anblick bot sich den Wachen, die Planen hoben und die Metallbarren begutachteten, die durch das Verhütten in Form gegossen und dann weiterverkauft wurden. Irgendein Schmied würde sich dann mit diesen Barren weiter beschäftigen und wer weiß was draus schmieden.
      Allerdings gab es auch weniger erfreuliche Nachrichten. Irgendetwas stimmte nicht dadraußen. Späher hatten es schwer, all zu weit auf Grenzboden vorzudringen. Mehyver hatten verstärkt Reitertruppen unterwegs, die die Camisser vertrieben. Ein seltsamer Zug von einem Reich, das sich gerade erst wiedervereint hatte. Oder gab es doch noch ein paar Rebellen, die noch an das glaubten, was Vermell ihnen ins Ohr geflüstert hatte? Er würde es gern glauben, aber seine Ohren hatten etwas ganz anderes geflüstert bekommen. Offenbar waren die Mehyver so sehr mit ihren Dingen beschäftigt, das ihnen etwas entgangen war.
      Ein Händler, der gestern Mittag hier war, berichtete, das auf den Straßen nach Padmoor verdächtig viele Soldaten unterwegs gewesen waren. Manche waren schwer ausgerüstet. Das sah aus, als würden sie in eine Schlacht ziehen.
      Sein erster Gedanke war, das sie sich womöglich mit Vultjag streiten wollten, jetzt, wo sie sich untereinander wieder vertragen hatten. Das passte aber nicht zu den verstärkten Reitertruppen und dem Vertreiben seiner Späher. Die planten doch irgendwas anderes.
      "Kommandant? Ihr seht nachdenklich aus. War das Bier schlecht, hahaha.", fragte ein Offizier und gesellte sich zu Irondoor, der oben auf der Mauer stand und zwischen den Zinnen ins Land blickte. Dabei zog er an einer Pfeife und spie den Rauch aus.
      "Ah, Malmur, ja, ihr habt nicht ganz unrecht, hehe. Aber nicht das Bier ist schlecht, sondern das Verhalten der Mehyver. Irgendwas passt da nicht."
      "Meint ihr, weil sie plötzlich so viel Erz bestellen, oder weil sie die Späher verjagen?"
      "Beides. Es kommt mir alles etwas seltsam vor. Mehyve vereint sich wieder, und sofort wird der Handel wieder angekurbelt und die Preise fallen wieder, da der Geleitschutz zum Teil wegfällt. Aber im Gegenzug reiten mehr von ihnen an den Grenzgebieten rum, und scheuchen unsere neugierigen Nasen fort. Und dann berichtet ein Händler davon, das viele tausend Mehyver nach Westen gezogen sind, hoch gerüstet. Offenbar nach Padmoor."
      Malmur sah überrascht aus. "Nach Padmoor? Also wollen sie sich sicher nicht mit Vultjag anlegen, oder?"
      Vomir nickte, zog an der Pfeife und spie erneut den Rauch aus. "Genau. Dafür sind sie bestimmt 150 Kilometer zu weit westlich. Und in den neutralen Bereichen habe ich keinen Vultjag sehen können. Niemand berichtet davon, das hier irgendwo ein großes Lager Wüstenhunde steht, die vor hätten, Mehyve irgendwie vom Westen her zu überfallen. Und ich sage dir, Malmur, meine Nase juckt schon seit einigen Stunden ganz fürchterlich."
      "Vermutest du einen Angriff auf die Mauer?", fragte der Offizier erstaund, konnte sich das nicht entfernt vorstellen. Das ergäbe keinen Sinn. Aber der Kommandant hatte da wohl andere Gedanken.
      "Schick einen Boten nach Anvil. Er soll berichten, das Mehyve einen Angriff plant. Mehyve wird die Ostmauer angreifen. Vertrauenswürdige Berichte von größeren Trupopen die sich irgendwo im Wald verstecken haben mich erreicht. Keine Vultjags gesichtet. Wir erbitten Verstärkung."
      Malmur nickte. Aber er hatte bedenken. Viel mehr als den Verdacht hatten sie nicht, aber den Kommandant wollre noch mehr Informationen ausgraben. Zeit ein wenig Gold zu opfern. Ein Eilbote soll die Sache mal klären. Aber es durfte kein Zwerg oder Vultjag sein. Sicher hatten sie noch ein paar Gäste hier, die man dafür gewinnen könnte. Ein Auftrag für einen Adelsmann aus Lyxaxu oder so. Durchreise bei Padmoor - umhören und umsehen - weiter ins Innland von mehyve und an geeigneter Stelle umdrehen und wieder zurück nach Camisse. Allerdings nördlich durch die neutrale Ebene.
      Währenddessen würde er anordnen, alles für einen Angriff vorzubereiten. Die schlausten unter den Saufköpfen sollten sich heute Abend zur Beratung einfinden, worauf man sich bei einem mehyvischen Angriff einstellen könnte. Und wie man sie bezwingen könnte, trotz ihren überlegenen Waffen und Schilden aus Eisenrot. Das galt zwar nicht für alle, aber die Soldaten waren alle in der Regel besser gerüstet als in den anderen Reichen. Abgesehen von den Camissern vielleicht, die sich auch mit ihrer Schmiedekunst sehen lassen konnten. Und mit ihrem Einfallsreichtum.
      Niemand würde es merken, wenn er es nicht wüsste. Es gab durchaus mehr Verteidigung am Ostwall, als man vermuten würde.
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    • Der Plan wurde einstimmig beschlossen und weiter ging es schon zum nächsten Punkt an diesem Tag. Wie viele Wachen würden sie zurücklassen, um die Maschinen in Sicherheit zu wissen, wo würden sie das Lazarett aufbauen, welches Signal würden sie geben um vorzurücken, den Rückzug anzutreten, die Truppen zu formatieren, Verstärkung zu rufen. Wo würden sie die Armee stationieren, während Servic und Negrell weiter zur Burg zogen. Wo würden sie Aranis empfangen.
      Die Besprechung löste sich gegen Abend auf, nachdem auch die letzten Details geklärt waren. Die Kriegsmaschinisten warfen sich garstige Wörter beim Rausgehen zu, Servic versuchte sich im Small Talk mit Lionsky, als er sie fragte, wie es ihrem Haus ging (zweifellos um seine eigenen Informationen aufzustocken) und Ariel machte sich noch einmal über seine scheinende Rüstung lustig, bevor sie von Oriel mitgezogen wurde. Allgemein wirkte es eher wie ein gemütliches Zusammenkommen als ein Kriegsrat, bei dem man plante Camisse zu unterwerfen. Würden nicht überall die Zelte der Armee stehen, könnte man auch genau das denken.
      Die Armee zog im Morgengrauen los. Sie richteten sich nach der Geschwindigkeit der Faust, die, in diesem Zustand, zwar noch gut mit Hew's Geräten mithalten konnte, allerdings wesentlich langsamer werden würde, wenn sie erst zusammengebaut wäre. Und das würde sie auch bald: Zwei Kilometer vor der Mauer würden sie sie zusammensetzen und das restliche Stück rollen. Und so wie es aussah, würde es auch nach ihrem Zeitplan funktionieren. Als die Sonne den höchsten Stand erreichte, hielten sie an und warteten darauf, dass Raz sein Gerät zusammensetzte. Dann begaben sich die Truppen in Formation: Dracul nach vorne mit der Faust, hinter ihm die Kavallerie, gefolgt von Elosia und Lionsky, zum Schluss Servic. Sie gingen im gleichmäßigem Schritt los und durchschritten die Wälder, zehntausende vollgerüstete Soldaten, die ihre Waffen gezogen und ihre Visiere heruntergeklappt hatten. Das letzte Stück zur Mauer trennten sie sich, die Front ging weiter, während der Rest der Armee zurückblieb. Es war ein grausiger Anblick, die rot gekleidete Armee, der Anblick nahenden Krieges. Sie stellten sich in der Ferne auf und Hew rollte seine Geräte heran, eine ganze eigene Kompanie. Sie würden warten, bis Camisse die heranrollende Faust entdeckt hatte, und dann das Feuer eröffnen.
    • Östliches Tor Camisse
      Belagerungs Lager Mehyve

      Drei weitere Tage waren verstrichen, um vom Wald bis über die neutrale Ebenen zum Tor der Zwerge zu marschieren. Einen Tag davon hatten sie noch benötigt, das Lager hochzuziehen und alle Angriffswaffen in Stellung zu bringen. Natürlich bis kurz vor den Angriff auch außer Reichweite möglicher Verteidigungsmaschinen.
      Raz hatte die Faust natürlich möglichst lange in den Einzelteilen gelassen und diese erst Nachts zusammensetzen lassen, damit sie am vierten Tag, dem Angriffstag, überraschend auf den Gegner einschlagen könnte. Selbstverständlich hatte er Schriftzüge bemerkt und sich was zusammengereimt das wie Aranis Faust schlägt ein Loch in Camisses Wall klang, da er nicht alle Teile so genau absuchte. Derjenige der das draufgeschrieben hatte würde einen Orden bekommen, soviel war sicher. Aranis selbst würde der Schlacht beiwohnen, und wenn die Faust morgen unter der Abdeckplane das Schlachtfeld beschreitet, werden alle in großen Jubel ausbrechen. Jeder weiß, was geschehen wird, wenn die Eisenrotfaust erstmal die Felsen und Steinquader des Walls zerschlägt. Der Sieg, ein überwältigender Sieg, in dessen Ausruf Raz Name erklingen wird, wird Mehyves Geschichtsbücher füllen, und ihn zu einem reichen und erfolgreichen Kriegsmaschinenbauer machen. Und Perrot wird seine Steifel lecken. Jeden Tag, hahaha.

      Der vierte Tag war gekommen und gegen Mittag, als die Sonne am höchsten Stand, sollte der Angriff beginnen. Die Zwerge hatten sich bereits hinter Tor und Mauer verschanzt und offensichtlich den Angriff erwartet. Naja, irgendein Späher hatte den Aufmarsch sicher mitbekommen, und Meldung gemacht. Ansonsten hätten sie vor einigen Tagen hier noch Hochbetrieb erwartet, als sie aufmarschiert waren. Aber kein Händler oder sonst wer kruzte ihre Wege.
      Der Plan musste noch etwas angepasst werden. Natürlich waren Draculs Krieger bereit, mit der Faust an der Front zum Wall durchzubrechen, aber zuerst würde Hew Perrot mit dem Beschuss beginnen. Schützen würden zudem das Feuer der Maschinen mit Pfeilhageln unterstützen. Sicher standen auch bei den Zwergen reichlich Schützen auf der Mauer, versteckten sich hinter den Zinnen oder in den Türmen.
      Sobald sie sich zeigen, würden die teuersten Pfeile verwendet werden. Jene mit Eisenrotspitzen. Die kamen auch bei dicken Panzern gut durch und konnten die Zwerge verletzen oder töten.

      Aranis Zelt stand im fernsten Teil des Lagers zur Mauer. Halbmondförmig hinterrücks herum die Zelte ihrer Soldaten, die zum Größtenteil das Lager selbst schützen würden. Und natürlich Aranis. Bei Camissern musste man immer etwas vorsichtiger sein. Aranis selbst hatte man einen Stand errichtet, auf dem sie bequem sitzen und übersichtlich die Schlacht verfolgen konnte. Kasli war auch bei ihr, sowie eine Delegazion Magier, die jederzeit zur Verfügung standen. Der ein oder andere Offizier war ebenfalls anwesend, um ihr zu erklären, was als nächstes geschehen sollte. Dazu Botenläufer und auch Signalgeber, sollte Aranis weitere Anweisungen geben oder Informationen von der Front erhalten wollen.
      Zufrieden saß sie in ihrem schwarzen Kleid auf dem Sitz und ihr großes Schwert steckte vor ihr im Boden, während ihre rechte Hand auf dem Knauf ruhte. Ihr finsterer Blick untersuchte den Walle soweit sie sehen konnte. Zwischen den Bergen erstreckten sich Mauern zu beiden Seiten des Tores, brachten es sicher auf zwei oder drei Kilometer gesamtlänge. Es musste auch für Camisser Jahre gedauert haben, das Bollwerk zu errichten. Aber nur ein Tag sollte es dauern, bis Mehyve es durchbricht.
      Raz selbst war etwa 100 m weiter auf einem kjleinem Aussichtsturm, der per Rampe erklommen wurde. Auch er hatte Signalgeber um die Faust sicher von hier leiten zu können. Außerdem konnte er so von Aranis dabei bewundert werden. So sein Plan. Hew der Nutzlose stünde in voller Gefahr bei seinen Waffen, die ebenso vom Feind bombardiert werden könnten. Vielleicht würde er ja von einem Felsen zermalmt werden. Kein schlechter Gedanke.

      Der Angriff begann und Fanfaren ertönten, Flaggen wurden geschwenkt, und dann bewegten sich die Schützen vor um in Schussweite zu gelangen, ließen dabei aber bereits Lücken für die nachfolgenden Reiter und Infanteristen, sobald Mauer und Tor den Zugang gewährten.
      Perrots Maschinen begannen zuerst mit dem Beschuss. Felsen aber auch Brandgeschosse sollten Türme, Mauern und dahinterliegende Bauten und mögliche Truppen schädigen oder zerstören und vernichten. Raz lachte, weil die winzigen Kiesel gar lächerlich wirkten, zum Teil an der Mauer des Camisser Granits zerplatzten ohne großen Schaden anzurichten. Aber die größten und stärksten Maschinen ließen dann doch deutliche Spuren hinter sich. Bald schon zogen erste Rauchwolken hinter den Mauern hoch, ein Zeichen, das sie irgendetwas in Brand gesetzt hatten. Dank Aranis, die schon zu Besuch gewesen war, konnten sie eine grobe Beschreibung des Geländes hinterm Tor erhalten. Hew musste nur versuchen zu treffen.
      Es folgten die ersten Pfeilhagel. Köpfe der Camisser, die auf den Mauer zu sehen waren, zogen sich sofort ein, spähten wieder hervor, als die Pfeile ruhten.


