spellbound. (earinor & akira)

    • Stur war er auch noch, gleich wie Muhan. Shuren war kein Freund zwischenmenschlicher Beziehungen, das war er nun wirklich nie gewesen, aber noch viel schlimmer war, dass dieses Prachtexemplar von taubem Schaf ihn behandelte, als würde er ihn verstehen und - wenn er nicht die richtige Antwort gab - auch an seinen Kragen wollen. Desinteressiert gähnte er und sah der menschgewordenen Schafsfurie dabei zu, wie er nicht auf die einfachsten Befehle horchen wollte und es vorzog, jemanden zu mimen, der er selbst bei weitem nicht war. Ein unangenehmer Schauer jagte über seinen Rücken, ehe er sich halbblind noch für die Sachen interessierte, die erst jetzt ins rechte Licht gerückt wurden. „Keine Ahnung, was du von mir willst. Aber wenigstens hast du mit eine Trauerwoche erspart.“, erzählte er dem Mann und wollte eigentlich, dass er mehr über ihn erfuhr - sein einziges Problem war jedoch, dass er es nicht konnte. Nicht nur war er derjenige, der bitterlich versuchen würde, etwas Schafssprache zwischen seinen Lippen hervor pressen zu müssen, nein, er war auch der Witzbold, der sich gar nicht erst darauf einlassen wollte, es aber gleichermaßen nötig hatte, genau das zu tun, um an Informationen zu kommen, die er sonst nicht haben würde.

      Größer wurde das blonde Ungetüm plötzlich, weswegen Shuren derjenige war, der aufstand, und mühsam versuchte, die kalten Finger von dem Gitter zu kletzeln, an dem sie noch festfrieren würden, wenn diese Blitzpiepe so weitermachte. “Du bist wie ein kleiner Junge, dabei wette ich, dass du nur ein alter Sack bist.”, warf er ihm vor. Älter als sein Vater und noch unwürdiger, wenn es um seinen Respekt und Zuwendung ging. Ob Onkel Rikiya ihm ein gutes Angebot für dieses Ding machen würde? Vielleicht, warum auch immer, aber Shuren war derjenige, der glaubte, mehr davon profitieren zu können, wenn er ihn hier behielt - zumal er ohnehin krank zu sein schien. Ungefragt legte er zuerst eine Hand durch die eisigen Gitter und auf die Stirn des Fremden, die ohnehin glühend heiß war, und dann auf seine eigene. Nein, jemand hatte sich wohl etwas vorzüglich schlechtes einfangen - der Wolf sah es als Einladung an, kurz wortlos zu verschwinden und mit einer versetzten Suppe wiederzukommen; das Fieber würde sie senken, allein wegen des Mittels, aber dafür musste er sie erst durch die etwas größere Öffnung am unteren Ende des Gitters schieben. “Iss, das kannst du brauchen. Und du solltest sich wirklich hinlegen.” Für einen Moment überlegte er, dann deutete er mit dem Fächer auf sich. “Ich bin Shuren, und du?”
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Wieso plapperte dieser vermaledeite Wolf so viel? Caelan verstand kein Wort und wenn er ehrlich war hatte er auch kein Interesse daran irgendetwas zu lernen, selbst wenn es bedeuten würde, dass er erfragen konnte wo er war und was dieser Wolf von ihm wollte. Arm wirkte er nicht und diese Zelle schien auch kein Zufallsgebilde zu sein. Caelan war irgendwo in Thria, gefangen genommen von einem Kind das sein Sohn hätte sein können. Respekt zeigte wohl keiner von ihnen so richtig, auch wenn es eher Caelan war, der vielleicht besser voran kommen würde, würde er diesem Wolf die Schuhe küssen, aber das hatte er nicht vor. Dieser Krieg war schon lange nicht mehr nötig und Caelan hatte gelernt, dass es Wichtigeres gab als Rache, oder einem Traum nachzujagen und doch hatte es ihm alles gekostet diesen Hirngespinsten nachzujagen. Er hatte nichts mehr, kein Land, keinen Titel und vermutlich auch keine Familie mehr. Er wollte nicht daran denken, dass sein Sohn höchstwahrscheinlich tot war und doch wollte er einfach nur hier raus, um nach Fhaergus zurück zu eilen, auch wenn es nur war, um seinen Sohn noch einmal zu sehen und ihm zu sagen, was er all die Jahre nicht konnte.

      Rache klang wieder süß in seinen Ohren, sollte ihm auch noch Rain genommen worden sein, aber zuerst musste er hier raus. Der Wolf kam näher und Caelan versuchte zu erkennen, ob er eventuell einen Schlüssel bei sich trug, der diese Zellen öffnen konnte, aber die karge Beleuchtung machte das nicht einfach. Er zog seine hand zurück als der Kerl seine Finger berührte und funkelte ihn wütend an. Kurz darauf kam ihm die Hand wieder näher. Caelan schlug die Hand beiseite. "Streck deine dünnen Finger noch einmal nach mir aus und du hast mal eine Hand gehabt!", knurrte er, auch wenn dieser Mann irgendwie so schien als wollte er Caelan in diesem Moment helfen. Naja, sollte sein Kriegsgefangener sterben, dann brachte es den Wolf wohl auch nicht weiter. Ob er wusste wer Caelan war? Dass er mehr war als ein einfacher Soldat? Der Wolf watschelte in seinem Kleid davon und kam nach nicht allzu langer Zeit wieder zurück. In seiner hand trug er eine dampfende Schüssel. Ein Feuer wäre Caelan lieber gewesen. Er beobachtete vorerst nur wie der Wolf die Suppe durch eine Öffnung in die Zelle schob. Caelan hatte hunger und durstig war er auch, zudem sehnte er sich nach ein wenig Wärme. Hätte man ihn töten wollen, hätte man das schon längst tun können, also sprach wohl nichts dagegen diese Suppe zu essen. Er griff danach und setzte sich damit dann auf seinen Haufen Polster und Decken. Er leerte die Suppe in einem Zug. Es hatte nur wenige Augenblicke gedauert sie schon genug auskühlen zu lassen, aber trotzdem wärmte die warme Flüssigkeit Caelan von innen - ein angenehmes Gefühl. Auf die Worte des Wolfes wollte er nicht eingehen, er war zu stur um zu versuchen ihre Sprache zu lernen und mit seinem Feind zu kommunizieren. Alte Hunde lernten keine neuen Tricks.
    • Shuren war schon mit einer Vielzahl von Personen umgegangen, so viel stand fest, allerdings war das hier Neuland für ihn - ein fremdes Schaf, über das er noch nicht alles herausgefunden hatte, bedrohte ihn anscheinend, obwohl er derjenige war, der ihn gerettet hatte und die Güte besaß, ihm ein robustes Dach über den Kopf zu spenden. Gänzlich sicher war er sich nun einmal nicht, aber er wusste, dass seine versuchte Hilfestellung mehr als verschmäht wurde, kaum versuchte man, Hand an ihn zu legen. Die Wahrheit war wohl, dass dieser ungestüme Rabauke wenig Respekt vor ihm und dem Rest seines Ideenreichtums besaß, geschweige denn verstand, wieso man ihn wegsperrte. Ob er ihn verstand oder nicht spielte dabei ohnehin wenig Rolle, aber Shuren versuchte die positiven Aspekte seines Verhaltens zu sehen: Er war stark und wach genug, um sich gegen ihn aufzuhalsen und in Wahrheit nicht mehr zu tun, als ihn verrückt zu machen. Mit unzufriedenem Gähne starrte er auf die Figur, die sich wieder in das hinterste Eck seiner Behausung verzog und für einen Moment dachte Shuren daran, ihn doch gleich hierzulassen, ihn auszuquetschen wie einen Korb Moltebeeren und dann einfach als schönes Ansichtsbeispiel zu behalten - aber das konnte er sich wohl nicht leisten.

