spellbound. (earinor & akira)

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    • "Die Idee hört sich nicht schlecht an", gestand der Wolf lächelnd. Wie lange es wohl dauern würde, bis er jedoch eben zu der Realisation kam, dass es eine durchaus schlechte Idee war, sich weiterhin an ein kleines Lamm zu klammern? In hundert Jahren nicht, erst musste alles Feuer in diesem Haus vermutlich erlöschen und sich jeder - sogar Rain - von ihm abgewendet haben, damit Nayantai erst zu seinen Sinnen käme und realisieren würde, dass es falsch war, sich hier überhaupt aufhalten zu wollen. Rennen wollte er, weg von hier, aber nicht so lange er Rain nicht mit sich nehmen konnte, so lange er wusste, dass sein eigener Körper ihn nicht weit tragen konnte, egal wie viel Kleidung er trug - auch er war ausgelaugt, wollte nicht mehr und dennoch war er sich auch dessen bewusst, dass er nie weiter kommen würde, wenn er sich nicht dazu zwang, das Essen der Schafe in sich hineinen zu würgen und die netten Gesten aller Personen in diesem Haus zu akzeptieren. Mehr als das blieb ihm auch nicht über - seine Verlobte war zu Asche geworden, gleich wie es der Rest ihrer toten Sippe war und er war der Einzige, der kaum eine Brandnarbe hatte und dennoch lebte, dieses Leben wieder genießen konnte, sobald er dem König den verdrehten Kopf von den Schultern schlug. "Ich habe nie behauptet, dass ich lügen kann", sprach Nayantai und war dabei, ohnehin, ehrlich. Wenn es etwas gab, das ihm noch nie gelegen hatte, dann eben das. So sehr er sich verdrehte und verrenkte, er war nicht mehr als er selbst - und würde auch nie mehr als das sein können.

      Langsam ließen sich das Scherbenmeer in etwas kenntliches verwandeln, so schien es und noch viel schneller setzte sich all das wieder in einem Stück zusammen und ließ ihn durchatmen, ließ ihn so fühlen, als wäre er noch in einem Stück und nicht zerfetzt worden, nicht nur mehr als ein Staubfänger, der in einem Eck herumhocken musste, weil man sich nicht mehr für ihn interessierte, weil man nicht mehr mit ihm spielen wollte. Wofür fürchtete er sich eigentlich? Davor, dass er nicht mehr war, als ein einfaches Spielzeug oder davor, als solches benutzt zu werden? Jetzt, im Moment, fühlte es sich auch eher so an, als würde man ihn lieben, als wäre es nicht schlecht, wenn er sich von Rain benutzen lassen würde aber ... wenn er das selbst wollte, dann konnte man kaum davon sprechen, benutzt zu werden. "Das ist gut so", wisperte der Wolf zurück, trug ein Lächeln auf den spröden Lippen und spähte kurz nach draußen, in die Ferne, in der es nichts außer ein weißes Meer gab, das immer dunkler wurde, während auch das Licht der Sonne verschwand. Nayantai sah zurück zu Rain, den er vermutlich gerade mehr folterte, als er eigentlich verdient hatte - von dem er die Hände nehmen sollte, aber das wollte er nicht. Es fühlte sich angenehm an, von ihm berührt zu werden, ihn zu berühren und ihn anzusehen, während er da neben ihm lag, während es nicht mehr viel Sonnenlicht gab, und das flackernde Feuer im Kamin lediglich tanzende Schatten erzeugte. "Du musst nicht, wenn du nicht willst", nuschelte er und kam ein wenig näher, zwickte Rain leicht in die Seite, bevor er die Hand, die er an seiner Wange hielt nahm, damit er ihm einen sanften Kuss auf den Handrücken geben konnte. "Willst du das hier denn überhaupt?", harkte er nach, als er seine Hand ziellos über den Körper des Lammes wandern ließ. "Du kannst noch einen Rückzieher machen", wobei, nein - Nayantai wäre eher der, der auf den letzten Drücker wieder kalte Füße bekäme.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Ich... habe doch versprochen es zu sagen, wenn ich etwas nicht will... und das hier ist... angenehm...", antwortete Rain nuschelnd und zuckte zusammen, als der Wolf ihn in die Seite zwickte. Er glaubte, dass seine Wangen noch röter sein mussten, als die Flammen in seinem Kamin und dass der Wolf das auch sehen konnte, aber auch wenn er nicht recht wusste was er sagen sollte, so hatte er doch nichts gegen die warmen Hände, die über seine Haut strichen. Die Finger des Wolfes waren rau, aber auch das störte Rain ganz und gar nicht, auch wenn er sich gleichzeitig am Liebsten versteckt hätte, weil er so nervös war. Das Streicheln jagte ihm einen Schauer über den Rücken und sorgte für eine Gänsehaut auf seinem ganzen Körper. Rain war diese Art der Zuneigung nicht gewohnt, eigentlich hatte er sie noch nie erfahren und dementsprechend wusste er nicht, was eine angemessene Reaktion war und ob es normal war, dass sein Herz so kräftig schlug und seine Wangen sich so warm anfühlten. Ebenso wenig wie er wusste, wie er sich zu verhalten hatte, während der Wolf seine Hand über seinen Körper gleiten ließ und ihm einen sanften Kuss auf die Hand gab, so wusste er auch nicht wohin es führen würde und was der Wolf eigentlich erwartete. Rain hatte wie immer Zweifel, dass er war, was der Wolf wollte und er hatte sich bisher gerne unter einem Stück Stoff versteckt, ausgenommen von ihrem Ausflug in die Badewanne, aber selbst da, hatte er sich lieber klein gemacht.

      Das Rascheln der Matratze und der Polster, war nach einiger Zeit das einzige, das die Stille zwischen ihnen noch einmal unterbrach, als Rain sich aufrichtete und das Stück Stoff über seinen Kopf zog. Er hatte das Streicheln genossen, während er sich selbst überredete zu tun, was er eigentlich auch tun wollte, trotz seiner Nervosität und auf die Gefahr hin, dass der Wolf damit aufhörte ihn zu berühren, obwohl genau das eigentlich Rains Ziel sein sollte. Rain ließ das Kleidungsstück auf seinem Schoß liegen und ließ sich nach einem kurzen Moment zurück in die Kissen sinken. "F-Findest du, dass ich... findest du mich denn...? Mhh..." Wieso war es so schwer, eine einfache Frage zu stellen? Womöglich, weil Rain gar keine Antwort wollte? Was wenn der Wolf zu ehrlich war und ihm sagte, dass er den dürren Körper niemals dem eines Wolfes vorziehen würde, oder was wenn er ihn anlog, nur damit Rain sich gut fühlte? Er war weder eine Frau, noch war er wirklich ein Mann, also was sollte Nayantai auch schon groß von ihm halten? Wieso sollte er ihn ansehen wollen und wieso wollte Rain, dass er es irgendwo doch wollte? "Ich... Es... tut mir Leid...", murmelte er und war selbst nicht sicher, ob er sich wegen der unfertigen Frage entschuldigte, oder doch eher wegen seines Körpers. Die dünnen Arme lagen ebenfalls nur nutzlos herum, weil Rain nicht wusste, was er zu tun hatte. Manchmal wünschte er sich einfach, dass er nicht so lange allein gewesen wäre, dass er gewusst hätte, was er in so einer Situation zu tun hatte, ob es angebracht war, seine Hände ebenfalls über die Haut des Wolfes wandern zu lassen, oder ob er ihm lieber nur über die Wange strich, wo er Rains Hand aber zuvor ja auch wieder weg genommen hatte. "Sag mir... was ich tun soll.", bat er und blickte hilfesuchend in die dunklen Augen des Wolfes.
    • "Also bist du ehrlich zu dir selbst und redest dir nicht ein, dass du das hier willst, weil ich es will?" Wollte Nayantai das hier selbst überhaupt? Die Wärme in diesem Raum war nicht auszuhalten, gleich wenig wie er es aushalten konnte, länger hier herumzuliegen und sich zu fragen, was genau es war, das er fühlte - wieso Rain sein Herz höher schlagen ließ oder weswegen es so war, dass das Lamm ihn bereits in den Bann gezogen hatte, aus dem es kein Entkommen mehr gab. Was sollte er tun? Seinem eigenen Körper sagen, dass er aufhören sollte, so zu funktionieren, wie er es tat? Oder seine Hände davon abhalten, die Nähe zu Rain zu suchen? Sein eigenen Kopf würde er sich darüber noch zerreißen, bevor er ihm schlussendlich abfallen sollte. Egal nach was er greifen wollte, egal wonach er suchte, er kam immer wieder zu dem gleichen Entschluss, dass es futil wäre, sich gegen sich selbst zu wehren - entweder, seine Angst würde ihn lähmen oder aber sein Kopf würde ihm erlauben, zu tun, was er wollte, so lange er sich an ein Versprechen hielt. Noch immer lagen die Hände auf Rains Körper, hielten sich flüchtig an ihm fest, doch das Lamm setzte sich schlussendlich auf, konnte sich wohl dazu durchringen, das Stück Stoff doch noch abzustreifen und sich vor dem Wolf zu entblößen, der wie gebannt auf ihn starrte, der die bleiche Haut und die tanzenden Schatten beobachtete und das dunkle Licht, in das Rain getaucht worden war. Seine Augen konnte er nicht mehr losreißen, selbst dann nicht, als sich das Lamm wieder neben ihn fallen ließ.

