spellbound. (earinor & akira)

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    • Nayantai kannte ich mit technischen Feinheiten - oder Kartenspielen - in diesem Fall nicht sonderlich aus. Wölfe waren keineswegs zivilisiert, glichen wilden Tieren in all den Dingen, die sie taten und rasteten eher selten. Müde Knochen gab es nicht, war man erst einmal auf den Beinen, dann nutzte man die Zeit um etwas zu tun, bis man wieder erschöpft in sein Bett fiel, oder zumindest die Zeit dazu fand, sich mit dem Rest der Nomaden um ein großes Feuer zu scharren und alten Geschichten zu lauschen, während einzelne Funken in den dunklen Nachthimmel aufstiegen. "Mehr Macht ...", murmelte er vor sich hin, sah eher Rain dabei zu, wie er sich die besagten Karten aneignete und fragte sich, ob die Schafe die Natur wirklich so hassten, dass sie sich lieber mit Karten beschäftigten, als mit der Welt, die es da draußen, vor seiner Tür gab. Kaum lag ein König auf den Laken unter ihnen, seufzte der Wolf. Ganz verstanden hatte er das Prinzip des Spiels nicht, aber er hatte sich zumindest gemerkt, dass er in diesem Fall nichts hatte, mit dem er die Karte sein eigen nennen konnte, egal, wie verwirrt er auch auf die Karten in seiner Hand starrte. "Wie frustrierend", nuschelte er vor sich hin und nahm anschließend einen weiteren König aus seiner Hand, legte diesen zu der Karte Rains und schüttelte den Kopf. "Was jetzt?", fragte er, war er sich doch nicht sicher - kam es jetzt auf die kleinen Symbole an den Kartenränder an? Oder war das auch egal? "Einen ... Stich? So wie einen Messerstich?"

      Zu behaupten, er verstünde auch nur ein kleines Bisschen wäre auch schon eine Übertreibung. Nayantai fühlte sich nicht nur in der Zivilisation der Schafe überfordert, allein, weil er sich in dieser aufhalten musste, sondern auch mit deren Spielen, Angewohnheiten, Sitten - nichts davon interessierte ihn sonderlich und noch weniger davon sollte an ihm kleben bleiben, fühlte es sich doch an wie Dreck, den er nicht mehr abwaschen konnte, gleich wie das Schafsblut, das für immer an seinen Fingern kleben würden. Er schluckte. Wieso musste er ausgerechnet jetzt daran denken? Jeder von ihnen, außer vermutlich sein Gegenüber, hatte fremdes Blut an sich kleben, daran gab es mittlerweile nichts mehr auszusetzen - es war die bittere Realität, in der sie alle leben mussten.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain betrachtete den Wolf, der im Moment finsterer drein zu blicken schien als sonst. Womöglich war er ein schlechter Verlierer, oder er wollte lieber etwas anderes machen. Verloren hatte er jedenfalls noch gar nicht. "Hm... normalerweise gibt es eine Farbe, die Stärker ist als die anderen. Sagen wir in diesem Fall Herz gewinnt." Rain deutete auf das Symbol an der oberen Ecke von Nayantais Karte. Dann schob er beide Karten zu ihm hinüber. "Sie gehören also dir.", nickte er und legte den Kopf ein wenig schief. "Das langweilt dich wohl.", stellte er fest und lehnte sich nach hinten. "Was macht ihr denn, wenn ein Wolf verletzt ist? Dann kann er ja schwerlich draußen herum laufen.", fragte Rain verwirrt. Ließen sie ihn dann einfach liegen, damit er an die Zeltdecke starren konnte? Immerhin lesen konnten die Wölfe, aber das konnte doch nicht die einzige Beschäftigung sein, der sie nachgingen, wenn sie sich wegen einer Verletzung, oder Krankheit mal nicht bewegen konnten und auch gar nicht sollten.

      Rain wollte den Wolf jedenfalls nicht zu etwas zwingen, wozu er keine Lust hatte. Vielleicht war es auch einfach zu schwierig, ein Spiel zu erklären, wenn man sich sowieso nicht verständigen konnte. oder es war zu schwierig ein Spiel zu erklären, wenn Wölfe das Konzept eines Spieles, das nicht gerade draußen stattfand, nicht verstanden. Mit einem Aulug nach draußen konnte Rain jedenfalls nicht dienen und selbst wenn er den Wolf nach draußen lassen würde, so wäre er dort alleine.
    • Die Behauptung, Kartenspielen war einfach, war aus der Luft gegriffen. Nayantai verstand weder sonderlich gut, noch wollte er es wirklich verstehen - auch, wenn es für die Schafe ein Zeitvertreib war, war es eine Fähigkeit, die er später nicht mehr brauchen würde, die er über die Jahre vergessen würde, bis er sich nur noch schemenhaft an Rain und dieses Gebäude, vielleicht gar nicht mehr an die insignifikanten Karten erinnern konnte, die er nun vor sich wusste. Wohin also damit, wenn nicht sofort in den Müll? Er wurde aus diesem Spiel weder schlau, noch schien es einen großartigen Mehrwert zu haben - aber wenn er es lernen musste, dann würde er sich wohl erbarmen, damit er sich selbst bei Laune halten konnte. Dennoch wurde er ertappt - hatte er zu finster drein geschaut? "Nein ... ich. Äh", auf frischer Tat ertappt, da half es auch nichts mehr, sich aus dem Schlamassel herausreden zu wollen, weswegen er die Karten offen auf den Laken vor sich legte und wiederum seufzte. "Ich verstehe einfach nicht, warum man so etwas spielt", erklärte er und legte wiederum den Kopf in den Nacken, wollte nicht viel mehr hören als das Rain vielleicht sogar verstand, was er damit meinte, doch die Wahrscheinlichkeit war gering. "Es kommt auf die Verletzung an", sagte er, deutete dabei auf die Verletzung an seiner Seite. "Bett", danach allerdings auf eine, die nur leicht unter dem Verband hervorstand. "Nein", danach tappte er auf die zwei Pfeilnarben an seiner Schulter. "Nein", wiederholte er und hob wieder das Hosenbein an, um die Narbe zu zeigen, die das Wildschwein damals verursacht hatte. "Bett", selbst, wenn es so viele mehr gab, dann wäre eine weitläufigere Erläuterung unwichtig. "So lange ich stehen kann, kann ich Holz hacken. Wenn ich sitzen kann, kann ich wenigstens Kräuter schneiden oder Hühner rupfen ... Huhn. Kikeriki?" Jetzt waren sie wohl wieder bei Tierlauten angekommen, wie entzückend.

      Nayantai wusste nicht so recht, wieso Schafe sich mit nicht essentiellen Dingen die Zeit vertrieben. Je mehr Holz sie hatten, desto besser. Wenn sie genug totes Wild, oder zumindest totes Fleisch bei sich wussten, konnten sie damit anfangen, die Überflüsse zu trocknen, sollte der Winter länger und bitterer werden. Und wenn sie selbst das nicht tun konnten, dann gab es noch immer kleine Wölfe, die jemanden brauchten, der ein wachsames Auge auf sie hatte. "Wenn ich mich nicht bewegen kann", er ließ sich nach hinten auf die Matratze fallen, deutete auf seine alsbald neue Narbe. "Dann passe ich auf kleine Wölfe auf", aber auch die konnte Rain ihm nicht bieten. "Oder in diesem Fall ein Lamm", sagte er und setzte sich mühsam auf, bevor er zu Rain sah, der wohl etwas verwirrt über die ganzen Worte sein musste. "Aber du bist ein erwachsenes Lamm. Auf dich muss ich nicht aufpassen."
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    • Rain legt seine Karten ebenfalls hin und musterte den Wolf. Er fand das Leben eines Wolfes klang trostloser, als er gedacht hatte. Er verstand zwar nicht alles von dem, was Nayantai ihm erklärte, aber es schien als hätte er nie eine Pause in seinem Leben gehabt, anders als Rain. Er hatte nicht viele Verpflichtungen, hatte in seiner Kindheit hauptsächlich gelernt und auch Schach, oder ein einfaches Kartenspiel, konnte den Verstand schärfen. Gegen nayantai zu spielen, wäre trotz der Zufälligkeit vermutlich ohnehin unfair gewesen, denn Rain war gut darin sich Karten zu merken, zu rechnen und auch darin zu erahnen, was der Gegner tun würde. Abgesehen von den verpflichtenden Lehreinheiten, die ihm lesen, Schreiben und allerlei andere Dinge beigebracht hatten, hatte er meist nur Korrespondenz zu führen, oder sich ein wenig um die Wirtschaft des Landes zu kümmern. Sein vater hatte ihm dies vor ein paar Jahren überlassen, da er ohnehin selten hier war. Im Winter jedoch, gab es nicht viel zu tun, sobald keine Naturkatastrophe auf sie zustürzte. Alles schlief.

