[2er RPG] Burning Desire

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    • Die SMS, die Julia ihm schickte, las er in dem Augenblick, in dem sie auf seinem Smartphone aufploppte. Er lächelte, brüllte jemanden am anderen Ende der Leitung seines Bluetooth-Headsets an und schrieb ihr gleichzeitig eine Nachricht zurück. Den ganzen Tag schickte er ihr welche. Hauptsächlich nervte er sie mit den Online-Speisekarten von irgendwelchen griechischen Restaurants, die wahrscheinlich alle außerhalb Julianas gewohnter Preisklasse lagen. Das Nerven beschränkte sich aber eigentlich nur auf drei Nachrichten, da ihm die Zeit fehlte, weiter nach Restaurants zu suchen. Er trat es einfach an Austin ab, der würde schon einen ordentlichen Griechen finden. Er fand immer das, wonach Carson suchte.

      Die Vertragsabschlüsse waren am Ende der Woche angesetzt worden. Alle auf einmal. Carson würde am Freitag die Kickstarter-Firma aufkaufen und nur drei Stunden später zwei Lagerhäuser erwerben, die in den folgenden Monaten grundsaniert und modernisiert werden würden, um die Produktionsstätten zu verlegen und den Ertrag zu steigern. Dafür würde er wiederum eine Stunde nach dem Kauf der Lagerhäuser einen Bauvertrag unterzeichnen. Alles in allem schloss Carson am Freitag fünf Verträge ab, ehe er Zeit fand, etwas zu essen. Was er nicht tun würde, da er an diesem Abend noch etwas vorhatte. Kein Grieche.

      Als er um elf nach Hause kam und sich aus seinem Anzug geschält hatte, klappte er seinen Privatlaptop im Esszimmer auf und klickte sich durch ein paar Onlineshops.
      Manfred, sein Koch, hatte ihm wie immer einen Snack gemacht und mit der entsprechenden Anleitung versehen. So hatte Carson kochen gelernt. Von den Notizen seines Kochs, der nicht mit ansehen konnte, wie Carson verhungerte. Daher waren diese Snacks mittlerweile auch gern etwas komplizierter in der Fertigstellung. Heute aber hatte Manfred Mitleid mit seinem Arbeitgeber gehabt und ihm etwas Einfacheres hingestellt.
      Carson mampfte also in aller Ruhe sein Sloppy Joe Sandwich und suchte nach einem passenden Geschenk für Juliana. Kostete ihn eine weitere Stunde, das zu finden. Schlussendlich aber hatte er das perfekte gefunden und es würde noch pünktlich geliefert werden. Jetzt konnte Carson ruhig schlafen. Seine Geschäfte waren so gut wie abgeschlossen, das Geschenk für Juli unterwegs. Der anstrengende teil lag hinter ihm.
      Er fand sage und schreibe fünf Stunden Schlaf, ehe es ihn ins Fitnesscenter auf das Laufband zog, wo er sich die Lunge aus dem Leib rannte, um Joe und das Wochenende wieder loszuwerden.

      Am Freitag wurde Juliana ein Päckchen geliefert. Es war etwa so groß wie ein DIN A3 Blatt, dafür aber nur wenige Zentimeter hoch. Das Päckchen war nichtssagend schwarz, allerdings befand sich eine silberne Prägung darauf: Die Buchstaben L und V, die sich überlappten.
      Der Kurier bestand auf eine Unterschrift, ehe er das Paket übergab. Darin befand sich, umhüllt von hauchdünnem Seidenpapier, ein perlmutt farbenes Kleid mit leichten Goldakzenten. In einer kleinen Kiste neben dem Kleid befanden sich eine passende Clutch und Ohrringe.
      Carson erhielt eine Nachricht vom Versandhaus, als das Paket angekommen war. Sofort öffnete er den Nachrichtenverlauf mit Juliana und schrieb ihr eine Nachricht:

      Ich hoffe, es gefällt dir.
      Heute Abend um sieben
      kannst du damit angeben.
      Ich hole dich ab. Viertel
      nach sechs vor deiner Haustür.
      C.D.

      Er grinste ein wenig triumphal, dann wandte er sich wieder seiner Arbeit zu und betrat das Bürogebäude der Kickstarter-Firma, um seinen ersten Vertrag des Tages zu unterschreiben, auf dass er noch sehr viel mehr Geld verdiente. Die ersten Hochrechnungen ließen vermuten, dass er den Profit dieser Firma bis zum Ende des Jahres verdreifachen würde.
      Nachdem der letzte Vertrag unterzeichnet war - der Bauvertrag - ließ sich Carson von Austin nach Hause fahren und warf sich in Schale. Er trug heute Abend einen perlmutt farbenen Anzug, der Schuppen imitierte. Die Knöpfe am Hemd und die Fliege setzten die nötigen Akzente in Gold, die er mit einer Uhr in der gleichen Farbe noch unterstrich. Das Einzige, was ihn störte, waren seine Haare. Sie passten nicht ins Bild. Sie passten nie ins Bild. Als er aus der Dusche trat, verbrachte er mehr Zeit damit, sie wütend anzustarren, als gesund war. Ihre Farbe änderte sich leider nicht spontan, also musste er wohl einfach wieder mit dem arbeiten, was er hatte. Aber sie passten einfach nicht.
      Pünktlich um achtzehn Uhr fünfzehn klingelte Carson bei Juliana. Sogar Austin hatte sich schick gemacht: Er trug eine Fliege anstelle der üblichen Krawatte.
      Carson grinste wie ein Honigkuchenpferd. Das änderte sich allerdings, als er Juliana erblickte. Sie sah aus wie ein Engel. Sein Engel.
      "Du siehst atemberaubend aus", begrüßte er sie, ehe er sie liebevoll küsste, "Glaub ja nicht, dass ich dich heute Abend mit irgendwem teilen werde."


    • Julia wollte sich gerade für die Arbeit fertig machen, als es an ihrer Tür klingelte. Ein wenig verwundert nahm sie das elegante Paket entgegen und unterschrieb die Empfangsbestätigung. Sie konnte sich bereits denken, wer ihr dieses Geschenk gemacht hatte und ihre Vermutung wurde bestätigt, als schon wenige Minuten eine SMS von Carson auf ihrem Handy einging. Irritiert sah sie vom Handydisplay zu der schwarzen Schachtel, bevor schließlich ihre Neugierde siegte und sie ihn vorsichtig öffnete. Beinahe wäre ihr vor Staunen der Deckel aus den Händen gefallen, als sie das teure Kleid und die Accessoires sah. Fast schon andächtig strich sie über den perlmutt farbenen Stoff, er fühlte sich so seidig und edel an, dass Julia nicht einmal wagte das Kleid hochzuheben. "Wunderschön." flüsterte sie und konnte dabei den Blick nicht von dem Paket abwenden. Ein kleiner Teil von ihr hatte ein schlechtes Gewissen, weil sie Carson niemals so ein teures Geschenk machen könnte, aber der größere Teil von ihr war einfach nur überwältigt von dem Anblick.
      Julia wusste nicht wie lange sie vor dem Paket gestanden hatte, bevor sie sich losreißen und Carson eine Antwort-SMS geschrieben hatte, um sich zu bedanken. Dann verließ sie eilig das Haus und machte sich auf den Weg zur Arbeit.

      Dort wurde sie bereits erwartet. "Du bist dreißig Minuten später dran als sonst. Ist etwas passiert?" Leahs Stimme schwankte zwischen Tadel und Sorge. Julia konnte nur verwirrt die Augenbrauen zusammen ziehen. Hatte sie wirklich so lange das Geschenk angestarrt? "Ähm... es tut mir leid. Ich wurde vom Postboten aufgehalten.", sagte sie entschuldigend. Leahs Schultern fielen etwas nach unten und sie entspannte sich wieder. Einen Moment lang musterte sie die blonde Frau, bevor sich ein schmales Grinsen auf ihre Lippen schlich. "Ich kann dir ansehen, dass das nicht alles ist. Du lächelst die ganze Zeit. Woran liegt das?" Julias Auge weiteten sich und sie schlug automatisch die Hände vor den Mund, als könnte sie ihre Mimik so verstecken. Ihre Kollegin lachte aber nur. "Es hat sicher mit dem Mann zu tun, den du triffst, oder? Siehst du ihn am Wochenende?" Sie hielt kurz inne, während sie auf eine Antwort von Julia wartete, die jedoch ausblieb. "Nun komm schon. Du weißt doch, dass du es mir am Ende sowieso erzählst."
      Die Blondine unterdrückte einen gequälten Laut und ließ dann ihre Hände wieder sinken. Sie wusste, dass Leah recht hatte. Wenn die andere Frau nur lange genug nachfragte, würde Julia irgendwann nachgeben. "Ich habe anscheinend heute Abend ein Date mit ihm.", gab sie zögernd zu, nachdem sie beschlossen hatte, dass sie heute nicht mit der anderen Frau diskutieren wollte.

