The last Song [Nimue & Shio]

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Kyle

      Ich hielt ihren Blick stand und würde nicht als erstes nachgeben. Wann war der Zeitpunkt gewesen als sie so gefährlich für mich wurde? Ihre Frage ob alles gut bei mir ist, tat ich mit einem leichten Nicken ab.
      Es war überhaupt nichts gut. Denn ich versank gerade wieder vollkommen in ihren Augen. Als Martha uns das Essen hinstelle löste ich meinen Blick immer noch nicht von ihr. Ich beobachte sie wie sie sich die Gabel in den Mund schob und ich schluckte für einen kurzen Moment. Ich bin verloren
      Wie gerne ich jetzt aufstehen würde um sie einfach zu küssen bis sie den Verstand verlor. Doch ich hielt mich zurück, nicht weil ich es nicht gerne machen würde, sondern weil hier zu viele neugierige Augen im gleichen Raum waren, die uns beobachteten. Wären wir alleine dann könnte ich für nichts mehr garantieren.
      Ich würde sie hochheben und auf den Tisch absetzen und sie dann vernaschen. Jeden einzelnen Zentimeter von ihr auskosten. Damn
      Ich musste aufhören mir das am Esstisch vorzustellen. Mein Blick zog sie ja fast schon aus..
      Martha fragte Grace sogar warum sie so still war. Tja ich wüsste auch gerne was gerade in ihrem hübschen Köpfchen vor sich geht. Tom‘s Blick spürte ich auf mir ruhen. „Kyle? Möchtest du nicht anfangen zu essen? Es wird doch sonst noch kalt und Martha hat sich so eine Mühe gegeben damit.“ Na schön, es war besser mit diesem Kopfkino aufzuhören, bevor mein Bruder noch Verdacht schöpfte. Ich löste meinen Blick von ihr. Dann werde ich mal brav mein Essen zu mich nehmen und mir später weiterhin den Kopf über meine Gefühle die ich wohl anscheinend für Grace entwickle, zerbrechen. Und ja ich musste zugeben das es sehr lecker schmeckte. Ich fühlte mich wie ausgehungert, als hätte ich meine ganze Energie im Krankenhaus verloren. Meine Gedanken rund um Grace gaben mir den Rest.
      Die Portion auf meinem Teller war schnell gegessen und ich schnappte mir meinen Teller und räumte ihn ausnahmsweise mal selber weg. „Wenn ihr mich entschuldigt ich lege mich ein wenig aufs Ohr.“ Tom sah mich besorgt an. „Ich bin im Büro wenn etwas ist. Ach und denk daran das Grace dir nachher noch über die Schulter schaut bezüglich des Songs, aber ruh dich erst einmal aus.“
      Ich hielt an der Treppe kurz inne. Stimmt sie sollte mich ja dabei begleiten. Das kann ja nachher etwas werden, wenn jetzt schon alles bei mir verrückt spielte… nachher waren wir sicher wieder alleine. Mein Herz schlug wieder schneller. Meine Füße setzten sich wieder in Bewegung und ich stolperte die Treppe beinahe nach oben. Schwer atmend schloss ich die Tür hinter mir. Ich weiß nicht wie lange ich das noch aushalte Und seit wann zum Henker duzen sich mein Bruder und sie?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Shio ()

    • Grace

      Ich sah Kyle nach, wie er die Treppe fast schon fluchtartig nach oben stolperte. Er wirkte gejagt und ich wusste genau, von wem. Von uns beiden. Sein Blick am Tisch war so intensiv gewesen, dass ich das Gefühl hatte, meine Haut würde unter der bloßen Berührung seiner Augen zu glühen beginnen.
      Vernünftig bleiben, Grace, ermahnte ich mich innerlich, während ich mechanisch anfing, die Schüsseln vom Tisch zu räumen. "Danke, Martha, das Essen war wirklich wunderbar.", sagte ich mit einem Lächeln, das hoffentlich meine innere Unruhe verbarg. Ich folgte Martha in die Küche. Das Klappern von Geschirr und das Plätschern von warmem Wasser waren in diesem Moment die einzigen Geräusche, die das drohende emotionale Chaos in meinem Kopf übertönen konnten. "Lassen Sie mich Ihnen helfen", sagte ich leise und griff nach einem Geschirrtuch, noch bevor sie widersprechen konnte. Sie warf mir einen prüfenden Blick von der Seite zu. "Sie sollten sich auch aussruhen, Grace. Sie hatten ebenfalls einen langen Vormittag."
      "Abwaschen beruhigt die Nerven. Britische Tradition", scherzte ich schwach und fing an, die schweren Töpfe abzutrocknen, die sie mir reichte. Es tat gut, sich auf mechanische Handgriffe zu konzentrieren. Ich wusch mit ihr die Reste ab und hörte ihrem beruhigenden Plaudern über den Lachs nur halbherzig zu. In meinem Kopf hallte noch immer das raue Timbre seiner Stimme nach. Jedes Mal, wenn ich an diesen fast-gefallenen Kuss dachte, zog sich in mir alles zusamme eine Mischung aus nacktem Verlangen und der Angst, dass alles in Scherben bricht, wenn wir diesen einen Schritt wirklich wagen.
      Wir arbeiteten eine Weile schweigend zusammen, bis die Küche wieder in diesem tadellosen Zustand war, den Martha so liebte. Keine Spur mehr vom Lachs, keine Krümel vom Quinoa fast so, als hätte das Mittagessen, bei dem Kyle mich mit seinen Augen förmlich ausgezogen hatte, nie stattgefunden. "Danke, Schätzchen", sagte Martha schließlich und klopfte mir sanft auf den Handrücken. "Jetzt gehen Sie hoch. Sie sehen aus, als hätten Sie eine Verabredung mit einer Mütze voll Schlaf oder zumindest einer erholsame Dusche."
      Ich nickte dankbar und stahl mich davon. Ich brauchte Abstand. Ich setzte mich an meinen Laptop und öffnete die Dateien von der Dachterrasse. Mein Finger schwebte über dem Bild, auf dem Kyle dieses eine, ehrliche Lächeln zeigte. Er sah darauf nicht aus wie der unnahbare Rockstar, sondern wie der Mann, den ich im Auto am liebsten einfach nur festgehalten hätte. Nein, entschied ich und schluckte schwer. Das gehört nicht dem Internet. Das gehört... mir. Ich lud stattdessen ein anderes, mystischeres Motiv hoch.
      Kurz darauf vibrierte mein Handy. Scott hatte mir wieder ein Bild und eine Nachricht geschickt. Ich tippte eine knappe Antwort, doch meine Gedanken drifteten sofort wieder ab. Wie sollte ich nachher im Wohnbereich stehen, ihm über die Schulter schauen und dabei so tun, als würde mich sein Geruch, seine Nähe, sein bloßes Atmen völlig kaltlassen? Farrows Rat hallte wie ein hämischer Unterton in meinem Kopf. Wenn sie wüsste, dass ich schon beim Gedanken daran weiche Knie bekam.
      Ich musste den Kopf frei kriegen. also beherzigte ich Marthas Ratschlag und ging ins Bad, schälte mich aus meinen Klamotten und stieg unter die Dusche. Das warme Wasser prasselte auf meine Haut, doch es konnte das Knistern nicht wegspülen, das Kyle in meinem Innersten hinterlassen hatte. Ich schloss die Augen und sah ihn wieder vor mir ... wie er sich im Flur die Haare richtete. Erschreckend süß und gleichzeitig so gefährlich attraktiv.
      Nach der Dusche schlüpfte in mein cremeweißes Boho-Kleid, dessen feiner, strukturierter Stoff sich unglaublich leicht auf meiner Haut anfühlte. Perfekt für die Temperaturen der kalifornischen Sonne. Die schulterfreien Ärmel gaben mir sofort ein Gefühl von Freiheit, während ich den schweren, dunkelbraunen Ledergürtel um meine Taille schloss. Die massive, verzierte Schnalle bildete einen harten, aber perfekten Bruch zu den zarten Spitzenbordüren am Saum des Rocks. Meine Haare ordnete ich eher locker in einen Wasserfallzopf. Ich schreckte mich ausging. Joa... das sollte passen. Ich betrachtete mich im Spiegel. Die 'Stiff Upper Lip' Haltung saß wieder, aber das Kleid verriet etwas anderes... ein leises Eingeständnis an die Romantik, die ich den ganzen Tag lang so verzweifelt wegzudiskutieren versucht hatte. Mit der Handykamera in der Hand und einem tiefen Atemzug verließ ich mein Zimmer. Ich schlich leise den Flur entlang in Richtung des Wohnzimmers, bereit, den Moment einzufangen, in dem der Rockstar wieder zum Künstler wurde ...und in der Hoffnung, dass mein kühler Kopf der Hitze seiner Nähe standhalten würde.
    • Kyle

      Es vergingen einige Minuten, bevor sich meine Atmung und mein Herzschlag etwas beruhigt hatten. Ich stieß mich mit meinen Händen von der Tür ab und zog mir mein Shirt über den Kopf und warf es in die Ecke. Mit dem Rücken fiel ich auf mein Bett, der Blick an die Decke gerichtet. Was sich da unten abgespielt hatte, durfte nicht noch einmal passieren. Es muss doch eine Möglichkeit geben sie aus meinem Kopf und aus meinem Herzen zu bekommen.. Aber selbst die Ablenkung mit der Dame von letztens, brachte auch nichts. Sie zog mich immer wieder zu sich, wie ein Magnet und ich war das passende Gegenstück.
      Ich legte meinen Arm über meine Augen. Denk einfach an Musik. Mein Kopf hatte recht, ich sollte den Fokus wieder auf die Musik legen. Schließlich erwarteten die Fans etwas von uns und ich sollte die Zeit lieber dafür nutzen kreativ zu sein und nicht in meinem Gefühlschaos zu versinken. Die ersten paar Zeilen von dem neuen Song lagen bereits auf meinem Schreibtisch. Es wird ein Song sein der mit dem Piano begleitet wird und ein wenig anders klingt, als das was ich sonst gesunden habe. Doch ich konnte mir gut vorstellen das es allen anderen gefallen wird. Schließlich stecke ich eine Menge Gefühle in den Song hinein. Mein Handy vibrierte in meiner Hosentasche und ich zog es heraus. Es war eine Nachricht von den Jungs, mit einem Link im Anhang. Ich überflog die Zeilen der Nachricht und öffnete dann den Link, der mich auf unsere Instagramseite brachte. Sofort setzte ich mich wieder auf und sah ein Bild von mir welches auf der Dachterrasse entstand. Die Lichtverhältnisse und alles drum herum waren einfach perfekt in Szene gesetzt und ich wirkte auf dem Bild eher mystisch, unnahbar. Keine Spur von meinem Kampf mit der Krankheit. Nicht schlecht Grace
      Sie wusste wie sie mit der Kamera umgehen musste um den Augenblick einzufangen. Ein flüchtiges Lächeln stahl sich auf meine Lippen und ich antworte den Jungs in einer kurzen Nachricht.

