[2er RPG] Burning Desire

    • Carson beschloss im Stillen, dass er öfter zum Griechen musste. Das Essen war hervorragend! Chase hatte vollkommem Recht gehabt, als er sagte, dass das hier ein geniales Restaurant sei.
      "Hm? Nein, eigentlich nicht. Aber aus Sicherheitsgründen hat praktisch niemand Zugang zu meiner Wohnung. Der kleine Kreis, der ihn hat, enthält einfach keine Frau. Erinnere mich daran, das zu ändern. Austin wird mich hassen, aber ich will, dass du Zugang hast. Das würde dich zu Nummer fünf machen. Und wie gesagt zur ersten Frau in meinem Apartment."
      Das Gyros war umwerfend! Carson entwich ein kleiner Seufzer, als er das Fleisch kostete.
      "Wir müssen öfter herkommen", sprach er seine Gedanken laut aus, "Das Essen ist der Hammer. Ich glaube, ich verlange nachher nach dem Chef."
      Was ein Normalsterblicher niemals tun würde, schien für Carson völlig normal zu sein. Und wieder griff die Logik der Fortune Fivehundret: man kann nie genug geschäftliche Freunde haben. Wenn er könnte, würde er das Restaurant wahrscheinlich sogar kaufen. Mal sehen, was sich da machen ließ...


    • Julia legte leicht den Kopf zur Seite, für einen Moment vergaß sie zu essen. Zwar hatte Carson bereits gesagt, dass sie die erste Frau in seiner Wohnung gewesen war, doch es überraschte sie jedes Mal wieder. "Es ist vermutlich nicht ganz so beeindruckend, aber du warst auch der erste Mann, der meine Wohnung betreten hat. Von Andrew einmal abgesehen, aber das würde ich keinen wirklichen Besuch nennen." Sie lächelte ein wenig. Ihr Chef hatte ein paar Mal ihre Wohnung von innen gesehen, als er sich vergewissert hatte, ob Julia sich gut eingelebt hatte, oder um sie abzuholen. Aber lange war er nie geblieben und in den letzten Monaten war das auch nicht mehr vorgekommen. Nomalerweise schickte er für so etwas lieber seine Frau.
      Julia hatte immer gerne alleine gelebt, weshalb ihr die kleine Wohnung völlig ausreichte. Aber nun, da sie wusste, dass Carson sie vielleicht öfter besuchte, kam sie ihr zu klein vor.

      "Du hast Recht, das Essen ist wirklich gut.", stimmte sie zu und nahm dann noch einen Schluck von ihrem Wein. "Der Chef wird sich sicher über ein Kompliment freuen, aber bring ihn nicht zu sehr in Verlegenheit."
    • Wieder einmal wurde Carson daran erinnert, dass Julia aus einer ganz anderen Welt stammte. Den Chef persönlich zu sprechen war normal, wenn man fünfhundert Dollar für ein Essen ausgab, vor allem, wenn es so gut war. Im Zweifelsfall ließ man sogar den Koch kommen, um sich bei ihm zu bedanken, wenn er nicht gar selbst an den Tisch kam, um sich zu vergewissern, dass alles in Ordnung war.
      "Ich hoffe, dass ich auch der einzige bleibe."
      Carson wusste genau, wo das gerade herkam. Das kam aus der gleichen Ecke wie der Drang, Julia vor allem und jedem zu beschützen. Die erste Runde letzte Nacht, wo er sie als die seine markiert hatte, kam auch aus der Ecke. Er wollte nicht, dass sich andere Männer an Julia ranmachten. Er wollte keine anderen Männer in ihrer Nähe wissen. Ihr Boss war in Ordnung, denn er war verheiratet. Austin war in Ordnung, denn der wärde sowas nicht tun. Onkel Charles war in Ordnung, weil er Onkel Charles war. Ricardo war in Ordnung, weil er zu Hause seinen Freund hatte. Aber sollte Carson jemals wieder Blumen zu Julia schicken, musste er auf einen anderen Lieferanten bestehen. Dieser Hispano war ihr schon viel zu nahe gekommen.
      Natürlich stellte keiner von den genannten eine wirkliche Gefahr dar, aber Carson schien in dieser Hinsicht wirklich ein Höhlenmensch zu sein. Oder aber es war sein Kontrollzwang, der da aus ihm sprach.

      Carson machte seine Drohung wahr und verlangte nach dem Inhaber, der bei seinem Nachnamen den Koch von allein mitbrachte. Sie unterhielten sich kurz, über's Essen, über's Geschäft, das Übliche eben. Am Ende sprach Carson sein Interesse an diesem Laden aus und schon waren sie beste Freunde des Besitzers.
      Danach aber schnappte er sich Julia. Er konnte es kaum erwarten, nach Hause zu kommen, als er durch warme, weiche Haut wieder daran erinnert wurde, wie atemberaubend das Kleid geschnitten war. Und da sie nirgendwo mehr hin wollten...
      Caraon zog Juliana in einen tiefen Kuss und vergrub seine Finger in ihren Haaren. Er hatte damit an einem Abend gleich zwei Dinge gefunden, die er öfter an Julia sehen wollte: rückenfreie Kleider und offene Haare.
      Er zog sie beim Davis Tower angekommen aus dem Wagen und gleich in Richtung seines Aufzuges. Er konnte seine Finger einfach nicht von ihr lassen. Als er mit dem Rücken an der Aufzugwand lehnte, Juliana in seinen Armen und an seinen Lippen, strichen seine Hände über ihre Wirbelsäule hinunter und unter den Rand des Kleides. Er wolte diese Frau mehr als alles andere und er wollte sie seinen Namen rufen hören!


