[2er RPG] Cold, Lonely and Freezing

    • Alex hinten auf die Rückbank zu setzen war wie eine automatische Gegebenheit, eine Voraussetzung dafür, dass er mitfahren durfte oder besser gesagt sollte. Victor setzte sich, weil auch er derjenige war, der die Schlüssel geholt hatte, hinter das Lenkrad und gewöhnte sich erst einmal an den neuen Wagen. Es war auch noch ein Volkswagen, ein deutscher Wagen und damit sehr teuer und hoffentlich auch genau so gut gebaut, wie man es den Deutschen immer nachsagte.
      Victor kontrollierte erst alles, bevor er überlegte und hinten im Wagen checkte ob die Schneeketten dabei waren. Aber der Wagen war komplett ausgestattet mit einer Lichtanlage auf dem Dach und einem Gepäckträger, sowie Schneeketten und all der andere Kram, den man bei einem Unfall haben könnte. Sobald es gecheckt war, kam Victor wieder vor und fuhr den Wagen auf die Straße raus. Er war um ein paar Zentimeter größer als Nairas, aber man merkte es trotz allem.
      "In Brooklyn kannst du so einen Wagen in die Tonne klopfen...Kommst nirgendwo rein oder raus...", grummelte Victor und schnaubte, als er über das Lenkrad hinweg die Länge der Schnauze kontrollierte. Er freute sich trotz der schlechtgelaunten Worte auf den Wagen, denn einer neuer bedeutete immer, dass man ihn einfahren durfte...Bei dem Schneefall wahrscheinlich keine der besten Ideen, aber wenn sie Glück hatten...

      Alex gab die Daten nach vorne für die Hütte, damit man sie ins brandneue Navigationssystem eingeben konnte und kruschtelte dann wieder weiter in seinen Unterlagen.
      Gerade mal eine Stunde verbrachten sie in dem Wagen, da waren sie auch schon am Wald angekommen und die Schilder zeigten ihnen den Weg auf den Parkplatz, den sie das letzte Mal angefahren haben. Victor sah sich kurz um, doch mehr als Weiß und Bäume sah man nicht. Dann steuerte den Wagen mitten auf den Wald zu, wo er glaubte, dass sich unter dem Schnee ein unbefestigter Weg befand.
    • Naira O’Connor

      „Dafür ist er aber für das Gelände hier perfekt“,entgegnete Naira auf die mürrische Laune ihres Partners und gab in das Navi die Kooordinaten ein, die Alex ihr ansagte. Der Mann hatte sich scheinbar damit abgefunden, dass er hinten sitzen musste, aber es tat der Frau selbst nicht einmal Leid, er verdiente es nicht anders,wie sie es fand. Den restlichen weh über ließ sie das Radio ein wenig laufen und betrachtete die Umgebung aus dem Fenster, was anderes blieb ihr auch nicht wirklich übrig. Sie wollte sich nicht unterhalten, sie wollte auch nicht einfach in Ruhe schweigen, da war das Radio die beste Möglichkeit, die sie besaßen...
      Nach etwa kleiner Stunde war der Wald in Sicht, den Naira sehr gut kannte. Ganz würde Victor sicherlich nicht durchfahren können, aber eine sehr weite Strecke konnte ihr erspart werden. Der Wagen hielt sich sehr gut, der Rothaarige fuhr es auch gar nicht so schlecht, aber irgendwann machte ihr ein gefallener Baum einen Strich durch die Rechnung, auch wenn das Navi nur noch wenige Meter zeigte. „Wir müssen wohl laufen“, sprach Naira kurz und griff zu dem Gewehr, um aus dem Wagen zu steigen. Der Wald lag unter einer weißen Schicht Schnee, die sich weiter ausstreckte. Es war fast schon idyllisch, aber sehr schön und ruhig. „Das ist ja nicht mehr weit“.
      Die Frau ließ den Hund raus, der sich die Pfoten erst einmal vertrieb, bevor er sich zu seinem Frauchen gesellte. Diese hatte das Gewehr bereit bei sich, um zur Not die Jungs vor jeglichen Tieren zu beschützen, aber sie dachte nicht, dass sie dies bräuchte.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Über den Wagen konnten sie am Ende dann nicht meckern, er leistete einen guten Job, auch wenn er einen umgefallenen Baumstamm von gut einem Meter Durchschnitt nicht meistern konnte. Victor parkte ihn aber direkt davor und seufzte laut hörbar. Dass sie nun gemeinsam zu Fuß weitergehen mussten, erfüllte ihn nicht gerade mit Glückseligkeit. Vor allem weil Naira nicht nur mit dem Bein aufpassen sollte, es war kalt draußen.
      Alex war wohl auch nicht einverstanden, aber er ließ es nicht so laut von sich, dass ihm das nicht passte. Stattdessen schob er sich aus dem Wagen und sprang in den Schnee, in dem er sogleich für einige Zentimeter versank. Spike ließ er dann auch raus und sah zu wie Victor und Naira ebenfalls aus dem Wagen kamen. Victor schloss ihn ab, zog die Jacke zu und stellte den Kragen der neuen Jacke auf. Sie war warm. Der Frost biss sich nur noch durch seine Jeans.
      "Dann wollen wir mal...", Victor ging voraus und stieg hoch auf den Baum. Er hatte nämlich nicht vor außenrum zu laufen. Kurz rutschte er auf der verschneiten Rinde aus, konnte sich aber festhalten.
      Alex sah fragend zu ihm hoch und dann zu Naira: "Wir gehen doch außen herum oder?", fragte er sie und verwies dabei indirekt auf ihr Bein. Er würde ihr helfen und den selben Weg gehen wie sie, aber ihm wäre der längere und damit sichere Weg lieber, als die kindische Art über einen Stamm zu klettern wie Victor und dabei "cool" auszusehen.
      Die Hütte konnte man von da oben trotzdem sehen und so kindisch Alex es empfand, Victor war derjenige, der schneller drüber war und weitergehen konnte als die anderen beide. Er musste trotzdem auf die beiden schließlich warten, da konnte er nichts machen.
    • Naira O’Connor