      P: ´Und was sagst du zu deinem ersten Bild?´
      V: `Genau spann uns nicht so auf die Folter´
      K: ´Es ist nicht übel´
      P: ´Nicht übel? Sollen wir dir eine Brille kaufen? Das Bild ist mega!´
      V: ´Ganz ehrlich Kyle, Grace liebt ihren Job und das sieht man auf dem Bild.´

      Das wusste ich.. Ich konnte ihnen ja schlecht die Wahrheit sagen, wie ich wirklich über dieses Bild dachte. Zu Mal ich dabei gewesen war... Okay Stopp. Nicht wieder abdriften
      Diese verfluchte Dachterrasse.. Vielleicht sollte ich mir in Zukunft einen anderen Ort suchen, wo ich nicht immer wieder auf sie treffe..

      Ich versuchte mich dann doch noch ein wenig auszuruhen und es klappte erstaunlicherweise besser als gedacht. Nach meinem kleinen PowerNap, fühlte ich mich definitiv nicht mehr so energielos. Ich warf mir ein frisches schlichtes schwarzes Shirt drüber und zog mir eine schwarze Jogginghose an. Die war deutlich bequemer als die Jeans. Da ich sowieso nicht vor hatte heute nochmal das Haus zu verlassen musste ich mich auch nicht herausputzen. Mit meinem Notenblättern und einem Stift in der Hand ging ich nach Draußen auf den Flur. Die Tür zu Tom´s Büro war geschlossen. Vielleicht hatte er noch ein wichtiges Telefonat oder wollte seine Ruhe haben. Ich lief die Metalltreppe hinunter. Es war gerade niemand hier. Martha war in ihrer wohlverdienten Pause. Ich atmete bewusst langsam aus und ging zu dem Klavier welches ein Stückweit vom Wohnzimmer stand. Ich öffnete die Klappe und die Tasten kamen zum Vorschein. Mit meinen Fingern strich ich über sie. Die Notenblätter stellte ich auf den Notenhalter, den Stift klemmte ich mir hinters Ohr. Mit einer lässigen Bewegung ließ ich mich auf dem Klavierhocker sinken, verschränkte meine Finger und ließ sie knacken, ehe ich sie auf die Tasten legte. Die ersten Töne des Klaviers hallten durch den Raum und ich begann die ersten Zeilen zu singen.

      ♪´I kept your mug by the sink
      Like it might say my name
      The green coat on the chair
      Still smells like rain
      I pass your corner store
      And my chest goes thin
      I swear I saw your hands
      On the glass again

      Tell me where you ran
      Tell me why you left
      I’m still at the door
      With my hands to my chest

      I’m full of longing(full of longing)
      I’m full of longing(still for you)
      I bite my tongue
      I bite the dark
      And your name burns through

      I’m full of longing(full of longing)
      I’m full of longing(still for you)
      Come back, come back
      If only once
      I’m still reaching for you..´♪

      Die ersten Zeilen glitten mir nur so über die Lippen und ich steckte jegliche Emotionen in den Song hinein. Meine Finger hauten in die Tasten. Ich hatte die ganze Zeit meine Augen geschlossen gehalten. Als der letzte Ton des ersten Absatzes verstummte, sah ich auf und mein Herz machte plötzlich wieder einen Sprung. Sie stand vor mir mit ihrem Handy in der Hand in einem weißen verspielten Kleid und geflochtenen Haar. Kurz öffnete sich mein Mund ein Stück, doch ich fing mich wieder. Meine Augen wurden dunkler, intensiver und ich ließ meine Augen über ihren Körper gleiten, bis sie wieder an ihren Gesicht stehen blieben. "Du willst wohl dann noch ausgehen oder warum hast du dich so aufgebrezelt?" Ich versuchte mit der Spitze meine Unsicherheit und Nervosität zu verbergen. Meine Hände steckte ich zwischen meine Beine. Mein Herz machte bei ihrem Anblick wieder Saltos.. Ich schluckte trocken. Wie lange stand sie schon hier und beobachtete mich?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Shio ()

    • Grace


      Seine Stimme, die sonst Stadien füllte, klang hier im Loft so nah, so voller Sehnsucht, dass es mir fast den Atem raubte. "I’m full of longing..." Die Worte brannten sich in mein Gedächtnis, während ich ihn beobachtete. Die letzten Töne seines Songs hingen noch in der Luft, als wären sie zu schön gewesen, um einfach zu verschwinden. Ich hatte mich keinen Zentimeter bewegt, seit ich im Türrahmen stehen geblieben war. Mein Handy hing locker in meiner Hand, längst vergessen. Er hatte die Augen geschlossen gehabt, während er gespielt hatte ...und genau das war das Problem. Er hatte nichts zurückgehalten. Keine Maske, keine Erwartungen, kein Rockstar. Nur… Kyle. Die Maske konnte ich ab, den Künstler konnte ich schätzen und mit den Rockstar konnte ich arbeiten aber... Kyle ... to be brutally honest, it’s Kyle. I’ve properly fallen for him, and it hurts.
      Die Art, wie seine Finger die Tasten führten, sein Körper, der mit jedem Ton mitschwang. Als er die Augen öffnete und mich fixierte, fühlte ich mich plötzlich nackt, trotz des Stoffes auf meiner Haut. Sein Blick war wie ein dunkles Versprechen, das über meinen Körper glitt und mich dort traf, wo mein Verstand keine Kontrolle mehr hatte. Ich trat einen Schritt näher, das Handy noch immer in der Hand, doch ich vergaß völlig, auf den Auslöser zu drücken. "Aufgebretzelt? Ich verschränkte die Arme locker vor der Brust. "Du interpretierst da ziemlich viel hinein.", begann ich mit einen frechen Grinsen. "Ich dachte ich soll dich nur beim Song schreiben verfolgen. Ich wusste nicht, dass ich heute auch noch deine Fantasie bedienen soll." Meine Schritte waren ruhig, kontrolliert, wie ein bewusster Kontrast zu dem Chaos in meinem Inneren. Der Geruch von ihm... dieser Mix aus seinem Parfum und der unterschwelligen Note des Krankenhauses, die immer noch an ihm zu haften schien, vernebelte mir die Sinne. Es war berauschend und beängstigend zugleich. Ich blieb in ein paar Metern Abstand stehen, lehnte mich leicht gegen den Flügel. In diesem Moment gab es nur noch das rhythmische Pochen meines Blutes in meinen Ohren und den Mann vor mir, der mit ein paar Akkorden meine gesamte Weltordnung aus den Angeln gehoben hatte. Ich räusperte mich leise. "Für das Protokoll," fuhr ich fort, wobei meine Stimme etwas weicher wurde, aber nicht weniger präzise, "das war… wirklich gut." Ich machte eine kleine Pause, musterte ihn einen Moment zu lange, bevor ich "Unverschämt gut, um genau zu sein." hinzufügte. Mein Blick glitt kurz zu den Notenblättern, dann wieder zu ihm zurück.Ich senkte das Handy ein Stück. Das professionelle Interesse war für eine Sekunde der puren, unverfälschten Anziehung gewichen. "Wie lange schreibst du schon daran?", fragte ich, während ich versuchte, den kühlen Kopf zu bewahren, den ich mir unter der Dusche so fest vorgenommen hatte. Doch in der Stille des Lofts, nur wir beide am Klavier, fühlte sich dieser Plan plötzlich wie eine völlig utopische Vorstellung an.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Nimue ()

    • Kyle

      Da war sie wieder diese Spitze von ihr die ich brauchte um überhaupt wieder atmen zu können. Ein Lächeln schlich sich auf meine Lippen. "Du möchtest gar nicht wissen was in meiner Fantasie so abgeht." Es war gefährlich und provozierend zu gleich, aber um ehrlich zu sein, wollte ich genau das erreichen. Als sie ein paar Schritte auf mich zu kam, konnte ich meinen Blick immer noch nicht von ihr abwenden. Sie sah wunderschön aus. Wie ein Engel in menschlicher Gestalt. Ihr Duft von ihrem Parfum vermischte sich augenblicklich mit dem Holz des Klaviers. Er war betörend und überhaupt nicht gut für meinen Verstand. Es machte die Sache auch nicht besser als sie sich an das Klavier lehnte und mich mit ihren Augen fixierte, bevor sie weiter sprach. Ihr Kompliment löste etwas in mir aus, was ich versucht hatte zu verdrängen. Meine Hände zwischen meinen Beinen fingen an zu schwitzen und mein Puls erhörte sich Schritt für Schritt. Ich wischte meine Hände an meiner Jogginghose ab und fuhr mir verlegen durch die Haare. "Unverschämt gut also?" Das Lächeln zupfte wieder an meinen Mundwinkeln. Es war wirklich unglaublich welche Wirkung sie auf mich hatte, sobald sie in meiner Nähe war. Wie mein Körper einfach auf sie reagierte, ohne das ich es kontrollieren konnte. I can´t take my eyes off you
      Ich nahm einen tiefen Atemzug und richtete meinen Körper auf dem Klavierhocker ein wenig. "Die Idee für den Song kam mir schon vor meinem Krankenhausaufenthalt und die ersten Zeilen habe ich dann nach und nach geschrieben. Um genau zu sein da wo ich auf der Dachterrasse war.." Ich schluckte, nahm den Blick immer noch nicht von ihr. "Jedenfalls, bin ich noch nicht ganz fertig damit. Ich wollte trotzdem schon einmal den ersten Absatz spielen um zu hören wie er klingt." Mein Blick fiel kurz auf ihr Handy. "Du wolltest es doch sicherlich festhalten?" Dann sah ich wieder zu ihr zurück. "Ich würde gerne noch den zweiten Absatz spielen."
      Meine Hände waren zwar immer noch ein wenig nass, aber das sollte schon gehen. Ich legte meine Finger wieder auf die Tasten und fing an zu spielen. Mein Blick ging dabei abwechselnd zu den Notenblättern, dann zu den Tasten und schlussendlich immer wieder zu ihr.