      Leahs Gesicht hellte sich auf, als hätte jemand in ihrem Inneren eine Glühbirne angeschaltet. "Im Ernst? Wie toll. Wo geht ihr denn hin?" Erneut schwieg Julia einen Moment lang. Sie wusste nicht genau, was sie auf diese Frage antworten konnte, da Carson ihr nicht gesagt hatte, warum er ihr das Kleid geschickt hatte. War er wieder auf eine Gala eingeladen, zu der er sie mitnehmen wollte? Oder hatte er sich endlich für ein griechisches Restaurant entschieden und es war so edel, dass man sich schick anziehen musste? Julia hatte zwar noch von keinem solche Restaurant gehört, aber Carson schaffte es immer wieder sie zu überraschen.
      "Wir gehen essen. Ich weiß aber nicht genau wohin.", sagte sie, da ihr nichts besseres einfiel und sie nicht lügen wollte. Leahs Lächeln wurde etwas breiter. Kurz sah es so aus, als wollte sie etwas sagen, entschied sich dann jedoch dagegen. Stattdessen ging sie einige Schritte zur Tür und beugte sich so weit vor, dass sie um den Türrahmen schauen konnte. "Hey Maria, du bist doch Friseuse, oder?" Eine schmale Frau, mit großen, meist ängstlich dreinschauenden Augen sah von ihrem Strickzeug auf, mit dem sie auf der Couch saß. "Ja.", gab sie zurück, ihre Stimme klang dabei aber so unsicher, als wäre sie sich selbst nicht sicher.
      Noch bevor Julia fragen konnte, was Leah vorhatte, wurde sie von dieser am Oberarm gegriffen und in Richtung des Wohnzimmers gezogen. "Unsere Julia hat heute Abend ein Date. Meinst du, du könntest ihr eine schöne Hochsteckfrisur oder sowas machen?", fragte sie, während sie ihren Arm um die blonde Frau legte. Juliana war ihr einen strafenden Blick zu, es gefiel ihr nicht, dass ihre Kollegin nun auch noch die Bewohnerinnen in ihr Privatleben mit hinein zog. Doch Maria lächelte nur sanft. "Wie schön. Ich helfe gern.", gab sie zurück und klang dabei ein klein wenig sehnsüchtig. Julia fragte sich, ob sie wohl einsam war, oder es einfach nur vermisste ihren Beruf auszuüben. Doch so lange Maria sie dermaßen freundlich und hoffnungsvoll ansah, konnte sie das Angebot nicht mehr ausschlagen. Deshalb fügte sie sich in ihr Schicksal.

      Glücklicher Weise stellte sich heraus, dass Maria durchaus etwas von ihrem Job verstand. Und so kam es, dass Julia an diesem Abend nicht ihre Haare alleine frisieren musste, worüber sie sehr erleichtert war. Schon beim letzten Mal hatte sie das Gefühl gehabt, dass sie einfach nicht recht in ein so elegantes Kleid passte, da sie ein zu schlichter Mensch war. Und obwohl sie sich auch diesmal nur dezent schminkte, hatte sie doch das Gefühl, dass sie ein wenig besser an Carsons Seite passte.
      Trotzdem war sie etwas nervös, als es um viertel nach Acht an ihrer Tür klingelte und sie abgeholt wurde. Ein wenig unsicher trat sie aus dem Haus und wartete still auf Carsons Reaktion. Ein leiser, erleichterter Seufzer verließ ihre Lippen, als er deutlich machte, dass es ihm gefiel.
      "Glaub ja nicht, dass ich dich heute Abend mit irgendwem teilen werde.", sagte er, nachdem er sie geküsst hatte. Julia lächelte sanft zu ihm hinauf. "Das hoffe ich doch.", gab sie zurück. "Verrätst du mir denn diesmal wohin wir gehen?" Sie ahnte bereits, wie die Antwort ihres Begleiters ausfallen würde, aber sie wollte trotzdem ihr Glück versuchen.

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    • Carson lächelte sanft. Er konnte seinen Blick einfach nicht voll julia abwenden. Das Kleid stand ihr besser, als er es sich jemals hätte erträumen können. Die Ohrringe passten perfekt und was auch immer sie mit ihren Haaren gemacht hatte: es war wundervoll. Engel war wirklich die richtige Bezeichnung.
      "Verrätst du mir denn diesmal, wohin wir gehen?", fragte sie und riss ihn aus seinen träumerischen Gedanken.
      "Vielleicht", gab er kryptisch zurück und ergriff ihre Hand.
      Austin hielt die Tür vom Wagen auf. Man konnte es dem Linebacker nicht ansehen, aber er hasste die Fliege, um seinen Hals. Er war ganz rot geworden, als Carson sie ihm noch einmal neu gebunden hatte, weil er selbst das nur mäßig gut beherrschte.
      Carson ließ Juliana den Vortritt, ehe er neben ihr auf die lederne Rückbank rutschte. Nicht ein einziges Mal ließ er ihre Hand los.

      Die Fahrt verlief ruhig und aufgrund des Feierabendverkehrs stellenweise etwas zäh. Carson hielt dicht so gut er konnte, grinste nur, wenn Juliana einen neuen Versuch startete.
      Sie ließen die Stadt hinter sich. Der Verkehr auf der Golden Gate Bridge war furchtbar, aber kaum hatten sie die überquert, kamen sie gut voran. Das Wetter spielte auch mit und gab somit die Sicht auf die malerische Aussicht der Marin Headlands frei. Carson war schon lange nicht mehr hier gewesen.
      Austin manövrierte den Wagen durch die üppige Gebirgslandschaft in einen der Wälder hinein. Sie waren weit weg von allem, was man Zivilisation nennen konnte, als sich der Wald auf einmal lichtete. Nun konnte man ein großes Anwesen erkennen, das sich hinter einer etwa fünf Meter hohen Mauer versteckte. Man fühlte sich wie ein König oder zumindest wie der Gast eines solchen, wenn man darauf zufuhr. Carson hob Julianas Hand an seine Lippen, während sie darauf warteten, dass sich das gusseiserne Tor vor ihnen öffnete. Er würde es sich nie ansehen lassen, aber er war ein bisschen nervös.
      Das Tor glitt auf und Austin lenkte den Wagen über den langen Weg zum Haus. Der Weg war gesäumt von perfekt in Form gehaltenen Bäumen und Büschen. Nicht ein Blatt lag herum, nicht ein Zweig stand ab. Der ganze Vorgarten, so groß wie ein Footballfeld, war ein einziges Kunstwerk des Gartenhandwerks.
      Vor dem Haus befand sich obligatorisch ein Springbrunnen, auf dem Nike, die griechische Göttin des Sieges, thronte und ihre Fackel in die Höhe streckte. Sie brannte sogar, aber nur um die Gäste zu beeindrucken.
      Austin hielt vor der breiten Treppe, die zu der großen Flügeltür führte und öffnete Carson die Tür. Selbstverständlich half er Julia aus dem Wagen. Der Linebacker würde den Wagen in der praktisch unsichtbaren Tiefgarage des Gebäudes unterbringen und dann selbst an der Feier teilnehmen, die im Garten stattfand.
      Die große Flügeltür stand offen. Carson führte Julia die wenigen Stufen hinauf in die große, marmorne Eingangshalle. Hier fielen die beiden in ihren Outfits gar nicht mehr so sonderlich auf. Kein Kleidungsstück hier drin kostete weniger als tausend Dollar, Unterwäsche eingeschlossen. Carson griff sich ein Champagner-Glas als ein Kellner mit einem Tablett vorbei lief.
      "Carson!", ertönte eine fröhliche Frauenstimme und der Angesprochene hatte gerade noch genug Zeit, Juliana loszulassen und seinen Champagner in die Höhe zu halten, ehe sich schlanke, blasse Arme um ihn schlossen und sich eine Blondine gegen seinen Rücken warf.
      "Julia, das ist meine Cousine Chloe", stellte Carson vor und konnte nur mit Mühe ein Lachen unterdrücken.
      Chloe hob aprupt den Kopf, schielte über Carsons Schulter und gefror. Für eine Augenblick konnte man genau sehen, wie sich die Zahnrädchen in ihrem Kpof drehten und sie begriff, was gerade geschehen war. Beinahe in Zeitlupe bildete sich ein breites grinsen auf ihrem Gesicht, das dem von Carson zum verwechseln ähnlich sah. Sie hüpfte um Carson herum und fiel nun Juliana um den Hals.
      "Ich hätte nie gedacht, dass ich das nochmal erleben würde. Carson hat eine Freundin!", rief Chloe aus.
      Sie benahm sich wie ein hyperaktiver Teenager kurz vor dem Abschlussball.
      "Und oh mein Gott! Dein kleid! Ist das von Vuiton? Es sieht wundervoll an dir aus!"
      Sie trat einen Schritt zurück und ließ ihre Hände über den Stoff gleiten. Sie hatte sich sofort in das kleid verliebt, obwohl sie selbst in ihrem selbst geschneiderten weiß-goldenen Kleid atemberaubend aussah. Irgendwie hatte die Frau es geschafft, nicht wie ein Geist oder ein Mehlsack auszusehen bei all dem weiß.
      "Schätzchen bitte. Benimm dich."
      Chloe ließ sofort von Julianas Kleid ab und hakte sich bei dem älteren Mann unter, der an die drei herangetreten war. Carson war ihm wie aus dem Gesicht geschnitten. Lediglich ein gepflegter Bart, ein paar graue Haare in einer blonden Mähne und etwa vierzig Jahre trennten sie voneinander.
      Carson lächelte und umarmte den Mann kräftig.
      "Alles Gute zum Geburtstag, Onkel Charles", sagte er.
      Der Mann erwiderte die Umarmung ebenso freundlich, ehe er sich von seinem Neffen löste, um sich dessen Begleitung zuzuwenden.
      "Wie ich sehe hast du deine Drohung wahr gemacht und bist mit einer Begleitung aufgetaucht. Und einer wunderschönen noch dazu."
      Charles griff nach Julianas Hand und küsste sie sanft auf die Fingerknöchel.
      "Charles C. Davis. Freut mich sehr, Ihre Bekanntschaft machen zu dürfen."
      Carson nippte leicht nervös an seinem Champagner, immerhin stellte er hier gerade seine Freundin seiner Familie vor. Charles war ihm mehr ein Vater gewesen, als sonst jemand.
      "Carson hat es wohl versäumt, Ihnen zu erzählen, was Sie heute erwartet, hm? Machen Sie ihm bitte keinen Vorwurf, das hat er von mir."


