❣ Red Thread of Fate ❣ [Rheira & Sanjadi]

    • ___ Seongwha ___

      Seit ihrem gemeinsam kleinen Ausflug hatte der junge Mafiaboss keinen Kontakt mehr zu Mingi gehabt. Nicht weil er befürchtete, dass die Spuren des Einbruchs zu ihm zurückverfolgt wurden oder Mingi ihn anschwärzte, sondern weil er den Polizisten meiden wollte. Er hatte in den letzten Tagen ein wenig zu oft an den Kerl gedacht, sich gefragt, weshalb Mingi nicht schon längst seinen Job an den Nägel gehängt hatte. Seongwha weigerte sich so vehement dagegen, dass es einen Polizisten geben könnte, welcher tatsächlich nach Gerechtigkeit strebte. Er weigerte sich zu glauben das Mingi anders war, aber je öfter er den anderen sah, je mehr er ihm zuhörte, schlich sich der Gedanke in ihn, dass es vielleicht doch jemanden gab, der helfen wollte und genau das wollte er nicht. Der Schwarzhaarige wollte keine solchen Gedanken. Er wollte sich auch nicht darüber sorgen, ob es dem anderen nach dem Anblick in diesem Keller gut ging. Dieser gottverdammte Polizist sollte aus seinen Gedanken verschwinden.
      Deshalb hatte er sich wahrscheinlich noch mehr in Arbeit gestürzt als sonst und den ein oder anderen Bezirk aufgemischt. Es wurde ohnehin Zeit, dass er sein Revier vergrößerte und dabei hatte er tatsächlich eine sehr interessante Entdeckung gemacht.
      Seongwha lehnte also auf der Rückbank seines Wagens und blickte auf sein Handy, während er den finsteren Blick von Hong Joon bemerkte, welcher heute unbedingt sein Fahrer sein wollte. Er hatte ihren Chauffeur fast gekillt, weil er den Posten für heute nicht abtreten wollte.
      "Hör auf mir ein Loch in den Kopf zu starren.", brummte Seongwha während er weiter sein Handy analysierte.
      "Mir gefällt es nicht, dass du dich schon wieder mit diesem Bullen triffst."
      "Wenn es mir dabei hilfst Bigh Fish los zu werden, würde ich noch so einige andere Dinge tun. Schau jetzt gefälligst auf die Straße."
      Er hörte seinen Freund schnaufen.
      Der Schwarzhaarige ignorierte ihn. Mingi hatte ihm heute geschrieben, nach wochenlanger Funkstille zwischen ihnen beiden und wollte sich mit ihm in ihrem offenbar gemeinsamen Lieblingscafé treffen. Amüsant, dass gerade das ihre einzige Gemeinsamkeit war.
      Das junge Mafiaoberhaupt hatte ihm nicht geantwortet sondern sich einfach auf den Weg gemacht.
      "Ich komme mit rein."
      "Das wirst du nicht."
      "Wha, ernsthaft du...."
      "Es ist ein Café. Auch wenn wir einen solchen Wagen fahren sind wir nicht beim Paten. Ich werde schon nicht abgeknallt, nur weil ich einen Kaffee bestelle."
      "Dein Humor hilft dir nicht weiter, wenn der Typ dir eine Waffe an den Kopf hält."
      "Der Kerl würde mich nicht mal erschießen, wenn ich ihn dafür bezahle." daraufhin stieg Seongwha aus dem Wagen und schlug direkt die Fahrertür zu.
      Finster sah der Schwarzhaarige ihn einfach nur an, was den Wagen und dessen Insasse doch dazu verleiteten endlich aufzugeben und wegzufahren.
      Seongwha war wahrscheinlich auch der einzige Mensch, welcher einen Besuch in einem Café förmlich in einen Laufsteg verwandelte, aber dafür war er nun einmal bekannte. Seine langen Beine wirkten nur noch länger in der schwarzen Stoffhose und das dunkel rote Hemd, welches er leicht aufgeknöpft trug schmeichelte seinem Hautton. Bei jedem Schritt bewegten sich die zahlreichen Ohrringe und die Ketten um seinen Hals.
      Ein schiefes Grinsen schlich sich auf seine Lippen als er Mingi entdeckte. "Wow, du siehst aus wie ein Schlossgespenst. Schlecht geschlafen Mingilein?", schnurrte er und setzte sich dem Polizisten gegenüber.


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    • Mingi
      Träge blickte der Polizist auf, als er seinen Partner erblickte, welcher gleichzeitig auf der völlig anderen Seite des Gesetzes stand. Seit ihrem Einbruch war einige Zeit vergangen und ab jenem Moment, in dem Seongwha Mingi vor seinem Haus herausgelassen hatte... hatte auch Funkstille zwischen ihnen geherrscht.
      Mingi konnte nur für sich sprechen, was den Grund für Stille seinerseits anging und er hatte mit Sicherheit den anderen nicht in seine Nähe lassen wollen, während es ihm so elendig ging. Würde er Seongwha zutrauen solch schwache Momente auszunutzen und ihn zu hintergehen? Mingi war sich nicht vollends sicher. Ja, Seongwha hatte ihn bereits aus schwachen Momenten geholfen, ohne sie auszunutzen... aber die Chance war nie Null, allem voran wenn man bedachte, dass er den Polizisten hasste.
      Mingi Aufmerksamkeit und Konzentration litten leider ebenfalls unter unter der Schlaflosigkeit, weshalb seine Trefferquote am Schießstand aktuell unterirdisch schlecht war und er schließlich lange mit sich hadern musste, ob er sich mit Seongwha tatsächlich zusammen setzen sollte... oder ob er sich irgendwie therapieren lassen sollte, um endlich wieder ein Auge zu machen zu können... er entschied sich für ersteres. Therapie war schließlich teuer... und zu intim. Und er selbst hatte kaum noch jemanden in seinem Leben, den er sich sonst anvertrauen konnte.
      "Du könntest mich zur Abwechslung auch mal mit einem Kompliment begrüßen.", erwiderte Mingi müde... zu müde für einen weiteren bissigen Kommentar oder jegliche Konter.
      "Willst du dir etwas bestellen oder soll ich gleich zum Punkt kommen?" Er überließ dem anderen seine Wahl zu treffen, ehe der Polizist schließlich sich ein wenig mehr zu seinem Partner vorbeugte, um gedämpfter reden zu können, ohne dass jemand in ihrer Nähe sie hören würde.
      "Wie wir schon erwartet haben, wurden die Informationen nicht nur von der Presse ferngehalten, sondern die Mitglieder aus dem Gästebuch werden ebenfalls gedeckt. Im Revier hat diesbezüglich gar nichts die Runde gemacht und meine Kontakte bei der Feuerwehr von jenem Tag haben absolutes Wortverbot zu der gesamten Operation. Ich weiß nur, dass die Opfer in einem Krankenhaus behandelt werden... aber auch das ist vermutlich unter Verschluss. Hat irgendetwas die Runde im Untergrund gemacht oder wird es da ebenso unter den Teppich gekehrt?"
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    • ___ Seongwha ___

