[2er RPG] Cold, Lonely and Freezing

    • Naira O'Connor

      Unter dem kühlen Wasser versuchte es Naira ihre Gedanken in dem Griff zu bekommen und endlich einen freien Kopf zu haben. Zu viele Gedanken sammelten sich in dem kleinen Kopf, sie konnte sie einfach nicht alle in den Griff bekommen, am liebsten hätte sie einfach ihrem Kopf gegen die Fliesen geschlagen und somit eine Amnesie hervorgerufen, damit gäbe es vielleicht Ruhe. Doch sie tat es nicht, sie hielt sich zurück, denn ihr Freund wartete auf sie und allein für ihn versuchte Naira ihre Gedanken zu bewältigenund sich irgendwie in den Griff zu bekommen.
      Ihren Körper wickelte die Frau nach der Dusche in ein dickes Handtuch, um nicht die Narben und blauen Flecke auf dem Körper sehen zu müssen. Sie stellte sich vor den Spiegel, betrachtete den Heilprozess der Wunden im Gesicht, selbst noch die Handabdrücke ihres Onkels waren noch an ihrem Hals zu sehen. Ein Seufzer verließ ihre Lippen, bevor sie sich von ihrem Abbild mit den kurzen Haaren abwand und in das Schlafzimmer zurück ging. Ihr Freund empfing sie gähnend und für einen Moment, waren die schlechten Gedanken verschwunden und Naira am lächeln. Auch sie wünschte ihm einen guten Morgen, bevor sie zu dem Koffer ging und nach etwas zum Anziehen suchte. Sie war sich unsicher, ob sie wirklich vor ihm das Handtuch fallen und die Klamotten anziehen sollte, aber andererseits war sie sich nicht sicher, ob er sich nicht vielleicht verletzt fühlen würde, wenn sie aus dem Raum treten würde. Eigentlich gab es ihrerseits keine Scham, aber konnte er den Anblick ertragen?
      Bevor sie noch lange überlegen würde ließ Naira das Handtuch fallen und zog sich mit dem Rücken zum Victor an, er konnte noch immer wegsehen, wenn der Anblick für ihn zu viel war. "Wir laufen gleich etwa zehn Minuten.. Da können wir unten erst einmal in Ruhe frühstücken.. Ich würde mit Spike kurz raus, du kannst uns Plätze frei halten.. und nach dem Frühstück können wir den Mann aufsuchen..": Sie hatte den Kopf zu ihrem Freund gedreht und wollte sein Einverständnis dafür haben, wass sie vorgeschlagen hatte. "Wir können aber auch zusammen mit Spike raus..".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Das schlimmste, was man sich vorstellen konnte, war es, wenn man seine liebste Person sah, wie sie Schmerzen litt. Wie sie Angst hatte und wie ihr Körper Male von Missbrauch zeigte. Victor hatte eigentlich nicht darauf achten wollen, aber als sie rauskam und sich so ängstlich verhielt, kam es falsch vor nicht danach zu sehen. Sie ließ das Handtuch fallen, während er versuchte ebenfalls seine Sachen zusammen zu suchen. Er erinnerte sich an die Tage, wo sie ähnliches tat. Vor ihm her lief, das Handtuch fallen ließ und ihn dabei kokett und herausfordernd über die Schulter hinweg ansah. Aber jetzt war nichts der gleichen mehr davon zu sehen. Sie sah geschafft aus und es zerriss ihm einfach das Herz. Da war kein Gefühl, kein Verlangen mehr sie nackt zu behalten und fest an sich zu drücken.
      Ihre Worte drangen erst kurz darauf zu ihm durch und er nickte, fuhr sich durch die Haare und streckte noch einmal die Arme von sich: "Ja...Lass uns...gemeinsam mit Spike rausgehen. Dann gehen wir essen. wir haben doch Zeit...", Victor nickte noch bestätigend, bevor er selbst einen Abstecher ins Badezimmer nahm. Es war schwierig sie anzusehen und zu lächeln...er konnte es nicht, auch wenn er hoffte, dass er es eines Tages hinbekam. Einfach nur um ihr wieder jegliche Kraft geben zu können, die sie verdiente, um das durchzustehen.
      Etwa 10 Minuten brauchte Victor im Bad, bevor er wieder raus kam und ein wenig frischer war und sich frischer fühlte.
    • Naira O'Connor

      Er war schwach und das sah man ihm direkt an, weshalb Naira nicht anders konnte, als zu seufzten, als er das Zimmer verließ. Sie war eigentlich diejenige, die Zuspruch und vor allem auch eine Hand brauchte, die Sie halten konnte, aber Victor war fast nicht dafür zu haben, er musste selbst noch aus dem kalten Wasser befreit werden, in welches sie ihn reingeschmissen hatte. Naira musste für sie beide stark sein, wie musste sich und ihren Freund übers Wasser halten und am besten noch, aus diesem tiefen Becken rausholen, damit sie nicht untergingen, denn sie würden es mit Sicherheit tun, wenn sie nicht etwas dagegen tun würde. Aus diesem Grund entschied sie sich etwas zwar lockeres, aber dennoch langes anzuziehen, einfach nur um die Wunden zu verbergen, die ihr zugefügt wurden.

