[2er RPG] Burning Desire

    • Carson hob die Decke, damit Julia sich zu ihm legen konnte, dann legte er den Arm beinahe schon beschützend um sie, obwohl es hier absolut nichts gab, was ihr gefährlich werden könnte. Wie von allein begannen seine Finger, das altbekannte Symbol der Unendlichkeit auf ihre Hüfte zu zeichnen, während seine freie Hand auf der Wärmflasche lag. Die Augen offen zu halten war anstrengend, also tat er es nicht. Aber er schlief auch noch nicht ein. Dafür war er zu wach.
      "Weißt du... Eigentlich sollte ich es Andrew sagen. Ich verdanke ihm so viel, er hat mir quasi das Leben gerettet. Aber du bist in sowas sicher diplomatischer. Seid nur bitte lieb zu ihm, er hat es verdient."
      Er brummte leise, küsste Julia auf den Scheitel und schwieg einen Augenblick. Er dachte darüber nach und ihm wurde bewusst, dass es überflüssig war.
      "Wir machen es zusammen. Du übernimmst die Gesprächsführung und ich bin moralische Unterstützung. Außerdem kann er dir auf diese Weise nicht blöd kommen. Zwar schätze ich Andrew nicht so ein, aber man weiß ja nie. Immerhin bin ich technisch gesehen sowohl sein, als auch dein Boss."
      Bei dem Gedanken daran, dass irgendjemand Julia etwas antun könnte, wenn auch nur verbal, weil sie mit ihm zusammen war, zog sich sein Magen unangenehm zusammen. Er dachte schon, es sei der Infekt, aber das hatte sich bisher immer anders angefühlt. Julia war keine von diesen berüchtigten Frauen, die sich die Karriereleiter hoch schliefen. So war sie nicht, niemals.
      "Ich liebe dich, Juliana Kinnley", murmelte, als ihm einmal mehr klar wurde, wie sehr er sie brauchte und wie sehr es ihn schmerzte, nur daran zu denken, dass ihr etwas passieren könnte.


    • Julia legte ihren Kopf auf Carsons Brustkorb und schloss die Augen. Zwar war sie nicht müde, aber die Wärme, die von dem Mann ausging und die kleine Zeichnung, die er auf ihrer Hüfte anfertigte, hatten etwas sehr beruhigendes. Es erstaunte sie immer wieder, wie sicher sie sich in der Umarmung des Geschäftsmannes fühlte, vor allem da sie niemals gedacht hätte, dass sie jemals wieder einen Mann so nah an sich heran lassen könnte. Aber sie glaubte daran, dass ihr nichts passieren würde, so lange Carson nur bei ihr war.

      "Wir machen es zusammen. Du übernimmst die Gesprächsführung und ich bin moralische Unterstützung. Außerdem kann er dir auf diese Weise nicht blöd kommen. Zwar schätze ich Andrew nicht so ein, aber man weiß ja nie. Immerhin bin ich technisch gesehen sowohl sein, als auch dein Boss." Julis musste leise lachen, als sie Carsons Worte hörte. "Das klingt ein wenig, als würde ich dich meinen Eltern vorstellen.", murmelte sie, wurde dann aber wieder ernster. "Im Grunde sind die Leute da inzwischen auch so etwas für mich." Sie war Carson sehr dankbar für das Angebot, auch wenn sie nicht wusste, wie sie Andrew ihre Beziehung erklären sollte. Für einen Außenstehenden musste es wirklich ungewöhnlich wirken und konnte sehr leicht falsch verstanden werden. Aber sie beschloss sich Mühe zu geben, damit Carson nicht in ein falsches Licht gerückt wurde.
      "Das kann im Moment aber noch warten. Erstmal wirst du wieder gesund.", beschloss sie nach einer kurzen Pause und kuschelte sich dabei etwas enger in die Arme ihres Freundes. "Ich liebe dich auch, Carson Davis.", gab sie zurück. Obwohl sie diese Worte schon oft gesagt hatte, klang es formeller, wenn sie seinen vollen Namen benutzte. Beinahe wie ein Heiratsantrag... Am liebsten hätte Julia sich selbst geohrfeigt. Sie verstand nicht, woher dieser Gedanke auf einmal gekommen war und sie verscheuchte ihn ganz schnell wieder aus ihren Gedanken.
    • Den Nachmittag über döste Carson vor sich hin. Sein Magen rumorte immer mal wieder und mit Fortschreiten der Zeit kamen auch die Kopfschmerzen zurück, aber er schaffte es, im Bett zu bleiben. Seine Gedanken ließ er wandern, aber die hatten wenig Lust dazu. Hauptsächlich überlegte er, was er alles an Arbeit zu erledigen hatte, wenn er wieder in sein Büro durfte. Ansonsten dachte er bloß daran, was er Julia schenken könnte. Oder was er ihr am Sonntag kochen sollte - obwohl ihm irgendetwas sagte, dass sie ihn nicht in die Küche lassen würde. Krank sein nervte!

      Am Abend traf ihn der Infekt dann wieder mit einer vollen Breitseite und er ließ sich das kleine Frühstück, das er im Haus seines Onkels gehabt hatte, noch einmal durch den Kopf gehen. Er war einfach plötzlich aufgesprungen und ins Badezimmer gehechtet, als sich der Würgereiz gemeldet hatte. Jetzt saß er seit einer Stunde neben der Toilette, genoss die kühlen Fliesen und hangelte sich von Magenkrampf zu Würgeattacke. Er hatte eigentlich gehofft, dass es jetzt, wo er einen guten Tag gehabt hatte, es endlich wieder bergauf ging und er nächste Woche wieder arbeiten konnte, aber jetzt war schon Mittwoch und er fühlte sich keinen Deut besser. Im Gegenteil, es fühlte sich schlimmer an! Am Freitag musste er diese Telefonkonferenz abhalten... Den Notar hatte Chase an sich gerissen. Er würde morgen vorbeikommen und Carson eine Vollmacht unterzeichnen lassen. Und Austin übernahm die Polizei und das Fire Department. Momentan schien sogar das Unterzeichnen dieser Vollmacht für seinen Cousin wie ein Ding der Unmöglichkeit.


    • ((Du gehst also wirklich davon aus, dass Julia Carson eine Stunde lang auf dem Boden im Bad sitzen lässt? Finde ich unrealistisch, aber okay...))

      In der sicheren Umarmung von Carson schaffte Julia es, sich zu entspannen und schloss zufrieden die Augen. Zugegebener Maßen war es ein wenig langweilig einfach nur im Bett zu liegen, obwohl sie nicht wirklich müde war. Doch da Carson seine Ruhe brauchte, wehrte Julia sich nicht. Er hatte gesagt, dass er sich Sorgen machte, wenn sie nicht bei ihm war, deshalb brachte sie es nicht fertig sich aus seinem Halt heraus zu winden und stattdessen etwas anderes zu tun. Und genau genommen gab es in der großen Wohnung auch nichts, was sie tun könnte. Zu hause würde sie vielleicht aufräumen, etwas kochen oder Wäsche waschen. Für all diese Dinge gab es hier Angestellte. Julia war sich nicht sicher, ob sie sich jemals daran gewöhnen würde und malte sich in ihrem Kopf bereits aus, wie das Personal reagieren würde, wenn sie darauf bestand selbst das Bad zu putzen oder ähnliches. Vielleicht sollte sie sich lieber ein Hobby suchen...