      Seongwha schmunzelte bei der Bemerkung des anderen, aber ehrlich gesagt war Schlossgespenst noch eine sehr niedliche Untertreibung. Mingi sah furchtbar aus. Der Polizist hatte schwere Schatten unter den Augen, seine Augen glänzten fast ein wenig fiebrig vom Schlafmangel und er sah auch nicht danach aus, als hätte die Tage überhaupt etwas gegessen. Hatte ihn der Anblick im Keller so traumatisiert? Nun zugegeben, es war scheußlich gewesen. Leider machte es dem jungen Mafiaboss nur allzu deutlich, dass er einfach viel zu viel bereits in seinem Leben gesehen hatte, weil es ihn kaum berührte. Es war unheimlich und vielleicht war auch das einer der Gründe, weshalb Seongwha versuchte den Polizisten zu meiden. Dieser zeigte ihm eine erschreckende Menschlichkeit auf. Eine Menschlichkeit, welche der Schwarzhaarige lange Zeit unter Verschluss hielt, damit er in dieser Branche überleben konnte. "Sonnenschein kann ich dich im Augenblick nicht nennen Mingilein. Wie viele Nächte hast du schon nicht geschlafen?" Seongwha betrachtete ihn ein wenig und als Mingi vom Bestellen sprach, blickte sich Seongwha zur Dame am Tresen um. Diese reagierte sofort und strahlte ihn regelrecht mit ihren schokobraunen Augen an, das Seongwha fast gelacht hätte. Welcher Mafiaboss konnte schon behaupten, so gerne gesehen zu sein? Dafür musste er nicht wie ein Taejin Hwang mit den Leuten erst ins Bett steigen ...
      "Könntest du mir das Gleiche wie immer bringen und meinem Freund hier bitte die größte Tasse Kaffee die du auftreiben kannst?"
      "Selbstverständlich. Ich bin sofort bei Ihnen!"
      "Lass dir Zeit."
      Seongwha richtete seinen Blick auf Mingi, der sich ein wenig mehr zu ihm gelehnt hatte. "Das überrascht mich nicht. Tatsächlich hat unser kleines Abenteuer in meinem Kreisen eine echte Welle gemacht. Unser gemeinsamer Freund hat allerdings daraufhin jeden zum Schweigen gebracht und darum spricht nun keiner mehr offen darüber. Es war eine unglaubliche Genugtuung, den schmierigen Bastard so aufgebracht zu sehen. Er hat wohl nicht erwartet, dass er einmal ins Visier genommen werden könnte." Mit einem freundlichen Lächeln nahm Seongwha die Bestellung der beiden von ihrer Gastgeberin entgegen, die sich tatsächlich sehr beeilt hatte. Seongwhas Tasse war in einem schlichten weiß gehalten, wie es die meisten Tassen in einem Café so waren. Seine Bitte hatte die Dame allerdings für Mingi mehr als nur ernst genommen und ihm eine gigantische Tasse vor die Nase gestellt. Auf dieser war eine Sonne abgebildet. Seongwha musste sich beherrschen nicht zu lachen.


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    • Mingi
      Seongwha hatte leider nicht ganz unrecht... Mingi fühlte sich auch nicht sonderlich wie ein Sonnenschein aktuell. Und die anschließende Frage des Kriminellen machte es auch nicht zwingend besser. Durchgeschlafen hatte er schließlich seit ihrem Einbruch keine einzige Nacht und insgesamt konnte er die Stunden vermutlich auch an einer einzigen Hand abzählen. Ihn verfolgten nach wie vor die zahlreichen Bilder dieser Nacht und wenngleich er nun wenigstens einen Punkt erreicht hatte, an dem er sie gelegentlich bewusst nach hinten schieben konnte, erschienen sie dafür in den ruhigsten Momenten wieder vor seinem inneren Auge. Er würde nie verstehen können, wie ein Mensch einem anderen solche Grausamkeiten antun konnte, ohne jegliche Gewissensbisse oder Reue.
      In der Zwischenzeit hatte Seongwha seine eigene Bestellung aufgegeben und gleichermaßen dafür gesorgt, dass Mingi direkt seine nächste Tasse Kaffe erhielt... diesmal fast doppelt so groß, wie jene die der Polizist noch vor wenigen Minuten geleert hatte und mit erhobener Braue musterte er die Sonne, welche ihm als Print von dem Keramik entgegegenstrahlte... Es wirkte ein wenig zu ironisch, um Zufall zu sein, dennoch nahm Mingi die Tasse dankend an. Wenn ihm schon langsam die Optionen ausgingen ihm beim Schlaf zu helfen, dann musste er sich halt mit Kaffee halbwegs wach halten. Sein Körper fühlte sich nicht umsonst elendig bei diesem beschissenen Biorythmus.
      "Naja wenigstens konnten wir etwas bewirken, selbst wenn es abzusehen war, dass er seine Mittel und Wege hat um das ganze einzudämmen. Wäre das nicht der Fall, dann hätte ihn vermutlich schon deutlich schneller jemand zu Fall gebracht."
      Ein Gähnen überkam Mingi und eilig hielt er sich die Hand vor den Mund, während eine weitere starke Welle der Müdigkeit ihn überrollte. Ernsthaft... was würde er nicht dafür geben zumindest eine Nacht wieder ordentlich, tief und fest schlafen zu können.
      "Seoul ist doch in drei Herrschaftgebiete unterteilt... wenn man das so nennen möchte... wie du zu Big Fish stehst ist klar und ich gehe mal davon aus, dass er vermutlich nicht glücklich sein wird, wenn er von deiner Beteiligung erfährt... aber was ist mit der dritten Fraktion?"
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    • ___ Seongwha ___

