spellbound. (earinor & akira)

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    • Ging es überhaupt darum? Nayantai’s Kopf war ein brodelndes Wirrwarr aus Verständnis und Unverständnis für sein eigenes Verhalten - egal was er tat, es reichte einfach nicht. Wie oft hatte er in seinem Leben schon hören müssen, dass es in Ordnung war, und wie oft glaubte er wirklich daran? Sein Hals fühlte sich trocken an und kratzte, während er sich in Rains Augen und Worten verlor, die wie immer auf ihm lagen wie eine frische Schneedecke - weich, sanft und vertraut. Falten legten sich auf seine Stirn, seine Nase rümpfte er, als sein Augenmerk nun auf den gediegenen Zügen jenes Lammes lag, das, wenn auch nicht aus Freiwilligkeit sondern Not, sein gesamtes Leben hinter sich gelassen hatte, ihn noch immer liebte, ihm versuchte, die Welt, die er nicht mehr verstehen wollte, wieder in ein rechtes Licht zu rücken, damit er in seiner stillen Trauer noch etwas zu bewundern hatte. “Dass ich dich liebe? Dass ich ganz Adrestia in Einzelteile zerlegen würde? Dass ich dir den Kopf von dieser Made bringe, wenn du mich nur darum bittest?” Was in ihn gefahren war, das konnte Nayantai sich oft selbst nicht beantworten, aber gerade noch schoss ihm ein Gedanke durch den Kopf, der das alles ein wenig offensichtlicher machte. Seine Vergangenheit holte ihn heute zwar nicht ein, aber sie klebte an ihm, wie die rastlosen Geister der Toten.

      Das leichte Zucken seiner Mundwinkel legte sich, als verstand er gerade noch so, dass kein Mann auf dieser Welt sehen wollte, wie ein anderer dem ganz eigenen Wahnsinn verfiel, jetzt und in diesem ein und demselben Moment, der sich in sein Gehirn einbrannte, als hätte Rain ihm den Schlüssel zu der Tür, hinter welch all seine Probleme begraben waren, gereicht. "Was hättest du denn gerne?", fragte der Wolf plötzlich, seine Stimme um einiges ruhiger, aber sein Puls dafür um so höher. Anstatt herumzustehen, erklomm er das Bett, positionierte sich so, dass er rein theoretisch in Rains Schoss fallen könnte, würde er sich trauen, sein gesamtes Gewicht auf ihm niederzulassen - etwas, das Nayantai noch nie getan hatte. Lange, dunkle Strähnen, ungebändigt und vom eiskalten Wind noch zerzaust, legten sich um Rains Gesicht wie ein Schleier, ein dunkler Vorhang, der keinem erlaubte, der sich trauen würde, in das Zelt zu kommen, die Visagen der beiden zu sehen. Der Wolf starrte auf das Lamm herab, als hätte er sein Fressen gefunden, baute sich über ihm auf wie ein lebendiger, dunkler Turm, der an den Wolken kratzte - er brach über Rain herein wie Platzregen. Schnell. Unaufhaltsam. Unerwartet. Welcher Teufel war in ihn gefahren? Wahrscheinlicher war es doch eher, dass er soeben den Verstand verlor, dass der Kuss, den er Rain fast schon aufzwängte, fester war, als gewollt - mehr aus Zähnen als aus Fleisch bestand. "Ich gehe doch nicht jetzt gleich ...", murmelte er, einen Arm um Rain geschlungen, den anderen so angewinkelt, dass seine Hand auf den Wangen des Lammes lag, mit dem Daumen warme, sanfte Kreise zog. "War das zu fest? Tut mir leid."
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Ich will nicht, dass du dich in Gefahr begibst und Adrestia ist immer noch meine Heimat. Du musst aufhören zu kämpfen, zumindest für eine Weile. Ich denke deshalb solltest du auf Reisen gehen, weg von Adrestia, den Soldaten und dem Krieg. Kümmere dich erst um dich.", erwiderte Rain. So oft hatte Nayantai ihm schon gesagt er würde Fhaergus für ihn zurückerobern, er würde Rains König töten. Leere Worte, mehr war es nicht, was konnte ein einzelner Mann schon ausrichten? Und was sollte Rain mit Fhaergus wenn er es nicht halten konnte? Nayantai fühlte sich besser, wenn er sich auf einen Feind konzentrieren konnte, oder wenn er ums Überleben kämpfen musste und der Fakt dass sie für den Moment hier sicher waren, machte ihm zu schaffen, auch wenn er sich nicht dazu aufraffen konnte seiner Schwester zu folgen, die sehr wohl, wenn auch ungern, an den militärischen Plänen Rikiyas - und Rains - teilnahm. Sie wusste wohl, dass Rain seine Finger in gewisser Weise im Spiel hatte und stritt allzu oft mit Rikiya, auch wenn er Rain versicherte, dass sie das ohnehin tun würde.

      Nayantai schien nicht er selbst zu sein, weniger als ohnehin schon. Die Energie die er auf einmal an den Tag legte war mehr als in den ganzen letzten Wochen seit sie hier waren. Wenn Nayantai etwas wollte, dann nahm er es sich einfach gerne, dennoch hatte sich das mit Rain bisher immer recht harmlos ausgedrückt. In Fhaergus hatte er sich Umarmungen und dergleichen erschlichen. Für einen Wolf wohl harmlose Dinge, für Rain schon weitaus mehr als er hätte tun sollen. Was jetzt jedoch in Nayantai gefahren war wusste Rain nicht und wenn er auch nicht sonderlich grob war, rollte Rain sich schon bald aus Nayantais Umarmung und setzte sich wieder auf. "Nayantai..." Rain wusste nicht was er sagen sollte. An einem Tag wollte er ihn kaum ansehen, wenn Rain versuchte sich ihm zu nähern, oder aus dem Haus zu bekommen, dann verkroch er sich und wenn er etwas nicht hören wollte, dann machte er komplett zu, stritt sogar mit ihm über belanglose Dinge um davon abzulenken was ihn wirklich belastete. Jetzt auf einmal, vielleicht weil er wirklich gehen wollte, oder weil er wollte dass Rain ihm sagte er solle bleiben, wollte er mehr?
    • Aufhören? Er kannte doch nichts anderes! Jeden Moment, in welchem er sich nach Ruhe sehnte, verachtete er schlussendlich aufs Blut, weil er doch ohnehin wusste, dass er nie für die Ewigkeit bestimmt war - es war seinerseits alles andere, als dumm, an der einzigen, kraftzerrenden Konstante in seinem Leben festzuhalten. “Und was dann? Ich kann doch nicht aufhören so lange da draußen noch ein Krieg tobt! Wir haben doch schon so lange gerastet, die ganzen letzten Monate - ich brauche irgendetwas, an dem ich mich festklammern kann, und wenn es dein Thron in Fhaergus ist, dann tue ich uns beiden einen Gefallen!”, erwiderte das Biest von Wolf, aus dem gerade die Farbe herausquoll, die er Rain nie so ganz gezeigt hatte - nicht ängstlich, nicht ehrfürchtig sondern größenwahnsinnig, vielleicht sogar besessen von Rache, die seine gesamte Existenz einzunehmen schien. Wie Samt war jener dunkle Schatten, den der selbstgefällig schmunzelnde Wolf auf das Lamm warf, wie eine vollständige Sonnenfinsternis mit bitterem Beigeschmack. Wann wollte Nayantai irgendetwas davon hören? Sich selbst an erster Stelle zu setzen, seine schmerzenden Wunden zu lecken, seine Kraft neu zu sammeln - nichts davon wollte er je so recht wahrhaben, für sich beanspruchen. Nein. Wenn, dann wollte er nicht mehr, als schlichtweg zu funktionieren, sei es denn als geöltes Zahnrad in einer Vorrichtung, oder alleine, an der Spitze - dort, wo ihm Niemand das Wasser reichen konnte.

      Manisch war der Blick in dem finsterem Auge, das auf Rain ruhte, als jener sich aus den ungewünschten Avancen seines Mannes herausdrehte. “Was denn?”, grummelte er, noch immer auf seinen Knien im Bett sitzend. War er ihn satt? Hatte der Wolf sein Lamm vergrault, ihm weißgemacht, er wäre lediglich Spielzeug, mit welchem er sich nur dann befasste, wenn er das wirklich wollte? Grollend riss er sich am Riemen - zu spät - und pflanzte sich neben ihn. “Ich wollte mich nur erkenntlich zeigen.”, erklärte er seine unangebrachte Art, griff nach der zarten Hand, die in seiner so wirkte, als wäre Rain noch immer spindeldürr, gefertigt aus Porzellan, um in irgendeinem Regal Staub zu sammeln, lediglich schön anzusehen. Stille kehrte ein, die kaum von ihrem leisen Atmen gebrochen werden konnte - keine Seele schien sich in der ganzen Siedlung zu rühren, keine Sekunde schien länger anzudauern, als eben diese. Schließlich riss ihm der kurze Geduldsfaden, die Zündschnur zu seinem explosivem Verstand. “Darf ich denn nicht? Oder hast du keine Lust?”, erkundigte er sich, fast schon zögerlich. Kaum eine Sekunde später bettete er seinen Kopf auf Rains Schulter, ließ das pechschwarze Haar seine Sicht teilen, als es in dunklen Strömen der Schwerkraft zum Opfer viel, quer über sein Gesicht verteilt. Er drückte des Lammes Hand, seichter als die Berührungen der einzelnen Strähnen, die er sich zeitgleich aus dem Gesicht zu pusten versuchte. “Bin ich zu aufdringlich? Ich will das, also, ich will dich. Ich liebe dich.”
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    • "Vergiss Fhaergus, es gibt nichts, was du dort ausrichten könntest. Selbst wenn wir es zurückerobern könnten, dann könnten wir es nicht halten. Wir bräuchten eine Armee und dein Volk braucht eure Kampfkraft hier um zu überleben. Du bist nur ein Mann, selbst wenn du Rikiyas Platz hier nicht eines Tages einnehmen willst, bevor du irgendetwas ausrichten kannst, musst du heilen, nicht körperlich, ich weiß, dass du verletzt bist und dass du nicht daran denken möchtest was dir zugestoßen ist, aber du kannst es nicht weiter irgnorieren. Wenn es hier zu schwierig ist dich auf dich selbst zu konzentrieren, dann möchte ich, dass du auf Reisen gehst, dass du Zeit für dich hast, aber du kannst mich und Fhaergus nicht als ausrede benutzen, um dich weiter zu verstecken." Rain wusste nicht mehr weiter, er wusste nicht ob er weiter vorsichtig um das Thema herumtänzeln sollte, oder ob er Nayantai einfach mal direkt konfrontieren sollte. Zumindest hatte er auf Adrestianisch gewechselt, weil er sicher war, dass Nayantai diese Dinge nicht in der Siedlung herumposaunen wollte, aber sollte jemand an ihrem Zelt vorbeigehen, konnte man sie bestimmt hören. Nayantais Verständnis der Sprache war mittlerweile genug um sich auch über ernstere Themen zu unterhalten.

