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Vincent erinnerte sich. Er hatte geradezu verzweifelt nach etwas gesucht, womit er den Hunger rausschneiden konnte. Er wollte diesen Schmerz so dringend loswerden, dass er gar nicht daran gedacht hatte, wie sehr es wehtat, wenn man sich in die eigene Haut schnitt. Sein vergangener Gedankengang machte Sinn für ihn, zeitgleich klang es aber auch nach blankem Wahnsinn. "Du sagst mir, ich soll es langsam angehen, und im gleichen Atemzug lädst du mich auf einen Spaziergang ein?" fragte er, aber es ju…
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"Trinken..." Er ließ sich von Thomas aufhelfen, während er noch dabei war, seine Gedanken in Gang zu bringen. Er war im Keller. Er hatte einige Tage lang gehungert, um sich von Menschenblut zu entwöhnen. Thomas war in London gewesen, um zu jagen. Vlad war... Das Glas, das Thomas ihm präsentierte, ließ Vincent alles andere vergessen. Thomas hielt es an seine Lippen und er nahm große Schlucke. Es schmeckte furchtbar, aber das sollte so sein, das wusste er. Er wusste auch, warum. "Und du gibst dich…
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Das erste, was er wahrnahm, war der wundervolle Duft eines Menschen. Er kannte diesen Geruch, wusste welch lieblichen Geschmack er ankündigte. Seine Beute war zurückgekehrt. War ganz freiwillig in seine kleine Höhle gekommen. Ihm lief das Wasser im Munde zusammen. Als nächstes kam das altbekannte Geräusch eines gesunden Herzschlages. Der stete Rhythmus breitete sich in seinem ganzen Körper aus, bis er das Gefühl hatte, das sein eigenes Herz das Schlagen kopierte. Es war geradezu belebend. Der Va…
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Vincent war tatsächlich weniger an der Geschichte interessiert, als er selbst erwartet hatte. Aber Thomas' Stimme umspülte ihn einfach wie eine sanfte Brandung und trug ihn hinaus auf das weite Meer seines wenig fokussierten Verstandes, bis Vincent einfach nur vor sich hin trieb, von den Wellen geführt. Die sanften Liebkosungen des Mannes sorgten nur für noch mehr Entspannung. Als Thomas fertig erzählt hatte, herrschte eine kleine Weile Stille. Nur das leise Knistern des Kaminfeuers erfüllte den…
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Vincent sah auf, als Thomas zu ihm sprach. Er hatte ganz vergessen, dass der Mann auch noch da war. "Gemütlich machen..." Er beobachtete, wie Thomas sich eines der Kissen nahm und auf die Schulter legte. Er ließ sich von der warmen Hand anleiten und legte seinen Kopf auf ebenjenes Kissen, auf ebenjener Schulter. Es war tatsächlich bequem, so mit Thomas zusammenzusitzen. Vincent seufzte wohlig und mit diesem Seufzen schien ihn ein ganzer Berg an Anspannung zu verlassen. Er sank ein bisschen in si…
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"Du musst dich nicht daran gewöhnen, wenn du sie alle auslöschst, weißt du? Wäre auf jeden Fall einfacher." Vincent hing noch an dem Punkt fest, an dem es erst Mitternacht war, und ignorierte Vlad, der sich gerade auf die Rückenlehne des Sofas stützte. Sicherlich malte er sich aus, auf wie viele Weisen er Menschen zerfetzen konnte, bevor es langweilig wurde. "... Willst du mir erzählen, warum du dich selbst aufgeschnitten hast, Vincent?" Vincent lachte leise in sich hinein. So hatte er das noch …
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"Er ist geschwächt. Und verletzt. Das ist doch die Gelegenheit! Warte, bis er aufsteht und geht, dann kannst du ihn töten und die Tür ist auch gleich offen. Dann musst du nicht einmal bis zum nächsten Sonnenuntergang warten, um hier raus zu kommen, sondern kannst gleich gehen." Vlad lehnte sich vor, und roch an Thomas' Haar, als wolle er die Qualität eines Weines feststellen. Vincent sah hinab auf ihrer beider Hände, ineinander verschränkt, als Thomas ihm sanft mit dem Daumen über den Handrücken…
