Götterdämmerung im Neonlicht [Codren&Rambow]

    • Der schimmernde Kristall in Freyas Hand schien die verbliebene Wärme des Raumes regelrecht aufzusaugen. Während die dunkle, wabernde Essenz im Inneren des Ankers wie ein gefangener Nebel pulsierte, fühlte Freya das gewaltige Gewicht dieses kleinen Objekts. Es war nicht bloß ein Artefakt; es war Coras Existenz auf der Erde, ihre Fessel an die Sterblichenwelt.
      Freya passte ihre Haltung schlagartig an. Trotz des dröhnenden Lärms, der noch immer durch die geschlossene Holztür drang, und der spürbaren Erschöpfung in ihren eigenen Gliedern wich die Anspannung aus ihren Muskeln nicht. Ihre Knöchel traten weiß hervor, als sie den Kristall mit der linken Hand umschloss und die Finger so ausrichtete, dass ein einziger gezielter Druck ihrer göttlich verstärkten Muskeln genügen würde, um das kristalline Gefäß in tausend scharfe Splitter zu zermalmen. In ihrer rechten Hand hielt sie das Langmesser weiterhin griffbereit, die dunkle Klinge noch immer benetzt mit dem zähflüssigen Sekret der deaktivierten Leiche.
      Ihre Blicke trafen sich mit denen von Cora. Die Dämonin stand reglos da, die Schrotflinte noch immer leicht angehoben, doch die Bedrohung war gebrochen. Freya las die eiskalte Berechnung in den dunklen Augen des Scheusals: Der Verlust des Ankers bedeutete die sofortige, qualvolle Verbannung in die tiefsten Abgründe der Hölle, wo ein Dämon ohne irdischen Stützpunkt der Willkür noch mächtigerer Entitäten ausgeliefert war.
      Der Name *Niram Mortom* hallte in Freyas Gedächtnis nach, eingebrannt wie ein Stempel. Ebenso die Erwähnung des nordischen Gottkönigs der List. Loki. Wenn das Siegel auf der Schatulle tatsächlich göttlicher Natur war und mit Blutmagie verwoben wurde, änderte das die Spielregeln der gesamten Jagd fundamental. Es war kein gewöhnlicher Raub eines niederen Dämonenhändlers mehr; es war eine schmutzige Verstrickung zwischen der Unterwelt und den alten Reichen, genau jene Art von Katastrophe, vor der die Archive der Gilde seit Jahrhunderten warnten.
      Freya bewegte sich keinen Millimeter zu schnell. Mit einer fließenden, hochkonzentrierten Bewegung ließ sie den Kristall in der tiefen, geschützten Innentasche ihrer schweren Jacke verschwinden. Ihre Finger blieben jedoch ganz in der Nähe des Stoffs, einsatzbereit für den Fall, dass Cora doch noch einen verzweifelten Selbstmordversuch wagen sollte.
      Sie trat einen Schritt an der reglosen Leiche vorbei, die nun wie ein Haufen wertlosen Unrats auf den blutverschmierten Dielen lag. Freyas Stiefel hinterließen dunkle Abdrücke auf dem Holz. Sie warf einen kurzen, fachmännischen Blick auf die beschlagene Hintertür des Raumes. Ein schwerer Eisenriegel war an der Innenseite angebracht – der perfekte Schutz, um das wütende Chaos der Bar auszusperren und sich einen ungestörten Rückzug zu sichern.
      Ohne Cora auch nur für den Bruchteil einer Sekunde aus den Augen zu lassen, glitt Freya seitlich zur Tür. Ihre linke Hand griff nach dem massiven Eisenriegel und schob ihn mit einem lauten, metallischen *Klack* vor die Verankerung. Damit war der direkte Weg für die wütenden Meuten im Schankraum versperrt.
      Anschließend schob sie das Langmesser mit einer eleganten Drehung zurück in die Halterung an ihrem Unterarm. Der Mechanismus rastete sauber ein. Freya wandte sich nicht um, um die hintere Fluchttür zu prüfen, die zweifellos in die dunklen Versorgungstunnel der Stadt führte – sie wusste, dass solche Lokalitäten immer einen Notausgang besaßen.
      Ihre Miene war wieder zu jener unnahbaren, kühlen Maske erstarrt, die sie schon zu Beginn des Abends getragen hatte. Die Schrammen an ihren Armen und die Hitze der vergangenen Minuten zeigten kaum Wirkung auf ihre Körperhaltung. Sie stand aufrecht da, die Schultern breit, die Augen wie zwei Stücke geschliffenes Eis, bereit, diesen Ort zu verlassen, bevor die Magie des Dämonenrauches in ihrer Lunge vollends nachließ und die verbliebenen Kreaturen draußen ihren wahren Geruch wittern konnten.
      Freya legte die Hand an den Griff des hinteren Ausgangs, bereit, den Weg in die Dunkelheit einzuschlagen, und wartete nur noch auf das Signal zum Aufbruch.
    • Nora warf einen letzten Blick auf Cora.
      "Wenn du uns folgst, verfüttere ich deinen Anker an die Hunde."
      In den Augen der Dämonin stand ein solcher Hass geschrieben, dass es Nora für einen Moment fröstelte. Sie dachte an Mammon und wandte schnell den Blick ab. Jetzt nichts wie abhauen.
      Sie gab Freya das Signal und die schob sich sofort durch die Tür an der hinteren Wand. Sie landeten in einem tiefschwarzen Tunnel.
      "Schnell", sagte Nora, kaum war die Tür hinter ihnen zugefallen, und rannte bereits los. "Sie wird uns ihre ganze Sitte auf den Hals hetzen. Wir müssen den Anker ins Antiquariat bringen, dann sind wir sicher."
      Ihre schwarzen Augen fanden sich in der Dunkelheit zurecht, geprägt von der Finsternis der Hölle. Sie führte Freya um die nächste Biegung und dann die Treppe nach oben. Sie traten in die nächtliche Straße hinaus.
      "Wo ist dein Wagen?"
      Diesmal lief sie Freya hinterher, warf sich auf den Beifahrersitz und nahm ihre Waffe zur Hand. Sie sah sich nicht nur nach der Bar um, sondern auch in alle anderen Richtungen. Cora würde ihre Hunde schon längst alarmiert haben und das nicht nur in der unmittelbaren Umgebung. Besser, sie machten sich auf einen schnellen Heimweg.
      Insgeheim musste Nora grinsen. Die allseits gefürchtete Takash, gefasst von den betrügerischen Händen Khaxhius. Die Nachricht würde sich durch die Hölle verbreiten wie ein Lauffeuer. Umso mehr Einfluss für Khaxhiu.
      Freya parkte den Wagen und Nora schob sie durch die Tür hinein. Ein Blick genügte um zu sehen, dass die Runen alle noch saßen und niemand die Tür präpariert hatte. Womöglich hatten ihre Geschwister noch nicht mitbekommen, dass Reese gestorben und Nora ein anderes Geschäft aufgemacht hatte.
      Sie ging nach oben und ließ sich von Freya den Anker geben. Sie warf ihn in den Tresor zu den anderen Ankern, dann schloss sie ihn gründlich ab und lehnte sich dagegen. Mit einem Mal wich sämtliche Anspannung von ihr und sie seufzte tief.
      "Verflucht, das war knapp gewesen. Das war wirklich gottverdammt knapp gewesen."
      Sie blies sich eine locker herunterhängende Strähne aus dem Gesicht. Ihre Haare hatten sich irgendwann in der Rauferei halb gelöst, ihr Oberteil war voll von Blut - nicht nur ihrem eigenen - und auf ihrem Hals prangte ein schwarzer Händeabdruck, wo Takash sie gepackt und beeinflusst hatte. Sie fühlte sich immernoch zittrig; sie würde bald wieder einen Handel abschließen müssen, wenn sie wieder zu Kräften kommen wollte. Besser noch am nächsten Tag.
      "Ich brauch erstmal was zu trinken. Willst du auch was? Ich hab Bier da."
      Sie ging zu ihrem Kühlschrank und beförderte eine Flasche zutage. Die hob sie Freya fragend entgegen.
      "Auf eine erfolgreiche Jagd, oder wie man das bei euch so sagt?"
    • Die Kälte der Fahrertür schien Freya noch immer in den Knochen zu stecken, als sie den Schlüssel aus der Zündung zog. Die Fahrt durch die nachtgrauen Straßen der Stadt war ein stummes Spektakel gewesen – abgespielt in rasender Geschwindigkeit, den Blick ständig im Rückspiegel, bereit für jene Schatten, die Cora ihnen ganz sicher an die Fersen geheftet hatte. Doch die saubere Magie der Schutzrunen an der Tür des Antiquariats schirmte sie ab. Als der Riegel von innen ins Schloss fiel, wich die unmittelbare Gefahr der Unterwelt langsam der stillen, staubigen Atmosphäre des Raumes.
      Freya hatte den kristallinen Anker ohne ein Wort des Zögerns ausgehändigt. Dass er nun im Tresor ruhte, umworben von der Dunkelheit eines massiven Verstecks, änderte nichts an der Brisanz des Fundes. *Niram Mortom. Loki. Blutmagie.* Das waren Variablen, die das Gefüge ihrer gesamten Mission ins Wanken bringen konnten. Doch für den Augenblick galt es, den Staub eines Nahkampfs abzuschütteln, der sie beide fast das Leben gekostet hätte.
      Als Nora die Flasche Bier aus dem Kühlschrank zog und sie ihr entgegenhielt, ging Freya nicht sofort auf den beiläufigen Trinkspruch ein. Sie trat heran und nahm die grüne Glasflasche entgegen. Die Bewegung war fließend, fast beiläufig, doch statt an der Flasche zu trinken, stellte sie das Bier ohne ein weiteres Wort auf dem hölzernen Beistelltisch ab. Das dunkle Eisen des Verschlusses klirrte leise auf dem Holz.
      Dann machte Freya einen Schritt nach vorn.
      Der Abstand zwischen ihnen schrumpfte augenblicklich. Der kühle, leicht metallische Geruch der Jägerin – vermischt mit dem verbliebenen Schleier des Rauchs und dem Schweiß des Kampfes – schob sich in Noras unmittelbare Nähe. Freya war groß, ragte über sie hinaus, und ihre Präsenz im Raum fühlte sich plötzlich nicht mehr wie die einer kühlen Zweckgefährtin an, sondern wie die einer beobachtenden, unbarmherzig aufmerksamen Kraft.
      Ihre Augen – kalt, klar und frei von jeglicher Täuschung – wanderten fachmännisch über Noras Gestalt. Die Jägerin betrachtete nicht das zerrissene Top oder die Haare, die sich aus dem Halt gelöst hatten. Ihr Blick fixierte mit scharfer Präzision die Verletzungen. Da war die feuchte, dunkle Stelle am Bauch, wo die Schrotladung Coras die Schutzrunen zerfetzt und das Fleisch gezeichnet hatte, und vor allem der pechschwarze, unnatürliche Händeabdruck an Noras Hals, den Takashs dämonischer Griff hinterlassen hatte. Die Ränder dieser Druckstelle schimmernten noch immer in einem schwachen, giftigen Ton aus Höllenenergie.
      Freya hob die Hand. Ihre Finger blieben millimeterweit vor der Haut am Hals stehen, ohne Nora direkt zu berühren, doch die Wärme ihrer Handfläche war auf den strapazierten Nerven deutlich spürbar.
      „Du siehst übel aus“, sagte Freya. Ihre Stimme war ruhig, tief und frei von dem Spott, den sie unten in der Bar aufgesetzt hatte. Es war die Stimme einer Frau, die gewohnt war, tiefen Wunden ins Auge zu sehen und pragmatische Entscheidungen zu treffen. „Coras Schrotflinte hat nicht nur deinen Stoff erwischt. Und das Mal an deinem Hals ist dämonische Rückkopplung. Es zerrt an deiner Substanz.“
      Sie zog die Hand langsam zurück, ließ die Aufmerksamtkeit jedoch nicht von Noras Gesicht weichen.
      „Ich habe Verbandszeug in meiner Ausrüstung. Salben für magische Verbrennungen, Silberstreifen zum Reinigen der Wunden“, fuhr Freya fort. Die Kälte in ihren Augen wich einer fokussierten Ernsthaftigkeit. „Ich kann dich verarzten, wenn du mich lässt. Oder sag mir, was du brauchst. Ein Pakt? Energie? Sag mir, wie ich dir helfen kann, damit du mir auf dem Weg zu Mortom nicht verreckst.“
      Es lag keine falsche Mitleidigkeit in ihren Worten, sondern ein glattes, direktes Angebot. Freya wartete nicht ab, ob Nora peinlich berührt abwandte oder sich stark redete. Sie hatte gesehen, wie die Dämonin im Getümmel gefallene Tore geschlossen, Kugeln abgefangen und sich gegen die Finsternis von Mammon gestemmt hatte. Das war kein Zeichen von Schwäche – es war die Realität eines Schlammschlachts in der Hölle.
      Nach einer kurzen Pause, in der sie Noras Reaktion schweigend aufnahm, trat Freya einen Schritt zurück. Der Raum zwischen ihnen dehnte sich wieder aus, doch die Spannung war keineswegs gewichen.
      „Ich gehe duschen“, verkündete Freya beiläufig, ganz so, wie sie es in dem Brief auf dem Tisch angekündigt hatte. Es klang weder wie eine Bitte noch wie eine Provokation, sondern wie die schlichte Feststellung einer Notwendigkeit. Der Gestank von Verwesung, billigem Rauch und Blutspritzern klebte an ihrer Haut.
      Sie wandte sich ab, schnappte sich ihre kleine Reisetasche, die sie vor der Aktion im Flur abgestellt hatte, und schlenderte mit getragenen, langsamen Schritten in Richtung des angrenzenden Badezimmers. Vor der Tür hielt sie noch einmal kurz inne. Die Jacke glitt von ihren breiten Schultern und offenbarte die darunterliegenden Narben und die engen Stoffschichten, die ihren Körper umspannten. Sie warf einen Blick zurück über die Schulter, die Augen leicht verengt, der Blick abwartend.
      Sie ließ die Badezimmertür weit offen stehen. Keineswegs aus Nachlässigkeit, sondern als stummes Gedankenspiel. Das Rauschen des Wassers setzte wenige Sekunden später ein, als Freya die Armaturen aufdrehte. Dampf begann langsam aus der Öffnung des Türrahmens in den kühlen Flur zu quellen.
      Freya gab Nora die Wahl. Die Worte aus dem zerrissenen Brief – die ehrlichen Worte über Grenzen, Anziehung und das ständige Ausfechten von Macht – hingen unsichtbar im Raum. Der heiße Wasserstrahl prasselte drinnen auf die Fliesen, und Freya stand unter der Brause, wusch sich den Staub der Unterwelt von den Schultern und überließ es ganz Noras Verstand und Noras Begehren, ob sie draußen bei ihrem Bier blieb – oder den Schritt durch den Nebel wagte.
    • Freya kam zu ihr und nahm ihr das Bier ab, trank aber nicht. Stattdessen stellte sie es ab und trat noch ein Stück näher, bis sie Noras ganze Nähe ausfülte.
      Nora sah misstrauisch zu ihr auf. Wenn die Jägerin jetzt wieder Grenzen testen wollte, hatte sie sich eindeutig geirrt. So kurz nach einem Kampf hatte Nora keine Nerven dafür, das Versuchskaninchen zu spielen. Sie kniff die Augen zusammen.
      Freya streckte die Hand nach ihr aus, nach ihrem Hals. Nora dachte an die Implantate und den Schmerz der letzten Berührung und fing ihre Hand am Handgelenk ab.
      „Du siehst übel aus“, stellte Freya fest.
      "Mhh. Du hast auch schon nettere Dinge zu mir gesagt."
      „Coras Schrotflinte hat nicht nur deinen Stoff erwischt. Und das Mal an deinem Hals ist dämonische Rückkopplung. Es zerrt an deiner Substanz.“
      Nora runzelte nur kurz die Stirn.
      "Du kennst dich erstaunlich gut aus." Ihre Zähne blitzten in einem Grinsen auf. "Wer ist dein Informant? Ich müsste mal ein ernstes Wörtchen mit ihm reden, darüber, was man Jägern so alles erzählen sollte und was nicht."
      Freya ging nicht auf die Stichelei ein und Nora hatte auch nicht damit gerechnet, dass sie das tat. Dafür war die Frau viel zu gefasst und kontrolliert, ein perfektes Exemplar für die so gefürchtete Gilde.
      Sie nahm ihre Hand zurück und Nora ließ sie.
      „Ich habe Verbandszeug in meiner Ausrüstung. Salben für magische Verbrennungen, Silberstreifen zum Reinigen der Wunden. Ich kann dich verarzten, wenn du mich lässt. Oder sag mir, was du brauchst. Ein Pakt? Energie? Sag mir, wie ich dir helfen kann, damit du mir auf dem Weg zu Mortom nicht verreckst.“
      "Ich werde schon nicht sterben, Hübsche." Obwohl es rührend war, wie viel Gedanken sie sich machte. "Morgen hole ich mir eine frische Seele und dann bin ich wieder ganz die Alte. Oh, und mach dir keine Gedanken darüber."
      Sie legte den Kopf ein wenig mehr in den Nacken, um Freya mit einem Funkeln in den Augen anzusehen.
      "Ich werde niemanden umbringen. Ich werde niemanden in den ewigen Flammen schmoren lassen. Ich erfülle den Menschen einfach nur ihre niedrigsten Gelüste und sie bezahlen dafür mit ihrer Seele. Keinem wird dabei etwas zu Schaden kommen."
      Freya ließ nicht erkennen, was genau sie davon hielt. Begeistert konnte sie nicht sein, mit ihrem jägerischen Beschützerinstinkt und allem, aber auf der anderen Seite musste ihr bewusst sein, dass sie den Namen niemals ohne Noras Hilfe hätte erhalten können. Es war eine Zweckgemeinschaft, vorübergehend, und in dieser Zeit musste sie Nora wohl oder übel gewähren lassen. Was hinterher geschah, wenn sie einmal herausgefunden hatte, wessen Tochter sie war, das war ein Problem für die Zukunft. Nora würde herausfinden müssen, wie sie sich gegen eine Halbgöttin wehren konnte.
      Freya trat schließlich einen Schritt zurück. Ihre Miene war noch immer verschlossen, als sie sagte:
      „Ich gehe duschen.“
      Sie nahm sich ihre Tasche und ging, Noras Blick in ihrem Rücken. Für die wenigen Sekunden, die sie ihr hinterher sah, hatte sie ein ganz merkwürdiges Déja-vu zum Vormittag. Wirklich merkwürdig.
      "Okay, Baby."
      Sie selbst öffnete die Bierflasche und kippte sich die Hälfte in einem großen Schluck herunter. Alkohol hatte bei ihr nicht dieselbe Wirkung wie bei Menschen, aber es tat seinen Zweck.
      "Okay."
      Sie sah sich zum Badezimmer um, dessen Tür weit offen stand. Von drinnen kam das Geräusch raschelnder Kleider heraus und kurz darauf das prasselnde Wasser. Nora lauschte für ein paar Sekunden, dann rümpfte sie die Nase. Verfluchte Frau. Scheiß verfluchte Frau.
      Sie ging ihr nicht gleich nach, sondern bediente sich erst an dem Verbandszeug, das Freya erwähnt hatte. Sie zog sich das zerrissene Top vom Kopf und ließ es in Flammen aufgehen, bevor sie an sich hinab starrte. Ihr Oberkörper war voll von dämonischem Blut, aber die Wunden selbst waren nicht sehr groß. Nora fuhr mit den Fingern darüber und pulte ein bisschen in einem der Löcher, die das Schrot geschlagen hatte. Sie würde das Metall rausfischen müssen und darauf warten müssen, dass sie am morgigen Tag ihre Seele bekam. Sie seufzte und machte sich ans Werk.
      Als sie ihren Oberkörper verarztet und verbunden hatte, lauschte sie noch einmal und hörte das laufende Wasser. Ob Freya absichtlich auf sie wartete? Nein, sie wusste schließlich nicht, ob Nora den Brief überhaupt schon gesehen hatte. Ob sie darauf hoffte? Wollte Nora das?
      Sie schaute finster zum Badezimmer, dann stand sie schließlich auf. Sie ging hinüber, lautlos mit ihren nackten Füßen auf dem Boden, und schob sich durch den Türrahmen hinein. Drinnen war es bereits warm und feucht, ein feiner Dunst, der den Spiegel beschlagen ließ und auf den Wänden glitzerte. Ihre Hose trug sie noch, einigermaßen unbeschadet bis auf ein paar Blutsspritzer, aber noch zog sie sie nicht aus. Sie lehnte sich mit dem Rücken an die Wand, überkreuzte die Beine und wartete. Beobachtete. Sah zu, wie sich der Schatten von Freyas Gestalt unter der Dusche räkelte, ohne ihre Anwesenheit zu bemerken. Wartete.
      Als das Wasser schließlich verklang und Freya herauskam, legten sich ihre hellen Augen sofort auf Nora. Nora im Gegenzug sah zurück, sich bewusst darüber, wie Freyas großer, fantastischer Körper von dem Wasser funkelte, wie ihr die Tropfen über die Brüste, die Hüfte, die Scham rollten. Sie bedeckte sich auch nicht mit einem Handtuch, die verdammte Frau, natürlich nicht. Sie stand da und ließ sich von Nora betrachten, wie eine Falle, die darauf wartete, dass die Beute zu ihr kam.
      Und Nora stieß sich von der Wand ab und kam zu ihr. Sie kam ihr so nahe, bis ihr Freyas aufsteigende Wärme entgegenschlug und sah erst einmal nach unten, Freyas langen Körper entlang, bevor sie nach oben sah. Ein feines Lächeln schlich auf ihre Lippen.
      "Es tut dir also leid, wie unser Spiel heute Morgen ausgegangen ist, hmm?"
      Sie neigte den Kopf ein wenig auf die eine Seite, die Hände hinter dem Rücken verschränkt.
      "Kleine Freya, die sich bei einer Dämonin entschuldigt. Was würden nur deine Geschwister dazu sagen? Aber ich will dir vergeben, zum Preis deines Körpers. Aber oh..." Sie machte ein ganz übertriebenes, enttäuschtes Gesicht. "Du bist ja jetzt schon sauber. Es wäre doch eine Schande, wenn ich dich wieder schmutzig machen würde, oder, Freya, Hübsche?"
      Sie streckte die Hand nach ihr aus, besudelt mit ihrem Blut. Sie ließ die Fingerspitzen über Freyas Hüfte geistern, nur der Hauch einer Berührung. Sie spürte die erhitzten Wassertropfen überdeutlich.
      "Sieh dich nur an, so eine saubere, glänzende Frau und ich eine schmutzige, schmutzige Dämonin. Du wirst warten müssen, bis ich genauso sauber bin wie du. Aber oh, das wird lange dauern bei all dem Blut. Wie schade das ist..."
      Nora grinste jetzt offen. Vielleicht wollte sie ausnahmsweise auch einmal Grenzen austesten, wenn sie schon dabei waren.
    • Das Rauschen des Wassers füllte den Raum mit einer dicht eingehüllten, feuchten Wärme, während der Wasserdampf in dicken Schwaden von der Decke herabstieg. Inmitten dieser feuchten Kaskade, das Haar vom Wasser schwer an den Rücken geschmiegte Tropfen ziehend, stand Freya. Sämtliche Härte, die kühle Distanz der Jägerin und das spöttische Grinsen, das sie noch vor wenigen Stunden in der finsteren Bar getragen hatte, schienen mit dem Dreck der Unterwelt schlichtweg den Abfluss hinabgespült worden zu sein.
      Als Nora das Wort ergriff, ihre Finger spöttisch und kaum spürbar über die erhitzte Hüfte der Jägerin glitten, regte sich in Freyas Zügen kein Funken von Ärger. Kein Zucken, kein Widerwort. Stattdessen glitt ein Lächeln über ihre Lippen – ein echtes, tiefes und unendlich liebevolles Lächeln, das völlig ohne jede Maskerade auskam. Es war ein Ausdruck purer, ehrlicher Zuneigung, den die Welt da draußen vermutlich niemals von einer Kriegerin der Gilde zu sehen bekommen würde.
      Freya wartete nicht ab, bis Nora das spöttische Spiel mit den Grenzen weiterführen konnte. Mit behutsamer, aber unwiderstehlicher Langsamkeit hob sie die Hand. Sollte Nora es zulassen, schlossen sich Freyas feuchte, warme Finger sanft an die Kontur von Noras Wange. Die Daumenbeere strich hauchzart über die erhitzte Haut der Dämonin, wischte eine nasse Strähne beiseite und verweilte dort, als gäbe es nichts Kostbareres auf dieser Welt als den feinen Puls, der darunter schlug.
      „Lass mich dich schmutzig machen, schmutzige kleine Dämonin“, raunte Freya, ihre Stimme ein tiefes, samtenes Schnurren, das im Dröhnen der Brause beinahe unterging. „Und dann putze ich jedes einzelne Bisschen wieder von dir ab.“
      Sacht, ohne jede Eile, schloss Freya die verbliebene Distanz zwischen ihren Körpern. Sie legte ihre Lippen auf die von Nora – ein Kuss so unsagbar zärtlich, so vorsichtig und voller Hingabe, dass der Kontrast zu der Gewalt der vergangenen Stunden kaum greifbar war. Es war kein kühles Austesten von Macht mehr, sondern eine sanfte, fast schon reverenzielle Berührung, die jegliche Rüstung zwischen ihnen schmelzen ließ.
      Während ihre Lippen miteinander verschmolzen, schlangen sich Freyas starke, nasse Arme fest um Noras Oberkörper. Sie zog die Dämonin an sich, schob ihren nackten, von warmem Wasser glänzenden Körper unweigerlich an den blutbesudelten, gezeichneten Leib von Nora. Das kalte, getrocknete Blut und der Schmutz der Hölle rieben sich an Freyas nasser Haut ab, doch die Jägerin kümmerte es nicht im Geringsten. Sie schloss die Augen, genoss das ungleiche Reiben ihrer Körper und den Herzschlag, der wild in Noras Brust hämmerte.
      Mit fließenden Schritten zog sie Nora weiter unter den wärmenden Strahl der Brause. Das heiße Wasser traf sie beide mit voller Wucht, prasselte auf Noras Schultern und begann sofort, die dunklen Krusten aus Blut und Staub aufzulösen. Das Wasser färbte sich zu ihren Füßen leicht rosa, als es über die Fliesen dem Abfluss entgegentrieb.
      Freya löste den Kuss nur um Haaresbreite, sah Nora mit einem Blick an, der vor sanfter Wärme glühte, und trat eine Stufe zurück.
      „Sieh nur, wie leicht sich die Hölle abwaschen lässt, wenn man sie nur lässt“, flüsterte Freya leise. Ihr Atem traf warm auf Noras nasse Lippen.
      Langsamer als zuvor gleitete Freya nach unten. Sie kniete nieder, unbeeindruckt von dem warmen Wasser, das ihr über das Gesicht und den Rücken rann. Ihre Hände fanden den Bund von Noras durchgefeuchteter Cargohose. Die geschickten Finger der Jägerin, die eben noch Klingen geführt hatten, öffneten den Verschluss mit behutsamer Präzision. Sie streifte die schwere, nasse Hose ab, zieht sie über die Stiefel hinweg und beiseite, bis Nora völlig ungeschützt vor ihr stand.
      Ihre Handflächen legten sich an Noras Oberschenkel. Die Haut dort war warm, zitterte leicht unter der Hitze des Wassers und der Berührung. Freya begann, den Körper der Dämonin langsam und mit voller Bedachtsamkeit zu erkunden. Ihre Hände wanderten höher, strich über die feuchten Konturen, tasteten die Muskeln ab, spürten die feinen Narben und die Stellen, an denen die Hölle ihre Spuren hinterlassen hatte.
      „So viel Schmerz... so viel Stärke“, kommentierte Freya leise aus der Hocke heraus. Ihre Stimme klang wie ein warmes Echo im dampferfüllten Raum. Ihre Lippen folgten ihren Händen, setzten sanfte, heiße Küsse auf die nasse Haut an Noras Hüfte, strachen weiter hinauf zu den Rippen, wo die Schrotladung spürbare Spuren hinterlassen hatte.
      „Hier hat dich Cora erwischt“, raunte Freya und presste die Lippen direkt auf die empfindliche, gerötete Stelle am Bauch. „Aber das Eisen hat deine Macht nicht gebrochen. Du hast gekämpft wie eine Göttin, Nora. Eine wunderschöne, schreckliche Göttin.“
      Freya wanderten mit den Händen weiter hinauf, umfasste Noras Taille von hinten und lehnte ihre Stirn für einen kurzen Moment an Noras Bauchraum, um den schnellen Atem der Dämonin einzusaugen. Dann hob sie den Kopf wieder, sah von unten zu Nora auf – die blauen Augen schimmernd durch das herabfallende Wasser, frei von Vorurteilen, frei von der Last ihrer eigenen Gilde.
      „Schau mich an“, bat Freya leise, während ihre Fingerspitzen zärtlich über Noras Hüftknochen strachen. „Keine Spiele mehr für heute Nacht. Kein Khaxhiu, keine Verträge. Nur du und ich unter diesem Wasser. Ich werde jede Wunde säubern, Nora. Jeden Abdruck von Takashs Händen von deiner Haut streicheln, bis nichts mehr von ihrer dunklen Präsenz übrig ist. Nur noch wir beide.“
      Sie verankerte ihre Hände fest an Noras Oberschenkeln, zog die Dämonin noch ein Stück näher an sich heran und vergrub ihr Gesicht sanft an Noras Körper, während das heiße Wasser unaufhörlich über sie beide hinabströmte und die Reste des blutigen Tages vollends in die Dunkelheit wusch.
    • Freya ging nicht auf Noras Necken ein, verfluchte Frau. Dafür verlor Nora auch selbst das Interesse, als die Frau ihre warme Hand an ihre Wange legte.
      „Lass mich dich schmutzig machen, schmutzige kleine Dämonin“, raunte sie und ihre Stimme verursachte wieder dieses angenehme Kribbeln in Noras Rücken. „Und dann putze ich jedes einzelne Bisschen wieder von dir ab.“
      "Hmmm, kein schlechtes Angebot", entgegnete Nora genauso raunend und legte den Kopf weiter zurück, als Freya die letzte Distanz zwischen ihnen überbrückte. "Wieso gibst du mir nicht einen Geschmack darauf?"
      Und das tat sie. Freyas Lippen trafen auf Noras mit einer Weichheit, die im solchen Kontrast zu ihrer sonstigen Härte stand, dass Nora für den ersten Augenblick mit dem Gefühl nichts anzufangen wusste. Sie küsste sie zurück, für einen Augenblick dazu hingerissen, ihre übliche Dominanz durchdringen zu lassen und die Führung des Kusses zu übernehmen. Doch dann drang der Kuss in einer sanften, verführerischen Welle durch ihren Körper und ließ ihre Muskeln erweichen und Nora verzehrte sich gleich nach mehr davon. Sie lehnte sich an Freya, spürte die Nässe ihres Körpers, ließ zu, dass sie ihrerseits die Arme um Nora legte und fester an sich drückte. Es gefiel ihr. Es gefiel ihr sogar sehr. Sie mochte die Sanftheit, mit der Freya sie küsste, als wäre sie selbst nicht viel mehr als ein Mensch. Sie mochte es mehr, als vermutlich gut für sie war. Sie mochte, wie Freya sie an sich hielt, als könne sie nicht genug von ihr bekommen.
      Freya dirigierte sie in die Dusche zurück und warmes Wasser prasselte zwischen ihren Körpern hinab. Nora spürte die Wassertropfen kaum, so sehr war sie von dem Kuss eingenommen. Als Freya sich nur ein Stück von ihr löste, sog sie erst die Luft wieder ein. Sie hatte glatt vergessen zu atmen.
      "Schön", raunte sie und fuhr sich mit den Zähnen über die Lippe, wo sie Freyas Nachhall noch immer spüren konnte. Sie wollte es nicht zugeben, aber sie wollte mehr davon.
      „Sieh nur, wie leicht sich die Hölle abwaschen lässt, wenn man sie nur lässt“, flüsterte Freya dafür. Für eine so harte Kämpferin war sie erstaunlich sanft, als sie vor Nora auf die Knie sank und ihr die Hose auszog. Ihre Finger glitten über Noras Beine, behutsam und doch mit Nachdruck, um ein ganz spezielles Sehnen in ihr auszulösen. Nora sah hinab, auf die Jägerin, die vor ihr in der Dusche kniete, und schob ihre Hand in ihre nassen Haare. Der Anblick kam ihr vertraut vor und doch fühlte es sich nicht so an wie die übliche Dominanz, die Nora gewöhnt war. Ja, sie war fast gewillt, sich ihrerseits der Jägerin hinzugeben, die mit einem solchen Selbstbewusstsein vor ihr kniete, als gehöre ihr die ganze Welt. Nora musste dafür nur diese eine, neue Schwäche zulassen.
      „So viel Schmerz... so viel Stärke“, hauchte Freya und Nora schloss für einen Moment die Augen. Ja. Sie versuchte, sich nicht allzusehr gehen zu lassen, und konnte doch nicht verhindern, wie sich die Hitze zwischen ihren Beinen sammelte und sie sich anspannte, wenn Freyas kundige Finger ihren Lippen zu nahe kamen, nur um wieder weiterzustreichen. Ihr sollte das nicht so sehr gefallen. Wieso tat sie es dann?
      „Hier hat dich Cora erwischt.“
      Freya küsste die Schusswunde auf ihrem Bauch und Nora zuckte kurz. Doch der feine Schmerz verblasste bald zu einer viel größeren Erregung, die sich immer mehr in ihr aufstaute.
      „Aber das Eisen hat deine Macht nicht gebrochen. Du hast gekämpft wie eine Göttin, Nora. Eine wunderschöne, schreckliche Göttin.“
      "Mhhh."
      Eine Göttin. Wie sehr der Gedanke ihr zusagte, auch wenn sie ihn nicht wahrhaben wollte. Welcher Dämon träumte schließlich nicht davon, nicht in die Hölle, sondern den strahlenden Olymp zu wandern, wenn es ihm passte? Und wenn gerade Freya das zu ihr sagte... Thors Tochter...
      „Schau mich an“, sagte Freya sanft und Nora gehorchte, ohne darüber nachdenken zu können. Sie öffnete die Augen und sah hinab in das Blau, das diesmal mit einer ungemeinen Anziehungskraft durchsetzt war. „Keine Spiele mehr für heute Nacht. Kein Khaxhiu, keine Verträge. Nur du und ich unter diesem Wasser. Ich werde jede Wunde säubern, Nora. Jeden Abdruck von Takashs Händen von deiner Haut streicheln, bis nichts mehr von ihrer dunklen Präsenz übrig ist. Nur noch wir beide.“
      Nora hätte Nein sagen müssen. Alleine aus dem Grund, weil Freya mittlerweile eine Schwäche darstellte, die auf Thors Liste für Khaxhiu aufgeführt werden würde. Alleine, weil sie nicht mehr die Kontrolle über den Moment hatte und ihn gerade auch nicht haben wollte. Weil sie sich einer Jägerin hingeben wollte, die beinahe im Alleingang eine sehr mächtige Dämonin ausgetrickst hatte. Eine Jägerin, die eines Tages ihre Waffe heben und das beenden würde, was sie in Reeses Laden angefangen hatte.
      Nora hätte Nein sagen müssen. Aber als sie den Mund öffnete, sagte sie:
      "In Ordnung."
      Sie zog die Hand aus Freyas Haaren und hob ihr Kinn leicht an.
      "Küss mich vorher noch einmal. So wie gerade eben." Dann fügte sie noch hinzu, sanfter, vorsichtiger: "Es gefällt mir."
      Ob Freya sich der Schwäche bewusst war, war ihr nicht anzusehen. Sie erhob sich mit derselben Anmut, die alle ihre Bewegungen begleitete, und dann lagen ihre Lippen wieder auf Noras mit derselben Sanftheit wie davor. Diesmal ließ Nora gleich ihre Anspannung weichen; sie seufzte, küsste Freya zurück und presste sich gegen sie. Eine Hand legte sie an ihren Hinterkopf, mit der anderen strich sie endlich über Freyas erhitzte Haut, folgte ihren Kurven, strich mit der Hand über ihren Rücken. Ihr Körper war auf eine Weise perfekt, wie sie nur eine Jägerin haben konnte.
      "Schöne, schöne Frau."