      "Huhn.", wiederholte Rain das Wort für Nayantai, auch wenn er den Zusammenhang nicht ganz verstand. "Hm.. weißt du, den Körper zu stählen ist nicht alles. Damit will ich mich nicht als Beispiel nehmen, aber... selbst jemand wie ich, kann nützlich sein." Um seine Worte zu unterstreichen, deutete er auf seine nicht vorhandenen Muskeln, dann nahm er die Karten wieder zur Hand, mischte sie erneut. Er legte den Stapel zwischen sie beide und zog drei Karten, die er offen aufdeckte. Das bedeutete, es waren noch 17 Karten im Deck und er wusste auch welche. Zugegeben, mit so wenigen Karten war sein kleiner Trick nicht unbedingt beeindruckend, aber er wollte Nayantai demonstrieren, dass es nicht nur sinnlos war, sich mit Karten zu beschäftigen. Er deckte die oberste Karte vom Stapel auf. "Höher, oder Niedriger.", sagte er und deutete einmal mit dem Finger nach oben und dann wieder nach unten. "Höher.", sagte er schließlich und deckte die oberste Karte vom Stapel auf, die eine Dame darstellte und somit höher als der aufgedeckte Bube war, gut der Anfang war für ihn glücklicherweise ziemlich einfach gewesen. "Höher.", sagte er erneut, deckte die nächste Karte auf und hatte erneut recht. So ging er das ganze Deck durch, hatte bei jeder karte recht und lehnte sich als er schließlich fertig war, wieder zurück. "Mathematik, Wahrscheinlichkeit, etwas Glück.", erklärte er, obwohl Nayantai alle drei Worte wohl nicht verstand. Rain tippte zwei Mal mit einem Finger auf seinen Kopf. "Es trainiert deinen Kopf."
    • War man ein Wolf, dann zog man eben am gleichen Strang wie jeder Andere - ließ auch nur einer aus, dann drohte eben all das zu kippen. Dass Nayantai eben aufgrund dieser Erziehung vielleicht nicht gerade zum Scherzen aufgelegt war, lag nicht fern, aber noch wahrscheinlicher war es einfach, dass er - als Sohn des Leitwolfes - gar nicht in den Genuss des Ruhe kommen durfte, damit er später ein Exempel für den Rest der Sippe statuieren konnte, die alle eher desinteressiert daran zu sein schienen, "Spaß" zu haben. Ein Schaf, das nichts anderes gewohnt war, würde sich vermutlich auch nicht dazu bringen lassen, ausgerechnet hier und jetzt die Spielkarten in die Hand zu nehmen und sich die Zeit zu vertreiben, doch ein Wolf, der das ganze letzte Jahr - oder sogar länger - in einem steinernen Loch versauert war, kam nicht umher, wenigstens Wind davon aufzuschnappen. Ging es nach Nayantai und dessem Sturschädel, dann wäre er gar nicht erst hier, in diesem Bett, sondern saß draußen herum, stählte Körper und Geist und versuchte zu ergründen, wie er am Besten die Gebirgskette und die Pässe überqueren sollte - aber nein, er saß hier, im Trockenen, und ließ Rain über sich ergehen, der vermutlich gut daran täte, mehr als einen Wolf seinen Gast zu nennen.

      Die Wahrheit der Wölfe war wohl, dass man verkam und für sie an Nutzen verlor, integrierte man sich nicht in ihre Gesellschaft, konnte man ihnen keine Last abnehmen oder sich selbst helfen, sondern nur vor sich hinsiechen und vor Schmerz stöhnen. Egal, wer man war, wer man sein könnte oder was einem passieren würde - war man erst einmal an einem Punkt angekommen, an dem es für einen Selbst keinen Sinn mehr machte, den restlichen Nomaden die Luft wegzuatmen, rollte der Kopf. "Rain ... nützlich", sprach er, dachte eher laut, wusste aber nicht, wie der Blonde es meinte. Strategen benötigten die Wölfen keine, vor allem dann nicht, wenn besagter Mensch mit dem Schlachtfeld unvertraut war. Nayantais Augen und Ohren folgten den Erklärungen dennoch, wollten mit ansehen und mithören, was der Blonde noch zu sagen hatte, während er grübelte. Für Schafe mochte das Lamm nützlich sein, doch für Wölfe war Rain eher ein gefundenes Fressen, das sie lediglich am Leben lassen würden, damit die Schafe von ihnen abließen. "Meinen Kopf?" Dafür konnte er auch getrost die tatsächlichen Schafe zählen, die sie besaßen, oder aber wie viele Mäuler es zu stopfen galt. "Also rätst du einfach, welche Karte als Nächstes auf dem Stapel liegt und gehst von einer Wahrscheinlichkeit aus?", wollte er wissen, wusste aber, dass er vermutlich ohnehin nicht verstanden wurde. "Das ist ungefähr so, als ob ich schätzen müsste, wie viele Pilze ich in einem mir unbekanntem Schafswald finde und wo sie zu finden sind - und wenn ich Glück habe, dann finde ich sie."
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    • Rain seufzte leise, für den Wolf musste er noch unnützer wirken als jeder andere, den er jemals getroffen hatte. Wäre er als Wolf geboren worden, selbst als Prinz, dann wäre Rain vermutlich einfach in den Schnee geworfen worden und wäre von einem Nomadenzeltplatz das einzige gewesen, was zurück gelassen wurde. Nicht einmal laut geschrien hatte er zu seiner Geburt, da gab es nur ein leises Ächzen, dann qualvolle Stille, bis er die Augen geöffnet hatte und scheinbar entschieden hat, doch zu versuchen zu leben. Ebenso erging es vermutlich auch kranken Kindern einer Bauernfamilie und selbst als Fürstensohn hatte Rain Glück gehabt. Hätte er jüngere Geschwister, würden sie wie Geier auf seinen Tod warten, oder ihn selbst aus dem Weg räumen, hätten gesagt, er hätte im Schlaf einfach aufgehört zu atmen und niemanden hätte es überrascht. Womöglich hätte ein anderer Fürst Rain sogar einfach selbst umgebracht, hätte nicht mit der Schande eines so kränklichen Jungen leben wollen. der Wolf schien ähnliches zu denken, auch wenn Rain sich da nicht sicher sein konnte, genau so wenig wie über das was er sagte. Er packte also die Karten zusammen und legte sie beiseite. "Schon gut.", meinte er nur.