      Nun, kindisch war Victors Verhalten allemal, aber Naira wäre gern selbst über den Baumstamm geklettert, wäre ihr Bein da nicht im Weg. Sie war innerlich noch ein Kind geblieben, in den Schnee zu springen, von dieser Höhe aus würde sicher lustig sein, aber den Streit mit Victor nachher konnte sie jetzt schon spüren, weshalb die Frau ihre Hände einfach in die Jacke stopfte und wohl oder übel mit Alex mitgehen musste. Das würde es Victor nachher leid tun, dass er sie alleine mit dem schmierigen Blonden gelassen hatte.. sie würde es ihm heim zahlen, aber nicht auf die typisch weibliche Art, mit Streit und Wut..
      Schulterzuckend deutete Naira daraufhin, dass sie wohl keine andere Wahl hatte und lief mit Alex wohl oder übel um den Baumstamm herum, bis dieser zu Ende war, um den Weg auch wieder zurück zu laufen. Spike hatte die andere Variante gewählt und hatte sich daran versucht über den Baumstamm zu klettern und zu springen, um wie Victor die Aufmerksamkeit zu bekommen, er konnte sich dann im Schnee wälzen.
      „Ich mache zu Sylvester eine kleine Party“, fing Alex irgendwann auf dem Weg auf. Er sah ein wenig nervös aus aus dem Augenwinkel heraus. „Nichts wildes, aber das halbe Revier kommt.. ich dachte .. vielleicht magst du auch kommen..“. Innerlich seufzte die Frau ganz laut und schmiedete schon größere Rachepläne, Victor gegenüber. Er hatte sie alleine gelassen...
      „Ich denke nicht, dass ich die richtige dafür bin.. ich kann kaum laufen, ich trinke nichts, ich habe schlechte Laune.. und könnte nicht nach Hause kommen.. Spaßbremse einfach“. Langsam färbte Victors ständige schlechte Laune auf die Dunkelhaarige ab, aber es half.. Alex schwieg eine ganze Weile.
      „Ihr.. ihr könnt auch zusammen kommen.. dann kann Victor dich.. zurück fahren.. oder ich trinke nichts.. und fahre dich zurück..“. Ihm blieb wohl noch die Idee übrig, dass sie bei ihm schlafen konnte, aber damit befände er sich auf einem ganz dünnem Eis. „Ich überlege es mir“. Es war das letzte, was die Frau sagte, bevor sie an der Hütte zu Victor dazu stießen.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Soweit hatte Victor auch nicht im Voraus gedacht, denn ihm machte es schließlich nichts aus. Er hätte Naira auch über den Baum geholfen, aber sie wählte wie Alex den Weg außen herum und er billigte es. Er befürwortete es sogar, weil damit ihr Bein nicht Gefahr geriet. Nur Spike blieb bei ihm und kletterte ebenfalls mit seinen Vier Pfoten über den verschneiten Stamm, um schließlich fröhlich voraus zu rennen. Dabei sollte ihm klar sein wo er war. Victor hauchte in die kalte Luft und sah zu den beiden. Alex war brav und hielt Abstand, das ist alles was Victor sehen musste. Aber die Ruhe kam schließlich immer vor dem Sturm.
      Gut, dass seine Gedanken vorerst wo anders waren und er zu der Hütte voraus lief. Ein gelbes Absperrband lag lose an einen Baum gebunden auf dem Weg. Alles wurde unter einer schönen hohen Meterdecke begraben, vor der er zuerst einmal stehen blieb und damit den anderen beiden die Chance gab aufzuholen.

      "Wir hätten eine Schaufel mitnehmen sollen...", sprach Victor mehr zu sich, doch Spike gab ihm ein zustimmendes Bellen von sich, bevor er zu Naira ging und mit ihr die letzten zwei Schritte tat. Damit drängte er sich auch zwischen Alex und Naira, um Abstand zwischen die beiden zu gewinnen und die Aufmerksamkeit auf die wichtigen Dinge ihrer Aufgabe zu lenken.
      Victor schnaubte und verschränkte die Arme. Eine weiße Dunstwolke stieg vor seiner Nase auf, bevor er anfing sich durch die Schneedecke zu graben. Spike bellte noch einmal bevor er ebenfalls tüchtig in den Schnee sprang und anfing zu graben. Sie mussten an die Tür der Hütte kommen.

      Alex schmunzelte und sah den beiden zu: "Sind ziemliche Arbeitstiere wie..."
    • Naira O’Connor

      Ein wenig musste auch Naira schmunzeln, sie hätte nicht gedacht, dass Victor tatsächlich zupacken würde. Bisher tat sie es immer nur, nicht er, er stand meistens da und sah zu. Aber das imponierte der Frau wirklich, sie war innerlich beeindruckt.
      „Ich würde euch ja helfen, aber ich denke mal, dass ich es lieber nicht sollte“, kommentierte sie und lehnte sich ein wenig an den Geländer vor der Tür ab. Sie kam seit dem ihr Bein so kaputt war schneller aus der Puste, ändern konnte sie es leider nicht, aber sie arbeitete dran. Immer mehr Schritte gelang es ihr zu machen, ohne gleich komplett ohne Kraft zu sein, sie überlegte sich schon nicht vielleicht wieder mit Sport anzufangen.