      Kommandant Vomir Irondoor

      Mürres knurrend stand er irgendwo im Torhaus und spähte durch eine Lücke auf den gewaltigen Aufmarsch der Mehyver. Sein Plan hatte Erfolg gehabt und die nötigen Informationen gebracht, um hier noch letzte Vorbereitungen in Windeseile auszuführen. Auch die Dringlichkeit mit Bitten um Verstärkung aus Anvil wurde zustimmend bestätigt. Eine Eliteeinheit und zusätzliche Truppen wären unterwegs und sollten noch heute eintreffen, aber wann genau wusste er nicht. Durchhalten. Er hatte hier auch ein paar Tausend Camisser und noch ein paar Soldaten aus nahen Ortschaften abziehen können. Außerdem gab es hier genug Fallen und Hilfsmittel, den Ansturm auszubremsen.
      Hinterm Tor brach bereits Panik aus, als die ersten Flammen Dächer verschlangen, und die Löscharbeiten der Anwohner begannen. Dabei regneten immer wieder Geschosse über die Mauer. Inzwischen war ihm auch klar, warum die Mehyver so gut zielten. Aranis war aus Flora Goldfield geboren, und die war hier schließlich schon zu Besuch gewesen. Dabei sollte sie hier doch keinen Unfug treiben. Die Schlägerei mit ihren Leuten war ja noch ein gözttlicher Segen und mit Ehre getränkt, aber jetzt wurde die Dame doch etwas unheilig und aggressiv.
      Es kachte und schepperte, Staub rieselte von der Decke, während er und die meisten anderen Krieger den Beschuss mit Bier trinken aussitzten. Bis zum Ansturm war wohl noch etwas Zeit. Allerdings sah keiner irgendwelche Belagerungstürme, die den Mehyvern über die Mauern helfen sollten. Mit Beschuss alleine kamen sie sicher nicht rein. Sicher sollten Magier das erledigen, aber dafür war ausreichent Anti-Magie Schutz installiert. Auf der Innenseite der Zinnen gab es eine Klappe, in der ein Antimagischer Stein lag, und die Mauern und das Tor mit einem Antimagie Zauber belegten. Sie alle waren zusammengeschaltet und sollten für eine Weile halten. Vermutlich ging den Magiern vorher schon die Mana aus.
      "Also gut, ich denke Zehn Minuten Beschuss reichen. Wir sollten langsam mal Antworten. Kanonen laden!", ordnete der Kommandant an, und die Zwerge schoben wie auf einem Schiff plötzlich fertiggeladene Kanonen vor. Außen am Wall und am Torhaus wurden Metallplatten und flache Steinplatten zur Seite geschoben. Keiner hätte diese versteckten Schießscharten je entdeckt. Und als der nächste Pfeilhagel vergangen war, öffneten sich sogar im hinteren Bereich der oberen Mauer Luken auf der Oberseite. Der ganze Stolz der Camisser Torverteidigung - die Wallmörser.
      Die Felsbrocken die in den kurzen Eisenrohren steckten waren drei Meter im Durchmesser und übertrumpften jedes Katapult an Größe und Gewicht. Und jeder Brocken der Traf, verwüstete alles, oder wenn er nicht traf, lag er im Weg und konnte Angriffswellen spalten oder deren Stärke reduzieren.
      "FEUER!"
      Es rumpelte und krachte als hätte die Seeflotte eine Breitseite zur Mittagsstunde gefeuert. Die Kanonen in der Mauer hatten genug Reichweite und Perrots Maschinen zu beschießen. Gleich drei Stück wurden schwer getroffen und wurden unbrauchbar. Einige waren nur beschädigt.
      Außerdem traf es viele der Schützen, die bereits die nächste Salve vorbereitet hatten. Damit hatte nun wirklich keiner gerechnet. Ein Signal wurde gegeben und die Schützen zogen sich zurück.
      Rose Elosia knirschte mit den Zähnern und brüllte Anweisungen. Vielleicht konnte Hew etwas genauer zielen und ein paar Kanonen in den Mauern erwischen. Ballisten gab es doch auch? Sicher hatten sie Pulver nahe bei den Kanonen. Wenn man Brandbolzen in die Luken bekäme, würde sich das sicher entzünden, entweder explodieren oder alle ausräuchern.
      Inzwischen rollte auch die Faust immer weiter vor.
      Eine Ablenkungseinheit mit schweren Rammböcken und ein Leiterkommando sollte einen Versuchsangriff führen. Die Aussicht mit Aranis über mögliche Weigerungen zu sprechen war Ansporn genug lieber durch einen Camisser zu sterben, als irgendwelche grausigen Folterungen erdulden zu müssen.
      Kaum stürmten sie los, krachte es noch lauter als vorher. Größe Felsbrocken flogen plötzlich über der Mauer gen Himmel und rauschten runter auf den Boden. Es bebte, rumpelte und krachte. Die Hälfte der Versuchstruppe wurde gleich zerschmettert, der Rest floh in alle Richtungen - außer nach vorn. Ein Pfeilhagel folgte und fast alle wurden getroffen und dezimiert.
      Der Versuch war fehlgeschlagen. Das hatte etwa 350 Mann in einer Minute gekostet.
      Schnell kamen Offiziere zusammen und berieten sich. Man konnte ggf. davon ausgehen, das die großen Katapulte, die das schaffen konnten, sicher nicht mal eben umgestellt werden konnten. Die Aufschlagsmulden zeigten etwa, wo sie erneut treffen würden. Die Bereiche galt es zu meiden, wenn sie losstürmen würden.

      Im Torhaus jubelten die Zwerge und stießen mit Bierkrügen an. Dabei haben die Mehyver noch gar nicht alle Überraschungen auskosten können. Irondoor konnte es kaum erwarten, wenn sie das Tor erreichen würden. Der Rauch hinter dem Wall war nicht unbedingt nur vom Feuer des Beschusses, sondern auch vom Feuer des Schmelzofens, der oben im Torhaus versteckt darauf wartete, heißes Blei zu ergießen. Und Teer. Es gab extra eine Vorrichtung, die mit Druck arbeiten konnte. Die Hitze erledigte das. Zog man eine Klappe auf, konnte man über Lederschläuche etwas Teer verspritzen, anstatt ihn nur herabregnen zu lassen. Und am Ende würde der ganze Eingangsbereich in Flammen stehen, wenn sie durchstürmen wollten.
      Abgesehen davon, sollten sie erstmal versuchen das Tor überhaupt zu öffnen. Zugbrücke und Gatter waren schließlich mehr als stabil genug hier keinen durchzulassen. Nur wenn die Magier es irgendwann schafften, einen Weg zu öffnen, dann würde es gefährlich werden.
      Und hinterm Tor lauerten auch noch mal 1500 Soldaten und warteten darauf sich prügeln zu können.
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    • Die Melodie des Krieges wurde angestimmt, als die ersten Fanfaren die Besucher lautstark ankündigten. Ihr schallender Lärm erschütterte die Umgebung mit einer einzigen Botschaft: Aranis ist hier und sie wird nicht wieder gehen - unterwerft euch, oder sterbt einen grausamen Tod. Zu dem Lärm gesellte sich das Knattern hunderter Kriegsmaschinen, deren Holzräder tiefe Furchen im Boden verursachten und aufgewühlten Dreck hinterließen. Sie wurden in Formation aufgestellt wie stumme Soldaten, deren Waffen ihre eigenen Körper waren. Hew brüllte seine Befehle laut und deutlich und die einzelnen Gruppen an den Maschinen setzten sich in Bewegung. Die Bogenschützen marschierten an ihnen vorbei, als sie die Geräte ausrichteten, vorbereiteten, beluden. Hew hob seinen Arm, der durch sein eigenes Schwert verlängert war und hielt ihn einen Moment in der Luft, dann brüllte er: "F E U E R!!!!", und die Kompanie der Maschinen knallte einmal laut. Ein Meer aus mannshohen Felsbrocken ließ für einen Moment den Himmel verschwinden, gefolgt von einem lauten Krachen, als die Geschosse ihr Ziel trafen. Hew beobachtete die Einschläge und schwenkte seinen Arm zur Seite, woraufhin die Arbeiter nachluden. Etwa zwanzig Mal wurde dieser Vorgang wiederholt, zwanzig Mal in denen die Maschinen ihre Munition abfeuerten und der Mauer keinen Riss einbrachten, dafür aber den Bereich dahinter scheinlichst in Chaos verwandelten. Zwanzig Mal, bis der Gegenangriff kam.
      Die Camisser, die den Angriff von der Mauer aus beobachtet hatten, schienen keine Gefahr zu sein. Pfeile, die von dort kamen, würden höchstens die Bogenschützen erreichen und dafür bestand aber auch die Gefahr, dass es auch andersrum ausgehen konnte. Zu spät bemerkten die Generäle daher, wie sich die Klappen öffneten und Kanonen zum Vorschein kamen. Viel zu spät war es, als sie die Reichweite und Stärke dieser Kanonen bemerkten.
      Die Bogenschützen wurden sofort zurückgezogen und Hew bekam es mit der Angst zu tun. Seine Maschinen standen nun an vorderster Front und würden das Hauptziel dieses Beschusses darstellen. Außerdem wurden bereits drei mit einem einzigen Angriff in Trümmer verwandelt. Die überlebenden Arbeiter rannten bereits zurück und verursachten Panik unter den anderen, die halb zu Hew sahen und sich halb bereits daran machten die Maschinen in Sicherheit zu schieben. Hew selbst sah sich nach einem Befehlshaber um.
      "Elosia?!?!"
      Er hatte nicht die Befugnis selbst darüber zu entscheiden, ob seine Maschinen sich zurückziehen durften, doch gar keinen Befehl zu erhalten war genauso falsch. Die Generälin verteilte gerade neue Anweisungen und schickte Boten aus, als sie auch ihm einen Befehl zurief. Er ignorierte die Hilflosigkeit, die er bei dieser Anordnung verspührte und führte Berechnungen durch. Er ritzte mit seinem Schwert den Boden vor sich auf und überschlug die Zahlen in seinem Kopf, bevor er seine eigenen Befehle weitergab. Die Maschinen richteten sich neu aus, drehten sich, veränderten ihre Winkel. Dann hob er wieder seinen Arm.
      "Nachladen!"
      Seine Arbeiter folgten seinem Befehl, doch sie waren schreckhaft geworden. Besonders die in den vordersten Reihen versuchten einen Weg zu finden, der sie aus der Gefahrenzone bringen würde, doch Hew hielt weiter seinen Arm erhoben.
      "N A C H L A D E N!!!"
      Die Maschinen wurden erneut beladen. Für einen grausigen Moment waren beide Seiten still, doch dann krachte es erneut - gleichzeitig. Die Bolzen der Ballisten prallten teilweise mit den Brocken der Kanonen in der Luft zusammen, doch der Rest fand einen Weg in die gegnerischen Reihen. Zwei weitere Maschinen fielen dem Beschuss zum Opfer und die Trümmer wurden durch die Luft auf andere Maschinen und Arbeiter geschleudert. Bei den Camissern krachten die meisten Bolzen in die Mauer darunter und blieben entweder stecken oder fielen auf den Boden. Seine Berechnungen waren falsch. Bei der Dunkelheit von Aranis, wie sollte er auch in der Hitze des Gefechts seine Maschinen zielsicher neu ausrichten! Die Luken waren nicht größer als ein Mensch und Hew hatte ganz sicher nicht damit gerechnet einzelne Ziele anzuvisieren, sondern eine ganze Armee, eine Mauer, eine Stadt mit Häusern! Er brauchte metergenaue Zahlen, um etwas ausrichten zu können und nicht die groben Schätzungen, die er vorgenommen hatte! Die Camisser würden ihn ja wohl auch kaum die Entfernung von seinen Maschinen zur Mauer ausmessen lassen!
      "Es ist unmöglich! Die Ziele sind zu klein!"
      Rose wandte sich ihm zu, ihr Gesicht war von der Aufregung verzerrt. Man konnte ihr ansehen, dass sie fieberhaft mit neuen Strategien jonglierte. Niemand hatte mit dieser Art Verteidigung gerechnet.
      "Weiterschießen! Haltet den Beschuss aufrecht!"
      Weiterschießen. Er sah kurz zu ihr, drehte sich wieder um und hob den Arm. Seine Arbeiter waren kalkweiß im Gesicht, sahen ihn mit aus den Höhlen quellenden Augen an. Unter diesem Beschuss weiterzumachen glich einem Todesurteil.
      "Nachladen!"
    • Dracul hatte seine Truppen in Position gebracht und ritt mit ihnen als Begleitung der Faust aus dem Lager. Infanterie war ebenfalls bereit und folgte dem Mauerbrecher um auf Kommando hindurchzustürmen und alle Krieger hinter der Mauer zu beseitigen und das Torhaus zu stürmen. War das Tor erst offen, so konnte die Hauptstreitmacht den Grenzposten stürmen und erobern. Aber dazu musste das Gefährt erstmal an die Mauer gebracht werden.
      Raz, der auf seinem Posten stand ließ Befehle weiterreichen. Unter der Plane versteckt nahm die Faust von Aranis langsam Fahrt auf. Pferde und Zugleute gaben alles um die Gerätschaft schnell zum Ziel zu schieben.
      Aranis grinste voller Vorfreude und auch Raz schien kaum still halten zu können. Er schwitzte förmlich und wechselte bereits das Tuch, während er durch ein Fernrohl von einem Schiff blickte und alles ganau beobachtete.
      Aber alles funktionierte genau nach Plan. Hews Maschinen waren doch was wert - als Ablenkung und Ziel der Zwergenkanonen. Das Gerümpel konnte gern drauf gehen. Und Hew auch. Arroganter Schnösel.

      Irondoor
      Das Gefecht verlief vorerst ganz gut. Der Vorstoß der Mehyver blieb wohl erstmal an den Schützen und den Kriegsmaschinen hängen. Wem würde wohl eher die Munition ausgehen? Ha, den Zwergen sicher nicht. Die hatten hier sogar noch Felsen den sie abbauen konnten. Und im Boden fanden sie auch häufig große Brocken. Notfalls würden sie noch ne tiefe Schlucht ausheben und den Weg unpassierbar machen, nur um an Munition zu kommen. Oder mit Karren zu den Bergfüßen und dort beladen. Ein weiter Weg, aber mit reichlich Bier ein Kinderspiel.
      "Vielleicht sollten wir so viele Steine feuern, das dort ein neuer Berg wächst.", witzelte Irondoor und alle anderen lachten.
      Dann aber flatterte einem Zwerg die Augenklappe, als er durch eine Schießscharte spähte.
      "Ohhhh, Kommandant, seht euch das an. Dahinten kommt ein Reitertrupp mit einem großen Gerät. Es ist unter einer Plane versteckt. Was das wohl ist?"
      "Weg da, Fettsack, lass mich sehn. Hmmmm, sehr interessant. Gebt mir mal ne Linse."

      Währenddessen feuereten Hews Maschinen weiter und versuchten mit den Bolzen die winzigen Schlitze in den Mauern zu treffen, was aber schwerer war als gedacht. Immer wenn die Kanonen luden, gingen die Klappen zu. Geöffnet wurden sie mittlerweile erst mit dem Durchschieben der Kanonenrohre, um mögliche Treffer mit diesen abzufangen. Ein Bolzen schaffte es per Zufall tatsächlich durch eine Scharte, und blieb innen in der Mauer hängen. Sofort machten sich die Zwerge daran diesen rauszuziehen und stopften das Teil in ein Kanonenrohr.
      "Zurück mit dem Ding. FEUER!", gab ein Kanonier den Befehl und es rummste erneut. Auch die Mörser vollrichteten ihr neues Teufelswerk.
      Der Bolzen schoss aus dem Rohr und - als hätten die Götter ihre Hände im Spiel - schlug dieser dann einen Meter vor Perrot in den Boden und spritzte etwas Erde und Staub auf. Als wäre es eine Warnung sn ihn selbst gewesen.
      Drei weitere Maschinen wurden erwischt, zwei beschädigt. 19 Mann fanden ihr Lebensende oder wurden schwer verletzt davongetragen.
      Ein Teil der Truppe rang damit, sich fluchtartig aus der Schussbahn zu retten, aber irgendwie schien auch der Gedanke des Hochverrates in ihnen zu keimen. Vielleicht würden sie noch grausamer sterben durch Aranis Hand?
      Dann aber endlich rückte die Geheimwaffe vor, und das machte Hoffnung, das gleich der Rest von der Armee erledigt werden würde.

