spellbound. (earinor & akira)

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    • Wieso? Rikiya konnte keine abertausenden Gründe nennen, weil ihm so derart viele nicht einfallen konnten, aber die Wenigen, die er kannte, waren gut genug. “Hm, damit du in der Nähe von dem bist, was du noch hast? Ob du kämpfst oder nicht ist mir eigentlich egal, so lange du dich nützlich machst.” Und wenn er nur Holz oder Wasser schleppte, dann würde sich das mit den müden Händen und Beinen Thria’s schon gut ausmachen lassen. Ob Caelan dieses Angebot annahm, das war ihm wohl noch selbst überlassen. Weiters glaubte er, zumindest einen Bruchteil von diesem fremden Caelan zu verstehen, der nur die Züge des Mannes trug, den er schon so lange nicht lieben durfte, weil er zu einem Figment im Eigengrau geworden war, das ihn selten in einer ruhigen Nacht einholte. “Ach, ich glaube dir gerne - zumindest dir, Darragh hingegen? Mich würde es eher wundern wenn er keinen Kerker in Alster hätte in denen er Wölfe auspeitscht, bis sich ihre Haut von ihrem Fleisch löst. Ich kann noch immer nicht fassen, dass du dich ausgerechnet mit dieser widerlichen Ratte zusammentust und ihn dann zum Patenonkel deines einzigen Kindes machst. Wenn ich wirklich tot wäre, dann hätte ich dich allein dafür heimgesucht.”, erwiderte er unverblümt, hatte er doch die Katze schon unlängst aus dem Sack gelassen. Gut, dass er sich selbst beherrschte.

      “Den Drang hast du sowieso immer - ich kann dir nicht sagen, ob Rain das will, aber du kannst es ja versuchen.” Nayantai tat es doch auch schon, manchmal zum Unmut seines Ehemannes und Rikiya’s Schwiegersohn, der sich zwar lieber fernab einer Schlacht aufhielt, sie allerdings dennoch lenken konnte, aus gutem Grund. “Oh, wirklich? Weil er einmal den Eindruck schinden wollte, dass ich ihn interessiere? Ach bitte, welche Lügenmärchen hat er die erzählt? Der Grund, wieso ich überhaupt hier bin ist sein eigenes Verschulden!” Darragh würde diesen widerlichen Kopf nicht mehr lange auf seinen Schultern finden, zumindest nicht wenn es sich vermeiden ließ. Eigentlich hatte er gehofft, dass Caelan einfach verstehen würde, was er sagte - so dumm konnte er nie im Leben sein. Womit Rikiya nicht gerechnet hatte, war die Bärenpranke die sein Handgelenk umschloss um nach der rötlichen Brandnarbe zu sehen, die sein stetiger Wegbegleiter war. “Ack, sei nicht so grob.”, beschwerte er sich obgleich dessen noch, verzog sein Gesicht dabei - den beißenden Schmerz der Brandnarbe würde er wirklich nie verkraften, aber Caelan hatte ganz andere Ideen, als sie nur abzutasten. “Hey!”, rief er noch als Caelan ungestüm seine Kleidung verriss und ihm Röte ins Gesicht stieg. Sie beide waren wohl wieder jung geworden. “Musst du immer so grob sein?”, keifte er Caelan an, auch, wenn der Name, der aus dem Mund des Blonden fiel eine Genugtuung war. Rikiya belächelte ihn, ehe er sich selbst in Richtung Caelan lehnte und seine Stirn gegen die des Schafes legte, um ihm doch unsittlich nah zu sein. Er lachte heiser. “Ja, Caelan? Ich dachte, dass ich das nie mehr hören werde.” Sein Herz schlug verzweifelte Wellen, seine vernarbte Hand hob er an um Caelan sanft mit dem Rücken über die Wange zu streicheln. “Sehe ich wirklich wie jeder andere Wolf aus?”
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Wieso würdest du mir nach all dem so etwas anbieten?", fragte Caelan immer noch verwirrt. Wie sollte das überhaupt funktionieren? Auch wenn dieser König gerne in Frieden leben wollte, sobald irgendjemand herausfand wer Caelan war, wollte man ihn sicher einen Kopf kürzer machen, vermutlich zurecht. Die Worte die caelan jetzt an den Kopf geworfen bekam und die, die der König der Wölfe schon vorhin geäußert hatte, fühlten sich nun viel verdienter an und nicht nur das, Caelans Herz rutschte ihm in den Magen, ihm war übel und er fühlte sich als wäre er wieder ein junger Mann, der sich von Ronan anhörte wie dämlich er nicht war, nur dass er es diesmal wirklich ordentlich verbockt hatte. Darragh hatte keine Wölfe gefangen, er tötete sie sobald sie ihm unter die Augen traten, aber Caelan brachte das nicht heraus, er brachte eigentlich gar keinen vernünftigen Gedanken zusammen. Wie sollte er sich dafür entschuldigen, dass er Ronans Volk verfolgt hatte, seinen Sohn entführt hatte und seine Kinder sowie seine Frau getötet hatte? Das konnte er nicht, niemals. Wie war er überhaupt hier gelandet und wie ist er König geworden? "Ich... es... tut mir Leid...", murmelte er heiser.

      "Du denkst ich hasse meinen Sohn?" Für Caelan brach gerade eine ganze Welt zusammen, als all seine Entscheidungen die Ronan zuvor zurecht kritisiert hatte, auf einmal mit so viel mehr Kontext behaftet waren. Er konnte sich selbst kaum erklären wie alles so falsch gelaufen war. Sein ganzes Leben schien eine Lüge gewesen zu sein, eine Lüge die er nur zu gerne geglaubt hatte. "Er...", Caelan räusperte sich und schluckte, er klang wie ein kleiner Junge, nicht wie ein Mann seines Alters. Er war nicht mehr 18, sie beide hatten Familie und Kinder, die sie teils schon verloren hatten. "Er hat gesagt die Wölfe hätten Lady Saroise getötet und dich mitgenommen... ich..." Er hatte Beweise und Spuren, die wohl im nachhinein frabriziert waren. Caelan dachte, wenn Ronan freiwillig weggelaufen wäre, dann wäre er doch bestimmt nach Fhaergus gekommen. Es lag nur ein bis zwei Tagesritte entfernt. Oder er hätte sich irgendwie anders gemeldet, einen Brief gesandt, aber da war nichts. Wie dumm Caelan doch war. Aber es gab keinen Zweifel für ihn, Ronan war hier vor ihm, wenn auch um einiges Älter und grauer. Nun war Caelan es der erneut überrumpelt wurde als Ronans Stirn die seine suchte. All die Worte die er Caelan an den Kopf geworfen hatte schienen vergessen, zumindest für den Moment. "Das ist... unmöglich...", murmelte er. Seine Augen brannten, nicht etwa weil sie verletzt waren. Das Zelt fühlte sich auf einmal eng an, als würde es ihn jeden Moment erdrücken. Er fühlte sich fast so wie an dem Tag, als er zum ersten Mal jemanden getötet hatte und der Gedanke half nicht gerade. All das Blut das an seinen Händen klebte, dass er in Ronans Namen vergossen hatte. Er hatte es schon seit geraumer Zeit bereut, aber jetzt legte sich noch eine weitere Bedeutung auf seine Schultern die ihn zu zerbrechen versuchte. Caelan zuckte als Ronan ihn berührte, wie ein nasser Welpe, der noch nicht an Menschen gewöhnt war. "N-Nein...", keuchte er, "... es... es tut mir so..." Nichts in dieser Welt, nicht was Caelan sagen, oder tun konnte, konnte ihn von dieser Schuld jemals rein waschen, die jetzt so viel schwerer auf ihm lag als ohnehin schon und die er seines Sohnes und seines Volkes wegen schon so lange von sich schob. Alles brach nun über ihn herein, mit noch gewaltigerer Kraft als ohnehin schon und Ronan hatte ihn vollends entwaffnet. All die Gedanken die auf ihn einschlugen kamen unsortiert und plötzlich, er wusste nicht einmal wo er anfangen sollte.
    • “Wieso wohl? Ich weiß nicht. Welcher Idiot hebt einen Fetzen von einem Mantel für dreißig Jahre auf und schleppt ihn in jedes erdenkliche Bett mit, das er hat, hm?”, gab Rikiya wieder, fast schon peinlich berührt als er daran denken musste, wie Tuya ihm gezeigt hatte, wie man den Mantel am besten flickte - einmal, dann zweimal, bis es zwanzig, vielleicht dreißig Mal geworden war und er endlich aufgab, der Vergangenheit nachzurennen. Caelan schien es selbst nicht verkraftet zu haben, schleppte er doch noch immer Rikiya’s, oder war es Ronan’s?, Schwert mit sich durch eine Welt, die nicht mehr hören wollte, als dass es keinerlei Sinn machte, all diese idiotischen Ziele zu verfolgen. “Ich weiß, dass es das tut. Du bist so ein Idiot.”, nuschelte er, ein Husten zurückhaltend als Caelans Gewicht auf ihn drückte. War ihm der Schmerz noch immer anzusehen? Rikiya fühlte sich sowohl davon als auf der Situation überfordert, wünschte sich Abhilfe, oder aber das Ende all der Gefühle, die zu ihm durchdrangen. Mehr als in Caelans Armen versinken, das hatte er doch eine Zeit lang nicht gewollt - mehr, als sich in ein Ammenmärchen zu retten, oder die Zeit an der verruchten Uhr zurückzudrehen. Nichts davon geschah, seine Wünsche blieben unerhört und die Wahrheit hinter Schloss und Riegel.

      “Nein. Ich glaube aber, dass du dir mehr Zeit für ihn hättest nehmen sollen und ihn weniger einsperren - sicher, er fängt sich ein Husten leichter ein als ich oder du, aber es geht ihm gut! Wieso hast du ihn nicht mal in den Garten gelassen? Hat ihn Darragh einmal besucht?” Nein, die Antwort hatte er sich selbst schon parat gelegt - war jemand schwach, dann bedeutete er in der Welt des verrückten Kriegstreibers nichts. Wie denn auch? Alle Menschen waren Steine oder Staubkörner in Darragh’s Weg, das waren sie schon immer. “Und du hast ihm den Müll natürlich geglaubt … ugh. Nein, er hat meine Mutter erstochen weil er herausgefunden hat, dass ich nicht sein Sohn bin. Das hat sein Ego gekränkt. Darragh ist und bleibt der gleiche Psychopath - er hat mir fünfzehn Minuten gegeben, aus seinen Augen zu verschwinden und mir dann trotzdem Soldaten auf den Hals gehetzt, die mich umbringen sollten - er hat mir gedroht, wenn ich auch nur daran denke, nach Fhaergus zu gehen, dann bist du der Nächste, den er einen Kopf kürzer macht. Also bin ich davongerannt, so weit, wie ich konnte.” Erbärmlich war seine Existenz gewesen; das war sie wohl jetzt auch noch immer, aber die Tränen, die Caelan aus dem Gesicht perlten, würden nicht nur bei einem von ihnen Einzug halten. Rikiya löste sich von Caelan und wischte ihm eine Träne aus dem Auge - er machte eine Runde um den Tisch, um neben ihm zu stehen und drückte ihn wieder nach unten, bevor er folgte. Ungefragt zog er den aufgelösten Mann in eine Umarmung, drückte Caelans Gesicht sogar gegen seine Brust. “Ich weiß. Aber die Last der Welt kann nicht nur auf deinen Schultern liegen. Du warst jung, dumm und naiv. Vermutlich hat dich die Situation kaputt gemacht, vielleicht sogar zerstört. Es tut mir leid, dass ich nicht für dich da sein konnte.”, erwiderte Rikiya ihm und strich ruhig über Caelans Rücken, als hätten sie alle Zeit der Welt vor sich.
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    • "Ich... du... ah... du solltest mich nicht anders behandeln, nur weil wir uns vor einer halben Ewigkeit einmal gekannt haben..." Gekannt? Sie hatten sich mehr als gekannt und Caelan war nie darüber hinweg gekommen. Er hatte Ronan geliebt wie noch nie jemanden zuvor und zumindest liebte er den Mann von damals noch immer. Ronan ging es wohl gleich, er ließ sich von seinen Gefühlen hinreißen, die er für einen Mann gefühlt hatte, der schon längst tot war. "Das ist... eine Untertreibung...", murmelte Caelan. Eine Gewaltige noch dazu. Er hatte den Tod verdient, so viel stand fest, aber wenn Ronan immer noch er selbst war, dann war er viel zu nett und viel zu sentimental für soetwas. Trotzdem hatte er mit seiner Wut recht und Caelan konnte es ihm nicht verübeln, auch wenn er nun eine andere Richtung einschlug und versuchte Caelan zumindest etwas zu trösten. Wie lächerlich, das hatte er nicht verdient.

      "Ich..." Ronan hatte so viele Fragen, die Caelan gerade kaum beantworten konnte und seine Antworten klangen auch nur wie noch mehr Entschuldigungen, die absolut nichts wert waren. "Das ist... eine lange Geschichte...", murmelte er mit einem leichten Lachen, das nur darüber hinwegtäuschen sollte, dass Caelan immer noch daran zu nagen hatte. Zu wissen sein Sohn war wohlauf war einerseits großartig, andererseits musste er auch seine Entscheidungen dahingehend allesamt hinterfragen. Zumindest das war sicher, Rain ging es gut, wenn Ronan das sagte. Er konnte also einigermaßen erleichtert aufatmen. Ronan war nun an der Reihe seine Sicht der Dinge zu erläutern, zumindest dieser Abschnitt seines Lebens bedarf nicht so viel mehr Kontext, als dass sie noch in einem Monat hier sitzen würden, wenn sie sich wirklich alles erzählen wollten. "Du hättest trotzdem zu mir kommen sollen! Wir hätten dich beschützen können, ich, mein Vater, Henry... Ich... ich hätte stärker für dich sein sollen." Mittlerweile hatte Caelan zumindest ein bisschen mehr Respekt für seinen eigenen Vater übrig, auch wenn sie sich all die Jahre weiterhin gestritten haben, ohne Pause. Er wollte Ronan eigentlich keine Schuld zuschieben, es war immer noch Caelan, der alles falsch gemacht hatte und trotzdem kam er nicht umhin sich zu fragen, wie alles anders hätte laufen können. "Ich habe so lange auf einen Brief gewartet..." Die Hoffnung hatte er so lange gehabt. Ronan stand auf um sich Caelan noch mehr anzunähern. Mit einer Umarmung hatte er nicht gerechnet und spätestens dann war es um Caelan geschehen. Er fühlte sich keineswegs wie ein erwachsener, erfahrener Mann, nein, ganz und gar nicht. Die Tränen quollen aus seinen Augen als er seinen Kopf gegen Ronans Brust drückte. Wann war das letzte Mal gewesen, als er sich erlaubt hatte zu weinen? Für eine lange Zeit war Ina die Einzige gewesen die ihn so zu Gesicht bekam, aber seit sie gestorben ist... Caelan hielt sich an Ronans Kleidung fest, oh wie dumm er doch gewesen war und jetzt? Jetzt waren sie beide alt und in Positionen die sich erneut nicht vereinen ließen. "Nein. Ich bin für meine eigenen Entscheidungen verantwortlich...", murmelte er immer noch heiser. Mehr und mehr dieser Entscheidungen brannten sich gerade in sein Gedächtnis, bis er sich einfach losreißen musste. Er wandte sich ab. "Ich habe deine Kinder... deine Frau auf dem Gewissen.", presste er heraus und atmete tief aus, seine Stimme zitterte. Seine Finger bohrten sich in seinen eigenen Arm, als würde er sich andernfalls selbst verlieren. "Ich bin Schuld, dass dein noch lebender Sohn..." Caelan war froh, dass Ronan ihn nicht so gesehen hatte. Damals wusste Caelan nicht einmal wer er war und konnte es kaum ertragen. Caelan musste Verantwortung dafür übernehmen... aber wie war das überhaupt möglich? Seine Gedanken überschlugen sich erneut. Er stand auf und drehte Ronan den Rücken zu. Sein Herzschlag trommelte in seinen Ohren. Man konnte all das nicht abtun mit 'Caelan war jung, naiv und verletzt'.
    • “Gekannt? Du verletzt meine Gefühle - wir haben uns mehr als nur gekannt.”, bemerkte er mit einem Schmunzeln. Wieso stellte Caelan sich so an? Glaubte er denn, dass Ronan noch immer ein unschuldiger Taugenichts war, der lieber sein Gesicht in Büchern vergrub und der jauchzenden, atmenden Welt nichts abverlangen konnte, seine Mitmenschen als ätzend empfand und dessen größte Anstrengung es war, seinen Bruder durch die Gänge von Alster’s Fürstenanwesen zu jagen? Lange war es her, dass er sich mit Declan oder Caelan einen Spaß erlaubt hatte und noch viel länger war es her, dass er sich das letzte Mal so gefühlt hatte, wie jetzt. Lebendig und gleichzeitig tot, zwischen zwei Stühlen, als wäre er hin- und hergerissen zwischen seinem eigenen Verlangen und den moralischen Aspekten dieses Unterfangens. Vergeben konnte er keinem Schaf, allem voran keinem ihrer Kriegstreiber, ihrer Fürsten, aber wieso wollte er diesen Mann bluten lassen? “Ich bin das von dir ohnehin gewohnt, vielleicht untertreibe ich auch, aber hast du nicht einfach das gemacht, von dem du geglaubt hast, es war richtig?”, hinterfragte er und klang dabei vielleicht forsch, aber Rikiya war sich sicher, dass Caelan auch sonst keine zwei Sekunden länger nachgedacht hätte. Zum Einen fand er, dass Caelan zu viel Zeit und Energie an ihn verschwendet hatte, zum Anderen zog sich seine Brust zusammen - das Gefühl würde Rikiya jedoch nicht als unangenehm beschreiben.