    • Hätte Carson nicht Julianas Hand festgehalten, hätte sie vermutlich sofort wieder auf dem Absatz kehrt gemacht und wäre davon gelaufen. Das fast schon palastartige Gebäude schüchterte sie schrecklich ein und sie fühlte sich völlig Fehl am Platz. Unbewusst trat sie etwas näher zu Carson, während sie sich mit großen Augen umsah. "Wo sind wir hier?", fragte sie leise, erhielt aber keine Antwort. Und dann verschlug es ihr die Sprache, als ihr Begleiter sie in das Innere der Villa führte und es dort nicht weniger beeindruckend war. Alles schrie förmlich nach Reichtum, Julia vermutete, dass allein eine Türklinke so Teuer war wie die Monatsmiete für ihre Wohnung.
      Ein Kellner in einem schwarzen Anzug bot ihr ein Glas Champagner an, was sie aber ablehnte. Im Moment war sie so erschlagen von all den neuen Eindrücken, dass ihr Hals sich wie zugeschnürt anfühlte. Sie hätte keinen Schluck herunter bekommen.
      Am liebsten hätte sie sich hinter Carson versteckt, um den Blicken der anderen Besucher zu entgehen, sie wurde jedoch davon abgehalten, als dieser von einer zierlichen Frau mit blondem Haar begrüßt wurde, die er ihr als seine Cousine vorstellte. "Ich hätte nie gedacht, dass ich das nochmal erleben würde. Carson hat eine Freundin!" stieß diese aus, während sie Julia um den Hals fiel. Diese stand wie versteinert da, während sie ihrem Partner einen hilfesuchenden Blick zuwarf.

      Erlöst wurde sie jedoch nicht von Carson sondern von einem etwas älterem Mann, der Carson jedoch erschreckend ähnlich sah. Langsam begriff Julia, dass sie sich hier auf einem Anwesen von Carsons Familie befinden musste und als dieser seinem Onkel zum Geburtstag gratulierte, bestätigte sich dieser Verdacht. Entgeistert sah sie zu Carson und warf ihm einen Blick zu, der hoffentlich sagte 'Wie kannst du mich zu deiner Familie mitnehmen, ohne mich vorzuwarnen?'
      Aber schnell riss sie sich wieder zusammen, als der Neuankömmling sich ihr zuwandte, um sie zu begrüßen. "Charles C. Davis. Freut mich sehr, Ihre Bekanntschaft machen zu dürfen. Carson hat es wohl versäumt, Ihnen zu erzählen, was Sie heute erwartet, hm? Machen Sie ihm bitte keinen Vorwurf, das hat er von mir." Automatisch lächelte Julia. Sie war zwar noch nie in einem so teuren Empfang gewesen und die ganze Situation überforderte sie ziemlich, aber sie hoffte, dass es ausreichen würde, wenn sie höflich war und aufpasste, was sie tat. Vielleicht würde sie es sogar schaffen Carson nicht in Verlegenheit zu bringen.
      "Julia Kinnley, es freut mich auch Sie kennen zulernen.", gab sie zurück. "Ja, er wollte mich anscheinend überraschen und das ist ihm auch gelungen. Alles Gute zum Geburtstag." Sie schenkte dem Mann ein warmes Lächeln und hoffte, dass er nicht enttäuscht darüber war, dass sie kein Geschenk mitgebracht hatte. Aber was konnte man einem so reichen Mann überhaupt noch geben? Vermutlich besaß er bereits alles.
    • Charles lachte herzlich.
      "Nun, seien Sie versichert, das wird nicht zu Ihrem Nachteil ausgelegt werden."
      Er führte die drei durch die Eingangshalle hinaus in den Garten. Hier hinten war er noch wesentlich weitläufiger als der Vorgarten es war. Nur ein Bruchteil war für die Feier umdekoriert worden. Zum Haus hin befanden sich einige Stehtische, an denen auch kleine Gruppen von Gästen standen und sich zum Champagner und Canapés unterhielten. Weiter hinten hatte man auf einem extra verlegten Holzboden mehrere runde Tische aufgestellt. Linker Hand hatte man sogar eine Tanzfläche aufgebaut, die sich direkt vor der kleinen Bühne der Liveband befand, deren sanfter Jazz mittels versteckter Lautsprecher im ganzen Garten zu hören war.
      An einem der Tische erhob sich jemand und winkte der kleinen Gruppe zu. Es war Chase. Chloe löste sich von ihrem Vater und gesellte sich zu ihm und seiner Frau.
      "Ist Mom schon da?", fragte Carson bei der Gelegenheit seinen Onkel.
      "Noch nicht. Steve steckt mit ihr noch im Stau. Wahrscheinlich hat sie sich wieder fünfmal umgezogen, bevor er sie aus dem Haus bekommen hat."
      Wieder lachte Charles, dann entschuldigte er sich und wandte sich - vorerst - seinen anderen Gästen zu. Carson geleitete Julia derweil zu dem Tisch mit seinen Verwandten, wo Chloe gerade dabei war, sich bei Chase zu beschweren, dass er ihr nichts von Carsons neuer Freundin erzählt hatte.
      "Anwaltsgeheimnis", verteidigte sich dieser lachend.
      "Zu seiner Verteidigung sei gesagt: Ihn habe ich genauso überrumpelt", eilte Carson zur Rettung und rückte Julia den Stuhl zurecht.
      Chloe zog eine Schnute, dann setzte sie sich aber auch endlich. Angelica hatte diese ganze Szene schweigend beobachtet und nur an ihrem Wasserglas genippt.
      "Er hat dir von heute nichts erzählt, oder?", fragte sie leise in Julias Richtung, während die Männer damit beschäftigt waren, Chloe über das erste Aufeinandertreffen in Kenntnis zu setzen.
      "Ich will dich nicht beunruhigen, aber Carsons Cousin Cooper wird auch kommen. Wir haben es ihm nicht gesagt, weil er sonst vielleicht nicht gekommen wäre. Cooper und er... die beiden verstehen sich nicht besonders gut. Ich will dich wirklich nur vorwarnen. Mach dir bitte keine Sorgen, wenn sie sich begegnen, ja? Charles und Chase haben das im Griff, versprochen."
      Wieder nippte sie an ihrem Wasser. Sie hatte sich schon den ganzen Tag darüber Gedanken gemacht, ob das so eine gute Idee gewesen war. Sicher, beide wollten dem Geburtstag des Familienoberhauptes beiwohnen, aber auf Julias Kosten? Angelica hatte ihr dieses Drama eigentlich ersparen wollen.

      Es dauerte ungefähr eine halbe Stunde, bevor sich Charles zu seiner Familie gesellte. Er war allerdings nicht allein: er schob eine grimmig dreinblickende Frau gehobeneren Alter in einem Rollstuhl vor sich her. Auch sie hatte diese verblüffende Ähnlichkeit mit Carson.
      Der sprang gleich auf, als er die beiden kommen sah. Er begrüßte seine Mutter mit einer liebevollen Umarmung, ehe er sie an den Tisch schob. Jetzt wurde auch klar, warum neben Carsons Platz ein Stuhl gefehlt hatte. Charles nahm zwischen seiner Schwester und seiner Tochter Platz.
      "Mom, ich möchte dir jemanden vorstellen,", begann Carson und legte Juliana beine Hände auf die Schultern.
      Chase nickte ihm aufmunternd zu und der sonst so selbstbewusste Geschäftsmann war froh darüber, hinter Julia zu stehen, sodass sie ihn nicht so unsicher erleben musste. Chloe kicherte leise.
      "Das hier ist Juliana Kinnley, meine Freundin. Julia, das ist meine Mutter, Claire Davis."
      Er schluckte, als er den berechnenden Blick sah, mit dem seine Mutter Julia musterte.
      "Du willst also wirklich weiterhin der Außenseiter bleiben, mein Junge?", fragte sie etwas zu streng.
      Doch dann wandelte sich ihre gesamte Ausstrahlung. Aus grimmig wurde freundlich und aus berechnend mütterlich. Sie reichte Julia über Carsons Stuhl hinweg die Hand zur Begrüßung.
      "Bei all dem Blond in der Familie...", fügte sie hinzu, um sich zu erklären, "Dann bekomme ich wenigstens blonde Enkelkinder."
      Chloe und Charles brachen in schallendes Gelächter aus, Chase erstickte an einem Canapé.
      "Mom!", rief Carson entrüstet aus, doch die alte Dame machte keinerlei Anstalten, irgendetwas an ihrer Aussage zu ändern oder sich zu rechtfertigen.
      "Jetzt schau nicht wie ein angefahrenes Reh und setz dich!"
      Carson schüttelte den Kopf und ließ sich zwischen die beiden Frauen sinken.
      "Genau Carson. Schenke deiner Mutter blonde Windelpupser, damit sie den dunkelhaarigen Sohn endlich vergessen kann."
      Von jetzt auf gleich fror der gesamte Tisch ein. Cooper war hinter seinem Bruder Chase aufgetaucht und lächelte süffisant, als er sich neben ihn setzte. Er saß Carson nun genau gegenüber.
      "Was macht der hier?!", fragte Carson zähneknirschend.
      "Er ist immer noch mein sohn, Junge."
      "Sorry, dass ich Teil dieser Familie bin, Pretty-Boy."
      Cooper kippte sein Champagner Glas auf ex und flirtete unangenehm mit der Kellnerin, die ihm ein neues brachte,.
      "Siehst gut aus", wandte er das Wort an Juliana und prostete ihr zu.
      Er wusste genau dass er damit einen Nerv bei Carson erwischte.
      "Halt dich fern von ihr oder ich schwöre, ich bring dich um!"
      "Carson! Reiß dich zusammen. Und du unterlässt gefälligst deine dummen Sprüche, Cooper!", kam der Dämpfer an die beiden Streithähne von Charles.
      Für's erste schien das die Situation zu beruhigen, doch es brauchte Claire, die ihren Sohn an seine Begleitung erinnerte, um sie komplett zu entschärfen. Carson griff nach Julianas Hand und warf ihr einen entschuldigenden Blick zu. So hatte er sich den Abend garantiert nicht vorgestellt.


