spellbound. (earinor & akira)

    • Gerade noch war die Welt, die er viel zu lange kannte, heil. Wann käme eben jener nächste Augenblick in welchem ihm erst klar wurde, wie glücklich er sich eigentlich schätzen konnte? Rikiya musste sich zwangsweise eingestehen, dass sein Herz weder Feuer noch Flamme für die Unwahrscheinlichkeiten des thrianischen Lebens war, noch, dass er sich sicher war, ob er ein solches Leben missen würde, käme es erst dazu, dass er sich wieder auf dem Boden befand, auf dem er einst gestanden hatte. Ideen, idiotische Ideen, waren solche Eingebungen. "Muss es nicht.", räusperte er sich kopfschüttelnd. Rain tat genug für sie beide, auch für Nayantai und ein kleiner Schnupfen, eine miserable Erkältung, würde ihn bei weitem nicht um die Ecke bringen. "Dann weißt du zumindest mehr als der normale Thrianer. Wir haben keine Bücher über Schlachten, keine Taktiken, die wir uns irgendwo zurechtlegen, damit wir sie wiederfinden, wenn wir müssen. Natürlich gibt es in Yaoshen eine Bibliothek, aber wer weiß schon, wie wahr das Wissen auf diesen alten Seiten ist, oder wie sehr es uns helfen würde. Du hingegen hast mehr als diese Wahrscheinlichkeiten.", lobte er den Tatendrang Rains, der so viel mehr war, als nur ein Anhängsel an seinen Sohn.

      "Na gut, da will ich dir nicht Unrecht geben." Hatten andere Menschen Angst vor ihm? Trank Rikiya seinen Tee deswegen immer öfter allein? Die Frage selbst schwirrte ihm durch den Hinterkopf als könnte ihr nichts Einhalt gebieten. "Mhm, das kann ich mir sogar vorstellen." Mei und Khojin waren nicht unbedingt im gleichen Alter, aber sie verstanden sich besser als so manch andere - Rikiya hieß es immerhin gut, wenn seine Kinder Beziehungen zu Leuten hatten, die ein Adeliger in Adrestia oftmals meiden sollte, oder eventuell sogar musste. Die Hoffnung war es, die immerhin zuletzt starb. "Hat sie das? Die beiden sind sich wirklich ähnlich." Rikiya wirkte fast verdutzt als Rain darüber berichtete. Solche Vergleiche maßte sich in den letzten Jahren kaum einer an, zumal Nayantai ohnehin als tot galt - niemand wollte alte Wunden öffnen, die ohnehin schon nicht verheilten und keiner wollte über die Toten sprechen, die womöglich noch unter den Lebenden wandelten. Der Gedanke allein verunsicherte ihn wiederum keineswegs. "Ich denke, dass du ihr ohnehin eine Hilfe bist. Sie sollte sich zumindest irgendwann noch erkenntlich zeigen, wenn sie das nicht ohnehin schon hat.", scherzte Rikiya noch, unwissend darüber, dass dieses Gespräch nun sein Ende fand. Plötzlich verschwand die aufgelockerte Stimmung, als wäre sie mit dem Stoff, der sich in den Eingang wehen ließ, aus dem Zelt in die kalte Luft gesogen worden. "Was!?", rief er lediglich empört aus, als er den Neuankömmling anstarrte. "Ich bin sofort bei euch!" Ein einziges Mal in all den Jahren reichte wohl, um angegriffen zu werden. Der jüngere Wolf nickte lediglich, als er sich aus dem Zelt zurückzog und Rikiya, nun ja, welche Wahl hatte er wohl? In Windeseile warf er sich Kleidung über, machte sich fertig, vergeudete keine Zeit. "Rain, es tut mir leid." Nichts konnte er dagegen tun und Zeit zu verschwenden hatte er keine. "Zieh dir Schuhe an und nimm dir eine Decke mit.", forderte er ihn noch auf. Khojin war ungefähr genau so waghalsig wie ihr Bruder, aber alleine würde sie es nicht schaffen, eine gesamte Siedlung zu verteidigen.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Ihr Gespräch wurde jäh unterbrochen und Rain sank das Herz in den Magen. Rikiya musste diese Neuigkeit am Schlimmsten treffen und er sprang auf um sich fertig zu machen. Rain nickte ihm zu. "Ich gehe zu Mei. Ich schaffe das alleine. Geh." Rikiya brauchte sich keine Sorgen um Rain machen, er konnte sich auf das konzentrieren was jetzt wichtig war, Khojin und der Rest der Siedlung. Rain konnte zwar weder reiten, noch besonders schnell oder weit laufen, aber da war er hier nicht der Einzige und Mei würde ihm schon sagen was er tun sollte. Rikiya war schnell verschwunden und Rain drehte sich um, um seine Schuhe anzuziehen. Er warf sich außerdem noch eine Schicht Kleidung über und nahm seine Handschuhe und seinen Schal, sowie eine Decke, wie Rikiya gesagt hatte. Bevor er ging sah er sich noch einmal die Papiere an und beschloss sie allesamt ins Feuer zu werfen. Adrestia war nicht dafür bekannt sich um das zu scheren was sdie Wölfe zurückließen, aber Rain spielte ihnen lieber keine Informationen in die Hand, noch dazu in ihrer eigenen Sprache.

      Eben noch hatte Rikiya Rains Wissen gelobt, aber all das half ihnen nicht unentdeckt zu bleiben, oder sich zu verteidigen. Es brachte nichts weiter darüber nachzudenken, nicht jetzt jedenfalls und als Rain gehen wollte, drehte er doch noch einmal um und griff den Mantel der wohl einst seinem Vater gehört hatte. Rikiya hatte ihn ihm geschenkt, aber er hatte wohl einen größeren Wert für den König der Wölfe als für Rain und er wollte ihn nicht zurücklassen. Dann beeilte er sich aus dem Zelt. Die Nachricht schien sich zu verbreiten und eine Menge Leute liefen durcheinander, ob sie nun eine Aufgabe hatten oder nicht. Rain bahnte sich seinen Weg zu Meis Zelt und hoffte, dass sie noch da war. Einer der Thrianer rempelte ihn so stark an, dass er beinahe umfiel, ob es nun Absicht war oder nicht, Rain versuchte niemandem im Weg zu sein. Bei Meis Zelt angekommen, trat er zügig ein. "Mei? Mei, bist du hier?", wollte er wissen. Sie würde bestimmt wissen was zu tun war und vielleicht konnte er ihr helfen die Kräuter hier zusammenzusammeln, speziell die, die sie vielleicht für die Wundheilung brauchen konnten.
    • Rikiya verflüchtigte sich und mit ihm ein ganzer Teil derjenigen, die sich auf die bittere Wahrheit vorbereiten mussten: Nun, da sie hier draußen angegriffen wurden, hieß es nun einmal auch, dass sie nie Ruhe finden würden, blieben sie an diesem Fleck kleben. Zu oft hatte sie gesehen, was passiert war, als man sich einfach dazu entschied, dort an Ort und Stelle zu verweilen, wo man zuvor alles verloren hatte. Mei wollte das nicht mehr und packte bereits hastig Sachen zusammen, die sie früher oder später brauchen würde, wenn diese Schlacht - wenn man ein Gemetzel noch so nennen konnte - bereits vorbei war. Die Heiler würden Kräuter und Salben brauchen, helfende Hände die wussten, was sie taten und die Krieger jemanden, der ihnen nicht im Weg stand, als sie versuchten, dieses jämmerliche Stück Thria vor dem ihm geweihten Untergang zu schützen. Warum musste all das eigentlich so enden? Viel lieber würde sie ihre Tag in Ruhe verbringen, mit dem Kopf in den Wolken die sich nicht zu lichten schienen, so wie vermutlich jeder andere Thrianer. Kriegstreiberei lag ihnen allesamt nicht, aber was konnte ein Volk dagegen schon ausrichten? Sie hatten keine Wahl - Friss oder Stirb war ihre einzige Option.

