[2er RPG] Burning Desire

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    • Julia machte einen nachdenklichen Laut. Sie war sich nicht sicher, ob ihre Idee gut war, doch sie hatte das Gefühl, dass sie es Carson und vielleicht auch ihren Eltern schuldig war. Sie drehte sich auf den Rücken und richtete ihren Blick zur Decke, während sie versuchte sich einen Ausgang eines solchen Zusammentreffens auszumalen. Aber es gelang ihr nicht.
      "Es ist ein wenig kompliziert zwischen uns.", begann sie langsam. Sie wusste nicht genau, wie sie Carson erklären konnte, dass seine Pläne vermutlich nicht so einfach in die Tat umzusetzen wären. Letztendlich beschloss sie ehrlich zu sein. Es machte keinen Sinn die Sache schön reden zu wollen. Carson verdiente es, dass sie ehrlich zu ihm war.
      "Sie mochten meinen letzten Freund nicht." Julia wusste, dass sie es ihren Eltern nicht leicht gemacht hatte und wenn sie ehrlich war, hatte sie den Kontakt zu ihnen vor allem deshalb gemieden, weil sie befürchtete, dass man ihr nicht verzeihen konnte. "Sie wussten nicht genau was zwischen uns vorging, aber sie waren nicht dumm und konnten sich ihren Teil denken. Wir haben uns immer öfter gestritten, weil sie wollten, dass ich mich von ihm trenne, ich aber nicht loslassen konnte. Ich glaube, für jemanden, der nie in so einer Situation war, ist es unverständlich, wieso jemand so unvernünftig ist. Im Nachhinein sehe ich es selbst. Aber damals hätte ich mich nicht von ihm getrennt. Ich weiß nicht, ob es aus Liebe war, aus Angst, aus Scham oder weil ich nirgendwo sonst hin konnte oder alles auf einmal." Sie zuckte leicht mit den Schultern. "Wäre Andrew nicht gewesen, wäre ich wohl heute noch mit ihm zusammen." Sie hielt inne und drehte ihren Kopf zu Carson. "Entschuldige, ich plappere. Du willst sowas sicher nicht hören. Es ist kein schönes Thema." Sie lächelte schwach.

      "Was ich eigentlich sagen wollte ist, dass ich deshalb damals immer seltener mit meinen Eltern gesprochen habe. Ich wollte nicht immer über das selbe Thema sprechen und mein Freund mochte sie verständlicher Weise auch nicht. Irgendwann ist der Kontakt zwischen uns dann ganz abgebrochen und seit ich wegen dem Umzug ins Frauenhaus meine Nummern gewechselt habe, könnten sie mich auch nicht mehr kontaktieren, wenn sie wollten." Julia verzog leicht das Gesicht. Je länger sie darüber nachdachte, desto schlimmer kamen ihr ihre Taten von damals vor. "Ich weiß also nicht, wie sie reagieren, wenn ich mich plötzlich bei ihnen melden, oder ob sie mich überhaupt sehen wollten. Du solltest also keine vorschnellen Pläne machen. Ich dachte nur, dass ich es ihnen sagen sollte, bevor sie es durch die Presse oder so erfahren. Zumindest das bin ich ihnen schuldig."
    • Das änderte natürlich einiges. Immerhin wärden Julias Eltern erkennen können, dass er, Carson, nicht derjenige war, der ihrer Tochter wehtat. Sein Hirn ratterte. Er wollte das bestmögliche Ergebnis hervorbringe, was hieß, dass er den Kontakt zwischen Julia und ihren Eltern wieder herstellen musste und das auf eine Weise, die deren Aussöhnung zur Folge hatte, dann musste er sie für sich gewinnen und davon überzeugen, dass er ihre Tochter beschützen und nicht abschirmen oder gar verletzen würde. Er hatte hunderte Ideen. Aber er schluckte sie alle herunter, denn er war nicht in der Position, Julia irgendetwas ihre Familie betreffend vorzuschreiben. Würde er das tzn, wäre er nicht besser als der Schläger, den sie verlassen hatte.
      "Ich kann Austin sagen, dass er dir die Kontakdaten beschaffen soll. Und wenn du zu ihnen willst, dann sag Jake, dass er im Wagen warten soll. Aber wehe du sagst deinen Eltern, er sei dein neuer Freund."
      Er rollte sich auf sie Seite und stützte ddn Kopf auf den Ellenbogen auf, um Julia besser betrachten zu können.
      "Das wird sich schon alles regeln. Eltern hängen an ihren Kindern. Sie machen sich wahrscheinlich Sorgen und fallen aus allen Wolken, wenn du wieder auftauchst. Egal, wie du dich entscheidest, ich helfe dir, wo ich kann und halte mich raus, wenn du das willst."


    • Julia lächelte etwas und hob dann ihre Hand, um Carson über die Wange zu streichen. "Ich habe ihre Kontaktdaten, denn ich bezweifle, dass sie in den letzten Jahren ihr Haus verkauft haben und umgezogen sind." Sie lachte leise. Nur zu gut erinnerte sie sich noch an das kleine Haus, in dem sie aufgewachsen war und an dem ihr Vater in seiner Freizeit immer so gerne herumgebastelt hatte. Nein, freiwillig würden sie nicht von dort wegziehen. "Ich denke, dass muss ich alleine machen. Damals habe ich einen Fehler gemacht, also muss ich das auch wieder grade biegen." Julia lehnte sich etwas mehr in Carsons Umarmung und schloss einen Moment lang die Augen. Es war irgendwie tröstlich, dass er bei ihr war und sie nicht verlassen würde, selbst wenn ihre Eltern ihr nicht verzeihen konnten. Egal wie die Geschichte ausging, Carson würde ihr zur Seite stehen, dessen war Julia sich sicher.
      "Das ist das erste Mal, seit Jahren, dass ich überhaupt darüber nachdenke. Ich habe es lange vor mir hergeschoben, weil ich einfach Angst vor dem Ergebnis habe. Aber für dich ist es das wert. Und ich denke, dass sie dich mögen werden."
    • Carson erwiderte nichts. Er war der festen Überzeugung, dass sich schon alles einrenken würde.

