spellbound. (earinor & akira)

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    • Nayantai rümpfte die Nase. Rain sollte tun und lassen, was er wollte, so viel stand ihm auch zu, doch gleichermaßen wusste der Wolf nicht so recht, so er mit seinem Kopf hin sollte - durch die Wand funktionierte in diesem Fall nicht, und sich unzureichend zu artikulieren war auch weniger schlau als anfangs gedacht. Ein Seufzer war alles, was er dazu noch sagen wollte; Nayantai wollte sich weder streiten, noch im Unrecht wissen, und doch hatte er keine wahrhafte Muse dazu, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Rain würde Recht behalten, das war ihm beinahe schon klar, aber gleichzeitig wollte er nun einmal nicht mehr als seine wohlverdiente Ruhe, nebst der Empfindung, dass er für heute definitiv noch nicht genug getan hatte. "Aber egal. Ich hole uns etwas zu essen.", grummelte er und zwang sich in seine Schuhe, die durchaus durchgelatscht wirkten, bevor er sich duckte und aus dem Zelt verschwand. Der Schnee war gleißend weiß und brannte beinahe in seinen Augen; kleine Wölkchen scharten sich um seinen Mund, kaum atmete er einmal aus, und ein ihm unbekanntes Frösteln stieg durch seinen Körper, der ihm wohl vermitteln wollte, dass er alles war, nur nicht mehr für die thrianische Wildnis gemacht. Erneut schnaubte der Wolf unzufrieden und machte sich auf den Weg in das Siedlungszentrum. Leer war sie nicht, das war sie noch nie, aber von spielenden, schreienden Kindern und alten Greisen, die schalkhaft von ihrer Jugend berichteten fehlte dennoch jede Spur.

      Reges Treiben beschrieb man anders, und doch war es ihm gar recht, nicht mit Anderen interagieren zu müssen; einfacher war es, wenn er sich auf sich selbst fokussierte und noch viel besser war es, wenn er keine dummen Fragen mehr beantworten musste, weil die Fragesteller sich in dicke Schneeflocken aufgelöst hatten, die ihn auf Schritt und Tritt verfolgten. Der Geruch von rohem Fleisch, abartig wie er war, stieg ihm bald schon in die Nase; die Karkassen ihrer letzten Jagd ließen sie ausbluten, so gut sie konnten, aber das änderte auch an dem Geruch nichts. Je länger Nayantai seinen leisen Spaziergang durch die Siedlung machte, desto mehr überschwemmte ihn eine nervige Welle der Nostalgie; das Verlangen danach, wieder ein Welpe zu sein, der es im Leben noch einfach hatte, aber das stand eben nicht zur Option. Nayantai bog ab, zwischen zwei Zelte, irgendwohin, so lange er seinen Kopf freibekam ... ob er noch jemanden fand, den er wirklich kannte? Eigentlich wollte er es sich gar nicht ausmalen, aber gleichzeitig wollte er für den Moment nur seine Ruhe, selbst, wenn das bedeutete, dass er aus dieser verdammten Siedlung wandern musste - so vereinsamt, wie sie war, fiel das ohnehin keinem auf.

      Rikiya war derjenige, der seinen Kopf zuerst in das riesige Zelt steckte und einen Blick auf Rain, nicht aber Nayantai erhaschte. "Guten Morgen!", begrüßte er den Blonden, der durchaus seit einiger Zeit wach zu sein schien und sich liebend gerne auf seinem Bett wälzte - wenigstens war es bequem. Zumindest glaubte der König der Wölfe das. All das, wonach Rain gefragt hatte, hatte er mit sich gebracht; und jemanden, der ihm dabei half, die einigermaßen losen Papiere durch die Gegend zu schleppen. "Du kannst es hier ablegen.", meinte er nur zu der wolfähnlichen Gestalt, die knapp durch das Zelt huschte und den Stapel auf einen Tisch in der Mitte platzierte; einen Blick auf Rain schien er erhaschen zu wollen, bevor er schnellen Schrittes wieder hinter seinem König verschwand. "Danke. Das ist alles.", lachte Rikiya zufrieden und sein Schatten verneigte sich, bevor er wieder in das Schneegestöber vor dem Zelteingang schlüpfte. Prüfend warf er einen erneuten Blick durch das Zelt, aber auch der Vorhang war nicht zugezogen und Nayantai schien wie in Luft aufgelöst ... komisch. "Hast du gut geschlafen?" Rikiya legte seinen schweren Mantel ab und klopfte sich etwas Schnee von den Schultern, bevor er durch das Zelt wanderte und die Feuerstelle wieder entzündete; gleichzeitig stellte er einen Kessel Wasser auf, für etwas Tee. Seine Augen wanderten zu seinem eigenen Bett - zu dem offensichtlich fehlendem Buch - und zu dem, in dem Rain gerade schmökerte. Ernsthaft? Rikiya prustete. "Verstehst du irgendetwas?", erkundigte er sich neugierig, bevor er sich über Rains Schulter beugte. Hoffentlich nicht.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain beschäftigte sich eine Zeit lang mit dem Buch, blickte aber auf, als er hörte wie die Plane des Zeltes zur Seite geschoben wurde. Es war nicht Nayantai der zurück war sondern Rikiya und er hatte jemanden dabei der ihm half all seine Papiere zu tragen. Rain bemerkte den Blick der ihm zugeworfen wurde und er legte einen Finger zwischen die Seiten des Buches, bevor er es auf seinem Schoß ablegte. Das waren wohl die Berichte nach denen Rain gefragt hatte, auch wenn Nayantai ihm das Gefühl gegeben hatte, vielleicht ein wenig zu viel gefragt zu haben. Vielleicht sollte Rain sich zurücknehmen, speziell gegenüber dem König, den er ohnehin schon einmal verärgert hatte. Der andere Wolf wurde wieder nach draußen geschickt, dass jeder wusste, dass sich ein Schaf in der Siedlung aufhielt war bestimmt nur eine Frage der Zeit und der Umstand, dass es in Rikiyas Zelt hauste, machte es dem König bestimmt nicht einfacher die Situation unter Kontroller zu halten. In Fhaergus wussten nur die Menschen im Anwesen von Nayantai, nicht das ganze Land. Rain fühlte sich schlecht, aber er wartete geduldig und sagte vorerst nichts.

      Als Rikiya schließlich das Wort an Rain richtete, setzte er sich ein wenig gerader hin. "Ja. Es ist ein wenig... laut, im Vergleich zu Fhaergus, aber ich gewöhne mich bestimmt daran.", antwortete er. Eine einfache Zeltplane schirmte einen nicht besonders von den Geräuschen draußen ab, auch wenn nur jemand durch den Schnee stapfte. "Nayantai wollte Frühstück besorgen.", erklärte er außerdem, nachdem er gesehen hatte, wie Rikiya seinen Blick durch das Zelt schweifen ließ. Als der König hinüber kam um sich das Buch anzusehen schüttelte Rain den Kopf. "Tut mir Leid, ich hätte fragen sollen. Ich denke nur, dass Nayantai nicht sehr viel Freude damit hätte mir mit dem Lesen zu helfen, also wollte ich es selbst in die Hand nehmen. Ich denke ich kann mir ein paar Wörter zusammenreimen, wenn ich mir Zeit dafür nehme, dann kann ich es bestimmt irgendwie alleine lernen." Rain hätte das Buch nicht einfach so nehmen sollen und jetzt hielt er es Rikiya entschuldigend entgegen. "Nayantai scheint als könnte er jemanden zum Reden brauchen... ich glaube ich habe ihm zu viele Fragen gestellt. Vielleicht lässt er sich von dir aufmuntern. Ich glaube er macht sich Sorgen wegen der Ältesten und ich glaube... vielleicht fühlt er sich jetzt wo er hier ist doch nicht so Zuhause wie er angenommen hatte...?"
    • Nicht einmal hatte Rikiya das Gefühl gehabt, er müsse sich auch nur eine Sekunde lang für irgendeine seiner Dummheiten rechtfertigen, zumindest nicht den Wölfen gegenüber, die zu einer Familie geworden waren, die er sonst nie haben würde - zumindest hatte er das geglaubt. Rain hingegen schien jemand zu sein, der nicht so recht wusste, wo sein Platz auf diesem Planeten war, oder wo er ihn hinführen würde - alles, was der König der Wölfe wusste, war pure und substanzlose Mutmaßung, gepaart mit seinen eigenen Empfindungen, die mittlerweile über zwanzig Jahre alt sein mussten. "Mach dir keine Sorgen darüber, mit der Zeit vergeht auch das.", bemerkte er lächelnd. Rikiya sprach nicht darüber, weil er musste, sondern weil er in vielen Fällen - so wie diesem - genug Erfahrung besaß, um dementsprechend zu urteilen. Was würde er auch tun, wenn er in hitzigen Situationen kindliche Charakterzüge an den Tag legte? Dreck fressen, mehr als er es in diesem halb verlorenen Krieg ohnehin schon tat. "Frühstück? Huh, dafür ist er doch etwas spät dran, wenn ich ehrlich bin. Nicht, dass es nichts mehr gibt, aber ... wie lange ist er schon weg? Der Weg von hier bis zur Siedlungsmitte ist eigentlich nicht weit.", warf Rikiya verwirrt ein.

      Erneut fielen seine Augen auf das Buch, das Rain wohl eher als eine Art Relikt ansah - eine Hilfestellung, und nicht etwa als das, was es wirklich war. Genau genommen wollte Rikiya ihm das Buch nicht wegnehmen, aber gleichermaßen wäre es vermutlich ordentlicher und besser, wenn er einfach den Mund hielt und es irgendwo verstaute, wo kein Kind der Welt es finden würde. Der Wolf räusperte sich. "War er schlecht aufgelegt? Oder wieso glaubst du das? Ich zweifle nicht daran, aber Nayantai scheint komplett durch den Wind zu sein.", stimmte er Rain zu. Seine Hand legte er auf den alten, wulstigen Umschlag des speckigen Buches, das er wieder an sich nahm, bevor er lachen musste. Zu nett war Rain, aber das lag wohl in dem fhaergischen Blut, das er sein eigen nannte - auch, wenn er Caelan nicht auf ein Haar glich, so war er ohnehin gleichzuvorkommend. Er schüttelte seinen Kopf. "Ich werde mit ihm reden, mach dir keinen Kopf. Möchtest du etwas Tee? Und ... zum Selbststudium kann ich dir sicher irgendwelche Bücher auftreiben, aber das hier", er hielt das alte Teil hoch. "Ist vielleicht doch zu viel des Guten." Ohne weitere Worte legte er den Schinken zurück auf sein Bett, neben welchem er sich niederkniete, um an einer Schublade zu ziehen, die er ungefragt zu Rains Bett brachte. Alte, vergilbte Bücher waren es, deren Schriften einigermaßen lesbar waren, wenn auch nicht vollends. "Die sollten eher helfen. Sie sind nicht gerade interessant, es sind immerhin Kinderbücher, aber für den Einstieg sollte es reichen."
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    • "Ja sicher. Ich bin es nur nicht gewohnt. Auf der Reise war es auch laut, aber da war ich zu erschöpft um es zu merken. Sogesehen sollte ich mich wohl freuen, dass mich ein paar schwere Stiefel im Schnee aufwecken.", lächelte Rain zufrieden. "Zuhause war es nie sehr laut, es waren auch nie viele Leute im Anwesen." Rains Großvater hätte es sicher auch nicht geschätzt, wenn jemand laut durchs Haus gelaufen wäre, dafür war er einfach nicht der Typ gewesen. Rains Vater war auch kein lauter Mensch, im Gegenteil, eigentlich sagte er sehr selten etwas und nur wenn er musste. "Oh... ich denke so fünfzehn Minuten? Vielleicht wollte er nur etwas spazieren gehen, wir hatten glaube ich eine Art Streit... Ich habe ihm gesagt, dass er die Siedlung nicht verlassen soll. Du denkst doch nicht...?" Vielleicht hätte Rain ihm das tatsächlich nicht sagen sollen. Nayantai wirkte aber nicht wie als wolle er gerade jemandem etwas auswischen, aber wie jemand der am Liebsten noch weiter davon laufen wollte, auch wenn er nicht wusste wohin. Hoffentlich machte Nayantai keine Dummheiten, nur weil Rain zu neugierig war.

