A Camping Trip with a Twist [Bitter Lemon & Shio]

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • A Camping Trip with a Twist [Bitter Lemon & Shio]

      Neu


      Vor dem Trip

      Es war mitten im neuen Semester und Professor Dr. Wilson lud mit einen Aushang freiwillige Studierende ein, sich auf einem Camping Trip zu wagen, wo sie ein paar extra Credits verdienen konnten. Der Haken an der ganzen Sache war, das sie am Ende ein Essay über Teamarbeit schreiben mussten. Das schreckte natürlich viele Studenten ab und nur wenige von ihnen meldeten sich mehr oder weniger freiwillig dafür. Unter den Freiwilligen befanden sich unter anderem die beiden besten Freunde Liam und Phil. Auch wenn Liam nicht so ganz überzeugt von dem Trip war, da er eigentlich für ein wichtiges Fußballspiel trainieren wollte. Aber Phil konnte ihn überzeugen mitzufahren, denn ohne ihn würde das alles nur halb so viel Spaß machen. Die beiden kennen sich schon seit dem Kindergarten und kannten die Macken des jeweils anderen. Liam war eher der Draufgänger, sprach das aus was er dachte und kam bei vielen Studenten und Professoren nicht immer gut an. Doch das interessierte den Schwarzhaarigen nicht im geringsten. Er verstellt sich nicht um perfekt zu sein, so wie manch andere. Phil ist das komplette Gegenteil. Aufgeschlossen, freundlich und hat immer ein Lächeln im Gesicht. Er ist sehr beliebt in der Uni und steckt viele mit seiner guten Laune an. Er lässt Frauenherzen höher schlagen, bildet sich aber dennoch nichts darauf ein. Er und Liam sind unzertrennlich und nichts und niemand könnte die Beiden auseinander bringen. Doch keiner von beiden wusste, was dieser Camping Trip für sie bereit hielt.
      Neben den beiden Jungs schrieb sich auch noch Hannah Sinclair ein, die Uni Diva. Sie gab nicht viel darauf in der Natur zu übernachten aber für ein paar einfach verdiente Punkte, würde sie alles tun. Ihr Ruf eilte ihr voraus, denn sie wusste wie sie Menschen in ihrem Umfeld um den Finger wickeln konnte, damit sie die Drecksarbeit für sie erledigen.
      Auch wenn sie es nicht zugeben würde, ein kleines bisschen genoss sie es, für einige Zeit nicht zu Hause sein zu müssen, denn im Moment hing der Haussegen ein wenig schief. Doch sie überspielt dies sehr gut, hielt ihre Maske aufrecht. Vielleicht tat ihr ein gewisser Abstand gut und einen klein bisschen Hoffnung hatte sie noch, das nach dem Trip wieder alles seinen gewohnten Gang geht.

      Nachdem sich alle Studenten eingetragen hatten, schickte der Professor Flyer und Broschüren zu ihnen nach Hause. Dort stand geschrieben was sie zu dem Trip mitnehmen mussten und wo die Reise ungefähr hinging. Ein paar Sachen waren deutlicher hervorgehoben, als andere. Darunter waren ein Zelt, Isomatte oder Luftmatratze, ein Schlafsack, Taschenlampe, Erste-Hilfe-Set, Insektenschutz, Campinggeschirr/ Besteck, Trinkwasser und Essens Vorräte, persönliche Hygieneartikel, Handtücher, passende Kleidung. Optionale Dinge standen ebenfalls darauf, die aber nicht zwingend notwendig waren. Beispiele dafür sind ein Multitool/ Taschenmesser, Toilettenpapier, Powerbank, Klebeband, Schnur usw.
      Er plädierte auf die Vernunft der Studenten und hoffte das sie die ganze Sache ernst nehmen. Denn dort wo sie hinfahren gab es nicht viel. Das Camp lag an einem schneebedeckten Berg mit einem traumhaften See davor. In dem Camp gab es nur notdürftige Sanitäranlagen und das nächste Dorf war ein paar Kilometer von ihnen entfernt.
      Doch das teilte er den Studenten im Vorfeld nicht mit, denn es soll eine kleine Überraschung für sie werden. Es wäre schließlich viel zu einfach, wenn alles vor ihrer Nase liegen würde, dann wäre das Ganze keine wirkliche Herausforderung.

