spellbound. (earinor & akira)

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    • Nayantai war zu hitzköpfig, zu voreilig, wenn er dachte, er wüsste, was er tat. Die Realität war jedoch, dass Nayantai es einfach nicht gewohnt war, mit einem Körper umzugehen, der ihn selbst außer Atem brachte, der ihm mehr Schmerzen zufügte, als er gewohnt war. Vermutlich ginge es ihm besser, so dachte er zumindest, würde er erst wieder Zeit dafür finden, verlorene Muskelmasse aufzubauen und sich wieder in diesem Körper einzufinden, von dessen Nutzen er nicht sonderlich überzeugt war. "Wieso nicht?", antwortete er, etwas neckend, wusste, dass die Kleidung dem Schaf nicht sonderlich stand, geschweige denn zu ihm passte, und doch hatte es etwas an sich. Vielleicht lag es daran, dass Nayantai es nicht gewohnt war, Fremde in die Kleidung seines Stammes zu hüllen, oder weil er seine Kultur nicht teilen wollte. "Ich denke einfach, das hält dich eher warm als diese lausige Decke", meinte er, deutete zuerst auf Rain und danach auf die Decke, die er vorhin abgelegt hatte. Wie ein Welpe sah er aus, dessen stolzer Vater seinem Sohn Kleidung anfertigen hatte lassen, die besagtem Sohn viel zu groß waren. Belustigt war er durchaus, versuchte sein Bestes, nicht zu schmunzeln.

      "Wer hätte gedacht, dass der Prinz der Wölfe auch noch derjenige sein würde, der einen Fremden in diese Stoffe hüllt ... und noch dazu sind sie dir viel zu groß", sprach der Wolf, konnte die Belustigung in seiner sonst so trüben Stimme kaum verbergen, bevor er auch schon seine Hände unter die Kleidung steckte, Rain oberhalb der Hüfte berührte und das Gleiche nochmal tat, kaum hatte er die Hände außen, auf das Oberteil gelegt. "Mh, ich hoffe, ich binde es nicht zu fest", sagte er, legte die linke über die rechte Seite und zog an dem Band, das vorhin schon dazu geführt hatte, dass er sich selbst wiederum verletzt hatte. Derartiges Gewand trugen lediglich Krieger der Nomaden, unkenntliche blau-grau Töne, gefüttert mit diversem Fell, das schon so viel mehr überstanden hatte als eine einzige Schlacht. Kaum hatte er zugezogen, fest genug, damit die übergroße Kleidung zumindest an dem kleinen Lamm hängen bleiben würde, fing er an, das durchaus lange Band wiederum um den Bereich oberhalb der Hüfte zu wickeln, bevor er es hinter seinem Rücken verknotete. "Es passt dir nicht ganz, aber so sollte es dich zumindest warmhalten ... normalerweise", Nayantai fuhr ruckartig über die Oberarme Rains. "Trägt man darüber tatsächlich Wolfs- oder Bärenfell, aber das ist wohl nicht mehr." Egal wie primitiv die Wölfe für die Schafe wirkten, man musste ihnen lassen, dass sie wussten, wie sie sich vor der Natur selbst schützten.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain lächelte, verkniff sich ein Lachen, er wollte nicht unhöflich sein, oder dass der Wolf falsch verstand. Er wollte ihn nicht auslachen, keineswegs, er freute sich einfach, dass der Wolf selbst auf einmal besserer Laune war, auch wenn er versuchte das zu verbergen. Rain fragte sich wieso. Während er selbst ständig lächelte, sich teilweise auch wirklich freute, oder Spaß hatte, aber auch oft genug einfach nur lächelte, damit sich keiner Sorgen um ihn machte, war der Wolf ganz anders. Nayantai hatte diese Fassade, die ihn unnahbar wirken lassen sollte, er versuchte unnahbar zu sein, sich von der Welt in die er geworfen wurde abzukapseln, aber er schien das nicht besonders gut hinzubekommen. Wenn er jemand anderem als Rain gegenüber stehen würde, dann würde seine Fassade vielleicht nicht so leicht verblassen, aber da konnte Rain nur spekulieren.

      Rain hob die Arme mit den viel zu langen Ärmeln, ließ den Wolf machen, was auch immer gemacht werden musste, um die Kleidung zumindest annähernd auf Rain zu befestigen. Rain hasste es eigentlich sich helfen zu lassen, selbst wenn er wusste, dass er alleine aufgeschmissen war, bei Nayantai gerade störte es ihn keineswegs ihn machen zu lassen. Vielmehr sah er interessiert dabei zu, wie der Wolf die Kleidung übereinander zurrte und schließlich zu band. Was Rain beeindruckte war nicht wirklich die Wärme der Kleidung, die er erst noch durch seine eigene Körperwärem produzieren musste, die aber scheinbar nicht so leicht entwich, sondern darüber, wie beweglich man in diesen warmen Kleidern trotzdem noch war. Er sah an sich herab, bewegte sich ein bisschen und krempelte schließlich die Ärmel so weit nach oben, dass er zumindest nach etwas greifen konnte, ohne alles andere umzuwerfen. "Warm..ja? Es ist tatsächlich warm.", lächelte er. "Danke." Nun war endlich mal an der Reihe sich zu bedanken, dachte noch einmal über die fremden Worte nach. "Wolfs...fell? Pelz? Ich könnte dir welchen besorgen... vielleicht magst du was fehlt selbst daran sticken? Es würde dich jedenfalls beschäftigen. Hm..." Rain war sich ziemlich sicher, dass er viel zu klein für diese Kleidung war, aber das war nicht schlimm. Ihm war trotzdem jetzt schon wärmer als vorher... vielleicht konnte Sara ja etwas von dieser Technik adaptieren und Rain etwas nähen, das ihm auch passte und nicht ganz so... barbarisch aussah. "Darf ich... darf Sara etwas in der Art nachmachen?", fragte Rain, wollte nichts einer Kultur stehlen die nicht seine war, ohne zu fragen. Er hob noch einmal seine Arme, konnte nicht aufhören an sich herunter zu sehen.
    • Sein Vater würde ihn verteufeln, verschenkte er doch gerade das warme Wand eines Kriegers an ein lausiges Lamm, das nicht einmal wusste, wie die Welt der Wölfe da draußen sein konnte. Der Wind war eiskalt, jede Nacht eine neue Herausforderung und die Frage, ob man sich in seiner Haut überhaupt wohlfühlen konnte, wenn das Leben eines jeden von ihnen immer mehr zu schwinden schien, war ein kräftiges "Nein", das keiner von ihnen so aussprechen wollte, wie es eigentlich war. Ihre Welt war trüb, die Realität ach so fremd und ihr Ende nicht weit entfernt. Wenigstens schien sich das Schaf recht bald einen Narren daran zu fressen, die gewobenen Stoffe und Felle ihm einigermaßen zu gefallen. Wärme war es, die er benötigte, von der er wusste, dass er sich mehr als nur brauchte und Nayantai konnte ihm nicht dabei zusehen, wie er sich in eine Decke hüllte, die im Endeffekt so viel mehr tun sollte, aber nicht das, wofür Rain sie verwendete. Die eigenen Hände würde er in diesem Fall in die Hüften stemmen, mit einem breiten Grinsen um den jungen Wolf herumschreiten, aber-- Rain war ein Lamm und Nayantai nicht sein Lehrer, sein Beschützer, sondern mehr oder minder sein Eigentum, weswegen der Wolf lediglich dort stand und das Lamm beobachtete, wie es sich an der Kleidung labte.

