[2er RPG] Cold, Lonely and Freezing

    • Naira O'Connor

      Sie stand die meiste Zeit mit einem offenen Mund da und betrachtete ihren Freund, während die Tränen über die Wangen liefen. Er wagte es Sachen auszusprechen, die er lieber nicht hätte aussprechen sollen, er würde sie sehr lange bereuen, sehr lange, dafür würde Naira sorgen. Sie war wütend auf ihn, stinkwütend und er brauchte seinen Satz auch nicht zu beenden, sie tat es in ihrem Kopf für ihn. Ihr Herz brach in tausend Stücke, es flog aus dem Fenster und landete auf dem Asphalt, auf welchem die Menschen es zertrampelten.
      "Es ist ja nicht so, als würde ich dich verfickt nicht lieben! Was hättest du an meiner Stelle bitte getan?!", sie ließ sich nicht vorwerfen, dass sie es war, die dahin wollte, sie musste es tun und das sollte Victor endlich verstehen. Stattdessen zog er sich die Schuhe an und war dabei zu gehen." Dann verpiss dich doch! Das ist das beste, was du kannst! Sich einfach zu verpissen!". Ob ihn die Worte noch erreichten wusste sie nicht, denn die Tür war zu, aber er hörte mit Sicherheit die Vase, die gegen die Tür knallte und anschließend noch der kleine Beistelltisch. Die Vase zerbrach, der Tisch blieb heile, dafür brach die Frau zusammen. Sie ließ sich entlang der Wand runter gleiten und heulte wieder so kläglich, wie sie es auch nach Thomas tot gemacht hatte. Es war das Ende ihrer Nerven und so langsam merkte sie, dass es egal war, was sie getan hätte es führte alles zu dem gleichen Ergebnis. Naira erkannte, dass Thomas gewonnen hatte, er hatte sie auseinander gebracht und das hätte er auch getan, wenn er Victor angeschossen hätte. Es war vorbei. Alles war vorbei.
      Sie war am Boden zerstört und nahm nur noch ihren Hund in den Arm, der sich langsam traute auf sie zu zu kommen. Es war sie früher: nur sie, der Hund und ihr emotionales Ende. Nur dieses Mal in einer fremden Stadt.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Er grummelte, stieß gegen Menschen und ließ sich von diesen nicht bei Seite schieben. Wer war er noch, wenn kein Mann, der sich um seine Freundin kümmern konnte. Wer war er, wenn er nicht mehr leben wollte. Es war nicht seine Entscheidung gewesen sie zum Mörder zu lassen. Er wollte von Anfang an nicht, dass sie es tat. Ihm war es lieber aufzugeben, sich die Kugel zu geben und es einfach sein zu lassen für ewig. Dann wäre alles vorbei und er müsste dieses Gefühl nicht in seiner Brust ständig spüren, wie unglaublich unerträglich er in den letzten Tagen geworden war. Er konnte ihr "Ich liebe dich" nicht einmal richtig erwidern. Er konnte sie nicht in den Arm nehmen und das obwohl er 24 Stunden lang neben ihr im Krankenhaus war, wie ein verschollener Hund, den sie aufgenommen hatte. Wie Spike...
      Sie brachte alte Streits hervor, alte Diskussionen in denen er sich ähnlich verhalten hatte. Alles nur damit es ihm weh tat. Damit sie ihm vorführte, wie unglaublich unmännlich er war.
      "Fick dich, Naira...Wenigstens ist mein Weg kürzer nach Brooklyn...als sonst wohin...Fuck!", er schlug in die Luft, ließ die Menschen dumm in seine Richtung blicken. Doch er ignorierte alle Blicke, alle Worte, ob sie nun gut oder böse gemeint waren.
      Stattdessen ließ er sich von seinen Beinen direkt da hin leiten, wo er sich vielleicht endlich vergessen konnte. Sich und alles. Der Griff zur Flasche war nie weit und dank dem vorangeschrittenen Tag, hatte er Glück, dass die nächste Bar bereits offen hatte. Er schwang sich darin an die Bar und forderte direkt einen Scotch. Geld...Geld konnte er nutzen, was er noch auf dem Konto hatte. Naira hatte schließlich alles bezahlt gehabt, die letzte Zeit. Ihm blieb noch einiges von seinem Gehalt übrig. Dieses konnte er also mit gutem Geiste in Form von Alkohol in sich hinein kippen.

      Stunden vergingen. Der Barkeeper beäugte ihn seltsam. Nach dem Victor eine halbe Flasche intus hatte, kappte er ihm die zuvor und meinte, dass er vielleicht doch weitergehen sollte. Victor beleidigte ihn ohne ihm in die Augen zu sehen. Doch er ließ sich rauswerfen. So wie Naira ihn rauswarf. Und er zog weiter. Die Nacht war jung und er war noch nicht am Wanken. Die nächste Bar, würde ihm vielleicht besseren Scotch geben...Etwas dass die lauten Stimmen besänftige. Und dieses Geräusch von zerschellender Keramik.
    • Naira O'Connor