      Er könnte sich daran gewöhnen, jeden Abend so entspannt zu verbringen, wie den vergangenen. In seinem Kopf spukten immer noch Dutzende Ideen herum, wie er sich Julias Eltern vorstellen konnte. Wahrscheinlich würde es einfach nur auf die Frage ankommen, ob er einen seiner Anzüge trug, oder etwas legeres. Was eine ziemlich große Frage sein konnte.
      Carson verdrängte die Gedanken daran, er hatte ja noch Zeit. Sein innerer Kontrollfreak war da anderer Meinung, aber das ignorierte er gekonnt. Stattdessen konzentrierte er sich auf seine Arbeit, um endlich wieder den Deckel drauf zu bekommen. Er hatte sich selbst die Arbeitszeiten gekürzt, um mehr Zeit mit Julia verbringen zu können, aber das bedeutete auch, dass er länger brauchte,um die angestaute Arbeit zu erledigen. Er deligierte, wo er nur konnte und schaffte es sogar irgendwie, Chase dazu zu überreden, einem Familientreffen für die kleinne Charlette zuzustimmen. Die Planung dafür übergab der Geschäftsmann getrost seinem Onkel.
      Nach einer Woche zurück im Sattel hatte sich Carson daran gewöhnt, morgens erst soätee ins Büro zu gehen, um noch mit Julia frühstücken zu können, und abends pünktlich Schluss zu machen, damit sie gemeinsam zu Abend essen konnten. In den Arbeitsfluss zu kommen war leichter. Anfangs hatte er ständig an sie gedacht und ihr permanent Nachrichten geschrieben, aber mittlerweile konnte er sich auf ein Telefonat oder einen kleinen Chat in ihrer Mittagspause beschränken, was zu seinem Arbeitstempo beitrug. Ein Ende war in Sicht, auch wenn es wahrscheinlich noch eine Woche dauern würde.
      Aus seiner bezahlten Paranoia heraus hatte Austin einen Sicherheitscheck von Julias Eltern gemacht und dabei herausgefunden, dass sie wirklich weder Wohnort, noch Telefonnummer in den letzten zwanzig Jahren geändert hatten. Der Linebacker überschlug sich fast vor Sicherheitsrisiken, die das mit sich bringen konnte. Er versuchte Carson immer noch dazu zu überreden, seine Nummer alle sechs Monate zu ändern. Aber Carson macgte das nur einmal im Jahr, meistens, wenn er ein neues Smartphone bekam, genau wie der Rest seiner Familie. Die Firmennummern blieben darüber hinaus alle gleich.

      Nach einem Tag voller Konferenzen zerrte sich Carson die Krawatte vom Hals, noch bevor die Tür wieder ins Schloss gefallen war. Heute war gefühlt jeder zu spät gekommen, etwas, was er überhaupt nicht leiden konnte, weswegen er jetzt das erste Mal in zehn Tagen zu spät nach Hause kam - es war bereits nach acht - und zu allem Überfluss war seine Laune im Eimer und die nervige Verspannung in seinem Nacken war wieder da, wie jedesmal, wenn er eine ganze Weile lang seine Wut runterschlucken musste.


    • In den folgenden Tagen schaffte Julia es erfolgreich das Gespräch mit ihren Eltern vor sich her zu schieben. Sie konnte inzwischen nicht mehr zählen, wie oft sie ihr Handy in der Hand gehalten und die Telefonnummer gewählt hatte, die sie erstaunlicher Weise immer noch auswendig kannte.
      Erst als sie sich am vierten Tag auf der Arbeit in den Finger schnitt, weil sie so sehr ihren Gedanken nachhing, beschloss Julia, dass sie sich nicht ewig vor ihrem Problem verstecken konnte. Sie musste sich ihnen stellen wie eine erwachsene Frau - das war sie Carson schuldig. Und so kam es, dass sie einige Stunden später auf dem Sofa in ihrer Wohnung saß und einmal mehr die Nummer ihrer Eltern wählte. Doch diesmal schaffte sie es den Wähl-Knopf zu drücken und das Mobiltelefon mit zitternden Händen gegen ihr Ohr zu pressen.

      Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis das Rufzeichen durch ein leises Klicken unterbrochen wurde. "Kinnley?" Julia erstarrte, als sie die sanfte Frauenstimme hörte, die so vertraut für sie klang. Einige Sekunden herrschte Stille, bevor ein leicht verwundertes "Hallo?" Julia daran erinnerte, dass sie etwas sagen musste, bevor ihre Mutter auflegte und sie ihre einzige Chance verspielt hatte. "Ähm... Hallo. Hier ist Juliana.", sagte sie deshalb zögerlich. Erneut wurde es still in der Leitung. Sekunden verstrichen, in denen Julia unbewusst ihre Hand fester um den Hörer schloss und betete, dass ihre Mutter nicht einfach auflegen würde.
      "Juliana?", als ihre Mutter endlich wieder sprach, klang sie ehrlich verwundert, doch es schwang noch etwas anderes in ihrer Stimme mit, was Julia nicht genau deuten konnte. Es war seltsam ihren vollen Namen zu hören, doch ihre Mutter liebte ihn und hatte sich deshalb schon immer geweigert ihre Tochter irgendwie anders zu rufen. "Ja. Ich wollte mich entschuldigen, weil ich..." die junge Frau kam nicht dazu ihren Satz zu beenden. "Warte, lass mich deinen Vater holen. Leg nicht auf." Nach dieser Aussage wurde es wieder still in der Leitung. Julia hörte die eiligen Schritte ihrer Mutter, als sie den Flur hinunter eilte. Ein schmales Lächeln legte sich auf ihre Lippen, als sie realisierte, dass die Frau noch immer nicht wusste, dass ihr Telefon einen Stumm-Schalter hatte.

      Nach nicht einmal einer Minute kehrten die Schritte zurück und die sanfte Stimme von Erina Kinnley war erneut aus dem Hörer zu hören. "Juliana, dein Vater ist jetzt auch hier. Ich mache mal den Lautsprecher an." Julia nickte, auch wenn sie wusste, dass ihre Eltern diese Geste nicht sehen konnten. Noch immer war sie unglaublich nervös, auch wenn sie an der Stimme ihrer Mutter hören konnte, dass diese nicht wütend war. "Hallo,", wiederholte sie noch einmal, da sie noch immer nicht genau wusste, wie sie diese Unterhaltung beginnen sollte. "Es ist schön, euch beide einmal wieder zu hören." Vermutlich war das keine sehr einfühlsame Aussage, wenn man bedachte, dass Julia den Kontakt abgebrochen hatte, aber es waren die ersten Worte die ihr gerade in den Sinn kamen.
      "Es ist auch schön, wieder von dir zu hören, Schatz. Geht es dir gut?", diesmal war es die tiefe Stimme ihres Vaters, die aus dem Hörer zu Julia drang. Sie lächelte sanft. "Ja, mir geht es gut. Es geht mir viel besser als vor ein paar Jahren."