      "Ich weiß, dass es nicht annähernd wie die Kleidung ist, die ihr Schafe tragt, aber ich hoffe trotzdem, dass sie dir zumindest irgendwie gefällt", nuschelte der Wolf, war sich unsicher, ob derartige Kommentare überhaupt angebracht waren und ließ zumindest für den Moment von Rain ab, um sich gegen den Sessel zu lehnen und seinem Körper Abhilfe zu beschaffen - er sollte in sein Bett. "Mhm, warm." Die Schafe, die so viele von ihnen töteten, schienen nicht ein einziges Mal auch nur von der Idee beschlichen worden zu sein, sich derartige Kleidung der Toten oder zumindest deren Technik anzueignen, damit auch sie Vorteile im Schnee hatten, nein. Stattdessen mussten sie sich entscheiden, ob sie warme Kleidung trugen oder aber Kleidung in denen sie sich bewegen konnten. "Wolfsfell, ja. Aber ... ich glaube, ich bin der Sprache der Schafe nicht wirklich mächtig genug um dich zu verstehen", den Kopf schüttelte er, legte ihn allerdings nicht schief, sondern griff sich in den Nacken. Rain freute sich darüber, grinste von Ohr zu Ohr, Nayantai hingegen fühlte sich unwohl, wollte ihm nicht weiter in sein Gesicht starren, obwohl er das schon die ganze Zeit vermied. "Wenn es dir dabei hilft, warm zu bleiben, gerne. Ja." Der Wolf schüttelte den Kopf, wurde das Unbehagen los und sah nun wieder zu dem Adeligen, der dort stand, in Kleidung, die vermutlich auch für Nayantai momentan etwas zu groß war. "Ich erspare dir die Hose, vorerst", sagte er und deutete zu ihr. Wenn Rain diese auch noch anzog, dann würde er sich vermutlich gleich in dieser verlieren.
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    • Der Wolf schien erneut nicht zu verstehen was Rain von ihm wollte. "Hm.. Wolfsfell, oder Bärenfell, Fuchs... es ist nicht so als hätten wir nichts in der Art.", lächelte Rain und deutete noch einmal auf die Kleidung die ihm viel zu groß war, dann auf Nayantai und machte anschließend eine Bewegung mit seinen Händen, die Nähen imitieren sollte. "Wolfsfell, für dich, damit du selbst nähen kannst. Und Nadel und Faden, was du sonst so brauchst...Möchtest du welches?", fragte Rain erneut, hoffte der Wolf verstand nun und musste zugeben, dass Wolfspelz im Moment etwas makaber erschien, bezeichneten sie beide doch Nayantai ständig als einen. Er hoffte es war klar, dass er das Tier meinte und nicht Nayantais Volk.

      Er musterte den Wolf, der sich scheinbar noch nicht so lange auf den Beinen halten konnte, wie ihm vielleicht lieb war, vielleicht hätte Rain ihn nicht aus dem Bett jagen sollen. Er trat einen Schritt näher, sah auf die Stelle wo die Wunde sich befand, auch wenn sie von einer dicken Schicht Verband verdeckt war, zumindest blutete sie nicht durch. "Willst du zurück ins Bett?", fragte er nun ein wenig besorgt. "Es tut mir Leid, vielleicht hätte ich dich heute noch nicht hier her schleppen sollen." Er sah kurz zu dem Wolf auf, musterte sein Gesicht für einen Moment. Rain war nicht sicher was der Wolf dachte, der schwankte zwischen seinem grimmigen Blick und einem Lächeln, das er zu verstecken versuchte. Kurzerhand griff Rain nach Nayantais Händen, drückte sie ein wenig, als könnte ihn das trösten, hatte aber nicht viel weiter gedacht und wusste nun nicht was er sagen sollte. Vermutlich konnte er gar nicht das Richtige sagen, also schwieg er einfach.
    • Mit einem Mal wurde es klarer, er verstand schlussendlich, was damit gemeint war - Fell, von dem er sich den Mund noch fusselig reden konnte. Dennoch war es leichter gesagt als getan, war das Fell, das man auf derartiger Kleidung anbrachte doch eigentlich eine Trophäe, die lediglich dazu diente, um zu zeigen, dass sich ein Nomade - ein Wolf - nicht nur mit seinesgleichen sondern auch anderen zu messen wusste. Sollte er abwinken? Es war kein Tier, das er selbst erlegt hatte und Nayantai wusste, dass er selbst auch nicht sonderlich weit käme, würde er versuchen sich eines zu suchen. "Wenn es dir keine Umstände bereitet, gerne", schoss es dafür schon beinahe aus ihm heraus, als könnte er gar nicht anders, als einzuwilligen, als wollte er nicht länger auf die Dinge verzichten, die man ihm nicht geben wollte. In diesem Moment war es dem Wolf förmlich egal, was die Alten über ihn denken würden, welche Flausen sie ihm noch austreiben wollten, damit er keinen weiteren Gedanken an das Geplänkel der Schafe verschwendete. "Zumindest würde es mich freuen, wenn ich eines bekäme", was auch heißen würde, er würde die Kleidung der Wölfe wieder tragen können, sobald er diesen Ort verließ - denn hier war die Kleidung eines Kriegers nicht gut aufgehoben.

      Wäre dieser Körper nicht so schwach, so verloren und unbenutzt geworden, dann würde ihm selbst ein fehlendes Stück Fleisch weniger ausmachen, als es das jetzt, in eben diesem Moment tat. Unbeholfen fühlte er sich, leicht zerstört, aus seiner Ruhe gerissen. Nayantai würde sich auf den Stuhl sinken lassen, hätte man nicht nach seinen Händen geschnappt. "Nein, es geht mir gut", log er durch zusammengebissene Zähne, aber dass das wohl nicht mehr als eben eine Lüge war sah man ihm vermutlich auch an. Sich selbst dabei ertappend, wie schlecht er doch eigentlich log, schüttelte er den Kopf, drückte die Hände Rains etwas fester. "Mach dir keine Sorgen um mich, ich bin immer noch ein Wolf - ein sturer Wolf", brummte der Thrianer, der sich allerdings nach vor streckte, seinen Kopf auf Rains Schulter legte und die Augen für einen Moment schloss, kaum sah er wieder zu dem Fenster. "Ich bin einfach nur etwas müde."
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    • Für Rain war es einfach etwas Fell zu besorgen, ganz abgesehen davon, dass irgendwo in der Stadt sowieso welches lagerte, musste er sich ja auch gar nicht selbst dort hinunter bemühen, konnte es genau genommen gar nicht. Es brauchte nicht mehr als einen Befehl an den nächsten den er traf und Nayantai würde sogar in Fellen schwimmen können. Der Wolf musste glauben, dass Rain deshalb so dürr und schwach war, weil er nie etwas selbst machte musste... durfte, war nur in seinem Fall das richtige Wort. Er schüttelte den Kopf, strahlte den Wolf mit seinen blauen Augen an. "Dann bekommst du eines, so bald wie möglich.", lächelte er, mehr darüber erfreut, dass der Wolf zugestimmt hatte, etwas annahm das Rain ihm geben wollte. Womöglich war er aber auch nur zu müde um zu widersprechen.

      Rain kannte den Blick auf Nayantais Gesicht, nur dass er selbst diesen Blick besser verstecken konnte, unter dem Lächeln in seinem Gesicht, oder einem trotzigen Blick der über seinen Zustand hinweg täuschen sollte. Dem Wolf hingegen konnte Rain ansehen, dass er log, als er sagte es ginge ihm gut, aber er verstand auch, dass es nicht so einfach war das zuzugeben, vielleicht war es sogar schwieriger, wenn man ein starker Wolf war... der Prinz der Wölfe. Als der Kopf des Wolfes auf Rains Schulter landete, war der junge Fürstensohn ein wenig überrascht, aber er ließ es geschehen. Er sagte nichts... er selbst war ebenso müde, war es nicht gewohnt so viel zu sprechen, herum zu laufen, so viel Neues zu erleben, obwohl er immer noch in seinen eigenen vier Wänden war und die Kälte... die Kälte zehrte an ihm, die Kälte die hinein getragen wurde als sein Vater ihm Nayantai übergeben hatte, die Kälte im Zimmer des Arztes, das Fenster vorhin... wobei das kaum noch einen Unterschied machte. Er war schon müde gewesen, bevor Nayantai hier aufgetaucht war, wenn überhaupt, dann ging es ihm durch die Ablenkung ein bisschen besser und vielleicht hatte er ja den selben Effekt auf Nayantai... vielleicht verstanden sie sich deshalb, obwohl sie die Sprache des jeweils anderen gar nicht sprechen konnten. So unterschiedlich sie auch waren, Rain hatte das Gefühl, dass sie sich gleichzeitig sehr ähnlich waren.