      Mit hohem Tempo, welches man für das Gerät kaum möglich gehalten hätte, rollte das Gefährt auf die Mauer etwa 25 m neben dem Tor zu. Nun, um durch die Plane nicht länger behindert zu werden, wurde diese per Seil abgezogen, das irgendwo hinter der Faust am Boden verankert war. Jetzt erfolgte die Steuerung allein aus dem Gerät selbst.
      Raz lachte und sah sich sein Wundergerät genau an. Da stand sowas wie mit der Faust durch Camisses Mauer oder so ... oder ... oder doch nicht?
      "Was zu ..., äh,, WAAAS IST DAAAAS?", keifte Raz und sprang förmlich dabei in die Luft. Fast hätte er das Fernrohr zerdrück.
      Alle konnten es lesen. Es stand in gut erkennbarer SChrift ganz groß an den Seiten und am hinteren Schutz.

      Irondoor grunzte. "Waaahhh? Was ist das denn? Los, ich brauch nen Bier! Hier, sieh durch und sag mir, was du liest!", ordnete der Kommandant an und gab einem Soldaten die Linsen, der sogleich das Gerät betrachtete und danach auch ein Bier wollte.
      Nachdem alle hörten, was da auf sie zu kam, tranken alle im schallendem Gelächtet eine Runde Bier, und so langsam machte sich der Alkohol auch bemerkbar. So machte Krieg Spaß. Wenn man schon drauf ging, dann wenigstes mit ehre im Bauch und Gold im Blut.
      Dann brüllte er durch eine hintere Luke runter zu dem Truppen, die dort warteten, und rief sowas wie, das Aranis mit ihrer Faust in unser Loch wollte.
      Es klang wundervoll als 1500 Krieger zu lachen begannen, jeder einen Humpen hob und sie alle im Gleichtunk ansetzten und sauften. Jetzt waren sie Feuer und Flamme auf Mehyves lächerlichen Angriff gestimmt und hofften, doch noch was abzubekommen, bevor sie sie sich ersoffen haben.

      Aranis selbst erhob sich in ihrem Sitz und gaffte auf das Wunder das dort fuhr und sie verspottete. Raz, der ein vielversprechendes Gerät konstruiert hatte, schien sich über sie lustig machen zu wollen.
      "Was steht dort? Wieso höre ich Gelächter und Gemurmel aus den Reihen der Krieger? LIES VOR!"
      Ein Signalgeber spähte ebenfalls durch ein Rohr und begann schluckend vorzulesen. "Aranis Faust in Camisses Loch!"
      Aranis Fäuste knrischten, und sie drehte ihren Kopf zu Alf Raz herüber und funkelte ihn wütend an.
      Er schien es zu bemerken, und schien förmlich zu versinken, aber dieser Schande war er nun ausgesetzt. Er sollte beten, das wenigstens der Rest funktionierte.

      Die Faust erreichte ihr Ziel und blieb vor der Mauer stehen. Die Kanonren hatten einmal gefeuert, dann war sie zu dich dran. Dracul hatte 40 Mann verloren, mehr konnten sie nicht ausrichten.
      Jetzt kamen die Rammer dran. Mit reichlich Schwung schoss die Faust vor und krachte ins Mauerwerk. Es bebte wie bei einem Erdbebeben, und die Zwerge in der Mauer merkten jetzt, das der soeben präsentierte Witz ernst gemeint war. Vermutlich hatte sich jemand verschrieben, und meinte wohl eher, das er mit der Faust ein Loch in Camisses Wall schlagen wolle. Beim Dritten Treffer wurde es auch klar, das es funktionieren würde, denn die Steinquader auf der Innenseite gaben bereits nach und rutschten mehr und mehr in den Gang.
      Dann endlich brach der Wall und der Zugang zum Grenzposten wurde freigeschlagen. Aranis Faust hatte unmögliches vollbracht und man ließ bereits die Rampe runter und hebelte den Rammbock hoch, damit die Soldaten durchstürmen konnten.
      Raz, der voller Freude, auch wenn sie seine Angst nicht gänzlich wegspülte, eine Faust zum Himmel streckte, wäre fast an seinem Speichel erstickt, als er sah, was dann geschah. Irgendwie waren die Verstärkungen im Fahrgestell doch nicht so stabil, oder jemand hatte Sabotage betrieben. Es gab ein Rumms und die Faust sackte 2 Meter runter, Balken brachen und Teile flogen ab. Jetzt hatten sie zwar den Wall geöffnet, aber die Faust selbst stand jetzt im Weg. Niemand kam rein.
      Dracul fluchte irgendwas. Raz fiel nach hinten in seinen Stuhl und gaffte nur noch auf das Elend, was dort an der Mauer stand. Dann krachte der Rammbock selbst runter und rutschte hinten aus der Rampe hervor und zermalmte mehrere Soldaten.

      Es dauerte einige Minuten, bis die Soldaten mit ihren Pferden und Seilen soweit waren, das sie das Gerümpel wegziehen könnten. Leider waren im Inneren die meisten Tiere tot, da die Pferde größere waren als die Menschen, und ihnen die Lauframpe beim Zusammenbruch das Genick brachen.
      Aranis beobachtete das Geschehen, schien mit ihren Untergebenen zu sprechen, und Signale wurden gegeben. Hew sollte das Gerät wohl auseinander schießen, sollten die Soldaten das nich schaffen.
      Aber dann geschah noch etwas unerwartetes.
      Plötzlich waren es die Zwerge, die aus dem Wallloch stürmten, als Draculs Krieger das Gerät weit genug weggezogen hatten, um so einige Krieger hindurchzusenden.
      "AUSFALL! Die Zwerge machen einen Ausfall!", brüllte jemand und Dracul befajl den Angriff. Die Zwerge sollten zurückgedrängt und die Mauer gestürmt werden. Sie mussten unbedingt das Tor öffnen.

      "BEIM GROßEN FELSBRECHER - TREIBT DIESE HUNDE VON DER GRENZE FORT! FÜR CAMISSE!", brüpllten die Zwerge und stürmten in die Infanterie und Kavallerie Draculs. Ein Gemetzel begann.
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    • Zwei weitere Maschinen fielen dem Beschuss zum Opfer, einer dritten riss das Seil und der Arm fiel krachend zu Boden. Hew hob bereits das Schwert zum Nachladen, da krachte kaum einen Meter vor ihm sein eigener Bolzen auf den Boden und bespritzte ihn mit Dreck. Kreischend sprang er einen Satz zurück und sah sich sogleich nach Elosia um, wie um ihr zu sagen: "Habt Ihr das gesehen?!". Aber die Generalin war noch immer damit beschäftigt die Truppen neu zu formatieren und hatte herzlich wenig für einen Maschinisten übrig, dessen einzige Waffe nach und nach zerstört wurde. Grimmig und außer Atem drehte er sich wieder zur Front als er bemerkte, dass seine Arbeiter nun die Flucht ergriffen. Der winzige Moment in dem es so gewirkt hatte, als ob ihr Maschinist unter dem selben Beschuss starb, den sie schon zum Opfer fielen, hatte dafür gereicht sämtliche Moral in den Wind zu blasen und sie ihrem Instinkt zu überlassen, der da hieß sich so schnell wie möglich von diesem Ort der Vernichtung zu entfernen. Selbstverständlich rannten sie dabei weder in Richtung Aranis, noch in die Armee hinein sondern an Hew vorbei, der sich die Kehle aus dem Leib brüllte.
      "Bleibt hier ihr Gauner! Ihr Verräter! Ihr Gottlosen! Aranis soll euch holen! Niemand verlässt diesen Ort!"
      Einige ließen sich von seinem herzzerreißendem Geschrei sogar zurück drängen, doch viele nahmen dennoch reißaus. Die Maschinen blieben ohne Arbeiter zurück.
      "Aranis soll euch verfluchen!!"
      Etwa die Hälfte seiner Gerätschaften waren nun noch übrig. Der nächste Beschuss kam und schon waren es weniger als die Hälfte. Wenigstens wurden nun viele der nicht bemannten Maschinen zerstört, wobei keine kostbaren Arbeiter draufgingen. Dennoch konnte er, wenn alle wegliefen, trotzdem nichts machen.
      Er blickte wieder nach vorne zur Mauer um die Lage zu erfassen. Die Faust war nun angerollt und begann ihren eigenen Angriff. Die Schriftzüge auf der Unterseite waren nun deutlich lesbar: Aranis' Faust in Camisses Loch. Am Morgen dieses Tages hätte er vielleicht über seinen wunderbaren Streich lachen können, besonders im Angesicht des Schocks, den die eigene Armee bei diesem Anblick inne hatte, doch in diesem Moment fühlte er nichts als das blanke Grauen vor seinem eigenen Ruin. Mehr noch: Er wünschte sich sogar, dass die Faust Erfolg haben würde. Wenn sie nun scheiterte und kein Loch in die Mauer bekam, würde der ganze Angriff scheitern und Aranis einer entsetzlichen Niederlage aussetzen. Und das alles könnte auch seine Schuld sein.
      Zu seiner Erleichterung funktionierte die Faust trotzdem. Bereits der erste Stoß schien die Mauer in ihren Grundzügen zu erschüttern, als bereits der Staub von der Wand fiel. Sie würde ganz sicher Erfolg haben. Sie musste einfach.
      "Nachladen!"
      Er hob das Schwert, doch dann setzte er sich selbst in Bewegung, um persönlich auszuhelfen. Er hatte seit fünf Jahren schon keine seiner eigenen Maschinen mehr bedient, etwa nachdem er die Werkstatt von seinem Vater übernommen hatte, doch seine Lehre war ihm im Blut und er zwängte sich zwischen seine eigenen Männer, um mit vereinter Kraft die Seilwinde zu spannen. Sie schossen und verfehlten. Es war ein Trauerspiel.
      Es krachte einmal laut, als die Faust einen weiteren Schlag auf die Mauer verrichtete und dann, endlich, brach sie durch. Lautes Freudengeschrei von den eigenen Reihen ertönte, dem sich Hew wortlos anschloss, während er die Seile erneut spannte. Der Schweiß rann ihm über das bereits nasse Gesicht, seine Rüstung war definitiv nicht für solch harte Arbeit vorgesehen. Kein Wunder, dass er seinen eigenen Arbeitern keine Rüstung zur Verfügung stellte, sie würden unter ihren eigenen Anstrengungen kollabieren.
      Ein weiteres Krachen ließ ihn aufblicken und entsetzt beobachtete er, wie die Faust auseinander fiel. Darin bestand nun kein Zweifel, es war die Arbeit seiner eigenen Saboteure, die er angeheuert hatte. Wie hatte er nur so eigensinnig sein können? Der ganze Angriff war nun wegen ihm zum Scheitern verurteilt - wegen ihm allein! Angstschweiß gesellte sich zu dem restlichen Schweiß auf seiner Stirn und er versuchte dieses eigene Versagen - diesen Verrat! - zu ignorieren, während er die Seile unter Ächzen spannte. Seine Maschinen schossen erneut und verfehlten erneut. An der Mauer war das Chaos ausgebrochen.
      Kaum hatte er einen weiteren Felsbrocken auf den Arm geladen, kam ein Reiter bei ihm an, der ihm den Schussbefehl von Aranis auf die Faust weitergab und dann weiter in Richtung Lionsky preschte. Hew gab den Befehl an seine eigenen Männer weiter und zwei der verbliebenen Mangonel richteten sich neu aus, ehe sie schossen. Die kleineren Brocken flogen diesmal zielsicherer, wobei einer in die Mauer hinter der Faust schlug und der andere sie direkt in der Mitte traf. Die Zwerge stürmten dahinter bereits hervor und auch Dracul sammelte sich nun um die Faust, um ihnen entgegen zu treten. Der zweite Schuss der Mangonel ließ die Faust in sich zusammenbrechen und gab den Weg für beide Armeen frei, die nun über die Trümmer aufeinander zustürmten. Hinter sich hörte er Elosia brüllen, dicht gefolgt von einem weiteren Angriff der Camisser Kanonen, die Hew's kostbare Geräte zerstörten und damit wohl das Signal gaben. Die Kavallerie preschte zuerst nach vorne, tausende Reiter, die die Pause der Kanone ausnutzten und mit ihren Pferden über das offene Gelände jagten, Pferde, die teilweise selbst aus Camisse stammten. Dicht hinter ihnen folgten Elosia und Lionsky Seite an Seite, die Truppen hatten allesamt ihre Schwerter und Schilde weggesteckt, um so schnell wie nur möglich zur Mauer zu rennen. Nur Servic blieb unbewegt außer Sichtweite des Gefechts, versteckt zwischen den Bäumen und beobachtend, bis er selbst einschreiten musste. Die Bogenschützen folgten der Infanterie langsamer, stoben dabei allerdings auseinander und beschossen die Mauer noch immer mit ihren Pfeilen, während sie näher kamen. Der nächste Schuss der Kanonen erwischte keinen von ihnen, nachdem sie alle so weit auseinander standen, dass sie den Felsbrocken auswichen und dabei niemanden bedrängten. Nach ein paar weiteren Schüssen schienen die Kanonen eingestellt zu werden, damit sich sämtliche Soldaten auf den neuen Mauereingang konzentrieren konnten. Hew wartete noch einen Moment, dann gab er das Zeichen zum Vorrücken. Zwei Dutzend seiner Maschinen waren übrig geblieben und sie setzten sich nun langsam in Bewegung, um der Schlacht an der Mauer beizuwohnen.