      Während Julia ihren Gedanken nach hing, döste sie selbst langsam ein. Jedoch wurde sie jäh wieder aufgeweckt, als Carsons Arme sich mit einem Mal ruckartig von ihr lösten und die Decke zur Seite geworfen wurde, was dafür sorgte, dass ein Schwall kalte Luft über Julia hinweg wehte. Erschrocken öffnete sie die Augen, aber während ihr Kopf noch versuchte zu verstehen, was gerade geschah, hörte sie bereits ein Geräusch, das ihr in den letzten Tagen leider viel zu vertraut geworden war.
      Eilig stand sie aus und folgte Carson ins Badezimmer. Ihr Freund hatte das Schlimmste bereits hinter sich gebracht, saß jedoch immer noch auf dem Boden vor der Kloschüssel und war weiß wie ein Laken. Sie kniete sich neben ihm und strich ihm vorsichtig mit der Hand über den Rücken, während sie wartete, ob in seinem Magen noch etwas war, was über den falschen Weg ins Freie wollte. Zum Glück geschah dies nicht, jedoch war Carson auch nach einigen Minuten nicht bereit aufzustehen. Anfangs hatte Julia noch versucht ihm gut zuzureden und zu erklären, dass er wieder ins warme Bett gehen musste, doch der Geschäftsmann hörte nicht auf sie. Stattdessen erzählte er etwas von einer Telefonkonferenz, an der er unbedingt teilnehmen musste. Zuerst hatte Julia überlegt, ob Carson nun schon halluzinierte, aber dann erinnerte sie sich daran, dass er tatsächlich so etwas erwähnt hatte, noch bevor er richtig krank geworden war. Sie seufzte leise und schwieg. Was sollte sie schon sagen? Ein Teil von ihr war davon überzeugt, dass es ihm besser gehen würde, wenn er seine Medikamente, die Austin extra für ihn gekauft hatte, regelmäßig nehmen würde, anstatt sich aufzuregen und zu seiner Familie zu fahren. Aber sie hatte nicht das Recht ihn zu belehren. Sie wusste ja nicht, wie sie an seiner Stelle reagiert hätte.

      "Wenn die Konferenz so wichtig ist, sollten wir noch einmal den Arzt kommen lassen. Er kann dir sicher etwas verschreiben, was etwas schneller wirkt als die Sachen, die wir hier haben.", sagte sie, nachdem sie noch einige weitere Minuten neben ihrem Freund gesessen hatte. Es besorgte sie, dass er so still war und wenn sie ihn schon nicht zum Aufstehen bewegen konnte, so wollte sie doch zumindest verhindern, dass er einschlief. "Es wird ihm nicht gefallen, aber vielleicht kann ich ihn überreden. Er schien sehr nett zu sein." Eigentlich war sie von ihrem Vorschlag selbst nicht überzeugt, doch sie wollte Carson helfen. Und da sie bereits ein paar Mal gelernt hatte, wie stur er sein konnte, versuchte sie einen Kompromiss zu finden. Selbst wenn er nicht auf sie hörte, würde sie doch versuchen ihn zu unterstützen.
      Während sie sprach strichen sie ihm immer wieder beruhigend über den Rücken. "Wenn ich irgendwas für dich tun kann, brauchst du es nur zu sagen. Du musst nicht mehr alles alleine hinbekommen."
    • (Wenn du ständig denkst, dich erneut übergeben zu müssen, dann sitzt man auch schonmal eine Stunde neben der Schüssel und genießt die Fliesen. Ich spreche aus eigener Erfahrung xD)

      "Ich krieg das schon hin", murmelte Carson, "Ich mach's nicht gern, aber ich werd's von hier aus im Schlafanzug machen. Sieht mich ja keiner."
      Er lehnte den Kopf gegen Julianas Schulter. Die Magenkrämpfe waren noch da und jagten in unregelmäßigen Abständen einen stechenden Schmerz durch sein Nervensystem, aber die Übelkeit flaute ab, sodass es nur noch unangenehmes Hintergrundrauschen war. Doch wenn Carson daran dachte, wie weit weg sein Bett gerade war, verließ ihn auch noch das letzte Bisschen an Motivation, das er hatte, aufzustehen. Die Fliesen waren überraschend bequem und es war angenehm, wie sie ihn abkühlten.
      Er wusste nicht mehr, was er wollte. Bett, Julia, etwas essen, einen neuen Magen, jemand anderes sein, alles mögliche stand zur Auswahl, aber er konnte sich nicht entscheiden. Oder zu irgendetwas aufraffen.

      Am nächsten Tag sah es nicht wirklich besser aus. Carson hatte es immerhin wieder ins Bett geschafft - dank Julia - aber außer Schlafen war nicht viel drin. Sein Fieber sprang den ganzen Tag zwischen leicht unter und leicht über 39° hin und her, er bekam nichts außer Flüssigkeiten und Tabletten runter. Er wollte duschen...
      Freitag morgen fühlte er sich nur ein wenig besser. Ihm war nicht mehr schlecht, die Magenkrämpfe hatten einigermaßen nachgelassen, sein Fieber hatte sich bei knapp 38° eingependelt. Er hatte sich sogar zu einer Dusche aufraffen können und saß in Flanellhosen am Esstisch, in den Händen eine warme Tasse Tee, als Austin den Telefonlautsprecher aus einem Konferenzraum und ein paar Akten brachte. Dana hatte alle möglichen Post-Its reingeklebt, um die unübersichtlichen Daten zusammenzufassen, damit Carson eine Grundlage hatte. Er war vollgedröhnt mit fiebersenkenden Mitteln, Schmerzmitteln, etwas gegen Krämpfe und Übelkeit. Gegessen hatte er seit beinahe drei Tagen nicht mehr. Er ernährte sich nur von diesen Tabletten, Wasser und Tee, wenn er mutig war. Dennoch setzte er sich gerade hin, atmete tief durch und ließ den knallharten Geschäftsmann von der Leine, als Dana über den Lautsprecher verkündete, dass sie die Verbindung jetzt herstelle.

      Das Gespräch verlief zum Glück sehr schnell und recht reibungslos. Nach nur eineinhalb Stunden legte Carson wieder auf, schlug die Akten zu und ließ den Kopf auf die Tischplatte sinken. Er war müde, wollte aber gar nicht daran denken, jetzt die Treppe hoch ins Schlafzimmer zu erklimmen. Die Couch schien auch recht verlockend...
      Vorher aber wies er Dana noch an, in seinem Namen eine E-Mail zu schreiben. Er sorgte dafür, dass Julia noch eine weitere Woche bei ihm bleiben konnte. Das schaffte er, indem er Dana vorher einige seiner Ski-Freunde kontaktieren ließ, die sich sofort bereiterklärten, Save Haven jeweils eine größere Summe zu spenden. So konnte er Andrew mit Leichtigkeit davon überzeugen, dass Julia einen großen Fisch nach dem anderen an Land zog.

      Am Sonntag kam Dr. Hearne noch einmal vorbei. Er checkte Carson Ordnungsgemäß durch, pumpte ihn über zwei Stunden mit ein paar Nährstoffen voll und bekräftigte noch einmal, dass er einfach im Bett bleiben solle. Es dauerte noch drei weitere Tage, bis Carson wieder wirklich Appetit auf etwas bekam und das, was er aß auf drin behalten konnte. Von da an ging es allerdings stark bergauf. Rasieren schien keine Mammutaufgabe mehr zu sein, anziehen wurde wieder interessant und schließlich sogar notwendig für das geistige Wohl. Er konnte so lange duschen, wie er wollte, ohne Probleme mit dem Kreislauf zu bekommen und die Toilette nutzte er wieder richtig.
      Am nächsten Freitag war er wieder ganz er selbst. Um fünf stand er auf, sah sich die Nachrichten an, las ein bisschen Zeitung, ließ sich einen Kaffee und ein kleines Frühstück von Ricardo schmecken. Und heilige Mutter Gottes freute er sich auf sein Büro!


    • Obwohl Julia nicht krank war, war die Woche für sie anstrengender als gewöhnlich. Sie schlief unruhig, als würde ihr Unterbewusstsein ständig darauf warten, dass es Carson schlechter gehen oder er sie brauchen könnte. Außerdem schmeckte das Essen ohne ihn nur halb so gut und wurde dadurch zu einer lästigen Pflichtaufgabe für Julia, die sie nur ausführte, weil sie dem Koch nichts ausschlagen konnte.
      Eigentlich hatte Julia sich vorgenommen sich weniger Sorgen zu machen und Carson nicht mehr zu bevormunden, aber sie schaffte es nicht ganz diesen Vorsatz umzusetzen. Es gelang der jungen Frau zwar ihre Sorgen nicht mehr so offen zu zeigen, aber innerlich wünschte sie sich jeden Tag aufs neue, dass es ihrem Freund endlich besser gehen würde.