      Es dauerte einen Augenblick, bis Victor und der Hund mit dem Schnee fertig waren, damit alle rein konnten, deshalb ging Nairas Blick wo anders hin. Die Seite der Hütte interessierte sie für einen Moment mehr, als der Eingang. „Ruft mich, wenn ihr fertig seid“, murmelte sie zu den Männern, bevor sie sich traute der Seite ein wenig näher zu kommen. Ein Baum stand dort, nichts ungewöhnliches, im Wald standen viele Bäume, aber der Baum bewirkte ein ungutes Gefühl bei der Frau. Erinnerungen wollten ans Tageslicht, ihr Kopf wollte ihr etwas sagen, doch irgendwann hörte sie sich auf zu wehren und ließ es einfach geschehen.
      Ein Herr war zu sehen, groß, breit gebaut und mit einer Schaufel in der Hand. Es war Sommer, kein Schnee lag auf dem Waldboden, deshalb konnte er graben. Etwas lag neben ihm, es schimmerte ein wenig in der Dunkelheit, ein Müllsack? Dafür war es aber viel zu groß.. er bemerkte die Frau, drehte sein Gesicht langsam, aber bevor sie ihn sah, wurde ihr eine Hand auf die Schulter gelegt.
      „Naira?!“. Sie regierte viel zu heftig, fuhr herum und betrachtete den Blonden vor sich. „Alles okay? Wir .. haben dich gerufen..“. Er sah besorgt, aber die Falten auf Nairas Stirn zeigten ihm deutlich, dass er zurück treten sollte.
      „Mir gehts gut“.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Es blieb dem rothaarigen ja nichts anderes übrig. Alex' Anwesenheit war zwar unabdingbar in ihrem Job, aber es machte ihn unruhig und er konnte sich kaum auf Naira konzentrieren, wenn dieser in ihrer Nähe stand. Deswegen lenkte er sich ab und machte sich daran den ganzen Schnee aus ihrem Weg zu räumen. Spike half ihm dabei zwar nur bedingt, aber er half und war deswegen auch der einzige mit ihm, der die Tür unter dem Schnee fand.
      Alex half ebenfalls nur bedingt oder Victor wollte es einfach ignorieren, dass er überhaupt in seiner Nähe war, während Naira einen Weg um das Haus herum machte. "Hol Naira...wir können rein...", warf Victor zurück und nahm sich dabei die Möglichkeit heraus, Alex weg zu schicken.

      Zwei Minuten später waren die beiden wieder da. Während Naira müde und unzufrieden aussah, wirkte eher Alex besorgt und musterte die Detective lange Zeit. Erst als Victor sich räusperte und die Schuhe noch einmal auf dem Holzboden des Eingangs abtrat, gewann er die Aufmerksamkeit von Alex.
      "Es ist kalt hier drin..."kommentierte Alex und rieb sich die Oberarme. Victor hob zufrieden die Arme, als würde er sich aufplustern können und warf Naira einen dankenden Blick zu, denn seine Jacke war ihm nun wirklich heilig geworden. Nicht nur weil es ihr Geschenk war, sondern weil er schon lange so eine gebraucht hatte. Währenddessen trug Naira eine übergroße Jacke des Reviers, die sie auch beim letzten Mal hierher getragen hatte.
      "Was genau suchen wir hier? Hast du...einen Anhaltspunkt Naira?", Alex wandte sich wieder an sie.
    • Naira O’Connor


