spellbound. (earinor & akira)

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      "Was sich für mich richtig anfühlt?", hinterfragte er verwundert. Wann ging es das letzte Mal um solche trivialen Dinge? Richtig und falsch waren längst durchgestrichene Worte auf vergilbten Seiten, denen sich seit Jahren keiner mehr angenommen hatte. Die Wahrheit war wohl wirklich, dass es nicht weiter wichtig gewesen war, als er kaum noch über sich selbst oder die Welt um ihn herum, die Geschehnisse in dieser, nachdenken konnte. Stattdessen sehnte er sich nach Freiheit die er nicht bekam, nach rauem Sand unter ihm und nach dem Gesang der Vögel, die selbst die raueren Gewässer seiner Heimat nicht mieden. "Ich ... überlege es mir. Ich weiß nicht, ob das für mich richtig ist.", entschied er sich schließlich. Selbst, wenn sein Vater nur das Beste für ihn wollte, so war er doch lediglich jemand, der eine Version seines Sohnes kannte, oder vielleicht zwei, womöglich drei - Nayantai wusste, dass sein alter Mann einen Haufen seiner Facetten kannte, verstand, dass er nun einmal mehr alles gesehen hatte, was man sehen konnte. Dennoch, würde es Rikiya helfen wenn er ihm auch noch diese Farbe seines Lebens zeigte, in einer Palette, die bereits zu breit gefächert war? "Mhm. Ich weiß, dass du nicht Unrecht hast und mich nicht dazu zwingen willst. Ich denke, dafür brauche ich mehr Zeit - das hat schon Überwindung gekostet. Tut mir leid."

      Rains Kichern fühlte sich an wie ein Blütenregen, herzhaft und aufmunternd, bald vom Winde verweht und doch so lebendig und einschlagend. Nayantai wollte nicht, dass er jemals wieder aufhörte. "Das tue ich auch. Ich würde es wieder machen, aber diesmal nicht, weil wir es müssen, weißt du? Ich will dir noch so viel zeigen.", spielte er sich auf. Weiter in das Landesinnere seiner Heimat kämen sie nie, würde Rain doch zu einem Eiszapfen erstarren, aber in Adrestia, würden sich die Grenzen erst wieder für sie öffnen? Nayantai wollte es sehen, dieses Land das er hasste, mit Rain an seiner Seite - zusammen, vielleicht sogar als herrenlose Landstreicher. Der Gedanke allein ließ ihn ein wenig schmunzeln. "Dann will ich dir zumindest dabei helfen, deine eigenen zu tragen. Ich habe immer ein offenes Ohr für dich, so wie du für mich." Ob er die Wahrheit, die ihm nicht ausgeschüttet wurde, überhaupt akzeptieren konnte, war ein gänzlich anderes Kapitel - eines, das jetzt noch keinen Platz in seinem Kopf fand. Wohlwollend akzeptierte er Rains Umarmung, seine sanften Gestiken, seine Liebe; er schmiegte sich im Gegenzug an ihn, zeichnete Kreise in den Stoff seiner Kleidung und gab sich der Welt um sich seiner eigenen Welt hin, in der nie irgendetwas passierte. Wie lange konnte er wohl noch in diesem Traum, dieser Einbildung, existieren? "Wonach steht dir?" Hatte Rain genug zu essen? Genug getrunken? Wollte er einfach wieder nach draußen? Nayantai machte sich wohl doch zu viele Sorgen.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
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      "Ja, du solltest tun, was sich für dich richtig anfühlt.", wiederholte Rain. Nayantai hatte seine und Rikiyas Unterstützung, was auch immer er für sich selbst als wichtig empfand. Rain wusste, dass er nicht alles mitmachen konnte, dass er nicht durch das Land streifen konnte, nicht auf die Jagd gehen konnte, aber selbst wenn er hier auf Nayantai warten musste, so würde er das tun. Nayantai musste allerdings erst selbst herausfinden was er brauchte. "Mhm!", murmelte Rain zufrieden. Nayantai brauchte sich auch nicht jetzt entscheiden. "Wieso entschuldigst du dich schon wieder?", fragte das Lamm. Was war nur aus dem großen, bösen Wolf geworden? Naja, böse war er ja noch nie gewesen. Er hatte gemurrt und böse geguckt, aber alles was er wollte war ein wenig Normalität, vielleicht einen Freund. So lange hatte ihm keiner zugehört, solange wurde er nicht wie ein Mensch behandelt, es schien fast als würde er glauben es müsste immer noch so sein.

      Zumindest träumte Nayantai wieder, von den Dingen die er Rain zeigen wollte, auch wenn Rain nicht so Recht glaubte, dass es noch so viel geben würde. Es gab in der Siedlung auch genug zu sehen und dennoch hätte er sich über einen Ausflug gefreut, hatte Nayantai sogar danach gefragt, aber am Ende waren sie doch nach ein paar Stunden zurückgekehrt, während er Rains dumme Ideen abgeblockt hatte. Nayantai tat Rains Ideen manchmal als Träumereien ab und vielleicht hatte er ja auch Recht, weswegen er Rikiya erst Recht nicht damit belästigen wollte. Die Wölfe hatten ihre Wege die Dinge zu tun und da hatte er sich nicht einzumischen. "Ja, ich weiß.", lächelte Rain der aus seinen Gedanken gerissen wurde, die niemals so wirklich stillstehen konnten. "Hm? Mir? Nach gar nichts, es ist schön so." Rains Tag war anstrengend und kalt gewesen, er war müde. Umso mehr erfreute er sich an Nayantais Wärme.
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      Rain hatte nicht Unrecht, das hatte er wohl nie. Wie lange man ihn wohl mit seinen Gefühlen, seinen Bürden und Geheimnissen alleine gelassen hatte, bis sie fast aus ihm herausbrachen wie das Wasser eines Sees, der hinter einem Staudamm lag? Nayantai fühlte sich nicht so, als könnte er ihrer beiden Leben jemals vergleichen, oder als besäße er das Recht, sich seines Liebhabers Geschichte anzueignen, als wäre sie die seinige. "Weil es mit mir nicht immer leicht ist.", gestand er, als wüsste Rain das nicht ohnehin schon. Worte auszusprechen war weder eine Tugend noch eine Schmach, sich seinen Liebsten mitzuteilen noch viel weniger, deswegen erschien es umso wichtiger sich selbst am Riemen zu reißen, sich nicht immer selbst zu hinterfragen, sondern zu akzeptieren. Das war doch auch, was Rain von ihm wollte - sich zu akzeptieren, sich wieder verstehen zu lernen, einen Moment innezuhalten und tief durchzuatmen. "Ja, dir.", erwiderte er mit dem kleinsten Lächeln, das er im Moment aus sich herausblitzen sah. Nayantai war müde, schmerzerfüllt und fühlte sich wie ein aufgebrauchter Lappen - triefend nass, löchrig und doch hatte er irgendwie noch einen Nutzen, zumindest sobald er trocken wurde. "Dann will ich nie wieder hier weg. Lass uns ein wenig bleiben.", schlug er vor, doch die Müdigkeit des vorangegangen Tages holte sie beide alsbald ab.