      Zwischenzeitlich hatte Julia überlegt, ob sie den Tower nicht für ein paar Stunden verlassen sollte, um sich abzulenken. Aber ein strenger Blick von Austin hatte genügt, um sie von dieser Idee abzubringen. 'Sie sollten vorher mit Mr. Davis darüber sprechen.' hatte er gesagt und Julia war sich nicht sicher, ob er befürchtete, dass sie davon laufen könnte oder er wusste, dass Carson sich Sorgen machen würde, wenn er aufwachte und seine Partnerin nicht finden konnte.
      Letztendlich hatte Julia sich dann doch gegen einen Ausflug entschieden und sich stattdessen mit ihrem Laptop auf die Dachterrasse gesetzt, um von dort aus zu arbeiten. Die frische Luft war angenehm und die Aussicht einfach umwerfend. Wenn sie sich anstrengte, konnte sie sogar bis zu ihrer Wohnung sehen... Der Anblick sorgte dafür, dass sie ein wenig wehmütig wurde. Sie wollte gerne zurück nach hause und nachsehen, ob alles in Ordnung war. Doch gleichzeitig wollte hier bleiben. Es war ein seltsames Gefühl.

      Es hatte Julia ein wenig überrascht, als Andrew sie darüber informierte, dass sie auch noch in der nächsten Woche für Mr. Davis arbeiten würde. Natürlich freute es die junge Frau, obwohl es ihr lieber gewesen wäre, wenn Carson vorher mit ihr darüber gesprochen hätte. Hatte sie ihn nicht sogar einmal darauf angesprochen? Aber letztendlich verwarf Julia diese Gedanken. Sie war glücklich, dass sie bei Carson bleiben konnte und wenn sie ehrlich war, hätte sie im Moment sowieso nicht entspannt in dem Frauenhaus arbeiten gekonnt, da sie sich ständig fragte ob es Carson wohl besser ginge oder er wieder etwas dummes tat. Deshalb war sie dem Geschäftsmann dankbar dafür, dass er Andrew überzeugt hatte. Wäre da nur nicht die Sache mit den Sponsoren...
      Natürlich war es wundervoll, dass Safe Haven ein paar neue Investoren dazu gewonnen hatte, das Problem war nur, dass Andrew davon auszugehen schien, dass Julia diese überzeugt hatte. Ihr Chef hatte sich so überschwänglich bei ihr bedankt, dass Julia beinahe an ihrem schlechten Gewissen erstickt wäre. Sie hatte versucht ihm zu erklären, dass sie im Grunde nichts dazu beigetragen und Carson die ganze Überzeugungsarbeit geleistet hatte, aber Andrew schien ihr nicht ganz zu glauben. Und da Julia ihn nicht vor den Kopf stoßen und ebenso wenig Carson in den Rücken fallen wollte, hatte sie letztendlich aufgegeben und gehofft, dass ihr Chef nun nicht ständig so etwas von ihr erwarten würde.

      Mit der Zeit gewöhnte Julia sich an das Arbeiten von zu hause aus und auch an ihre Rolle als Krankenschwester. Trotzdem wurde ihr Schlaf dadurch nicht besser. Deshalb wachte sie auch am Freitag früh auf, als sie Geräusche in der Wohnung hörte. Noch ein wenig müde tapste sie den Flur hinunter und fand ihren Freund letztendlich im Wohnzimmer, wo er vor dem Fernseher saß und frühstückte. Das Bild war so normal, dass Julia vor Erleichterung beinahe in Tränen ausgebrochen wäre. Es war schön zu sehen, dass Carson langsam in seinen Alltag zurück kehrte und die Krankheit ihn nicht mehr im Griff hatte.
      "Guten Morgen.", begrüßte sie ihn, als sie neben dem Sofa zum Stehen kam und gab ihm einen Kuss auf die Oberseite des Kopfes. "Auch wenn du sicher voller Tatendrang bist, kannst du mir versprechen, dass du es nicht übertreibst?" Sie wusste, dass sie Carson nicht überzeugen konnte, erst am Montag wieder zu arbeiten. Wenn sie ehrlich war, hatte es sie überrascht, wie artig er bisher das Bett gehütet hatte.
    • "Guten Morgen. Auch wenn du sicher voller Tatendrang bist, kannst du mir versprechen, dass du es nicht übertreibst?"
      Carson stand auf und zog Julia in seine Arme. Das Leben hatte wieder einen Sinn! Bevor er irgendetwas sagte oder sich auch nur Gedanken um eine Antwort machte, legte er seine Lippen auf Julias und holte das nach, was er die letzten zwei Wochen nicht hatte haben dürfen.
      "Keine Sorge. Dana hat sich geweigert, mir irgendwelche Termine zu geben, bis wir aus New York zurück sind. Also habe ich nur ein paar Meetings und ein das ein oder andere Telefonat bis Thanks Giving. Ich langweile mich eher zu Tode als dass ich mich überarbeite. Heute steht Internes an, damit ich wieder über alles Bescheid weiß. Immerhin habe ich die letzten zwei Wochen kaum eine Akte von Innen gesehen. Und das wird auch alles über Meetings laufen, also muss ich mir außer PowerPoint Präsentationen nichts ansehen."
      Er hatte tatsächlich einmal seinen Terminplan auswendig gelernt. Ihm war gestern wirklich langweilig gewesen. Den Namen der Rose hatte er auch schon ein zweites Mal fertig gelesen.
      "Ich werde pünktlich zum Abendessen wieder zu Hause sein. Und dann darfst du auch endlich mal das tun, wozu du offiziell hier bist: Wir gehen mit einem Freund aus dem Sicherheitsgewerbe essen. Du darfst ihn davon überzeugen, für Save Haven zu stiften."
      Er küsste Julia auf den Hals.
      "Ich werde auch ganz artig sein und nicht meine Verhandlungskünste einsetzen, um ihn von irgendetwas zu überzeugen. Aber ich muss dich warnen: Er ist ein bisschen gruselig. Zu wissen, dass er technisch gesehen in jedes gut gesicherte Gebäude der Stadt kommt... das ist unheimlich."
      Er kicherte leise, dann küsste er Julia noch einmal richtig, ehe er sich von ihr löste.
      "Dafür wirst du allerdings den ganzen Vormittag frei haben. Dana will dich zum Shoppen entführen. Ich konnte ihr diesen Wunsch nicht ausschlagen, nachdem sie die letzten zwei Wochen so geackert hat. Sie wartet um zehn vor meinem Büro auf dich."
      Carson ging rüber zum Esstisch und holte eine goldene Kreditkarte aus seinem Geldbeutel.
      "Dana kennt die nötigen Daten. Lasst es euch gut gehen, ja?", sagte er grinsend, als er die Karte seiner Angebeteten in die Hand drückte, "Wellnesstag oder sowas. Habt Spaß. Und such dir was Hübsches für heute Abend, ja? Überrasch mich."
      Noch ein aller letztes Mal küsste Carson diese unglaubliche Frau, ehe er sich verabschiedete und sich auf den Weg ins Büro machte, um schon einmal mit der Arbeit anzufangen. Er hatte noch etwas, was er mit Austin besprechen wollte und was heute definitiv auf dem Plan stand.


    • Als Carson sie küsste, hatte Julia das Gefühl in seinen Armen zu schmelzen. Wie von allein schloss sie die Augen und legte ihre Arme um seinen Hals. Zum ersten Mal wurde ihr bewusst, wie sehr sie das in den letzten Wochen vermisst hatte.
      Deshalb war sie auch ein klein wenig enttäuscht, als ihr Partner sich wieder von ihr löste. Der vernümftige Teil von ihr wusste zwar, dass sie nicht den ganzen Tag im Wohnzimmer stehen und herumknutschen konnten, aber der Rest von ihr hätte nichts dagegen gehabt...
      Julia lächelte zufrieden, während Carson ihr von seinen Plänen für den Tag erzählte, doch dieses Lächeln wurde etwas schmaler, als er das Essen am Abend erwähnte. "Meinst du, dass ich das kann?", fragte sie vorsichtig. Sie hatte noch nie so ein Gespräch geführt und die Tatsache, dass Carson den Investor als 'gruselig' bezeichnete, beruhigte ihre Nerven auch nicht. Aber schnell wurde der jungen Frau bewusst, dass sie im Grunde keine Wahl hatte. Genau für diese Aufgabe war sie hierher gekommen und deshalb würde sie ihr bestes geben. "Ich habe zwar keine Ahnung von sowas, aber ich werde mir Mühe geben, damit du nicht bereust, dass du mich mitgenommen hast.", fügte sie deshalb hinzu und nickte leicht, um sich selbst von ihren Worten zu überzeugen. Letztendlich war es jedoch Carson, der es schaffte alle Zweifel aus Julias Kopf zu verbannen, indem er sie noch einmal küsste und damit ihre Gedanken zum Stillstand brachte.

