spellbound. (earinor & akira)

    • Zu viel redete er sich ein - sie beide waren nicht mehr, als vom Moment verblendet. Rain wusste, dass sie nicht für immer aneinander hängen konnten, wusste, dass sich mit dem Schnee auch Nayantai davonstehlen würde, mit leeren Händen und eventuell auch gar keinen Sorgen darüber, dass sich das Lamm darüber grämen würde, dass der Wolf es alleine ließ. Aber bis dahin gab es noch mehr als genug Zeit, die sie nutzen konnten, verschwenden und vergeuden durften, so, wie sie wollten - in diesem Fall damit, sich gegenseitig spielerisch zu bekriegen - ihre Sorgen zu vergessen und sich auf so viele andere Dinge zu konzentrieren. Nayantai war froh, hier zu sein - es fühlte sich so an, als würde nicht nur sein Herz auftauen, sondern als wäre er tatsächlich ein Mensch; als könnte er atmen, als müsste er nicht mehr in einer schäbigen Zelle hausen und von schöneren Zeiten träumen. "Ach, wenn wir nur das tun würden, was wir sollten, dann wäre es doch langweilig - wieso tun wir nicht einfach, was wir wollen?", unterbreitete er Rain und grinste ihn etwas schief an. Sie beide wollten nicht länger eingesperrt sein, sie beiden wollten nicht, dass man sie weiterhin so behandelte, wie bisher. Nayantai würde sich selbst belügen, wenn er jedoch behaupten würde, dass Rain nicht das war, was er wollte.

      "Meine!", gab er sofort zu und streckte ihm die Zunge heraus - wenn Rain wollte, dann sollte er sich an ihm rächen, damit sie quitt waren - auch, wenn Nayantai das nicht ohne Gegenwehr zulassen würde. "Und, was willst du dagegen unternehmen?", fragte er lachend, bekam aber seine Antwort schon in Form eines Kissens, das ihn traf, weil er für einen Moment nicht genau hingesehen hatte. Noch immer grinsend nahm er sich dieses aus dem Gesicht, nur, um selbst einen Haufen Federn in sein Gesicht und seine Haare gepustet zu bekommen. Rache war süß, ja. "Ich muss zugeben, das war ein taktisch gut durchdachter Angriff", sprach der Wolf, der das Kissen losließ und nach ein paar Federn griff, die sich auf dem Bett angesammelt hatten, während er mit seiner anderen Hand die einzelnen Federn aus seinem Gesicht wischte und pickte, so gut er konnte. "Aber", gab er von sich, als er Rain näher kam und schließlich seine Stirn gegen die des Lammes presste. "Ein Überraschungsangriff ist auch gut." Ohne Vorwarnung küsste er das Lamm auf die Lippen, warf die Federn in die Luft und ließ sich zurückfallen, damit sie wenigstens nicht auf seinen Kopf herabrieselten. Leises Lachen huschte über seine Lippen, während er nun da lag und grinste.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Machen wir das nicht schon?", fragte Rain lächelnd, "Was wir wollen und nicht was wir sollten?" Sie verstanden sich, sie mochten sich, sie umarmten sich... sie küssten sich sogar, das war alles nicht was sie tun sollten, aber was sie ganz offensichtlich wollten. Sich daran zu halten was richtig war, schien viel zu schwer zu sein und sie beide hatten wohl oft nicht die Gelegenheit gehabt das zu tun, worauf sie wirklich Lust hatten. Rain sollte den Wolf einsperren, oder zumindest sein Vertrauen erschleichen, damit er mehr über Thria erfahren konnte und diese Information an den König weiter leiten konnte, aber das wollte er nicht. Nayantai sollte Rain hassen, allein dafür, dass er ein Schaf war, noch dazu eines, das seine eigenen Truppen ebenfalls nach Thria schickte, um die Wölfe zu töten. Er sollte ihn hassen und vermutlich sogar versuchen ihn zu töten, aber das war nicht, was der Wolf wollte. Viel lieber wollten sie einander ein wenig Glück schenken, damit sie sich in ihrer Haut wohler fühlten.

      "Dachtest du, ein Lamm kennt keine Kampftaktiken?", schmunzelte Rain, er hatte sich in Wahrheit eine Zeit lang viel damit beschäftigt. Er hatte sich nicht nur mit denen seinen Vaters oder denen Adrestias beschäftigt, sondern mit allem was er finden konnte. Ab und zu hatte er ein Thema, das ihn tatsächlich interessierte, da stürzte er sich dann hinein und lernte alles darüber, was es zu lernen gab, auch wenn eine Kissenschlacht nun wirklich kein echter Kampf war. Das wurde evident, als der Wolf Rain auf einmal so nahe kam. Rains Wangen wurden rot, er hielt inne und erhielt einen Kuss. Obwohl ihm ein Angriff angekündigt wurde, erstarrte er für einen Moment und sah dem Wolf nach, als dieser sich so schnell zurück zog, wie er aufgetaucht war. Als die ersten federn auf Rain herunter fielen, sank er ein wenig in sich zusammen. "Das war unfair...", beschwerte er sich nuschelnd und ließ die Federdusche über sich ergehen. Er schüttelte erneut den Kopf und wischte ein paar Federn von seinem Kopf. "Ich schätze du hast gewonnen. Ich gebe auf...", lächelte er, weil er schlicht nicht wusste, wie er sich noch rächen sollte. Ob der Wolf nun eine Belohnung verdient hatte? Vielleicht ein paar extra Kekse? Obwohl, das war Quatsch, davon konnte er ohnehin so viele haben, wie er wollte. Seufzend krabbelte Rain nach vorne und ließ sich neben Nayantai ins Bett fallen. "Das hat Spaß gemacht."
    • "Da hast du sogar recht ... es scheint, als wären Regeln nicht wichtig", gestand er Rain. Regeln befolgte keiner von ihnen, aber das mussten sie auch nicht - sie waren alleine, konnten tun und lassen, was sie wollten und spätestens, als Rain den Wolf in sein Bett gelassen hatte, war sowieso schon alles zu spät. Sie standen sich in nichts nach, auch, wenn sie wussten, dass sie das hier nicht tun sollten, schienen sie nicht umher zu kommen, sich wiederum zu verbotenen Dingen verleiten zu lassen und die Hände aufeinander zu legen, einander ein flüchtiges Lächeln zu schenken oder einen Kuss zu teilen. "Deswegen glaube ich auch nicht, dass ich dich alleine hier lassen kann", fing er wieder an und wollte sich am liebsten selbst dafür schlagen, weil er wiederum nur dafür sorgte, dass Rain und er sich immer wieder über die gleichen Dinge den Kopf zerbrachen. Was würde er auch mit einem kleinen, schwachen Lamm machen? Wenn sie auf andere Wölfe trafen, würden sie ihn zerfleischen und sich ihn einverleiben, würden dafür sorgen, dass all die Hoffnungen, die Nayantai gehabt hatte, im Keim erstickten, während Rain sein Leben lassen konnte, weil er töricht genug gewesen war, sich von einem Wolf etwas einreden zu lassen.