    • Das Lob hallte wie ein leises, beinahe ehrfürchtiges Geständnis in der dampfenden Kabine nach. Freya brauchte keine Worte, um darauf zu antworten. Ein tiefes, kaum hörbares Schnurren entkam ihrer Kehle, als sie den Nachklang des Kusses auf ihren eigenen Lippen schmecken ließ. Die Worte schienen in die warme Luft zu schmelzen, während das prasselnde Wasser sie in einen tröstlichen, isolierten Kokon aus Dampf und Hitze hüllte. Freya überließ nichts dem Zufall; sie war eine Jägerin, gewohnt, das Terrain vollkommen zu beherrschen, doch in diesem Moment lag in dieser Beherrschung keine Härte, sondern eine berauschende, majestätische Hingabe.
      Unter dem stetigen Strahl der Dusche offenbarte sich Freyas Körper in seiner vollkommenen, rohen und doch atemberaubenden Pracht. Es war die Statur einer Kriegerin, geformt aus Jahren harter Kämpfe, erbarmunglosem Training und dem unverkennbaren Erbe ihres göttlichen Vaters Thor. Jeder Muskel an ihren breiten, geschwungenen Schultern und ihrem athletischen Rücken zeichnete sich unter der nassen Haut klar ab. Das Wasser lief in unzähligen kleinen Bächen über ihr Schlüsselbein, sammelte sich kurz in der feinen Mulde darunter und strömte dann über die feste, stolze Wölbung ihrer Brüste. Ihre Haut war vom Wasser tief erwärmt, besaß eine gesunde, von zahllosen Schlachten gestählte Straffheit und schimmerte im diffusen Licht der Lampe wie nasser, polierter Marmor.
      An ihrer Taille verjüngte sich ihr Körper zu einer schlanken, sehnigen Mitte, wo sich die flachen Konturen ihrer Bauchmuskeln bei jedem Atemzug deutlich abzeichneten. Das Wasser tropfte stetig über ihren Bauchnabel hinab zu den kräftigen Schwüngen ihrer Hüften. Die Muskeln ihrer Oberschenkel – stark, imposant und von einer eindrucksvollen Masse geprägt – zeugten von einer Explosivität, die normalerweise Leben beenden konnte, nun aber eine beinahe ehrfurchtgebietende Stabilität ausstrahlte.
      Dort, wo ihre makellosen Beine zusammenliefen, entblößte der Wasserstrahl ihren vollkommen glatten, säuberlich rasierten Intimbereich. Kein einziges Haar störte die Ebenmäßigkeit dieser Stelle. Das warme Wasser perlte sanft über die zarte, rosa schimmernde Haut ihres Schrittes ab, sammelte sich in glitzernden Perlen auf ihren geschmeidigen Schamlippen und lief langsam an ihren Oberschenkelinnenseiten hinab. Es war eine Nacktheit von zeitloser, unverfälschter Eleganz – frei von jeglichem Makel, offen gezeigte Stärke und feminine Ästhetik in absoluter Harmonie. Wenn sie sich bewegte, spannte sich die Haut über ihren Hüftknochen straff an, und die klaren Linien ihres durchtrainierten Körpers wirkten wie von Meisterhand gemeißelt.
      Mit einer tiefen, fast andächtigen Langsamkeit begann Freya nun, den Körper vor sich zu erkunden. Ihre Hände, deren Handflächen die Spuren von Waffengriffen und Seilen trugen, waren dennoch von einer überraschenden, samtwichen Zärtlichkeit. Sie legte ihre breiten, warmen Handflächen zuerst an den Nacken und ließ das heiße Wasser, das an ihren eigenen Armen hinablief, als warmen Fluss über das Fleisch fließen. Sie strich mit den Daumen über die Schläfen und Kiefersäume und fuhr dann langsam nach unten.
      Freyas Bewegungen waren methodisch, fast wie ein heiliges Ritual der Reinigung. Sie glitt mit beiden Händen über die durchnässten Schultern hinab, schloss ihre Finger um die Oberarme und spürte jedes feine Zittern, jede kleine Regung, ohne sie zu kommentieren. Ihre Handflächen rieben den warmen Wasserfilm über die Haut, strichen über die sanften Rundungen der Brust und den schmalen Brustkorb. Jeder Zentimeter wurde mit stetigem, wohltuendem Druck überstrichen, als wolle sie jede Erinnerung an Staub, Hölle und fremde Berührungen mit der bloßen Magie ihrer eigenen Haut wegwaschen.
      Freya beugte sich vor, presste ihren festen, nassen Busen sanft gegen den Körper vor sich und fuhr mit ihrer Zunge an der seitlichen Halslinie entlang. Sie trank die Wassertropfen direkt von der erhitzten Haut, während ihre Hände weiter wanderten. Sie glitt an der Taille hinab, fasste mit beiden Händen fest zu und verankerte den Körper an sich. Ihre Daumen fuhren in kreisenden Bewegungen über den Bauch, umrundeten die empfindliche Stelle der Schusswunde mit außerordentlicher Vorsicht, bevor ihre Lippen der Berührung folgten. Freya hauchte einen sanften, heißen Kuss direkt auf das Narbengewebe, ließ die Kühle des herabfallenden Wassers und die Hitze ihres Mundes miteinander verschmelzen.
      Dann wanderten ihre Hände tiefer. Freya glitt mit den flachen Handflächen über die Hüften hinab zu den Oberschenkeln. Ihre Finger spreizten sich leicht, strichen über die feuchte Haut der Oberschenkelaußenseiten und wanderten schließlich langsam, Zentimeter für Zentimeter, auf die empfindliche Innenseite. Sie ließ sich Zeit. Jeder Strich ihrer Finger war von einem berauschenden Selbstbewusstsein getragen. Sie spürte die Hitze, die sich dort aufgestaut hatte, und nutzte das herabstürzende Wasser, um ihre Berührungen noch gleitender, noch geschmeidiger zu machen.
      Mit einem tiefen, zufriedenen Atemzug drängte sich Freya noch ein Stück näher heran. Sie schob einen ihrer kräftigen, muskulösen Oberschenkel direkt zwischen die Beine vor sich, hebelte sie sanft auseinander und schuf sich den Raum, den sie begehrte. Der direkte Körperkontakt war intensiv – das kühle, strömende Wasser auf der einen Seite, Freyas kochend heiße Haut auf der anderen.
      Ihre rechte Hand glitt nun vollkommen zwischen die Beine. Mit langen, fließenden Strichen fuhr sie von unten nach oben, strich sanft über die empfindlichsten Zonen, sparte keine Stelle aus und verharrte immer wieder mit leichtem, rhythmischem Druck. Freya nutzte das stetig fließende Wasser als natürliches Gleitmittel, strich mit ihren Fingern sanft über die nassen Lippen und intensivierte die Berührungen schrittweise. Ihre Finger bewegten sich in einem langsamen, hypnotischen Takt, der absolut keine Eile kannte. Sie forderte nichts, sie schenkte nur – eine wogende Welle aus Hitze, Wasser und unnachgiebiger Liebkosung.
      Während ihre untere Hand ihr feines, sinnenfreudiges Werk fortsetzte, hob Freya ihre linke Hand und vergrub ihre Finger im nassen Haar am Hinterkopf. Sie neigte ihren Kopf leicht zur Seite, fixierte die Augen vor sich mit einem Blick, der so klar und blau war wie ein gefrorener See, in dem ein helles Feuer brannte. Sie drückte ihren Schritt fest gegen die Schenkel vor sich, ließ das gesamte Gewicht ihrer athletischen Gestalt wirken und verschmolz das Gefühl von absoluter Schutzgewährung mit der unbestreitbaren Macht einer göttlichen Jägerin.
      Das Wasser umspülte sie beide unaufhörlich, wusch alles fort, was nicht in diesen Augenblick gehörte. Freya genoss die absolute Kontrolle über diesen Tanz der Sinne, verlangsamte das Tempo kurz, nur um es mit einem noch tieferen, gezielteren Druck ihrer Finger wieder aufzunehmen. Sie hüllte das Wesen vor sich vollkommen ein in das Gefühl ihrer kraftvollen Arme, ihrer glatten, erregenden Nacktheit und der unaufhaltsamen Zärtlichkeit einer Frau, die genau wusste, wie sie ihr Ziel zu erreichen hatte.
    • Freya berührte Nora, als wäre sie ein Engel. Ihre Hände strichen über Noras Körper wie etwas sehr kostbares, folgten ihren Rundungen mit sanftem Nachdruck, schienen sie zu verehren, als wäre das hier etwas besonderes. Nora merkte bald, wie ihr auch noch der letzte Kampfeswille verging. Sie gab sich Freya hin mit Geist und Körper, schmolz in ihre Berührungen, seufzte leise. Freya beugte sich noch tiefer zu ihr hinab und presste sich an sie, ihre Nippel hart gegen Nora, ihr Kopf an ihrem Hals. Nora gewährte es ihr, legte den eigenen Kopf zurück, gab ihr noch mehr Raum, eine Jägerin an ihrem Hals, was zu einer anderen Zeit ein absurder Gedanke gewesen wäre. Doch alle Gedanken, die Nora gerade durch den Kopf gingen, waren nur Freya und wie ihre Hände sie erkundeten, über ihren Körper strichen, das Blut und die Hölle abwuschen. Noras Haut kribbelte, wo Freya sie so sanft berührte, und eine Gänsehaut schoss ihr wohltuend über den Rücken. Sie drückte sich Freya entgegen auf der Jagd nach diesem Gefühl, das wie eine Droge auf sie wirkte. Ihre eigenen Hände lagen auf Freya, folgten dem Verlauf ihrer Bewegungen. Sie spürte, wie die Muskeln in Freyas Rücken arbeiteten, als ihre Hand tiefer wanderte, wie die Spannung katzengleich durch ihren Körper wanderte. Eine unfassbar schöne Frau, in sämtlichen Zügen, die Nora den Atem nahm. Sie umfasste eine Brust mit der anderen Hand und strich mit dem Daumen über den gehärteten Nippel. Unter ihrer Berührung zuckte Freyas Haut leicht.
      Da traf Freyas Hand endlich, endlich auf Noras Lippen und sie atmete geräuschvoll ein. Ein Blitz voller Erregung zuckte ihr durch den Körper und sie verstärkte ihrerseits den Griff auf Freyas Brust, umkreiste ihren Nippel. Ein weiterer Atemstoß drang aus ihrem Mund und sie spürte ihre Knie kurz weich werden. Freyas Finger drückten genau dort, wo sie es brauchte, kreisten, wo sie sie haben wollte, streichelten mit einem Nachdruck, der Nora den Atem nahm. Sie hielt sich an Freya fest, überwältigt von der Sanftheit hinter ihrer Berührung, die eine ganz ungewohnte Empfindung mit sich brachte. Wieder seufzte sie.
      "Freya..."
      Sie wusste nicht, wonach sie fragen wollte. Danach, dass Freya sie nicht so berührte, als wäre sie etwas besseres als eine betrügerische Dämonin. Aber die Worte wollten nicht herauskommen, wurden weggespült von der nächsten Welle an Lust, die ihr durch den Unterleib fuhr. Ihr Bauch zuckte, sie hielt sich an Freya fest.
      "Ah..."
      Die nächste Berührung, mit kundigen Fingern, genau an der richtigen Stelle. Nora legte den Kopf zurück, entblößte ihren Hals. Das Wasser war kalt auf ihrer Haut, gemessen an der Hitze, die sich unter ihrer Haut sammelte.
      "Freya... -"
      Sie spürte, wie es sich anstaute, spürte, wie es plötzlich höher und höher ging. Ihr Bauch zuckte wieder, unkontrolliert, ihre Finger gruben sich in Freyas Muskeln. Ihre Beine zitterten kurz, entspannten sich wieder. Sie wusste, dass sie Freyas Finger keine solche Macht geben sollte. Sie wusste es. Sie wusste es und doch schien es unausweichlich, schien sich immer mehr aufzubauen, schien nicht aufhaltbar zu sein, Freyas Finger, die drückten und streichelten und sie mit einer Weichheit liebkosten, bis sie gar nicht mehr -
      Der Orgasmus brach durch sie hindurch wie ein Erdbeben. Sie zuckte und erzitterte, alles in ihr zog sich zusammen, ihre Beine wurden für einen Moment weich, ihre Lippen verließ ein angeregtes Stöhnen. Sie klammerte sich an Freya, der letzte Halt, den sie im Moment noch hatte, während alles in bunten Lichtern aufging. Sie biss sich auf die Lippe, warf den Kopf wieder nach vorne, legte die Stirn an Freyas Schulter. Ihr Atem kam stoßweise heraus und dann, als der Höhepunkt langsam verebbte, folgte ein abschließender, langer Atemzug.
      Ihre Muskeln fühlten sich ganz aufgeweicht an, ihr Kopf war leer. Sie brauchte einen Moment, bis ihre Lungen wieder normal arbeiteten, bis ihre Beine wieder gestärkt waren. Sie hauchte einen Kuss auf Freyas zerbrechliches Schlüsselbein.
      "Mhhh, solche starken Finger..."
      Sie streckte sich nach oben und ließ ihre Zähne über Freyas Hals fahren.
      "Haben mir doch glatt das Denken geraubt."
      Sie sah auf zu ihr in helle Augen, die wissend auf sie hinabsahen, diese verfluchte Frau. Sie war sich sehr deutlich bewusst, was sie mit Nora angestellt hatte.
      Sie legte ihre Hand an ihren Hinterkopf und zog sie für einen weiteren Kuss hinab. Diesmal leckte sie mit der Zunge über Freyas Lippen, öffnete ihren Mund, bat um Einlass. Ihre Zungen berührten sich, umschmeichelten sich, tanzten miteinander. Wäre Nora nicht vor kurzem noch gekommen, sie wäre direkt wieder angeregt gewesen.
      "Wie darf ich dich haben?", fragte sie atemlos, als sie den Kuss wieder brach. "Hier, oder im Bett?" Ihre Augen glitzerten kurz. "Auf dem Sessel?"
    • Ein langsames, raubtierhaftes Grinsen stieg auf Freyas Lippen auf, während ihre azurblauen Augen in einem fast überirdischen, elektrisierenden Licht aufflammten. Es war das Lächeln einer Kriegerin, die ihr Ziel vollkommen erobert hatte und dennoch weit davon entfernt war, gesättigt zu sein. Sie neigte den Kopf leicht zur Seite, drückte ihren durchtrainierten Körper noch ein letztes Mal spürbar fest gegen den geschmeidigen Leib vor sich und raunte mit einer Stimme, die wie dunkler Samt durch den dampfenden Raum vibrierte:
      „Wieso wählen... Lass es uns überall treiben! Mein Hunger ist unersättlich!“
      Das warme Wasser prasselte unaufhörlich herab und verwandelte Freyas Anblick in ein meisterhaftes Gemälde aus Licht, Schatten und tropfender Nässe. Ihr Körper offenbarte sich in einer Wucht von überwältigender, fast sündiger Erhabenheit. Freya stand da, aufgerichtet in all ihrer göttlichen Pracht, unerschütterlich und durchströmt von der Hitze des soeben erlebten Rausches.
      Ihre Schultern wirkten im dichten Wasserdampf breit und majestätisch. Die Tropfen sammelten sich in den klaren Konturen ihrer Schlüsselbeine, bildeten winzige Rinnsale und liefen über die Makellosigkeit ihrer feuchten, leicht geröteten Haut hinab. Freyas Brust war von einer festen, perfekt geschwungenen Form; die vollen, athletisch geformten Rundungen hoben und senkten sich in einem schnellen, tiefen Rhythmus. Ihre Brustwarzen standen steil und hart hervor, dunkler gefärbt durch die Erregung und das Wechselspiel von heißem Wasser und der kühleren Luft im Raum. Jedes Mal, wenn sie einatmete, zeichneten sich die feinen Rippenbögen und die messerscharf konturierten Bauchmuskeln unter ihrer durchtrainierten Haut ab. Der schmale Streifen ihres flachen Bauches zeugte von jahrelangem Kampf, unnachgiebiger Härte und einer Disziplin, die sich nun in pure, ungehemmte Lust verwandelt hatte. Das Wasser rann über den tiefen Bogen ihrer V-Linie an den Hüften, welche die strammen Bauchmuskeln von ihren kräftigen Schenkeln trennte.
      Weiter unten verjüngte sich ihr Oberkörper zu einer geschmeidigen Taille, flankiert von den markanten Linien ihrer Hüftknochen, die sich unter der nassen Haut abzeichneten wie von Meisterhand skulpturierter Stein. Von den Hüften glitt der Blick hinab zu den kräftigen, geschwungenen Oberschenkeln, deren imponierende Muskelmasse von der unglaublichen Stärke Thors Tochter kündete. Das Wasser floss in dichten Bahnen über die Außenseiten ihrer Beine, hüllte ihre Haut in einen permanenten, glänzenden Schimmer und hob die gewaltige Eleganz ihrer Form hervor.
      Doch der absolut fesselndste Anblick offenbarte sich genau dort, wo diese mächtigen Oberschenkel zusammenliefen. Freya hatte ihre Beine leicht gespreizt, unschuldig und zugleich fordernd, sodass der Blick ungehindert auf ihren vollständig rasierten, makellosen Intimbereich fiel. Kein einziges Haar verdeckte die vollkommene Ebenmäßigkeit dieser Stelle. Die sanfte, leicht geschwollene Erhebung ihres Schambergs schimmerte unter dem Wasserstrahl wie nasser, rosafarbener Quarz. Die Haut dort war von einer unglaublichen Zartheit, blitzsauber glatt rasiert, ohne den geringsten Makel oder Stoppel, als wäre sie für genau diesen Moment der absoluten Hingabe erschaffen worden.
      Das heiße Duschwasser sammelte sich in glitzernden Perlen auf ihren prallen, sanft geöffneten Schamlippen. Sie schimmerten feucht und erregt im diffusen Licht der Kabine, tief gerötet von der inneren Hitze, die in Freyas Körper tobte. Ein feiner, kontinuierlicher Faden aus Wasser und körpereigener Feuchtigkeit rann langsam an ihren inneren Schenkeln herab, wo die Haut besonders hell, weich und empfindlich wirkte. Jeder Pulsstoß, der durch Freyas Adern jagte, ließ ihren Intimbereich ganz leicht erzittern. Es war ein Kontrast von atemberaubender Intensität: die eiserne, kriegerische Kraft ihrer Beine und ihres Rückenprofils auf der einen Seite, und die vollkommen entblößte, glatte, zarte Weiblichkeit ihres Schrittes auf der anderen.