      Aus einem Tag wurden zwei, aus zwei wurden vier, aus vier wurden acht - aus Tagen wurden wenige Wochen, die sich ineinander verliefen. Nayantai ging es besser, stetig mehr, ein wenig - und doch fühlte er sich so, als säße ihm ein klaffendes Loch in der Brust, das er hier und jetzt nicht flicken konnte, das auch Rains Seelenbalsam nicht heilen konnte. Dennoch schien er sich zumindest ein bisschen zu erholen, nahm mehr am Leben teil und verbrachte weniger Zeit damit, vor Problemen davonzurennen oder sich tief in den Fellen ihres Bettes zu vergraben - schließlich fasste er nun doch den Entschluss, dass er es dabei nicht belassen konnte. Ohnehin brauchten sie jemanden, der ihnen bei ihrer neuen Unternehmung half. Anstatt jemanden in die Kälte Thrias zu schicken, erklärte er sich freiwillig bereit, in seine Heimat zu wandern, auch, wenn es wohl oder übel eine halbe Ewigkeit wäre, die er unterwegs war; allem voran musste er Rain dafür vorerst zurücklassen, ihn nicht in ebendiese Pläne mit einbeziehen und sich darauf vorbereiten, dass er eine halbe Ewigkeit alleine unterwegs wäre. Würden seine Gedanken ihn auffressen, oder würden es die wilden Tiere vorher schaffen? Daran wollte er gar nicht erst denken - stattdessen versprach er Rain das Blaue vom Himmel, ein Souvenir, nein, zwei oder vielleicht zehn, aus seiner eigentlichen Heimat, damit er zumindest ein Stück von dem haben konnte, das er nie sehen würde. Allein der Gedanke schmerzte. Am Tag seiner Abreise heulte selbst der Wind frühmorgens durch die Zeltstadt, sang ein Lied, das keiner von ihnen kannte und würde ihn davontreiben. "Und? Hast du dir überlegt, was du haben willst?", scherzte er mit Rain, als er seine letzten Sachen packte.
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      Nayantai schlief bald ein und auch Rain war müde genug um wegzunicken, auch wenn er selten durchschlafen konnte. Der Tag war anstrengend für ihn gewesen und am Tag darauf taten ihm doch tatsächlich seine Hände weh. Nayantai besorgte eine Salbe und wollte ihn nicht mehr gehen lassen, aber Rain bestand darauf weiterhin auszuhelfen wenn er denn konnte. Nayantai selbst suchte sich ebenfalls Arbeit. Rain war froh darüber, auch wenn sie sich nur noch Abends sahen, aber dann tranken sie zusammen Tee und Nayantai versuchte Rain beizubringen wie man kochte. Rain würde sich wohl nie daran gewöhnen können ein Tier auszunehmen, das überließ er Nayantai, oder Rikiya wenn er sich zu ihnen gesellte, Rain schnitt lieber nur ein wenig Gemüse oder was sie sonst so brauchten. Es war lächerlich sich so zu zieren, das wusste er, aber er konnte sich nicht durchringen und Nayantai wusste das und fragte ihn auch gar nicht mehr danach. Schließich fasste der Wolf einen Entschuss fü sich selbst in seine Heimat zu reisen, was natürlic bedeutete, dass Rain alleine zurückbleiben musste. Er unterstützte Nayantais Vorhaben und versicherte ihm jeden Tag, dass ihm nichts passieren würde und Rikiya versprach es ihm dann auch noch einmal.

      Als der Tag gekommen war an dem Nayantai abreisen wollte, war Rain beinahe froh. Er fühlte sich schwach und kälter als sonst. Er wusste was das bedeutete, aber er riss sich zusammen, wie immer, damit Nayantai es sich nicht noch einmal anders überlegte. Alle Sachen waren gepackt, der Plan gemacht, Rain würde vorerst alleine mit Rikiya in seinem Zelt leben. Rain saß auf dem Bett, bereits dick angezogen und knetete seine Finger ein wenig, während Nayantai noch die letzten Dinge zusammenpackte. "Kräuter.", antwortete er dem Wolf. Seit er mit den Kräutern half und so viel über sie und deren Herkunft lernte, wollte er verschiedene Gewürze und Tee ausprobieren. Bestimmt gab es etwas in Nayantais Heimat, das hier nicht wuchs. Außerdem ließen sich Kräuter trocknen und würden die Reise zurück somit überstehen. "Und ich möchte sehen welche Kleidung man dort trägt. Du brauchst doch bestimmt etwas Wärmeres wenn du ankommst." Rain überlegte noch einmal. "Oder ein Buch. Gedichte vielleicht? Wenn du keines findest, dann musst du selbst welche schreiben!"
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      Es war fast lächerlich zu glauben, dass er sich von alledem hier nicht lossagen konnte. Idiotisch auch. Rain brauchte ihn, so sehr wie er Rain brauchte, aber manchmal waren die Bahnen des Lebens ungleich und man musste das akzeptieren, das auf einen zukam. Sich jetzt zu verteufeln brachte keiner Seele etwas. Gleich wenig, wie es ihm etwas brachte, sich von seinen eigenen Gefühlen aufhalten und bändigen zu lassen. Was für ein Idiot er doch war. "Kräuter? Das sollte leicht sein, da unten gibt es nicht sonderlich viele." Eine riesige Selektion hatten sie nirgendwo in Thria und je kälter es wurde, desto weniger wuchs. Im Endeffekt tauschten sie mit der Natur - Nahrungsknappheit für Wetter, das sie vor alledem schützte, das sich in ihre Mitte wurmen wollte und sie zu zerschlagen drohte. "Glaubst du nicht, dass ich schon warm genug bin?", witzelte er, amüsiert von Rains Vorstellungen die keineswegs unwahr waren. Er würde neue Kleidung brauchen, egal in welcher Farbe und wenn er sich selbst schon welche besorgte, weil er sie nun einmal brauchte, dann war es gar nicht so verkehrt, sich für Rain auch welche zu beschaffen, die ihn in allen Lebenslagen warmhielt. "Ich sehe nach, was ich finden kann ... ich weiß nicht, ob ich so gut im Gedichte schreiben bin." Wieso wusste Rain auch immer, was er sagen sollte?

      Nayantai lehnte sich an ihn heran als auch das letzte Stück Proviant in seinem Reisegepäck verschwand. Der Fußmarsch würde ohnehin ein langer Weg sein, aber die Ungewissheit, wann er denn zurückkäme und das noch auffälligere Verhalten seines Schafes machten ihn ein wenig stutzig. "Ich schreibe dir ein Gedicht, während ich unterwegs bin, in Ordnung? Dafür kriege ich eines von dir, wenn ich wiederkomme?", schlug er vor. Würde das zumindest seine innere Unruhe stillen? Mit einem Mal mehr kam er sich wie ein Idiot vor, jemand der nicht glaubte, dass er sich an derartige Dinge binden konnte, der nichts brauchbares fabrizieren würde, selbst dann nicht, wenn er sein Herzblut in die Tinte einfließen ließ, mit denen er seine Worte niederschrieb. "Ist das alles, was du haben willst?" Mehr konnte er sich kaum auf die Schultern laden und doch glaubte er, dass er es vielleicht schaffen würde, Rain zuliebe einen Eisblock von Yaoshen nach hier oben zu schieben, insofern er sich genug anstrengte. Der Wolf schmunzelte und lehnte sich über sein Schaf herab, stahl sich einen Kuss, auf den er längere Zeit verzichten müsste. "Ich will gar nicht gehen, aber wenn ich jetzt schon so anfange, dann wirst du mich nie los." Genau deswegen griff er auch schon nach seinem Gepäck. Innehalten bedeutete, er würde nie losziehen.
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      "Ich weiß nicht, du meintest es ist sehr kalt.", erwiderte Rain und Rikiya hatte es sogar noch ein wenig schlimmer dargestellt. Er meinte er konnte dort kaum atmen, Rain hatte hier schon Probleme, er würde solch eine Reise wohl wirklich nicht überleben. "Ach was, wenn es von dir kommt, dann gefällt es mir sicher.", grinste Rain, aber natürlich zog Nayantai ihn mit in diese Abmachung. Rain hatte auch selten ein Gedicht geschrieben, hätte er sein Klavier noch, hätte er vielleicht versucht Nayantai etwas zu komponieren, aber das war hier aussichtslos. Vielleicht konnte er ja ein Thrianisches Instrument lernen? Aber bestimmt würde er damit nur eine Menge Leute wütend machen, so wie Khojin, die Rikiya jetzt schon immer die Ohren abkaute, wenn sie wieder wissen wollte ob Rain es war der sie durch die Gegend schickte, oder Rikiya, oder ein paar der anderen Wölfe die Mei nach einem Bündel fragten das sie selbst gebunden hatte. Sie spielte solche Spielchen zwar nicht mit, aber Rain bekam es mit und er konnte es auch niemandem verübeln.