      Rain zog seine Hand aus Nayantais Griff. "Du versuchst nur dich aus diesem Gespräch zu winden.", entgegnete Rain und erklärte damit, warum er sich aus Nayantais Armen gewunden hatte. "Du denkst dabei nicht an mich, sondern nur an dich selbst." Erst sprach er von einem Krieg den er für Rain und Fhaergus ausfechten mochte, jetzt kuschelte er sich an ihn als wäre das normal. Rain stand auf, er wollte nichts davon. Nayantai brauchte jetzt keine tröstende Umarmung, er wollte nur an etwas anderes denken als seine eigenen Probleme. "Du willst das nicht wirklich." Wollten sie wirklich darüber sprechen? Vielleicht war es Zeit Nayantai direkt auf einige Dinge anzusprechen, auch wenn es ihn verletzte. Es war Rain einigermaßen unangenehm, in Adrestia sprach man nicht über solche Dinge und noch dazu hatte er keinerlei Erfahrung, er wusste nur, dass sie beide, dafür dass sie verheiratet waren, reichlich wenig miteinander getan hatten, wenn es nach den Gepflogenheiten der Wölfe ging. "Du fühlst dich wohl bei mir, weil du weißt, dass ich keinerlei Ahnung von diesen Dingen habe, aber ich weiß sehrwohl, dass, als du mich damals als wir hierher gereist sind im Zelt berührt hast, du absolut nicht wolltest, dass ich dasselbe tue und ich weiß auch, dass das daran liegt, was dir in diesem Kerker angetan wurde. Ich will dich nicht dazu drängen und du solltest dich selbst auch nicht dazu hinreißen lassen, bevor du dich nicht mit dir selbst auseinandergesetzt hast. Abgesehen davon bin ich kein Spielzeug, das du dir schnappen kannst, weil du dich von deinen eigenen Gefühlen ablenken willst, noch bin ich ein Kind, das man mit einem Spielzeug von seinen eigenen Sorgen ablenken kann."
    • Konnte er das denn nicht? Nayantai wollte nicht mehr, als Rain wenigstens einen Teil seiner Heimat zurückzugeben, oder einen Ort, den er annähernd so nennen konnte. Zumindest hatte er sich so sehr darauf versteift, dass es für ihn noch das Richtige zu sein schien, auch, wenn er tief in seinem Inneren von sich aus sagen konnte, dass es das nicht war - bei weitem nichts. Faule Ausreden, um sein Gesicht zu wahren - das letzte bisschen menschlichen Verstand, bevor er sich in eine Schlucht warf, weil er glaubte, sich an etwas zu klammern, anstatt sich mit seinen Problemen zu konfrontieren war einfacher, als zu atmen, loszulassen, die Welt mit all ihren Fehlern so zu akzeptieren, wie sie war, wie sie ihn formte, als wäre er ein Stein am Boden eines Flusses, der von der Strömung nicht davongetrieben, aber langsam aber sicher zerrieben wurde. "Wieso denn nicht?", hinterfragte er, wie ein trotziges Kind, das den Traum von etwas, das es offensichtlich nicht haben konnte, nicht aufgeben zu wollen schien. Wann war er das denn nicht? Je länger Nayantai mit sich selbst rangelte, desto tiefer fraß er sich in sein eigenes Fleisch, wie ein Parasit, der vor nichts Halt machte. Nicht einmal würde es ihm in den Sinn kommen, dass er selbstsüchtig war, dass er nach unglaubwürdigen Ausreden suchte, davon redete, Rain die Sterne vom Himmel zu pflücken, obwohl er ohnehin wusste, dass er schon längst nicht mehr dazu in der Lage war, oder es einfach nie gewesen war.

      Entgeistert starrte er dem Blonden hinterher, als er sich ohne Vorwarnung erneut aus seinem Griff wandte, als wäre er aus Wachs, das unerbittlich schmolz, kaum befand es sich zu nah an der glühenden Kohle, die Nayantai darstellte - glühte er denn überhaupt noch, oder versuchte er, die vollendeten Tatsachen seines inneren Todes mit großen Worten zu kaschieren? "Ich- Nur an mich selbst? Das- das würde ich nicht-", versuchte er zu argumentieren, aber es schien, als würde der Regen, dessen dunkle Wolken Nayantai immer aus seinem Sichtfeld räumte, endlich aufziehen, als würde der Wind, der damit aufzog, die bröckelnden, zerfallenen Fundamente seines Schutzwalles endlich davonwaschen und in der Erde, aufgesogen mit Blut und Hass und Angst und Verzweiflung, versiegen lassen. "Ich werde doch noch wissen, das ich will - wieso sollte ich mich selbst belügen?", keifte der Wolf gleich auf, als wolle er es Rain beweisen. Und doch - ein Blick auf den Mann, der dort am Bett saß, ein Blick in das müde Gesicht, dessen blassen Züge sich in Falten legten, war genug um alles zu wissen, das man wissen wollte. Sich selbst belügen, das tat Nayantai gerne - es ersparte ihm Rechtfertigung, einen klaren Gedanken, ein Eingeständnis oder aber gar den Blick auf ein größeres Bild, auf seinen eigenen Schmerz, auf das Ende seiner selbst, auf den Blick vollendeter Tatsachen. Gingen ihm die Ausreden nicht jetzt erst recht aus? Der starre Blick in seinem Gesicht, die Lippenpartie, die sich immer wieder öffnete und schloss, während er einen Kloß in seinem Hals nach dem Anderen herunterschluckte, ohne ein Wort zu sprechen, und die Ohren, die urplötzlich jedes einzelne Wort so kristallklar hörten, als würde Rain es in sie wispern, half ihm keineswegs dabei, auch noch irgendetwas zu kaschieren. "A-" Aber was? Wieso hatte Rain Recht, wenn es ein Aber zu gäben schien? Gab es das denn wirklich? "Du bist kein Spielzeug, das ... das habe ich doch nie behauptet." Und doch behandelte er ihn wie eines, wie eine lebendige Maus auf einem Präsentierteller, während er eine Katze mimte. War ihm kalt? War ihm warm? Seine Hände waren schwitzig, sein gesamter Körper fühlte sich so, als würde er brennen - nicht auf die angenehme Art und Weise, nicht auf die, die ihn so wohlig warm und geborgen fühlen ließ. "Ich ... benutze dich doch nicht. Das will ich nicht ... das war nie meine Intention. Es ... es tut mir leid, dass du das Gefühl hast ... ich ..." Keine Träne, kein Hass, keine Schreie - er fühlte sich weder lebendig, noch tot, noch im Blicke dessen, was er wirklich tun wollte. Nayantai rührte sich nicht, wie eine Statue, als hätte er Wurzeln geschlagen. "Ich ...", murmelte er so leise, die Heiserkeit seiner Stimme schien nebensächlich. Ging es denn um ihn? Irgendwie, aber gleichermaßen ging es um Rain, der ohnehin besseres als ihn verdient hatte, nicht? "Wieso?", stellte er stumpf in den Raum, als wäre er das einzige Wort, an das er sich gerade noch so klammern konnte. Ein Wolf? Das war er schon lange nicht mehr. Keine Zähne, keine Klauen, kein Verstand - Rain mochte es nicht, wenn er so über sich herzog, und doch wussten sie beide, dass es irgendwo der perfiden Wahrheit entsprach. "Alles, was ich wollte, ist und war, dass du dich wertgeschätzt fühlst ... dass du nicht glaubst, dass ich dich behandle wie jeder andere, weil ich das nicht wollte. Du bist kein Kind, ich muss dich nicht vor allem auf dieser Welt beschützen, aber wenn es eines gibt, dann ... wollte ich nicht, dass du von mir angewidert bist. Ich weiß, dass du mir immer sagst, dass du mich liebst, und dass ich dir sage, dass ich dich liebe, und es auch so meine, aber ich ... verstehe dich manchmal nicht. Als wir in Fhaergus miteinander Unsinn getrieben haben, uns ausgetobt haben, ich dich so weit gelassen habe, wie ich konnte, wie ich wollte, warst du irgendwann frustriert, weil ich dir immer wieder ein klein wenig mehr zugeworfen habe, aber nie weit genug gegangen bin." Und irgendwann, dann ... "Ich musste mich überwinden, und du hast mir Platz dazu gelassen - es liegt nicht an dir, das hat es nie, das ist mein Problem." Nayantai ließ den Kopf hängen, tiefer als er es die letzten Tage ohnehin schon getan hatte. "Ich kann damit nicht umgehen. Ich kann mich selbst unter dieser ganzen Kleidung nicht ansehen, als würde es mir den letzten Rest an Willen rauben, der noch fetzenweise in meinem Kopf hängt. Was ich nicht verstehe ist, wieso du es wollen würdest - an mir gibt es nichts, das sich nicht schon jemand genommen hat, das wirklich mir gehört, das sich nicht anfühlt, als wäre es widerwärtig, als würde es noch Teil von mir sein, als hätte es einen Wert. Als ich mich dazu gebracht habe, dich anzufassen, dich zu lieben wie du es verdient hast, weil ich über meinen eigenen Schatten springen konnte, hatte ich Angst. Ich habe noch immer Angst. Ich hatte in diesem ... Kerker auch Angst, aber nicht vor dem Tod, der mir zu diesem Zeitpunkt so lieb gewesen wäre." Wer wusste denn auch, wie der Tod sein konnte, der einen nie abholte? Oft hoffte Nayantai, dass es sich so anfühlte, wie wenn er als Kind einfach irgendwo eingenickt war - wenn seine Mutter ihn auf ihrem Rücken nach Hause trug, ihm Lieder summte, und er im Halbschlaf an ihre Kleidung geklammert war, bevor sie ihn in ihrem Zelt ins Bett legte, und er durch die Ritzen und Spalten des Zeltes draußen die Stimmen der Anderen hörte, als läge er einfach in ihrer Nähe, als wäre die Welt heil, als wäre all das ein einfaches Kindheitsmärchen. Weinte er? Das wusste er nicht, er spürte nur, dass kalte Nässe an seinen Wangen hing, hinunter bis zu seinem Kinn, und tropfte. "Ich will nicht, dass du deine Zeit mit mir verschwendest, dass du etwas an mir vergeudest, dass ich nicht verdiene. Aber ich will auch nicht, dass du den Rest deines Lebens damit verbringen musst, nichts von alledem zu erleben, das dir zustehen würde. Ich will dich lieben, wenn du das möchtest, aber ich ... ich würde mir am liebsten mein gesamtes Fleisch vom Leib reißen. Ich kann nicht mehr, ich kann schon lange nicht mehr - ich will, aber ich kann nicht. Ich ekele mich selbst an. Wofür bin ich denn eigentlich nütz?"
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    • "Fhaergus ist verloren und ich will nicht andauernd daran erinnert werden.", entgegnete Rain mit einem Seufzen. "Und ich brauche keine Geschenke von dir, nicht so etwas..." Er beließ es dabei. Nayantai wollte Fhaergus nicht wirklich für Rain zurückerobern, oder zumindest war das nicht die ganze Wahrheit und Rain traf jedes Mal ein Stich ins Herz, wenn er an seine Heimat und sein Versagen erinnert wurde. Fhaergus war verloren und das lastete auf Rains Schultern. Diese Narbe würde ebensowenig verheilen wie die auf seinem Rücken, eine konstante Erinnerung daran was passiert war. Rain brauchte nicht noch mehr Erinnerungen daran und er war es leid immer wieder davon zu hören, erst recht dann, wenn Nayantai dies kaum ernster meinte, als wenn er ihm versprach den Mond für ihn vom Himmel zu holen. Rain fühlte sich gekränkt weil Nayantai in dieser Hinsicht keine Rücksicht auf ihn nahm, aber wie Rain es gewohnt war, behielt er diese Sorgen und Probleme für sich. Nayantai war derjenige dem er solche Dinge anvertrauen können sollte, der erste Mensch zu dem er vollends ehrlich sein konnte, aber jetzt hatte der Wolf so viele eigene Probleme, dass für Rain kein Platz war und Rikiya wollte diese privaten Details nicht wissen, weil er sich nicht einmischen, oder eine Seite wählen wollte. Das war verständlich und dennoch fühlte Rain sich momentan nicht sehr viel besser als zu Hause, wenn ihm auch niemand richtig zugehört hatte.

