spellbound. (earinor & akira)

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    • Der Schnee war teilweise frisch und teilweise Jahrzehnte alt - Oyu wusste, dass sehr viele der flach getretenen Flocken um einiges älter waren, als sie es je gewesen war und womöglich je sein könnte, selbst wenn sie ein erfülltes Leben lebte. Das Eis unter dem Schnee ließ zumindest auch darauf schließen, dass es hier keinen nährhaften oder anderweitig nutzvollen Boden gab und sie die triste, eisige Einöde, die dieser Kap am Ende der thrianischen Welt war, bald hinter sich lassen würden. Wie Caelans Heimat wohl war? Oyu malte sich grüne Hügel mit haufenweise Bäumen aus und platzierte ein paar Holzhütten in der Gegend, von welchen sie schon wusste - aber waren die wirklich aus Holz? Bevor sie Caelan fragen konnte, öffnete dieser schon seinen Mund. “Finde ich auch, aber eher weil Küsse ziemlich widerlich sind, finde ich! Und dann noch von so einem schleimigen Aal …”, nuschelte das Mädchen betört. Ob Caelan da andere Ansichten hatte? Zumindest hatte er ihr schon von sich erzählt und Oyu war noch immer neugierig, wenn es um all diese Dinge ging, die sie irgendwo und irgendwie nicht ganz verstand. “Bei euch sind es doch nur Männer und Frauen die romantische Beziehungen miteinander haben dürfen, oder? Findest du es deswegen ekelhaft? Wenn ja, dann bist du aber ziemlich eigenartig.”, teilte sie dem alten Mann dennoch mit.

      “Keine Ahnung, vielleicht braucht er den Platz. Könnte auch sein, dass er sich irgendeine Gegenleistung des Königs erhofft, wenn wir dich dorthin bringen - und wenn er dich ausfragen will, braucht er nun mal einen Übersetzer. Dafür hast du mich!”, lachte das Mädchen schließlich zuversichtlich. Der Schlitten geriet auch schon ins Blickfeld - er war ziemlich groß, groß genug um zumindest zwei Leute auf der Fläche zu tragen und für eine weitere Person, um sich hinten hinaufzusteigen und die Wölfe anzutreiben; sie waren riesig, das sah Oyu schon von hier aus. Zottelig und weiß, drei von ihnen und dann blickten sie auch noch drein, als wollten sie nicht so recht hier sein - schade, eigentlich. “Muhan, wie lange brauchen wir eigentlich, bis wir bei der Siedlung des Königs sind?” Der Wolf lachte auf, zog die Augenbraue hoch und grinste sie beide an. “Gute drei Monate, wenn wir im Tempo bleiben und der Schlitten nicht auseinanderfällt, vielleicht doch eher ein bisschen weniger.” “So lange!?”, rief sie empört auf. Dann drehte sie sich zu Caelan um und sah ihn etwas fragwürdig an. “Also, wir sind am Meer, und der König befindet sich momentan eher am anderen Ende des Landes. Muhan meinte drei Monate oder so?”, gestand sie, schaute dabei jedoch etwas schelmisch drein, als erwartete sie die negative Reaktion von Seiten Caelans schon. “Der Schlitten ist etwas schneller!” Konnte sie dem alten Mann das überhaupt schmackhaft machen? Oyu wusste es nicht, aber da packte Muhan sie auch schon am Arm und zog sie beide zum Schlitten - noch immer klammerte sie sich fest an Caelans Hand, und doch packte Muhan eben jene auch und ließ die wilden Schlittentiere daran schnuppern; ganz so überzeugt schienen die flauschigen Riesenwölfe doch nicht zu sein, aber auch, wenn sie auf allen vieren standen, so waren sie größer als Oyu und wenn sie sich erst auf die Hinterbeine stellen würden, dann dürften sie womöglich um einiges größer als Caelan oder Muhan sein. Das war beängstigend. “Einsteigen.”, lachte Muhan noch, und Oyu deutete auf die Sitzfläche am Schlitten. “Wir sollen es uns bequem machen … und dass die Wölfe nicht an, nur so als Tipp, die sind definitiv nicht handzahm.”
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Caelan folgte den Beiden und obwohl Muhan nur ein paar Schritte vorausgegangen war, war er für Caelan in diesem Licht nicht mehr als ein Schatten. Es besserte sich mit der Zeit, seine Augen gewöhnten sich an die Lichtverhältnisse und er konnte zumindest seine Umgebung besser ausmachen. Perfekt war seine Sicht immer noch nicht und er bekam leichte Kopfschmerzen, aber zumindest stolperte er nicht über seine eigenen Füße. "Huh? Äh... ja, Männer dürfen keine Beziehungen mit anderen Männern haben, das verbietet unser Glaube, auch wenn niemand so wirklich religiös ist. Mir ist das aber ehrlich gesagt egal... und ich glaube es kommt öfter vor als man denkt. Nur eben nicht öffentlich.", brummte Caelan vor sich hin. Vermutlich hatte sich diese Regel ohnehin nur so lange gehalten, weil das Bluterbe in Adrestia einfach wichtig war und die Thronfolge nur kompliziert werden würde, wenn man solche Beziehungen erlaubte. Weder die Wölfe, noch die Leute im Süden hatten diese Regelungen, zumindest war der Süden liberaler was das anging. Soweit er wusste gab es dort Könige die eine Ehefrau und einen Ehemann hatten und andere die gleich zehn Frauen geheiratet hatten, aber das war noch einmal ein ganz anderes Thema.

      "Wenn ihr Wölfe keine herzlosen Monster seid, dann wird mir der König schon zuhören...", murmelte Caelan und blickte gen Schlitten. Was davor gespannt war hielt er erst für kleine Pferde, Ponys vielleicht, aber als sie näher traten erkannte er die riesigen Wölfe. "Was zum Henker... wieso sind die so riesig?!", wollte er wissen, wurde aber zugleich von der nächsten Überraschung abgelenkt. "Drei Monate? Ugh..." Caelan rieb sich über den Nasenrücken. Er hatte keine Ahnung wie lange er schon hier war, aber positiv geschätzt war es nur ein Monat, vermutlich eher mehr. In 3 weiteren wäre der Schnee in den Pässen von Fhaergus schon lange geschmolzen und was auch immer sich zusammenbraute wäre bereits geschehen wenn sie dort ankamen. Mehr als das, wenn sie erst einmal den König erreicht hatten, mussten sie immer noch irgendwie nach Fhaergus kommen... Es war ein aussichtsloses Unterfangen, aber das Einzige das er tun konnte. Der große, menschliche Wolf packte ihn energievoll und zog ihn zu den Bestien hinüber. Caelan würde nicht sagen, dass er Angst vor ihnen hatte, aber zumindest Respekt. Die Wölfe schnupperten an ihnen beiden, fein, so lange sie Caelan nicht die Hand abbissen. Nachdem die Tiere mit ihrem Geruch vertraut waren wurden sie zum einsteigen aufgefordert. Caelan setzte sich und bot Oyu seine Hand zur Hilfe an. "Das hatte ich nicht vor.", teilte er ihr bestimmt mit. Dieser Schlitten war vermutlich angenehmer als ein Pferd, ob er schneller war, wusste Caelan nicht. So oder so, er war froh endlich wieder in die Gänge zu kommen.
    • Oyu hörte dem alten Mann noch einigermaßen aufmerksam zu, bevor sie sich fragen musste, ob sie es freiwillig tat oder ihm einfach nur Gehör schenkte, weil sie selbst neugieriger war, als sie es wirklich sein sollte. Sinn machte es doch allemal, über Adrestia zu lernen, aber einen Zweck hatte es vielleicht eher weniger, wenn sie bedachte, dass sie weder einen Sinn darin sah, jemals dorthin zu kommen noch wirklich dorthin wollte. War es denn eine Schande, so zu denken? “Also suchen wir dir hier einfach jemanden und du bleibst!”, stellte Oyu grinsend fest - derartiges wäre ihr wohl am liebsten, auch wenn sie ehrlich sein musste und kaum glaubte, dass Caelan in diesem Land bleiben wollte. Sein Ziel hatte er klargemacht, daran gab es wohl auch nichts zu ändern und Oyu verstand den alten Mann irgendwie - er wollte auch nur zu seinem Sohn, worüber sich kaum streiten ließe. Wer wollte so etwas denn nicht? “Das solltest du doch wissen, seitdem du mich kennst. Wir Wölfe sind so oder so ganz in Ordnung, auch wenn du das vielleicht nicht immer so siehst.” Ein Lachen später wäre die Welt schon anders, und doch konnte sie sich etwas derartiges nicht abverlangen.