      Sie war nur schlecht gelaunt, weil Alex sich in alles einmischen musste, was es zum einmischen gab..Er verstand es einfach nicht und gab auch keine Ruhe, das brachte die Frau manchmal schon fast zur Weißglut.. es war einfach die schlechteste Kombi überhaupt, aber da mussten nun alle durch, also biss sich Naira auf die Zunge und folgte dem Blonden ohne ein weiteres Wort zu sagen.
      In der Hütte war nichts los, bis auf den Wind der durch die offene Tür reinwehte. Ein wenig kalt war es schon, aber die Jacke ihres Vaters hielt sie warm und das konnte auch ruhig so bleiben. Der einzige, dem es scheinbar kalt war war Alex , aber außer ihn störte es niemanden im Raum.
      „Ich denke, wir sollten wieder in den Keller, was anderes nützt uns nichts..“, entgegnete die Dunkelhaarige, bevor sie kurz zu Victor sah, um auf seine Einwände zu warten. „Und wir sollten herausfinden warum er zum Geier sie genau hier abgelegt hatte, und nicht irgendwo anders“. Ja, die Frage beschäftigte sie deutlich mehr, als der Keller an sich, aber sie befürchtete, dass sie es bereuen würde, wenn sie sich das fragte. Dennoch, sie nahm den Blick von Victor und trat weiter in das Wohnzimmer, um an der Stelle zu stehen, an der das Mädchen gelegen hatte. Naira sah sich einmal im Kreis um, um was zu entdecken, da fiel ihr das Fenster auf, welches direkt auf den Baum zeigte, der in ihr die Erinnerungen ausgelöst hatte. Sie sah ihn wieder, der Mann grub vor dem Fenster ein Loch, es war dunkel aber er hatte eine Öllampe dabei.. neben ihm, schimmerte etwas in schwarz, es reflektierte das Licht an manchen stellen, ein Müllsack? Ein wenig kam es ihr so vor, aber er war doch viel zu groß, groß genug um ...
      Naira fuhr überrascht mit ihren Augen zu ihrem Partner. „Hattest du nicht irgendetwas von erzählt, dass man in manchen älteren fällen die Leichen nicht gefunden hatte?“.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Victor hatte keine Einwände heute. Er war zwar nicht mehr in der besten Laune, wie in den letzten Tagen und schönen Stunden, die sie gemeinsam verbracht hatten, aber er konnte hier nicht meckern. Es war ihre Aufgabe und er musste aufpassen, dass er Naira nicht zu sehr einschränkte oder sie gar bemutterte, nur weil sie nun humpelte...Es war schließlich sein Fehler gewesen und langsam bohrte sich auch der Gedanke hinzu, dass es bei beiden Malen sein Fehler war. Er hätte aufpassen sollen, ihr helfen müssen. Sie wäre jetzt nicht so verletzt...Nicht so ein...Victor schüttelte den Kopf und schob die Hände in die Jackentaschen.
      Es gab nichts wovor sie sich hätten fürchten müssen oder gar verteidigen. Die Hütte war leer und bei dem Schnee bezweifelte Victor stark, dass sich ihr Verdächtiger hier befand. Weder über die Feiertage, noch über die Nacht. Der Schnee lag zu glatt und zu natürlich...
      Victor folgte Naira zu dem Platz an dem das Mädchen gelegen hatte und beobachtete sie.
      Alex Blick folgte ihr ebenfalls und er sah sich in dem Zimmer um, doch er sah nichts besonderes daran, konnte demnach nicht viel zu dem Moment beitragen. Auch als Naira die alten Fälle wieder ansprach. Dabei sah sie Victor an, der letztlich nur grimmiger drein sah. Er dachte nach und überlegte, was er gelesen hatte.
      "Ja...Der größte Teil. Ich bin nicht mit allen durchgekommen, aber die, die ich gelesen habe, vermerkten vermisste Personen. Man erklärte sie tot, nachdem die Frist abgelaufen war. Nie fand man wirklich Leichen...", erklärte Victor.
      Alex horchte auf und rieb sich die Nase: "Ihr redet von welchen Fällen?", er wollte es ausgesprochen hören. Victor zischte leise: "von O'Connor...Ihrem Vater. Er hatte an einigen Fällen gearbeitet, die im Sande verliefen und schließlich eingepackt wurden...Nicht wenige, tatsächlich. Und dann..."
      "Verschwand auch O'Connor...", ergänzte Alex bedrohlich und sah zu Naira: "Worauf wolltest du mit der Frage hinaus?", fragte er.
    • Naira O’Connor

      Sie überlegte eine längere Zeit, ließ sich alles durch den Kopf gehen, was die Jungs gesagt hatten. Es würde Fragen geben, viele Fragen und die Frau konnte nicht auf alle eine Antwort geben, aber sie musste sich öffnen und endlich das alles aussprechen, was in ihrem Kopf war.
      „Wir haben mit Victor früher darüber nachgedacht.. ob Thomas nicht mit uns spielt..“, fing Naira an und blickte zu Victor, bevor sie zu Alex sah. „Victor kam auf die Idee, die alten Fälle meines Vaters einzubeziehen, sie sind häufig ungeklärt gewesen.. was ist, wenn Thomas nicht schon vorher gemordet hatte?“. Sie beließ es zunächst bei der Frage, um die Jungs auf die Idee zu bringen, nicht dass sie nachfragen müssten, sie wollte außerdem ihre nächsten Worte richtig zusammenlegen. Diese Stille war unangenehm.
      „In dem Raum gibt es nichts, wirklich nichts.. was uns weiter bringen würde.. er wollte und etwas zeigen, was uns weiterbringen würde in diesem komischen Spiel.. er wollte mich auf andere Gedanken bringen ..und es gibt nichts anderes als dieses Fenster“. Naira zeigte mit ihrer rechten Hand direkt auf dieses Fenster,sie wusste aber, dass sie ihre Gedanken zu Ende aussprechen musste. Sie seufzte und schüttelte sanft den Kopf. „Der Anruf gestern.. das, was er mir am Telefon gesagt hatte... Ich habe damals als kleines Kind zu dieser Zeit jemanden dort neben dem Baum graben beobachtet.. ich glaube, ich war im ähnlichen Alter, als das Mädchen es war.. es war mir bis gestern nicht wieder eingefallen, aber ich befürchte, dass dort vielleicht die nächste Spur sein könnte“.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Alex hörte aufmerksam zu und nickte bei ihren Worten. Sie legte das meiste dar und er verstand langsam, dass es sich hierbei um verständliche und vollkommen erklärbare Verhaltensmuster handelte. Naira war fertig mit der Welt, nicht nur weil sie der Fall so schaffte, sondern weil sie auch zu nahe mit dem Mörder zu tun hatte. Und das nicht nur in der einen Hütte mit Victor, aus der sie nur mit einer großen Verletzung entkommen konnte. Seine Aufmerksamkeit wich seiner Sorge und er fuhr sich durch die Haare wieder.
      "Ich verstehe jetzt...", sagte er leise.
      Victor seufzte schwer. Er betrachtete das Fenster und trat an dieses heran. Alles was Naira sagte klang für ihn schlüssig. Es konnte alles sein.
      "Das könnte seine Obsession mit dir erklären...warum er dich so beschattet...", Victor fuhr mit den Fingern über den Fensterrahmen, auf der Suche nach einer versteckten Falle, doch der Rahmen war so glatt, wie er sein konnte mit all der abblätternden Farbe daran. Ein kalter Wind pfiff durch die Spalten. Er griff nach dem Henkel, um das Fenster nach draußen zu öffnen und raus zu sehen. Direkt vor dem Fenster, keine 5 Meter entfernt, stand ein großer und breiter Baum.
      Alex trat an Naira heran, bedacht ihr nicht zu nahe zu kommen, aber immer noch das Gefühl zu übermitteln, dass er sich wohl mehr Sorgen machte um sie, als Victor, der sich viel lieber um das Fenster kümmerte.
      "Er hat dich gestalkt?", fragte Alex aufmerksam, "Du hättest was sagen sollen und...Oh man, da kommen nun Fragen hoch. Weiß Captain Ramirez von all dem? Dass du doch so persönlich verwickelt bist in den Fall?"
    • Naira O’Connor