      "Ich habe nur ein paar Fragen über das Leben hier gestellt. Ich glaube damit habe ich ihn verärgert. Das war dumm von mir... ich glaube er hatte keine Antworten und das stört ihn. Er wirkte wütend und egal was ich ihm sage, er möchte nicht aufhören sich über die Ältesten Gedanken zu machen, fast so als wollte er, dass sie gegen ihn entscheiden...", eröffnete Rain Nayantais Vater. Vermutlich wusste er besser wie er seinem SOhn helfen konnte, als ein dummes Kind aus Adrestia. Rain gab Rikiya das Buch zurück, dass er gar nicht erst hätte nehmen sollen, aber der Wolf wirkte nicht wütend. Stattdessen suchte er etwas anderes und Rain sah sich ein paar Kinderbüchern gegenüber. "Tee wäre nett, ja.", nickte er, dann lächelte er Rikiya an. "Ich habe Nayantai gesagt, dass du bestimmt noch etwas aus seiner Kindheit hast!" Rain schlug eines der Bücher auf. Er kannte ihre Sprache, mit den Büchern würde er die Schrift im Handumdrehen lernen. "Danke Rikiya." Er legte es vorerst wieder beiseite. "Ich möchte mich nicht aufdrängen, nur helfen. Es tut mir Leid, wenn es anders rüber kommt, das ist nicht meine Absicht. Wenn ihr meine Vorschläge nicht mögt, dann stört mich das nicht, ich möchte nur versuchen mein Wissen über die adrestianische Armee zu teilen."
    • "Mhm, das legt sich. Mach dir keine Gedanken. Wenn du wirklich nicht schlafen können solltest, dann haben wir trotzdem irgendetwas für dich. Aber du solltest davor gesund werden.", erinnerte er Rain. Rikiya war nicht militant und bestand selten darauf, dass Dinge genau so gemacht werden mussten, wie er es von Anderen verlangten - gleichzeitig wusste er jedoch, dass es ihm kaum etwas brachte, wenn er sich einfach aufführte wie ein petulantes Kleinkind, dem man zu viel Macht in den Rachen geschoben hatte. "In Fhaergus war es wirklich nie laut, würde ich behaupten. Du meintest doch, es haben keine Veranstaltungen mehr bei euch stattgefunden, oder? Das haben sie davor auch eher selten, wegen den umständlichen Wegen nach Fhaergus." Auch, wenn Rikiya - nein, Ronan - Caelan eher als jemand sah, der sich mehr um Turniere als um pompöse Feste riss, wusste er nicht, wie er die Situation beurteilen sollte. Hatte sich Rains alter Mann wirklich derart verändert? Wenn er jetzt wirklich unter der Erde war, dann würde er wohl auch nie herausfinden, dass ... er wollte gar nicht daran denken. "Dass er aus der Siedlung abgehauen ist? Nein. Er mag trotzig sein, und ich weiß, dass er sich vermutlich verändert hat, aber das ist nicht seine Art. Wenn er in einer halben Stunde nicht aufkreuzt, dann suche ich ihn.", teilte er Rain mit. Rikiya würde nicht nach ihm schicken wollen, damit die ganze Siedlung alles erfuhr, also würde er es selbst machen.

      "Rain, du bist neugierig, das ist vollkommen in Ordnung. Außerdem hast du deine Hilfe angeboten und brauchst Informationen, die du nicht selbst herausfinden wirst, wenn du keinen fragen kannst. Er reagiert momentan harsch, ich weiß auch nicht wieso. Normalerweise ist das nicht seine Art, auch, wenn er recht dickköpfig sein kann.", erklärte er kopfschüttelnd. Ein weiteres Mal wandte er sich zum brühenden Kessel und füllte zwei Becher, die er zuvor noch mit getrockneten Blättern ausschmückte, die ihr Aroma wohl besser an das kochende Wasser abgeben sollten - Rikiya stellte einen davon an die Seite von Rains Bett, damit er für ihn in Reichweite blieb, und setzte sich dann auf die Kante des Fellhaufens mit seinem eigenen. "Da hattest du recht!", lachte er zufrieden. Rain schien klug zu sein, auch zwischenmenschlich, in jedweder Hinsicht. War es so offensichtlich, dass Rikiya sich um seine Kinder sorgte? Oder war es einfach nur ein dummer Zufall, dass all das auf solche Art und Weise passierte? "Ich habe hier auch noch irgendwelche Holzfiguren aus seiner Kindheit herumliegen, aber die sind ziemlich ramponiert ... ich bin mir relativ sicher, dass er einem der Holzpferde zwei Beine abgerissen hat." Kinder waren eben nicht vorsichtig, das war auch nichts Neues - ob Nayantai das arme Ding wiederhaben wollte? Rikiya wusste es nicht so recht, aber stattdessen zeigte er auf den blauen Stofffetzen der am anderen Ende des Zeltes hing; mit dem fhaergischen Wappen. "Ich bin relativ schlecht darin, Dinge loszulassen. Aber es freut mich, dass ich dir zumindest mit den Büchern helfen kann. Du musst dich für nichts entschuldigen, du bist einfach nur interessiert und ich nehme jede Hilfe an, die ich haben kann."
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    • "Oh, mir geht es aber schon viel besser.", erzählte Rain mit einem Lächeln und es stimmte. Dass ihm die Kälte ständig in den Knochen saß würde sich nie ändern, das war auch in Fhaergus in seinem warmen Zimmer so gewesen und dass er die Energie herumzulaufen, oder schwere Arbeit zu verrichten nicht aufbringen konnte war auch normal. Sein kaputtes Bein war im Moment eine ganz andere Geschichte, aber er musste ja nirgends hin. "Ah... ja das stimmt schon, aber es gab meistens doch jährlich zumindest eine Feier, soweit ich weiß und das war auch noch so nachdem ich geboren wurde, aber nicht lange. Meine Mutter hätte glaube ich gerne mehr Besuch gehabt, auch wenn es nur ein oder zwei Freunde gewesen wären.", erklärte Rain wohlwissend, dass er der Grund war, dass eben dies seiner Mutter verwehrt geblieben war. Es würde sich noch zeigen, ob seine Familie damit recht gehabt hatte ihn vor allen abzuschirmen, immerhin würde er hier mit einigen Wölfen zusammentreffen. Entweder all das war umsonst gewesen, oder er würde hier ständig krank sein. Am Besten war es wohl er blieb einfach in diesem Zelt. "Hm in Ordnung. Übrigens, bist du nur gekommen um mir die hier zu bringen?", fragte Rain und deutete auf den Stapel Papier. "Ich will dich nicht weiter aufhalten, wenn du etwas anderes zu tun hast."

      "Ich nehme es Nayantai nicht übel. Mir wurde auch alles zu viel, ich mache mir nur Sorgen um ihn." Rain griff vorsichtig nach der Tasse Tee die Rikiya für ihn gemacht hatte und nahm den Dampf in sich auf, solange das Wasser ohnehin noch zu heiß war um es zu trinken. "Ich denke er geht auch seiner Schwester aus dem Weg. Er meinte es liegt an mir, aber ich weiß nicht ob das die ganze Wahrheit ist. Es geht mich natürlich nichts an, aber... ich habe keine Familie mehr, vielleicht will ich deshalb, dass er keine Zeit verschwendet." Es ging Rain wirklich nichts an. Nayantai konnte tun und lassen was er wollte, aber heute Morgen hatte er sich wirklich seltsam verhalten, dabei war er gestern noch so glücklich gewesen. Rain lächelte Rikiya an als dieser ihm eröffnete, dass er tatsächlich noch mehr Dinge aus Nayantais Kindheit hatte, dann sah Rain auf das Wappen seiner eigenen Familie. "Ich wünschte ich... ah nein. Nicht so wichtig.", erklärte Rain mit einem Kopfschütteln. Man sollte nicht schlecht über die Toten sprechen. Rain glaubte nicht unbedingt, dass Rikiya ihm ein besserer Vater gewesen wäre als sein eigener, aber zumindest schien er weniger enttäuscht von ihm. Rain räusperte sich. "Ich glaube ich bin die Sache mit Nayantai falsch angegangen. Also was ist euer Ziel diesen Sommer? Was ich relativ sicher sagen kann ist, auf welches Stück Land die königliche Armee es abgesehen hat, das heißt aber nicht, dass sie keine Truppen entsenden um euch anderswo aufzuspüren. Wie dem auch sei, der Keil den die Armee in der Mitte des Landes von Alster aus gerissen hat wird früher oder später zu einem Problem und Stenz ist es leid, dass Alster das Meiste Land erhält. Ich bin mir sehr sicher, dass die Armee im Norden an der Küste vordringen und einige Außenposten und vielleicht sogar einen kleinen Hafen errichten will."
    • "Das freut mich - aber bitte überstürz nichts.", hielt Rikiya fest, als wolle er Rain damit sagen, dass er zumindest ein gewisses Maß an Ahnung über seine Probleme hatte. Selbst in seinem eigenen Körper gefangen zu sein, sich von einer Krankheit lähmen zu lassen - all das wünschte er keinem, aber jemandem wie Rain noch weniger. Mit dem thrianischen Wetter war nicht zu spaßen, gleich wenig, wie er es leichtfertig hinnehmen sollte, dass Nayantai sich einfach absichtlich in die Natur verzog, die er eigentlich meiden sollte. Wohin würde das noch führen? "Deine Mutter? Stimmt ... wer war deine Mutter überhaupt? Ich meine, Caelan hatte damals keine Verlobte.", nuschelte er und ließ sich das Ganze noch einmal durch den Schädel gehen. Wie dumm war er eigentlich? Was für Fragen stellte er an diesem Punkt? Rikiya schüttelte den Kopf - das war falsch. "Tut mir leid, das geht mich nichts an.", verneinte er sich das Wissen. Ob Rain ihm hold wäre, und es trotzdem ausplaudern würde? Nein, das wollte er gar nicht erst riskieren. Rikiya blies auf das heiße Wasser in seinem Becher und starrte kurzerhand auf die Blätter, die schwerelos auf den Boden sanken. "Oh, nicht nur! Ich wollte nach euch sehen und ich brauche so oder so eine kurze Pause." Im tiefsten Winter - zumindest thrianischem Winter - konnte er wenigstens noch etwas ruhen.