      “Mhm, wir haben bald eine halbe Ewigkeit Zeit, nicht? Es gibt so viel, das ich nicht über dich weiß, aber immer mit der Ruhe.” Bis an das Ende ihres Lebens, wollte Caelan denn so lange bei seiner Seite bleiben. Konnte er ihm so etwas überhaupt anbieten? Diesem kauerndem Menschen in seinen Armen, den er noch nie so weinen gesehen oder gehört hatte - zu oft hatte Ronan ihn als Fels in der Brandung gesehen und in seine Rolle gezwängt, seine eigenen Gefühle über die Caelan’s gestellt und fest daran geglaubt, dass sie zusammen jede Krise überdauern konnten, so lange sie einander hatten. Wie falsch und unfair diese Ansichten doch gewesen waren … “Nein, ich hätte euch nur mehr Probleme bereitet, als ich wert bin. Selbst Henry’s Zustimmung hätte nichts verändern können, wenn Darragh in die gesamte adrestianische Welt posaunt hätte, dass wir uns lieben - außerdem habe ich dir schon immer zu viel abverlangt. Ich hätte meine Probleme selbst schultern müssen und das habe ich auch, auch, wenn ich gerade deshalb nie wusste, ob ich dich jemals wiedersehen darf.”, wisperte er in die Umarmung, die in Langlebigkeit versagte, als Caelan sich doch noch von ihm lossagte, zum Unmut des Wolfes. War es nicht warm genug in seinen müden Armen? War das gar nicht das, was Caelan wollte? Oder hatte Rikiya es einfach nicht verdient, nach all den Jahren, die ins Land gezogen waren? “Ich habe es jahrelang versucht, in der Hoffnung, zumindest einer würde dich irgendwann und irgendwie erreichen. Nicht, dass ich das je wirklich für wahr gehalten habe, aber es hat mir geholfen.”, erklärte er sich mit einem enttäuschten Seufzer, als hätte er es ohnehin nicht gewusst. Wieso hatte er je geglaubt, dass ein paar idiotische Briefe jemanden erreichen würden? Während Rikiya es war, der in schmerzhaften Erinnerungen schwelgte, war es Caelan in dem all die Gefühle der letzten Jahrzehnte hochzukochen schienen - all die Selbstvorwürfe und Anerkennung jedweder Schandtat, die er nie begangen hätte, wäre er nicht von seinem Hass verblendet gewesen. Ihn so zu sehen, das konnte selbst der Teil von Rikiya nicht, der ihn hassen sollte oder vielleicht sogar musste, weil Caelan mitunter Schuld besaß, dass das Leben der Wölfe so geworden war, wie es nie sein sollte. Dass sie allesamt starben, weil ein Mann seinen Nächsten liebte und den Hals nicht aus der Schlinge ziehen konnte, als sich der Strick festigte. “Du bist einer von vielen - du kannst nicht alles Leid der Welt schultern, oder glauben, dass ein Stoß reicht, um eine Lawine in dieser Größe loszutreten.” Rikiya sollte ihm seinen Platz lassen, aber seine eigenen Emotionen ließen ihn diese Entscheidung nicht treffen. Es machte ihn krank. Caelan machte ihn verrückt. “Vergiss das für einen Moment. Die Vergangenheit kann man nicht mehr ungeschehen machen und allem voran ist es meine Schuld, weil ich einfach so verschwunden bin.” Er lehnte sich zu dem Mann herüber, bettete seinen Kopf auf dem breiten Rücken des alten Narren und horchte den wenigen Lauten, die durch dicke Kleidung drangen. Langsam drehte er sich ein wenig, streckte seine Arme an Caelans Seiten hervor und legte die seinen Hände auf die des Mannes, der gerade krampfhaft versuchte, sich aus seiner eigenen Haut zu befreien. “Caelan, du kannst diese Art von Schuld niemals alleine tragen. Atme tief durch, ja? Ich bin hier und ich gehe nirgendwo mehr hin - und deine Sünden kannst du zumindest damit abtun, indem du jetzt das Richtige tust. Du bist endlich frei, nicht?” Ewig hatten sie darauf gepocht und Rikiya war es, dem so unpassend die Tränen aus dem lächelnden Gesicht kullerten. “Bleib bei mir?”
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    • "Geliebt.", berichtigte Caelan seine Worte und dennoch änderte es nichts. "Hättest du mich geliebt wenn du an meiner Seite gewesen wärst, während ich all diese Dinge getan habe? Ich denke nicht." Caelan hatte sich verändert und Ronan hatte das bestimmt auch. Ach wie jung und naiv er doch damals gewesen war, als er Ronan Fhaergus angeboten hatte und dachte, dass er ein einfaches Leben an seiner Seite haben konnte. Er wollte nie regieren und hatte sich kaum darauf vorbereitet. Darragh machte ihn zum Fürsten während Caelans Vater noch lebte und hatte damit seine Finger in sein Land gegraben. Hätte er doch nur auf Allard gehört wenn es gezählt hatte und hätte er ihn doch ignoriert wenn es um Rain ging. Es gab zu Vieles, das er niemals zurücknehmen konnte. "Richtig? Wie kann das Auslöschen eines ganzen Volkes jemals richtig sein? Ich wusste von Anfang an, dass es das nicht war." Er hatte es nur ignoriert und war zu wütend gewesen, um weiter als nur bis and Ende seines Schwertes zu denken. Er hatte die Wölfe solange gehasst, aber das hieß nicht, dass er den Krieg ebenfalls unterstützt hatte. Nicht unbedingt der Wölfe wegen, sondern derer die auch auf ihrer Seite fielen. Er hatte zu viele Männer sterben sehen.

      "Ronan...", seufzte Rain und zog seine Augenbrauen zusammen. "Wie kann ich inmitten von euch leben, nach allem was ich getan habe?" Nicht nur er hatte einen Grund ihn zu hassen. Er hatte seinem Frust zurecht Luft gemacht, bevor er Caelan überhaupt sagte wer er war. Er hätte es lieber gehabt Ronan hätte ihm all die Dinge an den Kopf geworfen, nicht der König der Wölfe, dann hätte er vielleicht mehr zugehört, aber das war wohl eine Lektion für sich. "Dann wäre ich mit dir gegangen, hierher." Ach welch naive Fantasien ihn immer noch begleiteten. Damals wollte er dieses Land noch bereisen und alles in sich aufnehmen. Es war zu spät um jetzt noch etwas zu ändern und es machte keinen Sinn Ronan irgendetwas vorzuwerfen. Er seufzte und rieb sich den Nasenrücken. "Ein kleiner Stein reicht aus um eine Lawine loszutreten.", berichtigte Caelan Ronan. Darragh war mitverantwortlich, Henry war es auch und die anderen Fürsten die dem Krieg mit einstimmten. Caelan ging es nie um Land oder Ressourcen, anderen schon, wobei Darragh auch eher daran interessiert war den Wölfen etwas wegzunehmen und nicht etwas zu gewinnen. Ronan wollte nicht von ihm ablassen und lehnte sich gegen ihn. Caelans Körper kribbelte, als ob er sich nach all der Zeit noch genau an Ronan erinnerte. Aber wie konnte er das hier annehmen? "Nicht hiervon ist deine Schuld.", erwiderte Caelan, er hätte nicht davon anfangen sollen. Ronans Hände landeten auf Caelans, die Berührung wie ein weiterer Stich in sein Herz. "Frei? Ronan, ich..." Immer wollte er frei sein, aber jetzt? Er hatte sein Land verloren, sein Volk enttäuscht und seinen Sohn auch. Allard hatte schon immer Recht gehabt, Caelan war nicht fähig ein Land zu führen. Er konnte für Ronan kämpfen, aber ein Mann alleine würde das Blatt in diesem Krieg auch nicht wenden. Zumindest konnte er versuchen den Rest seiner Familie noch zu beschützen. "Okay...", murmelte Caelan. Er hatte keinen anderen Ort an den er gehen konnte. Sofern Rain damit einverstanden war, dass er hier blieb und all die anderen Wölfe auch, wie konnte er irgendeinen von Ronans Wünschen noch verneinen? Caelan atmete tief ein. "Rain ist okay sagtest du? Geht es ihm gut? Ist er verletzt? Hat er sich hier Fieber eingefangen?" Caelan drehte sich schlussendlich wieder zu Ronan um und sah ihn an, er war müde und die Reue stand ihm breit ins Gesicht geschrieben. "Was ist mit deinem Sohn?" Caelan wollte ihn eigentlich hier irgendwo laufen lassen, aber er hätte die Reise wohl nicht überlebt.
    • "Und wann hast du das nicht?", witzelte er ein wenig, auch, wenn er sich sicher war, dass Caelan das nicht hören wollte. Immer wieder wurde ihm in seinem Leben klargemacht, dass er einzig und allein an einem wunden Punkt zu arbeiten hatte - sich selbst - und doch war es nicht so, als würde man ihn jemals mit Samthandschuhen anfassen und ihm aufzeigen, was die Idiotien wirklich waren, für die man ihn ermahnte. Rikiya glaubte nicht, dass er das je verstehen würde, dass er sich je einen Sinn daraus schlagen konnte, wieso er sich auf so viel einließ und doch wollte er an Caelan's Moral und seiner unweigerlich eigenbrötlerischen Art festhalten, als gäbe es für sie beide nichts anderes. "Meinst du das wirklich? Wenn ich an deiner Seite gewesen wäre, dann hätte ich keines dieser Dinge erst zugelassen, aber hätte ich in deinen Schuhen gesteckt, so weiß ich nicht einmal, ob es mir gelungen wäre, mich am Riemen zu reißen und nicht von meinen Emotionen leiten zu lassen." Es war ein Geständnis, das Rikiya sich zu maßte, weil er wusste, dass er in selbigen Mustern das Ende der adrestianischen Welt angedeutet hätte, hätte seine zweite Heimat auch nur annähernd genügend Kraft aufwenden können, um einen Keil in Fhaergus' Berge zu treiben, um zumindest denjenigen davonzustehlen, den er bis an das Ende seiner irdischen Tage nicht mehr aus seinem minderbemitteltem Hirn bekäme, weil sich die Liebe, die er für ihn empfand, auch in den dunkelsten Stunden mehr als ein rettendes Stück Treibholz offenbarte, als Rikiya es je bei sich haben wollte. "Das behaupte ich auch nicht - ich dachte mir nur, vielleicht erschien es dir in deiner Trauer logisch, diejenigen dafür bluten zu lassen, von denen du glaubst, dass sie sich des meinigen Lebens bereichert hätten, um es dir zu nehmen." Wölfische Präsenzen im Königreich Adrestia waren selbst zu ruhigeren Gezeiten nicht gerne gesehen, geschweige denn etwas, worauf man sich freute. Caelans Unmut wurde dadurch nur noch lauter.