      Die erste Zeit hoffte sie einfach nur, dass er umkehren und durch die Tür kommen würde, um sie in den Arm zu nehmen, vor allem damit sich die Frau entschuldigen konnte. Sie wartete, beruhigte sich irgendwann und als sie nach zwei Stunden noch immer nichts von ihm gehört hatte zog sie sich an und ging mit Spike raus. Sie sah grausam aus, die Haare waren zerzaust, ihre Augen geschwollen und alles rot unterlaufen, dazu noch das restliche Aussehen, es passte einfach nicht zusammen, oder es passte so gut, dass die Menschen sie mitleidig ansahen. Aber Naira lief weiter, sie hoffte vielleicht in der Nähe Victor zu erkennen, aber der erste Weg führte sie zu einem Laden, in dem sie Spike was zu essen und sich Zigaretten holte.
      Der erste Atemzug an der vergessenen dröge beruhigte die angespannten Nerven der Frau, ihre Hände zitterten wahnsinnig, aber sie hielt dennoch die Zigarette mit der kaputten Hand und Spike in der anderen. Sie rauchte gleich eine zweite, auf eine dritte verzichtete sie letztendlich und machte sich auf den Weg, nach ihren Freund zu sehen. Nach der dritten Bar, in der er auch nicht zu finden war und nachdem die Dunkelheit über die Stadt kam gab sie es auf. In einer fremden Stadt in der dunklen Nacht war es nicht sicher, diesen Gedanken erhoffte sie sich auch bei ihrem Freund und öffnete erwartungsvoll die Tür, aber auch im Zimmer war er nicht zu finden.
      Letztendlich saß sie am offenen Fenster auf einem Stuhl und sah sich die Nacht in der Stadt an. Sie verglich Oklahoma mit Alaska, mit Anchorage und kam sich fremd in der Stadt vor. Es holte Naira einfach alles zurück, sie landete in Mitten in der Nacht im Bett und weinte sich in den Schlaf, neben ihrem Hund, der nicht von der Seite wich.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Victor hatte nicht vor zurückzugehen. Er wusste auf einer Seite, dass er es sollte, weil sie letztlich seine Freundin war und Gott verbiete es ihm, sie einfach zurück zu lassen. Aber nach einer halben Falsche Scotch war er nicht mehr in der Lage zu vergessen und er ritt sich immer tiefer in dieses Gefühl hinein, dass er es nicht wert war zurückzukehren. Sie wollte ihn nicht. Das hatte sie ihm deutlich gemacht. Und er mochte noch lange auf dieser idee und ihren Worten herumreiten. Denn in der zweiten Bar, abseits von allem, konnte er noch mehr trinken. Irgendwann stieg ihm aber der Scotch zu weit in den Kopf. Er sprach mit wildfremden Leuten. Mit den ein oder anderen geriet er sogar aneinander, aber sie ließen ihn letztlich in Ruhe. Es kam immer jemand dazwischen der ihm sagte, dass sie gehen mussten. Victor war betrunken, noch weiter über den nächsten Morgen hinaus. Selbst als die Sonne wieder oben stand, nüchterte er nicht aus. Stattdessen nahm er sich den nächstbesten Laden und kaufte isch wieder Bier. Er fand einen Park in dem er auf einer Bank mit sich selbst philosophieren konnte. Er wartete eigentlich nur auf den Abend. Das Vibrieren seines Handys hatte er schon bereits verflucht und das Handy ausgemacht. Er wusste wer anrief. Aber er wollte nicht mit ihr reden. Nicht heute. Noch nicht. Er wusste nicht ob er es überhaupt noch schaffen würde.
      "Ich bin so ein Arschloch...so ein Schisser...", zischte er sich selbst an. Die Sonne blendete ihn und er rieb sich die roten Augen. Sein Magen schmerzte, denn er hatte nichts gegessen und der letzte Mageninhalt war vor einigen Stunden irgendwo im Gras gelandet. Aber wenigstens da und nicht mitten auf dem Gehweg. Die meisten Menschen mieden ihn. Sie machten einen großen Bogen um den heruntergekommenen Amerikaner, der da auf einer Bank saß und über den seichten See starrte.
    • Naira O'Connor

      Sie schlief tatsächlich ein paar Stunden, vielleicht vier wenn es überhaupt hoch kam, es tat ihr wirklich gut, wenn es nicht die Tatsache gäbe, dass sie aufwachte in dem verwüsteten Zimmer und sich erinnerte, was gestern passiert war. Es war wirklich viel für die Frau, sie hatte ihren Vater verloren, ihr Leben, ihre Erinnerungen und jetzt noch den Mann, für den sie es getan hatte. Sie war bereit für ihn alles zu tun, selbst sogar ihren Stolz abzulegen und ihn anzurufen, aber natürlich war spätestens nach dem Anruf das Handy aus und für Naira klar, dass es vorbei war.
      Sie verbrachte wieder die Hälfte des Tages damit, nicht allzu sehr in ihre Heulattacke zu versinken und den Rest ihrer Würde zu bewahren, aber es klappte nicht. Das Zimmermädchen fand sie auf dem Boden im Bad, total zerzaust und fertig mit den Nerven. Es war eine Spanierin, sie sprach gebrochenes Englisch, aber sie wollte der einmaligen Detective helfen, sie rappelte sie ein wenig auf, brachte ihr was zu Essen aufs Zimmer und räumte das Chaos auf, welches Naira hinterlassen hatte. Den Namen hatte sie zwar nicht verstanden, aber sie würde es sich definitiv merken, dass diese Frau ihr eine Hand gereicht hatte, wenn sie am Ende war. Deshalb hatte sie ihr Geld in die Tasche zugesteckt, damit konnte sie sich sicherlich am besten Bedanken, ihre Familie brauchte mit Sicherheit Geld, auch wenn es sicherlich ein Vorurteil war, Naira meinte es nicht böse.
      Sie verzweifelte mit jeder Stunde, die er fort war und gestand sich irgendwann, dass er nicht wiederkommen würde. Seine Sachen waren noch im Zimmer, ein Grund für die Frau sich ein Oberteil ihres Freundes zu krallen und es im Zimmer zu tragen in der Hoffnung, seine Nähe wieder zu erlangen. Es half nicht, es half auch nicht die ganze verdammte Zigarettenpackung in einem halben Tag aufzurauchen und es half auch nicht, sich mit ihrem Hund darüber zu unterhalten, wie sehr sie versagt hatte in ihrem Leben.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Der Tag verflog. Nachdem das Handy aus war, hatte er nichts mehr gehört und er versuchte auch nicht mehr an sie zu denken. An sich hätte er einfach aus der Stadt verschwinden können. Das Taxi schnappen und gehen. Zurück dorthin wo er hergekommen war. Aber er tat es nicht. Der Gedanke war bitter und er wollte nicht bitter sein. Er wollte zu ihr zurück. Das war ein gedanke, den er wieder erlangte, als er zu tief ins Glas sah. Er saß wieder in einer Bar, saß am Tresen und nuschelte leise vor sich hin. Konnte doch nicht alles zu Ende sein. Irgendwann mitten in der Nacht, als er wieder zu viel getrunken hatte, nahm er sein Handy hervor. Er zögerte es wieder an zu machen, denn er fürchtete sich vor ihrem Anruf. Lange sah er es nur an, kippte sich nach langer Überlegung den letzten Schluck in den Rachen und schaltete es schließlich an. Nichts...5 Minuten lang starrte er das Display an. Sie hatte ihn nicht mehr angerufen. Aufgegeben...Auch die Mailbox war leer. Victor ließ den Finger über die Rückruftaste schweben, wischte im letzten Moment aber rüber und wählte dafür eine andere Runde.