      "Ich auch, du bist nicht allein. Aber ich kann leider nicht sehen was in seinem Kopf vorgeht." Einfacher wäre es, wenn er eine derartige Gabe besaß; er hatte sie nicht, und doch sah er wiederum zu Rain auf. Ob es helfen würde, wenn er sich nie freiwillig auf die Seite der Wölfe geschlagen hätte und durch Darraghs Hände gestorben wäre? Vermutlich nicht - auch, wenn es zu spät war, um Missverständnisse aufzuklären. "Mh, wir sind kein Ersatz, aber ich hoffe, du fühlst dich einigermaßen wohl. Und was Nayantai angeht ... vielleicht will er es einfach nicht ganz realisieren, dass er hier ist? Ich meine, er war fast fünf Jahre weg. Dinge verändern sich, auch, wenn er nichts davon mitbekommt.", gestand er. Rikiya wusste nicht so recht, was er tun sollte, wenn Rain schon davon anfing, keinen Teil seiner Familie mehr bei sich zu haben, aber eine Idee kam ihn doch; eine, die ihn auf die Beine zwang und seine Tasse beiseite stellen ließ. "Hm? Nur zu, du kannst kaum etwas Falsches sagen.", erklärte Rikiya, der inmitten seines verstauten Sammelsuriums einige dickere Papierbögen zutage förderte, die sich als Karten entpuppten. Nebst den Büchern legte er sie auf Rains Bett, nur, um den Fhaergus-Fetzen von der Wand zu nehmen. Das war alles, das er noch von Caelan hatte - alles, das ihn an seine verworfene Existenz erinnerte. Rikiya legte ihn auf Rains Schoß ab. "Das ist alles, was ich dir geben kann. Es war der Mantel deines Vaters, vor Ewigkeiten.", meinte er leicht belächelnd, ehe er sich wieder auf das Bett kniete und eine der Karten vor Rain aufrollte, die dementsprechend datiert war - viele der Grenzen wurden durchgestrichen, Legenden erneuert, Gebiete eingegrenzt und Siedlungen willkürlich und nach Vermutungen eingezeichnet. "Es wird wieder, keine Sorge - Nayantai ist nicht nachtragend. Aber, zum eigentlichen Thema: Darauf, dass sie sich von innen heraus selbst zerstören, sollten wir uns nicht verlassen - aber das weißt du vermutlich besser als ich. Meinst du, es ist klüger, wenn wir den Sommer nutzen, um vor ihnen davonzurennen?"
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    • "Ich hatte nicht vor das Zelt zu verlassen... ich glaube das würde die Meisten hier ohnehin nur aufregen.", erklärte Rain mit einem gespielten Lächeln. Er konnte aber auch nicht den ganzen Tag schlafen. Die Schrift der Wölfe zu lernen würde ihn aber eine Weile beschäftigen, auch ohne, dass Rikiya ständig nach ihm sehen musste. Vielleicht fand er in der Zeit auch noch andere Aufgaben, die er erledigen konnte. Nur Nayantai wollte er eigentlich nicht auf die Nerven gehen, es schien als täte er das schon genug. "Du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Meine Mutter war eine adelige aus Wezette, ihre Familie hatte aber eigentlich nicht viel. Ein kleines Anwesen mit ein parr Hectar Wald, dessen Holz sie verkauften. Es gab auch nicht gerade viele Arbeiter dort, soweit ich weiß. Meine Mutter hat meinen Vater auf einem Fest in Alster kennengelernt. Sie ist nicht auf viele Veranstaltungen eingeladen worden, da ihre Familie eben nicht besonders reich war. Es war eigentlich das erste Mal gewesen, dass sie bei einem Fürsten zu Gast war. Sie hat mir immer erzählt mein Vater sah aus, als wollte er gar nicht dort sein und sie fühlte sich auch fehl am Platz. So haben sie sich kennen gelernt.", erzählte Rain die Geschichte weiter, die er von seiner Mutter gehört hatte. Es gab noch mehr, aber das interessierte Rikiya bestimmt nicht. "Oh, dann hebe ich mir meine Fragen vielleicht für später auf?", fragte Rain anschließend, er wollte Rikiyas Pause nicht verderben.

      "Ich fühle mich wohl. Wirklich. Ich hätte nicht erwartet, dass du so nett zu mir bist." Er hatte erwartet der König der Wölfe würde ihn öffentlich hinrichten, oder versuchen ihn gegen irgendetwas einzutauschen, dass er selbst aus Adrestia kam half Rain wohl. "Nein ich... ich denke nur... ich glaube ich habe mehr mit dir gemeinsam als mit meinem Vater, dabei kenne ich dich noch gar nicht wirklich lange.", gestand Rain und wandte den Blick ab. Weder konnte er seinen Vater nach Thria begleiten, noch konnte er sich auch nur dem König vorstellen. Rain seufzte leise und sah zu wie Rikiya wieder aufstand, um irgendetwas zu holen. Es waren ein paar Karten, aber nicht nur das, auch das Stück Stoff von der Wand bekam er. Rain wusste bereits, dass Rikiya seinen Vater kannte, aber das erklärte nicht warum er seinen Mantel hatte. "Wieso hast du den?", fragte er deshalb, wusste aber selbst nicht so genau, was er nun damit tun sollte. Stattdessen blickte er auf die nun ausgerollte Karte und stellte seinen Becher mit dem Tee beiseite. "Ich glaube Nayantai war wütend, dass ich vorgeschlagen habe sich zu verstecken und zu fliehen...", murmelte Rain und versuchte sich ein Bild auf der Karte zu machen. Vieles was in der ehemaligen Region Thrias die nun Alster gehörte eingezeichnet war, war nur bedingt richtig, aber es spielte auch nicht wirklich eine Rolle. Stattdessen deutete er auf die Küste. "Ich denke der erste Außenposten den sie errichten wollen wird irgendwo hier sein. Es macht es der Armee auch einfacher weiter vorzustoßen, wenn sie einen Hafen haben. Ich glaube die Gebiete nebst Wezette interessieren sie nicht, jetzt wo sie Fhaergus Berge unter ihrer Kontrolle haben. Prinzessin Yayoi braucht sich also vermutlich nicht viele Sorgen zu machen angegriffen zu werden. Die Gebiete die Alster übernommen hat werden verteidigt, aber mehr wird auch in dieser Richtung nicht passieren. Auch wenn sie euch vielleicht nicht ernst nehmen, Fürst Darragh wird nicht riskieren eingekesselt zu werden." Rain deutete auf die Regionen die er meinte. "Wie viele Späher habt ihr? Und gibt es Gebiete zu denen die Siedlung nicht verlegt werden kann, weil es dort zu wenige Ressourcen gibt oder dergleichen?" Rain kam auf einmal eine ziemlich dreiste Idee, aber er sprach sie nicht aus und führte den Gedanken auch nicht wirklich weiter. "Ich weiß auch, dass es gen Westen zu Nayantais eigentlicher Heimat zu kalt für die Meisten wird, richtig? Sich darauf zu verlassen, dass Adrestia von innen heraus zerbricht ist vermutlich wirklich nicht die beste Strategie, zumindest wird es noch einige Jahre dauern, bis so etwas wirklich passieren könnte denke ich."
    • "Wenn du dich draußen herumtreibst? Hm, ich würde meinen nein, aber das kann ich wirklich nicht genau sagen.", erwiderte Rikiya. Würde sich sein Volk darüber echauffieren, dass sie einen ungebetenen, feindlichen Gast beherbergten, der sich nicht einmal als Kriegsgefangener missbrauchen ließ? Durchaus, wenn sie erst davon erfuhren, wie er zu Nayantai stand - Rikiya selbst sah kein Problem damit, und doch war ihm beinahe schon klar, dass auch nicht jeder wusste, von welchen Personen er abstammte; in gewissem Maße war auch er ein Fremder, der einfach nur das Glück hatte, dass sein Aussehen dem der Thrianer durchaus glich. Ob das in Alster jemals stark aufgefallen war? Er hatte seine einstweiligen Zweifel, aber seine Zähne waren nun einmal ein Stempel für seine Herkunft - sie sagten etwas über ihn aus, das er nie aussprechen sollte. "Aus Wezette? In Alster? Darragh hat deine Mutter eingeladen? Das wundert mich fast nicht ... Ich will keinem etwas unterstellen, aber Darragh hat sich immer schon gerne mit kleineren und schwächeren Adeligen umgeben, mit Leuten, die nicht die Macht besessen haben, ihm wirklich einen Wunsch auszuschlagen oder gleich gesinnt waren wie er. Aber das ist eigentlich nicht der Grund warum ich frage - ich bin nur neugierig.", pfiff Rikiya interessiert, als er seinen eigenen Wortschwall zutage förderte. "Nein, nein - du kannst fragen, was du möchtest. Ich bin immerhin auch neugierig, also nur zu." Seinen Mund würde er sich schon nicht wund reden, aber gleichzeitig ergab sich ein neues, durchsichtiges Puzzleteil in der ganzen Geschichte - ob sich Caelan an seiner Frau je sattgesehen hatte?