      Der Anblick war von einer schier unendlichen erotischen Wucht. Freyas Schamberg hob sich bei jedem stoßweisen Atemzug leicht an. Wenn das Wasser darüber glitt, teilte sich der Strom um die zarten Konturen ihrer Klitoris, die verlockend und prall unter der glatten, haarlosen Haut hervorlugte, bereit für jede weitere Berührung. Nichts wurde verborgen, nichts verstellt. Es war die reine, unpolierte Schönheit einer Walküre, die sich in ihrer gesamten Nacktheit präsentierte, stolz und frei von jeglicher Scham. Die Wassertropfen perlten in regelmäßigen Abständen von ihrer glatten Haut ab und hinterließen eine glänzende Spur, die den Blick immer wieder unweigerlich zu diesem intimsten Zentrum lenkte.
      Freya genoss die Wirkung, die ihr Körper ausübte. Mit einer fließenden, fast raubkatzenartigen Bewegung griff sie nach der Armatur und drehte das Wasser ab. Schlagartig wurde es stiller in der Kabine, nur noch das dichte Tropfen von ihren blonden Haaren und ihren Brüsten hallte auf den Fliesen wider. Der Dampf stand wie ein schwerer, warmer Schleier um sie herum. Freya strich sich die nasse Mähne mit beiden Händen aus dem Gesicht, schüttelte den Kopf leicht nach hinten und ließ die durchtrainierten Muskeln ihres Rückens dabei imposant spielen.
      Sie trat einen Schritt näher, hüllte die Luft mit ihrer schieren Präsenz ein und fasste mit ihren starken, warmen Händen fest nach den Hüften vor sich. Ihre langen Finger gruben sich spürbar in das Fleisch, verankerten ihren Zugriff mit unumstößlicher Dominanz. Freya beugte sich vor, sodass ihre harten Brustwarzen erneut die feuchte Haut vor ihr berührten und die ungeheure Wärme ihres glatt rasierten Schrittes fast greifbar nahe war. Der Duft von warmem Wasser, Bisam und Freyas eigener, berauschender Haut stieg auf.
      Ihre Lippen wanderten dicht an das Ohr vor ihr, während ihr Atem heiß gegen die feuchte Haut strömte. Freyas Finger glitten von den Hüften nach hinten, umfassten das Gesäß mit kräftigem, forderndem Druck und zogen die Gestalt vor sich noch ein Stück enger an ihren vollkommen nassen, geschmeidigen Körper heran. Sie war bereit, ihr Versprechen einzulösen. Die Dusche war nur der Anfang gewesen – ein reinigendes Vorspiel für das, was noch folgen würde. Freya strahlte eine unbändige Entschlossenheit aus, die keinen Raum für Zweifel ließ: Sie würde sich jeden Winkel holen, jeden Raum erobern und die Nacht zu einer einzigen, unendlichen Spur der Lust machen.
    • Nora lachte leise. "Oh, wir werden es überall treiben, du Panther. Verlass dich darauf. Die Frage ist, wo wir anfangen."
      Sie ließ sich von Freya näherziehen, genoss das Gefühl ihres menschlichen Körper, wie sich ihre Brüste prall gegen sie drückten, wie ihre Haut an den süßesten Stellen erhitzt war. Ihr Hoch beruhigte sich langsam wieder und so fasste sie einen klaren Gedanken. Sie nahm Freya an der Hand, als sie das Wasser ausgestellt hatte, und zog sie mit nach draußen. Die feuchte Luft des Bades traf auf ihre nasse Haut, bescherte ihr eine Gänsehaut, kühlte sie ab. Sie schmiegte sich dicht an die große Frau.
      "Lass das Handtuch liegen. Ich kümmere mich darum."
      Sie stellte sich auf die Zehenspitzen, streckte sich, legte die Lippen an Freyas Ohr. Für einen Moment saugte sie daran, atmete spürbar gegen Freyas Wange, ließ sie die Wärme spüren. Dann fuhr sie tiefer, streckte die Zunge heraus, leckte mit der Zungenspitze über die perlenden Wassertropfen auf Freyas Haut. Sie saugte sie auf, den ganzen Hals entlang nach unten, dann auf der anderen Seite wieder nach oben. An den Schultern fuhr sie fort, die Lippen sündhaft weich auf der makellosen Haut, keine Stelle auslassend. Sie folgte dem natürlichen Fluss der Muskeln Freyas Arme hinab, übersäte sie mit saugenden Küssen, abwechselnd mit und ohne Zunge, hinunter und wieder hinauf, dann das Schlüsselbein hinab zu ihren Brüsten. Dort nahm sie sich besonders viel Zeit, auch wenn sie beim ersten Durchgang bereits alle Wassertropfen erwischt hatte; ihre Zunge umkreiste Freyas Nippel auf eine neckende Art, immerzu außenherum, bevor sie an der rosigen Knospe saugte. Ihr Blick wanderte nach oben, saugte den Winkel dieses Anblicks auf, wie Freya auf sie hinab sah. Dann erst wanderte sie tiefer. Um ihren Bauchnabel herum zu ihren Oberschenkeln, groß und muskulös, geprägt von unzähligen Jagden. Sie leckte alle Wassertropfen bis zu ihren Füßen auf, kam wieder nach oben, strich an ihrer weichen Innenseite entlang. Freya öffnete die Beine für sie, wie automatisch, und Nora neckte sie nur ein bisschen, indem sie sie überall sonst berührte, indem sie vorgab, es nicht eilig zu haben. Doch in Wahrheit hatte Nora selbst keine Geduld mehr übrig, angetrieben von dem göttlichen Körper vor ihr. Sie rutschte näher und verbarg ihr Gesicht zwischen Freyas Beinen. Ihre Zunge bahnte sich ihren Weg zwischen ihre Lippen und schmeckte die Feuchtigkeit, die sich bereits angesammelt hatte, das eindeutige Zeichen dafür, wie sehr die Jägerin die Sache selbst betraf. Sie fand ihren empfindlichen Punkt und legte die Hände auf ihre Oberschenkel, spürte, wie die Frau unweigerlich zuckte, wenn Nora mit ihrer Zungenspitze über ihre Knospe fuhr, präzise und mit genau der richtigen Mischung aus Necken und Befriedigung. Sie trank von dem Anblick, den sie ihr dabei bot, wie ihr Bauch sich anspannte, wie ihre hellen Augen aufmerksam auf Nora lagen. Wie die Lust von ihren Lippen troff und Noras Kinn befeuchtete. Sie verstärkte ihre Bewegungen, massierte Freya die ganze Länge ihres Geschlechts entlang, nach hinten und wieder nach vorne. Und sie würde dort unten bleiben, auf dem süßen Platz zwischen Freyas Beinen, solange die Frau stehen konnte. Solange sie zwischen ihren Beinen immer feuchter wurde, ein Zeichen, das Nora nur noch mehr anspornte.
    • Die kühle, feuchte Luft des Badezimmers traf auf Freyas erhitzte Haut wie ein gewaltiger Kontrast aus Feuer und Eis. Wo das warme Wasser eben noch geglüht hatte, bescherte das kühle Klima des Raumes eine Welle unwillkürlicher Gänsehaut, die sich rasch über ihren durchtrainierten Körper ausbreitete. Doch diese Kälte hatte nicht die geringste Chance gegen die brennende Spur, die das gierige, sanfte Saugen und die feuchten Liebkosungen auf ihrer Haut hinterließen. Jedes Mal, wenn warme Lippen und eine geschmeidige Zunge über ihre Haut glitten, entwich Freyas Kehle ein leises, raues Atmen, das in der gefliesten Stille des Raumes wie ein ehrfürchtiges Echo widerhallte. Ihre breiten, athletischen Schultern spannen sich leicht an, doch in dieser Spannung lag keine Abwehr – es war das hilflose, reine Verlangen nach noch mehr Berührung.
      Als die feuchten Berührungen ihren Hals hinabwanderten und das Wasser Tropfen für Tropfen von ihrer Haut aufgesaugt wurde, warf Freya ihren Kopf wie von selbst in den Nacken. Ihre blonden, schwere Nässe tragenden Haare klatschten an ihren Rücken, während die kühle Luft jede einzelne Berührung nur noch intensiver, noch elektrisierender wirken ließ. Freyas Brüste hoben und senkten sich in einem schnellen, unruhigen Rhythmus. Ihre Brustwarzen, die ohnehin schon steil und hart aufgerichtet waren, schienen sich noch weiter zu verhärten, als die feuchte Zunge den rosigen Vorhof umkreiste und schließlich sanft, aber bestimmt an der empfindlichen Knospe saugte. Ein wohliges, tiefes Summen drang tief aus Freyas Brust. Die kriegerische Disziplin, die sie gewöhnlich wie eine undurchdringliche Rüstung umgab, begann unter diesem unnachgiebigen Ansturm aus Zärtlichkeit und Verlangen unaufhaltsam Risse zu bekommen. Die kräftigen Muskeln in ihrem Rücken zuckten unter jedem einzelnen Strich, und ihre Hände, die eben noch von stolzer Dominanz gezeugt hatten, suchten Halt an den kühlen Fliesen der Wand hinter ihr, wobei die Knöchel ihrer Finger spürbar hervortraten.
      Die Spur der heißen Zunge setzte sich unablässig fort, glitt über das Schlüsselbein und folgte den flachen Konturen ihrer Bauchmuskeln. Der Weg um ihren Bauchnabel herum ließ Freyas Bauch sich unwillkürlich anspannen und flach einziehen, während ein stoßweiser, heißer Atemzug ihren Mund verließ. Als die Liebkosungen schließlich tiefer wanderten und die gewaltigen, von unzähligen Jagden geprägten Oberschenkel erreichten, entspannte die Kriegerin ihre Haltung vollkommen. Sie gab den Raum frei, den die Situation forderte. Ihre Beine gaben mit einer geschmeidigen, fast raubkatzenartigen Bewegung nach, bogen sich leicht und öffneten sich weiter. Die feine, empfindliche Haut an den Oberschenkelinnenseiten zitterte vor Erwartung. Jede verzögernde Berührung, jedes beabsichtigte Necken an den Rändern ihres Intimbereichs trieb den Puls der Halbgöttin weiter in die Höhe und ließ ihre Atmung immer flacher und jagender werden.
      Dann vergrub sich das Gesicht vollkommen zwischen ihren Oberschenkeln, und die feuchte, zielgerichtete Hitze traf Freya mit der ungehemmten Wucht eines Blitzeinschlags. Ein ersticktes, lautloses Keuchen entwich ihren Lippen. Ihre strahlend blauen Augen, die eben noch wissend auf die Szene hinabgeblickt hatten, weiteten sich für einen Augenblick in reiner, ungläubiger Überraschung über die gewaltige Erregungswelle, die augenblicklich durch ihren Unterleib schoss. Freyas Beine zuckten unkontrolliert, als die Zungenspitze mit unnachgiebiger Präzision genau die empfindlichste Stelle ihres glatt rasierten Schambergs traf.
      Die körperliche Reaktion der Jägerin war unmittelbar und intensiv: Die leicht geschwollenen, feuchten Schamlippen erzitterten spürbar unter dem fokussierten Druck, während sich die körpereigene Feuchtigkeit auf der makellosen, haarlosen Haut weiter vermehrte und glänzend herabrann. Freya verlor vollkommen die Beherrschung über ihre stolze Pose. Ihre Hände glitten von den Fliesen ab und vergruben sich unwillkürlich in den nassen Haaren vor sich – nicht, um den Kopf wegzudrücken, sondern um ihn mit einem stummen, fordernden Druck noch fester an ihren intimsten Punkt zu ziehen.
      Ihre Finger klammerten sich fest, während ihr Becken sich bei jedem langen, meisterhaften Strich der Zunge wie von selbst leicht nach vorne schob. Die Muskeln in ihren Oberschenkeln spannen sich an und entspannten sich wieder im Takt der Bewegungen, unfähig, die aufsteigende Hitze zu kontrollieren. Ein tiefes, kehligeres Stöhnen entwich Freyas Lippen, vollkommen frei von jeglichem Rückhalt oder Scham – ein nackter Klang aus reinem Genuss und fortschreitender Hingabe.
      Der fließende, ununterbrochene Rhythmus der Zunge, die massierend von hinten nach vorne über die gesamte Länge ihres empfindsamen Geschlechts glitt, versetzte die Jägerin in einen Zustand schierer Kontrolllosigkeit. Die Wassertropfen, die noch von ihren Oberschenkeln perlten, vermischten sich vollkommen mit der Hitze und Feuchtigkeit des Moments. Jede Nuance der Bewegung traf genau jenen Nerv, der den Strom der Erregung höherschießen ließ. Freya legte den Kopf noch weiter zurück gegen die Fliesenwand, biss sich auf die Unterlippe, um die lauter werdenden Töne ihres Begehrens zu dämpfen, doch das heftige Beben ihrer Hüften und das unwillkürliche Zittern ihrer Knie verrieten absolut alles. Thors Tochter, eine stolze und mächtige Kriegerin, stand mit weichen Knien im feuchten Bad, vollkommen ausgeliefert und übermannt von einer heftigen Lust, die ihren Körper wie ein unkontrollierbares Lauffeuer verzehrte und sie mit jedem Strich unaufhaltsam der nächsten großen Eruption entgegenbrach.
    • Nora beobachtete alles mit einer Erregung, die sich schon wieder zwischen ihren Beinen sammelte. Wie Freya an der Wand Halt suchte, wie ihre Augen sich für einen kurzen Moment weiteten, wie sie auf ihre Lippe biss, nur um dann doch zu stöhnen, tief und verführerisch. Wenn Nora gedacht hatte, dass die Jägerin als eben solche bereits eine verdammt hinreißende Frau war, dann war dies nichts im Vergleich dieses Augenblicks völliger Erregung. Jeder Atemzug, jedes Zucken der Muskeln, jeder Blick war eine reinste Sünde, die Nora mit all ihrem Wesen aufsaugte. Verflucht, sie wollte nie wieder von diesen Beinen weg. Sie wollte nie wieder etwas anderes tun als zuzusehen, wie Freya sich völlig vergaß.
      Als ihre Beine erneut zuckten und Nora schmeckte, wie nahe sie dem Höhepunkt war, hörte sie nicht auf. Sie hätte, eigentlich; hätte sich Zeit nehmen müssen, um den Moment in vollsten Zügen zu genießen, hätte Freya hinhalten müssen, damit der folgende Orgasmus noch härter, noch länger traf, aber sie fand, dass sie keine Geduld dafür hatte. Sie wollte, dass die Frau kam, dass sie alles um sie herum vergaß, dass sie ihre stolze Haltung aufgab und nur noch zuckte und stöhnte, während die Hand in Noras Haaren sie noch fester an sich drückte. Sie wollte sich hier zwischen ihren Beinen verewigen, dass Freya für den Moment an nichts anderes mehr denken konnte als ihre Zunge, dass sie später nichts mehr anderes haben wollte. Das hier sollte der Anfang des besten Sexs sein, den die Frau jemals gehabt hatte, und dafür wollte Nora die Grundsteine mit einem gewaltigen Orgasmus legen. Sie blieb also genau dort sitzen, ließ ihre Zunge in dem Rhythmus kreisen, den sie gewählt hatte, ignorierte das Brennen in ihrem Kiefer und ihrem Nacken, ignorierte alles, um Freya weiter zuzusehen. Sie ließ ihre Hände über ihre Oberschenkel streichen, berührte vorsichtig die Innenseite ihrer Beine, bot ihr Halt, wo Freya einen suchte. Dann war es soweit, Freya stöhnte, wie sie noch niemals zuvor gestöhnt hatte, ihr Unterleib zuckte und ihr Bauch zuckte, ihr Atem setzte aus und ihr Gesicht zeigte den völligen Höhepunkt des Moments. Nora trank von dem Anblick, wurde nicht langsamer, stimulierte sie in genau der richtigen Weise, um sie durch den Orgasmus durchzuführen, durch jedes Beben und jedes Zittern. Sie blieb dort verankert und erst, als Freya einen langen Atemzug nahm und ihre Muskeln erweichten, als das letzte Beben verebbt war, löste Nora sich von ihr und übersäte die Innenseite ihrer Schenkel mit Küssen. Sie wartete, bis Freya zurück auf die Erde gekommen war, noch immer an die Wand gelehnt, an der sie Halt suchte, dann biss Nora ihr leicht ins Bein und stand auf. Sie sah mit einem zufriedenen Ausdruck zu ihr auf, fuhr sich mit dem Daumen über die feuchte Unterlippe und leckte die Feuchtigkeit langsam auf. Dann lehnte sie sich an Freya, presste ihre Brüste knapp unterhalb ihrer gegen sie und fuhr mit der Hand über die Rundung ihrer Taille, erdete sie, bis das Hoch des Orgasmus verklungen war. Sie konnte die Hitze spüren, die Freya ausstrahlte und die nur langsam wieder verebbte.
      "Wunderschön", schnurrte sie und streckte sich, um einen Kuss zu ergattern. Ihre Zähne strichen dabei über Freyas Unterlippe.
      "Du siehst so schön aus, wenn du kommst. Ich will's noch einmal sehen."
      Sie küsste ihren Hals, direkt unter ihrem Kiefer.
      "Komm mit mir ins Bett. Ich geb dir alles, was du haben willst."
    • Das Nachbeben des gewaltigen Höhepunktes zitterte noch immer spürbar durch Freyas trainierte Muskeln, als sie den Atem schrittweise wieder unter Kontrolle bekam. Das leise Prasseln der Dusche war verstummt, und die kühle Luft des Flurs umhüllte ihre nasse Haut wie ein zarter Schleier. Doch der Blick, den die Jägerin auf die Gestalt vor sich richtete, war vollkommen klar und frei von jeglicher Ablenkung. Ein leises, fast raubtierhaftes Lachen entwich ihrer Kehle – rauchig, von Erregung und einer tiefen, unstillbaren Lust gezeichnet. Ohne auch nur einen Moment des Zögerns gab Freya dem stummen Zug nach und folgte Schritt für Schritt aus dem Badezimmer heraus, hinein in die schützende, halbdunkle Wärme des Schlafzimmers.