      Elosia erreichte Dracul, nachdem er bereits die größten Verluste erlitten hatte. Die Zwerge strömten aus der Mauer, als wollten sie Mehyve angreifen und nicht andersrum und die Mehyver wurden von den Überresten der Faust behindert, die ihnen einen unebenen Boden schafften. Elosia's Truppen stürmten an die Seite von Dracul und krachten in die Zwerge hinein, die scheinbar unendlich Soldaten zu haben schienen. Dracul selbst kämpfte an vorderster Front, seine Rüstung war bereits dunkelrot vor Blut, aber sie war auch schon beschädigt, wies Risse und Dellen auf, wo die Äxte der Zwerge sich durchgeschlagen hatten. Er hatte seinen linken Handschuh verloren und trotzdem schlug er auf die Zwerge ein wie ein rasender Barbar. Sein Schwert raste durch die Reihen der Feinde und brachte Tod und Vernichtung wo auch immer sie auf einen Gegner stieß.
      Hew ließ die zwei Dutzend Maschinen hinter der Armee wieder aufstellen und befahl den Trebuchets, die ein Stück zurückgeblieben waren, das Feuer auf das Loch zu eröffnen und möglichst den Rand zu treffen, damit sie es erweitern konnten. Ihm waren genau zwei Trebuchets geblieben, eine lächerliche Anzahl um irgendetwas auszurichten, nur nicht eine ganze Mauer einzureißen. Aber sie mussten zumindest weiterschießen. Unter ausreichendem Beschuss würde die von der Faust geschwächte Mauer irgendwann nachgeben und das Loch vergrößern.
    • Draculs Truppen befanden sich bereits im schweren Gefecht, und die Zwerge ergossen sich wie ein Sturzbach aus dem Mauerloch. Leider war das auch schon fast die ganze Armee, die hier das Mauerwerk verteidigen konnte, abgesehen von den etwa 300 Zwergen innerhalb der Mauern und auf dieser.
      Sollten sie doch irgendwie das Tor aufbrechen können, war natürlich die dahinter stationierte Truppe unlängst vor den Mauern im Gefecht und konnte einer einfallenden Armee kein Einhalt mehr gebieten. Und Irondoor wusste, das er zahlenmäßig unterlegen war. Selbst Dracul allein hatte mehr Krieger als die Zwerge.
      Aber die Zwerge waren zähe Krieger, und man konnte sie sicher als zwei oder drei Mann zählen. Dennoch würde Dracul das Ganze schon richten. Aber er blieb nicht lange allein, und bald stürmten auch die anderen Generäle nach und für die Zwerge wurde es so noch schwerer. Trotzdem konnten sie eine bestimmte Fläche vor dem Loch halten und verteidigen, denn jeder Zwerg der fiel, wurde sofort ersetzt. Zudem konnte nur ein kleiner Teil der mehyvischen Armee überhaupt kämpfen, da nicht genug Platz war. Dank ihrer hochen Rüstungsqualität aber hielten sie ganz gut Stand, besonders hochrangige Krieger, die weitaus mehr Eisenrot am Körper trugen. Dennoch schützen diese eher vor Schnitten und Stichen, während viele der stumpfen Waffen wie Hammer oder Keulen, aber auch schwere Äxte, durchaus Verletzungen verursachten, Knochen brachen oder einem die Luft aus den Lungen schlugen. Ansonsten traf man halt die weicheren Abschnitte, und setzte tötliche Treffer.

      Der Kampf dauerte etwa eine halbe Strunde, dann waren die Zwerge fast bis zum Mauerloch zurückgedrängt, und gut zweitausend Leichen lagen auf dem Boden, von jeder Seite etwa tausend Mann. Zahlreiche Verletzte hatte man fortgetragen, und nun waren es noch etwa 200 Zwerge, die das Loch verteiditen, um ihren verletzten Kameraden den Rückzug zu sichern.
      Es vergingen nochmals 20 Minuten, dann brachen die Mehyver in die Mauer ein. Die Kanonen waren längst zum Schweigen verurteilt worden, als die Soldaten zu dicht an der Mauer waren, und die anderen Verbände außerhalb der Reichweiten lagerten. Selbst Perrots Maschinen die noch übrig waren, hatte man in Sicherheit gebracht,um weitere Verluste zu vermeiden.
      Und dann kam der Moment den alle erwartet hatten, als das Torhaus soweit erobert wurde, das sie Zugbrücke und Gatter öffnen konnten. Dennoch verteidigten die Zwerge den oberen Teil des Turms verbissen wie Zecken.
      Elosia rief zu Sturm aus und die Truppen stürmten auf das Tor zu, da sie dort einfach hinter die Mauern gelangen und die dortigen Anlagen und Gebäude einnehmen könnten.
      Aber dann erfolgte die große Überraschung. Zunächst ließen die Zwerge einige Krieger durch, damit sich soviel wie möglich von der Brut am Torbogen sammelte. Dann wurde die Falle ausgelöst und ein heißer Tod regnete vom Himmel, der sich am Boden entflammte, und hunderte Krieger aufschreien ließen. Auch die durch Hitzedruck verwendeten Schläuche verspritzen die Heiße Flut und kochten weitere Mehyver. Panik war am Tor ausgebrochen, als von hinten weitere Krieger nachschoben, während vorn bereits wieder alle umdrehten um zu fliehen, und sich jeder irgendwie behinderte.
      Die Generäle brüllten sich die Kehlen aus dem Leib, um das Geschrei zu übertönen, irgendwie noch Ordnung in das Chaos zu bringen, um noch Schlimmeres zu verhindern.
      Endlich griffen auch die Magier ein. Mit einigen Zaubern konnten sie die Feuer ersticken lassen, und so den Weg durchs Tor wieder frei machen, was in einem erneuten Ansturm der Armee endete.
      Jetzt waren es die Mehyver, die sich wie ein Sturzbach hinter die Mauer ergossen.

      Ein Kriegshorn ertönte.
      Grolf Pfwend war mit seinen Elitekriegern hier, und er hatte eine weitere Reiterschar dabei. Leider nur 500 schwer gepanzerte Reiter, die sicher nicht mehr viel ausrichten würden, aber Grolf wäre nicht Grolf, wenn er jetzt nen Rückzieher machen würde. Wenigstens das Bier in seinem Hammer musste noch zwei oder drei Mehyver kosten, bevor er es sich später wohlschmeckend und leicht aufgeschäumt die Kehle runterspülen würde.
      "ZUM ANGRIIIIIIIF!", brüllte er und die Reiter stürmten auf die Mehyver zu, die bereits in Stellung gingen. Kavallerie und Lanzenträger begaben sich an die Front und erwarteten die Camisser. Scheppernd und krachend mischten sich beide Partein und Grolf war natürlich gleich der Erste ... der aus dem Sattel flog und mit dem Gesicht der Erdboden pflügte. Eine Lanze hatte ihn erwischt, an der Schulter, und hatte sich verkeilt, so das er letztenendes aus dem Sattel gehoben wurde.
      Schnaufend richtete er sich auf und schüttelte sich, spuckte Dreck aus dem Mund.
      "Wieso lieg ich hier unten? Und wo ist mein Bock? Na warte, wenn ich den erwische ..."
      Nachdem sich Grolf ein wenig durch die Mehyver gegraben hatte, fand er irgendwie seinen persönlichen Bock wieder und schwang sich drauf. Das treue Tier hatte natürlich eine entsprechende Ausbildung erhalten, um im Falle eine Reiterverlustes nach Möglichkeit das Weite zu suchen, sofern sich kein Ersatzmann anbot. Solange der eigentliche Herr aber noch lief und sich bewegte, blieb das Tier in der Nähe.
      Gerade rechtzeitig, um Grolf aus einer weiteren Lawine zu befreien, die im heimsuchen sollte. Knapp die Hälfte der Truppe war schon gefallen, als er den Rückzug anordenete. Dennoch hatten sie das Doppelte an Mehyvern gerissen, was man als Sieg werten konnte. Die Mauer war gefallen. Etwas, womit kein Camisser je gerechnet hätte. Aber was man verloren hatte, konnte man auch wiederbeschaffen, und das würden die Camisser auch. Die Rache würde bald folgen und jeder Mehyver aus dem Land fliegen.
      Und diesesmal dauerhaft.
      "Verfluchtes Mädchen, wie konnte es nur soweit kommen. Hoffentlich schüttelt dir bald jemand diese Flausen aus dem Kopf.", knurrte Grolf noch und zog sich mit der Truppe zurück nach Anvil.


      Sieg für Mehyve
      Aranis

      Schon nach einigen Stunden Belagerung war die Mauer durchbrochen worden und der Grenzposten eingenommen. Die Erfindung von Raz hatte den Einsatz von Magie stark gemindert und auch Belagerungszeit reduziert. Dennoch war dieses Gerät letztenendes auch ein Fehlschlag. Was nützte es einem, ein Durchweg freizuschlagen, wenn das Gerät selbst danach im Weg stand, und in sich zusammenfiel? Das hatte einiges an Soldaten gekostet, weil die geschmiedeten Pläne mittendrin noch umgeändert werden mussten. Auch die schlechte Aufklärung über die Verteidigungsmöglichkeiten des Postens taten ihr übriges.
      Mehrere tausend Krieger waren gefallen oder schwer verletzt, zum Teil nicht mehr brauchbar. Dennoch brach ein Jubel aus, als die Generäle den Sieg verkündeten, die letzten Zwerge festgenommen und alle Gebäude für erobert ausgerufen worden. Aranis wurde informiert, das sie jetzt gefahrlos den Posten betreten konnte.
      Raz selbst wurde noch nicht zu ihr bestellt. Er schwitzte und wusste nicht, was er als nächstes tun sollte. Was zum Henker war mit der Maschine los gewesen? Wieso war das Ding einfach zusammengebrochen? Und wer hatte diesen Mist draufgeschrieben? Er konnte kaum grade laufen und stöcherte mit seinem Gehstock wütend in der Luft herum, fluchte, beschimpfte die unfähigen Arbeiter, solch ein mieses Werk der Königin präsentiert zu haben.
      Irgendwann erreichte er den noch immer brennenden Trümmerhaufen. Mittendrin lag die rötliche Faust, die vom Feuer bereits geschwärzt war. Das einzige Teil, was er retten können würde, da es hier nicht heiß genug war, um das Metall zu schmelzen. Der Rest war verloren. Fast alles hatte Hew mit seinen Geräten zu Kleinholz zerlegt. Angezündet wurde sie auch noch. Und mittendrin lauter Leichen, über die Raz hinwegstifelte, als sei es nur Geröll.
      Auf einen Felsen, ein Bruchstück der Brocken die die Camisser verwendet hatten, nahm er schließlich schnaufend Platz.
      "Ein Unglück ... so ein Unglück. Aranis wird mich dafür hart bestrafen. Ich werde Höllenqualen erleiden ... so ein Unglück .... verfluchtes Unglück ..", jammerte er und wischte sich den schmutzigen Schweiß von der Stirn.
      Hier konnte er nicht mal nachforschen, wo der Fehler gelegen haben könnte. Dank Hew. Ja, Hew Perrot. Vielleicht konnte man ihm das in die Schuhe schieben. Immerhin hatte die Waffe ja funktioniert, und den Fehler hätre man beseitigen und ausbessern können. Aber er hat die Faust vernichtet, und so würde Raz alles von vorne planen und neubauen müssen. Sofern er sein jämmerliches Leben behalten konnte.
      Es war nicht mal klar, wer von beiden jetzt überhaupt über den anderen gebieten sollte. Auch Hews Waffen waren nicht sehr wirkungsvoll gewesen, und hatten versagt. Aber er hatte auch den Weg damit frei gemacht, den Raz versperrt hatte. "Haaaarr, es ist zum Haare raufen ..."
      Er sah sich um, suchte nach dem Mann mit der seltsamen glitschigen Frisur, und er meinte ihn irgendwo erkannt zu haben. Der Rauch des Feuers war ihm etwas im Weg.

      Ruhe kehrte ein, und Aranis stolzierte durch das eroberte Lager. Einige Gebäude waren beschädigt, brannten, aber vieles würde sich wieder nutzen lassen. Gut. So konnten sie hier erstmal ein paar Tage ruhen, und das eroberte Tor ausbauen. Außerdem konnten so die Angriffe auf die Burg und die Stadt vorbereitet werden. Krend würde morgen durch das Tor vorrücken und einen Teil der Strecke zurücklegen, ehe er erneut lagern würde. Er sollte Silver Helm etwa dann erreichen, wenn die Belagerung bei Anvil beginnen würde. Tatsache war, das sie neu planen müssten. Die Zwerge waren doch etwas zu verschlagen. Aranis befahl Servic, irgendwie noch ein paar Informationen zu beschaffen. Es war ihr egal, wie er das anstellte, aber sie wollte nicht wieder in zu große Überraschungen stolpern, wenn sie die Mauern der Burg und Stadt belagern ließ.
      Aranis selbst nahm nun auf einem transportfähigem Thron platz und spähte auf die zwölf Zwerge runter, die man in Ketten gelegt, zu ihren Füßen präsentierte. Darunter auch Kommandant Irondoor, der mürrisch knurrte und die Königin ansprach.
      "Arrr, Mädchen, ich sagte dir doch, das du hier keinen Ärger machen sollst. Hat die die Prügelei in der Taverne nicht ausgereicht? Naja, wenigstens hatten ihr dort noch ein Lächeln im Gesicht, für das selbst ein Zwerg auf Bier verzichten würde, nur um es bewundern zu dürfen. Aber jetzt ..."
      Aranis grinste, hob die Hand, als ein Soldat dem Zwerg für seine Unverschämtheit strafen wollte. Dann lachte sie kurz auf. "Hahaha, verehrter Irondoor, das galt vielleicht für eine Person namens Flora Goldfield, aber nicht für mich. Flora ist gestorben. Sie wird nie zurückkehren. Ich bin jetzt eine Göttin, Aranis. Merkt euch das. Und ich habe vor diese Insel zu meinem Reich zu machen."
      Sie beugte sich vor. "Und Camisse wird das erste Reich sein, das ich mir einverleibe. Mit eurem Erz, und euren fähigen Bergleuten dürfte ich bald genügend Material zusammen bekommen, um auch den Rest von Taranoke zu unterjochen. Jedoch biete ich jedem, der sich freiwillig ergibt die Chance mir zu dienen. Ich kann sehr großzügig sein, wenn man mir entgegen kommt."
      "Baaah, erwartest du, das wir uns dir anschließen, dir den Staub von den Stiefeln wischen und oh größe Göttin rufen? Wir sind Camisser, und wir haben Ehre und Stolz. Du bist einfach nur vergiftet worden, im Geist. Es ist traurig, aber das müssen wir wohl anerkennen. Wir erwarten den Tod, Lady."
      Aranis blieb gelassen. Hier ging es nicht darum, ob ein Soldat sich freiwillig beugte. Diese Zwerge hier waren nicht dafür bestimmt, sich Aranis anzuschließen, etwas anderes sollte sie erwarten. Dennoch bot sie Möglichkeiten.
      "Ihr sprecht sicher nicht für euer ganzes Volk. Und auch nicht für den König, der er sicher bald zu schützen versucht. Dann wird er aufgeben und sich mir beugen. Die Frage ist nur, wieviele Camisser müssen vorher noch sterben?"
      Sie zeigte mit dem Finger der Reihenach auf die Zwerge. "Erzähglt mir was über die Verteidigung von Silver Helm und Burg Anvil. Jeder, der mir hilft, euer Land schneller zu erobern, hilft gleichzeitig dabei, viele unschuldige Opfer zu vermeiden. Ich werde euch eine Nacht foltern lassen. Morgen werdet ihr Rede und Antwort stehen, oder noch schlimmere Qualen erleiden. SCHAFFT SIE WEG!"