      "Wenn du mir deinen Namen nicht sagst, dann nenne ich dich eben Schaf. Ist das in Ordnung?", gaukelte er mit gespielter Freundlichkeit in singender Stimme vor. Einmal mehr wurde er in seinem Verhalten gegenüber diesen Bestien bestätigt, aber ehrlich gesagt interessierte ihn auch das herzlich wenig. "Eure Exzellenz.", warf ihm eine Stimme an den Kopf. Anders als Shuren war der großgewachsene, aber dennoch etwas hagere Mann in ledriger Rüstung, wenn auch nicht gleich viel davon. "Ja?", hinterfragte Shuren lediglich, als er seinen Blick von Caelan abwandte und seinem Gesandten ein wenig Aufmerksamkeit schenkte. Schwer war es nicht, all das zu tun, aber gleichermaßen wusste er zumindest, dass dieses rabiate Schaf ihn nicht anfallen konnte. "Wir haben herausgefunden, wer er sein könnte." "Und was macht dich da so sicher?" Unverständliches Gewisper folgte, in einer noch schlimmeren Sprache als bisher, und Shuren grinste mit einem Mal immer mehr, bevor er dem armen Späher auf die Schulter klopfte. Einfach so über ihn herzufallen, wenn er alleine hier unten war, war wohl auch seine beste Taktik. "In Ordnung, danke für deinen Bericht." Mit einem Nicken verabschiedete sich die Gestalt wieder, und Shuren ließ auch Caelan alleine, um nach etwas Kleidung für ihn zu suchen - ein Übersetzer würde sich zu diesem Zeitpunkt wohl hoffentlich hier eingefunden haben.
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    • Caelan wurde bald wieder alleine gelassen. Er machte sich nicht die Mühe zu lauschen, er verstand ohnehin kein einziges Wort der fremden Sprache. Stattdessen zog er einige der Decken um seine Schultern und stützte seinen Kopf auf seine Hände. Niemals würde Adrestia es schaffen Bereiche wie diese in Thria zu erobern, wenn nicht einmal der Fürst von Fhaergus vernünftig mit der Kälte zurecht kam. Es war als würde er erst jetzt verstehen was seine Frau, sein Sohn, oder Ronan gemeint hatten, wenn sie sagten ihnen wäre es zu kalt. Caelan rieb sich die Schläfen. Warum dachte er ausgerechnet jetzt an sie alle? Vermutlich waren sie alle drei an demselben Ort, nur Caelan war noch an diese Welt gebunden und fragte sich, was er in seinem Leben hätte besser machen können. Das Glück war ihm schon lange nicht mehr hold gewesen. Ina hatte er verloren und es hatte ihn beinahe völlig aus der Bahn geworfen. Sie war zu jung und unerwartet gestorben und gerade mal eineinhalb Jahre später war nun auch sein Sohn tot. Er wollte hoffen, aber wie wahrscheinlich war es, dass der König vor seinem Tod halt machte, wenn er sich ganz Fhaergus auch gleich und ohne Gegenwehr unter den Nagel reißen konnte.

      Caelan hatte seine Familie enttäuscht und auch sein Volk. Er war nie ein Speichellecker gewesen, selbst wenn er nicht mehr so ungestüm war wie früher. Damals hatte er noch mit Ronan spekuliert abzuhauen und das Fürstendasein hinter sich zu lassen. All das geriet schnell in Vergessenheit als er damals verschwunden war. Caelan musste seiner Ansicht nach zu schnell erwachsen werden und zu viel Verantwortung übernehmen. Getrieben von Hass und Rache hatte er vermutlich nicht gerade die besten Entscheidungen getroffen, bis er aus reinem Zufall Ina begegnet war. Er hatte sie gebraucht und er tat es noch. Caelan war nie religiös gewesen, aber in diesem Moment, in diesem Kerker in dem er alleine gelassen wurde, betete er für die Sicherheit seines Sohnes. Zumindest er sollte überleben, was mit Caelan selbst geschah war ihm zu diesem Zeitpunkt völlig egal. Wäre alles besser ausgegangen, hätte er sein Volk in den Tod geschickt? Sei es im Krieg, oder in den Minen? Hätte er dem König jeden Wunsch von den Augen ablesen sollen? Ihm Waffen und Holz schenken? Wäre das Opfer es wert gewesen, wenn sein Volk jetzt ohnehin demselben Schicksal gegenüber stand? Vermutlich machten solche Spekulationen gar keinen Sinn, aber was mehr konnte er tun, als über all seine Entscheidungen zu reflektieren?
    • Ein General der feindlichen Armee sollte diese Witzfigur sein, die ihm in sein Netz gerannt war - und nicht nur das, Shuren war derjenige, der sich eine beliebige Person aus der Menschentraube pflückte, die vor ihm anwesend war. Mit einem schwachen Seufzer befahl er ihm, etwas Kleidung aufzutreiben, die dem Fremden passen würde, und die er vermutlich auch anziehen würde, was dementsprechend bedeutete, dass sie notfalls etwas schneidern lassen mussten. Adrestianische Schafskleidung hatte hier unten selten jemand schon mit eigenen Augen gesehen und die Wenigsten von ihnen aus nächster Nähe - manche glaubten, dass sich ihre Kleidung nicht einmal so sehr voneinander unterschied, aber Shuren war aufgefallen, als er diesen unterkühlten Deppen aus seinen Hemden geschält hatte, dass er durchaus anders gekleidet war und somit mehr als nur ein Parasit in einem fremden Land war, in dem er sich wohl kaum auskannte. "Ist sie schon hier?", wollte er wissen, als er sich die lästigen Haare aus dem Gesicht wischte und einen Blick von seinem Thron aus auf den Rest des Volkes, das sich in seinen eigenen vier Wänden tummelte, warf. Was machte er hier? Glücklich sollte er sich schätzen, nicht von diesem Schaf gefressen worden zu sein, aber gleichermaßen ...