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    • Es war faszinierend, wie charmant und gleichzeitig professionell Carson mit dem Besitzer des Restaurants umging. Zum ersten Mal erlebte Juliana ihren Partner wirklich als Geschäftsmann und sie musste zugeben, dass ihr auch diese Seite an ihm gefiel.
      Trotzdem bevorzugte sie immer noch seine sanfte - wenn auch oft etwas drängende - Seite, die er nur ihr zeigte und durch die er ihr das Gefühl gab etwas besonderes zu sein. Und diese zeigte sich, kaum dass sie das Restaurant verlassen hatten.

      Schon auf dem Hinweg hatte Carson sie immer wieder berührt, zu Julias Erleichterung hatte er das diesmal jedoch während des Essens gelassen und auch von sonstigen Anspielungen abgesehen. Entweder war er heute extrem hungrig gewesen, oder er wollte bei seiner Begleiterin einen guten Eindruck machen.
      Letztendlich beschloss Julia, dass es wohl ersteres war, da Carson sofort wieder nach Körperkontakt suchte, sobald sich die Türen des Restaurants hinter ihnen geschlossen hatten. Und wenn sie ehrlich war, hatte sie nicht einmal etwas dagegen. Seit sie sich selbst eingestanden hatte, dass sie diesen Mann liebte, war es für sie leichter sich fallen zu lassen und seine Zuwendungen zu erwidern, ohne Angst vor irgendwelchen Konsequenzen zu haben. Deshalb küsste sie ihn auch nur zu gerne zurück, als er im Fahrstuhl seine Lippen auf ihre presste.
    • Carson konnte sich einfach nicht mehr zusammenreißen. Auf dem Weg durch den Flur zur Tür seiner Wohnung ließ er nicht ein einziges Mal von Julias Lippen ab. Er tastete nach der Türklinke, schob sie ins Innere Seiner Wohnung kickte die Tür hinter sich zu. Er war sich nicht sicher, ob er es bis oben ins Schlafzimmer schaffen würde. Immerhin war er noch dazu in der Lage , die Couch zu finden, ohne die Stufen runter zu fallen. Juliana von dem Kleid zu befreien war die Leichteste seiner Aufgaben. Auch sein Anzug war alles andere als schwer loszuwerden. Er brauchte diese Frau so dringend, dass er den Weg nach oben ins Schlafzimmer erst antrat, nachdem er Julia den ersten Orgasmus beschert hatte. Sie zitterte noch leicht, als Carson sie sanft auf seine Arme hob und die Stufen hinauf trug. Wie eine zerbrechliche Kostbarkeit setzre er sie auf dem Bett ab. Er legte sich zu ihr, ließ seinen Blick nicht für eine Sekunde von ihr. Sanft strich er ohr eine verschwitzte Haarsträhne aus dem Gesicht.
      "Ich liebe dich, Juliana Kinnley", flüsterte er und küsste sie liebevoll.
      Diesmal vögelte er sie nicht. Er liebte sie. Sanft und langsam und gefühlvoll, wie sie es verdient hatte. Sie war einfach perfekt und er wollte ihr mit jeder Faser seines Seins zeigen, wie viel sie ihm bedeutete.

      Er hielt sie im Arm. Er lag auf dem Rücken und starrte an die Decke. So gut hatte er sich in seinem gesamten Leben noch nicht gefühlt. Seine Hand malte in fahrigen Bewegungen das Symbol der Unendlichkeit auf ihr erhitztes Schulterblatt.
      "Juli?", fragte er leise, nicht sicher, ob sie noch wach war, "Es gibt da ein paar Dinge, die du wissen solltest."
      Er hatte ihr gestanden, dass er sie liebte. Er hatte sie in einen Teil seines Lebens gelassen, den er seit Jahren vor allem umd jedem abschirmte. Sie erwiderte seine Gefühle. Sie ließ ihn ebenso in ihr Leben. Sie hatte es verdient, alles über ihn zu wissen. Wie konnte er der Mann sein, dem sie ihr Herz schenkte, wenn er ihrer Liebe vielleicht gar nicht wert war?