      Mit einem hochgradig amüsierten Gesichtsausdruck betrachtete er die große Tasse, welche vor Mingi abgestellt wurde. Die Dame kannte den Kontext dahinter natürlich nicht und hatte sicherlich nur nach der größten Tasse gesucht, welche sie auftreiben konnte, aber Seongwha hatte in diesem Augenblick beschlossen, das Trinkgeld der freundlichen Bedienung einmal zu verdoppeln. Der Dunkelhaarige lehnte sich zurück und nippte an seinem eigenen Getränk. "Wäre der Kerl so einfach zu schnappen, hätte ihn der Reaper längst erwischt. Der ist immerhin dafür bekannt Mafiaclans abzumurksen." Dieser war aber den Gerüchten nach nun bei Taejin Hwang angeheuert. Wie er bezahlt wurde konnte sich Seongwha schon denken und allein bei dem Gedanken wurde ihm schlecht. Die Situation wurde nicht besser, als ihn Mingi auch noch auf den Kerl ansprach, der bei ihm würde ein schlagartiges Magengeschwür sorgte. Es war eine berechtigte Frage, aber seine gute Laune bezüglich der Sonnenscheintasse - Mensch war er einfach zu erheitern - war direkt in den Keller katapultiert worden. "Ich würde es bevorzugen über den selbsternannten Möchtegern-Playboy der Unterwelt nicht zu sprechen. Wen er nicht umbringt vögelt er. Manchmal auch beides. So lange sich niemand in seine Geschäfte einmischt wird er einen Teufel tun und etwas gegen Big Fish unternehmen. Sagen wir einfach...zwischen Taejin und mir herrscht ein Waffenstilstand, weshalb es bei uns zu keinen Streitigkeiten kommt. Ob er einen solchen Waffenstilstand auch mit Big Fish hat würde ich nicht ausschließen....der Kerl ist....schwierig." Bei dem Gedanken schüttelte er sich regelrecht und nahm einen großen Schluck seines Getränks.
      Der Schwarzhaarige betrachtete Mingi einen Moment lang. "Sicher das du nichts zum Schlafen willst? Dir würde wenigstens eine Nacht gut tun."


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    • Mingi
      Taejin. Der Reaper. Beide Namen sagten Mingi durchaus etwas. Taejin Hwang womöglich? Der Chaebol hatte alles andere als einen guten Ruf und man munkelte durchaus, dass er gewisse kriminelle Geschäfte abwickelte, sein Polizeipräsidium hatte sich aber bisher ziemlich bedeckt gehalten, wenn Mingi nachgefragt hatte und sollte er Recht behalten, dann bestach Taejin Hwang die Polizei ganz genauso, wie es Seongwha wohl tat und wie es vermutlich ebenfalls Big Fish machte. Absolut kein Wunder, dass Seoul von drei Mafiafamilien beherrscht wurde, wenn die Polizei auf deren Gehaltsliste stand. Und der Reaper? Vermutlich ein Auftragskiller, wie es klang. Auch dazu würde Mingi ein wenig mehr in Erfahrung bringen wollen, doch ganz offensichtlich hatte nur die Erwähnung des dritten Mafiabosses gerade so für schlechte Stimmung bei Seogwha gesorgt, dass Mingi nicht unbedingt jetzt weiter nachbohren würde.
      "Also bleiben wir vorerst auf uns alleine gestellt...", erschloss sich Mingi daraufhin... wenngleich das eben auch nicht ganz richtig war. Ja, Mingi war auf seiner Seite weitestgehend komplett alleine, doch Seongwha hatte seine Anhänger hinter sich... was einmal mehr bedeutete, dass es Mingi das Leben kosten könnte, sollte irgendetwas schief gehen und Seongwha sich gegen ihn stellen...
      Ihre Partnerschaft war eben äußerst fragil... das wussten sie beide nur zu gut, ebenso wie ihnen genau bewusst war, dass eine falsche Bewegung ihnen beiden das Leben kosten könnte. Mingi war an einem Punkt in seinem Leben angekommen, an dem es ihn Erstaunen würde, wenn er überhaupt das dreißigste Lebensjahr vollenden würde.
      "Ich befürchte, dass ich schon fast alles ausprobiert habe... abgesehen von Drogen, welche ich strikt ablehne. Mir wäre es auch lieber, wenn ich wenigstens mal wieder eine ordentliche Nacht Schlaf habe, aber jegliche Medikamente und Kräuter schlagen bei mir wohl einfach nicht an... und wenn ich noch mehr Schlaftabletten zu mir nehme, wache ich vermutlich einfach nie mehr auf..."
      ...was aktuell nicht einmal sonderlich schlecht klang...
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    • ___ Seongwha ___

      Bei seinem unfreiwilligen Komplizen handelte es sich wohl um eine der wenigen Menschen welche noch das Wort ´taktvoll´nicht im Duden nachschlagen musste. Seongwha begrüßte es sehr, dass er nicht weiter über Taejin Hwang reden musste. Wann immer er auf den Kerl traf und sich dieses Gejammere über die Familie anhören musste, hatte Seongwha das dringende Bedürfnis in dessen Gesicht zu schlagen. Mal ehrlich hielt sich der Typ für den Paten? Ja es war bekannt das die Hwangs eben ein Familienclan waren, aber man konnte es auch übertreiben. Diese Bande hielten sie förmlich wie eine Werbereklame über sich, mit Neonlicht und glaubten dadurch besser zu sein, als die anderen. Kein Wunder das Seongwha im Untergrund deutlich beliebter war als Taejin. Dafür mochte ihn aber die gehobene Gesellschaft absolut nicht, während sie Taejin feierten wie einen Weltstar. Nun man konnte nicht alles haben. Seongwha war deutlich lieber mit dem einfachen Volk befreundet. Er brauchte weder Vitamin B von irgendwelchen Promis noch anderweitige Finanzspritzen, die er sich nicht selbst erarbeitet hatte. Wozu ein Imperium? Er war kriminell, verflucht nochmal. Warum sollte er ein Geschäft führen? Wie auch immer...
      Das Thema hatte ihn hungrig gemacht und so bestellte er sich einen der sehr lecker aussehenden belegten Bagel. Mingi der förmlich am Tisch einschlief, hatte er auch etwas bestellt. Nachzufragen hatte hier keinen Sinn, der Kerl musste Essen und Schlafen.
      Wann hatte Seongwha eigentlich angefangen sich um den Typen zu kümmern?
      "Das ist auch besser so.", brummte der Schwarzhaarige bezüglich dessen, dass sie auf sich allein gestellt waren und erkundigte sich lieber nach der Schlafqualität des anderen.
      "Nun so sehr ich mich auch mit dem ein oder anderen Tod rühme, habe ich nicht vor dich abzumurksen." Dann kam den anderen eine Idee. "Mir gehört ein privater Onsen mit Heilquellen und einem Gasthaus." Er stützte seinen Kopf auf die Handfläche während sein Ellenbogen sich an der Tischplatte abstützte, ehe er ihn ansah. "Heute schon was vor?"