      Einige Stunden später saß Julia zusammen mit Dana in einem eleganten, schwarzen Wagen, der sie in die Stadt brachte. "Mr. Davis hat erzählt, dass er heute Abend mit Ihnen essen geht und wir ein Kleid für Sie kaufen dürfen. Haben Sie irgendeinen Wunsch, Miss Kinnley?" Die dunkelhäutige Frau lächelte Julia freundlich an, diese sank jedoch nur etwas auf ihrem Sitz zusammen. "Wenn ich ehrlich bin, wäre es mir lieber, wenn Sie mich Julia nennen.", sagte sie, auch wenn sie wusste, dass dies Danas Frage nicht beantwortete. Und auch die Assistentin schien das zu bemerken. Sie hob fragend die Augenbrauen, aber dann lachte sie leise. "Also gut. Dann hören wir aber auch mit dem Siezen auf, sonst klingt das seltsam.", sagte sie dann und ihr Lächeln wurde ein wenig breiter. Julia nickte zufrieden und schaffte es endlich das Lächeln zu erwidern. Auf einmal fühlte sich die Atmosphäre in dem Auto leichter an und es gelang der Blondine endlich sich zu entspannen.
      "Aber kommen wir noch einmal auf das Kleid zurück.", setzte Dana nach einigen Minuten an und sorgte so dafür, dass Juliana das Gesicht verzog. Offensichtlich konnte sie sich nicht so einfach aus der Sache heraus winden. "Ich habe keine Ahnung, wo wir essen gehen und was angebracht wäre...", setzte sie an. "Aber könnten wir vielleicht etwas kaufen, was nicht so sündhaft teuer aussieht?" Die Assistentin legte den Kopf leicht zur Seite, während sie über diesen ungewöhnlichen Wunsch nachzudenken schien. "Das wird Mr. Davis nicht gefallen.", sagte sie leise. Julia biss sich auf die Unterlippe, sie wollte Carson wirklich nicht enttäuschen. "Ich möchte nicht undankbar klingen, das bin ich ganz und gar nicht.", erklärte sie deshalb eilig. "Doch da dies ein Geschäftsessen ist, wird Carson mich vermutlich nicht als seine Freundin vorstellen und da wäre es unpassend, wenn ich dort in einem Designerkleid auftauchen würde. Es passt nicht ganz zu meinem Gehalt." Sie lachte ein wenig verlegen. Dana machte einen nachdenklichen Laut, schnell kehrte jedoch das Lächeln auf ihre Lippen zurück. "Dann brauchen wir also einfach nur ein Designerkleid zu suchen, das man nicht auf den ersten Blick als solches erkennt und alle sind zufrieden.", beschloss sie und sah dabei sehr zufrieden aus.

      Zu Julias erstaunen führte ihr Weg sie jedoch nicht sofort in eine schicke Boutique, sondern in einen Schönheitssalon. "Es ist das erste Mal, dass Mr. Davis mir so etwas bezahlt. Ich muss das ausnutzten.", scherzte Dana, während sie von einer Angestellten ein Glas Champagner zur Begrüßung gereicht bekamen. "Nach all dem Stress, den du vermutlich in den letzten Wochen hattest, hast du dir das auch wirklich verdient." Julia konnte sich nicht einmal ansatzweise vorstellen, was Dana alles erledigen musste, aber sie war sich sicher, dass die letzten Tage für sie sehr anstrengend gewesen waren. Aber die Assistentin zuckte nur mit den Schultern. "Wenn ich ehrlich bin, hatte sich sogar etwas mehr Freizeit als gewöhnlich, weil Mr. Davis mir nicht spontan irgendwelche Sonderaufgaben geben konnte.", gab sie lächelnd zurück. Zwar wusste Julia nicht, ob das der Wahrheit entsprach, aber sie war der anderen Frau dankbar dafür, dass sie ihren gemeinsamen Tag nicht als Pflicht sah, sondern sich ehrlich darüber zu freuen schien.
      Es war für Julia sehr ungewohnt sich von jemandem umsorgen zu lassen, aber mit der Zeit lernte sie es die Schönheitsbehandlungen zu genießen und war nicht mehr peinlich berührt, wenn ihr jemand zum hundertsten Mal sagte, wie schön ihre Haare, ihre Nägel oder ihre Haut wären. Trotzdem half es, dass sie nicht alleine in dem Salon sitzen musste, sondern dank Dana ein wenig Rückhalt hatte. Und sie stellte sich als wirklich angenehme Gesprächspartnerin heraus, die es Julia nicht einmal übel nahm, dass sie trotz mehrmaligem Nachfragen nicht verriet, wie es in Carsons Appartement aussah.

      Nachdem sie sich ausreichend verwöhnen gelassen hatten, aßen die beiden eine Kleinigkeit, bevor Dana Julia letztendlich doch in eine Boutique, um für sie ein passendes Kleid auszusuchen. "Schau einfach nicht auf die Preise. Sieh es als Investition in das Geschäftsessen.", sagte sie, als sie den besorgten Blick bemerkte, mit dem Juliana die Auslagen im Schaufenster betrachtete. Die Blondine nickte langsam. Sie musste zugeben, dass Dana Recht hatte und kurz schoss ihr durch den Kopf, dass Carson vermutlich etwas ähnliches gesagt hätte. "Ich kann mich einfach nicht daran gewöhnen." Sie seufzte leise. "Aber ich möchte Carson nicht in Verlegenheit bringen." Dana lächelte etwas und hielt dann die Tür für Julia auf. "Ich denke nicht, dass du das könntest."
      Die Shoppingtour der beiden Frauen zog sich beinahe genau so lange hin wie ihre Wellness-Behandlung, was jedoch nicht nur daran lag, dass Julia nicht gut Entscheidungen treffen konnte, sondern dass Dana sie von einer Boutique in die nächste fürte und sie dazu überredete außer dem Kleid noch einige andere Anziehsachen zu kaufen. Die Asisstendin bezeichnete sie als Alltagskleidung, obwohl die Sachen so teuer waren, dass Julia sie niemals ohne schlechtes Gewissen in ihrer Freizeit anziehen könnte. Aber sie musste sich eingestehen, dass sie sich ein wenig an Carsons Lebensstil anpassen musste, wenn sie mit ihm zusammenleben wollte. Die Freundin eines reichen Geschäftsmannes konnte schließlich nicht gekleidet wie eine arme Studentin herum laufen.

      Als Dana Julia am Ende wieder in den Davis Tower zurück brachte, hatte sie dafür gesorgt, dass die junge Frau dezent geschminkt worden und ihre Haare gestylt worden waren. Auch wenn der Friseur etwas enttäuscht gewesen war, als Julia ihm erklärt hatte, dass sie ihre Haare offen tragen wollte und er sie ihr nicht hochstecken durfte. "Meinst du, dass Carson das Kleid gefällt.", fragte die Blondine unsicher und festigte ihren Griff um die weiße Tasche, in der sich das Kleidungsstück befand. Dana lächelte sanft. "Ich bin mir sicher, dass Mr. Davis alles gefällt, was du trägst. Wichtiger ist es doch, dass du dich wohl fühlst." Kurz hielt sie inne, schien dann jedoch zu bemerken, dass Julia von dieser Aussage nicht beruhigt war. "Alle werden das Kleid mögen, keine Sorge. Wir haben eine gute Wahl getroffen.", fügte sie deshalb noch hinzu und klang dabei so aufrichtig, dass Julia ihre Sorgen für den Moment vergaß.
      Da die Assistentin das Appartement nicht betreten durfte, verabschiedeten die beiden Frauen sich an der gleichen Stelle, an der sie sich an diesem Morgen auch getroffen hatten. Julia war ein wenig überrascht, als die dunkelhäutige Frau sie in eine kurze Umarmung zog und sich für den Tag bedankte. Doch sie erwiderte die Geste nur zu gerne. Sie konnte sich nicht daran erinnern, wann sie zusammen mit jemandem einen solchen Tag verbracht hatte. War sie überhaupt schon einmal zusammen mit einer Freundin shoppen gewesen? Sie wusste es beim besten Willen nicht mehr. Aber es hatte ihm viel Spaß gemacht und hätte deshalb nichts dagegen, das noch einmal zu wiederholen.