      Es war egal, wie viel Abstand Alex wirklich hielt, der Frau war es deutlich zu viel. Sein bemitleidender Gesichtsausdruck, der Naira helfen sollte, vermieste ihr die Laune.. es war nicht so, dass Victor sich keine Sorgen machte, er zeigte sie bloß nicht so offen und direkt, was sie deutlich bevorzugte. Ihr war die Art des Blonden einfach zu aufdringlich und zu mitfühlend, warum musste er überhaupt mitkommen?
      „Was Ramirez nicht weiß, wird ihr gut tun..“, murmelte Naira und schüttelte den Kopf. „Wenn ich jetzt aus dem Fall austrete, wird unser gesuchter vielleicht schlechte Laune kriegen, das wollen wir nicht.. wir haben keine Mittel, um das auszuprobieren, also müssen wir alle da durch und gut ist.. und wenn du ein Wort drüber verlierst, wird es Konsequenzen geben.. Ramirez kann niemanden auf den Fall ansetzen, außer uns“. Nun, vielleicht meinte die Frau auch nur ihren Partner uns sich, Alex war ihnen nur aufgedrückt worden, aber hier und da tat er mal gute Arbeit.. wenn er doch nur nicht so viele Fragen stellen würde.
      „Ich würde ja sagen, wir könnten uns das ansehen, was sich da darunter befindet, aber ich werde nicht schaufeln, somit überlasse ich die Wahl euch“. Schulterzuckend trat sie an das Fenster näher, welches Victor aufgemacht hatte und betrachtete den Baum vor ihnen. „Andererseits ist es bestimmt über fünfzehn Jahre her, ich habe keine Ahnung ob da noch was sein könnte“. Die Wahl überließ sie einfach ihrem Partner, der so oder so schaufeln würde, aus dem Grund hielt sich Naira raus.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Alex hielt sich tatsächlich nur wenig zurück, aber er konnte schließlich nicht für die Gefühle, die er seit dem letzten Jahr immer noch nicht vergraben hatte können. Er brauchte jemanden und dieser jemand war und blieb noch immer Naira O’Connor. Sie hatten es versucht und es hatte ihrerseits nichts geklappt. Aber Alex war niemand der so schnell aufgab. Er wollte voran kommen und er wollte sie für sich gewinnen. Komme war wolle und dazu gehörte natürlich auch sich so gut es ging bei ihr einzubinden und auch sie überall hin einzuladen, wo er hinging und vor allem wo es Möglichkeiten gab etwas zu trinken. Das größte Übel blieb aber wohl ihr neuer Partner, der nicht einmal ein halbes Jahr nun dabei war und schon alle Gefühle einmal über Bord geworfen hatte. Als ob er das alles nicht sah…Er war nicht blind und dumm erst recht nicht. Es tat weh zu sehen, wie sie sich immer mehr von ihm abwandte.

      Alex seufzte leise und nickte schließlich ergebend: „Ja, ich werde ihr schon nichts sagen. Hauptsache wir finden den Mistkerl…“
      Ob Alex die richtigen Bewegründe hatte, um an diesem Fall zu arbeiten, mochte einmal dahingestellt sein. Er eignete sich gut als jemand, auf den man die Aufgaben hier und da abwälzen konnte.

      Victor dachte zu mindestens so, als Naira ansprach sie würden graben müssen. Da hatte er nun persönlich keine große Lust zu, aber er würde es wohl oder übel machen müssen.
      „Haben wir denn überhaupt Schaufeln dabei?“
      Alex trat ebenfalls an das Fenster: „Im Stauraum des Kofferraums. Ersatzräder werden ja nicht mehr rein gelegt, also hatten wir freien Platz und haben den Wagen mit wichtigen Dingen gefüllt.“
      „Und das war kein Ersatzreifen?“, merkte Victor skeptisch an und verstand bereits, dass er darauf nicht sonderlich die beste Antwort bekommen würde. Deswegen wandte er sich bereits zum Gehen, um eben diese wichtigen Dinge aus dem Kofferraum zu holen und sich von außen zu dem Baum zu arbeiten durch den Schnee. Dabei warf er Naira einen müden Blick zu: „Und du schaust brav zu und…vielleicht findest du etwas im Haus noch…Im Keller? Dort wo der Teddybär stand…wobei die Spurensicherung bestimmt schon durch war und gründlich abgesucht hat.“
    • Naira O’Connor