      Man brachte ihm ein Bündel Wäsche und Shuren angelte sich jemanden, der sie für ihn trug - in diesem Fall war es eben jener Dolmetscher, den er dazu auserkoren hatte, mit ihm die eisigen Stufen in einen kaum beleuchteten Keller herunterzurutschen und sich vorsichtig einer der wenigen Zellen zu nähern, die überhaupt besetzt waren. Wenn er so recht überlegte, dann hatte er eigentlich selbst Interesse an der Schafssprache, aber das selbst zuzugeben war, wenn auch nicht schwer, nicht in seinem Ermessen. Ungeachtet dessen riss er dem Neuankömmling den Stoff aus der Hand und klopfte mit seinem Fächer an die Gitterstäbe, bevor er das Ganze hindurchzwängte und in die Richtung des Blonden schupfte, der allem Anschein nach Caelan hieß. Was für ein komischer Name, aber gleichermaßen, was für ein komisches Gesicht ... "Seine Exzellenz hat Kleidung für dich.", fiepte die junge Frau aufgeregt, ehe sie in die Dunkelheit der Zelle spähte, um den hageren, bleichen Mann zu erkennen, der sich inmitten des eisigen Gewölbes befand, in das man ihn gelotst hatte. "Wie fühlst du dich? Brauchst du etwas?", hinterfragte sie, ohne weiteres Zutun Shurens, der beinahe schon empört schnaufte, als sie ihren Mund öffnete. "Kannst du ihn fragen, wie er hierherkommt?" Sie nickte. "Er möchte wissen, wieso du hier angespült worden bist."
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    • Caelan war irgendwann eingeschlafen. Er fühlte sich ausgelaugt, was wohl daran lag, dass er krank war. Kein Wunder, er hatte mehrere Tage auf einem Stück Holz in eisigem Wasser verbracht, dass er noch am Leben war, war ein Wunder, aber vielleicht war das hier ja auch die Hölle. Wie auch immer es sich verhielt, diese Wölfe konnten ihm kaum etwas antun das schlimmer war, als alles das er bereits erlebt hatte. Den Krieg unterstützte er nicht mehr, zumindest nicht sos ehr wie früher, aber das hieß nicht, dass er ein Freund der Wölfe war, gegen die er so lange Zeit gekämpft hatte. Er horchte auf als er Schritte hörte. Er hatte einen sehr leichten Schlaf und dieser wurde durch die Anspannung in Feindesgebiet zu sein nur noch leichter gestört. Der Wolf von vorhin kam nicht alleine zurück und klopfte an die Gitterstäbe um Caelan klar zu machen, dass er ihm etwas mitgebracht hatte. Frische Kleidung wie es schien und die war bei der eisigen Kälte hier unten sehr willkommen. Caelan nahm die Lumpen entgegen um sie ein wenig zu begutachten, ehe er sie ungeniert überzog, in der Hoffnung ihm würde wärmer werden.

      Eine zweite Person war dieses Mal mit von der Partie. Es war eine Frau dessen alter Caelan nicht einschätzen konnte, aber ihre Stimme zitterte ein wenig. Das Schaf war sich nicht sicher, ob er überhaupt mit diesen Wölfen reden sollte, selbst wenn nun jemand dabei war, der seine Sprache sprach. Er würde ihnen nichts nützen, so viel stand fest, aber vielleicht wussten sie das nicht. Auf die Frage wie er sich fühlte wollte er eigentlich nicht antworten. "Wo sind meine Sachen?", fragte er stattdessen. Ihm war durchaus bewusst, dass sie ihm seine Schwerter nicht zurückgeben würden, auch wenn er damit hier drinnen wohl kaum etwas anstellen konnte. "Und wo bin ich?", hängte er ebenfalls an. Irgendwo nahe der Küste vermutlich, außer man hatte ihn extra irgendwo hingebracht. Dass Wölfe Zellen hatten war an sich schon etwas seltsam, so etwas hatte Caelan in Thria noch nie gesehen, zumindest nicht mehr als ein paar Holzkäfige. Wieso Caelan hier war wollte dieser Wolf wissen? Das würde er nicht verstehen, noch ging es ihn etwas an. "Was habt ihr mit mir vor?", fragte er statt eine Antwort zu geben.
    • Von Shuren persönlich hierher zitiert zu werden war vermutlich nie ein guter Aspekt, aber die Frau, die hierher verschleppt worden war - vielleicht sogar im wahrsten Sinne des Wortes - gab ihr Bestes. Eigentlich hatte sie ihrem Gebieter, einem Stammesführer, nichts zu sagen, aber während sie in einer Sprache die er nicht verstand, redete, konnte sie sich eine List spinnen, die vielleicht sogar funktionieren würde. Ein kalter Schauer jagte über ihren Rücken und hielt sie jedoch davon ab, als sie merkte, wie unsagbar nah Shuren wohl an ihr klebte und so tat, als würde er sie verstehen, in der Hoffnung, für etwas Einschüchterung zu sorgen und die Kontrolle über die Situation zu wahren. "Er möchte wissen, wo seine Sachen sind.", bemerkte sie mit einem Schlucken und sah zu Shuren, der nur der Fächer aufschlug, welcher zumindest seinen Mund verdeckte, und dann beinahe schon empört und peinlich berührt hustete. "Seine Kleidung trocknet noch, den anderen Kram haben wir weggeräumt. Es ist alles da, was er bei sich hatte, als er angespült worden ist. Passt ihm die neue Kleidung?", zischte er retour. Eindringlich, wie ein Raubtier das seine Beute fixierte, nahm er Caelan ins Visier. Ein wildes Schaf, nicht mehr und auch nicht weniger - so viel stand fest, und doch wollte er nur mehr über es wissen, bevor er es sezierte.

      "Deine Kleidung trocknet noch, die anderen Dinge hat seine Exzellenz sicher verstauen lassen. Wie ist die neue Kleidung? Kratzt sie? Brauchst du mehr?", hinterfragte das zittrige Stimmchen. Ein Wolf war sie durchaus, so viel stand fest, aber einige Komponenten ihres Lebens ließen Lücken in ihrer Herkunft zurück - nicht, dass Shuren sich sonderlich dafür interessierte. "Du bist im Norden Thrias, an der Küste. Wir nennen diesen Ort Yaoshen, aber ich bezweifle, dass dir das viel hilft. Brauchst du eine Karte?" Anstatt sich den Gefangenen zum Feind zu machen, schien die Frau durchaus interessiert daran, mit dem Fremden eine gute Beziehung aufzubauen. Gefahr kannte sie nicht, das schien Shuren gerade jetzt so richtig bewusst zu werden, aber ihre Worte waren ein eloquentes Mysterium, eines, das er wohl so nie verstehen würde. Stattdessen hob er die Braue und fächerte sich kalten Wind zu, um sein eindringliches Interesse an diesem Fremden abzutun. "Er möchte wissen, was Ihr mit ihm vorhabt.", fiepte die Frau in silessianischem Akzent, als wäre sie ein Sprachchamäleon, das sich an ihre Umstände anpasste. Kurz neigte Shuren sich zu ihr und flüsterte der Dame etwas zu, woraufhin sie lediglich nicken konnte. "Du bist hier sicher, bis du gesund bist. Er möchte nur mehr über euch und die Schafe wissen, allgemein. Mit dem Krieg hat Shuren nichts am Hut, aber du scheinst ihn zu interessieren." Dass er ihn schlussendlich an den König ausliefern wollte, vielleicht in ein paar Jahren, ließ sie lieber außen vor.
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    • Caelan konnte nicht mit Sicherheit sagen ob diese Frau ihrer beider Worte originalgetreu weitergab oder nicht, aber großartig unterhalten wollte Caelan sich ohnehin nicht. Der Wolf funkelte ihn an, gleichzeitig baute er sich neben der Frau auf und ganz allgemein schien er sehr viel von sich selbst zu halten. Caelan hatte kein Interesse an einem Pisswettbewerb. Er saß hier fest, egal wie er sich gab und selbst wenn er aus dieser Zelle käme, wüsste er vermutlich nicht wohin er sollte. Noch dazu kannte er sich hier nicht aus, man würde ihn in Windeseile finden. Caelan mag früher ungestüm gewesen sein, aber heute war er ein alter Mann mit genügend Erfahrung um zu wissen, welchen Kämpfen man besser aus dem Weg ging. Am Einfachsten wäre es wohl diesem Wolf so langweilig wie möglich zu erscheinen. Auch wenn Caelans König ihn verraten hatte, er würde im Gegenzug nicht ganz Adrestia verraten, das war nicht seine Art. Er würde sich auch nicht plötzlich auf die Seite der Wölfe stellen. Alles was er wollte war zu wissen wie es seinem Sohn erging, aber das würde er hier nicht erfahren können.