      "Hm...", war das Einzige das er von sich gab, ein bestätigender Ton, als wollte er sagen 'Ich weiß. Ich bin auch müde.'. Aber diese Worte brauchte er nicht und Nayantai würde sie auch gar nicht verstehen. Rain schloss ebenfalls die Augen, nur für einen Moment, sein eigener Kopf sackte ein wenig zur Seite, lag leicht auf Nayantais auf und für ein paar Sekunden, vielleicht sogar Minuten genoss Rain einfach die Stille. Er hatte dabei das Gefühl, dass es wirklich still war, nur das Knistern des Kamins war zu hören... keiner seiner eigenen Gedanken, keine Sorgen die er immer mit sich herum schleppte, nicht einmal ein verräterisches Rasseln seiner Lunge, oder die Frage, was er da eigentlich gerade machte.

      Jedoch war Rain es, der die Stille doch brach, der sich nicht Sorgen um sich selbst machte, sondern um Nayantai, der immer noch halb stand und dessen Körper ihm diese Tatsache bestimmt nicht dankte. Er öffnete seine Augen wieder, bewegte sich sonst aber nicht, hielt weiter die großen Hände in seinen und den Kopf sanft auf den des Wolfes gebettet. "Wir sollten dich ins Bett bringen...", murmelte er fast schön flüsternd, als wäre der Wolf ein Kind, das auf seinem Arm eingeschlafen war, aber noch irgendwie den Weg bis zum Bett bewerkstelligen musste, das man aber nicht mit einer lauten Stimme aus dem Schlaf zerren wollte.
    • Wie Erleichterung wusch die Stille über ihn, nährte sich an der Atmosphäre - die Nacht war lang, sie beide allerdings erschöpft davon, ihre wunden Körper zu bewegen, waren es leid, konnten sich kein Stück mehr rühren und wollten es ehrlich gesagt auch nicht. Auch, wenn er hier so stand, die Ruhe genoss und nichts weiter tat als für einen Moment die unverwandte Luft zu atmen, die durch den kurzen Luftzug von vorhin gar nicht so abgestanden war, wusste er, dass er so nicht einschlafen konnte, dass Rain einen ausgewachsenen Wolf nicht halten könnte - und doch war es zu verlockend in dieser Situation zu verbleiben, sich der Welt zu entreißen und für den Moment zu leben. Im Glauben, all die Lasten würden ihm für diesen Moment von den Schultern fallen, er wäre frei - wenn es doch nur so einfach wäre. Die Wahrheit war, dass sie sich beide wohl davor fürchteten, was ihnen bevorstand, dass sie nicht weiter wissen wollten, sondern einfach nicht länger von der Furcht, die sie sonst so einnahm, durchflutet werden wollten. Das Feuer knisterte, flackerte, ließ das Schweigen zwischen ihnen immer evidenter, immer lauter werden - bis Rain es durchbrach, nicht länger stillsitzen wollte.

      Nayantais Augen öffneten sich, die Müdigkeit stand ihm sichtlich in sein Gesicht geschrieben, könnte man es sehen - doch in diesem Moment widmete er sich lieber dem zu weit entfernten Fenster und dem Rücken, an dem er herabsah. Rain war kein Wolf sondern ein Schaf in falschem Pelz, in fremder Kleidung, doch Nayantai kümmerte es kein Stück. Der Wolf rührte sich schlussendlich, wollte aber nicht loslassen, sondern drückte sein Gesicht viel lieber gegen Rain's Hals, der wohl zu dessen Glück mehr oder minder von der Kleidung Nayantai's beschützt wurde. "Mhm, ins Bett", murmelte dieser nur, war augenblicklich so müde geworden, dass es sich unbeschreiblich gut anfühlte, nach monatelanger Einsamkeit in der Nähe eines anderen Menschen zu sein, der nicht dachte, er sei ein Stück Dreck, das nichts verdiente. Vermutlich hätte er dort bleiben sollen, wo er war - aber stattdessen rührte er sich doch, schüttelte den Kopf, die vermeidliche Müdigkeit stand allerdings noch immer in seinem Gesicht geschrieben. "Und du? Ich bin mir sicher dass ...", nuschelte er, verlor allerdings den Faden und gähnte. Ja. Müde. Bett. Schlafen. Das war keine schlechte Idee. Wie ein Kind zog er an den Händen des Blonden, beinahe schon unmerklich, und schloss die Distanz zwischen ihnen, ließ von seinen Händen ab und legte seine Arme um ihn, umarmte das Lamm. "Rain ...", murmelte Nayantai, drückte sein Gesicht dieses Mal jedoch in die Schulter des Lammes und rührte sich erneut kein Stück.
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    • Nayantai schien innerhalb dieser wenigen Sekunden... oder waren es Minuten...? Jedenfalls schien er in der kurzen Zeit auf einmal unglaublich müde geworden zu sein, oder er entspannte sich einfach zum ersten Mal, seit er hier war. Rain wagte es kaum sich zu bewegen, nicht weil er Angst vor dem großen Wolf gehabt hätte, sondern weil er ihm diese Ruhe gönnen wollte, diese Pause, die er so bitter nötig hatte. Es war für Rain schwer sich vorzustellen, was der Wolf durch gemacht hatte, was er fühlen musste. Er hob seinen Kopf, als der Wolf sich doch ein wenig bewegte, wie ein Kind, abermals, das ein Weilchen brauchte um zu realisieren wo es war, was es zu tun hatte, wo das Bett in das es sollte überhaupt war, aber statt sich aufzurichten, drückte der Wolf seinen Kopf gegen Rains Hals, murmelte etwas, das fast verschluckt wurde von der dicken Kleidung in die der Wolf hinein murmelte. Rain hoffte nur, dass der Wolf das hier nicht bereute, wenn er am nächsten Tag ausgeruht war, war Rain doch nur ein Schaf, nicht einmal das, ein Lamm, vor einem Lamm entblößte ein Wolf sich nicht... musste stark wirken, oder?