      Rain sah über seine Schulter zur Tür, wo seine Wachen standen und sich bisher kaum einen Zentimeter bewegt hatten. Rain dachte, es war eigentlich nicht nötig, dass sie hier waren. Es würde den Wolf nur eine Sekunde kosten, Rain zu töten, in der Zeit konnten sie gar nicht reagieren. Die Tatsache, dass er verletzt war, würde dem Blonden vermutlich auch nicht helfen. "Lasst uns alleine.", ließ er verlauten, erntete schockierte Blicke, aber keine Widerworte. Stattdessen schlossen die Wachen die Tür und gingen wohl ein paar Schritte, bevor sie aus sicherer Entfernung die Tür beobachteten. Rain wartete noch einen Moment, zog die Knie an und legt seine Arme darum. Er hatte nicht wirklich einen Grund gehabt das zu tun, womöglich war er nur neugierig. Er betrachtete den Wolf vor sich also einfach nur, wartete, ob er ihn wie ein wildes Tier anspringen wollte. Vermutlich nicht, dafür war er zu schlau. "Wenn ich bei euch gelandet wäre... was hättest du wohl mit mir gemacht?", fragte er, unter der Annahme, dass er nicht schon auf dem Weg gestorben wäre.
    • Eiskalt war es in Thria, die lauen Temperaturen des Sommers waren selbst so kalt, dass sie hier kaum einer Jahreszeit glichen - es war kein Ort für ein schwaches Kind, für einen kränklichen Menschen, der vermutlich nur Ressourcen benötigte, die die Nomaden nicht aufgeben konnten, nur damit sie Jemanden am Leben lassen konnten. Tötete man das Kind nicht sofort nach der Geburt, sondern ließ es leben, und es schaffte, alleine auf erschöpften Beinen zu stehen, dann war die Hoffnung nicht verloren - aber Rain würde wohl nie nützlich sein, wenn er auf die Jagd ging, oder einen großartig dabei unterstützen, wenn man einem Reh Fell vom und Organe aus dem Leib nahm. Hätte einen die Kälte bis zu seinem fünfzehnten Lebensjahr nicht dahingerafft, dann war man offiziell am Leben - offiziell kein Kind mehr, sondern jemand, der sich selbst für den Rest der Sippe von einer Klippe werfen sollte, wenn es der Leitwolf von einem verlangte. Was genau man mit ihm machen würde, erwies er sich zumindest in einfachen Dingen als nützlich, das konnte er nicht genau sagen, aber das, was Nayantai wusste, war nichts erfreuliches. Natürlich hieß es nicht, das niemals schwache Kinder auf die Welt kamen, dass keine Mütter sich dagegen wehrten, ihr Kind zu verlieren, aber es war in der Tat so, dass es das Exil gab, in welches man durchaus wandern konnte, wenn man sich nicht mit dem Rest des Volkes einigen konnte.

      Die Karten waren verschwunden, die Tür geschlossen - die Wachen augenscheinlich verschwunden und die Laune betrübt. "Rain ... ich ... ah. Habe ich etwas Falsches gesagt?", wollte er wissen, doch auf diese Frage eine Antwort zu bekommen wäre wohl ein Wunsch, der nicht so bald in Erfüllung gehen würde. Stille suchte die beiden heim, der Blonde schien sich in sich zu kehren, wirkte verletzt. Nayantai seufzte. Wenn er wollte, dann war das eben der Moment, in dem er einfach auf ihn losgehen konnte, in dem seine rauen Hände das Leben aus dem filigranen Körper vor sich reißen würden, und doch saß er einfach nur da, sah ihn an, wusste nicht so recht, wie er mit dieser Situation umgehen sollte. Es war ruhig. Sie beiden waren es, doch die dünne Eisschicht wurde alsbald von einer Frage durchbrochen, die fast durch den Raum hallte. "Wenn du ... in, ah, Thria ... wärst?" Wieso interessierte es den Blonden auf einmal? Was wollte er dort, in einem verlorenen Land, schon anrichten? "Jetzt?", oder doch eher, wenn er ein wahrhaftiger Teil des Volkes gewesen wäre? Nein, danach hätte Rain gefragt. "Mh", Nayantai fing an, zu überlegen, war sich nicht vollkommen sicher, wollte seine Gedanken sortieren. Der Wolf schloss die Distanz der beiden, rückte näher an das Schaf heran, legte jedoch seine Hände nicht auf dessen Körper, oder sah ihn gar an. Sein Blick glitt nach oben, zur steinernen Decke. "Das kommt darauf an. Würdest du das kalte Wetter denn überleben?"
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    • Rain sah den Wolf an, der ein wenig näher kam. Vermutlich sollte er Angst haben, hatte er aber nicht und konnte nicht sagen wieso. Es gab wohl mehrere Gründe. Der Wolf hatte ihm gegenüber von Anfang an nicht aggressiv gewirkt, selbst dann nicht, als er von der schweren Entzündung an seiner Seite noch nichts wusste. Er hatte ihn nicht sofort umgebracht, obwohl er oft die Gelegenheit dazu gehabt hatte. Er hatte ihm nichts getan, selbst als er erfuhr, wer sein Vater war und obwohl er ein Schaf war. Der Wolf hatte bestimmt keinen Nutzen davon, eher Schaden, wenn der Mann der zwischen ihm und einem erneuten Aufhalt in einem Kerker stand, sterben würde. Ob er Mitleid mit ihm hatte? Und das obwohl er das Ausmaß der Krankheit die Rain heimsuchte gar nicht erahnen konnte. Vielleicht nahm er an, dass alle höher gestellten Adeligen, einfach nur zu Hause herum saßen und bekamen, wonach sie verlangten, dass er einfach keinen Grund hatte, seinen Körper zu trainieren.

      "Ich. Wenn ich dort wäre. Als Lamm.", verdeutlichte er seine Frage, obwohl es ihn schon auch interessierte, was wäre, wäre er ein Wolf. Viel mehr aber wollte er wissen, ob Nayantai ihn nicht einfach sofort getötet hätte, sobald er bei ihm aufgetaucht wäre. "Wenn du... Wolf in Thria wärst und ich käme zu dir. Was würde passieren?", fragte er erneut, ah den Wolf eindringlich an, der seinem Blick öfter auswich, als dass er ihm in die Augen sah. Rain wusste nicht woran das liegen konnte.

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    • Wieso er ausgerechnet jetzt die Nähe zu Rain suchte, war ihm nicht ganz klar, aber Nayantai tat es dennoch, ohne es großartig zu hinterfragen, wollte nicht wissen, was ihn dazu brachte, sich dem Lamm anzunähern, das er nicht einmal ansehen wollte, weil er fast glaubte, dass ihn Gefühle übermannen könnten, die er schlussendlich nicht mehr unter Kontrolle hatte - Impulse, die zu Rain's Tod führen würden, wäre keiner von den beiden vorsichtig. So sehr Nayantai diverse Vorurteile auch hasste, so klar war, dass egal was er tat, er ohnehin wissen müsste, dass die Schafe ihm nicht nach dem Leben trachteten, so lange sie nicht wussten, dass er überhaupt noch lebte. Nun saßen sie da, ließen die metaphorische Eisschicht beide von ihnen einnehmen und schenkten einander nicht einen Blick - zumindest tat es der Wolf nicht, der lieber auf seine Hände starrte, mit seinen Fingern für den Moment herumfummelte und überlegte, was genau er sagen konnte, das nicht gleich darauf hinwies, dass Wölfe blutrünstige Kreaturen waren, die nur Rache im Hinterkopf hatten und an nichts anderes denken wollten, so lange Schafe noch existierten.