      Eine viertel Stunde nachdem Victor aus dem Bad gekommen war waren sie unten angekommen. Für Spike war es etwas neues, kein Schnee in Sicht zu haben und das erste Mal seit langem musste sein Frauchen ihn auch an die Leine nehmen. Es gab zu viele neue Hunde, zu viele neue Gerüche, aber auch daran würde sich der Hund gewöhnen.
      Naira steuerte einen Park an und hielt Spike mit ihrer Hand fest, die nicht gebrochen war. Zwar war der Gips schon wieder ab, aber eine Schiene hielt ihre Knochen in Position, der Bruch war zum Glück nur leicht gewesen, viel schwieriger sah es bei ihren Rippen aus, dennoch, Victor wollte sie Spike nicht geben, er sollte mit seinen Aufgaben klar kommen. "Ich habe so eine Wärme schon länger nicht mehr gesehen", kommentierte es die Frau, dabei war es noch immer Ende des Winters, aber hier wohl deutlich wärmer, man konnte sich ohne Jacke raus trauen. "Vielleicht sollten wir hier bleiben?".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Er hätte ihr gerne geholfen, aber ohne sie, hätte er bereits lange das zeitliche gesegnet. Er wäre auf und davon gewesen, wenn ihm keiner nahe gekommen wäre...Sie war der wahrliche Grund warum er noch über Wasser strampelte. Vielleicht investierte sie zu viel Kraft in ihn und dann auch noch vergeblich, weil er schon bald nicht mehr mit ihr bleiben wollte...Doch das konnte keiner der beiden wissen.

      Sie verließen das Hotel. Die Sonne in Oklahoma war wie immer stur und wärmte die winterliche Luft gut auf. Mehr als einen Cardigan oder einen einfachen Pullover musste sich hier keiner über die Schultern schmeißen. Trotzdem sah man die eine oder andere Person, die Winterstiefel ausgepackt hatte. Victor steckte die Hände in die Jeans, als sie über die Straße hinweg in den kleinen aber ordentlichen Park liefen. Er sah sich um, grummelte leise in sich hinein, wenn ihm jemand im Weg stand auf dem kleinen Fußgängerweg oder wagte es dann selbst mal aus dem Weg zu sehen.
      "Warum willst du hier bleiben?", warf er instinktiv ein, denn er hätte sich nicht vorstellen können in Oklahoma zu leben. Nicht, weil es groß anders war, als die anderen Städte, aber irgendwie war es noch nicht seins. Außerdem lebte ja ihr Vater hier. Ob sie bei ihm bleiben wollte, damit sie mal einen Familienteil hatte? Victor richtete die Schultern auf und seufzte laut stark: "Ich weiß nicht. Ich sag, wir schauen nach der Festnahme und deinem Gespräch mit deinem Vater weiter...Ein Neuanfang, Naira...Nicht...Irgendwohin, wo bereits einer ist oder war, der dich an die üblen Dinge erinnert..."
      Er lief neben ihr, den Kopf auf den Boden gesenkt.
    • Naira O'Connor

      Sie blieb stehen und runzelte die Stirn, war er jetzt allen ernstes dabei, ihr eine predigt darüber zu halten, was ein Neuanfang ist?
      "Es gibt hier niemanden, der mich an das alles erinnern würde.. Mein Vater wird nachher abgeführt und mitgenommen, dann wird es ihn hier auch nicht geben", erklärte sie, vielleicht ein wenig schärfer, als sie eigentlich wollte, aber dann lief sie auch weiter und hielt ihrem Hund, während sie wieder einmal in ihre Gedanken untertauchte. Sie gab Victor einfach noch die Zeit, sich wieder zusammenzuraffen und auf dem Boden der Tatsachen anzukommen, aber lange würde sie es nicht mehr aushalten. Eigentlich hatte Naira gehofft, auf fremden Boden könnte es besser laufen, aber bisher wurde es nur schlechter.
      Sie liefen weiter, bis sie an dem Park ankamen. Naira hatte über Victors Worte nachgedacht. "Du hast recht.. Wir werden nicht hier bleiben.. Hier sind definitiv zu viele Menschen".


      Eine Stunde haben sie tatsächlich gebraucht, bis Naira ihren Hund in den Griff bekommen hatte und mit ihm zurück konnte. Sie haben es aber noch zum Buffet rechtzeitig geschafft, Spike war oben im Zimmer und wartete, bis die beiden Erwachsenen fertig gegessen hatten. Mit einer Hand war es Naira nicht ganz so einfach das Tablett zu halten, aber solange es noch leer war gab sie sich die größte Mühe. Alles roch sehr frisch, die Auswahl war riesig und auch der Hunger meldete sich.
      In der Schlange auf den Kaffee und das Rührei wartend drehte sich die Frau zu ihren Freund nach hinten und sah zu ihm nach oben. Sie lächelte, bevor sie mit ihren Lippen die drei magischen Worte formte: "Ich liebe dich".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Dass sie ihn doch so hart anging, weil er eigentlich selbst einfach nur nicht in Oklahoma bleiben wollte, ließ ihn sogar zusammenzucken. Er sah sie an, merkte aber, dass Thema wohl auch schneller gegessen war, als es sein sollte. Er brummte in seinen Bart: "Hast ja recht...".
      Nachdem sie dann ein Stückweit gegangen waren, erhob wieder Naira das Wort. Victor war sogar erleichtert, nicht nur darüber was sie sagte, sondern dass sie überhaupt weiter mit ihm sprach. Er kam einfach nicht darüber hinweg...Sein Kopf fing an zu schmerzen und er glaubte zu denken, dass sich da etwas den Weg zu ihm bahnte. Nichts Gutes.
      "Hmpf...Dann darf ich dich nicht mit nach New York nehmen...Sonst überredest du mich vielleicht doch hier her zu ziehen...", Victor richtete sich ein wenig auf und warf einen blick auf die Menschen, die an ihnen vorbei gingen. Einer davon joggte sogar mit seinem Hund. Spike war natürlich der erste der den eigentümlichen Geruch eines fremden Vierbeiners in sich aufnehmen wollte. Doch der Jogger gab seinem pelzigen Freund nicht die Chance dazu. Wollte den Puls wohl aufrecht erhalten.

