spellbound. (earinor & akira)

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    • Regen - so fühlte es sich an, prasselte beinahe ähnlich auf ihn nieder und der Wolf fragte sich mit jedem Mal mehr, weswegen es ausgerechnet er war, der die Ehre - oder aber eher die Schmach - zuteil wurde, hier zu leben, für einen Moment länger atmen zu dürfen, während er den, in der Abendsonne beinahe schon glitzernden Schnee, von hier drinnen beobachtete, sich auf die Beine zwang, die nicht immer so wollten, wie er es zu tun schien. Der eiskalte Wind, der dort draußen womöglich blies, hatte alle seine Fußspuren vernichtet, während sich die immer gleiche, weiße Schneedecke über das Land gelegt hatte und sie begrub, wie so viele andere Geheimnisse auch, die wohl keiner finden sollte. Gefangen war er, nicht mehr - Rain könnte ihn anketten lassen, ihn fesseln und ihm ein Schwert an die Kehle halten, all das würde auf das Gleiche hinauslaufen, auf die Tatsache, dass es den stolzen Prinz der Wölfe nicht mehr gab, dass Nayantai wusste, dass er nur einer von vielen war und dass es nicht ausgerechnet er sein musste, der sein Volk retten sollte. Wenn er tot war, was dann? Das hatte Rain ihm doch vorhin noch an den Kopf geworfen. Würde er sterben, so war er sich sicher, wäre es wohl lediglich der schwache Trost, realisieren zu dürfen, dass er nicht gänzlich tot war, sondern lediglich für ein paar Jahre länger in den Erinnerungen einiger Menschen weiterleben würde, dass er sich nicht mehr um sein Volk sorgen musste, dass er nicht länger gefangen war und auch nicht länger das Spielzeug eines falschen Königs.

      Wenn er könnte, dann hätte er länger nach draußen gestarrt, hätte den glitzernden Sternen, die sich langsam aber sicher zeigten seine ungeteilte Aufmerksamkeit geschenkt, doch eher lenkte ihn das Klopfen an seiner Tür ab. Also war das noch immer ein Spiel, das sie spielten, das sie wohl niemals nicht spielen sollten. Nayantai seufzte. "Ja?", sprach er in Richtung der Tür, setzte sich allerdings subsequent auf sein Bett, damit er nicht noch mehr fragende Blicke erntete, oder gut gemeinte Ratschläge, die alle nur bereuten, er solle sich ausruhen. Der Wolf wollte sich bewegen, sollte gar nicht hier sein und doch machte man es ihm nicht leicht. Vermutlich würde Rain jeden Moment durch die Tür kommen, hierbleiben, seine Zeit vergeuden - aber was dann?
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Als Rain die Bestätigung des Wolfes erhielt trat er ein, bedeutete Sara mit dem Essen allerdings noch zu warten. Sie stand mit einem Tablett, mit zwei Tellern, zwei Tassen und einer Kanne Tee neben der Tür. Rain wollte sich nicht aufdrängen, würde wieder gehen, wenn der Wolf es wünschte, aber er wollte ihn aufmuntern. Er hatte ihm vorher so gut er konnte zugehört und so dachte er sich... hätte er vielleicht etwas, was dem Wolf gefallen konnte. natürlich konnte es ihn nicht über das hinweg trösten, was er verloren hatte, aber es brachte ihn hoffentlich auf andere Gedanken. Rain lächelte den Wolf an, der auf dem Bett saß, ließ seinen Blick über dessen Körper wandern.

      "Möchtest du ein Stück gehen?", fragte er ihn, wissend, dass der Wolf gerade nicht in bester Form war, aber ebenso wusste er, dass er nicht in diesem Zimmer bleiben wollte. Wie er zuvor schon angemerkt hatte, in dieser Hinsicht war der Wolf seinem Vater sehr ähnlich. Er war auch immer durch das Anwesen gestapft, wenn er schon nicht nach draußen konnte, hatte im Speisesaal gegessen, war in sein Arbeitszimmer gegangen um seiner Arbeit nachzugehen, oder war einfach nur so durch die Gänge spaziert. "Wir können langsam machen, ich will dir etwas zeigen. Ich kann es aber auch her bringen lassen." Dann deutete er auf das Essen hinter sich. "Oder ich lasse dir dein Essen einfach hier und gehe wieder. Es ist deine Entscheidung."
    • Nun saß er also da, zappelte wie ein Fisch im Trockenen und wusste nicht, wohin mit sich selbst. Nayantai könnte aufstehen, könnte den Moment nutzen und Rain anfallen, aber nein - er blieb sitzen, rührte sich kein Stück, sah das Schaf nicht einmal an, sondern starrte beinahe wie hypnotisiert auf den Boden. Tatsache war, dass Rain ihm nicht helfen konnte, dass er seine Worte ernst gemeint hatte, dass er ihn vermutlich nicht töten würde - dass Nayantai hier sicher war, sicherer als er es jemals sein würde wenn er diesen Ort verlassen würde und sich wieder in das Getümmel stürzte, das dieser Krieg nun einmal war. Unbehagen machte sich in ihm breit, kaum öffnete er den Mund - er wollte weder wissen, noch wollte er hören, geschweige denn wollte er sehen oder auch nur irgendetwas vernehmen. Wohin mit ihm, mit seiner angestauten Wut, mit den leeren Worten, die man ihm bot? Nicht hierher, nicht jetzt in diesem Moment, und vor allem nicht an Rain gerichtet. Der Wolf schüttelte den Kopf, wollte nicht zuhören, wollte gar nichts mehr hören, sondern einfach nur in seinem Stillschweigen versinken, seine restlichen Tage vor sich hinfristen, bis der Galgen ihm schlussendlich doch drohte. Aufstehen hätte er können, zu Rain gehen, sich bei ihm entschuldigen, doch wohin mit ihm?