      ♪ `Your red boots in my mind
      Kick through every room
      The list on the fridge
      Has not changed since June
      I hear your laugh in crowds
      Then it slips away
      I hate how hope can live
      On a broken day

      Tell me where you ran
      Tell me what went wrong
      I keep hearing footsteps
      In the hall all night long

      I’m full of longing
      (full of longing)
      I’m full of longing
      (still for you)
      I bite my tongue
      I bite the dark
      And your name burns through

      I’m full of longing
      (full of longing)
      I’m full of longing
      (still for you)
      Come back, come back
      If only once
      I’m still reaching for you ´♪

      Der letzte Ton erklang und meine Finger ruhten noch einen Moment auf dem Klavier. Ich nahm dann den Stift von meinem Ohr und kritzelte ein paar Mal auf dem Notenblättern herum, bis ich zufrieden damit war. "Wenn die Jungs mich dann noch auf der Gitarre und dem Schlagzeug begleiten, dann hört sich das Ganze natürlich noch besser an", sprach ich beiläufig vor mich hin um die Ruhe zu bewahren. Was mir ganz und gar nicht gelang. Ich konnte spüren das sie mir zwischenzeitlich zu nah kam um die perfekten Bilder zu schießen. Doch ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen.
      Der Stift wanderte automatisch zu meinem Mund und ich knabberte kurz daran. Hier drinnen wurde es allmählich sehr warm. Ich konnte spüren wie die Hitze unter meiner Haut beinahe brannte und dieses Funkeln in meine Augen trat, als ich meinen Blick wieder über sie gleiten ließ. "Komm her", klang es rau aus meinen Mund. Ich tippte neben mir auf den Hocker um ihr deutlich zu machen das sie sich setzen soll. Ich legte den Stift vor meine Notenblätter, meine Hand zitterte leicht. Es war dumm und es war ein Fehler sie noch näher an mich ran zu lassen, aber ich konnte nicht mehr anders. Ich räusperte mich kurz und sah dann auf die Klaviertasten. "Hast du schon einmal gespielt? Wenn nicht kann ich es dir gerne zeigen." Es war falsch.. einfach nur falsch... aber wieso fühlte es sich dennoch so richtig an?
    • Grace

      Ein schwaches, fast schon resigniertes Lächeln stahl sich auf meine Lippen. Seine Bestätigung, dass die Idee auf der Dachterrasse entstanden war, genau dort wo sich unsere Welten zum ersten Mal so gefährlich nahegekommen waren , ließ meinen Puls endgültig Amok laufen. Fabelhaft. Einfach fabelhaft, Grace. Ich war verloren, und ich wusste es.
      Als er anbot, den zweiten Absatz zu spielen, hob ich mechanisch das Handy. Der professionelle Reflex funktionierte noch, auch wenn mein Verstand längst Urlaub eingereicht hatte. Ich schaltete die Aufnahme ein, während seine Finger wieder über die Tasten glitten.
      Die Musik hüllte mich ein, aber dieses Mal war es anders. Ich stand nicht mehr nur da und beobachtete. Ich fühlte. Ich fühlte die Vibrationen des Klaviers im Boden unter meinen Füßen, ich fühlte die Hitze, die von seinem Körper ausging und die Luft zwischen uns versengte. Um die perfekten, authentischen Bilder zu schießen, die Tom wollte, musste ich näher ran. Viel näher.
      Ich trat an seine Seite, fast schon in seinen persönlichen Raum. Durch die Linse des Handys sah ich, wie sich seine Kiefermuskeln anspannten, wie seine Finger die Tasten mit einer Mischung aus Kraft und Zärtlichkeit trafen. Der Geruch von ihm Holz, Parfum und diese unterschwellige, raue Note war jetzt so intensiv, dass mir schwindelig wurde. Unter meinem Boho-Kleid brannte meine Haut, und ich war mir sicher, dass er das chaotische Pochen meines Herzens hören musste, selbst über dem Klang des Klaviers. In diesem Moment, als der letzte Ton des zweiten Absatzes erklang und er den Stift von seinem Ohr nahm, um nervös auf den Noten herumzukritzeln, musste ich mir sogar auf die Unterlippe beißen um mich weiter auf meine Aufgabe zu konzentrieren - die Aufnahmen, Gracy... die Aufnahmen. Doch Kyle knabberte an dem Stift, und ich beobachtete seine Lippen, unfähig, den Blick abzuwenden. Künstlerinen mit einem halbwegs funktionierenden Selbsterhaltungstrieb war das ausgesprochen problematisch. Dann hob er den Blick. Und dieses Funkeln in seinen Augen... es war kein Flirt mehr. Es war eine Forderung.
      Ich hielt den Atem an, während ich mich auf das schmale Stück Holz neben ihm sinken ließ. Die Berührung unserer Oberschenkel schickte eine Schockwelle durch mein System, die jede einzelne meiner wohlformulierten Ausreden augenblicklich verdampfen ließ. Die Hitze, die von ihm ausging, war wie ein Sog, dem ich mich nicht mehr entziehen konnte und ich wollte es auch gar nicht mehr.
      In meinem Unterleib zog sich alles zusammen, ein brennendes, süßes Kribbeln, das sich mit jedem seiner Atemzüge weiter ausbreitete. Es war, als hätte er durch seine bloße Nähe eine Kettenreaktion ausgelöst, die meinen gesamten Körper in Alarmbereitschaft versetzte. Jede Faser meines Seins schrie nach mehr nach der Rauheit seiner Hände, nach dem Druck seines Körpers gegen meinen, nach einer Erlösung von dieser unerträglichen Spannung, die mich seit Tagen verfolgte.
      Gegen jede Vernunft, gegen jeden Funken beruflichen Ethos, den ich mir mühsam antrainiert hatte, sehnte ich mich danach, dass er die Kontrolle übernahm. Die Sorge um ihn, die Angst der letzten Stunden, das Adrenalin... all das kanalisierte sich nun in diesem einen, alles verzehrenden Verlangen. Ich wollte nicht mehr die vernünftige Grace sein, die Termine koordinierte und Lichtkurven glättete.
      Ich hob langsam meine Hand und legte sie direkt neben seine auf die glatten, kühlen Tasten. Der Kontrast war berauschend: seine sehnige, tätowierte Musikerhand direkt neben meiner, die plötzlich so zerbrechlich wirkte. "Nein", flüsterte ich, und meine Stimme brach so verräterisch, dass es einem Geständnis gleichkam. "Ich kann nur Ukulele und Bass, Klavier habe ich noch nie gespielt." Ich sah ihn von der Seite an. In der geringen Distanz zwischen uns konnte ich sehen, wie sich seine Pupillen weiteten, wie sein Blick meine Lippen fixierte und dann wieder zu meinen Augen hochwanderte. Der dämmrige Raum um uns herum schien zu schrumpfen, bis nur noch dieses kleine Quadratmeter aus Klavier, Musik und diesem unerträglichen Hunger übrig blieb. Mein Herz hämmerte so fest gegen meine Rippen, dass es schmerzte. Die professionelle Grace Wilson war irgendwo zwischen der Cafeteria und diesem Klavierhocker verloren gegangen. Übrig geblieben war nur eine Frau, die sich nach der Nähe dieses Mannes sehnte, als wäre sie verdurstet.
    • Kyle

      Sie wagte es sich wirklich neben mich zu setzen, ohne jeglichen Protest. Ich konnte die Wärme deutlich spüren, die von ihr ausging. Sie sahs so nah neben mir das sich einige unserer Körperteile wie selbstverständlich berührten. Der Duft von Zitronengras umspielte meine Nase und mein Körper reagierte sofort auf ihre Nähe. Mir wurde noch wärmer als vorher, es war beinahe unerträglich hier drinnen geworden, fast so als hätte jemand die Heizung absichtlich höher gedreht. Mein Herzschlag beschleunigte sich aufs Maximum und es wäre echt ein Wunder, wenn sie ihn nicht hören konnte. Sie legte ihre Hand auf die Tasten direkt neben meine. Meine Hand zuckte leicht. Es trennten sie nur noch wenige Millimeter, bis sie sich berührten. Ich sah sie aus den Augenwinkeln an. Wenn ich mein Gesicht jetzt komplett zu ihr drehen würde, würden sich unsere Nasenspitzen berühren.. Kurz sank mein Blick auf ihre Lippen, bis ich ihr dann wieder in die Augen sah. "Gut..", hauchte ich ihr entgegen. Mein Blick blieb an ihren Augen hängen, als würde ich versuchen irgendetwas in ihnen zu lesen. Alles andere um uns herum rückte in den Hintergrund. Meine Finger bewegten sich minimal, bis sie ihre streiften. Es war nur ein kleiner Hauch, der kaum spürbar war. Dennoch schoss mir die Wärme direkt in meine Brust. Doch ich versuchte mich weiter zu konzentrieren. "Lass deine Finger ganz locker auf den Tasten liegen und mach mir einfach nach." Sie folgte meiner Anweisung und drückte die Tasten so, wie ich es ihr gezeigt hatte. Wir spielten eine kleine Melodie. Es gab hier gerade nur sie und ich. Als wir fertig mit dieser Übung waren. Legte ich meine Hand wieder bewusst neben ihre. Ich zog die Luft scharf ein, ließ meine Hand aber genauso liegen. Mein Verstand setzte für einen Moment komplett aus und ich wusste nicht was jetzt klug wäre.. Sie machte mich einfach nur noch wahnsinnig. Wie gern ich jetzt meine Hände um ihre Hüften legen und sie auf meinen Schoß ziehen würde...
      Meine Hand legte sich stattdessen auf ihre. Ihre Haut fühlte sich warm und weich unter meiner rauen Hand an. Und alleine diese Berührung reichte aus um meinen Puls noch mehr in die Höhe zu treiben. Ich schluckte und strich vorsichtig mit meinen Daumen über ihre Hand. Ich drehte meinen Kopf ein kleines Stückchen weiter in ihre Richtung. So nah, das ich ihren Atem deutlich auf meiner Haut spüren konnte. Alles in mir schrie, diese letzte Distanz zwischen uns zu überwinden, aber ich blieb genau so sitzen. Mein Kopf hatte jetzt endgültig den Faden verloren. "Grace.. du bringst mich völlig aus dem Konzept." Mein Blick ging wieder zu ihren Lippen und verharrte da für einen winzigen Moment zu lange. Meine Finger schlossen sich ein wenig fester um ihre, als hätte ich Angst das sie ihre Hand jeden Moment zurück ziehen würde. Ich beugte mich jetzt doch noch ein klein wenig näher zur ihr, sodass sich unsere Nasenspitzen nun wirklich fast berührten. Mein Atem stockte, mein Verstand war jetzt völlig verloren. "Wenn du so weiter machst... weiß ich nicht ob ich mich noch zurückhalten kann."
    • Grace