      "Caelan?", fragte er heiser, als würde er diesen Namen in tausend Jahren, am anderen Ende des Lebens, nicht mehr aus dem Mund bekommen. Was bewahrheitete sich wirklich am Ende, wenn es nichts mehr gab, das für einen sprach? "Wie kannst du nicht? Willst du denn Büße tun oder willst du dich weiterhin in ein Netz verstricken?", hinterfragte Rikiya im Gegenzug, felsenfest davon überzeugt, es würde nicht mehr bedeuten, wenn er wieder in seine Heimat flüchtete und von seinem kalten Thron aus zusehen würde, wie der Rest der Welt in Flammen aufging. Keinen Finger musste er in Thria rühren und keine Wahrheiten musste er verschmähen, stellte er sich dem Unmöglichen einfach, verlangte man ihm doch nicht zu viel dafür ab. "Das war kein kleiner Stein und abgesehen davon war es Darragh, der nicht stillsitzen konnte und sich in seiner nicht vorhandenen Ehre so gekränkt gefühlt hat, dass er meine Mutter auf seinem Gewissen hat. Wenn jemand etwas losgetreten hat, dann er." Redete er es sich denn schön? Oder glaubte er wirklich daran, dass sein Vater - der Mann der sein Vater sein sollte aber mit dem er keinen Tropfen Blut teilte - einzig und allein der Schuldtragende war? Wenn er ehrlich war, dann vielleicht nicht so sehr, wie er glaubte, aber wenn er sich um eines sicher war, dann darüber, dass Henry und Caelan junge, dumme Männer waren, die beide einem Freund nachrannten, den der dritte, verbitterte, alte Mann im Bunde gar nicht wiedersehen wollte. "Vielleicht das nicht, aber ich fühle mich noch immer schuldig. Ich habe dich vermisst, aber ich konnte nicht nach dir suchen, obwohl ich es so gerne getan hätte. Ich habe einfach nur gewartet und gehofft, dass du mich eines Tages abholst, oder dass ich aufwache und das alles nur ein schrecklicher Traum war, weil ich mich wieder auf irgendwelche Idiotien eingelassen habe und aus einem Fenster gefallen bin.", bemerkte der viel zu alte König, der nicht glaubte, er habe sein Amt oder gar das Leben, das er nun wahrlich lebte, verdient. "Du? Du bist doch frei, oder? Frei von deinem Titel und deinem Land, von all den Dingen, an denen du dich halten müsstest - für Adrestia bist du ein toter Mann." Es war beschämend zu denken, sie könnten sich einander nur begegnen wenn einer von ihnen ein toter Mann war und der Andere zwischen Leben und Tod vor sich hin siechte. Die Tränen flossen auch aus seinem Gesicht unerbittlich, seine Finger zitterten und doch klammerten sie sich an den Mann, den er nicht wieder gehen lassen wollte - weder nach Hause, noch in den Tod. Als er einwilligte, so war es um Rikiya ohnehin geschehen. "Es geht ihm soweit gut, er hinkt ein wenig, aber das war abzusehen - er würde sich auch nie beschweren, dass ihm kalt ist, aber ich sehe es ihm hin und wieder an. Gehustet hat er ein paar mal, krank war er nur anfangs, aber wir haben uns gut um ihn gekümmert. Die Aufregung, die frische Luft und der ganze Trubel hat ihn ein wenig mitgenommen, aber ich denke, allgemein kann er sich nicht beschweren." Rikiya sah zu Caelan herüber als dieser sich nun doch zu ihm umdrehte, wischte sich seine Tränen aus den Augen und nahm seinen Ärmel, um es auch bei Caelan zu tun. Er sah müde und erschöpft aus, als hätten die Gezeiten des Lebens ihn mehr geprägt, als er es zugeben wollte - Rikiya fühlte sich ebenfalls so. "Nayantai? Er ist ... naja.", Rikiya seufzte, wusste nicht, wo er ansetzen sollte. "Körperlich einigermaßen in Ordnung, ein wenig ramponiert weil er den Helden spielen musste um Rain zu beschützen ... so wie du. Geistig? Er fühlt sich inadäquat und unvollständig, so sehr, dass Rain ihn teilweise nicht aus ihrem Bett kratzen konnte. Jetzt geht es ihm zumindest ein bisschen besser, aber er ist auch in eine andere Richtung als Rain unterwegs. Die beiden haben es miteinander wirklich nicht einfach."
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    • "Du bist zu nett zu mir. Du hattest Recht mit allem was du mir vorhin an den Kopf geworfen hast.", erwiderte Caelan. Ronan suchte ausreden für ihn, Gründe, warum er ihn nicht hassen sollte. Er wollte nicht einsehen wer Caelan geworden war, als hätte jemand anderes all diese Dinge getan, damit er selbst nun versuchen konnte die verlorene Zeit mit Caelan wieder aufzuholen. Caelan wollte das auch, aber wie konnte er all seine Schuld vergessen? Es wäre nicht fair. "Ich war wütend, dein Vater hat mir einen Feind vor die Nase gesetzt. Ich wollte nicht darüber nachdenken, aber zumindest hätte ich wissen sollen, wem ich vertrauen kann und wem nicht." Sein eigener Vater hatte es nicht besser gemacht, war er doch meistens gegen Caelan und er wollte einfach nur jemandem der auf seiner Seite war. Am Ende war Caelan noch nie besser gewesen als ein Hund, er befolgte Befehle und wollte jemandem, der ihm sagte was er tun sollte. Wenn er selbst anfing nachzudenken, machte er nur alles schlimmer. "Deinem Bruder geht es übrigens gut, ich habe versucht ihn so weit wie möglich von all dem fernzuhalten. Auch von deinem Vater." Zumindest was sein hartes Training betraf und den Wunsch Darraghs einen Sohn zu haben, der kämpfte wie er selbst. Die Hälfte von Caelans Narben hatte er sich nicht in einer Schlacht zugezogen und er war froh darüber gewesen, dass Darragh sich auf ihn und nicht auf Ronans Bruder fokussierte.

      Caelan seufzte erneut und biss die Zähne zusammen. "Außer dir will mich bestimmt niemand hier haben. Ich bin froh, dass ihr meinen Sohn aufgenommen habt, er hat sich aber auch nichts zu Schulden kommen lassen. Ich habe bestimmt jedem hier mindestens eine Person genommen. Was ist mit deinem Volk, Ronan? Ich will dir keine Probleme bereiten und einen Neuanfang habe ich nicht verdient..." Und wäre Caelan an Ronans Stelle, so würde er ihm sagen es war ihm egal. Er würde ihn mit offenen Armen empfangen und bei sich behalten solange er konnte, aber Ronan war nicht derjenige, der so viele Verbrechen begangen hatte. "Das stimmt wohl, ich habe ihm trotzdem in die Karten gespielt, euch gehasst, als hättest du mir nicht so viel Gutes von den Wölfen erzählt..." Als hätte er all ihre Gespräche vergessen und all seine Pläne das Land zu bereisen. "Nein, ich... ich hätte besser nach dir suchen sollen und ich hätte dich vielleicht gefunden, wenn ich einfach versucht hätte freundlich nach dir zu fragen... Es tut mir Leid, dass ich erst jetzt hier bin, nach allem was passiert ist..." Er würde niemals fertig werden sich zu entschuldigen. Er seufzte leise. "Außerdem war ich derjenige der aus dem Fenster gefallen ist." Obwohl, er war gar nicht im Raum gewesen, also war herausgefallen vielleicht das falsche Wort. Caelan griff nach Ronans Handgelenk, strich über eine andere Narbe die er nur zu genau kannte. "Ich bin froh, dass du nicht aufgegeben hast." So lange durchzuhalten klang gar nicht nach Ronan.

      Erneut seufzte Caelan, Ronan machte es sich so einfach wie Caelan es damals gemacht hatte. Aber sie waren nun beide erwachsen und wussten mehr über das Leben. "Ich kann mein Volk nicht so einfach vergessen, Ronan. Jahrelang habe ich versucht sie vor dem König zu schützen, habe seine Forderungen nach mehr und mehr Erz abgelehnt, weil unsere Mienen nicht sicher für solch schnelle Arbeit sind. Habe nur Männer mit mir hierher genommen die mir folgen wollten. Jetzt da ich nicht mehr da bin... Und selbst wenn ich für dich kämpfe, selbst wenn Fhaergus kaum noch eine Armee hat, so wäre es doch gegen meinesgleichen. Nur weil ich meinen Titel verloren habe, heißt das nicht, dass ich mich jedweder Verantwortung entziehen kann und so tun kann als ginge es mich nichts an." Ronan schien ihrer beider Leben als Schwarz und Weiß zu betrachten. Als wäre jedes Schaf der Feind, mit Ausnahme von Caelan und seinem Sohn, aber was konnten die einfachen Bürger von Adrestia für die dummen Ideen der Adeligen? Niemals hatte Caelan einen Krieg gewollt in den so viele Menschen involviert wurden, nur hatte er die Konsequenzen seiner Taten erst viel zu spät bemerkt.

      Zumindest bezüglich Rain konnte er erleichtert aufatmen. Er war das Einzige gewesen, das Caelan überhaupt bis hier her gebracht hatte. Ohne ihn, hätte er sich der Kälte im Westen vielleicht einfach hingegeben... "Ihrem Bett...?", fragte Caelan und zog eine Augenbraue hoch, bevor er seufzte und seine Hand auf Ronans Wange platzierte und seinen Daumen über seine Wange streichen ließ. "Vielleicht haben Rain und ich doch etwas gemeinsam. Dass er sich ausgerechnet in einen Wolf verliebt..." Er hatte nichts dagegen, nicht nach allem was er heute erfahren hatte und dass er einen Mann liebte konnte ihm noch egaler sein. Caelan musste sich sein ganzes Leben lang verstecken und konnte Ina nie geben, was sie eigentlich verdient hatte. Zumindest konnte Rain für eine Weile so leben, wie er es wollte. Frei, wie Ronan es nannte.
    • "Habe ich das wirklich? Ich glaube eher, du lässt dir alles gefallen, so lange es nur aus meinem Mund kommt. Das hast du schon immer.", zeigte Rikiya auf, nicht unwollend aber wohlwissend, dass Caelan sich so fühlen musste, wie kein anderer - einsam und verkorkst, als hätte er jenen Schwell, der ihn davon abhielt, noch als Mensch zu gelten, schon unlängst überschritten. Machte Rikiya sich umsonst um einen Mann Sorgen, der seine eigenen Ängste nicht mehr kannte, weil sein Ego bereits abgestumpft und seine Seele abgestreift wie die Haut eines alternden Tieres war? "Hat es sich jemals gut angefühlt, einen von meinen zu töten? Hast du geglaubt, es würde dir das Gefühl geben, all das, was du verloren hat wiederzugeben, wenn auch nur im metaphorischen Sinne?" Fragen wie diese, Hoffnungen wie jene, sie waren aus der Luft gegriffen, basierten auf Schein und trugen nichts zu einem gesunden Lebensstil bei. Worauf mochte er wetten, wenn es um seinen eigenen Verstand ging und wozu glaubte er, er würde Caelan verstehen, wenn er weiterhin auf die Wahrheit pochte, die er ihnen beiden absprach? "Declan? ... Du bist verrückt, so wie sonst auch immer. Du hättest das nicht tun müssen, aber ich hoffe, Declan rechnet es dir zumindest hoch an. Ich, für meinen Teil, bin froh, aber das war wirklich nicht deine Aufgabe." Es war die des Mannes, der nun hier hockte und sich einen König schimpfen wollte - Caelan war also noch immer jemand, dem er vertrauen konnte, wenn auch gleich er sich wundern musste, ob er die Rolle eines großen Bruders für jemanden wie Declan wirklich genoss und sie auch freiwillig angenommen hatte. Wann hatte er zuletzt an ihn gedacht? Wie er wohl geworden war? All das würde er vermutlich nie herausfinden.

      "Du stellst zu viele Fragen und gehst von dem Schlimmsten aus - du bist wie ich, damals, als ich dachte die ganze Welt hasst mich für das, was ich bin. Mein Volk kann es sich nicht leisten einem helfenden Paar Hände das Leben zu stehlen, oder Hass vorherrschen zu lassen - außerdem bist du dir Vater der Person, die uns gerade am Leben erhält. Meinst du nicht, dass du zu harsch zu dir bist? Die Vergangenheit kann man nicht ändern, aber die Zukunft ist ein unbeschriebenes Blatt." Sie konnten beide Hand anlegen, zeigen, dass sie nicht für immer und ewig daran glauben wollten, dass es keinen Ausweg geben sollte, dass Wölfe und Schafe sich mehr als nur ausstehen konnten. Welchen Unterschied machte es denn, ob es ein blutverschmiertes Schaf war, das sich ihnen präsentierte? "Mach dir nicht all diese Vorwürfe. Bist du nicht glücklich, mich jetzt zu sehen? Zu wissen, dass ich noch lebe, dass ich all das Leid und den Krieg durchgestanden habe, nur, um dich wiederzusehen?", murmelte er und sah Caelan mit einem Lächeln an, das vor Freude noch aus seinen Nähten hüpfen würde. Wie breit der König der Wölfe wohl grinsen konnte? Auf ihn wirkte es beinahe so, als fände er es heute heraus. "Wie oft habe ich dir davor gesagt, dass du nicht durch mein Fenster klettern sollst, hm?" Wahrscheinlich keinmal, weil es Ronan gar nicht in den Sinn gekommen war, dass Caelan wirklich ein Vollidiot war und die dümmsten Ideen hatte, wenn man ihn alleine denken ließ. Seine Finger zuckten, als er das dumpfe Gefühl an der Narbe verspürte, die wohl am besten als ein gemeinsames Projekt anzusehen war. Die Nerven darunter hatten sich nie erholt, die Haut darüber auch nicht, so unansehnlich wie sie auch waren, aber sie waren eine gute Erinnerung an seine eigenen Dummheiten und an das Gesicht, das Caelan an eben jenem Tag machte. "Und ich bin froh, dass du mich gefunden hast." Ronan streckte zögerlich die andere Hand aus, um seinen Idioten im Gesicht zu berühren und über die Narbe zu streichen, die er ihm zugefügt hatte. "Manche Dinge ändern sich nie."

      Natürlich war sein Empfinden von einer Tirade der Selbstschuld und der Vernunft eines Erwachsenen geprägt und Rikiya wusste, dass er dem alten Mann nur beipflichten konnte - als König würde er eher für sein Volk sterben, als dass er es ihnen erlaubte, es vor ihm zu tun. War die Wahrheit nicht traurig? "Ich weiß, aber das heißt nicht, dass du nicht auch frei sein kannst. Trotzdem: Ich wusste schon immer, dass du kein Taugenichts bist, dass du das nötige Pflichtbewusstsein schon noch entwickeln wirst. Irgendwie komisch, dass es jetzt wirklich so ist ... Ich habe einen Vorschlag, ich weiß allerdings nicht, ob er funktioniert." Sein Hals fühlte sich trocken an und der Teil Rikiyas, der einst Ronans ganze Welt war, fühlte sich beflügelt, als hätte er gerade eine Idee, die nur funktionieren würde, wenn sie allesamt an einem Strang zogen. Ob sie das konnten war fraglich, aber es gab wohl auch schlimmeres. "Es hört sich verrückt an, aber wir könnten einfach ... um diesen Krieg ein Ende zu bereiten müssten wir den König loswerden, nicht? Henry's Sohn, Darragh, vermutlich Antoine und wer auch immer in Lavern auf dem Fürstenthron hockt. Fhaergus zurückzuholen wäre dabei nicht so abwegig, oder?" Vielleicht träumte er auch gerade und war plötzlich größenwahnsinnig geworden. "Ich weiß nicht, ob das jemals funktioniert, aber einen Versuch haben wir allemal." Wezette war Fhaergus freundlich gestimmt, Stenz dürfte auch nicht gerade das Problem sein und wenn schon, dann gab es doch wohl noch Cameron, den Caelan auf seine Seite ziehen konnte.