    • Julia war sehr froh, dass Carson wieder ihre Hand genommen hatte. Sonst hätte sie sich auf dem riesigen Anwesen garantiert verlaufen und außerdem hatte sie noch immer das Gefühl, dass viele der Gäste sie anstarrten, als wüssten sie, dass die junge Frau eigentlich nicht in diese Kreise gehörte. Unbewusst fasst sie Carsons Hand ein wenig stärker, während sie inständig hoffte, dass er sie hier nicht alleine lassen würde.
      Es war eine große Erleichterung, als zwischen all den feinen Leuten auf einmal zwei bekannte Gesichter auftauchten. Julia lächelte Carson dankbar zu, als er ihr einen Platz neben Angelika zuwies. Sie hatte die Frau schon bei ihrem ersten Treffen sympatisch gefunden, außerdem wirkten sie und ihr Mann sehr bodenständig, weshalb Julia sich neben ihnen nicht ganz so fehl am Platz fühlte. "Er hat dir von heute nichts erzählt, oder?", fragte die andere Frau. Julia schüttelte den Kopf und sah kurz in Carsons Richtung. Sie fragte sich, ob er wohl erwähnte, dass sie für ihn arbeitet und ihn das in ein schlechtes Licht rücken würde. "Nein, hat er nicht.", wandte sie sich dann wieder an Angelica, da sie nicht unhöflich sein wollte. "Er verrät mir meistens nicht, wohin er mich mitnimmt, so war es damals auf der Gala auch. Aber das hier..." Sie ließ ihre Augen über die Villa und den riesigen Platz wandern. "...das ist einfach nur... wow.", leider fiel ihr kein passenderes Wort ein. "Ich vergesse oft, wie reich Carson eigentlich ist." Sogar als sie das zugab, fühlte sich der Gedanke immer noch seltsam an. Natürlich wusste sie, dass ihr Partner sehr wohlhabend war, aber sie verdrängte das oft, um nicht selbst daran erinnert zu werden, wie wenig sie ihm bieten konnte.
      Julias Gedankengang wurde unterbrochen, als Angelica die Unterhaltung auf Cooper lenkte. Es dauerte einen Moment, bis die Blondine sich daran erinnert, woher sie diesen Namen bereits kannte. Kurz blitzte das hämische Grinsen des Mannes vor ihrem inneren Auge auf, dicht gefolgt von Carsons Wutausbruch, der sie damals so erschreckt hatte. Und auch jetzt war diese Erinnerung sehr erschreckend. Sie griff nach dem Wasserglas, das ein Kellner inzwischen vor ihr abgestellt hatte, um das Zittern ihrer Hände zu verstecken.

      Als schließlich Carsons Mutter eintraf, stellte Julia fest, dass sie genau wie alle Mitglieder der Davis-Familie sehr gutaussehend war. Bei der Verteilung der Gene hatten sie offensichtlich großes Glück gehabt.
      "Das hier ist Juliana Kinnley, meine Freundin. Julia, das ist meine Mutter, Claire Davis." Julias Augen weiteten sich, als sie Carsons Worte hörte. Lediglich der strenge Blick seiner Mutter hielt sie davon ab ungläubig zu ihm hinauf zu sehen. Die Tatsache, dass der Mann sie gerade als seine Freundin bezeichnet hatte - und das sogar vor seiner Familie - ließ ein warmes Gefühl in ihr aufsteigen. Am liebsten hätte sie ihn umarmt, oder zumindest eine Hand auf seine gelegt, doch Claires prüfenden Augen wagte sie nicht sich zu bewegen. "Du willst also wirklich weiterhin der Außenseiter bleiben, mein Junge?" All die Freude, die Julia gerade noch in sich gespürt hatte, verschwand mit einem Mal, stattdessen zog sich ihr Herz schmerzhaft zusammen, als würde eine eisige Hand es umschließen und zusammendrücken. Sie wusste nicht, was sie erwartet hatte. Natürlich wünschte Carsons Mutter sich eine passendere Freundin für ihn, trotzdem war es unangenehm dies direkt ins Gesicht gesagt zu bekommen.
      Gerade wollte Julia beschämt den Kopf senken, als sich die Mimik der älteren Frau auf einmal völlig veränderte und sich ein freundliches Lächeln auf ihre Lippen legte. "Bei all dem Blond in der Familie... Dann bekomme ich wenigstens blonde Enkelkinder.", erklärte sie, als habe sie Julianas inneren Konflikt gespürt. Carsons entrüstete Reaktion auf diese Aussage brachte alle Anwesenden am Tisch zum lachen. Lediglich Julia schwieg. Bisher war ihr tatsächlich nicht aufgefallen, dass ihr Begleiter das einzige dunkelhaarige Mitglied der Familie war und aus irgendeinem Grund bekam sie das Gefühl, dass dies seine Mutter störte. Sie verstand nur nicht, warum. Sie mochte Carsons dunkle Haare.

      "Genau Carson. Schenke deiner Mutter blonde Windelpupser, damit sie den dunkelhaarigen Sohn endlich vergessen kann." Mit einem Mal verstummte das Lachen am Tisch und die gute Stimmung war verschwunden, als hätte sich eine dunkle Wolke über sie gelegt. Julia bemerkte in ihrem Augenwinkel, dass Carsons Körper sich anspannte. Genau wie damals in der Gasse war auch jetzt die Stimmung zwischen den beiden Männern so angespannt, dass man sie beinahe schon greifen konnte. Sie blickte von Carson zu Cooper und zuckte etwas zurück, als dieser ihr zuprostete. Es war deutlich, dass er sie nur beachtete, um ihren Partner zu provozieren, weshalb Julia die Geste sehr unangenehm war.
      Es war erleichternd, als Charles die beiden Männer zum schweigen brachte. Julia schloss ihre Hand um die von Carson und verschränkte ihre Finger mit seinen, als könnte sie ihn so ein wenig zurück halten. Sie wollte nicht sehen, wie er vor Wut die Kontrolle über sich verlor und sie an Dinge erinnerte, die sie jeden Tag aufs neue verdrängte. "Keine Sorge, ich halte mein Versprechen.", sagte sie leise zu Carson, da sie sich erinnerte, dass er sie damals gebeten hatte sich von Cooper fern zu halten. Sie wusste zwar nicht, wie gut das auf einem Familientreffen umzusetzen war, aber der andere Mann war ihr sowieso nicht geheuer.
    • Die beiden Streithähne warfen sich noch eine ganze Weile giftige Blicke zu. Zwischenzeitlich legte Claire ihrem Sohn beschwichtigend eine Hand auf den Oberschenkel. Die alte Dame wusste, wie es aussah, wenn Carson seiner Wut nachgab und das wollte sie nie wieder miterleben.
      "Nicht hier. Denk an sie", hatte sie ihm zugeflüstert.
      Carson lenkte sich schließlich von seinem Cousin ab, indem er sich nach Angelicas Befinden erkundigte. Er würde Cooper einfach ignorieren, vollkommen egal, wie unhöflich das war. Dieser Mann würde nie wieder ein nettes Wortes von Carson zu hören bekommen.
      Cooper machte es ihm leichter, als er aufstand, um irgendwo anders auf geschmacklose Art Leute anzubaggern. Er war vielleicht ein Nichtsnutz, aber er war nicht dumm. Er wusste, dass Carson seine Drohung wahr machen würde, wenn er es weiterhin so offensichtlich bei Juliana versuchte. Er würde einfach abwarten und einen Moment abpassen, bei dem sie allein war und ihr großer, dunkelhaariger Ritter nicht auf sie aufpasste.
      Angelica ging es soweit gut, allerdings saß Chase auf heißen Kohlen. Es konnte jeden Augenblick so weit sein, auch wenn der eigentliche Geburtstermin erst in einer knappen Woche war. Die Tasche für das Krankenhaus lag bereits fertig gepackt auf dem Rücksitz ihres Wagens und der Anwalt gestand, dass er die Nummer der Hebamme auf Kurzwahl gespeichert hatte.
      "Wenn er ein Davis ist, wird er sich Zeit lassen", warf Charles ein, "keiner von euch kam zu früh."
      "Keiner außer dir, Dad", verbesserte Chloe.
      "Ich musste mir den Platz ja aber auch teilen. Es wurde einfach zu eng da drin."
      Claire lachte leise. Ihr großer Bruder hatte schon immer seinen Raum gebraucht. Wahrscheinlich war das auch der Grund der hinter dem Kauf dieses abnormen Grundstückes stand, auf das Charles auch gleich noch ein viel zu großes Haus gebaut hatte. Er lebte hier draußen allein mit fünf Fußballfeldern und elf Schlafzimmern!
      "Jetzt sag doch mal, Junge", wandte sich der Alte an Carson, "hast du dir die Lagerhäuser angesehen?"
      Carson nichte: "Hab sie heute gekauft. Die Bauarbeiten starten nächste Woche"
      Charles klatschte freudig in die Hände. Er freute sich jedesmal wenn sein Neffe einen seiner Ratschläge in Sachen Immobilien befolgte, obwohl das gar nicht mal so selten der Fall war.
      "Was hatten wir zum Thema Arbeit am Tisch gesagt?", grätschte Claire in die Unterhaltung hinein und die beiden Männer entschuldigten sich auf der Stelle.
      Dummerweise wusste nun niemand, worüber geredet werden sollte, bis Chloe sich meldete: "Du hast meine Frage noch gar nicht beantwortet, Cousin. Ist das nun Vuiton oder nicht?"
      "Ja, das ist Vuiton. Alles, außer den schuhen, meiner Uhr und Julianas Halskette. Die Uhr ist eine Rolex, meine Schuhe sind von Prada, die Halskette habe ich von diesem Juwelier, wo Chase die Ringe her hat. Woher Julianas Schuhe sind, kann ich dir nicht sagen, ich war zu abgelenkt von diesem Hals."
      Carson lehnte sich etwas weiter zu Julia und bedachte genannten Körperteil mit einem Kuss. Chloes Augen weiteten sich und sie kicherte leise. Sie hatte schon immer was für gute Liebesgeschichten übrig gehabt.
      "Also ich muss schon sagen", begann Charles, "Sie sind wirklich eine außerordentliche Schönheit, Julia. Ich darf Sie doch so nennen, oder?"