      Im Appartement angekommen zog Julia sich um und betrachtete sich ein letztes Mal im Spiegel. Am Ende war ihre Wahl auf ein schlichtes, schwarzes Kleid gefallen, das bodenlang war und an der linken Seite einen Schlitz hatte. Diesen sah man jedoch nur, wenn sie lief und er war nicht so hoch, dass es billig wirkte. Selbstverständlich gehörten auch passende Schuhe dazu, lediglich auf Schmuck hatte Julia verzichtet, da sie die Kette tragen wollte, die Carson ihr geschenkt hatte.
    • Carsons Tag war wesentlich langweiliger als der seiner Freundin. Er saß in einem langweiligen Meeting nach dem anderen und machte sich Notizen zu allem, was ihm so erzählt wurde, während er ansonsten Däumchen drehend im Konferenzraum herum saß. Interessant wurde es erst, als er endlich die Zeit fand, sich mit Austin zu besprechen. Was zeitgleich ein dringend benötigtes Workout darstellte. Austin und er machten nicht oft zusammen Sport, aber der Geschäftsmann genoss es jedesmal, wenn sie doch die Zeit dafür fanden. Der Muskelprotz war die beste Motivation, die er sich vorstellen konnte.
      "Hast du schon jemanden gefunden?", fragte Carson schnaufend, während er die Hantel in die Höhe stemmte.
      Austin ragte über ihm auf und hielt die Hände bereit, sollte er aufgeben oder es ihm zu viel werden.
      "Ich habe es auf drei potenzielle Kandidaten eingeschränkt. Es wäre einfacher, wenn ich wüsste, mit welchem Charakter Miss Kinnley klar kommt. Wenn sie sich nicht mit ihm versteht, dann kann ich keinen optimalen Schutz gewährleisten."
      Erneut drückte Carson die Gewichte in die Höhe.
      "Dann will ich sie alle drei sehen", schnaufte er.
      "Und für wann?"
      "Irgendwann. Dana hat meinen Terminkalender leer gefegt. Das nervt."
      Austin lächelte. Ein sehr seltenes Ereignis.
      "Positiv denken: Mehr Zeit zum Trainieren", sagte er, dann wurde aus dem Lächeln ein freches Grinsen, "Mehr Zeit für Ihre Freundin."
      Die beiden Männer lachten und setzten ihr intensives Training fort. Carson hatte Nachholbedarf und beschloss gemeinsam mit seinem Bodyguard, solche Trainingssessions öfter abzuhalten, jetzt wo er mehr Zeit hatte.

      Nach diesem Training gab es eine ordentliche Protein-Packung für die beiden Männer. Carson war immer noch unendlich froh, endlich wieder etwas essen zu können. Austin duschte noch bei Carson, dann verabschiedete er sich bei seinem Boss und machte sich wieder an die Arbeit.
      Carson suchte sich sein Outfit für den Abend raus und sprang nun ebenfalls unter die Dusche. Er wusch sich zweimal, um sicherzugehen, dass er auch wirklich nicht mehr nach Schweiß stank. Danach war eine ordentliche Rasur dran, bei der er auch feststellte, dass er mal wieder zum Friseur musste. Seine Haare waren langsam wirklich zu lang.
      In Boxershorts kam er aus dem Badezimmer. Er war so in Gedanken, dass er Julia im ersten Augenblick gar nicht bemerkte. Stattdessen schlüpfte er ein fröhliches Liedchen summend in die Hosen seines Anzuges und knöpfte sein Hemd auf, um sich auch das über zu werfen. Als er sich umdrehte, bemerkte er dieses atemberaubende Geschöpf in seinem Kleiderschrank, das sich gerade im Spiegel betrachtete.
      "Du. Siehst. Unglaublich. Aus", staunte er, ging zu ihr, legte ihr die Arme von hinten um die Hüften und küsste sie auf den Hals, "Perfekte Wahl", murmelte er und setzte noch zwei Küsse obendrauf.





    • Julia hörte das Öffnen der Wohnungstür, aber noch bevor sie Carson begrüßen konnte, war dieser bereits im Bad verschwunden. Deshalb beschloss sie im Schlafzimmer auf ihn zu warten. Gerade war sie dabei sich noch einmal kritisch im Spiegel zu betrachten, als sich von hinten zwei Arme um sie legten. "Du siehst unglaublich aus. Perfekte Wahl." Die blonde Frau kicherte leise, als die Lippen ihres Partners ihren Nacken fanden. Zum einen weil es kitzelte, aber auch da sie sich innerlich sehr darüber freute, dass Carson ihr Kleid mochte.
      "Also sind Sie mit meiner Kleiderwahl einverstanden, Mr. Davis?", fragte sie scherzhaft und drehte sich in seinen Armen herum, damit sie ihn zur Begrüßung küssen konnte. Auch wenn sie einen ereignisreichen Tag gehabt hatte, so hatte sie ihren Freund doch vermisst. Aber dann hielt sie inne, als ihr das Aussehen des Geschäftsmannes auffiel. Nicht jeder konnte so einen Anzug tragen, aber Carson stand er unglaublich gut. "Du siehst aber auch wirklich gut aus. Zum Glück ist dieser Investor, den wir treffen, keine Frau, sonst wäre ich besorgt.", gab Julia deshalb ehrlich zu, musste dann jedoch leise lachen. Sie wusste, dass sie sich keine Sorgen darum machen brauchte, dass Carson sich nach anderen Frauen umsah, aber er würde trotzdem heute Abend einige Blicke auf sich ziehen.
      "Dana hat mir nicht verraten wohin wir gehen, deshalb weiß ich nicht, ob mein Outfit passend ist. Aber wenn es dir gefällt, reicht mir das."

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    • Carson lachte leise.
      "Dabei bin ich noch nicht einmal ganz angezogen", sagte er, küsste Julia noch einmal auf den Hals, dann ließ er sie los und verließ den Kleiderschrank, um sich fertig anzuziehen.
      Er knöpfte das Hemd zu, band die Krawatte ordentlich, dann folgten die Weste und das Jackett, die er ebenfalls bis zur Perfektion richtete. Danach ging er gleich wieder zu Julia. Es war, als wolle er die gesamte verpasste Zeit mit ihr nachholen.
      "Du musst dir wegen ihm keine Sorgen machen. Er hat nur Augen für seine Hunde. Und in letzter Zeit für eine anhängliche Detektivin, aber das hast du nicht von mir."
      Er kicherte leise. Dann verschränkte er seine Finger mit denen von Juliana und führte sie die Treppe hinunter ins Wohnzimmer, wo Austin bereits auf sie wartete.