      Jedes Wort, das aus seinem Mund kam, war wie ein glühender Funke auf trockenem Stroh. In meinem Bauch prickelte ein lebendiges Feuerwerk. Ich und ihn aus dem Konzept bringen? Dabei war er es, der es geschafft hatte, dass ich meine Prinzipien und meine so geliebte britische Professionalität nicht nur infrage stellte, sondern sie wie meine abgelegte Persona von Penelope Wilson weit hinter mir ließ. Wie konnte sich etwas, das auf dem Papier so verdammt falsch war, in der Realität so unglaublich richtig anfühlen?
      Als er seine Hand auf meine legte, fühlte es sich an, als würde ein elektrischer Strom direkt durch meine Venen in mein Herz schießen. Ich spürte, wie sein Daumen behutsam über meinen Handrücken strich, eine Geste, die so viel zärtlicher war, als ich es von dem provokanten Rockstar erwartet hätte. Ich dachte nicht einmal daran, die Hand wegzuziehen. Stattdessen drehte ich meine Handfläche wie von selbst unter seiner um, suchte den direkten Hautkontakt, bis Kyle seine Finger fest um die meinen schloss. Ein warmer Schauer lief durch meinen Körper. "Ich weiß nicht, was du meinst...", begann ich, doch meine Stimme war kaum mehr als ein heiseres Krächzen. Ich musste schlucken, um überhaupt weitersprechen zu können. "Ich mach nichts bewusst... also... bitte tu nicht so, als wäre das alles meine Entscheidung." Es war ein vergeblicher Versuch, die Souveränität zu wahren. Mein Blick irrte zwischen seinen Lippen und seinen Augen hin und her, blieb dann aber an diesem stürmischen Blau-Grau hängen. Es war eine ganze Sinfonie, aus Tiefe, eine fast schmerzhafte Sehnsucht und diese unerwartete Verletzlichkeit, die mich wehrloser machte als jeder seiner Sprüche. Die Luft um uns herum schien aus nichts anderem mehr zu bestehen als aus dem vertrauten, schweren Duft seines Parfüms und dem brennenden Verlangen, das uns beide wie ein Magnet zusammenzog.
      Schließlich schloss ich die Augen. Ich wollte diesen Augenblick nicht zerreden, ich wollte ihn auskosten, so lange ich konnte. Ich genoss die magische Schwere der Stille, spürte seine extreme Nähe, bis sich unsere Nasenspitzen ganz sanft berührten. Es war ein letzter, fast schon verzweifelter Schrei meiner Vernunft, als ich meinen Kopf ein winziges Stück bewegte und meine Stirn und meine Nase sanft, fast ein bisschen frech, gegen seine stupste. Es war eine spielerische Geste, die den drohenden Kuss noch einen qualvollen Moment hinauszögerte, eine letzte Barriere, bevor alles zusammenbrach. Ich küsste ihn nicht, noch nicht. Ich stieß ihn auch nicht weg. Ich wollte diese Perfektion noch eine Sekunde länger festhalten, dieses Schweben am Abgrund. Dann schlug ich ganz langsam die Augen wieder auf und sah ihn direkt an, mein Atem ein unruhiges Echo seines eigenen. "Kyle...", hauchte ich nur, und sein Name war zugleich eine Frage und die Antwort auf alles, was heute noch passieren würde.
    • Kyle

      Ich konnte das Zittern in ihrer Stimme klar und deutlich hören. Sie wusste genau so wenig wie ich, wie das Ganze heute hier endet. Die Versuchung war zu groß um einen erneuten Rückzieher zu machen, auch wenn die Gefahr darin bestand, das wir wieder gestört wurden. Doch wenn ich ehrlich zu mir bin, war mir das gerade sowas von egal. Neben mir sahs eine Frau die meine Welt von heute auf Morgen vollkommen durcheinander gebracht hat. Die Frau, der ich mein Leben zu verdanken hatte und die sich ohne mit der Wimper zu zucken ganz langsam in mein Herz schlich. Auch wenn ich mir so oft einreden wollte, das ich die Finger von ihr lassen sollte. Aber ich konnte nicht mehr den starken Mann spielen, der sich hinter einer Maske verbarg. Sie löst so vieles in mir aus, was ich vorher nicht gekannt hatte. Diese Groupies und jegliche andere Bekanntschaften, waren nicht so bedeutungsvoll wie sie es für mich war.
      Ein schelmisches Lächeln huschte über meine Lippen. "Nein.. da gehören immer zwei dazu.." Ich versank in ihren haselnussbraunen Augen, bevor sie diese schloss. Ihre Nasenspitze berührte meine und ihre Stirn lehnte ganz sanft an meiner. Mein Herz hielt es nicht mehr aus, es fühlte sich so an als würde es gleich aus meiner Brust hüpfen. In mir zog sich alles zusammen.. Es fühlte sich an als würden tausende von Schmetterlingen in meinen Bauch anfangen zu tanzen. Ich habe noch nie so für jemanden empfunden..
      Wir genossen diesen Augenblick, ohne etwas zu sagen. Als sie dann flatternd ihre Augen wieder öffnete und meinen Namen hauchte, war es um mich geschehen. Ich biss mir auf die Unterlippe. Tu es einfach. Wag den Sprung
      Mein Herz sprach es aus, als wäre es das einfachste der Welt. Es würde alles zwischen uns verändern. Einfach alles. Doch es gab hier niemanden der es verhindern könnte. Ich wollte das es aufhört, das dieses Verlangen nach ihr endlich gestillt wird. Ich wollte sie fühlen, schmecken..
      "Grace..", kam es zittrig aus meinem Mund, bevor ich die letzte Distanz zwischen uns schloss. Meine Lippen legten sich auf ihre, erst sanft dann forschend. Ich löste meine Hand von ihrer und schlang beide Hände um ihre Hüfte um sie auf meinen Schoß zu setzen. Ich drückte ihre Oberkörper mit meinen starken Armen fest an mich und ich konnte ihr schnell schlagendes Herz deutlich spüren. Und sie konnte ebenfalls spüren was sie mit mir angerichtet hat. Ein leichtes Seufzen drang aus meinem Mund. Die Zeit blieb plötzlich still zu stehen. Die Luft in dem Raum war nun noch mehr aufgeladen. Ihre Lippen fühlten sich so weich und zärtlich auf meinen an und raubten mir nun noch den letzten Funken Verstand, den ich besaß.
    • Grace

      Als seine Lippen sich schließlich auf meine legten, fühlte es sich an, als würde eine jahrelange Dürre durch einen plötzlichen, heftigen Sommerregen beendet. Der erste Kontakt war vorsichtig, fast fragend, doch innerhalb von Sekunden schlug die Stimmung in ein tiefes, forderndes Verlangen um, das uns beide wie eine Sturmwelle mitriss.
      Ein unterdrückter Hauch stahl sich aus meiner Kehle, als ich spürte, wie seine starken Hände meine Taille umfassten und er mich mit einer Leichtigkeit, die mich kurz schwindelig werden ließ, auf seinen Schoß hob. Mein Kleid bauschte sich um uns auf, der feine Stoff ein krasser Kontrast zu der festen Baumwolle seiner Jogginghose. Ich schlang meine Arme instinktiv um seinen Nacken, meine Finger vergruben sich in seinem dichten Haar, während ich mich so eng an ihn presste, als wollte ich mit ihm verschmelzen.
      In meinem Kopf gab es keine Listen mehr, keine Lichtkurven, kein 'Was wäre wenn'. Da war nur noch das brennende Kribbeln in meinem Bauch, das sich nun wie flüssiges Feuer in jede Faser meines Körpers ausbreitete. Sein Herz hämmerte gegen meine Brust. Ein wilder, unkontrollierter Rhythmus, der genau das widerspiegelte, was ich empfand. Als er leise stöhnte, vibrierte das Geräusch direkt in meinem Mund und schickte eine neue Welle von Gänsehaut über meinen Rücken. Gegen jede Vernunft, gegen jede Warnung meiner inneren Stimme, fühlte sich das hier nach Heimkommen an. Die Welt außerhalb dieses kleinen Zirkels am Klavier war vollkommen erloschen. Es gab nur noch den Geschmack von ihm, die raue Textur seiner Hände auf meiner Haut und die überwältigende Gewissheit, dass wir die Grenze nun endgültig überschritten hatten.
      Ich löste meine Lippen nur für einen winzigen Millimeter von seinen, meine Stirn ruhte wieder an seiner, während wir beide keuchend nach Luft rangen. Genauso hatte man es sich als kleines Mädchen vorgestellt ...damals, als die Welt noch aus Märchenbüchern und Happy Ends bestand. Wie es wohl wäre, von seinem Prinzen wachgeküsst zu werden, während alles um einen herum in einen magischen Augenblick versank. Doch die Realität, die ich hier auf diesem harten Klavierhocker in Kyles Armen erlebte, war so viel intensiver, rauer und echter als jede Kindheitsfantasie. Es gab kein Schloss und keine weißen Pferde, nur den Geruch von altem Holz, den Schein des Abendrots und diesen einen Mann, der mich mit jeder Berührung tiefer in seinen Bann zog.
      Ich versank in dem blau-grauen Schimmer seiner Augen, der jetzt so dunkel und tief wirkte wie ein Ozean vor einem Sturm. Ich prägte mir jedes Detail ein: die feinen Linien um seine Augenwinkel, die Schatten der Erschöpfung und dieses ungläubige Funkeln, das verriet, dass er genauso verloren war wie ich. In seinem Blick lag kein polierter Glanz, sondern eine ehrliche, fast schmerzhafte Tiefe, die mich mehr berührte als jedes Märchen es je gekonnt hätte. Meine Daumen strichen in einer fast schon meditativen Ruhe über seine viel zu perfekten Wangenknochen, liebkosten die raue Haut seiner Stoppeln und die Wärme, die von ihm ausging. Es war kein hastiges Verlangen mehr, sondern eine tiefe, ehrfurchtvolle Zärtlichkeit. In diesem Moment gab es keine Zweifel mehr. Keine Angst vor dem, was Tom oder die Welt sagen würden. Es gab nur die Wahrheit seiner Nähe.
      Gerade als mein Atem anfing, wieder einen regelmäßigen Rhythmus zu finden, und die Stille im Wohnzimmer fast schon greifbar wurde, hielt ich es nicht mehr aus. Das Ziehen in meinem Bauch wurde wieder stärker, ein süßer Schmerz, der mich erneut zu ihm zog. Ohne ein Wort, geleitet von der reinen Sehnsucht, die mich völlig ausgefüllt hatte, neigte ich den Kopf und küsste ihn noch einmal. Dieser Kuss war anders. Er war ruhiger, tiefer, ein stilles Versprechen, das besagte: Ich bin hier. Ich gehe nirgendwohin. Ich spürte, wie er unter meinen Händen erschauderte, und ich presste mich noch enger an ihn, während meine Finger in seinen Nacken glitten. Das cremeweiße Kleid und die schwarze Jogginghose, das Klavier und die Noten ... alles verschwamm zu einem Hintergrundrauschen. Das Einzige, was real war, war der Geschmack von ihm und das Gefühl, dass wir gerade eine Brücke hinter uns abgebrannt hatten, über die wir nie wieder zurückkehren konnten.
    • Kyle

