„Und der erste Platz geht an… MILOUARD LAURENT!“, verkündete der Kommentator, woraufhin die gesamte Eishalle in tosenden Applaus ausbrach.
Milouard – oder auch nur Milo genannt – betrat mit einem breiten Grinsen das Siegertreppchen. Ein weiterer Sieg, eine weitere Goldmedaille und vor allem ein weiterer Schritt auf der Karriereleiter.
Er nahm den Blumenstrauß entgegen und senkte leicht den Kopf, als ihm eine Mitarbeiterin die Goldmedaille um den Hals legte.
Als er den Kopf wieder hob, ließ er seinen Blick über das applaudierende Publikum schweifen und winkte seinen Fans zu. Ein strahlendes Lächeln lag dabei auf seinen Lippen, während ihm von überall jubelnde Rufe entgegenschallten.
Und dann passierte das, worauf wohl die meisten Fans gewartet hatten – ein kleines Markenzeichen des Eiskunstläufers.
Denn nach jedem Sieg, mit jeder neuen Goldmedaille, holte er sein Handy heraus und machte ein Selfie mit seinen Fans im Hintergrund, um es anschließend auf seinen Social-Media-Accounts zu teilen. Dabei lag der Fokus größtenteils auf den Fans.
Es war eine kleine Geste der Dankbarkeit für ihre Unterstützung und wurde stets von einem lieben Text begleitet – ganz so, wie man es von dem sozialen Schmetterling kannte.
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James lehnte sich weiter über die Ballustrade der Zuschauerränge. Sein Herz klopfte und er hielt den Atem an, während er auf die Verkündung des Siegers wartete. Natürlich wusste er, dass es Milo war. Nicht, weil er glaubte dass der Schwarzhaarige nicht verlieren konnte, sondern schlicht und einfach, weil er der Beste auf dem Eis gewesen war. Neben ihm wirkten all die anderen wie Anfänger.
Sobald er den lieblichen Klang seines Lieblingsnamen hörte erhob sich der großgewachsene Mann und klopfte in die Hände, bis ihm die Handflächen weh taten. Er freute sich aus vollem Herzen für den Älteren. Das breite Lächeln auf dessen Gesicht erfüllte sein Herz und sein Herz machte einen Sprung, als er doch tatsächlich Teil des Hintergrunds des heutigen Selfies wurde.
Sofort meldete sich sein Handy. Er verpasste keinen Post des Eiskunstläufers. Keinen einzigen. Er speichert sich jedes einzelne Bild, die besten druckte er sogar aus und klebte sie sich an die Schlafzimmerwand. Damit immer mit Milos Lächeln aufwachen konnte.
Für einen Moment betrachtete Milo zufrieden das Selfie, das er gerade gemacht hatte, ehe er sein Handy wieder wegsteckte und seinen Blick auf seinen Manager richtete.
William Hayes. Ein seriöser, sachlicher Mann, dessen Name man beinahe automatisch mit Erfolg und Professionalität verband. Stets tadellos gekleidet, mit einem strengen Blick und einer ruhigen, kontrollierten Art, wirkte er wie jemand, der stets genau wusste, was er tat.
Seit Jahren kümmerte er sich um Milos Karriere und hatte ihn zu unzähligen Wettkämpfen, Interviews und Veranstaltungen begleitet. Selbstverständlich war er auch heute wieder präsent, um hinter seinem Schützling zu stehen und alles im Auge zu behalten.
Er traf Milos Blick und deutete mit einer kurzen Geste auf seine Armbanduhr. Es wurde Zeit für die Autogrammstunde.
Später bei der Autogrammstunde...
Milo saß gemeinsam mit den anderen Eiskunstläufern an einem langen Banketttisch. Vor jedem von ihnen hatten sich lange Schlangen gebildet, wobei Milos wohl am längsten zu sein schien.