      "Das freut mich. Und ... naja, dir wäre es auch nicht sonderlich lieb, wenn ich dich missachten würde. Außerdem weiß ich, dass du keine dummen Gedanken hegst und nur helfen willst, und in gewisser Weise weißt du vermutlich auch nicht, wohin mit dir selbst. Das kenne ich zu gut." Gleiches war ihm widerfahren, und während Rikiya eigentlich nicht darauf eingehen wollte, so waren die Flammen seiner versagten Existenz es, die ihn bis heute auf übelste Art und Weise verfolgten. Einen wahrlichen Sinn hinter seinem Geplänkel gab es ohnehin nicht, und doch war er gleichermaßen interessiert daran, einen Teil von sich selbst in jemandem zu finden, der ähnliche aber gänzlich andere Erfahrungen gemacht hatte. "Mit mir? Pff, Rain, da bist du nicht der Erste. Nayantai erinnert mich in gewisser Weise an Caelan, so wie ich ihn kenne. Komische Zufälle gibt es trotzdem ... und deinem alten Mann lese ich früher oder später noch die Leviten." Auch, wenn er dafür ins Grab wanderte, so war ihm das gleich. Ob es noch Platz für ihn in Caelans Armen gab? Nein, vermutlich würde er lieber seine Frau halten und Rikiya hatte ebenfalls jemanden, der auf ihn wartete - mehr als eine Person, und doch wollte er diesen traurigen Gedanken nicht wirklich in seinen Kopf hämmern. "Das alte Ding? Er hat mir seinen Mantel ausgeliehen, weil mir meist kalt war, und weil ihm es anscheinend gefallen hat, wenn ich seine Sachen getragen habe. Damit bin ich nach Thria abgehauen, und das ist das, was nach zwanzig Jahren und mehr als einer tumulten Reise noch davon übrig ist. Er wird dich nicht wärmen, aber so hast du wenigstens ein Stück Heimat bei dir, wenn du möchtest." Muffig war er auch nicht - Rikiya sorgte dafür, dass er zumindest die Behänge seines Zeltes regelmäßig wusch, und der alte Mantel war eines von den Dingen, die er definitiv nie versiffen lassen würde, auch, wenn sich an diversen Ecken und Enden schon zerrissene Fäden lösten. "Er kennt nichts außer kämpfen. Den Kopf einziehen und aufgeben ist nicht gerade seine Lieblingssituation. Außerdem glaube ich, dass er sich früher oder später rächen will.", seufzte der alte Wolf und besah sich dann der Karte, während Rain ihn über seine Vorschläge unterhielt. Solide waren sie, obgleich der schlechten Karte, doch allemal - und Rikiya konnte nicht anders, als darüber zu grinsen. "Späher? Schwer zu sagen. Wie viele brauchst du? Ich bin mir sicher, wir können genug auftreiben. Yayoi lässt sich sicher auch auf etwas ein, wenn ich einen Kompromiss eingehe - und so sehr ich es hasse, es zuzugeben, sie und ihr Volk sind die Einzigen, die ihre Grenze nicht verloren haben." Rikiya ließ seinen Blick über die Karte gleiten und deutete zirka auf die Mitte des Landes, bevor er einen Kreis abfuhr. "Ressourcen sind hier zwar nicht spärlich, da hast du eher im Westen Pech, in dem es sowieso zu kalt für uns alle ist, aber das Areal hat nichts. Hier draußen findest du vielleicht noch Bäume und Felsformationen, oder Hügel, aber das ist nur eine einzige, leere und moosbeflechtete Tundra.", erwiderte er kopfschüttelnd. Außerdem war es nicht gut, wenn sie sich von allen Seiten einkesseln ließen - das würde nur schneller zu einer Niederlage führen. "Sich auf Eventualitäten zu verlassen ist ohnehin dumm, ja. Der Westen, das Ganze dort unten heißt Yaoshen, ist für die Meisten unbewohnbar und theoretisch auch von der Umgebung abhängig - dort unten gibt es keinen fruchtbaren Boden und meterhohe Eisklippen. Die Temperaturen sind außerdem so schlimm, dass es unmöglich ist, die eiskalte Luft zu atmen. Wir sollten alles um dieses Gebiet herum vermeiden." Rikikya grenzte das alles mit einer groben Linie ab, die er Rain zeigte. "Grundsätzlich schätze ich allerdings, dass wir Unterstützung aus Yaoshen bekommen können, wenn wir sie brauchen."
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    • "Ich hab mich in Fhaergus auch nicht herum getrieben, es macht mir nichts aus hier drinnen zu bleiben, solange ich etwas zu tun habe und das habe ich. Alleine bin ich auch nicht mehr. Ich bin froh, dass mein Vater Nayantai zu mir gebracht hat, auch wenn ich immer noch nicht weiß wieso er das getan hat." Rain lächelte leicht. Nayantai war eigentlich sowas wie der erste Freund den Rain je gefunden hatte. Sra zählte nicht, sie war immer da und irgendwo war es auch ihr Job gewesen und jemand anderen gab es nicht. "Ich... ich weiß du hasst ihn. Ich habe ihn nie getroffen, aber ohne ihn gäbe es mich vielleicht nicht. Nicht nur weil er sie eingeladen hat. Man wollte mir das nie sagen, aber mein Großvater war gegen die Heirat meiner Eltern. Ich weiß, dass Fürst Darragh meinen Vater allerdings sehr dabei unterstützt hat." Rain wollte keine alten Wunden aufreißen, aber er wollte Rikiya auch nicht verschweigen wie er selbst seinen Patenonkel sah. Er wusste gewissermaßen, dass sein Vater viel von ihm gehalten hatte, nicht umsonst hatte er mehr mit ihm un seinem Sohn - also Rikiyas Bruder - zu tun, als mit seiner eigenen Familie. "Judith - unsere Köchin - hat mir einmal erzählt, dass meine Mutter an ihrem ersten Tag in Fhaergus mehr als nur überfordert gewesen war. Das Anwesen war ihr viel zu groß und leer gewesen, aber sie liebte den Garten. Allgemein war sie sehr beliebt bei den Bediensteten. Wenigstens sie waren bei der Beerdigung..." Rain räusperte sich kurz und schüttelte den Kopf. "Tut mir Leid. Ich bin zu sentimental."

      "Ich weiß das alles sehr zu schätzen." Wenn Rikiya nicht der wäre der er war, dann wäre Rain vielleicht schon tot, oder immer noch bei Yayoi und er wollte nicht wissen, was sie mit ihm getan hätte. Jedoch hätte Rain seinen tee ausgespuckt, wenn er noch welchen im Mund gehabt hätte. "Nayantai? Wie mein Vater? Ich glaube nicht, dass sie viel gemeinsam haben, auch wenn Nayantai am Anfang ebenso wenig gesprächig gewesen war...", erklärte Rain etwas verwirrt. Sein Vater war... gänzlich anders. Ein Einzelgänger, oder vielleicht nur enttäuscht von seinem Sohn. Vielleicht auch nur müde vom Krieg... Rain blickte auf das alte Stück Stoff. "Ich... nein, es bedeutet dir viel. Du musst mir das nicht geben. Es kann auch weiter an der Wand bleiben, dann haben wir beide etwas davon.", erwiderte er mit einem Kopfschütteln. "Wie hast du eigentlich Nayantais Mutter kennengelernt? Wusste sie von anfang an wer du bist?" Vielleicht war Rain etwas zu neugierig, aber er war interessiert an Rikiyas Geschichte. Irgendwo war sie seiner doch ähnlich. Als Rikiya wieder auf Nayantai zu sprechen kam seufzte Rain. "Nungut, vielleicht ist er meinem Vater doch ähnlich.", seufzte Rain. War das etwas Gutes oder etwas Schlechtes? "Ich schätze ihr alle wollt euer Land zurück...", murmelte er, aber gab es dazu eine Möglichkeit? Er folgte Rikiyas Erklärungen und etliche Wege taten sich in seinem Kopf auf. Die Wölfe hatten mehr Möglichkeiten als er geglaubt hatte. "Was ich Nayantai vorgeschlagen habe war Späher zu entsenden um die Bewegungen der Armee im Auge zu behalten. Eventuell könnten einige Späher auch als Lockvögel dienen um die Armee in die falsche Richtung laufen zu lassen. Ohne Fhaergus fehlen ihnen ihre besten Späher, sich zu verstecken könnte also durchaus funktionieren. Selbst wenn die Armee hier her kommt, solange wir es rechtzeitig wissen, könnten sich alle in Sicherheit bringen. Aber das ist natürlich alles deine Entscheidung.", erklärte Rain und zögerte kurz. "Yayois Gebiet ist sicherer, weil Wezette mehr oder weniger pleite ist. Der damalige Fürst hat auf schnellen Profit gehofft und eine Menge Geld in die Kriegskasse gesteckt. Als er allerdings merkte, dass die Berge im Süden nicht so viel Erz tragen wie er gehofft hatte, war es schon zu spät. Die errichteten Außenposten waren an den falschen Stellen und Thria hat das wenig Land zurück erobert. Wezette hat sich von dieser schweren finanziellen Lage nie wieder erholt und sie haben alle Hand zu tun ihre eigene Grenze zu beschützen. Hinzu kommt, dass Alster so viel Wald in Thria erobert hat, dass sie das Holz aus Wezette nicht mehr brauchen, damit fiel eine weitere Einnahmequelle weg. Niemanden interessiert es den Grenzschutz zu unterstützen, ich glaube also nicht, dass Adrestia in den nächsten Jahren Interesse daran hat die Gebiete dort anzugreifen. Vorallem weil sie sich gerade auf den Norden konzentrieren." Trotzdem wäre ein Ort den man Verteidigen konnte vermutlich besser, aber eine Festung zu bauen war in einem Winter unmöglich und einen natürlichen Kessel wie in Fhaergus gab es hier nicht. Rain fragte sich ob er zu kurzsichtig dachte, wenn er einfach nur davon laufen wollte. Nayantai hatte es ihm bereits übel genommen so einen Vorschlag zu machen, aber gab es eine andere Möglichkeit überhaupt? "Wenn du sagst Unterstützung aus Yao...shen? Von was für einer Art Unterstützung sprichst du da?"
    • "Manchmal ist es wohl besser, wenn man etwas nicht weiß und das Ganze nur auf sich zukommen lässt. Aber ehrlich gesagt wirft mir das vielleicht auch ein paar Fragen auf, die ich weder mir noch dir beantworten kann. Es ist fast ein wenig frustrierend.", gestand Rikiya beschämt. Würden sie Caelan wirklich lebendig finden? Nein, die Chancen standen gering, wenn nicht absolut unmöglich, und allgemein wäre es wohl schwer, herauszufiltern, wo er sich befand, selbst, wenn er in thrianischen Menschenmengen nicht gerade unterging. Ob er sich darüber freuen würde, dass Rain bei ihm war? Rikiya wusste es nicht, aber sie verstanden sich durchaus, weswegen er selbst nichts dagegen hatte. "Ich glaube einfach, Darragh hat sich damit in die eigenen Karten gespielt. Das soll nicht bedeuten, dass Caelan eingeweiht oder naiv war; ich glaube eher, dass dieser alte Kotzbrocken Allard eines auswischen wollte. Aber so genau weiß ich es auch nicht - vielleicht hat er einmal in seinem Leben eine andere Tugend vollbracht, die sich nicht mit Declan beschäftigt." Ob dieser komische Kauz seinen eigenen Sohn noch über alles liebte? Fraglich war es allemal, und Rikiya wusste es nicht so wirklich, aber gleichermaßen wurde ihm fast klar, dass es wenig brachte, sich über derartige Dinge aufzuregen, geschweige denn, den Kopf zu zerreißen. Mehr als eine Geschichte, die Rain ohnehin nur aus zweiter Hand erfahren hatte, war es leider nicht. "Der Garten? Er war immer recht kahl, aber ich hoffe, dass hat sich mit deiner Mutter verändert. Ich weiß, dass das Anwesen in Fhaergus sehr imposant wirken kann, wenn man es nicht gewohnt ist. Trotzdem tut es mir leid, Rain. Du bist nicht zu sentimental. Wenn du eine Kerze für sie anzünden möchtest, lass es mich wissen." Mehr konnte Rikiya zwar nicht für ihn tun, aber die Geste zählte - hoffentlich - dennoch.