    • Juliana hatte sich an Carson gekuschelt, einen Arm um seine Hüfte und den Kopf auf seine Brust gelegt. Sie hatte das Gefühl, dass sich ihr Körper perfekt an seinen anpasste, wie ein Puzzleteil, dass seinen Gegenpart gefunden hatte. Zum ersten Mal zweifelte sie nicht daran, ob es eine gute Idee war Carson in ihr Leben zu lassen. Sie spürte, dass sie hierher gehörte. An seine Seite, in seine Arme. Und sie wollte nirgendwo anders sein.
      "Juli? Es gibt da ein paar Dinge, die du wissen solltest." Carsons leise Stimme durchbrach die Ruhe zwischen ihnen und sorgte dafür, dass Julia ihren Kopf leicht anhob. Sie hatte den Mann noch nie so reden gehört und der zögerliche Tonfall, in dem auch ein wenig Schmerz mitzuschwingen schien, besorgte sie. Sie drehte sich ein wenig und stützte sich auf einem Arm ab, so dass sie Carson besser ansehen konnte. "Es gibt auch etwas, was du über mich wissen solltest.", antwortete sie ebenso leise. Es machte keinen Sinn Geheimnisse vor ihm zu haben und wenn Julia ehrlich war, so wollte sie das auch nicht mehr. Es war egal was geschehen würde. Auch wenn Carson danach kein Interesse mehr an ihr hatte, so konnte sie dann wenigstens mit reinem Gewissen gehen und ihr Herz endgültig verschließen.
    • Gott, wie sollte er das bloß erklären? Normalerweise sprach man nicht über Exen, wenn man nicht ein paar lustige Feschichten auf Lager hatte. Aber das hatte Carson nicht. Er hatte bloß die Geschichte, die sein Leben aus den Fugen geworfen hatte.
      "Ich...", begann er zögernd, "Ich war schon einmal verlobt."
      Es fühlte sich so seltsam an, das alles wieder aufzuwärmen. Nachdem er es endlich geschafft hatte, das alles hinter sich zu lassen, hatte er nie wieder darüber geredet. Niemand hatte es jemals wieder erwähnt. Er war dafür ziemlich dankbar gewesen. Er hatte lange gebraucht, das alles zu überwinden. Carson gab es nicht gern zu, aber das Ganze... es hatte ihm das Herz gebrochen und ihn regelrecht zerstört.


    • Einen Moment lang sah Julia Carson still an, während sie überlegte, wie sie aus dieser Situation wieder heraus kam, ohne ihn zu verärgern. Aber ihr wollte keine wirklich gute Lösung dafür einfallen.
      "Werd jetzt bitte nicht sauer.", begann sie vorsichtig. "Aber Chase hat das auf der Familienfeier erwähnt. Ich weiß, ich hätte dir das erzählen sollen, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass es mich eigentlich nichts angeht. Und du wirst immer so wütend, wenn das Gespräch auf Cooper kommt..." wieder hielt sie kurz inne. "Es macht mir ein wenig Angst.", fügte sie leise hinzu.