Er lächelte, schüttelte Hände, unterzeichnete Autogrammkarten, machte weitere Selfies und wechselte kurze, aber liebe Worte mit jedem einzelnen seiner Fans. William hingegen - welcher neben Milo saß - achtete darauf, dass die Gespräche nicht zu lange dauerten.
Gerade als Milo das Gespräch mit einem seiner Fans beendete, sah er zur nächsten Person in der Schlange. Ein großer, junger und muskulöser Mann, der nicht gerade wie ein typischer Eiskunstlauffan wirkte.Aber nun gut... das ging den Manager nichts an.
Er nickte dem jungen Mann zu, um zu signalisieren, dass er nun an der Reihe war. Auch Milo richtete seinen Blick auf ihn und lächelte ihm zu, während er geduldig auf ihn wartete.
Für die anderen Eiskunstläufer interessierte sich James nicht. Und die Zeiten in denen er seiner Schwester das ein oder andere Autogramm mitbrachte waren vorbei. Sie interessierte sich schon lange nicht mehr für den Eiskunstlauf, ganz anders als James. Zugegebenermaßen interessierte er sich viel mehr für Milo selbst, als für den Eiskunstlauf, aber der Eiskunstlauf war der Grund, wieso er Milo überhaupt so sehr bewunderte. Wie sich der Ältere in den Sport biss, jeden Verlust überwand und trotzdem weiter machte, hatte ihn schon immer fasziniert. Natürlich war das letzte Mal als Milo verlor schon lange her.
Um genau zu sein 2 Jahre, 5 Monate und 7 Tage. Die Stunden und Minuten erspart er euch.
Auf dem Weg zur Autogrammstunde starrte James auf das Selfie das Milo in der Arena gemacht hatte. Er schmachtete ihn geradezu an, während er geduldig in der Schlange wartete. Sein Herz pochte bereits bei dem Gedanken, dass er ihm schon bald vom Angesicht zu Angesicht stehen würde... und dann war es auch schon soweit.
Er schenkte dem Dunkelhaarigen ein breites, obsessives Lächeln, bevor er ihm mit einem deutlich freundlicheren Lächeln überschwänglich die Hände schüttelte.
Wie klein seine in den seinen wirkten. Niedlich!
"Du warst mal wieder richtig fantastisch auf dem Eis! Es ist immer wieder aufregend dich live zu sehen! Ah, würdest du mir vielleicht statt einer Karte dieses Notizbuch unterzeichnen?", fischte er ein kleines, offensichtlich schon sehr lange benutztes Notizbuch unter seiner Jacke hervor und legte es vor Milo auf den Tisch, "Von Milo für James würde vollkommen reichen. Oh! Und krieg ich ein Selfie? Weißt du schon an welchem Turnier du als nächstes teilnimmst?"
Der Umgang mit Fans war für Milo wie sein täglich Brot. Auch diesem Fan schüttelte er die Hand und hörte ihm mit einem geduldigen Lächeln zu. "Vielen Dank, doch ohne so tolle Fans, wäre der Sieg nur halb so schön!", antworte er, bescheiden wie immer.
Der junge Mann, der vor ihm stand stach deutlich von seinen üblichen Fans heraus. Er war muskulös, mit silbernen Haar und zahlreichen Piercings. Doch Milo freute es, dass der Eiskunstlauf so viele zahlreiche, verschiedene Fans fand!
"Natürlich!", beantwortete er die Frage nach dem Selfie mit einem Lächeln, bevor er auf das Notizbuch blickte, welches von dem Anderen auf den Tisch gelegt wurde.
Ziemlich offensichtlich nutzte der junge Mann das Notizbuch schon eine ganze Weile, es war definitiv nicht neu gekauft.
Er griff nach seinem Stift und öffnete ganz unbewusst das Notizbuch, während er auch die andere Frage beantwortete. "Oh, das werden die Landesmeisterschaften im Herbst! Wirst du auch als Zuschauer dabei sein?"
Er blätterte, als er nach einer geeigneten Stelle zum unterschreiben suchte. "Wo möchtest du die Unterschrift hinhaben? Aufs Cover oder irgendwo anders?"