    • Nachdem Cooper den Tisch wieder verlassen hatte, entspannte sie die Atmosphäre deutlich. Julia sah ihm einen Moment lang hinterher und unterdrückte den Impuls erleichtert auszuatmen. Das wäre dann doch zu unhöflich gewesen. Trotzdem war sie erleichtert darüber, dass er etwas Abstand von Carson nahm und ihn nicht mehr provozierte. Sie verstand nicht, wieso die beiden sich dermaßen zu hassen schienen, aber sie war nicht in der Position so neugierige Fragen zu stellen. Vielleicht würde Carson es ihr eines Tages von sich aus erzählen. Und wenn nicht, so was das auch in Ordnung. Julia würde ihn nicht drängen, denn sie verstand, dass es manchmal Dinge gab, die besser unausgesprochen blieben.

      Einige Minuten verfolgte sie still die Unterhaltung und lächelte etwas, als Angelica von ihrer Schwangerschaft und der Vorfreude auf das Baby erzählte. Es war schön zu sehen wie entspannt sie war und wie sehr sie sich zu freuen schien. Auch wenn ihr Mann im Gegensatz zu ihr bereits sehr nervös war und die Ankunft seines Nachwuchses kaum noch erwarten zu können schien. Kurz fragte sie sich, ob Carsons Mutter wohl enttäuscht wäre, wenn das Kind nicht blond zur Welt kommen würde. Aber sie verwarf diesen Gedanken wieder. So oberflächlich war sie bestimmt nicht. Und wenn Julia die werdenden Eltern betrachtete, kam sie zu dem Schluss, dass das Kind dank seines Erbgutes so hübsch werden würde, dass sich alle sofort in es verlieben würde. Der Gedanke gefiel ihr, immerhin hatte jedes Kind es verdient, dass es geliebt wurde.

      Es störte Juliana nicht, dass sie bei keinem der Themen wirklich mitreden konnte. Obwohl es ihr etwas unangenehm war, als Carson aufzuzählen begann von welchen Marken ihre Kleidung stammte. Anscheinend war ihr Outfit sogar noch teurer gewesen, als die junge Frau befürchtet hatte. Aber noch während sie betete, dass sie sich heute nichts überkippen oder sich auf eine andere Weise dreckig machen würde, lehnte Carson sich auf einmal zu ihr und küsste ihren Hals. Ein erschrockener Laut entfuhr Julias Lippen, bevor sie ihn mit großen Augen ansah. Die Tatsache, dass Carson so etwas vor seiner ganzen Familie tun würde, überrumpelte sie so sehr, dass sie es nicht einmal schaffte sauer auf ihn zu sein oder ihn zurecht zu weisen. Sie hörte, dass Chloe kicherte und augenblicklich stieg ihr das Blut in die Wangen.
      "Also ich muss schon sagen Sie sind wirklich eine außerordentliche Schönheit, Julia. Ich darf Sie doch so nennen, oder?" Juliana war sich nicht sicher, ob Charles sich in die Unterhaltung einmischte, weil er befürchtete, dass sie eine Szene machen könnte, oder weil er verhindern wollte, dass Carson noch andere Stellen von ihr küsste. Auf jeden Fall war sie ihm für den Themenwechsel sehr dankbar, auch wenn ihr das Kompliment etwas peinlich war. "Natürlich dürfen Sie. Eigentlich werde ich allgemein nur Julia genannt.", antwortete sie und lächelte. Sie ignorierte den ersten Teil seines Satzes, da sie beim besten Willen nicht wusste, was sie darauf erwidern könnte, ohne arrogant zu wirken.
    • Charles lächelte sanft und widmete seinem Wein. Er hatte nur als Eisbrecher gedient, wusste er doch, dass seine Schwester nur selten den ersten Schritt in derlei Angelegenheiten machte.
      "Wie habt ihr euch kennengelernt?", fragte Chloe neugierig.
      Kaum zu glauben, dass sie bereits fünfundzwanzig und Geschäftsführerin eines erfolgreichen Modelables war, so kindisch, wie sie sich gerade benahm.
      "Vorstandssitzung von Safe Haven, dieser Hilfsorganisation für misshandelte Frauen. Nein! Am Abend davor in der Bar meines Hotels hier in San Fran. Sie hat mich ziemlich abblitzen lassen. Und dann ist sie bei der Konferenz aufgetaucht."
      "Du hast weiter gebaggert?"
      "Ja. Und habe wieder einen Korb bekommen, noch an dem Abend. Ich habe ihr dann drei Wochen lang Blumen geschickt und dann das Kleid, dass sie bei der Gala angehabt hatte. Da habe ich sie dann auch Chase vorgestellt."
      "Siehst du, Schwesterchen? Ich hatte keine Ahnung von ihr!"
      Chloe streckte ihrem Bruder die Zunge raus. Sie wollte den Rest der Geschichte hören.
      "Und wie lange ist das jetzt her?", fragte nun Claire.
      "Naja, die Sitzung war... Gott, wann war die..?"
      "Schläfst du schon wieder nicht genug, Carson?"
      Der Geschäftsmann fühlte sich ertappt. Seine Mutter kannte ihn einfach viel zu gut. Sie wusste, dass er sowas wie Termine nur vergaß, wenn er übermüdet war. Er lehnte sich seufzend zurück und fuhr sich durch die Haare. Leugnen hatte keinen Sinn.
      "Vier, vielleicht fünf Stunden. Ich wollte die Verträge fertig kriegen und habe die Zeit vergessen. Außerdem..."
      Er schielte zu Julia rüber und biss sich auf die Unterlippe. Claire legte ihm eine Hand auf den Unterarm.
      "Schatz, du musst schlafen!", tadelte sie ihn, "Umd ich glaube nicht, dass julia etwas dagegen hat, wenn du das bei ihr machst, oder?"
      Sie zwinkerte der jungen Frau kurz zu, während Carson seinen Kopf gegen Julias Schulter lehnte. Er erinnerte sich an Mittwoch zurück und wie unglaublich gut er geschlafen hatte. Wie gut er allgemein an Julias Seite schlief. Claire lächelte sanft und lehnte sich wieder zurück.
      "Wenn ihr mich kurz entschuldigen würdet", sagte da Charles und stand auf.
      Er hatte wohl noch etwas wegen dem kommenden Abendessen zu regeln.
      "Was machst du so, Julia? Wenn ihr euch bei diesem Safe Haven Ding kennengelernt habt, musst du doch für die Organisation arbeiten, oder?"
      Chloe war so neugierig! Aber Carson hielt sich nun etwas zurück. Er wollte Julia nicht bevormunden. Außerdem war ihre Schulter gerade verdammt bequem.

      Das Gespräch lief endlich ohne peinliche Unterbrechungen. Carson genoss die Zeit mit seiner Familie. Sie kamen nur selten alle zusammen. Man sah es Carson zwar nicht an, aber er war ein sehr familienbezogener Mensch. Chase war sein bester Freund, und der war sein Cousin! Wenn Chloe im Land war, nahm er sich immer einen Tag Zeit, um mit ihr in einen Freizeitpark zu gehen. Er freute sich auf den Familienzuwachs mindestrns genauso sehr wie Angelica. Und jeden Muttertag sorgte er dafür, dass seine Mutter den besten Tag ihres Lebens hatte. Carson würde alles für die Familie tun. Die Sache mit Cooper damals hatte ihn völlig aus der Bahn geworfen.
      Charles kam zurück, kurz bevor das Essen serviert wurde. Er brachte Cooper mit, der überraschenderweise keine Anstalten machte, Carson blöd zu kommen. Dennovh bloeb Carson bei der Strategie, ihn zu ignorieren.
      Charles hielt eine kleine Rede, dankte allen für ihr Erscheinen und für die gemeinsamen Erlebnisse im letzten Jahr. Als er dann allen einen guten Apetit wünschte, schwärmte eine ganze Armada von Kellnern aus. Einer auf zwei Gäste! Das Essen wurde in Servierglocken aufgetan, die exakt im gleichen Moment gehoben wurden. Daran konnte man guten Service erkennen: an der Synchronität.