      Es war jetzt aber auch nicht wichtig, Nayantai rang mit sich selbst und Rain blickte ihn an, ließ ihm Zeit und er unterbrach ihn nicht während er versuchte sich selbst klar zu werden und Worte zu formen die Rain verstehen würde. Nayantai so zuzuhören trieb auch Tränen in Rains Augen, er wollte widersprechen, aber er tat es nicht. Nayantai sah ihn nicht direkt an und Rain konnte den Schmerz fühlen, den Nayantai immer mit sich herumtrug, vom Moment an an dem sie sich zum ersten Mal gesehen hatten. Er sprach es nur zum ersten Mal aus und es war wichtig, dass er es tat. Da war so viel mehr, Dinge die Rain immer nur erahnen, aber nicht wissen konnte und als Nayantai so wirkte, als war er fertig, kam Rain wieder näher, setzte sich neben ihn und legte seine Arme um ihn. Er drückte Nayantais Kopf gegen seine Schulter und rieb sanft seinen Rücken. "Ich will nicht, dass du dich zu irgendetwas gezwungen fühlst und es tut mir Leid, wenn das in Fhaergus so gewirkt hat. Ich war niemals mit dir frustriert, nicht so wie du denkst. Ich habe meine eigenen Probleme mit mir selbst und meinem Körper, damals so wie jetzt auch, aber ich weiß, denke ich, dass du mich nicht so siehst wie ich mich selbst sehe. Und ich sehe dich auch nicht so wie du dich siehst. Es ist mir egal ob du..." Rain suchte nach Worten die er aussprechen konnte, ohne sich seltsam zu fühlen, auch wenn es wohl normal sein sollte über solche Dinge zu sprechen, "... ob du mich anfasst, oder nicht, oder ich dich, darum geht es nicht. Ich weiß es fällt dir schwer und das ist in Ordnung, es frustriert mich nur, dass wir nicht darüber sprechen können. Ich wollte nicht zu direkt sein, weil ich dich nicht verletzen wollte, weil ich dir Zeit lassen wollte selbst zu heilen. Auch wenn wir uns in Fhaergus kaum verständigen konnten, wir haben so viel miteinander geteilt, seit wir aber hier sind, fühlt es sich mehr so an als lebten wir nebeneinander, nicht miteinander. Das ist es was mich frustriert. Nayantai... der Grund warum ich dich heiraten wollte war, weil du der erste Mensch warst, dem ich mich anvertrauen konnte, weil du mehr an mich glaubst, als ich an mich selbst glaube, mehr als alle anderen. Ich habe mich in dich verliebt, weil du dich mit mir über die Dinge die ich dachte nicht tun zu können gestritten hast, weil du mir ein wenig Schnee aus meinem Garten gebracht hast. Ich brauche nicht den Mond, oder die Sterne, oder Fhaergus, ich brauche dich, der mir damals so ein banales, dennoch wertvolles Geschenk gemacht hat, der mir Selbstvertrauen und meinen Willen zu Leben zurückgegeben hat. Du weißt gar nicht, wie sehr du mir damals geholfen hast. Ich liebe dich und deine Vergangenheit kann nichts daran ändern. Ich wünschte nur ich könnte das alles erwidern, jetzt da du es brauchst. Meine Zeit mit dir ist nicht verschwendet, ganz und gar nicht und dank dir habe ich schon mehr erlebt als ich jemals zu träumen gewagt hätte und ich will dich lieben und ich will, dass du mich liebst, aber ich denke nur, wenn du dich selbst wieder ein wenig liebst. Ich will nicht dass du etwas tust, für das du nicht bereit bist und wenn du niemals bereit bist, dann ist das in Ordnung. Vielleicht bin ich selbst gar nicht dafür bereit. Nichts von dem was dir zugestoßen ist ist deine Schuld Nayantai, nichts. Du hast nichts davon verdient, es ist nicht deine Schuld. Es definiert dich nicht. Und trotz Allem hast du dich in Fhaergus um mich gekümmert, hast dich für mich eingesetzt, Nayantai, für mich bist du der Mann den ich damals getroffen habe, jemand der sich um andere kümmert, jemand der lustig sein kann und jemand der mir in den Hintern tritt, wenn ich mich selbst klein mache, jemand der ein wundervoller, wunderschöner Mensch ist." Rain wusste nicht ob irgendetwas von dem was er sagte angebracht oder hilfreich war, aber es war die Wahrheit. Er wusste nicht recht wie man über Gefühle sprach, oder wie er Nayantai helfen konnte. Das wusste vermutlich niemand, wie so oft konnte Rain aber einfach nicht seinen Mund halten, auch wenn es vielleicht besser gewesen wäre.
    • Rain hatte nicht Unrecht - Nayantai klammerte sich an die Hoffnung, ihm etwas zurückzugeben, das Rain womöglich nicht wollte, und selbst wenn, dann hatte er eigentlich andere Prioritäten. Nicht einmal hatte er sich selbst für einen Quacksalber gehalten, für jemanden, der sich sein Leben schönredete und doch tat er es gerade - warf sich zusammen mit Rain in die Fänge eines Monsters, dem sie beide nicht gewachsen waren, weil er lieber wild um sich schlug und Wunden auftrennte, die nun einmal erst heilen mussten, damit sie zu Narben wurden, damit es ihnen beiden irgendwann besser gehen konnte. "Rain, es tut mir leid ...", murmelte er mit seichter, blasser Stimme, die gerade noch so sterbend aus seinem Rachen kroch. Nayantai war es keineswegs gewohnt, sich so ehrfürchtig zu verhalten, oder seiner Gefühle Herr zu werden, so, wie er es jetzt gerade tat, nicht etwas weil er es musste, sondern weil er sich schämte, nicht auch an den Mann gedacht zu haben, dem er immer wieder weiß machen wollte, dass er ihn von ganzem Herzen liebte. Der Frust, der ihn zerfraß, machte ihn nicht nur blind, sondern auch dumm, uneinsichtig, arrogant und ignorant. "Du musst das nicht alles herunterschlucken. Wenn dir etwas nicht passt, dann solltest du es mir sagen können ... mit mir darüber reden ...", entgegnete er ihm, noch in seinen eigenen Tränen versunken, sein Hirn matschig wie blutige Pampe. Einsicht schien immerhin noch der erste Weg zur Besserung, auch, wenn er sich oft nicht die Zeit dafür nahm.