      Sein Leben wäre ein schöneres, ein sichereres, bliebe er hier - ließ er sich anleinen, würde er sich verhalten wie ein zahmer Hund, der nicht mehr wusste, als wie er den Befehlen seines Besitzers folge leistete. Konnte er das denn? Sich einfach selbst aufgeben und darauf hoffen, dass der Rest der Schafe einfach akzeptierte, dass er ein zahmer Hund geworden war. "Das habe ich nie behauptet", brummte er als Antwort - nein, wenn er glaubte, dass ein Lamm sich nicht mit dieser Welt auskannte, dann hatte er schon verloren, bevor er überhaupt die Zeit gehabt hätte, um nach einer Waffe zu greifen. Von oben herab rieselte es Federn, er lag im Bett eines Lammes und er fraß ihm beinahe schon aus der Hand - es war dumm, sich so zu verhalten und zu akzeptieren, dass der eigentliche Feind ein Freund geworden war. Nayantai lachte. "Keiner kämpft fair, aber ja - das war wirklich gemein", gestand Nayantai. Rain hatte er zu seinem eigenen Vorteil missbraucht, nur, damit er schließlich doch gewinnen konnte - das war wirklich nicht fair. Vielleicht sollte er auch einfach einen Gang zurückschrauben und darauf hoffen, dass es das Lamm doch nicht so sehr grämte. "Gibt es bei solchen Sachen überhaupt einen Gewinner?" Das hier war kein wirklicher Kampf, hier floss kein Blut, hier gab es keine Schreie, keinen Tod - sondern nur sie beide, die sich von so vielem dazu verleiten ließen, einfach über ihre Differenzen hinweg zu sehen. Nayantai lächelte. "Ja, hat es ...", murmelte er und drehte sich zu Rain, nahm ihn wieder in den Arm. "Willst du wirklich auf dem Berg Federn liegen bleiben?"
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Sind sie nicht, du musst dich, wenn wir alleine sind, auch an keine halten, wirklich.", lächelte Rain und schmunzelte anschließend ein wenig, "Du musst auch kein Hemd anhaben, wenn nur wir beide hier sind, aber das hast du ja ohnehin schon nicht." Rain hielt auch nicht gerade die Kleiderordnung ein, obwohl er in Gesellschaft war, so war es aber schlicht und einfach viel bequemer und darauf, was er an hatte, kam es jetzt schließlich auch nicht mehr an. Das farblose Hemd, das schlampig von seinen Schultern hing - und keine Knöpfe besaß - störte den Wolf bestimmt nicht und allen anderen war es egal, was er anhatte, während er sich von einem Wolf umarmen ließ, weil das nicht wäre, worauf sie achten würden. Dass er keine lange Hose mehr anhatte, war allerdings zu seinem Nachteil, jetzt da er auf so vielen Federn lag und sie ihn ständig irgendwo kitzelten. "Lass uns einfach sehen, was auf uns zukommt. Vielleicht dauert der Winter ja unerwartet länger...", murmelte Rain und ließ sich erneut von dem Wolf in den Arm legen, der es tat, als hätte er nur darauf gewartet, seine Arme endlich wieder um sein Lamm zu legen.

      "Mach dir keine Sorgen! Ich habe auch nicht fair gekämpft... aber du hast mich überrascht.", lächelte Rain und vergrub sein Gesicht bei Nayantais Hals. Jetzt wo er sich nicht mehr bewegte, wurde es auch wieder kühler und er genoss die Wärme, die der Wolf ausstrahlte. "Nein, wenn überhaupt, dann gibt es keinen Verlierer, immerhin hatten wir beide Spaß, oder?", kicherte er, "Aber ich habe aufgegeben, also steht dir wohl eine Belohnung zu, wenn du eine willst." Die Federn unter sich pieksten ihn und kitzelten die nackte haut bei seinen Füßen, aber er wollte sich nicht recht bewegen. Dennoch hatte Nayantai recht. "Nein... ich schätze, wir sollten sie zumindest vom Bett wischen. Sie kitzeln mich.", erklärte er und zupfte eine Feder aus Nayantais langen Haaren. Als er die Feder dann über die Haut an Nayantais Hals wandern ließ, nutzte er die Erklärung zugegebener maßen nur als Ausrede. "Kitzeln.", wiederholte er in der Sprache der Schafe, um Nayantai das Wort näher zu bringen, tatsächlich benahm er sich aber eher wie ein Kind, das wissen wollte, was für eine Reaktion es erhielt und wie weit es gehen durfte.
    • "Du hast recht ... ich kann tun und lassen, was ich will, so lange du es zulässt", lachte der Wolf, der seine Arme um Rain schlang und ihn am liebsten gar nicht mehr gehen lassen würde. Morgen war auch noch ein Tag, das entsprach der Wahrheit, aber sie wären vermutlich auch noch nicht müde genug, um einfach einzuschlafen. "Ich kann eines anziehen, wenn du das willst", sprach er, schmunzelte amüsiert. Auch, wenn Rain das von ihm wollen würde, dann würde er es sich vermutlich in ein paar Minuten wieder vom Leib reißen, sich beschweren, dass es ihn störte, dass es unbequem war, dass er viel lieber seine eigene, warme Kleidung anzog, als was auch immer die Schafe von diesem kratzenden Stück Stoff hielten. "Und vielleicht muss ich dann noch etwas länger hierbleiben", murmelte er, wusste nicht, ob er es sich freuen sollte, oder weinen sollte. Nayantai wusste, dass er auch noch Rechte und Pflichten hatte, während er hier war, jetzt, da er eine Chance auf Rückkehr nach Thria hatte. Bis dahin gab es jedoch noch Zeit, die es totzuschlagen galt und ein Lamm - sein Lamm - das er nicht hier lassen könnte, wenn er weiter in das tiefe Loch fiel, das sich vor ihm aufgetan hatte. Kronprinz hin oder her, Aufgaben und Pflichten hin oder her - glaubte sein Vater wirklich noch, sein Sohn würde leben?

      "Ich hab' es doch auch einen Überraschungsangriff genannt", neckte er erneut, kuschelte sich jedoch an Rain und ließ ihn tun, was er wollte. In nichts standen sie sich nach, das war klar - sie waren beide nicht mehr, als zwei verlorene Seelen, die zueinander fanden und sich gegenseitig helfen wollten, wieder auf ihre Beine zu finden. "Ja, hatten wir", antwortete er ihm. "Mir würde nichts einfallen, womit du mich belohnen könntest - ich habe alles, was ich will", gestand er dem Lamm. Rain war in seinen Armen, ließ sich von dem Wolf halten und kuschelte mit ihm - und würde nicht so schnell wieder verschwinden, geschweige denn auch nur einen Gedanken daran verschwenden, ihm zu entkommen, wie es schien. "Und ich sollte sie mir aus den Haaren suchen ... du auch", ansonsten sahen sie morgen vermutlich so aus, als wären sie bei den Hühner geschlafen, denen diese Federn vermutlich gehörten. Nayantai würde nicht erklären können, was sie getan hatten und Rain würde auch diese Erklärung lieber nicht abgeben, glaubte der Wolf. Kein Wunder also, dass er etwas verwirrt zu der Feder starrte, die seinen Körper berührte. "Das soll ... kitzeln?", vielleicht war seine Haut auch schon taub geworden, aber viel eher glaubte er, dass Rain nicht die richtige Stelle berührte. Es fühlte sich ungewohnt an, ließ an diversen Stellen einen Schauer über seinen Rücken jagen - Nayantai schluckte, nahm eine Feder aus Rains Haar und strich damit über dessen Hals. "Kitzelt das denn?" Was dieses Wort bedeute, das wusste er ehrlich gesagt noch immer nicht.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Selbst wenn Rain etwas nicht zulassen wollte, er konnte den Wolf nur schwer von etwas abhalten, vor Allem, wenn sie alleine waren. Angst hatte er trotzdem keine, er vertraute dem Wolf und vertraute auch darauf, dass ein Wort von ihm tatsächlich genügte, um Nayantai aufzuhalten. Vielleicht war er naiv, weil er sich darauf verließ, aber er hatte keinen Grund - bis auf den, dass Nayantai ein Wolf war - etwas anderes zu glauben, solange er ihm nicht zeigte, dass er tatsächlich ein Monster war, glaubte Rain es auch nicht. "Nein schon gut, ich habe mich daran gewöhnt, dich meistens ohne Hemd zu sehen. Lass es ruhig aus, wenn du dich wohler fühlst.", lächelte Rain, zumal Nayantai so auch viel mehr Wärme abgeben konnte. Die Narben störten Rain auch nicht wirklich, dann noch eher Nayantais Rücken, aber den bekam er selten zu Gesicht und wenn, dann lagen die langen Haare meistens darüber. "Es tut mir Leid, ich habe nicht nachgedacht. Hoffen wir lieber auf einen kurzen Winter, damit du bald nach Hause kannst, oder... einen normalen, ja."