      "Mh", er war sich nicht sicher, was genau er sagen wollte, oder gar sollte. Vermutlich wäre es für alle Beteiligten besser, ging der Wolf auf Abstand, ignorierte das Schaf, das so kurz davor war, sich geradewegs in das Maul eines hungernden Wolfes zu werden, das auch noch offen stand. Vermutlich, so glaube Nayantai zumindest, sollte er einwilligen, sollte dem Blonden für eine oder zwei Stunden gefallen, sich gefügig verhalten und so tun, als gefiele es ihm, nicht mehr als ein Schmuckstück, als ein Ding zu sein, das er nicht war. Hände verkrampften sich in seiner Hose, auf der sie ruhten, auf seinem Schoss - Nayantai wusste nicht wohin mit ihm, wohin mit Rain. Dann schüttelte er den Kopf, erneut. "Ich ...", er wusste nicht so recht, was er sagen sollte, wie er antworten sollte, stemmte sich dann jedoch auf und stand dort, auf seinen Beinen, biss die Zähne zusammen und ließ den Kopf noch immer hängen. Tumult war es, der sich in seinem Inneren abspielte. "Ich weiß es nicht." Nayantai hatte keine Ahnung, war lustlos, hatte die Freude an irgendwelchen Dingen schon vorhin verloren, und doch wollte er sein Maul nicht zu weit aufreißen, damit Rain gegen ein metaphorisches Messer laufen musste.
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    • Rain blickte den Wolf an, musterte ihn und versuchte zu ergründen was er dachte. Er wusste nicht wie er ihm helfen konnte, er wollte ihm helfen, obwohl er es nicht musste, oder eher sollte. Der Wolf schien nicht sicher was er tun sollte und Rain war es auch nicht. Er überlegte kurz, bis er dann doch die paar Schritte zu Nayantai hinüber ging und kurzerhand seine Hand in die seinen nahm. Es würde ihm nicht gut tun nur diese vier Wände zu sehen, nichts anderes. Er war tatsächlich ein wenig wie ein Tier, das verkümmerte wenn man es einsperrte. "Komm schon.", lächelte er freundlich und zog leicht an der vernarbten Hand damit Nayantai ihm folgte.
      "Sara bring das Essen ins Arbeitszimmer und ihr... macht einfach mal Pause.", befahl er an die Personen im Gang gerichtet. Der Wolf wollte sich sicher nicht die blöße geben schwach auszusehen, aber mit Rain alleine brauchte er sich da kaum Sorgen machen. Selbst in seinem jetzigen Zustand, war er wenn er mit Rain alleine war, immer noch der Stärkste im Raum, Rain hoffte zumindest, dass der Wolf das genau so sah. "Du kannst dich an mir abstützen, aber ich fürchte ich werde keine große Hilfe sein. Bevor wir beide umkippen sag lieber bescheid und wir machen eine Pause. Es ist nicht weit... nur bis zu dem Raum in dem ich dir das Buch gegeben habe. Es wird sich lohnen, versprochen."

      Rain kannte den Ausdruck auf Nayantais Gesicht, er wusste wie es sich anfühlte aufzugeben, nur dass der Wolf niemanden hatte, der ihn daran erinnerte, dass er noch eine Aufgabe hatte. Trotzdem hatte Rain fast das ganze letzte Jahr mit dem selben Blick zugebracht, hatte gewartet, dass es endlich vorbei war, dass sein Leben endlich endete. Jetzt wo der Wolf jedoch da war, fühlte Rain sich verpflichtet ihm zu helfen, das erklärte vermutlich das Lächeln, das sich schon fast in sein Gesicht eingebrannt hatte. Wenn er so weiter machte, dann würden ihm noch die Muskeln davon anfangen zu schmerzen. Rain hatte kaum noch etwas gefunden, das ihn interessiert, oder in begeistert hätte. Er wollte etwas finden, das dem Wolf zumindest für einen Moment etwas geben konnte, das ihm half weiter zu machen. Rain wusste, er konnte ihn nicht laufen lassen, aber auch nicht ewig einsperren... wenn es taute, dann schaffte er es vielleicht einfach zu fliehen und Rain würde ihn nicht verfolgen lassen. Bis dahin jedoch, musste der Wolf weiter leben.
    • Nayantai stand im wahrsten Sinne des Wortes neben sich, kannte sich nicht mehr aus, wusste nicht mehr, ob er überhaupt er war und ehrlich gesagt war es sich auch nicht sicher, ob er das ergründen wollte. Näher lag es, einfach aufzugeben und zu hoffen, dass seine Knochen noch eine glaubwürdige Geschichte erzählen konnten, dass es noch sonderlich Sinn machen würde, gäbe er nun - für diesen Moment zumindest - nicht auf und versuchte, sich auf seinen Beinen zu halten, fing an, mit der Wunde umzugehen, versuchte sich nicht unterdrücken zu lassen. "Mh", es waren Laute ohne Bedeutung, Unbehagen, das sich erst zeigte, wenn man ihm zu nahe trat, kaum nahm Rain seine Hand an sich, zerrte leicht an dieser, wollte, dass der Wolf sich bewegte. In dieser Hinsicht war er wohl wirklich wie ein Lamm, so jung und stur, wollte nichts akzeptieren außer seine eigenen Worte, glaubte, all das gehörte ihm und wenn ihm etwas nicht zu passen schien, würde er den Mund aufreißen und nach jemandem rufen. Nayantai seufzte. Wohin nur mit diesem aufdringlichen Welpen, der nicht einmal dann stillsitzen wollte, wenn sich derjenige, der sich nicht rühren sollte, um ihn kümmern sollte? Es war, wie in Thria - in einem Zelt, während er mit seinem schmerzenden Bein dort lag, blutete, hoffte, dass all der Schmerz verging - und es waren die Kinder gewesen, die ihn schon förmlich dazu zwangen, auf seine Beine zu steigen und mit ihnen durch die Gegend zu humpeln. Nayantai schluckte.