      "Und weil ich meine Pappnasen kenne, gibt es nachher noch Karamelleis."
      Chloes, Chases und carsons Augen wuchsen auf Bowlingkugelgröße an.
      "Das von..?", setzte Chloe an.
      "Mit dem..?", fuhr Chase fort.
      "Und Schoki obendrauf?", endete Carson.
      Charles nickte bei allen dreien. Es war, als erfülle er ihnen einen Herzenswunsch.
      "Das Eis musst du probieren!", richtete Chloe das Wort an Julia, "Sowas Gutes hast du noch nie gegessen! Pa hat damals dieses Gebäude gekauft. Da war eine Eisdiele drin, die eigentlich für ein Restaurant weichen sollte. Er hat uns alle mitgenommen, als er mit dem Geschäftsführer geredet hat. Sein Sohn hat uns allen einen Eisbecher gegeben und wir haben uns verliebt! Wir hsben so lange auf Pa eingeredet, bis er eingeknickt ist."
      "Ich habe die Eisdiele stattdessen renovieren lassen und es nie bereut. Naja, vielleicht habe ich es bereut, Carson mitgenommen zu haben. Damals hat er das erste Mal Karamell in Kombination mit Schokolade gegessen und er wurde abhängig. "
      "Bonbonpapier! Überall!"
      Chloe lachte, Carson senkte lächelnd den Kopf.
      "Chloe war aber viel schlimmer, als sie Henna für sich entdeckte. Sie sah aus wie ein Mandala auf zwei Beinen!", rettete Chase.
      "Sagt der mit den hundertachtundzwanzig Power Ranger Postern. Die hingen sogar an der Decke!"
      "Und Cooper hat sich immer hinter seinen stofftieren versteckt."
      Sogar der Angesprochene schaffte es, zu lächeln. Freundlich zu lächeln. Genauso und nicht anders wollte Carson seine Familientreffen haben: friedlich, lustig, voll mit alten Geschichten.


    • Julia sackte ein wenig in ihrem Stuhl zusammen, als Carson von ihrem ersten Zusammentreffen und ihrem damaligen Verhalten erzählte. Soviel dazu, dass sie einen guten Eindruck machen wollte... Und die Tatsache, dass es so klang, als hätte der Geschäftsmann sie letztendlich mit Geschenken überhäuft, bis sie mit ihm ausgegangen wäre, machte alles noch ein wenig schlimmer. Nervös umfasste Julia ihr Wasserglas mit beiden Händen, während sie sich fragte, ob sie wirklich so oberflächlich gewesen war. Es würde sie nicht wundern, wenn Carsons Mutter nun glaubte, dass sie nur mit ihrem Sohn zusammen war, weil sie auf sein Geld aus war, und es gab leider im Moment nichts, was Julia daran ändern konnte. Deshalb hielt sie ihren Mund geschlossen und versuchte kein unnötiges Aufsehen zu erregen.

      "Schatz, du musst schlafen! Und ich glaube nicht, dass Julia etwas dagegen hat, wenn du das bei ihr machst, oder?", sagte Claire, nachdem das Thema von dem ersten Treffen des neuen Pärchens auf die Schlafgewohnheiten des Mannes gewechselt hatte. Die junge Frau fühlte das Gewicht von Carsons Kopf auf ihrer Schulter und lehnte automatisch ihren Kopf gegen seinen. Seine Nähe hatte etwas erstaunlich beruhigendes und auf einmal hatte sie das Gefühl, dass seine Familie ihr nichts tun konnte, so lange er nur bei ihr war. "Sie hat recht.", sagte sie und stimmte damit beiden Aussagen seiner Mutter zu.
      Einen Moment lang kehrte Stille am Tisch ein, als Charles sie verließ, da er noch andere Verpflichtungen hatte. Doch diese hielt nicht lange an, da Chloe kurz darauf wieder das Wort ergriff. "Was machst du so, Julia? Wenn ihr euch bei diesem Safe Haven Ding kennengelernt habt, musst du doch für die Organisation arbeiten, oder?" Sie lehnte sich ein wenig auf ihrem Stuhl nach vorne und sah die blonde Frau interessiert an. Juliana schwieg für einen Augenblick. Eigentlich hätte sie nun zu Carson gesehen, um ihn stumm zu fragen, ob es in Ordnung war, wenn sie von ihrem Beruf erzählte. Vielleicht war es ihm unangenehm, wenn seine Familie wusste, dass er mit einer Angestellten ausging. Aber da er noch immer seinen Kopf auf ihrer Schulter abgelegt hatte, war ihr das nicht möglich.
      "Ja, ich arbeite in einem der Frauenhäuser, die die Organisation aufgebaut hat.", erklärte sie letztendlich, da sie nicht wusste, was sie sonst sagen sollte. Und da Chase und Angelica bereits die Geschichte kannten, sah sie keinen Grund dafür nun zu lügen. "Es war ein reiner Zufall, dass ich auf der Konferenz war. Normalerweise geht unser Leiter immer zusammen mit seiner Frau dorthin. Aber da diese krank war, habe ich sie vertreten.", fügte sie hinzu, da Chloes bohrender Blick deutlich zeigte, dass ihr Julias Antwort nicht ausreichte.
      Insgeheim befürchtete die junge Frau, dass Carsons Schwester als nächstes fragen könnte, welchen Eindruck sie von Carson gehabt hätte. Aber bevor sie dermaßen in Bedrängnis geraten konnte, wechselte Chase glücklicher Weise das Thema und erzählte von der Gala, auf der sie sich das erste mal begegnet waren.

      Die nächsten Minuten vergingen wie im Flug und Julia ertappte sich dabei, dass sie über einige der Geschichten sogar lächeln musste. Es war schön etwas mehr über Carsons Familie zu erfahren und es half ihr dabei sich etwas zu entspannen. Auch wenn sie noch immer Carsons Hand festhielt, als könnte sie ihn so davon abhalten sie hier alleine zurück zu lassen.
      Leider musste sie ihren Begleiter frei geben, als das Essen gebracht wurde. Mit großen Augen betrachtete Julia den Teller, den der Kellern vor ihr abstellte. Dank Carson hatte sie zwar schon einige elegante Menüs gegessen, aber dieses übertraf sie alle. Es roch unglaublich gut und war so elegant angerichtet, dass die junge Frau sich kaum traute mit ihrer Gabel hinein zu stechen.
      "Und weil ich meine Pappnasen kenne, gibt es nachher noch Karamelleis." Julia zuckte ein wenig zusammen, als auf diese Aussage hin eine Welle der Begeisterung über den Tisch schwappte. Sie hatte Carson noch nie so begeistert gehört und presste die Lippen aufeinander, um nicht zu lachen. Er klang wie ein kleines Kind, was sie sehr niedlich fand. Normalerweise aß sie nur selten Süßigkeiten, da ihr das lange verboten gewesen war. Sie hätte ja davon zunehmen können... Und Julia war sich ziemlich sicher, dass Carson sie damals in der Bar nicht angesprochen hätte, wenn sie rund wie ein Ballon gewesen wäre.
      Doch trotz ihres inneren Konflikt war Julia neugierig auf das Eis. Wenn Carson davon dermaßen begeistert war, musste es etwas besonderes sein.
    • Carson war an gutes Essen gewöhnt, auch an mehrere Gänge, aber fünf waren dann doch recht selten. Der Cateringservice wusste allerdings, was er da tat: Die Portionen waren perfekt, um alle reinzupassen, sogar das Eis. Die jüngere Generation war vollkommen zufriedengestellt. Sie konnten sogar darüber hinweg sehen, dass mehr als eine peinliche Geschichte wieder aufgewärmt wurde. Sie rächten sich mit ähnlichen Gescjichten über das Geburtstagskind. Über Claire gab es solche gar nicht. Selbst wenn, Carson hätte niemals etwas gesagt. Nicht über seine Mutter. Er beschränkte sich einfach darauf, über seinen Onkel zu lachen und Julianas Hand zu halten.
      Relativ kurz nach dem Essen seilte sich Cooper wieder ab, um eine zu rauchen. Charles folgte ihm nur wenige Minuten später. Immer diese Raucher!
      Carson entschloss sich ebenfalls, aufzustehen, allerdings hatte er gänzlich andere Pläne: er zog Julia auf die Füße und entführte sie auf die Tanzfläche. Er legte die Arme um sie, drückte sie an sich und wiegte sie beide in dem langsamen Takt des entspannten Jazz', den die Band spielte.
      "Und? Was hälst du von meiner Familie?", fragte er
      Er hatte ihr nichts vom heutigen Abend erzählt, weil er selbst ein wenig Angst gehabt hatte, dass es nicht funktionierte. Er wusste nicht, was er dann getan hätte. Juliana oder die Familie? Eine unmögliche Entscheidung für den Geschäftsmann.
      "Ich wollte dich nicht damit erschrecken", gab er zu, "Ich wusste nicht, dass Cooper auch kommen würde. Tut mir leid."
      Jetzt war er mal an der Reihe, sich für etwas zu entschuldigen, auch wenn er keinen Einfluss darauf gehabt hatte. Und sogar jetzt reichte die bloße Erwähnung des Namens seines Cousins, um ihn zum Kochen zu bringen. Er musste sich selbst innerlich ohrfeigen, um in der Gegenwart zu bleiben und weiterhin mit Julia zu tanzen, anstatt Cooper zu suchen und ihn umzubringen. Zum Glück war Julia gut darin, ihn abzulenken, ob sie es nun darauf anlegte oder nicht.