      Gerade noch schwelgte sie in Erinnerungen sie keineswegs brauchte, schob Dinge von einem Eck ins nächste und wühlte sich durch eingestaubte Kisten, die sie für den Notfall mit Dingen gefüllt hatte, die brauchbar waren und lange halten würden, selbst, wenn es so sein sollte, dass sie nicht mehr dazu käme, sie selbst zu benutzen. "Ja?", rief sie zurück als sie eine Stimme hörte, die der Wind hereinzuwehen schien, oder gar fast verschluckte. Rain war also hier? Was wollte er denn? "Willst du wirklich hier sein?", erkundigte sie sich im selben Atemzug. Als sie endlich einen Blick auf ihn werfen konnte, sah er noch immer matt und müde aus, aber dafür nicht so zerknautscht wie zuvor, auch, wenn er eine Decke mit sich herumzuzerren schien und allgemein eher wirkte wie das Nesthäkchen dieser Zeltstadt. Gerade als sie sich schon wieder ihren Aufgaben widmen wollte, fiel ihr ein, dass sie das Paar helfende Hände gut gebrauchen konnte. "Getrocknete Büschel sind da drüber.", Mei deutete auf eine Kiste, die sie bereits freigelegt und näher an das Feuer geschleppt hatte. "Koch sie auf, das Wasser ist schon im Kessel. Kannst du mir die Leinen daneben in Streifen reißen, während sie kochen?" Mei hatte es vorhin schon probiert und war zu dem Entschluss gekommen dass Rain ein leichtes damit hätte.
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    • Mei hatte bereits alle Hände voll zu tun und Rain verstand ihre Frage nicht ganz. "Rikiya musste weg und... ich wusste ehrlich gesagt nicht wohin ich sonst gehen sollte.", antwortete er ehrlich. Er lebte nicht lange genug hier um zu wissen wie man sich in einer solchen Lage verhielt und Fhaergus wurde nur ein einziges Mal angegriffen und das hatte er verschlafen. Die Narben zeichneten Rains Rücken vermutlich noch immer, aber er hatte schon sehr lange keinen Spiegel mehr benutzt und Nayantai wollte er nicht fragen. Er sah Meis Blick und folgte ihm zu der Decke. "Rikiya sagte ich solle eine mitnehmen.", erklärte er, auch wenn er sich jetzt vorkam wie ein Kind. Mei hatte besseres zu tun als ihn zu babysitten, alle hatten das, aber jetzt war nicht der Zeitpunkt um in Selbstmitleid zu versinken. Mei hörte nicht auf zu arbeiten und Rain konnte im Moment nicht viel tun.

      Kurz darauf bekam er doch Anweisungen und beeilte sich zu der Kiste. Er ließ die Decke neben sich auf den Boden fallen bevor er sich daneben kniete. Er warf die Kräuter in den Kessel über dem Feuer, dann nahm er sich das Leinen und versuchte sein Glück es zu zerreißen. Verbände also? Was sonst sollte es werden? Er wollte Mei eigentlich nicht mit dummen Fragen belästigen, aber er wollte auch nicht wie ein Blinder durch diese Situation stolpern. In Adrestia würde man sich verschanzen, aber das funktionierte hier nicht. Die Zelte boten keinen Schutz und Rain wusste, dass der erste Angriff aus einem Hagel an Flammenpfeilen bestehen würde. "Was passiert jetzt?", fragte er also während er nicht aufhörte zu arbeiten. Er wollte sich sein Husten eigentlich verkneifen, aber schaffte es nicht ganz.
    • "Macht Sinn.", entgegnete sie Rain. Eigentlich hatte sie nicht mit Gesellschaft gerechnet, wenn sie ehrlich war, aber wer tat das hier draußen schon, wenn man sein ganzes Leben - oder sein halbes - in einer gewissen Einsamkeit fristete? Khojin kam sie besuchen, manch andere Personen spülte es auch in ihre Hände und doch konnte Mei an einer Hand abzählen, wer zurückblieb und ihr mehr als einmal Gehör und Beachtung schenkte. Rain vermochte wohl einer davon zu sein. Sie konnte keine Zeit verlieren oder stillsitzen, nicht jetzt, nicht hier, nicht heute. Nie war der richtige Zeitpunkt um einfach aufzuhören. Welcher Wolf konnte das schon? "Er meint es gut mit dir. Du hast Glück." Ihr König war ein Mann, der versuchte, alles unter einen Hut zu bringen und daran weder scheiterte, noch glückte. Mei glaubte unlängst, dass er irgendwann daran zerbrechen würde, so wie jeder hier, der ein wenig mehr Verstand besaß. Rains merkwürdige Präsenz - die Präsenz eines Schafes - brachte nicht gerade Unruhe in diese Gegend, sondern viel eher einen Ausgleich, den sie alle miteinander einfach brauchten. Nach dem sie sich sehnten.

      Wann würde sie müde werden? Wann würde lediglich ihr Geist zu den Aufgaben in der Lage sein, die ihre Finger gerade noch so mitmachten? Gab es für irgendetwas davon eine Antwort? Sie faltete Verbände auf, die definitiv schon zu lange herumgelegen hatten, versuchte, sich nochmal zu überlegen, wofür sie brauchbar sein konnten und wozu sie unnütz waren - in ihrem Eigenreich, diesem Zelt, das Feuer fangen würde, bevor er es ein anderes tat, fühlte sie sich auch gerade jetzt nicht unwohl. "Wir warten. Ich weiß nicht auf was.", erklärte sie stumpf, als wäre sie es gewohnt. Die Ungewissheit, die Kämpfe, das ewige Leid - der selbe Tanz, die selbe Musik. Nichts davon bewegte sich, die Welt die sie kannte stand seit Jahren still. Mei pochte auf nichts mehr, hatte sich damit abgefunden, wer hätte das denn nicht? "Wenn die Kräuter zerkocht sind, nimm den Kessel von der Flamme und weich die Leinen ein, ja?" Sie packte zwei größere Bündel zusammen, die sie zu den trocknenden Kräutern hing - es waren alte Verbände, die das Feuer nur anfachen würden, regnete es denn auf sie herab. Genau das war ohnehin ihr Ziel. "Nervös?"
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    • "Ja ich weiß... ich werde sie wohl brauchen.", murmelte Rain der weiter damit beschäftigt war das Leinen in Streifen zu schneiden. Er legte sie vielleicht etwas zu vorsichtig auf, aber er wollte auch nicht, dass sie zu schmutzig wurden. Sie warteten also? "Was ist mit den Anderen? Machen sie sich auf den Weg zu flüchten?", wollte Rain wissen. Er wusste nicht ob er das tun wollte, oder ob er lieber hier blieb, aber er konnte es Nayantai nicht antun hier zu sterben und er konnte sich selbst nicht verteidigen, noch konnte er schnell laufen. Zumindest konnte er sich aber ein wenig nützlich machen, wenn er schon sonst nichts tat und als ihm Mei mehr Anweisungen gab folgte er ihnen. Er rührte in dem Kessel ein wenig um, dann ließ er die Verbände hinein fallen und riss noch ein paar mehr Streifen von dem Stoff die schnell folgten. Er fragte sich was Rikiya tat. Stürmte er Khojin vielleicht noch hinterher? Mit ein paar mehr Kämpfern? Wenigstens war Nayantai weit fort von hier.