      "Als Lamm, hm", er schwieg, sah weiter auf seine Hände, mit denen er nicht ganz zu viel anzufangen wusste - stattdessen überlegte er, was man mit einem Lamm tun würde, das seinen Weg zu ihnen gefunden hatte, vermutlich verletzt und erschöpft war, das nach Hilfe suchte. "Ich würde dich nicht sofort töten", denn ein Schaf, das keine offensichtliche Waffen bei sich trug, könnte kein sonderlich feindlich gesinntes Schaf sein - ganz im Gegenteil. Kam Rain auch nur einigermaßen so bei den Wölfen an, wie Nayantai es hier getan hatte, waren die Chancen groß, dass ... "Wir ... ich. Ich würde dich aufnehmen, vermutlich zurück zu meinem Zelt bringen", seine unbeschäftigten Hände wanderten auf die Bettdecke. Was dann? Ja, das war eine gute Frage. "Vermutlich würde ich dich in mein ... Bett ... legen und dich dann nah an ein Feuer setzen, bevor ich einen Mediziner ... einen Arzt ... hole", aber danach? Was sollte eine alte Frau schon können, außer ein frierendes Lamm zu untersuchen und Nayantai eine Ohrfeige geben, weil er einen kranken Feind in ihre Siedlung schleppte? "Wenn du überlebensfähig bist", Nayantai legte seine Hand behutsam auf das Knie Rains, sah wiederum endlich einigermaßen zu diesem auf, anstatt auf seinen eigenen Schoss. "Dann würden wir dich wohl versorgen, am Leben lassen - und dir die Wahl lassen, ob du ein Lamm sein oder ein Wolf werden willst", ergänzte er und ließ seine Hände weiter wandern, bevor diese auf den Schultern des Blonden landeten.

      "Aber, wenn du dem Tod nahe bist, dann ..."
      , für einen Moment schwieg er, bevor er leichten Druck auf die gebrechlichen Schultern seines Gegenübers ausübte, kam näher mit seinem Gesicht, drückte seine Stirn gegen die des Lammes vor sich. "... dann wärst du wohl lieber erfroren, als mir jemals über den Weg zu laufen." Die dunklen Iriden, die Rain viel zu nah gekommen waren, ruhten noch immer so nah an dessen Augen. Einzig und allein der feste Griff an Rains Schultern ließ nach, die Hände verblieben jedoch dort, wo sie waren. "Entweder, sie würden dir Gift einflößen, wenn sie die Güte besitzen", raunte er, während eine Hand zu Rains Hals wanderte, aber lediglich nur über diesen strich, bevor sie wieder zu dessen Schulter zurückkehrte. "Und wenn sie es nicht tun, dann würden sie dir den Kopf abschlagen, dir die Kehle zuschnüren, dich foltern, bis dein Körper endlich nachgibt."
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    • Rain war nun derjenige der den Blick abwandte und lieber auf die Hand sah, die auf seinem Knie ruhte. Er verstand nicht alles von dem was der Wolf sagte, so wie der Wolf nicht alles verstand was er selbst von sich gab. Bett...Arzt... zumindest das verstand er, aber Rain war nicht sicher ob das der Wahrheit entsprach, oder ob er nur so antwortete, weil Rain genau das für ihn getan hatte. Wenn der Wolf nicht eingekerkert worden wäre, wenn er immer noch zu Hause wäre und wenn Rain ihn nicht vor dem sicheren Tod gerettet hätte, würde er dann dasselbe sagen? Obwohl die Frage wohl viel mehr war... sagte er das nun, damit Rain es sich nicht anders überlegte, oder weil er ihm wirklich geholfen hätte?

      Er fühlte nun doch, wie er etwas nervös wurde, das hatte nichts mit Vertrauen zu tun, sein Kopf war sich sicher, dass ihm nichts passieren würde, sein Körper jedoch spannte sich etwas an, als die Hände des Wolfes auf Rains Schultern landeten. Auch wenn er ihn zuvor schon berührt hatte, dieses Mal fühlte es sich irgendwie anders an, bedrohlicher. Er hob seinen Blick erneut, sah fast schon trotzig in die Augen des Wolfes die nun auch näher kamen. Auch wenn er wusste, dass er keine Chance gegen den Wolf hatte, wollte irgendetwas in ihm nicht klein bei geben und es dem Wolf auch noch zeigen. Er sah nicht weg, als der Druck um seine Schultern größer wurde und er schluckte lediglich, als der Wolf über seinen Hals strich, den er ihm im Bruchteil einer Sekunde brechen konnte. Rain verstand nicht was der Wolf da sagte, aber es war wohl nichts Schönes.

      "Wieso... würdest du mich nicht sofort töten?", fragte Rain schließlich und versuchte das Zittern in seiner Stimme zu unterdrücken. Er konnte sein eigenes Herz pochen hören. Er hatte zuvor schon Angst verspürt, aber meistens war er in diesen Momenten nicht sehr klar gewesen, von Fieber geplagt. Was er gerade erlebte, war eine völlig neue Erfahrung. Rain wusste, warum er Nayantai nicht tötete, aber auch wenn er nicht glaubte, dass die Wölfe nichts weiter als blutrünstige Bestien waren, glaubte er doch, dass sie seinem eigenen Volk zumindest ein bisschen ähnelten und was sein eigenes Volk mit Gefangenen tat, das hatte Nayantai am eigenen Leib erfahren. Warum also sollten die Wölfe nicht dasselbe tun?
    • Vermutlich hätten die Schafe ihn schon an einem Mast aufgehangen, angefangen, seine Gliedmaßen in das Holz zu schlagen, ihm den Bauch aufzuschneiden und dabei zugesehen, wie die Organe, die keinen Halt mehr hatten, aus seinem Körper quollen, als wäre es Wasser, das endlich einen Weg nach oben gefunden hatte. Seine Kehle fühlte sich trocken an, sein Kopf schmerzte allein bei einem einzigen, verschwendeten Gedanken daran und er selbst wollte sich am liebsten übergeben, seinen Schmerzen gegenüber ergeben, sie wissen lassen, dass der Wolf, von dem sie nicht wussten, wieso sie ihn nicht sofort des Erdbodens gleich gemacht hatten, sich endlich geschlagen geben wollte, fühlte sich dieses Szenario doch an die ein Fiebertraum, dem es noch zu entrinnen galt. "Weil", setzte Nayantai an, leckte sich über die eigenen Lippen, wusste, das eine falsche Handbewegung dazu führen könnte, dass er dem Lamm auch schon den Hals umgedreht hatte. "Es doch schade wäre, so jemand lieblichen wie dir einfach so den Kopf abzureißen", der Satz klang leise, heiser, wortlos. Was auch immer das Lamm dazu antrieb, sich mit einem Wolf messen zu wollen, war nicht ganz klar, aber eben das wollte Nayantai herausfinden. Rain war ihm gegenüber hilflos, könnte sich nicht wehren, selbst wenn er wollte, sondern besaß nur seine Stimme, die er dazu benutzen konnte, nach Wachen zu rufen - und den Blick, der sich beinahe schon in Nayantai hinein bohrte - könnte er, so würde Rain vermutlich gut und gerne die beiden Hände, die er hatte, gegen einen Wolf erheben.

      "Außerdem", Nayantais Stimme wurde nicht lauter, nur dunkler, so, als ob er sich jetzt, in diesem Moment, in dem er das Schaf so nah vor sich hatte, beinahe ein Stück Fleisch aus dessen Gesicht reißen konnte, realisierte, dass er tun konnte, was er wollte. Aber dem war nicht so. "Man hat mich eingesperrt, weil man mich unter Bedingungen wieder freilassen wollte. Würde ein Wolf wissen, dass du nicht gerade unbedeutend für die Schafe bist, dann würden sie dich lieber lebend wissen wollen - du bist so viel mehr wert, als das wenige Fleisch, das dir an den Knochen klebt." Sie beide wussten genug übereinander, auch, wenn keiner von ihnen derartiges zugeben würde, selbst, wenn es nur oberflächliche Informationen waren, die einfach wieder verblassen konnten, hielt man sie nicht stetig in Evidenz. Nayantais Hände wanderten, sein Kopf löste sich von der Stirn des Lammes und während sich eine der beiden Hände nur auf dessen Knie wiederfand, war die andere unter dem Kinn des Lammes, hob den Kopf von diesem aus leicht an, drückte weniger barbarisch nach oben, als der Griff auf seinen Schulter gewesen war. "Und wenn das nichts bringt, dann hast du wenigstens schöne Augen."
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    • Rain wurde ein Grund geliefert, aber er verstand ihn nicht, weil er die Worte nicht kannte, die der Wolf aussprach. Alleine an seiner Körperhaltung, seinem Blick und seiner Stimme konnte er womöglich erahnen, was das was er sagte bedeutete. Aber selbst das brachte ihn nicht weiter, womöglich hätte der Wolf selbst gerne ein Haustier gehabt, in Form eines Jungen, der so anders aussah als all die Wölfe in Thria. Ein Schaf, das selbst als Mann noch aussah wie eine Puppe. Vielleicht würde es den Wölfen Spaß machen ihn vorzuzeigen, zu betrachten, vielleicht würde es ihnen auch Spaß machen ein Zeichen an seiner makellosen Haut zu hinterlassen. Aber das alles war Spekulation über ein Volk, das er nicht kannte. Jedoch glaubte Rain, dass er von seinesgleichen nicht besser behandelt werden würde, wäre er nicht, wer er war. Jedoch hätten die Wölfe mit dem echten Rain, nicht dem hypothetischen, vermutlich ohnehin keine lange Freude gehabt, er konnte nicht in einem Zelt überleben, oder an einer Wanderung im Schnee teilnehmen, um einen neuen Lagerplatz zu suchen.