      "Du bist wie ein Kind", brummte er, wollte sich nicht erneut von den blauen Augen breitschlagen lassen, oder von dem unschuldigen Gesichtsausdruck, den er nicht kennen wollte. Nayantai ließ nicht von Rain ab, ganz im Gegenteil, drückte dessen Hand vielleicht sogar etwas zu fest, um sich die Erklärung seiner Worte zu sparen. "Nun gut", krächzte er, sah auf ihre Hände, die einander hielten. Mh. Nein, daran zu denken, wie klein und zerbrechlich die Knochen eines Schafes waren, wäre keine gute Idee. "Du gewinnst. Dieses eine Mal", bemerkte er fast schon aufgekratzt, setzte ein Bein vor das Andere und war sich sicher, dass Akzeptanz der erste Schritt zu seiner eigenen Besserung war, die zuvor nicht eintreten wollte. Vermutlich wäre es besser gewesen, wenn er sich nicht breitschlagen lassen würde, und doch waren es seine wackeligen Beine, die versuchten, ihn einen Schritt nach dem Anderen machen zu lassen. "Weißt du eigentlich, dass du mir die Nerven raubst?", fragte er, sprach unverständlicher als sonst, als wolle er gar nicht erst verstanden werden - und doch ließ er von der Hand des Lammes nicht ab.
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    • Rain lächelte, grinste beinahe schon, tatsächlich wie ein Kind, das seine Eltern dazu gebracht hatte, doch noch etwas Süßes essen zu dürfen. Das Gebrumme und Genuschel von Seiten des Wolfes störte Rain nicht, denn er kam ja mit ihm, wenn auch langsam. Auch den festen Griff um seine Hand schob er eher darauf, dass der Wolf sich tatsächlich fest halten wollte, auch wenn Rain nicht mehr war als ein Grashalm den man fasste, wenn man einen Hügel hinauf stieg, nur um sich sicherer zu fühlen. Rain erwiderte nichts, sagte eigentlich den ganzen Weg über nichts, folgte dem Tempo das der Wolf vorgab und zog ihn höchstens sanft in die richtige Richtung.

      Als sie beim Arbeitszimmer angekommen waren, begleitete Rain Nayantai zum Fenster, erst dort ließ er ihn los, langsam und vorsichtig, als könnte er jeden Moment umkippen, sobald er ihn los ließ. Rain versicherte sich, dass dem nicht so war, dass der Wolf auf eigenen Beinen stehen konnte. Erst nach ein paar Momenten deutete Rain auf den klaren Himmel vor dem Fenster. Es fiel kein Schnee mehr, die Wolken waren fort und die Sonne ebenfalls. Einzig und allein der Mond und die Sterne erleuchteten die schneebedeckte Welt draußen. Rain lächelte.
      "Du hast von Sternen gesprochen, richtig?", fragte er den Wolf in seiner eigenen Sprache und deutete nun auf etwas, das direkt vor dem Fenster stand, ein Teleskop. Rain hatte sich früher selbst die Sterne gerne angesehen... er wischte ein paar alte Erinnerungen beiseite, widmete sich wieder dem Wolf. "Sieh mal da hindurch."
    • Bewegte man einen Wolf seiner Art vom Fleck, dann gab es dafür genau zwei Möglichkeiten: Zum einen, weil man Glück hatte und der eigene Tod wohl immer näher rückte, oder aber weil man den Hass und den Zorn von sich abprallen ließ - weil man lediglich ein Kind vor sich hatte, das noch nicht wusste, welche Regeln es zu befolgen hatte, geschweige denn dass diese Regeln überhaupt existierten. Träge Beine folgten dem Lamm schlussendlich, der Besitzer eben jener wusste nicht, wieso er sich so sehr an die schwache Hand klammerte, und doch wollte er das auch gar nicht erst wissen - Nayantai wusste, dass er es nur tat, damit er sich sicher fühlte, damit er sich leiten lassen konnte, weil er selbst nur auf den Boden starrte, bedrückt und desinteressiert war, glaubte, er verdiente all diese Dinge nicht, sondern war nur ein Tier, das man sich hielt, damit man selbst belustigt war. Rain dachte vermutlich nicht so, doch selbst jetzt war ihm mulmig, selbst jetzt fühlte er sich nicht sicher, waren es doch die Berührungen gewesen, die sich wie Feuer in seine Haut gebrannt hatten, ihn nun von innen heraus zerfraßen, nicht wieder freigeben wollten.

      Im Zimmer angekommen, das er vor zwei Tagen erst begutachten durfte, wusste er nicht, was sich darin noch großartig befinden sollte. Rain hatte nicht sonderlich viel, vielleicht gar nichts, verändert - oder aber Nayantai war einfach zu stur und zu sehr gen Boden geneigt, um sich genau umzusehen, zu verstehen, was man von ihm wollte. Lediglich das Licht war anders, keine Sonne drang in den Raum, es war finster geworden, so sehr, dass der Mond nicht mehr allein auf dem Himmelszelt leuchtete. Rain ließ los, der Wolf wusste noch, dass er auch allein stehen konnte, war aber nicht sonderlich erfreut darüber, malte sich diverse Szenarien in seinem Hinterkopf aus, und doch war es nicht mehr als ein Hirngespinst, das es auszumerzen galt. "Rain, ich ...", doch darauf würde er keine Antwort erhalten, so leise wie er vor sich hin nuschelte, so niedergeschlagen wie er war. Was wollte das Lamm schon mit den Sternen? "Ja, aber was hat das damit zu tun?" Nayantai richtete seinen Blick auf, nur ein kleines Stück, wusste, dass keine einzige Wolke zu sehen war.

      Seine Augen fielen auf das so fremd wirkende Stück Holz, das Rain nicht benannte. Verwirrung war es, wollte der Wolf doch gar nicht erst wissen, was man damit anstellte - und doch waren die Instruktionen klar. Etwas unbeholfen näherte er sich diesem, nahm sich die Zeit, es einfach nur anzustarren und schlussendlich durch dieses zu sehen, nach oben, gen Himmel. "Rain, ich weiß nicht was d-", er brach den Satz ab, bevor er bemerkte, was genau das Schaf ihm zeigen wollte - aber so schnell wie er all diese Dinge gesehen hatte, löste er sich auch schon von dem Teleskop. "Wieso?"
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    • "Nun mach schon...", lächelte Rain und sah sich kurz in dem Raum um, wusste eigentlich ohnehin wo sich alles befand, wollte aber sicher gehen. Auf einem kleinen Tisch beim Kamin, der etwas abseits von dem Fenster war, standen die zwei Teller mit Essen und der Tee, zwei große Sessel standen vor dem Kamin, zu der Feuerstelle gerichtet. Rain sah wieder zu Nayantai, der zu zögern schien, schließlich aber tat was Rain von ihm wollte. "Wieso?", wiederholte Rain die Frage die der Wolf kurz darauf stellte, wusste nicht worauf der Wolf hinaus wollte, was er wissen wollte und nachdem er ihm keine Antwort auf eine Frage stellen konnte, die er nicht kannte, trat er neben das Teleskop und betätigte einen kleinen Mechanismus am Fenster. "Mein Vater hat mir mal gesagt... wenn ich mich alleine fühle, dann soll ich mir die Sterne ansehen. Er wird sie auch ansehen, wo immer er ist und es ist als würden wir es gemeinsam tun.", erklärte er, seine Stimme war sanft, es war eine schöne Erinnerung an seinen Vater und als er jünger war, hatte er genau das getan, in die Sterne gesehen.