      Mit einem Nicken bedankte er sich wortlos; das hier passierte nicht aber, weil er glaubte, Caelan etwas schuldig zu sein - oder eher doch auch - allerdings war Rikiya sich im klaren darüber, dass er sich eigentlich weder um Rain sorgen musste, noch schuldete er ihm gerade etwas. Würde sich das ändern? Durchaus. Eine Hand wusch die Andere, früher oder später, war er jedoch ehrlich, so war es ihm egal, ob oder wann er etwas für seine Tugenden retour bekam - Rain konnte seine Entscheidungen selbst fällen. "Caelan hat sich verändert, huh?", scherzte er. Das hatte er, nicht auf eine gute Art und Weise. Ronan war tot, das hatte ihm wohl mehr als einen leichten Dämpfer verpasst, und Rikiya - der aus metaphorischer Asche auferstanden war - war wohl kaum jemand, das seiner ehemaligen selbst gerecht wurde. "Dann hänge ich es wieder auf. Solltest du es haben wollen, dann steht es dir allerdings zu." Rikiya nahm einen Schluck seines Tees, ließ seine Augen erneut über die Karte wandern und versank in Gedanken, die er selbst nicht wahrlich deuten konnte - Tuya hätte einen Plan für all das, wüsste, was sie zu tun hatten und hätte diesen Krieg vermutlich schon gewonnen. Im Vergleich dazu verlor er ihn gerade hochkant und hasste sich selbst dafür. "Enkhtuya? Nein. Ich bin eines Tages in Yaoshen aufgekreuzt und war komplett benommen, weil sich meine Lunge nicht an das Wetter gewöhnen wollte. Sie hat mich gesund gepflegt, ohne, dass sie wusste, wer ich war - ich hatte auch keinen blassen Schimmer, dass mich die Kronprinzessin gerade pflegt.", erklärte er Rain amüsiert, mit einem breiten Lächeln auf seinen müden, alten Gesichtszügen. Ob er ledrige Haut hatte? Das war ein stupider Gedanke. "Irgendwann habe ich es ihr gestanden. Es war ihr eigentlich relativ egal." Rikiya kramte in seiner Manteltasche herum, oder eher in seinem Hemd, und brachte eine Kette zu Vorschein, auf der zwei Talismänner baumelten. Ohne großartiges Geplänkel präsentierte er sie dem Blonden. "Den Linken habe ich geschnitzt, er sieht fürchterlich aus, aber sie hat ihn trotzdem ewig getragen. Jetzt gehört er wieder mir, das ist fast schon traurig." Mit einem Kopfschütteln konzentrierte er sich wieder auf die breite Karte, die durchaus aufgefrischt werden sollte. Wer würde das freiwillig tun? Rain? Nein, das konnte er nicht von ihm verlangen, und gleichermaßen war der Gedanke dumm; er wusste nicht, wie die thrianischen Gebiete aussahen, aber vermutlich war er auf einem aktuelleren Stand als Rikiya, zumindest was ihre ehemalige Heimat betraf. "Ich bin schon zufrieden damit, wenn der Krieg aufhört. Und ich weiß, dass die Entscheidung im Endeffekt wieder auf mich zurückfällt, aber Vorschläge und Hilfe sind immer gern gesehen." Nicht nur, weil ihm die Taktiken ausgingen, sondern auch, weil er selbst nicht daran denken wollte, wie viel er verlieren würde, wenn er sich noch einen falschen Schritt erlaubte. Aufmerksam, beinahe so wie ein kleines Kind, lauschte er dem Schaf also und nickte zustimmend - Wezette war also noch immer das Gebiet der armen Waschlappen, Yayoi eine Barbarenkönigin und Darragh beinahe den Kannibalen ähnlich. Verändert hatte sich beim besten Willen nichts. "Späher. Truppen. Medizin. Gift. Alles, was wir brauchen können, wirklich. Yaoshen beteiligt sich eigentlich gar nicht an dem Krieg, nachdem sie auch kaum betroffen sind. Was auch immer du brauchst, kannst du von ihnen haben - vorausgesetzt Junfeng lässt sich darauf ein. Wir kennen uns ewig, aber er hasst mich, dementsprechend hält er sich auch vollkommen aus der Angelenheit heraus." Ob Shuren eher helfen würde? Nein, es wäre vermutlich besser, sich an seinen alten, paranoiden Herren zu wenden, bevor er auf dumme Ideen kam. "Außerdem.", Rikiya deutete auf einen Teil der Karte und zog eine Spur, von Thria nach Adrestia, zum Meer. "Ist hier ein Fluss. Der lässt sich vermutlich auch als Ausweichmanöver ausnutzen, oder was meinst du?"
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    • "Mhm... ich kenne meinen Vater leider nicht gut genug, um zu verstehen was er sich gedacht hat, aber ich glaube er wusste, ich würde Nayantai auf keinen Fall etwas antun. Wenn es keine Falle des Königs war - und ich denke nicht, dass er sich so etwas ausdenken würde - dann war es meinem Vater auch nicht erlaubt Nayantai mitzunehmen." Sonst hätte Fürst Grayson vermutlich anders reagiert als er in Fhaergus aufgetaucht war. Es hatte nicht nach ihm gefragt als glaubte er er wäre nur vorrübergehend in einem anderen Kerker, sondern als hätte Fhaergus ihn gestohlen und versteckt. Rain blickte zu Rikiya auf, als er wieder auf Darragh zu sprechen kam. "Ich verstehe was du meinst... ich kann es aber nicht beurteilen. Declan habe ich eigentlich nie getroffen, aber er war ab und an in Fhaergus. Dann hat mir mein Großvater aber verboten in den Gästeflügel zu gehen." Rain fand es beinahe unhöflich, aber er war zu jung gewesen, um wirklich etwas zu verstehen. Declan war nur in Fhaergus gewesen, damit er Rains Vater direkt von dort aus nach Thria begleiten konnte, ohne Umwege. "Oh ja. Meine Mutter hat einen Blumengarten angelegt und noch einen direkt vor meinem Fenster, damit ich ihr von meinem Zimmer aus zusehen konnte. Ich glaube es hat sie mehr traurig gemacht als mich, dass ich sie nicht nach draußen begleiten konnte... so gesehen war das wohl alles umsonst." Rain war immerhin in Thria und noch nicht tot. Ein Ausflug in den Garten hätte ihn bestimmt nicht umgebracht.

      "Das kann ich nicht beurteilen. Unsere Köchin hat mir nur erzählt, dass er sich verändert hat, als er meine Mutter kennengelernt hat und dass sich alle sehr gefreut haben, als sie geheiratet haben.", erzählte er Rikiya. Eraqus hätte Rain vermutlich mehr über seinen Vater verraten können, aber das hätte er nicht getan, aus Respekt gegenüber des Fürsten. Rain schüttelte leicht den Kopf. "Nein ist in Ordnung. Schade nur... meine gesamte Kleidung blieb wohl bei Yayoi... sie war vermutlich zu schmutzig um sie waschen zu können, aber Sara, eine Bedienstete, hat mir einen Mantel genäht, nachdem sie Nayantais Sachen geflickt hatte. Er war sehr warm, sah aber trotzdem adrestianisch aus." Rain lächelte. Den hätte er gerne behalten, aber nach allem was sie erlebt hatten, war er wohl zu nichts mehr zu gebrauchen gewesen. "Hm... damals war es bestimmt ein wenig einfacher als Schaf nach Thria zu kommen. Nayantais Mutter klingt allerdings wie eine sehr nette Frau.", lächelte Rain mit einem Blick auf die zwei Anhänger. Hatten sie Rikiya schon davon erzählt...? "Ich habe Nayantai ausversehen auch so einen geschenkt.", teilte er seinem quasi Schwiegervater mit. Rain blickte wieder auf die Karte. Er war selbst kein taktisches Genie und hatte nie in einem Krieg gekämpft, er kannte sich nur ein wenig mit den adrestianischen Truppenbewegungen aus. "Mhm du hast Recht. Hier oben ist er außerdem zu breit um mit einer Armee ungesehen darüber zu kommen, selbst wenn sie die Siedlung entdecken, sie kommen sicher von hier. Das heißt wir können einen Fluchtweg planen und ihnen hier ein paar Steine in den Weg legen.", Rain deutete auf einige Stellen um die Siedlung herum. "Ich bin Yayoi selbst in die Falle gegangen. Bärenfallen werdet ihr nicht genug haben, aber in Fhaergus gab es früher zur Verteidigung ein paar gute Ideen. Wir bräuchten nicht einmal Holz, das hier sicher auch nicht unendlich zur Verfügung steht. Ein paar Gruben, verdeckt durch Neuschnee, Laub oder Gras würden ihre Reiter schon ausbremsen." Rain stoppte kurz. "Wenn wir sie wirklich verlangsamen wollen, dann sollten wir ihre Versorgung angreifen, aber das würde sie vermutlich auch wütend machen, also weiß ich nicht, ob das so eine gute Idee ist. Theoretisch weiß ich an welchen Außenposten sie das Meiste lagern und wie viele Truppen dort stationiert sind... wenn du mir etwas zu schreiben gibst, kann ich ein paar Stellen an der Karte ausbessern"
    • "Meinst du, der König würde sich sowas nicht ausdenken, weil er dafür nicht gewitzt genug ist, oder einfach, weil du ihn nicht so einschätzt?", hinterfragte Rikiya. Sich mit einem anderen Herrscher zu messen war nicht seine Art und das war, bei weitem, auch nicht der Sinn des Satzes - viel eher wollte er wissen, wie er seinen Feind einzuschätzen hatte. Henry war ruhig gewesen, teilweise schon ein Mauerblümchen, aber überaus intelligent - im Grunde ähnelte er Rain vielleicht etwas mehr, als es Caelan tat, zumindest charakterlich. "Damit du dich nicht mit dem ansteckst, das Declan anschleppen könnte? Das ist irgendwie ... ich weiß nicht, natürlich würde ich Vorsicht walten lassen, aber es hört sich eher so an, als hätten sie dich in einer Blase aufgezogen, die du zu deiner eigenen Sicherheit nicht verlassen konntest. Ich kann darüber nicht urteilen, aber dass sich Caelan so von Allard hat einschränken lassen ist ... befremdlich.", nuschelte er und griff sich mit der Hand in den Nacken. Ein kalter Schauer jagte darüber und seine Haare hatten sich aufgestellt - Rains Leben hörte sich auch nicht gerade einfach an, und hier, in diesem fensterlosen Zelt zu hausieren musste auch nicht gerade erfüllend sein. Konnte er ihm etwas Gutes tun? Nicht viel, aber Ideen hatte er allemal. "Wenn du willst, dann könnten wir versuchen, einen kleinen, transportierbaren Blumengarten zu pflanzen - dann sieht es hier nicht mehr so trist und langweilig aus. Du musst nicht, aber vielleicht hilft es dir?" Jemanden zu verstehen, den man nicht mehr verstehen konnte, war zumindest ein guter Ansatz - aber es schien eher so, als würde Rain Hilfe brauchen, Caelan zu verstehen und nicht seine Mutter.