      Nachdem Spazieren brachten sie Spike nach oben und gingen runter in das Restaurant. Sie stellten sich direkt an das Buffet, schnappten sich Tabletts und warteten darauf, dass sie als nächstes hungrig ihr Rührei schöpfen durften. Victor überlegte noch ob er sich Orangensaft holen sollte, drehte aber den Kopf in dem Moment um, als ihn Naira ansah und ihm sagte, dass sie ihn liebte. Er konnte es nicht kontrollieren, als in dem Moment sein Blick kaum Freude ausstrahlte. Er war irritiert und überrascht darüber, dass sie ihm das nun aus heiterem Himmel sagte, trotzdem beugte er sich vor und küsste sie. Das sollte seine Erwiderung darauf sein. Dann ging er mit ihr vor und nahm den ersten Teller mit Rührei und Speck und nahm auch den zweiten. Schließlich übernahm er auch das Tablett von Naira und seufzte leise: "Ich denke ich muss nicht erklären, warum ich das tue. Du kannst deinen Kaffee halten, ja?", er brachte so etwas wie ein schmales, aber müdes Lächeln zustande, bevor er mit ihrem und seinem Essen zu einem zweier Tisch am Rande des Saales ging.
    • Naira O'Connor

      Er zuckte nicht einmal mit der Wimper, als sie ihm in voller Öffentlichkeit ihre Gefühle deutlich machte, nicht einmal ein Ansatz von einer Freude war auf seinen Lippen vorhanden. Naira bekam zwar einen Kuss,lächelte auch danach, aber in ihrem Innern brach für sie etwas zusammen, was von großer Bedeutung war. Nicht einmal der Kuss hatte sich so angefühlt, wie es vorher immer tat und so langsam kamen der Frau die ersten Zweifel, dass sie vielleicht doch nicht das Richtige getan hatte. Innerlich brach eine kleine Welt für sie zusammen.
      Sie gab kein einziges Zeichen von Protest, als ist Freund ihr Tablett abnahm, sie hatte zwar keinen Gips mehr am Arm, aber eine Schiene und durfte den Arm trotzdem nicht allzu sehr belasten. Sie trug einfach ihren Kaffee mit zum Tisch rüber und kämpfte mit dem Gedanken, was gerade passiert war. Brach etwa alles auseinander?
      Die Zeit im Krankenhaus war definitiv anders gewesen, vor allem deutlich liebevoller, aber sie ermahnte sich wieder einmal mehrmals: "Gib ihm die Zeit, die der Mann braucht". Deshalb setzte sie auch ein freundliches Lächeln auf, als sich die beiden hingesetzt haben und wünschte ihrem Freund guten Appetit. Noch bevor Naira jedoch mit ihren Essen anfangen konnte virbierte ihr Handy. Sie bekam noch immer leichte Panikattacken, wenn es virbierte, auch wenn sie sich eine neue Nummer zugelegt hatte, dennoch sah sie drauf. "Ramirez landet in etwa zwei Stunden.. Wir haben also genug Zeit um ihn aufzufinden und zur Rede zu stellen".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Er wollte nicht so fies sein, er wollte sich anstrengend und für sie da sein. Doch alles wandelte sich dazu, dass nach all diesen Tagen im Krankenhaus, all die betrunkenen Tage bei sich daheim, ihm wieder hoch kamen und er keine Kraft fand. Woher auch? Er kam ihr hinterher, er ging mit und wollte nicht fort von ihr, aber für welchen Preis? Er hatte einfach keinen Grund in Anchorage zu bleiben. Den Job wollte er nicht mehr und ob er jemals wieder anfing stand ja wohl in den Sternen. Nach ihrer Reise konnte er sich wieder einem Job widmen...Wenn er Glück hatte. Aber dieses aus dem Nichts...Davor hatte er es immer auf eine Art erwarten können, dass sie es ihm sagt oder er war zu müde, um böse zu sein. Auch Victor merkte das etwas nicht stimmte. Etwas ganz gravierendes. Dabei wollte er es nicht.

      Sie setzten sich gemeinsam und fingen an zu essen und Naira setzte wieder dieses Lächeln auf, während in ihren Augen noch immer der Schmerz vorherrschte. Er kannte dieses Lächeln. Erinnerte ihn an die ersten gemeinsamen Tage, an denen er nicht mit ihr zusammen arbeiten wollte. Als sie ihr Handy herausholte, war auch er bereits wieder im Alarmmodus, nicht gehen. Nicht schon wieder. Doch es gab Entwarnung, denn es ging dabei lediglich um Ramirez, die wohl bescheid gab, dass sie schon bald landete. Victor nickte, stopfte sich lieber eine Gabel mit Rührei in den Mund und aß einfach zu Ende.
      Nachdem er zu ende gekaut hatte, sah er zu Naira auf und musterte sie eigenwillig: "Ich...kann zwar nicht voll dahinter stehen...Aber die Aussprache wird dir gut tun und diesmal...bin ich dabei...egal wo und egal wann. Lass mich einfach nur daneben sein. Für den Fall..."
      Mehr forderte er gar nicht von ihr.
    • Naira O'Connor

      Sie sah auf, als sie die Worte ihres Freundes hörte und seufzte innerlich. "Ich würde da nicht ohne dich hingehen.. Auch wenn es nur mein Vater ist und er mir nie im Leben etwas tun würde.. Ich kenne den Mann ein wenig, auch wenn ich ihm vieles nicht zugetraut hätte, er hat mir genug angetan und das weiß er auch.. alleine aus diesem Grund würde er nichts machen, so wie ich ihn kenne.. Wird er nicht einmal Widerstand leisten, wenn sie ihn festnehmen..". Das schlimmste war vorbei, jedenfalls körperlich, denn seelisch war noch lange nicht alles gut. Nairas Gefühle hingen an einem seidenen Faden und sie steckte noch immer sehr viel zurück, obwohl sie es eigentlich nicht sollte.. Aber sie tat es schon länger, sie tat es vor allem schon lange, seit dem ihre Vater sie verlassen hatte, vielleicht noch viel früher.. Denn DIe Frau suchte sich natürlich nur genauso kaputte Freunde und Partner aus, um vielleicht nicht alleine mit dem Schmerz zu sein, aber dabei vergaß sie sich und ihre Probleme, was meistens nicht gut endete, wie es bisher aussah.
      "Vic.. Ich will dich wirklich dabei haben.. außerdem würde ich dich gerne meinem Vater vorstellen, weil ihr scheiße viel gemeinsam habt.. und wer weiß, wann ich den Mann wiedersehe.. Ich kann ja nicht irgendwann mit seinen Enkelkindern auftauchen, ohne ihm dich vorher vorgestellt zu haben..". Es war ein Scherz, jedenfalls sollte es einer werden, dies verriet der neckische Unterton in ihrer Stimme, während sich die Frau den Kaffee nahm und ihren Freund ansah. Sie würde sie beide retten, koste es was es wolle.