      Das junge Mädchen kicherte dennoch kurz darauf relativ frei über die Empörung in Caelans ganzer Existenz - was für ein Scherzkeks dieser Mann doch sein konnte, und wie witzig es war, ihm zu lauschen, wenn ihm gerade etwas nicht so wirklich passte. “Sind die Wölfe bei euch nicht so groß? Zumindest bei uns ist die Größe noch ziemlich standard! Wir haben sicher irgendwo auch kleinere, aber nicht bei uns.” Oyu kannte sie allesamt, die Arten von Tieren die hier unten wirklich existieren konnten, aber davon gab es immerhin wenige und immer weniger - sie ließen sich nicht zähmen und keiner versuchte es so wirklich; ohnehin war es wohl ein scherzhafteres Unterfangen einen Wolf zu zähmen. “Besser als ein halbes Jahr! Außerdem sieht Muhan zumindest so aus, als ob er Ahnung hätte, also machen wir uns sicher schneller dort bemerkbar als du glaubst!”, zwitscherte sie zufrieden und ließ sich auf den Schlitten helfen. Muhan grinste die beiden noch schief an, bevor er sie fest am Schlitten verschnürte und sogar die Güte besaß, sie davor zuzudecken. Erst danach schwang er sich auf seinen eigenen Platz und pfiff - das setzte die Wölfe auch schon in Bewegung, gegen den Wind und in die weiße Landschaft hinaus.
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    • Caelan blickte Oyu etwas verwirrt an. "Mir? Hier? Nein. Ich denke ich bin fertig mit Beziehungen. Ich bin zu alt um mich noch einmal zu verlieben und außerdem ist meine Frau noch nicht so lange tot... abgesehen davon habe ich kein Interesse daran unter euch zu leben und das beruht sicher auf Gegenseitigkeit und wenn ich meinen Sohn gefunden habe, dann... ich weiß nicht, der Süden scheint eine bessere Option für ihn." Caelan konnte versuchen Fhaergus zurückzuerobern. Wenn er Glück hatte, dann wollten sie nur ihn aus dem Weg räumen, stellten es als Unfall dar und dann konnte selbst Lord Darragh nichts dagegen haben und Rain wäre ihre Marionette. Das würde zumindest bedeuten, dass er noch lebte. Wäre es so, dann würde Caelan sich nicht einmischen, sofern es Rain gut ging, falls es nicht so war... selbst wenn er ihn fand, er wollte nicht mehr kämpfen, er hatte genug davon, es schien als wurde ihm endlich klar, dass Rain am Wichtigsten war. Aber konnte er sein Volk so einfach im Stich lassen? Sie hatten sich immer auf ihn verlassen. Er wusste nicht weiter, aber zum Glück konnte er alle Entscheidungen aufschieben, bis er genau wusste was los war.

      "Ich schätze keiner von euch war am Leben als dieser Krieg begonnen hat. Ihr könnt nichts dafür und es ist Zeit aufzuhören..." Das war ihm schon lange klar, aber was er zusammen mit Lord Darragh losgetreten hatte ließ sich einfach nicht mehr aufhalten. Ronan war schon lange nicht mehr da draußen, Caelan würde ihn nicht finden, nicht nach all diesen Jahren und Rache hatte ihren Zweck auch schon lange verloren. "Was? Nein. Wölfe sind ein bisschen größer als Hunde. So, in etwas." Er zeigte mit seiner Hand die Größe eines Adrestianischen Wolfes. Diese hier waren so groß wie ein kleines Pferd! Hatten sie auch riesiges Wild? Caelan stellte sich für einen Moment eine riesige Jagdtrophäe vor. Es war komisch von einem erwachsenen... naja mehr oder weniger erwachsenen Wolf festgeschnürt und zugedeckt zu werden, aber Caelan ließ im Moment alles mit sich machen, solange das hieß, dass sie Richtung Adrestia reisten. Der Schlitten setzte sich schon bald in Bewegung. "Wisst ihr überhaupt wo euer König ist? Ihr seid doch Nomaden, oder etwa nicht?"
    • “Ja, doch. Dann kannst du bei mir bleiben, aber ich schätze, das wäre auch irgendwo ziemlich selbstsüchtig?”, warf Oyu in den Ring, als hätte sie wahrlich Interesse daran Caelan für Jahre an ihrer Seite zu wissen - er könnte ihren Vater ersetzen, wenn auch nur für eine Weile und wenn Oyu ehrlich war, dann wäre ihr das gar nicht so Unrecht. “Auf alle Fälle, ähm, wenn du mit Rain in den Süden gehst, wirst du dort überhaupt glücklich? Definitiv glücklicher als hier, aber, naja … ist das das Richtige?” Oyu wollte es heute wohl allem Anschein nach ganz genau wissen - Caelan machte sie unsicher, auch wenn es nicht wirklich etwas gab, das sie daran zu beklagen hatte, oder musste. War sie ehrlich, so musste sie nur versuchen, ihn zu verstehen - ihn für einen Moment als mehr wahrzunehmen, das sie sich in ihrem Kopf über ihn ausmalte. “Hm, hattest du vor deiner Frau denn jemand anderen, oder ist das wie in den Gute-Nacht-Geschichten? Du weißt schon, wenn man sich unsterblich in jemanden verliebt, mit dem man vielleicht noch gar nie geredet hat und dann bis auf immer und ewig in sie oder ihn vernarrt ist?” Sie stellte sich das Alles ziemlich traumhaft vor - Oyu war nun einmal jung und von dem rosaroten Schleier der Liebe wusste sie noch nicht genug.

