spellbound. (earinor & akira)

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    • Eine Reaktion wie diese war beinahe unerwartet - Nayantai wusste nicht so wirklich, was für eine Art von Reaktion er sich erwartete, aber es war nicht jene, die er erhielt. Das Husten des Lammes wurde lediglich lauter, bis es anschließend verebbte und der Blick des Wolfes war nicht schnell genug, um das flinke Tier einzufangen. Mit einem schnellen Stoß kullerte er zu Boden und schlug auf dem gepolsterten Boden auf. Verwirrt war er durchaus, seine Augen waren weit aufgerissen und seine Augen suchten nach einem Fluchtweg, als wäre er ein aufgeschrecktes Beutetier, das gerade von seinem natürlichen Feind eingekesselt worden war. "D-das war nicht mit Absicht!", stammerte er, auf frischer Tat ertappt und verwirrt darüber, was Rain hören wollte. Es tat ihm leid, verdammt! Ein erschreckter Laut verließ seinen Mund als er angeknabbert wurde, bevor er erleichtert aufseufzte und seinen Arm um Rain legte, den er an sich heranzog und tätschelte. Waren sie nicht gerade dabei gewesen, zu lernen? Die Situation war durchaus eskaliert. "Ja? Was hast du denn erwartet? Das ist gar nicht scharf ... eigentlich würde ich das eher mild nennen.", lachte er. Nayantai nahm das Ganze weniger ernst, als er sollte, aber das hieß, dass Rain seine eigene Portion langweilige Pampe brauchte.

      Seine Hände suchten nach Fleisch am dünnen Körper seines Gegenübers, fanden aber hauptsächlich Knochen, bevor er sie an Rains Hüften doch einen Platz fanden, und Rain spielerisch in die Seite kniffen. "Wir ernten und bauen das an, was wir brauchen, für alle - der Rest wird der Erde wiedergeschenkt, aber wir verschwenden selten Ressourcen." Essen war lebensnotwendig, und der einzige Vorteil war, dass sie sich nie Sorgen um Wasser machen mussten - Schnee fiel in Massen vom Himmel, und ließ sich durchaus abkochen, sobald man einen Topf damit befüllte. "Adrestianer sind schon misstrauische Wesen!", mahnte Nayantai mit einem Lächeln und steckte eine seiner Pranken in Rains Kleidung - die Position war komisch, aber das kleine Raubtier schien keine Anstalten zu machen, sich in eine andere Richtung bewegen zu wollen. Nun wurde es wohl interessant. "Den Osten? Ich meine, ja, in Ordnung, das ist irgendwie die einzige Option nachdem Adrestia im Süden liegt, aber trotzdem - das sieht ihm gar nicht ähnlich." Nein, Rikiya war eigentlich anders. Nayantai murrte und fing an, Rain zu kitzeln. "Wo nimmst du die ganze Energie her!?"
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain verzichtete darauf Nayantai darauf hinzuweisen, dass er ja gar nicht wusste wie es schmeckte, weil er ihn nicht kränken wollte. "Ihr seid doch verrückt!", beschwerte Rain sich aber und schüttelte seufzend den Kopf. An so eine Schärfe würde er sich bestimmt niemals gewöhnen können, aber es hatte ihn aufgewärmt. Vielleicht war das der Grund, warum die Wölfe so scharf kochten. Gleichzeitig wand sich Rain ein wenig wie ein Wiesel, aber Nayantais Arm war zu schwer um ihm entkommen zu können und eigentlich wollte Rain das auch gar nicht. Es schien allerdings als hätte er seinen Freund mit seinem Angriff ziemlich überrascht, dabei glaubte Rain, dass Nayantai - zumindest früher - genau so etwas von Rain gewollt hatte. Dass er sich mal verteidigte und Initiative zeigte. Rain wurde gezwickt und er schrie leise auf. "Hey!", beschwerte er sich spaßeshalber, aber eigentlich war er doch an der Reihe Rache zu üben und nicht umgekehrt. Übertreiben sollte er es nicht, das wusste Rain, aber das tat er auch nicht. Es ging ihm gut und Nayantai würde ebenfalls aufhören, wenn es dem Blonden zu viel werden sollte.

      "Die Wirtschaft in Adrestia ist eine ganz andere als hier. Eine Siedlung in Thria sorgt größtenteils für sich selbst, mit Nahrung, Kleidung und Werkzeugen, richtig? In Adrestia sind wir auf andere angewiesen. Fhaergus hat Erz, dafür hat Myriad viele Felder, weißt du? Wir müssen also tauschen, vor Allem, wenn wir ein bisschen Abwechslung wollen. Im Süden werden unsere Münzen auch akzeptiert und von da gibt es allerhand interessante Dinge die man von Olette erwerben kann. Sie brauchen nicht wirklich viel von uns, also freuen sie sich über die Münzen, die sie dann in der Heimat ausgeben können.", erklärte er dem Wolf und tippe mit seinem Finger auf seine Nase. "Ich glaube wir mögen Regeln und Strukturen einfach ein wenig mehr als ihr." Es war schön wie hier alle zusammen arbeiteten wie eine große Familie und doch war es schwer für Rain sich hier einzufinden und zu verstehen wie das überhaupt möglich war. Was wenn jemand faul war und nur alle anderen für sich schuften ließ? Wenn man in Adrestia nicht gerade als Adeliger geboren war, dann war man auf jeden Fall selbst für sein Glück verantwortlich. "Dieser Bereich von Thria ist groß genug um die Siedlung zu verlegen. Die Armee wird sich hauptsächlich im Norden aufhalten. Zumindest dieses Jahr.", erklärte er nun auch Nayantai, der von der ganzen militärischen Planung eigentlich nichts mitbekommen hatte. Dann lachte er auf. "Mein Körper ist das ganze Weglaufen gewohnt, aber das muss ich jetzt nicht mehr!"
    • Was für ein Holzkopf! Nayantai hatte Spaß daran, sich von Rain zu belästigen lassen und er fand es nicht schlecht, wenn sie beide etwas Energie aufwanden - sie konnten nicht den ganzen Tag auf der faulen Haut liegen! "Nein, wir sind es einfach nur gewohnt!", verteidigte er sein Volk und sein Essverhalten. Im Gegensatz zu diesem Eintopf, den er nicht schmeckte, war das Essen in Adrestia ohnehin fade gewesen, aber das wusste Rain bereits, und Nayantai musste es ihm nicht erneut auf die Nase binden, nur, weil ihm gerade danach war. "Außerdem können wir uns auch selbst etwas kochen. Ich wollte dir das vorher noch sagen, aber eigentlich geschieht es dir fast recht, dass du gekostet hast!" Ein Schmunzeln zeichnete sich auf seinem Gesicht ab und seine Hände wanderten etwas weiter nach unten, als wolle er sich die Möglichkeit nicht nehmen lassen. Was auch sonst? Nayantai hatte Spaß daran, Rain zu belästigen - und er wurde nicht davon abgehalten, auch, wenn er einen zappelnden Fisch in den Händen zu halten schien. "Was? Du hast angefangen, jetzt musst du mit den Konsequenzen leben!", rief er aus. So und nicht anders - wer sich die Suppe einbrockte, löffelte sie auch aus!