      Eine gute Stunde später hielt Naira nervös den Zettel mit der Adresse in der Hand. Sie war aufgeregt, wusste nicht wirklich, was sie ihrem Vater hätte sagen wollen, wenn sie vor ihm stehen würde, aber sie war sich sicher, dass sie das Richtige sagen wird. "Wir sagen ihm erst einmal nichts, von dem Tod von Thomas.. ich habe irgendwie einen Plan, wie ich ein Geständnis aus ihm raushole..". Natürlich war Naira mit einem Mikrofon ausgestattet, sie arbeitete eng mit Ramirez und der Polizei in Oklahoma, sie brauchte ein Geständnis und damit wäre alles wieder gut gewesen.
      Die Dunkelhaarige zeigte auf die Tür auf der anderen Straßenseite, die die Hausnummer enthielt und sah sich mehrmals um, bevor sie mit Spike an ihrer Hand die Straße überquerte. Der Nachname stand an einer der Klingel, dafür musste die Frau kurz Luft holen. "Du klingelst und sagst, dass du ein Paket hast.. Er könnte meine Stimme erkennen..". Sie drehte sich um und betrachtete ihren Freund mit einer kleinen Angst in ihren Augen. Ihren Vater sah sie gewiss bestimmt schon keine sechs Jahre mehr, aber ob er wirklich hier wohnte? Und ob er wirklich da sein würde?
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Victor nickte lediglich. Naira nahm ihn mit. Und auch wenn sie beteuerte, dass ihr Vater ihr nichts mehr tun konnte oder sie es nicht glaubte, konnte Victor eben genau das nicht. Ihr Vater war der Grund für Thomas Nähe, für die ganze Entwicklung und dass Thomas so fixiert auf sie war. Naira konnte ihm nicht erzählen, dass ihr Vater nicht eine gewisse Abneigung zu seiner Tochter gehabt hatte. Oder Angst davor...Der Mann musste unglaubliche Angst haben vor ihr. Victor brummte und hatte sich noch im selben Moment verschluckt. Es war nicht ihre Meinung, dass Victor und ihr Vater viel gemeinsam hätten, sondern dass sie von Enkelkindern sprach. Es war wie ein Schlag mit dem Stuhl und er schüttelte heftig den Kopf, bereit zu fragen: Wie, was? Doch erst im Nachhinein verstand sein Gehirn, dass sie das als Witz machte. Victor lehnte sich zurück: "Mach nicht solche Witze...So oft, wie ich kein Kondom dabei hatte...", sagte er leise und beugte sich über seinen Teller auf denen er die Reste nur bei Seite schob und sich ebenfalls den Kaffee nahm.
      Enkelkinder...Sie meinte es als Witz, aber sie implementierte damit bereits ihr Vorhaben ihren Vater möglicherweise zu besuchen. Auch wenn er ihr all das angetan hatte. Victor konnte es nicht verstehen. Aber das lag möglicherweise einfach nur an der Art, wie er mit seiner Familie auseinander gegangen war.

      Eine Stunde später stand Victor mit einer aufgeregten und nervösen Naira am Wohnhaus, in dem ihr Vater wohnen sollte. Sie hatten sich in der kurzen Zeit mit der Polizei von Oklahoma City verständigt und diese wartete lediglich auf Abruf, um loszufahren. Keine 2 Minuten, hatten sie gesagten, brauchen sie vom Revier zu der besagten Adresse.
      Victor war weiterhin an Nairas Seite und als sie meinte er solle Klingeln, nickte er lediglich. Aber er ließ sich Zeit. Denn bevor er es tat hatte er überlegt wie er sie beruhigen konnte, schließlich bekam er sowas wie ein halbwegs herziges patten auf die Schulter hin: "Du kriegst das hin.", sagte er noch und wusste im selben Moment was für eine Katastrophe das gerade war.
      Mit einem Räuspern klingelte Victor. Lange ging niemand ran, also klingelte er noch einmal. Auch dann brauchte es eine gefühlte Ewigkeit, doch schließlich knackte die Leitung und man hörte eine rauchige und knisternde Stimme am anderen Ende, die man schwer verstand. Allein von der Tonlage her, merkte man dass derjenige nicht gestört werden wollte.
      "Ein Paket für Sie."
      "Was?"
      Victor schnaubte genervt und trat näher an die Freisprechanlage: "Ein Paket! Machen Sie auf..."
      "Ich habe nichts bestellt."
      "Ja und es ist trotzdem Ihr Name darauf."
      Die Anlage knackte nocheinmal und Victor glaubte den Mann verscheucht zu haben, doch er schien sich ergeben zu haben, denn im nächsten Moment summte die Tür ganz laut.
    • Naira O'Connor