      Rain merkte erst als der Wolf seinen Griff um seine Schultern löste, dass er die ganze Zeit über die Zähne zusammen gebissen hatte und er tat es immer noch, als sein Kinn angehoben wurde und er mit seinen blauen Augen unter den blonden Haaren hervor blickte und den Blick des Wolfes erwiderte. Er fragte sich, ob Nayantai tatsächlich darüber nachdachte ihn aus dem Weg zu schaffen, vielleicht nicht jetzt, aber wenn er sich erholt hatte. Oder knurrte und bellte der Wolf vor ihm ihn gerade nur an, um ihm und sich selbst zu beweisen, dass er immer noch mehr war als nur ein dressierter Hund, dass die Schafe ihn nicht gebrochen haben und er immer noch derselbe stolze Mann war, den sie aus seiner Heimat verschleppt hatten.
      "Was hat der König mit dir gemacht?", fragte Rain weiter, lehnte sich damit vermutlich noch mehr aus dem Fenster, um sich selbst vielleicht dasselbe zu Beweisen wie der Wolf. Er war mehr, als es den Anschein hatte, zumindest wollte er das glauben.
    • Schafe oder Wölfe ähnelten sich, waren gleich vernarrt in die Besonderheiten des anderen Volkes und doch würden sie es nicht zugeben. Auf Wanderung hatte er sie gesehen, blutige Krieger, die stolze Wölfe am leben gelassen hatten, weil sie den Tod nicht verdienten - aber dafür einen Strick der ihnen um den Hals baumelte, mit dem sie durch den brennenden Schnee gezogen wurden, geschunden wurden - Verhalten, dem sein Vater nicht zustimmte. Eine Frage der Zeit war es lediglich, da war Nayantai sich sicher, bis sich die Wölfe all die Missetaten nicht mehr gefallen lassen würden, bis sie selbst die Hände nach den Kehlen der Schafe ausstreckten und sie mit sich in den Abgrund, nach Thria, über den blutverschmierten, heiligen Boden rissen, auf dem sie leben wollten. Wenn die Krieger schon nicht starben, dann waren sie gute Sklaven, musste man doch nur die letzten Reste ihres Willens brechen, egal wie viele Knochen dieser wert war - Nayantai wusste, dass die Schafe es nicht anders taten, ließen sie einen Wolf die erste Nacht überleben, doch ein Wolf beugte sich nicht, wollte es nicht, und doch gab er irgendwann auf, war ein gebrochener Mann, war nicht mehr als eine Hülle seiner vorangegangenen, verblassen Selbst, der man keinen Blick mehr schenken sollte. Vermutlich würde Rain eine Narbe stehen, ein Andenken an den Wolf, der sich auch nicht von ihm zähmen lassen würde - und doch hatte Nayantai nichts, außer vermutlich seine Zähne, um dies zu bewerkstelligen - und doch hatte er jetzt weder Lust darauf noch Zeit dafür.

      "Ich werde dich nicht fressen", seufzte der Wolf schlussendlich, ließ von seiner Beute ab, nahm die Hände von ihm, aus seinem Gesicht, und legte sie auf dessen Knie, woraufhin er auch seinen Kopf auf seinen Händen abstützte. "Ich habe keinen Grund dazu", erklärte er dem Lamm, das vermutlich doch die Angst in seinen Knochen verspürt hatte, doch der Wolf, der sich schon längst geschlafen geben wollte, war nun beinahe zu seinen Füßen, sah ihm nicht mehr in sein Gesicht, sondern starrte auf andere Punkte seiner Kleidung, die er von seiner neuen Position aus sehen konnte. Welchen Grund musste er finden, damit er Rain wohl ohne schlechtes Gewissen in seine Einzelteile zerlegen konnte und sich dann über seinen zerbrochenen Körper hermachen konnte, wie ein wahrhaft wildes Tier? So viel mehr, als das Lamm bereit war, zu tun. "Was er mit mir gemacht hat? Er?", Nayantai riss die Augen auf, starrte dem Lamm erneut in dessen Gesicht und begann, das erste Mal, seitdem er hier war, lauthals zu lachen - allerdings war es trocken, beinahe schon bitter, nicht freundlich und warm. "Er hat gar nichts gemacht, außer Befehle erteilt. Welcher König macht sich die Hände schon dreckig?", fragte er spöttisch.

      Nayantai setzte sich auf, drehte seinen Rücken zu Rain und fasste seine Haare, legte sich diese - bis auf ein paar vereinzelte Strähnen - über die Schulter, entblößte seinen Rücken. Rote Striemen, manche von ihnen noch durchaus halb verheilt, zogen sich, in überkreuztem Muster, über seinen Rücken. Peitschenhiebe, vermutlich hunderte von ihnen, die sich wie eine Decke über andere, alte Narben legten. Die, die noch nicht verheilt, beinahe noch frisch waren, waren tief, aber nicht entzündet, mussten es aber auch nicht sein, um schmerzhaft auszusehen. "Er hat mich auspeitschen lassen, mich schlagen und demütigen lassen", erzählte er, blieb so sitzen, wie er gerade war. "Es war ihm egal, was mit mir passiert, so lange ich lebe - so lange sein kostbares Schmuckstück, sein Wolf, noch schön genug war, damit er mit mir prahlen konnte, damit er mich meinem Volk anbieten konnte, damit sie unseren Ländereien an ihn verschenken, damit er mich freilässt", zischte der Wolf, der all diese Dinge gar nicht erzählen wollte, keinem Schaf, das in offenen Wunden herumstochern wollte, keinem Lamm, das glaubte, es könnte sich mit ihm messen - und doch tat er es, weil er glaubte, er könnte sich Rain anvertrauen. Weil er sonst Niemanden mehr hatte, der diese Geschichten hören konnte. "Das einzige Mal, als er seine Hände selbst an mich, diesen dreckigen Wolf, der ich nun einmal sein soll, gelegt hat war", Nayantai schluckte, wollte nicht mehr davon hören, schüttelte den Kopf. Der Wolf war selbst zu tief gefallen, wollte sich nicht mehr reden hören, sank in sich zusammen, bog sich nach unten, um sein Gesicht in seinen Händen zu vergraben. "Vergiss es", brummte er schließlich, bewegte sich kein Stück mehr, ließ Ruhe einkehren.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain blieb noch einige Momente so sitzen, selbst als der Wolf seine Hände von ihm nahm. Wenn seine Wachen das mitbekommen hätten, wenn sie es noch würden, dann wäre der Wolf vermutlich tot, obwohl er am Ende gar nichts getan hatte. Rain schluckte, entspannte die Hände, die sich in das Laken gekrallt haben, ohne dass er es bemerkt hatte und einem erleichterten durchatmen wurde ein leichtes Husten, als würde der Griff des Wolfes reichen um ihn zu verletzen. Rain lies seinen Kopf etwas hängen und dachte darüber nach, was er sich eigentlich dabei gedacht hatte bei... naja bei einfach allem. Den Wolf aufzunehmen, ihm zu helfen, ihm das Leben zu retten, ihm zu vertrauen... aber er hatte ja Recht behalten, der Wolf hatte ihm nichts getan. Er war eben kein wildes Tier, er war ein denkender Mensch so wie Rain auch und er wollte mehr über die Wölfe wissen.