      Rain holte nun Luft, als würde er gleich tauchen müssen, dabei war es eine eher unbewusste Reaktion. Schließlich schob er das schwere Fenster auf, drückte einen Teil davon nach oben und wappnete sich gegen die kalte Luft. Sie war ihm im Moment egal, Nayantai brauchte das, glaubte er zumindest. Ohne weiteren Kommentar, nur mit einem unterdrückten Husten, stapfte Rain zum Kamin hinüber, nahm eine Decke die über einem der Sessel gelegt war und wickelte sich darin ein. Anschließend nahm er einen der Teller von dem kleinen Tischchen, kam damit zu Nayantai zurück und stellte den Teller neben ihm ab. Noch einmal hustete er, zog die Decke enger um sich. "Tut mir Leid...", murmelte er mit einem entschuldigenden Lächeln und warf selbst noch einmal einen Blick nach draußen.
    • Wenn er gewusst hätte, dass das Leben von Rain gar nicht so einfach gewesen wäre, wie er es sich vorstellte, dann würde er dem Lamm wohl alle Dinge erlauben, sich nicht gegen ihn wehren, sondern einfach nur lauschen, das tun, was man von ihm verlangte. Doch Nayantai wusste nichts, absolut rein gar nichts über irgendetwas - lediglich, dass es ihm hier, eingepfercht in einem Steinhaus, miserabel ging, dass er nicht mehr hören und sehen wollte, dass er lieber erblindete, als hier zu sein. "Mhm", antwortete er lediglich, brauchte dafür kein Ja, kein Nein oder etwa andere Worte. Er hätte später Zeit, sich den Mund fusselig zu reden, aber nicht jetzt, nicht in diesem Moment, in dem er aus dem Fenster starren konnte, so viel er wollte - versuchen konnte, das Lamm zu ignorieren. "Ich ... mh, nein, du. Dein Vater. Ihr mögt einander, nicht?" Nayantai ging es nicht anders, wusste er doch, wie viel Blut sein eigener Vater vermutlich auf den Händen kleben hatte, wie barbarisch der alte Mann doch sein konnte und wie sehr er darauf beharrte, er täte lediglich seine Pflicht. Auch, wenn Nayantai seinem Vater verzeihen konnte, dass er wohl unzählige Schafe ermordete, konnte er es nicht mit dem Vater des Blonden tun, der dennoch nicht mehr als eben das war - ein Vater, ein Mensch, den man in einem ganz anderen Licht betrachtete. "Die Sterne ...", sprach er nachdenklich aus, wollte so viel mehr wissen, als er es in diesem Moment tat, nicht nur über eben jene Sterne sondern auch über Rain, über dessen Beziehung zu seinem Vater und über so viele andere Dinge. Nayantai traute sich nicht, einfach nachzufragen.

      "Rain, was soll das werden?", fragte er, doch es war die kühle Nachtluft, die sich ihren Weg in diesen Raum bahnte, kaum öffnete sich das Fenster, die ihn spüren ließ, wie es da draußen war. Eiskalt. Vielleicht hätte er gleich die Kleidung seines Volkes tragen sollen, sich nicht im Schafsgewand zeigen, das er noch immer nur halb trug, während ein gewisser Anteil von Verband Teile seines Oberkörpers verdeckten und die Hose nicht sehr vor der Kälte schützte, die ihn beinahe schon wie magisch zum Fenster zog, aus dem er kurzerhand eine Hand streckte. Kaum hatte er nach dieser gefasst, hatte gespürt, was er spüren wollte, sah er zu dem Lamm. Kein Freund von Kälte war er, wie es schien. "Bist du krank?", wollte er wissen, kaum hörte er das Husten Rains. Vermutlich sollte er das Fenster schließen, auf die kalte Luft verzichten, die er gerade noch eingeatmet hatte. "Du musst dich nicht entschuldigen", ließ er verlauten und sah dann zum Fenster, das er kopfschüttelnd wieder schloss. Ohne zu fragen, drückte er seine vernarbte Hand auf die Stirn des Blonden, danach auf seine eigene. "Fieber hast du zumindest keines - aber die lausige Decke wird dich auch nicht warmhalten."
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    • "Hm...nein. Mein Vater ist mein Vater, er ist mir wichtig. Aber... wir verstehen einander nicht gut, wir sind sehr verschieden. Huh... ich weiß nicht wie ich das erklären soll." Rain lächelte, es war tatsächlich etwas kompliziert. Er liebte seinen Vater und sein Vater liebte ihn, sie waren Familie und die Einzigen die noch übrig blieben. Jedoch konnte Rain Entscheidungen seines Vaters oft nicht nachvollziehen und seit Rains Mutter gestorben war, bekam er ihn noch seltener zu Gesicht. Er würde also nicht sagen, dass sie einander nicht mochten, es gab eher eine Mauer zwischen ihnen, die sie daran hinderte zu kommunizieren. Ähnlich wie bei Rain und Nayantai, nur dass er und sein Vater die selbe Sprache sprachen, sich aber trotzdem nicht verstanden. "Aber ich habe dich nicht her gebracht, um über meinen Vater zu sprechen... oder überhaupt zu sprechen.", lächelte er entschuldigend.