      Sie verfluchte in dem Moment, dass sie ihren Freund mitgenommen hatte, in welchem er ihr sagte, dass sie das hinkriegen würde. Es war eine reine Katastrophe, es brachte vor allem die Frau noch mehr dazu, innerlich zu zerbrechen, aber sie hielt ihre Fassade weiterhin standfest und wartete, bis Victor klingelte. Es dauerte zwar einen Moment, aber die Tür ging auf und Naira drückte die Tür, um sie zu öffnen. Sie betrat das alte Gebäude, machte die ersten Schritte in das Treppenhaus. Es war heruntergekommen, die Treppen bestanden aus einem Massivholz, sahen aber nicht ganz so stabil aus. Dennoch, die Frau hörte in der oberen Etage eine Tür aufgehen und bewegte sich die Treppe nach oben. Es dauerte zwar ein wenig, aber der Mann Mitte Fünfzig erkannte auf der letzten Treppe, wer vor ihm stand. Naira hielt an, sie sah zu dem Mann, der ein wenig grauer geworden ist, bevor sie seufzte. "Hi, Dad..", murmelte die Frau und blickte zu dem versteinerten Mann. Er konnte seinen Augen nicht trauen, was da wirklich vor ihm stand, es war seine Tochter.. Sein Fleisch und Blut.
      "Pocahontas..", murmelte der Mann, aber bewegte sich keinen Stück vom Fleck.
      "Wir müssen reden, Dad".

      Keine fünf Minuten später stand Naira in seiner Wohnung, mit ihrem Hund und ihrem Freund neben sich. Ihr Vater blickte ein wenig fragend zu dem Mann neben seiner Tochter, bevor er sich die Wunden der Frau ansah. "Das ist Victor.. Dad.. Victor Parker.. Mein Partner und mein.. Freund", sie zeigte zu ihrem Freund, bevor sie ihren Vater weiter ansah. "Was ist passiert..?". Sie verstummte für einen Moment, bevor ein Lachen aus ihre Kehle drang. Es war ein lautes, vor allem ironisches Lachen, sie ließ das raus, was in ihr gesteckt hatte, die ganze Wut und Enttäuschung. "Er hat es mir angetan.. Er.. Verfickt noch einmal er!", es brauchte keinen Namen, damit der Mann verstehen kann, wer gemeint war. Er hielt stumm, setzte sich und fuhr sich durch das Gesicht. "Ich weiß alles Dad.. Und nun will ich es von dir hören, die Wahrheit.. Du hast alles getan, was er wollte stimmts? Du hast es zugelassen, dass er mich anfässt! Du hast zugesehen, wie er mich gequält hat und bist gesprungen, wie ein Hund! Warum Dad?! Warum? ".
      Bei der lauten Stimme war sogar Spike aufgestanden, um sein Frauchen zu beschützen. " Du hast es nicht einmal geschafft, ihn aufzuhalten! ".

      "Ich konnte verdammt nochmal nichts tun! Er hatte mich in der Hand! Verfickt nochmal".
      Der Mann erhob sich und warf den Stuhl um, auf dem er gesessen hat.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Wahrscheinlich wäre er immer noch bei ihr gestanden, auch wenn sie ihn verflucht hatte. Auch wenn sie ihm gesagt hätte, dass sie kein Interesse an ihm oder seiner Nähe hatte. Ihr Leben...Sein eigenes Leben verdankte er ihr und ihrem selbstlosen Handeln, als sie einfach sich in die Hände des Mörders begeben hatte. Victor ließ seiner Freundin und Spike den Vortritt. Er lief direkt hinter ihr. Die Tür fiel laut hörbar ins Schloss, während weiter oben sich eine nach mehrmaligem Drehen und Klappern eines Schlosses aufmachte.
      Im zweiten Stock standen sie dann da. Der Mann wurde kreidebleich, bevor er realisierte, dass es seine Tochter war und sie erst nach mehrmaligem nachdrücklichem Zwingen in seine Wohnung ließ.
      Victor folgte stumm. Immer wieder sah er zu Naira und hoffte, dass sie an diesem Treffen nicht zerbrechen mochte. Sie war so...zart und schmächtig. Warum...und doch war sie rein vom Kopf viel stärker als er selbst.
      Victor verschränkte die Arme vor der Brust, gab weder ein Hallo oder sonstiges von sich, als sie ihn vorstellte. Victor konnte nicht ganz nachvollziehen, warum sie noch so positiv gegenüber diesem Mann eingestellt war, dass sie mit ihm reden wollte.
      Und dann fing es an. Naira ließ alles was beide Männer nicht wussten aus sich heraus und sie unterstellte und warf ihrem Vater alles vor. Er musste ihr zuhören und konnte nirgends hin. Spike wurde ganz unruhig, weil Naira nicht aufhörte und Victor ließ die Arme locker, spannte die Schultern an, als ihr Vater plötzlich aufstand. Der Stuhl krachte auf den Boden und er erhob die Stimme. Victor trat sofort vor und hob beschwichtigend die Hände, aber mit einem ernsten Blick: "Setzen Sie sich wieder. Kein Grund aufzustehen."
      Der Mann war nicht bereit sich einfach hinzugeben, er ignorierte Victor, was dem rothaarigen sichtlich egal war. Auch wenn es bereits ein wenig unter der Oberfläche kratzte.
      "Setzen Sie sich wieder. Und kommen sie Detective O'Connor nicht näher...", Victor hob den Stuhl auf und zwang den Vater sich wieder zu setzen. Victor wollte sicher gehen, dass Naira alles an ihm auslassen konnte, was er verdient hatte...
    • Naira O'Connor