      Die nächste Stunde verbrachte Julia damit, ihre Eltern zu erklären, was sie in den letzten Jahren getan hatte und hörte sich im Gegenzug an, was sich im Leben ihrer Eltern verändert hatte - was nicht besonders viel war. Ihr brach das Herz, als sie ihre Mutter leise Schluchzen hörte, nachdem sie ihr erzählt hatte, dass sie nicht mehr mit ihrem ehemaligen Freund zusammen war. Doch sie wusste, dass sie ihm nicht hinterher trauerte, sondern erleichtert war.
      Es wunderte Julia nicht, dass ihre Eltern misstrauisch wurden, als sie von ihrem neuen Freund erzählen, doch nach einigen Minuten Überzeugungsarbeit, schienen die beiden beschwichtigt zu sein. "Du musst ihn uns aber vorstellen.", beschloss ihr Vater und ihre Mutter machte dazu einen zustimmenden Laut. "Ihr könnt zum Essen vorbei kommen und wenn es zu weit ist, könnt ihr über Nacht bleiben. Dann können wir auch endlich das Gästezimmer einweihen. Kannst du dir vorstellen, dass dein Vater endlich damit fertig geworden ist?" Julia lachte leise. Der Enthusiasmus erinnerte sie ein wenig an den von Carson, der auch sofort mit der Planung angefangen hatte. "Dieses Weltwunder muss ich mir natürlich ansehen.", griff sie den Scherz auf. Ihr Vater schwieg. Da seine Frau und Tochter sich schon vor Julias Auszug darüber lustig gemacht hatten, dass er an diesem einen Zimmer immer etwas auszubessern hatte, trug er diese Sticheleien mit Fassung. "Ich werde Carson fragen, wann wir Zeit dazu haben. Eigentlich wollten wir euch zu uns einladen. Ich glaube, er wollte ein bisschen angeben." Den letzten Satz fügte sie ein wenig leiser hinzu, als würde sie ihren Eltern ein Geheimnis verraten.

      Nachdem das Gespräch mit ihren Eltern beendet war, blieb Julia noch einige Minuten lang auf der Couch sitzen. Sie war glücklich, weil sie über ihren Schatten gesprungen war und ihre Eltern nicht wütend auf sie waren. Am Ende hatte Carson Recht gehabt; Ihre Eltern hatten sie nicht aufgegeben und es würde mit der Zeit alles wieder gut werden.



      Es war bereits dunkel, als Carson das Appartement betrat. Julia hatte es sich vor dem Fernseher gemütlich gemacht, stand nun jedoch auf, um ihren Freund zu begrüßen. Am liebsten hätte sie ihm sofort von ihrem Tag erzählt, aber als sie ein unzufriedenes Gesicht und seinen angespannten Körper sah, hielt sie inne. "Hallo Schatz.", sagte sie, während sie auf ihn zuging. "Hattest du einen anstrengenden Tag?"
    • "Nicht unbedingt anstrengend, aber er war gefüllt mit nervtötenden Personen", antwortete Carson und legte seine Arme um Julias Hüften.
      Er zog sie an sich und küsste sie.
      "Das nächste Mal, wenn jemand zu spät kommt, lasse ich denjenigen hundertmal ans Whiteboard schreiben 'Ich darf nicht zu spät zu Konferenzen kommen'. Vier Leute! Drei von denen wissen genau, wie ich auf sowas reagiere. Und Nummer vier wurde garantiert gewarnt. Jeder wird vor mir gewarnt. Och über eine Stunde zu spät und das nur, weil ein paar Idioten zu spät gekommen und dann auch noch überzogen haben. Beinahe wäre ich zu spät zu einer Konferenz gekommen!"
      Er schüttelte den Kopf und löste sich von Julia. Sein innerer Kontrollfreak war gerade am toben und machte ihn verrückt. So verrückt, dass er seine Krawatte von der Couchlehne nahm und sie ordentlich zusammenfaltete, sie auf den Esstisch legte und dann das gleiche mit seinem Jackett machte. Er stützte sich auf die Lehne eines Stuhls und seufzte. Sein Arbeitstag war vorbei, er sollte das einfach ziehen lassen und sich nicht so aufregen.
      "Was hast du heute so gemacht?", fragte er, als er sich wieder umdrehte.
      Erst jetzt bemerkte er das große Pflaster an Julias Finger. Sofort war er bei ihr und ergriff ihre Hand.
      "Was ist passiert?", fragte er besorgt - besorgter, als man wegen eines einfachen Schnittes sein sollte.


    • Julia betrachtete still Carson, der durch das Wohnzimmer tigerte und sich über seine Arbeit ausließ. Es tat ihr leid, dass er einen so stressigen Tag gehabt hatte und gleichzeitig war es frustrierend, dass sie ihm nicht helfen konnte. Sie küsste ihn auf die Wange, bevor sie ihm vorsichtig wieder ihre Hand entzog. Das letzte was sie gerade wollte war, dass er sich auch noch wegen ihr Sorgen machte. "Ich war etwas ungeschickt beim Tomaten-Schneiden. Es ist nur eine Kleinigkeit, kein Grund zur Sorge.", versuchte sie Carson zu beruhigen und strich ihm mit einer Hand über den Rücken. "Warum setzte du dich nicht auf die Couch und ich mache uns einen Tee.", schlug sie vor, wartete jedoch nicht auf eine Antwort, sondern wandte sich bereits ab, um in die Küche zu gehen. "Und dann erzähle ich dir davon, dass ich heute meine Eltern angerufen habe."
    • Carson seufzte und tat, was Julia ihm sagte. Aber kaum saß er, sprang er schon wieder auf.
      "Hast du? Wie ist es gelaufen? Kommen sie her? Fahren wir hin?"
      Er unterbrach sich selbst, indem er sich ein Kissen von der Couch vor den Mund presste. Er wusste, dass er viel zu fröhlich und aufgeregt war, aber brauchte jetzt was aufmunterndes.
      Er konnte sich selbst dazu bringen, sich wieder zu setzen und etwas runterzukommen. Dennoch wippte sein Oberschenkel pausenlos auf und ab. Von jetzt auf gleich war er von genervtem Geschäftsmann zu nervöser Teenager gerutscht.
      "Es ist doch gut gelaufen, oder?", fragte er, als Julia mit den Teetassen wiederkam.
      Tee war ja eigentlich nie wirklich Carsons Ding gewesen, aber wen interessierte das jetzt. Es war eindeutig besser, als wenn er jetzt Kaffee trinken würde.
      "Haben sie dir geglaubt, dass ich dein Märchenprinz bin und nicht der Drache?", fragte er scherzhaft hinterher, mitsamt dem seltsamen Wackeln der Augenbrauen.


    • Julia konnte nur mit Mühe ein Lachen unterdrücken. Es war niedlich den Geschäftsmann so aufgeregt zu sehen wie ein kleines Kind. Sie fühlte ein warmes Gefühl in sich aufsteigen und einmal mehr wurde ihr bewusst, wie viel dieser Mann ihr bedeutete. Ohne ihn hätte sie niemals die Stärke aufgebracht, um ihre Eltern überhaupt anzurufen. Ohne ihn wäre sie nichts weiter, als eine einsame Frau, die sich vor der Welt versteckte.