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    • Mingi
      Der Polizist stützte seine Wange auf seiner Hand ab, während er sich zwang seine Augen offen zu halten. Er machte sich eine gedankliche Erinnerung daran später noch einmal bezüglich Taejin und besagtem Reaper nachzuforschen, wenngleich er sich davon nicht zu viel erhoffte. Im Revier sprach eh niemand wirklich mit ihm und seine Kontakte hier in Seoul waren stark eingeschränkt...
      Verwirrt blinzelte der Cop, als vor seiner Nase plötzlich ein Teller mit einem Sandwich auftauchte, ohne dass er wirklich bemerkt hatte, dass Seongwha etwas bestellt hatte... oder dass er die barista gesehen hatte, wie sie das Essen vor ihn stellte. Scheiße... er war wirklich nicht konzentriert und ihm gruselte es in seinem aktuellen Zustand in eine Gefahrensituation zu gelangen. Er wäre wahrscheinlich tot, bevor er vermutlich realisierte was passierte.
      Noch einmal blinzelte er und blickte sein Essen an, ehe er langsam den Kopf hob... und einige Momente benötigte, um zu verarbeiten, was der andere gerade gesagt hatte, bevor seine Augen verwirrt langsam größer wurden und Mingi stark hinterfragte, ob sein Gehirn mittlerweile komplett spinnte. Niemals hatte Seongwha ihn in ein privates Onsen eingeladen... er musste sich ganz eindeutig verhört haben.
      "Onsen? Gasthaus? Heute?", wiederholte Mingi langsam als Test, um Seogwhas Reaktion zu beobachten, ob er sich wirklich verhört hatte, oder ob sein Kopf ihm doch noch keine Streiche spielte... doch Seongwha blieb ruhig und beantwortetedem Polizisten diese Verwirrung... was Mingi noch sprachloser machte. Er konnte doch nicht... ein Onsen eines Mafiosos... er...
      Alles in ihm sträubte sich gegen diese Option... doch auf der anderen Seite hatte Seongwha aktuell mehr als genug Möglichkeiten um Mingi zu hintergehen und umzubringen ohne ihn extra in ein Onsen einzuladen... Der Mafiaboss hatte daraus keinerlei Vorteil, wenn Mingi so mühsam darüber nachdachte und dem Polizisten fielen auch wenig Gegenargumente ein, die sich nicht ohnehin schnell entkräftigen ließen.
      Also nickte der Mann langsam, während er einen Bissen seines Sandwichs nahm. Er wusste nicht wie lange er gerade nur geschockt Seongwha angestarrt hatte, ohne ihm eine Antwort zu geben, aber vermutlich Ewigkeiten bei seiner aktuell extrem übermüdeten und langsamen Leitung...
      "Offenbar jetzt schon..."
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    • ___ Seongwha ___

      Seongwha hatte Menschen schon in den unterschiedlichsten Stadien erlebt. Seien diese nicht psychischer oder physischer Natur. Der Mafiaboss wünschte sich selbst zwar innerlich, er hätte nicht einmal die Hälfte davon erleben müssen, aber dem war nun einmal so. Mingis akuter Schlafmangel gehörte tatsächlich zu einem Prozess, welchen er zum einen selbst oder an anderen bereits erlebt hatte. Neu war diese Verfassung allerdings an einem Polizisten zu erleben und noch neuer, dass es Seongwha interessierte. Gut, der Kerl wollte ihm bei der Sache mit Mingi helfen, mehr oder weniger freiwillig und irgendwie waren sie beide auf eine sehr verquere Art und Weise Partner (in Crime) geworden, aber das war noch lange kein Grund nun Babysitter für die Polizei zu werden. Zum einen weil sie beide auf der komplett gegensätzlichen Seite des Gesetzes standen. Warum also war es ihm nicht egal, wenn Mingi einfach das zeitliche segnete oder gegen den nächst besten Strommasten lief? Vielleicht weil Seongwha kein so schlechter Mensch war, wie er sich selbst glauben lassen wollte...
      Amüsiert blickte der Schwarzhaarige seinen Gegenüber an, als dieser die Worte wiederholte als wäre er absolut inkompetent.
      "Ja, Mingi. Ein Onsen, ein Gasthaus und heute." wiederholte nun auch Seongwha, als würde er mit einem Analphabethen sprechen. Gelassen nahm er einen Bissen von seinem Bagel. Innerlich war er aber alles andere als ruhig. Was dachte er sich eigentlich? Seongwha besaß tatsächlich selbst im Verhältnis zu anderen Mafiabossen wenig Eigentum. Dieser Onsen war sein Rückzugsort und dort hatten Fremde nichts zu suchen. Was um alles in der Welt war nur in ihn gefahren?
      Was ihn aber noch mehr überraschte als seine eigenen vollkommen bescheuerten Gedankengänge war tatsächlich, dass Mingi auch noch zugesagt hatte.
      Nun zugesagt, nachdem er ihn eine gefühlte Ewigkeit angestarrt hatte, das es selbst dem Mafiaboss langsam unangenehm wurde.


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    • Mingi
      Was zur Hölle war hier eigentlich passiert? In einem Moment saßen sie beide noch in ihrem Lieblingscafe, wo Mingi seinen dritten übergroßen Kaffee trank und kaum ansprechbar war... im nächsten Moment fuhren sie gemeinsam zu einem Onsen mit Gasthaus, welches wohl Seongwha gehörte und ein Teil von Mingi hinterfragte gerade tatsächlich, ob er nicht doch eingeschlafen war und nun einen ganz absurden Traum hatte. Mingi blickte langsam vom Fenster der Beifahrerseite hinüber zu Seongwha... es war verlockend ihn mit dem Zeigenfinger anzustupsen, um sich zu versichern, dass er echt war und nicht irgendein Hinrgespinst... andernfalls wäre es aber auch eine sehr seltsame Situation, wenn Mingi Seongwha jetzt tatsächlich ins Gesicht fasste und der Mafioso tatsächlich neben ihm saß...
      Mingi war einfach zu übermüdet... Realität und Traum wirkten zu sehr miteinander vermischt.
      "Ich bin mir nicht sicher wann ich zuletzt in einem Onsen war...", murmelte der Polizist mehr zu sich selbst, als an seinen Partner gerichtet. Der Gedanke in dem heißen Wasser zu entspannen war zwar sehr verlockend, auf der anderen Seite standen die Chancen aber auch nicht schlecht, dass Mingi dann sofort in dem Wasser einschlafen... und ertrinken würde...
      Nun es gibt schlimmere Tode... ob Seongwha ihn ertrinken lassen würde? Würden sie zusammen baden?... warum zur Hölle waren das grad die hauptsächlichen Sorgen des Polizisten? Warum schien es ihn weniger zu beunruhigen, dass der Mafiaboss ihn gerade genauso gut einfach entführen könnte ohne dass irgendjemand davon erfahren würde?
      Okay... mal ehrlich, wer würde ihn schon vermissen?
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    • ___ Seongwha ___

      Vielleicht stimmte etwas mit Seongwha nicht? Nun das er nicht ganz normal war, das war ihm ja schon immer bewusst, aber vielleicht hatte Seongwha irgendwo tief in seinem Inneren einen Hang zum Masochismus. Er hasste Polizisten, er vertraute Menschen ohnehin nicht und auch wenn er sich sehr großer Beliebtheit im Untergrund erfreute, hielt er selbst seinen besten Freund auf Distanz. Seongwha wirkte als wäre er mit der ganzen Welt befreundet, aber in Wahrheit war er nicht einfach nur vorsichtig, er hatte massive Angst vor Vertrauensbrüchen. Und was tat er hier? Er hatte in seinen privaten Onsen jemanden eingeladen. Er hatte einen Polizisten eingeladen! Sein Blick wanderte zu seinem Kaffee. War da was drin?
      Der Schwarzhaarige versuchte sich innerlich mit der Tatsache zu beruhigen, dass er Mingi immer noch einfach umbringen konnte, wenn es zu heikel wurde.
      Warum hatte der Typ überhaupt zugesagt? Er ist ein Krimineller! Oh....war Mingi auch einer von der Sorte? Nun, das blieb abzuwarten.