      Wie ein Lamm es schaffte, einen Staudamm, der in sich selbst verkeilt war, in sich zerfallen zu lassen, verstand der Wolf wohl nicht, der sich aber soeben in die seinigen Arme flüchtete, als wären sie das Einzige, das Balsam für seine müde Seele war, als würden zwei so spindeldürre Hände ihn vor dem, was noch auf ihn zukam, beschützen können, wenn es darauf ankam. Ihn zu unterbrechen wirkte, als wolle er sich selbst noch einmal einen Speer in die triefende, aufgespannte Brust rammen, sein Herz knapp missen - stattdessen versteckte er sein Gesicht vor Rain, in seiner Schulter, unter seinen Haaren, wortlos, geräuschlos, aber er weinte, unaufhörlich, wie drei Regentage hintereinander Wasser über die Welt vergossen, nur, dass der sandige Untergrund, das schmelzende Eis, nicht etwa staubig oder kalt war - Rains Kleidung fühlte sich warm an, und wenn sie das nicht war, dann wohl Nayantais Gesicht. Lose legte er seine eigenen Arme um Rain, nicht zu fest, nicht so, als wolle er ihn zerdrücken, aber genau noch so, das er die Wärme der zittrigen Hände auf seinem Rücken spürte, während der Korpus des Wolfes selbst in seinen Armen zitterte, wie schütteres, braunes Laub im Herbstwind, der wilde Wogen schlug. Erneut fand er keine Worte, als die Flut an warmem Wasser über ihn hereinprasselte, ihn aufzumuntern versuchte, ihn wärmte, aber dieses Mal starben sie nicht in seinem Hals, sondern schon in seinem Kopf, bevor er sie wirklich formen konnte. "Du bist zu gut zu mir ..." Nayantai wusste, dass er Rain nicht verdient hatte, dass er viel früher die Wahrheit aus sich herausquellen hätte lassen müssen, und doch hatte er sich dazu einfach nicht durchringen können. Bitter war es allemal, so dachte er, dass das noch immer der Fall war. "Du bedeutest mir so viel, so viel mehr als alles andere. Ich will dich nicht verletzen, oder dir das Gefühl geben, dass du mich verletzt. Das ist es nicht, bei weitem nicht." Aber für alles andere fehlte Nayantai das Vokabular, vielleicht sogar die Kraft, um es wirklich passend darzustellen. Im Endeffekt wollte er gar nicht erst, dass Rain von den Schandtaten erfuhr, das er sich ein Bild über Gräueltaten machen musste, die ihm nun einmal widerfahren waren. Nayantai wusste nicht, wohin mit sich. "Du schmeichelst mir zu viel. Wirklich. Nicht, das mich das nicht freuen würde, ganz im Gegenteil, aber ich ... verstehe dich nicht. Die Welt ist groß, so weit, bis an den Horizont, und du kennst so wenig davon. Was, wenn du merkst, das ich doch nicht das bin, womit du dein Leben verbringen willst? Was, wenn es nie besser wird? Ich will dich nicht davon abhalten, ein Leben zu haben, weil es mir schlecht geht, oder dich nie etwas anderes erleben zu lassen, nur, weil ich dazu nicht in der Lage bin.", erklärte er, vorsichtig und langsam, das Zittern drang selbst in seine Worte ein, als würde die thrianische Kälte in endlich zerfressen, dort abholen, wo er vor Jahren stehengeblieben war, und ihm mit Eis und Schnee in das zerrissene Gesicht peitschen, auf dem schon längst kein Lächeln mehr lag. "Was ich damit sagen will ist ... ich liebe dich, mehr als alles andere. Ich bin dir unendlich dankbar dafür, was du getan hast, und glücklich darüber, dass ich dir zumindest ein wenig Freiheit geben kann. Aber ..." Endlich löste er sich ein wenig, und blickte gen oben, in Rains Gesicht, verdeckt hinter nassen Haaren, mit geröteten, glasigen Augen. "... gleichzeitig will ich nicht, dass du dich so fühlst, als wäre ich jetzt die Fessel, die vorher aus der Angst vor der Welt hier draußen bestand. Ich ... denke wir können darüber reden, wenn du mir zuhörst, aber es ist nicht schön, und ich glaube auch nicht, dass du dich danach besser fühlen wirst, weißt du?" Er drückte Rain enger an sich, als ertränke er an lebendigem Leibe. "Ich bin einfach froh, dass es dir gut geht - allein das ist genug, dass ich mich doch noch irgendwann aus dem Bett quäle, aber ich verstehe auch, dass es nicht reicht, dass es ein Anfang ist, aber nicht die Ewigkeit ... es tut mir Leid, dass ich dir so viele Sorgen und Schmerzen bereite."
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    • Rain streichelte Nayantai weiter, versuchte ihn zu trösten, jetzt da er sich endlich öffnete. Nicht dass er es musste, aber vielleicht ging es ihm besser, wenn er die Erfahrung mit jemandem teilen konnte. Rain hatte sich besser gefühlt, als er Nayantai sein gesamtes Herz ausgeschüttet hatte, in dem Wissen dass er ihn nicht verstand und es auch niemandem erzählen konnte. "Du musst dich nicht bei mir entschuldigen...", war alles was Rain sagte, während die Tränen aus Nayantai herausflossen wie ein Wasserfall. Rain hingegen versuchte in diesem Moment stark zu sein. Nayantais Leid schmerzte auch ihn, aber heute ging es um den Wolf, der sich einmal ausweinen musste. In Fhaergus hatte er auch geweint, hatte sich sicher genug gefühlt, aber nicht so wie jetzt und was sie einander sagen konnten war viel weniger komplex gewesen. "Ich weiß... aber du hast genug Sorgen." Rain war gut darin sich selbst unter das Wohl anderer zu stellen, aber hier schien es richtig.

      "Ich weiß, dass du das Beste für mich willst.", entgegnete er, während er immer noch über Nayantais Rücken rieb. "Das hat mit Schmeichelei nichts zu tun, ich sage dir nur wie es ist. Ich möchte mehr von der Welt sehen, aber mit dir, nicht alleine und ich kann warten. Ich habe hier in der Siedlung auch genug zu erkunden. Du musst dir keine Sorgen machen." Nayantai wand sich schlussendlich ein wenig aus der Umarmung, damit die beide sich ansehen konnten. Seine Augen waren rot, seine Wangen nass und seine Stimme heiser. Rain strich sanft über Nayantais Wange um sie zu trocknen und schenkte ihm ein Lächeln. "Du bist keine Fessel, ich habe einfach selbst ein wenig gebraucht mich hier einzufinden." Er hätte sich gewünscht Nayantai hätte ihm dabei geholfen, aber er machte ihm deshalb keinen Vorwurf. "Es geht nicht darum ob ich mich besser fühle und du musst mir nichts erzählen, was du nicht erzählen möchtest, aber wenn du mit jemandem darüber sprechen willst, dann höre ich dir zu und ich werde nicht weniger von dir halten." Rain strich auch noch ein paar Tränen von der anderen Wange. "Ich möchte dir helfen, wir sollten einfach beide wieder mehr miteinander kommunizieren. Du bereitest mir keine Schmerzen wenn du jemanden zum Reden brauchst und auch nicht wenn du mir sagst, du möchtest lieber nicht darüber sprechen. Ich bin hier um dich zu unterstützen, egal was du brauchst. Das einzige was ich mir Wünsche ist, dass du versuchst zu heilen. Du wirkst als wärst du bereits gestorben und ich will dich nicht verlieren..."
    • Verrückt wäre er ohnehin geworden, daran musste er keine Zweifel hegen. Nayantai wusste, dass die Wahrscheinlichkeit, all das einfach wegzustecken derart gering war, dass es doch noch eher möglich schien, sich einen zweiten Kopf wachsen zu lassen, einen zu viel, den er nicht brauchen konnte. Würde er Sorgen hegen, die selbst Rains Umarmung nicht tilgen konnte? In seine Brust würde es sich ätzen, ein tiefes Loch in bereits geschundenes Gewebe brennen, neue Narben hinterlassen, die selbst die Zeit nicht heilen konnte, die er sich nicht zu nehmen wusste. Nayantai glaubte ohnehin nicht daran, dass er eines Tages einen Ausweg finden würde, wusste, dass er sich hier und heute nicht davon lossagen konnte - seine Tränen würden Kerben in den Boden ziehen und einen tobenden Fluss nähren, der weder Anfang noch Ende hätte, wäre es ihm gestattet, nie wieder aufzuhören. Sich an Rain zu klammern schien entgegen aller Erwartungen leichter als gedacht, sich von eben jenen Emotionen leiten zu lassen, die er unterdrückte, nicht wahrhaben wollte, die Konsequenz daraus, sich selbst nicht lieben oder leiden zu können. War es nun einmal nicht die Wahrheit, dass er sich selbst und sein Umfeld belog und betrog? "Du bist zu sanft zu mir.", ermahnte er das Lamm, das ihm jedweden Wunsch von den Lippen abzulesen wusste, selbst dann, wenn er ihn nicht aussprach und auch dann, wenn sie ihre Sprache nicht teilten.

      "Mhm." Mehr wollte er in seinem Leben nicht. Frieden, den er nicht kannte, ersehnte er sich mehr als alles andere auf dieser verkommenen Welt, deren jüngste Triebe unlängst in feurigem Keim einer stetig brennenden Flamme erstickt wurden. "Das ist leichter gesagt, als getan. Ich mache mir vielleicht keine Sorgen so wie die Anderen, aber ich will nicht alleine sein - gleichzeitig will ich dich nicht erdrücken." Wieso auch? Ein Vogel in einem Käfig war ungefähr so frei, als hätte man ihm gleich das Gefieder gekürzt und jedwede Lebensgrundlage gestohlen. Ein Lächeln, eben eines das er Rain auch schenken wollte, dazu konnte Nayantai sich keineswegs durchringen. Seinen ganzen Mut zusammenzufassen, selbst dann, wenn sein Körper sich fühlte, als würde er von innen heraus bersten, konnte er das denn überhaupt? Geschworen hatte er sich, bis an sein Lebensende kein Wort darüber zu verlieren, wie eine Truhe, die verkettet an den Meeresboden absank und keinerlei Schlüssel besaß, die nicht schon der Zahn der Zeit zerfressen hatte. Elendig, mehr war seine Existenz nicht. "Ich ... wo soll ich überhaupt anfangen?" Flehend blickte er in die Meerestiefen, die Rains Augen widerspiegelten - hier, im Halbfinsteren, waren sie dunkel, aber wenn das Licht besser fiel, dann erinnerten sie Nayantai eher an den endlosen Himmel, den er mit Freiheit verband wie ein Narr, der nicht wusste, wie er sich sonst ablenkte. "Ich will mir helfen lassen, ich weiß nur nicht wie ... du bedeutest mir zu viel, als dass ich dir jemals die Wahrheit sagen wollen würde, aber das wäre nicht gerecht." Auch er hatte einen Blick auf Rains niedrigsten Punkt erhascht, konnte sehen, wie ihn das Leben in vollen Zügen plagte - wieso war geteiltes Leid dann nicht halbes Leid? "Versprich mir, dass du kein Wort über irgendetwas davon an Rikiya verlierst, ja?" All das überhaupt über die spröden Lippen zu bringen wäre ein Kraftakt, dem er nicht glaubte, gewachsen zu sein, auch, wenn Rains Hände sich in diesem Moment so warm und einladend anfühlten, ihm Geborgenheit spendeten und dazu verleiteten, sich der Finsternis in seinem eigenen Leichnam zu stellen. "Ich hatte nicht vor, dich alleine zu lassen. Nie."
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Unsinn.", erwiderte Rain. Obwohl es Nayantai vielleicht helfen würde, wenn ihn mal jemand zurecht stutzte. Andererseits zog er sich nur noch mehr zurück nachdem Khojin ihm die Hölle heiß gemacht hatte. Rain fiel es ohnehin schwer zu brüllen, also konnte er sowieso nicht derjenige sein. Wenigstens schien Nayantai sich langsam einzugestehen, dass er etwas unternehmen musste und nicht den ganzen Tag im Bett verbringen konnte. "Du kannst dort anfangen wo du anfangen möchtest. Es muss auch gar keinen Sinn ergeben.", erklärte Rain während er Nayantais Blick erwiderte. Manchmal fühlte Rain sich wirklich wie ein Hexer, er als einziges Schaf saß hier und war die einzige Person an die sich der Prinz der Wölfe klammerte, wenn er doch so viele seiner Artgenossen, sogar seine eigene Familie, um sich hatte. Rain wollte den Wölfen ihren Prinz nicht nehmen. Er wirkte wohl wirklich gezähmt, mehr wie ein Hund und nach allem was ihm zugestoßen war, war es nicht verwunderlich. Tat Rain seinen Teil um ihn zu bändigen? Er verstand warum ihm nicht jeder mit Wohlwollen entgegen trat.