      Bevor Rikiya sich auch noch eine Minute länger damit beschäftigen konnte war er sich sicher, dass er sich versprochen hatte und Caelan ihm fröhlich nachplapperte, fragend sogar. Die sanfte Geste Caelans machte ihn verrückt, gleich, wie es die Veränderung tat, die sie beide gerade durchlebten. "Ich habe mich versprochen.", bemerkte er, wohlauf peinlich berührt und seufzte dabei. "Wenn er dir davon erzählt, dann musst du zumindest so tun, als ob es dich überrascht, ja? Und ... ähm. Kein Wort, dass ich das ausgeplaudert habe, ja? Ich fühle mich wieder, als wäre ich gerade keine zwanzig und muss dich darum anbetteln, dass du nicht jedem alles über mich erzählst. Caelan, du machst mich verrückt, weißt du das eigentlich?" Rikiya wusste auch gar nicht so recht wohin mit sich - er entschied sich dann doch, endlich über seinen Schatten zu springen und reinen Tisch zu machen. Zuallererst legte er beide Hände an Caelan's Wangen, bevor er sich einen Kuss stahl, der ihm gar nicht zustand, zumal er nicht wusste, ob Caelan ihn überhaupt noch auf gleiche Art und Weise liebte - sie beide hatten Kinder, tote Frauen und eine Menge an emotionalen Ballast, der nicht von heute auf morgen verschwand. "Außerdem hast du dich doch auch in einen Wolf verliebt. Ihr seid beide unmöglich ... aber Äpfel fallen bekanntlich auch nie weit vom Stamm und die Männer aus Fhaergus hatten nie den besten Geschmack, die letzten drei Generationen zumindest nicht.", seufzte Ronan und sah Caelan dabei mit gekräuselten Lippen an - natürlich war das nur ein schlechter Witz. "Um König zu sein bin ich allmählich zu alt.", warf er in den Raum. "Wenn der Krieg vorbei ist, vielleicht, also, wenn ich es mir wünschen könnte und wir ... vielleicht könnten wir wirklich all das tun, wonach uns der Sinn steht. Für ein paar Jahre."
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Weil ich es verdiene. Du hast Recht. Ich habe einen Krieg angezettelt, gegen die falschen Leute, habe dir und anderen viel genommen und ich war meinem Sohn kein guter Vater. Dafür habe ich keine Entschuldigungen. Mein Land und meinen Titel zu verlieren ist auch keine adequate Bestrafung, es trifft die Falschen, die die immer loyal zu meiner Familie gehalten haben..." Caelan machte sich keine Illusionen, er brauchte sich selbst nichts schön reden. Wenn er zumindest mit seinem Gewissen leben musste, so war zumindest das eine Bestrafung, wenn auch nicht genug. Keine der Wölfe die er traf wollte das hören, keiner von ihnen wollte Caelan so behandeln wie sie in Adrestia behandelt würden. Manchmal dachte er es wäre ihm lieber, würde er in einen Kerker gesperrt werden. Ronans Fragen taten weh, das zeigte sich auch in Caelans Gesicht ab, aber daraus konnte er sich wohl nicht winden. "Nein, die ersten Male fühlte ich mich schrecklich, dann redete ich mir ein es war das Richtige, etwas Gutes." Darragh hatte seinen Teil gespielt, aber Caelan wollte nicht all die Verantwortung auf ihn abwälzen. Es brauchte Ina die durch Caelans Mauern hindurchbrach und ihn dazu brachte überhaupt wieder etwas zu fühlen. Es schien auch so als brauchte Ronan erst gar nichts überwinden, auf der anderen Seite war Caelan ohnehin weich geworden. "Ich wäre gerne mehr für ihn da gewesen, aber nach meiner Hochzeit habe ich wesentlich weniger Zeit in Alster verbracht.", erklärte er mit Reue. Aus heutiger Sicht hätte er ihn wohl noch mehr von Darragh fernhalten sollen. Zumindest konnte er ein angenehmes Leben führen und als er Caelan an die Front begleitete, stellte er sicher, dass er nicht in Gefahr sein würde. Immerhin war er Ronans Bruder.

      "Du bist nur das was du bist, auch wenn weder hier noch dort richtig. Du kannst nichts dafür wie du geboren wurdest, aber ich bin alt und habe in meinem Leben so viele Fehler gemacht. Dafür darf man mich hassen." Das war die Wahrheit, auch wenn Ronan sich bereits alles von der Seele gesprochen hatte. "Was hat Rain getan?", wollte er dann noch wissen, "Ich weiß er ist schlau." Schlauer als alle anderen die Caelan kannte, wenn er ehrlich war. Er brauchte seine Hilfe mit Fhaergus nun wirklich nicht. Caelan seufzte erneut. "Ich bin glücklich, dass du lebst. Aber ich habe dir so viel genommen. Am Ende waren wir beide nicht frei, ich habe dir diese Chance zum Teil genommen und..." Er wollte Ronans Familie nicht ständig erwähnen, wollte ihn nicht ständig daran erinnern, das Teile davon tot waren. "Naja, jetzt hast du keine Fenster mehr." Nur ein riesiges Zelt, das weitaus geräumiger war als die meisten Anderen die Caelan gesehen hatte. Ronan streckte seine Hand nach der Narbe aus, die Caelan schon so lange begleitete und die ihn seine erste Liebe niemals vergessen ließ. Sie war nie so abgeheilt wie Caelan es versprochen hatte, damit Ronan aufhörte sich Vorwürfe zu machen. Nun war sie ein Teil von ihm, etwas Vertrautes, das sich niemals ändern würde, egal wie alt er war.

      "Einen Vorschlag?", fragte Caelan nach. "Du willst dich mit fast ganz Adrestia anlegen? Und mit welcher Armee? Camerons Vater sitzt auch noch immer auf dem Thron und will nicht vom Krieg ablassen, damit er seine Küste erweitern kann. Und dann hat er immer noch neun Geschwister die vor ihm erben würden. Abgesehen davon habe ich schon lange nicht mehr mit ihm gesprochen..." Es waren also nicht nur Myriad, Alster, Lavern und Olette, als wäre das noch nicht genug. "Wir sind keine Kinder mehr um von solchen Dingen zu träumen und abgesehen davon werde ich nicht deine Armee für meine Probleme missbrauchen. Ich habe dir schon zu viel genommen." Nein, das kam nicht in Frage, selbst wenn es eine Chance gäbe. Natürlich wollte Fhaergus sein eigenes Volk sicher wissen und sie aus den Fängen des Königs befreien, aber dafür musste er seine eigene Stärke aufbringen, vielleicht ein paar verstreute Männer finden, die doch überlebt hatten, aber keinesfalls würde er noch mehr Wölfe in den Tod schicken. Er wollte eigentlich gar nicht weiter darüber nachdenken.

      "Versprochen? Hm. Ich glaube nicht. Was? Denkst du ich nehme das meinem Sohn übel? Oder deinem?", wollte er von Ronan wissen. Ja er war Rain kein guter Vater gewesen und sein Sohn wusste nichts von Ronan und Caelans Vergangenheit. Natürlich dachte er Caelan wäre dagegen, aber wie konnte er das sein, wenn er sein eigenes Leben lang einem Mann nachgetrauert hatte der einst sein ganzen Leben einnahm? "Hm. Na schön, aber ich denke nicht, dass es ihm leicht fallen wird." Es wäre wohl einfacher es anzusprechen, wenn es Caelan überhaupt etwas anging. Der Kuss war überraschend und eine weitere Geste die Caelan ganz und gar nicht verdient hatte. Vielleicht tat Ronan es aber auch für sich selbst. Calean fühlte sich wieder als wäre er 20 und Ronans Worte machten es nicht besser. "Du hast dich kein bisschen verändert.", stellte er lächelnd fest. Er war immer noch ein kleiner, kratzbürstiger Igel, dem so vieles so peinlich war. "Hey, ich bin älter als du.", erinnerte er Ronan, aber es stimmte schon, sie waren beide alt und Ronan war noch dazu verletzt, das war Caelan nicht entgangen. "Wenn der Krieg vorbei ist? Ronan..." Caelan seufzte erneut. Wenn er nicht so vieles wieder gut machen müsste und wenn er keinen Sohn hätte, dann würde er Ronan einfach schnappen und gen Westen ziehen. Verdammt sei die ganze Welt und alle in ihr, er würde seine letzten Tage mit Ronan in Frieden verbringen und es wäre ihm egal was mit allen anderen geschah. So einfach war das aber nicht. Er hatte Rain den er beschützen musste und Ronan hatte seine eigenen Kinder, die er nicht im Stich lassen konnte, sowie ein ganzes Volk das hinter ihm stand. "Wie bist du überhaupt König geworden?"
    • "Wenn du etwas verdienst, dann vielleicht die Ruhe vor dem Sturm den dieser Krieg ausgelöst hat. Caelan, du wirfst dir Dinge vor, die in Teilen stimmen mögen, aber ich glaube nicht, dass du die Bürde dieses Krieges und alles Leid dieser beider Nationen alleine schultern kannst." Dafür war weder er noch Caelan gemacht und es kristallisierte sich einmal mehr heraus, dass sie beiden einfach nur ein Spiegel zu der Vergangenheit des jeweils anderen geworden waren. Gab es daran etwas auszusetzen? Vermutlich nicht, auch, wenn Rikiya sie ersticken wollte, die Gefühle die er hegte und die Erinnerungen, die er hatte. "Du hast es nie genossen, oder? Diesen sinnlosen Tod, die Gewalt, den Glauben, das Richtige zu tun, nur um sich selbst eines besseren zu belehren. Aber du hast weitergemacht, weil dich keiner aufgehalten hat. Wieso denn auch?" Einer mehr, der die Wölfe hasste, der sie tötete und zerstückelte, als wären sie ein letztes Abendbrot, das man erst noch in die passende Form pressen musste. "Mach dir keinen Kopf darüber. Declan mag zwar wirklich Darraghs Sohn sein, aber er ist noch einmal ein Stück zurückhaltender als ich - oder zumindest war er das. Ich glaube nicht, dass Darragh jemals die Hand gegen ihn erhoben hätte." Außer er erfand einen Grund, und doch, wem wollte man glauben - einem jungen Erben mit dem Blut der geliebten Fürstin in seinen Adern oder ihren verruchten Ehemann, der glaubte, er konnte sich alles erlauben? Wenn man es darauf ankommen ließ, so gewann Declan offensichtlich, ohne es auch nur zu versuchen. "Und ich bin nicht alt, oder fehlerhaft? Caelan, das würde funktionieren, wenn ich fünfzehn Jahre jünger wäre. Natürlich kann ich für meine Existenz nichts. Trotzdem bin ich nicht naiv genug, dir zu glauben, wenn du meinst, dass du diese Fehler in deinem Leben nicht zumindest ein wenig in die richtige Richtung rücken kannst. Glaubst du denn, dass du Nayantai wieder losgelassen hast, weil du dich von irgendwelchen Sünden reinwaschen musstest? Ich denke eher, du bist weich geworden und hattest Mitleid." So, wie es noch immer war. Manch ein Mensch änderte sich kaum, auch, wenn er andere Richtungen in seinem Leben einschlug. "Was? Nichts weiter schlimmes. Thria verteidigt, als wäre es seine eigene Heimat. Eines muss ich ihm lassen - er hat ein flinkes Köpfchen." Etwas, von dem wenige behaupten konnten, sie hatten es.

      "Caelan ... wie lange willst du dir das noch einreden? Ich bin freier als ich es je war und du solltest es auch sein. Das wolltest du doch immer.", erwiderte er mit beinahe schon mahnendem Ton, als der ehemalige Fürst Fhaergus' es nicht schaffte, einfach nur einen Moment darüber nachzudenken, was er sich im Leben sonst nie erlaubt hatte. "Und du keine Sockel vor meinem Fenster, von denen du abrutschen kannst. Schachmatt, hm?", neckte Rikiya ihn. Ach, was er dafür geben würde, wieder ein junger Mann an der Seite seiner großen Liebe zu sein. Nicht, dass es je geschehen würde und doch glaubte er ein kleines Stück daran. "Cameron's Vater muss doch schon ein alter Greis sein und ich glaube nicht, dass wir es nicht mit ihnen aufnehmen könnten. Ich könnte ein paar Kannibalen auf Fhaergus und Alster hetzen, damit Wezette ein wenig Luft bekommt?", schlug er vor, mit einem Lächeln, das kindisch wirkte, als hätte er gerade das Normalste gesagt, das ihm in den Sinn kam. Wenigstens schüttelte er den Kopf, seufzte anschließend und starrte Caelan an, als suchte er in seinen Augen nach einer Antwort auf all jene Fragen, die er nie aussprach. "Du missbrauchst Niemanden für deine Probleme - wenn, dann missbrauche ich dich und meinen Schwiegersohn für meine.", gab der König schließlich offen und ehrlich zu, als hätte er kein Blatt mehr, das er vor den Mund nehmen müsse. Tat er das denn? Caelan verwirrte ihn zunehmend. "Na gut, aber du musst trotzdem so tun, als ob ich das nicht ausgeplaudert habe." Das konnte nur in einem vollkommenen Desaster enden. "Nein, aber ... ich glaube er will dir das selbst sagen. Ich meine, als ich ihm gesagt habe, dass ... naja ... du weißt schon, war er irgendwie komplett entgeistert. Als hätte ich seinen Horizont gerade um ein Stück erweitert, dass er nicht für möglich gehalten hat oder wahrhaben wollte." Dann erzählte er eben Caelan davon - die beiden waren wirklich aus demselben Holz geschnitzt, nur anders geformt und wenn man es so sah, dann war es zwischen Rikiya und Nayantai nicht anders. "Hätten wir es je jemandem gesagt, wenn meine Mutter es nicht sowieso schon gewusst hätte, hm? Sowas ist nie leicht." In Thria sprach man sowas auch nie aus - eine Beziehung wie jene war eben auch nur Teil der Norm und Rikiya fühlte sich wie ein Idiot, dass er dieses kleine Geheimnis einfach in die Welt ausgeplaudert hatte, als hätte er einen Eid geschworen, es nicht zu tun. "Und du auch nicht!", entgegnete er lachend. Konnte er Caelan dazu überreden, ihn einfach festzuhalten und nie wieder loszulassen? Wäre das nicht schön? "Ja, ja. Die paar Monate ... du verhältst dich noch immer, als wärst du der Jüngere." Ronan hatte gut reden, das tat Caelan sowieso immer schon. "Was denn? Ich war schon immer ein Träumer und in meinem Alter noch Ambitionen zu haben ist gesund.", redete er sich fein aus der Schlinge heraus. Rikiya hatte es satt, hier dumm herumzusitzen und Caelan dabei zuzusehen, wie er ihn die ganze Zeit mit zusammengekniffenen Augen ansah. Ungefragt setzte er sich ordentlich hin, zog den Bären auf sich zu und bettete den blonden Kopf auf seinem Schoß. "Ich bin so weit in den thrianischen Westen gerannt, wie ich konnte - irgendwann wurde ich krank, und die Person, die mich gesundgepflegt hat, hat Gefallen an mir gefunden. Nachdem ich also eine Verlobung ruiniert habe, und mein eigenes Leben, habe ich die Prinzessin der Wölfe geheiratet. Die thrianische Thronfolge funktioniert ein wenig anders - es ist immer das jüngste Kind, aber nachdem mein jüngstes Kind keine zwölf war, als sie starb und meine beiden älteren nicht in Frage kamen sitze ich noch immer auf diesem Thron. Zumindest ist das die Kurzfassung, ich will das Thema nicht breittreten."
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    • "Das tue ich nicht. Ihr habt alle viel zu ertragen, schon viel zu lange. Mein Leben war um einiges einfacher, denke ich. Zumindest hatte ich immer einen sicheren Ort, an den ich zurückkehren konnte..." Die Intrigen Adrestias wurden mit den Jahren nicht einfacher. Dinge taten sich auf, die Ronan wohl selbst nie mit eigenen Augen gesehen hatte. Caelan hatte auch wenig davon gewusst, bis er selbst mittendrin steckte. Trotzdem, die Hälfte seiner Probleme hatte Caelan sich selbst beschert. "Aufgehalten hätte mich bestimmt niemand. Bestärkt. Ich... ich denke nicht, dass ich es genossen habe, ich habe einfach... nichts mehr gefühlt. Ich war in meiner Jugend oft wütend, bevor wir uns kannten, das war anders. Wer mich aufgehalten hat war meine Frau." Ina und Rain waren wohl das einzig Gute in seinem Leben, auch wenn die Beziehung zu ihr nicht ohne Schmerz und Trauer ausgekommen war. Sie überhaupt zu heiraten war eine Herausforderung, eine die er nur zu gerne annahm. "Mhm. Ich muss aber gestehen, dass Declan auch sehr oft alleine war. Nun ist Darragh zu alt um selbst noch zu kämpfen." Das konnte Ronan sich wohl selbst auch denken. Sie beide waren schon alt genug, Allard war bereits gestorben, Darragh würde auch nicht mehr lange leben. "Deine Fehler sind mit meinen nicht zu vergleichen.", erwiderte er, dan schüttelte er den Kopf. "Ich... will dir gar nicht zu viele Grausamkeiten erzählen. Ich habe Nayantai ausfindig gemacht, weil ich dachte ein Druckmittel könnte uns helfen. Ich habe ihn an Darragh vorbei geschleust, weil er jeden Wolf getötet hat der ihm je untergekommen war. Ich... wusste nicht, was in Myriad mit ihm geschehen würde und hätte ich es gewusst, dann hätte ich ihn nicht an Antoine und Aramis übergeben, das musst du mir glauben." Caelan hatte nicht viel für die Wölfe übrig gehabt, das bedeutete aber nicht, dass er all die Jahre nur auf sinnloses Blutvergießen aus war. "Als ich letzten Herbst in Myriad war, hat man mir gezeigt was dort vor sich geht. Ich habe nicht groß darüber nachgedacht und ihn da heraus geholt." Damit hatte er seinen eigenen Sohn und sein Land in Gefahr gebracht, wobei er nicht glaubte, dass das der Auslöser für den Verrat gewesen war. De Befehl gen Norden zu reiten, mitten im Winter, hatte er schon zuvor erhalten. "Ich kann die Toten nicht zurückbringen, also wie soll ich es wieder gut machen?" Ronan wollte wohl nicht glauben, dass der Mann den er vor sich kannte und der Mann der an dem Krieg überhaupt erst schuld war, ein und dieselbe Person war. "Verteidigt?", fragte er bezüglich Rain. "Er ist sehr schlau, ja, auch wenn ihm das Selbstvertrauen fehlt."