      Er blickte zu Mei als sie ihm eine Frage stellte. "Ich... ja. In Adrestia haben wir Mauern hinter denen wir uns verstecken können.", erklärte er, aber selbst dann wäre er nervös gewesen. "Als sie uns dort angegriffen haben, hatte ich nicht einmal Zeit nervös zu sein... ich habe es nicht kommen sehen." So wie jetzt auch nicht, aber hätte er das können? Die letzten Tage hatte er ihm Bett verschwendet, was wenn er Rikiyas Notizen eher gelesen hätte? Aber nein, auch gestern hatte er es nicht erahnt und vermutlich war es auch dumm sich allein dafür verantwortlich zu machen, wenn es gar nicht seine Aufgabe war sich darum zu kümmern. "Was jetzt?", fragte er, nachdem der Stoff aufgebraucht war.
    • Irgendwo zwischen hier und jetzt hörte selbst Mei die ungleichen Wogen des Lebens, wie sie gegeneinander krachten, ihr Schallen durch die Länder zog. Aufregung vernahm sie seit Ewigkeiten keine mehr wenn sie angegriffen wurden, kein Kribbeln, keine Angst, selbst keine Erwartung blieb. Menschen kamen und gingen, verschwanden aus ihrem Leben so schnell wie sie aufgetaucht waren und Rain? Er hatte sich definitiv das falsche Leben und den falschen Zeitpunkt ausgesucht. Mei würde wohl die Verantwortung schultern müssen und dafür sorgen, dass Rain nicht ein weiterer Teil eines Massengrabs wurde. Wohin?”, lachte sie bitter, wusste aber, dass das zumindest eine ihrer besseren Taktiken war. Hier gibt es nichts, wo man sich verstecken könnte. Eher glaube ich, dass sie sich auf einen Kampf vorbereiten … vielleicht fangen sie ihn ab., teilte sie Rain mit. Was hatte diese Nation auch schon zu verlieren? Sie konnten von Glück reden, überhaupt etwas zu besitzen und jetzt schien es so, als ob selbst dieser Fetzen etwas wiederum in Gefahr stand. Wer konnte das alles noch mitmachen? Was, wenn Adrestia sie einfach einnahm? Aufgeben war sicherlich um so einiges leichter.

      Gedacht hatte sie sich ohnehin, dass die Situation Rain nicht ganz geheuer war. Geschehnisse wie diese waren in der verstrichenen Jahreszeit seltener, würden aber wohl einen Aufschwung erleben. “Ihr versteckt euch und wir laufen davon. Glaubst du, dass Rikiya uns eine Mauer baut?”, scherzte sie. Ein paar angespitzte Holzpflöcke halfen ihnen nicht, gleich wenig wie es das Herumjammern tat. Mei misste damit aufhören und sich an Khojin ein Beispiel nehmen. Auch leichter gesagt als getan. “Wer denkt auch an solche Situationen?” Mei war sich sicher, dass sich Niemand so etwas wünschen würde - weder sie selbst, noch ihre Angreifer. Ein zweischneidiges Schwert. So, wie sonst auch. Ihre eigenen Finger ruhten als sie Rain eines der beiden Bündel reichte, sie sie vorhin vorbereitet hatte. “Jetzt warten wir einfach ab, entweder bis man uns braucht oder alles vorbei ist. So oder so können wir Däumchen drehen, bis sie einen lebendigen Toten vorbeibringen.” Auch das schien leichter gesagt als getan. Mei ließ sich auf der anderen Seite des Feuers nieder und starrte der Flamme nach, die ihr keine inrer eigenen Fragen beantworten konnte.
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    • Wohin? Was meinte sie mit wohin? "Habt ihr denn keinen Fluchtplan?", fragte Rain verdutzt, fast schon wütend, nicht seinetwegen, sondern eher weil die Wölfe doch damit rechnen mussten, dass man sie angriff und selbst wenn es nur ein Spähtrupp war den sie abfangen konnten, dann mussten sie sich spätestens danach aus dem Staub machen. Adrestia wusste doch jetzt wo sie waren. Er war auch wütend auf sich selbst, weil er nicht früher nach Taktiken dieser Art gefragt hatte. Rikiya musste es doch besser wissen, auch wenn es keinen krieg gab als er aufgewachsen war, er war der Sohn eines Fürsten, eines Kämpfers noch dazu, da musste er doch in Militärstrategie ausgebildet worden sein! "Sie kämpfen? Das ist der Plan?" Rain konnte nicht behaupten, dass er irgendetwas besser machen konnte, aber hatte er nicht genug abgewartet und seinen Mund gehalten? Vielleicht würde Nayantai Recht behalten und Rain würde sich mit Rikiya streiten. Vielleicht hatte er einen Plan, aber Khojin war einfach davon geritten, also konnte zumindest sonst keiner davon wissen.

      "Nein, aber noch mehr Wölfe in Adrestias Schwerter rennen zu lassen macht keinen Sinn. Was lässt euch glauben ihr könntet einen Kampf auf offenem Feld gewinnen?", wollte er wissen, auch wenn er vermutlich gerade die falsche Person fragte. Als Fhaergus angegriffen wurde, da konnte Rain kaum damit rechnen, aber die Wölfe mussten doch jederzeit darauf vorbereitet sein. Rain schloss die Augen für einen Moment. War das wie die Wölfe lebten? Hoffen sie wurden nicht attackiert und wenn doch liefen sie blindlings in den Tod? Plötzlich, als hätte ihn eine Biene gestochen, sprang Rain auf. Die Decke und der Mantel seines Vaters blieben auf dem Boden zurück. "Tut mir Leid, ich muss los.", teilte er Mei mit und beeilte sich damit auch schon aus dem Zelt. Er war eine jämmerliche Figur, wie er durch den Schnee humpelte, klein und schwach und krank noch dazu und dennoch schlug er den Stoff am Zelteingang des Kriegszeltes zur Seite und trat ungefragt ein. "Welches Banner tragen sie, weiß das jemand?", fragte er, ohne zu wissen ob Rikiya überhaupt noch hier war, oder ob er schon längst ausgeritten war. "Was zum-! Was fällt dir ein!", rief einer der Wölfe in dem Zelt. Rain stand selten für sich ein, aber das hier war nicht für ihn. "Ich kann helfen. Wenn ihr mir sagt welches Banner sie tragen, dann kann ich euch sagen wie groß ein Trupp ist, welche Ausrüstung sie haben, wie sie organisiert sind und wie wir eure Prinzessin vor dem Tod bewahren!"
    • Rikiya hatte bunte Ideen, sein Volk war sich über diese Tatsachen weitaus bewusst - keiner von ihnen traute sich wirklich, ihren König in Frage zu stellen, wussten sie doch allesamt, dass es sich nicht schickte, sich über ihn zu echauffieren. Über seine Kriegspläne ließ sich oft streiten, er ließ sich von der ein oder anderen Person sogar breittreten um ihn wieder über den Haufen zu werfen. Heute hatte er wohl genug von ihnen - zuerst tauchte er nicht auf, doch kaum hatten sie jemanden losgeschickt um ihn ausfindig zu machen, war er in das Kriegszelt gestürmt und hatte ihnen allesamt die Leviten gelesen. So kannten sie ihn selten, war es doch eher Khojin die die griesgrämige Art ihrer Mutter an den Tag legte und nicht ihr verbliebener Ehemann, dem laut Gesetz der ergrauten Urahnen nicht die eiserne Krone auf dem kalten Haupt blühte, sondern der Tod in einem Grab, das ihn nie wieder loslassen würde. Weder wollte Rikiya sich tatenlos die Beine in den Bauch stehen, noch wollte er den Eindruck vermitteln, dass er mit allen Wassern gewaschen sei - das würde ihm doch sowieso Niemand abkaufen, der ihn besser kannte, als Rikiya sich oft selbst wiedererkannte - wie war das noch gleich, mit Ronan und dem sich selbst nicht wiedererkennen? Wie faul seine Ausreden doch immer waren.

      Rain fand das Kriegszelt zwar nicht leer vor, Rikiya schien jedoch nicht mehr unter ihnen zu sein und einige der Leute, auf deren Verlässlichkeit er immer wieder beharrte, schienen mit ihm Khojin hinterher zu sein. Alle Faktoren schienen darauf zu deuten, dass sie dem Untergang geweiht waren und Rains bloße Präsenz schüchterte die Menge auch nicht weiter ein - stattdessen war es fast so, als hätte Rain ein Lauffeuer mit seinem Erscheinen entfacht. "Du? Was willst du schon tun? Die Farbe von einem Stück Stoff hilft dir doch auch nichts!", keifte einer von ihnen, der von Rains bloßer Existenz empört schien. "Selbst wenn du die Wahrheit sagst, wieso sollten wir dir überhaupt vertrauen?" "Woher wissen wir, dass das alles nicht sowieso dein Plan ist?" Niemand vertraute Rain so recht, wie es schien - sie alle warfen ihm Anschuldigen an den Kopf und es wirkte fast so, als wäre keiner hier, um dieses dumme Geplänkel zu unterbinden. Einige von ihnen blieben still, mischten sich nicht ein, weil ihnen die Situation wohl sichtlich unangenehm war. "Lieber sterbe ich, als mich mit einem Schaf zu verbünden!" Anstatt an einem Strick zu ziehen, sich um einander zu kümmern oder einfach zuzuhören waren sie auf Krawall gebürstet, unzufrieden darüber, dass sie nun vielleicht auf denjenigen hören mussten, den sie gemeinsam als Feind auserkoren hatten. "Wenn ich Mei wäre, dann würde im Leben nicht in Erwägung ziehen, dir zu vertrauen. Vielleicht vergiftest du uns auch noch!" "Sie wird vermutlich schon senil, wenn sie auf jemanden wie dich hört.", lachten wenige von ihnen, die den Ernst der Lage durchaus herunterspielten.