      Es gab Gründe, warum sich Naira auf ihren ehemaligen Partner eingelassen hatte, aber das war auch schon einige Zeit her. Sie hatte auch ihre Gründe gehabt, warum sie sich von Alex getrennt hatte und dessen sollte sich der Mann selber ziemlich bewusst sein, immerhin war es seine Schuld gewesen. Er hatte die Beziehung zerstört, eine Beziehung die sowieso kaputt gegangen wäre. Naira war keine Frau, die Schwäche zeigte, deshalb brauchte sie auch einen Mann, der nicht um sie herum sprang. Alex brauchte eine Frau, die er hätte auf Händen tragen können.. für die er die Sterne vom Nachthimmel könnte runterholen, so etwas war die Dunkelhaarige nicht. Sie gab sich lieber mit Victor zufrieden,jemanden der genau zu ihrem Charakter passte, weil er mindestens genauso verkorkst war, wie sie.
      „Ich verstehe schon, ich gehe in den Keller“, sprach die Frau kopfschüttelnd und pfiff nach ihrem Hund. „Ich nehme Spike mit, um nicht allein zu sein, ihr kommt zu zweit sicherlich gut voran!“. Innerlich tat es ihr ein wenig Leid, dass sie nun ihren Freund mit Alex allein ließ, aber andererseits hatte sie nur wenig Lust ihn mitzunehmen, deshalb lud sie ihn quasi mit ihren Worten aus. Zu zweit würden sie sowieso schneller sein, vielleicht würden sie auch gute Freunde werden, das wusste keiner.
      Victor wandt sich ab, die Dunkelhaarige tat es ihm gleich und nahm die Treppe nach oben in das erste Stockwerk. Die Treppe war kein Problem soweit, aber die Schmerzmittel ließen so langsam mit der Wirkung nach, sie musste also eine Zwangspause einlegen und welche nachwerfen. Mit den Tabletten ging es sogar ziemlich gut, Naira konnte die Treppen hoch laufen ohne Probleme, aber nun brauchte sie die kurze Pause. Ihr Hund setzte sich neben sie, während sie an der Wand gelehnt einen Blick durch das Zimmer warf. Zu viele Erinnerungen machten sich in ihrem Kopf breit, mehr unschöne, als wirklich schöne..
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Alex blieb alleine für den Moment in dem Zimmer der Hütte zurück und sah sich zwischen beiden hin und her gerissen um. Er könnte Naira helfen die Treppe hoch zu kommen oder ihren Worten Folge leisten und Victor dabei helfen den Schnee von ihrem nun nächsten Untersuchungspunkt runter zu bekommen. Er entschied nur mit einem Lippen aufeinanderpressen dazu, dass er sich dem anderen Mann anschloss. Dieser hatte bereits den Wagen wieder erreicht. Noch einmal hatte er sich dagegen gewehrt um den Baum herum zu laufen und war stattdessen darüber geklettert. Diesmal um einiges behänder und sicherer, da er nun wusste, dass der Baum rutschig war durch den Schnee.
      Alex blieb hinter dem Baum stehen und wartete darauf, dass man ihm Arbeit in die Hand drückte, weil er das von Victor so erwartete. Dieser ließ sich damit auch keine Zeit, sondern hielt ihm eine der Schaufeln hin. "Wie praktisch...", grummelte der rothaarige, da es tatsächlich zwei Schaufeln für den Schnelleinsatz gab. Sie waren nicht die stabilsten, aber sie sollten reichen.
      "Hey, Victor?"
      "Hm?"
      "Ich...habe zwar Naira bereits eingeladen, aber...falls sie es vergisst...", Alex lächelte schwach, als sie wieder auf dem Rückweg waren, "Ich werde eine kleine Silvesterfeier machen und lad das ganze Revier dazu ein...Also falls ihr beiden kommen wollt."
      Victor sah seinen Kollegen irritiert an. Man lud ihn sonst nie freiwillig zu etwas ein. Doch dann überdachte er die Wortwahl des anderen. Naira hat wahrscheinlich nicht direkt zu gesagt und nun lag es an Victor. Ein Schmunzeln unterdrückte der Detective mit allen Kräften.
      "Ich sprech mit ihr drüber."
      "Du gehörst schließlich auch zu dem Revier und ich will keinen ausladen oder sowas..."
      Alex versuchte so freundlich wie er nur sein konnte mit Victor zu reden. Ob das half war ne andere Sache, denn dieser verwies mit einem Nicken auf den Schnee direkt vor ihnen. "Wir graben am besten von der Tür, um die Ecke zu dem Baum und...befreien etwa 2-3 Meter drum herum den Boden von dem Schnee."
      "Klingt gut."
    • Naira O’Connor