      "Findest du ... finde ich ... was?", was wollte Rain auch von ihm? Zuerst sah der Wolf verwirrt aus, ließ danach aber seine Hand auf den bloßen Oberkörper vor sich wandern, legte sie auf die linke Brusthälfte und fühlte das schlagende Herz unter sich, das - so wie das seine - vermutlich etwas zu schnell schlug, weil es aufregend genug war, dass Rain sich nicht wieder vor ihm verstecken wollte. "Ich könnte dich den ganzen Tag ansehen und mir würde nicht langweilig werden - ich finde, du bist wunderschön", raunte der Wolf schließlich, der Rain wiederum näher kam, da er die Distanz zwischen ihnen beiden gar nicht erst leiden konnte. Wieso auch aufstehen und von ihm wegrücken, wenn Nayantai ihm das Hemd auch vom Leibe hätte reißen können. "Es gibt wirklich nichts, wofür du dich entschuldigen müsstest", meinte der Wolf schließlich, der sich selbst erhob, seine Hände zurückzog und seine Augen auf Rain ruhen ließ. Nun lag er da, neben ihm und der Wolf konnte alles mit ihm anstellen, was er wollte, so lange Rain es zuließ und auch wollte - etwas, das vermutlich leichter gesagt, als getan war. Nayantai schluckte, hätte eigentlich alles mögliche tun können aber ... nein. Stattdessen ließ er sich zurück in das Bett fallen, rückte näher an Rain heran, der beinahe schon so aussah, als würde er nach Hilfe betteln. "Was? Hmmm", überlegte er, war sich aber selbst nicht sicher, was genau es war, womit Rain sich beschäftigen konnte. Ohnehin kam Nayantai ihm schon viel zu nah, nahm einen seiner Arme und legte ihn sich über die Schulter. "Entspann dich, Rain, und ... wenn du willst, dann ... halt dich einfach an mir fest", murmelte er schließlich, bevor er sich nach unten lehnte, zurück zu Rain Schulterbein, in welches er biss - zuerst sanft, dann wanderte er etwas weiter, immer näher in Richtung seines Halses, bevor er innehielt. Ohne Rain großartig vorzuwarnen, biss er ihn schlussendlich noch, fest und vermutlich viel zu lang, leckte aber anschließend über die Stelle - beinahe so, als würde das wirklich irgendetwas besser machen - und tat dasselbe einige Zentimeter weiter, bevor er das Lamm noch unsanft aber weniger fest in den Hals biss.
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    • "Suchst nicht eher du nach einem Ausweg?", fragte Rain lächelnd, aber ohne Nayantai tatsächlich zu beschuldigen, oder zu verurteilen. Auch wenn Rain normalerweise der bessere Schauspieler war, so konnte er seine Unsicherheit in dieser Situation nicht verbergen, da machte der Wolf dasselbe schon besser und trotzdem war Rain sich ziemlich sicher, dass auch Nayantai nervös war und nicht recht wusste, was sie beide hier eigentlich taten. Nervös war Rain, ja, aber deswegen wollte er nicht weglaufen, oder sich zurück ziehen. Nervös zu sein war nicht unbedingt ein schlechtes Gefühl, Unsicherheit mussten sie voreinander eigentlich auch nicht verstecken. Solange sie beide die selben Vorstellungen hatten und einverstanden war, war doch alles in Ordnung und jedwede Sorge war eigentlich unbegründet. Rain lächelte den Wolf bestärkend an, auch wenn seine Unsicherheit genau so zu sehen war. Er wollte nur tun, was sich richtig anfühlte und dem Wolf ein wenig näher kommen, seine Wärme erneut auf seiner Haut spüren und das ohne den tatsächlich lästigen Stoff zwischen ihnen und vielleicht war auch Rains kühle haut für den Wolf angenehm.

      Seine Frage war natürlich unverständlich gewesen, ohne dass er den wichtigen Teil auch ausgesprochen hatte. Wollte er es denn überhaupt erklären? Das musste er gar nicht, denn Nayantai schien nur einen Moment gebraucht zu haben um zu verstehen, was Rain wissen wollte. Was er hörte verschlug ihm erneut die Sprache und dieses Mal wich sein Blick doch für einen Moment zur Seite. Vielleicht hatte er die Sprache des Wolfes ja auch falsch verstanden, denn er konnte sich nicht vorstellen, was an ihm so besonders war. Andererseits fand er doch auch gerade die Andersartigkeit des Wolfes so interessant. Die dunklen, langen Haare die wie Wasser um seinen Körper flossen waren wunderschön und die dunklen Augen, die so vieles ausdrücken konnten glänzten im Feuerschein des Kamins. Auch die vielen Narben störten Rain ganz und gar nicht und er sah keinen Grund, seinen Blick von Nayantai abzuwenden, obwohl er es in diesem Moment doch tat, als er merkte, dass er dessen Körper viel zu lange angestarrt hatte und ihm viel lieber wieder ins Gesicht sah, wie es sich gehörte. Der Blick der einen Moment auf ihm ruhte, als der Wolf sich nun selber erhoben hatte, machte dies aber gar nicht so einfach, aber Rains Wangen konnten gar nicht noch mehr glühen und auch seine Hände hielt er davon ab, vor seinen eigenen Körper zu wandern.

      Die Wärme die Nayantai ausstrahlte war bereits zu spüren, als er sich nur neben Rain zurück ins Bett fallen ließ und war noch angenehmer, als der Wolf wieder an Rain heran rückte. Er ließ den Wolf den dürren Arm um sich legen und Rains Blick huschte über die Situation, über ihrer beider nackten Körper, deren Haut so bleich war, dass sie beinahe schon das gesamte Licht des Feuers zu reflektieren schienen. Rain legte also seinen Arm um den Wolf, hielt sich fest, so wie es ihm vorgeschlagen wurde und für einen Moment konnte er die Wärme genießen, die er fühlte, weil sie einander tatsächlich berührten, oder die selbst mit etwas Entfernung auf Rain übersprang und viel intensiver schien, jetzt wo Rain den Stoff um seinen Körper los geworden war. Leicht zuckte er zusammen, als er erst den Atem des Wolfes an seiner entblößten Haut fühlte und kurz darauf seine Zähne und seine Lippen. Das sanfte Zwicken löste ein kribbeln aus, das sich von dessen Ursprung langsam über Rains Körper ausbreitete. Das Lamm kniff die Augen zusammen und die leichte Aufregung ließ sein Herz immer noch höher schlagen. Weitere sanfte Berührungen folgten, beschrieben einen klaren Pfad, bis der Wolf schließlich inne hielt. Rain wollte seine Augen schon wieder öffnen und fragen, was los war, als der Wolf seine Fänge wieder in das Schaf jagte, dieses Mal fester als zuvor. Rain zuckte zusammen, jetzt hielt er sich tatsächlich an dem Wolf fest und drückte seine Finger in dessen Schulter, während er ein überraschtes Keuchen ausstieß und sich so schnell wie möglich auf die eigene Lippe biss, damit ihm nicht noch mehr aus der Kehle kroch. Ein Schauer jagte anschließend durch Rains Körper, als Nayantai von ihm ab ließ und die pochende Stelle liebkoste, nur um das ganze an einer anderen Stelle zu wiederholen. Auf eine seltsame Art und Weise war der sanfte Schmerz aufregend und die anschließende Wiedergutmachung viel angenehmer, als wären die Nerven an der Stelle zuvor nicht in Aufruhr gebracht worden. Eigentlich sollte ein Schaf Angst haben, wenn ein Wolf seine Zähne in seine Haut schlug und doch, wollte Rain sich gar nicht dagegen wehren. Der Wolf wanderte weiter zu seinem Hals, biss weniger fest und das war gut so, denn Rain wollte ihn nicht ermahnen müssen, dass von dem was er da machte, morgen nichts mehr zu sehen sein durfte, nicht an einer Stelle, die er nicht so einfach verstecken konnte. Rain schluckte, öffnete die Augen und ließ seinen Blick auf den schwarzen Schopf Haare wandern, der das einzige war, das er von dieser Position aus sehen konnte. "Wie soll... ich mich denn... so entspannen...?", schmunzelte Rain keuchend, der erst jetzt merkte, dass sein Griff um Nayantais Schulter vielleicht ein wenig zu fest war und langsam locker ließ.
    • "Wohin? Was für einen Ausweg sollte ich finden wollen?", lachte er. Wegrennen war die letzte Option, die er hatte und selbst, wenn Nayantai sie irgendwie ausnutzen würde, dann würde er es höchstens hinter die nächstbeste Tür schaffen und ein schlechtes Gewissen bekommen. Mehr als Rain verraten hätte er nicht. Seine Zuneigung war alles, was ihm blieb und wenn er selbst diese ablehnte, dann hatte er im Endeffekt wohl auch gar nichts mehr, egal wie weit seine Beine ihn tragen konnten - Thria würde er so nicht erreichen, vor allem nicht in einer Nacht wie dieser und eben das war nicht leicht einzugestehen. Tatsächlich hörte er lieber dem dumpfen Schlagen seines stetig pochenden Herzens zu, lauschte dem Flackern der Flammen im Kamin und den wenigen Leuten, die Rain über seine Lippen kommen ließ, als Nayantai ihn doch malträtierte. "Ich brauche keinen Ausweg ... noch nicht", nuschelte er sich selbst zu und war sich sicher, dass er - früher oder später - aufhören musste. Dennoch - es fühlte sich an, als würde sein Herz im Feuer verbrennen, als wären die tiefen, dunklen Schatten da, um ihn schließlich zu sich zu holen, um ihm aufzuzeigen, dass er das Lamm gar nicht erst besudeln konnte, wenn es in Dunkelheit getaucht war - wenn es dort war, wo es hingehörte. Loslassen sollte der Wolf, sich keine Gedanken mehr darüber machen, wem oder was er Schmerzen zufügte, wenn er so weiter machte und zu dem werden, der er sein sollte - zu jemandem, den es nicht interessierte, wie es einem Schaf erging.