      Im Bus

      Einige Tage waren vergangen und die Studenten haben alle Sachen zusammengepackt, die sie für richtig hielten. Ob sich alle an die Vorgaben gehalten haben, blieb abzuwarten.
      Ein großer Reisebus stand schon vor der Uni bereit. Phil und Liam warteten schon eine ganze Weile darauf, endlich ihre Sachen einzuladen. "Hoffentlich haben wir alles dabei", sprach der Blonde. "Ich hab das Gefühl, irgendetwas vergessen zu haben." Liam sah zwischen den ganzen Rucksäcken und Taschen hin und her. "Ich denke nicht das etwas fehlt, bei dem Haufen Zeug was unsere Eltern uns mitgegeben haben." Phil grinste ihn breit an. "Du hast wohl Recht." Sein Blick hob sich, denn die Tür vom Bus ging endlich auf. Der Busfahrer trat hinaus und öffnete die Klappe vom Kofferraum. "Dann wollen wir mal." Die beiden Jungs halfen den Fahrer, ihre Sachen zu verstauen, man konnte meinen sie würden für die nächsten Monate in der Natur verbringen. "Los sichern wir uns die besten Plätze", sprach der Schwarzhaarige anschließend. Die besten Plätze waren immer noch bis hinten im Bus und die beiden Jungs machten sich extra breit, sodass niemand auf die Idee kam, sich zu ihnen zu gesellen.
      Phil lehnte sich ans Fenster und blickte nach Draußen und dann weiteten sich seine Augen. "Oh mein Gott! Liam guck Mal wer mitfährt." Liam wollte gerade seine Kopfhörer herausholen, als sein Mund sich leicht öffnete. "Nicht dein Ernst? Was will sie denn hier?" Ihr Blick fiel auf Hannah. Die komplett in weiß, mit Sonnenbrille und mit Absatzschuhen ihren rosafarbenen Koffer hinter sich herzog und ihre teure Designertasche in der Hand hielt. Die beiden Jungs konnten sich ein Lachen nicht verkneifen. Natürlich musste sie auch noch ein Selfie vor dem Bus machen und es gleich auf Instagram hochladen. Tippend stieg sie in den Bus ein, ihr Blick auf ihr Handy gerichtet. "Jo hast du dich verlaufen? Zum nächsten Schönheitswettbewerb geht es in die andere Richtung." Liam konnte sich den Kommentar nicht verkneifen und grinste sie an. Hannah blieb stehen, zog ihre Sonnenbrille ein Stück weit herunter und musterte die beiden. "Na sieh mal einer an. Der Schönling und der Schwachmat. Warum war mir klar, das ihr beiden auch mitfahrt? Das kann ja heiter werden." Sie lächelte schief und suchte sich einen Platz aus, stellte ihre Tasche neben sich auf den Sitz und widmete sich wieder ihrem Handy. Liam kochte vor Wut. "Wie hat sie mich gerade genannt?" Phil legte eine Hand auf seinen Arm um ihn zu beruhigen. Doch Liam ignorierte es und stand auf um zu ihr zu gehen. Er setzte sich hinter sie und beugte sie zu ihr. "Hör Mal zu Blondie. Leg dich nicht mit mir an, sonst kann das böse enden." Hannah schenkte ihm keinerlei Beachtung und er verduftete grummelnd wieder nach Hinten. Es war sowieso nur eine leere Drohung von ihm, ein großer Mund und nichts dahinter. Sie hatte also nichts zu befürchten.
      Nun warteten die drei noch auf den Rest der Mitfahrenden, in der Hoffnung es haben sich noch einige eingeschrieben, sonst könnte der Trip wirklich sehr interessant werden.
    • Neu