      "In Ordnung.", lächelte Rain und nickte, "Und du musst mir natürlich alles von deiner Reise erzählen." Das war nun wirklich alles das ihm einfiel und Nayantai war ja nicht nur aus Spaß unterwegs. Rain streckte sich ein wenig zu einer Box neben ihrem Bett und holte etwas heraus. Er hätte Nayantai gerne etwas von sich mitgegeben, aber er besaß nichts, nicht einmal die Kleidung die er gerade trug, aber er hatte Mei um ein paar Dinge gebeten und sie meinte er konnte sie natürlich haben, bezahlt hatte er sie mit seiner Arbeit. "Hier." Er überreichte Nayantai noch ein kleines Bündel. Darin waren einige Kräuter, manche für Tee, manche schon zu einer Salbe verarbeitet, für den Fall, dass Nayantai sich verletzte, oder krank wurde. "Pass auf dich auf, ja?" Rain wollte es sich nicht anmerken lassen, aber er machte sich Sorgen. Es würde Monate dauern bis Nayantai zurückkehrte und bis dahin würde Rain nicht wissen, ob es ihm gut ging. Ähnlich wie wenn sein Vater in der Schlacht war. "Soll ich dich noch bis zum Siedlungsrand begleiten?"
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      “Ich weiß gar nicht, ob ich die Kälte noch gewohnt bin. Aber das finde ich noch heraus.” Fhaergus war beinahe sommerlich für ihn gewesen, ein wenig zu warm wäre es ihm allerspätestens dann geworden, wenn der Hochsommer über das unbekannte Land hing, aber so weit hatte er es wohl doch nicht geschafft. Nayantai glaubte aber auch nicht, dass Fhaergus Thria so unähnlich war - vielleicht reichte es auch, wenn sie einfach ein Stück davon eroberten und Rain zu einem ihrer eigenen Leute machten? Seiner wilden Tagträumerei schien er keineswegs Herr zu werden. “Du hast doch trotzdem zumindest etwas Gutes verdient!”, lachte er der Aussage entgegen. Rain konnte so ein Idiot sein, sein Idiot - er würde Nayantai in allen Lebenslagen akzeptieren, so viel hatte er mittlerweile auch verstanden, aber schlimmer noch, er schien dem allem auch noch bereitwillig zu zustimmen und sich auf alles einzulassen, das eigentlich nicht sein musste. “Ich will dir nichts halbherziges schenken. Du bist mir mehr wert.”, erklärte er seine zaghafte Empörung. Nichtsdestotrotz gab es nichts, das er nicht schon gesehen hatte. Nayantai war nun einmal jemand, den man nicht verändern konnte - Rain noch viel weniger, wie es schien. Sie beide glichen einander aus.

      Willst du, dass ich dir einen Brief schicke, wenn ich ankomme? Vielleicht schafft er es ja vor mir zurück, dann musst du dich nicht eine halbe Ewigkeit in Ungewissheit wiegen.”, schlug er ihm gleich vor, als könne er es kaum erwarten wieder zurück zu sein. Einer Unwahrheit entsprach jenes Gefühl auch nicht - er wollte bei Rain bleiben, koste es was es wolle, jetzt mehr als sonst. “Das tue ich doch sowieso. Du musst mir dann davon erzählen, wie oft du dich mit meinem Vater gestritten hast.” Die beiden schienen nicht so, als würden sie einander gerne in den Haaren liegen, hatten mitunter aber wohl Meinungsverschiedenheiten, die sich zeitweise nicht im selben Augenblick ausbügeln ließen. Schade - zumindest brachte das Leben in die Siedlung, oder eher dieses Zelt. Noch in Gedanken schwelgend starrte er verdutzt auf das, was Rain ihm nun übergab - Nayantai’s Lächeln stahl sich einer seiner Sonnenstrahlen. “Das hättest du nicht tun müssen … danke.”, lobte er Rains gute Tat. Überdauern musste er den Weg alleine, aber das hier würde helfen - Rain hatte die Gewänder, die er hier lassen würde, ihr geteiltes Bett und noch vieles mehr von Nayantai, das er auf seiner Reise nicht brauchte. Nayantai konnte all die wenigen Dinge, die Rain für ihn sonst haben könnte, nicht schleppen. “Mhm, du aber auch! Und lass dich nicht von den Anderen ärgern. Sei einfach gemein zurück, in Ordnung?” Wenn sich alle anderen wie Kinder verhielten, so hatte Rain auch gutes Recht dazu, es ihnen gleich zu tun. Schließlich erhob er sich und bot Rain seine Hand an. “Wenn du möchtest, dann würde mich das freuen.”
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      "Bestimmt.", lächelte Rain, etwas mehr verhalten als sonst. Er würde Nayantai vermissen und er dachte er müsse niemanden mehr so verabschieden, aber zumindest zog er nicht in den Krieg, sondern in die andere Richtung. Trotzdem war er für eine Weile alleine unterwegs und tat hoffentlich nicht irgendetwas heldenhaftes. Am Liebsten hätte er Nayantai hier behalten, oder hätte ihn noch einmal umarmt und geküsst, aber er wusste, wenn er sich das jetzt erlaubte würde Nayantai tatsächlich hier bleiben. Es schien wichtig für ihn auf diese Reise zu gehen und Rain wollte dem nicht im Weg stehen. "Es wird bestimmt gut.", erklärte er mit einem Lächeln. Nayantai schien tatsächlich aufgeregt und als würde er sich auf die Reise freuen. Stillstand schien nicht gut für ihn, es ging ihm immer besser wenn er etwas zu tun hatte, auch wenn die Reise hier her keineswegs einfach oder angenehm war. Hoffentlich würde diese besser sein und Rain? Er war hier sicher und nicht alleine, auch wenn Nayantai seine bevorzugte Gesellschaft war.