      "Du musst es mir nicht erzählen. Ich verstehe auch, dass du nicht mit Rikiya darüber sprechen willst. Vielleicht kannst du es stattdessen deiner Mutter erzählen? Ich habe meine Mutter nach ihrem Tod noch nach Rat gefragt.", schlug Rain vor. Hauptsache er setzte sich damit auseinander. "Ich werde niemandem irgendetwas erzählen, aber du solltest auch mit ihm sprechen. Nicht über Details. Er macht sich jedoch auch Sorgen um dich." Rain konnte sich nicht vorstellen wie er sich fühlen musste. Zwei Söhne hatte er immerhin bereits verloren, seine Frau zu und nach allem was Rain erfahren hatte noch mehr als das. Am Ende stürzte er sich vielleicht gerne auf Arbeit und kam erst spät nach Hause, stand aber auch meist vor ihnen beiden auf. "Du bist kaum noch hier...", murmelte Rain und strich Nayantai ein paar lange dunkle Strähnen hinter sein Ohr.
    • Das Feuer brannte still und heimlich vor sich hin, dessen Knistern bahnte sich dennoch einen Weg zu Nayantais Ohren. Oft in seinem Leben hatte er forsch reagiert, hatte man doch mehrmals versucht, sich unter seine Haut zu graben, sie von seinem Fleisch zu lösen und zwischen jedem freigelegtem Nervenstrang einen Makel zu finden, den man betadeln würde. Nie hatte ihn eine solche Tuchfühlung gestört, oft hatte sie ihm lediglich gezeigt dass die seinige Welt jeder anderen glich: Nichts blieb, wie es war. Das konnte es gar nicht. Rain war eines jener Dinge, jener Personen, die sich durch Zufall in seine Welt wurmten, zusammen mit dem Rest seiner verschneiten Heimat, die in einem Kadaver ein einziges Gefühl auszulösen schien: Ehrgeiz. Wie oft hatte Nayantai damit Zeit verbracht sein Leben nicht mehr leben zu wollen? Es zu verteufeln? Die Götter dafür zu hassen, dass sie seinen geistlosen Leichnam lieblos durch die Welt wandern ließen? Seinen Vater und sein Volk schlecht zu reden, nur, weil ihm trotz des bescheidenen Lebenswillens keiner zur Seite stand? Nicht einmal mehr konnte ihn der Glauben an ein verworrenes Schicksal antreiben an Freiheit zu denken - aber Rain konnte es, jemand, der selbst in seinem Leben noch nie frei war. Ein Vogel, der mehr oder minder freiwillig in seinem golden Käfig saß und Nayantai, dem man schon unlängst die Federn gestutzt hatte, so dass er seinen Drang nach Freiheit nicht auch nur ein einziges Mal in die Tat umsetzen konnte. Wieso also war es ausgerechnet Rain? “Wirren Stuss hast du nicht verdient. Ich … weiß einfach nicht wie viel davon ich herausbringen.”

      Die einst klaffende Wunde an seiner Seite, etwas, das ihn auch an keiner einzigen Stelle seines Körpers sonst tangierte, konnte er sich bis heute nicht ansehen, fast so, als wäre sie ohnehin verflucht. Rains Worte ließen ihn immerhin aufhorchen und sein missbilligender, beinahe schon verängstigter Gesichtsausdruck verzog sich allmählich - nicht zum Guten. Nayantai schüttelte den Kopf. “Nein … ich weiß, dass du es gut meinst, aber … ich kann ihr das nicht antun. Ich will nicht, dass auch nur irgendjemand davon weiß.” All den Mut, den er gerade noch aufgebaut hatte, schien er mit einem mal von sich zu stoßen. Seine Finger fühlten sich zittrig an als ein kalter Schauer durch seinen Körper bebte, der abermals von der Wärme seiner eigenen selbst überspielt wurde. Widerlich. “Ich weiß. Aber ich kann ihm das auch nicht antun.”, grummelte er, wohlwissend, dass er sich die Zeit lediglich aufschob, dass er abermals um den heißen Brei herum schwafelte, weil er das Offensichtliche vermeiden wollte. “Ich weiß. Es tut mir leid.” Zuflucht suchte er allerorts, nur nicht in der Präsenz anderer Personen, schon gar nicht derjenigen von denen er nicht wollte, dass sie ein derartig widerwärtiges Bild von ihm in ihre Köpfe brannten - es widerte ihn abermals an. Nayantai konnte nicht mehr als seinen Kopf hochzuhalten, Rain anzusehen und die sanften Berührungen, keine davon verdient, über sich ergehen zu lassen. “Ich … verschwende nur Zeit wenn ich den Mund nicht aufbekomme.”, gestand er sich ein weiteres Mal ein, verbal. Sein Puls bebte und die Aufregung, die er ohnehin verspürte, machte es nicht besser.