      Der Wolf löste sich, hatte womöglich genug davon sich die Beine in den Bauch zu stehen. Rain war schon dabei den sanften Griff um Nayantais Hände zu lösen, als der Wolf gähnte, offensichtlich müde und reif für sein Bett. Doch als Rains Finger schon dabei waren sich von Nayantais zu trennen, zog der Wolf an ihm, ließ ihn einen kleinen Schritt nach vorne taumeln. Nayantais Hände lagen nicht mehr in Rains, stattdessen lag er selbst aber nun in den Armen des Wolfes. Sein Herz schien einen Moment lang vergessen zu haben, was es zu tun hatte und nur Augenblicke später wurde Rains Körper von einem kaum merklichen Kribbeln durchzogen, während sein Herz einen Zahn zulegte. Es fühlte sich fast so an wie vor nur wenigen Stunden, als Nayantai das kleine Lamm gefasst und angeknurrt hatte, versucht hatte ihm Angst einzujagen, nur... jetzt war es irgendwie anders, Rain wusste dieses Gefühl nicht zuzuordnen. Er hörte den Wolf seinen Namen murmeln, es hörte sich irgendwie weit entfernt an. Er brauchte einen Moment, war zu überrascht um sich zu bewegen, oder auch nur einen Gedanken zu fassen der irgendwie Sinn machte. Noch bevor er die Situation richtig realisierte, hoben sich seine Arme wie von selbst, legten sich um den mächtigen und stolzen Wolf, als müsste er, das Lamm, ihn beschützen und als wolle er ihm sagen, dass alles gut werden würde und doch fühlte er sich gleichzeitig so an, als würde der Wolf ihn beschützen.
    • Die Stille, die die beiden um sich herum aufbauten war fast wie ein Block Eis, der immer dicker wurde, von einer dünnen Schicht zu so viel mehr, sich verbreitete, all das einnahm, was es zu fassen bekam - es war ein süßer, kurzer Moment den es so nicht geben sollte, der nicht stattfinden durfte. Egal, ob es der imaginäre Nebel war, der sich wie ein Schleier um Nayantais Augen legte, oder der Glaube, er würde sowieso nicht länger an Zukunft oder Vergangenheit zu denken brauchen, weil es weder noch gab - der Wolf fand endlich Zeit, sich auszuruhen, zu entspannen, wie er es schon so lange nicht mehr getan hatte. Würde ein anderer Wolf das Geschehen beobachten, dann wäre auch der Prinz der Wölfe für ihn nicht mehr als ein Heuchler, ein Fremder der einst einen Namen gehabt hatte, der sich lieber auf ein Lamm stürzte, wenn es die Situation erforderte, als an der Seite seines Volkes zu kämpfen - aber egal was es war, Nayantai schüttelte die Gedanken ab, wollte sie auf keinen Fall auch nur eine Sekunde länger hören. Lieber stand er hier, unberührt, in Rain's unmittelbarer Nähe, hielt diesen in seinen Armen und versuchte, all die Dinge, die außer Kontrolle geraten waren, wieder einpendeln zu lassen. Vermutlich war der Wolf einfach launisch, wusste nicht, wohin mit ihm oder jedweder Emotion die er kannte - in diesem Moment war er befreit davon, hatte seine Ketten abgelegt und fand sich in einer Welt wieder, die er noch kennenlernen sollte.

      Einfach hier zu stehen, sich gegenseitig zumindest ein kleines Bisschen zu wärmen - mehr brauchte er nicht, mehr wollte er auch ehrlich gesagt nicht haben oder verspüren. Alles, was Nayantai als wichtig erachtete, war die Realisation darüber, dass er sich nicht immer gegen alles wehren sollte, dass es angenehm genug war, sich in Rain's Präsenz zu befinden - und dass selbst ein Krieger irgendwann ruhen musste, aufgeben musste und mit sich selbst im reinen sein sollte. Der Wolf, so erschöpft er auch war, löste sich von Rain, befreite ihn von der Bürde, die er geworden wäre, wäre er hier und jetzt eingeschlafen. Nayantai fühlte sich so, als könnte er sich augenblicklich in ein Bett werfen, die nächsten zwei Tage schlafen, hatte ihn die Müdigkeit ähnlich schwer erfasst wie so manch wildes Tier. "Rain, ich ... bin müde", murmelte er, griff nach einer Hand des Lammes, die eben noch auf seinem Rücken gelegen hatte - Rain sah beinahe so aus, als hätte er noch versucht, die ganze Nacht hier zu stehen, wenn es das gewesen wäre, das Nayantai gebraucht hatte. "Willst du ... hierbleiben oder ... kann ich dich, mh, ... mitnehmen?", fragte er, verschlafen wie eh und je. Die eigene, vernarbte Hand, an der sich das Lamm einen Narren gefressen hatte, hielt die zierliche, zerbrechliche Hand fest, wollte sie nicht mehr loslassen, geschweige denn von ihr ablassen. Nayantai schien alles egal zu sein, zumindest für den Rest der Nacht.
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    • In Nayantais Armen war es warm...vielleicht lag es auch an der Kleidung die er ihm gegeben hatte, so oder so war es angenehm. Rain hätte nicht gedacht, dass er die Umarmung eines anderen Menschen vermisst hätte und es fiel ihm erst jetzt auf, als der Wolf ihn nun umarmte. Rain wusste nicht was er denken sollte, es fiel ihm oft schwer seine Gedanken für einen Moment abzustellen, aber in diesem Moment war er nicht sicher, ob er keine, oder zu viele Gedanken in seinem Kopf hatte. Wenn Rain nicht alle weggeschickt hätte, wenn sie nicht alleine gewesen wären, dann wäre diese Situation wohl nie zustande gekommen, es waren so viele, verzwickte und komplizierte Umstände die den Wolf und das Lamm heute an diesen Ort geführt hatten, um sich zumindest für einen Moment gegenseitig zu geben, was sie beide brauchten. Jemanden der sie behandelte wie einen ebenbürtigen Menschen, jemanden der durch ein ganzes Leben anderer Erfahrungen trotzdem verstand, wie es sich anfühlte alleine zu sein, andere zu Enttäuschen, nicht das tun zu können, was man wollte... wie es sich anfühlte eingesperrt zu sein, ob in einer Zelle, in einem Haus, oder in einem Körper der nicht das tat, was man von ihm verlangte.

      Rains Arme lösten sich langsam von dem Wolf, als dieser sich bewegte, fast schon fragend, sah er den Wolf an, wusste nicht, was er nun sagen, oder tun sollte, er vergaß jedoch jegliche Frage die er sich stellte, als er in das müde und erschöpfte Gesicht des Mannes vor sich blickte, der fast noch müder aussah als an dem Tag, als er hier angekommen war. Er musste ihm nicht sagen, dass er müde war, Rain konnte es deutlich sehen, lächelte verstehend, bevor er zu ergründen versuchte, was der Wolf ihn fragte. "Du... möchtest, dass ich dich begleite?", fragte er leise, als könnte seine Stimme eine Blase zerplatzen, in der alles gerade so friedlich und problemlos wirkte. Rain blickte auf Nayantais Hand, die sich beinahe an die Rains klammerte, dann blickte er wieder auf, lächelte und griff auch noch nach der zweiten Hand. Er zog leicht an beiden, als konnte er Nayantai damit auf die Beine ziehen, stattdessen war es jedoch nur eine Aufforderung sich auf den Weg zu machen und eine Bestätigung, dass er ihn zu seinem Zimmer begleiten würde. "Schaffst du den Weg auch...?", fragte er immer noch mit gedämpfter Stimme, zumindest die Sorge um Nayantais Verletzung wollte Rain nicht aus dem Kopf gehen, ihn so zu sehen wie er sich jetzt gab, zahm, erschöpft, müde... vielleicht noch mehr, Rain hatte das Gefühl Nayantai wäre in seinen Armen eingeschlafen, wenn sie schon in seinem Zimmer gewesen wären.
    • Seine Ruhe zu haben und einfach den Moment zu genießen wurde dem Wolf schon seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr vergönnt. In einem modrigen, nassen Kerker konnte man derartige Dinge keineswegs tun und auf blutbeschmiertem, für die Wölfe gar heiligen Boden, wollte man es erst recht nicht. All die Anspannung, die sich über die Jahre hinweg angestaut hatte, entwich in diesem Fall förmlich, während die Müdigkeit den Wolf einnahm wie ein Kind, das die letzten Stunden behauptet hatte, es sei gar nicht müde - ungefähr so fühlte es sich an, selbst wenn es Rain war, der den Wolf hielt. "Mhm ... ich kann dich schlecht ...", Nayantai konnte ein Gähnen während des Satzes nicht unterdrücken, wollte nicht mehr als sich gar nicht erst vom Fleck zu rühren und doch wäre es keine gute Idee, einfach so, im stehen, einzuschlafen. "Ich ... kann dich ... schlecht ... alleine ... hier lassen", raunte der Wolf, der sich langsam aber sich von dem Blonden löste, auf eigenen Beinen zu stehen versuchte und sich zusammenreißen musste, damit er nicht nach vorne, direkt in die Arme Rain's kippte - die Idee wäre zumindest überaus verlockend. Rain nahm sich beider Hände an, schien diese wohl für sein eigen zu erklären und zog leicht an diesen. All das fühlte sich so fernab an, die Welt, die Nayantai sah - vielleicht gar nicht sehen wollte - wurde mit jedem Blinzeln mehr verschwommener. "Ja", nuschelte der Wolf, war sich unsicher, ob er wirklich verstanden hatte was Rain meinte und doch war es ihm irgendwo egal.