      Nach mehreren Freizeichen, nahm Alex endlich sein Handy auf. Er murrte unzufrieden und noch müde: "Was?...Hallo?"
      "Mhh...Morgen...", nuschelte Victor und drückte das Handy sich ans Ohr, während er mit der anderen Hand seinen Kopf festhielt.
      "Hallo? Wer ist da? Victor?"
      "Ja...scheiße Alex..."
      "Was ist?", Alex setzte sich wohl auf und wurde in den nächsten wenigen Sekunden hell wach. Er hörte wohl die Trunkenheit in Victors Stimme.
      "Hätte nicht gedacht, dass du anrufst."
      "Alex...Ich...hab' Scheiße gebaut...", setzte Victor an. Er wollte nicht darauf eingehen, wie betrunken er war und dass er zu einer Uhrzeit anrief, die eigentlich nicht vertretbar war. Victor erklärte Alex im Gebrochenen und Genuschel, dass Naira ihn aus dem Hotel geschmissen hatte und er einfach gegangen war. Er erläuterte ihm, wie es abgelaufen war und wie er sich fühlte. Fast 20 Minuten heulte Victor ihm vor, dass er sich nicht aufraffen konnte. Dann war es Alex der endlich in den Hörer brüllte: "Halt dein Maul!"
      Alex ließ eine Pause dazwischen. Victor ist leise geworden und horchte wohl auf: "Du scheiß Arschloch, hast die beste Frau abbekommen...die sich einen Arsch aufgerissen hat...Nicht nur für sich...für dich und...für uns alle! Du Scheiß jämmerliches Arschloch...und nun hockst du betrunken in der Bar? Ohne sie? Wieso nicht mit ihr?"
      "Ich...sie hasst mich..."
      "Sie hasst dich nicht. Ich hasse dich, wenn du es wagst sie da sitzen zu lassen, fliege ich persönlich zu dir und helf dir nach von irgendeiner Brücke zu springen. Mir egal, dass ich dir vor Wochen noch hatte helfen wollen. Du betrunkenes Arschloch...", Alex war alles andere als zufrieden. Er war wütend, dass Victor, dem Naira so eine großartige Chance gab, sie einfach in den Sand setzen wollte.
      "Naira sagt nicht leichtfertig, dass sie dich liebt, du Arsch. Beweg deinen Arsch zu ihr..."
      Damit beendeten sie das Gespräch. Victor ging nicht sofort. Er musste die Worte verdauen, musste erst einmal darüber nachdenken, was man ihm gesagt hatte da. Doch es stimmte. Er vermisste sie und ihm ging es ohne sie scheiße. Er konnte doch nicht immer dasselbe veranstalten. Sich streiten mit ihr und dann einfach gehen.
      Trotzdem blieb er noch in der Bar und trank weiter. Bis ihm wieder übel wurde. Am Ende schmiss man ihn raus.

      Stunden später, gegen 12 Uhr, wankte Victor nachdem er sich auf einer Parkbank hatte ausschlafen können zu einem Juwelier. Er hatte Ziele. Er wollte endlich seinen Mann stehen. Er wollte sich entschuldigen und er wollte ihr zeigen, dass er sie behalten wollte. Bis ans Ende...Später am Tag klopfte er an das Zimmer. Er hatte sich zwar noch einmal etwas zu trinken bestellen müssen, um sich Mut anzutrinken. Aber nach über 48 Stunden stand er wieder im Hotel vor ihrem immer und er hoffte sehr, dass sie da war. Nicht, dass jemand fremdes die Tür aufmachte.
    • Naira O'Connor

      Die Verzweiflung ging definitiv weiter, denn nach der zweiten Nacht war Naira definitiv am Boden angelangt. Sie war noch fertiger, als sie es am Tag zuvor war und es kam soweit, dass sie daa Hausmädchen, welches kam um nach ihr zu sehen darum bat, ihr Zigaretten zu holen. Sie tat es, auch wenn es eher widerwillig war, aber der Anblick der Dunkelhaarigen war grausig und so wollte sie nicht raus. Die Spanierin, oder vielleicht doch Mexikanerin kam zurück, brachte was für Spike mit, der sich darüber freute, dass auch an ihn gedacht wurde.
      Die Zigaretten rührte Naira zunächst nicht auf, sie bedankte sich bei der Frau, die Sie nicht verurteilte, sondern ihr Herz für sie öffnete. Letztendlich umarmte sie Frau das Zimmermädchen, fing wieder an zu weinen und versprach ihr, sich zusammenzuraffen. Sie brauchte den Mann nicht, sie würde es ganz alleine hinbekommen. Zu Naira Verwunderung klopfte es an der Tür, die Hoffnung war verflogen, dass es Victor sein könnte, er saß vermutlich in einer Bar und saufte sich den Kopf voll, aber aufmachen wollte sie nicht.
      "Soll ich.. Aufmachen?", fragte sie die Mexikanerin und Naira nickte, während sie das Fenster öffnete und die Packung aufmachte. Sie brauchte ihre Zigaretten mehr, als sie alles andere brauchte und damit würde alles gut werden. Victor war für sie Geschichte definitiv!

