Zwischen Bühne und Kontrolle [Maskenraich & Alea]

    • Zwischen Bühne und Kontrolle [Maskenraich & Alea]


      Drama | Romantik | Slice of Life | BL (Boys Love)

      Storyline:

      Ein aufstrebender Sänger steht kurz vor seinem großen Durchbruch. Sein neuer Manager ist ehrgeizig, professionell – und kontrollierend. Was als rein geschäftliche Beziehung beginnt, entwickelt sich zu einem intensiven Machtspiel zwischen Abhängigkeit, Vertrauen und unterdrückten Gefühlen.

      Die Charaktere:
      @Maskenraich = Elian Noir (Der Sänger)
      @Alea CroniX = Salem Myles (Der Manager)

      [Vorstellung]

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    • Der Konferenzraum fühlte sich falsch an. Zu glatt, zu still, zu geplant.
      Elian stand am Fenster und beobachtete, wie unten Menschen zwischen Cafés und Büros verschwanden, als hätten sie alle einen festen Takt, nachdem sie lebten. Er hatte nie nach Takt gelebt, er hatte nach Gefühl geschrieben. Nach dem Druck in seiner Brust, wenn Worte sich weigerten, unausgesprochen zu bleiben. Zwölf Songs, fünfzehn, wenn er die halbfertigen mitzählte. Unzählige Notizen in seinem Handy, Sprachmemos um drei Uhr morgens. Refrains, die ihn nicht schlafen ließen und jetzt sollte das alles ... eingeordnet werden. Er fuhr sich durch die Haare, atmete langsam aus.

      Genre. Alle wollten eine Genre. Eine Schublade. Ein Wort, das entschied, in welche Playlist man passte, welche Zielgruppe man ansprach, welche Zahlen realistisch waren. Aber was, wenn seine Songs nicht in eine Richtung zeigten? Was, wenn sie an einem Abend nach rohem Indie klangen und am nächsten nach verletzlichem R&B? Was, wenn er sich weigerte, sich kleiner zu machen, nur damit andere ihn leichter verkaufen konnten? Er hatte lange genug im Hintergrund gesungen. In Bars, die nach Bier rochen. Auf Bühnen, auf denen die Mikrofone knackten. Jetzt war da diese echte Chance. Showcases. Industriepublikum. Menschen, die entscheiden konnten, ob sein Name bald auf Plakaten stand oder wieder in Vergessenheit geriet. Er sollte aufgeregt sein, war er auch, aber unter der Vorfreude lag etwas anderes. Etwas, das sich wie ein leiser Widerstand anfühlte, wenn Erfolg bedeutete, sich formen zu lassen - wie viel von ihm selbst würde am Ende übrig bleiben? Elian löste sich vom Fenster und zog sein Handy hervor. Eine ungelesene Sprachnotiz, der Refrain von letzter Nacht. Er drückte nicht auf ''Play'', stattdessen flüsterte er in den stillen Raum ''Ich bin kein Genre.'' und zum ersten Mal klang der Satz nicht nur trotzig, sondern wie eine Warnung.

      Er ließ das Handy sinken und steckte es wieder ein. Nicht jetzt, wenn er den Refrain hörte, würde er anfangen zu zweifeln. Oder schlimmer, zu feilen. Auf den Tisch lag ein Notizblock, makellos weiß, daneben ein Stift, exakt parallel zur Kante ausgerichtet. Ordnung, Struktur, Planung. Elian setzte sich nicht. Er blieb stehen, als müsste er beweisen, dass er jederzeit wieder gehen konnte. Die ersten Auftritte, ausgewähltes Publikum. Menschen, die nicht klatschten, weil sie bewegt waren, sondern weil sie Potenzial witterten. Er kannte diese Blicke, prüfend - rechnend. Als würde hinter jeder gehobenen Augenbraue ein Taschenrechner klicken. Er atmete langsam ein, das hier war seine Chance. Aber Chancen hatten Bedingungen, das spürte er auf jeden Fall, auch wenn noch niemand sie ausgesprochen hatte. Er zog die Schultern gerade, strich unsichtbare Falten aus seiner Jacke, wenn sie Zahlen wollten, würde er ihnen seine Songs geben, wenn sie Konzepte wollten, würde er ihnen Emotionen geben. Nur eines würde er nicht liefern, eine Version von sich, die leichter zu verkaufen war als zu fühlen.