      Als Nächstes trudelte Astrid ein. Die angehende Tierärztin mit dem braunen Lockenkopf war an der Uni weder besonders bekannt, noch legte sie darauf Wert. Trotzdem war ihr Name vielen jüngeren Semestern ein Begriff, da sie Teil des Mentorprogramms war. Und zwar nicht wie ein Haufen anderer nur für die Teilnahmebestätigung auf ihren Abschlusszeugnis, sondern weil sie wirklich mit Herz dabei war. Astrid war die Art Mentor, die man auch um drei Uhr nachts noch anrufen konnte, wenn man Panik schob. Und sie würde sogar helfen, die Leiche zu verstecken.
      Inklusive mieser Gewissenbisse hinterher, aber sie war da, wenn es darauf ankam.
      Und sie hatte nicht nur Bock auf den Trip, sondern sich auch so gut vorbereitet, dass sie wohl ganz ohne Zelt und Konserven zurecht gekommen wäre.
      Im Gegensatz zu den anderen, die bereits im Bus zu sein schienen, hatte Astrid nur einen brechend vollen Wanderrucksack und eine ebenso volle Reisetasche gepackt. Keinen Koffer. Nichts mit Rollen.
      Die würden sich nicht so leicht durch Matsch und Gras und Dreck ziehen lassen. Wie gesagt. Gut vorbereitet.
      Kurz blieb ihr Blick an dem quietschpinken Koffer hängen. Das war - äh. Mit Sicherheit eine Wahl. Aber keine voreiligen Schlüsse ziehen.
      Freudig erregt sprang Astrid die Stufen in den Bus hoch, ein breites, aufgeschlossen Lächeln in ihrem Gesicht.
      Und es hielt sich auch, als ihr Blick auf die berüchtigte Campusdiva Hannah fiel, die gelangweilt auf ihrem Handy rumtippte. Ok. Unerwartet, aber cool, dass Hannah an so einem Trip teilnahm.
      Die anderen beiden Typen kannte Astrid nicht.
      Ihr Lächeln blieb trotzdem gleich breit, während sie die vordere Hälfte des Busses ignorierte und sich zielstrebig auf den Weg in den Teil machte, in dem die drei bereits saßen.
      „Hey, ich bin Astrid.“, stellte sie sich niemand bestimmten und doch allen gleichzeitig vor, während ihre Schritte so beschwingt waren, dass ihre Locken mit jedem Schritt auf und ab hüpften.
      „Ist da noch frei?“, fragte sie und deutete mit einem Finger auf den Platz, auf dem Hannahs Tasche stand. Ja. Astrid ging fest davon aus, dass alle anderen auch hier waren, weil sie es wollten und ebenso daran interessiert waren, neue, unvergessliche Freundschaften zu formen.
      In der Zwischenzeit hatte sich draußen ein weiterer dunkler Haarschopf genährt. Der gehörte zu Kieran, der mit ausdrucksloser Miene, die nicht deutlicher sein Desinteresse an der ganzen Scheiße hier hätte kundtun können, an den Bus herantrat. Er ignorierte die ausgestreckte Hand des Busfahrers, die ihm seine Tasche abnehmen wollte und warf sie selbst in den Laderaum des Busses.
      Dann drehte er sich weg und stieg in den Bus, während der Busfahrer sich gerade ehrlich fragte, ob der Typ ihn wirklich nicht gesehen oder absichtlich wie Luft behandelt hatte.
      Ein kurzer Blick über den Innenraum des Busses, der nicht an einem der Insassen auch nur einen wimpernschlaglang hängen blieb. Dann setzte Kieran sich in die erste Reihe und somit so weit weg von den anderen, wie körperlich möglich. Eine Sekunde später hatte er bereits Kopfhörern in den Ohren und seine Intention was diesen Trip anging deutlich verkündet. Ich will nichts mit euch zu tun haben.
      Draußen hatte der Busfahrer mittlerweile das unverschämte Verhalten des Asiaten abgeschüttelt und war nun damit beschäftigt, alle paar Sekunden einen genervten Blick auf seine Uhr zu werfen. Ganz so, als würde die Zeit dadurch schneller fließen oder der eine Student, der laut seinen Unterlagen noch fehlte, auf magische Weise auftauchen.
      Magisch konnte man jedoch nicht gerade beschreiben, wie Emmet mit zwei schweren Hardcoverkoffern - in jeder Hand einen - und einer viel zu teuren Echtledertasche über eine Schulter geschlungen, auf den Bus zu stolzierte. Eindrucksvoll war das bessere Wort. Vor allem wenn man beachtete, wie mühelos das alles bei ihm aussah, obwohl seine Koffer so voll waren, das es an ein Wunder grenzte, das sie keine Kerben im Asphalt hinterließen.
      „Vorsichtig, ja? Die Sachen da drinnen sind mehr wert, als du in einem Jahr verdienst.“, begrüßte er den Busfahrer und warf ihm ein bevormundendes Lächeln zu, während er sich gelassen die Sonnenbrille von der Nase und hoch in seine perfekt gestylten Haare schob. Dabei fing die teure Uhr an seinem Handgelenk das Sonnenlicht und funkelte mit einer Aura von Reichtum. Ja, das passierte wirklich.
      Emmett’s Mundwinkel wanderten leicht nach unten, als er einen Blick auf die dreckigen Eingangstreppen des Busses warf. Die Kosten für die Reinigung seiner Schuhe würde er dem Busunternehmen später in Rechnung stellen müssen.
      Kieran ignorierte die Wolke aus Rosenduft und Geld, die an ihm vorbeizog ebenso, wie Emmett den nichtssagenden Jungen ignorierte, der sich in die erste Reihe gesetzt hatte.
      Als hätte er schon genau gewusst, wo er sitzen würde, bevor er den Bus auch nur betreten hatte, setzte Emmett ein gönnerisches Lächeln auf schlenderte mit dem gelassenen Selbstbewusstsein, wie es nur Leute haben konnten, die wussten, dass ihnen jeder Raum gehörte, den sie betraten, auf die Gruppe zu.
      „Wenn das nicht mal die charmanteste, kleine Reisegesellschaft ist, die ich je gesehen habe.“, kommentierte er auf eine charmante Art und Weise, die es fast unmöglich machte, ihm wegen des Kommentars das Gesicht polieren zu wollen. „Die Kleidung lässt zu wünschen übrig. Aber das war wohl zu erwarten.“ Mit einem theatralischen Flair, der auf die Bühne eines New Yorker Theaters gehörte, ließ er sich eine Reihe vor Hannah nieder. „Nicht du, natürlich. Du siehst wie immer blendend aus, Darling.“

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Bitter Lemon ()

