Silent Professionals
Dark Crime | Neo-Noir | Slow Burn Romance | Slice of Life | Action | +16
[X] @'Alea CroniX
[Y] @'Etoile.errante'
Vorstellung
Dark Crime | Neo-Noir | Slow Burn Romance | Slice of Life | Action | +16
[X] @'Alea CroniX
[Y] @'Etoile.errante'
Vorstellung
Die Sonne war gerade am Aufgehen und warf fahles Licht in das Schlafzimmer des jungen Mannes, der sich in diesem Moment erst auf die Bettkante setzte und erschöpft den Kopf hängen ließ. Jesse hatte gerade noch einen Job hinter sich bringen müssen. Nichts Gefährliches und auch mit eher wenig Aufwand verbunden. Dennoch fuhr er sich erschöpft mit der Hand übers Gesicht und ließ sich auf die Matratze fallen.
„Zumindest konnte ich ein paar interessante Informationen sammeln“, dachte er sich und kickte seine Schuhe von den Füßen. Da gab sein Smartphone auch schon ein leises „Ping“ von sich, woraufhin er auf das Display sah.
„Einzahlung: 1000 $“
Das klang doch nach einem vernünftigen Stundenlohn.
Gegen zwei Uhr nachts hatte der Clubbesitzer des „Black Velvet“ ihn angerufen. Oder besser gesagt: ihn aus dem Schlaf geklingelt. Der gute Mann war ganz aufgeregt am Telefon gewesen, sodass Jesse ihn zunächst gar nicht richtig verstanden hatte.
„Ganz ruhig, Mister. Was soll ich jetzt machen?“, hatte er ihn gefragt und dabei ein Gähnen unterdrückt, während er in seine Hose schlüpfte. Dabei klemmte er sein Handy zwischen Schulter und Ohr, sodass er seine beiden Hände nutzen konnte, um auch den Gürtel zu schließen.
„Das VIP-Séparée muss so schnell wie möglich wieder vorzeigbar sein“, wurde ihm erklärt. „Viele Scherben, ein Riss in dem tiefen Mahagonitisch und Blut auf dem Ledersofa“, wurde ihm aufgezählt. Eine Leiche wurde nicht erwähnt. Das war auch besser so, denn das hätte mehr Zeit in Anspruch genommen.
„Ich bin in 15 Minuten da. Lass so lange niemanden in das Zimmer“, wies er den Clubbesitzer daraufhin an. Die erwähnten Spuren reichten ihm, mehr brauchte man nicht durch Dummheit hinzuzufügen.
Jesse zog noch rasch seine Arbeitsstiefel an und schnappte sich seinen Schlüsselbund, ehe er den Wohnbereich über die Treppe verließ und runter in die Werkstatt eilte. In dem separaten Raum, in dem er seine Cleanerausrüstung aufbewahrte, griff er nach zwei Motorradtaschen, die schon mit allem bestückt waren, was er benötigte. Dann schob er sein dunkles Motorrad zum Werkstatttor, öffnete dieses nur so weit, dass er gerade so mit der Maschine hindurchpasste, schloss das Tor wieder und startete den Motor. Seinen Helm trug er bereits.
Um die Uhrzeit gab es weniger Verkehr in L. A. als gewöhnlich. Leer war die Stadt nie. Die hellen Neonlichter huschten über sein Visier, während er auf dem kürzesten Weg zum „Black Velvet“ fuhr.
Dort angekommen, erwartete ihn auch schon der Clubbesitzer. Seine Krawatte saß leicht schief und seine Frisur sah etwas durcheinander aus.
„Danke, dass du so schnell kommen konntest, Jess“, wurde Jesse erleichtert von dem Mann begrüßt. Er wurde direkt durch den Club geführt, der weitestgehend leer war. Nur ein paar Türsteher und Tänzerinnen standen vereinzelt herum, wobei die jungen Frauen ihm einen neugierigen Blick hinterherwarfen. Mit seinen knapp zwei Metern Körpergröße machte er immer schnell Eindruck. Dazu kam auch noch sein recht breites Kreuz. Seinen Helm hatte Jesse bei der Maschine gelassen und durch das Abziehen sah sein Haar noch wilder aus als sonst.
„Hi, Jesse. Lust auf einen Drink?“, wurde er von einer der Tänzerinnen angesprochen.
„Vielleicht später. Die Arbeit ruft“, entschuldigte er sich bei der Rothaarigen mit einem koketten Zwinkern und folgte dem Clubbesitzer zu den Séparées.
Vor dem besagten Raum stand ein Türsteher, der wohl die ganze Zeit dafür gesorgt hatte, dass niemand den Raum betrat. Zufrieden nickte Jesse dem Mann zu und war froh, dass man sich an seine Anweisung gehalten hatte. Der Mann trat dann zur Seite und öffnete Jesse die Tür.