      “Hm, nein. Ich weiß zwar nicht wie alt Muhan genau ist, aber der dürfte zumindest noch winzig gewesen sein, als er angefangen hat.”, seufzte das Wolfsmädchen - sie genoss den reschen Wind, der über ihre Haut streifte und durch ihre Haare tänzelte. Auf dem Schlitten konnte sie sich längere Zeit fortbewegen, vor allem wenn die Wölfe sie so angestrengt durch die dicken Schneemassen zogen und Muhan hinter ihnen auch noch fasziniert davon zu sein schien, wie sich das gesamte Gefährt so schnell bewegen konnte. Heute waren diese Tiere wohl noch motiviert und wohlgenährt, aber in ein paar Tagen? Sie würden all das wohl erst so richtig verstehen wenn sie vor vollendeten Tatsachen standen - wenn ein paar Tage oder Wochen hier draußen wirklich verstrichen waren und es nichts mehr gab außer das, was sie schließlich selbst jagen mussten. Wie sah das hier draußen eigentlich aus? Caelan holte sie zurück in die Realität. “Hunde? Die gibt es hier nicht.”, stellte Oyu fest, ohne wirklich zu wissen was das war - oder was genau es war, das sie verpasste. Stattdessen rief sie in den Wind hinein und fragte Muhan danach, ob er überhaupt wusste, wohin sie mussten. Eine Antwort hatte sie gleich darauf - womöglich eine, die Caelan nicht einmal so schlecht fände. “Ungefähr, also, die Siedlung hat sich eine Weile nicht bewegt und selbst wenn, dann würde sie uns eher entgegenkommen und den Weg verkürzen. Der Breitengrad könnte zwar falsch sein wenn das passiert, meint er, aber sie zu finden ist selbst dann relativ leicht - wir sollen ihm vertrauen, Muhan kennt sich aus. Zumindest sagt er das.”
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    • "Oyu... Ich bin nicht dein Vater, nicht einmal ansatzweise und auch wenn ich von diesem Krieg nichts mehr halte, wäre ich lieber irgendwo, wo es echte Häuser gibt. Früher hätte es mir vielleicht gefallen ständig durch die Gegend zu ziehen und so zu leben wir ihr, aber diese Zeiten sind vorbei.", teilte er ihr mit. Sie tat besser daran sich eine andere Familie zu suchen, Caelan war bestimmt nicht der Einzige, der nett zu ihr war." Das Richtige? " Für einen Moment blieb Caelan still, Oyu war wohl alt genug um das Meiste zu verstehen, aber bestimmt nicht alles. "Ich weiß es nicht. Wenn Rain noch in Fhaergus ist, dann... Wenn es ihm gut geht will ich ihn dort nicht in Gefahr bringen, wenn nicht, dann weiß ich gar nicht ob er eine Reise in den Süden überleben würde... Vielleicht könnte ich ihn näher verstecken, aber..." Er seufzte tief. "Ich möchte das Leben meines Sohnes über das meines Volkes stellen, aber es ist nicht so einfach... So oder so wird es ihnen schlechter ergehen ohne mich. Ich muss mich wohl entscheiden... Wenn Rain überhaupt noch..." Und wenn nicht? Naja, dann hatte er wenigstens nichts mehr zu verlieren. Vielleicht würde er sich mit seinen Soldaten in Fhaergus verschanzen und es verteidigen, bis irgendjemand einlenkte.

      Oyu stellte heute alle möglichen schwierigen Fragen. Er hatte wohl kaum etwas vor ihr zu verstecken und vielleicht fand sie es auch komisch, aber das Meiste würde sie wohl nicht verstehen bis sie delbst verliebt war, oder eine Familie hatte. "Ach Oyu, das... Ist alles komplizierter als du denkst. Jedenfalls war sie nicht meine erste große Liebe und ich mochte sie auf eine ganz andere Art... Ich war auch um einiges älter... " Caelan zog seine Kleidung enger um sich, der Wind half nicht sich besser zu fühlen. "Wie lange bis wir diese eisige Kälte hinter uns lassebän...?", brummte er. "Ihr habt keine Hunde?", fragte er weiter als Oyu schon ansetzte Muhan zuzurufen. "Naja, mir bleibt nichts anderes übrig. Er wird es besser wissen und wenn wir sie nicht finden, dann könnten wir auch so nach Adrestia reisen..." Auch wenn er Oyu nur ungern mitnehmen würde. Adrestia war zu gefährlich wenn sie mit einem weiteren Wolf und einem Todgeglaubten reiste.
    • “Das weiß ich schon, ich bin einfach nur neugierig! Außerdem denke ich, ich würde mich freuen, naja, aber ich werde mich dir schon nicht aufzwingen, keine Sorge.”, bemerkte sie mit einem Lachen. Das war definitiv nichts, das sie tun musste - geschweige denn war es etwas, das sie tun sollte. Wieso sich Hoffnungen machen, wenn sie beide nicht mehr als zwei Personen waren, die sich verstanden, weil sie es nun einmal mussten? Oyu hätte genau so gut an jemand anderen geraten können, der sie nicht auch nur mit der Rückseite seiner Augen ansah - naja, das war auch nichts, das sie nicht von Shuren gewohnt war, oder? “Mh, ich verstehe schon. Ich sollte dich solche Dinge eher nicht fragen, ich will dir wirklich nicht zu nahe treten. Tut mir leid.”, nuschelte sie - sie wusste immerhin und verstand wohl auch einigermaßen, dass es nicht viel gab, das sie für Caelan tun konnte, zumindest im Moment nicht. Wo stand ihm denn sonst auch noch der Kopf? Über Rain sollte er ihn sich im Moment eher weniger zerbrechen und wenn er sich doch dazu durchrang, dann sollte er sich zumindest nicht auf diese Art und Weise anstellen, wie er es gerade tat. “Ich bin mir sicher ihm geht es gut! Mach dir nicht so viele Sorgen, du mutest ihm gar nichts zu!” Jetzt schien sie auch noch für ein fremdes Schaf empört zu sein.

      Ausgerechnet jetzt war doch die perfekte Zeit für Geschichten - sie hatten nicht viel zu tun, waren alleine und Muhan verstand sie ohnehin nicht. Oyu lächelte, nein, war sogar angetan von der Idee und Caelans Worte machten eben jene um einiges interessanter. “Hm? Oh! Mach es nicht so spannend, jetzt will ich wissen wen du geliebt hast! War es eine Prinzessin? Oder vielleicht sogar ein Prinz? Hm?”, stachelte sie ihn an - sie wusste gar nicht, was sie hier gerade eigentlich fabrizierte, aber sie war sich zumindest darüber im klaren, dass sie mehr wissen wollte und ihr jemand wie Caelan mehr als nur von seinen Liebesgeschichten erzählen konnte, oder sogar sollte. “Älter als sie?”, sie legte den Kopf schief und funkelte Caelan an - sie war Feuer und Flamme für mehr Informationen, mehr Geschichten. “Hm, wahrscheinlich einen guten Monat, oder so? Und nein, keine Ahnung was ein Hund sein soll. Ein kleiner Wolf? Also kleiner, als ein kleiner Wolf?” Dafür musste sie nicht einmal den stummen Mann am Schlitten fragen - Oyu war alt genug um einige Dinge selbst zu wissen, wie zum Beispiel, das all das hier doch um einiges anstrengender war, als sie es sich vorstellen konnte. “Zu dritt? Hm, keine Ahnung, ob Muhan das zulässt - ich glaube eher, dass er umdrehen würde.”
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    • "Rain würde das Leben hier nicht überleben... ich meine, weiter im Osten. Ich bin die Kälte dort gewohnt und zu Hause ist es im Winter nicht viel wärmer, aber er... nein, er wäre eingesperrt in einem kleinen Zelt, das wäre wohl schlimmer, als eingesperrt in einem kleinen Haus zu sein." Caelan seufzte tief. "Ich wusste nie wie ich mit ihm umgehen soll... aber ich hätte mich mehr bemühen sollen, mehr Zeit mit ihm verbringen sollen..." Und dennoch hatte er Angst gehabt. Er kannte die Geschichten über seine Tante und sein Onkel... er hatte ihren Tod wohl nie verkraftet und dementsprechend wollte er Rain kein einziges Mal sehen. Allard wurde es nicht müde zu betonen, dass er etwas wie damals nicht zulassen würde, ebenso wenig wie er es müde wurde Caelan zu sagen wie ähnlich er seinem Onkel doch war. Zu grob, zu aufbrausend, zu dumm. Irgendwann glaubte er ihm und als das kleine, dürre Baby dann endlich da war, hatte er einfach nur Angst ihn wieder zu verlieren. "Schon gut. Solange ich nicht weiß was dort los ist, kann ich mich sowieso nicht für eine Richtung entscheiden... drei Monate Grübeln bringt mich auch nicht weiter." Er blickte zu Oyu, sie verstand nicht wie schlecht es um Rains Gesundheit bestellt war und sie konnte es sich wohl kaum vorstellen. "Er ist krank, weißt du? Sehr krank."