      Vor dem Tod schien diese Partie wohl wirklich keine Angst mehr zu haben, selbst wenn dieser gerade den Zelteingang hereinspazierte. Mei stapfte an Rain vorbei, an die beiden Großmäuler heran, die diese gesamte Meute anzettelten, war um einiges kleiner als die hochgewachsenen Bohnenstangen und doch - einem verpasste sie einen Schlag ins Gesicht, so fest, dass er zurücktaumelte und auf seinem Hintern sitzen blieb und den Anderen packte sie am Kragen. "Könnt ihr euch einmal zusammenreißen? Einmal? Ist das zu viel verlangt?" "Hat er dich schon um den Fingern gewickelt, huh? Das kleine Miststück. Gleich wie unsere Leiche von Kronpr-" Weit kam er nicht, nein, Mei teilte noch einen Faustschlag aus nachdem sie ihn losließ. "Welche Farbe hatten diese verdammten Banner? Könnt ihr eure Hirne einmal vor eurem Mundwerk benutzen? Wofür seid ihr eigentlich ein Kriegsrat wenn ihr nur faul auf euren Ärschen sitzt und denjenigen, die euch helfen wollen, die Arbeit erschwert? Rikiya kann sich für euch unfähiges Pack schämen, er sollte euch den Schafen zum Fraß vorwerfen! Und jetzt geht mir aus den Augen, wenn ihr euch nicht zusammenreißen könnt!" Eingeschüchtert schienen sie nun wirklich nicht, zumal Mei keine Kämpferin war, sondern irgendjemand, die sie mit Kräutern und perfiden Heilmethoden versorgte, wenn die Heiler selbst nicht weiter wussten. Gut nur, dass sie nicht alle dumm wie Brot waren, aber die Meisten von ihnen schienen es doch nicht lassen zu können. "Was willst du eigentlich hier? Du bist doch nur eine ve-" "Überleg dir zweimal, was du jetzt sagst." Stille kehrte ein, die Luft wurde so dick und greifbar, man konnte sie mit einem Messer zerschneiden. Mei war diejenige, die danach griff, als sie sich die Hand ausschüttelte und wieder ansetzte. "Also?" Jemand fing an über die Banner zu nuscheln, bekam aber das großkotzige Maul nicht auf. Mei schnaubte. "Lauter."
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    • Rikiya war nicht hier und Rain wurde daher nicht mit offenen Armen empfangen, aber er hatte nicht vor einfach Kleinbei zu geben, da mussten sie ihn schon heraus werfen. Bevor er sich aber selbst verteidigen konnte, stürmte Mei nach ihm ins Zelt. Er hatte nicht mit ihr gerechnet und starrte sie an, als sie für ihn Partei ergriff und ein wenig handgreiflich wurde. Rain würde sich später bedanken, für den Moment kehrte langsam Ruhe ein und einer der Männer, eventuell die Späherin die die Armee entdeckt hatte, beschrieb das Banner, nachdem sie aufgefordert wurde lauter zu sprechen. Myriad... Rain atmete erleichtert auf. Das war wohl das bestmögliche Szenario, auch wenn er nicht wusste welcher General diesen Trupp anführte. "Wie viele Männer?", fragte er weiter und bekam dieses Mal gleich eine Antwort, eine Schätzung zumindest. Wenn sie wussten wem sie hier begegnen würden, dem König der Wölfe, dann würde bestimmt Nachschub kommen, aber die Schafe haben nicht viel auf das Geschlecht der Wölfe und deren Hierarchien, für sie waren sie alle gleich und ein König ein lächerlicher Titel den sie verwendeten wie Kinder.