      Nun fragte ihn die Frau ob die neue Kleidung genehm war. Caelan wollte nicht darauf antworten. Es war wärmer als ohne Kleidung, das musste wohl genügen, er wollte ja auch keinen Schönheitswettbewerb gewinnen. Er antwortete nichts darauf, sah den männlichen Wolf nur an und fragte sich wer er war, wenn die Frau ihn 'Seine Exzellenz' nannte. Ein Grünschnabel, das war er. Der name des Ortes an dem er sich befand war fremd für ihn und ob ihm eine Karte nützen würde war fraglich, aber womöglich gab es ja doch eine Gelegenheit zur Flucht. Er bezweifelte es, aber auf der Flucht zu sterben klang immer noch besser als hier drinnen zu versauern. Er nickte also und grummelte bestätigend. Dann wurde seine Frage an den Wolf weitergegeben. Warum sie nun flüsterten wusste Caelan nicht und er hob eine Augenbraue, während er die beiden beobachtete. "Und wenn ich gesund bin?", fragte er gleich nachdem er eine Antwort erhalten hatte. "Sag ihm außerdem, dass ich kein verdammtes Haustier bin."
    • Sie nickte, auch, wenn ihr Gesprächspartner nicht nur wortkarg sondern auch wenig interessiert an diesem Gespräch zu sein schien. Ohne wirklich darauf zu warten, was er ihr noch zu sagen hatte - sie glaubte nicht, dass es wirklich relevant wäre, wenn er gerade jetzt schon nicht seinen Mund öffnen wollte - und teilte Shuren mit, was sie herausgefunden hatte. Zugegeben, es war nicht viel, aber immerhin etwas, und wie es schien, ließ es den Stammesführer zumindest ein klein wenig aufatmen. "Das hat er noch nicht entschieden. Was würdest du denn wollen?", hinterfragte sie, ohne böse Absichten zu haben. Vermutlich würde er nach Hause rennen, aber allemal erstaunlich, dass er es ausgerechnet hier aushielt war es schon. Woher er kam würde sie nicht aus ihm herausbekommen, aber das Schafland kannte sie so wenig, wie Shuren es wohl kannte - seine Exzellenz schien gerne von Anderen angeleitet zu werden und darüber zu hören, sowie Dinge im Detail zu studieren, aber offensichtlich war er gleichzeitig wenig begeistert davon, wenn etwas nicht seinen Vorstellungen oder Herzenswünschen entsprach. Knapp lag das imaginäre Messer an ihrer Kehle, aber insofern Shuren sie nicht verstand ...

      "Er möchte, dass Ihr ihn nicht so anstarrt. Er fühlt sich unwohl." Wie das Zirpen einer lästigen Zikade, oder eher das Geschnatter einer Ente, lachte Shuren auf und klopfte sich mit seinem zusammengefaltenem Fächer auf den Oberschenkel. Nicht so angestarrt werden? Was sollte das denn bedeuten? Was für ein Witzbold dieses fremde Wesen doch war, aber gleichermaßen hatte er vielleicht recht - nicht jeder wollte eindringlich angestarrt werden und nicht jeder von ihnen war dazu auserkoren worden, sich in dieser Position zu befinden. "Na gut, ich höre auf." "Er meint, er wird sich bemühen. Kann ich dir sonst noch etwas Anderes bringen? Oder möchtest du deine Ruhe?" Die weibliche Gestalt war zwar so lange hier, bis Caelan die Worte ausspuckte, die sie hören wollten, aber ihn zu malträtieren war auch nicht der rechte Weg. Es reichte eigentlich, dass sie sich schnellsten Weges nach Yaoshen aufmachen musste, um einem Stammesführer jeden Wunsch wortwörtlich von den Lippen abzulesen, aber was blieb ihr auch über? Shuren wurde zwar als ruhige Seele beschrieben, nur war sie sich dabei nicht mehr so sicher, jetzt, wo sie ihn in Fleisch und Blut gesehen hatte. "Solltest du etwas brauchen ... ich bin die Einzige hier, die dich versteht, also ich hoffe, du kommst mit mir aus."
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    • "Alles was ich will ist hier rauszukommen.", stellte Caelan schroff klar. An mehr hatte er kein Interesse, aber es würde nicht so einfach werden. Selbst wenn er kooperierte, selbst wenn er ihnen Informationen gab, sie würden ihn niemals gehen lassen. Warum sollten sie auch? Wäre Caelan in derselben Situation würde er nicht anders handeln als dieser Wolf. Er würde versuchen an Informationen zu kommen, ob es nun durch Nettigkeit oder Gewalt geschah war dabei egal, aber die Reihenfolge war immer dieselbe. Ob dieser Wolf fernab des Krieges kaltblütig für härtere Methoden war konnte Caelan nicht einschätzen, aber von sich selbst hatte er lernen müssen, dass Menschen zu sehr vielem fähig sein konnten, wenn es darauf ankam und dennoch hatte er alles über den Haufen geworfen, als er gesehen hatte was diesem Wolf in Myriad wiederfahren war. Caelan lehnte seinen Kopf zurück, blickte gen Decke und schnaubte über seine eigene Dummheit. Er hatte so viele Wölfe nach Ronan gefragt, oder wohl eher ausgequetscht. Wie viele wurden aus ihrer Heimat gezerrt? Caelan war nie ein Freund von Gefangenen gewesen, aber das hieß nicht, dass er bestimmt Exemplare nicht an Olette oder Myriad überlassen hatte, bevor der Rest von Alsters Streitmacht hingerichtet wurde. Informationen waren wichtig, aber Darraghs Hass auf die Wölfe war so groß, dass er lieber durch die schneebedeckten Ebenen irrte, als einen Wolf nach einer Siedlung zu fragen.

      Wenn Caelan jetzt darüber nachdachte, so war der Tod für manche doch die bessere Alternative gewesen. Der Kerker des Königs war schlimmer, als alles was Darragh sich hätte ausmalen können, um seinen Blutdurst zu stillen. Für ihn und auch für Caelan waren die Wölfe nicht mehr als blutrünstige Bestien die es auszurotten galt, was der König in ihnen sah grenzte an noch mehr Wahnsinn. Er, der vor Jahren geschworen hatte alle Wölfe zu vernichten bis er Ronan wieder gefunden hatte, hatte diesen Jungen nicht dort lassen können. War das nicht lachhaft nach all den Jahren und nach all dem Blut an seinen Händen? War es nicht lachhaft, dass er derjenige war, der den jungen Prinzen der Wölfe damals aufgespürt und in diese Situation gebracht hatte? Der Wolf lachte plötzlich und Caelan schob es auf etwas, was diese Wölfin zu ihm gesagt hatte. Er schenkte den Beiden nicht mehr viel Beachtung. Nur langsam richtete er seinen Blick zurück auf die Wölfin vor den Gitterstäben. "Ich möchte meine Sachen zurück.", erklärte er, als wäre er in der Position Forderungen zu stellen.
    • "Das hätte ich mir denken können. Ich weiß nicht, ob ich dir das anbieten kann - definitiv nicht jetzt, aber naja." Shuren war, laut eigenen Angaben, nicht nur hart im nehmen sondern auch jemand, den man besser um nichts bat, wenn einem das eigene Leben auch nur ein kleines bisschen hold war. Dumm war er nicht, das wusste selbst sie, die außerhalb seines eigentlichen Gefildes lebte, aber gleichermaßen war es schwer für sie nachzuvollziehen, wie man sich so benehmen konnte, wie die ein oder andere wirre Stimme und böse Zunge es doch gerne vermittelte. Für den Augenblick wollte sie nicht zu viel Aufmerksamkeit auf die abwegige Situation in dieser Konversation führen, war sie es doch, die in der Feindessprache vor sich hin sinnierte, aber gleichermaßen konnte sie es nicht auf sich ruhen lassen. Was würden ihre eigenen Leute nur von ihr denken, wenn sie dem Feind assistierte? Nein, sie tat das hier, weil man sie dazu gebeten hatte und das bedeutete auch, dass sie ihre Fähigkeiten endlich für etwas Gutes verwenden konnte, nachdem ihre bloße Existenz wohl eine Schande für alles und jeden war, der sich mit ihr assoziieren musste.