      Oyu schien sich ohnehin viel lieber über Caelans Liebesleben zu unterhalten, was nicht unbedingt ein fröhlicheres Thema war. "Fandest du nicht alles was mit Liebe zu tun hat eklig als wir das Letzte Mal darüber gesprochen haben?", fragte er mit einem Seufzen nach. "Wir haben nicht so viele Prinzen. Es gibt nur einen König und seine Söhne sind Prinzen. Ich kannte den Prinzen der dann König wurde, aber er war etwas zu... leise für mich, ich wusste nie worüber ich mich mit ihm unterhalten sollte und ich konnte ihn schwer so sehr necken wie meine Freunde. Ich war schließlich nur der Erbe eines Fürstentums. Als er König wurde, lernte ich auch seinen Sohn, den jetzigen König kennen und er... naja sagen wir mal, dass ich nie viel von ihm gehalten habe, abgesehen davon, dass er noch ein Kind war, als er König wurde. Er kann vermutlich nichts dafür, er wurde so erzogen wie er jetzt ist. Er will alles haben und ein Nein gibt es nicht." Nun machte er mehr eine Geschichtsstunde aus Oyus Frage, statt sie wirklich zu beantworten. "Prinzessinnen gab es schon lange keine mehr. König Henry heiratete erst als er schon König geworden war und er hatte auch keine weiblichen Nachkommen. Ich habe also nie eine getroffen." So viel war wahr. "Als sie? Nein, also schon, aber ich meinte... zwischen meiner ersten Liebe und ihr lagen gut fünf Jahre. Ich war älter als ich sie kennenlernte und bereits Fürst von Fhaergus. Sie war drei Jahre jünger als ich, aber sie war immer sehr viel erwachsener als ich..." Ein Monat bis er sich nicht mehr den Arsch abfrierte? Hoffentlich überlebte er das... "Hunde stammen von den Wölfen ab, also ja fast. Es gibt aber viele verschiedene Rassen. Ich hatte mal einen Hund, mein Vater hatte auch welche." Erneut seufzte Caelan. "Umdrehen? Er will den Prinzen doch finden, je mehr Zeit wir hier vergeuden, desto geringer die Chance, dass er noch lebt."
    • Rain schien sich also definitiv nicht von seinen Problemen zu erholen - Caelan machte ihr das gerade klar und Oyu, die das Prinzip von vorne herein verstanden hatte und nun noch einmal mehr verstehen musste, schien endlich auch an dem Punkt anzukommen an welchem sie entscheiden konnte, dass Caelans Sohn und eine etwaiger Umzug in die thrianische Kälte nichts für den alten Mann waren. Schließlich konnte sie sich dazu durchringen, zumindest ein wenig verschmitzt zu lächeln - es oblag ihr irgendwo nicht, sich um solche Dinge zu scheren und gleichermaßen war sie wohl auch die Einzige, die Caelan gerade oder vielleicht auch jemals ein Gehör für die Probleme, die ihn jetzt noch heimsuchten, schenken konnte. “Sag sowas nicht! Ich verwette alles was ich habe dafür, dass es ihm gut geht. Das weiß ich!”, schlug sie ihm ungleich vor. Oyu kannte Caelans Sohn nur von seinen Geschichten, wusste, dass er wie ein trockenes Blatt im Wind sein musste und dass er kaum Resilienz besaß, aber Oyu wollte an ihn glauben, damit es dem alten Mann zumindest ein Stück weit besser gehen konnte. “Ich verstehe schon, aber wenn du dich drei Monate lang verrückt machst, wird das auch nichts. Du meintest doch, er hat den Kronprinzen der Wölfe - vielleicht verstehen sich die beiden sogar und er beschützt ihn für dich!” Vorstellen konnte Oyu sich das nicht wirklich, aber sie konnte behaupten, sie hatte eine Idee.

      “Ja, aber wie gesagt, drei Monate sind lange und ziemlich langweilig. Dementsprechend habe ich definitiv nichts dagegen wenn du mir Geschichten erzählst - ich finde, du hast ziemlich viele davon und ich will sie alle hören!” Kein Detail sollte Caelan aussparen, auch, wenn viele der Dinge, die ihm widerfuhren, nicht für kindliche Ohren wie die ihren geschaffen waren. War es denn eine dumme Idee, sich auf jemanden wie Oyu einzulassen? Nur zeitweise, immerhin hörte sie einem ja auch aufmerksam zu. “Hm, das hört sich alles ziemlich langweilig und kompliziert an, auch die Tatsache, dass ihr keine Prinzessinnen habt, oder schon lange keine mehr hattet. Das ist doch langweilig!”, echauffierte sie sich, doch Oyu bekam sich gleich wieder ein und man merkte, dass er eklatante Aufstand ihrerseits wohl nur gespielter Natur gewesen war. “Also hattest du einen König, den du nicht wirklich zu verstehen wusstest und jetzt hast du einen, der sich wie ein hungriges Kind benimmt … Schafe sind komisch, aber du beantwortest meine Frage damit nicht wirklich.”, stellte sie nochmals klar. Sicherlich machte Caelan derartige Dinge mit Absicht, um sie offensichtlich zu piesacken, aber dafür fehlte Oyu nun wirklich die Beweislage; nach einer zu suchen war auch nicht das Gelbe vom Ei. “Oh, hast du fünf Jahre lang Niemanden abbekommen? Oder hast du sie alle abserviert? Hat dein ehemaliger Liebhaber dir das Herz gebrochen?” Sie schien Feuer und Flamme für die Thematik, doch jetzt gerade hatte sie einen durchaus anderen Dorn im Auge. “Huh, wieso braucht viele verschiedene von denen? Ein weißer, großer Wolf reicht doch!” Dass sie hier gleich drei hatten, ließ Oyu außer acht. “Schon, aber ich denke er hat eher darauf zu achten, dass du ihm nicht wegrennst - aber vergiss das. Also, wie war das mit deinem Liebhaber?”
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    • "Ich hatte nie besonders viel Erfolg damit, Leute die ich liebe am Leben zu halten, also... dennoch, er ist das Einzige das ich noch habe. Ich werde nicht aufgeben, solange ich nicht sicher bin, dass er tot ist... nicht schon wieder..." Ronan hatte er nie gefunden und er hatte die Suche irgendwann aufgegeben. Er fand keine einzige Spur, nicht einmal einen Fetzen Kleidung, gar nichts. Er wusste, dass er nicht mehr lebte, irgendwann machte Hoffnung keinen Sinn mehr. "Mh... Rain würde ihm wohl nichts tun, das liegt ihm nicht, aber ich weiß nichts von eurem Prinzen. Als man ihn damals gefangen hat, hat er mehrere Soldaten getötet, selbst als er schon verletzt war und reden konnte man mit ihm auch nicht... Als ich ihn dann aus dem Kerker geholt hatte, wollte er sich auch nicht recht unterhalten, wobei ich nicht glaube, dass er die Kraft dafür gehabt hätte..." Vielleicht hatte auch der Wolf Rain umgebracht... Caelan würde sich das niemals verzeihen und der Impuls ihn aus dem Kerker zu holen? Es war dumm gewesen und wenn Darragh davon wusste, dann würde es Caelan nicht wundern, wenn er seiner Beseitigung zustimmte... allerdings glaubte er auch, dass dieser Plan schon im Gange war, bevor Caelan das getan hatte.