      Im gedämpften Licht des Raumes schien die Zeit für einen Augenblick stillzustehen. Das Bett lag verlockend im Schatten, doch bevor auch nur ein Fuß das Tuch berührte, schloss Freya von hinten auf. Die kühle Luft der Wohnung verblasste augenblicklich gegenüber der brennenden Hitze, die ungebrochen von der Kriegerin ausging. Freya trat dicht an das Wesen heran, legte von hinten beide geschmeidigen Arme um die schmale Taille und zog sie mit sanfter, aber vollkommen unumstößlicher Kraft fest an ihren nassen, erhitzten Körper.

      Sie neigte den Kopf nach vorne und vergrub ihr Gesicht in der duftenden Mulde zwischen Hals und Schulter. Freyas Lippen, noch immer warm und feucht von dem intensiven Kuss, begegneten der zarten Haut mit einer beinahe ehrfürchtigen Zärtlichkeit. Sie setzte feine, weiche Küsse auf den Nacken, fuhr mit der Zungenspitze sanft über die empfindliche Sehne und wanderte langsam hinab zur geschwungenen Linie der Schulter. Jeder Kuss war ein stummes Versprechen, eine langsame, genüssliche Liebkosung, die jegliche Eile vertrieb. Freyas Hände glitten langsam nach oben, verschränkten die langen, starken Finger in dem feuchten Haar am Hinterkopf und strichen behutsam durch die schweren Strähnen. Sie hielt den Kopf vorsichtig fixiert, während ihre Lippen die Haut entlang der Schulterblätter mit tiefen, saugenden Küssen übersäten.