Das Séparée war in einem dunklen Violett gehalten, mit dicken Teppichen und LED-Leuchtröhren an den Seiten, die ein sanftes Blau auf das schwarze Ledersofa warfen. Am Boden lagen einige Scherben und Jesse konnte schnell einordnen, dass diese von einer Champagnerflasche und Sektgläsern stammten. Sein geschultes Auge erkannte direkt, dass der teure Holztisch verschoben worden war, und der Duft von Alkohol lag in der Luft.
„Wer hat sich denn hier geprügelt?“, fragte er und stellte seine Taschen an den Rand des Raumes.
„Was? Wer hat behauptet, dass sich hier jemand geprügelt hat?“, wich der Clubbesitzer nervös aus. Jesse warf ihm nur einen wissenden Blick zu.
„Das erkennt doch ein Blinder mit Krückstock“, meinte er nur und fing an, die Hinweise aufzuzählen.
„Die Flasche wurde auf den Tisch geschlagen, daher die Kratzspuren im Holz. Jemand hat sich an den Scherben geschnitten, deswegen sind einige Blutflecken auf dem Sofa. Die Flasche war auch nicht leer und der Inhalt wurde vom Teppich aufgesaugt.“
Jesse schritt durch den Raum und sah sich weiter um.
„Einer hat seinen Manschettenknopf verloren. Und der sieht ganz so aus, als hätte man ihn abgerissen“, fügte Jesse an und deutete auf das glänzende Metall, das unter dem Sofa lag, sodass man es gerade noch so sehen konnte. Sobald er seine Arbeitshandschuhe angezogen hatte, ging er in die Hocke und hob den Knopf auf. Er war golden und besaß eine markante Verzierung: einen Tigerkopf.
„Scheiße, sag bloß, einer der Longs war hier?“, fragte er den Clubbesitzer, der bei der Erwähnung des Namens etwas blasser um die Nase wurde.
„Pscht! Das soll keiner wissen“, wurde Jesse sofort angezischt. Jesse hob daraufhin seine beiden Hände und deutete dann mit einer Geste seiner Finger an, dass seine Lippen versiegelt waren.
„Ich weiß von nichts“, fügte er an und blickte sich noch einmal in dem Raum um. „Gib mir zwei Stunden, dann wirkt der Raum so, als hätte man hier nicht eine halbe Flasche Schampus auf dem Teppich verteilt“, ließ er seinen Auftraggeber wissen, der daraufhin erleichtert nickte und ihn dann mit seiner Arbeit alleine ließ.
Jesse wurde vor Ablauf der angekündigten Zeit fertig und als der Clubbesitzer das Séparée in Augenschein nahm, fand er keine Spur von der Auseinandersetzung. Selbst die Kratzer im Mahagonitisch waren wie verschwunden und der Teppich war trocken und roch nicht mehr so penetrant nach Champagner.
„Danke, Jesse. Ich lasse dir deinen Lohn so schnell wie möglich zukommen“, wurde ihm versichert, während er sein Equipment wieder in seine Taschen packte.
„Kein Problem. Den Müll darfst du entsorgen“, entgegnete er dem Clubbesitzer und drückte ihm eine schwarze Mülltüte in die Hand, in der sich Scherben, Tücher und anderes Verbrauchsmaterial befanden.
„Ich mache mich dann wieder auf den Weg. Du weißt ja, wie du mich erreichst“, verabschiedete sich Jesse und schulterte seine Taschen.
Auf dem Weg aus dem Club musste er mit Bedauern feststellen, dass die süße Rothaarige nicht auf ihn gewartet hatte. Aber er konnte es ihr auch nicht verübeln, war es zu diesem Zeitpunkt doch fast schon fünf Uhr morgens. Und als Jesse sich wieder auf sein Motorrad schwang, wurde der Himmel gen Osten schon etwas heller.
Jetzt lag Jesse wieder in seinem Bett, 1000 $ reicher und hundemüde. Bevor er sich eine Mütze Schlaf genehmigte, stellte er seinen Handywecker.
„Ich kann nicht wieder verschlafen und zu spät kommen“, dachte er und aktivierte vorsichtshalber mehrere Alarme. Denn heute Mittag traf er sich mit Lilly. Vor ein paar Wochen war diese Frau in sein Leben getreten, und zwar nicht so, wie er es von hübschen Frauen gewohnt war. Sie waren Partner, wobei er es momentan eher noch als Zweckgemeinschaft bezeichnete. Jesse war ein hervorragender Cleaner, doch wenn es um Software und den ganzen Hightechkram ging, hatte er keinen blassen Schimmer. Und gerade die interessanten Jobs waren immer mit einer Überwachungskamera verbunden. Angesichts dessen hatte er sich mit der Pinkhaarigen zusammengetan. Und bis jetzt klappte die Arbeit mit ihr relativ gut. Anscheinend hatte sie einen neuen Job, bei dem sie Jesses Unterstützung brauchte.
„Später“, murmelte Jesse, dem auch bald die Augen zufielen.
"Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
Monkey D. Ruffy

Quelle
Monkey D. Ruffy

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