      Müde Beine, koordinierte von trägen Augen, bahnten sich - zusammen mit dem Adeligen - ihren Weg zur Tür, hinaus aus diesem Raum und hoffentlich zurück in Nayantais Bett. Könnte er seinen Zustand beschreiben, so glaubte er, ginge er beinahe auf Wolken, nicht mehr in diesem Steinhaus oder gar dieser Welt. "Ich könnte ... die nächsten zwei Tage ... schlafen", murmelte der Wolf vor sich hin, der von Erschöpfung geplagt und von der Realisation seines Versagens nicht länger heimgesucht wurde. Ob seine Albträume ihm so gnädig wären, das ließ sich nicht erfragen, doch spätestens jetzt wäre er vermutlich reif dafür, es herauszufinden. Rain einfach so wieder zurück in sein Zimmer zu verschleppen, das war nicht Nayantais Absicht gewesen und doch tat er es, weil er vermutlich nicht mehr wusste, wohin mit ihm. Sein Vater würde ihn wohl selbstsüchtig nennen, trotzig beinahe, aber das war in diesem Moment alles egal. "Rain ... ich ... mh, soll ich dir ... helfen?", meinte er, ließ eine Hand des Anderen los und drückte gegen das Oberteil, das dieser noch immer trug. "Wenn du ... es anbehalten möchtest ... kannst du das auch ... tun", die Intention, Rain gleich mit in sein Bett zu nehmen war zwar nicht von Anfang an gegeben gewesen, aber ehrlich gesagt wollte er auch dann nicht mehr loslassen, als die beiden wieder zu einem Halt kamen.
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    • Rain half dem jungen Wolf so gut er konnte durch den Gang, doch wusste selbst, dass er am wenigsten dazu geeignet war. Er achtete darauf, dass der Wolf nicht stolperte, dass sie den richtigen Weg, zur richtigen Tür nahmen und dass der Wolf mit dem Tempo zurecht kam. Nayantai sah aus, als konnte er während er ging einschlafen. "Ich würde dich auch nicht wecken, wenn du eine Woche durchschlafen würdest...", lächelte Rain, wollte dass der Wolf sich ausruhen konnte, nun da er endlich müde genug war und sich sicher genug fühlte. Rain glaubte Nayantai konnte heute seine Augen schließen und wusste, dass anders als in dem Kerker in dem er das letzte Jahr verbracht hatte, ihm nichts passieren konnte, dass kein Soldat in seine Zelle stürmte, ihn packte und mit sich zerrte, nur um ihn leiden zu lassen und auch sein Volk würde noch ein Weilchen ohne ihn auskommen müssen, jetzt da er in Fhaergus feststeckte, konnte er sich genauso gut ausruhen um im Frühjahr gestärkt in die Schlacht zu ziehen... aber was dachte Rain da eigentlich? Es klang fast schon, als wäre er sich nun sicher den Wolf ziehen zu lassen, wenn die Pässe frei waren. Er sollte auf der Seite der Schafe, nicht der der Wölfe stehen, aber in Wahrheit... stand er auf keiner. Auf einmal sehnte er sich zurück in die Arme des Wolfes, die ihn für einen Moment inne halten gelassen hatten, in der solche Gedanken keinen Platz gehabt hatten.

      Rain wäre fast an Nayantais Zimmer vorbei gegangen, wenn ihn das lodernde, orange-rote Licht des Kamins nicht darauf aufmerksam gemacht hätte, dass sie ihr Ziel erreicht hatten. Rain macht mit dem Wolf noch ein paar Schritte in sein Zimmer, wollte nicht, dass er auf dem Weg zum Bett doch noch zusammen brach, aber anstatt sich direkt ins Bett fallen zu lassen, blieb der Wolf vor Rain stehen, legte die große Hand irgendwo auf Rains Brust. Rain sah an sich herunter, als hätte er vergessen, dass er die Kleidung des Wolfes immer noch trug, dann sah er lächelnd wieder auf. "Es ist dein...", murmelte er leise, als würde der Wolf schon schlafen und er wollte ihn nicht wecken, "...ich lasse es hier. Aber Danke." Vermutlich hätte Rain sich nun umdrehen sollen, damit der Wolf das Band an Rains Rücken besser lösen konnte, oder aber er hätte selbst daran ziehen können, stattdessen aber sah er den Wolf nur an, fand den Gedanken nicht so schlecht, dass er seine Arme um den Blonden legen musste, um ihm aus der Kleidung zu helfen... Rain schüttelte über sich selbst den Kopf.
      "Ah... ich schaffe das schon... du bist bestimmt müde.", murmelte er, versuchte halbherzig mit einer Hand zu dem Band zu kommen um es zu lösen.

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    • Die Wahrheit war, dass Nayantai gar nicht erst wusste, wohin mit ihm. Genau genommen hätte er sich darauf fokussieren sollen, sich gegen die Schafe zu wehren, einen Aufstand anzuzetteln, wegzurennen - aber dazu war er im Moment zu müde, zu krank, stattdessen wollte er nichts lieber als in dem Rauschen seiner Träume zu versinken, nicht aufzuwachen, sich einfach nur ausruhen und all den Schlaf, den er über die Jahre hinweg nicht bekam, nachholen. Ein Wolf zeigte keine Schwäche, entblößte seine wunden Punkte nicht, schon gar nicht vor dem Feind - und doch war es Nayantai relativ egal, selbst wenn ihm ein Dolch zwischen den Rippen stecken sollte, im Moment war all das hinfällig. Müde Worte träufelten aus seinem Mund, unverständliche Dinge die gar nichts mit Rain zu tun hatten, als träumte er bereits vor sich hin - Worte, die keinerlei Bedeutung mehr besaßen, weil es für sie ohnehin keine Übersetzung gab und weil das leise Flehen keinen Gott hatte, dem es gewidmet war. "Es gehört ... mir, ... aber", versuchte er, wollte er vor sich hin murmeln, war aber vermutlich schon im Inbegriff, wegzudösen, hielt sich noch knapp auf den eigenen, müden Beinen. Was aber würde Rain tun, wenn der Wolf nun einfach so wegnickte? Nichts, vermutlich, obwohl er fast etwas tun sollte, jetzt, wo der Wolf seine Arme um den zierlichen Körper legte und blind nach der Hand des Lammes griff, die versuchte, den Knoten des Bandes zu lösen. "Lass dir helfen", wisperte Nayantai, dessen Kopf sich kurzerhand wieder auf die Schulter des Lammes legte - die Augen geschlossen, die innere Ruhe gefunden.