      "Meine Geschichten? Sie sind alle schlecht und traurig. Mein Leben war im Nachhinein betrachtet nicht besonders schön, bis auf ein paar Lichtblicke dazwischen... ugh, manchmal wäre es mir wohl lieber gewesen ich hätte mich nie verliebt." Aber das sollte er einem jungen Mädchen eigentlich gar nicht sagen. Sie sollte sich selbst ein Bild machen und sich nicht abschrecken lassen. "Adrestia ist meistens kompliziert...", murmelte er. "Huh? Nein. Ich wollte niemanden. Ich wollte auch niemanden als ich Rains Mutter traf. Eigentlich wollte ich gar nicht auf der Feier sein..." Und doch war es eine schöne Erinnerung. Auch wenn er sie auf andere Art und Weise geliebt hatte, der Moment als sie in den Garten trat in dem er sich verkrochen hatte... "Verschiedene Rassen können verschiedene Dinge. Manche helfen beim Aufspüren von Tieren, oder anderen Dingen, manche können selbst gut jagen, manche können Dinge ziehen und manche sind einfach nur süß. Mein Vater hat seine Hunde zur Jagd abgerichtet, er war sehr streng, meiner konnte eigentlich tun und lassen was er wollte. Er war einfach nur mein Haustier, fast schon ein Freund. Wenn ich als Junge in Fhaergus festsaß, dann habe ich ihn gerne auf allerlei Ausflüge in die Berge mitgenommen." Caelan hätte sich die weite Landschaft angesehen, hätte er nicht immer noch Kopfschmerzen gehabt, aber abgesehen davon war hier nicht viel mehr als jede Menge Schnee und Eis. "Ich werde nicht wegrennen, auch wenn es einfacher wäre alleine nach Adrestia zu reisen, aber ich gehe nicht davon aus, dass ihr mir so sehr vertraut, das wäre ziemlich dumm." Erneut seufzte er, Oyu ließ einfach nicht locker. "Meine erste große Liebe wurde von euch Wölfen verschleppt und vermutlich getötet. Eines Tages plötzlich weg und all das Suchen hat absolut nichts gebracht."
    • Der Wind peitschte durch die engen Zwischenräume welche die Zelte ließen und hielten ihn wach; Nayantai konnte nicht schlafen, obwohl es stockfinster und totenstill in dem geteilten Zelt war. Manchmal hörte er Rain im Schlaf röcheln oder husten, manchmal glaubte er, sein Vater hatte angefangen zu schnarchen, doch all das ebbte keine Minute später wieder ab und dann lag er da, star wie ein Brett in seinem Fellhaufen der als Bett fungierte und dachte über nichts nach, außer den Moment, den er innehalten konnte - außer die Sekunden, die er an einer Hand abzählen durfte, bevor er seinen schweren Arm um Rain legte und ihn fürstlich umsorgte, näher zog, den Rücken streichelte, Wärme spendete. An seine Misere hatte er haufenweise Gedanken verschwendet und er glaubte so langsam, dass er sich das all das vielleicht sogar einzubilden vermochte - war es denn wichtig und gleichzeitig richtig so zu agieren, wie er es tat? Er wusste es bei weitem nicht, konnte sich aber gleichzeitig nicht ausmalen, dass es irgendeinen Sinn gab, den er verfolgen konnte.

      Irgendwann driftete er wieder in den Schlaf ab, aber nicht für lange - Nayantai verbrachte vielerlei Zeit in seinem Bett, rührte sich noch immer kaum, war trotzdem unruhig und doch fühlte er sich an eben jenem Morgen rastlos genug um aus dem Bett klettern zu wollen. Zum einen fand er, er brauchte eine Dusche, zum Anderen glaubte er, er war an Rain festgeklebt - der Wolf stahl sich schon in aller Früh davon und stürzte sich in das erste, kalte Flusswasser das er finden konnte. Anfangs war es noch finster, dämmerte kaum und doch hatte er so viel mehr mitgenommen als einfach nur Ersatzkleidung und seinen eigenen Kopf - er hatte sich Rikiyas Speer ausgeliehen, einen den jener ohnehin nicht benutzte, und stand nachdem er sich gewaschen hatte noch eine ganze Weile in den eiskalten Wogen des Flusses damit. Es dürfte früher Nachmittag gewesen sein, als ihm kalt genug geworden war, dass er sich auf den Rückweg machte - Fische hatte er zuhauf gefangen, das zeigte zumindest der Speer, den er sich dazu ausgeliehen hatte ziemlich gut auf. Die Siedlung schien noch nicht aufgebracht, sondern eher fackelte alles langsam vor sich hin - Nayantai wanderte eine Weile durch das Gemenge, bevor er jemanden fand, der die Fische für getrocknetes Leder tauschen würde, das als Plane fungieren würde. Nicht alles, natürlich, aber zumindest einen Teil davon. Mit Sack und Pack machte er sich also auf, zurück zu Rain - er spitzelte in das Zelt hinein, in der Hoffnung, seine Abwesenheit war spurlos an seinem Ehemann vorübergezogen, auch, wenn er es besser wissen sollte.
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    • Als Rain diesen Morgen aufwachte, war er alleine. Naja, nicht ganz alleine, aber Nayantai war nicht da und Rikiya war dabei sich leise anzuziehen. Rain richtete sich langsam auf und grüßte Rikiya. Er war immer so beschäftigt, ging meistens bevor Rain und Nayantai aufwachten und kam erst spät Abends zurück, es sei denn, er brachte Rain zwischendurch ein paar Dinge. Es gab in dieser Siedlung wohl viel zu erledigen, eine Menge Leute wollten seine Hilfe, oder baten ihn Dinge zu entscheiden und natürlich war da auch immer noch der Krieg. Rain half so gut er konnte und bisher lag er mit seinen Vermutungen nicht falsch. Er kannte alle Truppen Bewegungen seit Beginn des Krieges und er konnte sich zusammenreimen was als nächstes passieren würde. Lord Darragh und Lord Antoinne führten ihre Truppen und alle anderen zogen nach, mehr oder weniger. Die beiden waren so alt, sie konnten Rains Großväter sein und dementsprechend änderte sich ihr Verhalten kaum. Rikiya hatte Rain erzählt, dass Khojin mit ihrem Trupp los ist um eine Transportroute die sie entdeckt hatten zu überfallen und er meinte er würde ihr nachdem alles geklappt hat sagen, dass es Rain war der sie auf die richtige Spur gelenkt hatte. Rain wusste nicht recht ob er das wollte.

