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  • Beim Anblick der trägen Bemühungen des Elfen eine aufrechte Haltung auf dem Krankenlager anzunehmen, öffnete Viola unter Protest den Mund um den Verletzen daran zu erinnern, dass er Ruhe brauchte. Die ernsten Silben, die der Heilerin wie ein esiger Ostwind entgegen schlugen, erstickten jeden Tadel im Keim. Mit einem leisen Klicken der Zähne schloss Viola den Mund wieder wobei sie die Kiefer dermaßen nachdrücklich aufeinander presste, dass der Kieferknochen unterhalb den Ohren unter der blassen H…

  • "Du kannst mich maßregeln so viel du möchtest, sobald du wieder eigenständig auf zwei Füßen stehen kannst, Lhoris.", antwortete Viola und grinste dabei ein wenig zu erheitert angesichts dessen, was gerade innerhalb dieser vier Wände geschehen war. Ob der Heilerin wirklich bewusst war, dass sie verbotene Magie wirkte und direkt in den Lebensquell eines Lebewesens eingegriffen hatte? Ja, auch wenn der Zusammenhang bisher eine schwammige Theorie in ihrem Kopf gewesen war. "Es war das letzte Mal. Ve…

  • "Gut.", flüsterte Viola mit einem entschlossenen Nicken. "Du musst für mich wach bleiben. Schaffst du das?" Mit brüchigen Nerven wartete die Heilerin erneut geduldig auf eine Antwort und löste die Fingerspitzen erst von seinem Gesicht, als sie das schwache Nicken mehr spürte als wirklich mit den Augen sah. Wortlos streckte Viola die Hand in Richtung Greneau aus, der auf das Zeichen hin mit einem ominösen und schlichten Holzkübel an das Bett trat. Die Missbilligung nahm beinahe sein vollständiges…

  • Mit einem Seufzen schob Viola eine verirrte Haarsträhne hinter das Ohr. Die herbstrote Mähne türmte sich in einem schiefen, unordentlichen Knoten in ihrem Nacken, aus dem sich weitere Strähnen durch mangelnde Beachtung gelöst hatten. Die Spitzen kitzelten die Heilerin hinter ihren Ohren und im Nacken und kringelten sich zu kleinen Locken. Mit dem Handrücken wischte sich Viola über die Stirn und ignorierte dabei den feinen Schweißfilm auf der Haut. Der besorgte Blick von Meister Greneau bohrte si…

  • Die Entschlossenheit im Blick der Heilerin wandelte sich. Die Veränderung geschah und verflog in einem flüchtigen Augenblick, dass es einem Außenstehenden belanglos erscheinen müsste. der vebissene Zug der Beharrlichkeit um ihren Mundwinkel verblasste, als sich diese wenige Millimeter nach unten verzogen. Für den Bruchteil einer Sekunde verspannten sich die schmalen Schultern, als erwartete sie den Angriff durch einen unsichtbaren Gegener. Die kühlen Finger der Hand, die fürsorglich auf der Stir…

  • Die Worte Pompidous hallte wie eine unterschwellige, dunkle Vorsehung durch die überfüllten Räume ihres Verstandes. Ja, das Schicksal ließ sich nicht in Stein meiseln, aber sie würde alles dafür tun, um Bourgone als freie Frau zu verlassen, mit Lhoris an ihrer Seite und ohne das erdrückende Gewicht einer ungewollten Krone. Das Pompidou wirklich darüber nachdachte, ein Mädchen mit einer Lebensgeschichte wie ihrer ohne jegliche höfische Erziehung oder gewünschter Etikette neben den Kronprinzen auf…

  • "Meine Familie wird den Adelstitel nicht ohne guten Grund abgelegt haben.", gab Viola zu Bedenken. "Dieser Titel bedeutet mir nichts." Das Gesagte beruhte nicht auf dem Anschein falscher Bescheidenheit sondern war begleitet von nichts als der blanken Wahrheit. Die edle Herkunft und ein schlummernder Adelstitel mit Privilegien und versteckten Reichtümern gar Ländereien hatte ihrer bescheidenen Familie in harten Wintern wenig genützt. Bevor die Heillerin allerdings ins Grübeln verfallen konnte, sc…