      Als sie schließlich den Kopf hob und die Schultern behutsam freigab, um das Wesen langsam zu sich umzudrehen, lag in Freyas hellblauen Augen ein Ausdruck, der der Halbgöttin selbst schier den Atem raubte. Es war nicht mehr nur das raubtierhafte Funkeln einer kühnen Jägerin auf der Pirsch. Es war auch längst kein bloßes Spiel aus Macht, Trieb und körperlicher Erregung mehr. Es war ein Blick voller unverkennbarer, tiefgreifender Zuneigung – ein berauschter, beinahe hilflos verliebter Blick, der ihr Innerstes vollkommen entblößte.

      Wie um alles in der Welt hatte das nur passieren können?

      Der Gedanke traf Freya wie ein stummer, eiskalter Schlag mitten ins Herz, während ihre Daumenkuppe ganz behutsam eine feuchte Haarsträhne aus der Stirn strich. Wie um alles in der Welt konnte es geschehen sein, dass sie echte, tiefgehende Gefühle für jemanden... für ein Etwas hegte, das zu hassen sie ihr gesamtes bisheriges Leben lang gelernt hatte?
      Von Kindesbeinen an war Freya geformt worden. In den harten, erbarmungslosen Hallen der Jäger, unter dem strengen, unnachgiebigen Blick ihres Mentors, gab es seit jeher nur eine einzige, unumstößliche Wahrheit: Dämonen waren Kreaturen der reinen Dunkelheit. Betrügerische, bösartige Monstruositäten aus den Tiefen der Hölle, erschaffen aus Täuschung, Verderben und Zerstörung. Man schloss keine Verträge mit ihnen. Man berührte sie nicht voller Zärtlichkeit. Man liebte sie nicht. Ein Jäger lernte, ihr Fleisch mit kaltem Stahl zu trennen, ihre verfluchten Schläge zu parieren, ihre Verträge zu verbrennen und ihre dunkle Präsenz ohne auch nur den Bruchteil einer Sekunde des Zögerns auszulöschen. Dämonen waren bloße Ziele – Etwas, das eliminiert werden musste, um die Ordnung der Welt aufrechtzuerhalten.

      Und nun stand sie hier. Freya, Thors Tochter, die strahlende Jägerin, das unerbittliche Werkzeug des Himmels. Sie stand barfuß im gedämpften Licht eines Schlafzimmers, ihren durchtrainierten Körper vollständig erwärmt von der Nähe und dem Orgasmus einer Dämonin, während ihr Herz wie ein wild gewordener Hammer gegen ihre Rippen schlug. Sie hatte alles vergessen. Jeden einzelnen Lehrsatz der Akademie, jede Warnung vor den teuflischen Verführungen des Abgrunds, jeden Bluteid, den sie jemals auf ihre Waffe geschworen hatte. Sämtliche Prinzipien und Gesetze, die ihr über Jahre hinweg wie eisernes Schild in die Seele gebrannt worden waren, schmolzen unter der sanften Hitze dieser Berührungen dahin wie dünnes Eis im Feuer.
      Freya blickte intensiv in das Gesicht vor sich und versuchte vergeblich, die Abscheu wiederzufinden, die dort eigentlich brennen müsste. Sie suchte nach der eiskalten Distanz einer Kriegerin, nach dem Hass, der tief in ihrer Erziehung verankert war. Doch da war absolut nichts. Kein Hass. Keine Abscheu. Nur dieses gewaltige, verzehrende Gefühl der Hingabe, das ihr die Knie weich machte und ihren Verstand hinwegschwemmte.