      Abgeschürfte Hände, rau und gezeichnet, nahmen die weiche, zierliche Hand, hielten sie davon ab, auch nur noch eine Sekunde weiter am Band zu zupfen. Die freie Hand der beiden, die nicht die des Lammes behutsam hielt, fing an, das Band zu entknoten, zog schlussendlich leicht an diesem und es fiel auf den Boden, wo Nayantai es liegen ließ. Dass es Rain nicht passte, war kein Wunder - und doch nahm er ihm den Rest der Kleidung nicht ab, sondern ließ eher von dessen Hand ab. "Siehst ... du?" Es ist so viel einfacher., aber nicht jeder wollte sich helfen lassen, schon gar nicht von einem Wolf. Besagter Wolf sah jedoch nicht ein, weswegen er von seiner hypothetischen Beute erst ablassen musste, weswegen er wenige Schritte - noch mit Rain in den Armen - nach hinten taumelte. Kaum stieß er auf Widerstand - in diesem Fall sein Bett - ließ er sich etwas unsanft nach hinten, auf seinen Rücken fallen - so, wie es aussah, würde er Rain weder dabei helfen, sich den Rest der Kleidung auszuziehen, noch ihn loslassen. "Mh, du könntest ... einfach hierbleiben", murmelte er vor sich hin, zog den Blonden etwas näher an sich und versuchte, sich kein Stück mehr zu rühren.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Nayantai sah so unglaublich müde aus, dass Rain wirklich befürchtete, er könnte in jedem Moment einschlafen und doch behelligte er ihn damit, ihm aus der Kleidung zu helfen. Rain hatte fast schon ein schlechtes Gewissen, als eintrat was er eigentlich schon erwartet hatte und Nayantai seine Arme erneut um das Schaf legte. Rain wehrte sich nicht gegen den Griff um seine Hand, der für manch anderen bestimmt beängstigend gewesen wäre, er wehrte sich auch nicht gegen das Gewicht des schweren Kopfes, gegen den Arm der über ihm lag und das Band löste, als hätte er es schon tausend Mal gemacht. Rain schloss ebenfalls die Augen, auch wenn er in dem Moment sicher war, dass Nayantai sehr wohl an seinem Rücken herunter zu dem Band blickte, das er löst. Er war auch müde, öffnete nach wenigen Augenblicken die Augen wieder, um nicht selbst von der Müdigkeit übermannt zu werden und derjenige zu sein, der in den Armen des anderen einnickte.

      Dass Nayantai ihn anschließend mit sich nach hinten zog kam Rain entgegen, der schon drauf und dran gewesen war, den müden Wolf endlich in sein Bett zu befördern, damit er sich ausruhen konnte. Rain federte den kurzen Fall auf die weiche Matratze so gut er konnte mit seinen Händen ab, wollte nicht auf dem geschundene Körper des Wolfes landen und ihm noch mehr Schmerzen bereiten. Den Wolf jedoch schien das gar nicht zu interessieren, ebenso wenig wie der Aufprall auf die weiche Matratze, mit einem Rücken der auf kaum einer Stelle noch Nayantais eigentliche Hautfarbe zeigte. Dunkelblau, rot, halb verheilte Wunden... Rain hatte das Gefühl der Gedanke daran schmerzte ihn mehr, als die Verletzungen den Wolf schmerzten. Er war... wütend, traurig, eine Mischung... darüber, dass einem Menschen so etwas widerfahren war, darüber, dass der Wolf kurz davor war aufzugeben...

      Rain konnte nicht hier bleiben, konnte nicht neben dem Wolf schlafen, auch wenn er selbst gerade zu müde war, sich noch einmal aufzukämpfen und in sein eigenes Bett zu gehen. "Ich...", murmelte er, aber nichts weiter, da war nichts, sein Kopf leerte sich erneut. Er seufzte leise, lies seinen Kopf auf Nayantais Brust sinken und schlüpfte mit den Armen aus der ohnehin viel zu großen Kleidung die dann eher wie eine Decke über ihm lag. "Das ist... bestimmt nicht bequem für dich...", murmelte Rain... kämpfte sich schließlich doch aus der Umarmung, nur um sich vorsichtig von Nayantai herunter zu rollen und neben ihm auf der Matratze landete. Die blonden Haare fielen ihm ins Gesicht, verdeckten ihm ein wenig die Sicht auf den Wolf, der von der einen Seite durch das lodernde Kaminfeuer und von der anderen vom Mond beleuchtet wurde, der zum Fenster herein schien, der Anblick fesselte ihn beinahe, der Wolf war so anders als alles das Rain kannte, in jeder Hinsicht.
    • Nayantai wollte schlafen, war müde - todmüde. Das Einzige, das ihn vermutlich noch davon abhielt, gleich einzuschlafen, war das Lamm, das sich noch immer in seiner Gegenwart aufhielt, noch immer all die Dinge mit sich tun ließ, die ein vollwertiges Schaf schon längst abgeblockt hatte. Rain war sonderbar, so dachte Nayantai zumindest von ihm. Er lebte in einem unendlich anmutendem Steinhaus, schien Leute zu haben, die ihm seine Wünsche fast von den Augen ablasen und doch war er so zierlich, sah so unnahbar aus - hatte nie eine wahrhaftige Schlacht geschlagen, oder aber einen mit Blut übergehenden Boden gesehen, während sich die Kadaver der ehemaligen Besitzer beinahe schon auf dem ehemaligen Schlachtfeld auftürmten. Lag man erst hier, mit einem festen Dach über dem Kopf, so weit entfernt von Thria, dem heulenden Sturm, der den frischen Schnee verwehen wollte oder ihren Feuer den Gar ausmachte. Was tat er hier, in Faerghus, so allein? Und warum war es ausgerechnet ein Schaf, ein Lamm, das er mit sich in sein Bett zerrte und dort liegen bleib, erschöpft und ausgelaugt? Nayantai wusste es nicht, machte sich darüber auch keine Gedanken - das ferne Rauschen des Meeres schien ihn beinahe zu rufen, als wäre sein Traum noch nicht ausgeträumt, als gäbe es an diesem einen, stürmischen Tag mehr zu ergründen als er noch wusste.

      Zwischen dem Knistern der Flamme im Kamin, den leisen Worten des Lammes und dem falschen Meeresrauschen gab es nicht viel Platz für Gedanken, oder darüber, verständliche Dinge von sich zu geben. Nayantai wollte schlafen, hatte bereits die Augen geschlossen und war im Glauben daran, dass Rain es ihm vermutlich alsbald gleich tat, doch dem war nicht so. Rain flüchtete sich aus der Umarmung, schien womöglich nicht sonderlich angetan davon zu sein, die Nacht mit einem niedrigen Wesen - einem Wolf - zu verbringen. "Du ...", murmelte er, schlaftrunken, die halb geöffneten Augen auf das Lamm gerichtet, das nun - anstatt von auf ihm - zu seiner Seite lag. Nayantai schloss die Augen, wollte schlafen und dennoch legte er einen Arm um Rain, kuschelte sich beinahe schon wieder an diesen heran. "Du könntest ... die ... Nacht hier verbringen ... das ...", er hatte den Faden verloren, war schlussendlich vollkommen eingeschlafen und rührte sich keinen Fleck mehr. Der sonst so angespannte Gesichtsausdruck entspannte sich, der Atem des Wolfes flachte ab - zu behaupten, er wäre müde gewesen, war wohl doch eine Untertreibung.
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    • So lag Rain also nun da, in den Armen eines großen starken Wolfes, der sich an ihn klammerte, als wäre Rain ein Rettunsanker auf See, als würde Nayantai das Lamm tatsächlich kennen und ihm nicht erst vor ein paar Tagen begegnet worden sein. Er murmelte noch ein paar Worte, sprach nicht einmal zu Ende und schlief schließlich ein. Rain konnte hören wie seine Atmung sich veränderte, ruhiger wurde. Rain selbst fühlte sich seltsam, nicht unbedingt schlecht, es war... neu, er wusste nicht was er von all dem halten sollte. Eigentlich wollte er selbst schlafen, wollte hier liegen bleiben, einfach die Augen schließen und alles vergessen, aber er wusste das ging nicht. Die Tür zum Zimmer stand immer noch offen, was es einerseits etwas kühl machte und andererseits Leute dazu einlud hinein zu sehen. Irgendwann würde jemand nach Rain sehen, der sich eigentlich im Arbeitszimmer aufhalten sollte und wenn man ihn dort und auch nicht in seinem eigenen Zimmer fand, dann würde man nach dem Wolf sehen und seinen Augen nicht trauen. Nein, Rain konnte nicht hier bleiben, man würde den Wolf auspeitschen lassen und wenn Rain die Wahrheit erklären wollte, sagte, dass der Wolf ihm nichts getan hatte, dann würde man entweder nicht auf ihn hören, oder ihn selbst auf den Scheiterhaufen werfen. Was wahrscheinlicher war, war dass die Leute denken würden, an den dunklen Zaubern der Wölfe war etwas dran, sie hätten ihren Fürsten verhext, planten etwas. Vielleicht war es so, aber wenn, dann war es Rain egal und ehrlich gesagt glaubte er nicht, dass der müde Wolf zu sowas im Stande war, selbst wenn er die Fähigkeit besäße.