      Es war schwierig gewesen seine Untergebenen davon zu überzeugen, dass er auf geheimer Mission war und etwas alleine durchziehen musste. Er könnte schwören, dass ihn Hongjoon fast eigenhändig ermorden wollte, allein weil der Schwarzhaarige es gewagt hatte ihn außen vor zu lassen. Es war irgendwie niedlich wie sehr seine eigene Mannschaft ihn liebte. Die meisten Mafiaoberhäupter mussten Angst haben hintergangen zu werden oder das ihnen jemand den Rang streitig machte. Seongwha musste eher aufpassen, dass ihn die fanatische Lieber seiner Gefolgsleute nicht eines Tages umbrachte. Vielleicht war das auch nicht ganz normal....
      Respekt war eine Sache, aber seine Leute waren absolute Fanatiker. Manchmal fühlte sich Seongwha als wäre er Anführer eines Kults und das waren genau diese Momente in denen er sich zurückzog.
      Und Mingi nahm er zu diesem privaten Zuflucht mit. Er musste verrückt geworden sein.
      Bevor Seongwha mit Mingi aufgebrochen war, hatte er dem Polizisten das Handy abgenommen und er hatte ihm die Augen mit einer schwarzen Seidenaugenbinde verbunden. Natürlich hatte sich der andere dagegen heftig gewehrt - so fern er das unter diesem Schlafmangel überhaupt konnte - aber Seongwha hatte ihm mehrfach erklärt, dass wenn er ihn töten wollte, er dafür schon mehr als nur eine Gelegenheit hatte.
      Nein das war nur eine Vorsichtsmaßnahme weil niemand diesen Ort kannte und Seongwha sein Personal dort ebenfalls schützen musste. Nicht einmal der Mafiaboss hatte sein Handy angeschaltet. Seine Jungs kannten das inzwischen von ihm. Manchmal verschwand ihr Chef ein paar Tage und tauchte oft taufrisch und besser gelaunt den je wieder auf. Darum hatten sie es toleriert und aufgegeben ihn zu verfolgen. Dieses Wort ´geheime Mission´ war sein Tarnwort gewesen und vielleicht hatten sie ihn deshalb gehen lassen.
      Würden sie aber herausfinden, dass er Mingi an seiner Seite hatte....Der Bulle wäre sowas von tot...
      Als er mit Mingi inzwischen schon so weit mitten in der Pampa war, hatte er ihm die Augenbinde abgenommen, da man sich hier ohnehin nicht mehr orientieren konnte. Seongwha fuhr mit seinem pechschwarzen Audi durch einen tiefen Wald ohne jegliche Beschilderung oder dergleichen. Sie waren komplett allein und genau als man vermuten würde, dass Seongwha den anderen einfach wirklich entführt hatte um ihn umzubringen, tauchte vor Ihnen ein Haus mitten im Nirgendwo auf.
      Ein alt traditionelles japanisches Haus, das einzige weit und breit. Es war hölzernen, von außen lediglich beleuchtet durch altmodische japanische Laternen. Es gab nicht wirklich einen Parkplatz im klassischen Sinne, weshalb er dort einfach vor dem Haus parkte. Es dauerte nicht lange, da rannte eine ältere Dame mit grauen Haar auf, welches sie ordentlich zu einem hohen Dutt trug. Darin eine traditionelle Haarnadel. Sie trug einen Kimono in dunkel blau. Neben ihr ein hoch gewachsener schlanker Mann, ebenso sehr in die Jahre gekommen mit formeller Haltung und grauen Hakama. Sie beide empfinden Ihre Gäste.
      "Junger Herr, willkommen." wäre nicht die formelle Anrede, könnte man anhand der Wärme in der Stimme des alten Ehepaares vermuten, sie begrüßten ihren eigenen Enkelsohn. Seongwha lächelte warm als er mit Mingi ausgestiegen war. "Ihr sollt mich doch nicht so nennen." er umarmte das ältere Ehepaar.
      "Sie bringen einen Gast mit?", erstaunt blickte ihn die alte Dame an. "Das gab es noch nie...."
      Seongwha räusperte sich. "Verzeihung. Wo sind nur meine Manieren." die ältere Dame verbeugte sich höflich vor Mingi. "Guten Abend mein Herr. Herzlich willkommen." Der wortkarge ältere Mann tat es ihr gleich.
      Seongwha blickte zu Mingi. "Mingi, das sind Frau Ayame und ihr Ehemann Takahara. Sie verwalten diese Herberge für mich."



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    • Mingi
      Warum zur Hölle hatte er sich Seongwha Park die Augen verbinden lassen und sein Handy abnehmen lassen? Er hatte sich nicht einmal sonderlich gewehrt... zumindestens nicht nach seinem ersten kläglichen schwachen Versuch, den der Mafiaboss vermutlich nicht einmal ernst genommen hatte, weil sich ein Kleinkind vermutlich mehr gewehrt hätte als es Mingi getan hatte.
      Auf Mingis Grabstein würde stehen: er hätte eigentlich wirklich damit rechnen müssen...
      Die gesamte Situation war einfach kaum an Absurdität zu überbieten undals Seongwha ihm wenig später wieder die Augenbinde abnahm und der Polizist feststellen musste, dass der andere ihn nicht in ein dubioses Industriegebiet geführt hatte, wo man seine Schreie kaum hören würde... stattdessen näherten sie sich tatsächlich einer Anlage mitten im Wald, welche einem Gasthaus mit Spa tatsächlich überraschend ähnlich sah... nun gut, auch hier würde man wahrscheinlich Mingis Schreie nicht hören, aber wenigstens war es ein deutlich schönerer Ort um zu sterben, als eine triste Produktionshalle.
      Seongwha hatte also wirklich nur sichergehen wollen, dass Mingi nicht genau wusste, an welchem Ort er hier war. Nun ja... mit Sicherheit würde Mingi es auch auf andere Art und Weise in Erfahrung bringen können, wenn er nur wollte... aber solange von Seongwha und diesem Ort keine Gefahr ausging, hatte er nicht zwingend einen Grund dafür.
      Wortlos musterte der Polizist den Mann neben sich auf dem Fahrersitz, als dieser den Wagen zum stehen brachte und sie damit vor einem traditionell japanischen Haus hielten, aus welchem wenig Sekunden später auch schon ein älteres Pärchen in Kimono und Hakama eilten. Ein unerwarteter Anblick, wenn Mingi bedachte, dass sie mit Seongwha wohl in Verbindung standen, aber nicht unbedingt wie Yakuza wirkten... aber gut, der erste Blick konnte auch trügen.
      Sie waren ausgestiegen, um das ältere Ehepaar zu begrüßen und während sich die beiden überrascht über die Anwesenheit von dem Polizisten gaben, nickte dieser ihnen zur Begrüßung höflich zu, sagte aber bewusst nicht wirklich etwas. Er kannte diese Leute schließlich nicht und er wusste auch nicht wie sinnvoll es für ihn wäre, seinen vollen Namen mit ihnen zu teilen, wenn sie nicht gerade danach fragten. Mingi ließ seinen Blick über das Haus schweifen und meinte in der Ferne das Plätschern von Quellen vernehmen zu können...
      "So idyllisch... und beruhigend... ich hätte nicht erwartet, dass du solch ein Gasthaus besitzt..."
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    • ___ Seongwha ___