      So wie der Wolf nun fast schon zu seinen Füßen lag, wirkte er auf einmal weniger bedrohlich. Rains Herz beruhigte sich langsam, fühlte sich nicht mehr an, als wollte es gleich aus der schmalen Brust springen. Das bittere Lachen des Wolfes klang nicht mehr wie das eines wilden Tieres, im Gegenteil. Er musste mehr Narben davon getragen haben, als man sehen konnte. Rain verstand erneut nur einen Teil, aber er antwortete trotzdem.
      "Ja er. Wenn er es befohlen hat, sind es seine Taten.", erklärte er bestimmt und sah dabei zu, wie der Wolf ihm nun den Rücken zukehrte. Rain hatte die Wunden schon gesehen, als der Wolf in das Bad gestiegen war, wobei sie da von Dreck beinahe schon kaschiert wurden. Rain konnte sich nicht vorstellen, welche Schmerzen der Wolf gehabt haben musste und noch hatte. Er fragte sich wie er es überhaupt über die Berge bis hier her geschafft hatte. Auch wenn Rain nicht verstand was der Wolf sagte, er konnte ihm anhören wie sehr es ihn schmerzte darüber zu sprechen und vermutlich auch darüber nachzudenken. Selbst wenn der Wolf ausgesprochen hätte, was er nun so abrupt abbrach, hätte Rain ihn nicht verstanden und doch brachte der Wolf es nicht über die Lippen. Das musste er auch nicht. Vorsichtig streckte Rain seine Hand nach dem Wolf aus, der vor ihm zusammen gesackt war, gar nicht mehr aussah wie ein edler Wolf. Er hielt jedoch inne, wollte nicht den Eindruck erwecken, dass er ebenso nur daran interessiert war, etwas zu sehen, das er noch nie zuvor gesehen hatte. Einen Wolf, einen verletzten, geprügelten Wolf, der nichts mehr besaß, nicht einmal sein eigenes Leben.
      "Tut mir Leid...", murmelte Rain sanft, aufrichtig. Er entschuldigte sich nicht nur dafür gefragt zu haben, er hatte das Gefühl er musste sich dafür entschuldigen, was mit dem Wolf passiert war. Er fühlte sich in gewisser Weise verantwortlich, obwohl er wusste, dass er nichts daran hätte ändern können. Trotzdem, es machte ihn traurig den Wolf vor sich so zu sehen. Er hätte bei jedem das Gleiche empfunden, wie sein Vater öfter sagte, Rain war weich, nicht nur wegen seines Zustandes nicht für die Welt da draußen geschaffen. Rain sah den Wolf weiter an und konnte nichts anderes sagen, als noch einmal: "Es tut mir Leid."
    • Vorurteile konnte man nicht ausmerzen, sie waren oftmals fester Bestandteil einer Person, wollten sie sich alle doch nicht anders definieren lassen, zerfraßen sie sich doch alle an einem falschen Weltbild, das im Endeffekt zu nichts mehr führte als der Realisation, dass sie alle Fehler machten - Fehler, die sie oft genug viel zu spät bemerkten, die keiner von ihnen richtig bereute, sondern nur als eben einen Fehler wahrnahm - einer, der hätte vermieden werden können. Selbst, wenn er sich dazu zwang, sich kleinzumachen, sich zusammenzukauern und die Welt um sich herum auszuschalten, musste Nayantai auch sich selbst eingestehen, dass die Wölfe nicht unschuldig waren, dass sie keineswegs frei von Vorurteilen gegenüber der Schafe waren, mit denen sie sich diesen Kontinent teilten. Vielleicht wäre es einfacher gewesen, wären sie gar nicht erst nach Thria gekommen, oder hätten die Schafe um Thria akzeptiert - sie hätten all dieses Land ihr eigen nennen sollen, die Dörfer der Schafe niederbrennen, die Städte im Keim ersticken, während sie noch dazu imstande gewesen waren. Aber sie waren zu friedfertig, zu uneinsichtig gewesen, hatten den Anderen erlaubt, sich zu entfalten und dieses Land ihr eigen zu machen, bis es zu spät gewesen war. Könnte Nayantai, dann würde er sich wünschen, dass all die Schafe schlagartig verschwanden, doch dazu war keiner von ihnen in der Lage, waren die Geschichten über Hexerei und schwarze Magie doch nur Aberglaube, der sich in ihren Gehirnen festsetzte.

      "Es mögen seine Befehle gewesen sein, aber schlussendlich ist er zu schwach, um seine Befehle selbst auszuführen. Es sind Taten, die er nicht begehen will, weil er sich seine Finger nicht schmutzig machen will", feixte der Wolf. Wieso ergab er sich Rain kampflos, offenbarte ihm all die Dinge, die er keinem anderen Wolf zeigen würde, nur weil dieser danach fragte? Vermutlich, weil Nayantai selbst weich geworden war, weil er schon zu viel Trauer und Angst in sich aufgesogen hatte, um wirklich zu realisieren, dass auch Rain kein Freund sein musste, sondern lediglich ein Hirngespinst, das er sich selbst, irgendwo in hohen Schneemassen, herbeiwünschte, weil er so einsam war und beinahe schon nach Aufmerksamkeit lechzte. Der Schmerz war real. Die abgestandene Luft des Raumes war zu trocken. Nayantai war wirklich hier, tat diese Dinge tatsächlich aus freien Stücken. "Wieso ... entschuldigst du dich?", wollte er wissen, hob den Kopf wieder an, riss die Augen auf. "Was hast du damit zu tun?" Seine Stimme war lauter als gerade noch - er war verwirrt, war sich nicht sicher, ob er das, was er hörte, wirklich hören wollte - oder gar sollte. Was brachte es Rain schon, außer die selbstgefällige Erkenntnis, zu glauben, er hätte etwas Richtiges getan? "Was weißt du schon?"
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    • "Ich...", entwich es Rain nur, aber er hatte nicht wirklich eine Antwort, auf die Frage die er ausnahmsweise verstand. Er sah den Wolf schon fast mitleidig an, natürlich wusste er nicht was in ihm vor ging, was er tatsächlich erlebt hatte und wie es sich anfühlte seine Heimat zu verlieren, seine Identität. Aber es war nicht so, dass Rain es in seinem Leben nie schwer hatte, auch als reicher Fürstensohn nicht, oder vielleicht gerade deswegen. Er musste sich einfach entschuldigen, für das was den Wölfen angetan wurde, was ihm angetan wurde, von seinem König. Dafür, dass sein Vater für diesen König kämpfte, ihn unterstützte. Bevor der jetzige König an die macht kam, gab es keinen Krieg. Die Wölfe lebten ihr leben und die Schafe ihres, auch wenn sie die Wölfe nicht als ihre Freunde bezeichnet hätten. Jedoch schickte der alte König nicht unzählige Soldaten in das eisige Land. Das alles jedoch war vor Rains Geburt gewesen, als sein Vater selbst noch jung gewesen war. Rain wollte glauben, dass er mehr dem alten König gegenüber loyal war und sein Sohn war nun mal sein Nachfolger. Rain wollte sich auch dafür entschuldigen, dass er keine große Wahl hätte, sollte er einmal das Fürstentum übernehmen. Er würde seine Soldaten weiterhin nach Thria schicken müssen, ein kleines Land wie seines hatte keine Chance gegen den Rest des Königreichs. Für alles was geschah und geschehen würde war er trotzdem verantwortlich und es tat ihm Leid. Aber wie sollte er so etwas kompliziertes in einer Sprache erklären, die er nicht sprach, wenn er es doch selbst nicht gänzlich verstand?