      Rain blieb trotzdem noch eine Weile liegen, schloss die Augen und wollte sicher gehen, dass der Wolf auch tatsächlich schlief und Rain ihn nicht aufweckte, wenn er sich bewegte. Erst als er den Kopf drehen musste um in die Matratze zu husten statt gegen die Brust des Wolfes, wusste er, dass es Zeit war zu gehen. Sein Hals kratzte und er konnte das Husten nicht mehr zurück halten, er war kein angenehmer Bettgenosse. Vorsichtig schlüpfte er aus der Umarmung des Wolfes, holte etwas Luft die ihm in der engen Umarmung nicht ganz gegönnt war, hustete noch einmal so leise wie möglich, räusperte sich. Er sah den Wolf da, der quer im Bett lag und tief und fest schlief. Die Decke lag unter ihm, also nahm Rain das Oberteil seiner Kleidung, legte zumindest diese über den Wolf, damit er es warm hatte und vielleicht auch, damit er etwas von zu Hause hatte während er schlief. Noch einmal betrachtete er ihn, als müsse er sicher gehen, dass der Wolf noch lebte. Er hörte das tiefe Atmen, Rain glaubte, dass er sogar zu müde zum Träumen war. Er lächelte, dann verließ er den Raum, schloss die Tür und begab sich in sein eigenes Bett, wo ihn ein weniger tiefer Schlaf erwartete.
    • Diese fremde Welt war ihm nicht nur unvertrauter als sie sein sollte, sie fühlte sich auch noch verfälschter an als der ganze Rest seiner eigenen, die selbst nicht immer in vollem Glanz erstrahlte. Vermutlich waren es einfach die blendenden Schafe, die sich mit fremden Federn schmückten. All das tat jedoch nichts mehr zur Sache, Faerghus oder gar Adrestia existierte in den Träumen eines Wolfes nicht - zumindest vorerst nicht, wenigstens in seinen nicht. Nayantai war zu müde gewesen, erlaubte sich endlich, einfach in der Traumwelt zu versinken und fiel sofort durch diese, tief in ein bodenloses Loch, dort, wo keinerlei Träume existierten. Zumindest glaubte er das, als er blinzelte - einmal, zweimal, dreimal. Verschwommen war die Welt vor seinen Augen, trockene Gräser wogen sich in den rauen Winden, Vögel kreischten über seinem Kopf als sie ihre Runden um ihn zogen. Sein träger Körper lag dort, mitten in einem Feld - ein Gewitter braute sich zusammen, irgendwo am fernen Horizont, während dunkle Wolken immer näher kamen. Irgendwo, so viel näher als das Gewitter, kreischten nicht nur die Vögel sondern Kinder - stritten sich um etwas, das Nayantai nicht ganz verstand. Nichts deutete darauf, dass das hier ein Traum war - auch, wenn er im Gras lag, nur nach oben starrte, versuchte, die verschwundene Sonne zu erkennen, fühlte sich das Gras auf den wenigen Stücken Haut, die es berührten, so echt an - roch so vertraut. Würde er hier bleiben, dort, an diesem Fleck im hohen Gras, vielleicht würde dieser Traum Wahrheit werden, doch das ferne Grollen des Donners trieb den Wolf auf die Beine.

      Die Welpen waren es, die inne hielten, kaum erspähten sie ihn - wussten, dass ihre kleine Meinungsverschiedenheit jetzt ein Ende nehmen sollte, ehe Nayantai ihnen die Entscheidung abnehmen konnte. Erst, als er jedoch direkt vor ihnen stand, war er derjenige, der bemerkte, dass es kein Traum sein durfte, dass die Worte, die sie an ihn richteten so echt waren - sie folgten ihm, drehten Kreise um ihn wie die Vögel über ihren Köpfen, spielten, während derjenige, der versuchte, ein Auge auf sie zu haben, immer weiter gen ihrem Lager schritt, zurück zu dem Rest ihrer Sippe, dorthin wo er auch seine Geschwister und seine Eltern vermutete. Der Wind wurde stärker, die Welt verschwamm, wurde unscharf - zumindest für den Moment, bevor er sich dort wiederfand, wo die restlichen Wölfe ihr Lager aufgebaut hatten. Der Geruch von aufziehendem Regen, von trockenem Gras und der des noch etwas entfernten Meeres zogen ihn beinahe schon in den Bann, gaben ihm zu verstehen, dass auch ohne das Rauschen eben jenes Meeres, dieser Ort nur seinen Erinnerungen entsprang - dass er schon lange keine achtzehn Jahre alt mehr war und dass selbst der tiefste Schlaf Gehirngespinste zutage förderte, hielt man sich lange genug in diesem auf. Auch, wenn dieses falsche Leben so idyllisch wie eh und je war, half es ihm nicht - Herzschmerz machte sich in ihm breit, kaum erblickte er aus der Ferne seine Brüder, doch je näher er diesen kam, desto weiter weg schienen sie zu sein, desto näher kam das Gewitter, vor dem er eigentlich davonlaufen wollte. Das Lachen, das aus ihren Kehlen wiederhallen sollten, verwandelte sich in rauschendes Wasser, welches vom Himmel fiel und das Bild vor seinen Augen mit sich riss, bis nur mehr Leere blieb.

      Es riss den Wolf schon beinahe aus seinem Tiefschlaf, kalter Schweiß perlte seinen Körper hinab - er lag nun nicht mehr nur auf der Decke, sondern hatte sich wohl auch an die Kleidung geschmiegt, die Rain noch eben ... nein, Rain war schon lange nicht mehr in diesem Bett, er selbst lag vollkommen anders in diesem, war schweißgebadet - und noch immer trug er nicht mehr als den Verband und die Hose, die er auch schon zuvor anhatte. Rains Band hielt er fest umklammert in seiner vernarbten Hand, hatte es sich womöglich im Schlaf aus dem Haar gerissen - aber all das waren Spekulationen. Die Sonne hing schief, hinter vereinzelten Wolken, am Himmel und drohte, demnächst wieder hinter Bergen zu verschwinden, die er in der Distanz ausmachte. Wie lange hatte er geschlafen? Lange genug, dass die Wunde an seiner Seite nicht sofort schmerzte, nur weil er sich ein kleines Stück rührte, das stand fest. Sein Hals war trocken, seine Augen fühlten sich schwer an, jedweder Gedankengang war verloren. Das letzte Mal, als er sich so gefühlt hatte, hatte er tagelang geschlafen, aber das konnte doch nicht sein, oder?
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    • Rain träumte äußerst selten, es gab nichts zu träumen für ihn, alles war gleich seit er sich erinnern konnte, alles in der Welt in der er leben konnte hatte er gesehen, hunderte Male, tausende Male. Statt zu träumen wachte er immer mal wieder auf, von einem Husten geplagt der ihn selbst aus dem Schlaf riss, sein Mund war trocken und wenn er Luft holen wollte, dann spürte er beinahe, wie sie ihm so schnell entglitt, wie er sie eingeatmet hatte. Er gab es irgendwann auf zu schlafen, verhielt sich leise, falls jemand an seiner Tür vorbei ging, obwohl er alle nach Hause geschickt hatte. Er lag in seinem Bett, wartete, dass die Sonne aufging und zwang seinen schwachen Körper schließlich auf die Beine. Er holte sich ein frisches Hemd, setzte sich damit auf sein Bett, zog sich um. Sein dürrer Körper zitterte, aus irgendeinem Grund schmerzten seine Finger, während er das neue Hemd zuknöpfte. Er sehnte sich die Wärme zurück, die entweder von Nayantai selbst, oder seiner Kleidung ausgegangen war, vielleicht von Beidem, aber er wusste das durfte er nicht. Anstatt sich mit einem Wolf zu beschäftigen, sollte er sich nach einer Frau umsehen die jemanden wie ihn heiraten würde, aber jeglicher Versuch ihn dazu zu bringen endlich zu heiraten, blockte er ab, tat als wüsste er nichts davon. Er wollte keine Kinder, keine Erben... wenn die Gefahr bestand, dass sie, was auch immer ihren Vater plagte, ebenfalls erhalten konnten. Er wollte keine Kinder, wenn es heißen konnte, dass die meisten davon nicht einmal einen Schrei von sich gaben, er...