      "Lady..", sprach das Hausmädchen, da ihr wohl niemand den Unterschied zwischen Lady und Ma'am erörtert hatte, aber irgendwie war es süß. Die Dunkelhaarige drehte sich um und blickte zur Tür, sie wollte sehen wer da stand und da wäre ihr beinahe die Zigarette aus der Hand gerutscht. Mit dem Mann in der Tür hatte sie nicht mehr gerechnet und es reichten zwei Sekunden, um festzustellen, dass er betrunken war. Naira seufzte.
      "Was willst du hier, Vic?", ihre Stimme brach, sie zog sich sein T-Shirt ein wenig weiter runter, da der Windzug Kälte mit sich brachte. Da war der Vorsatz, ihn in den Wind zu schießen glatt wieder vergessen, denn sie wollte auf ihn zurennen und sich in seine Arme werfen. Aber damit wären die wieder am Anfang, außerdem wusste sie nicht, was ihr Freund, oder vielleicht auch Ex, wollte. Vielleicht wollte er auch nur seine Klamotten haben und dann wieder abhauen.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Victor hatte Kraft gebraucht um das Zimmer zu finden und noch mehr, um seinen Atem wieder zu beruhigen. Der Schädel dröhnte kräftig und wirklich gerade aussehen konnte er auch nicht. Das einzige woran er sich nun statt einer Flasche klammerte, war die kleine Schachtel in seiner rechten Hand. Er wollte alles auf eine KArte legen. zum letzten Mal, so hoffte er. Alex hatte recht...Er sollte sich zusammen reißen, denn sonst war er nicht nur kein Mann...er war nicht ihr Mann. Victor war ein wenig neben der Spur, als er das Zimmermädchen sah. Er als Naira ihn fragte, was er hier wolle, konnte er zu ihr nach hinten sehen. Victor räusperte sich und trat ein. Gleichzeitig bat er das Zimmermädchen zu verschwinden, die ihn skeptisch beäugte. Sie wandte sich noch einmal zu Naira, der sie sagte, sie solle rufen, wenn der Mann ihr etwas an tun wollte. Victor schnaubte belustigt: Einen Scheiß werde ich ihr tun..., wollte er sagen, aber seine Zunge verknotete sich allein bei dem Gedanken dabei. Also konnte er lediglich den Kopf schütteln und schloss die Türe hinter sich. Er musste tief durch atmen. Spike beäugte ihn ebenfalls aufmerksam, aber er blieb liegen. Noch hielt er Victor für einen guten Menschen...Das tat bis dahin nur der Hund...
      Victor ging weiter vor: "Was ich...", fing er an und fing bereits da an zu stottern, denn der merkte, dass seine taube Zunge ihn zum Lallen brachte. Er ging noch einen Schritt vor bis er in dem kleinen Zimmer stand. Er hob den Blick an, bemerkte, dass sie eins seiner Shirts trug und es stieß ihm einen Dolch in den Bauch. Er brauchte Anlauf, bis er etwas greifbares über sich brachte: "Ich bin ...ich hätte nicht gehen sollen...". Victor strengte sich an ganze Sätze zu sagen, doch er konnte kaum den Blick aufrecht halten und auch das Stehen war mehr schlecht als recht.
      "Ich musste denken...Das war zu viel...und...Ich bin kein Mann...Wenn ich nicht bei dir sein kann...wenn es schwierig ist...Ich bin ein Idiot...Habe mich betrunken...", er fuhr sich bemitleidend durch die Haare. Die letzten Tage ohne Dusche und Essen hatten ihm nicht gut getan. Der Geruch der Zigaretten ließ ihn das Gesicht verziehen.
      "Naira...ich liebe dich. Du bist...die einzige...der einzige Grund warum ich hier stehe...warum ich nicht...schon längst tot bin...Ich war undankbar...versteh mich...", er kam noch einen Schritt näher in der Hoffnung ihr keinen Ausweg geben zu können zu fliehen.
    • Naira O'Connor

      Sein Anblick nahm Naira wirklich den letzten Rest ihres Stolzes fort, sie war bereit ihn anzuflehen, wenn er gehen wollen würde, sie war bereit, alles das, wofür sie andere Frauen verabscheute zu machen, einfach nur um in seinen verdammten Armen zusammen zu sinken. Victor war ein Idiot, er war ein Arschloch und er war ein verdammter Alkoholiker, aber er war der Mann, mit dem sie bereit war in die Zukunft zu schauen. Er war der Mann, für den sie ihr Leben riskiert hatte, ohne auch nur groß darüber nachdenken zu müssen. Er war ihr Mann.
      Das Zimmermädchen ließ die beiden alleine, vergewisserte sich aber, dass Naira damit auch wirklich einverstanden war, sie ließ sie nicht gerne zurück, vielleicht weil sie Erfahrungen hatte, was betrunkene Arschlöcher anging. Die Dunkelhaarige regte sich nicht, sie war wie versteinert, vor allem, als sich ihre Blicke für einen Moment trafen. Selbst sie Zigarette war fast schon vergessen, er war in ihrem Zimmer. Es geschah genau das, was sie sich gewünscht hatte, aber sie bekam Angst, was nun mit ihnen sein würde, wenn Victor weiter sprechen würde.
      Sie rauchte weiter, als der Mann mit der Sprache rausrückte und zwar in schnellen Zügen, um die Zigarette anschließend auszudrücken, den raus rauszupusten und das Fenster zuzumache. Ihr war es kalt, oder ihre Beine zitterten vor Aufregung so sehr. Er kam näher, der Geruch vom Alkohol drängte sich in ihre Nase, er war definitiv betrunken und das mehr als er sein sollte. Seine Worte ließen ihr Herz für einen Moment schmelzen, aber es lag noch immer da unten auf dem Asphalt und wartete darauf, dass es jemand aufheben und zusammenkleben würde. "Denkst du wirklich..es ist gut wenn wir in so einem Zustand sprechen?". Die Frage war berechtigt und meinte damit nur den Alkoholpegel ihres Freundes, der vieles gerne sagte, wenn er betrunken war. Vieles meinte er auch nicht so, und noch viel mehr würde er niemals sagen, wenn er nüchtern wäre.
      Ihre Augen leuchteten ihn an, sie sah scheußlich aus, aber vor ihm war es ihr nicht unangenehm. Wut drängte sich in ihr auf, er war wirklich schon wieder an trinken, der Stolz drängte sich hoch, sie musste die Situation in den Griff bekommen. Seufzend fuhr sich Naira durchs Gesicht und betrachtete ihren Freund. "Leg dich hin, Vic.. Schlaf dich aus, wir reden, wenn du nüchtern bist".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Er wollte nicht, dass es einfach abgetan wurde. Kurz hatte er das Gefühl, dass sie ihn einfach nur duldete. Sie rauchte zu Ende und ließ den Rauch nach draußen strömen, während Victor ihr die ersten kläglichen Worte aneinander reihte um sich zu entschuldigen. Doch seine Worte erreichten sie nicht. Sie sprach von einem zustand und wollte ihn ins Bett schicken. Victor wehrte sich gegen den Gedanken auszuschlafen. Nicht jetzt...Ihm ginge es nur übler am nächsten Morgen. Deswegen ergriff er ihre Hand, sobald er die Chance witterte: "Nein...nein...nicht schlafen gehen. Mein Schädel...zerspringt...Ich habe es verdient...das hier...aber nicht dich. Ich will für dich da sein...Immer, okay?", er wankte wieder, schnaufte tief durch und versuchte den Schwindel, als auch die Übelkeit nicht über sich herein brechen zu lassen. Wie konnte er sie nur von sich überzeugen. Da erinnerte er sich wieder an das was er mit sich trug. Er drückte ihr die kleine Schatulle in die Hand. Sie war dunkelblau und innen drin verbarg sich ein Ring. Schlicht und mit einem kleinen Diamant besetzt. Das was er isch eben noch so leisten konnte. Zu viel ging für guten Alkohol drauf, der ihn letztlich auf diese Idee brachte.
      "Ich liebe dich und es tut mir zu sehr weh...Du leidest und ich hasse es...Aber bitte...Bitte...", er sah auf, hielt ihre Hand zwischen seinen und versuchte sie davon zu überzeugen, dass er es ernst meinte und es nicht nur der Alkohol war, der wieder Dinge aus ihm heraus kramte, um ihr zu gefallen. Er wollte sie haben...Auch wenn sie ihn beleidigte, das schlimmste in ihm zeigte und benannte. Aber dafür brauchte er sie...Sie zeigte ihm letztlich, dass er noch lebte und leben durfte. Noch hatte er seine Worte nicht ausgesprochen, aber er hoffte innerlich, dass sie verstand, was für Worte und welche Frage den Ring begleiteten. Er sah hoch in ihr Gesicht. Sie sah grauenvoll aus. Es war sein Werk. Vielleicht nicht gänzlich. Aber sein Werk zu einem großen Anteil.
    • Naira O'Connor