      “Weißt du noch, als wir darüber geredet haben, dass ich so vieles nicht mehr wirklich weiß? Die Fetzen, die ich zeitweise im Kopf habe, existieren nur, weil ich nicht alles, das ich verdrängen will, auch verdrängen kann.” Es war so einfach, sich zumindest diese Wahrheit einzuverleiben. Wieso denn auch nicht? Sie beinhaltete lediglich unausgesprochene Grobheiten. “Anfangs saß ich in einer Zelle mit anderen Wölfen. Wir waren alle hungrig, dreckig, erschöpft, einige von uns krank - es war kalt und dunkel. Wir hatten kein wirkliches Licht, kein Feuer, um uns aufzuwärmen, keine Pflanzen oder Bandagen um unsere Wunden zu versorgen und kein Wasser um zu trinken oder uns zu waschen. Ich glaube kaum, dass die Meisten von uns überhaupt noch irgendeine Hoffnung hatten, diesen Kerker jemals wieder lebendig zu verlassen, aber Stück für Stück holte man ein paar von uns - es war selten, dass jemand wiederkam.” Zwar schaffte die Abwesenheit eines weiteren hungrigen Mauls, das es zu füttern galt, weniger Essensknappheit aber sorgte dennoch für Unruhe, vor allem dann, wenn es sich dabei um jemanden handelte, der sich den geistigen Schmerzen anderer annahm. “Ich weiß nicht, wie lange ich dort unten festgesessen bin, aber ich weiß, dass ich irgendwann auch aus dem Kerker geholt wurde, dass man mich mit eiskaltem Wasser gebadet hat, als ich mich dagegen gesträubt habe, und dass man mich in Ketten gelegt hat, bevor man mich in einen Raum geschoben hat, and den ich mich nicht wirklich erinnern kann, obwohl ich so lange dort war.”, entnervt schnaubte er, als seine Zähne klapperten, als wäre ihm jetzt erst recht wieder kalt. Nayantai schloss seine Augen, sog Luft tief durch die Nase ein und setzte dort wieder an, wo er aufgehört hatte. “Ich war dort nicht alleine, aber es war fast so, als wäre ich das gewesen. Zuerst war es die hässliche Visage des Königs, immer und immer wieder, danach eine Thrianerin. Jedesmal war es eine andere.” Sein Magen drehte sich bei dem Gedanken danach um - wenn er grün im Gesicht sein konnte, dann war er das jetzt wohl auch. Speichel sammelte sich zu schnell in seinem Mund. “Ich wusste nicht, was es war, dass er von uns wollte - beim Ersten Mal noch nicht. Sie hat es mir erklärt. Alle anderen Gesichter sind so verschwommen, als hätten sie nie existiert, aber an ihres werde ich mich immer erinnern können.” Abertausende Insekten krabbelten unter seiner Haut über jeden Nerv, den sein Körper noch hatte - das Unbehagen in seiner Mimik und Gestik wurde schlimmer. Nayantai strich sich selbst über den Arm, fast so, als wäre er wund, nur um sich danach auf die Lippen zu beißen, bis er Eisen - sein eigenes Blut - schmeckte. “Tiefschwarze, abgestumpfte Augen mit dunklen Ringen. Spröde Lippen. Bleiche Haut. Ein schmerzhaft gespieltes Lächeln. Sie meinte, dass jedes Wort seinen eigenen Preis hätte. Dass der König nur zusehen wollte. Dass sie sich so wie eine Tote fühle - ausgehöhlt, von innen heraus, wie ein uralter Baum, der bald kippen würde. Der eigenen, geschundenen Seele befreit. Ich weiß nicht, ob ich sie nicht verstehen konnte oder nicht verstehen wollte, aber das Letzte, das sie mich gefragt hat, war, an welchen unserer Götter ich glaube - es war so leise, ich hätte es mir auch einbilden können, aber ich habe kein Wort über meine Lippen gebracht. Ihr eigener war Yhlan. Ich weiß ihren Namen bis heute nicht, aber den ihres Gottes. Ich weiß nicht wer sie war, aber wie das Blut auf ihrem Lippen schmeckt. Gleich wenig, wie ich weiß, was aus ihrem Leben eigentlich werden sollte, aber dafür, wozu sie sich gezwungen hat, weil sie es musste. Weil sie Angst vor dem Tod hatte, der sie trotzdem eingeholt hat.” Seine Knie fühlten sich weich an, sein Kopf warm und sein Magen noch immer so, als würde er ihm alsbald zum Rachen wieder herauskriechen. “Ich weiß nicht wie viele es waren, die danach kamen, aber ich weiß, dass ich die Namen all ihrer Götter kenne, dass ich zu ihnen gebetet habe, wie ein fanatischer Narr, damit die geschundenen Seelen in ihren Wiegen einen Platz finden und nicht auch nur eine Sekunde länger hier gefangen waren. Alleine, irgendwo, als wäre ich nicht selbst langsam gebrochen, ausgehöhlt wie ein Toter, ein morscher Baum - ich wollte anfangs nicht verstehen, was sie damit meinte, aber mit jeder von ihnen mehr, die sich mit mir ein Bett teilen musste, die im Endeffekt ich fragte, welcher der ihrige Gott war, und zu dem ich für sie betete, desto eher sah ich ein, was es war, dass sie so aussehen ließ. Ich wünschte, ich hätte irgendetwas für sie tun können, aber spätestens als eine von ihnen auf mir saß und mir von den Dingen erzählte, die sie nach dem Krieg noch machen wollte, dass sie sich vorgenommen hatte, irgendwie nach Hause zu kommen und währenddessen unterbrochen wurde, weil sie keine Luft mehr bekam - weil Blut aus ihrer aufgetrennten Kehle plätscherte wie bei einer Eisschmelze und mich beträufelte, hatte ich nichts mehr in mir, das auch nur ansatzweise nach Hause gehen konnte. Irgendwann lag sie auf mir, federleicht und starr, und meine Gesichtsausdruck war das Einzige, das ihn interessierte. Ich denke, er war ihm gut genug.” Nayantai lehnte sich nach vorne, vergrub sein Gesicht in Rains Schulter und umarmte ihn wiederum fest. Rain konnte ihm nicht mehr helfen, konnte die Vergangenheit nicht wieder rein waschen. “Das nächste Mal war ich mit ihm alleine. Danach auch. Anfangs hatte er noch Angst, dass ich ihm den Kopf abreiße, aber ich war zu erschöpft um das auch nur in Erwägung zu ziehen. Es widert mich an auch nur daran zu denken, dass ich einfach dort gelegen bin und versucht habe, ihm so wenig Reaktion wie möglich zu geben. Dass ich alles über mich ergehen lassen habe. Dass ich irgendwann einfach froh war, dass der Raum ein Fenster hatte von dem ich in den Garten sehen konnte - dass es Blumen im Garten gab, die ich weder riechen noch berühren konnte. Das Blut auf den Bettlaken war mir egal, die Wunden waren mir egal - seine Anwesenheit war mir egal. Irgendwann war ich einfach nur mehr das, was ich anfangs nicht verstehen wollte - ein leerer Körper mit einer Seele, die in tausend Teile zersprungen war. Ich habe es irgendwann nicht geschafft, mich selbst anzuwidern. Als hätte ich es akzeptiert, als wüsste ich, dass ich zu jedem der Götter beten konnte, den ich wollte und es würde nicht helfen - einfach stumm da zu liegen und es akzeptieren, damit abzuschließen und ihm zu geben was er wollte, vielleicht sogar zu glauben so lange ich ihm gebe, was er will, wären all die anderen Thrianer vor ihm sicher, verstehst du? Manchmal gab es wohl Tage an denen ich ihn gelangweilt habe, an denen er mich alleine gelassen hat, an denen mein überreizter und verwirrter Kopf sich gefragt hat, ob ich ihm nicht mehr gut genug bin, als würde ich irgendeine konstante Bestätigung von jemandem wie ihm brauchen, um mich selbst als wertvoll anzusehen.” Nayantai war es doch auch gerade, der sich die Bestätigung bei Rain suchte, der unlängst wieder weinte. Nichts davon machte es einfacher, wahrscheinlich würde es das auch nie. “Verstehst du jetzt, wieso ich keinem etwas davon sagen kann? Wieso ich mich nicht dazu durchringen konnte, dass du mich anfasst? Ich weiß, dass du mir niemals etwas antun würdest, aber ich … es ist …” Er konnte das alles nicht mehr, auch, wenn er sich gerade Ballast vom Herzen redete.
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    • Rain konnte nicht viel mehr tun als hier zu sitzen und zuzuhören. Er fühlte sich ein wenig so als drängte er Nayantai zu etwas, das er nicht tun wollte. "Du verschwendest niemandes Zeit.", erklärte Rain sanft, unsicher, ob er überhaupt noch etwas sagen sollte, oder ob Nayantai sich gerade selbst überredete. Rikiya machte sich große Sorgen um seinen Sohn, auch wenn er es herunterspielte und scheinbar gerne Zeit mit Rain verbrachte. Vielleicht erinnerte er ihn an seinen Vater, oder an sein Leben wie es war und Rain fühlte sich immer noch schlecht Nayantai deswegen zu belügen, aber darum ging es gerade nicht. So sehr Nayantai sich vorhin auch auf Rain gestürzt hatte, so wenig wollte Rain ihn jetzt zu irgendeiner Berührung zwingen, schon gar nicht als er schlussendlich doch anfing zu erzählen was er versuchte zu vergessen.

      Rain saß neben ihm und auch wenn er Nayantai gerne umarmt und getröstet hätte, hielt er sich zurück. Er wollte ihn nicht noch mehr verletzen, oder ihn erschrecken. Die Wahrheit war, zu hören was passiert war schmerzte Rain und er konnte sich kaum ausmalen wie Nayantai sich fühlen musste, wenn selbst ihm die Luft wegblieb. Schließlich war es der Wolf der sich in Rains Arme flüchtete, vielleicht um sein Gesicht zu verbergen, oder weil er es doch auch nötig hatte. Rain legte seine Arme um Nayantai und strich ihm sanft über den Rücken. Er hörte weiterhin zu ohne Nayantai zu unterbrechen. Auch wenn es gerade nicht um seine eigenen Gefühle ging konnte er nicht anders als selbst Trauer zu empfinden und Wut. Wie viele Wölfe waren noch in Myriad eingesperrt? Wie viele von ihnen erlebten dasselbe wie Nayantai? Wie lange hatte sein eigener Vater davon gewusst und was trieb ihn dazu Nayantai dort heraus zu holen? Rain drückte Nayantai fester. "Das erwarte ich doch gar nicht von dir...", erwiderte Rain schließlich. Er wusste auch nicht was er zu all dem sagen konnte. Rain wollte immer alle seine Probleme lösen, noch mehr wollte er die anderer lösen, aber für das hier? Er hatte keine Lödung, nicht einmal die richtigen Worte. Er konnte die Zeit nicht zurückdrehen und er wusste nicht wie Nayantai all das hinter sich lassen können sollte. "Es tut mir Leid...", murmelte Rain nur, drückte Nayantai noch fester und versuchte ihn zu trösten. Die Wunden mit denen Nayantai in Fhaergus angekommen war, sie hatten nicht auf die Wahrheit schließen lassen. "Danke, dass du mir davon erzählt hast. Ich... ich wünschte ich könnte irgendwie helfen..." Solange dieser Mann der sein König sein sollte noch lebte, würde Nayantai jemals darüber hinweg kommen können? Würde irgendjemand der noch lebte das können? Rain war kein gewalttätiger Mensch, aber er konnte sich keine Zukunft ausmalen in der dieser Mann noch lebte und Thria und Adrestia in Frieden heilen konnten. Aber was konnte Rain schon tun? Er war ein landloser Fürst, der nur noch lebte weil Nayantais Vater seinen Vater vor Jahrzehnten einmal gekannt hatte.
    • Nayantai wusste nicht, wo sein Kopf saß, ob es noch auf seinen Schultern war, ob er sich noch beflügelt fühlte oder ob all der Mut, den er zusammengenommen hatte, nicht mehr als die Sinnflut hinter ihm war, die aus einem plätschernden Bächlein herausbrach, als hätte man einen Staudamm, der direkt dahinter saß, mit einem Fingerschnippen aus dieser Welt befördert. Angewidert war er, von seiner eigenen Schwäche, seiner Akzeptanz der unfernen Tatsachen, die sich noch immer so anfühlten als könnten sie jeden Augenblick wieder über ihn hereinbrechen. Fernab der Verworrenheit seiner eigenen Gedanken hörte er sie, dort draußen, über den fahlen, toten Feldern, überfüllt mit einst goldenen Halmen endlosen Grasses - über ihm kreisten sie, am trüben, wolkenverhangenem Himmel. Das Geschrei einer Möwe konnte unlängst kein Gesang sein und doch zogen sie ihre Kreise über seinen Kopf, tief verwebt im Geflecht der aufgequollenen Erde, trieben die sonderbaren Laute der Brandung an ihn heran, die salzige Luft die ihm in den Augen brannte, sich tief in seiner Lunge absetzte, während die ungezähmten Wellen an den eisigen Klippen lappten, als bestünden sie nicht selbst aus Wasser. Selbst sie brachen aus Nayantai heraus wie ein Strom, ein Wasserfall, der keinerlei Anhalt oder Einhalt fand - seine Finger vergruben sich in Rains Kleidung wie in der nassen Erde einst unter ihm. Was war er nur für ein Narr?