    • Julia folgte Carson auf die Tanzfläche und legte ihre Arme um seinen Hals, als er sie an sich zog. Sie war dankbar dafür, dass sie sich für einen Moment vom Tisch entfernen konnte. Das lag jedoch nicht daran, dass sie Carsons Familie nicht mögen würde, sondern daran dass ihr Magen sich nach dem vielen Essen sehr voll anfühlte und sich über die Bewegung freute. Und wenn Julia ehrlich war, so genoss sie es auch,ein wenig Zeit alleine mit ihrem Begleiter zu verbringen.
      "Und? Was hältst du von meiner Familie?" hörte sie Carson nach einiger Zeit frage und sah zu ihm hinauf. "Sie sind alle wirklich nett.", sagte sie ehrlich. Sie mochte Carsons Familie wirklich, auch wenn sie von den meisten Mitgliedern immer noch eingeschüchtert war. Und von Cooper würde sie sich sicherheitshalber fern halten. Es musste einen Grund haben, warum Carson sie darum gebeten hatte, aber sie hatte kein Recht ihn danach zu fragen. Deshalb beschloss die Blondine ihm einfach zu vertrauen.
      Als ihr Partner sich bei ihr entschuldigte, schmiegte sie sich etwas enger an ihn und schüttelte leicht den Kopf. "Ich werde mich vermutlich nie ganz an euren Lebensstil gewöhnen. Aber es ist sehr lieb, dass du mich mit hierher genommen hast. Das war sicher keine leichte Entscheidung." Auch wenn sie noch immer ein wenig überwältigt von der ganzen Situation war, wusste sie Carsons Geste doch zu schätzen. Sie wusste, dass es Überwindung kostete, um seinen neuen Partnern der Familie zu präsentieren und sich danach deren Meinung stellen zu müssen. Jedenfalls würde es ihr so gehen.

      "Meinst du, sie mögen mich?", es dauerte einen Moment, bis Julia sich traute diese Frage zu stellen. Sie hatte sich Mühe gegeben, trotzdem wusste sie nicht genau, ob sie einen guten Eindruck gemacht hatte. Und sie war sich auch nicht sicher, ob Carsons Familie besonders begeistert davon war, dass er eine so normale Person wie sie traf. Schließlich konnte sie ihm nichts bieten.
    • Carson entwich ein leises, sanftes Lachen und er lehnte seinen Kopf gegen den Julianas. Sie würde sich vielleicht nie daran gewöhnen, aber Carson würde sicherlich nichts an seinem Lebensstil ändern. Zumindest nicht in näherer Zukunft.
      "Glaube mir, du wüsstest es, wenn sie dich nicht mögen. Meine Mom kam ziemlich griesgrämig werden."
      Ein Blick über Julias Schulter verriet ihm, dass Angelica und Chase definitiv nichts gegen die Blondine hatten. Und Chloe platzte beinahe, so süß fand sie das Bild. Und als er den Blick seiner Mutter sah, da wusste er, dass Julia und ihn nichts aufhalten würde. Die wichtigste Frau in seinem Leben hatte nichts gegen die Frau, die er liebte. Unwillkürlich zog er Julia etwas enger an sich.
      "Du musst keine Angst vor ihnen haben. Sie werden dich nicht beißen, nur weil du nicht aus den oberen zehntausend bist. So oberflächlich sind wir nicht."
      Er küsste Julia sanft und lächelte sie dann aufmunternd an. Sie sollte sich wohlfühlen. Aus dem einen Kuss, wurden mehrere, mit denen er ihren Hals und ihre Schulter bedeckte. Ihre Anziehung auf ihn war einfach zu stark.


    • Einen kurzen Moment lang schloss Julia die Augen, als Carsons seine Lippen auf ihre presste. Es war ein vertrautes und zugleich beruhigendes Gefühl und erst jetzt bemerkte sie, dass sie seine Küsse die ganze Woche lang vermisst hatte. Es beruhigte sie ungemein, dass Carsons Familie nichts gegen sie hatte. Sie wusste nicht, was geschehen wäre, wenn sie gegen ihre Beziehung gewesen wären. Hätte Carson sie dann verlassen? Immerhin hieß es ja 'Blut ist dicker als Wasser.' Der Gedanke war beängstigend für Julia und auf einmal fiel ihr ein, dass sie selbst keine so gute Tochter war.
      "Ich würde dich meinen Eltern vorstellen, aber wir haben keinen Kontakt zueinander.", sagte sie leise. Sie sprach nicht oft von ihrer Familie, aber aus irgendeinem Grund hatte sie das Bedürfnis ehrlich zu ihm zu sein, damit er nicht dachte, dass sie sich für ihn schämte. "Aber sie wären vermutlich sehr beeindruckt von dir." Sie lachte leise und ließ sich dann in einen neuen Kuss ziehen.

      So sehr Julia auch die Aufmerksamkeit genoss, die Carson ihr schenkte, erstarrte sie doch, als er seine Lippen auf einmal von ihren löste und sich stattdessen ihrem Hals widmete. Vorsichtig zog sie ihre Hände zurück, um mit ihnen leicht gegen die Brust des Mannes zu drücken und ihm hoffentlich zu signalisieren, dass er Abstand nehmen sollte. "Carson, das kannst du doch nicht mitten auf der Tanzfläche machen. Vor all den Leuten.", flüsterte sie und sah ihren Tanzpartner tadelnd an.
    • Der Geschäftsmann grinste bloß breit und vor allem selbstsicher. Er hatte absolut kein Problem mit sowas.
      "Natürlich kann ich. Ich habe es eben getan."
      Lachend zog er Julia wieder in seine Arme und konzentrierte sich betont auf die Musik. Dabei ließ er seine Hand mit voller Absicht etwas zu tief rutschen.
      "Ich könnte dir mein altes Zimmer zeigen", raunte er Juliana scherzhaft ins Ohr.
      Bevor er seinen Spaß allerdings weiter treiben und vielleicht sogar ernst nehmen konnte, kam ihm Chase in die Quere, der aufgestanden und zu ihnen gekommen war.
      "Meine Göttergattin nötigt mich dazu, dich von deiner Amgebeteten zu trennen, damit sie ein bisschen Luft bekommt. Geh doch un klau uns noch ein bisschen Eis aus der Küche", sagte der Anwalt und schob seinen Cousin mit Bestimmtheit von Julia weg.
      Carson protestierte mit einem tödlichen Blick, den Chase jedoch zu kontern wusste. Also gab Carson nach und machte sich auf den Weg ins Innere der imposanten Villa. Er würde Chase nicht eine Kugel von dem Eis abgeben!
      Chase sah ihm kurz nach, dann übernahm er dessen Stelle und tanzte mit Julia weiter, wenn auch bei weitem nicht so intim.
      "Du darfst ruhig Nein zu ihm sagen, weißt du? Er bekommt zu oft was er will, treib ihm das ruhig aus. Schadet seinem Ego bestimmt nicht", sagte er freundlich.
      Angelica war nur froh, dass sie nicht beobachten musste, wie Carson über seine Freundin herfiel. Und Claire war das auch ganz recht
      "Dieser Junge ist so ungestüm!", sagte sie und erntete nichts als Zustimmung der anderen beiden Frauen am Tisch.
      "Ich find's lustig", ergänzte Chloe kichernd.