      "Das würde mich freuen, aber ich will auch nicht, dass sich jemand wegen eines Briefs in Gefahr bringt." Und was wenn keiner ankam, oder danach etwas passierte? Rain konnte nicht einmal nach Nayantai suchen. "Ich glaube nicht, dass wir uns streiten werden." Rain war nicht selbstbewusst genug um seine Meinung in Sachen Krieg und Verteidigung zu vertreten und wenn es um Rikiyas Geheimnis ging, naja so hatten sie sich mehr oder weniger ausgesprochen. Nayantai schien sich inzwischen über sein Geschenk zu freuen, während Rains Herz nur schwerer wurde. Nayantais Abwesenheit würde ein riesiges Loch hinterlassen, zumal die letzten Wochen so viel besser gewesen waren. Nayantai tat wieder etwas, erzählte von seinem Tag und wollte von Rains wissen und es ging ihm endlich wieder besser. "Ich wollte dich nicht mit leeren Händen gehen lassen.", erklärte er und ließ sich anschließend von Nayantai auf die Beine ziehen. "Ich bin nicht gut darin gemein zu sein." Rain hatte nie jemanden gehabt der ihm so entgegentrat wie manche Leute hier. Er war immer höflich behandelt worden und es gab auch selten etwas das einen Erwachsenen dazu veranlasst hätte mit ihm zu schimpfen. Er war immer ein Adeliger gewesen, das hier war neu, aber er fand sich damit zurecht. Rain verließ mit Nayantai gemeinsam das Zelt. Sein Bein funktionierte immer noch nicht richtig, ein weiterer Grund warum Rain Nayantai nicht begleiten konnte. Bis zum Siedlungsrand würde er es schaffen. Zumindest das konnte er jetzt tun und musste nicht vom Fenster aus zusehen wie sein Vater in den Krieg zog. Rikiya schien zu viel zu tun haben um sich heute zu verabschieden, schade. Oder er würde Nayantai doch auch hier behalten wollen und deshalb blieb er lieber fern. Das Ende der Siedlung war viel zu Nahe, sie erreichten es in wenigen Minuten. Wieso hatte Rain das Gefühl er würde Nayantai nie wieder sehen? Er hatte so viele Menschen in so kurzer Zeit verloren und nicht nur das...
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      Würde es das werden? Nayantai hoffte inständig, dass er sich selbst soweit zusammenreißen konnte, damit seine verworrenen Gedanken sich unter Dach und Fach bringen ließen - in Wahrheit war es immerhin nicht so als wäre ihm alles gleichgültig, es war lediglich ein Schutzmechanismus geworden, ein neuer Mantel in den er sich hüllte und schlussendlich auch versteckte. “Das sagst du auch nur, weil du all meine Geschenke gut findest.”, belächelte er heiter. Rain ließ sich zu oft auf ihn und seine Dummheiten ein und Nayantai, der sich oft so fühlte als lebte er doch noch nicht richtig, war nun einmal derjenige, der sich wie ein ungestümer Welpe benahm. Wieso sollte er es denn nicht? Zu verlieren hatte er nichts, vor allem nicht an der Seite des Mannes, den er so sehr liebte, er würde ihm Fhaergus wiederschenken, bekäme er auch nur die Sekunde einer Chance dazu. In Wahrheit spielte er sich dennoch nur auf. “Wer weiß, vielleicht inspiriert mich diese Reise doch noch.” Womöglich zu sehr. Nie war er der Dichter und Denker gewesen, den sein Vater so gut spielte - Nayantai fand, dass Worten Taten oft nicht gleichkamen, aber es war doch wichtig, sich immer beider Seiten anzunehmen. Nicht jeder Mensch war gleich, egal ob Schaf oder Wolf.

      “Keine Sorge, das werde ich nicht.” Unsinnig wäre es, jemanden zu verdammen damit er eventuell eine Chance darauf besaß, Rain seinen Gemütszustand mitzuteilen. Wer wusste überhaupt erst, ob er nicht in seiner Heimat ankäme und einen Tag danach wieder aufbrach, weil er sich seiner Gefühle und Sorgen in Windeseile rein wusch? “Sag niemals nie. Als ich jünger war, da habe ich oft mit ihm gestritten weil mir gerade danach war. Er lässt sich relativ leicht auf solche Sachen ein, wenn du weißt, wie.”, erklärte er mit einem Lachen. Der Wind würde seine Spuren immer verwehen, so auch heute, als wäre er nie erst in dieser Siedlung gewesen. Was ihn in seiner Heimat erwartete war doch nicht weiter wichtig, nicht, wenn er hier bleiben konnte. Nicht, wenn er sich an Rain schmiegen konnte. Nayantai würde es vermissen, dieses zeitweise hin und her, die Nähe des Schafs, das er seines nennen durfte. “Du meinst es zu gut mit mir.” Immer wieder taten sie das, beide von ihnen, erpicht darauf sich einander anzunehmen, in der Hoffnung sie würden mehr oder minder die Wunden des Anderen heilen, wenn sie einfach daran leckten. Half es denn jemals? “Das lernst du noch, spätestens wenn ich wieder da bin.”, versprach er ihm, wohl überzeugt dass sein Weg sich durch die eigene Motivation teilen ließ, dass all das nicht so schlimm wäre, kam er erst aus dem Trott heraus. Auf dem Weg an den Rand der Siedlung genoss er den Moment, griff nach Rains Hand um sie zu halten und machte sich selbst Gedanken darüber, was es war, das er tun wollte, käme er erst wieder nach Hause. Abertausende Gedanken schwirrten ihm dabei durch den Kopf, abrupt beendet durch den Moment, in dem er auf die unsichtbare Grenze stieg, die den Siedlungsrand symbolisierte. “Rain.”, flüsterte er gegen den Wind - er zog ihn in eine Umarmung, hielt ihn eine ganze Weile lang, ohne den Mund zu öffnen und dann, als hätte er endlich genug, löste er sich langsam. “Pass auf dich auf. Ich komme so schnell wie möglich wieder!” Einen Kuss nahm er sich noch, dann löste er sich von Rain. “Mach’s gut!” Nayantai lächelte ihn an, winkte noch eine ganze Weile Rain zu, bis sie beide aus dem Sichtfeld des jeweils anderen verschwanden und Nayantai sich auf seinen Weg konzentrieren musste, damit er sich nicht verlief. Seine Gedanken hingen dabei allerdings nur an dem, was er gerade zurückließ.
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      "Das beste Geschenk das du mir machen kannst ist heil wieder zurückzukommen.", erklärte Rain mit einem leichten Lächeln. Er wollte nichts anderes, er brauchte keine Geschenke oder Souvenirs und auch keine Gedichte. Diese Situation fühlte sich so unangenehm bekannt vor, aber noch einmal ermahnte Rain sich, Nayantai zog nicht in den Krieg, er machte sich auf den Weg in die andere Richtung. "Ich hoffe es." Nicht nur inspirieren sollte ihn diese Reise, vielleicht fand er auch etwas über sich selbst heraus das ihm helfen würde. "Ich glaube ich verscherze es mir lieber nicht mit deinem Vater." Es gab nur eine Sache in der sie sich wirklich uneinig waren, aber es gab keinen Grund weiter darüber zu sprechen. Rain drückte die Hand die seine nahm während er auf den Boden vor sich starrte. "Vielleicht kann ich bis dahin auch kochen." Etwas worauf Nayantai sich vielleicht freuen konnte. Rain versuchte so fröhlich zu wirken wie er es sonst auch tat, aber er schaffte es nicht. Er war so viele Monate an Nayantais Seite gewesen, sie waren nie mehr als ein paar Stunden getrennt gewesen. Nayantai stoppte an der Grenze und Rain blickte zu ihm auf, als er seinen Namen hörte. Sekunden später fand er sich in einer Umarmung die er nicht enden lassen wollte. Er klammerte sich an Nayantai und versuchte seine Wärme noch ein letztes Mal zu genießen. Er wollte ihn nicht mehr loslassen, tat es aber dennoch als Nayantai ihn frei gab. Rain brachte nichts mehr heraus, er nickte nur, versuchte zu lächeln und sah dabei zu wie Nayantai die Siedlung verließ und immer kleiner wurde. Rain winkte ihm, weniger enthusiastisch als Nayantai es tat und irgendwann war er einfach am Horizont verschwunden.