    • Neu

      Liam stöpselte sich seine Kopfhörer in die Ohren und scrollte auf Spotify nach passender Musik. Das Hannah mitfährt passte ihn so gar nicht, aber sie wird es sicherlich keinen einzigen Tag in der Natur aushalten, so dachte er. Phil fand die kleine Auseinandersetzung eher amüsant und lehnte sich mit den Kopf an die Lehne des Sitzes an. Sein Blick ging dann zu der braunhaarigen Frau, die er vorher noch nie gesehen hat. Astrid war ihr Name und er nickte ihr nur lächelnd zu, als sie sich vorstelle. Liam hatte die Augen geschlossen und war in seiner Musik vertieft.
      Die junge Frau ging zu Hannah um sie zu fragen ob sie neben ihr Platz nehmen durfte. Die Diva nahm ihre Sonnenbrille nun komplett ab und sah die andere mit hochgezogener Augenbraue an. "Sry kleines, aber der Platz ist schon reserviert, wie du sehen kannst." Mit einer Geste zeigte sie auf ihre Tasche. Nie würde sich jemand wagen sich neben sie zusetzten, wo doch ihre teure Designertasche bereits stand. "Es ist doch noch genug Platz frei, aber wenn ich dir einen Tipp geben kann, bleib lieber in der Mitte des Busses, dort hinten stinkt es nur nach überschüssigen Testosteron." Ihr war es egal ob es die beiden Jungs auf den hinteren Plätzen gehört haben. Aber sie liebte es Leute zu provozieren. Ein weiterer Typ mit dunkeln Haaren stieg in den Bus ein und brachte eine kühle Atmosphäre in den Bus, das die Luft beinahe gefrierte. Hannah betrachtete ihn nur skeptisch und widmete sich kopfschüttelnd wieder ihrem Handy. Der Busfahrer war noch immer nicht eingestiegen und tippte nervös auf dem Klemmbrett herum. Anscheinend fehlte noch jemand in der Gruppe. Phil gab ein lautes Stöhnen von sich und tippte Liam an. Der zog sich einen Stöpsel aus dem Ohr und blickte nach Draußen. "Oh fuck.. Nicht der auch noch..." Alle beide Augenpaare waren auf den einzig waren Emmett Winchester gerichtet. Liam verdrehte nur die Augen, als der Blonde seine Kommentare kundtat. Phil schien auch nicht so begeistert von ihm zu sein, aber dafür war Hannah plötzlich voll aus dem Häuschen. Sie quietschte beinahe vergnügt auf, als er sich vor sie setzte. "Wahnsinn! Warum hast du mir nicht getextet das du hier mit fährst? Ich habe schon gedacht, ich bin der einzig normale Mensch hier in dem Bus." Sie und Emmett verband so vieles, nicht nur das ihre Eltern stink reich waren. Hannah´s Augen leuchteten förmlich. "Du siehst aber auch wieder perfekt aus. Sag mir woher hast du dein Oberteil?"
      Die beiden Jungs schüttelten nur mir den Köpfen und sahen sich dann an. "Das wird ätzend habe ich Recht?" Liam nickte. "Das wird der schlimmste Trip unseres Lebens. Zwei von derer Sorte war ja noch unerträglicher." "Wir machen das Beste daraus ja?" "Abgemacht. Die überleben eh nicht lange. Wer geht schon freiwillig mit Koffern in die Natur?" Phil zuckte mit den Schultern. Bei einem waren sie sich vorerst sicher, die beiden würden ihr Ding zu zweit durchziehen.
      Der Busfahrer schloss den Kofferraum und stieg endlich ein. Der Bus setzte sich in Bewegung und fuhr die Straße entlang. Die Universität wurde im Hintergrund immer kleiner. Niemand von ihnen wusste wohin die Reise nun wirklich geht. Der Bus fuhr durch weite Landschaften, immer weiter. Stunden vergingen. Die Sonne stand tief, als der Bus auf einen kleinen Weg abbog, der mitten in den Wald führte. Vor einer Schranke bremste er plötzlich und rüttelte alle Studenten damit wach. "Wir sind da. Ab hier müsst ihr Laufen." Er stellte den Motor aus und öffnete die Türen. Phil und Liam räumten ihre Sachen in den Rucksack und stiegen als erstes aus. Der Fahrer stieg aus und räumte die Taschen und Koffer aus dem Bus heraus. Sofort schnappten sie sich ihre Sachen und machten sich auf den Weg. Ihnen war es im Moment egal, ob die anderen hinterher kommen würden. Hannah stand entnervt von ihrem Sitz auf und folgte dem Rest nach Draußen. Sofort machte sich ein ungutes Gefühl in ihrem Bauch breit. Sie hinterfragte ihre Teilnahme sofort, doch als sie in die blauen Augen von Emmett blickte, war die Angst schnell wieder vergessen. Sie war echt dankbar das er mit dabei war, auch wenn das hier nicht wie Urlaub aussieht. Sie schnappte sich ihren pinken Koffer und versuchte mit ihren Stöckelschuhen über den Waldboden zu laufen. Immer wieder versank sie mit ihrem Absätzen darin oder blieb kurz stecken. Doch sie strich sich ihre blonden Haare nach hinten und versuchte es sich nicht anmerken zu lassen, das ihre Schuhwahl doch nicht so glücklich gewählt war.
      Die beiden Jungs waren schon längst außer Sichtweite und konnten ihren Augen, nach einen 20 Minütigen Fußmarsch, nicht trauen. "Kneif mich Alter, aber ist das wahr?" , sprach Liam zu Phil. Phil´s Augen wurden auch immer größer als sie auf diesen Anblick schauten, der sich vor ihnen erstreckte. Ein See mitten an einem Berg und Wald wohin das Auge nur sehen kann. "Ich weiß wer als erstes Baden geht." Phils´s Mundwinkel zuckten und auch Liam schmunzelte. Sofort ließen sie ihre Sachen fallen, zogen sich bis auf die Unterhose aus und rannten in den See hinein. "Fuck ist der kalt", sprach Liam, während er sich die Arme rieb. "Ja es ist eben ein Bergsee, der wird nicht beheizt." Phil genoss diese kleine Abkühlung nach der langen Busfahrt und nach kurzer Zeit gingen sie wieder raus. Das Risiko war zu hoch sich gleich zu erkälten.
      Hannah hatte es währenddessen mit den anderen auch geschafft und starrte die beiden Jungs an. "Von Anstand habt ihr beiden auch noch nichts gehört oder?" Ihr Blick fiel unweigerlich auf ihre nackten Oberkörper und sie versuchte den Blick abzuwenden, auch wenn es ihr nicht so gut gelang. Liam zog ein Handtuch aus seiner Tasche und rubbelte sich durch seine schwarzen Haare. "Und warum fängst du an zu Sabbern Hannah?" "Was..? Tu ich gar nicht!" Sie wischte sich trotzdem über den Mund und funkelte Liam böse an. "Jetzt lass sie doch", sprach Phil lachend. "Nimm sie nicht immer in Schutz." "Tu ich gar nicht, aber wir wollten uns auf uns konzentrieren. Okay?" Liam sah es für den Moment ein, aber trotzdem behielt er Hannah im Auge. Während sich die Jungs abtrockneten und sich umzogen, stellte Hannah ihren Koffer an der Seite ab und sah sich um. Die Gegend war schön, aber viel lieber wäre sie am Meer. Ihr Handy nahm sie wieder in die Hand und knipste ein Foto von der Gegend. Angewidert blieb ihr Blick an den Sanitäranlagen des Platzes hängen. "Ist das deren Ernst?" Sie lief darauf zu und blickte hinein. "Ihhh. Wie gut das ich genügend Desinfektionsmittel dabei habe, darauf setzte ich mich bestimmt nicht ohne weiteres." Sie musste aufhören sich zu ekeln, sonst bekommt sie wieder Herpes an ihrer Lippe. Sie atmete tief durch und kehrte auf den Absatz wieder um und fiel in die Arme von Emmett. "Bitte hilf mir diese Zeit zu überstehen."