      "Adrestia hört sich eher so an, als ob Streit vorprogrammiert wäre. Was, wenn Fhaergus mir kein Erz geben will, weil ich mich ihnen nicht unterwerfe? Dann falle ich bei ihnen ein und nehme mir, was ich haben will. Mit dem Süden kenne ich mich wenig aus, aber ich wette, dir würde es dort gefallen! Und du hättest sicher auch gerne ein paar Münzen, ich meine, die glitzern si- Hey!" Nayantai schnappte nach dem Finger wie ein rabiates Tier, verpasste ihn jedoch - vermutlich absichtlich - und sah dann zu Rain auf, der sich nicht bewegen wollte. "Ihr seid einfach zu hart zu euch selbst. Was bringen mir Disziplin und Regeln, wenn das alles nur gebrochen wird? Hm?", lachte er. Auf dieser Welt gab es nun einmal unterschiedliche Sichtweisen und keiner sagte, dass sie alle komplett gleich sein mussten, nein. Was, wenn sie sich unterschieden? Das war nicht weiter schlimm, aber die Tatsache, dass die Schafe so erpicht darauf waren, alles so zu machen, wie sie es wollten, ging ihm auf die Nerven. "Und nächstes Jahr?", fragte er eher sachlich nach, und griff Rain dabei auf den Hintern. Ups. Egal. "Also willst du jetzt raufen? Sehr gut! Dann leg los!"
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    • "Ach jetzt ist es meine Schuld?", fragte Rain gespielt empört. "Du hast mir doch den Löffel in den Mund gedrückt!" Das stimmte, Rain hatte sich gar nicht wehren können, noch hatte ihm jemand gesagt, dass er seit er in Thria war eine Sonderbehandlung bekam. Wieso hatte Rikiya eigentlich nicht daran gedacht? Naja, es war auch egal, es war nichts passiert und niemand trug wirklich schuld. "Weißt du, ich habe noch nie etwas gekocht. Ich würde das gerne einmal machen. Als Kind war ich nur in der Küche um mir Kekse zu stehlen, aber mein Großvater hat mir verboten in den Bereich des Hauses zu gehen. Später habe ich selbst gedacht, dass es den Bediensteten vielleicht unangenehm ist, immerhin verbringen sie auch ihre Freizeit dort und sie sollten keine Angst haben, dass sie sich immer benehmen müssen, nur weil ich vielleicht vorbei komme." Rain lächelte und hörte dabei kurz auf sich zu wehren. Eigentlich wollte er sowas wie jetzt heute Morgen machen, aber sie wurden von Khojin unterbrochen, als nächstes kam bestimmt dieser Heiler, den Rikiya zuvor erwähnt hatte. Vielleicht ließ er sich jedoch Zeit damit, damit Rain etwas Zeit mit Nayantai hatte.

      Rains Lächeln verflog ein bisschen und er nickte leicht. "Ja, genau so ist es gelaufen.", stimmte er zu. "Aber die Wölfe im Westen helfen euch auch nicht und Prinzessin Yayois Leute hungern. Es ist alles nicht so einfach und wäre meiin Vater in Fhaergus geblieben, hätten wir es vielleicht abwenden können." Nayantai wollte Rain nicht kränken, das wusste er. Rain war ihm nicht böse. "Ich denke der Süden hat seine ganz eigenen Probleme und ich bin kein Drache, ich sammle keine Münzen weil sie glänzen." Rain lächelte wieder und schüttelte den Kopf. "Dafür habt ihr eure Götter und Traditionen. Wir haben auch Götter, aber ihre Regeln sind uns teils gar nicht mehr so wichtig." Ein paar waren es, aber mit jemandem zu schlafen, bevor man heiratete galt als alltäglich, auch wenn es früher genauso bestraft wurde wie mit jemandem des selben Geschlechts ein Bett zu teilen. "Hey!", rief Rain aus als er eine Hand auf seinem Hintern spürte. Seine Wangen wurden ein wenig rot, aber er regte sich nicht darüber auf. "Sie werden den Hafen den sie bauen wollen nur schlecht verteidigen können, sobald der Winter kommt. Auch mit den Lagern die nicht im heutigen Alster gebiet liegen gibt es schon Probleme. Wir werden es uns einfach zur Aufgabe machen ihre Bemühungen zunichte zu machen. Dann müssen sie nächstes Jahr von vorne anfangen.", schlug Rain vor. "Raufen? Aber ich weiß gar nicht wie das geht!", lachte er anschließend. Ob es reicht wenn er Nayantai einfach wieder am Hals kitzelte?
    • “Das war es schon immer!”, warf er Rain vor. Nein, eigentlich war es das nicht, aber Nayantai hatte gerade eine Rolle gefunden, in der er sich nun einmal verdammt wohl fühlte - Rain könnte öfter gröber mit ihm umspringen und er würde sich wohl bei ihm bedanken. “Du hättest die Suppe gar nicht erst schlucken müssen!”, echauffierte er sich, gespielt beleidigt, und suchte noch immer nach Halt an Rains dünnem Körper. In Fhaergus hatte er teilweise fast besser ausgesehen, oder sich gesünder angefühlt, aber so oder so war er noch immer der Letzte, der das Recht besaß, sich darüber aufzuregen. Seine Augen weiteten sich, als er Rains kleiner Erklärung lauschte - er war durchaus interessiert und konnte nicht anders, als genau hinzuhören. Gerade schmunzelte er noch wie der Idiot, dee er war, aber das änderte sicher auch früher als später - wenn es nicht ohnehin Rain wäre, der ihm den überzeugten Ausdruck aus dem Gesicht wischen würde. “Hier musst du dir darüber keine Sorgen machen. Wir kochen einfach, worauf du Lust hast - dann kann ich dir auch gleich zeigen, wie alles funktioniert und du musst nicht mehr darauf warten, bis du jemandem Kekse abluchsen kannst!” Stibitzen musste er in Thria nichts, aber dafür gab es auch gar keine Kekse - ob er sich mit einem Leckstein zufrieden gab? Nein, Rain war kein Pferd.

      Ich würde nicht sagen, dass Yayois Leute hungern - sie haben nur eine notgedrungene, etwas eintönige Nahrungsquelle. Und der alte Mann im Westen konnte meinen Vater noch nie leiden, aber die Geschichte ist lang und kompliziert - Shurens Vater findet, dass Rikiya ihm die Frau und den Thron gestohlen hat.”, erklärte er Rain vorsichtig. Seine kalten Hände vergruben sich unterdessen spielerisch in dem weichen Rippenfleisch, das der Blonde tatsächlich noch sein eigen nannte - er kitzelte ihn einen Augenblick lang, bevor er ihn empört kniff. “Du bist eher wie eine Elster, die hübsche, thrianische Dinge sammelt wenn man sie ihr ins Nest legt.” In seinem Kopf machte die Bezeichnung Sinn - Nayantai fand Elstern niedlich und glaubte auch, dass Rain jemand war, der solche Vergleiche nicht negativ aufnehmen würde. Mit was waren solche Vorschläge denn auch behaftet? Schlechten Vorurteilen? Es stank beinahe danach. “Ich bin fast empört, dass du dich auf mich einlässt. Götter sind aber auch alles andere als wichtig, finde ich. Was bringen die uns schon? Wir sollten uns auf uns selbst konzentrieren, und wenn wir schon dabei sind …” Nayantai piekte Rain in die Seite und grinste stolz, als er seine großen, rauen Hände gegen den zierlichen, weichen Körper drückte. Angenehm war das Gefühl immer, selbst wenn das arme Fleisch seines Partners bibberte und sich nach seine Wärme sehnte. “Vergessen wir den dummen Hafen und brennen ihn nieder, sobald sie auch nur ansatzweise einen bauen wollen. Du willst gerade etwas ganz anderes.”, warf er Rain vor, ohne zu wissen, ob das wirklich der Wahrheit entsprach. “Du beißt mich dich sonst immer so stolz, und du sitzt noch auf mir oben!” Nayantai hob seinen Körper leicht vom Boden ab und stemmte sich mit seinen Beinen dagegen, um die Position zu halten. “Nicht mehr lange, wenn du dich so zierst und nicht raufst! Alles ist erlaubt, sogar beißen!”
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    • "Was? Du sagst es ist meine Schuld? Du hast mir doch den Löffel in den Mund gedrückt!", beschwerte sich Rain bestimmt. Er hatte gar nichts damit zu tun, außer vielleicht, dass er ihnen das Essen geholt hatte, das war aber auch schon alles und woher hätte er es wissen sollen? Rikiya hatte auch nichts gesagt, dabei hatte er ihm scheinbar zuvor auch extra etwas anderes gebracht. Wer das wohl für Rain gekocht hatte? "Es gehört sich aber nicht auf den Boden zu spucken.", verteidigte Rain sich weiter, dann kicherte er. "Ist es nicht zu viel arbeit immer extra nur für mich zu kochen?", wollte er allerdings wissen. Er wollte niemandem zur Last fallen und vielleicht konnte er sich einfach an das Essen hier gewöhnen. Dann blickte er allerdings etwas verdutzt drein. "Warte, wie bitte? Deine Mutter hätte eigentlich jemand anderen heiraten sollen? Das hat Rikiya letztens gar nicht erwähnt." Dabei hatte er viele Geschichten über seine verstorbene Frau erzählt. Nayantai hatte dazu zwar nichts gesagt, aber auch er hatte Gefallen daran gefunden davon zu hören. Von besseren und einfacheren Zeiten. "Elster? Hm... denkst du wirklich?", fragte Rain etwas betrübt. Sah Nayantai sich auch als ein solches 'Ding' an? Hoffentlich nicht, denn das stimmte nicht. "Ich will etwas anderes?", fragte Rain dann etwas verwirrt, immerhin behielt er seine Hände weitestgehend auf ein und demselben Platz. "Und was ist mein Ziel?", lachte er dann. Er wusste Nayantai mochte es, wenn Rain sich ab und an etwas traute und jetzt gerade konnten sie sich wohl ein bisschen vergnügen, bis ein Arzt nach ihnen sehen würde.