      "Alle deine Sachen?", hinterfragte sie, vorbereitet darauf, dass es wohl 'Ja' heißen würde. "Oder nur irgendetwas Bestimmtes? Zumindest vorerst. Shuren hat mir versichert, dass du alles wiederbekommst, irgendwann, so lange du ihn nicht anfällst.", erklärte sie mit einem leichten Seufzen. Als sein Name erwähnt wurde, seufzte aber auch die Figur, die sie ihren Herren nennen durfte. "Ich verstehe meinen Namen auch in Schafssprache. Bring mir etwas mehr Respekt entgegen.", echauffierte er sich mit hochgezogenen Augenbrauen. "J-ja. Tut mir leid. Das Schaf möchte seine Sachen wieder.", stellte sie aufgescheucht fest und starrte Shuren dabei an. Das war, wenn nicht eine dumme Idee, die dümmste Idee die man haben konnte. Wovon würde sie profitieren, wenn sie von der unmöglichen Wahrheit sprach? Erneut lachte Shuren auf, als Caelan anscheinend ein gefundenes Fressen für sich ausgesucht hatte - es war nicht er, sondern die kleine Bestie, die Shuren mit sich hierher geschleppt hatte. "Seine Sachen? Ich gebe ihm keine Waffen. Den Rest kann er haben, wenn er sich benimmt.", erklärte er. "Aber lass uns das für heute beenden, ich muss noch andere Dinge tun." Wie eine Verabschiedung war es, als Shuren sich schlussendlich wieder auf den Weg nach oben machte, aber sie wusste, dass sie auch gehen konnte. "Er meinte, wenn du dich gut verhältst, bekommst du sie. Ich sehe zu, was ich tun kann ... ähm, Caelan, ja?"
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    • Caelan war nicht ganz sicher ob diese zwei Wölfe gerade eine Art Freund Feind Dynamik aufbauen wollten, damit Caelan mit dem Mädchen zu plaudern anfing, oder was das hier sonst sollte. Sie wirkte um einiges zu nett, dafür, dass sie mit einem feindlichen Schaf sprach. Er war kein einfacher Bürger, das hatte man ihm definitiv an seiner Kleidung angesehen, selbst wenn er so wit vom krieg entfernt war, dass es den Anführer hier kaum zu interessieren schien. Auch das konnte gelogen sein. Bis jetzt wurde er nur gefragt wie er hierher gelangt war und das war eine ausgesprochen dumme Frage gewesen. Er wurde angespült, ganz offensichtlich und mehr mussten die Wölfe auch gar nicht wissen. Wenn es nicht einen kleinen, winzigen Funken Hoffnung in Caelan gegeben hätte, dass sein Sohn noch lebte und womöglich auch seine Hilfe brauchte, dann hätte Caelan hier und jetzt das Handtuch geworfen. Sein land war vermutlich bereits gestohlen worden und wenn Darragh Wind davon bekam, dass Caelan einem Wolf zur Flucht verholfen hatte, dann war er auch bei ihm an der falschen Adresse. Seine Frau war tot, der Rest seiner Familie auch und er hinterfragte den Sinn dieses Krieges mehr und mehr je älter er wurde. Er wurde weich auf seine alten Tage und während er in seinen jungen Jahren nicht den Hauch eines schlechten Gewissens hatte, so blieb ihm in letzter Zeit viel zu viel Zeit um über solche Dinge nachzudenken.

      "Ihn anfallen? Er ist der Wolf hier.", entgegnete Caelan und seufzte anschließend. Kurz überlegte er, ob er nicht nur nach dem Glücksbringer fragen sollte, aber es war eine schlechte Idee Schwäche vor dem Feind zu zeigen und so ließ er es doch bleiben und blieb dabei alles zurück haben zu wollen. Ein ungesund klingendes Husten entwich seiner Kehle. Leider kannte er dieses Klang nur zu gut, wenn auch nicht von sich selbst. Es schien als würden all seine Gedanken irgendwann bei seinem Sohn landen. Das Schaf sah auf als der Mann wieder zu lachen anfing, vermutlich weil sein Gefangener Forderungen gestellt hatte. Vorerst schien der Wolf allerdings genug zu haben und machte bereits kehrt um Caelan wieder sich selbst zu überlassen. Er horchte erst auf, als die Frau seinen Namen sagte. Sie wussten also wer er war? Die Chancen irgendwann freigelassen zu werden wurden geringer. Er antwortete ihr lieber nicht, er wollte nicht bestätigen, dass er tatsächlich ein hochrangiger Adeliger aus Adrestia war. Stattdessen wandte er seinen Blick wieder ab und hustete in seinen Ärmel.
    • "Ich glaube kaum, dass er dich anfallen wird. Vielleicht seine Diener, aber wenn du eher an ihn selbst denkst, dann muss ich dich leider enttäuschen.", gab die Namenlose zu ihrem Besten und streckte alle ihre Gliedmaßen von sich. Eigentlich könnte sie sich auf den Boden plumpsen lassen, dort, auf die Sitzkissen, und Caelan dabei zusehen, wie er sich verhielt - das Problem dabei war jedoch, dass sie keinerlei Sinn darin sah, wenn er ohnehin nicht mit ihr reden wollte, geschweige denn in der besten Verfassung war. Sollte sie nach Medizin fragen? Nein, Shuren war ohnehin eine gewitzte Person und wusste, warum auch immer, wer was von ihm brauchen konnte, weswegen sie es nicht für nötig ansah, ihn auch noch deswegen zu fragen. Wer wusste schon, ob Caelan nicht genau das bekommen hatte, was er brauchte, ohne es zu wissen? Sie bestimmt nicht, aber wie dem auch sei war das nichts weiter wert, kaum war sie auch schon auf ihren Zehenspitzen und sah das wortkarge Haustier an, das sich ein junger Mann derart aus dem Meer geangelt hatte, dass es gar nicht mehr witzig war. Ein einfaches Seufzen war alles, das sie zustande brachte, bevor sie sich gen Himmel emporstreckte. "Schlaf gut.", wies sie den Blonden noch an, und verschwand in ein und dieselbe Richtung wie Shuren.