      "Dann war deine Mutter offensichtlich willkommen, zumindest von der Dienerschaft. Wer weiß, wie Caelan davor war.", gestand er. Rikiya hatte nicht sonderlich viel Ahnung davon, wie sein ehemaliger Liebhaber sich verändert hatte, und doch war ihm beinahe schon peinlichst klar, dass er sich mit solch einer Aktion nichts Gutes tat. Was ging es ihn an, wer Caelan einmal gewesen war, wenn er in seinem jetzigen Leben ohnehin nichts verloren hatte? Die Wahrheit, dass er tot war, schien er dennoch nicht akzeptieren zu wollen; es war eine einfache Lüge, die ihn noch bis ans Ende seiner Tage verfolgen würde. "Hm, ich schulde Yayoi dafür, dass sie dich und Nayantai in einem Stück gelassen hat, sowieso noch etwas - vielleicht rückt sie auch noch eure Kleidung raus und ich sehe zu, dass ich sie nähe oder nähen lasse. Auf alle Fälle glaube ich aber, dass Nayantais alte Kleidung dir eher schlecht als recht passt." Abfällig war das Kommentar zwar nicht, aber der Anblick, der sich ihm darbot, war einigermaßen belustigend - nichts passte so wirklich, an keiner einzigen Stelle, und Rikiya konnte darüber nur lachen. "Das war Tuya. Trotzdem würde ich ihr nicht gerne auf dem Schlachtfeld begegnen, zumal das noch nie meine Forte war.", stellte Rikiya klar. Spielerisch waren seine Kämpfe noch nie gewesen, eher anstrengend, und die alte Narbe machte es auch nicht besser - lieber hatte er sich um die Kinder gekümmert, selbst dann, wenn sie allesamt anstrengende Bälger sein konnten, die er dennoch über alles liebte. "Du hast was!?", prustete er erstaunt und klopfte sich auf den Oberschenkel. Danach, vermutlich zur Beruhigung, nahm er einen Schluck seines Tees. "Jetzt weiß ich wenigstens, was für ein Ding er da trägt. Aber ... warum ausversehen?", versuchte er zu erhaschen. Ging es ihn etwas an? Nein, eigentlich weniger. Dafür war er nun einmal derjenige, der mit einem sturen Lächeln versuchte, sich notwendige Informationen aus einem willkommenem, abwechslungsreichem Gespräch zu holen. Erneut ließ er sich die Vorschläge durch den Kopf gehen, bevor er sich räusperte. "Die Gruben lassen sich durchaus umsetzen, aber selbst wenn wir ihre Versorgung abschneiden, dann weiß ich nicht, ob es so klug ist, wenn wir diejenigen sind, die versuchen, sie einzukesseln. Zu viele Fehler können wir uns auch nicht erlauben.", gestand Rikiya mit einem Seufzen. Ohne groß zu fackeln stand er ein weiteres Mal auf, um Rain ein handliches Stück Kohle zu holen - mit Tinte würde er zu viel herumkleksen. "Reicht das? Mehr habe ich gerade nicht."
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    • "Wenn der König meinen Vater tot sehen wollte, dann hätte er ihn verhaften und auf der Stelle köpfen lassen. Ich denke auch nicht, dass Fürst Grayson mich am Leben lassen sollte, aber die Tatsache, dass er mich noch nie leiden konnte, hat ihn scheinbar dazu verleitet mir mehr Minuten zu geben als er hätte sollen. Das gab Nayantai Zeit und Gelegenheit mich zu retten.", erklärte Rain eventuell sogar ein bisschen zu abgebrüht, als ginge es gar nicht um ihn selbst. "Jemand anderes muss meinen Vater im Winter nach Thria geschickt haben. Ich weiß du hältst nicht viel von Fürst Darragh und mein Vater hätte sicher auf ihn gehört, aber ich glaube nicht, dass er einen Grund gehabt hätte meinen Vater aus dem Weg zu räumen, zumal es nicht er war, der Fhaergus im Endeffekt übernommen hat. Lavern hatte etwas davon, dass mein Vater nicht da war und seine Soldaten auch nicht, aber... ich will nicht unhöflich sein, ich glaube aber nicht, dass Fürst Grayson auf solche Ideen kommt. Er wurde bestimmt nur vom König beauftragt. Dass mein Vater Nayantai aus dem Kerker geholt hat, hat er vielleicht nur getan, weil er dachte, dass er ohnehin nichts mehr zu verlieren hatte, oder er sollte eine Art Absicherung sein. Vielleicht wollte er ihn auch nur mit nach Thria nehmen, aber so wie er ausgesehen hatte, hätte er die Reise vielleicht nicht überlebt. Wie dem auch sei, ich kann nur Vermutungen aufstellen, aber ich denke der Befehl nach Thria zu reisen kam zuerst, zwar vom König, aber es war vermutlich nicht seine Idee. Wenn es nicht der König, nicht Lavern, nicht Alster und bestimmt nicht Wezette waren die Fhaergus angreifen haben lassen bleiben nur noch zwei Möglichkeiten. Ich denke all das war ausgehend von Olette. Ich habe kaum Kontakt zu den meisten der Fürsten, aber wenn man sich die Finanzberichte der Fürstentümer ansieht, dann ist klar, dass Lavern nicht so autonom ist wie es aussieht, somit hätten sie mit Fhaergus unter Laverns Kontrolle auch ihre Finger in dem Gebiet. Es macht am meisten Sinn.... aber es tut auch nicht wirklich etwas zur Sache." Rain sollte aufhören laut zu denken, im Endeffekt war es völlig egal wer warum und wie Fhaergus angegriffen hatte. In Thria machte das keinen Unterschied, nicht direkt jedenfalls. "Mein Vater und mein Großvater waren selten einer Meinung... ich sollte das nicht wissen, aber ich denke der Grund warum mein Großvater darauf bestanden hatte war meine Großtante Flora. Sie war auch... naja so wie ich. Der Bruder meines Großvaters wollte sie aber nicht einsperren und hat sie eines Tages mit in die Berge genommen. Sie ist kurz darauf gestorben." Rain hatte diese Geschichte von Sara gehört, die sie wohl von einem Bediensteten aufgeschnappt hatte. Rain hatte recherchiert und es waren nicht nur Gerüchte. Warum ihm das nie jemand sagen wollte, wusste er nicht. Rain lächelte Rikiya trotzdem an, schüttelte den Kopf und winkte ab. "Nein nein. Es ist alles gut. Ich brauche nichts. Wenn mir langweilig wird sage ich schon bescheid und so wie ich Nayantai kenne, zerrt er mich hier sowieso irgendwann raus. Er hätte es in Fhaergus auch getan, wären da keine Soldaten gewesen."

      Rikiya machte sich zu viele Gedanken um Rain. Das musste er nicht und ganz allgemein wollte Rain nie irgendjemandem zur Last fallen. Er wusste er tat es, ständig, dann wollte er nicht auch noch irgendeine Sonderbehandlung, nur weil man Mitleid mit ihm hatte. "Du kanntest meinen Vater doch. Müsstest du das nicht wissen?", fragte Rain etwas verwirrt nach seinem Vater. Rikiya wusste vermutlich mehr über ihn als Rain. Anschließend sah Rain an sich herab. Nayantais Kleidung passte ihm definitiv nicht. "Oh ich weiß nicht ob mit der Kleidung noch etwas anzufangen ist, vermutlich haben sie sie weggeworfen oder verbrannt. Ich weiß ja nicht ob du den Wald kennst der an der Grenze zwischen Thria und Wezette ist... aber da sind wir durch." Rain wollte lieber nicht darüber nachdenken. Hätte sich Nayantais Verletzung nicht schon vorher infiziert, hätte sie es spätestens dort. Dass Rikiya über Rains Geschichte lachte war schon ein besseres Thema. "Ich wusste nicht was es war. Mein Vater hat mir ein paar Dinge aus Thria mitgebracht und ich dachte Nayantai würde sich über etwas aus seiner Heimat freuen. Ich habe ihm auch ein Tagebuch geschenkt. Ich weiß nicht ob er es jemals bis zum Ende gelesen hat." Rain nahm die Kohle entgegen und widmete sich einem anderen Thema. Zuerst zeichnete er ein wo sich die adrestianischen Außenposten und Lager befanden, damit konnte man auch die neue Grenze gut erahnen. "Versuchen sie einzukesseln und anzugreifen würde ich nicht, ich denke dafür ist eure Armee nicht groß genug. Aber wenn die Nahrungsversorgung nicht gegeben ist, dann kommen sie weniger schnell voran und können ihren neuen Hafen vielleicht gar nicht erst bauen. Ich denke er würde irgendwo hier Sinn machen." Rain zeichnete die Stelle ein an der er vermutete, dass ein Hafen errichtet würde, zumindest nach den letzten Informationen die er hatte. "Ich weiß leider nicht wie einfach es an euer Küste ist einen Hafen zu errichten, aber Stenz hat Erfahrung mit Klippen und wildem Gewässer. Bestimmt schicken sie jetzt schon Schiffe, aber sie werden vermutlich hauptsächlich Holz über den Seeweg verschiffen. Für die Armee gibt es Lager, die über kleine Karawanen immer wieder befüllt werden. Die Wägen zu überfallen würde vielleicht funktionieren und ihr hättet etwas davon. Frisches Brot, Trockenfleisch, Kartoffeln und so weiter. Oder ihr brennt die Lager nieder. Dann ist einiges zerstört, die Armee wird hungrig, unzufrieden und schwächer. Außerdem müssen sie neue Wege aufbauen und das dauert. Die Strategie wird nicht den ganzen Sommer lang funktionieren, aber es würde sie zumindest eine Weile beschäftigen."
    • "Henry hört sich beim besten Willen nicht nach Henry an.", seufzte er. Das hier warf mehr Fragen auf als alles andere; auch, wenn man seinen Vater nicht kannte, so musste man ihm doch irgendwie ähneln und nicht absolut verrückt sein. Im Gegensatz dazu schien es jedoch eher so zu sein, dass klein-Henry ein rachsüchtiges, hungriges Monster war, das aus seinem goldenen Kelch am liebsten thrianisches Blut trinken würde. Ein herber Rückschlag, wenn Rikiya bedachte, dass er mit dem Vater dieses widerlichen Knirpses blendend ausgekommen war. "Du bist nicht unfreundlich, du hast stichfeste Theorien, die mehr als nur glaubwürdig sind - zumindest für mich, aber ich glaube nicht, dass ich der Einzige bleiben werde.", verkündete Rikiya zufrieden. Sobald sie die Feinheiten dieser ganzen Aktion erst einmal besprochen hatten, würde es einfacher werden, sein Volk in eine dementsprechende Richtung zu lenken und ihnen vielleicht auch das Misstrauen gegenüber Rain zu nehmen, der somit einer von ihnen war. Dennoch runzelte er die Stirn und lauschte mit leicht hochgezogener Augenbraue. "Olette? Es hört sich einigermaßen plausibel an. Mich wieder in die ganzen Diskrepanzen von damals reinzudenken ist anstrengend, tut mir leid.", räusperte er sich. Nicht nur das, er hatte noch ein ganz anderes Problem: Declan würde sich auch nicht in Luft auflösen, wenn er die Wahrscheinlichkeit ignorierte, dass er seinem Bruder feindlich gesinnt gegenübertreten musste. Inständig hoffte er zwar, dass sein kleiner Bruder sich des Besseren belehren ließ, andererseits wusste er auch, dass er kaum Glück haben würde, wenn weise Worte eines alten Mannes schon in Caelans Schädel Einzug hielten. Was für ein nerviges Schicksal ... "Caelan hat mir davon erzählt. Wir haben Dreigh einmal getroffen, und noch ganz andere Dinge herausgefunden. Allard, dein Großvater, ist Fürst geworden weil Dreigh sich zurückgezogen hat - genau genommen wäre Allard beinahe mein Vater gewesen, oder Saoirse Caelans Mutter. Die beiden waren zuerst verlobt." Rain wusste vermutlich nicht alles und Rikiya kannte Fetzen diverser Erzählungen, das war es aber auch schon. "Da könntest du recht haben. Melde dich, wenn du etwas brauchst, ja?"