      Rain bekämpfte die Tränen die in ihm aufstiegen und atmete ein paar Mal tief durch, bevor er es wagte sich umzudrehen und zurück zu Rikiyas Zelt zu wandern. Ohne Zwischenstopp kam er dort an. Es fühlte sich auf einmal so einsam und leer an und es würde Monate dauern bis Nayantai zurückkommen würde. Rain wusste gar nicht was er jetzt tun sollte. Er setzte sich auf das Bett das nun nur seines war und blieb eine ganze Weile einfach nur dort sitzen. Hätte er noch mehr sagen sollen? Mehr tun? Er bereute noch immer wie sein letztes Gespräch mit seinem Vater verlaufen war und was wenn er nun sein letztes Gespräch mit Nayantai hatte? Nein, er sollte sich für ihn freuen, hoffen, dass ihm diese Reise half und er zu sich selbst zurück fand. Rain atmete einmal tief aus, nur um daran erinnert zu werden, dass er schon seit mehreren Tagen gegen eine Krankheit anzukämpfen versuchte. Was wenn es gar nicht Nayantai war dem etwas zustieß? Mit Nayantai schien ihn auch jegliche Wärme verlassen zu haben und die Kälte Thrias fraß sich tief in seine Knochen. Es war kein neues Gefühl und auch nichts das wirklich mit Nayantai zu tun hätte und dennoch hatte Rain jeden Winter damit gerechnet, dass es sein letzter sein würde und kurz bevor Nayantai aufgetaucht war, hatte er sogar gehofft, dass die nächste Krankheit ihn endlich holen würde. Dieses Mal nicht, aber er hatte Angst es würde doch so sein. Es würde Nayantai umbringen... Er konnte jedoch nichts weiter tun als abwarten.
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      Nayantai war davongezogen und von ihm blieb, abermals, nicht mehr als ein Wort zurück, das Khojin nie zu teil werden sollte - sie hatte sich damit abgefunden, dass ihr Bruder einen Kopf hatte, der mit dummen Ideen durchwachsen war und in dem sie wohl wieder einmal mehr keinerlei Platz fand. Oft interessierte es sie ohnehin nicht, seinen perfiden Worten zu lauschen, oder zu hinterfragen, wieso er nun einmal so geworden war, wie er nun war - all diese Fragen brachten ihr keine Antworten ein und all die Antworten, die sie eigentlich parat haben sollte, fehlten ihr abermals. Wichtig war es, allem voran, dass sie sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen ließ, wie sie es damals getan hatte - immerhin ließ ihr Bruder ein kleines Bündel Elend zurück, um das sich jemand früher oder später kümmern musste. Ihrem Vater konnte sich solche Tugenden nicht einfach abverlangen, dafür schien er zu sehr beschäftigt - jemanden wie Rain mehr als den halben Tag auf Mei zu hetzen schien eindeutig kontraproduktiv und die restlichen Leute, die diese Siedlung bewohnten - zu viele von ihnen - schienen dem Schaf nicht sonderlich freundlich gestimmt, ihrer Meinung nach zumindest nicht. Was blieb, war schließlich sie, die über ihren eigenen Schatten springen musste.

      Khojin zählte die Tage und Wochen, die sie sich einst in Monate wandeln würden, dieses Mal nicht. Wohin ihr Bruder ging war seine Sache, aber er käme unbeschadet wieder aus dem eisigen Inferno ihrer Heimat zurück - diesmal wanderte er nicht in die falsche Richtung, gen das Land der Schafe, sondern in die des Meeres, dort, wo sie ihr Leben eigentlich fristen sollten, nicht hier oben, in greifbarer Nähe einer Nation die sie auf ihr Blut nicht ausstehen konnte. Schließlich lag es wohl doch an ihr, sich um Dinge zu reißen, wie die Gunst ihres Opferlamms und sich seinem Wohlbefinden anzunehmen. Mit zunehmender Unzufriedenheit war sie es also auch, die ihren Kopf in das Zelt ihres Vaters steckte und nach dem Rechten sah - das Röcheln und Husten war ihr nicht entgangen, auch als ihr Vater meinte, es schicke sich wohl nicht einfach, sich Rains Leid anzunehmen wenn sie das arme Ding sonst auch nicht mit eigenen Augen ansehen wollte. "Bist du Zuhause?", fragte sie in das dunkle Zelt hinein, als würde Rain irgendeinen anderen Ort haben, an dem er verweilen konnte - vielleicht ging es dem Schaf auch schon besser, was wusste sie schon? Schlussendlich brachte sie ihm nur ein paar Kräuter von Mei vorbei, die sie darum gebeten hatte und ein wenig Essen, das sie Rain schon auftischen würde.
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      Rain hatte es schon gespürt und er sollte recht behalten. Noch am selben Abend bekam er Fieber. Er wollte eigentlich noch einen Tee bei Mei abholen, aber irgendwie hatte er es nicht mehr aus dem Bett geschafft und als Rikiya spät Abends nach Hause kam, konnte Rain nichts anderes tun als zu versuchen ihm nicht zur Last zu fallen, speziell jetzt als er seinen Sohn abermals verabschieden musste. Er durschaute ihn trotzdem so gut wie sofort, machte ihm Tee und ein Abendessen und erzählte ihm noch einmal ein wenig von seiner Zeit in Nayantais eisiger Heimat. Rain hatte hier die selben Probleme, wo es noch nicht so kalt war. Rain ließ Rikiya wissen, dass er sich nicht großartig um Rain kümmern musste, er würde die nächsten Tage vermutlich einfach nur schlafen und so kam es auch. Teilweise bekam er gar nicht mit wenn Rikiya nach Hause kam und Morgens wieder ging, nur dass frischer Tee für Rain bereit stand, den er an manchen Tagen kaum trinken konnte.

      Es war dumm zu glauben, nur weil er es hier her geschafft hatte, war er auf einmal stärker und würde nicht einfach so von einer Krankheit ans Bett gefesselt werden. Dieses Mal jedoch hatte er wenigstens jemanden für den er kämpfen konnte, selbst wenn seine Brust schmerzte und sein ganzer Körper zitterte. Tage verliefen in einander, aber am Ende erholte er sich doch langsam, aber stetig. Nayantai hatte ihm gesagt jemand wie er würde einfach ausgesetzt werden, umso mehr überraschte es ihn, dass Mei mehr als nur einmal nach ihm gesehen hatte, ebenso wie der junge Arzt der sich schon seinem Bein angenommen hatte. Viel überraschender jedoch war die fremde Stimme an diesem Tag, hatte er sie doch eher selten gehört. Rain wurde aus dem Schlaf gerissen, aber als er realisierte wer nach ihm fragte, setzte er sich so schnell er konnte auf, um wenigstens seine Kleidung zurecht zu rücken. "Rikiya ist nicht hier...", teilte er seiner Besucherin mit, nachdem er sie schon viel zu lange hat warten lassen. Mühselig kämpfte Rain sich auf die Beine, um zum Zelteingang zu gelangen.
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      Es reichte ein Satz um sie durch den Zelteingang stoßen zu lassen, als wohne sie noch immer hier - Khojin wollte mit ihrem alten Mann, seinem idiotischen Sohn und dessen Geliebten keinen einzigen Ort teilen, aber Rain tat ihr, trotz Nayantais Abwesenheit, irgendwo leid. Wer wollte auch schon mit den zwei nervigsten Männer in diesem Land alleine gelassen werden? Eher hätte sie über ihren Schatten springen müssen und einsehen sollen, dass sie sich mit Rain gegen die beiden verbinden könnte, aber der Gedanke kam ihr gar nicht, zu erbost war sie gewesen als dass sie sich jemals dazu aufrappeln würde. "Um den geht es mir gar nicht.", brummte sie in Rains Richtung, als sie sah, dass die zierliche, in Kleidung versunkene Gestalt sich aus dem Bett gekämpft hatte und nun auch noch aufstand um zu ihr zu humpeln. Ihr Vater war ein Nichtsnutz. "Stur bist du, obwohl du nicht so aussiehst. Husch, zurück in dein Bett.", tadelte sie Rain, als sie ihre Mitbringsel kurz abstellte um sich den frischen Schnee von den Stiefel zu klopfen und allgemein nicht zu viel Nässe und Dreck in das Innere des Zeltes zu tragen; das brachte Unglück. Ihren dicken Mantel legte sie ab, wechselte die Schuhe und doch starrte sie noch immer zu dem verrückt gewordenen Lamm herüber, das wohl nicht hören wollte.