Ahhh, allein schon diese Stimme hören zu dürfen... James musste wirklich aufpassen, dass er nicht anfing zu sabbern.
Und dann auch noch so Bescheiden!
... ah. Er hätte besser auf das Notizbuch aufpassen sollen.
"Hier ist gut.", beeilte er sich mit einem Lächeln eine vollkommen leere Seite aufzuschlagen, schnell genug, dass Milo das Foto von ihm nicht bemerkte. Ein Foto, dass es nicht in der Öffentlichkeit gab.
Hoffentlich hatte der Ältere keine seiner Notizen gelesen. Denn in jedem einzelnen Satz ging es nur um ihn. James hatte bereits einige dieser Notizbücher, es waren bereits fünf, allesamt vollgeschrieben, mit Stickern und Fotos geschmückt. Es war schon fast Tradition Milo jedes dieser Notizbücher unterschreiben zu lassen.
"Im Herbst? Aber natürlich werde ich dabei sein!", zweifelte er mit einem Grinsen keine Sekunde daran, dass er eine Karte ergattern würde. Ganz egal wie viel sie ihm auch kosten mag.
Milo hatte das Foto nicht bemerkt - natürlich hatte er es nicht. Er nahm die Kappe vom Stift und schrieb - wie sein Fan es sich gewünscht hatte: "Von Milo für James." - daneben malte er eine kleine Sonnenblume - seine Lieblingsblumen.
Er war nicht der größte Künstler, aber mit viel Vorstellungskraft und wenn man ein Auge schloss... konnte man vielleicht erkennen, um welche Blume es sich bei seinem kleinen Kunstwerk handelte... vielleicht.
Zufrieden lächelte der Eiskunstläufer, stand von seinem Stuhl auf und trat um den Tisch herum, damit noch das versprochene Selfie gemacht werden konnte. "Oh, wirklich? Dann kann ich kaum erwarten dich im Herbst wieder zu sehen!" - für Milo war es nur ein einfacher Satz..., selbst wenn dieser der Wahrheit entsprach, würde er dies wohl zu jeden seiner Fans sagen und dachte sich dabei nichts weiter.
"Hast du dein Handy bereit?", fragte er, als er sich dicht neben dem Größeren stellte und erwartungsvoll zu ihm hinauf sah.
James Lächeln wurde ein Stückchen breiter als er die kleine Sonnenblume neben dem Autogramm erblickte. Natürlich wusste er sofort, dass es eine Sonnenblume war. Nur Idioten würden das nicht erkennen.
(Was vollkommen gelogen war, James war nur mal wieder in seiner eigenen Welt.)
"Die Zeichnung ist richtig gut, eine Sonneblume, oder? Zeichnest du viel in deiner Freizeit?", erkundigte er sich, während er sein Handy aus seiner Hosentasche fischte und etwas in die Hocke ging, damit er einfacher Beide auf das Foto bekam. Milo roch wieder so gut. Das war aber nich das Shampoo, für das er letztens Werbung gemacht hatte... Welches er wohl benutzte? Leider hatte er es noch nicht geschafft das richtige zu finden.
James Gedanken rasten, während er den Knopf am Handy gedrückt hielt, um so viele Fotos hintereinander wie möglich zu machen. Er war ihm so nah. Wie viel kleiner er doch war. Hatte er schon erwähnt wie gut er roch? Er musste nur die Hand ausstrecken um sein Haar zu berühren... bestimmt war es richtig weich.
Für einen Moment überlegt er tatsächlich es einfach zu tun. Aber der Manager blickte bereits so argwöhnisch drein... er wollte nicht verjagt werden.
Nicht so wie vor zwei Jahren, als er sich unter Tränen geweigert hatte Milos Hände los zu lassen.