      Die Fahrt dauerte etwas länger, da sie in ein Hotel am Rande der Stadt mussten. Selbstverständlich gehörte es Carson. Dort hatte er seinen SIcherheitsfreund untergebracht, kam dieser doch eigentlich aus Washington.
      Das Hotel selbst wirkte von außen weniger modern als die anderen Gebäude in Carsons Besitz. Es hatte mehr etwas von einem großen Landsitz. Austin fuhr die Kieseinfahrt hinauf und ließ seinen Chef mit dessen Begleitung direkt am Eingang raus, ehe er den Wagen dem Parkservice übergab. Der Linebacker wich dem Pärchen erst von der Seite, als sie das Hotelrestaurant im Landhausstil betraten. Er verschwand wie ein Geist.
      Carson führte Julia durch das Restaurant in den gläsernen Wintergarten-Teil, wo bereits ein großgewachsener Mann an einem Tisch in der Ecke saß, den Rücken zu der Stelle, wo die massive Hauswand auf die Glaswand trafen. Neben ihm lag ein ein großer Hund, dessen exotisches Muster nicht bei normalen Hunderassen vorkam. Es erinnerte an einen afrikanischen Wildhund.
      Der Mann stand nicht auf, als Carson und Julia an den Tisch traten.
      "Carson! Warum hast du uns diesen furchtbaren Tisch geben lassen?", fragte er scherzhaft, als die Männer sich die Hände schüttelten.
      "Nicht alle sind so paranoid, wie du, John. Manch einer will einfach nur die herbstliche Aussicht genießen. Außerdem ist das Glas da kugelsicher, also entspann dich."
      "Nichts ist wirklich kugelsicher, wenn es nicht mindestens zehn Zentimeter dick ist."
      Diese Diskussion wollte Carson gar nicht erst anfangen. Gegen jemanden wie John Bishop hatte man in dieser Hinsicht sowieso keine Chance.
      "John, das ist Juliana Kinnley, die Repräsentantin von Save Haven. Julia, das ist John Bishop, Firmenmogul und Sicherheitsexperte sondergleichen."
      John nickte der Blondine schlicht zu, machte nicht einmal Anstalten, ihr die Hand zu reichen. Er war eben wirklich gruselig...
      Carson schob Julia den Stuhl zurecht, ehe er sich selbst setzte.
      "Ich war so frei und habe euch einen Wein bestellt."
      Alles an diesem Mann schrie nach Macht und nach irgendetwas Gefährlichem. Aber man konnte den Finger nicht genau drauf legen. Es war einfach da. John wusste, dass er oft Menschen einschüchterte, aber nicht einmal er selbst wusste, warum er so angsteinflößend auf alle anderen wirkte.
      "Wie geht's den Hunden?", fragte Carson, ohne auf den Wein einzugehen.
      "Gut. Sie haben sich letztens über ein paar Hasen hermachen können. Wohlgemerkt: jeder hat seinen eigenen bekommen."
      "Die armen Hasen."
      "Fressen oder gefressen werden, alter Freund. Fressen oder gefressen werden."
      "Ist das eine Drohung?"
      "Ich bitte dich. Du bist ein viel zu großer Fisch, als dass ich dich schlucken könnte. Außerdem habe ich mit gerade erst einen Wahl gegönnt. Hast du denn nicht davon gehört?"
      "Natürlich habe ich das."
      Carson schielte zu Julia hinüber, die sich unwohl zu fühlen schien. Er lehnte sich zurück und ergriff ihre Hand, um sie zu beruhigen. Gegenüber John musste er sich nicht zurückhalten, dieser Mann konnte schweigen wie ein Grab. Er sagte allgemein immer nur so viel, wie er musste und nie mehr.
      "Aber deswegen sind wir nicht hier. Save Haven, Hilfsorganisation für misshandelte Frauen. Warum sollte ich mein Geld an diese Institution spenden?", fragte John, lehnte sich ebenfalls zurück und kraulte seinen vierbeinigen Begleiter hinter den großen runden Ohren.


      (Crossover Alert xD)


    • Ein wenig eingeschüchtert folgte Julia Carson durch das Restaurant. Sie musste zugeben, dass ihr das Ambiente wirklich gut gefiel, aber ihre Nervosität sorgte dafür, dass sie sich trotzdem nicht entspannen konnte. Und das wurde leider auch nicht besser, als sie den Wintergarten erreichten, in denen sie bereits von einem breitschultrigen Mann erwartet wurden, der so viel Autorität ausstrahlte, dass sie den gesamten Raum auszufüllen schien. Carson hatte nicht übertrieben; dieser Mann war wirklich einschüchternd.
      Trotzdem schaffte Julia es freundlich zu lächeln, als sie vorgestellt wurde, ihre Mundwinkel fielen jedoch sofort wieder etwas nach unten, als der potentielle Geschäftsmann ihr nicht einmal die Hand zur Begrüßung reichte. Sie warf Carson einen vorsichtigen Blick zu, während er ihr den Stuhl zurecht rückte, um herauszufinden, ob sie etwas falsch gemacht hatte, aber die beiden Männer scherzten schon wieder gemeinsam, als wäre nichts außergewöhnliches geschehen.

      Einige Minuten saß sie still auf ihrem Platz und lauschte der Unterhaltung ihrer Tischnachbarn, auch wenn sie das meiste davon nicht verstand. Schließlich drehte sie den Kopf und sah zu dem Hund hinunter, der noch immer unbeweglich neben dem Stuhl seines Herrchens lag. Als hätte er ihre Bewegung bemerkt, hob das Tier leicht den Kopf und richtete seine dunklen Augen auf sie. Aber genauso schnell schien er auch wieder das Interesse an ihr verloren zu haben. Mit einem leisen Schnauben ließ er den Kopf wieder auf seine Vorderpfoten sinken. Ein leichtes Lächeln legte sich auf Julias Lippen und auf einmal wünschte sie sich, dass sie so entspannt wie dieser Hund sein könnte.
      Ihre Aufmerksamkeit wurde wieder zurück auf die beiden Männer gerichtet, als sie auf einmal Carsons Hand auf ihrer fühlte. Sie warf ihm einen Blick zu, der irritiert und besorgt zu gleich zu sein schien. Aber ihr Partner sah völlig unbekümmert aus.

      "Aber deswegen sind wir nicht hier. Save Haven, Hilfsorganisation für misshandelte Frauen. Warum sollte ich mein Geld an diese Institution spenden?" Julia schluckte und versuchte zu ignorieren, wie trocken ihr Mund sich auf einmal anfühlte. Auf einmal fühlte sie sich wie ein kleines Schulmädchen, das vor den Lehrer zitiert worden war. Wieso musste dieser Mann nur so beängstigend aussehen?
      "Nun, wenn man es nüchtern betrachtet, passt Ihr Arbeitsfeld eigentlich hervorragend zu unserer Organisation." Natürlich hatte sie schon darüber nachgedacht, was sie dem potentiellen Investor sagen könnte, aber sie hatte nicht vor sich bei ihm mit hübschen Worten einzuschmeicheln. Das war sowieso nicht sehr erfolgsversprechend. "Save Haven hat das Ziel misshandelte Frauen zu beschützen und es ihnen zu ermöglichen wieder in das normale Leben zurück zu kehren. Aber das können wir nur bis zu einem gewissen Punkt. Die Frauen, die in unseren Frauenhäusern leben, haben meist jahrelang in Angst gelebt und auch wenn wir sie psychologisch unterstützen, reicht das nicht aus. Denn nicht jeder Ex-Freund ist einsichtig oder bereit seine Beziehung einfach so aufzugeben. Ich habe schon mehr als einmal erlebt, wie Männer ihren Frauen nachgestellt oder sie unerlaubt zu Hause aufgesucht haben. Einmal hat ein Mann sogar versucht sein Kind zu entführen, weil er nicht hinnehmen konnte, dass er nicht das Sorgerecht erhalten hat. Diese Frauen brauchen Schutz und wenn Ihre Sicherheitsfirmen mit uns zusammen arbeiten würden, könnten wir ihnen diesen besser bieten, als bisher."
      Sie schulg die Beine übereinander, während sie versuchte ihre Gedanken ein wenig zu ordnen. Insgeheim war sie ein wenig stolz auf sich, dass sie nicht stotterte, obwohl ihr Gegenüber sie so streng ansah. "Falls das für Sie aber kein Argument ist, können Sie es auch - neben der positiven Publicity, die es Ihnen bringen könnte - als Investition betrachten. Jede der Frauen, denen Save Haven hilft, wird eines Tages wieder aus dem Frauenhaus ausziehen und versuchen sich ein eigenes Leben aufzubauen. Gerade am Anfang werden Sie Unterstützung brauchen und sich Sicherheit wünschen. Durch uns könnten Ihre Sicherheitsfirmen einen niemals endenden Kundenstamm dazu gewinnen. Denn so traurig es auch ist, wird es immer Arbeit für uns geben."