      Schluchzen, abermals, mehr brachte er nicht über die Lippen, als hätte er sich dem letzten Hass, dem letzten Wut, der ihn noch antrieb, endlich entsagt. Sein Körper fühlte sich schwerer als jeder Stein an, sein Auge flehte mit ihm beinahe schon darum, sich selbst Einhalt zu gebieten und sein Magen konnte sich unlängst damit abfinden, dass all die widerlichen Dinge, die ihm widerfahren waren, nicht einfach dadurch wieder heil wurden, weil er sich übergab. Als er sich endlich von Rain lösen konnte, sich dazu zwang, holte er einmal tief Luft und verschluckte sich beinahe daran - seine Unterlippe zitterte noch immer, er fühlte sich miserabel, nicht unbedingt besser, wenn auch gleich ein wenig freier, als hätte er wenigstens eine seiner Fesseln ablegen können. “Ich will nicht, dass irgendjemand jemals davon erfährt.”, waren die ersten Worte, die er danach in lauem, aufgebrauchtem Ton wisperte. Nayantai schenkte Rain kein Lächeln sondern einen Blick, der aufgeweicht und erschöpft wirkte. Müde, leicht verzweifelt. Wirr. “Du musst mir nicht helfen. Das kann ich nicht einmal selbst. Es tut mir leid, Rain. Ich hätte dir das schon viel früher erzählen müssen, aber jedesmal wenn ich auch nur ein Stück daran denke, fühlt sich das so an, als würde der winzige Teil von mir, der noch lebt, auch wieder absterben.”
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    • Rain hielt Nayantai fest in seinen Armen, viel mehr konnte er nicht tun. Er ließ ihn weinen und schluchzen solange es nötig war. Er wusste Nayantai glaubte eine viel kürzere Zeit in diesem Kerker verbracht zu haben als der Wahrheit entsprach, so oder so war es zu viel. Er hatte das nicht verdient, niemand hatte so etwas verdient. Rains Brust schmerzte bei dem Gedanken daran und seine Finger kribbelten unangenehm als gäbe es irgendetwas das er tun konnte. Für den Moment musste es wohl reichen Nayantai sanft über den Rücken zu streichen und ihn fest an sich zu drücken. Ein Krieg um Land war eine Sache, aber das? Rain konnte nicht nachvollziehen warum irgendjemand so etwas tun würde, warum jemand so grausam sein konnte und warum diejenigen die davon wussten einfach zusahen. Ohnehin gab es wenig Grund ihrem König zu folgen. Wäre Rain in Fhaergus geblieben, wäre er nicht aus seinem Land vertrieben worden, würde er den Forderungen seines Königs dann noch folgen, wie all die anderen? Vermutlich ja.

      Nayantai löste sich schließlich und Rain erwiderte seinen Blick. "Ich werde es niemandem erzählen, du kannst mir vertrauen." Natürlich würde er es für sich behalten. "Dir muss nichts Leid tun. Ich habe kein Recht auf deine Geschichte." Nayantai machte sich immer viel zu viele Gedanken darüber was Rain zustand und was nicht und er wusste, dass der Wolf ganz eigene Vorstellungen darüber hatte was er Rain alles schenken musste. Die Schuld die er vielleicht einmal bei ihm gehabt hatte war schon lange beglichen. "Nichts davon ist deine Schuld, Nayantai. Gar nichts.", Rain wusste er würde ihm das nicht glauben und es sich nicht einfach so eingestehen. Rain griff nach Nayantais Hand und senkte seinen Kopf so dass er Nayantais Blick erhaschen konnte. "Es ist nicht deine Schuld und du hast es nicht verdient. Du hast es verdient frei zu sein und zu leben. Du schuldest niemandem etwas, auch mir nicht."
    • Der Teufel würde ihn ohnehin erst dann einholen, wenn er sich endlich dazu entschied, dass er vor seinem Schicksal nicht mehr davonrennen musste - Nayantai war jedoch noch nie gut darin gewesen, für auch nur einen Moment in seinem elendigen Leben innezuhalten und den eiskalten Regen, den er einst noch für Lorbeeren auf seinem hocherhobenem Haupt gehalten hatte, als solchen wahrzunehmen. Mit fremden Federn schmückte er sich ungerne, vermutlich kam er sich deswegen auch so, vor, als würde es nicht er sein, wenn er sich all seine Fehler, all sein Leid, endlich eingestand. Was mehr konnte er verlangen, als abermals die eigene Erlaubnis, endlich loszulassen? Wovor hatte er denn jetzt noch Angst? Er zitterte am gesamten Leib, wie das Laub eines morschen Baumes, der knapp noch dem unbändigen Wind standhielt, der gerade durch sein Mark und Bein jagte. Verstand er endlich, was sie damit meinte? Was es war, das selbst Yhlan ihr nicht geben konnte, nicht im Reich der Lebenden und nicht, als sich die letzten Scherben ihrer Seele endlich lossagten? Nayantai wollte nichts davon, nicht mehr, nie wieder - er wollte nicht mehr als in seiner Schande zu versinken, mit dem lehmigen Boden unter seinen Füßen eins zu werden und sich bewusst zu eben jenen geschundenen Seelen zu bekennen, die ihn nicht überlebten und doch war es abermals sein Verantwortungsgefühl, sein Verlangen nach Gerechtigkeit und sein Tatendrang die ihn einfingen und festketteten. Wie widerwärtig sein unverhofftes Glück doch war.

      "Nie wieder.", ermahnte er sich selbst, als er nicht mehr wusste, wohin mit sich - anstatt zu sich selbst zu finden, die Freiheit, nach der er seit Jahren lechzte, endlich auszukosten, musste er sich immer noch mit dem Rattenschwanz einer Vergangenheit beschäftigen, der ihn wohl oder übel nie wieder loslassen würde. Rains Worte, der karge Blumenstrauß den das Lamm einem verhungernden Wolf gerade vor die Füße streute, ließen ihn kaum aufhorchen, prallten jedoch nicht an ihm ab - der ewige Regen verzehrte sich nicht nur an der Zeit sondern auch all den Lebewesen und Gestalten, die sich unter ihm zu bewähren versuchten. "Wieso bist du der Einzige, der das versteht?", hinterfragte er heiser, wohlwissend, dass auch ein Rain keine Antwort für ihn haben würde. Wie auch? Sie beide waren nicht mehr als ein elender Haufen der nach stillschweigender Hilfe in den Armen des Anderen suchte. "Tut mir leid, dass ich dir all das auftische und dann sage, du kannst es mit keinem teilen." Ein Kloß bildete sich in seinem Hals als er Rains Blick erhaschte. Nayantai wirkte nicht nur aufgelöst, das war er auch. Mehr wollte er schon gar nicht. Brauchte er Abstand oder Nähe? Ruhe oder Trubel? Liebe oder Hass? Selbst das konnte er sich nicht beantworten. War er verloren, oder gar verrückt geworden? Die Antwort darauf war nicht wichtig, das war sie noch nie gewesen. Ungestüm wie sonst auch riss er sich von Rains eindringlichem Blick ab, schloss das eine Auge, das er noch hatte und schüttelte den Kopf. "Danke, dass du mir zugehört hast. Du hattest recht. Ich habe das gebraucht."
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    • Nayantai zitterte immer noch, eine Seite an sich die er wohl niemandem so recht zeigen wollte, aber am ehesten noch Rain. Er konnte nichts tun, erst Recht nicht als Nayantai seinen Blick erneut abwandte und irgendetwas zu sich selbst murmelte. Rain tat sich schwer damit nicht nach einer Million Auswegen zu suchen, auch wenn er genau wusste, dass es nichts gab das er Nayantai schenken konnte, das ihn das alles vergessen lassen würde. Er sah Nayantai fragend an. "Der was versteht?", fragte er ihn, unsicher welche seiner Worte er meinte, aber abgesehen davon glaubte Rain nicht, dass er der Einzige war, der Nayantai verstehen konnte und wollte. Ja, Khojin schien stur und unzufrieden darüber, dass ihr Bruder nicht mehr der war den sie kannte und ein Schaf mit sich genommen hatte, das ihm wichtiger schien als sein eigenes Volk. Trotzdem war das nur ihre Weise sich mit all dem auseinanderzusetzen und auch sie wollte bestimmt nur das Beste für ihren Bruder. Rikiya wollte das ohnehin und drängte sie beide zu keinem Beitrag oder sonst irgendetwas.

      "Warum sollte ich das mit irgendjeman anderem als dir teilen wollen?", fragte Rain. Er war es gewohnt seine Sorgen und wahren Gefühle für sich zu behalten, aber hier hatte er sogar noch weniger Leute denen er sich anvertrauen könnte und die brauchte er auch nicht. Er hatte Nayantai und Nayantai hatte ihn. So wie es in Fhaergus begonnen hatte war es immer noch. "Du musst dich nicht dafür bedanken, ich höre dir immer zu wenn du es brauchst." Rain wagte es nicht Nayantai zu umarmen, oder seine Hand erneut zu halten, er wartete, dass Nayantai bereit für Nähe war. Trotzdem hatte er ein paar Vorschläge, immerhin kam er sich gerade etwas nutzlos vor. "Soll ich dir einen Tee machen? Oder... soll ich dich ein wenig alleine lassen? Oder einfach den Mund halten?" Rain war nicht sonderlich gut darin nichts zu sagen, zumindest nicht in einer solchen Situation.
    • Seine eigenen Gefühle brodelten in ihm als wäre Rain schlussendlich die Lunte im Feuer gewesen, die er gebraucht hatte, um sich von alledem loszusagen, das ihn noch an seiner Vergangenheit festhielt. Wie hoch war die Wahrscheinlichkeit auch, dass er sich selbst im Spiegel jemals wiedererkannte? Rain kannte eine einzige Seite von ihm, diejenige, die er kennen und lieben lernte, die aufmüpfiger und idiotischer schien, als er es jemals gewesen war. Nayantai hatte sich selbst nicht für aufgeweckt genug gehalten, als er in den weniger kargen Wänden von Fhaergus sein Zuhause suchte, das ihm noch immer fernblieb - stattdessen fand er es in dem Herzen eines Schafs, seines Schafs, dem er nie zu nahe kommen wollte. Selbstzweifel glätteten die aufgewölbten Wogen mittlerweile auch nicht, immerhin hatte er sich seine eigenen Wünsche unlängst erfüllt. "Der mich versteht. Der mich nicht so fühlen lässt, als wäre ich nicht mehr als ein Spielzeug für diejenigen, die mich in die Finger bekommen. Der weiß, was ich eigentlich will und sich nicht dagegen sträubt.", erwiderte er, seine Stimme transparent, hauchdünn, als würde ein einziges Messer reichen um sie zu zerschneiden. Unwahrscheinlich war nichts, wahrscheinlich aber noch viel weniger - womöglich hatte er sich zu sehr in den eigenen Ideologien verrannt, einem Kodex, dem lediglich er folgte, um nicht verrückt zu werden.