      Die nächsten Tage bestanden hauptsächlich aus dem gleichen Ablauf: Shuren rief nach ihr, weil er die arme Seele in seinem Kerker malträtierte und sie beide sich nicht verstanden - auch ohne Worte. Ausgleich konnte sie auch nicht wirklich schaffen und selbst, als sie versuchte, die Situationen zu entschärfen, war das Ganze eher zum Haare ausreißen. Lange dauerte es nicht, bis sie sich eigentlich sehnte, wieder nach Hause zu gehen, weswegen es umso verwunderlicher war, als sie ihren Blick eines Morgens auf die eisigen Gitterstäbe legte und Caelan entweder noch nicht wach war, oder sich einfach unter seinen Decken versteckte, um nicht von Shuren gesehen zu werden. Von ihm fehlte weit und breit jede Spur, aber wie es das Karma so wollte, war sie diejenige, die sich vor dem Grobian auf den Boden setzte und ihn eindringlich ansah - oder zumindest das Gefilde aus Decken, das ihn zu einer fetten Raupe machte. "Bist du schon wach? Hast du Hunger?", ließ sie durch die klirrende Eishalle verlauten. War er womöglich doch krank geworden? Shuren war ein Idiot, wenn er sich nicht einmal um seine eigenen Gefangenen kümmern konnte.
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    • Jeden Tag aufs Neue kam dieser Wolf vorbei und ließ die Frau tausende Fragen an Caelan stellen. Wo kam er her? Wieso war er hier? Wer genau war er? Warum war er im Winter in Thria? Caelan beantwortete keine dieser Fragen. Er war kein Verräter, noch war er den Wölfen irgendetwas schuldig - aus seiner Sicht zumindest. Es wäre ihm lieber gewesen, wenn sie ihn einfach hingerichtet hätten. Je mehr Zeit er hier verbrachte, desto weniger Hoffnung hatte er seinen Sohn jemals wieder zu sehen und er hatte viel zu viel Zeit zu bereuen, dass er nicht mehr Zeit mit ihm verbracht hatte. Es war falsch Allard die Schuld an ihrer Beziehung zu geben, dennoch hatte er Caelan zu seinen Entscheidungen beeinflusst. Rain wäre mehrmals fast gestorben und dass es Zufall war, dass er immer dann krank wurde, wenn Caelan nach Haue kam, um seinen kleinen Sohn in die Arme zu nehmen, den er den ganzen Sommer über nicht gesehen hatte, konnte auch er sich irgendwann nicht mehr einreden. Die Geschichten über seine Tante Flora trugen auch dazu bei, dass Caelan sich besser von seinem Sohn fernhielt. Es waren furchtbare Jahre gewesen in denen Ina und er versucht hatten ein Kind zu bekommen und als Rain dann endlich da war, wollte Caelan einfach nur alles tun um ihn zu beschützen. War das falsch gewesen? Oder wäre er nur egoistisch gewesen, hätte er seinen Sohn in unnötige Gefahr gebracht?

      Ina war diejenige die solche Fragen zu beantworten wusste, auch wenn Caelan nicht immer auf sie gehört hatte. Er vermisste sie so sehr. Im Gegensatz zu Ronan war sie definitiv tot, auch wenn Caelan ihrer Beerdigung nicht beiwohnen konnte. Er wünschte er hätte mehr Zeit zu Hause verbracht, mit seiner Frau und seinem Sohn, aber es war zu spät es jetzt zu bedauern. Dennoch... viel mehr als solche Gedanken blieben ihm nicht und als das Fieber stieg und er seine Gedanken kaum noch fassen konnte, waren es seine Träume die immer noch um dasselbe Thema kreisten. Er schlief ungewohnt tief. Die Kälte machte es seinem Körper nicht einfach sich zu erholen und wenn Caelan nicht die etwas aufgewärmte Luft unter seinen Decken atmete, dann brannte seine Lunge mehr und mehr je mehr Tage vergingen. Er merkte nicht einmal, dass sich jemand die Stufen hinunterbewegte. Erst als die Gestalt ihm näher kam und die Stimme erhob, schreckte Caelan aus seinem Schlaf. Aus Reflex schoss seine Hand unter den Decken hervor und umklammerte den Unterarm der Wölfin, die jeden Tag hier vorbei schaute. Trotz seines Zustandes hatte er noch genug Kraft in den Fingern. Es dauerte einige Augenblicke bis Caelan sich darauf besann wo er war und wer vor ihm saß. Sie war nicht Caelans Freundin, aber er hatte auch keinen Grund ihr hier und jetzt den Schädel abzureißen, auch wenn sie in Reichweite war. Stattdessen ließ er das Mädchen vielleicht ein wenig aufgebracht wieder los, ehe er auch schon in seinen Ärmel husten musste.
    • Gut sah er nicht aus, das hatte sie von Anfang an erwartet, aber sie hatte gehofft, dass Shuren wenigstens die Güte besaß, ihn für einen Augenblick genauer unter die Lupe zu nehmen und ihm etwas zu geben, das die Krankheit eindämmte. Stattdessen war er es, der hier unten hockte und sich in seine Decken einnistete wie ein wildes Tier - ein Schaf, kein Wolf, das es auch noch schaffte, so weit weg von Zuhause zu überleben. Eigentlich hatte er Glück im Unglück, raffte das unerbittliche Wetter Yaoshen's ihn nicht davon, aber sie wusste genau so gut wie jeder Andere, dass es nur eine Frage der Zeit wäre, bevor all das den Bach hinunterging. Perplex starrte sie auf die Hand, die ihren Arm ergriff, und verzog schmerzverzerrt das Gesicht - aufschreien konnte sie gar nicht, denn all das, was passiert war, wurde plötzlich auch schon wieder nichtig. "Du siehst ... habe ich dich geweckt? Tut mir leid.", entschuldigte sie sich sobald sie konnte, wissentlich, dass sie sich vermutlich keinen Gefallen damit tat, den unglücklichen Handgriff als einen gewollten Angriff zu betiteln. Das war ihre eigene Schuld gewesen - immerhin hatte sie sich so nah an ihn gesetzt und ihn womöglich auch noch geweckt, was allemal hieß, dass er zuvor noch tief schlief.

      "Du siehst nicht gut aus.", stellte sie fest, mehr für sich als für Caelan. "Und du hörst dich auch nicht gut an.", machte sie klar, für sie beide, als hätte es der alte Mann noch gar nicht realisiert. Je länger er hier lag, desto schlechter ging es ihm wohl - und Shuren war irgendwo im nirgendwo, dort, wo ihn keiner finden konnte, außer sein komischer Freund, der ihm immer hinterher dackelte wie eine gehirnlose Wanze. "Wir sollten dich nach oben bringen, zu einem warmen Feuer und einem Heiler.", klärte sie und stand selbst auf. So wie es aussah war sie nicht stark genug, um einen derartigen Koloss durch die Weltgeschichte zu tragen, aber nichtsdestotrotz bot sie Caelan zumindest eine Hand an, damit auch er sich aufrichten konnte. War die Idee dumm? Ja. Glaubte sie, dass Caelan abhauen würde? Vielleicht. War es ihr denn egal? Nein. Aber sie tat es trotzdem, weil sie das Schaf hier unten nicht versauern lassen wollte, koste es, was es wollte - er hatte all das nicht verdient und dementsprechend war sie auch der Meinung, dass er hier unten nicht florieren sondern sich den Tod einfangen würde. "Wieso hast du nichts gesagt? Hat Shuren dir keine Medizin vorbeigebracht?"
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    • Die Wölfin schien nichts böses von einem ihrer Feinde zu erwarten. Wenn sie doch seinen Namen kannten, dann mussten sie doch wissen, dass nicht einmal Caelan mehr zählen konnte wie viele Wölfe er schon getötet hatte und wie viele mehr er indirekt auf dem Gewissen hatte. Zugegeben, dass jemand fliehen konnte war selten, also vielleicht rankten sich gar nicht so viele Geschichten um seinen Namen, nichtsdestotrotz war er ihr Feind. Für einen Moment dachte er sich, dass Ina wohl genauso reagiert hätte wie diese Wölfin und bestimmt war Rain ähnlich mit dem halbtoten Wolf umgegangen, den Caelan ihm vor die Tür gesetzt hatte. Naiv waren sie alle, aber zumindest Ina hatte Caelan immer für ihre Güte bewundert und Rain kam mehr nach ihr als nach ihm - as war vermutlich etwas Gutes. Als sie Caelan sagte, dass er nicht gut aussah, konnte er nur schnauben. Das wusste er selbst. Er fühlte sich auch miserable. Er hatte Fieber, sein Kopf dröhnte und jeder Atemzug schmerzte. Es war kein Wunder, nachdem er so lange in eiskaltem Wasser geschwommen war. Selbst in Fhaergus wäre er nicht ohne eine Erkältung davon gekommen, nur was das hier ein wenig schlimmer als das.