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Diese Handschellen waren nun wirklich im Weg. Vincent wollte nach dem Glas greifen, als Thomas es ihm hinhielt, doch dann erinnerte er sich an die Regeln, die der Mann aufgestellt hatte. Also ließ er die Hände wieder in seinen Schoß sinken. Mit großen, gierigen Schlucken verleibte sich Vincent das Schweineblut ein. Es schmeckte scheußlich, aber das war ihm egal. Er wollte es einfach nur haben. Er wollte den verlorenen Tropfen haben, der da an Thomas' Finger klebte... "Simon? Ach ja, der ist ja m…
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"Dreizehn Tage..?" Kein Wunder, dass er so hungrig war. Zwei Wochen hatte er nichts zu sich genommen? Wirklich? Wie hatte er das überhaupt überlebt? Vincent zuckte leicht, als Thomas die Hand von seiner Wange nahm und die kühle Luft des Kellers wieder auf seine Wange traf und einen kleinen Schock durch seinen ganzen Körper sandte. Er wollte die Wärme zurück, sofort. Thomas' Plan klang also ziemlich gut in seinen Ohren. Vincent nickte und faltete brav seine gefesselten Hände in seinem Schoß. Er w…
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Die warme Hand an seiner Wange fühlte sich seltsam an. Sie war warm, ja, aber dort, wo sie seine Haut berührte, da Kribbelte Vincents Haut auf eine Art, die er nicht richtig zuordnen konnte. Genauso wenig konnte er sagen, warum das so war. Es war nicht unangenehm, es war nur... fremd. "Das wäre die Gelegenheit," raunte Vlad ihm zu, der neben ihm in die Hocke ging und Thomas Arm ansah als sei dieser ein saftiges Steak. "Du musst nur den Kopf ein bisschen drehen und zubeißen." "London... das hatte…
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Vlad lachte leise. Er stand hinter Thomas an der Wand, die Arme vor der Brust verschränkt. “Schweineblut also? Ist es das, was du willst? Schwach sein? Das Schoßhündchen für diesen Menschen spielen? Du bist besser als das, Steaua mea.” Vincents Blick huschte von dem Blut zu ihm und dann gleich wieder zurück zu dem Blut, auch wenn er das Glas nicht richtig sehen konnte. Er musste es auch gar nicht sehen; er konnte es deutlich genug riechen. Und er wollte es haben, vollkommen egal, was Vlad versuc…
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Vincent war wie gerädert, als ihn sein Bewusstsein wieder erreichte. Es fühlte sich an, als hätte er überhaupt nicht geschlafen. Doch das war irrelevant, zumindest für den Augenblick. Stattdessen lächelte er schwach, als er die Bandagen an seiner Hand erblickte. Thomas kümmerte sich wirklich um ihn. Er war tatsächlich hier. Er hatte sich diesen Brief nicht nur vorgestellt. ”Ich will gar nicht wissen, was der noch so alles mit dir angestellt hat,” kommentierte Vlad, der vor dem Sofa hockte. “Wer …
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Süße Nichtigkeiten holten Vincent aus seinem tiefen Schlaf. Der Geruch von Zimt lag in der Luft. Der Duft zauberte ein Lächeln auf sein Gesicht, lange bevor er dir Kraft fand, die Augen zu öffnen. Thomas war zu ihm zurückgekehrt, so wie er es jeden Abend tat. Nach nur wenigen Stunden der Bewusstlosigkeit vermisste Vincent ihn schon. Nur ihm zu Liebe zwang sich Vincent dazu, die Augen aufzuschlagen. ”Guten Abend, Steaua mea.” Vlad stand über ihn gebäugt, ein breites Grinsen im Gesicht, das seine …