      Rain trat an den Tisch in der Mitte auf dem eine Karte ausgebreitet war, die Rain in anderer, kleinerer Form auch schon gesehen hatte. Darauf war markiert wo sie sich befanden, es hatte sich aber keiner die Mühe gemacht, oder keiner hatte die Zeit gehabt, eine Figur für ihre Angreifer aufzustellen. Bevor Rain fragte beeilte sich die Späherin das für ihn zu tun. Thria war schwer zu verteidigen, es gab wenige Wälder in dem Land das zurückblieb, die man aufsuchen konnte um Schutz zu suchen, oder aus de Hinterhalt anzugreifen, es gab keine Berge, nur ein paar Hügel und eine Schlacht auf offenem Feld würde für die Wölfe nur schlecht ausgehen. Sie waren vielleicht schneller, aber die Rüstungen Adrestias waren besser und teils schwer zu durchdringen, während ein Wolf mit einem Hieb niedergestreckt werden konnte. Rain spielte ein paar Szenarien in seinem Kopf durch. "Na was ist jetzt? Erst spielst du dich groß auf und jetzt fällt dir nichts ein!" Rain blickte auf, er war der Sohn eines Fürsten und dementsprechend erzogen, er konnte sich zusammenreißen und so tun als konnte man ihn nicht aus der Ruhe bringen. Er richtete sich auf. "Ich weiß ihr müsst meine Ratschläge nicht annehmen, aber ich hoffe ihr tut es trotzdem. Myriads Truppen bestehen heutzutage hauptsächlich aus Bauern, sie sind keine Kämpfer, aber Deserteure werden hart bestraft, glaubt also nicht, sie werden es nicht versuchen. Dennoch, sie sind schlecht ausgebildet und wenn man der Schlange den Kopf abschlägt, wird der Rest folgen. Myriad hat viele gute und strenge Generäle, sind sie hier alleine will er sich wohl einen Namen machen. Ich glaube nicht, dass er die Front anführen wird, aber wenn wir Glück haben tut er es. Dann brauchen Khojin oder Rikiya nur ihn angreifen und wer auch immer sich in den Weg stellt. Andernfalls ist er hier, oder hier." Rain markierte zwei Stellen aus denen man das Geschehen gut beobachten können würde. "Wenn Rikiya und Khojin ihre Formation auseinander bringen bevor sie in Position sind, dann schaffen wir es vielleicht jemanden um die Armee herum zu schmuggeln. Jemanden der gut mit Pfeil und Bogen umgehen kann. Die Generäle haben gute Rüstungen, der Schuss muss also sitzen. Habt ihr so jemanden?" Fragte Rain in die Runde, froh zumindest angehört zu werden. "Wir brauchen auch einen schnellen Reiter der Rikiya bescheid sagen kann." Ein paar der Wölfe tuschelten. "Wir haben keine Zeit zu verlieren!" Die älteren hier hatten wohl keine große Lust Rains Anweisungen zu folgen, aber es war erneut die Späherin die nickte. "Ich kann es ihnen ausrichten und ich kenne die beste Schützin in der Siedlung!" "Du schlägst dich auf die Seite eines Schafs?!" "Auf die Seite unseres Königs, er vertraut ihm, ebenso wie unser Prinz!" "Verhext hat er sie alle, sie sind wahnsinnig!", rief einer. "Wir haben genug von euren Plänen die uns noch nie beschützt haben, ihr seit nicht da draußen. Seit dieses Schaf da ist, haben wir endlich erfolge. Wir haben Holz und Öl und wir haben nur wenige verloren! Wir haben genug von eurer Art die Dinge anzugehen!" Kurz darauf stürmte sie zum Zelteingang und rief zwei Namen. Zwei Wölfe, auch jünger als der Durchschnitt in diesem Zelt, traten ein, was nur für mehr Empörung sorgte. "Das Schaf hat einen Plan. Ich reite los und sage Rikiya Bescheid." Damit beeilte sie sich aus dem Zelt, verstehend, dass sie Rikiya besser erreichte bevor er auf die Armee stieß. "Ihr habt hier drin nichts zu suchen!", versuchten es die Älteren, aber die zwei Wölfe die sich eben zu ihnen gesellt hatten ignorierten sie und traten an Rain heran. "Ru vertraut dir, also los." Rain nickte und atmete einmal kurz durch, erklärte den Plan noch einmal in Kurzfassung und einer von ihnen nickte. "Ich hole meinen Bogen." Inzwischen waren mehr der jüngeren Wölfe in das Zelt geströmt, manche drum und dran Rikiya ebenfalls zu folgen. "Wir müssen uns trotzdem auf einen Angriff vorbereiten und wir brauchen einen Notfall Plan, falls der erste nicht klappt. Wie gesagt sind Myriads Soldaten nicht wirklich welche. Wenn wir ihnen Angst machen, dann werden sie flüchten und ihre Formation verlassen, dann haben wir eine Chance zuzuschlagen." Der Plan war nicht simpel und Rain hörte sich Vorschläge und Informationen der Wölfe genau an. Es war zu gefährlich zu evakuieren, die Landschaft war zu offen als dass man sie nicht sofort entdecken würde und es wäre schwierig diejenigen die nicht kämpfen konnte so zu verteidigen. Rain fragte ob es einen Ort gab, den man in kurzer Zeit erreichen konnte und schlug andernfalls vor, dass sie sich alle in einem Zelt am hinteren Ende der Siedlung versteckten, sodass die Siedlung vorne leer war. Wenn zeit war sollten sie wichtige Ressourcen auch nach hinten verlagern. Anschließend schlug er vor an der Ost- und Westseite Löcher zu graben und diese mit Zweigen, Decken und frischem Schnee unkenntlich zu machen. Sollten sie flankiert werden, würden Soldaten mit und auch ohne Pferde stürzen und die Armee durcheinanderbringen. Sein letzter Vorschlag galt der Einschüchterung. Sie wussten vielleicht ein paar Zelte opfern, aber wenn sie die Armee nahe an die Siedlung lockten, dann konnten sie einen Teil der Armee mit etwas Öl und Feuer von dem Rest abschneiden. Es wäre einfacher sie zu bekämpfen und der Rest würde eingeschüchtert werden. Rain wusste, dass die Ressourcen knapp waren, aber das war auch ihre letzte Möglichkeit noch mit dem Leben davonzukommen. Sie brauchten einen weiteren Reiter der Rikiya auch ihre neuen Pläne mitteilte.
    • Verloren sie Schlachten in der Vergangenheit, so war es nicht mehr als die Tatsache dass ihre Taktiken weder ausgereift waren, noch von jemandem durchdacht wurden, der wirkliche Ahnung hatte, was er tat. Mei verstand, dass die Männer, die glaubten, sie hätten ein Händchen für Kriegsführung, sich nichts von jemandem sagen lassen wollten, der eine eigene Meinung hatte während er auf sie wirkte, als wäre er noch grün hinter den Ohren. Für sie selbst war Rain weder jemand, den sie nicht respektierte, noch, dessen Entscheidungen sie anzweifeln wollte - sie alle waren es gewohnt, auf Rikiyas Anweisungen zu hören und dann noch ihren Senf dazu zu geben, während sie einsehen mussten, dass sie unter seiner Führung lediglich am Untergang vorbeischrammen konnten, der in jeder Ecke auf sie lauerte, wie ein verhungerndes Biest, das sich gerade noch an den letzten Resten seiner Lieblingsnahrung nährte, die ihm allmählich ausging. Mehr, als das Unausweichliche zu verzögern taten sie nicht. Das hatten sie noch nie. Nicht unter diesem König, nicht unter ihrer zerfetzten Flagge - Rain war der frische Wind, der gegen einen bröselnden Wall pustete, der langsam aber sicher einstürzte. Vielleicht brauchten sie das - die Ideen, die nicht von einem aufgebrauchten Mann kamen, der einfach froh darüber war, wenn jemand ihm die Arbeit abnahm, die man von ihm erwartete, zu der man ihn zwang, ohne sich jemals zu erkundigen, ob er damit überhaupt zurechtkam. Wer erwartete auch schon, dass ein König Hilfe benötigte? Das war alles absurd.

      Rain riss die Situation an sich als bestünde sie aus ein paar Fetzen, die lediglich sortiert werden mussten - als wäre es so viel einfacher, diesen Krieg zu führen, als Andere ihn aussehen ließen. Schlachten gewann man nicht einfach so und auch, oder womöglich aufgrund des fehlenden praktischen Wissens, an welchem es dem Schaf mangelte, schien sich die Meute wohl selbst anzetteln zu wollen. Alles nur kein Schaf, demnach war ihnen. Mei konnte nicht weiter, als ihm dabei zuzusehen, sich zu fragen, ob es wirklich fair war, ihn wie ein unfähiges Kind zu behandeln oder ob sie allesamt versagt hatten, das Potential in ihm zu sehen. Wenn sie sich für Rain schlagen musste, dann würde sie es tun, zumindest so der Entschluss - sie würde verlieren, das wusste sie jetzt schon. Zu gut nur, dass die Siedlung sich zumindest ein wenig von ihr abhängig machte. War es mit jemandem wie Rain nicht genau so? Was er sich da eigentlich antat verstand er wohl noch nicht so wirklich. Würde dieser brodelnde Kessel überlaufen? Viele der Älteren schienen einfach nicht gewillt, Veränderungen zu akzeptieren und selbst, als Mei sie zusätzlich noch einmal einteilte, die Siedlung zu evakuieren, nach Sachen zu suchen und diese mitzunehmen soweit möglich, grummelten sie noch immer vor sich hin, als wollten sie Rain den Tod wünschen, oder schlimmeres. Mei war diejenige, die noch zurückblieb, als sich alles formieren zu schien und sie hatte auf einmal keine Ahnung, wo hin mit sich - es brachte ihnen nicht viel, auf etwas zu warten, das nie passieren würde und doch schien es so, als würde Rain seine ganz eigenen Ideen haben. "Kann ich dir mit irgendetwas helfen?", fragte sie schließlich, als sie sich vorkam, sie würde noch Wurzeln schlagen. "Weißt du, ich glaube, das mussten sie alle hören." Im Kriegszelt herrschte mittlerweile fast gähnende Leere. "Ich wünschte wir hätten mehr mit dem wir arbeiten könnten."
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain hatte das Gefühl, dass er gerade etwas losgetreten hatte, das noch Konsequenzen haben würde, aber zumindest für den Moment hörten ihm zumindest einige Wölfe zu und wollten seinen Plan versuchen, statt hier herumzusitzen und darauf zu hoffen, dass Khojin und Rikiya mit guten Nachrichten zurückkamen. Die Wölfe organisierten sich selbst, verteilten Aufgaben und einer nach dem anderen verließen sie hastig das Zelt um genau das zu tun, war es nun ein paar Gruben ausheben, sich in die Gefahr stürzen, oder zusammenzusammeln was sie retten wollten. Im Zelt kehrte Ruhe ein und nur Mei blieb zurück, sogar die älteren Berater Rikiyas waren gegangen, entweder um ebenfalls zu helfen, oder weil sie sich Rains Geschwafel nicht mehr anhören wollten. "Danke Mei.", nickte er ihr zu, bevor er sich auf den Tisch vor sich aufstützte und einmal tief durchatmete. Er war immer noch nicht ganz gesund und er sprach selten so laut, dass eine ganze Gruppe von Menschen hören konnte was er sagte und abgesehen davon war er nicht sicher, ob er nicht alles nur noch schlimmer machte.