      Die Zwerge wurden fortgebracht und Aranis entspannte sich etwas. Ihr Blick aber wurde finster.
      "Soldat? Lasst mein Zelt hier errichten. Ihr habt eine Stunde. Sobald alles fertig ist, wünsche ich mit Alf Raz und Hew Perrot zu sprechen."
      "J-jawohl, eure Mejastät!"
      Eine Stunde war eine unmöglichkeit. Das Zelt lag außerhalb der Mauern Camisses im Lager, musste erst abgebaut, rübergeschaft und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden. So kam es das zu erstenmal mehr als 70 Mann für ein Zelt abkommandiert wurden.
      Tatsächlich stand ihre Unterkunft bereits eine Stunde später, und sie belohnte sie tapferen Soldaten, die dabei halfen ihre Anordnungen umzusetzen. Sie brauchten heute nicht mehr arbeiten. Abgesehen davon, gab es genug Soldaten die nichts tun brauchten. Ein Lohn der also kaum auffiel und überhaupt nichts kostete. Sie wären ohnehin zur Erholung abkommandiert worden.
      Wenig später saß sie wieder auf ihrem Thron und spähte zum Zelteingang. In wenigen Momenten sollten Perrot und Raz diesen durchschreiten, und sich erklären. Beide hatten versagt. Perrots Geräte konnten kaum was an der Mauer ausrichten. Und Raz Faust ... eine Demütigung auf ganzer Linie.
      Kasli war auch anwesend. Sie sollte dem Beiwohnen. Möglicherweise bekam sie einen der beiden zum spielen. Es kam aber ganz auf die beiden selbst an. Vielleicht war Aranis mit ihren Ausreden einverstanden.
      Dann zogen zwei Soldaten den Eingangsvorhang beiseite und die beiden Männer traten ein.
      Aranis Gesicht sah alles andere er fröhlich aus. Und ihr kalter Blick bohrte sich in die Augen der zwei Kriegsmaschinenmeister.
      Es folgte ein ungeduldiges "Nun....erklärt mir doch einmal die Situation vor der Mauer!"
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    • Mehyve marschierte schließlich in Camisse ein. Es war ein verlustreicher Sieg und längst nicht so glorreich, wie sich viele von ihnen vorgestellt hätten, aber es war dennoch ein Sieg. Die Fahnenträger reckten Mehyve's Banner in die Höhe, als der Torbereich eingenommen und gesichert wurde und während die letzten Truppen die Camisser in die Flucht schlugen oder gefangen nahmen, formatierte sich der Rest bereits neu und machte sich daran die beiden Zugänge zu Camisse freizuräumen. Die Leichen wurden bei Seite geräumt und Rüstung von ihnen eingesammelt, wenn man Eisenrot entdeckte. Das Erz war zu kostbar, um es einer Leiche zu überlassen. Dann riefen sie nach ihrer Königin.
      Elosia und Dracul hatten bei weitem die meisten Truppen verloren: Dracul durch seine Position an der Front und Elosia durch die Falle, durch die sie mehrere hundert Krieger in wenigen Minuten verloren hatte. Dracul selbst sah auch reichlich angeschlagen aus, seine Rüstung hatte keinen einzigen sauberen Fleck mehr und war an vielen Stellen gerissen und zerbeult. Allerdings ging er noch immer aufrecht, obwohl er mitunter am längsten gekämpft hatte, und behielt seinen Helm auf, als wolle er mit allen Mitteln verhindern, dass irgendjemand sein Gesicht zu sehen bekam. Es war nichts neues. Elosia sagte ihm, dass er sich mit seinen verbliebenen Truppen zurückziehen könne.
      Servic kam auch aus den Wäldern hervor und sammelte sich mit Lionsky, um weiter zur Burg zu ziehen. Diese Vorbereitung wurde allerdings jäh unterbrochen, als Aranis von Servic bei ihrer Ankunft mehr Informationen verlangte. Das ließ ihn sprachlos zurück. Sie befanden sich im Krieg und er sollte vom Feind mehr Informationen besorgen? Das war ein Ding der Unmöglichkeit, zumal die Zwerge wesentlich schwieriger auszuspionieren waren als Vultjag oder Lyxaxu. Schließlich konnten sie einen Eindringling schnell ausmachen und sie waren so loyal, dass sie sich nicht auf Bestechungsgelder einließen. Er raufte sich die Haare, hielt Rücksprache mit seinem General und zog schließlich von dannen. Wenn er Leben wollte, musste er eine Möglichkeit finden.
      Die Stadt wurde in ein Armeelager verwandelt und die Hälfte der Armee machte sich bereits zum Weitermarsch fertig. Unterdessen fanden sich zwei sehr in Bedrängnis geratene Kriegsmaschinisten in Aranis' Zelt ein, die alles andere als gut gelaunt zu sein schien. Zum wahrscheinlich ersten und letzten Mal in Hew's Leben war er froh darum Alf an seiner Seite zu haben, denn so würde der Zorn der Königin nicht nur an ihm abgelassen werden. Er fühlte sich reichlich unwohl unter ihrem Blick und strich sich nervös über die Haare, an ihrer Seite riss Kasli den Mund zu einem Gähnen auf, als ob die Vorstellung sie langweilen würde.
      "Wir wussten nichts von den Kanonen, die Camisse besaß, Eure Majestät. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit diese kleinen Luken aus dieser Entfernung zu treffen, ohne vorher exakte Berechnungen anzustellen. Selbst die besten Maschinen können dann nichts ausrichten, wenn sie nicht wissen, in welchem Winkel sie schießen müssen. Und während die Faust nach vorne gerollt ist, konnten sie eben jene Maschinen mühelos ausschalten."
      Er sah kurz flüchtig zu Alf, denn die Faust würde wohl ein eigenes Thema sein. Mittlerweile verspürte er überhaupt keine Schadenfreude mehr, sondern bangte um sein Leben. Nervös trat er vom einen auf den anderen Fuß.
      "I-Ich bin zuversichtlich, dass wir bei der Burg Anvil mehr ausrichten können, Eure Majestät. Ich werde nach Sklaven schicken lassen, um meine unbemannten Maschinen besetzen zu lassen. Schließlich sind meine Maschinen für Belagerungen gemacht, Eure Majestät. Sie werden Euch ganz bestimmt nicht ein zweites Mal enttäuschen."


      Grenzposten Vultjag an den Bergen
      Unterdessen...

      Die kleine Handelsvereinigung bewegte sich auf die Wachposten zu, die ihre Speere gekreuzt hielten und den Besuch mit misstrauischem Blick entgegen sahen. Angeführt wurde sie von dem edel wirkendem Elfen Kal, der nicht marschierte sondern eher schlenderte, dicht gefolgt von einem Artgenossen und schließlich fünf Lyxaxern, von denen einer auf dem Wagen saß und das Pferd lenkte. Die Truppe kam zum Stillstand, als sich ihnen eine hochgewachsene Soldatin mit grimmigem Blick in den Weg stellte, deren Uniform die stolzen Farben von Vultjag präsentierte. Sie sah nicht so aus, als hätte sie die besondere Absicht freundlich zu sein.
      "Wer seid ihr und was wollt ihr hier?"
      Kal blickte sie aus unbewegter Miene an. Er erwiderte ihren Blick und ignorierte dabei die anderen Soldaten, die sich wie Wölfe um den Wagen scharrten und die kleine Gruppe einkesselten. Manche Lyxaxer wurden nervös. Sie gaben sich als Wächter aus Goldfield aus, aber die Feindseligkeit der Vultjager könnte diese Täuschung vernichten.
      "Wir kommen als Vertretung vom Hof Garlingen in Goldfield. Miss Goldfield möchte seiner Majestät Vultjag ein Friedensgeschenk überbringen und hat sich daher seine Erlaubnis für einen einmaligen Zugang eingeholt."
      Er überreichte das Dokument mit dem Siegel aus Vultjag. Die Soldatin überflog es, die Miene noch immer grimmig und feindselig. Dann blickte sie zu einem der Soldaten und blaffte: "Nachsehen!", bevor angesprochener Soldat auch schon ungefragt den Wagen bestieg und die Plane zurückwarf. Hervor kamen zwei Dutzend große Säcke Goldfield Mehl, das in der eigenen Heimat hergestellt worden war. Der Soldat zog sein Schwert hervor und stach in einen der Säcke. Das Mehl ergoss sich überall hin und der Soldat nickte knapp. Kal verzog keine Miene, aber die getarnten Lyxaxer starrten den Soldaten mit zornigem Blicken an. Die Soldatin überreichte scheins widerwillig das Dokument.
      "Ihr könnt passieren."
      Kal entspannte seine Kiefermuskeln, die er bis dahin zusammengepresst hatte. Er versuchte sein vor Sorge rasendes Herz zu beruhigen, während er den Soldaten scheins beiläufig zuwinkte und sich wieder mit seinem schlenderndem Gang in Bewegung setzte. Die Soldatin machte ihm keinen Platz und so musste er sie umrunden. Es war lächerlich. Die ganze Unternehmung war ein einziges Risiko, aber was würde er nicht alles tun, um Flora möglicherweise zurückzubringen.
    • Vanya Dorran
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      In Garlingen hatte man unterdessen eine besondere Reise geplant und begonnen. Eine Reise nach Vultjag, um ein altes Gemäuer, das man den Turm der Wüste nannte, zu besuchen, um dort nach Spuren zu suchen, die angeblich dabei helfen könnten, Flora Goldfield zurückzuholen. Es hatte etwas mit den alten Mönchen zu tun, die noch vor der großen Besiedelung der Menschen hier lebten, und das vorige Volk im Glauben des Lichtes an die Göttin Arana lehrten.
      Den Elfen, die schon weitaus früher hier in kleineren Siedlungen lebten, waren diese ebenfalls in ihrer Geschichte bekannt. Große Konflikte sollten sie damals heimgesucht und ausgelöscht haben. Es gab nämlich noch ihr Gegenstück, die Göttin Aranis. Viele der alten Ruinen zeugten noch von Spuren beider Partein, die sich letztenendes gegenseitig auslöschten.
      Vielleicht waren auch irgendwie die Elfen daran beteiligt, aber das Meiste der alten Geschichten wurde vernichtet und zum Schweigen gebracht. Wenige der Ältesten wussten es vielleicht noch. Jedenfalls gab es auch damals bei dem recht kleinem Volk der Elfen große Verluste. Viele Elfen wurden erst während oder nach der Besiedelungder Menschen geboren und wussten daher ohnehin nichts darüber. Nur etwa 20 Prozent der Elfen waren über 200 Jahre alt. Ein paar hundert Elfen gab es, die über 500 Jahre zählten. Darunter die Ältesten vom Rat. Aber die schwiegen zu dem Thema der alten Zeit.
      Die letzten zweihundert Jahre hatte es auch bei den Elfen eine höhere Geburtenrate gegeben, schon allein um die große Anzahl der Menschen auszugleichen. Erste Verluste und Abgaben an die Menschen endeten oft mit diplomatischer Niederlage, um Schlimmeres zu verhindern. Dennoch einigte man sich bald, den Elfen ihren Waldbereich anzuerkennen, und neue Bündnisse wurden geschmiedet, die bis heute anhielten.
      Irgendwann in dieser Zeit brachte auch die Familie Dorran weiteren Nachwuchs zur Welt, und darunter eine äußerst begabte Tochter namens Vanya, die es verstand meisterhaft mit einem Bogen umzugehen, dabei die Kraft des Windes nutzte. Die Windmagie war bisher ein fester Bestandteil der Familie Dorran, und ging fast immer auf den weiblichen Nachwuchs über.
      Vanya selbst nutze zudem einen magischen Bogen, der ebenfalls die Windmagie beinhaltete. Sie benötigte daher keine Pfeile, da sie diesen mit ihreren Kräften nutzen, und Pfeile aus Luft erstellen konnte. Daher konnte sie nicht nur äußerst schnell schießen, sondern auch ununterbrochen, solange ihr nicht die Mana oder die Ausdauer ausging.
      Vanya war stolz darauf, für Garlingen, insbesondere dem Haus Goldfield einen Dienst erweisen zu können. Sie schloss sich daher zusätzlich als Freiwillige an, und folgte dem Botschafter Kal nach Goldfield, und schließlich in die Wüste.
      Lyxaxu selbst brachte Verbündete Helfer, die sich als Garlinger tarnten. Immerhin würde man so nicht Lyxaxu verurteilen, sollte ihre Mission scheitern. Alls würde auf Garlingen und möglicherweise wohl auch den Elfen angelastet werden. Sie konnten sich nicht so einfach tarnen. Aber die Wüstenmenschen war ohnehin ein unwillkommender Gast auf Taranoke. Wenn es nach Vanya ginge, sollten sie das Land versuchen mit Wäldern zu beleben, anstatt dem trocken Sand und Fels ein Zuhause zu spenden. Aber die Natur wollte es so, durch warme undheiße Winde aus den nordöstlichen Bereichen des Meeres, vom fernen Kontinent der hinter dem Horizont lauerte. Auch dieser soll angeblich eine große Wüste und trockne Berglandschaft sein, die sich über tausende Kilometer erstrecken soll.
      Nur den Bergen war es zu verdanken, das der meiste Wüstenwind sich eher in Vultjag sammelte, oder durch Mehyve und süd Camisse zog.
      Nördlich schütze noch ein dichter Wald das Land vor dem Austrocknen, und dort waren auch die Winde wieder feuchter, die von Nord-West Taranoke erreichten. Der dortige Kontinentalbereich hinterm Horizont sollte angeblich gewaltige Wälder beherbergen.
      Und beide Wetterfronten trafen sich über dem großen Ozean nördlich Taranokes, dem Meer der Stürme.

      Kal führte die Gruppe schließlich zum ersten Grenzposten in Vultjag. Er lag zwischen zwei Gebirgen, und bot die einzig sichere Durchfahrt für Wagengespanne. Vorallen die schnellste Möglichkeit. Wer durch die Berge fuhr brauchte unnötig mehr Kraft und Zeit. Außerdem wollten sie offiziell in Vultjag einreisen, und durften nicht auffallen.
      Als Geleitschutz für Garlingen war es auch nicht sonderlich auffällig, das es sich dabei um Elfen handelte. Gerade jetzt, wo auch der Weizen eine hohe Kostbarkeit darstellte, wenn auch eher im Sinne der Verderbnis. Was Flora Goldfields Verrat begann, so wollte man den Weizen kaum noch haben. Ihr Wandel zur Aranis und der Übernahme Mehyves schien allen einen Schock verpasst zu haben.
      Der ganze Handelssektor war in Chaos ausgesbrochen.
      Nachdem die Soldatin Vultjags den Transportwagen durchsuchen lassen hatte, durften sie passieren. Sie saß ebenfalls zu Pferd, da auch für sie eine Strecke dieser Länge etwas viel zu Fuß gewesen wäre. Zudem kamen sie schneller voran. Selbst der Wagen war recht zügig unterwegs, wenn es jetzt auch etwas beschwerlicher werden würde.
      Vor ihnen öffnerte sich die Wüste, deren steiniger Boden nach und nach mehr in Sand überging, und ihnen auch hin und wieder Sandkörner ins Gesicht und in die Augen wehte.
      "Der Wind steht ungünstig auf unserer Reise. Er ist warm und trocken. Der Sommer naht, und bald wird er heiß und gnadenlos sein. Es ist gut, das wir jetzt schon diese Mission ausführen. Und wir haben genug Wassser.", meinte sie beiläufig. Sie klopfte mit der Linken auf ihren Trinkschlach an der Satteltasche. Ein kleinerer war noch an ihrem Gürtel, sollte sie schnell flüchten müssen. Der größte Vorrat lagerte im Wagen mit dem Mehl. Zwei Fässer voll kühlem Nass, das sicher auch bald warm werden würde. Wenn sie Rast machten, setzte man das Wasser häufig im Kessel über dem Feuer an, um daraus heißen Tee zu machen. Elfen tranken viel Tee in allen Varianten.
      Vanya schaute sich nochmal die Karte an, die sie dabei hatte. Etwa 190 bis 210 Km Wüste lagen vor ihnen, bis sie den Turm erreichen würden. Durch den sandigen Boden und Unebenheiten, werden sie wohl etwa nur 50 oder 60 km am Tag schaffen. Vier Tage benötigten sie also mindestens um den Turm zu erreichen. Dort so hoffte man, konnten sie günstig Verpflegung und Wasser erhalten. Immerhin war der Turm eine Festung von Vultjag. Ein Ort der Versorgung.
      Und dann benötigten sie sicher nochmals zwei Tage bis nach Destone, wo Vultjags Palast stand. Die Rückreise und der Aufenthalt würden insgesammt sicher volle zwei Wochen Zeit in Anspruch nehmen. Vielleicht ein paar Tage länger.