      Rikiya erkannte Teile von sich selbst in Rain wieder, auch dann, wenn er es wohl kaum zugeben sollte - an irgendeiner Stelle kam er sich so vor, als hätte Caelan wahrlich einen Sohn, der ihm viel mehr ähnelte als sich selbst, aber gleichermaßen hatten sich die Zeiten geändert. Ronan war tot, das war ihm einleuchtend, und doch fühlte er sich nicht sonderlich anders, obwohl seine gesamte Persönlichkeit wohl eher zu einem Schwamm geworden war, der jeden Fetzen Caelan in sich aufgesogen hatte. "Mh, ja. Aber die Sache ist, ich weiß nicht wie er war als ich verschwunden bin. Ähm. Ich weiß nicht, ob er möchte, dass ich dir so etwas erzähle, aber rein theoretisch muss ich oder er dir etwas beichten.", erwiderte er. Wenn von Caelan nichts mehr übrig war, und die Dinge sowieso in der Vergangenheit lagen, dann würde es keinem von ihnen beiden auch nicht wehtun, wenn sie mit der Sprache herausrückten. Eigentlich schien er damit nichts falsch machen zu können - und doch wusste Rikiya nicht, ob es rechtens war. "Diesen Blutwald? Mit diesen ganzen rostigen Fallen? Ich habe mehrmals versucht, über ihn wieder zurück nach Adrestia zu kommen, aber ehrlich gesagt habe ich mich eher verlaufen. Wenn du vom Weg abkommst, bist du so gut wie tot - und du hast genug Leichen für dein Leben gesehen." Yayoi könnte er dennoch fragen, selbst dann, wenn sie nur ein stures 'Nein' als Antwort geben konnte. Wie dem auch sei, so war es nicht gerade das, worauf er sich versteifen sollte. Rikiya sah den feinen Zügen auf dem dicken, alten Papier zu, die Rain gerade zu machen schien und lauschte aufmerksam, als wäre er ein Kind, das die Kriegsführung erklärt bekam. "Vermutlich reicht es, wenn wir sie niederbrennen. Wir brauchen eure Ressourcen nur bedingt, immerhin leben wir schon seit Ewigkeiten in derartigem Klima, also wissen wir, wo wir was beschaffen können. Auch, wenn es nicht den ganzen Sommer lang funktioniert, ist es immer noch besser, als gar nichts zu haben." Am Zelteingang schepperte etwas und Rikiya sah auf - es war nicht Nayantai, wie erwartet, sondern irgendjemand, der im nächsten Augenblick auch schon wortlos davonrannte. Was war heute los? Er wusste es wirklich nicht. "Ich sollte ihn vielleicht suchen gehen."
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    • "König Henry war ganz anders, ja. Nicht dass ich ihn kannte, aber die Geschichte berichtet nur Gutes über ihn." Rains Vater hatte nie etwas Schlechtes über ihn gesagt, das hatte er aber auch nicht über seinen Sohn. Er war immer ein treuer Soldat gewesen, umso mehr schmerzte es, dass man ihn einfach so fallen ließ. Um sich selbst ging es Rain dabei gar nicht, niemand kannte ihn und den Segen des Königs Fürst zu werden hätte er sich ohnehin nie abholen können, aber sein Vater hatte Besseres verdient. "Du musst dich nicht entschuldigen. Wie gesagt, es spielt auch nicht wirklich eine Rolle warum ich jetzt hier bin und nicht in Fhaergus. Es ändert nichts an den Tatsachen." Und sie würden Rains Vater nicht fragen können, wie Nayantai ihn das Puzzle passte, das vor ihnen ausgestreut wurde. Bei den Geschichten über Rains Familie wurde er allerdings hellhörig. Genaugenommen war er sehr froh, dass Rikiya hier war, mit niemandem sonst hätte Rain sich so austauschen können. "Oh? Ich wusste, dass mein Großonkel eigentlich der Ältere war, aber ich wusste nicht, dass mein Großvater verlobt war.", gab Rain zu. Was für Zufälle es gab, ihrer beider Familien schienen seit Generationen verknüpft und obwohl sie aus zwei verschiedenen Ländern kamen, war Nayantai irgendwie bei Rain gelandet.

      Erneut horchte Rain auf und hob eine Augenbraue. "Ihr mir beichten?", fragte er, dachte eine Sekunde darüber nach und zog anschließend die blonden Augenbrauen zusammen. "I-Ich verstehe. Du musst nichts sagen." Rain konnte vielleicht nicht Kämpfen, Reiten, Schwimmen oder Laufen, aber er konnte eins und eins zusammenzählen. Sein Vater hatte einen Krieg angezettelt weil Rikiya damals verschwunden war, Rikiya wollte sofort nach Rains Vater suchen, der eigentlich sein Feind sein sollte. Der Fürst von Fhaergus hatte sich scheinbar nach Rikiyas verschwinden drastisch verändert und nun gab es etwas das sie beide Rain mitteilen sollten. Für eine Freundschaft gingen sie beide ein wenig zu weit und auch wenn Rain bestimmt nicht von ganz alleine auf so einen abwegigen Gedanken gekommen wäre, Rikiya hatte ihm gerade den Weg zur Wahrheit gezeigt, auch wenn er noch gar nichts gesagt hatte. Rain wusste nicht was er davon halten sollte, sein Kopf wirkte wie leergefegt. "Uh... ja genau der.", stürzte Rain sich auf ein anderes Thema und blickte wieder auf die Karte. Der Vorschlag den Rain gemacht hatte schien Rikiya zuzusagen, aber sie wurden unterbrochen. Die Tatsache dass es keine Türen gab die man versperren konnte und dass ihm hier vermutlich niemand wohlgesinnt waren beunruhigten Rain auf einmal. Rikiya wollte Nayantai suchen gehen und Rain nickte nur. "Hast du vielleicht noch ein leeres Blatt Papier? Dann kann ich dir inzwischen aufschreiben wie viele Soldaten in welchem Lager nach meinem letzten Stand stationiert sind."

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    • "Henry war mein bester Freund, aber wirklich beim König sein habe ich ihn nie gesehen. Es freut mich dafür umso mehr, dass es an ihm nichts auszusetzen gab.", gestand Rikiya. Mehr, als die Zeit zurückzudrehen, wünschte er sich nicht, und doch wusste er, dass er das nicht konnte - gefangen in seiner eigenen Dummheit war er und mit den Konsequenzen musste er sprichwörtlich leben, wäre er doch ansonsten gestorben. Erneut warf er einen Blick auf Rain, auf die Kleidung, die kaum passte und auf die Kohle, die seine Finger schwarz färbte, bevor er wieder auf die Karte lunzte, die ihren eigentlichen Gesprächsstoff ausmachen sollte. "Mmh. Es freut mich trotzdem, dass du hier bist, wenn auch auf Umwegen. Und es tut mir leid, dass ich dir nichts anbieten kann, außer das, was ich ohnehin habe." Wäre er ein Fürst geworden und hätte sich weiterhin verhalten wie ein kopfloses Huhn, dann wäre er nicht nur ein Lügner gewesen, sondern auch imstande, alles zu ignorieren, das mit dem Krieg in Verbindung stand - Rikiya hatte sich für die andere, die seiner Meinung nach richtige, Richtung entschieden und musste nun all die Dinge ausbaden, die er sich eingebrockt hatte. Rain war dabei ein willkommener, wenn auch nicht wirklich einkalkulierter Faktor. "Ich weiß auch nur so viel, dass meine Mutter und er befreundet waren. Nachdem meine Mutter ein Einzelkind war, und Alster sowieso ihr gehört hätte, scheinen sie einfach nicht lange gefackelt zu haben, aber das hat sich alles verändert, und während Allard Fürst geworden ist und sie Darragh geheiratet hat, hat sie irgendwo meinen Vater aufgelesen.", lachte er.