"Danke! Das Selfie ist richtig gut geworden!", stellte er sich wieder gerade und starrte eins der Fotos voller Freude an. Es würde einen Ehrenplatz an seiner Fotowand erhalten. Vielleicht sollte er es als Handyhintergrund nutzen?
Sein derzeitiger Hintergrund ist ein Schnappschuss von Milo mitten in einer Eiskunstlauf Performance. Sein Lock Screen war Milos Gesicht neben einem Getränk für das er Werbung machte.
"Wir sehen uns ganz sicher wieder im Herbst!", schüttelte er Milos Handy ein letztes Mal, bevor der Manager ihm zu verstehen gab, dass seine Zeit vorbei war.
Also winkte er dem Eiskunstläufer zu und verließ ganz brav die Warteschlange.
Aber er machte sich nicht auf den Weg nach Hause. Noch nicht. Stattdessen suchte er sich eine dunkle Ecke, in der man sich ganz gut verbergen konnte... Vielleicht würde es ja diesmal klappen. Milo zu folgen. Herauszufinden wo er wohnte. Er wollte mehr über sein Idol herausfinden. So viel mehr.
Auch die Autogrammstunde hatte schließlich ihr Ende gefunden. Und endlich - endlich - hatte Milo ein wenig Zeit ganz für sich allein.
Ohne sein Wettkampf-Make-up und in übergroßen Klamotten, fand er sich - wer hätte es gedacht - in seinem Lieblings-7-Eleven wieder.
Auf der Nase trug er eine große, runde Brille, und auch sein Haar war ohne die üblichen Stylingprodukte kaum wiederzuerkennen.
Er saß an einem der Tische. Vor ihm stand eine frisch zubereitete Portion Instant-Ramen, während er in der Hand einen Yaoi hielt, den er erst vor ein paar Tagen gekauft, aber bisher noch keine Zeit gehabt hatte zu lesen.
Ein zufriedendes Seufzen entwich seinen Lippen, als er einen Schluck der warmen Brühe trank. Das ist genau das gewesen, was er nach einem langen Tag gebraucht hatte.
Er lehnte sich zurück und versank vollkommen in dem Manga. Immer wieder errötete er, wenn sich die Protagonisten küssten oder sich auch nur berührten.
Milo selbst hatte noch nie eine Beziehung gehabt. Er war schon immer zu fokussiert auf den Eiskunstlauf und später auf seine Karriere gewesen, sodass er schlichtweg nie die Zeit gehabt hatte, jemanden ernsthaft kennenzulernen.
Und mittlerweile? Mittlerweile wäre er wohl viel zu verunsichert, jemanden kennenzulernen. Immerhin bestand die Gefahr, dass man sich nur wegen seiner Karriere für ihn interessierte und nicht wegen ihm – wegen seiner echten Person... und das wollte er einfach vermeiden.
Leider schaffte James es auch dieses Mal nicht lange genug an dem Auto, das sein Idol nach Hause brachte, dran zu bleiben. Er fuhr noch eine ganze Weile in der Gegend herum, nach dem Auto des Eiskunstläufers ausschau haltend, doch keine Spur von ihm.
Es wurde langsam spät, also beschloss er sich in der Nähe mit Snacks einzudecken um den Abend damit zu verbringen Zuhause die zahlreichen Clips und Videos von Milos heutigem Auftritt anzusehen. Er würde ihn von allen Seiten sehen können. Immer und immer wieder.
James fand einen 7 Eleven in der Nähe, der sogar das Getränk für das Milo als Gesicht hinhielt hatte. Gemütlich schlenderte er hinein, deckte sich mit einem paar Flaschen des Sodas ein, packte seine Lieblingsschokolade in seinen Einkaufskorb und blieb vor der Chips Auswahl stehen.
Moment mal. Da beim Eingang... war da nicht jemand den er kannte?
Mit seinem Einkauf schlenderte er zur Kasse und ließ seinen Blick über den Laden schweifen... und blieb stehen wie vom Blitz getroffen. Da war ein junger Mann der seine Ramen aß und einen Manga las. Eigentlich kein ungewöhnlicher Anblick in einem 7 Eleven, aber... er kam ihm bekannt vor. Die Art die sein Herz höher schlagen ließ. Nein... oder?