      Er war definitiv betrunkener, als er es sein sollte, denn auch er war an einen Punkt angekommen, an dem er Naira wohl stundenlang hätte anflehen können, dass sie doch bei ihm bleiben würde. Sie ähnelten sich mehr, als man es vielleicht auf den ersten Blick sah, sie waren beide zwei verlorene Seelen auf dem Grund des Ozeans, die sich beide gegenseitig noch tiefer in die Dunkelheit stürzten aber meinten, dass sie es zusammen schaffen würden.
      Er lallte weiter, seine Worte erreichten sie definitiv, von Anfang an, aber vielleicht viel zu sehr, als dass Naira es hätte zeigen wollen. Sie wollte ihn ins Bett bringen, er drückte ihr etwas in die Hand und die Verwirrtheit stand ihr ins Gesicht geschrieben. Er kam wieder auf eine dumme Idee und es hätte alles sein können, doch die Frau rechnete eben nicht mit dem, was sie darin fand. Sie hatte ihren Satz auch schon angefangen, während sie mit der verletzten Hand die Schatulle gleichzeitig öffnete: "Du bist viel zu betrunken für diese Unterhaltung.. Vic.. Es wäre wirklich besser..". Naira verstummte noch mitten im Satz und betrachtete das kleine Schmuckstück vor ihren Augen. Ihre Brust zog sich zusammen und sie musste mehrmals unglaubwürdig blinzeln, bevor sich ihre Stirn leicht runzelte und sie zu Victor sah. Er bettelte um etwas, was sie nicht ganz verstand, dabei sollte es ihr mit dem Ring klar sein, was er eigentlich vorhatte. Es wurde ihr nur irgendwie nicht ganz klar, sie war eher davon schockiert, dass der Victor, den sie eigentlich kannte nie auf so eine Idee kommen würde.
      "Du bist definitiv betrunken..",sprach sie und sah noch einmal zu dem Ring, denn sie konnte es nicht glauben, dass es ihn gab. Ihre Züge im Gesicht lockeren sich, sie wurden sanfter und ihr Herz fing an zu rasen. "Vic", mehr brachte sie nicht raus, sie war sich nicht sicher, inwiefern sie es ernst nehme durfte. "Meinst du.. Das Ernst..? Oder spricht da.. Der Alkohol aus dir?".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Ihm wurde von Sekunde zu Sekunde übler. Ihr Gesicht, der Ausdruck in ihren Augen zeugte von Verwirrung und Fragen. Sie war überrascht und wusste nicht was sie machen sollte mit dem Ring. Sie glaubte ihm wohl nicht und sein betrunkenes Hirn war noch in der nächsten Sekunde eingeschnappt. Wieso konnte sie das nicht glauben? Er war hier bei ihr und mehr als das konnte er doch nicht geben. Er wollte sich an die Leine nehmen lassen, er wollte ihr folgen, ob nun als Laufbursche oder als ihr Mann. Eins von beidem würde ihn wohl erfüllen.
      "Ich bin...betrunken ja...aber das ist doch egal...ich...konnte nicht anders...wollte vergessen ...alles...Die Wochen waren scheiße...der Monat war die Hölle...", er tippte sich an die Stirn, bevor er mit der Hand über das ganze Gesicht fuhr und damit den Schmerz los werden wollte. Es half nichts. Victor schnappte erschöpft nach Luft und senkte den Blick auf den Ring in der Schatulle. Wahrlich kein großartiger Anblick, aber schön poliert und glänzend. Er hoffte außerdem, dass er die richtige Größe hatte...Betrunken einem geizigen Juwelier zu erklären, wie dick der Finger seiner Freundin war, war nicht sehr einfach.
      "Der Alkohol spricht aber...alles spricht...Naira...ich liebe dich...Alex meinte ich darf dich nicht gehen lassen...", er schweifte ein wenig ab, nuschelte noch etwas vor sich hin, bevor er wieder zu ihr aufsah und die Schultern senken ließ und sie in den Arm nahm. Teils um sie zu halten, teils um sich an ihr zu stützen. Er brauchte bis er sein Gleichgewicht fand. Mit beiden Armen drückte er sie fest an sich und seinen Kopf vergrub er in ihrer Schulter. Das einzige was noch gefehlt hätte, wären Tränen, aber zu diesen kam er gar nicht mehr.
      "Ich kann dich nicht zwingen...ich will dich...nicht du...mich...du musst nicht...", dann ließ er sie los und ließ sich endlich auf das Bett fallen. Er konnte nicht mehr stehen. Der Alkohol brodelte und ließ ihn sich fühlen, als riss man ihm den Boden unter den Füßen weg.
    • Naira O'Connor