      Sie beide kuschelten so eng beieinander, dass man kaum glauben konnte, dass sie Wolf und Schaf waren, oder sich erst seit zwei Wochen kannten, aber wenn Rain darüber nachdachte, dann kam ihm die Zeit mit Nayantai eigentlich sogar viel länger vor und er fühlte sich, als würden sie einander schon ewig kennen. Sie konnten sich sogar einigermaßen gut unterhalten, errieten die meisten unbekannten Worte einfach und erklärten sich ab und zu etwas. Es wirkte allerdings, als brauchten sie nicht mehr viel mehr zu lernen. Vielleicht war ja doch mehr als eine zufällige Begegnung dahinter, vielleicht war es ja doch Schicksal, oder so etwas in der Art, auch wenn Rain nicht wirklich an so etwas glaubte. Es wunderte ihn gar nicht, dass Nayantai deshalb sagte, er habe bereits alles, was er wollte. "Bei meinen Haaren ist das wohl einfacher!", lachte Rain, nur um kurz darauf zusammen zu zucken und wegen etwas ganz anderem zu Lachen. "Ah...! Ja tut es!", rief er aus und machte seine Angriffsfläche kleiner. Nayantai selbst schien ja nicht wirklich berührt von dem Gefühl der Feder auf seiner Haut, Rain musste wohl noch heraus finden, wo er kitzelig war und ließ die Feder von seinem Hals, über seine Schulter und zu einem Teil seiner Brust wandern, an die er selbst noch gedrückt war, während er versuchte sich selbst zu schützen.
    • Nayantai konnte sich nicht vorstellen, dass er sich wieder dazu zwingen konnte, los zu lassen - Rain durfte nicht ihm gehören, sie durften keine Zärtlichkeiten miteinander austauschen, sie sollten sich hassen und Rain sollte nicht mehr als ein Kiesel in seinem Weg sein, den er einfach wegtreten konnte. Wieso auch immer war dieser Kiesel aber so viel größer geworden, als wäre er nun ein riesiger Fels, an dem es keinen Weg mehr vorbei gab, außer er zwang sich dazu, ihn zu zerstören und die Einzelteile auf dem Weg zu verteilen. "Wie nett von dir", gab er schmunzelnd zurück. Nein, er würde sich vermutlich nie daran gewöhnen, dass sich Schafe so gerne in so enge Kleidung zwängten und er würde sich auch nie daran gewöhnen, dass sie es nicht in die Ferne zog, sondern, dass sie beinahe schön glücklich mit dem zu sein schienen, das sie hatten. "Ich ... meinte das nicht so! Ich habe nichts dagegen, wenn ich eine oder zwei Wochen länger hier bleiben muss", sprach er schließlich und kuschelte sich doch lieber an das Lamm heran, um diesem zu zeigen, dass er auch gar nicht erst gewillt war, ihn wieder alleine zu lassen und sich auf so viele andere Dinge zu konzentrieren, die eigentlich bereits jetzt seiner Aufmerksamkeit bedurften.

      Beinahe so, als wären sie unzertrennlich - war es denn nicht so? Keiner wollte von dem anderen wirklich ablassen und wenn sie es doch taten, dann war selbst das nicht von langer Dauer. So müde sie auch sein konnten, umso mehr Zeit schienen sie miteinander zu verbringen, wenn sich Nayantai auch schon in die Träume eines Fremden gewurmt hatte - etwas, das nicht jeder von sich behaupten konnte. Wer wusste schon, wie ein anderer Wolf auf Rain reagieren würde, auf seine fahle Haut, das bleiche Haar und die blauen Iriden, die wohl kaum einem Welpen gehören konnten - und wenn doch, dann wäre er vermutlich nicht mehr lange am Leben, einfach auch aus dem Grund heraus, weil er auffiel und aus der Reihe tanzte, weil er aussehen konnte wie ein Schaf, ohne es wirklich zu versuchen. "Na ja, deine Haare sind auch nicht gefühlt endlos lang und noch nass", brummte der Wolf, der kurz darauf jedoch wieder einen Grund hatte, dumm zu grinsen, als er Rain eine Reaktion entlockte und die Stelle weiter traktierte. "Gut zu wissen!" Dennoch blieb auch der Wolf verschont, der schließlich die Feder auf seiner Brust spürte - es fühlte sich unangenehm an, als sie sich ein klein wenig zusammenzog und Nayantai plötzlich merkte, dass das Gefühl nicht verging. "Ah! Das kitzelt!"
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • War es für den Wolf überhaupt gut, wenn er länger blieb, oder machte ihn dieses Anwesen nur krank und schwach, so wie das Schaf, dem es gehörte? Rain wollte, dass es dem Wolf gut ging, dass er glücklich war und dass er vor Allem weiter lebte. Zuzulassen, dass der Wolf sein Ziel aus den Augen verlor, nur weil sein Blick so oft an Rain hängen blieb, das konnte er nicht, während er aber gleichzeitig nicht wollte, dass Nayantai nur in seinen Tod rannte, der ihn in Thria womöglich erwartete. Er war sich sicher, dass wenn Nayantai Fhaergus verließ, ein Teil von Rain fehlen würde und dass er sich sorgen würde, auch wenn er es nicht sollte und keinen Grund hatte. Er würde sich jeden Tag Sorgen machen, ob der Wolf nicht irgendwo aufgegriffen wurde und er würde keinerlei Informationen erhalten, denn niemand würde sich für eine weitere Leiche mehr oder weniger interessieren. Rain war hin und her gerissen, zwischen dem Drang den Wolf festzuhalten und hier zu behalten und dem Drang ihn nach draußen in die Welt zu stoßen, damit er seine Familie wieder finden konnte.