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    • John verzog nicht eine Miene, aber das war auch zu erwarten gewesen. Dieser Mann war unlesbar und absolut undurchsichtig. Nicht unbedingt Teil seines Jobs, aber wenn man wusste, woher er kam, dann war das nachvollziehbar.
      "Geschäftlich bräuchte ich keine weiteren Kunden. Zumal ich nicht glaube, dass eine allein lebende Frau sich meine Sicherheitstechnik leisten kann. Den Statistiken zufolge haben Opfer häuslicher Gewalt, die sich gerade getrennt haben, kaum finanzielle Mittel. Meine Firma arbeitet für die Reichen und Mächtigen, nur selten für den Haushalt des Normalverbrauchers."
      Carson konnte den Standpunkt des Mannes durchaus nachvollziehen. Wäre er an Johns Stelle, würde er genauso argumentieren. Aber jetzt gerade wollte er auf seinen alten Freund einreden, es seiner Freundin nicht so schwer zu machen. Dennoch hielt er sich zurück, schwieg und drückte Julias Hand nur ein wenig aufmunternd. John war ein harter Kerl, daran gab es keinen Zweifel. Carson hoffte einfach, dass John ihm zu Liebe etwas leichter nachgeben würde.
      "Allerdings wäre es interessant, das Sicherheitssystem Ihrer Einrichtungen zu sehen."
      Ein kaum zu sehendes Lächeln huschte über Carsons Gesicht. Damit hatte Julia ihn gekriegt. John war Experte in Sachen Sicherheit, aber er knackte für sein Leben gern Sicherheitssysteme, die nicht die seinen waren. Das beste Verkaufsargument, wenn man seine eigene Technik an den Mann bringen wollte.
      Der Mann zückte seine Karte und schob sie Julia über den Tisch zu. Die Hand zog er schnell wieder zurück, beinahe als hätte er Angst vor einer Berührung.
      "Ich will Ihr Sicherheitssystem sehen. Und dann werde ich es verbessern lassen. Pro bono, versteht sich. Ich kann doch keine misshandelten Frauen in Häusern leben lassen, die nicht die beste Sicherheit bieten. Noch dazu können Sie dann andere Sponsoren mit meinen Systemen davon überzeugen, dass ihre Investitionen gut angelegt sind. So setzt man Publicity ein, Miss Kinnley. Safe Haven wird meine Werbeplattform, dafür bekommen Sie sichere Häuser."
      Jetzt konnte Carson nicht anders, als breit zu grinsen. John hatte eben doch ein weiches Herz. Seine Hunde waren ja auch alle gerettet.


    • Als John endlich einlenkte und sich bereit erklärte die Organisation zu unterstützen, hätte Julia beinahe vor Erleichterung aufgeatmet, aber sie schaffte es, sich zusammen zu reißen. Stattdessen drückte sie Carsons Hand unter dem Tisch ein wenig. Bestimmt war es ihm zu verdanken, dass sie überhaupt einen Satz heraus bekommen hatte. Er gab ihr Kraft, ohne ihn war sie nichts.
      "Vielen Dank, ich weiß das sehr zu schätzen.", sagte sie ehrlich an John gewandt und lächelte ihn an, während sie seine Karte an sich nahm, als wäre sie ein zerbrechliches Schmuckstück. "Da Save Haven den Frauen ihre erste Wohnung vermittelt und diese aus ausstattet, könnten wir Sie dort vielleicht auch mit einbeziehen. Oder sie könnten uns einige Empfehlungen aussprechen, die wir dann berücksichtigen." Julia ahnte, dass sie gerade Carson mehr über sich erzählte, als sie beabsichtigt hatte, doch inzwischen störte sie das nicht mehr. Früher oder später würde er sowieso alles über sie erfahren.
      "Einige unserer Sponsoren möchten sich vorher ansehen, wohin genau ihr Geld fließt. Ich werde sicher stellen, dass Ihre Firmen bei dieser Gelegenheit lobend erwähnt werden." Sie lächelte, in der Hoffnung, dass John ihre Aussage als Scherz auffassen würde, sollte sie zu übertrieben gewesen sein. Auch wenn sie nicht sicher war, ob dieser Mann Humor besaß.
    • John nickte. Für ihn war damit das Thema gegessen. Er hielt sich nie lange mit irgendwelchen Verhandlungen auf. Er gewann sie meistens binnen weniger Sekunden. John war von dem Schlag Mensch, der nur Schlachten schlug, die er auch gewinnen konnte und er bestritt sie so gut vorbereitet, dass er immer gewann. Außerdem war er ein Meister des Überraschungsangriffes. Die Frage Carsons, ob er eine Firmenübernahme plane, war durchaus ernst gemeint gewesen. John war in Sachen Geschäft wirklich gefährlich.
      "Jetzt wo das geklärt ist: was macht deine neuste Investition?"
      Carson wartete, bis der Wein serviert und er ihn für gut befunden hatte, ehe er antwortete: "Du weißt da sicher besser Bescheid als ich."
      John lächelte etwas und nippte an seinem Wasser.
      "Ich habe da meine Quellen, ja."
      "Willst du mir auch verraten, was deine Quellen so sagen?"
      John zuckte mit den Schultern.
      "Bisher nicht viel. Du kannst dir vorstellen, dass in D.C. nicht viel davon ankommt, was hier so abgeht. Allerdings war ich so frei, einen meiner Brandschutzermittler an Austin zu verweisen, um euch unter die Arme zu greifen. Ihr habt es nicht mit einem Pyromanen zu tun. Das ist destruktiver, persönlicher. Umweltaktivist vielleicht. Verschmäter Angestellter. Das Übliche eben."
      Carson seufzte. Mit sowas hatte jeder größere Firmenchef zu tun, nur war es selten so extrem. Aber für heute wollte er nicht weiter darüber reden. Daher bedankte er sich nur für die Hilfe bei John und wechselte dann das Thema zu der Frau, mit der John in letzter Zeit öfter gesehen wurde.
      "Spricht der Richtige. Miss Thompson ist bloß etwas anhänglich. Ich füttere sie, bis sie genug hat, um mich in Ruhe zu lassen", John zuckte mit den Schultern, "und du? Wann machsr du es bekannt? Scheint ja ziemlich ernst zu sein zwischen euch."
      Carson lachte leise und drückte Julias Hand unter dem Tisch sanft.
      "Weiß ich noch nicht genau, aber lange wird es wohl nicht mehr dauern", sagte er und lächelte Julia verträunt an.


    • Julia zog besorgt die Augenbrauen zusammen, als das Gespräch der beiden Männer auf die Explosion gelenkt wurde. Sie hatte das Ereignis verdrängt, was aber auch daran lag, dass in den letzten Wochen in ihrem Kopf für nichts anderes mehr als den kranken Carson Platz gewesen war. Doch als sie nun hörte, dass hinter diesem Anschlag jemand stecken könnte, der einen persönlichen Groll gegen den Geschäftsmann hegte, wurde ihr vor Angst übel. Sie wollte nicht einmal daran denken, was sie tun würde, wenn Carson jemals etwas zustoßen würde.