      Mein Atmen war immer noch unruhig, als sie sich wieder an mich schmiegte. Ich hatte das Gefühl, als hätte mir jemand den Boden unter den Füßen wegezogen. Doch gleichzeitig war da dieses Gefühl, das sich hier alles gerade genau richtig anfühlte. Ich ließ meine Stirn auch wieder gegen ihre sinken und hielt meine Augen noch für einen Moment geschlossen. Meine Finger strichen ganz selbstverständlich über ihre Hüfte "Grace ich.." Meine Augen öffneten sich wieder von ganz alleine und ich sah ihr direkt in ihre schönen Augen. Es gab kein Ausweichen mehr, kein Versteckspiel, keine spitzen Worte.. Nein es gab in dem Augenblick nur sie und ich. Mein Kiefer spannte sich leicht an. "Ich hatte mir tausendmal vorgenommen, diese Grenze nicht zu überschreiten." Ein kurzes Lachen drang aus meinem Mund. "Hat anscheinend nicht gut funktioniert." Meine Hände wanderten langsam von ihrer Hüfte nach oben und blieben auf ihren Rücken liegen. Ich zog sie noch näher an mich heran, auch wenn jetzt schon kein Blatt Papier mehr zwischen uns passte. "Das hier.." Ich versuchte die richtigen Worte zu finden, das Chaos in meinem Kopf zu ordnen. "Das hier bedeutet mir mehr als du dir vielleicht vorstellen kannst." Mein Herz beruhigte sich keine einzige Sekunde, es wollte ihr gehören. "Und glaub mir ich bereue gar nichts." Es war die verdammte Wahrheit. Nichts davon was hier passierte war ein Fehler. Es fühlte sich richtig und echt an und ich möchte dieses Gefühl am liebsten für immer festhalten. Meine Lippen legten sich wie ein kleines Versprechen auf ihre. Ich würde nicht mehr weggehen, sie wegstoßen oder verletzen. Nein ich möchte ihr so gerne die Sterne vom Himmel holen. Ihr jeden Morgen einen Kuss geben um ihr den Tag zu versüßen. Sie in meine Arme schließen, wenn es ihr auch mal nicht so gut geht. Jegliche Minute mit ihr verbringen, die ich zur freien Verfügung hatte. Alle Zitronenbonbons der Welt mit ihr teilen, bis wir sie nicht mehr sehen konnten und noch so vieles mehr.
      Ich wollte ihr alles zu Füßen legen was sie sich nur wünschte. Meine Lippen lösten sich wieder von ihren und ich strich ihr mit einer Hand eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Ich war atemlos und ihre Haut brannte förmlich auf meinem Körper.
      "Jetzt gibt es kein zurück mehr, weißt du?"
    • Grace

      Ich spürte, wie meine Finger fast wie von selbst ihren Weg in seinen Nacken fanden. Die Haut dort war warm, und das kurze Haar an seinem Haaransatz kitzelte meine Fingerspitzen, während ich den Rhythmus seines Atems mit meinen Streichbewegungen nachahmte. Es fühlte sich so erschreckend natürlich an, so, als hätten meine Hände schon ihr ganzes Leben lang genau dorthin gehört. Dass er meinen Namen aussprach, war in diesem Moment berauschender als jeder Gin Tonic, den ich je getrunken hatte. Wenn "Grace" über seine Lippen kam, während er mich mit diesem brennenden, blau-grauen Blick fixierte, klang es nicht wie eine bloße Anrede – es klang wie eine Offenbarung. Es war, als würde er mich zum ersten Mal wirklich sehen, unter all den Schichten aus Professionalität und britischer Zurückhaltung. Auf sein Geständnis hin, dass sein Plan mit der Grenze nicht funktioniert hatte, musste ich herzlich und befreit Kichern. "Ich hatte auch große Pläne, mich zusammenzureißen", gab ich zu und sah ihn schief an. "Vielleicht war das Problem nie, dass wir es nicht versucht haben... sondern dass wir beide nie wirklich wollten, dass es funktioniert." In diesem Augenblick wurde mir klar, dass ich noch nie einem Menschen so nah gewesen war. Nicht nur körperlich, sondern mit dieser seltsamen, ungeschützten Offenheit, die Kyle gerade aus mir herausholte. Ich spürte jede einzelne Stelle, an der sich unsere Körper berührten. Es war kein flüchtiges Streifen mehr, kein Zufall. Es war bewusst. Echt. Seine Hände an meinem Rücken waren fest, gaben mir aber keinen Moment das Gefühl, eingeengt zu sein. Meine Stimme wurde noch weicher, fast zu einem Flüstern. "Ich bereue es auch nicht. Und ich bin normalerweise sehr gut darin, Dinge zu bereuen, die ich nicht kontrollieren kann." Ein sanftes Lächeln stahl sich auf meine Lippen. "Aber dich… und das hier… würde ich sogar wiederholen, wieder und wieder. Selbst wenn es mich mein ganzes Kamera Equipment kostet." Als er mich dann küsste, war es, als würde die Welt um uns herum endgültig in sich zusammenbrechen und nur noch wir beide im Zentrum eines stillen Sturms übrig bleiben. Sein Kuss war kein vorsichtiges Tasten mehr, es war eine Antwort auf all die ungesagten Worte der letzten Wochen. Er schmeckte nach Sehnsucht und nach diesem einen, kleinen Versprechen, das er gerade laut ausgesprochen hatte. Ich erwiderte ihn mit einer Intensität, die mich selbst erschreckte, presste meine Lippen gegen seine und suchte die Nähe, nach der ich mich so lange gesehnt hatte. "Sag das nicht, als wäre es eine verdammte Drohung...", murmelte ich gegen seinen Mund, als er von der Unumkehrbarkeit sprach. "Ich will auch gar nicht mehr zurück, Kyle." Meine Stimme war nun fest, getragen von einer Gewissheit, die sich wie ein neuer Anker in mir anfühlte. "Die Grenze ist weg. Und wenn die Welt da draußen morgen über uns zusammenbricht... dann ist das eben so. Aber für diesen Moment..." Ich schlang meine Arme fester um seinen Nacken und vergrub mein Gesicht für eine Sekunde an seiner Halsschlagader. Ich sog seinen Duft ein dieses warme, männliche Aroma, das nun für immer mit dem Klang eines Klaviers und dem Gefühl von nachgebenden Mauern verbunden sein würde. "Für diesen Moment gibt es nur das hier... und ich hätte wohl früher merken sollen, dass wir beide nie besonders gut darin waren, uns zurückzuhalten nicht einmal bei Zitronenbonbons."
    • Kyle

      Ihre Finger an meinen Nacken ließen einen wohligen Schauer über meinen Körper schießen. Ich bekam Gänsehaut, so sehr gefiel mir ihre Berührung auf meiner Haut. Für mich war dieses Gefühl unbeschreiblich, hier mit ihr auf meinen Schoß zu sitzen. Solche tiefen innigen Gefühle habe ich noch nie erlebt. Ich spielte immer diesen unnahbaren Rockstar, der nichts aus der Bahn werfen konnte. Doch dann kam sie um die Ecke und veränderte plötzlich alles. Sie schaute hinter meine Fassade, riss sie Stück für Stück ein, sah den echten Kyle dahinter. Den emotionalen, romantischen, nahbaren Typen, der nichts mehr anderes wollte, als gesehen zu werden.
      Meine Finger strichen über ihre leicht geröteten Wangen. "Das ist der Punkt. Du glaubst gar nicht was für eine eine Angst ich vor diesen Schritt hatte. Ich weiß es klingt lächerlich. Da ich mich sonst immer aufgespielt hatte, wie ein großer Frauenheld." Es war für mich sonst immer leicht jede Frau herumzubekommen. Ich musste sie nur anschauen und schon waren sie mir verfallen. "Aber du bist anders. Du hast es mir nicht leicht gemacht, hinter deine Fassade zu blicken und das hat mich schlussendlich so neugierig gemacht, das ich an nichts anderes mehr denken konnte, als dir nah sein zu dürfen." Ich war so ehrlich zu ihr, wie sonst zu niemanden und es fühlte sich so gut an. Das sie es ebenfalls kein bisschen bereute und sogar ihr ganzes Equipment dafür opfern würde, war Beweis genug für mich, das diese Frau mich genau so wollte, wie ich sie. Ein leichtes raues Lachen drang aus meiner Kehle. Unsere Lippen fanden wieder zueinander und sie vernebelte meine Sinne mit allem was sie mir gerade gab. Es war so warm hier drinnen und ich spürte ein Ziehen in meinen Leisten. Noch vor ein paar Stunden, wollte ich sie in meinen Gedanken auf dem Küchentisch nehmen, doch das rückte immer weiter in den Hintergrund. Ich wollte diesen wunderschönen Moment nicht mit meiner aufsteigenden Lust zerstören. Für all das hatten wir noch genügend Zeit, denn ich wusste jetzt das sie nie wieder gehen würde und ich wollte jede Minute mit ihr auskosten.
      Ihr Körper drückte sich noch näher an meinen und sie schlang ihre Arme enger um mich. Ihr Atem auf meiner Haut, hinterließ seine Spuren. Die Hitze in meinem Körper breitete sich immer weiter aus. "Ja", hauchte ich. "Nur wir beide." Ich schlang meine Arme nun auch noch ein wenig mehr um sie und lehnte meinen Kopf an ihren. "Das mit den Zitronenbonbons, war wohl der Knackpunkt bei mir. Nachdem du mir diese Tüte gegeben hattest, wusste ich das da mehr zwischen uns war, als ich für möglich gehalten hatte." Ich drückte ihr einen Kuss auf den Kopf. "Du wirst lachen, aber nachdem ich in mein Zimmer verschwand, habe ich mir eins nach dem anderen in den Mund geschoben und auch wo ich heute beim MRT warten musste." Es fing alles mit dem Zitronenbonbon an. Ich erinnerte mich daran zurück, als sie mir ein Bonbon auf den Nachttisch im Krankenhaus gelegt hatte, nachdem ich so gemein zu ihr war und sie mich schlussendlich dazu brachte es zu essen. Wie sie mir diesen Zitronenkuchen vor die Nase stellte, als ich wieder nach Hause durfte und dann diese mitgebrachte Tüte.. Was so ein Bonbon alles verändern konnte, war unglaublich.
    • Grace