      Er wollte jedoch nicht darüber nachdenken, auch wenn diese Gedanken immer wieder ihren Weg in Rains Kopf fanden. Das Kitzeln an seinem Hals kam ihm da nur gelegen und er konnte nicht aufhören zu kichern, während sein Körper ohne sein zutun zuckte, weil Nayantai nicht von ihm abließ. Trotzdem fand er eine Stelle, die auch Nayantai eine Reaktion entlockte und schmunzelte. Sie waren von einer Kissenschlacht, zu einem Federkampf, bis hin zu einem Kitzelwettstreit gelangt und das in nur wenigen Minuten. Rain konnte nur hoffen, dass niemand draußen an dem Zimmer vorbei ging und sie beide hörte. Er durfte nicht solch einen Spaß mit einem Wolf haben und würde dann noch jemand auf die Idee kommen nachzusehen, wie sollte Rain die Situation dann erklären? Aber er hatte ja versprochen, dass es keine verschlossenen Türen mehr geben würde. Rain wollte sich jedenfalls nicht geschlagen geben, auch wenn das Kitzeln an seinem Hals nicht nachließ. Er ließ die Feder weiter um die Stelle kreisen, die Nayantai vorhin leicht zucken ließ und legte sich die freie Hand an den Hals, um sich selbst zu schützen.
    • Rennen sollte er, schnell und weit weg von hier, aus dem Netz heraus, in dem er sich gefangen sah - aber das würde Nayantai wohl nicht zustande bringen, nachdem er sich schon darin verfangen hatte und sich nicht sicher war, ob er es schaffen würde, überhaupt auch nur einen weiteren Schritt zu tätigen. Es grenzte an Wahnsinn, sich einzureden, dass er hierbleiben wollte, dass es plötzlich nicht mehr so wichtig war, Fhaergus zu verlassen und wieder nach Thria zurückzufinden - er hatte ohnehin schon akzeptiert, den Verstand verloren zu haben, aber die Wahrheit war, dass er doch noch einen Moment brauchen würde um durchzuatmen, um mit sich im Reinen zu sein und diese Einbildung einer Persönlichkeit abzustreifen. Das war er nicht, auch, wenn Rain es sich wünschte, dass er so bleiben würde, ihm sagte, dass er nicht wieder zu der Person werden musste, die sich schlicht und ergreifend einen Dreck um irgendetwas scherte außer sein eigenes Überleben. Nayantai wusste so viel mehr, könnte vermutlich so viel hilfreicher auf dem Schlachtfeld sein, wenn er sich zügelte, aber auch das sinnlose Blutvergießen, das beide Seiten betrieben, würden nicht aufhören, bis man den Hass im Keim erstickte - das Problem bei der Wurzel, dem König, zu packen kam wenigen in den Sinn - kein Wolf wagte es zu träumen, dem Schafskönig gegenüber zu stehen und doch war er für manche von ihnen das Letzte, das sie sahen.

      Hier lag er nun, ohne sich Sorgen machen zu müssen, in einem weichen Bett, fernab von dem Tumult, mit einem schützendem Dach über dem schmerzenden Haupt und mit einem Lamm im Arm, als wäre es normal, sich seinen Problemen einfach nicht zu stellen, sondern sie zu ignorieren. Woran sollte er auch denken, wenn nicht das Hier und Jetzt, wenn nicht an die Person in seinen Armen und wenn nicht an die durchaus störenden Federn, mit denen sie einander die Nerven rauben wollten? Nayantai wusste, dass er es nicht verdient hatte, einfach hier zu liegen, zu glauben, dass nichts passieren würde, wenn er seine Aufgaben und seine Pflichten weiterhin ignorieren würde. Der Wolf wusste, dass es egal war, was genau er täte, weil die Welt sowieso keine war, die für sie Wölfe geschaffen schien - weil sie hier nicht willkommen waren. "Das ist unfair!", stieß er lachen aus, als Rain versuchte, die Stelle mit seiner freien Hand abzudecken, damit Nayantai ihn nicht mehr weiter dort kitzeln konnte. Bevor er einen Gegenangriff starten konnte, war es jedoch er, der in schallendes Gelächter ausbrach, weil die Feder auf seiner Brust kitzelte. "B-Bist du immer so? So hinterhältig?", prustete Nayantai und fing strich Rain mit der Feder über die Nase. Anders als dieser hatte der Wolf leider nur eine freie Hand.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Anstatt sich zu überlegen, wie Rain diesen dummen Krieg beenden und Nayantai beschützen konnte, tollte er scheinbar viel lieber mit einem Wolf im Bett herum, wie er es noch nie zuvor getan hatte. Er hatte noch nie Freunde gehabt, keinen einzigen und schon gar nicht hatte er sich je verliebt. Natürlich konnte er aufgrund dessen nicht sagen, ob es wirklich Liebe war, die er empfand, aber seine Gefühle, Sorgen und Ängste für Nayantai waren viel zu stark, als sie nur einer Freundschaft zuzuschreiben und Freunde verhielten sich auch nicht so, wie sie es gerade taten. Wie sehr er sich doch wünschte, dass sie zumindest Freunde bleiben konnten. Er wünschte sich den Frieden herbei, der es ermöglichte, dass sie zumindest eine Art Beziehung aufrecht erhalten konnten. Er wünschte sich, dass er Nayantai Briefe schreiben konnte, auch wenn er das im Moment gar nicht konnte, aber er würde die Schrift der Wölfe auch noch lernen. Er wünschte sich, dass es möglich war, dass der Wolf ihn hier besuchte, vielleicht sogar als offizieller Repräsentant und was dann hinter verschlossenen Türen geschah, ging niemanden etwas an, aber Rain wäre auch glücklich, wenn sie sich nur zusammen hinsetzten und redeten, sich von ihrem Leben und Problemen erzählten... Um all das zu bewerkstelligen, musste der Krieg jedoch erst enden und das würde er nicht, solange der König lebte. Rain maßte sich nicht an zu denken, dass er etwas ändern konnte, Fhaergus war klein und schwach und Rain konnte nicht sein eigenes Volk opfern, um einem Fremden zu helfen, so hart es auch klang. Fhaergus hätte keine Chance gegen den Rest von Adrestia, sollte es sich weigern, weiter an dem Krieg teilzunehmen und zu mehr war das Fürstentum auch nicht im Stande und da war auch immer noch Rains Vater, der ein Wörtchen mitzureden hatte.

      Die Zukunft hielt nichts Gutes für sie beide bereit, also war es wohl besser, sich auf die Gegenwart zu konzentrieren, die gerade mehr Freude für sie bereit hielt, als sie beide in dem vergangenen Jahr gehabt zu haben schienen. Rain hatte lange nicht mehr gelacht und jetzt tat er es, gegenüber eines Wolfes. "So.... was?", fragte er nach, weil er das Wort nicht kannte und grinste, "In deiner Gegenwart, bin ich immer ich selbst..." Das stimmte, auch wenn er vor seinen Gefolgsleuten manchmal eine Maske tragen musste, weil er stark wirken musste, so galt das nicht für den Wolf. Er lachte vor ihm, weinte vor ihm und tat offenkundig einfach das, was ihm in den Sinn kam. Auch vor ihm hatte er sich schon stärker gegeben als er war, aber er musste das nicht tun und machte es höchstens, damit der Wolf sich nicht zu sehr sorgte, auch wenn er das ohnehin tat. Rain glaubte vor der Begegnung mit dem Wolf gar nicht gewusst zu haben, wer er eigentlich war, aber das hatte sich geändert. So wie er jetzt war, das war wahrhaftig er und das bedeutete, er hatte ein wenig ein schlechtes Gewissen, wenn er den Wolf benachteiligte, obwohl dieser ihn auch einfach festhalten hätte können. Rain schüttelte seinen Kopf, um die Feder von seiner Nase fern zu halten und vergrub sein Gesicht schließlich einfach wieder bei Nayantais Hals, auch wenn ihm das erst einmal die Sicht raubte. Er musste zugeben, dass er auch allein wegen seines Oberteils einen erheblichen Vorteil hatte, während er die Feder über Nayantais nackten Oberkörper wandern lassen konnte, vorerst blieb er aber dort verweilen, wo er auch definitiv eine Reaktion erhielt.
    • Das, was wichtig war, aus den Augen zu verlieren war nicht immer schlecht. Sich selbst daran zu erinnern war aber auch nichts, das man nicht tun sollte - im Endeffekt landete man wiederum in einer Zwickmühle, die beinahe so schien, als wäre es irgendwo unmöglich, die richtige Entscheidung zu treffen. Wollte man selbst glücklich sein, dann galt es - zumindest seinerseits - die sterbenden Wölfe aus seinem Kopf zu verbannen, sein Volk vollends zu verraten und sich den Schafen unterwerfen, ihnen eventuell sogar zu helfen, seine Familie auszurotten. Würde er jedoch verlangen, dass sein Volk glücklich war, dann musste er loslassen - dann durfte er sich nicht mehr davor fürchten, dass er sein Herz hier zurücklassen würde, dass Rain ohne ihn alleine und vermutlich einsam wäre; Nayantai müsste einfach nur wieder zu demjenigen werden, der er erst gewesen war, der Schafe verabscheute und so viele von ihnen mit in den Tod reißen würde, wie er konnte. Ihm war bewusst, dass es eventuell nicht die beste Idee war und auch war ihm bewusst, dass er nie wieder an diesen Ort zurückkehren konnte. Seine blutbefleckten Hände hatte er schon an ein weißes Lamm gelegt, seinen vor Schmerz schreienden Körper an ihn gedrückt und sich gefragt, wieso es sich so anfühlte, als wären Schmetterlinge in seinem Bauch, wann auch immer er Rain sah und ihn lachen hörte.