      Caelan hörte die leichten und tapsigen Schritte die so oft die eisigen Stufen hinauf liefen. Es war das einzige paar Füße, bis auf die, die schon mehrere Stunden vor seiner Tür platziert waren. Die die gestern Nacht auch hätten hier sein sollen, aber Caelan konnte ohnehin nirgends hin und stehlen konnte und wollte er in diesem eisigen Schloss auch nichts. Die Tür ging auf und wieder zu und die kleinen Füße suchten sich ihren Weg zu Caelans Bett. Ein Klimpern ertönte als Geschirr auf dem kleinen Nachttisch neben dem Bett abgesetzt wurde und die Matratze sank kaum merkbar ein, als sich die zu den Füßen gehörende Gestalt auf das Bett setzte. Mit zwei Plops schlugen die Schuhe auf dem Boden auf und die Gestallt öffnete hörbar den Mund um Luft zu holen, aber bevor sie ihre Frage stellen konnte, brummte Caelan. Ja er war bereits wach und er hatte auch kaum geschlafen. Die zweite Frage brauchte er auch nicht hören, um zu wissen, was das Mädchen von ihm wollte. Caelan hob die Decke ein wenig an, eine davon zumindest, damit Oyu darunter kriechen konnte, wie eine Katze die die Wärme suchte und nicht verstand, dass sie vor manchen Menschen vielleicht Angst haben sollte. Caelan war nicht dazu aufgelegt sich zu unterhalten, aber er hatte schon zu viel Zeit vertrödelt. "Hast du mit diesem Shuren gesprochen? Über euren Kronprinzen?"
    • “Du hast doch erst den Mund aufgemacht!”, lachte Nayantai. Rain wollte sich nur aus der Affäre ziehen, aber Nayantai hatte nicht vor, ihn einfach ungeschoren davonkommen zu lassen - etwas Ruhm musste er selbst auch einheimsen! “Komisch seid ihr schon. Ich kann dir auch meinen Ärmel geben, damit du hinein spucken kannst - und die Schüssel ist auch da!” Die Reste würde in dem Fall zwar keiner wollen, aber notfalls konnte Rain das Ganze auch in eine leere Tasse spucken - oder nach draußen rennen, um es dem Schnee zu schenken; irgendjemandes Tier würde sich schon mit Freuden daran beteiligen, und wenn nicht, dann eben die Natur, die unter den Schneeschichten vor sich hin gedeite. “Nein, aber du musst auch etwas dafür tun - wir kochen einfach hier, zusammen, für uns beide.”, schlug Nayantai vor. So oder so würde er sich auf das Essen stürzen, egal ob er sich durch die Temperatur oder die Hitze den Mund verbrannte, der moment noch etwas komisch kribbelte. Gerade jetzt war ihm das aber eher egal - die prekäre Situation, in welcher er sich wiederfand, war viel lustiger; und Nayantai fand es einigermaßen witzig, Rain auf sich zu haben. “Ja, sie hatte zwar keinen Verlobten, aber einen Auserwählten. Und dann taucht mein Vater auf. Wundert dich das?”, neckte er. Er selbst sah es nicht unbedingt als ein Problem an, aber Adrestianer waren nun einmal anders. Nayantai schlug Rain mit der flachen Hand auf den Hintern - ein leichter Klopfer, mehr nicht. “Das war ein Scherz.”, konterte der böse Wolf und setzte sich schließlich auf - streckte sich nach Rain aus und drückte ihm einen Kuss auf die Stirn, bevor er ihn in seinen Schoß schob. “Dich vom großen, bösen Wolf fressen lassen, wenn du so weiter machst. Willst du weiter lesen oder hast du die Schnauze voll?” Nayantai nahm seine Hände aus Rains Kleidung und stupste seine Nase an. “Ich beiß dich gleich.”

      Schnellen Schrittes suchte sie sich ihren Weg zu Caelans Zimmer - zu seinem einsamen Turm, irgendwo im nirgendwo eines abartig großen Schlosses. Wohin führten all diese Wege? Oyu wollte es sich nicht ausmalen; sie kannte wenige, aber es waren genug, um zu wissen, wohin sie gehen konnte und an welchen Orten sie nicht erwünscht war. Bevor sie es wusste schlitterte sie die Gänge entlang und die Wendeltreppe aus Eis hinauf, tapste vorsichtig neben den Teppichen durch das Gebäude und bahnte sich ihren Weg nach oben, bis sie sich an einer faulen Wache vorbei zwängte. Ungefragt verschwand sie im Inneren des Raumes, in welchem ein müder Bär schlief, bevor sie auf das alte Bett hopste und ihre Schuhe auf den Boden warf; sie hatte sich halbherzig aus ihnen befreit. “Psst, Caelan.”, wisperte sie aufgeregt, aber das Gegrummel und die Einladung, unter die kuschelige Decke zu kommen, nahm sie gerne an. Anders, als seine abwertenden Worte, die selten aus seinem Mund fielen, war der alte Grummelbär ein Kuschelpartner, auf den sie sich verlassen konnte - so komisch es auch klang. Beinahe ungefragt versteckte sie den Großteil ihres Gesichtes unter der Decke und drückte sich an Caelan - er war warm, und Oyu wurde beinahe von ihm in den Schlaf gelullt. “Ja.”, bemerkte sie mit einem aufgewecktem Schmunzeln. “Wie geht es dir heute? Schon besser?”, wollte sie wissen. Ihre kleinen Patscher suchten nach der großen Pranke des alten Mannes, welche sie auf ihren Kopf legte - sie wollte getätschelt werden, aber sie war kein kleines Kind mehr; zu fragen war beinahe peinlich. “Er willst selbst mit dir reden, wann auch immer du dich bereit dazu fühlst. Ich kann dich in ein paar Minuten hinbringen, wenn du willst?”
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    • "Ich hab ja auch nicht erwartet, dass du mich umbringen willst!", erwiderte Rain dramatisch. "Das wäre doch Verschwendung von Essen...", murmelte er außerdem. Er wollte nichts irgendwohin spucken, das gehörte sich nicht und wäre der Koch oder die Köchin anwesend gewesen, dann hätte Rain demjenigen auch gesagt, dass es sehr köstlich war, auch wenn es ihn fast umgebracht hätte. "Na schön. Ich freue mich darauf zu kochen, ich habe das noch nie gemacht." Rain lächelte und nickte. Ob er jemals aufhören konnte diesen Satz zu sagen? Es gab so vieles, das er noch nie ausprobiert hatte - zu vieles. "Wundern? Naja nicht unbedingt... ist dein Vater ihm denn ähnlich?", wollte Rain interessiert wissen. Es kam auch in Adrestia vor, dass Verlobungen gelöst wurde, das an sich war nichts besonderes. Rain wusste, dass Nayantais Mutter Rikiya gepflegt hatte. Was sie wohl dazu bewegt hatte? "Wir können ruhig noch lesen... tut mir Leid, ich glaube es wäre mir einfach peinlich, wenn der Heiler den Rikiya erwähnt hat hier vorbei kommt und uns so sieht. Ich habe zwar in Fhaergus auch nie zugeschlossen, aber da konnte man zumindest an die Tür klopfen.", lächelte Rain entschuldigend. Er wusste, dass Nayantai jetzt auf etwas anderes Lust hatte und Rain hatte damit angefangen, es war also seine Schuld. Trotzdem musste er sich an diese Offenheit erst einmal gewöhnen, erst Recht nachdem Nayantais Schwester einfach so herein gestürmt war.