      "Du hattest Recht.", sagte sie, nachdem sie die Tassen auf dem Couchtisch abgestellt und sich neben Carson auf die Couch gesetzt hatte. "Sie waren nicht wütend, sondern haben sich gefreut, dass ich angerufen habe." Sie lächelte sanft. Noch immer erleichterte diese Tatsache sie sehr. Sie griff nach seiner Hand und sah ihn sanft an. "Danke, dass du mir Mut gemacht hast.Du machst wirklich einen besseren Menschen aus mir." Kurz strich sie mit ihrem Daumen über seinen Handrücken, bevor sie sich zwang ihren Blick von seinen unendlich blauen Augen loszureißen.
      "Es war nicht einfach sie davon zu überzeugen, dass ich nicht einfach nur naiv und verblendet bin, sondern ausnahmsweise einmal eine gute Wahl getroffen habe. Ich kann ihnen nicht übel nehmen, dass sie misstrauisch sind, aber ich denke, sie sind bereit dir eine Chance zu geben.", beantwortet sie Carsons Frage. "Meine Mutter hat uns zum Essen eingeladen, mit Übernachtung, wenn du möchtest. Ich habe ihnen gesagt, dass ich das erst mit dir besprechen werde." Kurz hielt sie inne, damit sie etwas näher zu Carson rutschen konnte. "Was denkst du? Möchtest du gerne das Dorf sehen, in dem ich aufgewachsen bin? Es gibt dort nicht viel zum angucken, aber wir finden bestimmt trotzdem ein kitschiges Souvenir, dass wir mitbringen können."
    • Carson freute sich für Julia. Er hatte gleich gewusst, dass sie sich keine Sorgen machen musste. Immerhin hielt sein Onkel ja aich immer noch zu Cooper...
      "Das klingt wundervoll", sagte Carson und legte Julia einen Arm um die Schultern, "Weißwein oder Rotwein? Oder gar kein Wein und lieber eine Fladche Scotch? Das letzte Mal, als ich mich Eltern vorstellen musste, durfte ich noch nicht trinken, daher weiß ich nicht, was besser ist", lachte er, " ich könnte auch was backen..."

      Julia hatte seinen Abend gerettet. Carson versank in den unendlichen Möglichkeiten eines Geschenkes für Julias Eltern mit kleinen Abstechern in die was ziehe ich an Abteilung. Schlussendlich überließ er Julia die Terminplanung. Sie sollte Dana einfach Bescheid geben, die würde es einplanen.


    • Julia rückte noch etwas näher zu Carson und legte den Kopf auf seine Schulter. Sie konnte sich nicht daran erinnern, wann sie das letzte Mal so glücklich gewesen war. Ihre Eltern hassten sie nicht, sondern waren sogar bereit ihren neuen Freund kennen zu lernen. Und sie würden ihn lieben, dessen war Julia sich sicher. Niemand konnte sich Carsons Charme entziehen.
      "Meine Mutter mag Rotwein, mein Vater ist eher der Bier-Trinker.", beantwortete sie seine Frage. "Aber überfordere sie bitte nicht. Sie leben in einem Dorf, in dem es mehr Kühle als Einwohner gibt, sie sind solchen Luxus genauso wenig gewohnt wie ich." Sie lachte leise, als sie sich daran erinnerte wie schwer es ihr manchmal immer noch viel die Geschenke von Carson zu tragen, weil sie ihr einfach zu wertvoll vorkamen. Doch inzwischen schaffte sie es immer öfter nicht über den Preis nachzudenken, sondern einfach nur die Geste dahinter zu sehen. Und die war einfach unbezahlbar.
      "Vermutlich wird allein unsere Ankunft das halbe Dorf in Aufregung versetzen.", erneut musste sie kichern. "Und für dich wird es vermutlich ein Kulturschock."
    • "Mein Onkel lebt doch auch auf dem Land", gab Carson grinsend zurück.
      Er küsste sie auf die Schläfe, streifte die Schuhe von den Füßen und legte wortwörtlich die Beine hoch. Der Abend war definitiv der beste Teil dieses Abend gewesen.


      Nachdem er Julia ständig damit in den Ohren gelegen und sein gesamtes Wissen über Wein preisgegeben hatte, hatten sie recht schnell ein Wochenende auf dem Land ausmachen können. Stolz erzählte er Chase davon, der das halbe Telefonat verschlief. Charlette hatte eine ordentliche Stimme und das Temperament der Familie Davis: wenn sie etwas wollte, gab sie keine Ruhe, bis sie es auch bekam.
      Justin war empört, als er zu Hause bleiben und sich einen schönen Tag mit seiner Freundin machen sollte. Carson war in Gönnerlaune und ließ sogar einen Tisch für die beiden reservieren.
      Es war eine der seltenen Gelegenheiten, wo man Carson hinter dem Steuer eines Fahrzeuges sah. Es war ein Chevrolet aus der obersten Preisklasse, aber kein Sportwagen. Carson war mehr der Limosinen-Typ. Er heizte auch nicht über die Fahrbahn, dafür gab es keinen Grund. In der Hinsicht war er wohl ziemlich normal.
      Das Navi brachte sie zielstrebig zu fem kleinen Dorf. Das Haus war auch schnell gefunden. Carson parkte gesittet und betrachtete die Gegend. Er würde es nicht unbedingt als Kulturschock bezeichnen, aber es war auf jeden fall etwas anderes. Vor allem das ländliche Aroma war gewöhnungsbedürftig.
      Carson hatte lange überlegt, was er anziehen sollte. Er war schlicht unterwegs mit Jeans und einem Wollpulli über einem Hemd. Mittlerweile war es beinahe kalt genug um zu schneien, der Mntel durfte also nicht fehlen.
      Der Geschäftsmann holte die Weinflasche aus dem Wagen und machte sich Hand in Hand mit Julia auf den Weg zum Haus ihrer Eltern.


    • Auch wenn Julia versuchte es nicht zu zeigen, war sie am Tag ihres Ausfluges aufs Land doch sehr nervös. Und das lag nicht an Carsons Fahrkünsten. Sie hatte seit ihrem Gespräch mit Carson noch ein paar Mal mit ihren Eltern telefoniert, weshalb sie wusste, dass diese sich auf ihren Besuch freuten und ihr die Vergangenheit nicht nachtrugen. Trotzdem konnte sie nicht aufhören sich Sorgen zu machen. Kurz sah sie zu Carson, der sich auf die Straße konzentrierte. Sie wusste nicht, was sie tun würde, wenn ihre Eltern ihn nicht mochten. Noch einmal könnte sie sich nicht zwischen ihrer Familie und ihrem Partner entscheiden. Das würde sie nicht verkraften.

      Als der Wagen endlich sein Ziel erreichte und sie ausgestiegen waren, hielt Julia einen Moment lang inne und sah sich um. Es war ein seltsames Gefühl auf einmal wieder in der Umgebung zu stehen, in der sie ihre ganze Kindheit verbracht hatte. Und seltsamer Weise schien sich überhaupt nichts verändert zu haben.
      Julia führte Carson zu einem kleinen, weißen Backsteinhaus mit einem dunkelrotem Dach. Hinter dem weißen Zaun, der es vom Bürgersteig trennte, blühten mehrere Sonnenblumen. Der Rasen war ordentlich gemäßht und Julia fragte sich, ob ihr Vater wohl extra für ihren Besucht den Garten aufgeräumt hatte.
      Als das Paar vor der hölzernen Einganstür zum Stehen kam, hielt Julia noch einmal an. Ein letztes Mal sah sie zu Carson hinauf und drückte seine Hand leicht. Das diente allerdings nicht dazu, um ihn zu beruhigend, sondern vielmehr versuchte Julia sich selbst Mut zu machen. "Ich liebe dich.", sagte sie leise zu ihm, bevor sie die Hand ausstreckte und auf die Klingel drückte.