      Rain um sich zu haben fühlte sich schön an, als hätte der Wolf endlich jemanden, mit dem er sein Leid teilen konnte und der nicht weiteres Leid in ihm auslöste. Schöner wäre es, wenn dieser Moment für ewig anhalten würde, aber sie beide wussten, dass das schier unmöglich war - diese Welt empfing keinen von ihnen mit offenen Armen, aber vielleicht war es ja doch richtig, dass sie zueinander fanden und sich austauschen konnten. "So ... unfair", lachte der Wolf, der wirklich nicht wusste, wie er das eben genannte Wort beschreiben sollte, ohne auszuschweifen. Sie mussten noch genug voneinander lernen, viel zu viel wenn er ehrlich war und dafür würde sich der Rest des Winters als einigermaßen nützlich erweisen. "Ich glaube auch nicht, dass du davon profitieren würdest, wärst du es nicht", verkündete der Wolf mit einem Grinsen auf den Lippen, der noch immer leicht zusammenzuckte, als Rains Gesicht ihm näher kam und die Feder nicht aufhörte, ihn zu kitzeln. "Du hast nur Vorteile!", rief der Wolf lachend aus. Seinen zweiten Arm legte er auch um das Lamm, strich mit der Feder flüchtig über dessen Nacken - wenn das nicht half, dann wusste er auch nicht, was er noch probieren sollte. "Und ein zäher Gegner bist du auch noch."
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Mich zu Verteidigen ist doch nicht unfair!", lachte Rain und fand eigentlich, dass der Wolf aufgrund seiner Größe und Stärke viel mehr Vorteile hatte, die er wohl alle nicht gegen Rain ausspielen wollte. Das musste er auch gar nicht, denn als die Feder über Rains Nacken strich war es, als würde ein Blitz durch seinen ganzen Körper fahren und er zuckte zusammen. Schnell rollte er sich auf den Rücken und ließ von Nayantai ab, demonstrativ ließ er seine Feder fallen, die langsam nach unten schwebte. "Ah! Waffenstillstand!", verlangte er immer noch lachend und holte erst einmal ein wenig Luft. Er war es weder gewohnt sich so viel zu bewegen, noch so viel zu lachen und eigentlich hatte er seinen Körper heute schon genug angestrengt. Er lächelte, während er seinen Körper wieder herunter fuhr, aber wenigstens war ihm gerade nicht so eiskalt wie sonst und das obwohl er gar nicht zugedeckt war. Auch wenn sein Körper sich schwer anfühlte, als wäre er eine weite Strecke gelaufen, fühlte er sich gut. "Ich habe auch einen riesen Nachteil, den ich ausgleichen muss...", schmunzelte er und griff nach Nayantais Hand um diese auf seine Brust zu legen, damit auch er den schnellen Herzschlag fühlen konnte, den Rain sogar in seinem Kopf widerhallen hörte.

      Rain brauchte einen Moment, aber danach sollten sie wohl wirklich die Federn los werden. Es musste reichen, wenn sie sie vorerst mit ihren Händen vom Bett fegten und sich den Rest aus den Haaren zupften, alles andere konnten sie auch morgen noch erledigen. Vielleicht trieben sie einen Besen auf, wenn Nayantai helfen wollte, aber sonst konnte das auch jemand anderes erledigen und Rain würde einfach sagen, dass der Polster einfach kaputt gegangen war, das kam ja schließlich auch ab und zu vor. Was Rain jedenfalls gerade gelernt hatte war, dass er sich durchaus eine Weile lang bewegen konnte, ohne zu sterben, vielleicht musste er das einfach nur häufiger tun, damit er so etwas wie eben nicht so schnell beenden musste, außerdem wurde ihm davon ein wenig wärmer. Was er auch gelernt hatte, war wo Nayantai kitzelig war und diese Information freute ihn aus unerfindlichen Gründen ungemein und er selbst war offenbar auch anfällig, besonders sein Nacken schien sehr empfindlich... blieb nur zu hoffen, dass Nayantai dies nicht ausnutzte.
    • "Manchmal schon!", gab er gespielt beleidigt zurück und grinste dumm, als er dann wohl doch die Stelle gefunden hatte, die Rain noch eher dazu brachte, sich zusammenreißen zu müssen, damit er nicht in schallendes Gelächter ausbrach. Der Wolf ließ von ihm ab, verstand das Wort nicht ganz und legte den Kopf schief, als sich das Lamm auf seinen Rücken gerollt hatte und die eigene Feder fallen ließ. Hatte er ihn doch zu sehr traktiert? Nayantai wusste es ehrlich gesagt nicht - aber er schien nicht unglücklich zu sein, wenn auch gleich er dort lag und sich nicht rührte, nach Luft schnappte. Was sollte er tun? Brauchte er Hilfe? "Ist alles in Ordnung?", fragte er. Rain war wie ein Enigma für ihn, das es erst zu ergründen galt und dem er wohl auch nicht sonderlich dabei helfen konnte, wenn es darum ging, sich selbst und seinen Körper zu verstehen. Er wusste, dass Rain nicht so war wie er, oder jemand, der einen gesunden Körper besaß - aber er wusste auch, dass er sich nicht zu sehr zieren musste. "Aber du wehrst dich gegen mich, das ist gut!", entgegnete er. Unter seiner Hand spürte er schon bald das rasende Herz eines ausgelaugten Schafes, das versuchte, Luft in seine Lungen zu speisen und dem Wolf zu zeigen, was er meinte. "Ruh' dich aus."

      Nayantai ließ die Hand noch eine Weile auf der Brust des Lammes ruhen, als würde es ihm helfen, wieder zu Sinnen zu kommen und lächelte. Nicht nur die Federn konnten sie loswerden, vielleicht auch den nervigen Stoff, den Rain trug - aber das wäre wohl etwas, das er nicht wagen sollte. Hier und jetzt war es zu schön, als dass er sich all das wieder selbst ruinieren wollte und weiterhin in das schwarze Nichts zu starren, das langsam Farbe und Form annahm und ihm sagen würde, was er in seinem Leben alles falsch gemacht hatte und dass er es verdient hatte, das Spielzeug der Schafe zu sein. Der Wolf seufzte, versuchte selbst, sich etwas zu beruhigen und lächelte danach wieder das Lamm an. Seine freie Hand, die nicht auf der Brust Rain's ruhte, fing an, die Federn um ihn herum aufzusammeln, damit sie später nicht noch mehr Arbeit hatten, als nötig war - irgendwann landete sie dann in den blonden Haaren und fing an, die Federn aus eben jenen zu picken, damit zumindest einer von ihnen nicht dermaßen zerrupft aussah. "Rain", gab Nayantai von sich, als er näher an das Lamm heranrückte. Flüchtig legte er die seinen Lippen auf die des Lammes, stahl sich einen Kuss und wich wieder zurück. Grinste er gerade? Ja, vermutlich.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Es ist alles in Ordnung.", antwortete Rain lächelnd und wandte seinen Blick zu Nayantai der neben ihm lag. "Ich bin so viel Bewegung nur nicht gewohnt, das heißt aber nicht, dass es keinen Spaß gemacht hat." Wenn der Wolf trainierte, um wieder fit zu werden, dann schlug bestimmt auch sein Herz schneller, auch wenn es vermutlich etwas mehr körperliche Betätigung brauchte, um den Wolf zum keuchen zu bringen. Er schmunzelte erneut und musterte den Wolf genau. "Wieso ist es gut, wenn ich mich wehre? Auf was willst du mich vorbereiten?" Auf Thria? Den Süden? Andere Wölfe? Rain glaubte kaum, dass eine Kissenschlacht, oder eine Feder als Waffe wirklich repräsentativ waren, für mögliche Kämpfe die Rain würde ausfechten müssen, sollte er den Wolf tatsächlich eines Tages begleiten. Er glaubte vor Allem, dass er selbst niemals darauf vorbereitet sein würde und dass man ihm nicht alles beibringen konnte, damit er da draußen alleine überleben konnte. Nayantai würde immer auf ihn aufpassen müssen und das wollte er ihm nicht antun.