      Caelan war überrascht als Oyu sich einfach an ihn drückte, er hatte ihr nur einen Teil der Decke anbieten wollen, weil sie aus irgendeinem Grund ganz scharf darauf war. Vermutlich war ihr einfach auch kalt, das dachte er zumindest und es war nicht so abwegig, denn ihre kleinen Finger waren kalt. Caelan war das Wetter hier nicht gewohnt, eigentlich sollte es wohl umgekehrt sein, aber es ging ihm besser. Vielleicht war das der Grund, warum er zumindst nahe des Feuer und unter den Decken nicht mehr fröstelte. "Es geht mir--" Die kleinen, kalten Finger schlossen sich um seine Hand und zogen diese zu den dunklen Haaren. Sie war tatsächlich wie eine Katze, oder ein Hund, aber tatsächlich dachte Caelan an weder noch. Er dachte daran, dass er sich so etwas in der Art ausgemalt hatte, als er noch viel jünger gewesen war und dann noch einmal, als er Ina kennengelernt hatte und daran, dass er zu viel Angst davor gehabt hatte, er könne der Grund sein, warum Rain starb, sodass der Junge nicht einmal in die Nähe des Schlafzimmers seiner Eltern gekommen war. Stattdessen hatte Caelan Ina für sich behalten wenn er nach Hause gekommen war. Was hatte Rain getan wenn er in der Nacht wach wurde? Er hatte sich immer schon so viel wie möglich um sich selbst gekümmert, dabei hatte er das nie gemusst. In letzter Zeit bereute Caelan viel zu viel und er ließ sich immer wieder dazu hinreißen an seine Vergangenheit zu denken und an all die Fehler die er gemacht hatte. So sehr, dass er seinen Satz immer noch nicht zu Ende gesprochen hatte und zusätzlich hatte er vergessen, dass er ihn überhaupt begonnen hatte. Caelan ließ die Angespanntheit in seinem Arm los und die schwere Hand lag auf dem dunklen Haar, das sich so ungewohnt fest anfühlte. Währenddessen ließ er seinen Blick an Oyu vorbei schweifen. Während er in seinen Gedanken hing spielte es keine große Rolle, was sich vor seinen Augen tatsächlich abspielte. Erst als Oyu selbst wieder das Wort ergriff richtete Caelan seine Aufmerksamkeit wieder auf sie. "Ich soll zu ihm kommen?", fragte Caelan verblüfft, aber eigentlich war es gar nicht so verwunderlich, wenn er darüber nachdachte, wie er hier bisher behandelt wurde. Er brummte. "Na mir soll es Recht sein. Wir können gleich gehen." Er machte eine kurze Pause und blickte auf den Hügel unter seiner Decke und fügte ein "Gut gemacht." an, weil er das Gefühl hatte, Oyu wollte das hören. Dann wuschelte er ihr ein wenig durchs Haar und stützte sich an ihrem Kopf ab als er sich aufsetzte - nur ganz wenig, damit sie es sich nicht zu gemütlich machte.
    • "Umbringen!? Was unterstellst du mir?", rief er überfordert zurück. Das war doch alles nicht mit Absicht gewesen - Rain spielte hier die beleidigte Leberwurst und Nayantai konnte nun wirklich nicht mehr, als zu versuchen, sie beide in Schuss zu halten. Dazu gehörte Essen: Das war kein Mordanschlag! "Mach dir keinen Kopf darüber. Dann müssen wir eben ressourcenreich mit unserem Zeug umgehen und dazu gehört, dass ich dir kochen beibringe!" Mehr als ein paar Eintöpfe und etwas gegrilltes Fleisch konnte kaum jemand zaubern, aber das waren wiederum die Hauptbestandteile ihrer Nahrung und Nayantai war sich fast schon absolut sicher, dass es in seinem Leben auch nicht mehr als das gegeben hatte. Wer hatte schon Zeit für aufwendige Gerichte? Knödel wären eigentlich gar nicht schlecht ... "Dann wird es Zeit!" Das wurde es; selbst Thrianer, die jünger als Rain waren, konnten für ihre Familie sorgen - auch, wenn das nicht viel mit der momentanen Situation zu tun hatte. Wölfe und Schafe waren nun einmal von Grund auf verschieden - das wurde immer offensichtlicher. "Junfeng? Nein. Oh, absolut nicht. Junfeng ist ... ich will ihn nicht schlecht reden, er ist der Vater von einem meiner besten Freunde, aber er ist nicht unbedingt der beste Mensch. Rikiya findet seine Methoden zu harsch und Shuren meinte immer, er ist ziemlich abweisend. Leider ist er trotzdem ein guter Anführer.", erklärte er Rain. Shurens alter Mann war der Letzte seines Stammbaums; ein aussterbendes Tier, das sich geschlagen geben musste - und seine Söhne, auch, wenn sie sein Blut ihr eigen nannten, ähnelten ihm noch nie. "Nein, nein - schon in Ordnung. Raufen können wir auch spät- ... hast du gerade zugegeben, dass du in Fhaergus gesündigt hast?", warf er Rain gespielt überrascht vor. "Raus mit der Sprache!" Mit einem Piksen in die Seite piesackte er Rain.

      Oyu wollte nicht mehr als sich an Caelans Seite einigermaßen wohl zu fühlen und bei ihm zu bleiben; sich etwas ausruhen und den Rest der Welt einfach aussperren. Gerade jetzt fiel ihr jedoch auf, dass sie kein Sagen darüber hatte - sie war nicht mehr als eine Taube, die gurrend neue Nachrichten überbrachte, egal ob an Shuren zu Caelan oder von Caelan zu Shuren - sie machte es, insofern sie wusste, dass es nicht der letzte Moment ihres Lebens war. Nein, wieso sollte sie denn auch nicht? Mit einem übermütigen Gähnen presste sie sich gegen eines der Kissen, oder zumindest glaubte sie, es sollte eines sein, nur, um wieder aufgeschreckt zu werden, während eine schwere, raue Hand ihre Frisur ruinierte - sie wollte wütend auf Caelan sein und ihn verteufeln, aber stattdessen konnte sie nicht anders, als darüber zu kichern und ihre Patscher nach der großen Pranke auszustrecken. Gerade noch wollte sie etwas sagen, da wurde sie auch schon als Stütze missbraucht und schrie auf, bevor sie erneut in Gelächter ausbrach. "Ich hol dir gleich einen Gehstock, wenn du jetzt schon eine Stütze brauchst!", drohte sie Caelan. Ein Klopfen an der Tür riss sie aus ihren Gedanken - die Wache schien es also doch ernst zu meinen. Mit einem Grinsen wand sie sich aus Caelans Griff und zog ihre eigenen Schuhe wieder an. "Mhm, das habe ich gut gemacht! Dafür habe ich aber mehr als einen Tatscher verdient, oder?"
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    • Rain lächelte Nayantai nur frech an. Er nahm ihm das mit dem Essen nicht übel, immerhin hatte Rain das Essen zusammen mit Rikiya selbst besorgt, also war es wohl am allerwenigsten Nayantais Schuld. Dass er selbst nicht merkte wie scharf, oder heiß es war, war kaum mehr zu übersehen, aber darauf wollte Rain lieber nicht herum reiten. Vielleicht hätte ihm das Essen in Fhaergus unter anderen Umständen ja doch geschmeckt, aber sie würden es niemals erfahren. Er erwähnte auch lieber nicht, dass Rikiya wohl der Einzige war, der Rains Kochkünste tatsächlich beurteilen konnte, also nickte er nur, ehe er Nayantai lauschte wie er über diesen Jungfen sprach. "Shuren?", fragte er nur verwirrt, noch ein Name den er nicht kannte. Hatte Rikiya einen von den Beiden schon einmal erwähnt? Vielleicht, Rain konnte sich wenn aber nicht daran erinnern. Vielleicht würde er sich die Namen besser merken können, wenn er erst einmal lesen konnte. Immerhin waren die Namen alle so fremd, dass Rain sich schwer tat sie auch nur auszusprechen. Wenn er erst einmal etwas mehr wusste, wurde alles bestimmt einfacher. Rain zuckte, als er Nayantais Finger spürte und schob seine Hand von sich. "Das weißt du genau. Ich hätte eigentlich gar nicht mit dir alleine sein sollen."