    • Neu

      „Oh, äh. Okay.“ Astrids Blick glitt kurz zu der Tasche neben Hannah und dann zu den beiden jungen Männern, von denen es nicht einer nötig gehalten hatte, sich vorzustellen. Wenigstens hatte einer von ihnen gelächelt.
      Das lief alles ganz und gar nicht nach Plan, aber Astrid lächelte trotzdem unbeirrt weiter, auch wenn sie körperlich ein wenig zu schrumpfen schien, und ließ sich kurzerhand auf dem Sitz hinter ihr plumpsen, der nur von dem Mittelgang des Busses von dem Platz getrennt war, auf dem seelenruhig Hannahs Tasche lag.
      Dann packte sie kurzerhand ihren kleinen, vergriffenen Wildnisratgeber aus, den sie bereits vor der Fahrt rauf und runter studiert hatte.
      Emmett positionierte sich so, dass er Hannah ganz entspannt ansehen konnte und schaffte es dabei, die billigen Bussitze, die definitiv unter seiner Würde waren, wie ein teures Ledersofa aussehen zu lassen.
      „Und diesen zuckersüßen Anblick der Freude auf deinem Gesicht verpassen? Niemals.“
      Dann beugte Emmett sich leicht vor, ein verschwörerisches funkeln in den Augen und die Stimme so dramatisch gesenkt, als gäbe er ein Staatsgeheimnis Preis.
      „Das neue Chanel. Kommt erst diesen Herbst in die neue Kollektion. Aber du kennst mich ja.“ Er zwinkerte und verfiel dann nahtlos mit Hannah in eine Konversation über die Trends des kommenden Modejahres.

      Als die Gruppe endlich an ihrem Ziel ankam, konnte Emmett nicht umhin, mit der Zunge zu schnalzen und dem Busfahrer einen zweifelnden Blick zuzuwerfen.
      „Entschuldigung, aber ich muss mich verhört haben. Wir sind da?“
      Das hier war deutlich weniger Designerhütten im Wald mit einem Luxusresort direkt neben dran wie Emmett normalerweise von seinen Campingtrips gewohnt war. Wo waren die Bediensteten, die mit einem netten Lächeln und kühlen Champagner auf ihn warteten?
      „Hast schon richtig gehört.“, brummte der Busfahrer, der seit Emmett’s erster Bemerkung an ihn offensichtlich eine Abneigung gegen den blonden Schönling hatte.
      „Großartig. Und als Nächstes erzählen Sie mir, dass ich meine Koffer selber tragen muss.“, höhnte Emmett und trat ein Stück Erde von seinen teuren Schuhen ab. Das hier war definitiv zu viel Natur für ihn.
      „Musst du.“, kam die Antwort des Busfahrers, die Emmett erst kurz innehalten und dann mit dem theatralischen Flairs eines hintergangenen Gottes zum ihm schauen ließ.
      Astrid, die das ganze von der Seitenlinie beobachtet hatte, spürte instinktiv, dass es hier zu einem Showdown bis aufs Blut kommen würde, wenn sie nicht einschritt.
      Also machte sie einen halben Schritt nach vorne und positionierte sich damit zwischen Emmett und dem Busfahrer und lächelte beschwichtigend.
      „Alles klar. Danke fürs fahren. Wir kommen ab hier zurecht.“ Der Busfahrer beäugte sie skeptisch von unter seinen buschigen Augenbrauen und Schnaubte dann nur als Antwort, ehe er sich umdrehte und in seinen Bus stieg.
      Emmett wusste ganz genau, was Astrid gerade getan hatte und richtete seine Aufmerksamkeit nun auf sie. Bevor er jedoch etwas sagen konnte, kam Astrid ihm zuvor: „Es ist bestimmt nicht so weit. Hier, ich trage auch einen deiner Koffer.“
      Das zauberte Emmett sofort ein charmantes Lächeln ins Gesicht. „Danke, Darling.“
      Und während er mit einer Leichtigkeit einen seiner Koffer hoch hob, die Bände darüber sprach, das er ganz bestimmt auch beide gleichzeitig hätte tragen können, hatte Astrid Schwierigkeiten, das Hardcover-Monstrum auch nur leicht anzuheben. Was zum Teufel hatte Emmett alles eingepackt?!
      Astrid sollte jedoch keine Chance bekommen, ihn zu fragen. Denn Emmett hakte sich mit dem nun freien Arm bei Hannah ein und begann mit ihr über darüber zu philosophieren, wie oft am Tag er hier draußen wohl seine Sonnencreme neu auftragen musste.
      Okay. Vielleicht konnte sie später ein paar nette Worte mit Emmett wechseln, um ihn besser kennen zu lernen.
      Dann würde sie eben so lange mit dem anderen Studenten quatschten, der noch dabei war. Der, der ganz alleine vorne im Bus gesessen hatte.
      Nur das Kieran sich seine Sachen schon geschnappt hatte, bevor Emmett auch nur das erste Wort mit dem Busfahrer gewechselt hatte und sich alleine auf den Weg gemacht hatte.
      Dann eben auch später, dachte Astrid sich, während sie schnaufend einen Koffer hinter sich her zog, der weder ihr gehörte noch auch nur anmessend für diesen Trip gepackt war. Denn sie war sich sicher, das Emmett darin seine Diamantensammlung oder etwas der gleichen verstaut hatte.