      Rain sah zu wie Nayantai schon ein paar Federn zusammen sammelte, konnte sich aber noch nicht durchringen sich aufzusetzen und ihm zu helfen. Wenig später spürte er ein leichtes Zupfen an seinen Haaren und lächelte Nayantai an, der so kindisch, aber auch so gewissenhaft sein konnte. "Hm?", fragte er lächelnd, als er seinen Namen vernahm, der wie immer ein seltsames Gefühl in ihm auslöste, wenn der Wolf ihn aussprach. Ein Kuss war es, den der Wolf wohl damit angekündigt hatte, der aber für Rains Geschmack viel zu kurz andauerte, trotzdem freute er sich darüber. Das Grinsen des Wolfes das er danach sah, konnte er nur schwer deuten, nichtsdestotrotz lächelte er zurück und streckte eine Hand aus, um die Federn in Nayantais Haar als Vorwand zu benutzen, seine Finger nach ihm auszustrecken. Er zupfte ein paar Federn aus den langen Haaren, die nicht mehr zerzaust und verknotet waren, sondern fließend von seinem Kopf hingen, ein paar Strähnen waren auch immer noch geflochten und hingen in dem Rest der schwarzen Mähne. Auch die vorderen Strähnen wurden immer noch zurück gehalten, so wie Rain es geplant hatte und doch waren es noch genug Haare, die sich wie eine Decke auf Rain legten. Die Federn zwischen den Fingern, fand Rains Hand ihren Weg auf Nayantais Wange, auf der sie dann einen Moment verweilte. Sollte er jetzt wirklich aufstehen, damit sie auch den Rest der Federn los werden konnten? Nein - er sah viel lieber in die dunklen Augen des Wolfes.
    • "Mhm", gab der Wolf nickend zurück. Dann ging es Rain also doch nicht so schlecht, wie ursprünglich gedacht - er war einfach ausgelaugt, so wie, es jeder war, der sich eine Zeit lang angestrengt hatte. Nayantai wusste, dass er sich vermutlich viel zu schnell viel zu viele Sorgen machte, oder zumindest glaubte er, dass er das wissen würde. Ob Rain es ihm übel nahm? "Wenn es dir Spaß gemacht hat, dann freut mich das!", gab er zu, musste vermutlich auch selbst gar nicht erst sagen, dass es ihm ebenfalls Spaß gemacht hatte und dass er froh war. Aber worüber eigentlich? Dass er unbeschwert Zeit mit einem Lamm verbringen konnte, oder aber, dass Rain gleich zu fühlen schien, wie er? Ihre Gefühle waren wie ein Haufen Schutt und Asche, der nicht viel Sinn ergab, wenn man das vorangegangene Grundgerüst nicht kannte, der absolut nicht mehr das ergab, was er einst gewesen war und dennoch schein es gar nicht so, als würde es einen von ihnen großartig stören. Was war die Wahrheit, nach der sie beide suchten? Wollte er Rain denn mitnehmen? Oder redete er sich eben das nur selbst ein? "Das wirst du schon noch sehen ... momentan ist es vermutlich nicht viel wert", lachte Nayantai. Nein, er würde Rain nicht anfallen und er würde Rain auch nicht in ernsthafte Gefahr bringen, so lange sich das Lamm nicht zu wehren wusste. Vermutlich würde aber eben das einige Zeit in Anspruch nehmen.

      Wonach stand ihnen eigentlich der Sinn? Gab es überhaupt noch etwas, das sie tun konnten, während sie hier herumhockten und einander anstarrten, als würden sie nie wieder etwas anderes sehen wollen? So, als hätten sie einander in den Bann gezogen, als gäbe es nichts, das sie mehr davon abhalten konnte, einander zu gehören und als wäre jede Barriere vergessen, die sich zwischen den beiden befand. Aber was dann? Eine Antwort bekam er nicht, denn schon hatte man die Hände in seinen Haaren - Rain sah ihn an, als würde er so viel mehr in ihm sehen können, als einen geschlagenen Wolf, der eigentlich keinen Sinn mehr darin sah, seinen schmerzenden Körper durch die Welt zu hieven und doch schien es ihm unmöglich zu sein, aufzuhören. Nayantai wusste, dass er sich hier und jetzt losreißen könnte und sollte, dass er nicht länger versuchen musste, Rain zu gefallen, weil er das ohnehin nicht wollte - sie gehörten einander, das hatten sie beide über ihre Lippen gebracht, aber das war es auch schon - es war nicht wichtig, wer von ihnen was tat, so lange sie es füreinander taten. Der Wolf lehnte sich nach vorne, bis die seine Stirn wieder auf der Rain's lag und sah ihm in die unvertrauten, blauen Augen - sie gehörten Rain, daran gab es nichts zu rütteln, aber trotzdem fühlten sie sich teilweise noch so fremd an. "Also", sprach der Wolf, der einfach die Augen schloss. "Was willst du tun, Rain?"
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Ich hab noch nie so etwas kindisches gemacht...", gab Rain zu und lächelte etwas peinlich berührt. Seine Kindheit war eben nicht die eines Kindes gewesen, jetzt war er Erwachsen und hatte trotzdem Spaß an solchen Albernheiten und fragte sich, warum er das nicht schon früher gemacht hatte, aber mit wem auch? Ebenso wenig hatte er irgendwelche Dummheiten begangen, als er jünger war, er hatte keine Liebeleien gehabt und war nicht in ein Heckenlabyrinth abgehauen, um sich dort abseits einer Feier zu amüsieren. Holte er das alles gerade mit dem einzigen Menschen nach, mit dem er das auch konnte, ohne irgendwelche Konsequenzen fürchten zu müssen? Nein, er empfand zu viel für Nayantai, als dass es nur jugendlicher Leichtsinn sein konnte und er wollte so viel mehr, als einfach nur zum Lachen gebracht zu werden, oder ihn zu küssen. Es ging nicht darum, dass Rain sich wohl fühlte, sondern sie sollten sich beide gleichermaßen aufeinander freuen, Rain wäre egoistischer, wenn nicht mehr hinter seinen Gefühlen stecken würde, andererseits war er das noch nie wirklich gewesen. "Ich glaube es macht dir auch einfach Spaß dich zu messen.", schmunzelte Rain, nachdem Nayantai wohl selbst nicht wusste, worauf er den schwachen Jungen vorbereiten wollte.