      Einige Sekunden wartete sie auf eine Reaktion von Carson, bevor sie vorsichtig ihre Hand hob, um ihm durch das dunkle Haar zu streichen. Im Gegensatz zu anderen Frauen fand sie es wunderschön. "Ich habe das ja schon einmal gesagt, aber ich interessiere mich eigentlich nicht für Männer. Bis heute weiß ich nicht, wieso du zu einer Ausnahme geworden bist. Ich verspreche dir, dass das auch so bleiben wird. Und ich werde das so oft wiederholen, bis du es glauben kannst."
    • "Juli..."
      Er schlang seine Arme um sie und küsste sie innig. Irgendwie war er froh darüber, dass Chase es ihr erzählt hatte. So musste er es nicht tun und konnte wenigstens einen Stein aus seinem weg räumen.
      "Du musst keine Angst vor mir haben. Ich könnte dir nie etwas antun. Niemals", sagte er und strich ihr über die perfekte Wange, "auch wenn du mir das kaum glauben wist, wenn ich dir erzähle, was da noch ist."
      Ihr Blick brach ihm das Herz. Er konnte ihr nichts ins Gesicht sehen, wenn er ihr das jetzt erzählte. Er konnte niemandem dabei ins Gesicht sehen, nicht einmal, wenn er nur daran dachte. Glücklicherweise tat er das nicht allzu oft.
      "Ich bin aus einem Grund bei meinem Onkel aufgewachsen. Aus dem gleichen Grund, warum ich dir meinen Vater nicht vorgestellt habe und aus dem meine Mutter im Rollstuhl sitzt. Der Grund, warum es mich damals so hart getroffen hat, als Me... als meine Ex sagte, sie bevorzuge blond."
      Er atmete tief durch, um das Zittern in seiner Stimme zu mindern, doch es half nichts. Ebenso wenig konnte er verhindern, dass sein Blick glasig wurde. Er hasste es, sich an diesen Tag zu erinnern, aber er musste. Nur so konnte Julia erfahren, wer er wirklich war und auf wen sie sich da einließ.
      "Mein Vater... er war ein strenger Mann, weißt du? Er war... ich weiß nicht, was er war. Ich weiß nur, dass er kein guter Vater und ein noch viel schlechterer Ehemann war. Ich war ein cleveres Kind, hatte die typischen Davis-Geschäftsgene geerbt. Das hat ihm nicht gefallen und immer, wenn ich mit einer Idee um die Ecke kam, hat er sie runter gemacht. Ich habe ihn trotzdem geliebt, er war immerhin mein Vater. Bis ich mitbekommen habe, was er meiner Mutter antat. Er..."
      Carsons Stimme brach, als die Bilder wieder auftauchten. Er hatte damals auf der Treppe gesessen und sich an das Geländer geklammert, während ee still dabei zugesehen hatte, wie seine Mutter verprügelt wurde. Sein Vater hatte genau gewusst, wo er sie verletzen konnte, ohne dass es jemand mitbekommen würde.
      "Er hat meine Mutter verpügelt. In der Küche. Als er weg war, bin ich hin, um ihr zu helfen. Ich hab in meiner Hektik irgendwas kaputt gemacht. Ich weiß nicht mehr, was es war. Ich erinnere mich nur daran, wie meine Mutter mich wegschubste und anflehte, wegzulaufen. Ich hab mich unter der Treppe im Schrank versteckt. Aber als ich sah, wie er meiner Mutter das Messer an die Kehle hielt, hab ich ihn angefleht, aufzuhören."
      Die Tränen hatten sich ihren Weg über sein Gesicht gebahnt und hinterließen kalte Spuren auf seimer Haut.
      "Er hat mich gegen die Küchenzeile geworfen und gesagt, dass er sich mit mir befassen würde, sobald er mit meiner Mitter fertig ist. Er hat ihr das Messer siebenmal in den Rücken gerammt und ihr das Rückgrat durchgetrennt."
      Er konnte ihre Schreie hören, das Blut riechen. Er war sieder sieben Jahre alt und saß blutend in der Küche auf dem Boden. Er konnte kaum etwas sehen, sein eigenes Blut lief ihm in die Augen.
      "Das nächste, soran ich mich erinnere ist, wie ich auf meinem Vater sitze, von oben bis unten in Blut getränkt, den Griff des Messers in der Hand, das in seiner Brust steckte. Ich habe... ich habe Onkel Charles angerufen und mich dann neben meine Mutter gekauert. Sie hat immer wieder gesagt, dass alles wieder in Ordnung kommt. Es war ihr egal, dass sie verblutete, sie wollte einfach nur, dass ich ihr glaube. Aber das konnte ich nicht.
      Onkel Charles hat dafür gesorgt, dass nichts davon an die Öffentlichkeit kommt. Ein Siebenjähriger, der achtunddreißig mal auf seinen Vater einsticht, um seine Mutter zu schützen macht sich nicht gut in den Nachrichten. Oder besser viel zu gut. Ich bin bei meinem Onkel eingezogen, wurde zu Hause unterrichtet, war jeden Tag im Krankenhaus. Ich habe mir beinahe die Augen weggeätzt bei dem Versuch, mir selbst die Haare blond zu färben."
      Er atmete tief durch. Das die ganze Sache noch so deutlich in seinem Verstand war, hatte er nicht erwartet. Er hatte das Gefühl, immer noch von oben bis unten voller Blut zu sein. Aber er hatte gelernt, dass er sich das nu einbildete und wenn er ketzt nachgab und duschen ging, würde er sich nur wieder die Arme aufscheuern. Er hatte gelernt, die Kontrolle zu behalten, nicht nachzugeben, stark zu sein. Er war der Herr seiner selbst, niemand sonst.
      "Verstehst du jetzt, warum ich die Kontrolle nicht an jemand anderen abgebe? Wenn ich das tue, wenn ich... wenn ich mir nicht sicher sein kann, dass alles so ist, wie es sein soll, dann... dann habe ich Angst vor dem, was ich tun könnte. Die Ärzte haben gesagt, dass mekn Blackout von meiner Gehirnerschütterung kam, aber das glaube ich nicht. Ich war so wütend und verzweifelt, dass ich... Ich habe meinem Vater vertraut und ihn geliebt und er hat mich hintergangen. Er hat mich und meine Mutter weggestoßen wie ein kaputtes Spielzeug. Und dann hat Megan... jedesmal, wenn ich jemandem die Kontrolle über mich gegeben habe, wurde ich hintergangen. Ich..."
      Carson schüttelte den Kopf und zog Julia eng an sich, vergrub sein Gesicht an ihrer Halsbeuge. Er brauchte diiese Frau, ihre Nähe jetzt einfach. Ihrem Herzschlag zuhören zu können beruhigte ihn. Er konnte die schrecklichen Bilder seiner Kindheit wieder zurück in die dunklen Ecken seines Kopfes drängen.


    • Julia lag völlig still in Carson Armen, sie konnte seinen schnellen Herzschlag spüren und sein unruhiger Atem, der über ihr Haar strich. Sie wusste nicht, was sie tun sollte. Sie wollte schreien, weinen, davon laufen und ihn gleichzeitig fest in die Arme nehmen. Die Geschichte machte ihr Angst, da sie Parallelen zu ihrem eigenen Leben sah. Sie hatte sich geschworen nie mehr mit einem Mann zusammen zu sein, der gewalttätig gegenüber anderen wurde und doch lag sie hier in Carsons Armen, obwohl er ihr eine so grausige Geschichte erzählt hatte. Es dauerte einige Sekunden bis sie verstand, dass sie keine Angst vor ihm hatte, sondern er ihr leid tat. Sie hatte zwar selbst gelitten, aber sie konnte sich nicht vorstellen, wie schlimm so etwas für ein Kind sein musste. War es nicht natürlich, dass man die Menschen beschützen wollte, die man liebte?
      Die schloss einen Moment lang die Augen und vergrub ihr Gesicht in seiner Halsbeuge. Der vertraute Geruch half ihr ein wenig sich zu beruhigen. "Ich liebe dich." hörte sie sich sagen und ihr wurde bewusst, wie ernst sie das meinte.