      Nayantai war es nicht vergönnt, sich vor dieser Welt zu verstecken - er konnte sich nicht erlauben, Rain etwas anzutun, sollte sich nicht dazu bringen müssen, das hier zu tun. Sein Herz, so verkohlt und eiskalt es auch sein sollte, pochte unaufhaltsam, während die Röte ihm zu Gesicht stieg, als er den ein oder anderen Laut des Lammes vernahm, die jene aus seiner Kehle entließ. Eine Hand krallte sich in seinen Rücken und als der Wolf aufsah, kam er nicht umher, als das Schaf dumm anzugrinsen, auf dem noch immer das Licht der Flamme und die Schatten tanzten, das sich vermutlich besser fühlte, als es der Wolf tat, der sich alsbald wieder seiner Aufgabe widmete und wortlos die Schulter, das Schlüsselbein oder den Hals des Lammes biss, die Bissspuren küsste oder ableckte und sich schließlich wieder etwas zurückzog, um in die blauen Augen zu sehen, die in diesem Licht nicht so hell wirkten. "Indem du mich einfach tun lässt, was ich will und nicht zu sehr darüber nachdenkst, wieso wir so etwas nicht tun sollten", sprach er mit einem Grinsen aus und zwickte dem Schaf mit seinen Zähnen in die Kehle. Seine eigene Hand wanderte nach oben, zum Arm des Lammes, mit der er schlussendlich die Finger verwebte. Im Schein der Dunkelheit, der unaufhörlich scherbelnden Schatten, sah alles so anders aus, wirkte alles so, als könnte es ihn verzaubern, aber allem voran waren es die Augen Rain's, die eben jene Flamme zu reflektieren schienen. Nayantai kam nicht darum herum, Rain erneut zu küssen, ihm den Atem zu rauben, den er ohnehin nicht hatte. "Du bist das, was ich will", wisperte er ihm zu, nahm die Hand des Lammes und drückte sie wieder gegen seine Wange, bevor er etwas umher rückte und schließlich beinahe auf dem Becken des Lammes saß, sich nach vor beugte und der Teppich aus halbnassen Haaren sich um sie legte, als Nayantai Rain in sein Gesicht starrte. "Aber bin ich auch das, was du willst?", fragte er, wartete nicht auf eine Antwort, sondern lehnte sich nach vor. "Du kannst noch immer nein sagen", flüsterte er Rain in sein Ohr, bevor er dieses biss, weiter wanderte und seine Stirn auf die Rains legte, während er seine Hand, die noch eben die Rains gehalten hatte, nach unten wandern ließ, sie gegen Rains Bauch drückte. "Und?" Vielleicht stieg ihm die Wärme ja doch wieder zu Kopf.
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    • "Aus der Situation...", erklärte Rain, wollte aber eigentlich gar nicht, dass Nayantai aufhörte. Seine Berührungen waren angenehm und sein Atem und sein Körper wärmten Rain, auch wenn er gar nicht wusste, in was für einer Situation er sich da gerade befand. Er hörte dem Knistern des Feuers zu und bemerkte, dass es in der kurzen Zeit die vergangen war, draußen nun gänzlich dunkel geworden war. Die Dunkelheit die sich um sie legte, auch wenn das Feuer nicht alles schwarz werden ließ, war vielleicht genau, was sie dazu veranlasste immer und immer wieder weiter zu gehen als zuvor, weil sie sich beschützt fühlten und unbeobachtet. Wenn es dunkel wurde, wurde es auch im Haus ruhiger und es bestand auch weniger Gefahr, dass irgendjemand an Rains Zimmer vorbei ging und etwas entdecken konnte, das er besser nicht gesehen hätte. Die tanzenden Flammen, die es in Rains Zimmer nie vollends dunkel werden lassen, warfen dunkle Schatten an die Wand und ließen alles ein wenig mystischer aussehen, als es war. Erneut fühlte Rain sich ein wenig verzaubert und trotzdem hatte Rain noch das Gefühl, dass der Wolf war, der sich hier zu etwas zwang, das er sich anders überlegt hatte, so wie zuvor schon einmal.