      "Frei? In einem Land das vom Krieg zerrüttet wird? Wir können den Krieg beide nicht ignorieren und ein einziger Mann kann das Blatt für euch nicht wenden." Abgesehen von der Tatsache, dass Caelan nicht wusste, ob er in der Hitze des Gefechts überhaupt sagen konnte, auf wen er sein Schwert gerade richtete. Selbst jetzt war Ronan mehr eine abstrakte Gestalt, als der Mann dessen Gesicht er einst so gut kannte. Er konnte in dem fahlen Licht nur schwer ausmachen, wie sehr er sich eigentlich verändert hatte. "Wenn du das könntest, wieso hast du es nicht schon viel früher getan? Um Stenz einzunehmen, bräuchtet ihr Schiffe." Langsam wurde Caelan bewusst, warum dieser Krieg so schlecht für die Wölfe aussah, wenn ihr König nur vor sich her träumte. "Du kannst mich nun wirklich nicht missbrauchen. Ich schulde dir zu viel." Er wusste, Ronan wollte das nicht hören und dennoch, es war die Wahrheit. Wenn er ihn alleine gegen eine Adrestianische Armee schicken wollte, dann würde Caelan nur fragen wann und wo. "Ich dachte er möchte vielleicht gar nicht mit mir sprechen." Zumindest hatte Ronan das zuvor angedeutet. "Du... hast ihm von uns erzählt? Und er hat dir geglaubt?", hinterfragte er. Kaum jemand, nein, niemand der noch lebte, außer ihnen beiden natürlich, wusste davon, aber Ronan hatte vorhin den Anschein gemacht, als hätte Darragh es auch herausgefunden. Sie waren wohl nicht gerade subtil gewesen. "Wir konnten es keinem erzählen... Rain ist jetzt hier, wo es keinen kümmert. Es stört wohl eher, dass er ganz eindeutig kein Wolf ist." Auch wenn Ronan sie herzlich empfing, so galt das bestimmt nicht für alle hier. Leute wie Cameron konnten sich vielleicht noch als Halbblut ausgeben, aber die Familie Fhaergus, mit ihrem blonden Haar und den blauen Augen? Auf keinen Fall. Caelan soll sich also kein Bisschen verändert haben? "Findest du?", fragte er Ronan. Er glaubte eigentlich nicht, dass noch irgendetwas von ihm übrig war. Ronan zog Caelan wieder zu sich und sorgte dafür, dass Caelan seinen Kopf auf Ronans Schoß legte. Er sah zu ihm auf, Ronans teilweise graue Haare fielen sanft über seine Schulter. Caelans Haar war immer noch durchgehend blond. Er lauschte Ronans knappen Ausführung, er hatte wohl keine schönen Erinnerungen an den Großteil seines Lebens und Caelan wurde bewusst, dass er wohl kaum ein Thema ansprechen konnte, das nicht mit Trauer behaftet war. "Hm. Na schön, sie mochte dich also. Aber was ist mit dir? Hast du sie geliebt?", wollte er wissen. Immerhin hatte er mehrere Kinder mit ihr.

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    • "Willst du mir einreden, eine Zeltstadt sei nicht sicher, vor allem wenn sie ungeschützt und windschief herumsteht?", belächelte Rikiya die Situation nur, Sarkasmus belegte seine Zunge ehe er sich entscheiden konnte, ob er Caelan all das Leid dieser Welt zusprechen konnte. Hier draußen herrschte niemand über die Nacht, oder über die Menschen die nicht beherrscht werden wollten. Der Titel eines Königs war vielleicht nur eine faule Ausrede, oder eine einfältige Nomenklatur einer längst vorangegangenen Zivilisation. Sand war es, der Rikiya durch die müden, kalten Finger lief, als wäre er Samt, mit dem er seine Kleidung zu säumen hatte. "Rain's Mutter? Ich hoffe für dich, dass du sie so geliebt hast, wie du mich geliebt hättest, wäre ich in ihren Schuhen gesteckt." Wie es schien meinte es das Schicksal mit ihnen nie einfach, nahm sie in die Mangel, sorgte dafür, dass sie so fernab voneinander noch ein rotes Band der Beständigkeit verbinden würde, auch dann, wenn es nichts mehr gab, das sie eigentlich zueinander führen durfte. Verrückt war es, das Leben das sie sich teilten und die Hoffnung, die sie gegenüber einander hegten. "Und er lebt noch immer, wie das Biest das er ist ... ich wünsche mir, wenn auch nur für Declan, dass er sich zumindest ein wenig gebessert hat und ihm ein guter Vater war. Egal, ob er das ist oder nicht, weiß ich aber, dass sein Ende mir eine Genugtuung sein wird.", gestand Rikiya demjenigen, der es wohl auch nicht hören wollte, wenn er über einen seiner Vertrauten so sprach, gleich wenig, wie Rain es damals hören wollte, dass er über einen ungesehenen Patenonkel, über ein schillerndes Phantom aus krummen und verworrenen Erzählungen, sein unsterbliches Leid klagte. Rikiya würde eines Tages nicht mehr als Asche sein, die ihre letzte Ruhe inmitten der eisigen Winden Thrias und der endlosen Landschaft fand, doch bis dahin waren seine Sünden noch lange nicht verbüßt. "Du hast es nicht besser gewusst, glaubst du, dafür drehe ich dir den Kragen um? Ich bin einfach nur froh, dass du ihn am Leben gelassen hast, auch wenn er diese Meinung vermutlich nicht unbedingt teilt. Nayantai ist wie du - stark, aber nicht für immer und ewig." So konnte sich sein Sohn von Caelan eine Scheibe abschneiden, daran glaubte Rikiya gerne. "Selbstlos wie immer, nicht? Du hast dich wohl wirklich kaum verändert ... und Rain ist eigentlich ganz der Gleiche. Ich würde nicht einmal meinen es mangelt ihm an Selbstvertrauen, er hat nur übergesunden Respekt bis man ihn auf die Palme treibt.", erklärte er Caelan, berauscht von der Idee, dass sich im Leben nicht immer alle Wogen glätten ließen.

      "Und wer redet von einem einzigen Mann? Ich werde dich kaum den anderen Schafen zum Fraß vorwerfen, jetzt, wo du mich wiedergefunden hast.", seufzte er, klang dabei jedoch apathisch, was die gesammelte Situation anbelangte. Rikiya tat alles weh, vom Kopf bis zum Fuß hatte die Nässe und die Kälte in diesem Land Einzug gehalten und er glaubte, dass sein leichtes Fieber und die hoffnungslose Situation seines Landes nicht die einzige Schwachstelle war, die er hatte. "Siehst du oder hörst du irgendwo die Wellen des Meeres in meiner Nähe? Außerdem kann ich mit den Männer und Frauen, die ich noch habe, nicht an zwei Fronten oder mehr einen Krieg führen. Sich dann auch noch Stenz auszusuchen ist nicht die dümmste Idee, aber eine einfältige." Rikiya strich durch das blonde Haar, das definitiv eine Wäsche vertragen könnte, aber wieso sollte er das Caelan auftischen? Es war ungekämmt und um einiges länger als damals, als die beiden jung, dumm und naiv waren, als sie glaubten, die Welt würde innehalten um ihnen eine Sekunde zum Aufatmen zu geben. "Du schuldest mir eigentlich gar nichts, du pauschalisierst es nur auf mich. Das soll mir recht sein, ich teile noch immer äußerst ungern.", ließ er das Schaf wissen, das er behandelte wie den Liebhaber, den er vor so vielen Jahren verloren hatte und nicht wie den Feind, als den er ihn ansehen sollte. Würde sein Volk ihn dafür hassen? Rikiya war es egal. "Dafür war er zu aufgelöst, als er dich totgeglaubt hat." Stand es ihm überhaupt zu, Caelan solche Informationen auszuhändigen, ohne vorab mit Rain darüber geredet zu haben? Würde es ihn umbringen, täte er es nicht? Eine Antwort fiel ihm einfach nicht ein und sein Mundwerk war ohnehin lose. "Ich glaube nicht, dass er mir alles geglaubt hat, aber das war vermutlich auch wie ein Schlag ins Gesicht, herauszufinden, dass er noch weniger über dich weiß als er geglaubt hat, zu wissen." Wer wollte sich so etwas auch schon über einen vielleicht toten Mann sagen lassen? "Mh, ein wenig, aber ich glaube nicht, dass das etwas ist, das mein Volk nicht überwinden kann." Anpassungsfähig waren sie, zumal sie Rain ohnehin schon mehr Glauben und Hoffnung schenkten, als jedwedem anderen Schaf das sie jemals gesehen hatten. Wenn er noch den Rest Thrias davon überzeugen konnte, vielleicht standen ihre Chancen gar nicht so schlecht. "Ein wenig. Natürlich verändern wir uns alle, aber du wirkst auf mich noch immer so wie früher - ein wenig grauer, ein wenig pessimistischer, ein wenig müder. Aber ansonsten bist du noch immer der Caelan, den ich kenne - mein Caelan.", belächelte er die dumme Frage, die er sich gar nicht ausmalen wollte. "Vielleicht schaffen wir es auch einfach, einander so fühlen zu lassen, als wären wir noch immer ein- und dieselben Menschen." Ohne diesen Krieg, ohne all das Leid, ohne die Verantwortung. Stillschweigen folgte und der König der Wölfe wusste mit Caelans Frage nicht viel anzufangen als er sich in den trüben, blauen Augen verlor die er so sehr misste. "Ich wäre verrückt wenn nicht. Anfangs glaube ich nicht, weil ich weder glaubte, jemals eine Frau lieben zu können, noch von dir und der Hoffnung, der ich hatte, ablassen wollte. Aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich sie nicht doch geliebt habe, oder dass ihr Tod mich nicht zum Verzweifeln gebracht hat.", nuschelte er beschämt. "Was ist mit dir? Du hast Ina doch auch geliebt."
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Ich wollte nie in Fhaergus bleiben und du wolltest nie viel reisen. Jetzt lebst du als Nomade und ich vermisse meine Heimat jedes Mal aufs Neue wenn ich dieses Land betrete. Hah... alles war so einfach, als wir jung waren. Ich wünschte unser Kinder hätten so aufwachsen können wie wir." Die Probleme die Caelan damals hatte waren lächerlich, sie waren kaum der Rede Wert darüber zu sprechen. Währenddessen mussten ihre Kinder inmitten eines Krieges leben, voller Ungewissheit, ob ihre Familie nicht doch noch kleiner wird, sobald der nächste Tag anbrach. "Mh. Nein.", lächelte Caelan, der es sich nie verkneifen konnte über seine Frau zu sprechen, ohne dass sich seine Mundwinkel nach oben kräuselten, auch wenn ihr Tod ihn noch immer schmerzte. Wehmut war alles was blieb, auch wenn er sich seinen Hirngespinsten nur zu gerne hingab. "Meine Liebe zu ihr war gänzlich anders. Ich bereue, dass ich ihr niemals geben konnte was sie verdient hat und das Leben als meine Frau war selten einfach für sie..." Caelans Vater konnte sie nie leiden und gab ihr die Schuld für alles mögliche, nur weil sein Sohn gerade nicht greifbar war. Manchmal hätte er ihn am Liebsten aus dem Haus geworfen. Caelans Blick trübte ein wenig, als er erneut realisieren musste, dass Ronan seine Rache ernst meinte und dass er, wenn er irgendwie konnte, so einigen Leuten den Kopf abschlagen würde. Caelan verdiente dasselbe Schicksal, wie konnte er also ablehnen ihm bis ans Ende der Welt zu folgen, wenn er es denn so wollte? Caelan wollte nicht darüber nachdenken ob es denn rechtens war, wenn er sich nun umdrehte und Adrestianische Soldaten abschlachtete, noch wollte er groß über Darragh sprechen, der ihn die ganzen Jahre über belogen hatte. Dennoch hatte er Caelan in anderen Situationen unterstütz, wenn auch nur zu seinen eigenen Gunsten. Trotzdem war es nicht Caelan Recht Ronan seine Wut abzusprechen. Seine Wut gegenüber Caelan ignorierte Ronan gekonnt. "Vielleicht solltest du. Mir den Kragen umdrehen, meine ich. Ich weiß du willst mich beschützen, aber was werden deine Leute sagen? Dein Sohn? Denkst du nicht er wäre wütend auf dich?" Caelan wollte bestimmt nich der Grund sein, warum Ronans Sohn Familie Streit anfing. Caelan seufzte. "Rain ist ein weitaus besserer Mann als ich es jemals sein könnte. Ich bin nicht selbstlos Ronan. Ich denke immer noch zu wenig über die Dinge nach die ich tue, oder sage. Wenn überhaupt habe ich deinen Sohn gerettet, weil ich ein schlechtes Gewissen hatte. Das ist das Gegenteil von selbstlos, gemischt mit jeder Menge Dummheit. Als hätte man nicht schon genug Gründe gehabt Fhaergus anzugreifen. Und dann bin ich nicht einmal dort..." Caelan schnalzte mit der Zunge und war wütend auf sich selbst. Er hätte dort sein sollen, bei seinem Sohn, in seinem Land. Er hätte es verteidigen und Rain beschützen sollen, nicht ihn mit einem Fremden alleine lassen, der glücklicherweise zur Stelle gewesen war.