      Sie mussten nicht lange warten, bevor die Tür geöffnet wurde und noch bevor Julia den Mund öffnen konnte, hatten sich bereits zwei schlanke Arme um sie gelegt und sie in eine Umarmung gezogen. "Juliana, es ist so schön dich zu sehen.", sagte ihre Mutter, nachdem sie wieder einen Schritt zurück getreten war. Aus der Nähe betrachtet konnte man die Familienähnlichkeit zwischen den beiden Frauen deutlich sehen, jedoch waren die Gesichtszüge ihrer Mutter etwas härter - sie konnte ihre russischen Wurzeln nicht leugnen. Auch hatte ihr Haar einen helleren Blondton. "Du hast zugenommen.", kommentierte die Frau, während sie Julia über die Wange strich. Dann lachte sie sanft. "Das ist etwas Gutes. Früher sahst du immer so aus, als würdest du gleich zerbrechen." Julia wusste wovon ihre Mutter sprach und sie war ihr sehr dankbar, dass sie das Thema sofort wieder fallen ließ.
      Nachdem sie ihre Tochter ausreichend begrüßt hatte, ließ Julias Mutter ihre Hand sinken und wandte sich Carson zu. Ihre Augen musterten ihn einen kurzen Moment lang, bevor sich ein sanftes Lächeln auf ihre Lippen legten. "Ich hoffe, Sie halten mich nicht für unhöflich, weil ich Sie erst jetzt begrüße." Der Fairness halber hatte Julia ihren Eltern erzählt, wer ihr Freund war. Und auch wenn Carson gerade leger gekleidet war, konnte sie ihrer Mutter nicht verübeln, dass sie ein wenig zögerlich war. Der Geschäftsmann konnte seine überwältigende Ausstrahlung einfach nicht ausschalten. In Julias Augen sah er einfach zu gut aus...

      "Es freut mich Sie kenne zu lernen. Sie dürfen gerne Erina zu mir sagen, wenn Sie möchten.", bot die ältere Frau an und reichte Carson die Hand. "Vielen Dank, dass Sie mir meine Tochter zurück gebracht haben." Juliana konnte sich nicht daran erinnern, wann sie zuletzt einen so dankbaren Tonfall in der Stimme ihrer Mutter gehört hatte und einen Moment lang befürchtete, dass sie in Tränen ausbrechen würde. Doch Erina blinzelte nur einmal, bevor sie zurück ins Haus trat und dem Paar die Tür aufhielt. "Kommt rein.", sagte sie lächelnd.

      Julia war erstaunt wie wenig sich in dem Haus verändert hatte. Natürlich hätte sie damit rechnen müssen, dass ihre Eltern nicht innerhalb von wenigen Jahren ihr ganzes Haus umdekorieren würden, trotzdem weckte die Umgebung sofort wieder alte Erinnerungen in ihr. Sie konnte die kleine Juliana sehen, die von der Schule nach hause kam und ihren Rucksack achtlos auf den Boden neben die Kommode warf, nur um ihn eine Minute später wieder aufzuheben, da ihre Mutter mit ihr geschimpft hatte. Sie erinnerte sich an eine noch kleinere Juliana, die im Badezimmer saß und bitterlich weinte, weil sie die Türklinke abgebrochen hatte und nun nicht mehr hinaus konnte. Letztendlich hatte ihr Vater die Tür aufgestemmt, um sie zu befreien und sie dann zusammen mit seiner Tochter auf die Mülldeponie gebracht. Diese böse Tür hatte keinen Platz mehr in ihrer Familie gehabt.
      Sie sah sich selbst neben ihrer Mutter in der Küche stehen, während sie versuchte sie zu überreden sie die Schüssel mit Plätzchenteig auslecken zu lassen und sie sah sich viele Jahre später wieder dort stehen, während sie selbst Kekse backte und versuchte ihren Vater daran zu hindern welche vom Backblech zu klauen, bevor diese abgekühlt waren.

      Dieses Haus war viele Jahre lang der schönste Ort auf der Welt für sie gewesen und auf einmal wusste Julia nicht einmal mehr, wieso sie es jemals verlassen hatte.
      Aber sie bereute diese Entscheidung nicht. Denn sie hatte letztendlich dazu geführt, dass sie den Mann ihrer Träume getroffen hatte und nun mit ihm zusammen hier sein durfte.

      Erst als die kleine Gruppe das Wohnzimmer erreichte, schaffte Julia es, sich wieder aus ihren Gedanken zu reißen. Das lag unter anderem an dem Mann, der dort auf sie wartete. Irgendwie hatte Julia ihren Vater größer in Erinnerung gehabt, doch als er sie nun umarmte, wurde ihr bewusst, dass er kaum größer war als sie selbst. "Willkommen zu hause, meine Hübsche.", begrüßte er sie und klang dabei so freundlich, als wäre sie niemals fort gewesen. Sein Haar war inzwischen ganz ergraut, doch seine Augen hatten das selbe, warme Braun, wie die seiner Tochter.
      Im Gegensatz zu seiner Frau, richtete Julianas Vater recht schnell seine Aufmerksamkeit auf Carson. "Morgan Kinnley, es freut mich sie kennen zu lernen.", stellte er sich vor und schüttelte Carson die Hand. Im Gegensatz zu seiner Frau war er weniger zögerlich, was Julia jedoch nicht wunderte, da er schon immer aufgeschlossen gewesen war. Ihr Vater war schon immer jemand gewesen, der sich nicht von Vorurteilen leiten ließ, weshalb sie sich sicher war, dass er Carson eine faire Chance geben würde.