      Nora war für sie kein "Etwas" mehr. Sie war kein Ziel auf Thors eiserner Liste für das Khaxhiu, keine Bestie, die man in der Dunkelheit zur Strecke bringen musste. Sie war die Frau, deren Lippen wie eine verbotene Verheißung schmeckten, deren bloße Nähe Freyas Muskeln zum Zittern brachte und deren sanfte Berührung eine Sehnsucht entfacht hatte, die kein Kampf der Welt jemals wieder würde stillen können.
      Freya schloss für einen kurzen Augenblick die Augen, ließ einen langen, erzitternden Atemzug entweichen und ergab sich der vollkommenen Niederlage ihrer eigenen Prinzipien. Die Furcht vor den Konsequenzen, vor dem epischen Zorn ihres Vaters und dem unverzeihlichen Verrat an allem, was die Jäger darstellten, verblasste vollkommen in der Präsenz dieses Augenblicks.
      Als sie die Augen wieder öffnete, schimmerte das Blau so klar wie nie zuvor. Sie schob ihre Hand tiefer in den Nacken, fuhr mit dem Daumen sanft über die Wange und neigte den Kopf. Ihre Lippen fanden die empfindliche Haut am Hals erneut, diesmal noch intensiver, noch bedingungsloser. Wenn sie verdammt war, weil sie ihr Herz an die Hölle verloren hatte, dann würde sie diesen Untergang mit offenen Armen empfangen.
    • Noch bevor sie das Bett erreicht hatten, legte Freya die Arme von hinten um Nora und zog sie an sich. Nora folgte der Berührung ganz von selbst, als wäre es das natürlichste der Welt, und lehnte sich an die größere Frau. Sie spürte ihre erhitzte Haut in ihrem Rücken, spürte ihre starken Muskeln, die Feuchtigkeit des Bades, die versteckte Anziehungskraft in ihrer Präsenz. Nora dachte nicht allzu genau darüber nach, was das alles hier bedeuten sollte, wie weit sie gehen mochten, wieso sie so schnell bereit war, die Jägerin in ihrem Rücken zu spüren, nachdem sie sie vor nicht allzu vielen Tagen noch versucht hatte umzubringen. Sie legte einfach den Kopf zurück und machte den Hals frei, als Freya sie mit Küssen bedeckte. Winzige, kribbelnde Berührungen, die Nora eine angenehme Gänsehaut bescherten und ihre Muskeln aufweichten. Es gefiel ihr, wie Freya sie berührte, wie sich ihre Lippen auf ihr anfühlten. Ihr gefiel sehr viel, was mit Freya zu tun hatte.
      Die Frau drehte sie zu sich um und Nora blickte auf in die hellblauen Augen der schönsten Frau, die sie jemals erblickt hatte. Ihre Wangen waren noch leicht rosig vom Bad und ihre Haare fielen ihr nass in den Nacken, brachten damit ihre Gesichtszüge noch besser zur Geltung. Doch in ihren Augen selbst lag ein Blick, den Nora nicht kannte und der ganz wundersam in dem Gesicht der Jägerin wirkte. Sie sah zu ihr auf, betrachtete sie, so wie auch Freya sie betrachtete, und studierte die Weichheit ihrer Miene. Schließlich legte sie die Arme um ihren Nacken und trat noch ein wenig näher heran, schmiegte sich an Freyas Wärme.
      "Hmmm."
      Sie hob eine Hand und ließ sie über ihre nassen Haare gleiten.
      "Woran denkst du?"
      Sie sah zwischen ihren beiden Augen hin und her, ließ den Blick dann auf ihre Lippen fallen. Es war unglaublich, wie sehr sie sich noch nach ihr verzehrte, selbst jetzt, nach dem Vorspiel, das sie bereits hatten. Es schien, als hätte sie eine Droge genommen und wäre drauf und dran, von ihr abhängig zu werden. Eine Schwäche, wie ihr eine innere Stimme zuflüsterte, eine solche, die auf Thors Liste gehörte, doch Nora drängte diesen Gedanken schnell wieder beiseite. Es war keine Schwäche. Sie konnte doch die Gegenwart einer schönen Frau genießen, nicht? Dann war es doch keine Schwäche, wenn sie alles daraus herausholen wollte, oder?
      "Ich kann es sehen", flüsterte sie und senkte die Hand zu Freyas Kinn, neigte ihren Kopf zu ihr hinab. Freya folgte dem Zug ihrer Hand genauso leicht, wie Nora ihr gefolgt war.
      "Wie dein Gehirn arbeitet. Ich kann es ganz genau sehen. Also, woran denkst du?"
    • Freya schloss für einen langen, weichen Augenblick die Augen und lehnte ihr Kinn noch ein Stück fester in die warme Handfläche, die sie hielt. Ein leiser, fast lautloser Seufzer entwich ihren Lippen, ehe sie die dichten Lider wieder hob und direkt in das Gesicht vor sich blickte. Das kühle, unnahbare Eis in ihren strahlend blauen Augen war vollkommen geschmolzen, ersetzt von einer ungewohnten, fast verletzlichen Weichheit, die die kriegerische Halbgöttin vollkommen entblößte.
      „Du liest in mir wie in einem offenen Buch, nicht wahr?“, raunte sie, und ihre Stimme war so gedämpft, so intim und tief, dass sie kaum mehr als ein sündiges Flüstern in der halbdunklen Stillen des Schlafzimmers war. Doch trotz der gedämpften Lautstärke lag kein Zögern mehr in ihrem Tonfall. Freya erzählte bereitwillig, fast so, als wäre das Aussprechen dieser Gedanken die Befreiung von einer zentnerschweren Last, die schon viel zu lange auf ihrer Brust gelegen hatte.
      „Ich dachte darüber nach... wie sehr ich mich eigentlich dafür schäme, das hier überhaupt laut zuzugeben“, gestand sie leise. Ein knappes, fast meidendes Lächeln stieg für einen kurzen Moment auf ihren vollen Lippen auf, ehe es wieder der Ehrlichkeit des Augenblicks wich. „Es ist lächerlich, nicht wahr? Die große Jägerin steht hier und spürt eine Scham in sich aufsteigen, die sie noch nie zuvor in ihrem Leben gefühlt hat. Eine Verlegenheit, die mir fast den Atem abschnürt, wenn ich den Mut aufbringe, dir direkt in die Augen zu sehen.“
      Sie hob ihre eigene breite Hand, legte die Finger behutsam über die Handfläche an ihrem Kinn und hielt die sanfte Berührung fest an ihrer warmen Haut gepresst, während sie weitersprach.
      „Mein ganzer Verstand, jede einzelne Faser meines Körpers ist von klein auf darauf getrimmt worden, Kreaturen wie dich zu jagen und zu vernichten. Seit ich denken kann, hat man mir eingetrichtert, dass es nur Schwarz und Weiß gibt. Dass Dämonen das reine Verderben sind. Ich habe nie etwas anderes gelernt. Ich kenne nicht einmal meinen eigenen Vater... ich weiß bis heute nicht, wer er ist, welches Blut in meinen Adern fließt oder wer mir diese göttliche Kraft vererbt hat. Ich habe keine Familie, deren Namen ich trage. Das Einzige, was ich jemals hatte, um zu definieren, wer ich überhaupt bin, war die eiserne Erziehung der Jäger. Ihre Doktrin war meine Heimat, meine einzige Identität.“
      Freya neigte den Kopf leicht zur Seite, während ein Schimmer aus Verlangen und verblassendem innerem Schmerz durch ihre Pupillen zog.
      „Und jetzt... schau mich an. Das alles steht in einem unerträglichen, gewaltigen Zwiespalt mit dem, was ich in diesem Moment für dich fühle. Und glaub mir, das macht es nicht weniger leicht. Mein Verstand schreit mich an, dass ich gerade eine eiserne Grenze überschreite, hinter der es kein Zurück mehr gibt. Aber die Wahrheit ist... ich mag dich, Nora. Ich mag dich so sehr, dass es mir selbst den Verstand raubt.“
      Das Geständnis schwebte wie ein kostbarer, verbotener Schatz in der warmen Luft des Raumes. Freya schluckte leise, während ihre Daumenkuppe ganz langsam und behutsam über die feuchte Unterlippe vor sich strich.
      „Ich mag die Art, wie du mich ansiehst. Ich mag es, wie deine Zunge meine Haut verbrennt. Ich mag dieses Kribbeln in meinem Rücken, wenn du mich berührst, und ich mag das Gefühl, mich in deinen Armen vollkommen zu verlieren. Ich mag dich so sehr, dass alle Regeln der Jäger dagegen verblassen.“
      Ein tiefes, raues Ausatmen folgte, und mit ihm schien Freya die letzte verbliebene Rüstung ihrer Erziehung endgültig von sich abzustreifen. Die Anspannung in ihren breiten Schultern wich vollkommen, und ihr Blick wurde wieder von einer heißen, unumstößlichen Entschlossenheit durchströmt.
      „Aber weißt du was? Scheiß auf die Erziehung. Scheiß auf die Regeln“, flüsterte sie, und ein raubtierhaftes, wunderschönes Lächeln kehrte auf ihre Lippen zurück. „Ich habe genug davon, mein Leben lang nur Befehlen zu folgen. Ich will heute Nacht nicht darüber nachdenken, wer mein Vater sein könnte, wer mich aufgezogen hat oder welchen Eid ich der Akademie geschworen habe. Ich will heute Nacht einfach nur meinem Bauchgefühl folgen. Und mein Bauchgefühl sagt mir ganz deutlich, dass das hier genau das Richtige ist.“
      Sie trat den letzten verbleibenden Millimeter heran, bis kein Spalt mehr zwischen ihren nassen, erhitzten Körpern lag. Freyas Hände glitten vom Kinn hinab zur Taille, umfassten die geschmeidigen Hüften mit festem, forderndem Druck und zogen die Gestalt vor sich noch enger an ihre eigene durchtrainierte Form. Die Wärme ihres glatt rasierten Schrittes drückte sich wieder spürbar gegen die Oberschenkel vor ihr.
      „Ich will dir und mir selbst eine schöne Zeit geben“, raunte sie dicht an den Lippen vor sich, während ihr heißer Atem die Haut entzündete. „Eine Zeit, die so unvergesslich, so berauschend und gut ist, dass die Hölle und der Himmel gleichermaßen davor verblassen. Keine Zweifel mehr für heute Nacht. Nur noch du und ich.“
      Mit diesen Worten begrub sie alle verbliebenen Bedenken. Freya neigte den Kopf und presste ihre Lippen erneut auf die von Nora – diesmal nicht nur sanft, sondern mit einer fordernden, tiefen Leidenschaft, die den gesamten Raum mit einer beinahe greifbaren Elektrizität auflud. Sie schob ihre Finger fest in das nasse Haar am Hinterkopf, öffnete ihren Mund und zog die Gestalt vor sich Schritt für Schritt mit sich zurück in Richtung des Bettes, bereit, sich vollkommen in diesem berauschenden Abgrund zu verlieren.

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    • „Ich dachte darüber nach... wie sehr ich mich eigentlich dafür schäme, das hier überhaupt laut zuzugeben.“
      Nora neigte den Kopf ein wenig und ließ Freya sprechen. Ihr Blick glitt zwischen den hellen Augen umher.
      „Es ist lächerlich, nicht wahr? Die große Jägerin steht hier und spürt eine Scham in sich aufsteigen, die sie noch nie zuvor in ihrem Leben gefühlt hat. Eine Verlegenheit, die mir fast den Atem abschnürt, wenn ich den Mut aufbringe, dir direkt in die Augen zu sehen.“
      "Es ist menschlich", stellte Nora fest, ohne den gewohnten Spott in der Stimme. Sie konnte sich einfach nicht dazu durchringen; die Jägerin wirkte gerade auf eine Weise verletzlich, die Nora nicht ausnutzen wollte. War das nicht komisch? Dass sie sich eine Schwäche nicht zunutzen machen wollte? "Selbst du bist ein Mensch, am Ende des Tages. Unter den ganzen Schichten des Jägerseins."
      Sie fuhr ihr über die Linie ihres Kiefers.
      „Mein ganzer Verstand", sagte Freya, "jede einzelne Faser meines Körpers ist von klein auf darauf getrimmt worden, Kreaturen wie dich zu jagen und zu vernichten. Ich kenne nicht einmal meinen eigenen Vater... ich weiß bis heute nicht, wer er ist, welches Blut in meinen Adern fließt oder wer mir diese göttliche Kraft vererbt hat. Das Einzige, was ich jemals hatte, um zu definieren, wer ich überhaupt bin, war die eiserne Erziehung der Jäger. Und jetzt... schau mich an.“
      Und Nora sah sie an, doch alles, was sie sah, war eine Frau, die sich selbst jetzt noch in größter Kontrolle hatte, die nichts ihre Mauer durchbrechen ließ. Und doch stand sie jetzt hier, mit einer Dämonin, nackt, ohne sie zu jagen und umzubringen. Sie stand hier, weil sie es zugelassen hatte, der Dämonin nahe zu kommen. Was bedeutete das für Freya? Was bedeutete es für Nora, die drauf und dran war, dasselbe von sich zu denken?
      "Das alles steht in einem unerträglichen, gewaltigen Zwiespalt mit dem, was ich in diesem Moment für dich fühle. Mein Verstand schreit mich an, dass ich gerade eine eiserne Grenze überschreite, hinter der es kein Zurück mehr gibt. Aber die Wahrheit ist... ich mag dich, Nora. Ich mag dich so sehr, dass es mir selbst den Verstand raubt.“
      Noras Herz setzte für einen Schlag aus, dann hämmerte es doppelt so schnell in ihrer Brust. Ein warmes Gefühl breitete sich in ihrem Bauch aus, ein gänzlich anderes Gefühl als ihre Lust, ein ungewohntes Gefühl. Und doch fühlte es sich gut an, sehr gut sogar. War das... Liebe? Liebe, die Nora für Freya verspüren mochte?
      Ihr Blick glitt zu ihren Lippen hinab. Sie fühlte sich plötzlich unsicher in ihrer Haut.
      "Was magst du?", fragte sie leise, ohne zu wissen, ob sie für die Antwort bereit war.
      „Ich mag die Art, wie du mich ansiehst. Ich mag es, wie deine Zunge meine Haut verbrennt. Ich mag dieses Kribbeln in meinem Rücken, wenn du mich berührst, und ich mag das Gefühl, mich in deinen Armen vollkommen zu verlieren. Ich mag dich so sehr, dass alle Regeln der Jäger dagegen verblassen.“
      Das Kribbeln verstärkte sich, das warme Gefühl in Noras Bauch. Es war ihr plötzlich unmöglich, sich von Freya zu entfernen. Die Frau wirkte eine Anziehungskraft auf sie aus, der sie sich nicht entziehen konnte.
      Gefährlich. Und doch ließ Nora es zu.
      Freya atmete hörbar aus. „Aber weißt du was?"
      Nora blinzelte. "Was?"
      "Scheiß auf die Erziehung. Scheiß auf die Regeln.“ Die Frau lächelte auf eine Weise, die Noras Herz berührte. „Ich habe genug davon, mein Leben lang nur Befehlen zu folgen. Ich will heute Nacht nicht darüber nachdenken, wer mein Vater sein könnte, wer mich aufgezogen hat oder welchen Eid ich der Akademie geschworen habe. Ich will heute Nacht einfach nur meinem Bauchgefühl folgen. Und mein Bauchgefühl sagt mir ganz deutlich, dass das hier genau das Richtige ist.“
      Genau das richtige - war es das, was auch Nora verspürte? Dieses Gefühl in ihrem Bauch, diese Wärme? Sollte das richtig sein?
      Ihr Instinkt sagte Nein, doch ihr Instinkt war genauso gepolt wie Freyas, ausgerichtet nach einer Dämonin, die sich durch Schwächen ernährte. Sollte auch sie auf die Erziehung scheißen? Auf die Regeln?
      Noch während sie darüber nachdachte, schob Freya sich näher zu ihr heran, ergriff ihre Hüfte. Nora wurde abgelenkt von der warmen Feuchte von Freyas Schritt, der sich gegen ihr Bein drückte.
      „Ich will dir und mir selbst eine schöne Zeit geben. Eine Zeit, die so unvergesslich, so berauschend und gut ist, dass die Hölle und der Himmel gleichermaßen davor verblassen. Keine Zweifel mehr für heute Nacht. Nur noch du und ich.“
      Nora sah sie an, dann fing sie an zu lächeln. Sie verschob ihr Bein und spürte die köstliche Reibung an Freyas Lippen.
      "Scheiß auf die Regeln", gurrte sie und presste die Lippen gegen Freyas, küsste sie fest. Dann ließ sie sich von ihr nach hinten treiben und auf das Bett fallen.