      Östliches Tor Camisse
      Aranis

      Sie hörte den Ausreden der beiden zu, und selbst Raz beteuerte immer wieder, nicht zu glauben, was er da gesehen hatte. Auch hatte er die Aufschrift nicht in Auftrag gegeben, und schob die Schuld auf einen Arbeiter, der wohl selbstständig handelte. Eine Art Sabotage. Ein Wort, das Hew kurz zucken ließ, aber keiner bemerkte es.
      Raz bedauerte, das er die Ursache für die Instabilität nicht länger untersuchen könnte, da Perrots Maschinen das Hindernis zerschossen und die Zwerge auch noch ihr Werk verrichtet hatten. Raz kroch förmlich im Staub und leckte beim Sprechen schon den staubigen Boden, was Aranis wie Blick der Abscheu entlockte.
      "Hör auf den Boden zu besabbern, wiederlicher alter Mann! Ihr habt mich beide enttäuscht. Seit froh, das wir gegen die Zwerge angetretwn waren, und nicht die handelsüblichen Mauern von Burgen belagert haben. Hättet ihr dort dieses Versagen gezeigt, würden eure Köpfe mit der nächsten Belagerung den Feind zuerst begrüßen. Camisser Bautechniken und ihre Raffinesse in der Verteidigung lasse ich als Ausrede gelten. Wir haben größere Verluste eingefahren als geplant, und das soll kein Zweitesmal passieren. Servic wird vorab Erkundungen ausführen, und euch Meldung machen. Ich wünsche, das ihr zwei zusammenarbeiten werdet. Nutzt eure Fähigkeiten, und helft bei der Belagerung so gut es geht mit euren Waffen. Hew Perrot, ihr werdet bei Anvil Negrell und Servic unterstützen. Alf Raz, ihr werdet Haus Krend nach Silver Helm begleitet. Nutz die Waffen von Perrot, aber baut zusätzliche wenn es sein muss. Und ich werde mir berichten lassen. Versagt ihr nocheinmal, wird es euer beider Leben sein, das ihr verfluchen werdet. GEHT MIR AUS DEN AUGEN!"

      Die Ansage war klar. Sie hatte ihr zweite Chance bekommen und waren bisher glimpflicher davon gekommen, als erwartet. Als Raz und Perrot vor dem Zelt standen, schienen beiden hunderte Kilo Geröll von den Schultern zu rutschen. Raz stütze sich schwer schnaufend auf seinen Gehstock, sein Knie schmerzte. Perrot tupfte sich Stirn und Halsbereich trocken, mit einem bestickten Tuch.
      "Ähhh,... es ist zum Mäuse melken. Wir mussten in wenigen Tagen eine ganze Belagerung vorbereiten, ohne ausreichend Informationen zum Gelände und der Verteidigung zu erhalten, und sie erwartet wahre Wunder. Nun, es ist ein Wunder, das bis auf wenige Ausnahmen alles so funktionierte wie vorhergesehen. Dennoch frage ich mich, wie der verstärkte Boden und das Gestell soeinfach wieder brechen konnte. Ich hatte es persönlich nochkontrolliert!", murrte er, während beide dem Weg folgten.
      Eine Schande für Raz, der er jetzt einen Teil von Perrots Geräten brauchte. Und er musste in wenigen Tagen auch noch nachrüsten. Immerhin gab es genug Leute und Sklaven, die dafür bereit standen. Erst Reparaturen an den noch Verfügbaren, und dann hieß es Bäume fällen, Sägen und zusammenhämmern. Die ganze Nacht würde dafür drauf gehen, nur um alle Teile vorzubereiten. Mindestens vier Katapulte sollte jeder noch frisch dazubekommen.
      "So wie es aussieht, sind wir nun nicht länger Kontrahenten, Hew. Jetzt sitzen wir im selben Boot."
      Von wegen. Er würde einfach ein besseres Ergebnis abliefern als Hew. Immernoch eine Chance, ihm zum Sklaven zu machen. Zum Stiefellecker.
      Zwei Tage hatten sie noch, dann würde man die ersten Truppen wieder zusammenziehen und in Marsch setzen.
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    • Als Hew und Alf vor dem Zelt ankamen, waren beide gleichermaßen verschwitzt und geängstigt. Sie hatten beide versagt, wenn auch auf unterschiedlicher Weise und durch unterschiedliche Gründe. Während sie dem Weg zurück folgten, ließ sich Alf über Aranis aus, während Hew schwieg. Erst, als sie in einiger Entfernung zum Zelt waren, erhob Hew das Wort.
      "Alf, ich -"
      Aber nein - was wollte er schon sagen? Es war seine Schuld, dass Dracul's Armee nur noch ein jämmerlicher Haufen verletzter Soldaten war und dass Elosia mehr Verluste erlitten hatte, als nötig gewesen wäre? Dass seine Königin wegen ihm vor den Augen sämtlicher Einheiten zu einem Flittchen gemacht worden war? Wieso kam er nur auf solch verrückte Ideen, ohne über die Konsequenzen nachzudenken? Es war zum Haareraufen.
      "... Ich kann dir meine Maschinen geben, die unbemannt sind. Meine Arbeiter haben unter dem Beschuss die Flucht ergriffen und es würde zu lange dauern, nach neuen zu schicken. Ich lasse sie dir an der Mauer aufstellen."
      Er trennte sich von ihm und sie schlugen verschiedene Wege ein.

      Die Armee besetzte die Stadt. Leichen wurden verbrannt, Geröll und Trümmer bei Seite geschafft und Häuser in ein Heerlager verwandelt. Das Wappen von Camisse verbrannte mit den Leichen und an seiner Stelle wurde die Flagge von Mehyve gehisst, an jedem Teil der Mauer, sodass sie von überall gut zu sehen war. Die Soldaten plünderten die Häuser und schmückten sich mit den Funden, wobei sämtliche Reichtümer gesammelt wurden, um sie an Aranis zu übergeben. Sie bauten ihr Lazarett auf, in dem sich gleich ein Haufen Soldaten einfand und dann schickten sie nach ihren Versorgungswägen. Elosia's Armee wurde einzig die Wache übertragen, nachdem Lionsky und Servic bald weiterziehen würden und Dracul zu viele Verluste erlitten hatte. Die Stimmung war an manchen Orten belebt und an anderen niedergeschlagen, doch überall sprachen sie den Sieg ihrer Königin zu, der einzigen Königin in zwanzig Jahren, die wieder Krieg zu führen vermochte.


      Abgesandte aus Garlingen

      Während sich die Gruppe von dem Grenzposten entfernte, hörte Kal Vanya neben sich reden. Er hatte den Blick nach vorne gerichtet und seine Miene entspannt, während er seine Gedanken nach der Meditationsform reinigte, die im Kampf auch den Geist und Körper einte. Er war ganz unbewegt, während er so auf seinem Pferd meditierte, wobei er viele Male blinzeln musste, um den Sand aus den Augen zu bekommen. Das war wirklich ärgerlich. Vielleicht würden sie sich in Destone einen Augenschutz für die Rückreise besorgen.
      Er antwortete nicht auf Vanya's Bemerkung, allerdings warf er ihr einen kurzen Blick zu. Sie war eine gute Begleiterin auf dieser Reise, eine vertraute Seele, der er nur allzu freiwillig sein Leben anvertraute. Er konnte kämpfen, das war in Zeiten wie diesen eine Notwendigkeit, allerdings betrübte ihn der Kampf und er zog es vor seine Gefechte in der Politik abzuhalten. Vanya im Gegensatz war eine junge Elfe, die mit dem Bogen zur Welt gekommen zu sein schien. Selbst unter den Elfen, bei denen es niemanden gab, der nicht mit einem Bogen umzugehen wusste, war sie eine Meisterin in der Bogenführung und ihr Ruf eilte ihr in manchen Dörfern sogar voraus. Kal war keineswegs überrascht gewesen, als sie so unvermittelt bei der Königin erschienen war, um ihre Hilfe anzubieten. Sie musste dem Ruf ihres Bogens folgen und das konnte sie nur, indem sie ihn im bevorstehendem Krieg zum Einsatz brachte.
      Kal war der festen Überzeugung, dass der nächste Krieg vor der Tür stand und deshalb war es eine gewisse Sicherheit, jemanden wie Vanya an seiner Seite zu haben. Wegen ihr allein, so hatte er es sich bei ihrer Ankunft vorgenommen, würde er der Familie Dorran seine Ehrfurcht im Namen der Königin bezeugen.
      Er wandte sich wieder nach vorne und seiner Meditation zu. Der Kontakt am Grenzposten hatte ihn tatsächlich sehr durcheinander gebracht und er hasste es, wenn sein Kopf von Gefühlen umnebelt war. In der Klarheit liegt die Stärke, ein Spruch, dessen Urheber er vergessen hatte, was ihn wieder an Vanya's Bogenkunst erinnerte. Er dachte daran, dass ihr diese Meditation sicherlich auch gut tun würde. Die jungen Leute heutzutage zog es eher in den Krieg als in ihren Geist.

      Bei Sonnenuntergang schlugen sie ihr Lager auf und setzten das Kochfeuer auf. Die Soldaten brachten getrocknetes Fleisch aus dem Vorrat her und Vanya setzte den Tee auf. Kal half dabei die Pferde zu versorgen, ehe er sich ans Feuer setzte.
      "Seid wachsam, auch in der Nacht. Nicht alle respektieren Skor's Siegel wie seine Soldaten."
      Er hatte seit dem Grenzposten kaum etwas gesagt und seine Stimme klang heiser. Er räusperte sich unangenehm und nahm sich dann etwas von dem Tee, den er auch den Soldaten anbot. Sie lehnten ab, also trank er allein mit Vanya.
    • Lager der Abgesandten aus Garlingen

      Auch Vanya war froh, das sie nun endlich ihr Lager aufschlagen konnten, da der warme Wind und der Sand der ihnen allen die Augen rötete, langsam immer nerviger wurden. Dabei waren sie erst am Randgebiet, wo es noch recht felsig war. Schon morgen würden sie Dünen aus reinem Sand überqueren, die zum Glück eher wie Hügel wirkten, mit sanftem Anstieg. Es gab aber auch größere Dünen, die viel Kraft kosteten, diese zu erklimmen. Am Tage konnte man so nur wenige Kilometer schaffen, bei Nacht noch eine Handvoll mehr.
      Besser wäre es ohnehin gewesen, nachts zu reisen, aber in der Dunkelheit lauerten viele Gefahren.
      Nachdem alle Schlafstätten errichtet, die Tiere versorgt und der Tee gekocht war, entspannten sich alle. Zwei Wachtposten blieben bei den Pferden, und horchten in die Wüste hinaus. Alle zwei Stunden gab es einen Wechsel, und nicht alle waren jede Nacht dran, so das jeder auch mal durchschlafen konnte.
      Den Tee der Elfe lehnte man dankend ab, was Vanya nicht verwunderte. Die Lyxaner blieber wohl lieber bei Wasser, Wein und Brot. Das hatten sie aus Garlingen mitgenommen. Die Reise zur Wüste hatte aber schon fast alle Laibe verbraucht, und das letzte Brot, das schon recht trocken, aber immernoch schmackhaft war, würde spätestens morgen mit Wasser die Kehle runter rutschen. Danach blieben nur noch die Fleischvorräte und ein paar Früchte. Das ein oder andere Tier der Wüste würde man noch erlegen. Und wenn man Pflanzen fand, würde man nach Möglichkeit das Wasser abzapfen. Allerdings gab es hier nicht sonderlich viel nutzbare Pflanzen. Trockne Sträucher und verdorrte Äste von dürren Bäumen waren die einzigen Ansehlichkeiten neben Fels, Stein und Sand. Eine trostlose Gegend die nur die Härtesten durchreisten, oder wenn man Händler war.
      "Ob wir etwas von dem Mehl nutzen könnten? Wir könnten Fladenbrote backen und Vultjags Kriegern anbieten, sollten wir auf welche stoßen. Vielleicht geleiten sie uns zum Dank bis zum Turm.", meinte sie, als sie zum Wagen spähte. Der Grenzposten war äußerst unvorsichtig damit umgegangen. Das Geschenk für den Herrscher verschwanderisch zu verteilen. Man hätte den Sack auch einfach nur öffnen brauchen, anstatt diesen aufzuschlitzen. Diese Wüstenleute hatten einfach kein Händchen für sorgsamen Umgang.
      Sie sprach Kal auch auf seine Stimme an, ob es ihm gut ginge. Vielleicht war er erschöpft, und vertrug die Hitze nicht. Ein schweigsamer Elf war oft in Gedanken oder er meditierte. Manchmal machte ihm aber auch die Umgebung zu schaffen.