      Ich schmiegte mich noch enger an ihn, während seine Worte wie ein sanfter Regen über all meine Zweifel weg wuschen. Das Wissen, dass ausgerechnet dieser unnahbare Rockstar, den die ganze Welt zu kennen glaubte, Angst vor diesem Schritt mit mir hatte, ließ mein Herz endgültig schmelzen. Innerlich musste ich jedoch den Kopf schütteln. Nein, unsere Geschichte war wahrlich alles andere als ein klassischer Liebesroman. Ich erinnerte mich an meinen inneren Kampf, an meine anfängliche Skepsis, als ich meinen Weg durch die Konzerthalle nach draußen suchte und zunehmend bemerkte, dass dieser strahlende Rockstar dringend Hilfe brauchte. Ich hatte ihn an einem der tiefsten Augenblicke seines Lebens hilflos aufgefunden, in dem Moment, als sein eigener Körper sein übermächtiger Gegner geworden war. Dass ich später im Krankenhaus auftauchte, war eigentlich nur reiner Höflichkeit geschuldet ... diesem typischen britischen Anstand. Und genau aus diesem Anstand heraus hatte ich ihm dieses Mitbringsel aufs Zimmer mitgebracht.
      Aus der Not heraus... das verdammte Zitronenbonbon vom Empfang. Der Gedanke ließ mich schmunzeln. Ich war schon früh fasziniert gewesen von dem Menschen hinter dem Bild, das die ganze Welt von ihm hatte. Ohne es gemerkt zu haben, war ich einfach nicht mehr von ihm losgekommen... von Kyle Miller, nicht von seinem Rockstar-Alter-Ego. Und trotzdem... ich hatte niemals die Intention gehabt, ihm dabei in irgendeiner Weise den Kopf zu verdrehen.
      "Weißt du", sagte ich leise, während ich meine Finger in sein Haar schob und den seidigen Widerstand der Strähnen genoss, "ich habe mich immer gefragt, wie es wohl wäre, wenn man den echten Kyle Miller trifft. Den, den keiner auf den Hochglanzmagazinen sieht. Und jetzt, wo ich hier sitze... ist er tausendmal besser als jede Schlagzeile." Unsere Nähe war berauschend ein schmaler Grat zwischen romantischer Hingabe und einer verlangenden Anziehung, die die Luft zwischen uns förmlich flimmern ließ. Jedes Mal, wenn meine Finger seinen Nacken streiften, schien ein unsichtbarer Funke überzuspringen. Die Wärme seines Körpers drang durch den Stoff meines Kleides und weckte eine Sehnsucht in mir, die weit über das hinausging, was der Verstand erlauben wollte.
      Als er die Bonbons wieder erwähnte, hellte sich mein Lächeln auf. "Ich weiß auch nicht... ich musste sie dir einfach kaufen. Dafür habe ich sogar Farrow dazu gebracht, an einem einfachen Supermarkt zu halten." Ich kicherte bei der Vorstellung an Farrows ungeduldiges Gesicht im Wagen. "Vielleicht war es auch meine kleine Rache, weil sie uns vorher auf dem Dach gestört hat." Ich grinste ihn frech an. "Ich hatte in diesem Augenblick gerade angefangen, meine Gefühle einzuordnen..." Auch wenn ich sie dort oben noch immer nicht ganz begreifen konnte, dafür war ich mir ihnen jetzt in diesen Augenblick umso bewusster.
      Sein Geständnis wegen des MRTs ließ mich laut auflachen. "Was? Ehrlich?" Ich drückte ihm einen Kuss auf die Wange und neigte mich dann vor, um ihm direkt ins Ohr zu flüstern. "Ich habe mir ungefähr zur gleichen Zeit eines der Zitronenbonbons von der Empfangsdame in den Mund gesteckt. Und ich habe sogar noch ein paar mitgenommen." hauchte ich wobei mein Atem sein Ohr kitzelte. In meiner Tasche meiner Hose wartete immer noch der kleine Rest, an dem ich nervös herumgespielt hatte, während ich mir Sorgen um ihn machte.
      Zitronenkuchen? Nur ein einfacher Zitronenkuchen?! Bitte? Ich hob hastig den Kopf und lehnte mich ein Stück zurück, um ihm mit gespielter Entrüstung in die Augen zu schauen. "Hey! Das war ein echter Cake au citron, du Kulturbanause!" Ich stupste meine Nase mahnend gegen seine. "Das Rezept habe ich auf einer meiner Reisen durch Frankreich bekommen. Das ist nicht einfach irgendein X-beliebiger..." Ich hielt kurz inne, und mein Blick wurde weicher, während ich die Tiefe seiner Augen suchte. "...ähm... jetzt, wo du eigentlich wieder einen Termin im Krankenhaus überstanden hast, sollte ich dir wohl einen Neuen backen. Du kannst mir ja helfen, das wird sicher lustig." Ich biss mir auf die Unterlippe und genoss das Prickeln, das zwischen uns stand. Die Vorstellung, gemeinsam mit ihm in der Küche zu stehen, Mehl an den Händen und dieses Knistern in der Luft, war fast so verlockend wie der Kuss, den ich am liebsten sofort wiederholen würde. Dennoch versuchte ich der Verführung zu widerstehen. Martha kam sicherlich gleich wieder um das Abendessen zu zubreiten.
    • Kyle

      Ihre Worten hallten noch ein wenig nach. Sie hatte sich im selben Moment ein Zitronenbonbon gegönnt so wie ich? Das konnte doch kein Zufall sein? Es machte mich kurz sprachlos.
      Ich stupste sie spielerisch an und kitzelte sie ein wenig. „Hey so war das nicht gemeint. Aber ich würde gerne mit dir zusammen backen.“ Ich schenkte ihr ein Lächeln, das bis zu meinen Ohrenspitzen ging. „Und noch vieles mehr..“ Ich wollte nichts anderes mehr, außer sie. Ich vergrub meine Finger in ihren Haaren und zog ihren Kopf ein wenig nach hinten. Meine Lippen legte ich auf ihren Hals und küsste sie dort. Der Zauber war bald für diesen Moment vorbei, das wusste ich. Tom würde nicht ewig in seinem Büro sitzen und Martha‘s Pause ging dem Ende zu. Deshalb wollte ich die restlichen Minuten in vollen Zügen genießen. Meine Lippen zogen eine Spur von Küssen ihren Hals hinauf, bis zu ihrem Ohrläppchen. Ich knabberte leicht daran. „Danke“, hauchte ich ihr ins Ohr. „Danke dafür das du in mein Leben getreten bist und meine Welt so viel besser gemacht hast.“ Mein Herz gehörte nun vollkommen ihr und nichts und niemand könnte daran was ändern. Ich löste mich von ihrem Ohr und blickte noch einmal in ihre Augen, bevor ich ihr einen letzten Kuss gab, der alle meine Gefühle für sie widerspiegelte.
      Schweren Herzens löste ich mich schlussendlich von ihr. „Ich möchte dich ungern loslassen… aber ich glaube wir sollten….“Mein Blick ging zum Fahrstuhl und zur Treppe. Bisher war noch niemand zu sehen. Ich lehnte meine Stirn gegen ihre. „Eines Tages müssen wir uns nicht mehr verstecken und dann kann ich dich jeden Tag küssen, so oft ich will..“ Allein bei dem Gedanken daran wurde mir wohlig warm ums Herz. Ich hob sie sanft von meinem Schoß und stellte sie vorsichtig auf ihre Beine und stand dann ebenfalls auf. Ich sah wie ihre Beine zitterten und sie fast ins Wanken gerät. „Vorsichtig.“ Ich fing sie mit meinen Armen auf. „Immer langsam. Hab ich dich so aus der Fassung gebracht?“ Ein schelmisches Lächeln legte sich auf meine Lippen.
    • Grace