      "Mei hat mich gefragt, ob ich dir was vorbeibringen kann. Außerdem wünscht sie dir baldiges Genesen." Khojin erklärte ihre Taten selten, aber für Rain allein schien es so, als wolle sie nicht den Eindruck vermitteln, dass sie diejenige war, die sich angesprochen fühlte, die glaubte, sie musste die Reste ihres unfähigen Bruders zusammenkehren und aufsammeln, oder dass sie mit dem Schaf auch je ein Wort wechseln würde, wenn sie es nicht ausgerechnet müsste. Wirklich, es war dumm zu glauben, idiotisch, dass sie sich für Rain interessierte. Keinen Deut tat sie das. "Du siehst aus, als könntest du Essen vertragen.", entschied sie für sie beide, bevor sie mehrere Schritte an Rain heranwagte. Nayantai türmte über die kleine Gestalt, das hatte sie ohnehin gesehen, aber so groß, wie dieser Waschlappen auch war, sie konnte zumindest in jenem Aspekt nicht ganz mit ihm mithalten - trotzdem war sie auch noch größer als Rain. Ungefragt zog sie vorbei, stellte das Essen und die Kräuter neben dem Bett ab und dann, als hätten sie alle guten Geister verlassen, marschierte sie wiederum auf Rain zu, unter den Achseln packte und hochhob, als bestünde das Schaf aus Luft. Was sie inspizierte, das wusste sie selbst nicht genau, aber sie nickte, bevor sie Rain wieder herunterließ. "Du brauchst eindeutig etwas zu essen."
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
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      Khojin war nicht wegen Rikiya hier? Was wollte sie von Rain? Sie sprach nie mit ihm, nickte ihm draußen nicht einmal zu und Rikiya bereitete sie meistens nur Kopfzerbrechen weswegen er auch selten erwähnte wenn Rain sich an einer Strategie beteiligte. "Ich...", Rain wusste eigentlich gar nicht was er ihr antworten sollte, als sie so hereinstürmte und sich dann auch noch ihren Mantel auszog als hätte sie vor zu bleiben. Na wenigstens kam sie zu einem Zeitpunkt an dem Rain sich einigermaßen wach halten konnte und bereits auf dem Weg der Besserung war. Es war erschreckend wie ähnlich sie Nayantai war, den hatte er zwar als sie sich kennenlernten nicht verstanden, aber genau so musste er auch gesprochen haben. Vielleicht war sie ja ebenso wenig gefährlich wie Nayantai es war. Warum sollte sie es auch sein? Rain wusste mittlerweile dass die Wölfe gar nicht so anders waren als sein eigenes Volk. Rain seufzte ein wenig und versuchte dennoch so wenig jämmerlich auszusehen wie nur irgend möglich, sein Husten unterdrückte er auch so gut es ging.

      "Dann richte ihr bitte meinen Dank aus... wenn es keine Umstände macht." Khojin war immerhin nicht sein Laufmädchen. Er hatte das Gefühl, dass sie alles falsch verstehen konnte wenn sie es wollte. Khojin kam ihm immer näher und auch wenn sie nicht ganz so groß war wie Nayantai, Rain überragte sie trotzdem. Er war nicht sicher ob sie ihn einschüchtern wollte, aber er hatte zumindest keine großartige Angst vor ihr. Auch wenn Nayantai nicht mehr zwischen ihnen Beiden stehen konnte, wäre es ein seltsamer Zeitpunkt um Rain einen Kopf kürzer zu machen und abgesehen davon glaubte er, dass Khojin einen fairen Kampf bevorzugte und jemand wie Rain ihre Zeit kaum wert war. Sie war allerdings genauso unhöflich wie Nayantai als sie ihn hochhob als wäre er ein Kind. Rain behielt seine Beschwerde für sich und als er wieder herunter gelassen wurde setzte er sich langsam auf die Bettkante. "Wenn du meinst, dass ich zu klein und dünn bin, daran wird etwas Essen auch nichts ändern.", erklärte er ihr. Nach einem Moment der Stille warf er ihr erneut einen verstohlenen Blick zu. "Ich dachte du kannst mich nicht leiden. Und vertrauen tust du mir auch nicht, aber das verstehe ich."
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      Hatte es diesem elendigen Schaf nun auch noch die Sprache verschluckt? Hatte die Dummheit des alten Mannes und ihres belämmerten Bruders endlich auf dieses Ding abgefärbt? Khojin wollte sich gar nicht ausmalen, was das bedeutete - nein, sie musste diesen Dingen Einhalt gebieten, bevor es wirklich zu spät war. "Du? Raus mit der Sprache.", verlangte sie gleich vorweg, als würde ihr Gast es sonst nicht auf die Reihe bekommen, den Mund weit genug aufzureißen. Mit hochgezogener Augenbraue stand sie nun also da, als den Worten nur ein Husten folgte und sie greinte, weil sie verstand, dass Nayantai sich dieses Häufchen Elend wahrscheinlich nicht unbedingt ausgesucht hatte, weil er es so niedlich fand - es war dumm, gleich wie er. Nichts würde sie retten können, ihr Traum zersprang soeben in tausende Einzelteile und in ihr wütete ein Sturm, der zuerst aufzog und gleichwegs wieder abflachte, als hätte er nie existiert. Eine Nummer zu hoch war ihr diese Idiotie allemal. "Wir beide wissen, dass du nicht eher gesund wirst, wenn du dich so zusammenreißt. Lass es raus - hast du Angst, dass mich das stört?" Unwahr war die Behauptung nicht - Khojin hasste nichts mehr, als Maden, Parasiten, die sich an anderen labten, aber Nayantai war auch gerade nicht mehr als das.