      "Zwei alte Hände in deiner Armee mehr, machen auch keinen Unterschied." Er fragte sich allerdings ob all die toten, adrestianischen Soldaten die sie auf dem Weg hierher gesehen hatten Rains verdienst gewesen waren. Selten ging eine Schlacht gegen die Wölfe so eindeutig aus. Oder waren es Caelans Männer die an der Front fehlten? "Das sage ich dir doch. Deine Augen auf Stenz zu richten ist verrückt, ebenso verrückt wie sich auf Fhaergus, oder Darragh zu konzentrieren." Caelan war zu alt für Träumereien und er wusste zu viel, um sich solchen Fantasien hinzugeben. Sein Optimismus und Frohsinn waren damals mit Ronan verschwunden und Caelan war nicht einmal sicher, ob es richtig war, sich in seinen Armen wohlzufühlen und seine kleinen Berührungen zu genießen. "Ich schulde dir und allen anderen Wölfen eine Menge. Ist das besser?" Wie lange würde Ronan dieses Spiel noch spielen? Er konnte sich kein mörderisches Schaf ins Haus holen, ohne an die Konsequenzen zu denken. "Es gibt Vieles das wir Rain nicht gesagt haben... vielleicht hätten wir es tun sollen." Noch eine Sache die Caelan bereute, aber er wollte ihn nicht mit Geheimnissen, oder der Vergangenheit belasten. "Un was ist mit dir? Wissen sie von deiner Herkunft?" Ronan war nach allem immer noch Lady Sairoses Sohn und sie war definitiv kein Wolf gewesen. Caelans Herz fühlte sich schwer an, jedes Mal wenn Ronan von ihm sprach, als wäre er noch immer keine zwanzig Jahre alt. Caelan war nicht mehr derselbe und was würde passieren, wenn Ronan dies auch endlich bemerkte? "Ich denke das wäre reichlich egoistisch von uns Beiden... aber vielleicht wäre das in Ordnung, nur für eine Nacht?" Caelan wollte nicht aufstehen, wollte sich nicht ausmalen wie es von hier an weiterging. Er wollte nicht, dass Ronan sich zurück an seine Arbeit machte, er wollte nicht gehen. Noch nicht. "Tut mir Leid.", entschuldigte er sich für einen weiteren Tod, den er mitzuverantworten hatte. "Ina? Wie viel hat Rain dir erzählt?" Ronan wusste wohl bereits viel mehr über Caelan als umgekehrt. "Ich habe sie geliebt, ja. Ich liebe sie immer noch. Bis auf sein Aussehen kommt Rain ganz nach ihr. Ich wünschte ich hätte sie früher getroffen, vielleicht wäre all das dann nicht passiert... Aber ich... nun ja, sagen wir einfach, bei einer Frau zu liegen war wohl nie für mich bestimmt, auch nicht, nachdem ich eine wie sie getroffen hatte. Sie wusste das, schon vor unserer Hochzeit, aber es kümmerte sie nicht. Sie war... hm..." Sie war mehr als nur seine beste Freundin, die Mutter seines Sohnes, seine engste Vertraute, vielleicht sogar Seelenverwandte gewesen. So viel mehr, für das Caelan keine Worte fand und es interessierte Ronan bestimmt auch nicht, dass er von einer Frau schwärmte, von der er sagte er hatte sich nie wirklich körperlich auf sie einlassen können. Sie hatte ihn dennoch gerettet und ihn auf dem Boden gehalten. Sie tat es noch. "Ah... genug von mir."
    • Rikiya konnte sich das Seufzen einfach nicht verkneifen, glaubte er doch immer fest daran, dass er eines Tages zumindest einen Teil Thrias mit Caelan erkundet hätte, dem er sowohl zu viel zumutete als auch zu sehr vertraute. Was hatte er diesem Mann in seinem Leben nicht alles erzählt, von seiner Liebe hin die Sterne aus dem Himmel fangen sollte wie Fische aus einem Fluss, bis hin zu seiner Herkunft und den Respekt vor einer Kultur, die andere Adrestianer als barbarisch und veraltet ansahen. "Ich würde mir nicht mehr wünschen, als dass sie einfach ein unbeschwertes Leben gehabt hätten. Dass wir beide unsere Träume nicht hätten einbüßen müssen." Gesund oder nicht, Rikiya fühlte sich als wäre er wirklich wieder ein Jungspund der kein Brennen in der Lunge, keine Konsequenzen für seine Taten oder einen eigens aufgehalsten Ballast, der ihn beinahe erdrückte, auf seinem Rücken durch die Weltgeschichte schleppte. "Nein?", hinterfragte Ronan mit einem leichten Prusten und schelmischem Grinsen. "Was heißt hier nein?" Caelan war wohl wirklich derjenige der beiden, der noch eher die Schraube locker hatte. Rikiya mochte es nicht, zu glauben, dass er Tuya nie so geliebt hatte, wie er Caelan geliebt hatte, aber es war wohl auch wahr, dass sie sich eher in ihn verschaut hatte, als er in sie. "Wenn ich deinen Vater nicht kennen würde, dann würde ich glauben, sie hätte etwas angestellt um es nicht leicht zu haben, aber lass mich raten - du hast sie dir selbst ausgesucht, also war sie für deinen Vater Niemand, den er zu respektieren hat?" Auch Allard war jemand, den Rikiya nicht sonderlich misste. War Allard wirklich so verbittert, dass die einzige Person, die in Caelan's Leben sein durfte und auch nicht von seinem Vater für seine Taten verurteilt wurde, der Sohn seiner ehemaligen Geliebten, an der er nie in seinem Leben etwas auszusetzen hatte? Was dachte Caelan's Mutter eigentlich über ihren idiotischen Ehemann? "Nayantai? Wütend auf dich?" Seine Finger kämmten die vom Wind zerzausten und der Kälte mitgenommenen Haare des Hünen, dem er sich immer schon einfach so aufzwang. "Ich werde dir weder den Kragen umdrehen, noch dich in Schutz nehmen. Wenn mein Volk dich hasst, dann ist das eine Sache, aber ich kann ihnen auch nicht den Mund verbieten. Gleichzeitig denke ich, du missverstehst das alles ein wenig.", erklärte er mit seichter Stimmlage. "Wölfe sind nicht so wie Schafe. Zumal, du bereust deine Taten und würdest wohl wirklich alles tun, das ich dir auftrage - ich weiß, dass du nicht einsehen willst, dass dir ein ganzes Volk ihre Misere absprechen würde, aber sind wir nicht alle Zahnräder im selben Gerüst? Feindseligkeiten hegen wenige Wölfe, sie sind vielleicht misstrauisch, aber nur, weil du einen kennst, kennst du nicht alle." Dennoch war die Diskussion nicht unbedingt von Erfolg geprägt.

      "Zwei alte, erfahrene Hände in meiner Armee mehr sind noch immer zwei mehr als davor. Und mit Rain sind es vier Hände.", wandte er sich aus dem Argument jenes Mannes, der den Strick um seinen Hals immer fester zog, obgleich er sich die Luft schon vor mehr als einem Jahrzehnt komplett abgeschnürt hatte. Frech, nicht? "Als König der Wölfe kann man es sich auch nicht gerade erlauben, bei Verstand zu bleiben. Wenn, dann will ich Darragh den Kopf von den Schultern reißen, ein Schiff in Stenz versenken, vielleicht sogar Lavern niederbrennen, wenn mir der Kopf danach steht. Aber für solche kindlichen Machtfantasien bin ich zu alt, das sind wir beide." Verrückt genug traf es wohl eher. Welcher Greis in seinem Alter glaubte überhaupt, noch etwas erreichen zu können? Sowohl Khojin als auch Nayantai waren nun wirklich alt genug um dieses Land auf seine eigenen zwei Beine zu stellen und doch, Rikiya war pflichtbewusst wie eh und je. Seinen Kindern einen Trümmerhaufen aufzuhalsen und mit einer verblassten Erinnerung eines Mannes durch die Wildnis zu streifen käme, vermutlich, nicht gut an. "Ein bisschen besser.", belächelte er Caelan's Versuch, positiv zu bleiben. So musste sich dieser Mann wohl fühlen, als sie beide jung, dumm und naiv waren, als Ronan die Welt und ihre Schönheit nicht als solche annahm, sondern eher wollte, dass sie in tausend Einzelteile zerbarst, weil es um einiges einfacher war, sich seinen Ängsten und Sorgen nicht zu stellen, oder seine Fehler nicht auszubügeln. "Rain hat schon genug Fantasien dank Nayantai, ich glaube wenn ihr offener und ehrlicher mit ihm geworden wärt, dann hätte er sich irgendwann noch selbst mit allen angetan, von denen er glaubt, sie hätten den Wölfen Unrecht getan ... nicht, dass ich dich verurteilen kann, es nicht getan zu haben. Ich habe und hätte es meinen Kindern nie gesagt." Oder seinem Volk. Nicht immer war die Wahrheit das, was das eigene Umfeld brauchte und selten machte es Sinn, einfach offen mit seiner eigenen Identität umzugehen. In Thria nicht und in Adrestia noch weniger. "Nur für eine Nacht? Du glaubst dir doch wirklich nicht selbst, dass eine Nacht für all die Jahre reichen? Außerdem kenne ich uns beide - wir halten uns sowieso nie an solche Abmachungen. Außerdem, stört das Rain nicht? Nicht, dass es ihn kümmern sollte." Wie war das damals noch gleich? Rikiya konnte sich das Kichern wirklich nicht mehr verkneifen. Jung, dumm und naiv - das würde ihm wohl nie aus dem Kopf gehen, so lange Caelan bei ihm war. Er kniff ihm in die Wange und lauschte Caelan, wie er von Dingen erzählte, die er aus seinem Mund gar nicht mehr gewohnt war. Rikiya konnte sich sein Grinsen nicht mehr absprechen, konnte nicht glauben, dass Caelan wohl doch sein Nein nicht auf solche Art und Weise gemeint hatte und fand, dass die beiden wohl gut zueinander gepasst haben mussten. "Du hast sie trotzdem geliebt, auf deine eigene Art und Weise. Irgendwie ist das ziemlich ungewohnt, all das über jemand anderen aus deinem Mund zu hören.", lachte er heiter und wischte Caelan noch ein Bündel Haare aus dem Gesicht. "Ich bin froh, dass du nicht alleine warst. Ich denke, sie muss glücklich mit dir gewesen sein - ich hätte sie gerne getroffen. Du vermisst sie vermutlich ... tut mir Leid."
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Unsere Träume waren immer das, nur Träume. Niemals hätte einer von uns beiden seinen Titel einfach so aufgeben können und niemals hätten wir in Adrestia eine Zukunft gehabt. Ich habe nur nicht damit gerechnet, dass es so anders laufen würde..." Caelan erlaubte sich eine von Ronans Händen von ihm zu fischen, damit er sie halten konnte. Es war so viel Zeit vergangen, Ronans Hände hatten sich verändert, nicht war? Sie waren größer, rauer, allgemein war er wohl nicht umhin gekommen das Kämpfen für immer aufzugeben, so wie er es vorgehabt hatte. "Nein heißt, dass ich euch auf unterschiedliche Art und Weise geliebt habe.", erklärte Caelan mit einem Lächeln. "Abgesehen davon war ich älter und nicht mehr so ungestüm und frech. Du und ich konnten unsere Finger kaum voneinander lassen, nicht wahr?" Ronan war aber auch keine Lady gewesen. Wie auch immer, er hatte sich nicht geändert. Auch jetzt hörte er nicht auf durch Caelans Haar zu streichen. Es fühlte sich dennoch an als stünde eine gewisse Spannung in der Luft, die wohl größtenteils von Caelan ausging, der sich nicht wohl dafür fühlte, wenn man ihm einfach so alle seine Sünden vergab und gleichzeitig wirkten sie beide so, als würden sie sich vorsichtig aneinander herantasten. Am Ende waren sie beide doch nicht mehr dieselbe Person. "Ich habe sie zufällig auf einem Bankett in Alster kennengelernt und bevor du das denkst, nein, Darragh steckte nicht dahinter. Wenn ich eine Frau heiraten musste, dann wollte ich sie heiraten, auch wenn es größtenteils ihre Idee war. Mein Vater dachte immer sie heiratete viel zu gut für ihre Verhältnisse. Ihre Familie besaß nur ein kleines Anwesen mit Hof in Wezette, nicht viel Land, geschweige denn ein ganzes Fürstentum. Aus seiner Sicht war sie nur auf ein einfaches Leben aus und ich hatte nichts von unserer Eheschließung. Das hat er sie nie vergessen lassen. Es gab Zeiten, da hat er sie wie eine Bedienstete behandelt, schlechter manchmal. Es wurde besser als Rain geboren wurde. Wir haben nie darüber gesprochen, aber wir wollten alle nicht vor ihm streiten." Jegliche Aufregung war schlecht für ihn gewesen und abgesehen davon, wollten sie ihn nicht unnötig belasten. Scheinbar hielt er aber mehr aus als sie alle gedacht hatten. Caelan seufzte. "Sie hat sich nie beschwert und wenn ich nach Monaten nach Hause gekommen bin, dann wollte sie nur von meinen Problemen hören." Caelan hatte sie nicht verdient und er bereute es nicht bei ihrer Beerdigung gewesen zu sein. "Nein, nicht auf mich, auf dich. Denkst du nicht er wäre wütend, wüsste er was du gerade hier tust?" Caelan konnte schon erahnen, dass Ronan einfach behaupten würde, er wäre sein eigener Herr und somit war es egal, was sein Sohn dachte. Das war es aber nicht. Als Vater und als König konnte er nicht so egoistisch sein. "Ich bin aber nicht irgendein Schaf, schon gar nicht aus der Sicht deines Sohnes." Caelan richtete sich auf, legte seine Hand auf Ronans Wange und sah ihm in die Augen. "Du hast niemandem von deiner Herkunft erzählt. Jetzt möchtest du einen Fürsten aus Adrestia, jemanden der mächtigsten Männer eurer Feinde in eurer Mitte leben lassen? Ihn lieben? Ich weiß ich kann dir das nach all den Jahren genau so wenig ausreden, wie du es mir vor so langer Zeit ausreden konntest, aber..." Caelan steckte Ronan eine Strähne hinter sein Ohr. Wenn Rain nicht hier unter ihnen leben würde, dann würde Caelan das Richtige tun und sich aus dem Staub machen, einfach verschwinden, um Ronan zu schützen. "Mich am Leben zu lassen und nicht in Ketten zu legen ist eine Sache, aber mehr? Wie würdest du dein plötzliches Interesse an mir erklären, ohne dein Geheimnis auszuplaudern? Wir können uns nicht mehr auf Fhaergus Bergen in einer Hütte verstecken, wenn wir alleine sein wollen. Willst du wirklich noch mehr Geheimnisse...?" Es schien als würden sie niemals offen zueinander stehen können, auch wenn Ronan die Realität gerade zu vergessen suchte.