      Was Rain wollte war im Moment ziemlich klar, was er tun sollte, war eine ganz andere Sache. Die Federn würden ihnen jedoch nicht davon laufen und höchstens erneut in ihren Haaren landen, das konnte Rain ihm Moment aber nicht egaler sein als jetzt. Rain schloss ebenfalls die Augen, als Nayantai es tat und fühlte seine Stirn auf seiner eigenen. Der Wolf war ihm so nah, dass er seine Wärme über sich spüren konnte und er fühlte sich geborgen und beschützt, obwohl der Wolf gar nicht viel tat. Er spürte den warmen Atem gegen seine Lippen stoßen, als Nayantai seine Frage aussprach und sein Herz bekam wohl doch noch keine Pause. "Ich will dich küssen...", antwortete Rain, dem es schwer fiel, solche Dinge überhaupt auszusprechen - obwohl es in der Sprache der Wölfe leicht schien - und wusste, dass sie nur ein paar Zentimeter voneinander trennten, trotzdem holte er sich nicht was er wollte, sondern blieb einfach so liegen, während er mit einer Hand immer noch die Federn festhielt, die er zuvor aus Nayantais Haaren geholt hatte.
    • "Das heißt aber noch lange nicht, dass es etwas Schlechtes ist", murmelte der Wolf, der sich viel zu viel in die Situation reinsteigern würde, wüsste er nicht, dass sie beide ohnehin nicht viel hatten, das sie gemeinsam tun konnten. Rain konnte dieses Haus nicht verlassen, so lange sein eigener Körper wie ein Käfig war und Nayantai war hingegen nicht gewillt, sich hinzusetzen und sich zu langweilen, indem er bei politischen Dingen helfen würde, die auch erledigt werden mussten. Er wusste, dass er Rain seine Hilfe anbieten konnte, dass er nicht dumm war, aber auch das würde sich eher im Sand verlaufen, einfach, weil ein Wolf ganz andere Ansichten über diverse Situationen besaß, als es ein Schaf tat, das internen Konflikt zu vermeiden versuchte. "Vielleicht mag ich es aber auch einfach, dich zu necken", lachte Nayantai und verwarf den Gedanken alsbald. "Aber das hier ist ernst gemeint." Auch, wenn der Wunschtraum, Rain mit nach Thria zu schleifen etwas war, das nie in Erfüllung gehen würde, hieß das eben noch immer nicht, dass er sich nicht selbst verteidigen können sollte. Aus Federn konnten viel zu schnell stumpfe Messer und schlussendlich ein Schwert werden - Nayantai glaubte nicht, dass Rain auf den Geschmack kommen würde, Leute zu attackieren, aber so lange er wusste, wie er einen Schlag zu parieren hatte, funktionierte auch das.

      Die Ruhe, die sich die beiden immer wieder miteinander zu teilen schienen, die wenigen Worte, die sie eigentlich verstehen sollten - alles war so unverwandt für Nayantai, so fremd und doch fühlte es sich gut an, sanft von einem Schaf berührt zu werden, gesagt zu bekommen, dass man mehr war, als nur das Stück Dreck, für das man ihn hielt - es war schön, nicht nur innere Ruhe finden zu können, wenn auch nur für den Moment. Sie gehörten zueinander, wussten jedoch besser als jeder andere, dass sie das nicht tun durften, dass sie sich nicht so verhalten sollten - und doch scheuten sie nicht davor zurück, noch mehr Regeln zu brechen, als sie ohnehin schon gebrochen hatten. Die kalte Haut des Lammes, die er auf seiner spürte, war angenehm, gleich wie dessen Stimme, die in seinen Ohren wiederhallte - schneller als gedacht. "Wieso tust du es dann nicht?", neckte der Wolf ihn, wusste aber, dass Rain seine eigenen Gründe hatte, es nicht zu tun, weil er sich nicht nehmen wollte, was man ihm nicht freiwillig gab. Nayantais Arme legten sich erneut um das Lamm, strichen ihm über den Rücken, als er seine Augen zumindest einen Spalt öffnete. Ohne großartig weiter zu fackeln, schloss er das letzte bisschen Distanz zwischen ihnen beiden und küsste Rain, gleich flüchtig wie sonst. "Du kannst alles von mir haben, was du willst - wenn du es dir nimmst."
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Nein, das heißt es nicht.", stimmte Rain zu und lächelte weiter, er konnte gar nicht mehr aufhören, er hatte das Gefühl, seine Wangen würden davon irgendwann schmerzen. "Ich habe lang nicht mehr gelacht und ich glaube du auch nicht... es ist also etwas Gutes." Lachen war angeblich die beste Medizin und Rain musste zugeben, dass er sich so viel besser fühlte, seit der Wolf da war und seine Tage ein wenig erhellte. Das dumpfe Gefühl in seinem Körper und die Kälte waren vergessen gewesen, als Rain mit Nayantai gespielt hatte, als wäre er gesund und auch wenn er danach etwas nach Luft schnappen musste, fühlte er sich gut. "Ich glaube auch, dass du mich gerne ärgerst und ich glaube, ich mache es dir da nicht zu schwer...", schmunzelte Rain, der sich oft nicht zu helfen wusste und viel zu schnell verunsichert war. "Denkst du denn, dass ich mich irgendwann verteidigen muss...?" Wieso fragte Rain das eigentlich? Wollte er eine Antwort darauf? Vermutlich nicht. Wenn er hier bleiben würde, dann konnte ihm nichts passieren, wer sollte auch eine Bedrohung sein?

      Der Wolf war nicht gefährlich, gegen ihn musste Rain sich ganz bestimmt niemals verteidigen und selbst wenn, dann würden ihn so alberne Spielereien nicht darauf vorbereiten. Wenn der Wolf ihn beschützen wollte, dann musste er eben hier bleiben, Rain fest halten und ihn beschützen, so wie er es jetzt auch tat. Es war einfach für ihn den zierlichen Körper festzuhalten und vor der Welt zu verstecken, etwas anderes wollte Rain auch gar nicht. Er konnte dem Wolf nicht mehr antworten, da lagen seine Lippen erneut flüchtig auf Rains und dieser seufzte anschließend zufrieden. Es wärmte seinen ganzen Körper, wenn er Nayantais Lippen auf seinen eigenen spürte, er hatte keinen Vergleich, aber er glaubte kaum, dass irgendjemand das besser konnte, als der Wolf. "Wir haben doch schon festgestellt, dass ich gar nicht weiß, was ich will...", wisperte Rain und öffnete seine Augen erneut um Nayantai anzusehen, der so nah bei ihm war. Abgesehen davon traute er sich gar nicht, nach etwas zu verlangen, das der Wolf vielleicht doch nicht geben wollte. Er wollte keine unangenehme Situation herauf beschwören, oder dass der Wolf wieder aus dem Zimmer stürmte, oder sich von ihm abwandte, auch wenn sie am Ende nicht einmal einen Tag voneinander lassen konnten. Rain schloss die Augen wieder, während er sich Nayantai wieder näherte und sich nun selbst einen Kuss stahl, der etwas länger andauerte, als der zuvor.
    • "Eben", lachte der Wolf. Nein, Nayantai war sich dessen bewusst, dass er seine Hände nicht mehr das Schaf legen sollte, außer er wollte ihm Schmerzen zufügen, aber er wusste auch, dass es vollkommen egal war, was genau er tat, so lange er dabei nicht gesehen wurde. Manch einer würde wohl behaupten, er wäre nicht mehr als ein Gegenstand, den Rain besaß, aber wenn er ehrlich war, dann wollte er das nicht ganz glauben. Welche Gründe hätte er auch, ihn einfach nur wie ein Objekt zu behandeln. "Ich glaube, ich habe schon ... bevor ich eingesperrt wurde ... eine Zeit lang nicht gelacht", so kindisch er hier auch sein konnte, in Thria war das Leben anders. Dort, wo man sich vorher noch bemüht hatte, die Jungen vom Krieg fernzuhalten und ihnen eine heile Welt vorzugaukeln, war es auch so, dass der Großteil von ihnen so oder so Wind davon bekam, dass mit dieser Welt etwas nicht stimmte - nur wenige von ihnen hatten das Glück, in Ruhe zu leben. "Oh, glaub mir - ich ärgere dich zu gerne", gestand er. Wenn es etwas gab, das Nayantai vermutlich schon immer gerne getan hatte, dann war es, Leute zu necken und sie aufzuziehen - vorausgesetzt, er fand die Zeit dazu. In Rains Fall war es nicht wirklich anders, außer vielleicht, dass er es nur tat, um eine Reaktion aus ihm herauszukitzeln. "Spätestens wenn ich über dich herfalle, ja", log er.