      Rikiya brachte Rain etwas Frühstück und ließ ihn dann ebenfalls alleine. Wo Nayantai war wusste er nicht, aber er machte sich keine allzu großen Sorgen. Er wäre bestimmt nicht weit und was auch immer er tat, es war besser als den ganzen Tag im Bett zu verbringen. Rain war zwar nicht besser, aber er war immer noch nicht sehr mobil und draußen war es einfach kalt. Stattdessen hatte er das Bett wieder mit Papieren und Aufzeichnungen vollgeräumt, während er sich ein paar der Berichte durchlas, beziehungsweise mit seinen Notizen versuchte sie alleine zu entschlüsseln. So lange zumindest bis sich das Zelt bewegte und er Nayantai erkannte. "Hey! Wo warst du denn?", fragte er ihn mit einem Lächeln. Bisher sah er nichts weiter als seinen Kopf und die dunklen Haare. Er war ganz schön lange fort gewesen.
    • Der Frost saß ihm schon beinahe im Nacken und doch glaubte Nayantai nicht, dass er davon profitiert hätte, wenn er sich nicht genau heute aus all diesen Situationen entfernt hätte. Was wollte er denn, wenn nicht einfach nur ein Leben das ihm Spaß machte? Das beklemmende Gefühl in seiner Brust schnürte sich eng um sein Herz, hatte es wochenlang getan und ihn gepiesackt und doch hatte er gleichermaßen geglaubt, er würde sich dadurch keinen Vorteil ziehen. Genau jetzt fiel dem Wolfprinzen eigentlich wieder ein, wieso er sich aufrappeln und motivieren sollte und als Rain ihn doch noch erspähte, kam er um ein kurzes, seichtes Lächeln nicht hinweg. “Fische fangen.”, erklärte Nayantai seine Abwesenheit. Alsbald bahnte er sich seinen Weg in das Zelt hinein und legte die Planen vor Rain ab, ohne ein weiteres Wort. Seine Beine schienen noch immer rastlos, weswegen er schon bald nach einer dicken Nadel und robusten, fadenähnlichem Material suchte - viel hatte Rikiya davon nicht, aber es würde für das, was er auftreiben konnte, reichen. “Hast du gut geschlafen?”, fragte er vorsichtshalber dennoch nach - er ließ die Utensilien auf die Plane fallen und streckte sich.

      Rain war kein großer Esser und Nayantai hatte sich auch nur zwangsweise an den Lorbeeren beteiligt, die eigentlich Rikiya zustünden - Rain meinte zwar, er würde Fett ansetzen, aber da war noch immer nicht wirklich auch nur irgendetwas, das Nayantai als solches bezeichnen sollte. Sollten sie essen? Es war wahrscheinlich keine dumme Idee. “Hattest du schon etwas zu essen? Willst du Tee?”, es waren einfache Fragen, doch selbst Nayantai hatte sie in letzter Zeit immer weniger gestellt und manchmal gar nicht - er war in sich selbst untergetaucht, unter eine Platte aus Eis, und hatte es nicht geschafft, wieder hochzukommen. Zumindest bis heute morgen, wie es schien. Bald schon gähnte der ungestüme Wolf recht herzhaft und ließ sich auf dem Bett, nebst Rain, nieder - zuerst ließ er seinen Kopf auf der knochigen Lammschulter ruhen, doch bald darauf griff er auch schon nach einer Hand des Lammes und zog es an sich. “Willst du vielleicht etwas anderes als das?”, stellte der Wolf in den Raum, ohne es zu benennen - es musste auch keinen Namen haben, oder etwas konkretes sein, immerhin hatte er sich diesbezüglich auch noch nichts gedacht.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Fische fangen? Hattest du Erfolg?", wollte Rain mit einem Lächeln wissen und versuchte zu sehen, ob Nayantai welche mitbrachte, aber stattdessen schleppte er ein paar Planen herein. "Wofür ist das?", fragte er und legte seine eigene Arbeit beiseite. Er sammelte die Papiere zusammen und legte sie alle auf einen Stapel. Nayantai tigerte inzwischen durch das Zelt, anscheinend auf der Suche nach etwas. "Ja einigermaßen, hast du gut geschlafen?" Es war schön zu sehen, dass Nayantai heute etwas getan hatte und dabei war es gar nicht wichtig was es war, Hauptsache er ging nach draußen. "Was hat dich denn heute auf die Idee gebracht fischen zu gehen?" Er war ganz schön lange fort gewesen und es sah so aus als wäre ihm ein bisschen kalt, aber die Kälte mache Nayantai noch nie viel aus. Er erzählte Rain bereits was für Temperaturen er von seiner eigentlichen Heimat gewohnt war, die Temperaturen hier waren nichts dagegen. Rain war derjenige dem ständig kalt war und daran würde sich auch nie etwas ändern. Deswegen saß er auch im Bett, mit Fellen und Decken bedeckt, statt auf dem Boden bei einem Tisch.

      "Rikiya hat mir Frühstück gebracht, aber ich hätte gerne einen Tee." Rain hätte sich auch selbst einen machen können, er hatte mittlerweile oft genug zugesehen, aber er wollte nicht aus den warmen Decken heraus kommen und dann war er auch schon in all den Berichten versunken und hatte die Zeit vergessen. Nayantai kam endlich näher und setzte sich zu Rain. Der Blonde legte seinen Arm um den Wolf als er näher gezogen wurden. Es fühlte sich manchmal immer noch ungewohnt an, seltsamerweise. "Etwas anderes? Nicht wirklich, ich bin zufrieden.", lächelte er. "Hm, hast du uns auch Fisch mitgebracht? Wir könnten ihn für Rikiya zubereiten, heute Abend und du kannst mir zeigen wie man einen ausnimmt!" Er war immer bereit Neues zu lernen, speziell dann, wenn er sich mit dem Wissen hier nützlich machen konnte. Er würde wohl nicht jagen gehen, aber kochen? Das bekam er hin und nachdem beim Kochen meist auch Feuer im Spiel war, war die Aufgabe doch perfekt für ihn.
    • Ja, es waren neun? Glaube ich zumindest. Ich kann mich nicht wirklich erinnern, aber das war auch einiges an Zeit, die ich damit vergeudet habe.”, erklärte er Rain. Dinge die rar oder eventuell schwerer zu beschaffen waren wurden nun einmal durchaus entlohnt - nicht, dass nicht so ziemlich jeder Wolf fischen konnte, sie standen sich einfach nur nicht gerne die Beine in den Bauch und zu lange von der Siedlung entfernt zu sein hieß nun einmal auch, dass man etwas verpassen konnte. “Du wolltest doch ein Zelt - ich dachte mir, ich fange an, also habe ich Fische gegen Leder getauscht.”, brachte er seinem Lamm entgegen. Von den Fischen blieb ihnen deswegen zwar kein einziger, das bedeutete jedoch nicht, dass sich daran nichts ändern ließ. “Nicht wirklich, ich war die halbe Nacht ziemlich wach und rastlos. Irgendwann konnte ich nicht mehr stillsitzen und bin einfach nach draußen, ohne wirkliche Idee, aber den Speer wollte ich mitnehmen, mich vielleicht etwas nützlich machen …”, nuschelte der große böse Wolf schlussendlich, als hätte er gerade zugegeben, dass er sich davongestohlen hätte, um ein paar junge Schneehasen zu streicheln. Süß waren sie allemal, aber sie umzubringen war nun wirklich nichts, das Nayantai mutwillig tun würde - das war es nicht wert.