      Caelan seufzte erneut, seit wann war Ronan der Unvernünftige von ihnen beiden? Auch wenn Caelan von der Kultur der Wölfe nichts wusste, so konnte er sich nicht vorstellen, dass sie jemanden wie Caelan aufnehmen würden, wenn sie wussten wer er war. Er war dankbar dafür, dass Rain anscheinend einigermaßen gut aufgenommen wurde, von dem Bisschen von dem Caelan mitbekommen hatte, aber Rain hatte sich auch nie etwas zu Schulden kommen lassen. Auch wollte Caelan nicht über den Krieg sprechen, oder darüber Felder und Wälder in Adrestia niederzubrennen. Selbst wenn Fhaergus verschont bliebe, Caelan war nicht sicher, ob er irgendetwas davon gutheißen wollte. Fhaergus zurückerobern wäre eine Sache, aber ein Feldzug Richtung Myriad? Das war verrückt. Einerseits wollte er Caelan all seine Schuld vergeben, weil er nun wusste, dass er eigentlich gegen denjenigen Kämpfte für den er sein Schwert erst in die Hand nahm, auf der anderen wollte er seine Geheimnisse bewahren. "Und du wirst es ihnen nicht sagen." Es wäre verrückt jetzt mit der Wahrheit herauszurücken und deshalb war es besser Caelan hielt sich von Ronan fern. "Deswegen. Eine Nacht muss genügen. Selbst dann musst du erklären, worüber du mit jemanden wie mir so viele Stunden gesprochen hast." Der König der Wöfe hatte bestimmt Besseres zu tun. "Du hast Rain nichts angetan. Wenn ihn etwas stören sollte, dann die Tatsache dass ich euch letztes Jahr noch abgeschlachtet habe." Das war hart ausgedrückt und dennoch war es Caelan lieber Ronan würde einsehen wen er so offenherzig empfing. Caelans Blickt wandte sich nach unten auf seinen Schoß, während Ronan ihm eine Strähne aus dem Gesicht wischte. Selbst jetzt konnten sie ihre Finger nicht voneinander lassen und Caelan fühlte sich furchtbar. "Es ist... sehr viel Zeit vergangen...", erklärte er leise. Ihre Kinder waren mittlerweile selbst erwachsen, älter sogar als sie beide waren als sie sich zum letzten Mal gesehen hatten. Ronans Entschuldigung war ein Stich in seinem Herzen. Caelans Frau starb an einem Fieber, nicht durch seine Hand, direkt oder indirekt spielte dabei keine Rolle. Wieso entschuldigte er sich? Es fiel Caelan schwer die nächsten Worte auszusprechen. "Ich sollte gehen. Wohin auch immer du mich haben möchtest. Und du solltest dir gründlich überlegen, ob du mir wirklich so einfach vergeben kannst. Ich weiß Ronan kann es, aber kannst du es als König der Wölfe? Als der Vater deiner Kinder? Der Mann deiner Frau? Ich weiß wie es sich anfühlt ein Kind zu verlieren. Du kannst nicht so tun als hätte ich damit nichts zu tun." Caelan nahm seine Hände von Ronan.
    • In Caelans Händen fühlten sich seine eigenen noch immer gefangen und doch wohlauf an, als hätte Ronan ihn darum gebeten, ihn nicht gehen zu lassen, ihn wenigstens noch einmal halten zu dürfen, um so vieles mehr als das, was schlussendlich der Realität entsprach. Sein kindlicheres Ich von sich abzuschotten und in eine Traumwelt zu sperren, weil er glaubte, ohnehin nie wieder einen Blick auf Caelan zu erhaschen hätte nie funktioniert, trauerte er ihm lieber eine Ewigkeit nach. "Es waren absurde aber schöne Träume.", bemerkte Rikiya. Wohlwollend waren sie gewesen, diese Ideen über die Freiheit, zu lieben wen auch immer sie wollten. Einander. "Du sagst das so, als ob du nicht deinen Spaß daran hattest.", protestierte er der Frage Caelans - er glaubte, sein altes, trotziges Ich für einen Moment doch noch aus ihm selbst zu hören. Was war all das schon wert? Caelan über Ina zu lauschen fühlte sich noch sonderbarer an als ohnehin schon, nicht etwa weil er es nicht hören sollte, sondern weil Rikiya sich fragte, ob er selbiges über sich und Tuya erzählen konnte, wollte er doch Caelan nicht auf der Nase herumtanzen. "Allard war nie einfach und hätte sich einfach freuen sollen, dass du glücklich warst - warst du das überhaupt? So wie du dich anhörst würde ich ja sagen." Bittersüß waren die Erzählungen des sichtbar zwiegespaltenen Mannes, der jedwede seiner Entscheidungen zu überdenken schien. Rikiya wünschte, es wäre anders, hoffte, man würde ihn so akzeptieren, wie er nun einmal war, mit all seinen Fehlern, die ihm hauptsächlich zum Verhängnis wurden. "Sie hört sich wie ein wahr gewordener Traum an, ich verstehe deinen Vater nicht - wäre es ihm lieber, du wärst auf immer und ewig alleine geblieben und so verbittert wie Darragh geworden?" Früher oder später hätte jener Caelan wohl doch noch eine Frau aufgehalst und wer wusste, welche Weltanschauungen sie vertreten hätte - oder welcher Mensch Caelan jetzt wäre. "Was tue ich denn? Ich glaube tatsächlich, Nayantai ist das kleinere Problem von den beiden.", erwiderte er, wohlwissend, dass er sich gerade eingestand, sich die Situation schöner zu malen, als sie je sein würde. Khojin wäre die Erste, die hoch über die Zeltdächer hinausposaunen würde, dass sie diesem Schaf den Schädel abschlagen würde und er? Er träumte von Liebeleien und Vergebung. Rikiya blickte zur Seite, als Caelan ihm die Strähne hinter sein Ohr steckte und ihm seine Kurzsichtigkeit, seine Übereifer und idiotischen Entscheidungen, auftischte. Sich mit seiner Vergangenheit nicht im Reinen zu sein war eines, sich nur die schönen Sachen herauszupicken wie ein Huhn nach dem besten Korn suchte, eine andere. "Soll ich warten, bis wir beide wirklich tot sind und nichts mehr voneinander haben? Mir einreden, ich will nichts mehr von dir und von der Vergangenheit ablassen? Oder dich wie einen Fremden und einen Feind behandeln, weil ich meines Volkes Diener bin?" Selbstgefälligkeiten waren es nun einmal nicht, die einen König wahrlich auszeichneten. "Es ist einfacher mit der Wahrheit reinen Tisch zu machen und meine Krone aufzugeben. Außerdem haben wir weder die Ressourcen noch die Nerven für Gefangene oder Ketten.", beschwerte er sich, vielleicht netter als er sollte, bei eben jenem Mann der absurdeste Taten von ihm verlangte.

      Rikiya's Lächeln verschwand, wie die Sonne hinter den Bergen nach einem Tag getaner Arbeit und Caelan traf den Nagel mit seinen Worten wohl auf den Kopf. Wieso hatte er sich erst in diesem Netz verstrickt? Mit dem Glauben, Caelan nie wieder in seinem Leben zu haben war es wohl einfacher gewesen sich auszumalen, wie er seine Geheimnisse mit ins Grab nahm, um seinen Kindern ein guter Vater zu sein. War er das überhaupt? Nur, weil er ein Vater war, hieß das nun einmal noch lange nicht, dass er ein guter Vater war - was für ein Witz. "Eigentlich würde ich dir zustimmen, es würde nur für noch mehr Probleme sorgen als wir ohnehin schon haben und Öl in Feuer zu gießen ist kontraproduktiv." Mehr als nur das - mit einer zerrütteten Region wie Thria würden die Meisten, die nichts von Schafen hielten und sie abgrundtief hassten, demjenigen Zuspruch gewähren der ihre eigene Rhetorik vertrat. Sich selbst zu hassen war schon immer Ronan's Stärke und Rikiya hatte das nicht unbedingt aus Selbstlosigkeit und gesunden Stücken in der Vergangenheit begraben - eine Maschine funktionierte eben nur dann, wenn sie sich ihre Makel und Fehler nicht ansehen ließ, so, wie es ein König sollte. Wer wollte all diese Verantwortung schon auf seinen Schultern zur Last tragen? "Ich habe dich verhört, das habe ich wirklich. Ob das nun fünf Minuten oder einen halben Tag dauert sollte keinen kümmern - ich habe kein Zelt für einen Gefangenen und alleine kann ich dich auch nicht lassen, außerdem bin ich angeschlagen und sollte mich ohnehin ausruhen. Da kommt mir ein Schaf, das mir Geschichten aus seiner mir unbekannten Vergangenheit vorpredigt gerade recht.", seufzte er, glaubte er doch nicht, dass Caelan so naiv sein würde um zu glauben, Rikiya konnte nicht noch mehr lügen und seinen Turm noch schiefer rücken. "Sinnlos und ohne es zu wollen, aber wer von den Bauern die euer König an die Front schickt will das schon? Hirnlos und grausam, aber Wölfe sind die Bestien ... was für ein Narrativ." Noch immer erlaubte er sich nicht, Caelan wieder wirklich anzusehen und doch zwang er sich dazu, als wären die nächsten Worte, die aus seinem Mund fielen wie ein Trog fauler Äpfel nicht genug, um sich wieder verkriechen zu wollen. Vielleicht beneidete er Caelan und seinen Pessimismus doch ein wenig, oder er war neidisch auf Ronan, der schon so lange tot war - Rikiya erlaubte sich gleichermaßen viel zu viel und viel zu wenig. Kaum ließ Caelan von ihm ab, nahm seine Hände zurück zu sich, schnellte er nach vor um wenigstens nach einer der beiden Pranken zu greifen, sie für einen flüchtigen Moment zu streifen, wenn er sie schon nicht mehr behalten durfte. "Ich habe keinen anderen Platz für dich als hier, das meinte ich auch so. Nomaden nehmen keine Gefangenen, wie auch? Sünden werden mit Blut bezahlt und doch ändert dein Tod nichts an dem Ausgang des Kriegs. Glaubst du denn, wir beide hatten nicht genug Zeit, uns zu überlegen, was wir voneinander wollen, all die Zeit, die wir nichts voneinander hatten?" Rikiya griff nach oben, strich Caelan mit dem Handrücken erneut über die Wange und sah ihn wehmütig an, wie das Häufchen Elend, das er sein ganzes Leben schon war. "Du hast Recht damit, dass sehr viel Zeit vergangen ist, zu viel Zeit. Aber wieso machst du das abhängig von mir? Du kennst meine Antwort auf alle deine Fragen sowieso schon, wünscht, dass sie anders wären, weil du glaubst, dass du es vermutlich nicht verdient hast, oder? Ich kann dich nicht an den Pranger stellen, dich bluten lassen, oder glauben, dass dein Tod die Probleme meines Landes löst. Natürlich kann ich dir wehtun, zusehen, dass du nie wieder einer Fliege etwas zuleide tust, aber im Interesse meines Landes, meines Volkes und meiner Familie, lebendig oder tot, bist du mir eher eine Hilfe, wenn du lebst und dein Schwert auf diejenigen richtest, deren Befehlen du befolgt hast. Außerdem kann ich den Spieß auch umdrehen - glaubst du, der König der Wölfe hat einen ruhigen Lebensabend verdient? Wie viel Schafsblut klebt auf meinem Fell und wie viel Wolfsblut klebt in deiner Wolle und wen kümmert das? Wenn du mich wirklich abwimmeln wolltest, dann würdest du mir nicht erst sagen, dass du nie jemanden so geliebt hast wie mich, oder hier mit mir sitzen und all den Hass, dem du meinem Volk entgegengebracht hast, einfach aus dem Fenster werfen. Nenn mich verrückt oder unvernünftig, wenn du das möchtest, aber du müsstest nicht hier mit mir sitzen, mir jedes Wort aus der Hand fressen oder mich so ansehen - zu glauben, dass du all das Leid der Welt ertragen musst, wenn es Leute gab, die älter, mächtiger und vernünftiger waren und dich aufhalten hätten sollen, weil es ihre Pflicht war, ist schlicht und einfach nutzlos und verrückt.", beendete er seine Tirade schließlich und seufzte, bewegte sich aber kein Stück als er Caelan endlich wieder in die Augen sah.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Es waren die Träume zweier Kinder und was hatten wir davon? Wir wissen beide, dass unsere neuen Träume auch nirgendwo hinführen werden." Caelan war zu alt um an solche Dinge zu glauben, er war nicht bereit zu hoffen, nur um wieder enttäuscht zu werden. Es war nicht wichtig wie es ihm erging. Er hatte eine Familie, ein Land und jede Menge Schulden, was er wollte stand auf seiner Prioritätenliste ganz weit unten. "Hatte ich." Die Zeit die Caelan mit Ronan verbracht hatte, war wohl eine der Schönsten in seinem Leben, aber das war lange vorbei und sie würden nie wieder die Gelegenheit dazu haben. "Ich war glücklich sie als Frau zu haben." Das hieß aber nicht, dass damit all seine Probleme gelöst gewesen wären, noch hieß es dass er keine Neuen bekam. Sein Leben war nicht einfach seit Ronan verschwunden war. Nichts davon. Das erklärte wohl auch, warum von dem jungen, optimistischen und fröhlichen Mann nichts mehr übrig war. Er hatte seine Zeit mit so viel Lachen verbracht, wann hatte er das letzte Mal gelacht? "Mein Vater war schon immer gegen all meine Entscheidungen... und doch bereue ich es ihm den Titel genommen zu haben." Mit Darraghs Hilfe, um seine Ziele zu erreichen die Caelan fälschlicher Weise mit seinen eigenen verwechselte. "Du zeigst dem Mann der ihm so viel Leid zugefügt hat Gnade, mehr als das." Die sanften Berührungen, das flattern in seiner Brust, der Wunsch dorthin zurück zu kehren wo wie aufgehört hatten. "Aber das bist du. Ein Diener deines Volkes. Wir waren beide niemals frei, so ist das nun mal." Caelan seufzte müde, Optimismus stand Ronan nicht. Es war als wären ihre Rollen vertauscht. "Es ist nicht so, als hätte ich dich nicht all die Jahre über vermisst, als hätte ich nicht so oft an dich gedacht, aber ich bin nicht mehr derselbe von damals und du bist es auch nicht. Wir haben Verpflichtungen und so Vieles aus den letzten dreißig Jahren verfolgt uns beide. Wir sind Fremde." Die Zeit hatte nicht angehalten und auf sie gewartet. Es war zu spät, viel zu spät und Caelan wünschte er hätte Ronan vor vielen, vielen Jahren gefunden. Wieso jetzt? Wieso? Wie oft würde er sich noch fragen müssen wieso?