Konnte das wirklich sein?
Plötzlich bekam er große Lust auf eine Portion Ramen, googelte nach dem Manga den er las, während sein Einkauf gescannt wurde und fischte kurzerhand eine Sonnenbrille hervor.
"... hey. Ist hier noch Platz?", gesellte sich James mit einem freundlichen Lächeln zu dem jungen Mann. Er musste es sein. Keine Frage. Nun, da er ihm näher war, hatte er keinen Zweifel mehr. Zumindest kaum noch einen. Das war sein Milo. Das musste er sein!
"... oh? Love and Business? Ich hab auch schon überlegt mir den Manga zu holen, ist er gut?"
Dabei hatte James noch nie in seinem Leben einen BL gelesen. Geschweige denn dass er ein Manga Leser war.
Milo blickte überrascht auf - verschluckte sich sogar fast an seinem eigenen Speichel. So sehr hatte es ihm überrumpelt aus dem Nichts hier - in seinem safespace - angesprochen zu werden.
Er blinzelte, als er den jungen, muskulösen Mann mit Sonnenbrille vor sich sah. Und bevor er überhaupt etwas antworten konnte, hatte dieser sich auch schon zu ihm gesetzt.
Ihn jetzt noch abzuweisen wäre wohl ziemlich unhöflich und etwas, dass Milo einfach nicht übers Herz bringen konnte, weshalb er - immer noch leicht überfordert - mit: "N-natürlich.", antwortete.
Aber dann entwich ihm ein verwirrtes "Huh?", als er direkt auf den Manga angesprochen wurde, welchen er in seiner Hand hielt. Er blinzelte erneut und erst dann verstand er, was gemeint war.
Seine Wangen färbten sich rot und hastig klappte er den besagten Manga wieder zu. Warum ihm das so peinlich war? - nun... das war bei Milo wohl schwer zu sagen.
Er haderte - wusste zunächst nicht was er sagen sollte und entschied sich dann dafür schwach zu nicken. "J-ja... aber weißt du den, um was es in dem Manga geht?", fragte er und musterte den jungen Mann erneut. Dieser wirkte auf den Eiskunstläufer nicht gerade wie ein typischer Yaoi-Leser...
Milo wusste nicht wirklich wie er sich verhalten sollte... auf dem Eis war er selbstbewusst, in seinem Element und ganz der soziale Schmetterling, wie ihn die Öffentlichkeit kannte.
Doch im Privatleben? War er schüchtern und schnell überfordert Gespräche mit Fremden zu führen.
"... mh? Geht es denn nicht um einen aufsteigenden Schauspieler, der sich bei seinem neuen Film mit dem neuen, jüngeren, stoischen Investor auseinander setzen muss? Er beschwert sich über die plötzlichen Änderung, die beiden streiten ein bisschen, kommen sich näher und... nunja... Du weißt schon.", wies James mit einem vielsagenden Lächeln auf das Cover des Mangas, wo sich die Beiden Arm in Arm lagen und ganz verliebt anstarrten.
Und sicherlich mehr tun würden, als sich nur zu küssen.
Er musste schon sagen diese Seite von Milo amüsierte ihn. So kannte er den sozialen Schmetterling gar nicht.
Vor ein paar Stunden hatte er sich noch mit ihm unterhalten, als wären sie lange Freunde und nun... haderte er. Wirkte unsicher. Sah ihm gar nicht erst in die Augen.
Wie furchtbar niedlich... Ob er diesen Milo wohl einfach mit nach Hause nehmen dürfte?
Milo konnte nicht anders, als den Anderen verblüfft anzuschauen. Wenn er ganz ehrlich war, hatte er nicht geglaubt, dass sein Gegenüber tatsächlich den Inhalt des Mangas kennen würde.