      Seongwha fragte sich ja, ob irgendetwas heute in seinem Kaffee gewesen war. Was um alles in der Welt war bitte los mit ihm? Dieser Ort war immer seine Zuflucht, sein absolutes Heiligtum und nun brachte er jemanden hierher? Kein Wunder, dass sowohl Frau Ayame als auch Herr Takahara ihn anstarrten, als wäre er jetzt endgültig übergeschnappt. Wenn er ihnen auch noch verriet, dass Mingi ein Bulle war, dann würden sie wahrscheinlich wirklich glauben, dass er nicht mehr zurechnungsfähig war. Vielleicht war er das ja wirklich nicht mehr? Er hatte ja nicht einmal Hongjoon, jemals von diesem Ort erzählt und nun schleppte er Mingi hier her? Seinen verfluchten Einhorn-Polizisten, der ganz klar auch nicht ganz normal in der Birne war?
      Der Kerl hatte sich von einem Mafiaboss praktisch freiwillig entführen lassen.
      Sollte das ganze schief laufen, musste Seongwha ihn wohl doch aus dem Weg räumen und das alles nur, weil er nicht nachgedacht hatte. Seongwha verstand weder die Welt noch sich selbst in diesem Augenblick.
      Mingi wirkte berechtigt erstaunt, als sie hier angekommen waren. Wahrscheinlich hatte er erwartet, dass ihn Seongwha nun um die Ecke brachte. Ganz ehrlich? Das wäre wahrscheinlicher gewesen als das hier.
      "Ich lebe ein so hektisches leben, da bin ich froh, wenn ich dem mal entkommen kann. Ach und...hier gibt es keinen Empfang, also falls ein Notfall eingeht, bist du nicht verfügbar und nein, auch nicht per Funk." er zwinkerte dem anderen zu und ging mit dem älteren Paar in Richtung des Gasthauses. "Komm schon.", rief er Mingi nach. "Du wirst es nicht bereuen."
      Das Innenleben der Herberge war ebenso idyllisch wie die äußere Fassade. Es gab Räume mit typisch traditionellen Papierwänden, kleinen Teetischen mit Sitzkissen und Kotatsu-Tischen. Alles roch nach dem Dampf der heißen Quellen, gemischt mit dem Geruch von gemahlenen Teeblättern. Es war so eine harmonische Ruhe und nur der Klang des Wassers und der Schritte auf dem Holzboden um sie alle herum, dass Seongwha wieder bewusst wurde, warum er diesen Ort liebte.
      "Junger Herr, ich werde Ihnen Hakamas bereitlegen und die Zimmer vorbereiten." daraufhin verabschiedete sich Frau Ayame und Herr Takahara deutete auf einen der Teetische. "Ich werde Tee zubereiten."


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    • Mingi
      Die Versicherung von Seongwha, dass es hier absolut keinen Empfang gab in Verbindung mit derAussage, dass der Polizist es sicher nicht bereuen würde, ließ Mingi dann doch ein wenig zweifeln. Wäre er nicht so unfassbar übermüdet und psychisch angegriffen, hätten alle seine Alarmglocken bereits geläutet, bevor sie überhaupt zusammen ins Auto gestiegen wären. Nun aber stand er hier und fand sich mittlerweile fast schon damit ab, dass er hier womöglich sterben würde. Nun... das würde wenigstens dann ein sehr langer Schlaf werden...
      Während er Seongwha und dem älteren Ehepaar folgte, nahm er seine Umgebung intensiv in sich auf. Das Gasthaus wirkte tatsächlich wie ein Musterbeispiel für ein Erholungs- und Entspannungsort und wäre Mingi nicht unter diesen Umständen hierher gekommen, würde jeglicher Stress vermutlich bereits hier und jetzt von ihm abfallen. Eine Wärme umgab sie hier und ein angenehmer Duft strömte durch das Haus, wenngleich der Polizist nicht ganz sicher sagen konnte, um welchen Geruch es sich dabei genau handelte.
      "Wie lange gehört dir diese Einrichtung schon?", erkundigte sich Mingi, während die Dame des Hauses sich für Vorbereitungen verabschiedete und Seongwha und Mingi zu einem Teetisch geführt wurden, an welchem ihn der Herr des Hauses Tee zubereiten würde.
      Das alles wirkte so...
      Mingi schob den Gedanken beiseite und zwang sich es genießen zu wollen, statt kritischer über all das hier nachzudenken...
      Er und sein Partner ließen sich an dem Tisch nieder und während in feinster Teekultur der ältere Herr für sie den Tee zubereitete und anrichtete, fühlte sich Mingi hier einfach... falsch... nicht als wäre der Ort das Problem... oder die Leute, die diese Herberge bewirtschafteten... nein, es fühlte sich viel mehr an, als wäre er derjenige, der nicht an diesen Ort gehörte. Als würde seine Anwesenheit hier schlichtweg einfach nicht hereinpassen.
      Und unweigerlich blieb der Polizist angespannt, während sein müder Blick weiterhin seine Umgebung studierte, als könnte diese sich jeden Moment im Bruchteil einer Sekunde mit einem Blinzeln wieder in seine graue, minimalistische Wohnung verwandeln...
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    • ___ Seongwha ___