      "Mhm. Ich komme sowieso öfter bei ihr vorbei." Vieles war die Kronprinzessin der Wölfe - ungestüm, unfreundlich, unverlegen, aber definitiv nicht sanft oder gehässig. Die herablassende Art, die sie sonst an den Tag legte, die Worte, die schroffen Aufforderungen und die guten Gesten die von rauem Verhalten geprägt waren, all das machte sie aus, ganz ohne, dass sie dem zutragen musste. Rain hatte sie auf dem falschen Fuß erwischt und seine Herkunft machte es nicht besser, aber Khojin wollte nun einmal nicht so sein. Nayantai liebte dieses zerbrechliche, hübsche, unbrauchbare ... Ding, wieso auch immer - das bedeutete für sie, dass sie es wenigstens anerkennen und ein wenig wertschätzen sollte, wie ein ungewolltes Haustier, das an einem klebte, wie eine Klette. "Hah?", sie klang beinahe empört. "Wachsen wirst du sowieso nicht mehr, aber gesund wirst du nicht, wenn du nichts isst.", verneinte sie Rains Mutmaßungen mit einem Kopfschütteln. "Ich wollte nur wissen, wie viel von dir aus zu großen Roben besteht und was wirklich du bist." Als müsste sie sich irgendeiner Weltanschauung vergewissern, die sie noch immer nicht richtig verstand. "Leiden? Ich kann meinen einfältigen Bruder schon nicht leiden - da bist du mir noch eher lieber. Außerdem mag Mei dich und wenn du dir nur meinen Vater anhörst, oder meinen Bruder, dann verlierst du irgendwann noch die ganze Lebenslust. Abgesehen davon kann ich dich zum alleine vor dich hinsiechen auch irgendwo aussetzen."
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      "Ich weiß nicht was ich sagen soll. Das ist erst das zweite Mal, dass wir überhaupt miteinander sprechen.", erklärte Rain sein stottern. sie erinnerte ihn wirklich an Nayantai. Schroff und daran interessiert desinteressiert zu wirken. Rain verstand immer noch nicht ganz warum sie ihre Meinung ausgerechnet jetzt geändert hatte. Wollte sie nur Nayantai aus dem Weg gehen? Diese Familie hatte ein Händchen dafür sich aus unangenehmen Situationen einfach zurückzuziehen, aber Rain konnte nicht behaupten dass seine Familie auf irgendeine art und Weise besser gewesen wäre. "In Adrestia ist es wichtig seinen Gästen immer ein guter Gastgeber zu sein. Das ist vielleicht nicht mein Zelt und das Beste das ich tun kann ist dir nicht ins Gesicht zu husten, aber dennoch. So bin ich nun mal." Rain wusste gar nicht wie er es rauslassen sollte. Egal ob Besuch, seine Bediensteten, oder Khojin, Rain wollte nie irgendjemandem zur Last fallen, oder wollte jemandem Sorgen bereiten. Selbst wenn Nayantai hier gewesen wäre hätte er ihm gesagt, es wäre alles gut, auch wenn es das nicht war.

      Khojin tat den Gefallen den sie Rain tun würde ab als wäre es nichts. Ja, sie war ihrem Bruder sehr ähnlich. "Du hast Recht. Ich werde etwas essen.", gab Rain nach. Mit Khojin zu streiten war bestimmt unmöglich und er hatte auch keine Energie dafür. Er würde schon etwas herunter bekommen. Ihrer Erklärung hatte Rain nichts hinzuzufügen. Viel von ihm war nicht da und würde es auch nie sein. "Und wirst du?", fragte Rain, weder änglstlich noch provokativ, "Mich aussetzen, meine ich." Vermutlich nicht und wenn dann nur um irgendjemandem irgendetwas zu beweisen. Rain griff nach seiner Tasse Tee die mittlerweile kalt war und trank ein paar Schlucke. Dann blickte er wieder zu Khojin. "Willst du mich etwas fragen? Über Adrestia? Nayantai?"
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      "Dann überleg dir was.", forderte sie Rain auf, als hätte sie ein Recht auf diese Konversation. Früher oder später würde sie sich das ohnehin nehmen, die Wahrheit aus den Fingern eines Anderen saugen und dann behaupten, es wäre ihre eigene. Das konnte ihre Familie ziemlich gut - die letzten Splitter, die davon zumindest noch übrig waren. Rain war schon verblödet genug, das Land, das Khojin alles genommen hatte, aus dem das Schaf selbst stamme, unverfroren zu erwähnen. "Pah, wir sind hier nicht in Adrestia. Ich verstehe, dass du mit solchen Gepflogenheiten aufgezogen wurdest, aber du folterst dich nur selbst um anderen nicht zu missfallen, oder irgendwelche schlechten Eindrücke zu erwecken, stimmt's?", sinnierte sie, als hätte sie die eigentliche Wahrheit dahinter längst gerochen. Khojin zu gefallen war schwer - die Wenigsten schafften derartige Unterfangungen and selbst wenn sie glaubten, sich endlich einen Weg in ihre Gedankengänge gebahnt zu haben, so musste sie oft feststellen, dass sie sich in endloser Leere verrannten. Nayantai und Rikiya färbten auf das ihnen dargebotene Lamm ab, das sich sicherlich nicht traute, ihnen ein klares Nein auszusprechen. Was für ein erbärmliches Ding.

      In einem Moment weichte Rain ihr beinahe das schockgefrostete Herz wieder auf und Khojin verzog das eigene Gesicht, als würde sie gerade der Kotzreiz übernehmen, der noch irgendwie am hinteren Ende ihres Rachen geisterte. Missbilligend runzelte sie die Stirn als sie endlich Zustimmung bekam und Rain vom kalten Tee trank, der hier schon eine Ewigkeit stehen musste. "Was trinkst du das auch? Lass mich dir einen Neuen aufsetzen. Meine Güte, hat sich keiner der beiden um dich gekümmert? Wenn du krank bist, dann darfst du dich ausruhen und lästig sein. Stark zu spielen hilft Niemandem." Khojin reichte ihm das Teller, das sie vorhin abgestellt hatte und tauschte es gegen Rains Tasse, ehe sie sich bemühte, ein wenig Schnee aufzukochen, damit sie beide davon trinken konnte. "Wieso sollte ich? Wenn ich dich aussetze, stirbst du und wenn du stirbst, dann sind die letzten Fetzen von Nayantai dort, wo meine Mutter und unsere Brüder sind." Erneut war ihre Antwort schroff, gefolgt von dem Zucken ihrer Schultern. "Nein. Du kannst mir etwas erzählen, wenn du möchtest, aber so gesehen frage ich mich eigentlich nur, wie du es mit meinem Bruder aushältst." Ganz unterschiedlich waren die beiden nicht, aber wen kümmerte das schon? Hier ging es immerhin darum, Nayantai bloßzustellen und nicht sich selbst.
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      Statt sich etwas zu überlegen hatte er eine Frage für Khojin. "Wieso bist du wirklich hier? Nur wegen Mei?" vermutlich nicht und doch fragte Rain sich warum Khojin nicht versucht hatte mit ihrem Bruder im Guten auseinanderzugehen, für den Fall, dass sie sich nicht wieder sahen. "Ich bin euch so schon eine Last. Nayantai hat mir erzählt, dass wenn ein Kind wie ich hier geboren worden wäre, dann hätte man mich wohl ausgesetzt, oder stimmt das etwa nicht?" Er brauchte nicht krank zu sein um nutzlos zu sein, Mei schaffte ihre Arbeit auch ohne ihn, da war er sicher und viel mehr konnte er nicht tun. Rikiyas Kriegspläne hatte er sich die letzten Tage auch nicht ansehen können, aber je mehr Zeit verging, desto weniger Informationen hatte auch Rain. Er wusste von dem geplanten Hafen, aber jegliche Pläne die ab jetzt gemacht wurden, konnte er bestenfalls erahnen.