      Es kostete sie ein wenig Anstrengung, um sich aus Carsons Umarmung zu lösen, was auch daran lag, dass ihr Körper eigentlich seine bequeme Lage nicht aufgeben wollte. Trotzdem schaffte sie es sich aufzusetzen und zu ihm hinunter zu sehen. Einige Sekunden lang sah sie ihn still an, während sie sich innerlich sammelte und auf das vorbereitet, was nun kommen könnte. "Ich sagte ja, dass es auch etwas gibt, was du von mir wissen solltest..." Ihre Augen wanderten nervös durch den Raum, bevor sie sich wieder auf Carson richteten. "Dieses Gerichtsverfahren..." Es war ihr ein wenig peinlich, dass sie es nicht einmal schaffte einen zusammenhängenden Satz zu formulieren. Sie atmete einmal durch und sprach dann weiter. "Das Gerichtsverfahren war zwischen mir und meinem Ex-Freund. Es diente dazu, um ein Kontaktverbot zwischen uns zu erwirken." Auf einmal kehrten die alten Erinnerungen in Julias Kopf zurück, als würde sie einen Film sehen. Einen Film, den sie immer versucht hatte zu verdrängen.
      Sie sah die Blicke der anwesenden Zuhörer. Einige hatten sie mitleidig angesehen, andere verständnislos, da sie nicht glauben konnten, dass eine erwachsene Frau so etwas mit sich machen lässt. Es war demütigend gewesen vor all diesen fremden Leuten über ihr Privatleben zu sprechen und erleben zu müssen, wie sich jeder von ihnen ein Bild von ihr machte. Und dann hatte der Anwalt ihres Freundes begonnen sie auszufragen und in die Enge zu drängen. Irgendwann hatte er sogar gefragt, ob Julia nicht übertreiben könnte, um dem Ruf seines Mandanten zu schaden. An dieser Stelle war Andrew so wütend geworden, dass Juliana befürchtet hatte, er könnte von seinem Platz aufspringen und dem anderen Mann eine runterhauen.
      Erst als man die Bilder gezeigt wurden, die man im Krankenhaus von ihr gemacht hatte, war es im Raum völlig still geworden. Und dann hatte Simon zugegeben, dass er seine Wut nicht im Griff hatte und dass es Julia besser gehen würde, wenn sie nicht mehr bei ihm leben musste. Tief in seinem Inneren war er ein guter Mensch, daran hatte die Blondine immer geglaubt und bis heute war sie ihm dankbar dafür, dass er sie am Ende frei gelassen hatte.

      "Damals war ich..." Sie hielt inne, da sie nicht wusste, wie sie Carson ihre Lage beschreiben sollte. Sie wollte kein Mitleid von ihm, sie wollte lediglich, dass er ihre Vergangenheit verstand und dann selbst entscheiden konnte, ob er wirklich mit so jemandem zusammen sein wollte. "Bevor ich für Save Heaven gearbeitet habe, habe ich selbst in dem Frauenhaus gelebt.", sagte sie schließlich, da sie nichts anderes herausbrachte. "Deshalb fallen mir viele Dinge nicht leicht und deshalb kann ich auch nicht verstehen, wieso du jemanden wie mich magst. Ich bin ein kaputter Mensch. Vielleicht nicht mehr äußerlich, aber innerlich auf jeden Fall." Nachdem sie ihre Worte ausgesprochen hatte, blieb sie still sitzen und wartete auf Carsons Reaktion. Sie hatte noch nie jemandem davon erzählt und eigentlich hatte sie damit gerechnet, dass sie weinen würde. Aber ihre Augen blieben trocken. Stattdessen fühlte sie sich auf eine seltsame Weise erleichtert.
    • "Du warst... ?"
      Carson konnte es nicht glauben. Sie hatte in einer Missbrauchsbeziehung gesteckt? Er wusste nicht, wie er darauf reagieren sollte. Zumindest wusste es der bewusste Teil seines Verstandes nicht. Sein Unterbewusstsein aber sorgte dafür, dass er sich aufrichtete und Julia in den Arm nahm. Einfach nur fest in den Arm nahm. Er zog sie an seine Brust und hielt sie fest. Was sollte er auch groß sagen? Sie hatten beide gerade einander ihre dunkelsten Geheimnisse offenbart. Sie beide gerade verletzlich. Aber Carson hatte sich damit arrangiert. Er war sich nicht sicher, ob Julia das hatte. Ihm war auf einmal klar, warum sie ständig um Erlaubnis fragte, sich für alles mögliche entschuldigte.
      "Hör zu: ich werde auf dich aufpassen. Niemand wird dir auch nur ein Haar krümmen. Ich werde dafür sorgen, dass du immer in Sicherheit sein wirst. Juli, ich..."
      Er küsste ihren Hals und strich ihr sanft durch die Haare.
      "Du musst nie wieder Angst haben, hörst du? Dir kann nichts mehr passieren. "
      Er ließ sich vorsichtig mit ihr nach hinten zurück in die Kissen sinken. Seine sanften Streicheleinheiten stoppte er nicht. Er brauchte das jetzt einfach. Er musste sienan seiner Seite spüren, um nicht in der Vergangenheit zu versinken oder an den Gedanken darüber, was Julia passiert sein könnte, zu ersticken.