      Östliches Tor Camisse
      Kommandozelt der Armee

      Während Aranis in ihrem Zelt zur Ruhe kam, und sich nicht weiter blicken ließ, waren die meisten Generäle und Hauptmänner erneut im Kommandozelt versammelt, und tranken auf den Sieg. Diese kleine Feiuer würde man nicht außen vor lassen. DasZelt war größer als zuvor, da weitere Nebenzelte angebaut und mit dem eigentlichem verschmolzen waren. So gab es mehr Platz im Hauptbereich. Man hatte noch etwas Material von den Zwergen beigeschaft, um den Tisch zu vergrößern. Feuerschalen spendeten Licht und Wärme, Öllampen zusätzliches Licht. Unweit vor dem Zelt gab es eine Feuerstelle, über dem ein großer camisser Bergkeiler röstete. Genug um allen die Bäuche zu füllen. Alle paar Minuten wurde er mit Bier übergossen und mit Gewürzmarinade bepinselt. Der Geruch wehte bereits ins Zelt, als die ersten Krüge aneinander krachten und Gelächter und Gejubel zum Trank ausriefen.
      Ein Festmahl für die Augen boten weitere Kostbarkeiten von Früchten bis anderen Beilagen, die auf Schalen, Tablets und Tellern auf dem Tisch oder auf weiteren Tischen an den Zelträndern ruhten. Das Brotlager der Camisser wurde ebenfalls geplündert. Auch ein Keller, im dem Käse lagerte, hatte es nicht überlebt. Außerdem hing hier noch ein fetter Schinken, bei dem manch einer schon zwei, drei Scheiben abgeschnitten hatte.
      Kisten mit Wein und das ein oder andere Fässchen Bier warteten ebenfalls darauf geleert zu werden.
      Die Elosia waren anwesend, Dracul, der wieder den Helm trug, und eine inzwischen reparierte und gereinigte Rüstung trug, saß wie gewohnt still wie ein Statue, und nahm gelegentlich den Kelch mit Wein, um daran zu nippen. Der Helm, den er extra für das Abendmahl trug, bot die Möglichkeit zu speisen und zu trinken. Man sah die Lippen des Mannes, der sonst vermied gesehen zu werden. Fahle Haut, spröde, rissige Lippen, glatt rasiert, aber Haut, die um den oberen Mundwinkel auch Narben vermuten ließen.
      Ein Krieger, der euphorisch auf dem Schlachtfeld im Blutregen seiner Feinde ritt, bot einen seltsamen Anblick, still und schüchtern bei Tisch mit langsamen und eleganten Bewegungen. Er aß sogar mit Messer und Gabel, und vermied es Dreck zu machen, wo es nur ging. Alles wirkte ordentlich auf seinem Teil des Tisches.
      Anders sah es bei den Negrell Schwestern aus. Was Dracul bei der Schlacht zu tun pflegte, schienen die Damen beim Essen umzusetzen. Besteck kannten sie nicht. So edel und begehrenswert, wie sie auch ausschauten, ließen ihre Manieren von Abscheu glänzen. Nach einem Sieg wie diesem war es wohl das reine Vergnügen was zählte. Die Teller und Schalen chaotisch gefüllt, Knochen, Stengel, Fruchtschalen, alles verteilte sich auf dem Tisch, dem Boden und häufte sich auf den Tellern. Dazwischen füllte man sich immer wieder nach, ehe die Ladung davor gänzlich verschlungen war.
      Lionsky hatte wieder ihren Greifvogel dabei, der auf einer Stange hinter ihr ruhte. Abzundzu hielt sie ihm ein Stück Fleisch an einem Holzspieß vor den Schnabel, während sie selbst immer wieder reichlich soff und dies und das erzählte. Die beiden Elosia wirkten auch eher gelassen, während Rose noch Haltung wahrte, und ihr Bruder ebenfalls den Alkohol sein Werk verrichten lassen wollte. Er mischte sogar Bier und Wein, weil er sich nicht entscheiden konnte, was er zuerst trinken sollte. Dann nahm er halt beides zugleich.
      Neben ihm saß Servic, dem er ordentlich auf die Schulter klopfte, so das ihm das Essen wieder auf den Teller fiel.
      "Wie läuft es mit der Spionage, mein Freund? Du willst doch nicht zusammen mit den beiden Barbaren dort in eine aussichtlose Falle laufen?"
      Sein Blick galt den Schwestern, die ihn beide simultan anfunkelten, kurz innehielten, ehe sie weiterschlangen.
      Servic, dem sicher nicht wirklich die Laune zum Feier im Schoß lag, wurde dadurch an seine Aufgabe erinnert, die man ihm aufgetragen hatte. Offenbar war man mit seiner Arbeit in letzter Zeit unzufrieden. Falsche Informationen, fehlende, unbrauchbare ...., davon gab es reichlich. Und jetzt durfte er eine Bastion der Zwerge auskundschaften lassen, die darauf lauerte, Spione zu ergreifen, und auf einen Kampf gerüstet war. Das schloss natürlich erhöhte Sicherheitsmaßnahmen mit ein.
      Die anderen Hauptmänner der Soldaten, von jedem der Generäle und Hausherren ein paar, beteiligten sich eher zuhörerrisch an den Gesprächen, oder sprachen etwas leiser.
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    • Abgesandte aus Garlingen

      Der Tee wirkte wie eine Heilsalbe auf Kal, der sich gleich viel besser fühlte. Die vorangegangene Reise hatte durch ein immer feindseligeres Gebiet geführt, nachdem Goldfield's Wappen gar nicht gern gesehen wurde. Und nun waren sie in der kargen Landschaft von Vultjag, in der es nichts weiter als die Sonne und einen staubigen Boden gab. Kal sehnte sich nach der Frische der Wälder und nach einem Wind, der keinen Sand mit sich führte. Aber schließlich sehnte er sich noch mehr nach Frieden, also würde er es wohl durchstehen müssen. Vanya's Bemerkung brachte ihn dann sogar zum Schmunzeln.
      "Ich denke, dass wir auf dieser Mission die Bewohner Vultjags nicht noch mit unseren Backkünsten verärgern sollten."
      Dabei beließ er es auch schon wieder und nahm einen weiteren Schluck seines Tees. Vanya erkundigte sich auch nach seiner Stimme, welch liebevolle Frau. Sie war eine perfekte Mischung ihrer beiden Eltern.
      "Ich denke viel nach und dann vergesse ich zu reden. Der Krieg macht mir zu schaffen und dabei haben die Gefechte noch gar nicht begonnen - außer vielleicht in Mehyve. Wir versuchen ihnen gut zuzureden, aber dabei ist es die störrische Natur der Menschen, die sie in einen Krieg nach dem anderen führt."
      Er blickte zu den Soldaten, die sich auch ans Feuer gesetzt hatten, aber sie waren in eigene Gespräche vertieft.
      "Es geht dabei auch gar nicht um Flora Goldfield. Hast du sie einmal kennengelernt? Ein wirklich bezauberndes Mädchen, klug und gerissen. Der Ruf eilt ihr zurecht voraus. Aber nein, ich denke dass jedes Haus in Mehyve den Thron erobern und einen Krieg anzetteln könnte, aber bei ihr geht es um das Ideal, das sie verspricht. Die Sonne und das reinigende Licht hinter ihrem goldenem Haar - ich kenne fast alle Balladen über sie und sie wollen alle auf das gleiche hinaus. Ein anderer Herrscher müsste mühsam ganz Taranoke den Krieg erklären, aber bei Flora - oder sollte ich sagen Aranis - passiert das von ganz alleine. Generalin Lyxaxu scharrt schon mit den Hufen, um ihre Truppen in den Krieg zu führen und Goldfield, nun, das ist der eigentliche Auslöser. Das Licht hat sich zur Dunkelheit gewandt, die Sonne ist hinter dem Mond verschwunden und Verderbnis wandelt auf Erden. Es müsste keinen Krieg geben, wenn Taranoke vereint wäre, denn selbst eine Göttin kann nicht mit eigenen Truppen gegen vier Reiche antreten. Aber es sind alle Opportunisten, sie wollen nichts riskieren, wenn sie wissen, dass sie auf der Verliererseite stehen. Und schließlich befinden wir uns genau dort: Auf der Verliererseite. Wie sollten wir schließlich eine Göttin bezwingen?"
      Er verstummte und trank erneut von seinem Tee. Das Reden hatte seine Gedanken aufgewühlt und er beschäftigte sich damit sie wieder zu ordnen, während er die Wärme des Feuers genoss. Dabei dachte er auch an Robert Goldfield, Flora's verstorbenen Vater. Was hätte er wohl in dieser Lage getan?


      Mehyve Kommandozelt

      Der Sieg wurde auf gebürtige Art gefeiert. Sämtliche Generäle fanden sich ein, ob sie nun wollten oder nicht. Es wäre eine Beleidigung gegenüber allen anderen und besonders Aranis gewesen, wenn sie sich dem Fest entsagt hätten und so waren auch alle gekommen. Nur die Kriegsmaschinisten waren nicht da, doch um die kümmerte sich eh niemand.
      Die Stimmung war äußerst Gemischt von Gejubel bis zu bitterer Schweigsamkeit, wenn der Sieg bejubelt oder die Verluste bedauert wurden. Servic saß unter ihnen wie ein Häufchen Elend, zusammengeschrumpft auf seinem Stuhl, der damit viel zu groß für ihn wirkte und ihn wie einen Rekruten aussehen ließ. Er sprach mit niemandem, das tat er kaum, wenn er auf solchen Festen anwesend war und niemand sprach ihn an. Als Wiliam ihn doch von der Seite anmachte, zuckte er zusammen, als wäre er geschlagen worden.
      "Es läuft gut", brummte er, in der Hoffnung, der bereits betrunkene General würde ihn in Ruhe lassen. Tatsächlich lief es gar nicht gut: Er hatte noch keine Rückmeldung von seinen Spionen erhalten und dabei sollten sie in zwei Tagen losziehen. Die vereinzelten Posten, die er schon seit Jahren in Camisse stationiert hatte, hatten auf seine Anfrage hin nicht reagiert und er wusste nicht, ob sie überhaupt noch am Leben waren. Andere Spione musste er vom Norden her einschleusen, denn jeglicher Zugang aus dem Süden war höchst verdächtig und würde es sicherlich nicht bis zur Burg schaffen. Und dann mussten auch noch die Verteidigungssysteme ausspioniert werden, nachdem er keine richtigen Angaben davon hatte! Es musste sich entweder jemand durch die Burg schleichen und jeden einzelnen Fleck erkunden, was kaum möglich war, oder die Pläne des Hauptmanns stehlen, was genauso unmöglich war, da Camisse durch den Angriff in höchster Alarmbereitschaft war und der Hauptmann wahrscheinlich schon damit beschäftigt war, eben jene Verteidigungssysteme zu verbessern. Servic hätte seinen besten Mann losschicken müssen, aber sein bester Mann war eine Frau, die er mit Mühe in Tain Lyxaxu's engen Kreis eingeschleust hatte, damit sie rechtzeitig von ihren Plänen erfuhren und darauf vorbereitet waren, wenn sie einen Angriff plante. Schließlich war Lyxaxu mit ihrer Streitmacht und den Schiffen Aranis' gefährlichste Feindin, die es auszuschalten galt. Er konnte die Spionin unmöglich innerhalb von zwei Tagen nach Camisse beordern. Es war also eine völlig ausweglose Situation, von der es nur einen Ausgang gab: Die vernichtende Strafe von Aranis, die noch schlimmer als der Tod sein würde.
      Servic raufte sich die Haare und erschauerte bei dem Gedanken an Aranis. Vielleicht sollte er in dem Chaos der Schlacht fliehen, das wäre doch eine hübsche Aussicht. Er könnte bei Brerandt als Fischer anfangen oder bei den Elfen als Bediensteter. Er würde ja sogar vor dem widerlichen Skor kriechen, wenn er damit von Aranis und ihrem Zorn befreit wäre.
      Wiliam beobachtete ihn mit hochgezogenen Augenbrauen, wobei er nicht ganz zu begreifen schien, worum es ging. Er musterte die Schwestern.
      "So schlimm sind sie doch gar nicht. Ich meine, klar, selbst ein Barbar würde alles aufessen und nicht die Hälfte auf den Boden werfen, aber -"
      Oriel schleuderte einen Hühnerknochen nach ihm. Wiliam wich mit einem Schwung zur Seite, der ihn gleich mitsamt Stuhl auf den Boden beförderte, der Greifvogel von Lionsky spannte seine Flügel auf und kreischte einmal laut, ein Offizier von Servic erschrak sich dabei und sprang aus dem Weg, wobei er in einen Offizier von Lionsky hineinrannte, der ihn wütend beschimpfte. Der Trubel hielt vielleicht für zwei Sekunden, dann kehrten alle wieder in ihre Gesprächigkeit zurück, als wäre nichts davon geschehen. Wiliam kam hinter dem Tisch wieder hervor und fing sich den Zorn seiner Schwester ein, die ihn auf seine mangelnden Manieren hinwies und dafür lautes Gelächter der Negrell Schwestern erhielt. Servic hatte schließlich genug von dem Geplauder, stand auf und ging nach draußen, um sich mit dem Gedanken abzufinden, dass er vielleicht noch 5 Tage zu leben hatte. Wenn überhaupt.
    • Östliches Tor Camisse

      Boros Krend, der mit Aranis der Hauptarmee gefolgt war, war nicht bei der Siegesfeier der anderen dabei, sondern war noch am frühen Abend mit seiner Streitmacht aufgebrochen, um die nahegelegenen Minen zu überfallen und für Mehyve zu sichern. Die dortigen Erze und Schätze würden dem Reich einen guten Dienst erweisen. Schon morgen früh würde die Kunde seines Sieges und seiner Beute die Moral der Armee deutlich erhöhen. Danach würde er den Aufbruch nach Silver Helm vorbereiten. Mühseliges Gelände zwischen den Bergen wartete auf ihn. Späher suchten bereits die besten Wege um so schnell wie möglich voranzukommen. Belagerungsgeräte mussten schließlich auch transportiert werden, und Zeit war das was am wenigsten vorhanden war. Aber er würde seine göttliche Königin nicht enttäuschen und alles umsetzen, was ihre Lippen an Wünschen äußerten. Unmenschliche Dinge. Aber es war wichtig, dem Gegner selbst Zeit zu stehelen, in dem man seine eigene Truppe bis zum Zusammenbruch antrieb. Sein Plan war es die Belagerung mit einer Erholungsnacht zu beginnen. Die Kriegsmaschinen sollten in der Nacht ein Feuerbombardemont starten, um den Gegner etwas auszuräuchern und zu beschäftigen. Am Tage sollten weitere Geschosse folgen und natürlich der Sturmangriff. Sklaven und Arbeiter waren genug dabei. Sie hatten quasi selbst eine Armee, um Vorort die nötigsten Dinge noch über Nacht zusammenzubauen. Tore und ein paar Stellen der Mauern mussten erklommen oder durchbrochen werden. Zwölf Stunden Arbeit sollten reichen, um Bäume zu fällen, und Bretter und Balken zu sägen, die dann von Zimmerleuten zusammengenagelt werden.
      Er aalte sich bereits beim Gedanken des Lobes von Aranis. Sein Haus dürfte bald das Stärkste und bekannteste in Mehyve werden. Selbstverständlich gleich nach Haus Mehyve selbst. Oder Haus Aranis?


      Abgesandten von Garlingen

      Vanya hörte Kal zu, und fand, das er als Krieger sicher fehl am Platze wäre, da er eher als Diplomat des Friedens einzustufen war. Jemand, der über viele Dinge die gerade geschahen nachdachte und versuchte eine Lösung zu finden. Und wenn er zu jemanden entsendet wurde, würde er alles versuchen, um die rauen Wogen zu glätten. Aber in Vultjag würde er eh nur auf raue Felsen treffen, die zu hart wären, um sie zu besänftigen.
      Er sprach kurz über Flora Goldfield. Vanya hatte sie nie persönlich gesehen. Geschichten und Lieder hörte sue genug, und jeder Barde der sang, sang noch fröhlicher über sie als der andere. Reisende, Händler oder Wichtigtuer erzählten jeweils ihre Versionen der Geschichte, wie der Mann der Wüste von ihr verschlungen oder verbrannt wurde.
      Irgendwer meiste mal, das sie die Möglichkeit hätte, Königin von Taranoke zu werden. Sie hätte einfach wieder jeden um den Finger gewickelt und mit Verträgen geknebelt, über die man hier und da ein Wort verloren hatte. Jeder König wäre vor ihr im Dreck gekrochen, wenn er dafür sein Reich schützen könnte.
      Vanya dachte auch darüber nach, wenn Taranoke vereint wäre, und keiner mehr mit dem Schwert auf andere zeigte. Aber das war ein Ding der Unmöglichkeit. Barbaren und Vultjags, die vom nördlich gelegenem Kontinent kamen, würden immer wieder versuchen, diese Insel irgendwie zu plündern oder sie zu erobern. Schätze gab es hier genug zu holen. Und dann noch die Piraten, die selbst eine Insel bewohnen sollten. Versenkte man ein Schiff, schienen kurz darauf zwei neue auf den Meeren zu kreuzen. Wie ein Acker, der von wilden Pflanzen durchwuchert wurde. Unkraut, das immer wieder nachwuchs, wenn man nicht die Wurzel entfernte.
      "Die einzelnen Häuser und Reiche werden immer auf ihr eigenes Wohl aus sein. Sie werden Bündnisse schmieden, aufbauen oder verwerfen, sofern es ihnen einen Vorteil verschafft. Und irgendwer wird dafür sorgen, das sich einer mit dem anderen streitet, und daraus Profit schlagen. Diese Insel ins verseucht von Intrigen. Ihr habt noch eine schwere Aufgabe vor euch, Botschafter Kal."
      Er und viele andere, die diplomatisch kämpften. Doch auch Kal wird in erster Linie die Waldelfen vertreten, und zu deren Vorteil handeln.
      Den Rest des Abends schwieg man eher, beobachtete die tanzenden Flammen und lauschte dem Knistern der Funken und trocknen Äste, das Zischen, welches auch von den um das Feuer liegenden Steinen kam, die in der Hitze schmorten.