      Als sie einige Stunden später beide gesättigt, erschöpft und feucht vom Schweiß waren, rollte Nora sich auf die Seite, verharkte die Beine mit Freyas und legte den Arm über ihren kräftigen Bauch. Sie machte keine Anstalten, das Bett zu verlassen und auf dem Sofa zu schlafen; sie dachte überhaupt nicht darüber nach, Freya alleine zu lassen. Und die schien nicht darüber nachzudenken, Noras Wohnung zu verlassen, um zurück zu ihrer Gilde zu gehen.
      Stille kehrte ein, süße, entspannende Stille. Nora fühlte sich müde werden und doch hielten sie die Gedanken wach, die Erkenntnisse über ihre Schwäche, was Freya zu ihr gesagt hatte. Sie dachte an Thor und daran, was er wohl davon halten würde, dass eine Dämonin seine Tochter verführte. Sie dachte auch daran, was er ihr für einen Auftrag gegeben hatte. Du wirst dafür Sorgen, dass sie ihr Erbe annimmt.
      Nora richtete sich auf und stützte den Kopf auf ihrem Ellbogen ab. Sie sah auf die Jägerin hinab, auf deren Zügen jetzt auch eine gelöste Entspannung lag.
      "Erzähl mir was von dir", sagte sie leise und strich mit den Fingern an der Erhebung von Freyas Brüsten entlang. "Ich bin neugierig. Wie bist du Jägerin geworden?"
    • Die Stille des Schlafzimmers besaß eine faszinierende, beinahe heilige Qualität. Das schwere, gedämpfte Licht der Nacht warf weiche Schatten an die Wände, während der Duft von warmem Hautkontakt, verdunstetem Duschwasser und verblassender Erregung still in der Luft schwebte. Freya lag auf dem Rücken, das goldene Haar wie ein fächerartiger Heiligenschein auf den Kissen ausgebreitet. Ihre Brust hob und senkte sich in einem tiefen, tiefentspannten Rhythmus. Als die leisen Worte die Luft erfüllten und die sanften Finger über die makellose Rundung ihrer Brust strichen, entwich den Lippen der Kriegerin ein langes, leises Schnurren.

      Ein Schatten von Wehmut glitt über ihre feinen Gesichtszüge, begleitet von einem flüchtigen, nachdenklichen Lächeln. Freya hob langsam ihre rechte Hand, deren Haut noch immer von der Hitze des soeben erlebten Rausches glühte, und vergrub die Finger behutsam im Haar der Gestalt neben sich. Sie zog sie nicht weg, sondern hielt sie sanft fest, während ihr Blick an die Zimmerdecke wanderte, als würde sie dort oben, in der Finsternis, nach den Bruchstücken einer längst vergangenen Welt suchen.
      „Meine Geschichte...“, raunte Freya, und ihre Stimme besaß einen dunklen, tiefen Klang, der im gesamten Raum nachhallte. „Es gibt fast niemanden in der Welt der Jäger, der sie in all ihren Facetten kennt. Für den Orden bin ich nur die eiserne Großmeisterin, die Perfektion in Person. Aber die Wahrheit ist sehr viel chaotischer... und sehr viel dunkler.“
      Sie holte tief Luft, schloss für einen kurzen Moment die Augen und begann zu erzählen. Ihre Worte flossen in einem ruhigen, fast stetigen Strom dahin, während die Erinnerungen wie alte, verstaubte Pergamente vor ihrem inneren Auge aufbrachen.

      „Meine Kindheit hatte absolut nichts mit Schwertern, Orden oder Blut zu tun. Ich hatte keine Heimat, keinen festen Ort, an dem ich aufgewachsen bin, keine Kinderzimmerwand, an der Bilder hingen. Meine Mutter war eine Archäologin – eine brillante, besessene Frau namens Helena. Sie war eine Forscherin, die ihr gesamtes Leben der Jagd nach den verloren gegangenen Schätzen der nördlichen, keltischen und skandinavischen Mythologie verschrieben hatte. Für sie waren die alten Mythen keine bloßen Märchen; sie war felsenfest davon überzeugt, dass in den Relikten der Vergangenheit eine reale, vergessene Macht schlummerte.

      Wir lebten in Zelten, in klapprigen Geländewagen und in staubigen Ausgrabungscamps am Rande der Zivilisation. Ich bin zwischen unleserlichen Glyphen, verwitterten Runensteinen und den vergilbten Seiten Uralter Folanten aufgewachsen. Während andere Kinder lernten, Fahrrad zu fahren, lernte ich, wie man die altnordischen Futhark-Runen übersetzt und vergrabene Bronzeamulette im Dreck von Schottland, Irland oder den skandinavischen Fjorden freipinselt. Es war ein wildes, ungebundenes Leben. Wir hatten nie Geld, aber wir hatten den Horizont. Meine Mutter war alles, was ich hatte. Sie gab mir nie eine Antwort darauf, wer mein Vater war. Wenn ich sie danach fragte, sah sie mich nur mit diesem traurigen, geheimnisvollen Blick an und sagte, mein Vater sei ein Sturm gewesen, den kein Mensch jemals einfangen könne.
      Das alles endete schlagartig, als ich acht Jahre alt war. Wir waren in den peruanischen Anden, auf der Spur einer völlig absurden Theorie meiner Mutter, die besagte, dass nordische Seefahrer lange vor allen anderen den südamerikanischen Kontinent erreicht und dort ein Heiligtum hinterlassen hatten. Wir gruben in einem alten, mürben Höhlensystem hoch in den Bergen. Ich erinnere mich noch genau an den Geruch von feuchter Erde und den süßlichen Duft der Kerzen. Und dann... beebte die Erde.
      Es war kein normales Erdbeben. Die Welt schien sprichwörtlich auseinanderzubrechen. Der Stein schrie, die Decke der Höhle brach über uns zusammen. Meine Mutter dachte nicht eine Sekunde an sich selbst; sie warf ihren Körper über mich, drückte mich in eine kleine Felsspalte und begrub mich unter sich, um mich vor den herabstürzenden Felsbrocken zu schützen. Ich lag stundenlang im Dunkeln. Ich spürte das schwere Gewicht ihres leblosen Körpers über mir, roch das Eisen ihres Blutes und hörte nur das stumme, eiskalte Pfeifen des Windes. Als man mich nach zwei Tagen endlich aus den Trümmern grub, war meine Mutter tot. Und ich war eine achtjährige Waise am anderen Ende der Welt, ohne ein einziges Familienmitglied, das mich aufgenommen hätte.

      Doch der Orden der Jäger hatte bereits ein Auge auf die Recherchen meiner Mutter geworfen. Sie wussten um die Dinge, nach denen sie grub. Statt mich in ein Waisenhaus zu stecken, forderten die Jäger mich ein. Sie sahen etwas in mir – ein ungeschliffenes, gefährliches Potenzial, das sie für ihre Zwecke formen wollten.

      Sie brachten mich in ihre zentrale Festung, eine kalte, eiserne Burg hoch im Norden. Dort gab es keine Mütter mehr, keine warmen Decken und keine Geschichten am Lagerfeuer. Der Orden nahm ein gebrochenes, traumatisiertes Kind und beschloss, es in eine bedingungslose Kampfmaschine zu verwandeln. Meine Kindheit endete an dem Tag, an dem ich das erste Mal ein eisernes Übungsschwert in die Hand gedrückt bekam. Zehn Stunden Training am Tag, jeden einzelnen Tag. Schwertkampf, Nahkampf, Waffenlehre, Anatomie von Dämonen, Taktik, Folterresistenz. Wenn ich weinte, wurde ich geschlagen. Wenn ich versagte, musste ich hungern. Sie schliffen jede menschliche Regung aus mir heraus, bis nur noch Disziplin, Schmerz und der Reflex zu töten übrig blieben. Sie gaben mir keine Liebe, aber sie gaben mir eine Bestimmung: das Auslöschen des Bösen.
      Doch während mein Körper im wachen Zustand gestählt und gebrochen wurde, passierte in meinen Träumen etwas völlig Verstörendes. Wann immer ich vor Erschöpfung auf der harten Steinbank meiner Zelle einschlief, war ich nicht mehr in der Burg. Ich hatte Träume... Träume von einer unfassbaren, majestätischen Intensität. Ich träumte, dass ich kein Mensch war, sondern ein riesiger, pechschwarzer Rabe. Ich spürte den Wind unter meinen Schwingen, während ich hoch über den Wolken kreiste. Ich sah hinab auf Yggdrasil, den Weltenbaum – seine gewaltigen, leuchtenden Wurzeln, die sich durch alle neun Reiche der nordischen Mythologie schlangen. Ich flog durch die eisigen Hallen von Niflheim, über die brennenden Ebenen von Muspelheim und sah die goldenen Zinnen von Asgard im Licht einer Sonne leuchten, die nicht von dieser Welt war. Diese Träume waren so real, dass ich morgens aufwachte und das Gefühl hatte, noch immer Federn auf der Haut zu spüren. Sie waren mein einziger Zufluchtsort.

      Und dann war da die Elektrizität. Es begann in meiner Pubertät. Wann immer ich im Kampf meine Grenzen überschritt, wenn mein Zorn oder mein Überlebensinstinkt hochkochten, passierte etwas mit der Luft um mich herum. Glühbirnen im Trainingsraum platzierten mit einem lauten Knall. Meine Haut begann zu kribbeln, und blaue, knisternde Funken sprangen von meinen Fingerspitzen auf die Schwerter meiner Gegner über. Die Ausbilder waren fasziniert und verängstigt zugleich. Ich konnte Elektrizität nicht nur kanalisieren – sie war ein Teil meines Blutes. Wenn ich ein Schwert führte, lud sich die Klinge mit reiner, hochfrequenter Spannung auf. Ich brauchte keine Magie, keine Zaubersprüche. Die Blitze folgten meinem Willen, als wären sie alte Freunde, die nur darauf warteten, von mir entfesselt zu werden.

      Der Orden erkannte schnell, dass sie ein Phänomen in ihren Reihen hatten. Ich stieg in den Rängen auf wie niemand vor mir. Ich war schneller, stärker, unerbittlicher und tödlicher als jeder Veteran. Mit sechzehn schlug ich meine ersten höheren Dämonen im Alleingang. Mit achtzehn leitete ich meine eigenen Elite-Einheiten. Ich verlor nie einen Kampf. Ich funktionierte wie ein perfektes, unbarmherziges Uhrwerk aus Stahl und Blitzen.
      Vor zwei Jahren schließlich, als ich gerade einmal zweiundzwanzig war, geschah das Unthinkable. Der Hohe Rat des Ordens berief mich ein. Sie ernannten mich zur Großmeisterin. Ich wurde die jüngste Frau in der Geschichte der Menschheit, die diesen Titel jemals tragen durfte. Seitdem gehöre ich zu den Sechs Hochrangigsten Jägern der gesamten Welt. Ich trage die Verantwortung über Hunderte von Kämpfern, über Strategien, über Leben und Tod. Ich bin die eiserne Faust des Ordens, ein Symbol der Unbesiegbarkeit.“

      Freya schwieg für einen langen Moment. Die Geschichte hallte in der Stille des Raumes nach, schwer und gewaltig wie der Nachhall eines fernen Donnerschlag. Die Kriegerin wendete langsam ihren Kopf zur Seite, neigte das Kinn und blickte tief in die Augen der Gestalt, die sich an ihren Körper geschmiedet hatte.
      In den strahlend blauen Pupillen der Großmeisterin lag nun eine erstaunliche, unendliche Ruhe. Ein sanftes, fast wehmütiges Lächeln kehrte auf ihre vollen Lippen zurück, während sie ihre Hand langsam von den Haaren nach unten gleiten ließ, über die Wange, den Hals entlang, bis ihre flache Handfläche wieder fest auf dem Oberkörper vor sich ruhte. Sie spürte den ruhigen Herzschlag darunter und schätzte die unfassbare Ironie des Schicksals.
      „Und nun... schau mich an“, flüsterte Freya, und ihre Stimme war wieder nur noch ein raues, extrem intimes Hauchen. „Die jüngste Großmeisterin der Welt. Eine der Sechs Höchsten Jägerinnen, die jemals gelebt haben. Erschaffen aus dem Blut einer Archäologin, gestählt durch den Verlust, geformt von einem unbarmherzigen Orden und gesegnet mit den Blitzen eines Vaters, den ich nie kennengelernt habe... Und wo bin ich gelandet?“
      Sie ließ ein kurzes, leises Lachen entweichen, das vor reinem, ungeniertem Genuss nur so strotzte. Freya zog die Gestalt vor sich noch ein Stück enger an ihre nackte, warme Brust, verhakte ihre Beine noch fester mit den geschmeidigen Schenkeln unter der Decke und vergrub ihre Nase sanft im feuchten Haar an deren Schläfe.

      „Ich liege im Bett einer Dämonin“, raunte sie vollkommen ohne Scham, während ihre Finger sanft in das Fleisch der Hüfte griffen und das Gefühl der absoluten Geborgenheit genossen. „Ich habe alle meine Titel vergessen. Ich habe meine Rüstung abgelegt, meine Klingen in die Ecke geworfen und alle Gesetze meines Ordens mit Füßen getreten. Und weißt du was? Ich habe mich in meinem ganzen Leben noch nie so lebendig gefühlt wie in diesem einzigen, verdammten Augenblick.“

      Freya schloss die Augen, atmete den berauschenden Duft der Haut tief ein und ließ sich vollkommen in die schwere, süße Müdigkeit fallen, die ihren durchtrainierten Körper nun endgültig einforderte. Die Blitze in ihrem Blut ruhten, der Sturm war verstummt, und zum allerersten Mal in ihrem Leben spürte die stolze Großmeisterin nicht das Bedürfnis zu kämpfen, sondern einfach nur zu bleiben.