      Kieran traf gerade im Camp ein, das zu diesem Zeitpunkt nicht aus viel mehr als ein paar veralteteren Sanitäranlagen und einem unglaublichen Ausblick bestand, als die zwei Idioten aus dem Bus in das Wasser sprangen. Vielleicht hatte er ja Glück und in dem See gab es Haie. Dann hätte zwei Köpfe weniger, die ihn nerven konnten.
      Aber Kieran war nicht blöd. Haie gab es leider nicht in Bergseen.
      Er schenkte den planschenden Kerlen keine weitere Beachtung, warf seine Sachen auf den Boden und kramte das zusammengefaltete Zelt heraus. Dann begann er an einer Stelle möglichst weit weg von den Sanitäranlagen (das war ein Geruch, ohne den er wirklich gut leben konnte), dem See (einmal den kreischenden Idioten beim planschen im Kinderbecken zuhören zu müssen war genug) und ebenfalls möglichst weit weg von dem Fleck verbrannter Erde, der indizierte, das dort einmal eine Feuerstelle gewesen war und bald wahrscheinlich wieder sein würde, aufzustellen. Menschen neigten dazu, sich beim Campen am Feuer zu versammeln. Ebenfalls etwas, ohne das er gut leben konnte.
      Emmett kam derweil mit Hannah am Arm ebenfalls im Camp an. Sein Blick blieb nicht weniger an den nackten Oberkörpern von Liam und Phil hängen, als Hannahs (natürlich wusste Emmett alles über jeden, der hier mitgefahren war. Wie sprechen immerhin von Emmett). Im Gegensatz zu ihr machte er sich jedoch nicht die Mühe zu verbergen, dass er den Anblick genoss.
      „Lass sie doch. Sportstudenten haben zwar nicht viel im Kopf, aber dafür sind sie nett anzusehen.“, summte er schon fast und hob eine perfekt geschwungene Braue, als die beiden begannen, sich wieder anzuziehen. „Ist die Show schon vorbei?“, fragte er gerade als eine schwer atmende Astrid zu ihnen stieß. „Welche Show?“, fragte sie, blies sich eine freche Locke aus dem Gesicht und ließ den schweren Koffer auf den Boden plumpsen.
      Emmett quittierte das mit zusammengezogenen Augenbrauen und war im nächsten Moment aber damit beschäftigt, Hannah aufzufangen die ihm dramatisch in die Arme fiel.
      Und er krallte sich eben so sehr an sie wie sie an ihn, als sein Blick auf das rustikale Toilettenhäuschen fiel, von dem Hannah gerade gekommen war. „Ew. Das benutze ich nicht.“ Emmett schon die Unterlippe vor und verzog den Mund nach unten.
      „Meinst du es ist zu spät, um meinen Privatjet zu rufen?“, fragte er Hannah mit einer Dringlichkeit in der Stimme die klar machte, das er nicht scherzte.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Bitter Lemon ()