      Als seine Finger meine Seiten fanden und mich kitzelten, entwich mir ein helles, unkontrolliertes Lachen. Ich wand mich spielerisch in seinem Griff, meine Hände krallten sich in seine Schultern, während ich versuchte, der süßen Qual zu entkommen. Es war ein so herrlich normaler, ausgelassener Moment, der den Druck der letzten Stunden mit einem Schlag wegwischte. Irgendwie war es erleichternd, dass wir trotz allem noch genauso miteinander sein konnte.
      Doch... das war lange nicht alles. "W-was...?" Es war halt immer noch Kyle und gerade hatte er mich irgendwie kalt erwischt. Die Berührung seiner Lippen an meinem Hals war wie flüssiges Feuer. Er bewegte sich so quälend langsam. Ein heftiges Kribbeln schoss von der Stelle an meinem Nacken direkt in meinen Bauchraum und ließ meine Knie erneut weich werden. Ich legte den Kopf noch weiter in den Nacken, gab ihm den Raum, den er einforderte, und schloss die Augen. Es war, als würde er mit jedem Kuss eine unsichtbare Spur auf meiner Haut hinterlassen, die mich als die Seine markierte. Als er schließlich mein Ohrläppchen erreichte und ganz sacht daran knabberte, entwich mir ein leises, gepresstes Keuchen. Das feuchte, raue Gefühl seiner Lippen und das winzige Bisschen Schmerz, das sofort in pure Lust umschlug, ließen meine Welt endgültig aus den Fugen geraten. Ein elektrischer Schlag zuckte durch mein gesamtes Nervensystem. Konzentrier dich Grace... das hier war weder der richtige Moment noch der richtige Ort um ihn nachzugeben. Kyle und diesem viel zu perfekten, viel zu verbotenen Augenblick. Ein leises, kaum hörbares Lächeln huschte über meine Lippen, während sich meine Finger unbewusst in seinem Shirt festkrallten. In diesem Moment gab es keine Kameras, keine Termine und keine Vernunft nur das Pochen meines Blutes in meinen Ohren, das perfekt mit dem Rhythmus seiner Lippen auf meinen harmonierte. Ich wollte, dass dieser Augenblick niemals endet, auch wenn ich wusste, dass wir gleich wieder unsere Masken aufsetzen mussten. "Du hast wirklich eine dramatische Art, Zukunftspläne zu formulieren..." murmelte ich leise, doch meine Stimme war weich, beinahe zärtlich. Kein Spott mehr, kein Schutzschild. Meine Knie fühlten sich an wie Wackelpudding, als er mich sanft von seinem Schoß hob. Die plötzliche Trennung unserer Körper schickte einen Kälteschock durch mein System, der mich fast umgehauen hätte. "Aus der Fassung gebracht? Ich fürchte, du überschätzt deinen Einfluss ein wenig… auch wenn er nicht völlig zu leugnen ist. Wenn das dein Versuch ist, dir selbst zu schmeicheln, solltest du ihn vielleicht noch einmal überarbeiten." Ich atmete tief durch und strich mein cremeweißes Kleid glatt, auch wenn ich das Gefühl hatte, dass man mir das Chaos in meinem Inneren aus hundert Metern Entfernung ansehen konnte. Die Stelle an meinem Hals, die er gerade noch geküsst hatte, kribbelte immer noch so heftig, dass ich am liebsten sofort wieder in seine Arme zurückgekrochen wäre.
      "Eines Tages", wiederholte ich leise sein Versprechen und spürte, wie sich ein Kloß in meinem Hals bildete. "Eines Tages gibt es keine Fahrstühle, keine PR-Strategien und keine verschlossenen Bürotüren mehr. Aber bis dahin..." Ich machte eine Pause. "Geh schon mal vor zum Klavier und tu so, als würdest du angestrengt über einer Bridge nachdenken", flüsterte ich und zwinkerte ihm zu, während ich mir die Kamera meines Handys schnappte. "Ich brauche noch diesen einen Schuss vom 'konzentrierten Genie', bevor Tom herauskommt und sich wundert, warum wir beide aussehen, als hätten wir gerade einen Marathon hinter uns." Ich trat einen Schritt zurück. Die kühle Luft des Lofts zwischen uns fühlte sich fast wie ein Verrat an, aber das Wissen um das, was gerade passiert war, brannte wie ein ewiges Feuer in mir. Ich hob das Handy und schaute durch die Linse. "Und Kyle?", fügte ich leise hinzu, gerade als ich den Auslöser drückte. "Ich hoffe du magst Lemon Bars."
      Das leise Zischen der hydraulischen Tür und das vertraute Klackern von Absätzen auf dem Parkett rissen uns aus der Blase, in der die Zeit stillgestanden hatte. Es war, als würde die Realität mit einem kühlen Luftzug wieder in das Loft strömen.
      Martha trat ein, beladen mit ein paar Papiertüten, aus denen das Aroma von frischen Kräutern und warmem Brot drang. Sie steuerte direkt auf die offene Küche zu, ohne den Blick groß im Raum schweifen zu lassen, ein Segen für uns beide, da wir sicher aussahen, als wären wir gerade durch einen emotionalen Wirbelsturm gelaufen. "Ich hoffe, ihr habt wieder Hunger.", rief sie beiläufig über die Schulter, während sie anfing, die Einkäufe auf der Marmorplatte zu verteilen. "Ich dachte, nach dem Tag braucht ihr Drei etwas Ordentliches zwischen die Rippen." Ich zwang meine Lungen zu einem tiefen, gleichmäßigen Atemzug und löste mich endgültig aus der gefährlichen Nähe zu Kyle. Mein Herz schlug immer noch bis zum Hals, aber die jahrelange Übung in professioneller Selbstbeherrschung setzte ein wie ein Sicherheitsnetz. "Klingt fantastisch, Martha", sagte ich mit einer Stimme, die überraschend fest klang, während ich mir eine widerspenstige Haarsträhne hinter das Ohr schob. Ich trat einen Schritt vom Klavier weg und griff und ließ mein Handy in eine Tasche des Kleides gleiten. "Ich bin für heute auch durch. Wir haben alles im Kasten. die Aufnahmen sind wirklich gut. Ich habe genug Material, um den Post morgen früh direkt hochzuladen."
    • Kyle

      Ich schluckte kurz. Ja ich sollte manchmal wirklich darüber nachdenken was ich sage, bevor ich den Mund aufmachte. Für mich gab es dennoch keine Zukunft ohne sie, das stand nach diesem Abend für mich fest. Nur wie sollte ich das Tom jemals erklären? Ich behielt dieses kleine Geheimnis erst einmal für mich, bis sich die richtige Gelegenheit ergibt um es ihn zu sagen.
      Grace hatte mal wieder recht, wir sollten jetzt da weiter machen wo wir aufgehört hatte, bevor wir uns küssten. Ich nickte in ihre Richtung. "Ich wollte sowieso noch den Song fertig stellen, von daher passt es." Ich bewegte mich wieder zum Klavier und legte meine Finger wieder auf die Tasten. Ich versuchte kontrolliert zu atmen um meinen Puls und meinen Herzschlag wieder etwas zu beruhigen. Jetzt musste ich wieder so tun als wäre ich ein Profi. Niemand sollte mitbekommen, was sich hier vor wenigen Minuten in dem Raum abgespielt hatte. Auch wenn ihre Finger noch immer auf der Haut an meinen Nacken brannten, als hätte sie sich dort verewigt.
      Ich schloss meine Augen und begann zu spielen und zu singen. Ihr Name in meinen Mund, machte die Sache nicht einfach sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und ich bemerkte ihre Frage, doch ich wollte den Song unbedingt beenden, bevor ich ihr antwortete.

      ´If you ever hear this
      If it lands somewhere
      Know I kept the chair by the window there
      I don’t need forever
      Just one honest sign
      One slammed front door
      One more chance at mine

      I’m full of longing(full of longing)
      I’m full of longing(still for you)
      I bite my tongueI bite the dark
      And your name burns through
      I’m full of longing(full of longing)
      I’m full of longing(still for you)
      Come back, come back
      If only once
      I’m still reaching for you´♪

      Ich spürte wie sie auf den Auslöser drückte und beende damit den Song für heute. Ich kritzelte noch den Titel des Songs auf das Papier rückte meine Notenblätter zusammen und wandte mich kurz wieder zu ihr. "Ich freue mich darauf, sie zu probieren." Ein kleines Lächeln huschte über meine Lippen, bis Martha die Seifenblase vollkommen zerplatzen ließ, in der wir uns gerade noch befanden. Ich lauschte ihren kleinen Smalltalk und ließ die letzten Minuten noch einmal durch meinen Kopf gehen. Ich konnte es einfach nicht glauben, das wir uns wirklich geküsst hatten.. Wie sollte ich nun damit klar kommen und so tun als wäre nichts davon eben passiert? Vorsichtig stand ich vom Klavierhocker auf, klappte die Klappe wieder auf die Tasten und nahm die Notenblätter in die Hand. Ich ging ein paar Schritte in die Richtung der Beiden und blieb mit einem gewissen Abstand stehen. Ich versuchte meinen Blick nicht wieder auf Grace zu wenden, auch wenn es mir verdammt schwer fiel. "Ich habe einen riesen Kohldampf, Martha. Aber ich ähm sollte die erst noch wegräumen." Ich wedelte mit den Notenblättern herum, auch wenn das ziemlich albern aussah. Ich drehte mich um und rannte die Metalltreppe nach oben. Mit pochendem Herzen schlug ich die Tür hinter mir wieder zu. Ein dickes fettes Grinsen tauchte in meinem Gesicht auf und ich hielt mir die Hand vor dem Mund und schrie vor Freude auf. Ich fühlte mich gerade wie der glücklichste Mensch auf Erden.
      Ich betrachtete mich im Spiegel. Ich sah anders aus. Meine Wangen waren leicht gerötet und dieses Lächeln, welches meine Augen vollkommen erreichte, war wieder da. Doch bevor ich Tom gegenüber treten konnte, musste ich mich wieder ein wenig herunterfahren.
      Ich schnappte mir meine Zigaretten und ging nach oben. Ich atmete die Luft tief ein und wieder aus. Du packst das. Er wird dir nichts anmerken
      Immer und immer wieder redete ich mir das ein, bis ich selbst davon überzeugt war. Ich verweilte noch ein paar Minuten hier oben, einfach um das Chaos in meinen Inneren zu ordnen.

      _____________________________________________________________________________________________________________________

      Tom

      Keine Ahnung wie schnell die Zeit wieder verflog, doch ich war so sehr in meiner Arbeit versunken, das ich die Zeit vollkommen aus den Augen verloren hatte. Und eigentlich wollte ich Kyle bei seinem neuen Song zuhören, doch auch das hatte ich anscheinend verpasst. Als ich aus dem Büro in den Flur trat, hörte ich nur das vertraute Klappern der Töpfe unten in der Küche. Es war kein Klavier oder Gesang zu hören. Ich sollte mir einfach etwas Freizeit freischaufeln.. schließlich war ich brennend daran interessiert zu wissen wie der neue Song wohl sein wird. Ich schloss die Tür zu meinem Büro und machte mich auf dem Weg nach unten. Keine Spur von Kyle, ich sah nur wie Martha und Grace gemeinsam in der Küche standen. Es wirkte alles so wie immer, doch irgendwie bekam ich das Gefühl nicht los, das die Luft hier ein wenig aufgeheizt war. Vielleicht lag es auch daran das ich den ganzen restlichen Tag in meinem stickigen Büro sahs. Ich ging auf die Beiden zu und schenkte ihnen ein Lächeln. "Na wie ist es gelaufen mit den Fotos und dem Song? Und wohin hat es meinen Bruder wieder verschlagen?"