      "Ich hoffe, Sie mögen Kaffee.", mischte sich nun wieder ihre Mutter ein, während sie ihren Mann und die Gäste anwies am Wohnzimmertisch Platz zu nehmen. "Juliana hat mir nicht viel über Sie verraten, deshalb hoffe ich, dass Sie Apfelkuchen mögen." Sie lächelte ein wenig verlegen, bevor sie sich abwandte und in Richtung der Küche verschwand. Julia sah ihr hinterher, ihr Blick blieb dann jedoch an der großen Glastür hängen, die in den Garten führte. Draußen konnte sie die beiden Apfelbäume sehen, an denen früher ihre Schaukel gehangen hatte. Am anderen Ende des Gartens stand der Schuppen, in dem ihr Vater seine Werkzeuge verstaut hatte und daneben lag der Kräutergarten ihrer Mutter. Es war beruhigend zu sehen, dass sie noch immer ihren Hobbys nachgingen.
      "Ich brenne ja darauf zu erfahren, wie ihr beiden euch kennen gelernt habt.", riss ihr Vater Julia wieder aus ihren Gedanken. "Aber wenn ich anfange euch auszufragen, bevor meine Frau zurück ist, nimmt sie mir das übel." Morgan lachte vergnügt. "Also fange ich lieber mit etwas Harmolsen an... Seit ihr gut hergekommen?"
    • Carsons Kopf ratterte. Er nahm die neuen Eindrücke in sich auf, während er sein bestes Filmstarlächeln aufsetzte. Er konnte das Misstrauen Julias Eltern verstehen, aber er war froh darüber, wie offen sie ihm gegenüber waren.
      "Ich bitte Sie, och werde auf der Arbeit genug gesiezt. Carson reicht völlig", sagte er, als er sich Julias Mutter vorstellte.
      Das gleiche galt für ihren Vater.
      "Sie haben ein Arbeitstier vor sich, Erina. Ich lebe von Kaffee", scherzte er, ehe die Frau in der Küche verschwand und sich das Paar auf dem Sofa niederließ.
      Carson überschlug die Beine, sodass sein rechter Knöchel auf seinem linken Knie ruhte. Völlig automatisch legte er einen Arm um Julia, wirkte dabei aber nicht besitzergreifend. Er brauchte einfach diesen Kontakt zu ihr.
      "Die Fahrt war recht entspannt. Das Navi hat uns nicht in irgendwelche Klippen geschickt, das ist doch was. Bloß der DJ hatte einen seltsamen Musikgeschmack."
      Er lachte leise und küsste Julia auf die Schläfe. Er hatte kein Problem damit, seine Zuneigung zu ihr so offen zu zeigen, nicht einmal vor ihren Eltern.
      "Ich muss schon sagen, Sie haben ein hübsches Haus hier", sagte er und ließ seinen Blick noch einmal schweifen.
      Sein Onkel hatte ihm natürlich einiges über Architektur beigebracht, er hatte ja immer danach gefragt. Er konnte den Wert erkennen, aber auch, dass es niemals verkauft werden würde. Das Ehepaar würde hier so lange leben, wie es ging und dann würde das Haus an Julia gehen mit dem Wunsch, ihre Kinder hier großzuziehen. Carson konnte sich gut vorstellen hier zu leben. Was nicht heißen soll, dass er Julias Eltern den Tod wünschte, Himmel nein!
      "Juli hat mir auch nicht viel über Sie erzählt, falls Sie das tröstet", erklärte Carson, als Erina mit Kaffee und Kuchen zurückkehrte.
      "Es war eine Vorstandssitzung der Save Haven Organisation. Jedes Jahr findet eine zur allgemeinen Übersicht des Vorstandes statt. Dafür lade ich den Vorstand und die Führungsmitglieder der Organisation in mein Hotel ein. Ich bin gern einen Tag früher da - ich bin ein bisschen pingelich, was Pünktlichkeit angeht - und habe den Abend an der Hotelbar verbracht. Ich weiß nicht genau, warum Juli da war, aber ich habe sie quer durch den Raum gesehen und mir gedacht, sie sei das schönste, was ich je gesehen habe. Ich muss gestehen, ich war ein wenig aggressiv in meinen Versuchen, sie für mich zu gewinnen. Ihre Tochter hat mich zweimal - oder waren es dreimal? - abblitzen lassen."
      Er lachte. Wenn man so zurückblickte, war es merkwürdig, dass sie überhaupt ja gesagt hatte.
      "Ich bin froh, dass ich sie doch noch für mich gewinnen konnte. "
      Er lächelte verliebt in Julias Richtung und ließ de Arm von ihren Schultern sinken, um ihre Hand zu ergreifen.


    • Julia konnte sehen, wie sich die Augen ihres Vaters aufhellten, als Carson das Haus lobte. Es war schon immer sein liebstes Hobby gewesen an dem Haus herum zu basteln und seit er in Rente war, fand er immer etwas neues, was er verschönern konnte. "Ich führe euch gerne nachher einmal herum. Juliana, du hast noch gar nicht gesehen, dass ich das Arbeitszimmer neu eingerichtet habe." Er lächelte seiner Tochter stolz zu und diese konnte nicht anders, als dieses Lächeln zu erwidern. Sie hatte diesen Enthusiasmus ihres Vaters sehr vermisst. Er schien völlig verdrängt zu haben, dass er gerade einen reichen Geschäftsmann vor sich hatte, der sich jedes Designermöbelstück leisten konnte, das er wollte. Doch wenn Julia ehrlich war, war ihr das sehr Recht. Carson so viel mehr und sie war glücklich, dass ihre Eltern das sahen.
      "Lass die beiden doch erst einmal ankommen und etwas essen.", warf Erina ein, die in diesem Moment mit dem Kaffee und Kuchen an den Tisch zurück kam und ihn wie selbstverständlich auf die Teller verteilte. Nachdem sie jedem eingeschenkt hatte, nahm sie neben ihrem Ehemann Platz und schlug die Beine übereinander. Sie nahm ihre Kaffeetasse in die Hand und betrachtete das Pärchen. Sie musste nichts sagen, der warme Ausdruck in ihrem Blick zeigte, dass es ihr gefiel wie vertraut die beiden miteinander umgingen. Und spätestens als Carson von ihrem ersten Zusammentreffen erzählte, erkannte Julia, dass ihre Mutter seinem Charm erlegen war.

      "Ich muss zugeben, dass ich ihn am Anfang für einen ziemlichen Schürzenjäger gehalten habe.", gab sie zu und lachte leise. "Es setzte sich schließlich nicht jeden Tag jemand an die Bar und sagt 'Mir gehört dieses Hotel, ich bestehe darauf Ihnen einen Drink auszugeben.' Du kannst mir nicht verübeln, dass ich dir das nicht abgenommen habe, Schatz." Sie drückte Carsons Hand leicht. Im Nachhinein fand sie die Situation irgendwie komisch. Vielleicht weil sie so unglaublich klang. "Aber am nächsten Tag wurde ich von meinem Chef eines besseren belehrt, da er Carson natürlich kannte. Das war mir so peinlich." Sie kicherte leise und beobachtete, dass auch ihre Mutter schmunzelte.

      Die nächsten Stunden schienen wie im Flug zu vergehen. Julia erzählte von ihrer Arbeit und dem gemeinsamen Urlaub mit ihrem Freund und im Gegenzug erfuhr sie von der Arbeit ihrer Mutter, die noch immer als Lehrerin arbeitete. Während ihre Eltern sich mit Carson unterhielten, ließ Julia ihren Blick durch das Wohnzimmer streifen und sie hielt inne, als sie die Wand sah, an der mehrere Familienfotos aufgehängt worden waren. Natürlich kannte sie bereits die Bilder von sich als keines Mädchen mit blonden Zöpfen oder als Teenager vor ihrem Abschlussball. Und auch das von ihren Eltern an ihrem Hochzeitstag.
      Sie war gerade dabei zu überlegen, ob sie Carson die Fotos zeigen sollten, als ihr Blick auf ein Bild fiel, das sie bisher noch nie gesehen hatte. Es war ein Bild von Juliana, die unter einem Kirschbaum auf einer Bank saß. Obwohl es sehr warm zu sein schien, trug sie ein T-Shirt mit halblangen Ärmeln. Sie hatte ihre Hände artig auf ihrem Schoß gefaltet, doch obwohl sie lächelte wirkte ihr Körper angespannt. Die Blondine erinnerte sich an diesen Moment, es war der Geburtstag ihrer Tante gewesen, zu dem sie mit ihrem damaligen Freund gegangen war. Zum ersten Mal fiel ihr auf, wie distanziert ihr Blick damals gewirkt hatte. Ihr Lächeln wirkte aufgesetzt und kurz schoss ihr durch den Kopf, dass Andrew sie früher immer mit einer Puppe verglichen hatte. Hübsch, aber nur eine Hülle.
      Es war anstrengend gewesen eine glückliche Fassade aufrecht zu erhalten, vor allen vor ihren Eltern und Freunden.