      Caelan brummte nur und blickte zur Tür. Ein Klopfen, mehr nicht, keiner kam herein, aber zumindest standen die Wachen wieder vor der Tür. Wenn Caelan Oyu etwas antun hätte wollen, dann wäre das bereits geschehen und niemand hätte ihn aufgehalten. Diese Wölfe waren Idioten. Wenn er daran dachte, wie schwer es war ihren Kronprinzen aus dem Kerker und aus Myriad zu schmuggeln, dann konnte er über die Sicherheitsmaßnahmen hier nur den Kopf schütteln. Die einsame, verlassene Eiswüste war der einzige Grund, warum Caelan nicht einfach abhauen konnte, selbst wenn er sich besser fühlen würde - was er langsam tat - aber niemand hinderte ihn daran im Schloss herum zu laufen und irgendjemanden zu attackieren. Dazu zählte bestimmt auch dieser Shuren. Caelan zog seine eigenen Stiefel an, bisher war das alles, was ihm geblieben war und er hatte keine Ahnung, ob sie seine Kleidung überhaupt aufgehoben hatten. Die Kleidung der Wölfe war zwar einigermaßen warm, aber auch ziemlich nervtötend. Caelan wandte sich zu Oyu um und sah sie an. "Na du kannst ja Shuren um eine Belohnung bitten."
    • Nayantai erwiderte den ungestümen Blick mit einem zufriedenen Grinsen. Nicht auch nur eine Sekunde lang hatte er geglaubt, jemals derartige Dummheiten in sein Leben lassen zu können, und doch war er gleichermaßen wie besessen davon, Rain an einem - seinem - kleinlich schönen Leben teilhaben zu lassen. Sie beide waren vermutlich nicht mehr als sterbenskranke Schoßtiere eines wahnsinnig gewordenen Tyrannen, welchem sie zeitweise zu entfliehen wussten, damit sie sich ihre unterschiedlichsten Wunden lecken konnten. Hier, in Thria, hatten sie weder inneren noch wirklichen Frieden, und doch fühlte es sich harmonischer an denn je; Nayantai genoss die Ruhe, die ihm zuteil wurde, genoss die liebgewonnene Präsenz, die er oft genug in ehemals starken Armen hielt und bis auf den Rest seines kläglichen Lebens beschützen wollte. Die abgewimmelte Hand suchte sich einen neuen Platz, an Rains Hals, welchen er beiläufig und mit winzigen Bewegungen zu kitzeln begann. "Ein alter Freund von mir. Er ist so alt wie du, und ich wette, er kann der viel mehr über thrianische Kultur beibringen, als ich. Aber vielleicht kann er dir auch ... naja, ich bin mir sicher, er kann dir Abhilfe schaffen und findet heraus, was eigentlich mit dir los ist.", erwähnte er knapp. Den Kloß in seinem Hals würgte er herunter, bis ihm ein Stein in den Magen fiel. Und was, wenn Rain das gar nicht erst wollte? Es erschien ihm dumm, solche Gedanken zu hegen, und doch war Vorsicht der große Bruder von Nachsicht. Nayantai kniff die Augen zusammen, als er selbst knapp lächelte. Interessant. "Vielleicht. Vielleicht war es aber auch besser, dass keiner mit uns beiden alleine war. Und abgesehen davon." Hölzern und rauchig klang sein eigenes Gekicher - er zog Rains Stimme vor, wenn es um derartige Laute ging. Der Wolf bettete seinen Kopf auf Rains Schulter. "Hat es dir doch gefallen.", entgegnete er stumpf. Dass er das ernst meinte, musste er nun wirklich nicht verdeutlichen.

      Oyu war drauf und dran aus dem Bett zu flitzen, an dessen Kante sie noch saß, als sie dem alten Eber dabei zusah, wie er vorsichtig seine Dinge zusammenklaubte und sich selbst erlaubte, einen Moment Ruhe zu haben. Irgendwie wirkte Caelan alleine, verlassen - trübselig und doch wie jemand, der all die Jahre, die er auf dem Buckel hatte, aus stolzen Gründen schulterte; eine Vaterfigur, wie sie im Buche stand. Zufrieden lächelte sie ihn an, bevor sie aufsprang und in ihren Schuhen eine Drehung zu ihrem eigenen Amüsement vollführte - ein langer, eisiger Gang wartete auf sie beide und der Weg zu einem verrückten König, den sie beide wohl nicht sonderlich leiden konnten. "Shuren? Bäh!", beschwerte sie sich mit herausgestreckter Zunge. Einen Moment noch, dann griff sie nach Caelans Arm und half ihm auf die Beine, zumindest glaubte sie das. Ob dieser alte Wicht auch alleine stehen konnte? Oyu wusste es nicht, und doch glaubte sie nicht, dass ihre Hilfe mit jedem Schritt, den sie machte, wirklich zu brauchen war. "Komm schon, sonst ziehen die Wachen wieder Gesichter!" Übereifrig eilte sie zur Tür vor und öffnete eben jene - der bewaffnete Mann, der dort stand, wirkte nicht sonderlich interessiert daran, dass Oyu vor ihm erschien - sein Blick fiel stattdessen auf Caelan. Mit eher grimmigem Gesichtsausdruck wandte er sich an den Blonden, welchem er eiserne Ketten anbot; er zeigte auf sein Handgelenk, ohne viel zu erklären. "Uh, schreck dich nicht, ja?", plapperte Oyu lediglich. Was Shuren wohl vorhatte?
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain blätterte immer noch beiläufig in dem Kinderbuch, aber er hatte es aufgegeben zu lernen. Nayantai wollte sich lieber unterhalten und ihn festhalten. Das war in Ordnung, auch wenn Rains Wissensdurst oftmals die Überhand behielt und seine Konzentration zweiteilte, sodass er weder bei Nayantai, noch beim Lesen richtig aufpasste. Er neigte seinen Kopf um die Finger des Wolfes einzuzwängen, die sich ihren Weg an seinen Hals gesucht hatten. Was er dann sagte ließ Rain zögern, bis er schließlich lächelte und nickte. Viele hatten versucht Rain zu helfen, oder einfach nur herauszufinden was ihm fehlte, aber das hatte noch nie etwas gebracht. Als Kind wurde er oft mit Nadeln gepiekst, oder man hatte irgendetwas Neues ausprobiert, das völlig umsonst war. Die verschiedenen Tinkturen die helfen sollten hatten allesamt widerlich geschmeckt, oder hatten noch irgendwelche anderen, ekelhaften Nebenwirkungen. Rain fühlte sich nicht gerne wie ein Versuchskaninchen, aber er verstand warum andere darauf bestanden, also ließ er es über sich ergehen. Hoffnung machte er sich allerdings keine, er wusste, dass er nur enttäuscht werden würde. "Ja hat es. Dir auch, du großer böser, Schafe hassender Wolf.", neckte Rain ihn, einfach nur um das Thema zu wechseln.

      Caelan hatte keine Ahnung warum das Mädchen nach seinem Arm griff und daran herum zerrte. Er hatte ihre Hilfe gestern nicht gebraucht um in das Bad zu kommen und heute brauchte er sie auch nicht. Bis auf die Tatsache, dass er jetzt da es hell war ein wenig Kopfschmerzen hatte und öfter blinzeln musste, ging es ihm nicht schlechter als am Vortag. Wie dem auch war, er stand auf und folgte Oyu zur Tür seiner kleinen Zelle. Der Wolf der dort stand, mit einem Speer bewaffnet, von dem Caelan sich nicht vorstellen konnte, dass er in so einem engen Gang wirklich nützlich war, blickte ihn grimmig an. Zumindest hatte er verstanden, dass Caelan seine Sprache nicht sprach und das brauchte er deshalb auch nicht, um zu verstehen was der Wolf von ihm wollte. Das Schaf machte seinem Unmut mit einem Knurren und einem scharfen Blick Luft. Wie Hunde waren sie, die auch ohne einen Kampf bedrohlich wirken wollten, nur damit keiner auf dumme Ideen kam. Caelan streckte seine Arme trotzdem aus, damit der Wolf ihm die Ketten anlegen konnte und während er das tat, wurde der Wolf keine Sekunde lang aus den Augen gelassen.
    • Eigentlich hatte Nayantai sich bereiterklärt, Rain etwas beizubringen - das fiel ihm beiläufig auch wieder ein. Zugegeben, einen Gang zurückzuschalten und die Einfachheit des Lebens in sich aufzunehmen, das konnte er noch nie wirklich gut, aber er konnte es zumindest versuchen - stattdessen war er nur lästig, wie ein kleines Kind, das allgemein eher spielen wollte, als sich von jemandem wie Rain vorzuschreiben lassen, was sie beide gerade jetzt tun sollten. Gespielt beleidigt - und verletzt - jaulte er auf und winselte dann, als seine Finger zwischen Rains Hals und Schulter eingezwickt wurden; damit nicht genug, wurmte sich sein Finger wieder näher an den Hals heran und traktierte Rain auch in der äußerts unglimpflichen Position, welcher er jederzeit entfliehen konnte, aber nicht wollte. Flüchtig konnte er darüber lachen, auch, wenn er fast glaubte, dass Rain das angesprochene Thema sauer aufstieß - Nayantai wollte lediglich helfen, das Beste für ihn, aber das hatten ihm vermutlich schon so viele gesagt und Nayantai war nicht mehr als ein Tropfen, der ein übervolles Fass zum Überlaufen brachte. "Ich kann nichts dafür, dass du so ein süßes, liebenswertes Schaf bist. Sicher, ich habe dich zum Fressen gerne, aber auf eine ganz andere Art und Weise.", sinnierte der Wolf zufrieden, ehe er seine Hand aus Rains kleinem Abwehrmanöver wand, um ihm am Kinn zu packen und seinen Kopf etwas nach unten, zu ihrem Buch zu ziehen. "Wollten wir nicht lesen? Oder ..." Nayantai legte seinen Zeigefinger auf Rains Lippen. "Vielleicht willst du, dass ich dich zum Schreien bringe?"