      Rain wollte die Stille die sich erneut über sie gelegt hatte nicht brechen, nur sein Atem der ein wenig flacher ging als normal und das Knistern des Feuers lagen in der Luft. Es war fast schon peinlich sich selbst so laut zu hören und nichts dagegen tun zu können, obwohl es nur sein Atem war, der durch die Luft schnitt. Er fragte sich ob morgen noch zu sehen sein würde, was Nayantai gerade mit ihm anstellte, aber er hätte nichts dagegen, solange er es verdecken konnte, eigentlich gefiel ihm der Gedanke sogar, etwas von ihm bei sich zu behalten. War das seltsam? Immer noch fragend sah Rain den Wolf an. "Darüber... denke ich gar nicht nach...", entgegnete Rain und zuckte wieder zusammen, als der Wolf seine Zähne an ihn legte. Rain drückte die Hand, die plötzlich in seiner lag und erwiderte den Kuss, der auf ihn zu kam. Er schnappte nach Luft, als Nayantai sich wieder zurück zog. Auch wenn Rain vorhin Zweifel gehabt hatte, ob nicht Nayantai derjenige war, der sich zu etwas zwang, schien er es vielleicht doch nicht zu tun, oder redete er sich mehr selbst als Rain ein, was er da sagte? Rain sah zu, wie er sich bewegte und am Ende schon fast auf ihm saß. Rain konnte auf die Frage des Wolfes nicht antworten, dessen Haare einen großen Teil des Lichts im Raum schluckten. Nayantais Stimme so nah bei Rains Ohr ließ ihn erschaudern und der Biss ihn erneut zusammen zucken. Rain legte nun auch seine zweite Hand an Nayantais Wange und war nun wohl doch dran zu antworten. Zu was konnte er nein sagen? "Du bist, was ich will.", wisperte Rain und bekam eine Gänsehaut als die Hand des Wolfes sich auf seinen Bauch drückte. Er wagte es kaum noch zu atmen und das Gefühl, das in ihm aufkam war unbekannt, jedoch schien sein eigener Körper mehr zu wissen, als Rains Kopf. Ihm war warm und gleichzeitig war ihm fast schon peinlich, was Nayantai erst entdecken würde, sollte seine Hand noch weiter nach unten wandern. Wollte er das denn? Und was kam danach? Er hatte schlicht und ergreifend keine Ahnung, gar keine. "I-ich bin nervös...", gab er zu und ließ seinen Blick ein wenig zur Seite wandern. "Ich weiß nicht was...ich... ich weiß gar nichts." Er wusste, wie er es prophezeit hatte, nicht was er wollte und er wusste ebenso wenig, was überhaupt auf ihn zu kam. Viel lieber hätte er außerdem seine Hände auch an Nayantai gelegt, hätte gerne seinen Körper erforscht und verwöhnt, aber er glaubte nicht, dass der Wolf das wollte und er hütete sich davor, seine Hände wieder unbedacht über seinen Körper wandern zu lassen. Was war gerade eine angemessene Reaktion und verhielt sich Rains Körper überhaupt wie er sollte? Dass er seinem eigenen Körper nicht vertraute, war nichts Neues.
    • "Und wieso sollte ich das wollen?", fragte der Wolf, dessen Lippen schon längst kein Grinsen mehr zierte. Vielleicht, weil sich seine Nackenhaare aufgestellt hatten, weil der Schauer, der ihm über den Rücken lief eiskalt und unangenehm war und weil er selbst spürte, dass er Gänsehaut am ganzen Körper hatte. Gerade eben hatte er sich noch verteufelt, weil er definitiv kalte Füße bekommen würde - und so, als wäre es ein Fluch, der ihm auferlegt worden war, funktionierte das Ganze auch. "Vor dir davonrennen ist das Letzte, was ich will", aber das Erste, das der Wolf in Erwägung zog. Augen zu und durch würde hier nicht funktionieren, aber würde er Rain jetzt loslassen, ihm vermutlich wieder sagen, dass er sich danach fühlte, dann würde er höchstwahrscheinlich für mehr Probleme sorgen, als er haben wollte. Nayantai wollte sich nicht beirren lassen, schon gar nicht von seinem Kopf, der so widersprüchliche Dinge von sich geben konnte - der Wolf wusste, dass es nichts gab, zu dem er sich zwingen musste und doch; es war nicht das erste Mal, das er auf diese Art und Weise mit jemandem verkehrte und es würde definitiv nicht das letzte Mal sein - warum zierte er sich dann so? Rain war keine Hürde, die es zu überwinden galt, war kein König, den er schemenhaft in den Schatten seiner Albträume erkennen wollte - er war einfach nur eine Leinwand, auf der sich das Licht tanzender Flammen wiederspiegelte, die fast von der Dunkelheit eingenommen wurde, während der Wolf über ihm throne. Nayantai musste sich nicht vor Rain fürchten - Rain war nicht mehr, als ein Lamm - ein schwaches Lamm, dem er antun konnte, was er wollte, wenn er es denn wollte. Woran dachte er auch nur? Verblendet war er, mehr nicht - die Schatten und das fahle Licht spielten seinen Augen einen Streich. Rain war noch immer er, daran würde auch das schwindende Licht nichts ändern.

      Unmögliche Gedanken schwirrten ihm durch den Kopf, ließen ihn innehalten, als wäre er erstart. Er weinte nicht, vermutlich noch nicht, aber es fühlte sich so an, als würde sein Herz - das viel zu schnell schlug - schmerzen, in seiner Brust brennen, sich verknoten und nur mehr dumpf vor sich hin schlagen. Sein Kopf fühlte sich warm und leicht, beinahe schon schwerelos an und er selbst wusste nicht, ob er einfach nicht schluckte, oder sein Körper mehr Speichel produzierte, als üblich. "Woran denkst du dann?", wollte er wissen, sah nach oben zu Rain, der sich vermutlich so viel mehr aus dieser Situation erhoffte, als Nayantai ihm geben konnte. All das, was der Wolf ihm geben wollte, war unmöglich zu verschenken, weil sein eigener Kopf ihn davon abhielt, weiter zu gehen, als er es bisher tat - auch, wenn die Hand von Rains Bauch zum Bund dessen Hose wanderte, bewegte sie sich von da aus kein Stück mehr. Riss er sich zusammen, schluckte die Angst herunter - selbst dann war das hier nichts, das er gerade jetzt tun konnte - und es grämte den Wolf. Um sich abzulenken, nicht dumm herumzustehen lehnte er sich nach vor, versuchte die Dunkelheit zu ignorieren, die ihre Klauen nach ihm ausstreckte - und drückte Rain einen etwas unsanften Kuss auf die Lippen, nahm sich schließlich, was er wollte - aber was war das eigentlich. "Nur ich? Nicht mehr?", fragte er, als er sich löste - er fühlte sich schwach. Ihm war viel zu warm, sein Kopf fühlte sich an, als hätte man ihn mit Watte gefüllt und die tänzelnden Schatten spielten ihm, seinen Augen, im Einklang mit der niemals endenden Dunkelheit einen Streich. Nayantai schluckte. "... ich auch", gestand er und griff nach der Hand des Lammes auf seiner Wange, schloss die Augen und lehnte sich in die Berührung. "Wir sollten ... nichts überstürzen. Ich will dich nicht verschrecken und ...", er murmelte wieder vor sich hin, öffnete die Augen und sah auf Rain herab, dem er ein etwas krummes Lächeln schenkte. Dennoch beendete der Wolf seinen Satz nicht, nahm eine Hand des Lammes von seinem Gesicht und legte sie zurück auf seine Schulter, bevor er seine eigene Pranke von dem Hosenbund des Lammes entfernte, sie auf seine Brust legte und sich mit der Anderen, neben Rains Kopf abstütze. "... dir schon gar nicht wehtun", gestand er, bevor er dem Lamm - als wäre es ein Ausweg aus den Einbildungen der Flammen, wieder in seinen Hals biss, zurück zu den Stellen an seinem Schlüsselbein wanderte, die er vorher schon traktiert hatte und ihn erneut liebkoste. Wenn er sich schon nicht dazu durchringen konnte, Rain weiter zu berühren, dann wollte er wenigstens das schlechte Gefühl loswerden und dem Lamm weiter vorgaukeln, das alles in Ordnung war.
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    • Rain sah in die dunklen Augen des Wolfes, die in dem fahlen Licht kaum noch zu sehen waren. War wirklich alles in Ordnung? Lag es an dem Licht, oder...? Rain fragte sich für einen Moment, ob er etwas falsch gemacht hatte, glaubte aber nicht, dass es wirklich an ihm lag. Dieses Mal siegte seine Unsicherheit nicht, sagte ihm nicht, dass sein Körper es war, der so schwach und dürr einfach nicht reichte und auch nicht, dass er sich falsch verhielt. Er glaubte der Wolf hatte erneut etwas angefangen, das er gar nicht zu Ende führen wollte, auch wenn er Rain das Gegenteil sagte. Seine Stimme verriet ihn und die fehlende Freude in seinen Augen, die zuvor noch da gewesen war und das lag nicht an dem schlechten Licht. "Ich denke daran, dass deine Zähne weh tun...", antwortete er vorerst dennoch und lächelte leicht. "Kein schlechter Schmerz..."

      Rain bekam erneut eine Gänsehaut, sein Körper spannte sich an als die Hand des Wolfes weiter nach unten wanderte und überlegte sich schon, wie er sie beide aus dieser Situation heraus ziehen konnte, ohne Nayantai zu kränken. Er war sich sicher, dass Nayantai ihn am Liebsten los gelassen hätte und dann wollte Rain ohnehin auch gar nichts von ihm annehmen, das er ihm nicht auch tatsächlich geben wollte. "Nur dich... deine Gesellschaft... egal in welcher Form.", antwortete Rain sanft, blickte den Wolf an, dessen Verhalten sich völlig verändert hatte und der selbst zugab, dass er im Begriff gewesen war, etwas zu tun, für das sie beide nicht bereit waren. "Du kannst mich gar nicht verschrecken...", lächelte Rain, strich dem Wolf über die Wange, bevor seine Hand allerdings schon wieder woanders platziert wurde. Er zuckte zusammen, als die Zähne des Wolfes erneut in seine Haut fanden, aber die Berührung fühlte sich anders an als zuvor, fast schon verzweifelt. "Warte...", murmelte Rain und drückte den Wolf sanft von sich, auch wenn er ihn gar nicht dazu zwingen konnte. Er wollte ihn einfach nur ansehen. "Du solltest dich entspannen...", lächelte er und wollte ihn erst gar nicht wieder zu sich lassen, sondern ihn viel lieber seitlich neben sich zurück ins Bett befördern. "Ich erwarte nicht mehr von dir, als du geben kannst. Zwing dich nicht zu etwas, was du nicht tun willst, denn dann will ich es auch gar nicht erst haben."
    • Nayantai wusste, dass er sich selbst nicht durchgehend belügen konnte, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis er wieder akzeptieren musste, dass es unmöglich für ihn war, etwas zu tun, das sein Kopf und sein Körper nicht wollten. Hals über Kopf hatte er sich in etwas stürzen wollen, das nur zu noch mehr Unbehagen seinerseits und einer gehörigen Prise Schmerz geführt hätte, die man ihm in alle noch offenen Wunden gestreut haben würde, wenn er sich nicht endlich zusammen riss und das hier langsamer anging. Er wollte mehr, als er sich selbst geben konnte - mehr, zudem er nicht fähig war und so viel mehr, als er sich jemals selbst erlauben würde. Ertrank er in einem Meer aus seinen Tränen, weil er sich selbst einem Lamm schenken wollte und keinen Rückzieher machte, weil er es nicht enttäuschen wollte, dann war das seine eigene Schuld - dann tat er sich selbst etwas an. "Das ... freut mich", murmelte er in das Fleisch des Lammes hinein, in das er eben noch gebissen hatte. Wie viel mehr Feuer es wohl brauchte, damit ihn die Schatten nicht wieder hereinlegten und ihm zeigten, dass sie nur mit ihm spielten? So viel mehr als das, was sie hier hatten - viel zu viel.