      Ihr Vater setzte sich widerwillig auf den Stuhl und fuhr sich übers Gesicht, während er sichtlich nachdachte. "Du hast dir einen Laufhund angeschafft", kommentierte der Mann und meinte damit ganz sicher den Rothaarige an ihrer Seite, aber darauf wollte sie sich nicht einlassen. "Er heißt übrigens Spike..", kommentierte es Naira und triumphierte innerlich, den kleinen Sieg über ihren Vater, der sie für einen Moment mit gerunzelter Stirn musterte. Er verstand aber dann doch, was die Frau meinte. "Du traust dich nicht einmal, ohne einen Handlanger bei deinem Alten aufzutauchen.. Das du beschützt werden muss, dass habe ich dir ganz sicher nicht so beigebracht!". Es fing wieder an und in dem Moment verstand Naira wieder, warum sie ihren Vater eigentlich verabscheute. Sie kaute nachdenklich an der Innenseite ihrer Wange und ließ sich von den Worten nicht wirklich beeindrucken.
      "Er ist tot, Dad", es wunderte sie, dass sie ihn noch immer so nannte. Der Mann sah verwundert auf, er brauchte einen Moment, um es zu realisieren, was sie gerade gesagt hatte. "Wie..?". "Ich habe ihn mit meinen eigenen Händen erledigt.. Ganz wie mein Daddy es mir beigebracht hat...wer nicht hören will wird fühlen.. Oder wie hieß es immer?".
      Sie hatte schnell gemerkt gehabt, dass es keinerlei Eindruck verschaffte, wenn sie ihre Wut einfach rauslassen würde. Das erste Mal traute sie sich ihm näher zu kommen, sie vor ihn hinzustellen und sich zu ihm runter zu beugen. "Das Spiel ist aus.. Ich habe es beendet.. Und du wirst mir sagen, wie es überhaupt angefangen hat..". Die Haare fielen Naira ins Gesicht, aber es zeigte Wirkung, dass sie die Oberhand an der Unterhaltung gewonnen hatte. Der Mann brauchte einen Moment, aber er sprach er ließ es raus und zum ersten Mal in ihrem Leben erlebte sie den Mann so emotional, wie noch nie.

      Ramirez hatte sich irgendwann unten positioniert und konnte bei manchen Worten nicht glauben, was sie da hörte. Sie hatte die Treppe nach oben genommen und war durch die halb offene Tür in die Wohnung gekommen, es war von draußen deutlich zu hören, um welche es sich handelte. Es rührte sie, sie wurde verletzt, Naira ebenfalls, aber sie zeigte es noch nicht wirklich. Für einen Moment lehnte sie sich weiter vorn, um ihrem Vater was bedeutsames ins Ohr zu flüstern: "Du warst Mal ein Vorbild für mich.. Ich habe dich gesucht und jetzt.. Ergibt jeder Satz aus deinen Briefen endlich einen Sinn..". Sie stellte sich wieder auf und betrachtete ihren Vater noch immer. "Ich kann es nun vollkommen verstehen, warum Mom dich hat sitzen lassen.. Aber ich kann nicht verstehe,was Sophie in dir sah.. Ich sehe es nämlich definitiv nicht".
      Damit fiel das Mikro quasi und Naira drehte sich um, um sich mit einem Pfiff nach Spike einen dramatischen Abgang zu leisten. Victor würde ihr folgen, dessen war sie sich sicher, aber sie musste raus, solange sie die Tränen vor dem Mann zurückhalten konnte, der quasi für ihr ganzes Leiden verantwortlich war.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Victor brummte unzufrieden. Das konnte er nämlich nicht zurückhalten, als man ihn als Laufburschen bezeichnete. Aber Naira wusste es zu lösen. Wie immer. Sie war nun einmal sein Schwert und er versuchte einfach nur ein Schild zu sein für sie...Ein ziemlich beschissenes Schild, aber ihr Vater hörte auf ihn, setzte sich und das auch ohne Androhung einer Waffen. Wie es schien war der graumelierte Mann aber sehr verständnisvoll und erzählte seiner Tochter alles. Er sprach über die Vergangenheit, um das Wenn und das Aber und vor allem das Warum er es tat. Alles nur aus seiner Sicht. Was Victor dann interessant fand aber, war sein versuch das alles so wenig wie möglich zu bewerten. Trotzdem verfiel er oft in Phrasen. Er wollte es ihr nicht antun, er sei bereit alles noch einmal zu tun...Dann hörte er auf und sprach darüber, wie Leid er allen Leuten eigentlich tun sollte. Victor konnte es nicht vermeiden hin und wieder das Gesicht zu verziehen. Aber umso öfter achtete er auf Naira und ihre Lage, ob sie es durchhielt. Und sie tat es. Bis Sophie Ramirez durch die Türe kam. Victor sah zu ihr auf und musterte sie unberührt. Sie war müde, aber verletzt, ebenso wie Naira es war, die ihre Schmerzen aber noch herunter schlucken konnte. Wobei das wohl eher würgen war...

      15 Minuten später stand er mit ihr unten. Spike schnüffelte an einem kleinen Fleck Gras herum und kehrte dann mit wachsamen Augen wieder zu Naira zurück. Victor legte den Kopf schief. Ob er was sagen sollte, konnte er nicht so recht einschätzen. Ein abfälliger Kommentar war ebenso wie Humor fehl am Platz. Er blieb also still, grummelte unzufrieden wie sonst und sah auf den Boden zu seinen Füßen. Endlich froren sie nicht. Die Vereinigten Staaten waren um so viel angenehmer...
      Victor kratzte sich am Kinn, bevor er sich nach einer langen Pause an Naira wandte: "...Sollen wir ins Hotel zurück?"
      Er konnte ihr nicht vorschlagen sich abzulenken mit Restaurants, Essen oder gar einem Kinofilm möglicherweise. Seine Option war es schließlich persönlich sich immer zu vergraben und zu hoffen, dass diese Dunkelheit aus dem Kopf und aus der Brust wieder verschwand.
    • Naira O'Connor

      Ihre Welt wurde in nur wenigen Tagen komplett zerstört. Nicht nur, dass der Psychopath ihr Onkel war, es war auch der Mann, der ihr eigentlich das Leben wirklich zerstört hat, der Mann, der sie mehrmals vergewaltigt und vor allem verprügelt hat und zu alldem war es noch ihr Vater, der dem allen zugesehen hat, aus Angst, er könnte seinen Ruf verlieren. Aber genau dieser Typ war auch derjenige, der es schaffte, während seines Geständnisses Naira ihre Schuld zu geben und sie wieder einmal auf ihre Fehler hinzuweisen. Am liebsten hätte sie wirklich zu einer Zigarette gegriffen, denn damit würde sie ihre Nerven beruhigen und es vielleicht verhindern, in der nächsten Zeit zusammenzubrechen. Aber sie hatte keine Zigaretten parat und so wie Victor aussah würde er dem sicherlich nicht zustimmen.