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Ich muss mich entschuldigen. Mein Auftreten war alles andere als angebracht. Bereue ich, dich so überfallen zu haben? Nein. Ich meinte jedes einzelne meiner Worte. Du bist ein Raubtier, Thomas. Genauso wie ich eines bin. Ich brauche nur die Beute, aber du… du brauchst die Jagd. Das ist mir klar geworden, als du dich so zurückgezogen hast. Aber ich entschuldige mich aufrichtig bei dir für mein Verhalten. Anstatt ein offenes Gespräch zu suchen, habe ich dich lieber vor vollendete Tatsachen gestell…
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Der Vampir stürzte sich mit vollem Gewicht aus dem Baum, landete so hart auf dem Reh, dass dem Tier die Beine brachen. Einen Moment später gruben sich lange, spitze Zähne tief in das muskulöse Fleisch am Hals des Tieres. Der Vampir inhalierte das Blut geradezu. Er trank so schnell in so großen Zügen, dass er den Geschmack kaum wahrnahm. Denn darum ging es auch gar nicht.Die Versuche des Rehs, sich aus seinem Griff zu befreien, wurden schwächer und schwächer. Der Vampir konnte spüren, wie das kle…
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Wie konnte ihn ein Mann - ein einzelner Mann! - so sehr zur Weißglut bringen?! Vincent drückte seine Fäuste gegen die Tischplatte und lehnte sich etwas vor. Das Monster in seinem Inneren - hungrig, wütend, einen Jäger sehend - knurrte und bereitete sich darauf vor, über den Tisch zu springen und diesem Menschlein die Kehle rauszureißen, wie dieser es gerade offen von ihm verlangt hatte. "Ich will dich nicht loswerden, Thomas. Aber wenn du nicht bald etwas tust, dann werden wir uns verlieren. Ver…
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Als Vincent ein paar Tage nach seinem großen Geschenk an Thomas erwachte, war er schneller aus dem Bett als jemals in seinem langen Leben zuvor. Der Grund: Er konnte Thomas' Gesicht in voller Schärfe sehen! Er sprang auf, schlang seine Arme um Thomas und wirbelte ihn herum wie ein kleines Kind, bevor er ihn wieder auf den Füßen absetzte und enthusiastisch küsste - immerhin war es Thomas' Blut, das er letzte Nacht erst konsumiert hatte, das dieses Wunder überhaupt erst möglich machte. "Du!" rief …
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Auf ewig Bücher anstarren in dem Büro des Mannes, der ihn getötet hatte... Vincent fand, das war ein sehr treffendes Schicksal für Vlads Überreste. Ihm gefiel der Symbolismus darin. Vincent schmunzelte über die Erklärungen des anderen. Es war schon ein bisschen her, dass Thomas sich so in etwas verloren hatte. Sicher, er arbeitete im Ort als Arzt und ging damit seinem Beruf nach, aber er hatte sich von allen Themen der Wissenschaft entfernt, seit er sein Leben als Jäger aufgegeben hatte. Irgendw…
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Vincent beobachtete, wie Thomas sich umsah wie ein Kind am Weihnachtstag. Er lächelte ob der offensichtlichen Freude seines Partners. Schließlich folgte er ihm hinein und ließ sich auf eines der Sofas sinken, überschlug die Beine und griff sich das kleine Zierkissen in seinem Rücken, um es auf seinen Schoß zu legen. Es war gelb, aber nur auf einer Seite, weil er Stoff nicht für mehr gereicht hatte. Nora hatte es selbst genäht und genau darauf geachtet, den letzten Rest von Beth's Vorhängen nicht…
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"Silber aus meiner Flanke heraus zu brennen und mir damit das Leben zu retten war dir also nicht genug?" gab Vincent halb im Scherz, aber auch halb ernst gemeint zurück. "Soweit ich weiß ist das noch nie auf solche Weise vorgekommen. Du bist also sehr wohl mein Arzt. Und um diese unsäglichen Verbrennungen hast du dich auch gekümmert." Auch Vincent ging nun dazu über, zu essen, anstatt Thomas mit weiteren seiner Heldentaten zu konfrontieren. Die ganze Zeit über lächelte er vor sich hin. Vielleich…