      "Nayantai...", begann Rain schließlich vorsichtig, sanft. "Ich möchte dir nicht weh tun, oder dich einsperren." Nun blickte er zur Seite, wagte es nicht den Wolf anzusehen. "Aber ich kann nichts versprechen was in der Zukunft liegt... Solange du jedoch hier bist, wird dir nichts passieren. Das verspreche ich." Er konnte ihm nicht versprechen ihn eines Tages gehen zu lassen, er konnte ihm nicht versprechen niemals gegen seines gleichen zu kämpfen, auch wenn es in seinem Fall nur ein Befehl an seine Truppen war. All das war nicht so einfach, es war gar nicht einfach. Er musste an sich denken, an sein eigenes Volk. Alleine, dass der Wolf lebte, stellte ein großes Risiko dar. Rain sah Nayantai wieder an, zwang sich ein wenig zu lächeln. "Ich werde dich in Ruhe lassen. Am Abend möchte ich dir etwas zeigen, wenn du willst. Vielleicht muntert es dich auf, ich hoffe es."
    • Genau. Was wollte ein schwaches Schaf schon bewerkstelligen? Nichts. Nayantai konnte so viel Vertrauen in Rain legen, wie er wollte, es war im Endeffekt vollkommen egal, was er tat - denn die Wahrheit stand ohnehin schon für sie alle geschrieben - die Zukunft gab es nicht, gleich wenig wie es die Wölfe geben würde. Dafür aber hunderte von toten Schafen, die ihre Wunden erst lecken sollten, die leiden sollten, wenn sie den Wölfen schon ihre Existenzgrundlage nahmen - und dennoch schaffte er es nicht, seine Hände um den Nacken des Lammes zu legen, das ihm ein Dach über dem Kopf gab, das der Grund war, wieso er überhaupt noch atmen durfte. Nayantai wollte nicht mehr davon hören, wollte sich durch die endlosen Schneemaßen schlagen und diesen Ort alsbald verlassen, selbst, wenn er nicht weit käme, wenn es abertausende Pfeile waren, die ihm im Rücken stecken sollten, die ihn in die Knie zwangen und ihm zeigten, dass er nur einer von vielen war, das die Schafe sich nicht für ihn und sein Volk interessierten. Wölfe waren irrelevant. Zu wild waren sie, wie rauer Wind, unbändig, unendlich stark - aber irgendwann musste auch das nachlassen, irgendwann war all das vorbei. Nayantai grummelte. Er wollte nicht länger hier sein, tatenlos herumsitzen, sich Zeit nehmen, zu heilen - er fühlte sich so, als verriet er sein Volk, als half er ihnen nicht genug, aber er wollte nicht derjenige sein, der weiterhin Forderungen an Rain krächzte, er wollte seine Ruhe.

      Seine Hände krallten sich in dem Bettlaken unter sich fest, sein Augen fokussierten sich auf einem unsichtbarem Punkt vor ihm. Nayantai war alles, nur nicht amüsiert. Was wollte er schon tun? Er könnte getrost seine Sachen nehmen, sich aus dem Fenster stürzen, hoffen, dass er sich nicht alle Knochen bei seiner Flucht brach und schlussendlich loshasten, soweit, wie ihn seine müden Beine tragen wollten - aber das war keine Option. Er schüttelte den Kopf, biss die Zähne zusammen, lauschte dem Blonden. "Und was bringt es dir, wenn mir nichts passiert!?", seine Stimme hatte eine Lautstärke angenommen, die nicht viel sagte, aber dennoch genug, damit man wusste, dass der Wolf wohl jede Sekunde aus der Haut fahren würde. Stattdessen zurrte er an dem Bettlaken, der sich unter ihm befand, verkrampfte seine Hände schon beinahe in diesem. "Ich sitze hier herum, tue nichts von wert - und lasse mein Volk dort draußen sterben, nur weil euer verdammte König sich einen Narren an der Idee gefressen hat, uns zu töten!" Wut quoll über, beinahe schon ruckartig riss er seinen Blick weit weg von der Decke, auf die er eben noch gestarrt hat, in die Richtung des Lammes, das ihn beschwichtigen wollte.

      "Weißt du überhaupt, wie sich das anfühlt? Ich weiß gar nichts, weiß nicht, ob meine Familie noch lebt, ob ich überhaupt in die Tundra zurückgehen kann, sobald der Schnee in Faerghus schmilzt - und all das, was du mir geben kannst, sind Worte, denen ich nicht glauben will. Was tust du, wenn dein König herausfindet, dass ich hier bin und er meinen Kopf rollen sehen will?" Niemals würde er eine Hand an ein Schaf legen, das sich nicht wehren konnte, nein, er stand über ihnen und ihren verkorksten Ideologien, doch der Zorn brannte mit ihm durch, wollte ihn gar nicht erst loslassen. "Lass mich einfach in Ruhe, ich will nichts mehr hören", feixte er und drückte seine Handballen gegen seine Augen, wollte nichts mehr hören oder sehen, war zufrieden, wenn Rain ihn in Ruhe lassen würde. Ach, was gäbe er nur dafür, wenn all das hier nie passiert wäre.
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    • Rain war nicht wie viele andere Schafe, die alles glaubten, was man ihnen auftischte. Er hatte nicht gesehen wie die Wölfe einen Kameraden zerrissen, oder wie ein Hof, der zu Nahe an der Grenze stand angefangen hatte zu brennen. Er war auf niemandes Seite und er glaubte nur was er sah, in seinem Fall war das nicht viel. Sein Vater konnte ihm noch so viele heldenhafte Geschichten erzählen und der Wolf konnte dasselbe tun, es würde nicht viel ändern. Was jedoch nicht zu verbergen war, was mit dem Wolf passiert ist, als er eingesperrt war. Bestimmt glaubte jede Seite sie wäre im Recht, verlor Liebste in den Kämpfen um Thria, das jeder für sich beanspruchen wollte und dennoch war es kein Grund einen Menschen zu foltern, aus Spaß. Zumindest dachte Rain so. Ebenso wenig konnte er den Wolf einfach draußen in die Kälte schicken, wenn er doch wusste, dass es ihn töten würde, es wäre als würde er ihm selbst einen Dolch zwischen die Rippen jagen.

      Der Prinz der Wölfe war frustriert, traurig, verletzt, einsam... auch er hatte Verpflichtungen, Menschen um die er sich kümmern musste, ein Volk. Rain musste die Worte die der Wolf sagte nicht verstehen, um zu wissen was er sagte. Vielleicht war Rain nur egoistisch, half nur, weil er den Tod eines Menschen nicht verantworten wollte, nicht damit leben wollte, vielleicht ging es gar nicht um das Leben des Woles selbst. Vielleicht war er egoistisch, weil ein Teil von ihm immer noch daran glauben wollte, dass wenn nicht sein eigenes Volk, ein anderes ihm helfen konnte die Welt zu sehen und dieses Haus zu verlassen. Vielleicht brachte er aus diesen egoistischen Gründen alle hier in Gefahr.

      Aber es brachte nichts darüber zu sprechen, der Wolf würde ihn nicht verstehen und es auch gar nicht wollen, nicht jetzt. Und er wäre nur noch egoistischer zwang er dem Wolf jetzt seine Gesellschaft und seine eigenen Probleme auf. Vielleicht war ein wenig zeit zum Nachdenken genau das, was der Wolf nun brauchte. Rain wartete noch einen Moment, bevor er sich tatsächlich bewegte, vom Bett rutschte und in seine Schuhe schlüpfte. Dann ging er zur Tür, bei der er sich noch ein letztes Mal umdrehte. "Wenn du tot bist, hilft das deinem Volk auch nicht." Mehr sagte er nicht, er öffnete die Tür, verließ das Zimmer und ließ Nayantai in dem Raum alleine.