      Er schlief nicht gut. Die Vergangenheit verfolgte ihn bis in seine Träume. Um drei schälte er sich aus Julias Armen und schlich sich hoch in den Garten. Die kalte Nachtluft half dabei, den Geruch des Blutes aus seiner Nase zu bekommen. Vier Sekunden einatmen, sieben Sekunden anhalten, acht Sekunden ausatmen, drei Wiederholungen. Auf diese Weise beruhigte er seit über zehn Jahren seine Nerven. Er schob noch eine Runde Thai Chi hinterher, dann ging er zurück zu Julia.
      Er saß auf dem Bettrand und beobachtete sie. Sie war immer noch nackt, aber das war nicht, was seinen Blick so fesselte. Es war ihr Gesicht. Sie wirkte wie ein schlafender Engel, entspannt und friedlich. Er wollte, dass es genauso blieb. Dass sie genauso durch's Leben ging. Entspannt und friedlich.


    • Widerstandslos ließ Julia sich in Carsons Arme ziehen. "Es war nicht so schlimm wie bei deiner Mutter.", sagte sie sanft, da sie befürchtete, dass sie noch mehr schreckliche Erinnerungen in ihm geweckt hatte, als sowieso schon. "Er war nur immer sehr gestresst und frustriert, konnte das aber auf der Arbeit nicht zeigen, da er auf seinen Ruf achten musste. Dafür ist es dann zu hause aus ihm herausgeplatzt. Manchmal war ich mir nicht einmal sicher, was ich falsch gemacht hatte. Aber er war nicht immer schlecht... es waren einfach nur Phasen." sie erwähnte nicht, dass diese Phasen mit der Zeit immer häufiger geworden waren, bis sie irgendwann in ständiger Angst gelebt hatte, sobald sie alleine waren. Das schlimmste an ihrer Situation waren nicht die Schmerzen gewesen, sondern dass sie nie wusste, wann ihr Partner einen seiner Wutausbrüche haben würde. Es war völlig unwillkürlich und das war sehr beängstigend gewesen. Doch irgendwann hatte Julia sich daran gewöhnt.
      Julia spürte Carsons Finger, die sanft durch ihr Haar strichen. Die Geste hatte etwas sehr beruhigendes. "Wir waren acht Jahre zusammen. Wir haben zusammen gewohnt und sogar zusammen gearbeitet. Manchmal habe ich mich gefragt, wieso niemand etwas merkt, oder wieso es niemanden interessiert." Sie wusste nicht, woher die Worte kamen. Es war das erste Mal, dass sie das laut aussprach. Ein Teil von ihr hatte sich immer wieder gefragt, wieso ihr niemand half und ob sie so eine Behandlung wirklich verdient hatte.
      Und als wüsste Carson, was sie gerade dachte, sagte er in diesem Moment genau das, was Juliana in all den Jahren so sehr hatte hören wollen.

      "Ich werde dafür sorgen, dass du immer in Sicherheit sein wirst. Du musst nie wieder Angst haben, hörst du? Dir kann nichts mehr passieren. "

      Sie schloss ihre Augen und fühlte, dass sich einige Tränen aus ihnen lösten. Ihre Hände legten sich um seinen Rücken, damit sie noch etwas näher an ihn heran rutschen konnte. Sie wollte ihm wirklich glauben... so sehr.


      Durch das Weinen waren Julias Augen müde geworden, so dass sie schnell eingeschlafen war. Als sie einige Stunden später die Augen wieder öffnete, ging bereits die Sonne auf. Es war ein unglaublich schönes Schauspiel, das man durch das riesige Fenster betrachten konnte, doch Julias Aufmerksamkeit galt allein dem Mann, der auf der Bettkante saß und zu ihr hinab blickte. Noch ein wenig verschlafen richtete sie sich auf. Sie legte ihre Hand auf seine, um ihm etwas näher zu sein, da es sie besorgte, dass es nicht mehr neben ihr lag. "Wie geht es dir?", fragte sie vorsichtig.
    • Er hatte seinen Sinn für Zeit verloren. Erst, als Julia aufwachte bemerkte er, wie lange er hier schon so saß. Die Sonne ging auf, kaum zu glauben. Und natürlich hatte er vergessen, die Vorhänge zuzuziehen.
      "Müde", antwortete er auf ihre Frage und ließ sich neben sie zurück ins Bett sinken.
      Er zog sie so an sich, dass sie ihren Kopf auf seiner Brust betten konnte. Er mochte es, wenn sie das tat.
      "Ich habe nicht besonders gut geschlafen."
      Seine Finger fanden ganz von allein ihren Weg in Julianas weiches Haar. Obwohl er so erschöpft war, stand ihm nich der Sinn danach, zu schlafen. Es war eine andere Form der Erschöpfung, eine die man nicht mit einem Nickerchen, sondern mit guter Laune wieder weg bekam. Seine beste Chance also, wieder auf den Damm zu kommen, war die Frau mit deren Haaren er gerade spielte. Er war froh darum, dass sie auf einen faulen Tag bestanden hatte.
      "Wie hast du geschlafen?", fragte er.
      Nachdem sie ihm gestern erklärt hatte, was passiert war, war er sich sicher, dass sie die ganze Sache noch nicht hinter sich gebracht hatte. Acht Jahre waren eine lange Zeit. Viel schlimmer aber war, dass sie diesen Miskerl auch noch verteidigte. Er schaffte es, sich in aller Öffentlichkeit zusammen zu reißen, aber nicht seiner Frau gegenüber?! Carson würde lieber jemanden vor laufender Kamera zusammenfalten, als das zu tun, Ruf hin oder her. Wer auch immer dieses Arschloch war, er hatte keine Ahnung von Liebe und er hatte Juliana Kinnley nicht verdient.