Er folgte dessen Blick auf das Cover und errötete erneut, als er - leider viel zu schnell verstand-, worauf angespielt wurde.
Hastig stopfte er den Manga zurück in seinen Rucksack, um weitere – für ihn – peinliche Momente zu vermeiden. Aus den Augen, aus dem Sinn, wie man so schön sagte, oder?
„J-ja, genau.“, bestätigte er schließlich und hob seinen Blick wieder an. Erst jetzt wurde ihm etwas so richtig bewusst, was ihn seine Stirn in Falten legen ließ. „Sag mal... warum hast du eigentlich eine Sonnenbrille auf? Draußen scheint doch die Sonne gar nicht... und wir sind in einem 7-Eleven… ist mit deinen Augen alles in Ordnung?", fragte er, und schon kam die bekannte Fürsorge hervor, die man von Eiskunstläufer-Milo kannte.
James konnte nicht anders als zu lächeln. Erst las er einen solchen Manga in der Öffentlichkeit und dann war es ihm plötzlich peinlich, wenn ihn jemand kannte? Wenn er ehrlich war, hätte er Milo niemals so eingeschätzt.
Er hätte erwartet, dass der Eiskunstläufer jemand war, der mit leuchtenden Augen über die Dinge sprach die er mochte. Selbst wenn es Yaoi Mangas waren.
Er beugte sich ein wenig weiter nach vorne, beäugte das Gesicht des anderen - das gute an einer Sonnenbrille war, dass niemand wusste, wohin man sah.
"... mh? Oh... meine Augen sind etwas lichtempfindlich. Deshalb die Sonnenbrille.", hatte sich der größere Selbstverständlich bereits eine passende Ausrede ausgedacht und zeigte dabei auf die Lampen über ihnen. Hell genug für lichtempfindliche Augen waren sie alle mal.
Auch wenn es ihn ein wenig verwunderte, dass die Sonnenbrille wirklich half nicht erkannt zu werden.
Wahrscheinlich hatte er ihn schlicht und einfach vergessen. So viele Fans wie der Ältere mittlerweile hatte.
"Ach ja, wie heißt du eigentlich? Ich bin James. Und du hast mir noch immer nicht gesagt, ob du den Manga empfehlen kannst.", konnte er sich das neckende Grinsen nicht verkneifen und hielt ihm die Hand entgegen.
Dann musste er sich nur noch etwas ausdenken um elegant nach seiner Nummer zu fragen...
„Ah, verstehe.“, nickte der Sportler und kaufte die Ausrede sofort ab, ohne sie auch nur einen einzigen Moment zu hinterfragen. Menschenkenntnis war wohl nicht gerade seine Stärke...
Dennoch konnte er es sich nicht nehmen lassen, seine Augen noch einmal über das Gesicht und die Sonnenbrille des Anderen wandern zu lassen.
Er erkannte ihn nicht – er erkannte nicht, dass es sich hier um den Fan von der heutigen Autogrammstunde handelte. Und das alles nur wegen einer einzigen Sonnenbrille.
Auch als er nach seinem Namen gefragt wurde, zögerte er keinen einzigen Augenblick. Auf seiner Universität war er ebenfalls unter seinem echten Namen angemeldet, doch da kannte sich wohl keiner mit dem Eiskunstlaufsport aus, weshalb er dort noch nicht einmal auf seine Karriere angesprochen wurde.
„Milouard. Aber bitte nur Milo.“, sagte er und nickte, als der Andere ebenfalls seinen Namen nannte. James? Irgendwo hatte er den Namen doch heute schon einmal gehört, oder? Huh...
Als erneut der Manga zum Thema wurde, errötete er und zog leicht verwirrt seine Augenbrauen zusammen, als James ihm die Hand entgegenhielt. Was wollte er? Wollt er etwa... den Manga haben? „Mh… ja, ist gut.“, murmelte er und sah wieder auf die entgegengestreckte Hand. „Was denn…?“
Ahhh. Da war er. Dieser Name. Milouard. Milo. Sein Milo. Spätestens jetzt war er sich sicher, dass er sein Idol endlich gefunden hatte. Jackpot.