      Seine Wachen eilten zu Rain, der ihnen sagte, dass es ihm offensichtlich gut ging, höchstens seine Stimmung war nicht die Beste, aber das sprach er nicht aus. Er schickte sie zurück zur Tür des Wolfes, vor der sie Stellung bezogen und begab sich dann in seine eigenen Räumlichkeiten. Erst als er die Tür zu seinem eigenen Zimmer geschlossen hatte, erlaubte er sich durchzuatmen. Er lehnte sich an das dunkle Holz, rutschte daran zu Boden und blieb dort sitzen. Seine Hand glitt an seinen Hals, an dem die Hand des Wolfes kurz gelegen hatte. Er konnte Nayantais Gesicht noch vor sich sehen, wie er die Zähne bleckte... aber nichts tat.
      Ein leichter Husten begann, der mehrere Minuten andauerte, als hätte sich all das in ihm aufgestaut. Er zog die Knie an, hustete in den Stoff seiner Kleidung, dämpfte das Geräusch so gut es ging und wartete, dass es ihm besser ging. Es war ein anderer Husten, als der der durch den Druck in seiner Brust ausgelöst wurde, obwohl dieser Druck womöglich dazu beitrug. Sein Herz pochte immer noch lauter als es sollte, drückte ebenfalls gegen seine Lungenflügel. Er hasste es wie sein Körper sich anfühlte, er merkte wie er von Jahr zu Jahr schwächer wurde, wie er nicht mehr wie als Kind durch die Gänge laufen konnte und das lag nicht an deren Kälte, er merkte wie jede Kleinigkeit seinen Körper aus dem Gleichgewicht reißen konnte. Angst, Aufregung, das reichte aus, um ihn in die Knie zu zwingen, auch wenn er seinen Körper dazu zwingen konnte, weiter zu funktionieren...noch. Seine Hand glitt zu seiner Brust, als könnte er sein Herz damit beruhigen, er presste die Augen zusammen und wartete darauf wieder einigermaßen normal atmen zu können.
    • So kurz wie dieses Gespräch gewesen war, so schnell war es auch vorüber - Meinungsverschiedenheiten, Differenzen in der unverständlichen Sprache des Anderen, was sollte noch auf sie zurollen, außer all das? Die Tür schloss sich hinter Rain, der nur wenige Worte an ihn gerichtet hatte - und dennoch war es genug gewesen. Nayantai wollte nicht, fühlte sich aufgelöst, war schlussendlich alleine, so wie er es sich gewünscht hatte. Rain verstand nicht, würde nie verstehen, was genau dem Wolf durch den Kopf ging - doch wollte Nayantai wirklich verstanden werden, oder ging es ihm einfach um sein eigenes Überleben, damit er denjenigen helfen konnte, die sich nicht selbst zu helfen wussten? Was auch immer es war, sein Aufenthalt hier stoppte ihn, zwang ihn dazu, all die Dinge zu tun, die ein Krieger in solch einer Situation nie tun würde - und doch, es waren wohl die warmen Tränen, die ihm langsam über die Wangen rollten, als er endlich zur Decke über sich aufsah und noch immer dort, auf seinen Knien, saß - sich fragte, was er mit sich anstellen sollte, was er tun wollte. Sein Atem wurde ruckartig, versuchte er doch nach Luft zu schnappen, richtete den Blick schließlich gen Boden, während er die Hände wiederum erneut in dem Laken verkrampfte, der sich unter ihm befand. "Wenn ich tot bin ...", murmelte er vor sich hin, war sich nicht sicher, was er mit dieser Information anfangen sollte. Wenn er tot war, dann würde er zwar seinem Volk nicht mehr helfen können, aber er müsste auch nicht mit eben dem schlechten Gewissen leben, dass er nichts tun konnte, weil ihm die Hände gebunden waren.

      Nayantai ließ sich nach vorne fallen, mit dem Gesicht in sein Kissen, rollte sich zusammen, umschlang schlussendlich eben jenes Kissen mit seinen Armen, zog seine Beine an seinen Körper - er weinte, tat etwas, das er so lange nicht mehr getan hatte, wollte nichts mehr von sich selbst hören, wollte nichts mehr von Adrestia, von Faerghus, von diesem Steinhaus - von Rain - wissen. Viel lieber lag er hier, wartete, bis die letzte Träne getrocknet war, bis er wieder Luft atmen wollte, sich aus seiner Misere löste. Vermutlich war er für eine Zeit eingenickt, hatte das Rauschen des Meeres und die unkenntliche Stimme seines Vaters ignorierte, realisierte er doch, dass die Sonne keineswegs so hoch am Horizont stand, wie sie es vor wenigen Minuten noch getan hatte. "Verfluchter Mist." Müde Beine drückten sich aus dem Bett, warfen das Kissen beiseite, griffen nach dem Kamm, den er vorgestern beiseite gelegt hatte und fing an, sich die viel zu langen Haare zu kämmen, riss sich dabei - vermutlich vor lauter Wut - einige von ihnen aus, bevor er auch diesen beiseite legte und das Band nahm, das sich noch immer um sein Handgelenk klammerte, bevor er sich die Haare schlussendlich zusammenband, damit sie ihm nicht weiter auf die Nerven gingen. Schwache Beine brachten ihn dorthin, wo er sein wollte - zum eiskalten Fenster vor dem er stand, mit brummendem Kopf und kaum besserer Laune. Die Stirn drückte er schließlich gegen das Glas, nur für einen Moment, nur für diese Sekunde. Wohin mit ihm?
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    • Nachdem Rain seinen eigenen Körper wieder einigermaßen unter Kontrolle gebracht hatte, stand er auf und wusste erst einmal nicht viel mit sich anzufangen. Er entschied sich schließlich zu tun was er die meiste Zeit tat, er entschied sich zu lesen. Er verbrachte den Tag also in einem großen Sessel beim Kamin, um sich aufwärmen zu können und was auch immer dabei war seinen Körper einzunehmen, zu bekämpfen, bevor es schlimmer wurde. Schon lange sagte er nichts mehr, wenn er sich krank fühlte, konnte man ihm doch eh nicht helfen. Er wollte niemandem Sorgen bereiten und nicht noch mehr Arbeit verursachen als ohnehin schon. Er war noch nie jemandem eine Hilfe gewesen, das dachte er zumindest, vielleicht krallte er sich auch deshalb so an den Wolf, er konnte ihm helfen, zumindest ein bisschen.

      Rains Blick wanderte immer wieder zum Fenster, nach draußen, wo die Sonne sich schließlich senkte, sich einen Weg durch die Wolkendecke bahnte und den fallenden Schnee glitzern ließ. Er fragte sich wie der Wolf sich fühlte, der tatsächlich wusste, was ihm da draußen gerade entging. Rain würde ihn niemals verstehen, nur Sehnsucht haben nach dort draußen, ohne zu wissen was es bedeutete, wenn man dort draußen aufgewachsen war und die Freiheit einem einfach genommen wurde.

      Als die Sonne schließlich dabei war gänzlich zu verschwinden, stand Rain auf um etwas zu Essen für den Wolf auftreiben zu lassen. Er sorgte dafür, dass der Wolf heute etwas anderes als Suppe bekam und begab sich anschließend zu seinem Zimmer. Erneut klopfte er, wartete dieses Mal auf eine Antwort bevor er eintrat. Wenn der Wolf es wünschte, würde Rain ihn in Ruhe lassen, nur das Essen wollte er ihm vorbei bringen, zumindest das.