      "Was...?", fragte Rain als die große Hand auf ihn zu kam, seufzte leise und schüttelte den Kopf. "Mach dir keine Sorgen.", versicherte er und klopfte zwei Mal gegen das Fenster. "Lass es ruhig offen. Ich setze mich zum Feuer." Er deutete auf den Kamin, lächelte den Wolf noch einmal an und machte sich auf den Weg dort hin. Eigentlich hatte er nicht vor gehabt, den Wolf wieder in ein Gespräch zu verwickeln, oder an seiner Seite zu kleben. Er vermisste seine Heimat, die Sterne, die frische Luft... Rain wollte ihm davon so viel geben wie er konnte, damit der Wolf etwas hatte, woran er sich festklammern konnte. Der blonde Fürstensohn nahm also mit dem Gedanken, Nayantai ein wenig Ruhe zu gönnen, auf dem großen Sessel vor dem Kamin platz, griff nach dem Tee und blickte ein wenig ins Feuer. Das Essen rührte er vorerst nicht an, zog nur die Decke um sich, als wäre das Fenster immer noch offen.
    • "Also ... hm. Daraus werde ich wohl noch nicht schlau", gab der Wolf zu, dessen ganzer Körper sich angespannt anfühlte, der nicht wissen wollte, worum es im Endeffekt wirklich ging und sich dennoch gleichzeitig nicht helfen konnte und wusste, dass er vermutlich zu viel des Guten über Dinge erfragen wollte, die ihn eigentlich nichts angingen. Genau genommen war das nicht seine Schuld und doch fühlte es sich so an, als würde er durch ein Minenfeld stolzieren, das entweder zeitweise von dem Blonden oder aber von ihm selbst ausgelöst wurde. Wie überaus unpassend. Wenn Nayantai ehrlich war, dann wollte er nicht sonderlich viel von dieser Welt außerhalb der seinen wissen, und doch kam er nicht drumherum, sich immer wieder in den gleichen Angelegenheiten zu verstricken. "Mh, was willst du dann?", fragte er, wusste nicht so recht, worauf das hinauslaufen sollte. Natürlich ließ sich lediglich erraten, was Rain genau von ihm wollte, doch die bittere Realität war, zumindest in diesem Fall, dass es leicht gewesen wäre, hätte er das Lamm verstanden, das sich schon die Mühe machte, einen verwundeten Wolf aus seinem Bett zu holen, in dem er trotzig vor sich hin siechte.

      "Also soll ich das Fenster offen lassen?", wollte er wissen, war sich aber eben dabei nicht sonderlich sicher. Rain sah nicht so aus, als ob er mit den eisigen Winterwinden seines eigenen Landes vertraut war, oder dass er wusste, wie krank man dadurch werden konnte. Nicht umsonst starben selbst junge Wölfe in derart schönen, aber eiskalten, Nächten. "Selbst ein Feuer und eine Decke wird dich nicht warmhalten", vielleicht dachte er zu sehr an die Welpen, die er dermaßen oft hüten musste, dass er nicht nur zwei von ihnen als seine Brüder bezeichnen wollte, sondern alle von ihnen. War man ein stolzer Krieger, dann befand man sich entweder in einer Schlacht oder in einem Zelt, in dem man sich auskurieren sollte. War man Nayantai, dann war der Aufenthalt in besagtem Zelt ungefähr so lange, wie er stillsitzen konnte, also wenige Stunden. Seinen Blick warf er dennoch aus dem geschlossenen Fenster, auf den Himmel hinaus, schwieg, hielt sich am Fensterrahmen fest, um nicht wieder in die Knie zu sinken. "Weißt du, du erinnerst mich an ein kleines Kind ... aber, irgendwie bist du auch noch aufmüpfiger", sprach er, leicht belustigt, und hielt die Hand gegen die kalte Scheibe und verweilte dort, wo er war. Selbst, wenn er die Sterne von hier aus beobachten wollte, wollte er das Fenster nicht wieder aufreißen. Beinahe schon gedankenverloren murmelte er: "Zumindest glaube ich, dass kalte Luft dir nicht gut tut."
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    • "Ich will gar nichts.", lächelte Rain, trank einen Schluck von dem warmen Tee, um die Kälte aus seinem Körper zu treiben. Er schätzte es, dass der Wolf so viel Weitsicht, Auffassungsgabe und Mitgefühl besaß, dass er das Fenster schnell wieder geschlossen hatte, aber Rain war es unangenehm ihn in dem einzuschränken, was er tun wollte, oder was ihm gut tat. So oft war er einfach nur im Weg, oder schlicht nicht das, was man von ihm erwartete, das was man sich in einem Sohn wünschte. Sein Vater hatte nie etwas dergleichen gesagt, aber er wusste, dass er sich eher einen Sohn gewünscht hätte, der wie der Wolf war. Stark, voller Energie und vor Allem in der Lage seinen Vater in die Kälte zu begleiten, in Schlachten...

      "Du kannst mit dem Fenster machen was du willst, wenn du es wünschst, dann gehe ich. Du kannst hier bleiben, oder zurück in dein Zimmer gehen, sofern du dich dazu in der Lage fühlst." Rain seufzte leise, nicht weil er genervt wäre, er wollte nur die Luft aus seinen Lungen pressen, zog die Decke enger um sich und atmete kurz darauf die dampfende Luft ein, die von seinem Tee aufstieg. Nayantai hatte recht, die Decke half nur wenig, das Feuer würde vielleicht nicht reichen, aber die Wahrheit war, es spielte keine große Rolle. Rain sah weiter in das lodernde Feuer, vielleicht war er wirklich wie ein Kind... "Manchmal meinen Menschen es nicht, wenn sie Nein sagen...", murmelte er, in Nayantais Fall zum Beispiel war er sicher, dass er oft nur aus Prinzip Nein sagte und Ja meinte, aber das waren vielleicht auch nur die engstirnigen Gedanken, eines reichen Kindes, das ein Nein noch nie akzeptieren musste, obwohl das in Rains Fall nicht ganz richtig war.

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    • "Das sagst du", entgegnete er ihm. Oftmals war es jedoch lediglich eine Taktik, die er selbst von sich kannte. Versuchte man etwas, jemandem, zu trotzen, dann schienen die Antworten oft immer weniger selbstgefällig, immer mehr so, als würde man genau das meinen, was sein Gegenüber hören wollte, während die eigene Stimmlage die Situation ins Lächerliche zog. Aber Rain verhielt sich nicht so, Rain schien zu wissen, wovon er redete und zu glauben, dass er sich gegen bitterkalten Wind messen konnte, auch, wenn sein Körper ihm all das nicht erlauben wollte. "Aber egal, ob es die Wahrheit ist oder nicht, dein Körper verrät dich viel zu oft", brummte der Wolf, der sich vom Fenster löste, die eiskalte Nacht nicht länger im Blick haben wollte. Egal was er tat, oder sah, er könnte nicht einfach aus dem Fenster türmen und sich in den Frost und Schnee davonstehlen, also war es eher schlecht als recht das zu spüren, das er da draußen verpasste. "Meine Mutter meinte, als ich noch jünger war, wenn ich immer nur das tue, was mein Kopf will und nicht das, was mein Körper braucht, dann bringe ich mich noch um. Und stillsitzen kann ich trotzdem nicht." Nayantai bahnte sich seinen Weg zu Rain, weg von dort, wo er eigentlich hätte stehen sollen. Vermutlich hätte er sich gleich auf den Sessel fallen lassen und das lodernde Kaminfeuer beobachten, oder aber sich einfach auf die Sterne zu konzentrieren versuchen. Stattdessen stand er wiederum vor Rain, sah diesen eindringlich an, würde es ohnehin tun, auch wenn er den Kopf wieder senkte.