      War das hier seine persönliche Hölle, die er sich nie gewünscht hatte? War seine eigene Unfähigkeit das, was er verdient hatte? Oder war es doch Rain, den er verdient hatte, der sein Schicksal war und den er haben sollte, sein eigen nennen sollte, aber nie in seinem Leben berühren könnte, ohne dass er sich so fühlte, als täte er etwas vollkommen Falsches? Egal, was er tun wollte, Rain legte seine Hand auf seine Brust und drückte ihn von sich - es sollte sich nicht gut anfühlen, er sollte gekränkt sein, aber stattdessen atmete der Wolf auf, schien beinahe schon erleichtert und drückte die Hand Rain's etwas fester auf seine Brust. "Ich will auch nur dich ... aber nicht ... so. Nicht jetzt. Nicht hier", murmelte er beschämt und starrte Rain in die Augen, die selbst der Schein des Kamins nicht gänzlich erschwärzen ließen. "Ich will dir mehr geben aber ... ich kann nicht", brummte der Wolf, griff nach der zweiten Hand des Lammes und drückte sie sich gegen seine Wagen, als würde die Kälte von Rain's Gliedmaßen dafür sorgen können, ihn wieder zur Vernunft zu bringen. "Rain, es tut mir leid. Ich ... ich würde dir gerne alles von mir geben, aber ... mein Körper will nicht", seufzte er und ließ von Rain ab, ließ sich wieder neben ihm in das Bett fallen, in das Federmeer, auf dem sie noch immer gebetet waren. "Es ist nicht so, als würde ich nicht wollen, ich kann einfach nicht."
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    • Es hatte keinen Sinn Rain vor zu machen, dass es Nayantai gut ging. Er wusste nur zu gut, dass man sich selbst manchmal zu etwas zwang, das man nicht wollte, nur um Erwartungen zu erfüllen, die andere vielleicht gar nicht an einen stellten. Rain war gut darin zu lächeln, wenn er unglücklich war und so zu tun, als schmerzte sein Körper nicht, wenn er es bei jedem Atemzug doch tat, so gut, dass er sich selbst belügen konnte und so gut, dass er erkannte, wenn ein gebrochener Wolf dasselbe versuchte. Rain wusste nur Teile von dem was Nayantai zugestoßen war und konnte auch den Schmerz nur ansatzweise nachvollziehen, den er erlitten hatte. Er wurde eingesperrt, missbraucht und geschlagen, während das Schicksal seiner Familie ungewiss war und da draußen nichts weiter als der Tod wartete. Zu denken ein weiches Bett und eine warme Mahlzeit konnten alles ungeschehen machen, war dumm und Rain erwartete auch gar nicht, dass Nayantai sich in seiner Haut auf der Stelle und in jeder wachen Sekunde wohl fühlte. Was wäre er, wenn er Nayantai dafür verurteilen würde, wenn nicht einfach nur ein Heuchler.

      Nayantai ließ sich neben Rain aufs Bett fallen und Rain drehte sich auf die Seite, stützte sich mit seinem Arm auf und sah ihn an. "Du musst mir nichts erklären...", lächelte er und legte seine Hand vorsichtig auf Nayantais Stirn. Er strich ihm ein paar verirrte Strähnen aus dem Gesicht und streichelte ihn anschließend sanft. Nayantai schien Rains kalte Hände gerne an sich zu spüren und Rain hatte kein Problem damit, dafür zu Sorgen, dass Nayantai nicht dahin schmolz. "Ich will gar nicht mehr von dir. Nicht jetzt. Niemals, wenn du es nicht willst und ich weiß, wenn ich ehrlich bin, gar nicht, was 'mehr', oder 'alles' bedeutet. Ich war immer allein, bis du hier aufgetaucht bist." Das war Rain zwar peinlich, aber es ging jetzt nicht um ihn und deshalb fiel es ihm wohl auch leichter, einfach zu sagen, was er dachte. Nayantai brauchte sich nicht schlecht fühlen und sollte es auch gar nicht, weder weil er etwas tat, das er nicht wollte, noch dafür, dass er das tat, was für ihn am Besten war. "Entschuldige dich also nicht dafür. Wir brauchen beide Zeit und können beide nicht mehr als einen Schritt nach dem anderen machen. Wir können auch bleiben, wo wir gerade sind, wenn du mit mir das Bett teilst, wir uns unterhalten und Spaß haben, dann reicht mir das völlig. Ich will dich nicht besitzen, ich will deinen Körper nicht haben, auch nicht deinen Geist, oder deinen Gehorsam, ich will, dass du dich wohl fühlst und dass es dir gut geht." Rain ließ seine Hand langsam zu Nayantais Brust wandern und legte sie über die Stelle, unter der sein Herz lag und kräftig schlug. "Ich möchte, dass du dich hier erholst, ich möchte, dass dein Herz wieder für etwas schlägt und sich nicht mehr unterdrücken lässt, von etwas, das vorbei ist und dich hier nicht einholen kann und ich möchte nicht, dass ich ein Grund bin, dir neue Fesseln aufzuerlegen, oder alte Wunden aufzureißen. Selten war mir etwas so wichtig, also entschuldige dich nicht für Dinge, die ich dir niemals vorwerfen könnte."
    • Jeder einzelne Atemzug brannte in seiner Lunge, in seiner Kehle, in seinen glasigen Augen - Nayantai hörte nichts, außer sich selbst, außer das Herz, das sich wiederum so anfühlte, als würde es ihm zum Hals heraus schlagen, seine Kehle hochkriegen und eine Blutspur hinterlassen, die er schlussendlich auf seiner Zunge schmeckte. Der Wolf wusste, dass es aus seinem Leid keinen Ausweg gab, dass er sich so viel einreden konnte, wie er wollte, so oft er es wollte - seine Gefühle würden sich nicht verändern, er blieb noch immer der, der er genau jetzt war und er würde auch niemand anderes werden, nur, weil er sein Trauma wieder herunterschluckte und versuchte, sich zu etwas zu zwingen, das er selbst wiederum nicht zuließ. War er schwach? Oder doch einfach nur maßlos mit der Situation überfordert, in der er sich wiederfand? "Ich ... ich muss ... nicht?", fragte er etwas verwirrt und starrte Rain entgeistert an, der ihn wohl aufmuntern wollte. Rain schien im nichts übel zu nehmen, schien sich lieber um ihn und seine Sorgen zu kümmern, als ihn weiter zu verteufeln. Womit hatte er das verdient? Wieso war Rain sein Schicksal? "Mh, und jetzt hast du mich - wir beide sind nicht mehr allein, wir haben einander ... aber ich will dir mehr von mir geben, irgendwann", erläuterte der Wolf, der sich viel zu gern in die Berührungen des Schafes lehnte und sie genoss, so lange er konnte. Es war fast so, als ließen sie ihn allen Schmerz vergessen.