      Aufmerksame Augen lagen auf den Ketten, die raspelten und raschelten als die Wache sie zufrieden an ihrem vorgesehenen Platz festband. Genau genommen könnte Oyu wohl Einspruch dagegen erheben, behaupten, Caelan würde jemandem wie Shuren nichts tun, aber ... vielleicht war all das besser so. Was, wenn Shuren nur schlechte Neuigkeiten brachte? Oder das böse, gemeingefährliche Schaf neckte? Abertausende Ideen kamen Oyu, die durchaus nicht daran denken wollte, wie schlimm es eigentlich erst werden würde - die Wache schien zumindest zufrieden, als alles fest verschnürt war und klopfte dem grimmigem Schaf auf dem Rücken. Eine freundliche Geste war es nicht, sondern eher der Befehl zum Marsch - Oyu griff nach den Ketten und zog Caelan hinter sich her, zumindest bis sie außerhalb des Sichtfeldes dieses dummen Wolfes waren; dann ließ sie los. "Sie sind nicht zu fest, oder?", wollte sie wissen, auch, wenn ihre Stümme relativ enttäuscht und vielleicht ein klein wenig aufgelöst klang. Das war nichts, was sie erwartet hatte, und doch passierte es, weil es sein musste. Mit einem Mal waren sie allesamt nicht mehr, als Lakaien eines Fremden. Der Weg zu Shurens Thronsaal war kurz, das dumpfe Klopfen Oyus an der imposanten Tür ebenfalls - sie trat ein, ohne auf eine Antwort zu warten. Shuren hatte es sich auf dem eisigen Thron gemütlich gemacht, trug goldene Gewänder und ein entzücktes Lächeln auf den Lippen. "Nun, Oyu hat mir erzählt, dass du etwas von mir möchtest?"
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    • Rain war nicht sicher was es war, das Nayantai gerade tun wollte. Lesen war es wohl nicht, oder Rain etwas beibringen, aber das war vermutlich auch langweilig für ihn. Nach draußen wollte er aber auch nicht, damit er niemandem begegnete, schon gar nicht seiner Schwester. Eigentlich war er in Fhaergus ganz ähnlich gewesen. Ständig wollte er etwas mit Rain tun und es war ihm schwer gefallen still zu sitzen. Deshalb hatte Rain ihn auch in die täglichen Aufgaben integriert. Er wollte doch etwas tun und sich beschäftigen, statt den ganzen Tag im Bett zu liegen, das war mehr Rains Tagesablauf. Er konnte Nayantai nicht viel bieten und nach Khojins Reaktion wollte er nicht unbedingt entdeckt werden, wenn er auf Nayantai lag. Auf seinem Schoß zu sitzen war zwar kein besserer Anblick, aber es war angenehm und Nayantai würde es sich ohnehin nicht nehmen lassen. All das hier stellte sich als schwieriger heraus als gedacht. Im Endeffekt war es Nayantai der Rains Blick zurüch auf das Buch richtete, aber damit war nicht genug. Er legte seinen Finger an Rains Lippen und Rain musste diesen Wolf wohl in die Schranken weisen. Er schnappte also nach dem Finger und biss nicht zu zimperlich hinein. Er ließ auch nicht los.

      Caelan stieß die plötzliche Berührung sauer auf, aber er beschwerte sich nicht, sondern folgte Oyu nach unten, die ihn an einer Leine führte wie einen Hund. Als ob ein kleines Mädchen ihn so davon abhalten könnte davon zu laufen. Sie schien nicht viel davon zu halten, denn sie ließ los, als sie außer Sichtweite waren und der Weg zu Shurens Thronsaal war nicht weit. Caelan schüttelte nur den Kopf als sie fragte ob die Ketten zu fest saßen, dann stiße sie auch schon die Tür auf und trat mit Caelan ein. Auf einmal wurde ihm bewusst, dass er die Wölfe immer noch hasste und ihm die Situation in der er sich befand gar nicht schmeckte. Oyu war die Ausnahme von der Regel, aber Shuren saß so selbstgefällig auf seinem Thron, dass Caelan ihm am Liebsten ins Gesicht gespuckt hätte. Eigentlich sollte er nicht so sein, dieser Mann behandelte seinen Gefangen einigermaßen gut, aber das war nicht der Grund, warum Caelan ruhig blieb. Rain war der Grund, Rain und die Chance dass er vielleicht noch am Leben war. Shurens Stimme ertönte und Caelan schenkte ihm nur wenig Beachtung. Er sah stattdessen zu Oyu die für ihn übersetzte. Für die Antwort blickte er aber doch wieder in Shurens Richtung. "Euer Kronprinz. Er lebt. Ich dachte das interessiert euch vielleicht."
    • Was hatte er eigentlich erwartet? Seine ständigen Belästigungen und Neckereien stießen schlussendlich auf einen harten Kern, der sich dieses eine Mal nicht erweichen lassen wollte. Zappeln würde der Wolf ohnehin, war er doch die Nähe und die ungewohnte Elektrizität in seinem Körper nicht gewohnt, die ihn dazu antrieb, auf seine Beine springen und davonlaufen zu wollen - nichts dergleichen geschah, riss er sich doch wenigstens zusammen. Stattdessen jaulte er erneut. Sein Streich kam nicht so gut an, wie er es anfangs wohl erwartet hatte, und Nayantai musste sich eingestehen, dass die Schmerzen, die er für diesen einen, mitleidigen Moment empfand, durchaus echt waren. In die Realität wurde er durch eben jenen Schmerz zurückgeworfen, als Rain seinen verdammten Finger auch nicht losließ - dafür, dass er keinerlei körperliche Auseinandersetzung gewinnen würde, hatte sein Kiefer eine abartige Art von Kraft, aus welcher er sich nicht leicht zu winden wusste. "Schon gut!", stieß er empört aus. "Ich höre auf, dich zu belästigen!", fiepte er, wie ein in die Enge getriebenes Tier. Eher weniger angetan von dem unliebsamen, schrecklich festem Biss, wurmte er seinen in Mitleidenschaft gezogenen Finger auch schon aus der Fremden Umklammerung, wenn auch nicht ohne an einem von Rains Zähnchen zu rütteln. "Du willst lernen, das habe ich verstanden! Also, wir waren ... da!", erklärte er schlussendlich. Nayantai richtete den angeknabberten Finger auf die gefüllten Zeilen des alten Buches, und begann langsam, Stück für Stück daraus vorzulesen.