      "Du kannst dort bleiben, wo du bist, wenn ...", er brach ab, sollte vielleicht doch noch einmal überlegen, was genau er sagen wollte und sich nicht Hals über Kopf in irgendeine Situation stürzen, die ihm nicht wohl bekam. Rain konnte er schlecht näher an eine Wärmequelle bringen, geschweige denn war er in der Lage dazu, einfach so ein Schaf zu umarmen. Wohin also mit den Worten. "Ich möchte etwas ausprobieren, aber dazu müsste ich zurück in mein Zimmer gehen und wieder hierherkommen." Und ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob ich dabei nicht sofort einknicke wie ein Grashalm, hing er lediglich in Gedanken an, wollte nicht, dass das Lamm sich ohnehin noch mehr sorgen machte, als es das ohnehin schon tat - oder vielleicht auch nicht? Die vernarbte Hand streckte er dennoch nach Rains Decke aus, strich über den Stoff und zog die Hand genau so schnell weg, wie er sie auf die Decke gelegt hatte. "Mhm", entgegnete er ihm lediglich. Ehrlich gesagt war die Winterkleidung des Wolfes, die Sara zusammengeflickt hatte, um so viel wärmer als diese Decke.
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    • Rain beugte sich ein wenig nach vorne, sah an der Lehne des Sessels vorbei um Nayantai anzusehen, der wohl doch wieder die Lust zum Sprechen gefunden hatte, dabei war das gar nicht Rains Absicht gewesen. Er verstand wie immer, wenn sie beide sich unterhielten, nur die Hälfte, wenn überhaupt. Er lächelte entschuldigend, weil er das Gefühl hatte, ihm wurde ein Vorwurf gemacht, oder er sollte sich ertappt fühlen. Hätte er die Worte die seine Mutter an Nayantai gerichtet hat, verstanden, dann hätte er erwidert, dass er schon 20 Jahre das tat, was sein Körper brauchte und er hatte genug davon, lange schon. Wenn er nur tun würde, was sein Körper brauchte, dann würde er am Besten gar nicht mehr aufstehen und dann konnte er auch gleich sterben. Die Frage war nicht, ob Rain sterben würde, oder wie bald, denn er spürte, dass der Tod ihm näher war als jemals zuvor, sondern was er aus seinem Leben machte, bevor das Unausweichliche eintrat. Er wollte nicht einfach so verschwinden.

      Nun hatte Rain das Gefühl, dass der Wolf ihm helfen wollte, hatte er doch eigentlich das Gegenteil vorgehabt. Rain griff nach der Hand, die prüfend über seine Decke gestrichen hatte und schmunzelte. "Du musst dich nicht um mich kümmern. Ich habe schon genug Leute um mich, die das tun. Setz dich einfach hin, oder geh ans Fenster... mach einfach worauf du Lust hast und denke an dich selbst. Wenn du willst, kann ich etwas aus deinem Zimmer für dich holen, aber wegen mir brauchst du den Weg nicht noch einmal auf dich nehmen."
    • Verbrachte man so viel Zeit in der Nähe von Schafen und so wenig in auch nur der Nähe eines einzigen "Artgenossen", dann wurde einem viel zu schnell klar, dass man sich nicht anders zu helfen wusste, als sich mit seinen eigenen Gehirngespinsten zu beschäftigen. Selbst, wenn das in diesem Fall nicht funktionierte, so fantasierte der Wolf doch darüber, wie es gewesen wäre, hätten sich die Wölfe nicht in die Knie zwängen lassen, wäre er noch dort draußen, in Thria, in der eisigen Tundra aus der es kaum ein entrinnen gab. Vermutlich würde er, mit dem letzten Rest der Wölfe, irgendwo dort draußen ausharren, vielleicht auch sein eigenes Volk aufgeben, sich einem anderen anschließen - vielleicht ließen sie Thria auch zurück, über das Meer und sein Rauschen hinaus. Was dahinter lag, das konnte er nicht sagen, aber es genügte schon zu wissen, dass es dort draußen etwas gab - eine potentielle, neue Heimat - ein Ort, der die Wölfe mit offenen Armen empfing. "Ich kaue dir vermutlich schon wieder ein Ohr ab, weil ich so viel rede - positiv daran ist wohl nicht einmal, dass du mich teilweise nicht verstehst", seufzte der Wolf. Nayantai fühlte sich so, als wäre das Lamm vor sich nichts anderes als ein verwaister Welpe, der zwar all die Dinge bekam, die er benötigte, um am Leben zu bleiben, aber ein schönes Leben war es trotzdem nicht. Rain war, seiner Meinung nach zumindest, trotz seines andauernden Lächelns, vermutlich nicht der Glücklichste.