      Sein Herz raste noch immer und er wusste nicht, wie Rikiya das jeden Tag durchhielt. Er wusste nicht wie er es all die Jahre geschafft hatte so viele Entscheidungen zu treffen, deren Konsequenzen allesamt auf seinen Schultern lasteten. Dasselbe galt wohl für Rains Vater. Rain musste schon früher Entscheidungen treffen, aber keine wie diese und am Ende gab er keine Befehle, sondern Vorschläge. Die Wölfe vertrauten ihm, warum auch immer, und er wollte sie nicht enttäuschen. "Ich glaube was sie hören mussten kam von dir.", erwiderte er und blickte noch einmal auf die Karte vor sich. Seine Finger kribbelten unangenehm und ein Stein lag in seinem Magen, aber er konnte jetzt nicht mehr tun als abzuwarten und zu helfen wo er konnte. Rain sah zu Mei und schüttelte den Kopf. "Wir haben Glück, dass es Myriad ist und nicht etwa Olette oder Alster." Er richtete sich wieder auf, seine Pause war lange genug und er wollte nicht so wirken, als wolle er sich jetzt einfach gemütlich zurücklehnen. "Wir werden die Verbände trotzdem brauchen, nicht wahr?"
    • Mei kannte sie alle - ihre Namen und Gesichter, ihre Geschichten und Leiden. Manch einer war umgänglicher als der Nächste, ein Anderer wiederum schien sich auf nichts und wieder nichts einzulassen. Oft fragte sie sich, wieso Rikiya das unfähige Pack an seiner Seite behielt, warum er ihnen nicht den Gar ausmachte, sie dazu zwang, sich einzugestehen, dass sie nicht weiter als die undankbaren Schatten einer riesigen Eiche waren, deren knorriger Stamm sie bislang vor den größten Niederlagen bewahrte, bis ihr wieder einfiel, dass Rikiya sie alle hört, keinen missen mochte und aus allen von ihnen mehr als nur stumpfes Potential herauskitzelte. Rain schien nicht anders als der alte Mann, mit dem er sich ein Zelt teilte. Vergleichsweise hatte er nur noch keine wirklichen Wurzeln geschlagen, war ein kleiner Spross der mehr Schutz benötigte, als er die nächsten Jahre bieten konnte und Rikiya, der ohnehin nichts zu verlieren hatte, schien sich seiner liebend gerne anzunehmen. “Wofür?” Allein der Gedanke daran belustigte sie ein wenig, machte die nüchterne Situation verträglicher und stimmte sie auf das ein, das sicherlich noch folgen würde: Tumult, Ungewissheit, Verwirrung, Enttäuschung. So war es bis dato immer gewesen - die Hoffnung, dass Rain das Blatt gerade wendete stieg dennoch stetig, nicht nur bei ihr selbst.

      “Sei nicht albern. Wir haben beide gute Arbeit geleistet.” Die, die ihnen eigentlich gar nicht zustand. Dennoch, es lag an den Anderen zu zeigen, wie gewillt und interessiert sie daran waren, ihre Heimat zu retten - oder ob sie überhaupt noch Kraft dazu besaßen. Mei verstand sie, konnte einsehen, dass ihre Kräfte aufgebraucht waren und die Wahrscheinlichkeiten, dass sie wieder zu sich finden würden eher gering waren, aber sie wusste auch, dass sie die Flinte nicht gleich ins Korn werfen konnte. Wollten sie sich nicht gegen all diejenigen messen, die es bis jetzt nicht geschafft hatten, sie komplett zu dezimieren? “Scheint so, als ob du dich auskennen würdest. Das ist ein Vorteil mehr.”, belächelte sie anerkennend - Mei hörte sich dabei stolz an und klopfte Rain auf den Rücken. Hoffentlich hielt er das aus. “Ja, auf jeden Fall. Und wir sollten vermutlich nicht hier bleiben, damit wir nicht noch die Zielscheibe werden. Willst du irgendetwas mitnehmen?” So sehr sie Khojin und Rikiya vertraute, so musste sie sich eingestehen dass das Glück auch nicht auf ihrer Seite sein musste - hatten sie Pech, dann verloren sie heute ohnehin alles, auch wenn es sich nicht so anhörte, als wäre ein Haufen Bauern dazu in der Lage. Wieso gehen euch eigentlich die Soldaten aus? Man möchte meinen, dass das ein … zukunftssicherer Beruf ist, wenn das hier so weitergeht.”, witzelte sie.
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    • "Wofür? Dafür, dass du dich für mich eingesetzt hast.", erklärte Rain. Mei hätte das nicht tun müssen, aber ohne sie hätte ihm vielleicht niemand zugehört. Rain war nicht einmal sicher ob es die richtige Entscheidung war ausgerechnet auf ihn zu hören. Was wusste er schon von Krieg? Er hatte nie in einem gekämpft und würde es auch nicht. Er war müde und schwach und er fühlte sich als wäre er viel älter als er war. Es war kalt in diesem Zelt. Vielleicht lag es an Nayantais Abwesenheit, aber Rain fühlte sich nicht sonderlich gut, abgesehen von der Krankheit die ihn heimgesucht hatte. Er fühlte sich etwas hoffnungslos und er fragte sich immer öfter ob er den nächsten Winter überhaupt überleben würde. Noch ein Grund sich hier nicht einzumischen. Er wusste nicht was er tun würde, würde wegen ihm jemand verletzt, aber am Ende war das schon passiert, in Fhaergus, seinem eigenen Volk, das Lavern und damit Myriad ausgeliefert war, mit niemandem mehr der für sie kämpfte. Rain hatte schon so viele Fehler begangen, er wollte nicht noch mehr machen.

      Nichts davon sollte er laut aussprechen, schon gar nicht jetzt, stattdessen richtete er sich ein wenig auf und sah zu Mei hinüber, die nicht annehmen wollte, dass sie ihren Teil beigetragen hatte. "Hoffentlich reicht mein Wissen." Wissen das er aus Büchern und Berichten gesammelt hatte, nichts weiter. Er wusste nicht wie einfach oder schwer es war einen Pfeil präzise abzuschießen. Er wurde aus seinen Gedanken gerissen als Mei ihm auf den Rücken klopfte, was ihm ein kurzes Husten bescherte, aber er versuchte sich zusammenzureißen. "Wir sollten vermutlich die wichtigsten Dinge aus deinem Zelt holen.", antwortete Rain. Heilkräuter und Verbände würden sie trotzdem noch brauchen. Rain hatte auch den Mantel seines Vaters dort gelassen. Mei stellte allerdings eine gute Frage. "Das ist... kompliziert. Kurz gesagt ist dieser Krieg für niemanden gut, auch nicht Adrestia, selbst wenn sie gewinnen." Sie, hm? War Rain kein Teil von ihnen mehr? "Wenn du willst erkläre ich es dir unterwegs, oder nachdem wir das hier durchgestanden haben."
    • "Dafür bedankt man sich doch nicht. Das ist das Mindeste, das ich für dich tun kann.", gab Mei bescheiden von sich. Ihr Ton war dabei nicht unbedingt weniger schroff, nein, ganz im Gegenteil - eher wirkte sie so, als wolle sie nicht, dass Rain ihr auch nur ein einziges nettes Wort aberkennen konnte, wenn sie es nicht direkt ihm gegenüber aussprach. Womöglich dachte sie zu viel über das lästige Geplänkel ihrer Jugend nach, oder aber, sie wollte einen Eindruck vermitteln, der sie härter wirken ließ, als sie ohnehin war. Senil war sie bei langem noch nicht und auch, wenn keiner derjenigen, die anfangs behauptet hatten, dass sie es sei, noch in ihrer unmittelbaren Nähe war, um all das überhören. Ein Schwächling wollte keiner sein und noch viel schlimmer als ein Schwächling zu sein war es wohl jemanden nachzuahmen, der bereits den Verstand verloren hatte, weil der eigene Geist Einkehr in die verworrenen Arme der ewigen Seele einer vorangegangenen Mutter oder eines Vater gefunden hatte. Mei war nicht derartig alt. Nichts davon wollte sie hören, verdammt, die meisten Personen die den Kriegsrat ihren eigenen nannten waren älter als sie es sie je ausgemalt hatte und so manch dummer Spaß ging doch zu weit.