      Zugegeben, die Wortwahl war nicht schön und seine Mutter konnte seinen Vater auch nicht einfach heiraten, aber er wäre eine bessere Alternative als Darragh gewesen, der Ronan oft an ein mythisches Wesen mit verschiedenen Köpfen erinnert hatte - keiner davon ließ sich abhacken. Seine Augen fielen wiederum auf das blasse, und dann doch etwas farbige Gesicht Rain's, bevor Rikiya sich ins Fäustchen lachen musste und eher kicherte. "Das ist schon lange her. Meine Mutter wusste es sowieso und Darragh hat uns auch erwischt ... das war nicht sonderlich rosig. Aber ja. Ich bin an mehr schuld, als diesem Krieg.", murmelte er, gedankenverloren. Ob Caelan ein besserer Vater gewesen wäre, wenn er einfach nie verschwunden wäre, oder definitiv tot war? Rikiya konnte sich diese gespenstische Frage beim besten Willen nicht beantworten, und doch schien sein Schädel ihn dazu drängen zu wollen, irgendetwas zusammenzureimen. Erneut räusperte er sich und blicke auf Rains Finger, dann sein Gesicht. "Ich gebe dir auch gerne Kleidung, die besser passt.", flötete er zufrieden und erhob sich. Bevor er etwas anderes tat, leerte er seinen Becher und hing ihn auf, dann wanderte er zu der Kiste und brachte Rain altes, aber durchaus leeres Papier, das er auf seinem Bett ablegte. "Lass dir Zeit. Ich komme gleich wieder.", sprach er und klopfte dem Blondchen auf die Schulter, bevor er das Zelt verließ - wo zum Teufel steckte Nayantai?
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain lernte so viel Neues von Rikiya, aber er musste das alles erst verarbeiten. Dass er herausgefunden hatte, dass er eigentlich Ronan von Alster war hatte Rain und seine Familie nicht betroffen, aber jetzt hörte er davon wie die Welt ausgesehen hatte, als Ronan noch Teil es adrestianischen Adels gewesen war. König Henry wirkte nicht jemand der je einen Krieg gewollt hatte, aber für seinen besten Freund, ließ er sich von dessen Liebhaber vielleicht überreden. "Du musst mir nichts anbieten, es reicht schon, dass ich hierbleiben darf.", erklärte Rain bestimmt. Rikiya wollte ihm scheinbar alles schenken und wäre alles etwas anders abgelaufen, dann wäre Rikiya vielleicht Rains Vater, auch wenn er wusste, dass das so nicht ganz funktioniert hätte. Vielleicht kümmerte er sich deshalb um Rain, weil er das Gefühl hatte, es Caelan zu schulden. Es gab so viele Dinge die in keinem einzigen Geschichtsbuch standen und die niemals jemand anderes wissen würde. Nachdem Rains Großvater beinahe Alsters Fürst geworden wäre, machte es vielleicht auch mehr Sinn, dass er Darragh nie leiden konnte. Es schien auf Gegenseitigkeit beruht zu haben. "Vielleicht kannst du mir später von deiner Mutter erzählen?", fragte Rain nach, er wusste Rikiya hatte jetzt keine Zeit, aber solche Gespräche schienen dem alten Herren selbst Spaß zu machen.

      Über die Beziehung zwischen seinem und Nayantais Vater musste Rain erst etwas mehr nachdenken. Er wusste immer noch nicht was er davon halten sollte. Er hatte sich auch einen Mann als Partner gesucht, aber er war nicht mehr in Adrestia. Es war befremdlich und er hatte seinen Vater nie so gesehen, Rain hatte noch mehr das Gefühl, dass er für ihn wie ein Fremder war. Er hatte selbst das Gefühl Rikiya mehr zu kennen. "Das bist du nicht... ich hätte das nie sagen sollen. Wenn überhaupt dann trifft meine Familie mindestens genauso viel Schuld." Rain wollte nicht, dass Rikiya sich zu sehr zu Herzen nahm was Rain aus Wut gesagt hatte. Der krieg hätte bestimmt so und so angefangen und Rains Vater war es, der ihn eigentlich begonnen hatte. Rain konnte Rikiya nur zusehen wie er aufstand und Rain das Papier brachte. Dann machte er sich auch schon auf den Weg um Nayantai zu suchen. Rain war etwas mulmig zumute, aber er konzentrierte sich einfach auf das, was er versprochen hatte. Jedes Lager wurde normalerweise von etwa 6 Mann bewacht. Nie wurde eines angegriffen, also waren die Verteidigungsmaßnahmen nicht sehr streng. Er schrieb Rikiya auch auf wo er Späher hin senden würde, damit sie herrausfinden konnten wo die Armee jetzt war, wie oft Transporttrupps unterwegs waren und auf welchen Wegen. Rain wusste wo die Späher suchen mussten, sie mussten nur verifizieren was Rain sich schon dachte, dann konnten sie diesen Plan vielleicht in die Tat umsetzen. Rain schrieb Rikiya außerdem auf wie viele Soldaten im letzten Jahr gestellt wurden und wie viele es seiner Vermutung nach dieses Jahr sein würden.
    • Rikiya eilte durch den Schnee, der Spuren verwischte und suchte nach jemandem, der wohl nicht gefunden werden wollte - nichts auf dieser Welt hielt ihn wirklich auf, keine einzige Person, und doch musste er in diesem Schneegestöber jemanden finden, der gar nicht erst gefunden werden wollte. Ein Teufelskreis war es, noch dazu keiner der sich einfach durchbrechen ließ, aber wer wusste, ob er sich nicht umsonst Sorgen machte? Nayantai zu finden war nichts, in dem er gut war - Jahre hatte es gebraucht, ihn wieder aufzugabeln und gleichzeitig hatte er nicht damit gerechnet, seinen eigenen Sohn jemals wieder zu sehen, egal ob lebendig oder tot. War er ehrlich, so war es beinahe lachhaft wie trügerisch sein Leben gewesen war; es half wenig, dass er Rain auf die Nase band, wie es ihm davor ging und wie lange ihn seine jugendlichen Entscheidungen schon plagten, aber gleich wenig half es, seinem Sohn all die Privilegien vorzuenthalten, die er sonst genoss. Wieso man sie ihm entzog, das wusste er nicht genau, und doch war ihm peinlichst klar, dass Nayantai Niemand war, der sie haben wollte - viel eher störte es ihn wohl, wieder eingesperrt zu sein, auf eine andere Art und Weise, die ihn lediglich in seiner Bewegungsfreiheit eingrenzte. Wer wollte sich auch schon von ein paar alten Säcken etwas sagen lassen? Nayantai hatte Recht.

      Eine ganze Weile dauerte es dann doch, bis er Nayantai fand - er hatte sich selbst auf einen Baum gelotst und saß auf dem Ast, klappernd wie Espenlaub, während er die Welt dort unten beobachtete, in der noch reges Treiben herrschte. "Ist alles in Ordnung?", hinterfragte er, seine Stimme leicht heiser. Nayantai würdigte ihn anfangs keines Blickes - Rikiya war es relativ egal, ob er es tat oder nicht, so lange er eine Antwort bekäme. Diese blieb auch aus. Für einen Moment lauschte er den trockenen Blättern und dem hissenden Laub, das erbost durch die Winde streunte. Kurz hustete der jüngere Wolf, bevor sein Blick wieder auf seinen Vater fiel, der am Boden eher einer Ameise, als einer ebenbürtigen Person glich. "Ja ...", nuschelte er, wenn auch leicht aufgebracht. Was brachte es denn, wenn er seine Gefühle vor jemandem verstreckte, der lediglich versuchte, zu helfen? Nichts, und doch rutschte ihm nicht die ganze Wahrheit aus dem Mund. "Willst du runterkommen und reden?" "Nein.", keifte Nayantai, der seinen Mantel enger um sich zog. Rikiya wusste nicht so recht, was er mit ihm tun sollte, aber er blieb, wo er war, und setzte sich an den Fuß des Baumes. Ein Knacken folgte wenig später, als Nayantai sich doch zu ihm gesellte. Was er zu erwarten hatte, das wusste Rikiya nicht, und doch ließ er es zu, dass Nayantai seinen Kopf auf seine Schulter legte. Ungefragt tätschelte er seinen Kopf, bevor er leises Wimmern hörte, das er eigentlich gar nicht gewohnt war - nicht von jemandem wie seinem Sohn, der sonst immer den Starken spielen wollte; ohne weitere Worte ließ er ihn weinen, so lange er es brauchte.

      Gemeinsam bahnten sie sich schlussendlich ihren Weg zurück zu Rikiyas Zelt - Nayantai schleppte zwei Schalen Suppe durch die Gegend, eine die er Rain hinstellte und eine andere, die er auf seinem Platz im Eck abstellte. Ohne wirklich ein weiteres Wort zu sagen, kuschelte er sich neben Rain in das Bett, irgendwo, wo noch Platz war, und gähnte herzhaft. Rikiya hingegen schüttelte nur den Kopf und sah zu Rain, der ganze Arbeit geleistet hatte. "Du wolltest, dass ich dir von Tuya erzähle?", fragte er zufrieden. Plötzlich wurde auch Nayantai wieder hellhörig.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain versuchte sich zu konzentrieren und alles niederzuschreiben das er über die königliche Armee nutzte. Er wollte nicht der Grund sein warum jemand starb, aber er wusste auch, dass Krieg herrschte und irgendjemand sterben würde. Wenn sie die Armee zumindest ausbremsen konnten, dann würden vielleicht weniger Menschen zu Schaden kommen. Sich zu konzentrieren war aber gar nicht so einfach, nachdem er Dinge erfahren hatte, von denen er nicht wusste, was er davon halten sollte. Er hatte sich so viele Sorgen gemacht und war sich sicher, sein Vater würde ihn dafür hassen, dass er - wenn nich mit seinem Feind - mit einem Mann zusammen war statt endlich zu heiraten. Nun hatte sich herrausgestellt, dass er seinem Vater vielleicht doch ähnlicher war, als er gedacht hatte? Wäre Rikiya nur ein kurzes Abenteuer gewesen, hätte Rains Vater keinen Krieg angefangen, dahinter steckte mehr und wieder einmal fühlte Rain sich, als wäre sein eigener Vater ein Fremder. Die Situation wurde nicht einfacher, als bestimmt schon mehr als eine halbe Stunde vergangen war in der weder Nayantai, noch Rikiya zurück kamen. Rain hatte ein schlechtes Gefühl bei der Sache und er machte sich Sorgen.

      Trotz allem schrieb er alles nieder das ihm in den Sinn kam. Es war eine gute Ablenkung und etwas das er tun konnte. Er nummerierte die Lager, schrieb nieder wie viele Soldaten es bewachten und legte dar wie der Versorgungszyklus im letzten Krieg gehandhabt wurde. Zusätzlich schrieb er RIkiya ein paar Vorschläge auf. Späher sollten die Armee ausfindig machen und ihre Bewegungen beobachten. Sie sollten die Lager überprüfen und Rains Daten bestätigen oder berichtigen und die Späher sollten sich auch ansehen ob die Transportrouten noch die selben waren wie im Jahr zuvor. Sie konnten versuchen öfter kleinere Raubzüge zu starten, oder einen großen Schlag versuchen. So oder so würden die Maßnahmen die Vorräte zu schützen verstärkt werden, das hieß aber auch, dass weniger Mann an vorderster Front stehen konnten. Viel mehr fiel ihm im Moment nicht ein und die Berichte konnte er noch nicht lesen. Das musste er auch nicht, den endlich öffnete sich der Zelteingang und Rikiya und Nayantai kamen zurück. Nayantais Augen wirkten etwas rot, aber Rain kommentierte das nicht. Stattdessen sammelte er die losen Blätter zusammen, damit auch Nayantai auf dem Bett Platz hatte und auch die Karte rollte er vorsichtig zusammen. Niemand schien ihm etwas erklären zu wollen und er fragte auch nicht, stattdessen ergriff Rikiya das Wort. "Gerne.", lächelte Rain und nahm seine Schüssel um ein wenig zu essen.