      Glücklicher Weise wechselte Carson das Thema, noch bevor Julia sich in ihrem Kopf irgendwelche Horrorszenarien ausmalen konnte. "Und du? Wann machst du es bekannt? Scheint ja ziemlich ernst zu sein zwischen euch." Johns Worte sorgten dafür, dass Julia ihre Schultern anspannte. Hätte Carson nicht ihre Hand festgehalten, hätte sie diese vermutlich zurück gezogen und schuldbewusst auf den Tisch gelegt. Sie war davon ausgegangen, dass der Geschäftsmann vorerst niemandem von ihrer Beziehung erzählen wollte. Trotzdem hatte John sie schon nach wenigen Minuten durchschaut, was dafür sorgte, dass Julia ein schlechtes Gewissen hatte, weil sie so indiskret gewesen war. Auch wenn es im Grunde genommen Carsons Schuld gewesen war, da er ihre Hand genommen hatte.
      Und auch jetzt schien es ihn überhaupt nicht zu stören. "Weiß ich noch nicht genau, aber lange wird es wohl nicht mehr dauern", sagte er stattdessen und schenkte ihr ein sanftes Lächeln. Julia sah verlegen zur Seite und spürte, dass sie rot wurde. "Ich möchte nicht, dass er wegen mir in Schwierigkeiten kommt oder die Leute schlecht von ihm sprechen.", wandte sie sich an John. Sie wusste nicht, ob sie ihm gerade ihren Standpunkt erklärte, oder in indirekt um seine Diskretion bat. Obwohl das vermutlich nicht nötig war. "Auch wenn ihm sowas egal ist, fände ich das nicht gerecht. Deshalb macht es mir nichts aus zu warten.", bei dem letzten Satz wandte sie sich wieder an Carson und schenkte ihm ein liebevolles Lächeln.
    • John lachte.
      "Das ist gut! Das ist wirklich gut!", sagte er.
      Carson schüttelte nur den Kopf.
      "Warum sagt das nur immer wieder jeder? Jeder sagt, dass ich auf Julia aufpassen soll. Dass ich mir diese wundervolle Frau warmhalten soll."
      Er hob ihrer beider Hände auf den Tisch und betrachtete sie für einen kleinen Augenblick, in dem sein Daumen über die weiche Haut ihrer frisch manikürten Finger.
      "Als ob ich sie gehen lassen könnte, ohne zu sterben", murmelte er mit einem verträumten Lächeln.
      "Das ist ja zum Kotzen süß", lachte John, "ein richtiges Traumpärchen. Ich sag dir, warum du auf sie Acht geben sollst: sie sieht gut aus, sie hat Humor, sie hat was im Köpfchen und sie macht sich Sorgen um dein Image. Besser kannst du es nicht treffen."
      Eine eiskalte Risikoanalyse könnte nicht besser klingen. John nippte an seinem Wasser.
      "Wollen wir jetzt endlich die Karte durchsuchen, oder nicht? Du hast mich mit diesem Restaurant hergelockt, also will ich auch was sehen."
      "Als ob ich dich irgendwo hin locken könnte. Du kennst die Karte doch schon auswendig, oder?"
      "Nicht ganz. Die Desserts hab ich nicht in Kopf."
      "Dass du immer so paranoid sein musst... Soll ich dir einen Vorkoster holen?"
      "Das nennt sich Vorsicht, alter Freund. Und Nein, das Risiko gehe ich ein."
      Carson lehnte sich zurücknund hob die Hand nach einem Kellner, der ihnen sofort die Karten brachte.


    • Verlegen sah Julia nach unten, ihre Finger, die noch immer mit denen von Carson verschränkt waren, waren auf einmal unglaublich interessant. Obwohl es sie freute, dass so viele Leute nichts gegen ihre Beziehung mit dem Geschäftsmann hatten, waren ihr diese unterschwelligen Komplimente doch immer noch etwas unangenehm. Wieso sah denn niemand, dass Carson sich überhaupt keine Sorgen darum machen musste, dass sie ihm davon lief? Sie konnte so einen wundervollen Menschen niemals verlassen. Sie wollte doch mit irgendjemand anderem zusammen sein... nein, sie könnte es einfach nicht.
      "Als ob ich sie gehen lassen könnte, ohne zu sterben" Automatisch festigte Julia ihren Griff um Carsons Hand, als sie seine Worte hörte. Endlich schaffte sie es wieder den Kopf zu heben. Kurz sah sie sich um, um sicher zu stellen, dass keiner der Kellner sie beobachtete, dann lehnte sie sich kurz zu dem Geschäftsmann und gab ihm einen Kuss auf die Wange. "Bitte, sag sowas nicht mal zum Scherz.", flüsterte sie ihm zu, bevor sie sich wieder zurück lehnte.

      Nachdem der Kellner ihnen die Karten gebracht hatte, vertiefte Julia sich für einige Minuten in diese. Es fiel ihr noch immer schwer sich für etwas zu entscheiden, aber sie wollte Carson nicht ständig nach seiner Meinung fragen. Deshalb bestellte sie sich letztendlich ein Gericht mit Nudeln und Lachs, da es nicht ganz so aufwändig klang wie einige der anderen Dinge auf der Karte. "Denken Sie, dass das eine gute Wahl war? Sie scheinen eindeutig besser informiert zu sein als ich.", wandte sie sich lächelnd an John, nachdem sie ihre Bestellung aufgegeben hatte. Obwohl ihre Frage nicht ganz ernst gemeint war - da es nun sowieso zu spät war, um noch etwas anderes zu bestellen - beeindruckte es sie doch, dass er die Speisekarte auswendig gelernt hatte. Der Mann nahm seinen Job eindeutig sehr ernst.

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    • "Sie fragen mich, ob Sie die richtige Wahl getroffen haben? Welchen Zweck soll das haben? Geschehen ist geschehen, jetzt leben Sie mit den Konsequenzen."
      John zuckte mit den Schultern. Er selbst wählte - obwohl man es ihm überhaupt nicht zutrauen würde - ein vegetarisches Gericht. Und Carson nahm ein argentinisches Rumpsteak. Er hatte unbedingt den Muschelteller essen wollen, aber das traute er seinem Magen nicht zu. Sicher ist sicher.
      "Im Idealfall weiß man natürlich immer vorher, wie's laufen wird. Ich bin gern vorbereitet."
      "Du bist nicht vorbereitet, du bist kontrollsüchtig", warf Carson ein und erntete dafür einen bitterbösen Blick.
      "Kontrollsüchtig? Das kommt von dir? Guter Witz. Ich gehe auf Nummer sicher, ich bereite mich vor. Das ist ein Unterschied."
      Carson nickte, gab sich geschlagen. Er hatte keine Lust auf diese Diskussion. Er wusste, dass sein alter Freund aus der Hauptstadt ein bisschen zu vorsichtig war, ein bisschen zu gut vorbereitet. Dieser Platz, den er gewählt hatte? Er hieß nicht umsonst Paranoiastuhl. Von hier aus hatte man alle wichtigen Ziele im Blick. Deswegen störte ihn die Glasscheibe im Nacken auch so. Deswegen wusste er, was auf der Karte stand, deswegen hatte er die vegetarische Wahl getroffen: Er konnte giftige Pflanzen an ihrem Aussehen erkennen.
      "Was macht dein Onkel?"
      "Immer noch gut gelaunt bei der Arbeit. Brauchst gar nicht darüber nachzudenken, seine Firma zu übernehmen. Außerdem will er sie einem Iren andrehen, soweit ich weiß. Keine Ahnung."
      "Und was sagt er zu deiner hübschen Freundin?"
      Diese Frage war zwar von der Formulierung her an Carson gerichtet, doch Johns gesamte Gestik deutete darauf hin, dass er eigentlich Juliana fragte.


    • Julia ließ leicht die Schultern sinken, als ihr Versuch auf Smalltalk von John völlig abgeschmettert wurde. Sie war wirklich nicht gut in so etwas. Sie hätte sich gerne an Caron angelehnt, da er im Moment so etwas wie ein Schutzschild für sie war, aber sie wollte keine Szene machen. Deshalb beschränkte sie sich darauf seine Hand zu halten und still der Unterhaltung der beiden zu lauschen. Es freute sie, dass Carson sich offensichtlich amüsierte, deshalb machte es ihr nichts aus, dass sie nicht mitreden konnte.

      "Und was sagt er zu deiner hübschen Freundin?" Julia blinzelte einmal verwundert, als sich das Gespräch auf einmal wieder auf sie richtete. Einen Moment lang sah sie Carson zögerlich an, während sie darauf wartete, dass er auf die Frage seines Freundes antwortete. Doch nach ein paar Sekunden musste sie einsehen, dass John eigentlich mit ihr gesprochen hatte. "Nun ja..." setzte sie vorsichtig an. "Wir haben uns noch nicht oft getroffen, aber ich habe den Eindruck, dass er mich mag. Ich hoffe sehr, dass er mich mag." Sie lächelte Carson zu, als sie den letzten Satz sagte.
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