      Auch, wenn er im Inbegriff war, sich wieder zu beruhigen, fiel der Wortschwall des Lammes wohl teilweise auf dumpfe Ohren - Nayantai verstand noch immer nicht alles, noch immer nicht ganz und fühlte sich etwas verloren, auch, wenn man es nur gut mit ihm meinte, seinen aufgekratzten Körper beruhigen wollte und ihm zeigen wollte, dass es in Ordnung war - dass er sich zu nichts zwingen musste. "Wenn ich jetzt sagen würde, dass es mir gut geht, dann würdest du vermutlich sagen, dass ich dich anlüge", seufzte er und schüttelte den Kopf. Ja, was wollte er eigentlich? Wollte er wieder er sein wollen, sich wieder Dinge vormachen oder wollte er jemand sein, der sein Herz auch jemandem öffnen konnte, der nicht ausgerechnet ein Wolf war? Nayantai war sich nicht sicher und wusste lediglich, dass er genau das hier wollte - nicht mehr. "Du sorgst doch ohnehin schon dafür, dass es mir besser geht, als es mir jemals hätte gehen können, wieso kann ich mich dir nicht einfach erkenntlich zeigen?", brummte der Wolf, der kurz darauf seine Arme wieder um das Lamm legte, es an sich heranzog und sich fragte, was genau er damit eigentlich bewirken wollte, als er sein Gesicht in der Schulter Rains vergrub. "Werde ich nicht, aber das ändert noch immer nichts daran, dass ich dich gerne habe."
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    • "Ja, wir haben einander und das zählt. Ich bin froh darüber.", entgegnete Rain und drückte den Wolf an sich, der seine Arme wieder um ihn geschlungen hatte. "Lassen wir uns Zeit..." Rain streichelte sanft über den Hinterkopf des Wolfes, als müsse er ihn immer noch trösten und genoss gleichzeitig die Wärme an seinem Rücken, der jetzt, wo er nicht mehr so aufgeregt war, wieder eiskalt geworden war. Ihm war kalt, aber jetzt wo Nayantai ihn wieder im Arm hielt, war es um Einiges besser, er wollte ihn eigentlich gar nicht mehr los lassen. "Es ist in Ordnung, wenn es dir nicht gut geht.", murmelte Rain beruhigend und streichelte einfach weiter. "Es gibt keinen Grund mich deswegen anzulügen." Rain log oft genug über seinen Zustand, aber die Momente, in denen er seine Maske fallen gelassen hatte und einfach in den Armen des Wolfes geweint hatte, waren so befreiend gewesen. Es ging ihnen beiden nicht gut, aber warum sollten sie das voreinander verbergen, wenn sie ihr Leid auch teilen und zusammen durchstehen konnten, was sie bedrückte.

      Rain hätte gerne gesagt, dass sie alle Zeit der Welt miteinander hatten, aber so war es nicht. Dennoch hatten sie noch einige Wochen Winter vor sich, in der sie tun sollten, was sie wollten, nicht mehr und nicht weniger. Wenn sie einander nie mehr so weit gehen ließen, dann war nichts Schlechtes daran, solange sie sich beide nur wohl fühlten. Nayantai war Rain bereits viel zu wichtig, als dass er ihn nötigen würde, sich selbst zu etwas zu zwingen. Rain würde ihn wieder aufhalten, wenn er merkte, dass Nayantai bereits zu viel gegeben hatte, weil er auseinander fiel und nicht noch etwas von sich verschenken sollte, während er schon so viele Teile von sich auf dem Weg hierher verloren hatte. "Wie kommst du auf die Idee, dass du nicht ebenfalls bereits dafür sorgst, dass ich mich besser fühle?", fragte Rain mit einem leichten Lächeln auf den Lippen, dessen Herz nun nicht mehr nur für sich selbst schlug. "Du schuldest mir nichts. Ich esse wieder, ich lache wieder, ich... fühle mich tatsächlich, als wäre ich doch noch am Leben und nicht nur ein Geist, der in dieser Welt gefangen ist. Ich habe dich auch gerne, sehr sogar..."
    • "Ich auch ... wir müssen uns nicht beeilen", dennoch war die Behauptung, der Schnee würde nirgendwohin verschwinden eine Lüge, so wie einiges, das sie bereits gesagt hatten. Nayantai wusste, dass es nicht unmöglich wäre, eine Zeit hierzubleiben doch irgendwann war ein gewisser Punkt, eine Schmerzensgrenze erreicht, an der sich der Wolf eingestehen musste, dass er zu gehen hatte, dass nicht länger möglich war, den Zeitpunkt hinauszuzögern, ohne sich selbst zu verletzen oder in Gefahr zu bringen. "Ich wünschte, es würde mir gut gehen ... ich wünschte ...", nuschelte der Wolf, der sich weiterhin in der Schulter des Lammes versteckte und nicht länger daran denken wollte, dass es unmöglich war, hier zu sein - ein Wolf zu sein - mit Rain zu verkehren und seine Hände an ihn zu legen. Er fühlte sich schwach, alleine und ausgelaugt, als könnte er jeden Augenblick wieder einschlafen, als würde sein Körper sich gerade selbst ausschalten und entschieden haben, dass es nicht weiter wichtig war, ob er nun wach wäre oder nicht - seine Träume waren auch ein Ort, an dem er sein konnte. "Es tut mir leid", murmelte Nayantai in Rains Schulter. Am liebsten würde er sich verstecken, wenn er ehrlich war, für immer, vor dieser Welt, zusammen mit Rain.

      Wie lange er hier wohl noch liegen konnte, mit den Armen um das Lamm gelegt und die destruktiven Gedanken in den Hintergrund gerückt? Wochen oder doch noch einen oder zwei Monate? Würde er es denn verschmähen, wenn er wieder gehen müsste? Hatte er einen Grund hierzubleiben? "Ich ... du ... was?", fragte Nayantai nach - nicht, weil er nicht zugehört hatte oder verwirrt war sondern eher, weil er nicht ganz glauben konnte, was das Lamm da von sich gab. Ausgerechnet er sollte ihm geholfen haben? Das hörte sich wie ein schlechter Witz an. "Du fühlst dich besser ... wegen mir?", harkte er nach und nahm endlich sein Gesicht von Rains Schulter, starrte ihn ungläubiger denn je an und war sich sicher, dass er sich verhört haben musste. Anders konnte es gar nicht sein, wie sollte er auf solche Worte schon reagieren? Wie in einem Traum fühlte er sich, auch, wenn seine Sinne wieder aufklarten und das Herz in seiner Brust nicht mehr schlug, wie wild. "Vielleicht zu gerne, so wie ich ... viel zu gerne", sprach Nayantai, als er sich endlich wieder dazu aufraffen konnte, dem Lamm in die Augen zu sehen, oder zumindest den Teil von ihnen, den er in dieser Dunkelheit erkennen konnte. "Rain, ich fühle mich so ..." Es vermochte keiner Worte mehr, als der Wolf schließlich herzhaft gähnte und sein Gesicht wieder gegen die Brust des dürren Lammes drückte. "Kann ich hierbleiben?"
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    • Der Traum vom Süden kam Rain immer wieder in den Sinn, weil er Nayantai weder hier festhalten, noch ihn nach Thria begleiten konnte, aber eigentlich konnten sie beide auch ihr Land nicht im Stich lassen und würden am Ende nur beide gleich viel Falsch gemacht haben. Die Zeit die sie hatten zu nutzen, war das einzige, das sie tun konnten und vielleicht heilten sie ihre kalten Herzen, damit danach Platz für andere darin sein konnte, auch wenn Rain sich nicht vorstellen konnte, jemals einen anderen dort hin einzuladen. "Mhm... es wird besser werden Nayantai...", murmelte Rain sanft, streichelte den Wolf weiter, damit er sich nicht so alleine und verloren fühlte. Er war hier nicht alleine, er würde bei Rain immer eine Schulter finden, an die er sich lehnen konnte, wenn er es brauchte und er war sicher hier, niemand würde dem Wolf etwas antun und wenn Rain allen klar machen musste, dass er hier immer noch das sagen hatte. Er würde den Wolf beschützen und nichts konnte ihn von diesem Versprechen abbringen.