      Die Wölfin bot ihm auf einmal an ihn nach draußen zu bringen und auch wenn er sich aufsetzte, starrte er sie nur fassungslos an. "Hast du keine Angst, dass ich dir davonlaufe? Was wenn ich dir das alles nur vorspiele?", fragte er sie, aber sie wussten wohl beide, dass er das nicht tat und kaum in der Lage sein würde davon zu laufen, geschweige denn nicht gefunden zu werden. Es machte keinen Sinn das zu versuchen, ebenso wenig machte es Sinn das Mädchen als eine Art Geisel zu nehmen. Ein Feuer klang allerdings ausgesprochen verlockend und Caelan war sich sicher, dass wenn er es nur ein wenig wärmer hätte, sein alter Körper sich vielleicht auch wieder erholen konnte. Er nahm ihre Hilfe in Form ihrer Hand nicht an, sondern erhob sich stattdessen selbst. Eine der Decken hielt er sich immer noch wie einen mantel über die Schultern. Ihm war für einen Moment schwindelig und er stützte sich mit einer Hand an der kalten Wand neben sich ab, ehe er der Wölfin langsam aus der Zelle heraus und zu den Stufen folgte. "Ich bin euer Gefangener. Hätte es euch denn groß interessiert...?", fragte er während er sich an der Wand entlang hangelte. "Und vielleicht ist es auch einfach an der zeit...", murmelte er mehr zu sich selbst.
    • Sollte sie ihn einfach hier unten versauern lassen, nur weil er ein Feind war? Nein, das war nicht richtig, und gleichermaßen wusste sie, dass Shuren das auch nicht wollen würde - aber genug Dinge zu tun hatte, die ihn davon abhielten, sich wirklich um seinen Gefangenen zu kümmern. Mit einem leichten Seufzen untermalte sie das Schnauben des Schafes und seine Sturheit, als er sich mit Haut und Haar dagegen sträubte, Hilfe anzunehmen. Nun, da er doch auf zwei wackeligen Beinen stand, setzte sie sich schließlich in Bewegung und huschte nach vorne, in der Hoffnung, der alte Mann würde ihr Tempo einhalten können. Obwohl sie aufs Blut verfeindet sein sollten, so erinnerte Caelan sie an ihren Vater, der schon einige Jahre tot war - ebenso stur und nur Flausen wie den Krieg im Kopf, der schlussendlich sein Leben gefordert hatte. War ihr etwas von ihm geblieben? Nein, nicht mehr als Erinnerungen oder Geschichten, aber gleichzeitig ... "Wenn du gestorben wärst? Ja. Weißt du, Wolf und Schaf hin oder her, ich weiß kaum etwas über dich, aber du hast Zuhause sicher eine Familie die sich um dich sorgt und darauf wartet, dass du wohlbehalten dorthin zurückkehrst, wo du hingehörst. Das musst du mir nicht beantworten, wenn du willst, aber solltest du wirklich irgendwann nach Hause wollen, dann solltest du gesund werden. Und das hat Shuren dir versprochen."

      Shuren hatte ihr nur wenige Dinge über Caelan erzählt und als einsames Dorfkind musste man wohl nicht viel mehr wissen - das hier war ihre Aufgabe, für die sie auserkoren worden waren und nicht etwas, das sie sich aussuchen konnte, weil sie gerade nichts besseres zu tun hatte. Zuerst nahm sie eine Stufe nach der Anderen, dann zwei auf einmal, und wartete oben auf den Blonden, der wohl etwas länger brauchte. "Wenn du mir etwas vorgaukeln würdest, dann hättest du mir vorhin den Arm gebrochen, oder? Und außerdem sind deine Augen viel zu ehrlich.", erinnerte sie ihn, als ob der grimmige Gesichtsausdruck vielsagender war, als all die anderen Dingen, die er ihr bis jetzt an den Kopf geworfen oder tagelang verwehrt hatte. Schlau würde sie aus ihm zwar nie werden, aber sie schaffte es zumindest, ihn nach oben zu bringen. Ein verstohlener Blick mehr war es, bevor sie Caelan wirklich an der Hand packte und ihn von den Wachen wegführte, die jeden Moment um die Ecke kämen. Ein dunkelgrüner Teppich säumte das eisige Gemäuer, das so viel prunkvoller aussah, als es wirklich war - das Meiste war aus Eis geschnitzt worden und am Boden oder an den Wänden befestigt und taute nicht - das würde es nie tun. "Du hörst dich an wie mein Vater! Du bist doch noch keine sechzig, dafür siehst du zu jung aus."
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    • "Mh... das ist eine sehr naive Sicht auf die Dinge. Denkst du ich habe daran gedacht wer Familie zu Hause hat, wenn ich einen Wolf getötet habe?", erwiderte Caelan als müsse er diesem Mädchen beibringen was es hieß in Kriegszeiten zu leben. Wie alt war sie? Er konnte es nicht sagen. Einerseits konnte er ihr Gesicht in der Dunkelheit nicht richtig erkennen und andererseits sahen alle Wölfe so fremd aus, dass es ihm schwerfiel ihr Alter zu bestimmen. "Wieso sprichst du meine Sprache?", wollte er anschließend endlich von ihr wissen. Er war müde und ausgelaugt und fragte sich nur am Rande, ob dieser kleine Ausflug eine Art Trick war um sein Vertrauen zu gewinnen. Rain erwähnte er besser noch nicht, auch wenn es den Anschein machte, dass dieses Mädchen eventuell Mitleid hätte, würde er ihr sagen, dass sein Sohn zu Hause auf ihn wartete und womöglich dringend seine Hilfe brauchte. Es schien abwegig, dass sie den anderen Wolf dazu bewegen konnte ihn gehen zu lassen und noch abwegiger schien es, dass der Kerl der hier das Sagen hatte großes Interesse an so einer Geschichte zeigen würde. Am Ende hatte er mit Rain nur ein Druckmittel gegen Caelan in der Hand und der alte Narr war noch nicht bereit dazu mit offenen Karten zu spielen.