      Seongwha setze sich mit Mingi an einen der kleinen Teetische. Man sollte es kaum glauben, aber tatsächlich waren die Sitzkissen und diese Position äußerst bequem. Vielleicht war es aber auch nur der Fan des traditionellen Flairs in Seongwha, der es einfach genoss. Wäre also gut möglich, dass Mingi davon eher Muskelkater bekam als Entspannung zu finden. Damit lag er wahrscheinlich gar nicht so falsch. Mingi wirkte trotz vollkommener Übermüdung, wie ein allzeit bereiter Zombie. Ein merkwürdiger Vergleich, aber es passte.....erschreckenderweise. Der Geruch des Tees machte sich immer weiter in dem Raum breit, was den Mafiaboss wie immer direkt erdete. Für ihn gab es tatsächlich kaum etwas so beruhigendes wie das Plätschern des Wassers der Quellen und der Geruch von frischem Grüntee. Ob er wohl die Seele eines alten Mannes hatte? Sagte man nicht, dass Japaner grundsätzlich ziemlich alte Seelen haben? Es könnte aber auch an dem sonst so hektischen Leben des anderen liegen. Der Schwarzhaarige hatte praktisch nie Zeit für sich, wenn er nicht hierher abhaute. Und in dieses heilige Domizil hatte er Mingi mitgenommen. Er musste komplett übergeschnappt sein. "Mhhh, etwas mehr als ein Jahr. Die beiden hatten ursprünglich einen Gasthof in einem zuvor neutralen Gebiet, bis es Big Fish sich nicht unter den Nagel gerissen hatte. Die beiden konnten das Schutzgeld nicht aufbringen und der Kerl hat das Lokal niedergebrannt, samt allem was die beiden hatten. Nicht nur materiell gesehen." Herr Takahara stellte das Tablet mit dem Tee auf den Tisch und servierte Mingi und Seongwha heiße dampfende Teetassen. "Der junge Herr hat uns in seine Dienste genommen. Wir werden unser Leben lang dafür dankbar sein." der alte Mann erhob sich, während Seongwha Mingi genauer musterte. "Mh..." er schnappte sich eines der Bonbons, welche ihnen gebracht wurden und warf es gegen den anderen. "Nun sei nicht so angespannt. Du bist hier damit du wieder halbwegs menschlich aussiehst. Hätte ich vor dich umzubringen, wärst du schon längst tot. Halte diesen Ort geheim, benimm dich gegenüber den beiden und wir haben keine Probleme miteinander. Ist ganz einfach,mh?" er schob die Tasse zu dem anderen. "Trink. Ich schwöre auf diesen Tee."
      "Junger Herr, bitte werft keine Bonbons auf unseren Gast.", Herr Takahara stellte ihnen ein wenig Castella an den Platz.


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    • Mingi
      "Du bist also ein Heiliger...", bemerkte Mingi mit einem stark sarkastischem Tonfall an, wusste aber bereits, dass er sich dafür einen bösen Blick einfangen würde. Seongwha konnte ja aber wohl auch nicht die Ironie an der Situation verkennen... schließlich war er ein Mafiaboss, der in den Augen dieses älteren Ehepaares wie ein Samariter wirken musste. Dass auch in diesem Kontext der Name Big Fish fiel, untermalte lediglich die Tatsache wie sehr Seongwha seinen Konkurenten hassen musste. Als Mingi allerdings mit einem Bonbon beworfen wurde, hob der Polizist eine Augenbraue und funkelte den anderen an, während der ältere Herr im Hakama Seongwha maßregelte... was dann doch wieder Befriedigung genug für Mingi war... schließlich war das sicher effektiver, als wenn der Polizist ihn selbst diesbezüglich ermahnen würde. Stattdessen pflichtete Mingi dem Herren bewusst bei, während er besagtes Bonbon zurück zu Seongwha warf.
      "Ganz genau... man bewirft keine Gäste mit Bonbons... absolut kindisches Verhalten."
      Aus dem Augenwinkel spürte der Dunkelhaarige den resignierenden Blick des älteren Herren auf sich, welcher ihn Tee einschenkte und Castella dazu reichte und vermutlich gerade zu dem Entschluss kam, dass die beiden sich in dieser Hinsicht wohl doch eher weniger nahmen.
      "Ich entspanne mich, wenn ich es für richtig und sicher halte... und nicht nur weil du es sagst...", erwiderte der Polizist fast schon ein wenig patziger, während er seine Teetasse anhob und diese zu seinen Lippen führte, um einen vorsichtigen Schluck des heißen Getränks zu sich zu nehmen.
      Eine wohlige Wärme erfüllte ihn und er konnte nicht einmal wirklich sagen, wann er das letzte Mal einen richtigen Tee getrunken hatte. Mingi lebte so ziemlich von Kaffee und nahm dementsprechend kaum andere heiße Getränke zu sich. Dieser Tee wiederum war eine willkommene Abwechslung. Und selbst wenn die Anspannung nicht komplett von ihm abließ, wurde ihm zumindest innerlich ein klein wenig wohliger... selten genug erlebte er dieses Gefühl.
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    • ___ Seongwha ___

      "Spar dir den Unterton. Vergiss nicht, dass du mit besagtem Mafiaboss gerade einen Ausflug machst und Tee trinkst. Die Ironie muss ich dabei nicht erwähnen, mh?", neckte der andere ihn amüsiert und hob eine seiner perfekt gezupften Augenbrauen. "Ich bin genauso wenig ein Heiliger, wie jeder andere in dieser verfluchten Stadt. Ich habe meine Gründe, weshalb ich geholfen habe." daraufhin spielte der Schwarzhaarige mit einem der Bonbons vor sich, welche in ihrer goldenen Verpackung so einladend schimmerten, dass er gar nicht anders konnte, als den anderen damit zu bewerfen. Sehr erwachsen, aber um fair zu sein, hatte Seongwha nicht wirklich eine Kindheit. Gelegentlich kam das also einfach mal zum Vorschein und er konnte nichts dafür, Mingi bot sich dafür einfach an. Außerdem hatte der Arsch zurück geworfen! Seongwha ignorierte sowohl die Bemerkung des alten Mannes als auch die von Mingi. "Och, werden wir jetzt pampig?" Irgendwie war es ja fast putzig wie pampig und kindisch der Polizist vor ihm sein konnte. Ob sich Mingi dessen eigentlich bewusst war? Das er sich vor Seongwha so gab? Nun der Mafiaboss beschwerte sich darüber sicherlich nicht. Ihm waren diese ausgelassenen Gespräche deutlich lieber, als ständig immer nur Verantwortung tragen zu müssen und eine Horde Krimineller anzuführen. Manchmal brauchte auch er einfach nur eine Auszeit. Herrn Takahara hatte er mit einem Blick zu verstehen gegeben, dass er sie allein lassen sollte und er auch keine weiteren Worte mehr duldete, woraufhin sich der Herr verabschiedete. Die Dame des Hauses hatte währenddessen kurz verlauten lassen, dass alles vorbereitet war und sich ebenfalls zurückgezogen. Zufrieden nippte Seongwha an seinem Tee. Er liebte diese Wärme die ihn damit erfüllte.