      Er sagte zunächst kein Wort, bemühte sich nicht einmal seine Freundin in den Arm zu nehmen und ihr die nötige Liebe zu geben, die er hätte geben sollen. Letztendlich schlug er vor ins Hotel zu gehen, dazu nickte die Dunkelhaarige und pfiff ihren Hund zu sich, um den Weg zum Hotel anzustreben. Sie schwieg den Weg über und musste sich wirklich bemühen, nicht daran zu denken, wie hilfreich ihr Freund eigentlich die letzten Tage war. Er musste zwar mit seinen Problemen irgendwie klarkommen, aber warum ausgerechnet war es wieder einmal Naira, die sie beide auffangen musste? Warum konnte er nicht ein einziges Mal ein Mann sein und das tun, was er hätte tun sollen? Sie auffangen und ihr endlich das Gefühl zu geben, dass sie sich keine Sorgen machen sollte? Er schaffte es inzwischen nicht einmal, richtig mit ihr zu sprechen. Im Hotel fasste die Frau den Mut, es anzusprechen:
      "Ist alles ok bei dir?".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Die Stimmung zwischen den beiden war vollkommen im Eimer. Bei Naira konnte er es ja verstehen. Sie hatte Brocken zu schlucken, aber sie wollte es so haben. Sie wollte sehen wie ihr Vater die Wahrheit aussprach und ihr einfach nur gestand, was er die letzten Jahre alles verbrochen hatte. Nur um das Gesicht zu wahren.
      Victor selbst...er lebte mit dem Schmerz, der sich verankert hatte. Dieses ewige Pochen, die ewige Angst und Depression. Die krallte sich an ihn und auch wenn er die letzten Wochen bei ihr gewesen war, so viel er konnte und nicht wich von ihrer Seite, wurde es nun schwierig. Er wusste nicht wie er reagieren zu hatte. Hoffte, dass es sich legte. Aber das tat es nicht.

      Gemeinsam liefen sie still nebeneinander. Kurz kam ihm die Idee ihre Hand in seine zunehmen, aber er ließ es dann doch bleiben. Er konnte nicht sagen was es war, es störte ihn aber ebenfalls. Nur hätte er es nicht gesagt. Nein, es war nicht seine Zeit zum Heulen. Sie kamen im Zimmer an und er ließ die Schuhe in der Ecke liegen, ging ins Bad und wollte sich die Hände, als auch das Gesicht waschen. Als er wieder kam, stellte Naira ihm diese Frage...
      Victor sah sie an und seufzte. Ein unheimlicher Druck bildete sich auf seiner Brust: "Ich weiß nicht...ist bei dir alles in Ordnung?", er warf die Frage ohne sie zu beantworten wieder zurück an sie. Er trat nicht aus dem Flur raus, sondern legte die Hände zusammen und lehnte sich an die Wand.
    • Naira O'Connor

      Seine Antwort war nicht eindeutig, aber irgendwie brachte sie Wut mit sich und ließ Naira ihre Stirn runzeln. Sie war sich nicht sicher, ob sie es wirklich hätte ansprechen sollen, aber da sammelte sich einfach viel zu viel in ihrem Innern und um ehrlich zu sein, es tat ihr gut, als es endlich raus war:
      "Ich weiß nicht..", antwortete sie genauso, wie es ihr Freund gemacht hat. Sie runzelte ihre Stirn noch mehr und betrachtete den Mann, bevor sie fort fuhr: "Aber irgendetwas muss los sein, weil ich mir anders dein Verhalten nicht erklären kann.. Habe ich.. Irgendetwas falsch gemacht? Oder was gesagt? Irgendwie muss was dahinter stecken".
      Die Worte waren ausgesprochen und waren nicht mehr zurückzunehmen, jetzt musste Victor sich endlich wie ein Mann benehmen und dazu stehen, was sein Problem war. Allein, wenn sie die letzten Tage zusammenfasste konnte Naira gut verstehen, warum ihr Vater ihren Freund als ihr "Anhängsel" bezeichnet hatte. Was anderes war er doch inzwischen nicht mehr.. Die Frau zweifelte. War es wirklich eine gute Entscheidung gewesen, für ihn ihr Leben aufs Spiel setzen?
      "Und wenn du dich jetzt rausreden möchtest.. Dann kannst du gleich gehen..".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Victor rieb die Handflächen gegeneinander und hielt die Luft an. Sie wusste auch nicht was los war. Dabei war sie es doch, die eher Anregungen hatte um alles falsch zu finden. Sie musste sich auskotzen, sie hatte schließlich ihre Vergangenheit hinter sich nun gebracht. Sprach mit ihrem Vater und noch im selben Monat hatte sie den Mörder getötet, der sie beide seit Monaten terrorisiert hatte. Victor schnaufte und schüttelte den Kopf. Er konnte nichts gegen das Lächeln tun was sich auf seinen Lippen wegen der Situation abbildete. Sie sagte ihm deutlich, dass sie die Unruhe bemerkte, dass es etwas geben musste, warum er sich nicht mehr so sehr um sie kümmerte. Im Krankenhaus war es noch einfach. Es war ein Ziel. Nun fühlte er sich verloren...Nicht fähig hinterher zu kommen. Lieber würde er hier sitzen bleiben. Nicht direkt hier, vielleicht lieber wieder nach Brooklyn zurück und dort bleiben...Als sie dann meinte er solle gehen, wenn er sich rausreden wollte, musste er fragend aufsehen: "Gehen?...", wiederholte er und legte die Stirn ebenfalls kraus.
      "Ist das dein ernst...ich warte Wochen darauf...nachdem du verschwunden bist...Fuck, Naira...Ich weiß nicht was los ist...ich...ich fühl nichts gerade...das ist zu viel irgendwie.", nun brach es aus Victor doch heraus und er versuchte es ihr zu erklären, auch wenn ihm sichtlich die Worte dafür fehlten. Schließlich war er nie so rhetorisch bewandert.
      "Keine Ahnung...Ich dachte nur, das wars. Wir gehen und...irgendwie...Ich renne hinterher, habe immer noch das Gefühl, dass du nicht alles mit mir teilst, was da in dir los ist..."
    • Naira O'Connor