      "Eigentlich?", fragte Caelan nach, nachdem Ronan keine Argumente dagegen vorbrachte. "Du hast bereits ein Schaf mit einer Menge Geschichten bei dir aufgenommen. Es gibt wenig, was Rain dir über Adrestia nicht schon erzählen hätte können. Ronan, dann schlafe ich eben unter den Sternen, oder wo auch immer der Junge und das Mädchen die mich hergebracht haben untergebracht sind. Welcher verwundete König wacht selbst über seinen Feind? Du hast Männer unter dir die mich bewachen können und wenn nicht das, dann solltest du mich zumindest irgendwo anbinden. Ich baue mir meine eigene Unterkunft wenn du mich lässt, wenn ich mich hier nützlich machen soll wie du es sagst." Ein Zelt konnte Caelan noch allemal zusammenstellen, wenn auch nicht ein so großes. "Aus eurer Sicht sind wir die Bestien. Und ihr habt Recht. Denkst du wir würden dich so behandeln wie du mich behandelst?" Nun, wäre es Caelan der den König der Wölfe vor sich hatte und erkannte wer er war, dann hätte er wohl alle Hebel in Bewegung gesetzt um ihn zurück zu seinem Volk zu schaffen, unversehrt. Jeder andere Wolf der ihm jedoch unterkam, hatte nicht so viel Glück. Ronan konnte das nicht einfach ignorieren. Ronan griff nach Caelans Hand, wollte ihn immer noch nicht gehen lassen. "Du willst nichts von mir, du willst den jungen, naiven, viel zu fröhlichen jungen Mann zurück, der damals mit Ronan von Alster gestorben ist. Der König der Wölfe und der Lord von Fhaergus kennen sich kaum." Caelan sah Ronan an der auf ihn einredete und wohl mit allem Recht hatte was er sagte. Caelan biss sich auf die Zunge, es war schwer Ronans Blick standzuhalten und ein Kloß bildete sich in seinem Hals. Egal was Caelan sagte, Ronan würde seine Meinung wohl nicht ändern und er hatte Recht mit den meisten Dingen die er sagte. Konnte Caelan sich wirklich darauf hinausreden, dass Allard, oder andere Lords, vielleicht Cameron, oder die anderen ihn hätten aufhalten sollen solange es noch ging? Dass Henry hätte sagen sollen, ein Krieg war keine Lösung? Dass seine eigenen Männer, jung und alt, hätten ihm sagen sollen, dass sein Kamp ein aussichtsloser war, der nur für Schmerz und Leid auf beiden Seiten sorgen würde? Er hatte den Titel des Lords von Fhaergus an sich gerissen, damit hätte er sich auch entsprechend verhalten müssen, oder etwa nicht? Und wie viele Leute gab es schon, die einem Fürsten die Meinung sagen würden? Caelan hatte auch Henry gedrängt, hatte ihm vorgeworfen Ronan wäre ihm egal, wenn er ihn nicht gewähren ließ. Caelan griff Ronan Hand, seine eigene zitterte und er wich seinem Blick letztendlich doch aus. "Ich... ich will nicht... noch mehr Fehler begehen... noch mehr zerstören..." Egal was Ronan sagte, die Last auf seinen Schultern würde nicht einfach verschwinden und das sollte sie auch nicht. Er trug sie nun schon sein halbes Leben mit sich, ohne realisiert zu haben, wie falsch er eigentlich gelegen hatte, bereuen tat er es aber schon lange. Er wünschte Ina wäre hier, damit er sie um Rat fragen konnte, auch wenn sie wie Ronan behauptet hätte, dass es nicht alleine seine Schuld war. Dieser Abend war geprägt von alten und neun Gefühlen, die sich allesamt überschlugen. Von Nostalgie zu Trauer, zu Wut, zu Erleichterung, und so vieles mehr. Caelan liebte Ronan damals und er tat es noch. Sogar sein Schwert hatte er ihm zurückgebracht. Vielleicht war es an der Zeit es sein zu lassen dumme Entscheidungen zu treffen. Vielleicht war es endlich an der Zeit sein Leben in Ronans Hände zu legen, so wie es schon immer hätte sein sollen. Caelan griff Ronans Hand fester, als müsse er sich festhalten, weil er andernfalls ertrinken würde. Als könnte er ihn jeden Moment wieder verlieren. Er senkte seinen Kopf. "Ich schwöre, ich werde dich und deine Familie beschützen als wäre es meine eigene. Von jetzt an, bis zu meinem Tod..."

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    • Rikiya wollte das nie hören, wollte seine absurden Träume nie aufgeben und doch würde er denn nicht lügen, würde er behaupten seine Vergangenheit vor zu langer Zeit den Rücken gekehrt zu haben? "Deine Schwarzmalerei erinnert mich an den Ronan, in den du dich verliebt hast.", gestand er Caelan, sah er doch seine eigenen Kerben in einer Seele, die nicht freier war, weil eine Zweite ihr all die Schuld absprach, die sie sich aufhalste. Erinnern konnte er sich lediglich an schönere Tage und bessere Zeiten, an willkürlich gewählte Idiotien und an all die absurden Ideen, die im Sand verliefen. Knospen hatte der imaginäre Baum, den sie der Liebe wegen gepflanzt hatten, nur von den Früchten hätten sie nie naschen können, hatten sie den Garten, gesponnen aus jugendlichem Leichtsinn und einer gesunden Portion Gegenwehr gegen die Regeln der Gesellschaft, doch zu früh verlassen, als den winzigen, grünen Früchten süßliches Fruchtfleisch abzuverlangen."Ich zeige dir keine Vergebung, weil ich Mitleid oder eine Vorgeschichte mit dir habe. Ich zeige dir Vergebung, weil du Reue zeigst und zusammenfällst, wie ein Kartenhaus durch das eine Windböe fegt.", verneinte er seine angebliche Sanftnatur und die Anhänglichkeit zur Nostalgie. In alten Tagen zu schwelgen ließ ihn warm werden und einen Schmetterling aus einer Chrysalis schlüpfen, auf welche er schon längst nicht mehr gezählt hatte. Sich also andichten zu lassen, er wäre zu liebenswürdig, zu naiv und zu nachsichtig, war Caelans Problem und weit entfernt von seinen eigenen. "Nie könnte ich dich als Fremden sehen. Es wäre, als würde ich behaupten, mein Herz wäre auf dem Weg von Alster nach Thria erfroren. Manchmal hätte ich es mir gewünscht - ein Ende, entweder für mein Leben oder meiner Liebe zu dir, aber ich wollte von weder noch ablassen. Du wolltest immer, dass ich die schönen Dinge im Leben sehe, auch, wenn ich ohne dich - ohne die Sonne an meinem finsteren Firmament - nicht wollte. Mein Verschwinden aus deinem Leben hat nicht nur meinen Horizont erschwärzt und du glaubst noch immer, wir können einfach so, der Welt und meinem Volk zuliebe, noch eine Lüge leben?" Es wäre die einzige Lüge, die Rikiya nicht in seinem Leben akzeptieren würde.

      Rikiya schnaubte entnervt und verzog seine Grimasse als Caelan wieder mit den gleichen, leidigen Themen ansetzte: Natürlich wären Schafe nicht so mit hm umgesprungen, natürlich hätten sie ihn lieber in den Abgrund gestoßen, der Vergangenheit den Rücken gekehrt und ihm nicht dabei geholfen, wieder einen Weg nach Hause zu finden, oder sogar angeboten, seine Heimat zu rebellieren. Es störte ihn nicht, dass Caelan die Wahrheit sprach, eher störte ihn, dass er darauf beharrte, dass er nicht so sanftmütig und idiotisch sein würde, steckten sie in den Schuhen des Anderen. "Du bist mein Gast, sie sind Gäste meines Volkes. Ich kann dich nicht mit ihnen in dasselbe Zelt stecken und abgesehen davon, kann ich dir nicht noch mehr abverlangen - ich glaube, du verstehst mich nicht ganz, oder vielleicht willst du das auch nicht. Schafe und Wölfe sprechen weder dieselbe Sprache, noch haben sie dieselben sozialen Gepflogenheiten. Nur, weil ich in Adrestia meinen Tod gefunden hätte und man mir meine Sünden nicht abgesprochen hätte, heißt nicht, dass ich mein Volk verrate, weil ich dich mit offenen Armen empfange. König zu sein bedeutet in Thria nicht, dass ich in einem großen Zelt lebe, von vorne bis hinten bedient werde, keinen Finger krümmen muss und mich nicht selbst um dich kümmere. Hast du einen einzigen Bediensteten gesehen, der uns Tee gebracht oder nach Essen gefragt hat?", seufzte er und pustete sich eine graue Strähne aus dem Gesicht. Die Krähenfüße, die er hätte, würde er sich sein gesamtes Leben mit Caelan geärgert haben, würden vermutlich alle Rahmen sprengen, die er je gesehen hatte. Rikiya fand ihn unvernünftig, diese besserwisserische, pessimistische Version von Caelan und doch liebte er ihn, fast so wie am ersten Tag. "Natürlich will ich das, aber wäre es eine Lüge, wenn ich behaupten würde, du würdest das, was du verloren hast - mein altes, eingeschnapptes, pessimistisches Ich - nicht vermissen? Es kümmert mich nicht, welcher Caelan du bist, verdammt. Alles, was mich interessiert, ist, dass es dir gut geht, dass du wohlauf bist und dass ich dich wiederhabe. Zehntausend andere Dinge würden mir einfallen, aber ich würde mich unnötig wiederholen." Darum ging es auch gar nicht. "Der König der Wölfe und der ehemalige Fürst von Fhaergus haben lediglich Aufholbedarf." So, wie es gewesen wäre, wenn sie beide Fürsten geworden wären und es sie in andere Aufgaben in ihren eigenen Länder verschlagen hätte. Zu glauben, dass Caelan so wenig Vertrauen in ihn und ihre Liebe steckte, war fast schon herzzerreißend. Eine Tirade mehr würde ihn nicht zur Besinnung bringen, zumindest glaubte Rikiya es würde so sein - positiv überraschend war es nur, dass Caelan einlenkte und die Diskussion von sich aus zu ertränkten schien. "Dafür hast du mich, nicht? Ich kann deine Stimme der Vernunft sein.", erwiderte er mit einem knappen Lächeln, dem Caelan aus dem Weg ging. Ronan ließ sich darauf ein, drückte die Hand Caelans, die er hielt, selbst ein wenig fester und lauschte der Stille, die ihn sein eigenes Herz in seinem Hals schlagen hören ließ. Ihn so anzusehen zerriss ihm das Herz, der innere Konflikt und die Wahrheit, deren Ballast Rikiya sich schlecht auch noch annehmen konnte. "Ich nehme dich beim Wort." Viel zu schnell nahm er Caelan wieder in den Arm, zog ihn an sich und versuchte, ihn in seiner Umarmung dingfest zu machen, damit ihn kein Wind der Welt davontragen konnte. Rikiya schloss seine Augen und strich Caelan sanft über den Rücken. "Das bedeutet allerdings, dass du dich auch selbst beschützen musst, hörst du mich? Für mich warst du nie nicht Teil meiner Familie - oder der Familie, die ich immer haben wollte. Dafür halte ich dir den Rücken frei und beschütze dich im Gegenzug.", flüsterte er in Caelans Ohr.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Und dein Optimismus erinnert mich an den Caelan in den du dich verliebt hast. Ich verstehe nicht wie du das machst, nach allem was du erlebt hast.", antwortete Caelan und er meinte es wie er es sagte. Ronan hatte so viel durchmachen müssen, so wie Caelan auch. Wie konnte er da so positiv bleiben, speziell dann wenn ihm so etwas noch nie leicht gefallen war? "Das genügt dir? Reue?", fragte Caelan. Er konnte nicht behaupten, dass er seinen Anteil an diesem Krieg nicht schon länger bereute, wenn auch anders als jetzt, wo er so viel mehr wusste. Würde es Ronans Sohn genügen? Würde es Rain genügen? Caelan seufzte erneut, Ronans Worte machten es ihm schwer sein Pflichtbewusstsein und seine Liebe für ihn zu vereinbaren. Sie hatten sich so sehr verändert, wie Ronan selbst schon bemerkt hatte, als hätten sich ihre Rollen vertauscht, nur dass Caelan wie immer der Dumme geblieben war, der so viele Fehler machte, weil er nicht zuerst über seine Taten nachdachte. "Was dann? Du willst es hinaus rufen in die Welt? Dass du ein Schaf liebst? Dass du selbst eines bist, oder zumindest einmal warst? Würde es das Bild so vieler nicht erschüttern? Speziell dann, wenn weder du noch ich irgendein Schaf gewesen sind. Kein Bauer, oder Handwerker, der seinen Weg hier her gefunden hat, weil Adrestia nichts mehr für uns übrig hatte..." Adrestia hatte Caelan mittlerweile abgestoßen als wäre er ein Tumor. Ohne Ronan hatte er keinen Sinn gesehen, hatte nichts mehr übrig für die, die er einst Freunde genannt hatte und wenn er ehrlich war, so hätte es ihn wohl wenig gestört, wäre er da draußen gestorben. Es brauchte Ina die ihn aus seinem Loch zerrte, dann Rain und jetzt da er die eine verloren hatte und sein Sohn ihn nicht mehr brauchte, jetzt da sein Land nicht mehr das seine war, hatte er denn nicht nur noch die eine Person, die er so lange gesucht und vermisst hatte? Sein Schwert lag noch immer auf dem Boden, so weit hatte er es getragen. Caelan wollte keinen Tag mehr ohne seinen Geliebten verbringen und nicht noch mehr Zeit verschwenden, aber auch jetzt fühlte es sich unmöglich an. Solange Caelan hier blieb, so glaubte er nicht daran, dass sie beide es schafften sich voneinander fern zu halten, noch glaubte er, dass sie ihr Geheimnis für sich behalten konnten. Waren sie nicht schon immer viel zu leichtsinnig gewesen?

      "Mir mehr abverlangen?", fragte Caelan verwirrt, beinahe empört. "Was hast du mir schon abverlangt?" Auch wenn Ronan es nicht hören wollte, Caelan würde für immer in seiner Schuld stehen. "Das weiß ich doch, dass du mit einem Adrestianischen König nichts gemein hast..." Caelan glaubte immer noch, dass es ein großer Fehler war die Wahrheit zu offenbaren. Er wollte doch auch nichts weiter als in Ronans Armen zu versinken und all die verlorene Zeit aufzuholen, aber sie beide waren nicht die einzigen noch lebenden Menschen auf der Welt. Es schien allerdings so, als hätte jegliche weitere Diskussion keinen Sinn. Der König der Wölfe hatte seine Entscheidung bereits vor einigen Minuten getroffen, oder vielleicht eher vor vielen, vielen Jahren und seine Worte trafen Caelan mitten in sein Herz. "Wieso bist du auch nur so verdammt gut darin, die richtigen Worte zu finden? Währenddessen kann ich kaum in Worte fassen, wie sehr ich dich vermisst habe..." Caelan war noch nie ein Mann großer Worte gewesen, Ronan war der Poet, derjenige der Worte aufs Papier brachte, die Caelan nicht einmal im Ansatz verstanden hatte. Es war fast schon nervig, Caelan fühlte sich schlecht, ihm nicht die selbe Sicherheit geben zu können und er fühlte sich schlecht dafür, dass er diesen Abend mit Sorgen und Diskussionen verschwendete. Caelan nickte. Er erhob sein Schwert gerne für Ronan, statt sich selbst zu überlegen, wem er es ins Herz rammen sollte. Ronans Arme schlossen sich erneut um Caelan, fester diesmal, ungewohnt, doch nicht schlecht. Caelan ließ sich darauf ein, schloss seine Augen und versank in der Umarmung, aus der er nie mehr entlassen werden wollte. Sie war so fest, so direkt, als wollte Ronan ihm nicht nur sagen, wie sehr er ihn immer noch liebte, sondern auch sicher gehen, dass er es wusste und ebenso wusste, dass es kein Entkommen gab. Das Schicksal war grausam, führte es sie doch erst zusammen, als wären sie füreinander bestimmt, nur um sie so viele Jahre lang auseinander zu reißen. "Keine Heldentaten, ja ja... das hat sich nicht geändert...", murmelte Caelan und dennoch würde er sein Leben ohne zu zögern aufgeben, wenn es hieß Ronan, seine Kinder, Rain, oder auch Oyu würden ihres dadurch behalten können. Er legte seine Arme nun auch fest um Ronan. Immer schon hatte Ronan ihm gesagt wie sicher er sich in Caelans Armen fühlte und niemals wollte er annehmen, dass es umgekehrt genauso war. Selbst als alter Mann, der viel zu viele Gedanken an Logik und Pflicht verschwendete, konnte er es sich gerade irgendwie doch erlauben daran zu glauben, dass die Welt für sie beide gerade stillstehen würde. Nur für den Moment erlaubte er sich zu fühlen, dass nichts weiter wichtig war. Sein Sohn war in Sicherheit, der Krieg weit genug entfernt, die Wölfe schliefen in ihre Zelten und der Mond würde der Sonne noch keinen Platz machen. Für einen Augenblick zumindest, schien alle Last von ihm abzufallen und dafür verantwortlich war nur Ronan. Es schien beinahe unmöglich ihn noch fester an sich zu drücken und doch tat Caelan es. Er wollte ihn nie wieder los lassen, hätte es damals auch nicht tun sollen. Wie oft hatte er an den Tag gedacht, an dem er Ronan zum letzten Mal gesehen hatte?