      Julia verstand nicht ganz, wieso ihre Eltern so ein Foto aufgehoben und sogar aufgehängt hatten. Aber dann wurde ihr bewusst, dass es vermutlich das letzte Bild war, das sie von Julia hatten und ihr Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Sie riss ihren Blick von der Wand los und sah zu ihrer Mutter, die gerade ihren Vater dafür maßregelte, dass er schon wieder von einem seiner Renovierungsprojekte erzählte. Ein liebevolles Lächeln legte sich auf ihre Lippen, während sie beschloss, dass sie ihren Eltern zu Weihnachten ein neues Bild schicken würde. Ein Bild von Carson von ihr.
    • Carson lauschte den Bauplänen des älteren Mannes vor sich mit der gleichen Aufmerksamkeit wie all den anderen Geschichten. Wieder eine Frage des Respekts in seinen Augen, aber er hörte auch gern zu; es waren interessante Geschichten.
      "Wenn Sie wollen, kann ich Ihnen gern dabei helfen. Das klingt nach einem Zwei-Mann-Job."
      "Sie sind Handwerker? Ich dachte, bei Ihrer Gehaltsklasse bezahlt man dafür jemanden?"
      Carson lachte. Er konnte verstehen, warum Morgan so dachte.
      "Für den Davis Tower ist eine ganze Armee von Hausmeistern zuständig, ja. Aber ich unternehme mindestens einmal im Jahr eine Reise nach Afrika und helfe beim Bau von Brunnen, Schulen, Krankenhäusern, sowas eben. Charity-Arbeit ist eine Herzensangelegenheit für mich. Persönlich engagiere ich mich in siebenunddreißig verschiedenen Organisationen - eine davon ist Save Haven - Davis Industries unterstützt mit 221 weltweit die meisten Organisationen. In meiner PR-Abteilung arbeitet es sich ziemlich entspannt."
      Er versuchte, nicht allzu sehr die Werbetrommel zu schwingen.
      "Was ich damit sagen will: ich kann einen Nagel gerade in die Wand schlagen."

      Sie unterhielten sich weiter und schlussendlich ließ sich Carson doch zeigen, was das für ein neues Projekt war. Die Männer verschwanden also in den Garten und der Geschäftsmann ließ sich erklären, wie der Pavilion aussehen sollte. Morgan war beeindruckt von dem handwerklichen Wissen, dass er mitbrachte.
      "Du passt doch auf mein Mädchen auf, oder?"
      Carson hatte ihn endlich dazu gebracht, das Du zu verwenden.
      "Natürlich. Ich weiß, wie es ist, wenn ein Schläger im Haus lebt. Ihr wird kein Haar gekrümmt, von niemandem. Dafür sorge ich."
      Morgan war überrascht von dieser Ernsthaftigkeit, aber er schätzte es. Und dann verloren sie sich so sehr in ihrem fachmännischen Gespräch, dass sie gleich loslegten. Obwohl es schon spät war und immer kälter wurde, zog Carson seinen Pullover und sein Hemd aus, Morgan krempelte die Ärmel hoch. Gemeinsam holten sie den alten Metallrahmen runter und nahmen ihn auseinander. Sie hatten beschlossen, den Baumarkt am nächsten Tag auszuräumen und einen komplett neuen zu bauen.


    • Während die beiden Männer sich im Garten ans Werk machten, saßen Julia und ihre Mutter gemeinsam auf dem Sofa und sahen ihnen durch die Fenster hindurch zu. "Kannst du dir vorstellen, dass dein Vater früher auch so gut gebaut war?", sagte Erina auf einmal, während sie ihre Kaffeetasse auffüllte. Julia legte leicht den Kopf zur Seite. Morgan war schon immer fit gewesen, doch inzwischen sah man ihm an, dass er gerne Bier trank. Es fiel der Blondine schwer ihn sich als etwas anderes als einen liebevollen Teddybären vorzustellen. "Ich denke, dass sie sich gut verstehen werden.", sagte sie, da sie ihre Mutter nicht vor den Kopf stoßen wollte. Doch diese lachte nur leise. "Das denke ich auch. Wenn dein Vater ihn bei einem seiner Projekten helfen lässt, mag er ihn wirklich." Julia nickte, wandte jedoch den Blick nicht von den beiden Männern ab, die sich inzwischen an einem Metallgerüst zu schaffen machten.

      Einige Zeit lang herrschte Stille zwischen den beiden Frauen, bevor Erina leise sprach: "Keine Angst, ich mag ihn auch." Julia drehte ihren Kopf ruckartig zu ihrer Mutter und sah sie erstaunt an. "Wirklich?" Natürlich freute sie diese Aussage, aber gleichzeitig überraschte es sie, wie schnell ihre Eltern Carson akzeptiert hatten.
      Erneut härte sie ihre Mutter lachen. "Ja, wirklich.", bestätigte die Frau, bevor sie eine Hand hob und ihrer Tochter sanft über die Wange strich. "Ich gebe zu, dass ich am Anfang skeptisch war. Aber wenn du bei ihm bist, scheinst du zu leuchten. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich dich das letzte Mal so glücklich gesehen habe.", sagte sie sanft. Julia nickte. "Das bin ich auch.", gab sie zu. "Bei ihm habe ich das Gefühl, dass mir nichts passieren kann und ich nichts falsch machen kann. Es ist wundervoll. Deshalb wollte ich auch, dass ihr ihn kennen lernt." Einen Moment lang sah es so aus, als würde Erina mit den Tränen kämpfen, aber dann kehrte das liebevolle Lächeln auf ihr Gesicht zurück. "Ich möchte, dass du das tust, was dich glücklich macht. Nicht das, was andere glücklich macht... sondern nur dich. Und dabei werde ich dich immer unterstützen. Wenn du dir sicher bist, dass er der richtige ist, dann ist er hier immer willkommen. Und wenn sich die Dinge ändern, kannst du jederzeit zu uns kommen. Versprich mir das, Schatz." Diesmal war Julia diejenige, die lächelte. "Versprochen.", sagte sie, bevor sie ihre Mutter kurz in die Arme schloss.