    • Neu

      Hannah konnte sich ein leichtes Kichern nicht verkneifen. "Ich wäre sofort dabei, aber dann können wir uns die Punkte abschminken." Die Idee war von Emmet zwar wirklich super, aber trotzdem wollte sie vorerst nicht zurück nach Hause. Der Gedanke daran ließ sie kurz erschaudern. Schnell sammelte sie sich wieder und blickte auf ihren Koffer. "Keine Sorge ich bin bestens ausgestattet und werde diese Toiletten optisch aufwerten." Sie löste sich aus seinen Armen und wackelte zu ihren Koffer, den sie auf den staubigen Boden legte und öffnete. Zum Vorschein kam in einer Hälfte des Koffers nur verschiedene Desinfektions- und Hygienemittel, dem weichen rosa Toilettenpapier und Einmalhandschuhe. Ihr Blick fiel auf die beiden Jungs, die gerade dabei waren ihr Zelt aus der Tasche zu ziehen. Sie richtete sich auf und stapfte auf die beiden zu. "Hey ihr beiden, wärt ihr so gut und würdet die Toiletten sauber machen, bevor ihr euer Zelt aufbaut? Ich war heute Morgen erst bei der Maniküre und möchte meine Fingernägel nicht gleich solchen Strapazen aussetzen." Ihr Blick lag fordernd auf den Jungs, doch Liam lachte nur. "Dein Ernst Blondie? Wir sind nicht deine Bediensteten." Phil legte das Zelt auf den Boden ab und richtete sich auf und blickte auf die Sachen die sie in der Hand hielt. "Gib schon her." Hannah reichte ihm freudestrahlend die Handschuhe und das Desinfektionsmittel. Liam warf ihm einen strengen Blick zu. "Wirklich jetzt? Sie schnippt einmal mit dem Finger und du machst was sie möchte?" "Ich habe nur keine Lust auf diese Diskussionen und ein bisschen Sauberkeit hat noch niemanden geschadet. Zu Mal wir uns zu sechst die Toiletten teilen müssen." Hannah lächelte selbstgefällig und legte eine Hand auf Phils Schulter und hauchte ihm ins Ohr. "Danke. Ich wusste auf dich ist Verlass." Liam sah sie angewidert an. "Pass auf das du nicht auf deiner eigenen Schleimspur ausrutscht." Sie tat es nur mit einer theatralischen Geste ab und wackelte hüfte schwingend zurück zu Emmet und klatschte in seine Hand.
      Phil machte sich also auf um die Toiletten sauber zu machen. Der beißende Geruch war auch für ihn eine kleine Herausforderung, aber solange er dafür sorgen konnte das sich alle irgendwie wohlfühlten, machte er sich an die Arbeit.
      Liam suchte sich einen geeigneten Platz für das Zelt aus, welches er sich mit Phil teilt. Ihm war nicht entgangen das der dunkelhaarige Typ, aus der ersten Reihe bereits dabei war seins aufzubauen, soweit weg wie nur möglich. Er kannte ihn nicht und anscheinend war er kein Typ der zu einer Gruppe gehören wollte. Nach hin und her überlegen, fand der Schwarzhaarige einen Platz und legte dort die Zeltplane auf den Boden und fing an nach einander die Stangen zusammenzustecken. Es fiel ihm nicht schwer, da er das schon oft genug gemacht hatte. Während er auf Phils Rückkehr wartete fiel sein Blick auf den braunen Lockenkopf. Liam konnte sich nicht daran erinnern sie in dem Bus gesehen zu haben. Vielleicht war er auch vorhin so sehr in seiner Musik vertieft, das er es nicht mitbekam, als sie einstieg. Er wird sicherlich später noch Gelegenheit dafür haben sich vorzustellen.
      Phil versuchte alles um die Sanitäranlagen klinisch rein zu bekommen. Als er fertig war ging er zu Hannah und stellte die Desinfektions- und Hygienemittel auf den Boden. Er zog sich die Handschuhe aus und lächelte sie an. "Fertig. Ich hoffe jetzt ist es genehm so." Sie lächelte ihn an. "Danke nochmal für deine Hilfe." Er nickte und machte sich auf den Weg zu seinem besten Freund. "Du kommst gerade richtig." Liam kämpfte damit die Stangen einzufädeln. "Warte ich helfe dir." Sofort griff Phil nach den Stangen und half ihm dabei, damit das Zelt richtig aufzustellen. Nachdem das erledigt war, klopften sie die Heringe in den Boden und spannten Seile um den Zelt noch mehr Halt zu geben, falls das Wetter plötzlich umschlägt. Liam strich sich den Schweiß von der Stirn mit seinem Shirt und war froh als sie fertig waren. Das Zelt war relativ groß und es hätten theoretisch 4 Leute darin Platz. Das Zelt war abgetrennt in einem Vorderbereich und in den Schlafbereich. Dort rollte die Beiden ihre Isomatten aus und packten die Luftmatratzen aus und pumpten sie auf. Der Schlafsack wurde oben drauf gelegt und ein erstes Probeliegen erfolgte. "Fühlt sich fast wie nach Hause kommen an. Findest du nicht?", sprach Phil zu Liam. Dieser nickte und drehte seinen Kopf zu ihm. "Fast ja. Wären wir alleine hier, dann wäre es so wie immer."

      Hannah kramte in der Zeit auch ihr Zelt unter den Desinfektions- und Hygienemitteln heraus, welches ungefähr so groß war wie das von den beiden Jungs. Sie band sich ihre blonden Haare zu einem Zopf zusammen und nahm die Aufbauanleitung in die Hand. Für sie klang das alles spanisch und sie verzweifelte regelrecht daran. Entnervt pustete sie sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Was würde sie nur für fertige Holzhütten tun, das wäre doch viel einfach gewesen, als ein Zelt aufzubauen. Innerlich verfluchte sie Professor Dr. Wilson dafür und er durfte sich nach ihrer Rückkehr auf ein Gespräch mit ihr und ihrer Familie freuen.
      Der staubige Boden machte die Sache für sie noch schwerer, denn ihre weißen Klamotten waren bereits beschmutzt. Er wird also auch noch für die Reinigung ihrer Kleidung aufkommen müssen. Mit einem bösen Blick sah sie zu den beiden Jungs, deren Zelt schon längst stand. Wie sie sich freuten und sich feierten als wären sie die Größten hier. Ihr Blick sprach Bände, doch sie ließ sich davon nicht beeindrucken und versuchte krampfhaft weiter die Stangen zusammen zu setzen. Nach einer Weile hatte sie es tatsächlich geschafft das das Zelt stand. Für einen kurzen Moment.. Dann fiel es wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Sie warf den kleinen Hammer auf den Boden und schrie genervt auf.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Shio ()