      "Gefühle sind da, um sie sich von der Brust zu reden. Erlebnisse auch. Ich will dich nicht dazu zwingen, solche Dinge irgendwann mit ins Grab zu nehmen, oder an deine Seele zu binden." Eine Seele, zu der er keinerlei Zugang besaß, die er nicht davon heilen konnte, was er ihr angetan hatte. Nayantai wollte ihn nicht schänden, nicht so, wie es andere mit ihm getan hatten. Ihn nicht dazu zwingen, all das in sich zu vergraben, oder seiner Sorgen ein Grab zu widmen, dem sich keiner annehmen konnte. Die Wahrscheinlichkeit, dass er sich gerade wieder etwas ausmalte, das nicht der Wahrheit entsprach, war wohl höher, als er es sich ausmalte. "Ich weiß, aber du teilst mein Leid. Dem gebührt Dank. Nicht jeder würde sich einfach dazu entscheiden, mir Gehör zu schenken. Oder mir meinen Freiraum zu lassen.", seufzte er den eigenen Unmut aus sich heraus. Schlussendlich wischte er sein Gesicht noch einmal an seinem Ärmel ab, nahm einen tiefen Luftzug und hielt inne, als berechtigte Fragen aus Rain herausbrachen, für die Nayantai keinerlei Antworten besaß. Belächeln konnte er sie trotzdem nicht. "Nein ... bleib einfach hier, in Ordnung?" Wohin auch sonst mit ihm? Der große, böse Wolf war unlängst tot und das jämmerlich kläffende Hündchen, das gerade Zuflucht bei einem Lamm suchte, brauchte es umso mehr. "Können wir einfach hier liegen bleiben? Für immer? ... Ich würde dich gerne halten, wenn ich darf?"
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Nayantai sah Gespenster, er glaubte nicht, dass Rikiya irgendetwas von ihm verlangte, dass er nicht tun wollte. Die Last der Kronprinz zu sein trug Nayantai selbst. "Ich glaube nicht, dass ich der Einzige bin. Was ist mit deinem Vater?" Vielleicht hätte Rain das Kompliment einfach annehmen sollen, aber er wollte nicht, dass Nayantai sich so allein fühlte und als hätte er niemanden sonst. Bestimmt gab es auch andere die es kümmerte wie es ihm ging und die ihn nicht ausnutzen oder kontrollieren wollten. Rain wusste nicht viel von Nayantais früherem Leben hier, aber er wusste, dass er anderswo hingezogen war und so kannte er viele der Thrianer hier wohl auch kaum, abgesehen von seiner Familie natürlich. Sich auf die Suche nach seinen Freunden zu machen schien ein schwieriges Unterfangen zu sein, einerseits bewegten sich die Nomaden ständig und andererseits waren sie vielleicht gar nicht mehr am Leben...

      "Dann hast du wohl Glück, dass Adrestia ganz anders funktioniert. Wir nehmen unsere Geheimnisse mit ins Grab. Ich brauche mit niemandem außer dir zu reden, so wie es schon in Fhaergus war.", erwiderte Rain mit einem Lächeln. Ob die Wölfe hiermit recht hatten? Vielleicht ging es Rain immer so miserabel, weil er alles für sich behalten musste. Andererseits ging es ihm hier nicht so viel besser, er hatte nur weniger Zeit sich damit auseinanderzusetzen und sich über die Kälte zu beschweren hatte er schon lange aufgegeben. "Ich glaube wir sind weit überdies hinaus. Ich habe mich doch schon entschieden dich zu heiraten, da war dich zu unterstützen mit inbegriffen." Nayantai tat so als hätten sie ihrer beider Leben nicht schon aneinander gebunden. Rain nickte als Nayantai ihm sagte er solle hier bleiben. "Vielleicht nicht für immer.", schmunzelte Rain. Er legte sich aber in ihr Bett und zog Nayantai zu sich, sodass er ihn umarmen konnte. Er drückte Nayantais Kopf gegen seine Brust und streichelte ihn ein wenig mehr.
    • Im Tod war die Einsamkeit mitunter das Einzige, das ihn begleiten würde - Thrianer glaubten weder an die Hölle, noch zweifelten sie an, dass nach dem Ende der Zeit jeder das bekam, was er verdiente. Nayantai glaubte nicht, dass auf ihn ein Thron, Reichtum oder gar offene Arme warten würden, aber an den Tod, das ewige Leben, oder das vorherrschende Nichts zu denken, das stand ihm nicht, auch dann nicht, wenn er sich selbst so fühlte, als wäre er unlängst einem unschönen Ende geweiht. Die Hoffnung war es, die abermals zuletzt sterben sollte und eben jene war es auch, die an ihm haftete, als wäre sie Pech - sie versprühte Funken, ein kleines Leuchtfeuerwerk, das er sich kaum ansehen wollte, dessen Existenz er nicht verstand, auch, wenn er sich danach sehnte. "Ich kann ihm das nicht erzählen.", murmelte er. "Natürlich weiß ich, was du meinst. Aber das sind Dinge, die ich ihm niemals auftischen könnte, selbst wenn ich ein Verlangen danach hätte." Bitter war all das in seinem Leben, das er unlängst nicht eigenständig schaffte. Den Schritt zu wagen sich selbst aufzuschneiden, seinen Brustkorb entzwei zu teilen, indem er sich das eigene Sternum aufbrach und sich die Haut, das Fleisch, vom Leibe riss und seinem Vater sein Blut ausschüttete, konnte er nie wagen. "Das kann ich ihm nicht antun. Ich glaube, dass das schlimmer wäre, als einfach zu glauben, ich sei tot." Ein lebendiger Toter, die Schande eines ganzen Landes. Wer würde ihn noch ernst nehmen?

      "Mh, aber bedrückt dich das nicht, die Geheimniskrämerei? Manchmal musst du einfach loslassen. Du kannst nicht einen ganzen Korb voller Steine auf den Gipfel eines Berges schleppen. Das weißt du." Vielleicht sogar besser als Nayantai selbst. Rain hatte seine eigenen Sorgen, tat sie seltener kund, als ihm lieb war und auch, wenn der Wolf sein Schaf beschützen wollte, so fühlte es sich nicht richtig an es zu belästigen, nach verworrenen Gefühlen zu fragen oder an alten, unsichtbaren Wunden zu lecken und sie mit seinen Zähnen wieder aufzureißen. "Das ist mir bewusst, aber eine Selbstverständlichkeit sollte es dennoch nicht sein.", gab er zurück - sein gesamter Körper fühlte sich schlaff an. Sein Herz, einst ein eisiger Klumpen, taute stetig, heute wohl ein Stück mehr. Rain war der Katalysator für all das wozu er sich selbst nicht aufraffen konnte, die winzige Flamme, die das Eis zum Schmelzen brachte und derjenige, in dessen Arme sich ein riesiger Wolf rettete, der nicht zu übersehen war. "Mh, dann eine halbe Ewigkeit.", witzelte er. Nayantai wischte sich die bereits kalten Tränen noch ein letztes Mal aus dem starren Gesicht, bevor er sich in Rains Umarmung verkroch und eines der Felle mit sich zog, damit ihnen beiden ein wenig wärmer war. Einen Arm legte er um Rain, mit dem Anderen griff er nach seiner Hand und sein Gesicht drückte er gegen Rains Brust, horchend auf das fremde Herz, das so viel mehr über ihn zu wissen schien, als sein eigenes. "Danke."
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Selbst wenn du es mir nicht erzählt hättest würde ich dich unterstützen und Rikiya verlangt auch nicht von dir, dass du ihm alles erklärst. Er steht trotzdem hinter dir, egal was du für dich behalten möchtest und was nicht und egal was sich für dich Richtig anfühlt.", versuchte Rain Nayantai aufzumuntern. Er war bei Weitem nicht so allein wie er glaubte. Rain war gerne für ihn da, aber er würde es nicht immer sein. Nayantai musste wissen, dass er nicht allein war, nur weil Rain die nächste Krankheit die ihn heimsuchte vielleicht nicht überlebte. "Was ich meine ist, dass er das Beste für dich will und dass er nur gerne ungefähr wissen will wie es dir geht, ohne Einzelheiten. Damit er dir helfen kann. Ich weiß, dass er vielleicht nichts für dich tun kann und er weiß das auch, aber der Gedanke zählt doch, oder? Du hast mehr Menschen als nur mich die dir helfen wollen." Rain machte sich auch um Rikiya Sorgen, der sich ständig in die Arbeit zu stürzen schien, nur um am Abend noch einen Tee mit Rain zu trinken und sich seine Dummheiten anhörte.

      "Ach? Ich dachte du glaubst daran, dass ich alles schaffen kann. Ich hätte dir vielleicht geglaubt, wenn ich nicht auf Fhaergus höchstem Berg gestanden hätte und nun hier in Thria sitzen würde.", kicherte Rain. Er wusste natürlich was Nayantai meinte, aber er wollte auf die trübsinnige Stimmung nicht eingehen und abgesehen davon ging man in Adrestia ganz anders mit Geheimnissen um. "Ich bin umgeben von Geheimnissen aufgewachsen und abgesehen davon teile ich deines doch mit dir. Es ist nicht so als müsste ich es alleine mit mir herumschleppen, so wie du es jetzt auch nicht mehr musst." Aber Nayantai hatte Recht, nicht unbedingt wie er es vielleicht glaubte, aber Rain trug noch ein anderes Geheimnis mit sich herum, eines, das er nicht mit Nayantai teilen konnte und würde er es irgendwann doch erfahren, dann würde er bestimmt enttäuscht von Rain sein und trotzdem... es gab keinen Grund solch ein Thema anzusprechen, wenn es für niemanden etwas zum positiven änderte. Rain lächelte weiter. "Ich nehme deinen Dank an." Schluss mit diesem hin und her. Er erwartete keinen Dank, aber er wollte Nayantai auch nicht nehmen sich zu bedanken. In Nayantais Armen war es stets warm, so auch jetzt. Rain drückte und streichelte ihn mit seiner freien Hand. Er hoffte es ging ihm wirklich besser, aber nur weil er seine geschichte teilen konnte, hieß das nicht, dass er plötzlich wieder ganz der Alte werden würde und Rain konnte nicht viel weiter tun als ihn zu halten und ihm zuzuhören.