  • "Viel weiß ich nicht, Monsieur.", wisperte Viola. "Die Geschichte über meinen Urgroßvater ist eben genau das: Eine Gute-Nacht-Geschichte, die mein Vater uns Kindern erzählte. Ein nobler Fürst, der Titel und Reichtümer aufgab, um einer Bürgerlichen den Hof zu machen. Es klang zu wundervoll um wahr zu sein und rückblickend betrachtet, bin ich davon überzeugt, dass wir Kinder und auch meine Mutter zur die verklärte, romantisierte Version erzählt bekommen haben. Ein hübsches Märchen über Liebe, die …

  • "Eurem Blick entgeht wirklich nichts, Monsieur. Bis vor wenigen Sekunden war ich felsenfest davon überzeugt, dass niemand etwas bemerkt. Offenbar bin ich nicht so geschickt wie ich dachte.", antwortete Viola und besaß zumindest den Anstand wenigstens ein klitzekleines Bisschen ertappt dabei auszusehen. Meister Greneau allerdings schien von den Heimlichkeiten seines Schützlings nichts zu ahnen, andernfalls hätte der alte Greis sie längst aus den Gärten verbannt und gründlich dafür gesorgt, dass s…

  • Ein neugieriger Blick folgte den gedämpften Schritten auf moosbedecktem, groben Kopfsteinpflaster. Die verschlungenen Wege der Kräutergärten zeugten ebenso von einem stolzen Alter wie das gesamte klosterähnliche Bauwerk. Die Kaiserstadt selbst wirkte zuweilen wie ein spitzer Dorn, der sich mit genügend Kraft in die Landschaft bohrte. Das Heim der Kleriker fügte sich naturbelassen in das zarte Grün der ersten sprießenden Fauna des beginnenden Jahres ein. "Guten Morgen, Monsieur.", grüßte Viola hö…

  • Viola blickte in den frostigen Morgen hinaus. Die schwermütigen, grauen Wolken waren vom frischen Wind davon getragen worden und das zarte Licht der Wintersonne erwärmte ihr Gesicht. Wie die ersten zerbrechlichen Knospen der Frühlingsblüten reckte Viola ihr Haupt der Sonne entgegen. Seufzend schloss die junge Frau die Augen während sie bewusst langsam die kühle Luft einatmete. Ein vertrauter Duft getrockneter Kamille erfüllte die Luft, legte sich beruhigend auf spröde Nerven. Ein Hauch von Laven…

  • Prüfend huschte der Blick in Richtung Tür. Pompidou spielte offensichtlich mit dem Gedanken die Räumlichkeiten bald zu verlassen und Viola fühlte eine seltsame Erleichterung. Es war nicht so, dass sie dem älteren Mann Böswilligkeit oder Spionage für den Rat unterstellte, dazu waren seine Antworten offen und eine Spur zu gefühlsbestimmt. Ein Spitzel stellte seine Fragen ohne geschickte Umwege über tragische Liebesgeschichten um das Herz zu bewegen. Ein Blick sagte bekanntlich mehr als tausend Wor…

  • [2er RPG] Vessels [Asuna & Winterhauch]

    Winterhauch - - RPGs

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    Die allumfassende Leere legte erlösend um Cains zersplitterten Verstand. Ohne Widerstand räuberte die Dunkelheit wie ein gefräßiges Monstrum und verbiss sich in Allem und Jedem, der sich in seine finstere Umarmung begab. Die Schwärze absorbierte die köchelnden Emotionen und nährte sich unersättlich an Furcht, Verzweiflung und Trauer. Beim Geschmack süßem Glücks durch lichtdurchflutete Erinnerungen heulte das Biest triumphierend auf und stürzte sich mit Gier auf die Glückseligkeit. Der sättigende…