    • Einen Moment lang sah Julia Carson hinterher, als dieser offensichtlich beleidigt von dannen zog. Sie biss sich auf die Unterlippe, auf einmal fühlte sie sich sehr unwohl. Und das lag nicht daran, dass nun ein anderer Mann einen Arm an ihre Taille gelegt hatte, sondern dass überhaupt jemand gekommen war, um sie von Carson zu trennen. "Es tut mir leid. Ich wollte wirklich keine Szene machen.", sagte sie leise, wagte aber nicht den Kopf zu drehen und zu dem Rest der Familie zu sehen. Es reichte schon, dass sie sich einbildete den durchdringenden Blick von Carsons Mutter in ihrem Nacken zu spüren.
      "Du darfst ruhig Nein zu ihm sagen, weißt du? Er bekommt zu oft was er will, treib ihm das ruhig aus. Schadet seinem Ego bestimmt nicht", es wunderte ein wenig, wie freundlich und sanft Chase klang, obwohl er sicher lieber mit seiner Frau getanzt hätte. Der Mann hatte eine so ruhige Ausstrahlung, dass es Julia sogar gelang ihre Nervosität herunter zu schlucken und zu ihm hinauf zu sehen. "Er ist in dieser Hinsicht erstaunlich verletzlich.", antwortete sie, nachdem sie kurz über die Worte nachgedacht hatte. Nur zu gut erinnerte sie sich an ihren beinahe-Streit, den sie vor einer Woche gehabt hatten, weil sie ihn zurück gewiesen und damit vor den Kopf gestoßen hatte. "Aber es ist wahr, dass ich zu wenig Durchsetzungsvermögen habe." Sie lachte leise. "Ich werde wohl nie mit ihm mithalten können."
    • "Vielleicht ist das ja aber genau das, was ihr beide braucht? Du jemanden, der sagt, was er denkt und er jemanden, der ihm nicht ständig auf die Eier geht. Du würdest lachen, wie viele der Meinung sind, ihm die Stirn bieten zu können, nur um zehn Minuten später doch kleinbei zu geben."
      Chase vollführte eine elegante Drehung und fing Julia wieder auf. Er war eindeutig ein besserer Tänzer als Carson, schon immer gewesen. Er genoss es, das mal wieder tun zu können, hatten die letzten neun Monate doch nur aus Kinderzimmer dekorieren und Babyparty schmeißen bestanden. Und er würde sicherlich noch eine Weile auf einen netten Tanzabend mit seiner Frau verzichten müssen.
      "Ich hoffe, die Sache mit Cooper hat dich nicht zu sehr abgeschreckt. Ich kann immer noch nicht glauben, dass sie sich jetzt so sehr hassen. Sie waren mal unzertrennlich, weißt du? Sie sind gleich alt und haben sich immer wie Zwillinge benommen. Alles geteilt, immer für einander da gewesen, das volle Programm. Und dann macht Coop eine kleine Dummheit, die über sein normales Level hinausgeht und schon haben wir den kalten Krieg."
      Chase schüttelte den Kopf.
      "Entschuldige bitte, ich wollte dich da nicht mit reinziehen. Ist nur schade, dass man nie ein ruhiges Familientreffen haben kann, wenn beide eingeladen werden."


    • Julia sah Chase nachdenklich an, musste dann aber zugeben, dass er recht hatte. Sie brauchte wirklich jemandem, der sie ehrlich zu ihr war, damit sie ihm vertrauen konnte. "Dann werde ich mir Mühe geben, um so jemand für ihn zu sein.", beschloss sie und grinste ein wenig.
      Einige Zeit lang ließ sie sich von Chase führen und von der Musik einlullen, bis ihr Tanzpartner auf einmal ein Thema ansprach, das sie am liebsten verdrängt hatte. "Wir haben ihn vorher schon einmal getroffen. Ich würde lügen, wenn ich nicht sagen würde, dass es mich etwas erschreckt hat.", gab sie zu, wobei sie maßlos untertrieb, um nicht unhöflich zu sein. "Es ist seltsam ihn auf einmal so anders zu erleben." Einen Moment lang ließ sie ihren Blick an Chases Schulter vorbei wandern und musterte die Tanzfläche. Doch von Carson fehlte noch jede Spur. "Ich verstehe es nicht ganz. Was ist zwischen ihnen vorgefallen?", Julia bemerkte erst, dass sie dies Frage laut ausgesprochen hatte, als sie ihre eigene Stimme hörte. Sie räusperte sich verlegen. "Entschuldige. Das geht mich vermutlich nichts an."
    • Chase überlegte, ob er diese Information wirklich preisgeben sollte, entschloss sich aber dazu, dass Julia es verdient hatte. Wenn sie wirklich mit Carson zusammenbleiben würde, würde sie es so oder so erfahren. Und Chase glaubte, ihr damit seinen Cousin verständlicher zu machen.
      "Cooper hat schon immer Mist gebaut. Ständig. Er war das nervige Kind in der Schule, das sich für was besseres hält und auf cool macht, dabei aber jeden anderen tyrannisiert. Carson hat ihn mehr oder weniger um Zaum gehalten. Dann ist Carson auf's College gegangen und Coop nicht. Ich glaube, das war der Auslöser. Dad hat... ich will nicht sagen, dass er Carson vorgezogen hat, aber er war nun einmal der bessere Geschäftsmann und Cooper fand das nicht so toll. Er hat ein Plattenlabel aufgemacht, aber es lief nie wirklich. Tut es immer noch nicht. Und Carson verdient mehr Geld, als der Rest des Planeten zusammen genommen. Coop war nicht gut auf Carson zu sprechen, seit der seine erste Million gemacht hat. Und dann hat Carson seine Freundin mitgebracht..."
      Jetzt erkannte Chase seinen Fehler und er biss sich auf die Zunge. Aber jetzt hatte er schon angefangen, also musste er es auch zu Ende bringen.
      "Carson...", er suchte nach den richtigen Worten, "er wollte sie heiraten. Seine gesamte Zeit am College hat er entweder über die Arbeit oder mit ihr verbracht. Zwei Wochen vor der Hochzeit, Dad hatte Geburtstag, hat Carson sie mit Copper erwischt. Und als ob das noch nicht genug war, hat sie gesagt, dass sie blond bevorzugt und nur wegen dem Geld bei Carson war. Du kannst dir vorstellen, wie gut das bei Carson angekommen ist."
      Chase erinnerte sich noch ganz genau daran. Er hatte sich um Carson kümmern sollen, während Charles sich Cooper vornahm, nur dass Carson sich nicht davon abhalten wollte, seinen Cousin umzubringen. Das Ende dieses Abends hatte im Krankenhaus stattgefunden: Chase mit gebrochener Nase, Carson mit gebrochenem Jochbein und Zeigefinger, Cooper mit Platzwunde an der Augenbraue und ausgekugelter Schulter. Und Charles war so wütend gewesen, dass er wegen Bluthochdruck behandelt wurde. Es war kein schöner Abend gewesen und niemand wollte das so schnell wiederholen. Nur leider üassierte das beinahe jedesmal, wenn die beiden die gleich Luft atmen mussten.
      "Cooper ist... er ist schwierig. Selbst wenn das alles nicht passiert wäre, würde ich mich an deiner Stelle von ihm fernhalten, wenn keine Zeugen in der Nähe sind. Er kann ziemlich aufdringlich und eklig werden. Und wenn Carson in seine Nähe kommt, musst du ihn ablenken oder abhauen, bevor es knallt."
      Er machte noch eine Drehung, sah aber Carson mit vier Schüsseln Eis zurückkommen und führte Julia wieder zurück zum Tisch. Der Geschäftsmann verteilte die Schüsseln; Chase bekam nur zwei Kugeln anstatt drei.
      "Na? Spaß gehabt?", fragte Angelica, als sich Chase neben ihr niederließ.
      Er nickte lächelnd. Der kleine Tanz hatte wirklich Spaß gemacht. Und Angelica wusste das auch. Sie kannte die Macken ihres Mannes eben.


    • Bei jedem Wort, das Chase aussprach, wurden Julias Augen ein wenig größer. Die Musik um sie herum schien zu verstummen und der Boden unter ihren Füßen zu verschwinden, bis nichts mehr existierte als die Stimme des Mannes und seine Hände, die sie führten und dadurch dafür sorgten, dass sie nicht wie erstarrt stehen blieb.

      Es wunderte Julia nicht, dass Carson vor ihr vermutlich viele andere Freundinnen gehabt hatte, doch sie hatte nicht damit gerechnet, dass es ihm mit einer von ihnen so ernst gewesen war. Kurz überlegte sie, ob sein aufreißerisches Verhalten und die Tatsache, dass er gerne mit Escort-Damen ausging auch damit zusammen hängen könnten, dass er keine langfristige Beziehung mehr wollte. Der Gedanke war traurig.
      Julia fühlte, dass sich ein Klos in ihrem Hals bildete und presste die Lippen zusammen, um die Tränen zurückzuhalten, die sich in ihre Augen schleichen wollten. Zum ersten Mal war sie froh darüber, dass Simon es gehasst hatte, wenn sie weinte und sie deshalb über die Jahre hinweg gelernt hatte das zu unterdrücken. Die Geschichte kam ihr so unendlich ungerecht vor. Carson hatte diese Frau geliebt und sie hatte ihm das Herz auf die schlimmste Art gebrochen, die Julia sich vorstellen konnte. Sie wusste wie verletzend Worte sein konnten und dass sie Narben hinterließen, die schlechter heilten als jede Wunde, die einem ein physischer Schlag zufügte.
      Auf einmal musste sie an die Frage denken, die Carson ihr gestellt hatte, als er bei ihr übernachtet hatte und kurz überlegte sie, ob er wohl glaubte, dass sie etwas ähnliches mit ihm tun würde. Eine kleine Stimme in Julias Hinterkopf flüsterte ihr zu, dass Carson mit ihr eine schlechte Wahl getroffen hatte und er jemanden verdiente, der offen zu ihm sein konnte, damit er lernte wieder zu vertrauen. Er verdiente jemanden, der nicht so kaputt war die Juliana.

      Es war nicht leicht diese Stimme zum schweigen zu bringen, doch als Chase sie in eine Drehung führte und damit ihren Tanz zu einem Ende brachte, schaffte Julia es ihre Selbstzweifel abzuschütteln. Zumindest für den Moment.
      Sie ließ sich von Chase wieder an den Tisch zurück führen und nahm neben Carson platz. Am liebsten hätte sie ihn umarmt und ihren Kopf in seiner Brust vergraben, bis ihr Herz endlich nicht mehr so sehr schmerzte. Aber sie wusste, dass das sehr seltsam ausgesehen hätte, weshalb sie lediglich ihre Hand auf seinen Unterarm legte und zu ihm hinauf lächelte. "Ich habe dich vermisst.", sagte sie leise.
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