      Als er sie in den Arm nahm roch sie den Alkohol noch deutlicher, aber sie schaffte es dennoch, sich an der Fensterbank festzuhalten und damit das Gleichgewicht für beide zu halten. Es tat ihr furchtbar in den Rippen weh, dass er sie drückte, aber Naira riss sich zusammen und hielt ihn fest, damit er halt bekam. Er war wirklich zurückgekommen, von alleine, aber das hatte er fast immer gemacht, deshalb hätte sie gar nicht so weit sinken müssen, sie hätte einfsvh nur brav warten müssen, aber es fühlte sich dieses Mal einfsvh anders an. Ihre Beziehung tat das seit ein paar Tagen, wenn nicht Wochen und daran war nicht Thomas schuld, es war Naira selbst.
      Alex hatte ihn dieses Mal dazu gebracht, sich zusammenzuraffen, er war ein wirklich guter Freund, gab alles, damit Naira glücklich war, riskierte es selbst, seinem Feind die besten Tips zu geben. Sie müsste sich mal mit dem Blonden richtig unterhalten, sie hatte ihm einiges zu sagen, aber noch konnte es warten, noch was sie nicht mit Victor fertig, der sich auf da Bett fallen ließ. Er rang ihr damit ein kleines Lächeln ab, sie musste ihn definitiv vom Alkohol weghalten, er tat ihm nicht allzu gut. "Gute Nacht, Vic", sagte sie ihm entgegen und beobachtete für einen Moment den Mann, bevor sie sich bequem auf den Stuhl am Fenster setzte und es wieder aufmachte. Das Zimmer roch wie nach einer Party mit ganz viel Alkohol, damit hätte sie definitiv nicht schlafen können. Diesmal griff sie aber auch nicht zu einer Zigarette, sondern öffnete wieder die Schatulle und betrachtete den Ring ein weiteres Mal. Nairas Herz raste, ihre Brust verengte sich und sie musste feststellen, dass sie genau so einen Ring haben wollte, wenn sie sich verloben würde, einen einfachen, simplen, genau wie ihre Kette. Nicht, dass sie es jemals erwartet hätte, sie hätte auch für immer seine Freundin werden können, aber sie hatte nichts gegen, seinen Nachnamen anzunehmen. Die Frage war nur, ob er es auch im nüchternen Zustand so sah, oder ob es nur eine grandiose Idee des Alkohols war.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Der Ring war der Beweis seiner Liebe. Seiner unmöglichen und unbedachten Liebe, die er nicht richtig ausdrücken konnte. Er schaffte es nur in diesem Zustand zwischen Delirium und Trunkenheit. Eine Mischung aus Verzweiflung und dem Drang endlich etwas voran zu bringen. Sich zu sagen, dass er den Arsch hoch bekommen musste. Nur für Naira war er doch hier. Er hatte sonst keinen Platz in dieser Welt. Alex...Alex kümmerte sich nur um ihn, weil er sich um Naira Sorgen machte und Ramirez...Ramirez gab den beiden zwar ihre stumme Einverständnis, aber letztlich interessierte es den Captain der Anchorage Police doch herzlich wenig, was Detective Parker aus sich machte. Er hatte sich nach der knappen Umarmung, die er nicht richtig einordnen konnte, einfach auf das Bett fallen lassen und hielt das Gesicht unter den Händen versteckt. Ihm war übel und er wollte noch etwas sagen, aber er bekam kaum was anderes raus, als das übliche Stöhnen und Schnauben seines Körper. "Es tut mir ...leid....dass ich so schwach bin...", brachte er noch hervor, bevor er sich langsam nach hinten lehnte und einfach halber an der Wand gelehnt auf dem Bett irgendwann doch einschlief. Er nuschelte noch halb im Schlaf davon, dass er es nicht durfte, denn dann würde sie wieder weg rennen. Aber er konnte sich nicht wehren. Naira war an sich bei ihm und auf einer Seite vertraute er ihr, dass sie nicht ging. Sie war schließlich in den letzten Stunden auch nur in diesem Zimmer gewesen. Sie hatte gewartet...so hoffte er, oder sie fand einfach noch keinen Flug zurück. Keiner der sofort ging. Es war sein Glück, dass er sie noch erwischte.

      Mitten in der Nacht wachte er wieder auf. Der faule Geschmack im Mund, der schmerzende, zum zerbersten gespannte Schädel. Seine Augen brannten und er fühlte sich elendig, wie vor einem Jahr, als er noch mitten in seiner Sucht steckte. Widerlich. Er hasste sich selbst dafür. Wie automatisch setzte er sich wieder auf und torkelte durch das dunkle Zimmer zum Bad. Noch nahm er alles andere nicht wahr. Sein Hirn hatte die letzten betrunkenen Stunden nicht verarbeitet und erinnerte ihn nur nach und nach danach.
      Ein nüchterner Zustand wurde nur nach und nach erreicht. Er brauchte noch mindestens 5 Stunden um nüchtern zu sein. Aber er hatte sich beruhigt, war nicht mehr so emotional. Im Bad entledigte er sich der vollen Blase, wusch sich das Gesicht und unterdrückte den Würgreflex, den er beim Anblick der Toilette bekam.
      Sich räuspernd sah er sich im dunklen Zimmer um. Die Minibar kam ihm wieder in den Sinn. Aber davor suchte er das Zimmer nach Naira ab. Er wollte sich auch in diesem Zustand versichern, dass sie da war.
    • Naira O'Connor