      “Ich verwöhne dich fast schon zu sehr.”, scherzte Nayantai herum; heute schien er durchaus gute Laune zu haben, oder ausgelaugt genug zu sein um die schlechten Gedanken einfach zu anstrengend zu empfinden. Nichts davon ließ er also an sich heran, stattdessen war er derjenige der mit Rain kuschelte und den Teekessel beäugte, den er wohl oder übel in Betrieb nehmen sollte, bevor ein gewisser jemand noch einen Aufstand machte. “Das freut mich.” Nayantai hingegen legte seine Arme um die Hüfte des anderen Mannes, womöglich wohlwollend, vermutlich weil er seine eigenen Ideen hegte, aber er tat nichts - in erster Linie wollte er nur Nähe, selbst als er sein Gesicht gegen Rains Bauch presste und sich daran kuschelte. “Die Idee ist niedlich, aber ich habe die ganzen Fische für die Plane getauscht. Soll ich dir einen Tee machen und noch welche fangen gehen?”, bot er an, auch, wenn er am liebsten zu Rain ins Bett kriechen und kuscheln würde - ein Tätscheln wäre nett, allem voran das seines Kopfes, in der Hoffnung, er bekäme gesagt, wie gut er sich nicht angestellt hatte. “Wir könnten aber auch einfach kuscheln …”
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    • "Wieso vergeudet? Du hast gar nichts vergeudet.", lächelte Rain. Immerhin hatte er auch etwas für die Fische bekommen, warum sollte es also vergeudete Zeit sein? "Oh? Das wird also das äh... Dach?", wollte er wissen. Er konnte sich das ein oder andere zusammenreimen und ihr Zelt musste ja auch gar nicht so riesig sein wie Rikiyas, Hauptsache es war warm. Sie brauchten wohl eine große Plane, ein paar Holzstämme... der Boden war mit Matten, Leder oder Fellen bedeckt und ein Bett wäre wohl auch nicht schlecht, oder zumindest ein paar Decken, aber wie er Rikiya kannte, konnten sie dieses hier einfach mitnehmen. Das klang eigentlich nach gar nicht viel, aber es war wohl komplizierter als das. "Wo ist eigentlich der beste Platz für ein Zelt? Wollen Leute lieber am Rande der Siedlung oder in der Mitte wohnen?" Nicht, dass in der Mitte noch Platz für sie wäre, Rain war einfach nur interessiert daran. Mittig war man wohl geschützte und man hatte weniger weit zu gehen, wenn man etwas erledigen wollte, aber außen war es wohl ruhiger. "Das ist doch gut, ich freue mich, dass du fischen warst. Das steht dir viel besser als die ganze Zeit im Bett zu liegen, das ist mein Spezialgebiet. Außerdem... in Fhaergus ging es dir auch viel besser, als ich dir ein paar Aufgaben gegeben habe, nicht wahr? Holz hacken, schwere Dinge schleppen und so weiter..." Das sollte er vielleicht nicht zu laut sagen, man konnte es wohl falsch auslegen. Nayantai war nicht sein Sklave, aber die Decke fiel ihm einfach auf den Kopf. Das war die beste Möglichkeit für ein bisschen Bewegung an der frischen Luft gewesen.

      "Ach ja? Ich meine... ich kann mir auch selbst einen Tee machen. Tut mir Leid, ich will nicht wirken, als wüsste ich nicht, dass ich kein Adeliger mehr bin." Er musste die Dinge selbst in die Hand nehmen und arbeiten. Nayantai wollte weder noch, er kam näher und kuschelte sich an Rain, er wollte wohl dass keiner von ihnen beiden aufstand. Rain legte seine Hand auf Nayantais Kopf und streichelte ihn ein wenig. Er war heute wirklich stolz auf ihn. "Nein schon gut, vielleicht ein andermal. Du kannst mir auch zeigen was wir jetzt mit dieser Plane tun sollen. Ich kann helfen.", bot er an. Auch das schien weniger zu sein was Nayantai gerade wollte. Rain kicherte. "Du bist bestimmt müde, du kannst ja ein Nickerchen machen, bevor wir irgendein Projekt anfangen." Rain streichelte weiter über Nayantais Kopf und durch sein langes Haar. "Ich bin froh, dass du heute nach draußen bist. Hast du dich dabei gut gefühlt?", wollte er wissen.
    • Rain mochte vielleicht entfernt recht haben, aber das wollte Nayantai ihm einfach nicht gönnen - war er sich selbst ehrlich, dann hatte er Zeit verschwendet, zu viel davon sogar und jetzt, gerade in diesem Moment, war er auch derjenige, der seine eigenen Fehler ausbaden musste. Das kalte Wasser hatte ihm gut getan, keine Frage und die monotone Aufgabe war keineswegs eine grottenschlechte gewesen - er hatte sie genossen, auf seine eigene Art und Weise. “Ja, könnte es. Also, wir müssen nicht mit dem Dach anfangen, wenn du lieber zuerst eine Wand hättest.”, erwiderte er Rain, diesmal nicht auf thrianisch, als wolle er ein Geheimnis wahren - Rikiya war ohnehin nicht hier, würde sie so oder so verstehen, aber der Rest der Siedlung musste nichts von ihrem Vorhaben wissen, so entschied Nayantai sich zumindest, ohne auch nur Rain fragen zu wollen, wie er sich dabei fühlte. Besser war es sicher, entschieden sie sich beide für die einfache Variante. “Hm, das kommt ganz darauf an. Ich denke weniger, dass wir in der Mitte noch einen Platz finden werden und ich glaube auch nicht, dass wir beide uns unbedingt mit irgendwelchen Nachbarn anlegen wollen - außer du willst es probieren?”, suggerierte er dem Lamm schließlich in einem müden Ton. So oder so, Nayantai war alles recht, insofern es Rain gefallen würde.

      “Ich schätze schon, aber keine Ahnung, ob ich das wirklich auf die Dauer brauche. Ich fühle mich ziemlich schlapp und ausgelaugt und ich bin froh, dass ich wieder da bin.”, erklärte er Rain schließlich. Hoffentlich würde das irgendwann noch besser werden, vielleicht brauchte er noch ein Stück Energie das er sich gerade selbst nicht schenken konnte und eben jenes würde reichen um ihn wieder in sein verschmähtes Leben zurück zu katapultieren. Fürs Erste war Nayantai jedoch relativ zufrieden mit dem, was er hatte - oder eher, er konnte sich relativ gut damit abfinden, dass es nun einmal so war, wie es eben nun sein musste. Wer wollte das schon, der Realität in die unverschönten Augen blicken? Nayantai fragte sich das selbst oft genug, aber gerade jetzt konnte er sich wohl eher weniger dagegen sträuben. “Das meine ich gar nicht, den Tee mache ich dir schon noch, nur gerade bin ich müde.”, witzelte der Wolf umher. Widerwillig wollte er sich auch nicht von Rain lösen, und doch wusste er schon, das ihm nichts anderes übrig bleiben würde, insofern sein Herzblatt nach mehr Tee verlangte. “Hm, ich mache dir einen Tee und dann mache ich ein Nickerchen. Danach kümmern wir uns um den Rest.” Eine Entscheidung, die schwerer nicht sein konnte, aber gerade stimmte sie einfach für ihn - Nayantai blieb noch eine Weile. “Ich denke schon? Es hat mich abgelenkt.”, erklärte er so halb, dann löste er sich und schnappte sich den Kessel, den er mit Schnee füllte - dann landete jener auch schon auf einem Haken, über dem Feuer und kaum war er fertig, servierte Nayantai Rain das Ganze auch schon. Eigentlich wollte er wirklich nur ins Bett kriechen.
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    • "Uhm... Macht es denn einen Unterschied womit wir anfangen? In einem halben Zelt können wir sowieso nicht wohnen, oder ?", fragte Rain nachdenklich. Er hatte keine Ahnung von thrianischen Zelten, aber es war durchaus interessant. Rain lächelte und schüttelte den Kopf." Es ist mir egal wo es steht, ich will einfach nur wissen wer sich welchen Ort aussuchen würde. Was sind die Vor und Nachteile, oder stellt jeder sein Zelt einfach irgendwohin?", wollte er weiter wissen. "Und wenn ihr weiter reist, baut ihr die Siedlung dann genauso wieder auf, oder hat man dann vielleicht andere Nachbarn?" Das alles war sehr interessant für ihn und er wusste einfach noch nicht genug über Thria. Wenn sie hier blieben, dann sollte er solche Dinge doch wissen, oder? "Oh und wie ist das wenn ihr auszieht? Musstest du dein erstes eigenes Zelt alleine bauen, oder hat dir jemand geholfen? Irgendwie ist es bei euch immer entweder eine Prüfung die man alleine bestehen sollte, oder ihr helft alle zusammen." Rain war fasziniert, aber gleichzeitig sah er auch immer wieder Ähnlichkeiten zu Fhaergus. Das kleine Land mit nur einer wirklichen Stadt half eng zusammen, anders als die anderen Fürstentümer.