      Wäre es hier noch eine Ecke wärmer, dann würde Shuren womöglich wirklich einen Fächer brauchen - so lag er ihm lediglich fein in der Hand und er gestikulierte damit zu einem seiner Wachen, die gefälligst nach etwas Tee fragen sollten, den er liebend gerne trinken würde. Ruhig war er nicht gerade, als sich der eklatante Schafsbock vor ihm aufplusterte wie ein raufmütiger Hahn, der sein Revier gegen einen unzufriedenen Neuling verteidigen wollte. Oyu war es, die ihm vermutlich Flausen in den Kopf setzte, aber Shuren behielt die Beobachtung für sich - stattdessen sah er Caelan nicht einmal an und spielte mit seinem Fächer, den er durch die Luft wedelte. Ernst zu bleiben war ihm noch nie leicht gefallen, aber gerade jetzt war es eher belustigend. Die Worte, die aus dem grummeligen Mund des Alten purzelten, perlten nicht viel später von Oyus verzwickten Lippen - sie runzelte die Stirn, zumindest schien es so, und zog die Augenbrauen angewidert zusammen. Freunde machte er sich mit diesen beiden wohl keine. Shuren seufzte amüsiert als er die abartigen Neuigkeiten vernahm. Unmöglich - eine taktisch gute Lüge, ja, aber Nayantai war vor zu langer Zeit verschwunden. "Tut es. Aber die Behauptung ist ... interessant. Wenn ich dir glauben würde, und du solche Informationen bereitwillig zur Verfügung stellst, was willst du dafür? Rück mit der Sprache heraus. Du erzählst mir das nicht aus Freundlichkeit, sondern aus Eigennutz. Also? Wie viel willst du dafür, wenn ich dich nach mehr als einem läppischen Satz frage?", murrte Shuren gen Oyu, die er schlussendlich auch ansah. Man brachte ihm eine Tasse Tee, Oyu und Caelan ebenso. Der Winzling plauschte, übersetzte für den großen, bösen Wolf auf seinem anmutigen Thron, aber ehrlich gesagt ... war es nicht besser, wenn Nayantai das Weite suchte?
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    • Caelan fragte sich ob dieser Idiot sich nicht vernünftig hinsetzen konnte und dann dachte er daran, dass sein eigener König keinen Deut besser war. Er war ein aufmüpfiges Kind, das ein Nein niemals gelten lassen würde, aber das war scheinbar noch nicht alles. Darragh hatte nie viel von ihm gehalten, aber er war ein notwendiges Übel gewesen, Caelan hatte sich lediglich gefragt, ob er sich anders entwickelt hätte, wenn sein Vater länger gelebt hätte. Was er aber im Endeffekt über ihn erfahren musste, hätte er sich niemals auch nur im Traum vorstellen können. Der Kerker war nicht nur vom Kronprinz der Wölfe bewohnt worden und es war der grauenhafteste Ort gewesen den Caelan jemals gesehen hatte. Keines der Schlachtfelder auf denen er gekämpft hatte war damit zu vergleichen gewesen und wenn er gewusst hätte was mit dem Wolf geschehen sollte, so hätte er ihn nicht gefangen genommen. Informationen wollte er haben und hatte ihn schließlich an die königliche Armee übergeben. Er hatte damit gerechnet, dass man ihn foltern würde, solange er nicht den Mund aufmachte, aber das Häufchen Elend, dass er von dem dreckigen Kerkerboden gekratzt hatte war kaum noch als Mensch erkennbar gewesen.

      Caelan richtete seinen Blick auf einen Mann, der ihm eine Tasse Tee anbot, die er gekonnt ignorierte. Er war nicht hier um es sich gemütlich zu machen und ein Teekränzchen mit Shuren abzuhalten. Er war hier um zu verhandeln, nachdem es ihm zumindest so gut ging, dass er hier verschwinden konnte, wenn man ihn ließ. "Ich kenne seinen letzten bekannten Aufenthaltsort, wenn ihr ihn also finden wollt, dann braucht ihr mich. Ich will nichts weiter als ein paar meiner privaten Angelegenheiten zu klären und diese beiden Dinge gehen Hand in Hand. Es kümmert mich nicht, wenn ihr mich danach wieder hierher zurück zerrt und einsperren wollt.", erklärte Caelan ohne zu viel Preis zu geben. Er wollte diesem Mann keine Angriffspunkte geben, wenn er nicht wirklich musste. "Wenn ihr mir nicht glauben wollte, dann kann ich ihn euch ja vielleicht beschreiben, auch wenn ich glaube, dass er um einiges mehr Narben vorzuweisen haben dürfte, als noch vor... viereinhalb Jahren? Eine Brandnarbe ist nicht dabei, obwohl seine Siedlung damals abgebrannt wurde. Die Narbe in der Mitte seiner rechten Hand - innen und außen - sah aber alt genug aus, um seiner Familie zumindest bekannt sein zu dürfen."
    • Shuren war kein Kind der Traurigkeit, sondern der Sohn eines frauenhassenden Tyranns, der sich abermals über das Leben Anderer echauffiert hatte, während er selbst in einem prunkvollen Eisschloss hauste und einen Dreck besser war als ein jedes Schaf, dessen Lebensgeschichte von den grauenhaft pfeifenden Winden in den fernen Westen Thrias getragen wurde. Bezirzt war er von der Geschichte nicht sonderlich, auch dann nicht, als Oyu sie wiedergab - sie war wenig wert, fast wie eine Wimper, die sich in seinem eigenen Augapfel verfing, und Shuren war es leid, glauben zu müssen, dass ihn bald Forderungen erreichten. Mit einem Grummeln setzte er sich ordentlich auf seinen Thron, wenn auch nicht sonderlich aufrecht, und trank aus seiner Tasse. Na schön. Wenn dieser Typ verhandeln wollte, dann sollte er ihn wohl über all das informieren, was es zu wissen gab - auch, wenn er selbst nicht mehr konnte, als enttäuscht zu gähnen. Mehr gab es nicht? Nur, weil jemand eine signifikante Narbe an der eigenen Hand trug, hieß das nun einmal nicht, dass es ausgerechnet eben jene Narbe war. "Schön und gut, aber was interessiert mich das?", mit einem freudigen Lächeln blinzelte er die beiden an, die vor ihm standen, wie bellende, hungrige Hunde, und das Balg konnte nicht anders, als mit ihrem plötzlich so bleichen Gesicht an Caelans Ärmel zu zerren und ihm zu übersetzen, was ihr König gerade sprach. Niedlich.

      "Er ist schon so lange weg, da macht es auch keinen Sinn mehr, an einer Fata Morgana festzuhalten, weil du glaubst, dass er noch lebt. Woher willst du wissen, dass er in deiner Abwesenheit nicht schon gestorben ist? Woher will ich wissen, dass du dich seiner nicht entledigt hast, bevor du hierher kamst?" Shuren vermochte in vielerlei Hinsicht noch ein Kind zu sein, für die Ewigkeit, und doch klebte Blut an seinen Fingern, an seinen Händen, seinem Gesicht - seinem Körper, seinen bloßen Gedanken. Nichts, das in Yaoshen geschah, war etwas, das Rikiya sanktionieren würde, oder duldete. Der Jungwolf schmunzelte, angetan von der Situation. "Dir ist klar, dass seine Familie aus dem König besteht, richtig? Also willst du von mir, dass ich ihm diese Information weitergebe - einem armen, gebrochenem Mann noch den letzten Funken Hoffnung vor die Füße schmeiße, wie einem Hund einen Knochen, damit Forderungen bekommst, die du nicht einmal gestellt hast? Sei doch nicht albern." Entnervt zuckte er mit den Schultern und atmete tief aus, als er dem kleinen Floh dabei zusah, wie sie vorsichtig in einer Sprache zu konferieren schien, die er nie erlenen würde. Lieber nahm er sein eigenes Gift ein, als sich von ein paar Schafen sagen zu lassen, was er tun durfte, und was nicht. "Es ist ja nicht so, dass ich dir nicht glaube. Im Gegenteil. Aber ich bin auch kein Sadist. Das sind wir beide nicht. Also, was willst du dafür, dass du mir das gesagt hast? Dass ich nach ihm suchen lasse? Dass ich mich endlich selbst am Krieg beteilige? Oder doch eher etwas ... einfacheres?"
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    • Wenigstens setzte sich der Knabe aufrecht hin, auch wenn es nur war, damit er besser von seinem Tee trinken konnte. Sonderlich erfreut schien er über Caelans Neuigkeiten nicht, auch wenn er lächelte. Dass es kein ernstes Lächeln war konnte selbst ein Blinder erkennen, aber Caelan blieb ruhig und ließ sich auch nichts anmerken. Auch als Oyu sich an ihm festklammerte, wohl weil sie Angst vor ihrem Herren und seinem falschen Grinsen hatte, rührte er sich nicht. Es hatte nichts mit ihr zu tun, aber Caelan konnte sich in diesem Moment keine Blöße geben und deswegen versuchte er auch gar nicht erst sie zu beruhigen, er ignorierte sie einfach und lauschte nur ihren Worten. "Das habe ich nicht. Im Gegenteil, ich würde sogar behaupten, dass ich sein Leben gerettet habe. Das letzte Mal, dass ich ihn gesehen habe, kann höchstens zwei Monate her sein, wobei ich gestehen muss, dass ich nicht ganz sicher bin, wie lange ich schon hier bin. Er war zu der Zeit in Sicherheit, aber Adrestia ist nicht gerade der beste Ort für einen Wolf.", erklärte das Schaf mit etwas Nachdruck. Ewig zeit lassen sollten sie sich nicht und er selbst hatte auch nur begrenzt Zeit.