    • Neu

      Emmett hatte sich auf einen seiner Koffer gesetzt. Sonnenbrille auf der Nase und Beine elegant überkreuzt, betrachtete er gelangweilt seine Fingernägel. Vielleicht hätte er doch nochmal vor dem Trip zur Maniküre gehen sollen.
      Auch wenn er gestern erst gewesen und seine Fingernägel für jeden anderen perfekt aussahen.
      „Wieso bemühst du dich überhaupt, Gorgeous?“, fragte er wie beiläufig, als Hannah genervt aufschrie.
      „Ich bin mir sicher, es lässt sich jemand finden, der das für uns macht.“ Jetzt sah er auf, ein blendend charmantes Lächeln auf den Lippen.
      „Astrid!“, flötete er und die angesprochene hob sofort ihren Kopf, von dort, wo sie gerade damit beschäftigt war, die eigenen Stangen ihres Zeltes zusammen zu stecken.
      „Ja?“
      „Sei ein Schatz und komm mal her.“
      Astrid legte das halb zusammen gesteckte Gestell ihres Zeltes ab und kam angetrottet.
      „Was gibt’s?“, fragte sie wie immer hilfsbereit und mit einem Lächeln auf den Lippen, das im Gegensatz zu Emmett’s echte Wärme ausstrahlte.
      Emmett wedelte lässig mit einer perfekt manikürten Hand Richtung Hannah.
      „Hannah hier könnte deine Hilfe gebrauchen. Wir sind beide sehr unerfahren, was solche Aktivitäten wie Zelte aufbauen angeht.“ Handarbeit. Sie waren beide sehr unerfahren darin, ihre Hände für irgendetwas anderes zu benutzen, als Kommentare zu wedeln und auf Dinge zu zeigen, die sie haben wollten. Aber Emmett verpackte diese Tatsache um einiges charmanter und wählte genau die Worte, von denen er wusste, dass sie Astrid dazu bringen würden, die Zelte für die beiden aufzubauen. Emmett sah vielleicht aus wie ein arroganter Schnösel, der nichts im Kopf hatte außer Geld und Kaviar und Designerklamotten und gab sich auch so, aber er hatte auch eine sehr gute Menschenkenntnis. Es hatte genau einen Blick gebraucht, um zu wissen, dass Astrid leicht zu manipulieren war und jede Chance nutzen würde, anderen zu helfen. Vor allem wenn sie das Gefühl hatte, die Gruppe so näher zusammen zu bringen und Freundschaften zu formen.
      „Würdest du uns helfen, Princess?“
      Astrids Blick folgte Emmett’s künstlerisch beiläufig wedelnder Hand zu Hannah, dem eingekrachten Zelt und dem kleinen Holzhammer, der auf dem Boden neben ihren Füßen lag.
      „Klar, kein Problem.“ Astrid schob sich ihre Haare hinter die Ohren und trat auf Hannahs eingefallenes Zelt zu.
      „Hier, Du musst zuerst -", begann sie, aber wurde von Emmett unterbrochen.
      „Ich glaube, Hannah muss sich erstmal von dem Schock erholen. Nicht wahr, Darling?“ Großzügig klopfte Emmett auf den Koffer neben sich um Hannah zu bedeuten, sie solle sich setzen. Ihr Outfit war schon total ruiniert und Emmett musste retten, was es noch zu retten gab. Der arme Stoff.

      Kieran, der sein Wurfzelt innerhalb von Minuten aufgebaut hatte, warf seine Tasche hinein, in der Hoffnung, dass sie schwer genug war um das dünne Polyester Teil an Ort und Stelle zu halten. Bei seinem Glück würde der erste sachte Wind es sonst direkt in denn See katapultieren. Und wasserdicht war das Zelt aus dem Discounter wahrscheinlich auch nicht.
      Aber für mehr hatte es eben nicht gereicht. Zur Not würde er sich halt eine Hütte aus Stöcken zimmern, oder so. Das Wissen dafür hatte er auf jeden Fall. Zumindest in der Theorie. Er war noch im ersten Semester und bis auf billige Pappmaschee-Modelle hatte er noch nie etwas mit seinen eigenen Händen gebaut, aber er war entschlossen, den Trip zu überstehen. Mit oder ohne Zelt.
      Er brauchte die Credits.
      Und ganz dringend Abstand zu der Gruppe, die ihm jetzt schon auf die Nerven ging. Dabei hatte er noch nicht ein Wort mit einem von ihnen gewechselt.
      Bei weitem aber hatte er genug mitbekommen, um zu wissen, dass er niemanden von ihnen leiden konnte.
      Emmett und Hannah waren ein manipulierendes Duo und zwei der anderen aus der Truppe auch noch blöd genug, um darauf reinzufallen.
      Oder zu nett.
      Beides nichts, was auf Kieran zutraf und entweder strahlte er das so deutlich aus, dass weder Emmett noch Hannah bis jetzt versucht hatten, ihn für ihre Drecksarbeit zu rekrutieren, oder seine Taktik den anderen aus dem Weg zu gehen, ging einfach voll auf.
      Was auch immer es war - Kieran würde es nicht hinterfragen, solange es funktionierte. Er war sich sicher, dass Astrid irgendwann versuchen würde, ihn in die Gruppe zu integrieren. Die junge Frau schrie quasi mit jeder Pore ihrer Existenz nach Harmonie und Freundschaft und Bilderbuchabenteuern.
      Kieran würde nicht davor zurückschrecken, die Seite mit seinem Namen aus ihrem Buch zu reißen und anzuzünden, während er ihr in die Augen sah.
      Und der andere dunkel haarige Typ, der wenigstens nicht dumm genug war, um auf Emmett und Hannahs Masche reinzufallen, schien genau so wenig Interesse an Kieran zu haben wie er an ihm.
      Also hatte Kieran seine Ruhe.
      Noch.
      Er schnappte sich das kleine Büchlein mit dem dunklen Ledereinband, dass er überall mit hin nahm, tastete testweise nach dem abgekauten Stift, von dem er wusste, dass er sich in seiner Jackentasche befand und stakste dann Richtung Ufer davon.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Bitter Lemon ()

    • Benutzer online 4

      4 Besucher