      Seine Hand konnte er zeitweise entbehren, ließ Rain diese halten, während er dort stand und sich das Lamm von oben herab ansah. Zierlich. Schmal. Für einen Wolf definitiv zu kurz geraten. Seine Haut bleich und makellos, die blauen Augen so unverwandt. Die freie Hand des Wolfes, die nicht gerade von Rain in Beschlag genommen wurde, wischte dem Lamm jedoch lieber eine seiner Haarsträhnen aus dem Gesicht, hinter dessen Ohr. "An mich selbst?", wollte er wissen, verstand er doch nur die Hälfte des Gesagten - aber wenn er an sich selbst denken sollte, dann hatte er ohnehin schon lange verloren. Schließlich wollte er sich zurückziehen, aus dieser Misere heraus, aber sich selbst dazu bringen war eine ganz andere Hürde, die Nayantai in diesem Moment gar nicht überwältigen wollte. Die erneut freigewordene Hand nahm er, zeigte auf seinen Oberkörper. "Meine Kleidung", auch, wenn er dabei nicht an sich selbst dachte, sondern eher an das zitternde Lamm vor ihm.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Ich... verstehe nicht. Aber macht auch nichts. Jedenfalls, fühl dich nicht gezwungen mit mir zu sprechen.", lächelte er und ließ die Hand des Wolfes wieder los. Vielleicht war es genau das, was der Wolf gerade brauchte, Ablenkung, jemanden um den er sich tatsächlich kümmern konnte, wenn er schon nicht auf die jungen Wolfwelpen bei sich zu Hause acht geben konnte. Rain wusste nicht genau, ob er sich darüber freuen sollte, dass ausgerechnet er das sein sollte, dass ausgerechnet er schon wieder jemanden hatte, der viel zu vorsichtig mit ihm umging und sich ständig Sorgen machte. Er hatte das Gefühl, wüsste der Wolf wie schlecht es um Rain wirklich stand, würde er kaum noch von seiner Seite weichen wollen, was in sich schon eine sehr seltsame Reaktion von einem Feind war, der noch dazu ein Fremder war. Rain allerdings war doch genau gleich, er wollte dem Wolf helfen, der halb erfroren bei ihm abgegeben wurde, wie ein Hund, den man nicht mehr wollte, weil man ihn nicht mehr durchfüttern wollte. Er half ihm, obwohl er sein Feind sein sollte und obwohl er ihn nicht kannte. Rains Haarsträhne rutschte schnell wieder hinter seinem Ohr hervor, nachdem der Wolf sie beiseite geschoben hatte. Noch eine Reaktion, die das Lamm nicht verstand, wusste nicht, woher der Impuls des Wolfes kam das zu tun.

      "Deine Kleidung?", fragte er noch einmal und zupfte an seinem eigenen Gewand, war er über das Wort doch eher unsicher. "Du willst, dass ich deine Kleidung für dich hole?" Er lächelte, vielleicht war dem Wolf selbst kalt, oder er wollte etwas von sich tragen, statt die ungewohnte und nur halb passende Kleidung die Rain für ihn bringen hat lassen. Er erhob sich langsam deutete auf sein Essen, da das des Wolfes noch beim Fenster stand. "Kein Problem. Iss doch inzwischen etwas."
    • Gäbe es keine Barriere, die die beiden davon abhielt, wirklich miteinander zu kommunizieren, so war sich Nayantai sicher, hätte er ein leichteres Spiel, würde er seine Anliegen dem Adeligen näherbringen wollen. Prinz der Wölfe oder der Tundra hin oder her, mehr als ein Nomade war er nicht und mehr sollte er auch nicht sein - sein Volk brauchte keine Titel oder gar Namen um zu wissen, mit wem sie es zu tun hatten. Die Schafe dafür, so schien es zumindest, schon. Auf den unverständlichen Satz Rains folgte Stille, zumindest von Nayantai aus, bevor er überlegte, was er ohnehin mit sich selbst anzufangen wissen sollte - sollte er die Zeit nutzen, in der er Rain aus dem Zimmer gelotst hatte, um das Fenster zu öffnen und sich aus diesem zu stürzen? Nein, starb er nicht beim Aufprall, dann war es die Kälte, die ihn spätestens morgen dahingerafft hatte. "Hast du keine Angst, dass ich dir davonrenne, wenn du mich alleine lässt?", fragte er eher sich selbst als das Lamm, mit dem er noch auf einen grünen Zwei kommen wollte - irgendwann, irgendwie. Ohne weiter darauf zu achten, was genau er wollte - was genau Rain wollte, ließ er sich also in den Sessel neben diesen fallen und starrte auf die leuchtende Flamme vor sich, die womöglich mehr wusste, als er selbst. "Ich könnte mich wahrscheinlich Hals über Kopf aus dem Fenster stürzen und die einzigen Konsequenzen wären gebrochene Knochen", murrte er, als er den Blick wieder von der Flamme riss.

      "Mhm, meine Kleidung", antwortete er dem Schaf, saß nun also da und hatte seine Aufmerksamkeit auf ein anderes Spektakel gerichtet, das nichts mehr mit dieser Konversation oder dem Feuer dieses Raumes zu tun haben würde. Selbst, wenn er im Endeffekt nun doch selbstgefällig handeln würde, etwas tat, das Rain gar nicht wollte, war es egal. Es wurde ihm erlaubt, an sich selbst zu denken und nicht mehr. "Wenn ich hunger haben sollte, komme ich auf das Angebot zurück", faselte er noch, bevor er sich dazu entschied, dass es wohl genug Gerede war - aber was dann?
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Wenn du nicht immer erst essen würdest, wenn das Essen schon kalt ist, würde es dir vielleicht auch schmecken.", schmunzelte Rain, stand langsam wieder auf, legte die Decke beiseite und nickte. "Ich hole deine Kleidung." Er wusste zwar nicht was der Wolf wirklich damit wollte, aber er brauchte es auch nicht zu wissen. Stattdessen machte er sich einfach auf den relativ kurzen Weg zu Nayantais Zimmer, um die gewünschte Kleidung zu holen.

      Angst, dass der Wolf weglaufen konnte, hatte Rain nicht. Er hätte auch in seinem Zimmer das Fenster öffnen und herausspringen können, wenn er geglaubt hätte, dass das einen Sinn machte. Wenn überhaupt würde er wohl noch warten, bis seine Wunde verheilt war und selbst dann machte sich der junge Blonde weniger darum Sorgen, dass der Wolf weglaufen würde, als viel mehr darum, dass er es nicht schaffte, im Schnee versank, am Erfrieren war, aber zu stolz war, um zu dem steinernen Haus zurück zu kehren, das ihn aus dieser Lage befreien konnte. Er glaubte, der Wolf spielte mit dem Gedanken, hoffte nur, dass er lange genug damit warten würde, bis der Schnee schmolz. Rain würde ihn nicht in einem Zimmer, oder gar dem ganzen Haus einsperren können, das wusste er. Jetzt noch zwang er ihn, konnte der Wolf sich ja ohnehin kaum auf den Beinen halten, wenn es ihm allerdings besser ging, dann würde Rain ihm erlauben nach draußen zu gehen, zumindest hatte er das im Moment vor.