      "Mir geht es schon besser. Ehrlich." Khojin kümmerte sich beinahe wie eine Mutter, eine genervte Mutter zwar, aber dennoch. Das sagte Rain ihr aber besser nicht. Khojin lag also doch etwas an Nayantai. Rain wagte sich vielleicht auf dünnes Eis, aber er fragte trotzdem weiter nach. "Wolltest du dich gar nicht von ihm verabschieden?", wollte er von ihr wissen. Er fragte sich was Nayantai gerade tat und wie es ihm ging. Rain vermisste ihn und er konnte nur hoffen, dass Nayantai ihn nicht zu sehr vermisste. "Ihr wart euch einmal sehr ähnlich, oder nicht? Ich habe keine Geschwister, ich weiß also nicht wie es ist einen Bruder zu haben..." Rain konnte viele von Nayantais Tugenden aufzählen, aber wenn er Khojin erzählte wie Nayantai sich um Rain gekümmert und gesorgt hatte, selbst wenn er es nicht musste, kurze Zeit nachdem er in Fhaergus angekommen war, oder wie es ihm am Herzen lag Rain kleine, neue Stücke der Welt zu zeigen, so befürchtete er nur, dass Khojin ihn als schwach oder als Heuchler bezeichnen würde. Rain konnte ihr nicht erklären warum ihr Bruder sich geändert hatte, es stand ihm nicht zu und während er Rikiya nichts von dem was in Myriad geschehen war erzählen würde, so zog er seine Grenze mit Khojin noch viel eher. "Du bist also Nayantai zuliebe hier?"
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      Kaum schlug Rain vor, sie wäre nur wegen Mei hier, musste sie ein krampfhaftes Lachen unterdrücken. Was für blühende Fantasien das doch waren, ungemein etwas, das sie nun bei weitem nicht vermisst hatte. “Nein.” Mehr brauchte Rain gar nicht erst zu wissen, das schickte sich nicht. Mit offenen Karten spielten die Wenigsten, dennoch war Khojin keine, die ausgerechnet daran interessiert war, mit jemandem zu feilschen, geschweige denn den Kürzeren zu ziehen. Leider legte Rain noch einmal nach und sie konnte nicht anders, als anzufangen, zu lachen - so sehr, dass ihr fast Tränen in den Augen standen, weil die Vorstellung einfach zu schlimm war. “Er hat dir was erzählt? Und du hast ihm das noch geglaubt?” Gerade lachte sie Rain wohl aus, amüsiert über die Naivität, gleichzeitig empört über Nayantais verrückte Geschichten. Zuerst wollte er es ihr auch gar nicht einleuchten, wieso, aber dann fiel es ihr erst ein - sie wischte sich die erheiterte Mimik mitsamt der Träne aus dem Gesicht. “Es ist nicht ganz unwahr, aber das machst du weder hier oben, weil erfrieren bei diesen Temperaturen Ewigkeiten dauern würde, noch in diesem Jahrhundert. Außerdem bist du schon zu alt dafür, dass ich dich in einen Stohkorb packe und in die Wildnis stelle, weil du ohnehin die Nacht nicht überleben würdest - du hast zwei Arme, zwei Beine, zwei Augen, zwei Ohren und eine Nase und haufenweise Organe, die alle dort sind, wo sie hingehören, nicht?” Es schien offensichtlich, dass Khojin nicht von einer “normalaussehenden” sprach, sondern wohl eher jemandem, dessen Herz direkt unter seiner Haut lag, oder zwei Köpfe mit drei Augen besaß.

      Dir geht es besser wenn du gesund bist.”, erklärte sie knapp, nicht aufnahmefähig für irgendwelche dummen Widerworte, wie es schien. Rain hatte hoffentlich keine. Vielleicht doch? Sie würde versuchen, sich darauf einzulassen. “Bei den Göttern, nein. Dann wäre er geblieben und hätte wieder nur die ganze Zeit in seinem Bett herum geweint.” Davon musste sie sich abstoßen - Nayantai wie ein Kind zu behandeln, das Zuwendung benötigte und ihn dann auch noch zu verhätscheln war der schlimmste Fehler, den jemals jemand eingehen könnte - Rain hatte es wohl, der Frage nach. Das arme Dinge, ihr Bruder hatte es wirklich verdummen lassen. “Ich und er? Du hättest ihn als Kind sehen sollen - er war die ganze Zeit am weinen und anhänglich wie ein Küken, das ausgerechnet an mir geklebt hat. Es war so anstrengend und dann macht dir dieses Ding, das nicht reden und kaum noch gehen kann, sich jedesmal an dir festklammert als bestünde sein Lebensziel daraus und immer verrotzt und verheult ist, alles nach. Sei froh, dass du keine hattest - wenn sie erwachsen sind, sind sie viel umgänglicher. So wie ich und nachdem Nayantai dich unbedingt haben wollte, hast du jetzt wohl auch eine Schwester.”, eröffnete sie dem Schaf schulterzuckend. Egal war es ihr immerhin, so schien es doch, aber die Akzeptanz musste dennoch irgendwo in Rains Herzen oder Kopf stattfinden, sonst wäre das alles für nichts. Entnervt griff sie nach dem Kessel und schenkte ihnen beiden neuen Tee ein, mit den Kräutern von Mei, die dafür ohnehin gedacht waren. Khojin wurde hier noch verrückt. “Das und weil ich Angst hatte, dass du noch verblödest wenn du nur von Männern umgeben bist.”
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      "Es tut mir Leid, ich bin etwas verwirrt. Wenn du mich nicht hasst und Nayantai wohl auch nicht, wieso sprichst du dann erst jetzt mit mir?", wollte er wissen. Khojin fand das alles wohl lustig und vielleicht dachte sie Rain verstand was in ihrem Inneren vorging, dem war aber nicht so. Rain konnte sich nicht wirklich einen Reim aus ihr machen, auch wenn sie genauso schroff und aufmüpfig war wie ihr Bruder. "Und das ich aus Adrestia komme ist auch kein Problem?", fragte er weiter, auch wenn er damit vielleicht gerade in ein Wespennest stach. Nayantai hatte Zeit sich an ihn zu gewöhnen, Rikiya, naja von dem brauchte Rain gar nicht anfangen, aber wenn es nach Khojin ging, dachte er, würde sie am liebsten alle Schafe ausrotten, erst Recht eines das so offensichtlich zu ihren Feinden gehörte wie Rain. Blonde Harre, blaue Augen, so würde er sich nicht durchschummeln können wie so manch anderer.

      Sie hatte nicht unrecht, Rain sollte sich darauf konzentrieren gesund zu werden, auch wenn er sich wohl Zeit lassen konnte, solange Nayantai nicht hier war... Es störte ihn allerdings, dass er sich schon wieder bedienen ließ und nichts zurückgeben konnte. "Aber jetzt denkt er ihr wärt im Bösen auseinander gegangen. Stört dich das gar nicht?" Rain hatte eigentlich kein Recht sich einzumischen und er sollte es wohl lassen. Nayantais Familie hatte ihre ganz eigenen Wege miteinander umzugehen und Rain konnte auch nicht behaupten, dass er sich besser mit seinem Vater verstanden hatte. Sie hatten immer nur aneinander vorbeigeredet und Rain hatte nie die Gelegenheit ergriffen ihm zu sagen was er dachte. Jetzt war es zu spät. Rain blickte auf, fast schon schockiert. Eine Schwester? Nicht, dass er sich nicht über Khojins Angebot freute, aber trotzdem kam das alles gerade wie aus dem nichts. "Hm? Mei hat mich glaube ich auch besucht." Machte es bei den Thrianern wirklich so viel Unterschied? Frauen kämpften und Männer kochten, waren sie sich nicht irgendwie alle gleich?