      Sie gab ein Lachen von sich und schüttelte gleichzeitig den Kopf, während sie nicht fassen konnte, dass sie an der Situation schuld sein sollte. "Du checkst es echt nicht.. Victor.. Kann es sein?", es war eher eine rhetorische Frage, die sie ihm stellte, sie erwartete keine Antwort, sie wollte ihn lediglich ein wenig wach rütteln. "Ich habe mein scheiß Leben für dich geopfert.. Für uns.. Ich kann es verstehen, wenn du ein klein wenig böse bist.. Und vielleicht auch sauer.. Ich kann es vollkommen nachvollziehen, dass du verletzt bist, oder damit nicht klar kommst.. Aber was soll ich sagen? Ich halte alles fest in mir, um dich übers Wasser zu halten, während ich versuche, mich ebenfalls oben zu halten..". Ihre Stimme war noch relativ ruhig, noch. " Du hast es bisher nicht ein Mal geschafft, mir Zuspruch zu geben und mich wenigstens ein einziges Mal zu unterstützen...stattdessen höre ich mir jedes mal an, wie Scheiße meine Ideen sind und wie wenig du dazu stehst.. Ich habe jedes Mal zu dir gehalten.. Jedes verfickte Mal, wenn du Scheiße gebaut hast.. Fuck man.. Selbst als du mich geschlagen und ich dich ausgenockt hatte.. Als mein Bein geblutet hat und du mich ins Krankenhaus bringen solltest.. Selbst da musste ich dich aufrappeln, weil du es nicht geschafft hast, mir zuzustehen..".
      Es haben sich Tränen in ihren Augen gebildet, Naira kämpfte schon länger nicht wirklich damit, seit dem sie heulend Victor angerufen hatte." Mein Gott.. Ich wurde von einem Psychopathen vergewaltigt, verprügelt und psychisch Zerstört.. Und trotzdem muss ich dich übers Wasser halten, weil du es nicht schaffst mit mir zu reden! Wenn du nichts für mich fühlst dann geh.. Verpiss dich! Es ist ja scheinbar egal, ob du da bist oder nicht, denn du bist sowieso keine große Hilfe! Genau deshalb habe ich dir nichts erzählt! Weil du keine fucking Hilfe bist! Ich bin mehr Mann als du!". Jetzt war sie laut geworden aber jetzt war auch alles gesagt, was sie festgehalten hatte.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Ihre Worte waren ehrlich. Sie war wütend und traurig und das zu recht. Victor versuchte etwas zu entgegnen, aber im Endeffekt konnte er nur mit offenem Mund da stehen. Er half ihr nicht...Sie musste ihn oben halten. Das war die Wahrheit, das war das Gefühl, dass er bereits seit Tagen in sich trug. Diese Trägheit, die Dunkelheit, die an ihm zerrte. Victor schüttelte den Kopf und senkte den Blick, als er die Tränen in ihren Augen sah.
      "Keine Hilfe, ja? Wie soll man denn helfen, wenn du einfach gehst! Du nimmst das in die Hand. Selbst. Es war deine Entscheidung zu ihm zu gehen!", diesmal war er es, der die Stimme hob, aber er wagte es nicht aus dem Flur zu gehen und damit auf sie zu. Ihre Worte schmerzten. Sie rissen blutige Wunden und der Druck wurde höher. Er füllte seine Brust zum Zerbersten.
      "Ich habe dich außerdem nicht darum gebeten wegen mir zu ihm zu gehen! Du wolltest hin, allein du!", er zeigte dabei mit dem Finger aus sie, "Ich hatte nur eine verfickte Minute gebraucht... fuck...Eine scheiß Minute...hätte Ramirez nur nicht angerufen. Wäre...", er brach ab. Ihr das zu erzählen wäre weder klug noch förderlich gewesen. Deswegen drehte er sich um und zog sich seine Schuhe wütend wieder über die Füße: "Du willst sehen, wie ich gehe? Bitte...Leb hier. Wenn ich zu schwach für dich bin...Dann lass mich endlich absaufen! Lass es sein...Mach deine Reise alleine...", er konnte ihr nicht einmal etwas vorwerfen. Er hatte keine Argumente, nur dieses doofe Gefühl von Schmerz und Unverständnis. Er liebte sie, das tat er. Aber wie konnte er ihr helfen,wenn ihre Worte und ihr Handeln ihn jedes Mal aus der Bahn warfen.
      "Ich verpiss mich." und damit wandte er sich ab, nicht bereit sie noch einmal anzusehen. Es war zu viel. Er knallte die Tür hinter sich zu und ging einfach. Er wusste nicht wohin, aber er ging runter ins Foyer, aus dem Hotel und bog die Straße ab, um einfach zu verschwinden...er brauchte sie nicht. Nicht so...er wollte nicht derjenige sein, der sie mit runterzog. Nur weil er da war...
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