    • Es erleichterte Julia ein wenig, dass Carson sich wieder zu ihr legte und zuließ, dass sie sich an sie kuschelte. Ein kleiner Teil von ihr hatte befürchtet, dass er nie nun nicht mehr in seiner Nähe haben wollte, nachdem er von ihrer Vergangenheit wusste. Doch diese Sorgen waren nun vergessen und die Blondine gab einen leisen Seufzter von sich, als sie ihren Kopf auf Carsons Brust ablegte. Sie fühlte sich in seinen Armen so geborgen, dass sie am liebsten für immer so liegen geblieben wäre.
      "Anscheinend besser als du.", antwortete sie auf seine Frage. "Ich glaube mein Kopf war mit den ganzen Informationen von gestern so überfüllt, dass er sich ausgeschaltet hat.", scherzte sie, wurde dann aber wider ernst, da ihr bewusst wurde, dass Carsons Geständnis nichts war, worüber sie Witze machen wollte. "Aber eigentlich glaube ich, dass ich es einfach vermisst habe neben dir zu schlafen.", fügte sie etwas sanfter hinzu und küsste die Stelle an seiner Brust, auf der sie ihren Kopf abgelegt hatte. "Es ist seltsam... eigentlich fällt es mir schwer anderen Leuten zu vertrauen, aber immer wenn du sagst, dass du mich beschützt glaube ich dir sofort. Ich weiß, dass du mir nichts tun wirst und dass mir nichts passiert, so lange ich bei dir bin. Ich kann nicht sagen warum, aber ich glaube es dir einfach." Einen Moment lang hielt sie inne, da sie diese Erkenntnis selbst ein wenig überraschte. Es war ihr schon öfter aufgefallen, trotzdem fühlte es sich ungewohnt an, das ganze laut auszusprechen.
      "Lass mich bitte nicht allein.", ihre Stimme war leise, aber sie war sich sicher, dass Carson sie trotzdem hörte, da er ihr so nah war. Eigentlich war sie immer noch überzeugt, dass der Geschäftsmann etwas besseres verdient hatte, doch wenn sie ehrlich mit sich war, wollte sie ihn nicht gehen lassen. Sie musste sich einfach mehr anstrengen, um jemand zu werden, der er wert war um mit einem so wundervollen Menschen zusammen zu sein.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Enija ()

    • "Vielleicht liegt das daran, dass ich es auch so meine, wenn ich es sage."
      Er drückte Julia einen Kuss auf den Scheitel.
      "Du weißt doch, dass ich es so meine, oder? Ich werde nicht zulassen, dass dir etwas passiert."
      Er wollte wirklich, dass sie ihm das glaubte und dass sie ihn in der Sache ernst nahm. Alls, was er sagte, meinte er ernst.
      "Ich werde dich niemals allein lassen."
      Es war ein Versprechen, dass er nicht brechen würde. Diese Frau würde immer in Sicherheit sein, solange sie an seiner Seite war.
      "Niemals."
      Er zog sie noch ein bisschen enger an sich und schloss die Augen. Vielleicht konnte er ihr den Frieden bieten, den sie brauchte. Er wollte ihn ihr geben. Und wenn sie geheilt war, konnte sie ihn vielleicht auch heilen.

      Er schaffte es, ein kleines Nickerchen zu machen. Sein knurrender Magen war allerdings der Meinung, dass er genug geschlafen hatte. Er grummelte, aber der Hunger gewann. Also stand er auf und schlurfte in die Küche, um sich einen Kaffee zu machen. Aber als die Maschine sah, kam ihm ein anderer Gedanke. Er musste nirgendwo hin und es war November. Zeit für eine heiße Schokolade.
      Mit zwei dampfenden Tassen und und einem Teller Pancakes auf einem Tablett kam er zurück ins Schlafzimmer.
      "Ich weiß nicht, was du geplant hattest, aber ich bewege mich heute nicht aus diesem Bett", beschloss Carson.
      Er griff in seine Nachttischschublade und fischte eine Fernbedienung daraus hervor. Er richtete sie auf die Wand gegenüber des Bettes. Eine kleine Spielerei, die er schon immer hatte haben wollen. Das Bild, das dort hing, glitt still nach unten hinter die Kommode und enthüllte den Flachbildfernseher, der sich dahinter verbarg.
      "Jurassic Park Drei, richtig?", fragte er nach obwohl er es genau wusste.
      Sein Grinsen versteckte er in seiner Schokolade. Seine war mit Sahne und Zimt, eine Kombination, die bisher niemandem außer ihm geschmeckt hatte. Die von Julia hatte er normal gelassen, weil er nicht wusste, wie sie sie mochte.