      Nayantai leckte sich über die Lippen, grinste - auch, wenn sie miteinander spielten, war es nicht so. Viel eher hatte sich bereits etwas in ihre beiden Herzen gefressen, das langsam aber sich daran arbeitete, sie zu verbinden und eben jede Liebelei, die sie eventuell haben wollten, zu so viel mehr machen würde, als es eigentlich sein sollte. Dieses Haus war für ihn wie ein Gefängnis, so, wie es das für Rain war und doch konnte nur einer von ihnen eben dieses Gemäuer verlassen und müsste einen von ihnen zurücklassen - früher oder später sollten sich ihre Wege wieder trennen. Zurück in unkenntliches Miasma sollte er ziehen, auf seinen Tod durfte er warten, mehr war da nicht und das wusste er auch - es sollte nicht mehr geben, durfte nicht mehr geben, ansonsten waren es seine Gefühle, die ihn strangulierten. "Und doch meintest du, du willst mich küssen, nicht?", harkte er nach und lächelte zufrieden, wusste, dass er sich auch einfach nehmen hätte können, was er wollte und dass es Rain vermutlich nicht gestört hätte, wenn er es täte. Etwas überrascht war er also, als Rain ihn dann doch küsste - und Nayantai die Gelegenheit nutzte, ihn wieder zurückzuküssen. Erst, als er dann schließlich die Lippen von denen des Lammes nahm, atmete er erleichtert auf. "Und jetzt hast du, was du wolltest", sprach er, griff nach der Hand des Lammes, um sie in seiner eigenen zu halten, sie gegen seine Wangen zu drücken, die so ungewohnt warm waren. "Ist dir der Stoff nicht im Weg?", fragte er, als die andere, wiederum freie Hand dann doch unter dem Oberteil des Blonden nach oben wanderte.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Ich glaube wir sollten die Zeit nutzen und so viel zusammen lachen, wie wir können.", lächelte Rain, der zwar von Nayantais Leben keine Ahnung hatte, aber ebenfalls wusste wie es war, wenn man von seiner Verantwortung erdrückt wurde und es eigentlich kaum etwas Schönes gab, an dem man sich erfreuen konnte. Auch wenn Rain so viele Leute um sich hatte und der Wolf in Thria vermutlich dasselbe Schicksal geteilt hatte, so hieß das noch lange nicht, dass man jemanden hatte, dem man sich anvertrauen und vor dem man auch mal albern sein konnte, ohne das Gefühl zu erwecken, dass man eigentlich noch nicht Reif für die Verantwortung war, die man auferlegt bekommen hatte. Sie wurden wohl beide früh dahingehend erzogen, eines Tages ein ganzes Volk zu führen und dabei blieb so manches andere auf der Strecke, ebenso wie sie zu früh mit den harten Realitäten dieser Welt konfrontiert wurden, um sie darauf vorzubereiten auch einmal Entscheidungen zu treffen, die nicht alle beteiligten glücklich machten. Rain konnte das jedoch immer noch nicht und fühlte sich nach all der Zeit immer noch nicht bereit den Platz seines Vaters eines Tages gänzlich einzunehmen.

      Rain legte den Kopf schief und lächelte. "Jetzt ärgerst du mich!", stellte er fest, "Aber du bist ein schlechter Lügner." Dass der Wolf über ihn herfallen würde, das konnte Rain sich selbst dann nicht vorstellen, wenn hier plötzlich ein paar Wölfe hinein stürmen würden und von Nayantai einen Beweis dafür verlangten, dass er noch einer von ihnen war. Rain glaubte fest daran, dass Nayantai ihm nichts antun würde und auch nicht zuließ, dass es jemand anderes tat. Vielleicht wollte er das auch nur glauben, aber er vertraute Nayantai bereits mehr, als fast jedem anderen den er kannte, ob das nicht doch ein Zauber der Wölfe war? Aber was hätte Nayantai auch davon!

      Rains Herz hatte wohl keine Zeit sich zu beruhigen, aber das störte Rain nicht. Der sanfte, erwiderte Kuss ließ seine Wangen warm werden, zum einen, weil das Gefühl von Nayantais Lippen auf seinen eigenen das einfach bewirkte und zum anderen, weil er sich nun doch auch einen Kuss gestohlen hatte, obwohl er vorhin noch gezögert hatte. Wie so oft waren es widersprüchliche Gedanken die in Rains Kopf herum schwirrten, die ihm sagten, dass es natürlich in Ordnung war, sich einen Kuss zu nehmen, wenn man kurz zuvor ohnehin schon einen erhalten hatte und aber auch betonten, dass der Wolf schon genug ertragen musste und Rain ihn gar nicht besitzen wollte, zumindest nicht auf eine Weise, wie der König es getan hatte, aber konnte er eigentlich etwas falsch gemacht haben, wenn der Wolf ihn ebenfalls küsste und anschließend auch noch nach Rains Hand griff? "Mhm... habe ich...", flüsterte Rain schon fast, der sich auf einmal in einer ganz anderen Situation wiederfand als eben noch und der Angst hatte, seine Stimme könnte eben diese Situation irgendwie zerstören. Er hatte was er gewollt hatte und gleichzeitig wollte er gerne noch mehr, ohne zu wissen was es war, das allerlei Gefühle in ihm auslöste. Sanft strich Rain über Nayantais Wange, dort wo der Wolf selbst sie platziert hatte, er strich über die warme, sanfte Haut, die gar nicht so sehr von all dem zeugte, das er erlebt hatte, wie der Rest seines Körpers. Die Sonne war während sie beschäftigt waren bereits hinter den Bergen verschwunden, auch wenn der Himmel noch nicht ganz dunkel war, jedoch kam das meiste Licht vom flackernden Feuer des Kamins, das die weiße Haut des Wolfes rot schimmern ließ und hoffentlich auch dafür sorgte, dass die Röte die in Rains Wangen stieg nicht so deutlich zu sehen war, als die Hand des Wolfes sich unter den Stoff von Rains Kleidung grub. Rains gesamter Körper kribbelte erneut, stärker als zuvor, als die rauen Finger des Wolfes über seine Haut wanderten und er für einen Moment die Luft anhielt, um sich nicht zu sehr zu bewegen, ohne es zu merken. Wieder einmal fehlten Rain die Worte, aber insgeheim hatte er sich doch selbst so eine Situation bereits herbei gewünscht und an die Kälte die ihn sonst durchfuhr, war im Moment gar nicht zu denken, im Gegenteil wurde ihm eher gerade sehr warm. "Es... wäre wohl nur fair wenn...wenn wir beide...", wisperte er und schluckte. Rain versuchte zu rationalisieren, warum er den Stoff zwischen ihnen los werden sollte, aber er schaffte es nicht einmal seinen Satz zu Ende zu führen, stattdessen begannen sich seine Wangen nur noch wärmer anzufühlen. Sein Gesicht konnte er vor dem Wolf gerade nur schwer verstecken und er wollte ihm auch nicht ein falsches Signal senden, weswegen er ihn weiterhin ansah.