  • "Wir sollten bei ihm sein.", flüsterte Viola zähneknirschend. Behutsam schob sie mit der Spitze ihres Zeigefingers eine feuchte, dunkle Haarsträhne aus der Stirn des Elfen. Viola beneidete ihn zu einem kleinen Teil um die Besinnungslosigkeit, die Lhoris für ein paar gnädige Stunde vielleicht die nagende Besorgnis ersparte oder das Gefühl am völlig falschen Ort zu sein. Sorge konnte ein hartnäckiges Übel sein. Einmal verwurzelt trübte das Gefühl den gesunden Verstand und hinterließ nichts als den…

  • Für einen Augenblick blieb Viola nichts anderes übrig außer dem volltönigen Lachen zu lauschen, dass in einem wellenartigen Echo von den Steinwänden der Heilkammer widerhallte. Ein Geräusch, das die triste Stille durchbrach und die drückende Stimmung für einen Moment aufhellte. Es war gefühlte Ewigkeiten her, dass die Heilerin ein ehrliches Lachen ohne jegliche Zurückhaltung vernommen hatte. Allerdings reichte es kaum aus, um den ernsten Ausdruck aus ihrem Gesicht zu vertreiben. Sorge und die un…

  • [2er RPG] Vessels [Asuna & Winterhauch]

    Winterhauch - - RPGs

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    Die kryptische Formulierung des kindlichen Gottes hinterließ eine Spur der Verwirrung. Ein winziger Splitter des Zweifels bohrte sich quälend langsam unter die schützende Schicht aus der goldenen Aura und legte sich bitter auf seine Zunge. Syleas Arme schlangen sich wie ein Schraubstock um seinen Brustkorb, als hätte sie nicht vor ihn jemals wieder gehen zu lassen. Freute sie sich denn nicht, dass seine Schwester bald von ihrem Elend erlöst war? Unverständnis erdrückte den Zweifel im Keim und Ca…

  • Mit sichtlicher Verwirrung hob die junge Heilerin den Blick an. Das Ratsmitglied, Pompidou wie sie bereits wusste, hielt eine zerbrechliche Glasphiole in den Händen, die sich bisher ihrem Blick entzogen hatte und über die auch Meister Greneau kein Wort verloren hatte. Der alte Heiler hatte sich kurz gefasst, um die frisch erwachte Frau nicht zu überfordern. Nachdenklich zogen sich die Augenbrauen zwischen den Augen zusammen, ehe die Erkenntnis ihr Gesicht erhellte. Nickend sah sie Lucien an, der…

  • Reflexartig sprang Lucien die kurze Distanz zum Bett nach vorn und lediglich sein beherzten Eingreifen verhinderte, dass Lhoris zu Boden ging. Das Gewicht des ohnmächtigen Elfen drückte sich gegen seine Seite und beschämt sah der Prinz in das bleiche und geschwollene Gesicht, das in den wildesten Farbtöten von Grün, Blau bis Violett schimmerte. Keiner der anwesenden Männer hatte angesichts der leblosen Frau einen Gedanken an die schweren Verletzungen des Elfen verschwendet. Die leere Phiole kull…

  • Lucien die Bourgone beoabchtete mit Sorge die seltsame Vertrautheit. Die federleichten Berührungen des Elfen ähnelten der Vorsicht, mit der bereits gesprungenes Glas bedacht wurde. Ein wenig zu viel Durck hier, eine unbedachte Berührung dort und die Oberfläche splitterte in unzählige kleine Scherben. Die Verfassung stand der lebensfrohen Frau nicht zu Gesicht und erzeugte in jedem, der sie kannte und ansah, eine tiefe Wehmut. Lucien brummte zustimmend und fuhr sich mit der Hand über das Gesicht.…

  • Prüfend glitt der Blick des Prinzen durch den modrigen Korridor zu beiden Seiten. Mit einem Stirnrunzeln verging eine flüchtige Sekunde, ehe er mit dem Kinn leicht nach links deutete. "Hier lang." Vorsichtig bugsierte er den verletzten Elf über das ungleichmäßige und von Feuchtigkeit rutschige Gestein unter ihren Füßen. Die Gehplatten waren unregelmäßig geschlagen und zum Teil mit dichtem Moos überwuchert, dort wo das Wasser aus den spröden Wänden tropfte. Kein wirklich geeigneter Untergrund für…