      "Wieso sollte es das denn nicht? Du und Rikiya, ihr ergänzt euch." Nicht im wahrsten Sinne des Wortes, sondern auf praktische Weise. Während es ihrem König oft an Taktiken und guten Theorien fehlte, unter anderem weil er sich von seinem Fußvolk so breit treten ließ, so war seine praktische Denkweise auf dem Schlachtfeld keine, die ihn jemals direkt in den Tod geführt hatte. Rain hingegen war jemand, dem es an Erfahrung mangelte, wie es schien - der eine glich den anderen aus, das war nun wirklich nichts Schlechtes. "Mhm. Besser, als wir verlieren es. Hast du irgendwas, das du für den Notfall mitnehmen willst? Wir können es vermutlich noch holen.", schlug Mei vor, die flinker auf den Beinen war, als noch die Tage zuvor - die Zuversicht auf einen Sieg, den sie selbst noch anzweifeln wollte, schien dafür gesorgt zu haben, dass sie doch noch ein wenig Mut fasste. Oder lag es an etwas anderem? "Das dachte ich mir schon." Nichts ließ sich einfach so erklären und nichts passierte wirklich, weil jemand gerade Lust darauf zu haben schien, ein anderes Land einfach einzunehmen. Eben jener Gedanke war vermutlich schon ein wenig zu naiv - Mei war kein einfältiger Jungspund mehr, das wusste sie selbst, das konnte selbst Rain sich zusammenreimen, aber ein wenig Hoffnung tat auch einer alten Seele weniger weh, als nur an das Unausweichliche zu denken. "Ich habe für dich immer Augen und Ohren offen, aber zuerst sollten wir das holen, was wir brauchen."
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    • Rain war dankbar für Mei und ihre Worte. Er war nicht sicher, ob er nicht eventuell einen Fehler gemacht hatte sich so einzumischen und er wusste nicht ob Rikiya nicht wütend wäre, dass er es in seiner Abwesenheit getan hatte. Er musste zugeben, dass er Rikiyas blinde Flecken ausfüllen konnte, speziell wenn es um Adrestianische Politik ging. Das Land hatte sich veändert und war nicht mehr was es vor dem Krieg war. Rain war auch froh, dass er sich Zahlen gut merken konnte und dementsprechend wusste worauf sie sich vorbereiten mussten, zumindest ungefähr, aber all das half nichts, ohne diejenigen die kämpften. Rain begleitete Mei zurück zu ihrem Zelt, aus dem sie einige Sachen mitnehmen wollten und er schnappe sich den Mantel seines Vaters über den er beinahe zu viel gesagt hätte, ebenso wie die Decke, wie Rikiya es ihm aufgetragen hatte. Anschließend gesellten sie sich zu dem Rest derjenigen die nicht kämpften und dennoch hatte jeder etwas zu tun. Manche betrachteten Rain immer noch argwöhnisch, die Meisten die entschieden auf ihn hören zu wollen, waren immerhin nicht hier.

      Die Ungewissheit war erdrückend und es war unglaublich still. Mei spannte Rain ein wenig ein und gab ihm etwas zu tun. Rain glaubte nicht an die Götter seiner Heimat, aber heute bat er im Stillen dennoch um Hilfe von jedem Gott der ihn anhören wollte. Als nichts mehr zu tun war konnte er nicht mehr tun als abzuwarten während er nervös seine Finger knetete. Die Stille wurde erst nach einer gefühlten Ewigkeit durch Hufgetrampel unterbrochen. Es klang nach nur ein oder zwei Pferden, was wohl bedeuten musste, dass die anderen noch nicht zurück kamen. Mei und der Heiler der Siedlung waren bereits aufgesprungen und als der Zelteingang zurückgeschlagen wurde und einer der Wölfe Rikiya hereinschleppte, kämpfte auch Rain sich auf die Beine. Mei half sofort ihn zu einem freien Platz zu bringen, der Heiler war ihnen dicht auf den Fersen und scheuchte dann Rikiyas Hand von der Stelle an seinem Bauch die er sich hielt. Mehrere der Wölfe scharrten sich um ihren König. "Rain, die Verbände.", ertönte es von Mei und Rain nahm eine handvoll die sie vorbereitet hatten und kämpfte sich an ein oder zwei Thrianern vorbei um sie Mei zu reichen. "Was ist passiert?", konnte er es sich nicht verkneifen zu fragen. Die Ungewissheit machte ihn wahnsinnig.
    • Sein Leben in die Hände eines Anderen zu legen stand Rikiya nicht, gleich wenig, wie es ihm stand, aufopferungsvoll mit einem Lächeln dazustehen und noch einmal über sein bisher verstrichenes Leben nachzudenken. War es denn so falsch, daran zu denken, dass er Tod nichts weiter als ein Zustand war, der ihm früher oder später ebenfalls recht werden musste? Allein der Gedanke schien perfide - die Wahrscheinlichkeit, dass er nichts weiter tun würde, als sich von der Welt loszusagen, die ihn noch einst so verteufelte, während er gleichzeitig überlegte, ob es rechtens war, dass er sich ausgerechnet jetzt darüber Gedanken machte, schien abstrus. Wieso denn auch? Kalter Stahl schnitt durch Stoff, verwandelte Gewänder in Fetzen und heile Haut in klaffende Wunden, wenn man auch nur eine Sekunde lang nicht die Zähne zusammenbiss und Herr seines Umfelds war. Schachmatt. Ein Leuchtfeuer an Schmerz brannte in ihm auf und der nächste Atemzug war keiner, dessen schmerzhaftes Brennen sich in seinem Körper nicht ankündigte. Husten folgte dem Keuchen und der Schmerz brannte sich in Mark und Bein, als er die Gestalt von sich stieß und eine Andere nach ihm griff - Sekunden und Minuten verschwommen ineinander, Schweiß perlte von seiner Stirn und die Realität fühlte sich mit jedem Mal schwummriger an.

      Das Lager war nicht länger in unweiter Ferne als er bekannte Gesichter erblickte, seine Symptome legten sich alsbald, auch wenn sein Herz nicht innehalten wollte und gegen seine Brust hämmerte, wie ein lebendiger Toter, der sich in den Wänden eines Hauses wiederfand, die nicht nachgaben. Verkrampft und verkrallt hatte sich die seinige Hand in einem toten, blutendem Stück Fleisch, dessen einstig verbundenen Enden er wehmütig aneinander presste, fast so, als erwartete er, dass er seines eigenen Körpers Herr und König war und dem fahlen Fleisch befehlen durfte, Muskeln und Haut wieder aneinanderzunähen. Immer wieder starrte die hungrige, wissbegierige Masse auf ihn herab - die Wörter, die an seine Ohren drangen, klangen falsch, beinahe so, als würde Rikiya nicht erwarten, sie zu vernehmen. Andererseits war er sich nicht einmal sicher, ob sie für ihn bestimmt waren. Sein Gesicht verzog sich von einer Grimasse zurück in eine gelassene, beinahe schon ruhige Visage. Rikiya atmete tief durch. "Das ... ist nicht der Rede wert.", brachte er über die Lippen, während er sich eingestehen muss, dass es das doch war. "Nicht der Rede wert!?", wich es Mei aus, die kurz davor war, den Kopf ihres Königs auf den nächsten Präsentierteller zu legen. Wenigstens schien er Vernunft zu zeigen. "... Vielleicht doch?" Mit einem Schnauben begann Mei die mit Blut verklebte Kleidung von ihm abzuschälen, ehe der Heiler die Wunde säuberte. Ein kurzer Blick zwischen ihnen beiden sagte genug - jemand musste Hand anlegen und die Wunde nähen. "Rain, kannst du mir Nadel und Faden geben?" Lange dauerte es nicht, aber Rikiya hielt die etwas zittrige Hand auf. "Das kann ich se-" "Nein." Mei und der Heiler tauschten Plätze, jemand anderes legte ebenfalls Hand an, als sie ihren König einfach an Ort und Stelle festhielten. Kein Zappeln, kein Geschrei, kein Mucks - nur ein Murren, ein Grummeln und das ein oder andere Zucken, bis das klaffende Fleisch sich vollends aneinander schmiegte und man den Verband von vorhin endlich darumlegte. "Siehst du? Gut wie neu.", sprach der Heiler noch, zufrieden über sich, wenn auch mit des Königs Blut benetzt. "Wenn ich so gut wie neu wäre, dann wäre ich nicht so alt. Verdammt nochmal.", zischte er unzufrieden, kaum wurmte er sich aus dem eisernen Griff Mei's. "Was starrt ihr mich alle so an? Na los. Husch. Ich kann- ugh-" Aufsetzen schien nichts, mit dem Rikiyas Körper einverstanden schien. Vielleicht hätte er heute wirklich im Bett bleiben sollen.
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    • Rain konnte nichts weiter tun als zuzusehen und Mei Nadel und Faden zu reichen. Er war sich sicher die meisten anderen wollten Rain weit weg von ihrem König und machten ihn für das hier verantwortlich. Rain tat das auch, er hatte das Gefühl viele falsche Entscheidungen getroffen zu haben und als hätte er all das verhindern können. Was wenn Rikiya starb? Er konnte nicht sagen wie schlimm es war, den einzigen den er je so gesehen hatte war Nayantai, aber selbst seine Wunden waren schon alt gewesen und die eine Frische die er sah hätte ihn beinahe getötet. Rikiya machte keinen Mucks, er war still und so war der Rest der Anwesenden. Rain konnte fühlen wie sein eigenes Herz nicht aufhören wollte wie wild zu schlagen und er musste tief in sich gehen um sich selbst zu beruhigen. Er fühlte sich furchtbar, es waren seine Landsleute die all das hier taten und auch er hatte sein ganzes Leben lang tatenlos zugesehen weil er in seinem sicheren zu Hause gesessen hatte.