      Nachdem sie sich wieder von ihrer Tochter gelöst hatte, sah Erina wieder in Richtung des Gartens. "Eure Kinder werden bestimmt bezaubernd aussehen." Julia riss erschrocken die Augen auf. "Mom.", war alles, was sie heraus brachte. Aber diese lachte nur. "Ich sage ja nicht, dass es sofort sein muss, aber ich hätte nichts dagegen, wenn meine Enkelkinder irgendwann im Garten spielen würden. Dein Vater hat die Schaukel immer noch aufgehoben."
    • Nachdem die Männer den alten Pavilion auseinander genommen hatten, stapelten sie die Teile ordentlich neben dem Werkzeugschuppen. Dann schnappte sich Carson seine Klamotten und sie kamen wieder rein.
      "Schatz, den müssen wir behalten", verkündete Morgan, lachend, "der kann anpacken!"
      Carson wurde mit einem ordentlichen Klaps auf den Rücken belohnt. Der alte Mann hatte ganz schön Kraft.
      Der Geschäftsmann schlang einen Arm um Julias Hüfte und küsste sie auf die Wange.
      "Siehst du? Sie wollen mich schon adoptieren, so gern haben sie mich. Ich würde sagen, Mission geglückt", scherzte er offen.
      "Scherz beiseite. Erina! Darf ich Ihnen beim Abendessen helfen? Dann dürfen Sie mich persönlich ausfragen, wie Ihr Mann eben."
      Carson hatte hier viel zu viel Spaß.
      "Und kochen kann er auch noch?", rief Erina lachend aus uns hakte sich bei Carson unter, ehe sie ihn zur Küche führte.
      Man konnte noch hören, wie er Julias Mutter versicherte, den Küchentyrann wegzusperren und nett zu sein.


    • Julia sah ihrem Freund hinterher, als er mit ihrer Mutter in Richtung Küche verschwand. Das Bild war ein wenig seltsam, da ihre Mutter eigentlich ein zurückhaltender Mensch war, weshalb es Julia ein wenig irritierte sie so zu erleben. Doch letztendlich beschloss sie, dass es ihr recht war, wenn dies bedeutete, dass ihre Mutter Carson mochte. Und es war schön zu sehen, dass auch ihr Freund sich wohlzufühlen schien.
      Sie lächelte sanft. Es war beeindruckend wie der Geschäftsmann es fertig brachte die Kontrolle zu übernehmen und ihre Eltern um den Finger wickelte, ohne dass sie es bemerkten. Aber im Grunde war das bei ihr nicht anders.

      Da sie nichts besseres zu tun hatte, setzte sie sich zu ihrem Vater auf das Sofa. "Er ist toll, nicht wahr?", sagte sie. Sie wusste, dass ihr Vater schon längst die verliebten Blicke aufgefallen waren, die sie ohne es zu wollen immer wieder in Carsons Richtung warf. Sie hatte ihm noch nie etwas verheimlichen gekonnt. Der ältere Mann nickte und lächelte warm. "Da hast du einen guten Fang gemacht, Kleines. Ach, was sage ich da... er hat einen guten Fang gemacht." Er lachte amüsiert auf. Julia schüttelte nur den Kopf, konnte aber ein Lächeln nicht unterdrücken. "Ich weiß manchmal immer noch nicht, was er an mir findet. Aber ich beschwere mich nicht." Morgan legte ihr einen Arm um die Schulter und zog sie an sich. "Du brauchst ein bisschen mehr Selbstbewusstsein.", stellte er fest. Es war etwas, was die junge Frau schon oft gesagt bekommen hatte, weshalb sie sich nicht die Mühe machte, etwas darauf zu erwidern. "Als ich deine Mutter kennen gelernt habe, ging es mir aber nicht anders.", fuhr Morgen fort, sein Blick folgte dem von Julia in Richtung der Küche, während er in Gedanken zu versinken schien. "In meinen Augen war sie die schönste Frau auf der Erde - das ist sie heute noch. Am Anfang hatte ich immer Sorge, dass sie irgendwann jemand besseren findet, oder es ihr mit mir zu langweilig wird. Aber erstaunlicher Weise, ist sie immer noch da." Er lachte, offensichtlich amüsiert über seinen eigenen Scherz. "Was ich damit sagen will, Schatz... genieß die Zeit, die ihr zusammen habt und mach dir nicht so viele Sorgen, um Dinge, die vielleicht niemals geschehen. Erlaub dir selber glücklich zu sein."
    • Carson nahm sich zurück und spielte den Assistenten. Erina sagte ihm, was sie brauchte und wo er es finden konnte und er holte es.
      "Jetzt sagen Sie doch mal Carson, was machen Sie eigentlich genau? Man hört Ihren Namen im Fernsehen immer nur, wenn etwas in Flammen aufgeht."
      Carson lächelte.
      "Bitte, Erina. Duzen Sie mich."
      "Nur wenn du es auch tust."
      "Deal."
      Beide lachten kurz. Carson begann, Gemüse kleinzuschneiden.
      "Davis Industries ist mehr eine Investmentfirma als alles andere. Wir produzieren nicht direkt. Stell dir es wie Monopoly vor: ich kaufe für viel Geld einen Teil einer Straße, dann die ganze Straße, dann baue ich Häuser drauf. Das ist teuer, aber sobald die Spieler auf meinen Feldern landen, verdiene ich mich dumm und dämlich. Das in groß ist, was ich tue. Natürlich muss man Angebot und Nachfrage abwägen und schneller als die Konkurrenz sein. Aber runtergebrochen ist es nichts weiter als eine sehr teure Version von Monopoly."
      Erina nickte. Sie brauchte einen Augenblick, um es gänzlich zu begreifen.
      "Und das funktioniert so gut?", fragte sie.
      Carson verstand die Frage nicht ganz, immerhin war er steinreich und das war kein Geheimnis.
      "Mein neustes Steckenpferd sind Kickstarter-Firmen. Mit denen kann man die Gewinnspanne maximieren, wenn man etwas Zeit reinsteckt. Wenn es dann auch noch um Technik geht, hat man den Jackpot geknackt."
      Erina versuchte wirklich, allem zu folgen. Carson konnte es ihr ansehen.
      "Weißt du was?", sagte er und reichte ihr eine Schüssel mit geschnittenen Zwiebeln, "du musst das nicht verstehen. Ich musste es studieren und ein gewisses Talent dafür erbenum so erfolgreich zu werden. Und ich hatte ordentlich Hilfe am Anfang. Ohne meinen Onkel hätte ich das nie geschafft."

      Carson und Erina unterhielten sich noch eine Weile und das Gespräch war sehr viel tiefschürfender als das mit Morgan. Aber Carson beantwortete alles wahrheitsgemäß und ehrlich.
      Schließlich kamen die beiden aus der Küche zurück, das Essen musste vor sich hin kochen.
      "Schatz, du hast recht. Wir sollten ihn wirklich behalten."
      Carson lachte und ließ sich neben Julia sinken. Sofort hatte er ihre Hand ergriffen und küsste ihre Knöchel. Er hatte den heutigen Abend - und Julias Eltern - für sich gewonnen. Voller Erfolg.
      "Ich war ganz brav", versicherte er Julia, "deine Mom hat den Ton angegeben."


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