      Nayantai war offenkundig verwirrt, hatte Rain wieder zu schnell gesprochen? Er sollte sich das Geplapper in seiner Sprache abgewöhnen, oder zumindest versuchen langsam zu sprechen und Worte zu verwenden, die nicht so schwierig waren und die der Wolf auch kannte. Aber nein, der Wolf hatte ihn tatsächlich verstanden und starrte Rain nun mit seinen dunklen Augen an. Rain konnte sich ein leichtes Lachen nicht verkneifen. "Siehst du? Schon wieder!", entgegnete er und schüttelte leicht den Kopf. "Spaß beiseite, ja, das tue ich. Es ist sehr einsam hier und alle die ich je geliebt habe, sind schon tot, bis auf meinen Vater und der ist selten hier. Mein Körper ist kalt und fällt in sich zusammen, aber seit du hier bist, fühle ich mich besser. Das Essen schmeckt mir wieder und ich stehe morgens gerne auf, damit ich den Tag mit dir verbringen kann und auch wenn meine Haut immer so kalt zu bleiben scheint, mir wird warm... wenn du in meiner Nähe bist. Also ja, du hilfst mir... und ich habe dich... viel... zu gerne, es gibt also keine Schulden, die du irgendwie aufwiegen müsstest." Er plapperte schon wieder zu viel, hatte vermutlich mehr gesagt, als er hätte sagen sollen, aber es war alles wahr. Ihm war egal ob hinter all dem ein Zauber steckte, oder ob die Gefühle echt waren, er fühlte sich lebendig und auch wenn sie in den letzten Tagen oft geweint hatten, oder sich stritten, dann bereute Rain das alles nicht. Er drückte Nayantai einen Kuss auf den Scheitel, als er seinen Kopf wieder an Rains Brust drückte. "Natürlich kannst du das! Was für eine Frage!", lachte Rain erneut, löste sich aber dennoch von Nayantai. Er setzte sich auf und zog erst einmal das Oberteil über seinen Kopf, damit er nicht erfror und am Ende schon wieder ans Bett gefesselt war und dann sah er sich die ganzen Federn an, die immer noch verstreut im Bett lagen. "Wir sollten die Federn zumindest auf den Boden fegen."
    • Machten sie beide sich denn nichts vor? War es denn nicht die Wahrheit, dass sie sich den Weg in den Süden lediglich suchten, weil sie sonst nirgendwohin konnten? Nayantai war hier nicht willkommen, gleich wenig wie Rain ein Zuhause inmitten der verteufelten Schneemassen Thria's finden würde - das wussten sie beide nur zu gut. In Wahrheit war das hier nicht mehr als eine Ausflucht, eine Ausrede zweier Adeliger, die die Welt nicht mehr sehen konnten oder gar wollten - die aufgehört hatten, an sie zu glauben oder an den Verstand ihrer Mitmenschen appellieren zu wollen - viel lieber ließen sie sich vom unkenntlichen Schwarz verschlucken, wurden eines mit der scherbelnden Dunkelheit, lachten im Miasma ihres eigenen Untergangs fröhlich vor sich hin und akzeptierten, dass es absolut nichts mehr gab, das sie noch tun konnten, so sehr sie es auch wollten. "Mit dir, bestimmt", wisperte er, auch wenn er bereits wusste, dass er nicht ewig hier bleiben konnte - dass es keine Zukunft gab, in der sie beide zusammen existieren konnten. Eingestehen wollten sie es sich dennoch nicht und das war, vermutlich, ihr größter Fehler. Was war die Wahrheit denn auch, wenn nicht eine Lüge, eine Ausflucht, die sich so viele von ihnen suchten, die nicht länger auf ihren eigenen Beinen stehen wollten, sondern lieber losließen und von einer anderen Welt träumten.

      Nayantai wusste nur zu gut, dass er seinen Mund nicht hätte öffnen sollen, dass er sich nicht hätte entschuldigen sollen und doch hatte er es getan, wurde von Rain dabei ermahnt und fühlte sich wieder schlecht, weil er seinen Mund überhaupt erst geöffnet hatte. Was hätte er sonst tun sollen? Schweigen und hoffen, dass er sich nicht noch schlimmer fühlen würde, käme er erst zur Realisation, dass sein Körper sich wieder beruhigte? "Dann sind wir uns ja einig ... ich will dich auch nicht mehr alleine lassen", sagte er und hielt Rain weiter in seinen Armen, dachte er doch auch gar nicht erst daran, dass es noch immer Federn gab, die das Bett einkleideten und denen sie entkommen mussten, damit sie einen angenehmen Schlaf hätten. "Du bist so angenehm. So, als müsste ich nicht verbrennen, wenn du in meiner Nähe bist." Rain war kalt, so kalt wie der Schnee, so angenehm wie dieser auf seiner wunden Haut auch sein konnte, aber spätestens dann, wenn er alles gespürt und in sich aufgenommen hatte, wenn Rain ihm die Wärme stahl, brauchte er eine neue Kältequelle, die nicht so schnell schwand. Der Kuss, den er nur schemenhaft vernahm, ließ sein Herz wieder höher schlagen - gleich, wie es die Worte des Lammes taten. "Danke, Rain ...", nuschelte er und war eigentlich im Inbegriff, die Augen wieder zu schließen, als man sich neben ihm rührte und er sich murrend aus dem Bett hievte. "Am besten, wir nehmen einfach die Decke und schütteln sie irgendwo aus." Dabei fing er jedoch schon an, die Federn von der Matratze aufzusammeln, damit eben jene sie beiden auch nicht stören konnten.
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    • Es tat Rain leid, dass er den Wolf noch einmal aus dem Bett scheuchte, der es sich schon so bequem gemacht hatte und offenbar lieber schlafen wollte. Rain war nicht sicher, ob es ihnen nicht bald schwer fallen würde, ohne einander einzuschlafen, weil sie sich zu sehr aneinander gewöhnten. Ob die Umarmung eines anderen Menschen sich so anfühlte wie die von Nayantai, oder war er der einzige, der Rain so warm halten konnte und war auch der Einzige, der seine kalte Haut nicht als unangenehm empfand. Nayantai hingegen fände vielleicht die Wärme einer anderen Person unerträglich, es wirkte gerade so, als würden sie zusammen gehören. Umso schmerzlicher war es, dass der Wolf nicht ewig hier bleiben konnte, dass er nach Hause musste, zu seinem Volk, während Rain in Fhaergus blieb und hier seinen Pflichten nachging. Wieso konnten sie nicht jemand anderes sein, einfache Leute, deren Leben so unwichtig war, dass es keinem auffallen würde, wenn sie eines Tages einfach verschwanden...

      Rain stand gänzlich auf und dachte über Nayantais Vorschlag nach. Er wollte die Sache schnell erledigen und zurück ins Bett, seine Füße waren jetzt schon eiskalt und sie beide waren müde. "Aus dem Fenster?", fragte er, weil ihm nichts besseres einfiel. Der Wind würde die Federn verwehen und es war ja schließlich auch egal, oder sollten sie sie lieber aufheben, damit man sie zurück in den Polster stopfen konnte, wenn dieser geflickt war? Wenn Rain nach draußen gehen würde, um irgendein Behältnis zu suchen, dann müsste er sich zuerst anziehen und dazu war er zu faul, zumal man ihn wohl fragen würde, was er da trieb, sollte er jemandem über den Weg laufen und auch das klang eher unerfreulich. Rain seufzte und griff nach dem kaputten Polsterstoff, zurück Stopfen war vermutlich auch nicht möglich, aber er legte den Stoff zumindest mal auf den Nachttisch neben seinem Bett. "Wenn wir auf dem Boden einen Haufen machen, wird sich morgen schon jemand um den Rest kümmern.", meinte er schließlich. Vermutlich sollten sie nicht nur die Decke ausschütteln, sondern das Laken vom Bett ziehen und nachher wieder auf die Matratze legen.
    • Am liebsten wäre der Wolf dort und da, an Rain gekuschelt, eingeschlafen - aber die Option gab es für ihn leider doch nicht, zumal sie die lästigen Federn noch loszuwerden hatten. Wie es wohl wäre, kämen sie dazu, sich ihrer Müdigkeit endlich zu ergeben und vermutlich erneut fast einen ganzen Tag zu verschlafen? Wohin würde sie beide das noch bringen? Aber vielleicht wäre es nicht schlecht, von einer Zukunft zu träumen, die es nie gäbe, damit sie beide nicht auf dumme Ideen kamen, damit sie ihre Gedanken und Gefühle für sich behalten konnten, auch, wenn sie bereits damit angefangen hatten, sich gegenseitig ihre Gefühle zu gestehen, weil sie beide nicht in der Lage schienen, ihre Münder zu halten. "In Thria ist das alles etwas einfacher ...", nuschelte Nayantai und griff nach der Decke, die er über dem Boden einfach ausschüttelte, bevor er sie über den Sessel am Fenster hing. In Thria lag man entweder - wenn auch seltener - in einem riesigen Haufen Heu, wenn man es unbedingt darauf ankommen lassen wollte, die Sterne zu sehen oder aber auf einem Meer aus Tierfellen, die einen warmhalten sollten, wenn es immer kälter wurde. Es gab keine lästigen Federkissen, die einfach ins Nichts zerfielen und es würde auch keine Decken geben, die vermutlich mit demselben Material gestopft waren - aber hier, in Fhaergus, sollte ihn das nicht stören.