      Seufzend erhob er sich, zog sich auch noch den Rest der frischen Kleidung an, wusste, dass Sara gleich mit dem Frühstück vor der Tür stand, dass er sich stark geben musste, sich verstellen. Rain hatte Nayantai gestern Abend verstanden... und Nayantai hatte ihn verstanden, zum ersten Mal seit langem hatte er gegenüber jemandem zugegeben, dass er auch müde war, dass er einfach nur etwas Ruhe wollte. Aber auch diese Situation ging vorbei und im Gegensatz zu Rain würde der Wolf sich erholen, er würde die Schwäche die er gezeigt hatte vergessen, zu stolz sein. Er würde Rain vielleicht dankbar sein, aber das war vermutlich alles und es war auch besser so. Rain musste sich ebenfalls zusammen reißen.

      Als er nach dem Frühstück mal nach dem Wolf sehen wollte, schlief er noch und das auch bis spät in den nachmittag hinein, bis Rain sich zu große Sorgen machte und den Arzt bestellte. Eine kurze Untersuchung ergab nichts weiter, als dass er tatsächlich müde war und so ließ Rain ihn in ruhe schlafen. Am zweiten Tag beschloss Rain sich zu ihm zu setzen, setzte sich auf einen Sessel beim Kamin und las. Er war einfach nur da, hatte das Gefühl, dass es Nayantai vielleicht half, wenn er nicht alleine war und wollte sicher gehen, dass er im Schlaf nicht einfach aufhöre zu atmen. Rain sah nur ab und zu zu ihm hinüber, merkte, dass er von mehr als nur einem Albtraum geschüttelt wurde, die meiste Zeit aber regungslos da lag und sich auskurierte. Erst am Abend schien ein weiterer Albtraum Nayantai schließlich aus dem Schlaf zu reißen.
      Rain wollte nicht so wirken, als hätte er den ganzen Tag hier gesessen, obwohl er es ja getan hatte. Er las die Zeile zu Ende, bevor er das Buch zu klappte und mit seinem eigenen Glas Wasser zu Nayantai hinüber ging, der noch gar nicht richtig zu wissen schien, wo er überhaupt war, oder wann.
      "Hey.", lächelte Rain, als er neben dem Bett zum Stehen kam, hielt Nayantai das Glas in Reichweite. Nachdem er ganze zwei tage lang geschlafen hatte, musste er Durst haben und Hunger... Rain kannte das nur zu gut, wenn er sich von einer Krankheit erholt hatte, konnte er auch mal ein ganzes Wildschwein alleine verputzen. Rain fragte sich gerade jedoch mehr, ob der Wolf überhaupt noch wusste was passiert war, bevor er eingeschlafen war, oder ob er in dem Moment eigentlich schon mit einem Bein im land der Träume gestanden hatte.
    • Nayantai war es gewohnt, weder lange noch tief zu schlafen - wusste, dass ihm all das nicht in die Wiege gelegt wurde, sondern dass er es hasste, länger im Bett zu verbringen, als es unbedingt nötig war. Die innere Uhr der Wölfe, so schien es, tickte gar anders, befremdlich für ein Schaf, das die Augen öffnete, wann es ihm beliebte. Kein Wunder war es, zumindest für ihn, dass er sich nun also aus dem Konzept gebracht fühlte, einigermaßen verlassen - verwirrt. Was hatte ihn so lange in seinen Träumen aufgehalten? Just, in dem Moment, in dem er glaubte, er könnte sich daran erinnern, entglitt ihm all das - der Wolf hatte keine Ahnung, saß da, schnappte nach Luft - er war nicht Zuhause, war nicht in der Wildnis von Thria, nein. An dem vermaledeiten Ort war er, in diesem Steinhaus - und er fühlte sich so, als wäre er von einem Wildschwein oder eventuell sogar einem Pferd überrannt worden. Das Haar, so lang und unbändig, war nicht nur zerzaust, sondern hing ihm auch über sein Gesicht, nahm einen Teil seines Blickfelds ein - Nayantai fühlte sich, kaum hörte er Rain's Stimme in seinen ringenden Ohren, vollkommen in die Realität retourniert, die er so krankhaft vermeiden wollte. Dennoch war der Wolf leicht erschrocken, versuchte gerade noch, sich selbst wiederzufinden und riss ruckartig seinen eigenen Blick von seinen Beinen in die Richtung des Schafes. "Rain ...", murmelte Nayantai.

      Ein kalter Schauer durchzuckte seinen Körper, Luft wollte ihm nicht so recht erhalten bleiben und sein Hals fühlte sich schemenhaft trocken an. Ohne großartig zu fragen streckte der Wolf seine zittrige Hand nach dem Lamm aus, nahm das Wasserglas und trank dieses blitzartig leer, als wäre er am verdursten - etwas, das vermutlich nicht einmal wirklich gelogen war. "Wie ... wie lange?", stotterte er, wischte sich die eigenen Haare aus dem Gesicht, die wohl die dunklen Iriden hatten aussehen lassen wie die Augen eines wahrhaften Tieres. Ohne großartig auf eine Antwort zu warten packte er Rain an dessen Handgelenk, wusste noch nicht, was genau er vorhatte und zog das Lamm etwas näher an die Bettkante. Was zum Teufel machte er da?
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    • "Ah...", entwich es Rain, als plötzlich an ihm gezogen wurde, nicht weil es weh tat, oder er etwas dagegen hatte, er war nur überrascht. Trotzdem packte ihn selten jemand so fest und er blickte auf die Hand, die sich um sein Handgelenk geschlossen hatte. So schnell sich sein Gesicht in ein überraschtes verwandelt hatte, so schnell lächelte er aber auch schon wieder, sah den Griff um sein Handgelenk als eine Aufforderung sich neben Nayantai zu setzen, also tat er das. "Zwei Tage...", antwortete Rain auf die Frage die ihm gestellt wurde. "Du bist noch nicht ganz wach, hm? Wie fühlst du dich. Du hast bestimmt hunger." Er musste hungrig sein, zumal er am Abend an dem er in den Schlaf gesunken war auch nichts gegessen hatte. Rain griff mit der freien Hand nach Nayantais, zupfte das Band aus dieser, das er ihm geschenkt hatte und befreite anschließend auch seine zweite Hand aus dem Griff des Wolfes. Er konnte nicht mit ansehen, wie zerzaust der junge Wolf gerade aussah, deponierte das Band, dass er ihm geschenkt hatte für einen Moment zwischen seinen Lippen, damit er beide Hände hatte um die Mähne des Wolfes zu bändigen und schließlich mit dem Band zu einem Zopf zu binden.

      Als Rain damit fertig war zog er seine Hände zurück, faltete sie auf seinem Schoß und lächelte etwas verlegen. Er hatte keine Ahnung, warum er das gerade getan hatte und er hatte ein schlechtes Gewissen. Er fühlte sich als hätte er die Verzweiflung die den Wolf jetzt und auch vor zwei Tagen befallen hatte ausgenutzt, um... ja um was zu tun? Er wusste eigentlich nicht, was sie beide getan hatten, wie viel davon von Nayantai und wie viel von Rain ausging, wer in dem Moment wen ausgenutzt hatte, oder wie Rain jetzt damit umgehen sollte. Er beschloss es einfach zu vergessen, sofern der Wolf nicht derjenige war, der das Thema erneut herrauf beschwor, auf welche Weise auch immer.