    • "Ja, ich weiß, dass du es so meinst." Im Grunde wusste Julia das nicht. Sie war schon oft angelogen worden. Sätze wie "Es wird nie wider vorkommen" oder "Es war nur ein Versehen." hatten lange zu ihrem Alltag gehört. Doch wenn Carson so etwas sagte, lag ein so ehrlicher Unterton in seiner Stimme, dass sie ihm wirklich glaubte. Und es war ihr egal, ob sie das vielleicht später bereute.
      Sie schlang ihre Arme um seine Taille, damit sie ihm noch ein wenig näher sein konnte. Irgendwie hatte sie das Gefühl, dass sie beide das gerade brauchten. "Und du weißt, dass ich dich niemals verraten werde, oder?", gab sie nach einer kurzen Pause zurück. "Ich könnte niemals etwas mit einem anderen Mann anfangen und ich werde dich niemals verletzen." Sie war sich sicher, dass sie niemals den Schmerz verstehen konnte, den Carson in seinem ganzen Leben mit sich herum getragen hatte, aber sie wollte ihm so viel wie möglich davon abnehmen. Er verdiente es glücklich zu sein.

      Julia merkte gar nicht, wie sie noch einmal einschlief. Doch als sie das nächste Mal die Augen öffnete, war sie schon wieder nicht mehr in Carsons Armen. Diesmal wurde Julia dafür jedoch mit dem süßen Geruch von Kakao entschädigt, den ihr Partner ihr lächelnd entgegen hielt. Dankbar umschloss sie den Becker mit beiden Händen und blies vorsichtig über den heißen Dampf der aus ihr empor stieg. "Hat dein Koch heute frei, oder sollte ich mir etwas anziehen?", fragte sie und blickte an sich hinunter. Sie hatte nichts dagegen, dass Carson sie nackt sah, aber seinen Angestellten wollte sie diesen Anblick dann doch lieber ersparen.
      Natürlich war der Fernseher im Schlafzimmer genauso beeindruckend wie der Rest des Hauses. Mit großen Augen betrachtete Julie, wie sich das Bild bewegte und den Blick auf den großen Bildschirm freigab. Sie hörte kaum, dass Carson sie nach dem Film fragte, nickte aber trotzdem.
    • "Es ist Sonntag, Juli. Sonntags hat Ricardo frei. Das habe ich dir doch in New York erzählt. Außerdem gefällst du mir nackt viel besser."
      Ein weiteres Grinsen, versteckt hinter einem Nippen an der heißen Schokolade. Er leckte sich über die Oberlippe, um die Sahne loszuwerden. Dann legte er einen Arm um Julias Schultern. Die Tasse balancierte er zwischen seinen Beinen, als er erst auf Play drückte und sich dann einen Pancake nahm.
      Seine Finger malten ein bisschen auf Julias Schulter herum, ehe sie in ihr Lieblingsmuster verfielen. Einen so entspannten Morgen hatte er schon lange nicht mehr gehabt. Er könnte sich daran gewöhnen


    • Nachdenklich sah Julia zu Carson hinauf. Vermutlich hatte er ihr wirklich davon erzählt und sie hatte es vergessen, da der Streit mit Cooper sie so sehr aufgewühlt hatte... oder die Dinge, die sie nachts getrieben hatten, hatten sie abgelenkt. Ihr erster Impuls war, sich zu entschuldigen, aber ihr fiel ein, dass Carson das nicht so gerne mochte, deshalb hielt sie sich zurück und ging stattdessen nur auf den letzten Satz seiner Aussage ein. "Irgendwie wusste ich, dass du das sagst.", antwortete sie und konnte ein leises Kichern nicht unterdrücken.
      Sie nahm einen Schluck Kakao, bevor sie ihren Kopf auf der Schulter ihres Sitznachbarn ablegte und zum Bildschirm sah, auf dem gerade die ersten Szenen des Films begannen. "Ich mag das hier. Es ist so gemütlich." gab sie zu.
    • Carson brummte zustimmend, hatte Julia doch genau das ausgesprochen, was er gedacht hatte. Es war faszinierend, wie gut sie harmonierten.

      Diesmal blieben sie während des Filmes wach und abgesehen von dem ein oder anderen Blick zu Julia hinunter konzentrierte sich der Geschäftsmann sogar darauf. Es half, dass sie sich die Decke überzog.
      "Weißt du eigentlich, wie sehr du ablenkst?", fragte Carson nach dem Ende des Filmes dennoch.
      Er hatte die Tassen und den Teller mit den Pancakes neben dem Bett auf den Blden gestellt. Jetzt rollte er sich auf die Seite, stützte den Kopf auf eine Hand und lächelte Julia auf diese ganz spezielle Weise an.
      "Ich sehe das so: entweder, du ziehst dir was an, oder ich ziehe mich wieder aus."
      Sie beide wussten, so letzteres Enden würde. Und sie hatten keine Dinosaurier mehr, um sich - oder zumindest Carson - davon abzuhalten.


    • Auch wenn der dritte Teil der Serie Julia vom Inhalt her nicht so fesselte wie der erste, gefiel er ihr doch irgendwie am Besten. Das lag aber hauptsächlich an der angenehmen Atmosphäre zwischen Carson und ihr. Es war, als wäre die Wand verschwunden, die sie bisher versucht hatte aufrecht zu erhalten. Zum ersten Mal saß sie so entspannt neben dem Mann, das sie zwischenzeitlich sogar vergaß, dass sie nichts an hatte.
      "Ich sehe das so: entweder, du ziehst dir was an, oder ich ziehe mich wieder aus." sagte Carson, kaum dass der Film geendet hatte. Julia lächelte, es war schön zu sehen, dass er wieder der Alte zu sein schien. "Möchtest du denn, dass ich mir etwas anziehe?", gab sie zurück, obwohl sie bereits ahnte, wie die Antwort ausfallen würde.

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