      Sie saß die nächste Zeit auf dem Stuhl am Fenster und drehte den Ring mehrere Male in der Schatulle. Ihr Herz schrie die ganze Zeit ja, es wollte diesen Ring und es wollte den Beweis, dass er endlich ihr Mann war, aber der Kopf ging noch sehr skeptisch an die Sache ran. Der Kopf wollte nicht glauben, dass das wirklich sein Wunsch war und nicht das betrunkene Gerede, wie es auch sonst immer war. Naira hatte festgestellt, dass ihr Freund ihr noch nie so oft gesagt hatte, dass er sie liebt, ein Lächeln bildete sich ihren Lippen, aber ein sehr leichtes.
      Die Dunkelheit überkam irgendwann das Zimmer, die Dunkelhaarige hatte das Licht ausgemacht und beobachtete ihren Freund nun im Licht der Sterne und der umliegenden Lichter. Es war ein wenig blau und rot im Zimmer, aber daran würde sich die Frau noch gewöhnen, sie würde irgendwann Alaska vergessen, da wollte sie nicht mehr hin. Als Beweis für sich selbst griff sie tatsächlich an dem Ring und zog ihn an, er passte zu ihrer Verwunderung. Das hätte sie dem Mann nun wirklich nicht zugetraut, aber es war wahrscheinlich nur ein wenig Glück.
      Naira saß am offenen Fenster, lehnte sich raus und atmete die kalte Luft vom Ende des Winters, während sie den Ring am Finger mehrmals drehte. Ihre Entscheidung war gefallen, aber noch rang sie mit sich, inwiefern es gut war. Ihre Gedanken wurden von ihrem Freund unterbrochen, der das Licht im Bad einschaltete, er war wach geworden, würde vermutlich gleich weiter schlafen, deshalb drehte sich Naira zurück zum offenen Fenster. Sie wollte eine rauchen, ihre Gedanken dämmen, es kam nun wirklich alles komplett durcheinander. Ihr Vater, Thomas, die Sache mit Victor.. Alles in ihrem Kopf schrie nach einer Entscheidung.
      Ihr Vorhaben wurde unterbrochen durch das Gefühl, beobachtet zu werden, deshalb ließ sie die Zigarette wieder in der Packung und drehte sich zu ihrem Freund um. "Wie geht's dir?", fragte sie ihn, auch wenn die Antwort ziemlich klar sein sollte.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Da saß sie...Allein und das Licht der Nacht beschien ihr Profil. Sie war so schön. Er hatte sie bereits vom ersten Tag als attraktiv empfunden. Aber er war bockig und unfair gewesen. Vom Leben verletzt. Von allen gemieden. Er war einfach nur noch verstoßen worden und nun war er es, der die Leute von sich stieß. Bis er verstand, dass da mehr war, zwischen ihm und ihr. Mehr als dieses dumpfe miteinander auskommen. Sie verstanden sich vielleicht nicht immer und seine Gefühle wurden trotz der Verschiedenheiten untereinander immer größer. Sie zwang ihn aufzustehen. Sie konnte ihn nicht alleine tragen. Aber sie wollte es...Und er ließ es zu, obwohl seine Worte ständig etwas anderes forderten und sagten. Victor suchte mit der Hand nach einer kalten Wand und lehnte sich wieder gegen sie. Ihm war viel zu warm durch den ganzen Alkohol, den sein Körper wieder versuchte loszuwerden.
      Ihre Frage, wie es ihm ging, ließ ihn grummeln. Er fuhr sich über das Gesicht, rieb sich die müden Augen und sah dann wieder zu ihr auf, ohne diese Frage verbal zu beantworten. Er hob lediglich die Schultern an, bevor er die Lippen zusammen presste: "Entschuldige...ich...bin wütend gewesen...und habe dann getrunken...weil ich das nicht mehr stemmen konnte...", seine Stimme war äußerst kratzig und rau. Mehr konnte er nicht wieder von sich geben. Stattdessen ging er aufs Bett, setzte sich schlaff hin und beugte sich vor, um wieder den Kopf abzustützen und die Augen für den Moment zu schließen. Wieder einschlafen wollte er nicht. Das tat ihm nicht gut. Der Kopf pochte.
      "Du kannst rauchen...wenn ich mich besaufen kann...kannst du rauchen...", ergab sich Victor. Er wollte ihr das alles nicht verbieten, er verstand auch, dass er nicht ansatzweise in der Position stand ihr etwas zu verbieten. Er trauerte einfach nur und hatte Angst vor der Veränderung.
    • Naira O'Connor

      Es war immer die gleiche Entschuldigung dafür, dass er trank er konnte es nicht stemmen und brauchte seinen freien Kopf. Vielleicht rauchte auch deshalb seine Freundin, die Zigaretten beruhigten sie in einer gewissen Art und Weise, wie es sonst nichts anderes könnte, außer vielleicht seine Arme um sie. Victor war klarer geworden, der Alkohol hatte seine Wirkung langsam wieder zurück gezogen, jetzt konnte man mit ihm definitiv besser reden.
      Der Mann ergab sich, er gab ihr sogar seine Einverständnis, dass sie rauchen durfte, für einen Moment sah sie auch zu der Packung und überlegte, ob sie nun wirklich rauchen sollte, aber Naira schüttelte den Kopf sanft für sich und warf die Packung auf die Kommode, links von ihr. Sie fuhr sich mit ihren Händen übers Gesicht und zwang sich, aufzustehen. Es war der Frau klar geworden, dass sie ihren Stolz nun wirklich ablegen musste, damit sie ihre Beziehung wieder retten konnte. Sie blickte auf den Ring, lächelte in sich hinein, bevor sie ihre Beine zu dem Bett trugen. Anstatt sich neben den Mann hinzusetzen, ging Naira in die Hocke und setzte sich auf den Boden vor ihren Freund. Es schmerzte alles, ihr Bein, ihre Rippen und ihr Herz, aber sie zog es durch, sie ließ ihren Stolz zurück und nahm eine Stufe weiter runter Platz, um ihren Mann aufzubauen.
      Den Kopf lehnte Naira gegen seine Knie und schloss die Augen. Seine Kleidung roch nach der Bar, in der er sich aufgehalten hatte, der Alkohol stieg ihr in die Nase, aber sie ignorierte es. Stattdessen legte sie ihre Hände auf seine Beine und strich sanft drüber, während sie hoffte, dass er verstand, dass sie aufgab.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Er hatte es für lange Zeit geschafft nichts zu trinken und sich sogar zusammen zu reißen. Nur ein oder zwei Biere und wenn er nur mit ihr gemeinsam trank, dann war er irgendwie glücklich und konnte mit gutem Gewissen trinken. Denn wenn er es tat, konnte er reden. ihr sagen, dass er ein Idiot war und ihr erklären, dass er sich selbst hasste dafür, was er ihr antat. Er konnte auch sagen, dass er sie liebte. All das ging nur sehr schwer über seine Lippen, wenn er versuchte es nüchtern zu sagen.
      Victor hörte noch wie sie aufstand. Er hörte ihre kurzen Schritte und ihre Atmung, die leicht aussetzte, als sie sich vor ihn kniete. Er sah zu ihr hin und beobachtete sie, wie sie sich da vor ihn kniete und den Kopf an seine Knie lehnte. Victor schüttelte den Kopf. Er war langsam, aber er spürte, dass sie das nicht tun sollte. Sein Blick streifte ihre Hand. Der kleine Diamant an ihrem Finger glänzte knapp auf, als das Straßenlicht von außen darauf fiel.
      Victor räusperte sich, weil der erste Versuch Nein zu sagen, ihm misslang. Seine Stimme hatte versagt.
      "Nein...Bitte...Tu das nicht...", er schob sich vom Bett runter und zu ihr runter auf den Boden. Er versuchte es so zu machen, ohne ihr dabei weh zu tun. Sobald er saß, konnte er sich an das Bett anlehnen und er nahm Nairas Gesicht in beide Hände. "Hör auf...knall mir doch lieber für...all das was ich tu...was ich sage...was ich nicht sage..."
      Mit seinen Fingern streichelte er über ihre Wange und ihm wurde wieder bitter bewusst, was diese Frau vor ihrem Krankenhausaufenthalt erlebt haben musste. Was sie als Kind erleben musste. Was für sie damals vielleicht sogar zur Normalität gehört hatte.
      Er lehnte sich vor und legte seine heiße Stirn an ihre Stirn.
      "Warum...trägst du...den Ring?", fragte er sie...Er hatte Angst vor der Antwort, aber er musste sie hören. Er wollte wissen, ob sie es wollte.
    • Naira O'Connor