      "Ich glaube, wir hatten für heute genug kalte Luft", und außerdem lagen die Federn ohnehin schon auf dem Boden, wo Nayantai begann, sie einigermaßen zusammenzuschieben, damit er sie nicht lose auf dem Boden herumflattern würden und sich beim kleinsten Windstoß wiederum in alle Himmelsrichtungen verteilen würden. "Ich hätte einfach vorgeschlagen, dass wir den Polster selbst nähen, aber dazu fehlt mir Nadel und Faden", seufzte er. Ihm war jedoch auch klar, dass es unmöglich für ihn war, zu wissen, was er eigentlich tun sollte - das hier waren keine Felle und auch kein Stoff, den die Wölfe verwendeten - er hatte also keinerlei Ahnung davon, wie man ein Kissen stopfte, geschweige denn glaubte er, er müsste derartige Dinge wissen. Außerdem stellte sich der Versuch, die einzelnen Federn einfach so aufzuklauben als etwas schwierig heraus, weswegen Nayantai unzufrieden grummelte, als er sie - eben einzeln - aufpickte. "Wäre es nicht leichter, wenn wir das ... Ding ... was ist das überhaupt?", fragte er verwirrt, zupfte an dem Stück Stoff. Wieso mussten die Schafe sich all diese Dinge so dermaßen kompliziert machen? Wollten sie das so, oder waren sie eher der Meinung, dass das so gehörte? Hatten sie den Verstand verloren?
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    • Rain sah dem Wolf zu, er sah etwas unglücklich aus, sich jetzt noch die Arbeit machen zu müssen. Rain konnte auch einfach jemanden her holen, der das erledigte, aber dann müsste Nayantai sich eine Zeit lang in sein Zimmer verziehen und das war auch keine angenehme Vorstellung. "Tut mir Leid...", seufzte Rain, obwohl er für die Situation genau so wenig konnte, wie Nayantai. Jedoch fing er an die Polster vom Bett zu räumen und gegebenenfalls einzelne Federn von ihnen zu picken, damit sie sie später nicht störten. "Du musst nichts nähen.", erklärte Rain, der nicht wusste, ob Nayantai glaubte, alles wäre so einfacher, oder ob das irgendwie seine Pflicht war. Nein, Rain hatte genug Leute die solche Aufgaben übernehmen konnten und es war nur ein einfacher Polster. Aber sein Blick folgte Nayantais Fingern, die an dem Bett herum zupften. "Das Laken?", fragte Rain, "Ja, das dachte ich auch, wir können es einfach ausschütteln, so wie die Decke."

      Rain machte sich also daran auf seiner Seite des Bettes zu einer Ecke zu gehen und das Laken dort unter der Matratze hervor zu ziehen. Er Ging die Kante entlang und zupfte es überall hervor, bis er au der anderen Seite ankam. Wusste Nayantai wirklich nicht was das war? Wollte er es überhaupt wissen? "Das lässt sich leichter Waschen, als die Matratze. Deswegen liegt es darüber.", erklärte Rain knapp, wusste aber nicht, ob Nayantai das auch verstand. Es war auch egal, warum die Schafe ein Laken über ihrer Matratze hatten, aber das machte es nun ein wenig einfacher, die Federn los zu werden. Ein Bett der Wölfe bestand also nur aus Fellen? Das klang eigentlich gar nicht so bequem, selbst wenn es ein Berg davon war und nicht nur ein Fell, das auf dem Boden ausgebreitet war. Und Waschen ließ es sich auch nicht so gut... Rain wurde klar, dass sie tatsächlich in zwei völlig verschiedenen Welten aufgewachsen waren.
    • Die Watte schien, als wäre sie aus seinem Kopf verschwunden und allgemein glaubte der Wolf, dass es tatsächlich anfing, ihm besser zu gehen, als vor wenigen Minuten noch. Schmerzen hatte er keine mehr, wenn auch gleich sie nur aus Angst entstanden waren - er fühlte sich wieder, als wäre er in einem Stück, als wäre er derjenige, der hierher gehörte und der sich gegen die eigene Müdigkeit zu sträuben hatte, damit er ihr nicht dem sanften Ringen in seinen Ohren verfiel, die ihm wohl sagen wollten, dass er bereits genug getan hatte - dass es in Ordnung war, einfach einzuschlafen und keinen Mucks mehr von sich zu geben. "Wofür entschuldigst du dich? Ich will dir nur helfen - ich kann dich schlecht alles alleine machen lassen, wenn ich auch Mitschuld daran bin, dass es hier aussieht, als hätten wir drei Hühner gerupft", brummte der Wolf, der nicht viel Ahnung von dem Laken oder den Gepflogenheiten der Schafe hatte. Als Rain nun aber nach diesem griff, tat Nayantai es ihm gleich, war jedoch weniger sanft als er - was, wohl zu seinem Glück, doch nicht darin resultierte, dass er ihn zerriss. "Nein, das ... ist eine gute Idee, aber ... so habe ich das eigentlich nicht gemeint", gestand er dem Lamm beschämt und grinste ebenso, als fühlte er sich wie auf frischer Tat ertappt. Dabei hatte er nichts Falsches getan, geschweige denn hatte er sich falsch verhalten, nicht?

      Zu viele Gedanken suchten sie beide heim, das war ihm klar - sie schwirrten in ihren Köpfen herum, setzten sich fest und sorgten schließlich für Unmut - aber das war wiederum egal, wenn sie ihre Fesseln erst ablegen würden, nicht? Nayantai beneidete Rain nicht um sein Schicksal, Rain beneidete ihn vermutlich auch nicht um das Seine - doch auch das hieß nicht, dass sie beide nicht frei sein wollten, so wie die Vögel, die um ihre ineinander verschränkten Leichen vermutlich noch Kreise ziehen wollten, damit sie ihnen zumindest die Augen aus den Schädeln picken konnten. "Hm, so sieht es auch aus", murmelte er und hob es an, weg vom Bett und der Matratze, damit er es mit Rain ausschütteln konnte und die vielen Federn wieder in die Luft katapultierte - keine davon sollte sie beim Schlafen stören, zumindest hoffte er darauf. "Die Federn sind wirklich wie frischer Schnee", gestand er und sah nach oben, ließ sich berieseln und entschied wohl für sich selbst, dass es in Ordnung war, wieder Federn in seinen Haaren zu haben, die sich überall verheddern konnten. Behutsam legte er den Laken wiederum auf dem Bett ab, sah, dass Rain es ihm gleich tat, bevor er sich wieder in eben jenes fallen ließ. "Ich bin müde ... komm her ...", jammerte der Welpe.
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    • "Ich... naja... es ist halt doof, dass wir nochmal aufstehen mussten.", lächelte Rain und zuckte mit den Schultern, während er die Zipfel des Lakens festhielt, damit sie die Federn woanders hin transportieren konnten. "Was wolltest du denn mit dem Laken tun?", fragte Rain etwas verwirrt und sah in das grinsende Gesicht des Wolfes, das ihn nur noch neugieriger machte. Er schmunzelte, wollte er es verbrennen? Wegwerfen? Nein, Rain hatte keine Ahnung, auf was für eine seltsame Idee der Wolf gekommen sein mag. Wer wusste schon, auf was für schräge Gedanken ein Wolf kommen konnte, der in einem Steinhaus eingesperrt war und vermutlich noch nie zuvor in einem weichen Bett geschlafen hatte. Vermutlich auf Gedanken, die ein einsames Schaf, das nichts von der Welt wusste, niemals kommen konnte. Er war auch zu müde, um seiner Fantasie tatsächlich freien Lauf zu lassen, immerhin war er vor einiger zeit schon drauf und dran gewesen einzuschlafen, nur um dann lieber mit dem Wolf aus dem Fenster zu starren und sich mit Kissen zu bekriegen und genau deswegen waren sie jetzt immer noch nicht im Bett. Stattdessen ließ der Wolf die Federn nach unten regnen und bekam nur noch mehr in seine Haare, die Rain auch gleich heraus sammeln würde. Schmunzelnd, brachte er mit ihm das Laken zurück zum Bett. "Die Hälfte der Federn hängen jetzt ohnehin wieder in deinen Haaren."

      Der Wolf hielt wohl nicht viel davon, das Laken wieder straff zu spannen und Rains Finger waren zu müde für so viel zusätzliche Anstrengung heute, also stopfte er seine Seite nur halbherzig unter die Matratze. Der Wolf wollte zugleich wieder kuscheln und Rain schüttelte lächelnd den Kopf. "Ich komme gleich.", seufzte er mit einem leichten Grinsen und bückte sich, um die Polster wieder auf das Bett zu werfen. Anschließend holte er seine von Federn befreite Decke, mit samt dem Fell, das darüber gelegen hatte von dem Sessel beim Fenster. Erst dann kam er zurück zum Bett, legte alles ab und kroch ebenfalls hinein zu Nayantai. Rain deckte sich zu, so wenig anzuhaben und nicht unter seiner dicken Decke zu liegen, war nicht gerade eine gute Idee und er merkte, wie sein Körper selbst dann noch zitterte, als er bereits unter der Decke lag, auch wenn er versuchte seinen Körper daran zu hindern. Unter der Decke war es mindestens so kalt, wie außerhalb und Rain konnte die Luft darunter ja schwer aufwärmen, wenn er selbst so kalt wie ein Eiszapfen war.