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    • Neu

      Mingi
      Seongwha und Mingi tauschten ein paar bissige Bemerkungen miteinander aus und plötzlich fühlte sich die gesamte Situation doch ein Stück normaler an... nicht, die Tatsache, dass sie zusammen in einem Gästehaus irgendwo im nirgendwo waren, wo sie zusammen Tee schlürften. Das war nach wie vor eine sehr befremdliche Situation und vermutlich stellten sie beide sich regelmäßig die Frage innerlich, wie es überhaupt dazu hatte kommen können...
      Dass sie sich aber weiterhin Beleidigungen und Bissigkeiten an den Kopf warfen, das machte die Situation irgendwie gewöhnlicher... als wäre dies ein Tag wie jeder andere zwischen ihnen, nur eben an einem anderen Ort mit einer anderen Atmosphäre...
      Mingi nahm einen weiteren Schluck seines Tees und lehnte sich dann leicht nach hinten, um die Umgebung noch ein wenig mehr zu betrachten. Er war noch immer sehr müde und merkte nach wie vor, dass seine Fähigkeit, das Gesehene um sich aufzunehmen gerade doch etwas zu wünschen übrig ließ, aber er spürte nun weniger diese kleinen Panikanfälle und schleichenden Angstzustände, die ihn seit jener Nacht täglich zu begleiten schienen und immer dann überkamen, wenn er esam wenigsten gebrauchen konnte. Sie waren bei weitem nicht weg, aber sie rutschten nach und nach in sein Hinterbewusstsein und machten vorerst Platz für das Schöne um ihn herum...
      Wie sich das ganze heute Nacht widerspiegeln würde war tatsächlich noch einmal eine komplett andere Sache und es würde ihn nicht wundern, wenn ihn dann alles plötzlich wie eine Flutwelle wieder überwältigen würde, aber er sollte zumindestens auch die vorläufige Ruhe zu schätzen wissen können, solange sein Körper und sein Geist da noch mitspielten.
      Ein letzter Schluck seines Tees und Mingi zwang sich aufzustehen, sonst würde er wahrscheinlich aus Müdigkeit direkt hier am Teetisch einschlafen...
      "Ich denke ich bin bereit für das Onsen..." Sagte er das zu Seongwha oder zu sich selbst? Er war sich selbst nicht ganz sicher, blickte aber anschließend den Mafiaboss an, da er logischerweise keine Ahnung hatte wohin er musste.
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      ___ Seongwha ___

      Es war spaßig. So merkwürdig es auch klang, es war spaßig sich so unterhalten zu können. Mingi und er bewarfen sich mit bissigen Worten und Bonbons. Keiner nahm es wirklich so ernst und auch wenn sie sich sicherlich beide fragten, was das hier eigentlich werden sollte, wirkte nicht nur der Polizist entspannte, sondern auch Seongwha selbst. Ja, er liebte Hongjoon und im Vergleich zum Rest seiner Truppe konnte er auch mit ihm ein wenig anders umgehen, aber nichts desto trotz war er einer seiner Untergebenen. Auch in Hongjoon spiegelte sich diese merkwürdige Obsession wieder, welche alle in ihrem Clan hatten, wenn es um Seongwha ging. Er wusste sie alle würden für ihn sterben. Sie würden alles tun was der Schwarzhaarige nur wollte und ganz gleich wie praktisch dies auch war, es war auch irgendwie befremdlich. Es schwang in seinem Clan nicht nur der Respekt mit, sondern tatsächlich dieser krasse Fanatismus. Seongwha konnte sich bis heute nicht erklären, was genau er getan hatte, dass es so ausgeartet war. Vielleicht die Art und Weise wie dieser Clan zu Stande gekommen war? Der Mafiaboss versuchte die Gedanken zu verdrängen. Die Realität würde ihn noch früh genug einholen. Glücklicherweise hatte dieser Tee seine typische Beruhigung, die er immer verspürte wenn er ihn trank, nicht verfehlt und er bemerkte wie er sich wieder entspannte. Sein Blick ruhte auf Mingi, dem langsam aber sicher tatsächlich die Augen zu fielen. Ob er abwarten sollte bis er mit der Stirn auf die Tischkante knallte? Sicherlich ein amüsanter Anblick, aber nicht einmal Seongwha war so gemein.
      Okay, doch war er, aber nicht jetzt. Plötzlich verkündete sein ungewöhnlicher Gast, dass er bereit für die heißen Quellen der herrlichen Onsen war und der Schwarzhaarige nickte zufrieden. "Sehr gut." geschmeidig wie er nun einmal war, erhob er sich von dem Sitzkissen und deutete Mingi ihm zu folgen. Die Dame des Hauses hatte ihnen bereits Handtücher vorbereitet. Die Duschen um sich davor zu reinigen waren perfekt gesäubert und sicherlich würde auch eine Erdbeermilch nach dem Bad warten. Alles war perfekt.
      "Geh dich abwaschen. Wenn du fertig bist, musst du nur zu der Tür dort hinaus und bist direkt bei den Onsen."


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      Mingi
      Bevor Mingi hier noch an Ort und Stelle einschlafen konnte, hatte er sich von dem Teetisch erhoben, um Seongwha nach den Onsen zu fragen. Es war nicht ganz auszuschließen, dass er einnicken würde, sobald er von wohlig warmen Wasser umgeben war, aber diese Art von Entspannung würde er auf jeden Fall gebrauchen können und willkommen heißen. Er würde ein entspanntes heißes Bad nehmen, sich anschließend von Seongwha für den Abend verabschieden und dann hoffentlich entspannt schlafen können ohne in der Nacht durch Alpträume aufzuwachen oder von seinem Partner abgestochen zu werden. Das wäre zumindest das klare Best-Case-Scenario...
      Mingi war dem Mafiaboss gefolgt der ihn bis zu den Duschen geführt hatte, wo sich der Polizist abwaschen konnte, bevor er die Onsen betrat. Dankend nickte er dem anderen zu und trat in die Duschräumlichkeiten ein, wo er sich eines der Aufbewahrungsfächer für seine Kleidung aussuchte, seine Kleidung nach und nach von sich abschälte, bevor er nur noch in einem Handtuch um die Hüfte vor einem kleinen Spiegel stand und über seine Schulter hinweg auf das Spiegelbild seines Rückentattoos starrte... eine eher unschöne Erinnerung an Teile seiner Vergangenheit, die er nie wirklich ausradieren könnte. Er hatte schon oft mit dem Gedanken gespielt sich das Tattoo entfernen zu lassen und doch immer eine schwache Ausrede gefunden es vorerst doch nicht zu tun... Er konnte nicht einmal genau sagen wieso... und doch wusste er dass dieses symbolische Tattoo ihn doch ein wenig mehr im Griff hatte, als er es zugeben wollen würde.
      Er wandte den Blick von dem Spiegel ab und trat durch eine Tür geradewegs hinaus in den Außenbereich, in welchem sich zahlreiche heiße Quellen vor ihm erstreckten, die vermutlich normalerweise deutlich mehr Gäste sahen, als es am heutigen Tag der Fall war...
      Mingi warf einen Blick zurück, fast schon erwartend, dass Seongwha ebenfalls aus den Duschräumen heraustrat, entschied sich dann allerdings doch nicht weiter zu zögern, legte das Handtuch ab und stieg schließlich langsam in das wohlig warme Wasser, welches sich vor ihm erstreckte.

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