      "Du würdest mir nicht helfen, würde ich dir wehtun, oder?", entgegnete er ihrer aus der Luft gegriffenen Argumentation. Sie konnte wirklich nur ein Kind sein, mehr nicht. Ob seine Augen ihn wirklich verrieten? Er war weich geworden, vielleicht war es so und ein großer Teil von ihm hatte bereits jegliche Hoffnung aufgegeben. Lohnte es sich überhaupt noch zu kämpfen? Ina war tot, Ronan war tot und Rain war es höchstwahrscheinlich auch. Caelan hatte niemanden mehr und das Einzige, das er tun konnte, war sich einzureden, dass sein Sohn noch lebte. Als sie am Ende der Treppe angekommen waren, packte das Mädchen Caelans Hand und zog den großen Mann um eine Ecke. Sie würde noch Probleme bekommen und er zweifelte an seinem Urteilsvermögen, weil ihm diese Tatsache etwas ausmachte. Hier oben war es wesentlich heller und so vieles hier schien aus Eis gemacht worden zu sein. Es war ein seltsamer Anblick und ein Feuer gab es in absehbarer Nähe bestimmt auch nicht. Caelan blieb still und ließ sich von dem Mädchen durch die Gänge führen. Er wollte keine Aufmerksamkeit erregen und abgesehen davon kostete es ohnehin genug Kraft sich auf den Beinen zu halten und sein Husten zu unterdrücken. "Bin ich nicht. Wie alt bist du?"
    • "Na und? Der Krieg kommt sowieso nie nach Yaoshen, und wenn es passiert, dann hatte ich eben schlechte Karten. Und vermutlich nicht, aber das weiß ich nicht. Vielleicht hast du nie einen Wolf getötet und du willst mich nur hinters Licht führen.", erzählte sie dem Mann, der auch in einer stehenden Position nicht viel kleiner war als sie geglaubt hatte. Wie ein riesiger Eiszapfen ragte er aus dem Boden empor und seine große, etwas schwitzige Hand war rau, auf eine andere Art und Weise als ihre eigene - sie zitterte beinahe bei dem Gedanken daran, dass es reichen würde, wenn sie einen Schlag von Caelan abbekam, der gewollt war. Mit schnellen Schritten bahnte sie sich ihren Weg über den Teppich, eine weitere Treppe hinauf - wenigstens war eben jene von einem Haufen eisiger Strukturen umgeben und schwer einzusehen, aber gleichzeitig fragte sie sich, ob man sie nicht schon längst entdeckt hätte. "Mein Vater hat sie mir beigebracht, seine Mutter war ein Schaf. Ich kannte sie nicht, und naja ... vergessen wird das.", antwortete sie Caelan, ohne auch nur einen Moment lang ihre Augen von den Treppen zu nehmen, welche sie gerade herauftänzelte, mit einer riesigen, kranken Raupe im Schlepptau, die etwas Ruhe brauchen könnte.

      Ein kurzer Abstecher führte die beiden in einen leeren, turmähnlichen Raum, zu welchem sie die Tür aufstieß - es schien ziemlich eingestaubt aus, aber das sollte reichen. "Nein. Aber ich würde dich vermutlich beißen, das tut bestimmt weh.", lachte sie zufrieden, bevor sie Caelan zu dem Bett führte, das in der Mitte des Raumes prangerte - es war aus feinem Holz gemacht, handwerklich zu einem geschnitzten Meisterwerk verarbeitet worden und es hatte sogar Vorhänge; der Raum selbst hatte Fenster, aus welchen sie nicht blicken wollte - Höhenangst war kein guter Freund. Ohne weiter darüber nachzudenken räumte sie den eisigen Kamin frei und legte ein paar Scheite in den Schlund des Monstrums, bevor sie nach etwas suchte, um sie zu entfachen - sie gab sich wirkliche Mühe, genau das zu tun, was man ihr immer wieder gezeigt hatte, und bevor sie es wusste, tänzelte auch schon eine kleine Flamme durch den Kamin, die sich hoffentlich ausbreiten würde. "Also hatte ich recht! Ich bin ... fünfzehn, wieso? Ich kann auf mich selbst aufpassen, ich war oft genug mit meinem Vater jagen! Mach dir um mich keine Sorgen. Und jetzt hole ich dir einen Heiler und du bleibst hier, in Ordnung?"
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    • "Ich habe vermutlich mehr Wölfe getötet, als du in deinem Leben Mahlzeiten hattest...", erklärte er dem Mädchen, das absolut keine Angst vor ihm zu haben schien. Die Kälte hier schien ihr auch nichts auszumachen. Wer dachte, dass Fhaergus kalt war, der war noch nie in den Tiefen Thrias gewesen, so wie er jetzt. Er glaubte durchaus, dass er hier überleben konnte, aber angeschlagen wie er war, war es dann doch nicht so einfach und selbst ohne jegliche Krankheit war es ihm lieber an einem Feuer zu sitzen. An Flucht war jetzt nicht zu denken. Vielleicht, wenn er tatsächlich wieder gesund war, aber das würde dauern. Geduld war nicht Caelans Stärke, erst Recht nicht, wenn er am Liebsten nach Hause geeilt wäre. Er wusste nicht welches Monat sie hatten, aber sobald der Winter vorbei war, würde Fhaergus nur ein gefundenes Fressen für die anderen Adelshäuser sein. Er vertraute seinem Sohn, er wusste er wäre ein guter Fürst, aber man würde ihm keine Chance geben. Dem verdammten, alten und mittlerweile toten Fürst von Lavern hatte Caelan wegen einer Bemerkung einmal beinahe eine gescheuert, aber zu seiner Verwunderung war es Darragh gewesen, der ihn zurückgehalten hatte. Ob er Rain beschützen würde, egal was er über Caelan erfuhr? Vermutlich nicht, wenn man einen Wolf bei ihm zu Hause vorfand... sollte Rain etwas zustoßen war es Caelans Schuld und Ina würde es ihm nicht verzeihen.

      "Seine Mutter...? Das war dann wohl vor dem Krieg...", murmelte Caelan zu sich selbst, als das Mädchen ihm erklärte, warum sie seine Sprache überhaupt sprach. Sie lebte allerdings wirklich fernab von Adrestia, was auch immer ihren Vater dazu bewegt hatte. Vielleicht ebenfalls der Krieg. fast schon fühlte Caelan sich schuldig, aber er war es nicht gewesen, der einen der ihren verschleppt und eine Fürstin ermordet hatte. Die Wölfe hatten sich das selbst zuzuschreiben, auch wenn es langsam schien als wäre es genug. Auf ihre kleine Drohung ging er gar nicht erst ein, stattdessen folgte er ihr mühsam eine andere Treppe hinauf, ehe er in einem hellen Raum stand. Für einen Moment stach das gebrochene Sonnenlicht in seinen Augen und er musste sich abwenden. Er wusste nicht, ob das Fieber für die plötzliche Übelkeit verantwortlich war, oder ob etwas anderes vor sich ging. gegenüber dem Mädchen versuchte er sich nichts anmerken zu lassen, stattdessen setzte er sich schwerfällig auf das Bett in der Mitte des Raumes. Während Caelan noch versuchte sich zu fangen und sich gleichzeitig über ein weiches Bett freute, zündete das Mädchen ein Feuer für ihn an. Sie erklärte ihm, dass sie fünfzehn war und Caelan fragte sich, ob sie dafür nicht vielleicht ein bisschen zu naiv war. Vielleicht lag es daran, dass sie an einem behüteten Ort aufgewachsen war. "Du solltest das wirklich nicht tun. Das Feuer reicht mir erst mal. Du wirst nur in Schwierigkeiten geraten, also hau ab und wenn sie mich finden, sage ich keinem etwas."