      Rain war nach ein paar Minuten mit Nayantais Kleidung zurück, ging zu ihm hinüber und legte sie ihm auf die Lehne des Sessels auf dem er saß. "Bitteschön.", lächelte er, etwas unsicher was er jetzt tun sollte, "Soll ich dich damit alleine lassen? Ich gehe einfach uhm... ich kann dich auch ganz alleine lassen. Wie gesagt, du musst mich nicht unterhalten, ich... wollte dir nur die Sterne zeigen, das ist alles. Und ein bisschen Bewegung schadet sicher auch nicht, mein Vater hätte zumindest so etwas in der Art gesagt...."
    • Würden seine Beine ihn tragen, das wusste der Wolf zu genüge, würde er wohl nicht mehr hier sitzen, sich dem Schaf annähern und behaupten, er wäre kein wildes Tier. Wenn er töten musste um dort draußen zu überleben, dann würde er vermutlich auch das tun, so lange es bedeutete, dass er einigermaßen unbeschadet wieder Zuhause ankäme. Rains Worte wirkten, obgleich wahrscheinlich gar nicht so abwegig gemeint, eher so, als würden sie an Nayantai abprallen, der kein Wort mehr von sich gab, vor allem aufgrund dessen, dass er sich erneut dort wiederfand, wo er gar nicht sein wollte: Tief in seinen Gedanken versunken. Auch wenn er selbst von den Wölfen behauptete, sie wären nicht sonderlich angriffslustig oder gar so barbarisch wie die Schafe versuchten, sie alle darzustellen, dann wusste Nayantai selbst, dass weder er noch der Rest seines Volkes unschuldig waren. Aber wer saß in einem Krieg, der lediglich von einer Seite provoziert wurde, schon tatenlos herum und ließ sich ausrotten? Sicher kein Wolf, definitiv nicht sein Volk. Ob es nun einen Wolf brauchte um fünf oder zehn Schafe zu töten sei dabei dahingestellt, doch während der König ausreichend gesichtsloser, junger Männer hatte, die für ihn sterben würden, hatten die Nomaden lediglich ihre Freunde, ihre Familien, die sich nichts nehmen lassen wollten. Vermutlich hätte er einfa- Nein.

      So schnell wie Rain ihn alleine gelassen hatte, so leise wie er war, so schnell war er auch wieder zurück und brachte dem Wolf das, wonach er verlangt hatte. "Danke", sagte er, drückte sich erneut nach oben und stand schließlich auf seinen zwei, wenn auch wackeligen, Beinen und sah Rain an, bevor er dieser wieder Stuss von sich gab, den der Wolf nicht eindeutig verstand. "Mh, bleib", sagte er und griff nach der Kleidung. Wenn auch gleich er Sara nicht sonderlich gut kannte, schien sie doch ein Auge dafür zu haben, wie sie den fremden Stoff am besten die noch fremderen Fetzen imitieren ließ. Nayantai schlüpfte lediglich in das Oberteil, das eher einem Mantel glich, den er um seinen Oberkörper zog, übereinander legte und schließlich mit einem Band, das an beiden Seiten befestigt war, zusammenzog und auch zusammenbinden wollte bevor ... "Ach, verflucht", kam es unter zusammengebissenen Zähnen hervor. So sehr die Kleidung auch gefüttert war, so musste er sich auch eingestehen, dass selbst zu festes Zurren in seine Seite schnitt. "Rain", grollte der Wolf lediglich, der sich wieder selbst aus seiner Kleidung half und sie schlussendlich über die Schultern des Lammes legte. "Danke", wiederholte er sich schon fast. "Mir ist viel zu warm um das in diesem Steinhaus zu tragen, aber du siehst aus, als ob du jeden Moment erfrierst. Wenn du willst, kann ich dir zeigen, wie man es richtig anzieht." Um die wirren Wolfsworte verständlicher zu machen deutete zuerst auf das Oberteil, das sich mehr wie eine zu groß geratene Decke um Rains Schultern schmiegte und danach auf den Blonden selbst.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain sah Nayantai dabei zu, wie er in das Oberteil der fremdartigen Kleidung schlüpfte, jedoch inne hielt, als er versuchte besagtes Kleidungsstück zu zu schnüren. Reflexartig hob Rain seine Hände, als könnte er Nayantai helfen, hielt aber inne, weil er nichts tun konnte. Es tat Rain schon fast selbst weh ihm dabei zuzusehen, wie er zu viel Druck auf die frische Wunde ausübte. Er wirkte daraufhin etwas niedergeschlagen, noch mehr, wenn das möglich war und Rain war sich ziemlich sicher, dass er bald perfekt in der Sprache der Wölfe fluchen konnte. "Hm?", machte Rain nur ein fragendes Geräusch als er seinen Namen vernahm, lächelte als der Wolf sich bedankte. Was der Wolf danach sagte, verstand er nicht, sah ihn nur etwas verwirrt an, als er ihm das Oberteil um die Schultern legte, in dem er nun sicher noch kleiner aussah als er war. Die Kleidung des Wolfes war ihm viel zu groß, trotzdem schlüpfte er in die Ärmel. Nun war aber er dran zu fragen: "Wieso?"

      Wo die Wölfe mit ihrer Methode Waffen herzustellen und Taktiken auszuarbeiten hinterherhinkten, da waren sie den Menschen aus Athrestia voraus, wenn es um das Überleben in der Kälte ging. Selbst Männer wie sein Vater wuchsen in Steinhäusern auf, die sich zwar nicht perfekt aufwärmen ließen, aber zumindest schon von Grund auf Schutz vor dem eisigen Wind boten, der draußen herrschte. Ein so großes Anwesen wie dass von Rains Familie war ungünstig, wollte man es wohlig warm haben, aber ein kleines Haus war schnell aufgewärmt und blieb es auch den ganzen Winter, sofern man genug Feuerholz hatte.
      Die Nomaden hingegen hatten nur ihre Zelte, ein wenig Feuer und wenn sie auf Wanderschaft waren nicht mehr als ihre Kleidung und dass dies der Fall war, merkte Rain sobald Nayantai ihm seinen Mantel um die Schultern legte. Dass die Kleidung nicht gerade der Mode in Fhaergus oder gar Athrestia entsprach, war Rain egal, jedoch hatte er keine Ahnung wie man dieses riesige Stück Stoff überhaupt anlegte. Fragend blickte er den um fast einen Kopf größeren Wolf an. "Äh...ja!"