      Es dauerte zwar ein wenig, bis die Schmerzmittel anfingen zu wirken, aber in der Zeit dachte die Frau nach. Die Erinnerungen an ihren Vater drängten sich auf, sie hatten in diesem Zimmer übernachtet, es war immer kalt gewesen.. aber noch viel schlimmer waren die Erinnerungen an die Zeiten, als Naira nicht brav war. Als sie in den Keller wollte, zum Beispiel.. sie wagte es dieses Mal wieder einmal, auch wenn ihr Kopf sie warnte. Er bildete sich ein, der große Mann würde wieder hinter ihr stehen, wie an einem der Abende, an denen sie in die dunkle Kammer wollte. Es war eine reine Neugierde, aber ihr Vater hatte es als nicht toll empfunden, dass sie nicht auf ihn hörte und die Bestrafung dafür war wirklich hart. Selbst jetzt tat ihr jede Stelle weh, als sie nur daran dachte, was er mit ihr gemacht hat.
      Doch Naira wusste, dass es gute fünfzehn Jahre her war, ihr Vater war nicht da, niemand der sie bestrafen würde wäre da, dessen war sie sich mehr als nur sicher. Sie wagte es, sie öfffnete die Tür, an der noch immer Tapete klebte und sie griff nach dem Schalter, der das Licht einschaltete. Die Treppen waren steil, kurz musste sich die Frau noch einmal zusprechen, dann wagte sie den Gang nach unten. Ihr Hund war dessen nicht so erfreut, aber er lief ihr dennoch nach, in diese dunkle Kammer ohne Fenster.
      Unten stand noch immer alles so, wie sie es vorgefunden hatten.. Scheinbar wurde nichts mitgenommen, der Ort sah trotzdessen aus wie ein Tatort. Überall Fähnchen aufgestellt, teilweise befand sich Absperrband an manchen Ecken des Raumes. Auch die Jacke auf dem Mannequin stand noch immer an der Seite, der Teddy befand sich im offenen Schrank und alle Zeitungsartikel waren genauso an der Wand, wie sie es auch beim ersten Mal waren. Eine Gänsehaut bildete sich auf Nairas Körper, sie war sich unsicher, ob sie wirklich hier bleiben wollte, aber sie war zu stark um aufzugeben und jetzt einfach zurück zu gehen.. sie kämpfte sich durch.
      Die Zeit, die die beiden Jungs brauchten nutze sie dafür, um die Zeitungsartikel genauer durchzulesen. Sie brauchte eine Spur, eine Verbindung zu dem Ganzen um endlich weiter zu kommen. Eine Verbindung fand sie letztendlich, aber sie verstand auch endlich, dass sie nur weiterkommen würden, wenn Thomas es auch wollte. Wohl oder übel war es sein Spiel und er hatte die Oberhand, sie könnten nichts tun.. das mussten nur noch die Jungs verstehen..
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Der Schnee stapelte sich um sie herum und während einer versuchte weiter zu kommen, war es der andere der strategisch den Schnee aus ihrem Sichtfeld schmiss und so weit wie möglich. Sie durften sich nicht eingraben und versuchten den Schnee soweit wie möglich von sich zu bekommen. Es dauerte eine gute halbe Stunde, wenn nicht sogar länger und als sie fertig waren, schnauften die zwei Männer, fast im Einklang. Victor ein wenig mehr, aber das schob er auf die Erkältung, die er vor einiger Zeit hatte...Dass er seit einem Jahr kein bisschen trainiert hatte oder sich überhaupt Gedanken gemacht hatte, über eine sorgfältige Ernährung, das konnte man außen vor lassen.
      Victor rieb sich die eiskalten Hände, die er versuchte durch öffnen und schließen ein wenig wärmer zu bekommen. Aber wenn er ehrlich war, dann spürte er sie nicht und sie waren eiskalt.
      Alex fröstelte ebenfalls und hauchte in die Fäuste: "Sollen wir reingehen und nach Naira sehen? Außerdem ist mir kalt...da drin ist wenigstens kein Schnee..."
      Victor grummelte sein Einverstanden und packte die Schaufel mit sich, bevor er mit einem letzten Blick auf die Stelle zurück mit Alex in die Hütte kehrte. Er war derjenige, der dann auch nach ihr rief: "Hey, Naira? Wir sind fertig. Hast du was gefunden?"
      Alex trat an die Treppe nach oben und zuckte dann mit den Schultern, weil es so leise war. Schließlich folgte er dem Weg hoch und zu der versteckten Tür, die Naira ihnen bereits beim ersten Mal offenbart hatte.
      Victor kam hinterher. Ihm wurde mulmig bei dem Gedanken und eine irrationale Angst Naira dort unten blutend und ängstlich zusammengekauert in einen kleinen Knäuel zu finden, stieg auf. Sie war nicht real...Das würde nicht passieren, das wusste er. Aber es war diese Panik...
      "Naira?", Alex stieg die steile Treppe nach unten, wo sich Naira befand.
    • Naira O’Connor