      Als alles versorgt war versuchte Rikiya sich mit wenig Erfolg aufzusetzen. Rain setzte sich neben ihn, während Mei ihn mit mahnendem Blick zurück auf den Rücken drückte. "Bist du okay?", wollte Rain wissen, seine Stimme zitterte ein wenig, aber er versuchte sich zusammen zu reißen. "Was ist passiert,... verlieren wir?" Rain versuchte leise zu sprechen, aber er wollte auch wissen was los war und ob er irgendwie helfen konnte, oder, ob er schon genug Schaden angerichtet hatte. "Was ist mit Khojin, geht es ihr gut?" Immerhin war sie alleine losgeritten. Hatte Rikiya sie rechtzeitig erreichen können?
    • Rikiya’s Stirn lag in Falten als er Mei mit Argwohn anblinzelte, als würde das fahle Flackern einer Laterne in diesem Zelt ihn stören. Rain’s Worte klangen undeutlicher denn je, sein eigener Körper fühlte sich schlapper an, als er jemals zuvor gewesen war und die Auffassung, es gäbe nichts, dass nicht genau so richtig war, wie er es getan hatte, war ebenfalls fehl am Platz. Starb er hier und heute, jetzt in diesem Moment, einzig und allein wegen einer dummen Wunde die nicht tiefer klaffte als der Schmerz in seiner Brust an manchen Abenden, dann wäre er sich nie mit sich selbst im Reinen - oder Anderen. “Ja, ich bin nur alt.”, entgegnete er Rain mit einem rauen Lachen, als würde sein eigener Körper sich nicht alsbald vor Schmerz winden. Rikiya verteufelte es. “Ich hatte die Augen nicht weit genug offen.” Husten folgte, jeder dämpfende Luftstoß aus seiner Lunge drückte sich gegen die Nähte seiner bereits vergessenen Wunde. Stillsitzen lag keinem Wolf, schon gar nicht ihrem König - vor allem nicht so.

      Rikiya, das will er nicht wissen.”, seufzte Mei, die sich darum bemühte den Rest der Meute ein wenig in Schach zu halten - nur weil ihr König verletzt war, so hieß das immerhin lange noch nicht, dass bereits Hopfen und Malz verloren war. “Ich denke nicht, dass wir verlieren. Wir schlagen uns dank dir besser als gedacht.”, erwiderte Rikiya die Aufforderung und belächelte Rain dabei. Ehrlich gesagt konnte er ein wenig Schlaf gebrauchen, um den hatte er sich vorhin auch zu bemühen vermocht, aber bis er in sein Zelt zurückkonnte dauerte es vermutlich noch den ganzen Tag. “Mach dir um Khojin keine Sorgen.” Nichts war mehr vergeudete Lebenszeit als um ihr Leben zu bangen. Rikiya streckte die Hand aus und wuschelte Rain durch das Haar, als wolle er ihm Stolz zeigen, oder vielleicht einfach nur aufmuntern. “Kopf hoch.”, lachte er noch. Für eine kleine Ewigkeit schien die Zeit noch still zu stehen, bis das eisige Heulen des Windes von dem Traben mehrerer Pferde durchbrochen wurde; bekannte Stimmen folgten dem Wind, Worte gewechselt und schlussendlich schleppte man noch eine Person in das Zelt - irgendein armer Schlucker, der sich oberflächliche Wunden an dem linken Arm zugezogen hatte, aber der Rest der Partie schien wiederum wohlauf. Immerhin war es doch Khojin, die so aussah, als hätte sie sich in einer Pfütze Blut gesuhlt - ihre Kleidung, ihre Haare, ihr Gesicht, ihre Waffen waren allesamt damit benetzt; ein Anblick, den Rikiya zu gut kannte, aber spätestens als Mei ihr einen feuchten Fetzen Stoff ins Gesicht rieb und einen weiteren gab, damit sie sich die Hände abwischen konnte, bevor sie irgendetwas anfassen konnte, schien er aufzuatmen. Kaum war sie des Blutes Herr geworden, klopfte sie Rain gegen die Schulter. “Gut gemacht!”
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    • Rain zitterte leicht. Er hatte seinen eigenen Vater oft genug verletzt gesehen, aber bis er zu Hause angekommen war, war das Meiste schon wieder verheilt gewesen. Er war nicht sicher ob Rikiya einfach nur keinem Sorgen bereiten wollte, oder ob es ihm wirklich nicht so schlecht ging, so oder so machte Rain sich Sorgen und er fragte wie viele weitere noch in dieses Zelt getragen werden würden. All die zeit dachte er darüber nach wie sie das Blatt wenden konnten. Nicht in dieser Schlacht, sondern im Krieg und eine Idee die Rain vor langem schon verwerfen wollte, hatte sich in seinem Kopf festgefressen und er hatte darüber nachgedacht während er nichts anderes tun konnte als abzuwarten. Wenn diese Schlacht jedoch nicht gut ausging, dann hatte er Bestätigung, dass ihm die Erfahrung und das Wissen fehlte und er sich besser aus diesen Dingen heraus hielt.

      Rikiya jedoch lobte ihn stattdessen und Rain entwich ein leises "Huh?", während er ihn überrascht ansah. "Ihr habt sie also eingeholt?", wollte er über Khojin wissen. Rikiya hatte andere Pläne, und zerzauste stattdessen Rains Haar, wohl um ihn aufzumuntern oder dergleichen. Er war immer noch wie ein Kind, nicht wahr? Er verhielt sich gerade wie eines und biss sich auf die Lippe, auch wenn er es Rikiya nicht übel nahm, im Gegenteil. Sie wurden alsbald unterbrochen als draußen wieder etwas passierte und noch ein paar mehr Thrianer das Zelt betraten. Khojin war eine von ihnen und sie war von oben bis unten voller Blut. Rain warf einen kurzen Blick auf Rikiya, der zumindest ein bisschen besorgt aussah, im Gegensatz zu Mei, die ihr nur ein Tuch zuwarf. Auch wenn das meiste davon nicht ihr Blut war, Rain machte sich dennoch Sorgen, aber wurde kurz darauf beinahe umgeworfen, als Khojin ihm gegen die Schulter klopfte. Ouch. Er sah zu ihr auf. "Ziehen sie sich zurück?", wollte er wissen. "Habt ihr den General erwischt?"