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Shio ()

    • Grace

      Die Welt brauchte genau drei Sekunden, um wieder in ihre gewohnte Ordnung zurückzufallen. Drei Sekunden, in denen ich mein Herz dazu zwang, sich nicht mehr wie ein außer Kontrolle geratenes Schlagzeugsolo zu benehmen, meine Schultern zu straffen und mir die Maske der professionellen Gelassenheit aufzusetzen.
      Ich wandte mich Martha zu, als hätte ich nicht gerade eben noch Kyles Namen wie ein Geheimnis auf den Lippen getragen. Wie lächerlich gern wäre ich einfach geblieben. Noch einen Moment länger in seinen Armen, noch einen spitzen Kommentar, ein spielerischer Stupser, nur um dieses verdammte Lächeln wieder hervorzulocken... und ihn dann trotzdem wieder zu küssen, als hätte ich jegliche Vernunft irgendwo zwischen Klaviertasten und Zitronenbonbons verloren. Aber stattdessen blieb mir nichts als diese eine, viel zu perfekte Erinnerung. Sorgfältig weggeschlossen in meinen rasenden Herz. "Ähm....", begann ich leise und biss mir auf die Wangen um nicht weiter so verätisch hell lächeln zu müssen. "Kann ich Ihnen vielleicht helfen, Martha?" Ihre Nähe war vielleicht genau dass, was mich erden konnte.
      Es vergingen vielleicht zwanzig Minuten, wir waren fast mit den Abendessen fertig da gesellte sich Tom zu uns in die Küche. Ich spürte Toms Anwesenheit, noch bevor ich ihn sah. Mein gesamter Körper war immer noch in höchster Alarmbereitschaft, und das Adrenalin, das durch meine Adern rauschte, ließ meine Sinne messerscharf werden. Als ich seine Stimme hörte, versteifte ich mich für den Bruchteil einer Sekunde, bevor ich mich mit einem entspannten Lächeln zu ihm umdrehte. "Oh, Tom! Du hast gerade das große Finale verpasst", sagte ich und hoffte inständig, dass meine Stimme nicht so zittrig klang, wie sich meine Knie anfühlten. Ich griff nach einem Geschirrtuch, einfach um meinen Händen eine Aufgabe zu geben, die nicht darin bestand, sich an Erinnerungen festzuklammern. "Die Fotos sind im Kasten. Kyle war... erstaunlich kooperativ heute. Ich glaube, die neue Melodie hat ihn richtig beflügelt. Wir haben wirklich ein paar starke, authentische Momente eingefangen." Ich trat einen Schritt aus der Küche heraus, um ein wenig Distanz zu Martha zu gewinnen, falls sie meinen erhöhten Puls riechen konnte. Als er nach seinen Bruder fragte, machte mein Herz einen gefährlichen Sprung und ich überspielte es mit einer beiläufigen Geste Richtung Treppe. "Er ist gerade nach oben verschwunden, um seine Noten wegzuräumen. Er wirkte ziemlich... konzentriert", log ich, während das Bild von Kyle, wie er mir gerade noch am Ohr geknabbert hatte, vor meinem inneren Auge aufblitzte. "Vor ungefähr 10 Minuten ist Mr. Miller Junior auf die Dachterrasse gegangen.", fügte Martha hinzu. Ich bemerkte, wie sie diskret anfing, den Tisch zu decken. "Bisher ist er nicht zurück gekommen. Aber vielleicht möchten Sie ihn ja holen. Das Essen ist gleich fertig." Ich nickte bedächtig ehe ich es mir wieder erlaubte, ihr zur Hand zu gehen. Eigentlich war ich recht dankbar über die Möglichkeit in Bewegung zu bleiben. Der große Holztisch war recht schnell gedeckt, und der Duft von Marthas Kochkunst legte sich wie eine friedliche Decke über die unterschwellige Elektrizität im Raum. Perfekt.
    • Tom

      Ich schätzte Grace wirklich sehr, doch mir entging nicht das sie beinahe über ihre eigenen Worte stolperte. Das Gefühl was ich seit ein paar Tagen in mir trug, bestätigte sich also. Irgendwas ist zwischen den beiden passiert, das konnte ich nun deutlich spüren. Ich behielt meine Vermutung jedoch für mich. Meine Hände wanderten in meine Anzugshose und ich ließ mich davon nicht aus der Ruhe bringen. „Das klingt doch super. Dann freue ich mich schon darauf die Ergebnisse später zu sehen.“
      Als Martha davon sprach das sie Kyle in Richtung Dachterrasse davon laufen sah, nickte ich nur. „In Ordnung. Dann werde ich ihn zum Essen holen.“ Ich lächelten beiden zu und machte auf den Absatz kehrt und ging den Weg nach oben.
      Mir schlug die angenehme warme Luft von L.A in mein Gesicht, als ich durch die Glastür nach draußen trat. Kyle stand an der Glaswand und zog an seiner Zigarette.
      Ich ging ein paar Schritte auf ihn zu. „Kyle?“

      __________________________________________

      Kyle

      Ein wenig konnte ich mich beruhigen und ich genoss die Ruhe hier oben sehr. Mein Blick schweifte gedankenverloren über die Lichter von L.A.
      Der Klang meines Namens durchbrach augenblicklich die Stille.
      Ich spürte den Blick von meinem Bruder auf meinem Rücken. Mein Körper zuckte zusammen und ich ließ fast die Zigarette zu Boden fallen. „Oh Tom hi.“ Ich drehte mich so lässig wie es nur ging zu ihm um. Auch wenn meine Beine sich noch immer wie Wackelpudding anfühlten.
      „Das Essen ist bald fertig“, sprach er mit dieser Ruhe in seiner Stimme zu mir, die mir eine Gänsehaut bereitete. Sein Blick fixierte meinen und es sah so aus als würde er etwas in meinem Gesicht versuchen zu lesen. Ich schluckte kurz. Atmen, einfach nur atmen. Er wird dir nichts anmerken
      „Ich wollte sowieso gleich wieder runter kommen. Aber danke fürs Bescheid sagen.“
      Ich zog nochmal an meiner Zigarette und drückte sie dann im Aschenbecher aus.
      Er sah mich immer noch an. „Grace hat mir gesagt das es mit dem Schreiben des Songs gut lief? Und die Fotos sollen auch gut sein.“
      Alleine ihr Name löste wieder so vieles in mir aus. Mein Mund stand für einen kurzen Augenblick offen, bevor ich ihn wieder schloss. Ich räusperte mich. „Jaa.. kann man so sagen.“ Er hob eine Augenbraue und musterte mich weiterhin. „Klingt ja nicht so begeistert aus deinem Mund.“ Er zog seine Hände aus den Taschen und verschränkte sie vor seiner Brust. „Ist etwas vorgefallen?“ Mein Körper versteifte sich und meine Hände wurden schwitzig. „Nein..“ Meine Stimme klang beinahe zittrig. Tom kam ein paar Schritte auf mich zu. „Wieso glaube ich dir das nicht?“ Er blieb vor mir stehen. Mist.. was soll ich jetzt sagen, ohne das ich mich verrate?
      Ich konnte ihn nicht in die Augen schauen, wich seinem Blick aus. Seine Hand legte er behutsam auf meine Schulter und zwang mich dazu ihn anzusehen. „Du weißt das du mir alles erzählen kannst.“ Ich sah in sein Gesicht. Natürlich wusste ich das, aber ich konnte ihm doch nicht erzählen das ich Grace vor ein paar Minuten geküsst hatte und ich nun auf Wolke sieben schwebte.
      „Ich… ich kann nicht.. noch nicht..“ Sein Blick wandelte sich schnell in Besorgnis um, aber er fasste sich schnell wieder. „Okay. Dann warte ich, bis du bereit bist.“
      Ich nickte fast automatisch. „Komm wir sollten zum Essen gehen.“ Tom schlang seinen Arm um mich und wir liefen nach unten. Ich war überhaupt nicht mehr bereit dafür Grace wieder gegenüber zu treten.
      Mein Mut hatte mich verlassen.
    • Grace

      Ich starrte so konzentriert auf den Strahl des Mineralwassers, als hinge mein Leben von der perfekten Füllhöhe der Gläser ab. In meinem Inneren tobte jedoch ein ganz anderer Kampf. Ein schlechtes Gewissen nagte an mir, fast so scharf wie die Zitrone auf der Zunge. Tom gegenüber so verschwiegen zu sein, fühlte sich wie ein kleiner Verrat an, besonders nach unserem Gespräch in der Krankenhaus-Cafeteria, in dem wir uns menschlich so viel nähergekommen waren.
      Doch was sollte ich sagen? 'Übrigens, Tom, wir haben nicht nur Musik gemacht, sondern auch die Professionalität im hohen Bogen aus dem Fenster geworfen?' Nein. Ich wusste nicht einmal, ob Kyle überhaupt bereit für die Konsequenzen war, die ein solches Geständnis mit sich brächte.
      Als ich die schweren Schritte auf der Treppe hörte, versteifte ich mich unmerklich. Kyle und Tom. Ich konzentrierte mich darauf, die Ablenkungsmanöver in meinem Kopf zu ordnen. Farrow Taylor für Tom, Geschichten über meine Familie für Martha... alles war besser, als das Risiko einzugehen, dass sie weiter in unserer dreckigen Wäsche wühlen.
      Martha stellte gerade die dampfenden Bruschetta in die Mitte des Tisches, als die Brüder den Raum betraten. Ich zwang mich zu einem kurzen Aufblicken, vermied es aber, Kyles Augen zu lange zu fixieren.
      "Ist noch irgendetwas zu tun?", fragte ich, während ich mich an meinen Platz setzte, doch die Unruhe trieb mich sofort wieder hoch. Martha kämpfte gerade damit, die massive, gusseiserne Pfanne mit dem toskanischen Hähnchen und dem cremigen Spinat aus dem Ofen zu wuchten. "Warten Sie, Martha! Lassen Sie mich helfen, bevor Sie sich noch verbrennen", rief ich und eilte zu ihr. Ich spürte die enorme Hitze, die aus dem Ofen schlug, und für einen Moment wusste ich nicht, ob es die Glut der Kohlen war oder die Resthitze in meinem eigenen Körper, die mich so atemlos machte. Vielleicht lag es ja an diesem Moment vorhin am Klavier, aber... es war hier drin einfach viel zu heiß geworden. Martha lachte nur leise und schob mich mit einer liebevollen, aber bestimmten Geste zurück. "Setz dich, Kindchen. Ich habe schon ganz andere Kaliber gestemmt, da haben Sie noch in Windeln gelegen. Ab an den Tisch mit Ihnen." Widerwillig gab ich nach und setzte mich endgültig. Mein Herz klopfte bis zum Hals, während ich spürte, wie Kyle sich auf seinen Platz sinken ließ. Ich begann leise zu essen, genau wie heute Morgen zum Frühstück mechanisch und mit gesenktem Blick, während ich versuchte, die Kontrolle über meine zitternden Hände und das brennende Geheimnis in meiner Brust zu behalten.
    • Benutzer online 44

      44 Besucher