      Es war eine wirre Konstruktion, die jemand auf die Wand gekleistert hatte. Teilweise passten die Zeitungsartikel gar nicht zueinander, wenn man nach den Überschriften ging, teilweise gab es sie doppelt an zwei unterschiedlichen Wänden. Wenn man sich jedoch mehr Zeit daran nahm, sie sich gründlicher durchzulesen, fand man einen seidenen Faden zwischen all den Artikeln. Naira setzte sich irgendwann auf den Boden und betrachtete das Konstrukt vor sich. Ihr schien es, als wäre die Antwort auf die Fragen, die sie sich alle stellten genau auf dieser Wand verborgen und mit einem dicken roten Marker unterstrichen, aber die Frau zu farbenblind war, um das zu erkennen..im rhetorischen Sinne. Sie hatte das alles satt, am liebsten würde sie sich einen Fall wünschen, der weniger mit ihr und ihrer Vergangenheit zu tun hatte, so wie sie gerne mal über ihren Vater dachte. Der Fall an sich war toll, aber wenn sich Thomas doch nur hätte jemanden anderen aussuchen können.. das würde alles um einiges erleichtern. Sicherlich würden die drei dann weiter kommen, aber was sind schon Spekulationen..
      Die Dunkelhaarige hörte Schritte von oben, sie konnte ein Paar zu Victor zuordnen, so lange wie sie schon mit ihm zu tun hat haben sich seine Schritte in ihr Gedächtnis gebrannt. Alex rief nach ihr, scheinbar würde es nun doch keine freie Minute mehr zum Nachdenken geben.
      „Hm?“,gab sie nur zurück und sah einen Moment lang zu der Treppe, bevor sie ihren Kopf wieder zu den Zeitungen drehte. Ob sich was hinter der Wand aus dem Papier befand? Sie glaubte doch nicht allen Ernstes, dass es so einfach war an die Lösung zu kommen. „Habt ihr was gefunden?“,fragte sie dann, um nicht als erste erklären zu müssen, was sie auf dem Boden des Kellers machte.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Sie kamen die steile Treppe, die mehr aufgrund eben der Neigung an eine Leiter erinnerte, herunter und sahen sich in dem Zimmer um. Die Wände waren zu gekleistert mit Zeitungsartikeln, wie bei ihrem ersten Mal in dieser Hütte. Victor fühlte sich unbehaglich. Immer wenn er einen Raum betrat wo jemand gestorben ist oder die Pläne dafür ausgearbeitet wurden...Es war sein kleiner Instinkt, der ihm mitteilte wo genau er zu suchen hatte und wo nicht. Es war der Grund warum er ein guter Detective geworden ist. Weil er es in seinem Bauch spürte, wenn es etwas zu suchen oder zu finden gab. So wie Naira da auf dem Boden kauerte aber, ließ ihn sich anspannen. Er war nur froh darüber, dass sie sich irgendwie zurückmeldete, denn sonst wäre er wohl über Alex noch drüber gehechtet, um zu sehen ob alles mit ihr okay war. Mit eiskalten Fingern fuhr sich Victor über die Haare und steckte die Hände wieder tief in die Taschen seiner Jacke.
      Alex trat an Nairas Stelle und sah drehte sich einmal im Kreis. Sein Gesicht gab bereits frei, dass er ebenfalls ein schlechtes Gefühl hatte, aber eben nicht genau wusste, wo er hätte ansetzen sollen. Aber das wusste letztlich ja keiner von ihnen.
      "Ehrlich gesagt haben wir es gerade mal geschafft den ganzen Schnee von der Fläche zu entfernen...", gab er auf ihre Frage zu und seufzte lautstark. "Ist gar nicht so einfach und verdammt kalt. Uns frieren noch die Hände ab..."
      Victor stimmte mit einem Brummen zu und trat an eine der Wände, um sich den Artikel genauer anzusehen. Es war das Bild von Thomas darauf zu sehen. Ein wenig jünger vielleicht, aber das Grinsen war unverkennbar dasselbe, wie auf ihrem Foto im Revier.
      "Konntest du weiter kommen? Irgendeine neue Erkenntnis?", Alex sah zu Naira und dann zu Spike, der sich ebenfalls nur wenig zufrieden an ihre Seite gelegt hatte.
      "Ist es nicht kalt auf dem Boden? Man ey...", Alex fröstelte, "Jetzt einen Anfänger zu haben, der einem Kaffee bringt, wäre doch toll, oder nicht?", Alex lachte unsicher. Er wollte lediglich die Stimmung ein wenig aufwärmen, die ziemlich unterkühlt war, wie das ganze Wetter nun einmal.
    • Naira O’Connor

      „Du kannst auch der Anfänger sein und uns Kaffee kochen“,entgegnete Naira und schüttelte schmunzelnd den Kopf. Wenn Alex schon einen Anfänger wollte durfte er auch einen spielen, aber es war mehr ein Witz als wirklich ernst gemeint. „Ich bin schon ein wenig weiter gekommen“. Ihr Blick glitt zu den Zeitungen wieder, während sie den Jungs die Zeit ließ ihren Blick ebenfalls dahin zu wenden. „Es verbindet alle Zeitungsartikeln etwas.. und dieses etwas ist vielleicht Thomas, jedenfalls schätze ich, dass es sich um Thomas handelt.. die Rede ist zwar von mehreren Tätern, aber die Vorgehensweisen sind sich ziemlich ähnlich“. Die Frau streckte sich kurz, bevor sie mit Mühe von dem kalten Boden aufstand. Sie trat zu einer der Wände. „Hier fängt es an.. da ist die Rede von Leichen, die man fand, denen der Zeigefinger fehlt.. es zieht sich dann weiter, nachdem ein wenig Ruhe war zu weiteren Morden, bei denen die Leichen an den merkwürdigsten stellen abgelegt worden sind.. dann gibt es noch den Kindermörder, den Entführer, der die Kinder lebendig irgendwo zurück ließ und letztendlich von den fehlenden Personen, die nie wieder aufgetaucht sind..“ Naira zeigte mit der Hand die jeweiligen Abschnitte auf den Wänden. „Das merkwürdige daran ist, es war in verschiedenen Städten passiert, nicht nur in Anchorage.. und.. bis auf die Kindermorde und die fehlenden Leichen stimmt alles andere in den Artikeln mit unserem Mörder überein .. wobei wir natürlich keine Ahnung haben, ob es nicht doch verschwundene Menschen gibt“. Sie seufzte und schüttelte den Kopf. „Ich weiß aber nicht, was er uns damit sagen will.. vielleicht will er und deutlich machen, dass er der Leiter dieses Spiels ist“.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Benutzer online 5

      5 Besucher