      Shurens folgende Worte waren jedoch wie ein Dorn in Caelans Seite und er konnte nicht verbergen, dass er gänzlich anderer Meinung war. Der König der Wölfe war ihm scheißegal, aber sie beide waren Väter und gemessen daran, dass nicht alle Wölfe riesige Arschlöcher waren, musste Caelan einfach glauben, dass es dem Mann ging wie ihm selbst. "Du hast keine Kinder, also wirst du das nicht verstehen, aber glaube mir, wenn ich dir sage, dass dein König dich einen Kopf kürzer macht, sollte er erfahren, dass es eine Chance gab seinen Sohn lebend zu finden und er sie nur wegen dir nicht ergreifen konnte.", knurrte der adrestianische Soldat. Was für ein ahnungsloser Volltrottel dieser Shuren doch war. Nutzlose Wölfe oder nicht, ihr König würde es wohl noch hinbekommen dieses Kind einen Kopf kürzer zu machen. Er richtete sich auch an Oyu. "Dass du mir das ja nicht schön redest.", mahnte er sie, Shuren sollte es genauso so hören, wie er es gesagt hatte, auch wenn er es sich in ein paar Minuten vielleicht anders überlegen würde. "Es ist mir egal ob du am Krieg teilnimmst oder nicht. Es ist mir auch egal wie lange er noch dauert und wer gewinnt. Wenn du deinem König die freudige Nachricht erst überbringen willst, wenn wir seinen Sohn gefunden haben, von mir aus. Ich will nur zurück nach Adrestia und von mir aus begleiten mich zwanzig deiner Soldaten. Ich hole ihn dir zurück und erledige ein paar Dinge. Das ist alles was ich will. Falls es sonst noch etwas gibt, das du willst, dann frag eben. Wo wir gerade bei Forderungen sind, ich habe noch keine von dir gehört."
    • Dumme Augenauswischerei. Mehr war all das nicht, und egal, was Oyu versuchte, sie würde sich nur die Finger daran verbrennen, Shuren irgendwelche Dinge vernünftig zu unterbreiten. Für den Augenblick reichte es doch hoffentlich, wenn er sich nicht weiter auf diesen Typen einließ, auch, wenn er schwer bezweifelte, dass er sich einfach so ins nichts auflösen würde. Kaum hörte er den nächsten Vorsatz dieses grenzdebilen, alten Mannes, grummelte er entnervt - Oyu pflanzte ihm entweder Flausen in den Kopf, oder aber, sie beide waren bereits verrückt geworden; wenn es nichts davon war, dann musste Shuren sich wohl damit abfinden, dass nicht jeder nach seiner Pfeife tanzte, und gleichermaßen wusste er doch, dass er es sich den nötigen Respekt erzwingen konnte, wenn er es denn wollen würde. Er prustete. "Du bist ein Schaf. Ein nicht unbeteiligtes Schaf. Und du willst mir einreden, dass du dem Kronprinzen der Wölfe geholfen hast, weil du eine gütige Seele besitzt? Das Leben eines Mannes kaschiert die Fehler in deinem Leben nicht. Du hast vermutlich so viele von uns getötet, da ist es doch egal, ob du dich nach zwanzig, dreißig Jahren endlich besinnst und wachrüttelst und einen von uns rettest. Weißt du, was dein Volk angerichtet hat? Weißt du, was du angerichtet hast?" Shuren lächelte, noch immer, aber seine Stimme klang wie Gift, das aus den Zähnen einer Schlange träufelte.

      Dass Oyu sich vor ihm fürchtete war wohl nichts Neues; nicht auch nur eine Sekunde lang glaubte sie, dass sie wirklich verstehen konnte, was für ein Gespräch die beiden anfingen. Shuren lebte in seiner eigenen Blase, und Caelan ging es nicht anders - wenn sie sich einmischte, dann platzten eben jene wahrscheinlich auch nicht, sondern sie zog die Wut beider auf sich. Ein Räuspern, mehr nicht, als sie an beiderlei Ohren das trug, was die Männer voneinander wissen wollten - so, wie es der ursprüngliche Sprecher überliefern wollte. Wieso hatte sie sich auf das hier eingelassen? Ihr war beinahe übel. "Einen Kopf kürzer? Mein König? Du bist lustig! Außerdem. Wieso sollte ich Kinder wollen? Mehr als eine Bürde, ein wunder Punkt, ein Druckmittel sind sie nicht.", lachte Shuren schließlich schrill auf. Sogar eine Träne wischte er sich aus dem Augenwinkel, danach gähnte er beherzt. "Mein König wird mir genau nichts antun. Was glaubst du, in welcher Tyrannei wir leben? Euer verblendetes Leben teilen wir nicht. Wir sind frei.", behaarte Shuren, und Oyu war diejenige, die es Caelan zurück an den Kopf werden durfte. Mit einem Mal streckte Shuren sich und sah auf die Ketten, die an Caelans Handgelenken bimmelten - die unnötigerweise dort angebracht waren, wo sie nichts verloren hatten. Unzufrieden stimmte ihn dieses traurige Narrenstück allemal. "Forderungen? Was will ich von dir? Du besitzt so wenig, dass es dich wohl nicht mal interessiert, danach zu verlangen. Was kannst du mir schon bieten? Ich verschiffe dich nicht zurück nach Adrestia, aber ich bringe deine Forderungen an den König weiter - noch besser, ich lasse dich abholen. Wie wäre es damit? Dann kannst du ihm dein Anliegen selbst unterbreiten und bist auf dem schnellsten Weg in deine Heimat."
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    • Mehr als ein eingebildetes Kind saß nicht vor Caelan und es störte ihn zunehmend, dass er sich von so jemandem gefangen nehmen ließ. Am Liebsten wäre er trotz der Soldaten und der Ketten nach vorne gestürmt und hätte diesem Wolf ein paar Manieren beigebracht, aber das hier war größer als er, es ging um seinen Sohn. "Ich habe nie behauptet, dass ich ein guter Mensch bin.", stellte er klar und das glaubte er auch nicht von sich selbst. Wie viel auch immer Shuren über Caelan wusste, er wusste vermutlich maximal die Hälfte der Dinge die Caelan getan hatte. Den Krieg hatte er begonnen, aber die Wölfe hatten den ersten Stein geworfen. "Das erste Blut habt ihr vergossen, also verschone mich mit deinem Vortrag. Den Krieg hast du deinen Vorfahren zu verdanken und dass ihr ihn nicht richtig zu führen wisst ist auch nicht meine Schuld.", erwiderte er entnervt. Was wusste dieser Bengel schon? Er war zu jung um die Zeit vor dem Krieg erlebt zu haben und er hatte keine Ahnung mehr worum es eigentlich ging, wie so viele junge Männer auf beiden Seiten des Gefechts. Für Caelan war es immer noch etwas persönliches, aber langsam gab er diese Ansicht auf.

      "Tu dir keinen Zwang an, wenn deine Blutlinie mit dir ausstirbt ist der Welt damit vermutlich geholfen.", seufzte Caelan und in diesem Fall war es ihm egal ob Oyu das nun übersetzen wollte oder nicht. Er hatte genug davon sich von einem Kind auslachen zu lassen und er hatte genug davon seinem Schwachsinn Gehör zu schenken. "Frei den Sohn deines Königs zu opfern, weil du keine Lust hast mir zuzuhören? Du kannst froh sein ein verdammter Wolf zu sein, der dabei zusehen kann wie sein Volk ausgerottet wird, während er sich hier versteckt wie ein Feigling. Wenn das für euch Freiheit ist, dann ziehe ich Disziplin vor. Es ist kein Wunder dass ihr verliert." Caelan konnte nicht mehr als über die Dummheit dieses Knirps zu lachen und den Kopf zu schütteln. Amüsiert stieß er die Luft aus und lächelte für einen Moment. Er versteckte sich wahrlich hier. Caelan war immer noch perplex, dass keiner versuchte Antworten aus ihm heraus zu prügeln. Er konnte diesen Witzfiguren so viel verraten, wenn er denn wollte, aber er wurde nicht einmal gefragt. "Soll mir Recht sein.", entgegnete er nur. Blieb nur zu hoffen, dass der König der Wölfe nicht so ein Narr war wie sein Untertan, auch wenn Caelan eigentlich nicht noch mehr Zeit verlieren wollte.