Ob er hier irgendwo in der Nähe wohnte?
Er konnte sich das breite Grinsen einfach nicht verkneifen.
"... mh? Oh... ich wollte nur deine Hand schütteln? Du weißt schon? Macht man das nicht so zum kennen lernen?", erwiderte er amüsiert. Dabei war es ihm zuvor so leicht gefallen so viele fremde Hände zu schütteln.
"Ich hätte aber auch nichts dagegen diesen Schritt zu überspringen und du kannst mir gleich deine Nummer geben.", zog er leicht die Sonnenbrille herunter um ihm kurz zuzuzwinkern, "Falls ich noch mehr Manga Recommendations gebrauchen kann."
Und wie er es gebrauchen kann.
Das war wohl der Moment, in dem Milo seine komplette Existenz hinterfragte. Sein Gesicht nahm ein tiefes Rot an und es grenzte an ein Wunder, dass seine Brillengläser vor lauter Scham nicht beschlugen. „O-oh, na natürlich.“, antwortete er mit einer etwas zu hohen Stimme und ergriff dann James’ Hand, bevor er sie hastig schüttelte.
Doch dann... erstarrte er und blickte James überrascht an. „Meine Nummer?“, fragte er überrascht.
Niemals würde er einfach so jemand Fremdem seine Nummer geben, aber... es ging hier ja nur um Manga-Empfehlungen... dann war es doch in Ordnung, oder? „Nun... na gut.“, sagte er schließlich und holte sein Handy aus seiner Hosentasche, um James einen QR-Code hinzuhalten, mit welchem er direkt seine Nummer zu seinen Kontakten hinzufügen konnte. „Ich schick dir später dann ein paar Empfehlungen... spielst du auch Videospiele?“, fragte er und schob seine Brille hoch, als diese ein wenig heruntergerutscht war.
James zog die Augenbrauen hoch als es dann doch... zu einfach war. Ohne zu zögern gab Milo ihm einfach seine Nummer. Natürlich zögerte er ebenfalls nicht sein Handy zu zücken und den QR Code zu scannen um Nummern auszutauschen.
Videospiele? Und ob er das tat. Ab heute.
"Ich nehme an du kennst ein paar gute?", wurde das Milo Clips bingen wohl verschoben. Wobei, er kann diese sicherlich nebenbei laufen lassen.
"Was machst du eigentlich sonst so, außer Mangas Lesen und Videospiele spielen?", wollte er möglichst alles über den anderen Wissen.
Kaum hatte die Frage James’ Lippen verlassen, begannen Milos Augen förmlich zu glitzern.
Er nickte hastig und beugte sich etwas vor. „Kennst du Final Fantasy? Oder besser gesagt Final Fantasy XIV? Das Online-MMORPG? Das Spiel ist ein Meisterwerk mit seinen ganzen Erweiterungen! Bald kommt die neueste Erweiterung „Evercold“ raus! Shadowbringers und Endwalker waren die Besten. Durch A Realm Reborn muss man sich ein wenig quälen, aber danach kommt Heavensward mit Drachen! Ich liebe Drachen! Mein Main ist übrigens ein Heiler. Ein Druide, um genauer zu sein, der später zum Weißmagier wird. Oh, und ich spiele einen Miqo’te. Das sind Katzenmenschen! Aber bei deiner Größe würde am besten ein Au Ra zu dir passen. Und definitiv ein Tank. Aber weißt du, was witzig wäre? Wenn du einen Lalafell spielst! Gerade, weil es bei dir so gar nicht passen würde! Willst du in meine Freie Gesellschaft kommen? Ich habe selbst eine gegründet, die auf Der Herr der Ringe anspielt!-“, plapperte er plötzlich ohne Punkt und Komma los, ohne auf die zweite Frage vorerst einzugehen.
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