      Draußen hupte ein Auto und Schritte nährten sich den Flur. Elian hob den Blick zur Tür.
    • Salem schritt durch die Flure der Agentur, wie immer in einem schicken Anzug am Körper und mit einer doch recht teuren Armbanduhr am Handgelenk. Unter seinem Arm trug er eine Akte, die sich mit einem Newcomer und seiner Band befasste. Keiner seiner Kollegen konnte wirklich etwas mit dieser Musik anfangen. Niemand stritt ab, dass sie gut ist, gar sogar etwas Neues, das man so noch nicht gehört hat. Aber genau darin lag wohl das Problem der meisten. Doch Salem zögerte keinen Augenblick, als er die Band hörte, und wollte sie kennenlernen.
      Heute war es so weit. Wie viele von der Band da sein würden, wusste er nicht. Wichtig war ihm nur, dass jemand dabei ist, der auch Entscheidungsträger ist. Außerdem hatte er um ein paar Songs gebeten, damit er sich noch ein besseres Bild von der Musik machen konnte, ob sie wirklich so divers ist, dass man sie keiner Schublade zuordnen konnte.
      Salem selbst hatte auch einige Dokumente dabeim unter anderem Statistiken, welche Musik am meisten gehört wird und wie viele Newcomer wirklich den Durchbruch erzielen, und wie viele doch nur ein One-Hit-Wonder bleiben.

      Beim Besprechungsraum angekommen, öffnete der Schwarzhaarige die Türe schwungvoll und ließ sie direkt hinter sich wieder ins Schloss fallen. In dem großen Raum erblickte er nur eine Person, die er von den Videoaufnahmen als Sänger wiedererkannte.
      "Mister Noir. Schön, dass Sie es sich einrichten konnten." begrüßte der Manager den jungen Mann und trat direkt auf ihn zu, um ihm die Hand geben zu können.
      Diese mit einem kräftigen Händedruck geschüttelt, setzte sich Salem auch gleich hin und legte die Dokumente vor sich ab.
      "Wie ich sehe, sind Sie ganz alleine gekommen. Ich nehme also an, Sie sind Solo-Künstler?" stellte er auch direkt die erste wichtige Frage.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle
    • Elian nickte langsam, als Salem ihm die Hand entgegenstreckte, und erwiderte den kräftigen Händedruck mit einer selbstbewussten Ruhe, die gleichzeitig Respekt signalisierte. Ein leicht verschmitztes Lächeln huschte über sein Gesicht, als er die kurzen Formalitäten über sich ergehen ließ.
      ''Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, Mister Salem. Ich weiß, Ihr Kalender muss eher wie ein Schachbrett voller Termine aussehen – jede Bewegung wohlüberlegt, jeder Schritt geplant.''
      Er ließ seinen Blick durch den Raum schweifen, studierte die glänzenden Oberflächen, die sorgfältig aufgereihten Stühle und natürlich die Dokumente, die Salem vor sich ausgebreitet hatte. Als er sich schließlich auf den Stuhl gegenüber setzte, lehnte er sich einen Moment zurück, verschränkte die Hände auf dem Schoß und atmete tief durch, bevor er sprach.
      ''Ja, offiziell bin ich Solo-Künstler. Das mag auf den ersten Blick etwas einsam wirken, aber für mich bedeutet es Freiheit – die Freiheit, meine Musik genau so zu gestalten, wie ich es für richtig halte, ohne Kompromisse, die meine Vision verwässern könnten. Natürlich arbeite ich manchmal mit anderen Musikern zusammen, aber das sind stets bewusste Kollaborationen, bei denen jeder Beitrag meine Idee ergänzt, nicht ersetzt.''
      Er griff nach seinem Tablet, das neben ihm auf dem Tisch lag, und drehte es so, dass Salem einen Blick darauf werfen konnte. ''Ich habe die Songs, die Sie angefordert haben, mitgebracht. Sie spiegeln vielleicht ein wenig wider, was ich versuche zu tun: Musik zu schaffen, die nicht einfach nur gehört, sondern gefühlt wird. Ich bin mir bewusst, dass das schwierig sein kann in einer Welt, die Musik oft in Schubladen steckt – Pop, Rock, Indie, Jazz… manchmal scheinen diese Kategorien wichtiger zu sein als die Musik selbst.''
      Elian lehnte sich leicht nach vorn, seine Augen funkelten vor leiser Neugier und einem Hauch von Herausforderung. ''Ich bin gespannt auf Ihre Meinung, Mister Salem. Ich habe großen Respekt vor Ihrer Arbeit und weiß, dass Sie Trends und Zahlen im Blick haben. Aber für mich ist Musik nicht nur Statistik oder Marketing – sie ist Ausdruck, Experiment und, ja, auch Risiko. Vielleicht sind nicht alle Songs sofort erfolgreich, aber wenn sie nur ein Herz erreichen oder einen Moment schaffen, in dem jemand wirklich fühlt, dann hat alles seine Berechtigung.''
      Er ließ einen Moment Stille entstehen, als würde er die Wirkung seiner Worte abwarten, dann fügte er hinzu: ''Ich will nicht einfach nur einen Platz auf den Charts oder einen kurzfristigen Erfolg. Ich will eine Stimme haben, die bestehen kann, die etwas Neues wagt, die überrascht und bewegt. Und deshalb bin ich hier – um zu sehen, ob jemand wie Sie versteht, wohin ich will und bereit ist, diesen Weg mit mir zu betrachten.''

      Ein leichtes Lächeln erschien wieder auf seinen Lippen, diesmal voller Zuversicht. ''Also, Mister Salem… was denken Sie? Kann man sich auf diese Art von Musik einlassen, oder sollte man sie lieber ignorieren?''