      "Hm, ich denke es tut dir gut, wenn du das nächste Mal ausgeruht nach draußen gehst, dann bist du nachher vielleicht auch nicht so müde und du musst ja erst einmal wieder Kraft entwickeln!", versuchte Rain Nayantai zu ermutigen. Rain fühlte sich manchmal wie ein Heuchler, weil er ja selbst selten das Zelt verließ, aber sie wussten beide, dass das ein unfaire Vergleich war." Du musst mir gar keinen Tee machen, du kannst auch einfach hier bleiben." Aber Nayantai wollte anscheinend Wort halten und stand bald genug auf. "Das klingt nach einem guten Plan. Du kannst mir dann auch erklären wie es weiter geht. Mehr Fische? Vielleicht kann ich ja mal mitkommen!" Er wäre wohl keine Hilfe, aber er konnte zusehen. "Wenn du lieber ab und zu alleine sein willst, ist das natürlich auch kein Problem." Rain sah Nayantai dabei zu wie er den Tee machte. Sah er besser aus? Nicht unbedingt, aber er hatte einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. "Wenn du zu dir selbst zurückfinden willst, dann ist es vielleicht ganz gut Dinge zu tun, die du damals auch gemacht hast.", lächelte er. Der Tee musste erst noch ein wenig abkühlen. "Danke und jetzt leg dich endlich her. Du brauchst Schlaf!"
    • Rain redete wieder Dinge vor sich her, von denen Nayantai Ahnung haben sollte aber gerade jetzt eigentlich nicht wollte - lieber war es ihm, wenn er in Ruhe gelassen wurde und noch besser wäre es für ihn, wenn man ihm erst einmal besagte Ruhe gönnte. Vieles, das er eigentlich machen sollte, ließ er schleifen und wenigstens jetzt, wo er sich dazu durchringen konnte irgendetwas zu tun, hatte er seinen Spaß daran gehabt, nicht? Wieder aktiv zu werden war um einiges schwieriger als er sich das ausgemalt hatte - manchmal wollte er wirklich einfach nicht mehr als durch zu schnaufen, seine Ruhe zu haben und zu schlafen. Nayantai ließ es sich ohnehin nicht zweimal sagen, dass er sich Schlaf verdient hatte, als er mit seinen müden Knochen ins Bett kroch und sich unter eines der Felle plagte, nur, um seine Arme noch immer um Rains Hüfte zu winden. Sein Gesicht presste er wohlwollend in die Kleidung, die den dürren Körper säumte. “Gute Nacht.”, ließ er mit einem kurzen Gähnen verlauten, und dann holte ihn auch schon die Müdigkeit ein, die er gar nicht erst als solche bezeichnen wollen würde.

      Sein Schlaf war nie lange, aber Nayantai murrte schon fast wieder, als man ihn aufweckte - nein, das war wohl auch eine falsche Ansicht, immerhin weckte er sich selbst auf, oder zumindest gab sein Körper eine Art von Zeichen, dass er nun ausgeschlafen war und Nayantai wohl keinerlei Nutzen mehr aus derartiger Beschäftigung ziehen konnte. Grummelnd war er es nun also, der sich löste und hoffte, dass Rain noch immer an Ort und Stelle war - tatsächlich hatte er sich wohl kaum bewegt und Nayantai grinste deswegen schief, kicherte vielleicht sogar. War er wirklich in die Schriften vernarrt, die Rikiya ihm gebracht hatte? Nayantai wusste es nicht, aber er stemmte sich hoch und starrte Rain eindringlich an - noch immer war er schlaftrunken und müde, mehr so, weil er wohl auch irgendwo zu viel des Guten abbekam. “Hast du mich vermisst?”, fragte er Rain gerade heraus, aber das war auch schon alles. Sie hatten noch Arbeit vor sich, also stolperte er aus dem Bett und stürzte sich über das Material, das er bekommen hatte; Nayantai sollte es ausmessen, zurechtschneiden und dann zusammennähen, doch davor schien sein Magen nach Essen zu verlangen.
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    • Nayantai hatte wohl keine Lust zu reden und Rain verkniff sich ein Seufzen. Er wollte Nayantai in Ruhe lassen, wenn er es denn so wollte und ließ ihn sich hinlegen und schlafen. Rikiya war ständig beschäftigt, Nayantai wollte lieber alleine sein, oder stahl sich für den halben Tag davon und Rain war hier eingepfercht und hatte nichts anderes, als was er zu lesen bekam. Es war kaum anders als in Fhaergus, mit dem kleinen Unterschied, dass dieses Zelt kein Fenster hatte und wesentlich kleiner war, als Rains zu Hause. Es gab hier keine Bibliothek und selbst wenn er oft wenig Lust dazu gehabt hatte alleine im großen Speisesaal zu essen, tat ihm die Bewegung ab und an gut. Es war nicht Nayantais Schuld und bestimmt auch nicht seine Absicht, aber Rain fühlte sich ein wenig alleine und im Stich gelassen. All die gewonnene Freiheit brachte ihm rein gar nichts. Vielleicht sollte er einfach auf eigene Faust nach draußen. Er glaubte nicht, dass die Wölfe ihm etwas tun würden, solange er unter Rikiyas Schutz stand, also konnte kaum etwas passieren. Er wusste, dass ihn ein Spaziergang nicht umbringen würde.

      Die meiste Zeit verwarf Rain diese Ideen, weil er dachte, dass seine Anwesenheit hier nur für Ärger sorgte. Aus den Augen, aus dem Sinn. Trotzdem hatte er irgendwie gehofft, dass Nayantai zumindest den Versuch wagen würde, ihn vorzustellen und jegliche Vorurteile auszumerzen. So wie Rain Nayantai in das tägliche Leben des Anwesens inkludiert hatte, als er Judith mit schweren Lieferungen half. Am Ende waren sie zwar immer noch misstrauisch gewesen, aber Rain glaubte nicht, dass man Nayantai dort gehasst hatte. Wie auch immer, Nayantai war mit seinen eigenen Problemen beschäftigt und Rain ließ ihn schlafen. Er laß sich weiter die Berichte durch und übte gleichzeitig das Lesen der thrianischen Schrift, bis Nayantai sich wieder rührte. "Gut geschlafen?", stellte Rain eine Gegenfrage und sah dabei zu wie Nayantai sich aufrichtete und wohl direkt mit der Arbeit beginnen wollte. Sein Bauch machte ihm allerdings einen Strich durch die Rechnung. "Hast du hunger? Soll ich dir etwas holen?"