      Es war zu spät, ihr Stolz war auf dem Stuhl sitzen geblieben und verharrte dort, bis sie ihn wieder zurück holen würde. Auch wenn Victor es schnell verstanden hatte und vor allem dagegen war, sie hatte es getan und es war gut so, denn es war der Anfang ihrer Versöhnung miteinander. Es würde ihnen beiden gut gehen, es würde ihnen gut tun, sich auszusprechen und es endlich hinter sich zu lassen.
      Der Rothaarige kam zu ihr runter, er führte das fort, was sie angefangen hatte und er gab Naira vor allem aber seine Nähe. Sie schmiegte sich direkt an die Hand an ihrer Wange, blickte in seine Augen und gab ihm das preis, was sie wirklich fühlte. Sie war am Ende, sie wollte sich endlich zurücklehnen und damit klar kommen, was sie erlebt hatte. Naira wollte eine Hand, die sie aus dem Nichts zieht, in welchem sie gefangen war und deshalb musste Victor handeln. "Ich.. Werde... dich nicht schlagen..", entgegnete sie und schluckte schwer, sie bekam das Gefühl, als würde sich ihre Kehle immer weiter zuschnüren. Als bekäme sie bald keine Luft mehr.
      Er kam ihr näher, Naira roch den Alkohol noch viel deutlicher, sie schloss dennoch ihre Augen für einen Moment und genoss die Nähe, die sie bekam. Ihre gesunde Hand strich zu seiner, sie hielt sie fest und wollte ihn nicht mehr loslassen. Victor stellte ihr eine entscheidende Frage, da öffnete die Frau ihre Augen wieder und sah zu dem Ring an ihrer linken Hand. Für einen Moment überlegte sie, was sie wirklich sagen wollte, es war nicht einfach für sie das auszusprechen, was damit passieren würde, wenn sie es aussprach. War sie bereit dafür? Ihre Augen musterten ihren Freund, sahen ihm in die Augen und ein Lächeln bildete sich auf Nairas Lippen. "Weil ich beschlossen habe, dass mein Nachname.. Nicht das ist, was ich will.. Oder auch weil ich mir erhoffe, weniger Stress zu haben, wenn ich deinen trage". Sie würde es nicht aussprechen, es müsste ihm reichen, dass sie frech wurde und ihr Lächeln breit auf den Lippen zu sehen war. Er war ein Idiot.. Ein Riesenidiot.
      "Weil ich deine Frau werden will.. Idiot..",sie sprach es doch aus, zu ihrer eigenen Verwunderung. "Wenn es noch aktuell ist".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Ein Schlag ins Gesicht hätte ihn aufgeweckt. Ein einfacher Schlag...mehr verlangte er doch gar nicht. Aber Naira wollte ihm das nicht antun. Sie war nett und vorsichtig mit ihm. Als sie ihn ansah sah er den großen Schmerz in ihr und wie ihr bereits alles weh tat. Nicht nur ihr Herz. Nicht ihr Körper. Ihrer Seele würde es gut tun, wenn er den Mist bei Seite ließ und sich nur noch um sie kümmerte. Für ein paar Monate aus denen dann Jahre werden würden und dann irgendwann wären es Jahrzehnte gemeinsam. Er ließ den Blick nicht von ihr. Ihre Nähe war eine Versicherung dafür, dass sie nicht gehen wollte, nicht gehen wird, bis er verschwindet. Endgültig und selbst wenn. Irgendwie bekam er den Gedanken nicht los, dass sie selbst dann immer noch an Ort und Stelle verharrt wäre. Victor folgte ihrem Blick wieder zum Ring und bemerkte das Lächeln auf ihren Lippen. Sie scherzte...Sie beide waren schon immer gut in ernsten Situationen einfach nur zu Scherzen, weil der Humor ihnen dabei half über die schwierigen Situationen hinweg zu kommen.
      Ihre Bewegründe mit einer Namensänderung weniger Stress zu empfinden, akzeptierte er sogar. Doch als sie endlich bestätigte, sie würde den indirekt gestellten Antrag annehmen, wurde Victor bewusst was er getan hatte. Er hatte ihr betrunken den Antrag gemacht, wahrscheinlich war er nicht einmal in die Knie gegangen, sondern hatte es ihr einfach so hingehalten. Er erinnerte sich nur noch Bruchstückhaft an sein Auftauchen in diesem Zimmer. "Du...sagst ja? nach....all dem?"
      Sie war ein Engel...Dass sie es immer noch mit ihm aushielt. Ihm kamen sogar die Tränen. Aus dem Nichts war er gerührt von ihren Worten und er konnte nicht anders, als sie unterdrücken zu müssen, in dem er sich vorbeugte und die Lippen auf ihre legte.
      "Danke...", hauchte er zwischen kleinen Küssen hindurch, "Danke dass du...mit mir umgehen kannst...Ich...liebe dich. Ja...doch...", er hatte nun nicht nur Schwierigkeiten mit der Rauigkeit seiner Stimme sondern definitiv mit den Tränen die sich durch bahnten.
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