      Noch in der Früh, als es noch recht mild war, bauten sie das Lager ab und setzten die Reise fort. Der Himmel schien auf sie gewartet zu haben, denn kaum waren sie ein paar Kilometer weiter, ersteckten sich die ersten Sanddünen vor ihnen, die kein felsigen Boden mehr spenden wollten. Zudem stieg die Sonne höher, in diesem blauen Himmel ohne Wolken. Selbst der Wind schien sie verlassen zu haben, und langsam wurde es immer wärmer. Bald, in zwei Stunden, wäre es Mittag, und die Sonne stünde hoch über ihnen, mit ihrer gnadenlosen goldenen Schönheit, die alles verbrannte was nicht im Schatten ruhte.
      Wäre es hier nicht Aranis, die eine helfende Hand ausstreckte, um die strafende Schwester Arana abzuwehren? Wenn man das Licht des Friedens mied, um im Schatten der Verzweiflung Schutz zu suchen, konnte man dann bei den Göttern noch von gut und böse sprechen?
      Vanya richtete nochmals ihren Umhang, der sie vor der Hitze schützen sollte. Auch das Gesicht war bis auf die Augen verhüllt. Sie nahm ihren Trinkschlauch und kostete das halbwegs kühle Nass, das ihre Kehle hinabfloss. Auch den Pferden gab man nochmals zu trinken. Man hoffte, das es irgendwo eine Oase gab, oder ein paar Wüstenpflanzen, wo man sagt, das sie viel Wasser in sich trugen. Große, stachelige Gebilde. Aber jetzt, wo sie oben auf einer der kleineren Dünen standen, sah man in der Ferne nur eines: Sand. Nichts als Sand.
      Laut Karte gab es auf ihrer Route einige eingezeichnete Bereiche mit Hügeln. Aber das könnten auch Hinweise auf gewaltige Dünen sein. Diese galt es anzusteuern. Drei an der Zahl, die etwas Orientierung in der weiten Sandlandschaft boten. Abgesehen von den Himmelsrichtungen und dem Sonnenstand.
      Und noch eine Gefahr schien in der Wüste zu lauern.
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    • Östliches Tor Camisse
      Zwei Tage später

      Die beiden Armeen von Negrell und Servic sammelten sich außerhalb der kleinen Mauerstadt, um sich zu formatieren und auf die Ankunft von Perrot's Maschinen zu warten. Servic hatte bisher keinen Verlust erlitten, doch auch die Schwestern hatten noch starke Truppen hinter sich, sodass beide Truppenstärken ausgeglichen war. Die Hausoberhäupte hatten sich bereits eingefunden, um die Formation zu überwachen, aber Servic war nicht bei der Sache. Er hatte am frühen Morgen - endlich - Besuch von einem Boten bekommen, der aus Camisse kam. Aber der Bote war zu Fuß gekommen, mit blutendem Kopf und verbundenem Bein und hatte berichtet, dass Camisse ihn entlarvt hatte, kaum dass er das Tor von Burg Anvil passiert hatte. Man hatte ihn auf seinem Pferd verfolgt, ihn versucht mit Pfeilen zu erschießen und er hatte sich darum bemühen müssen die Verfolger abzuschütteln, was ihn zusätzliche Zeit gekostet hatte. Außerdem hatte er Neuigkeiten von einem Spion, der sich in die Burg eingeschlichen hatte, aber diese Berichte waren nun hinfällig, da Camisse wusste, dass ein Spion unter ihnen war.
      Servic war einem regelrechten Wutanfall verfallen und hatte den Boten nach seinem Geschrei eigenhändig geköpft. Dann hatte er den ganzen Vormittag Verfolgungsängste gehabt, weil er glaubte, dass Aranis jede Sekunde aus den Schatten hervorsteigen und ihn mit ihren grausigen Zaubern dafür bestrafen würde, dass er die Pläne nicht beschaffen konnte. Und auch jetzt glaubte er noch immer, dass sie hinter jeder Ecke lauerte, um ihn auszufragen. Dieses Mal dachte er aber daran, dass sie vielleicht auch die Negrell Schwestern beauftragt haben könnte. Schließlich wäre es für sie keine Mühe, ihn aus dem Weg zu schaffen, so schnell und gerissen wie sie waren. Also beobachtete er sie mit zusammengekniffenen Augen, während er selbst in seiner Rüstung auf seinem Pferd saß und wartete. Um ihn herum war seine Leibgarde positioniert, die aus fünf gut ausgebildeten Soldaten bestand.
      Ariel begegnete seinem Blick.
      "Na, nervös, Servic? Keine Sorge, wir werden schon den Sieg für Aranis holen. Eure Truppen sind unter unserer Führung gut aufgehoben."
      War das eine Anspielung darauf, dass sie tatsächlich von Aranis beauftragt worden waren? Er musste vorsichtig sein.
      "Mein General befehligt noch immer über meine Truppen."
      "Schon klar."
      Sie grinste ihn frech an und er musste sein Zittern unterdrücken. Der Krieg war grausam, aber diese Schwestern noch viel grausamer.

      Sie zogen sofort los, sobald die Maschinen eingetroffen waren. Zwei Tage würden sie durch die Berge marschieren bis sie zur Burg kamen, von der es hieß, dass sie sich in den natürlichen Fels der Berge schmiegte. Der Weg dorthin war alles andere als so entspannt wie in Mehyve. Der Weg war steinig und uneben, bot kaum Schutz vor einem vernichtendem Sturz und wurde an manchen Stellen so schmal, dass die Armee sich aufteilen musste, um hinüberzukommen. Außerdem bot die Umgebung eine wunderbare Möglichkeit, um eine Lawine auszulösen und die Armee beträchtlich an ihrem Weiterkommen zu hindern. Servic war nicht umsonst das Nervenbündel, das er an diesem Tag darstellte.
      Sie marschierten ohne besondere Zwischenfälle auf einem immer höher führendem Pfad, der laut Karte breit genug war um eine Armee zu befördern und dabei mit einem kleinen Umweg zur Burg führte. Es war ein Zeitopfer, das sie alle bereit waren einzugehen, wenn das bedeutete, dass sie sich besser vor einem Hinterhalt schützen konnten. Die Hausoberhäupte ritten voraus, hinter ihnen Infanterie. Kavallerie gab es auch, aber sie bildeten die Nachhut und waren längst nicht so viele. Ein kleiner Spähtrupp war außerdem vorausgeschickt worden, um den Weg zu sichern.
      Die Sonne ging bereits unter, als ein Geräusch ertönte, dass die Armee zum Anhalten brachte. Es war ein Grollen, das sich wie Donner anhörte, nur irgendwie tiefer und ohne, dass eine Wolke am Himmel zu sehen gewesen wäre. Servic war der erste, der nach Aufklärung verlangte, als das Grollen noch einmal ertönte, diesmal allerdings deutlich lauter und deutlich näher. Servic' General zeigte plötzlich nach oben.
      "Von oben!"
      Sie alle blickten nach oben, gerade noch rechtzeitig um zu sehen, wie sich ein riesiger Felsvorsprung aus dem Rest des Berges riss und mit einer plötzlichen Geschwindigkeit auf sie zugerast kam. Die Armee verfiel in Panik, Servic' Pferd bäumte sich auf und machte einen Satz nach vorne, der ihn fast in den Abgrund befördert hätte und die Infanterie stob auseinander. Der Felsbrocken krachte ohrenbetäubend auf den Pfad, erschütterte beinah den ganzen Berg mit dem Aufprall und riss den Weg dort, wo er aufschlug, in zwei, bevor er mit dem zusätzlichen Geröll, das er herausgerissen hatte, weiter nach unten in die Tiefe stürzte. Servic, der von seinem Pferd gefallen war, richtete sich vorsichtig auf, nachdem das Beben allmählich wieder verblasste, und starrte auf das Loch, das der Felsbrocken zwischen ihn und die Armee gerissen hatte. Auf seiner Seite befanden sich die beiden Negrell Schwestern, auf der anderen sämtliche Einheiten mitsamt seiner Leibgarde.


      Abgesandte von Garlingen

      Sie waren erst ein paar Stunden durch die Einöde gezogen, als plötzlich ein alarmierender Ruf von einem der Soldaten kam.
      "Reiter!"
      Er hatte sich mit einem anderen von der Gruppe entfernt, um zu spähen, und kam nun auf seinem Pferd zurück zu ihrem temporären Lager gestürmt. Kal war sofort alarmiert. Er bestieg die Düne in die Richtung, in die der Späher gezeigt hatte und konnte in der Ferne schemenhafte Gestalten ausmachten, die auf ihren Pferden herangaloppierten. Es war unmöglich auszumachen, wer sie waren oder woher sie kamen.
      "Vanya, schau auf die Karte, gibt es aus der Richtung, aus der sie kommen, eine Stadt? Einen Posten? Zivilisation?"
      Die Elfe gehorchte ihm und verneinte kurz darauf. Das war ein schlechtes Zeichen. Kal mühte sich ab auf die Entfernung etwas zu erkennen.
      "Es sind zehn Reiter. Sie kommen direkt auf uns zu, also haben sie uns schon längst gesehen. Wir werden sie auf dieser Düne erwarten, ich schätze, dass sie bei diesem Tempo in einer halben Stunde da sein werden."
      Die Soldaten folgten ihm ohne zu murren und brachten den Wagen in Sicherheit hinter der Düne. Die Ankunft dieser Reiter war wirklich ärgerlich. Bis sie nicht herausgefunden hatten, ob sie Freund oder Feind waren, würden sie nicht weiterziehen können. Außerdem waren sie zahlenmäßig unterlegen: 10 Reiter auf sieben Abgesandte, abzüglich Kal, der nicht einschätzen konnte, ob er gegen diese Reiter bestehen konnte. Er hatte längst nicht so viel Übung im Kampf wie Vanya oder die Soldaten.
      "Vanya, kannst du dich in einiger Entfernung positionieren, um eine gute Schusslinie zu haben? Wir werden warten müssen, bis sie angreifen, denn wir dürfen auf fremden Boden keine Aggressionen zeigen, aber ich möchte kein Risiko eingehen."
      Die Soldaten stellten sich mittlerweile an seiner Seite auf, aber er verbot ihnen die Waffen zu ziehen. Sie waren auf einer Friedensmission, er würde diesen Frieden wahren, solange es möglich war.
      Die Reiter wurden langsamer, als sie schließlich näher kamen und langsam konnte man auch Uniformen erkennen. Allerdings waren einige von ihnen sehr ramponiert, verstaubt und mit Blut besprenkelt, sodass die Hoffnung, dass es richtige Soldaten waren, langsam schwand. Kal ordnete seine Gedanken und beschloss im Stillen, dass er ihnen das Siegel von Skor nicht zeigen würde, ehe er nicht herausgefunden hatte, wer oder was genau sie waren. An seiner Seite spannten die Soldaten sich an.
      Die Reiter kamen in Hörweite zum Stillstand und sahen zu der Gruppe auf der Düne. Ihr Anführer - zumindest wirkte er wie der Anführer - war ein grobschlächtiger Mann mit einem Vollbart, der ihm fast bis zur Brust reichte. Jeder von ihnen hatte einen Vollbart und eine Frau war nicht anwesend. Es waren Deserteure.
      "Seid gegrüßt", begrüßte Kal sie förmlich, wobei er auf weitere Floskeln verzichtete. "Was verschafft uns die Ehre?"
      Der Anführer musterte ihn, dann lachte er laut und kehlig.
      "Das is'n Elf! Sowas hätt' ich ja nich' erwartet. Ein Elf hier drüben! Das wird mir niemand glauben, wenn ich es nicht zeige."
      Er zog sein Schwert in einer geschmeidigen Bewegung hervor und richtete sie auf Kal.
      "Ich verlange deine Kapitulation und die deiner Freunde. Wir werden euch auf dem nächsten Sklavenmarkt verkaufen. Für Elfen kriegt man sehr viel."
      Kal hielt die Soldaten immer noch zurück.
      "Wir sind keine Sklaven, Soldat. Viel eher sind wir auf dem Weg zu Skor Vultjag. Er erwartet uns bereits."
      "Achja? Dieser alte Sack kann mir mal meinen salzigen Hintern lecken. Er kann euch ja als Sklaven kaufen, wenn er euch unbedingt haben will."
      "Wir behalten lieber unsere Freiheit. Aber ich biete euch stattdessen die Möglichkeit, uns zu begleiten. Ich werde ein gutes Wort für euch einlegen, wenn ihr uns Geleitschutz zum Palast gewehrt. Ich kann dafür sorgen, dass Vultjag euch eure Kriegsverbrechen vergibt."
      Das schien den Anführer zu ärgern.
      "Woher willst' denn wissen, dass wir Kriegsverbrechen begannen haben, hä? Denkst, du bist ein ganz schlauer? Ist ja eigentlich auch kein Wunder, wenn du mit solchen Schuhleckern dieses Flittchens Goldfield reist!"
      Er schien seinen Männern den Angriff befehlen zu wollen, doch dann wurde er stutzig und drehte sich wieder der Gruppe zu.
      "Wie? Ist das euch etwa egal, dass ich eure Herrin beleidigt hab?"
      Er kniff die Augen zusammen.
      "... Seid ihr etwa gar nicht aus Garlingen? Oh, das ändert die Sache! Wir werden euch zu Skor bringen, aber wir werden ihm einen Haufen Spione liefern, die sich versucht haben in seine Lande einzuschleichen!!"
      Das schien seine Männer genügend aufzureiben, denn sie stürmten mit einem furchterregendem Gebrüll auf ihren Pferden los und zogen die Schwerter. Auch die Abgesandten zogen ihre Schwerter, doch ein Soldat zog Kal grob zurück.
      "Bleibt hinter uns, Elf! Wir schützen Euch!"
      Kal wollte sich beschweren, aber beim Anblick der anstürmenden Deserteure hielt er sich doch zurück und ließ sich von den Lyxaxern in ihre Mitte schieben. Schnell sah er sich nach Vanya um.
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